Breaking: Ron Rivera wird aus dem Riverboat geworfen

Die Carolina Panthers haben vor ein paar Minuten Head Coach Ron Rivera entlassen.

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Carolina Panthers – Die Zutaten und das Rezept zum Glück

Die Geschichte der Carolina Panthers ist schnell erzählt: Die Franchise hat ihren 20ten Geburtstag gerade erst hinter sich und in der Zeit seither erst wenige echte Heldengeschichten geschrieben. Es ist eine Franchise aus der Retorte, die für viele Traditionalisten weniger eine Bereicherung als vielmehr ein neumodischer Dorn im Auge ist. Weiterlesen

Vorschau NFC Championship Game: Arizona Cardinals @ Carolina Panthers

Auf der AFC-Seite ist alles so wie immer: Tom Brady und Peyton Manning haben zusammen bereits 31 Playoffspiele gewonnen. Auf der NFC-Seite ist alles ungewohnt: Carson Palmer und Cam Newton haben gemeinsam drei Siege in den Playoffs. Erst wird der zehnte Auftritt für Manning oder Brady im Super Bowl, jeweils der erste für Palmer oder Newton.

[Vorschau auf das AFC Championship Game hier]

Wer gegen eine der beiden AFC-Legenden im Super Bowl antreten darf, wird um 02.40Uhr 00.40Uhr in Charlotte ausgespielt: Arizona Cardinals (14-3, #2 Seed) @ Carolina Panthers (16-1, #1 Seed), live und in Farbe bei FOX/NFL Gamepass, Sat.1/ran.de und PULS4. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Carolina Panthers

Letztes Jahr hat plötzlich alles geklickt in Carolina. Die Front-7 hatte die beste Zeit ihre Lebens; das power running game war erhofft powerful; und aus dem stockkonservativen Head Coach wurde über Nacht Riverboat Ron; auch deswegen gewannen die Panthers erstmals in der Ära Newton viele knappe Spiele.

Die Cardiac Cats gewannen einigermaßen überraschend die NFC South, scheiterten aber nach der bye week an ihrem Ebenbild aus der NFC West, den San Francisco 49ers. Spielerisch sind sich beide erstaunlich ähnlich: power running game mit dual threat quarterback plus eine aggressive Defense, die von der Front-7 getragen wird. Auf der Managementseite allerdings trennen die beiden Welten. Während San Frans GM Trent Baalke gerade die Lehrbücher für erfolgreiche Kaderplanung neu schreibt, hat Carolinas GM David Gettleman bei seinem Amtsantritt 2013 eine fürchterliche Situation vorgefunden, so stehen auch dieses Jahr noch $20M an dead money in den Büchern. Weiterlesen

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Carolina Panthers haben eine der besten Spielzeiten ihrer noch immer jungen Franchise-Geschichte hinter sich: 12-4 in der Regular Season dank des sehr gefeierten Head Coaches Ron Rivera, der seine Unterhosen herunterließ und als erster Coach der jüngeren NFL-Geschichte die Traute hatte, konsequent unkonventionelle, aber analytisch richtige in-Game Entscheidungen zu treffen – und gewann. Rivera machte vieles richtig, was er in der Vergangenheit falsch gemacht hatte.

Dann kam die Offseason. Carolina befindet sich auf schnurgeradem Weg in die „Cap-Hölle“, seit der mittlerweile gefeuerte GM Marty Hurney im Sommer 2011 meinte, einen Mannschaftskern aus Runningbacks alten Linebackers mit dutzenden Millionen zuschütten zu müssen. Weil Carolina sich mit massiven Spielerverträgen seinerzeit selbst knebelte, konnten die Panthers in dieser Offseason nicht bloß keine Schwachstellen beseitigen; sie waren sogar gezwungen, neue Schwachstellen aufzumachen.

Für den Rücktritt des langjährigen LT Jordan Gross konnte man nichts. Aber dass hernach weder versucht wurde, die Offense Line zusammenzuhalten noch ernsthaft versucht wurde, den ikonischen WR Steve Smith mit der Gehaltsstruktur in Einklang zu bringen, dass die Secondary noch weiter geschwächt wurde: Dafür trägt die Sportliche Leitung zumindest ansatzweise die Verantwortung.

Überblick 2013

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-2
Pythagorean   11.7     3
Power Ranking  0.624   8
Pass-Offense   6.0    18
Pass-Defense   5.5     6
Turnovers      +11

Management

Salary Cap 2014.

Carolina ist in der Offense auf einzelnen Positionen gesattelt. Der Center Kalil passt; das Backfield mit dem Kugelblitz Tolbert sowie den – wenn auch teuren – RBs Williams/Stewart/Barner passt. TE Olsen ist ein Mann, mit dem du arbeiten kannst. Und die wichtigste Personalie: QB Cameron Newton, der zwar seine schwächste Profisaison hinter sich hat (nur 6.0 NY/A Passspiel), aber weiterhin, trotz seiner manchmal nervenden Aussetzer, der zentrale Punkt des Angriffs ist. Newton hatte letztes Jahr Probleme mit einem Offensiv-System, das nicht um seine Stärken herum konzipiert war, sondern versucht, mit I-Formationen eine Art Power-Offense zu spielen. Ein Newton stünde mit seiner Beweglichkeit eher für einen offeneren Spread-Angriff, der die Breite des Spielfelds und das offene Spielfeld zu nutzen versucht.

Aber die Power-Offense funktionierte zumindest ansatzweise, weil Newton sich auf seine Notwaffe Smith verlassen konnte: Dieser alte Haudegen sah trotz aller Abgesänge wieder einmal 115 Anspiele und machte viele 3rd-Downs. Smith wurde vom neuen GM Gettleman nahezu ohne Umstände ziehen gelassen. Smith ist 35 und kein einfacher Mensch, so viel ist klar, und oft würde man eine Trennung in solchen Fällen gutheißen, aber Carolina ist eine Mannschaft, die neben Smith nicht einen einzigen Wide Receiver von NFL-Format aufweisen kann, nachdem auch LaFell, Ginn und Dixon ziehen gelassen wurden.

Carolina ist gezwungen, sich im Draft nicht bloß nach einem Left-Tackle umzusehen, nicht bloß noch zumindest einen Offense-Guard zu suchen, sondern Carolina muss händeringend Wide Receiver draften, nicht in einfacher oder zweifacher Ausführung, sondern am besten in dreifacher. Aktuell besteht der Depth-Chart aus einem bestenfalls #3-WR in Cotchery (kam aus Pittsburgh; ist mit mittlerweile 32 auch nicht mehr der jüngste), Underwood, King, McNutt und wie sie alle heißen – die meisten sind ungedraftete Leute ohne Erfahrung.

In der Defense können die Panthers auf eine großartige Front-Seven bauen: DE Greg Hardy (zuletzt 16 Sacks) konnte gehalten werden und wird auch eine Vertragsverlängerung bekommen; Hardys künftiger Vertrag dürfte allerdings auch einer der Gründe gewesen sein, wieso Carolina auf anderen Positionen seine Spieler so schmerzlos ziehen ließ (lassen musste?). DE Charles Johnson ist im Vergleich zu Hardy der blassere Spieler, aber eine gute Ergänzung als #2.

Die jungen DT Lotulelei und Kawann Short hatten jeweils den erhofften Impact auf die Panthers-Defense und dürften auf Jahre hinaus unumstritten sein, sofern sie sich nicht ärger verletzen. Dahinter steht mit dem aktuellen NFL-Abwehrspieler des Jahres #59 Luke Kuechly sowie #58 Thomas Davis eine Mauer an Linebackers. Aber wehe, da fällt mal einer dieser Schlüssespieler über längere Zeit aus…

Die großen Fragen beschränken sich in Carolina trotzdem auf die Secondary, aber dort sind sie dafür umso lauter. Es war in Carolina ja immer schon die Denke, dass man ein schwach besetztes Defensive Backfield mit einer dominanten Front-Seven kaschieren kann; so oder ähnlich praktizieren es die 49ers auch nicht ohne Erfolg seit Jahren… allerdings ließen die Panthers heuer von jenem mittelmäßigen Backfield auch noch die wenigen Stützen wie CB Munnerlyn, CB Florence, S Mitchell oder S Mikell ziehen. Alles für sich keine allzu schmerzhaften Abgänge, aber in der Summe und gepaart mit den Alternativen im Kader ist das schon ein heftiger Abfluss von Spielern, der schwer zu kompensieren ist.

Zumal ja – wie wir gesehen haben – durchaus in Offense Line und auf Wide Receiver noch ärgere Lücken bestehen. Carolina dürfte also in Sachen Secondary noch versuchen, zumindest akzeptable Routiniers via Transfermarkt zu bekommen um zumindest die ganz große Katastrophe – den Kollaps der Pass-Defense – zu verhindern.

Die Lücken in Carolina sind also recht simpel zu identifizieren:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Defensive Backfield

Es steht außer Frage, dass Carolina heuer relativ nahe an das Draften nach „Need“ kommen muss, und dass man zumindest zwei oder drei Talente finden muss, mit denen man per sofort etwas anfangen kann. Der/die neue/n Wide Receiver sollte im Idealfall ein vergleichsweise NFL-bereiter Spieler sein, auch wenn gerade die Historie zeigt, dass Receiver keine Position ist, auf der die Talente dazu tendieren, den Wechsel vom College zu den Profis schnell zu schaffen. Defensive Backfield übrigens noch weniger… aber nicht vergessen: Need-Draften ist das, was man in der NFL nur im äußersten Notfall machen sollte. Carolina 2014 hat Notfälle.

Tja. Carolina hatte eine der größten Mannschaften in den letzten zwei Jahren, aber man war aus diversen uns bekannten Gründen in den großen Medien verkannt. Jetzt droht erstmals in der Ära Ron Rivera/Cam Newton ein ernsthafter Rückfall. Du kannst Schwachstellen in der heutigen NFL kompensieren, aber du kannst kaum kompensieren, wenn du in den drei erörterten Schlüsselpositionen das Äquivalent von „nicht tauglich“ bzw. „komplett unerfahren“ als Optionen hast.

Vorglühen für Superbowl 2014

[22h35] Damit schließe ich das Vorglühen und wechsel gleich einen Stock tiefer, wo die Gäste schon eingetrudelt sind. In wenigen Minuten gibt es Mitternachtsweißwurst und die Öffnung des Liveblogs fürs Spiel.

[23h27] Wird das positive Bild von New Jersey doch noch getrübt? Die Überbringung von tausenden Fans aus Manhatten hinüber nach East Rutherford soll übelst schleppend vorangehen. Ein ärgerlicher Mob an Fans aus beiden Lagern soll sich gegen Jersey verschworen haben und der Wut via Sprechchören lauthals Luft machen.

Das Stadion ist entsprechend noch halb leer, aber die Fans, die dort sind, sollen in der überwiegenden Mehrheit dem Broncos-Lager angehören. Vermutlich wird sich die Aufregung aber bis Kickoff gelegt haben.

[23h10] Einige letzte Lesetipps als Vorbereitung für die Superbowl seien noch nachgeschoben:

  • Seattles „unsaubere“ Spielweise ist ein Mythos. Jason Lisk hat bei The Big Lead die Defense der Seahawks unter die Lupe genommen und unüberraschend herausgefunden, dass die Mär von der nur dank „Holding“ so dominanten Seahawks-Defense eben… eine Mär ist.
  • Better Days Ahead. Michael Tanier nimmt bei Sports on Earth die Zukunft der NFL unter die Lupe. Ein großartiges Stück, das ich einzig im Teil der PED (performance enhancing drugs) stark anzweifeln möchte. Aber auch hier: So viel man an Goodell kritisieren kann, alles zu kritisieren ist auch wieder ungerecht.
  • King Kalwa erklärt auf Deutsch für die FAZ das Phänomen Super Bowl.

[22h10] Das NFL-Network verbringt seine Zeit auch mit sinnvollen Dingen…

Warren Sapp und Michael Irvin mit der Frage der Fragen

Warren Sapp und Michael Irvin mit der Frage der Fragen

[21h52] Nachtrag zu Derrick Coleman, dem gehörgeschädigten Profi von heute in der Superbowl (siehe Post um 17h42): Der MDR resp. Heiko Oldörp hat ein kurzes Interview mit Coleman gefahren („die anderen hänselten ihn, aber Coleman tat das, was ihm am leichtesten fiel: Er hörte nicht hin“): Die Geschichte des gehörgeschädigten Profis Derrick Coleman.

[21h12] Der Filmschauspieler und Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman ist heute überraschend in New York gestorben. Hoffman ist aus Mathletics-Sicht interessant, weil er in der Verfilmung des Buchs Moneyball – The Art of Winning an Unfair Game (zu dem ich eine Recap in der Offseason schreiben werde, versprochen!) die Rolle des störrischen Managers der Oakland A’s, Art Howe, spielte:

[21h02] Kein Tippfehler beim NFL Network. Das war wirklich Brett Favre:

Rückschau: Superbowl 2004

[20h45] Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es nun her, dass John Fox schon einmal eine Mannschaft in der Superbowl angeführt hat: Es war am 3. Februar 2004 im Reliant Stadium von Houston, als Fox der Head Coach der Carolina Panthers war. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich die Superbowl wirklich live im TV verfolgte. In den Jahren zuvor hatte ich nur das Tape gesehen.

Die Panthers waren etwas, das ich heute als Freak-Team bezeichnen würde. Ich würde sie hassen, weil sie meine Advanced-Stats Berechnungen killen. Sie waren ein Team, zwei Jahre entfernt von einer 1-15 Saison. Sie hatten bestenfalls durchschnittliche Offense und bestenfalls unterdurchschnittliche Pass-Offense (deren QB-Coach übrigens: Mike McCoy). Sie konnten nur eines, und das war Defensive Line (das allerdings gewaltig). Es war ein Team, das foxiger war als alles, was John Fox jemals sonst produziert hat. Aber ich liebte dieses Team. 20 Saisonspiele, 14 Mal ein Ende innerhalb eines Scores, und fünfmal Overtime. Am Ende fehlte ein einziger Vinatieri-Kick, und sie hätten eine sechste Overtime erzwungen – diesmal in der Super Bowl.

Die Panthers hatten die beste Defensive Line, die ich bisher gesehen habe. DE Mike Rucker. DT Brentson Buckner. DT Kris Jenkins. DE Julius Peppers. Jenkins und Peppers in einer Defense Line: Besser geht es nicht. Und Defense Line war das einzige, was diese Jungs wirklich besser als der Durchschnitt konnten.

Es war keine Rabauken-Mannschaft. Es war schlicht disziplinierter Fox-Football. Turnovers vermeiden in der Offense. Dieser QB Jake Delhomme, der aus dem Nichts gekommen war, wurstelte sich mit gerade ausreichend Plays durch die Saison. Die Defense legte sich wie Mehltau über den Gegner, aber sie machte keine Fehler.

Das Team gewann irre Spiele. 16sek vor Schluss den Season-Opener. Im zweiten Spiel der Saison rettete ein geblockter PAT (!) gegen den Titelverteidiger Tampa Bay das Spiel in die Overtime (die Carolina gewann). Sie bezwangen die hoch favorisierten Rams in einem All-Time Klassiker in doppelter Overtime in deren Dome, nachdem sie das Powerhouse St Louis immer wieder in der RedZone bei Fieldgoals gehalten hatten. Sie schlugen auswärts die Eagles in einem Spiel, in dem du als neutraler Zuschauer depressiv wirst: 14-3 Endstand, eine Arena, so leblos wie der Zentralfriedhof in Außergrottenberg.

Und dann die Superbowl. Das Spiel der Spiele. Patriots vs Panthers ist bis heute eines der außergewöhnlichsten Sportspiele, die ich verfolgt habe. Ein Hängen und Würgen fast eine Halbzeit lang. Eine Punkteexplosion zur Pause. Ein punkteloses drittes Viertel, und dann ging es im Schlussviertel wie Kraut und Rüben zu. New England bekam am Ende den Ball an der eigenen 40, weil der Panthers-Kicker den Ball ins Aus geschossen hatte. Das half, und Brady orchestrierte die Offense ein letztes Mal zum last-Second Kick das Spielfeld runter. Vinatieri versenkte und wurde zur Legende.

Seither hoffe ich, dass Fox doch einmal eine Superbowl gewinnt – heute oder irgendwann. Es war ein derart begeisterndes Spiel, eine derart gut gecoachte Mannschaft, die zwei Meilen über ihrem Leistungsniveau spielte. Es war fantastisch, und ich hoffe, es wird heute, zehn Jahre danach, noch einmal fantastisch werden.

Die furchtlose Superbowl-Vorschau 2014

[18h45] Lass uns zur Glaskugel kommen. Herrmann lässt folgende Prognose ausrichten:

Ich sehe Seattle knapp vorne. Auf der defensive Seite haben sie das perfekte Peyton-Gegengift: sie können mit ihren vielen pass rusher auch ohne blitzes konstant Druck auf den Quarterback machen und tief nehmen Thomas/Sherman jedes big play weg. Offensiv brauchen sie unbedingt big plays. Mit einem Wilson, der manchmal sechs, sieben oder gar acht Sekunden rumläuft, bevor er wirklich alle pass rushers abgeschüttelt hat gegen die suspekte secondary Denvers sollten Seattle die big plays auch bekommen. Seattle mit ´nem TD, over/under Gesamtpunkte: 41.

Ein überraschend niedriges Over/Under von Herrmann. Seminole sieht es so:

Die Seahawks sind die bessere Mannschaft. Sie sind schneller, jünger, lauter: Sie haben eine in allen Facetten talentiertere Mannschaft. Und gewinnen werden die… Broncos, und zwar mit 23-20. Der Grund ist Peyton Manning. Er ist der beste Spieler am Platz und manchmal reicht es, den besten Spieler am Platz zu haben. Peyton hat einen Auftrag und er wird sich diese vielleicht letzte Chance seiner Karriere nicht entgehen lassen. Pete Carroll wird ihm alles entgegenwerfen was er hat, aber Peyton wird die richtigen Antworten finden und die GOAT Season abschließen. Glaube ich. Hoffe ich. Erwarte ich. Go Broncos.


Ich will mich nicht um eine kurze Einschätzung zu Super Bowl XLVIII drücken. Die ganz fetten Previews hat Alexander Herrmann schon am Freitag und Samstag abgearbeitet, und ich habe glaube ich das meiste, was ich von Denver Broncos vs Seattle Seahawks erwarte, schon im Verlauf der kompletten Saison geschrieben. Vor allem das Matchup der Broncos-Offense gegen die Seahawks-Defense verdient alle Superlative, die es bekommt und von denen wir schon gar nichts mehr hören können, weil wir schon im September dazu tendieren alles hochzujazzen, als wäre es das Größte seit Erfindung der Weißwurst.

Es ist schlicht eines der besten Matchups aller Zeiten, das dieser Sport jemals gesehen hat. Von daher bin ich doch noch fast „froh“, dass wir dieses Matchup nicht für ein Schneetreiben vergeuden, so schön der Schneefall gewesen wäre. Aber gut. Anbei noch einmal die Tabelle mit den Effizienz-Stats, die ich schon im Power-Ranking letzte Woche gepostet habe:

Profile der Superbowl-Teams 2014

Profile der Superbowl-Teams 2014 (zur Vergrößerung klick mich)

Es ist schlicht und einfach nicht möglich, einen klaren Favoriten ausfindig zu machen. Die amerikanischen Sportwetter haben ihr Statement abgegeben, und es fiel pro Broncos aus: Obwohl Las Vegas mit minimalem Favoritenstatus pro Seattle eröffnete, wanderte die Line unter der Woche ganz langsam gen Denver. Das überrascht mich. Wenn man sich die Previews der hier bekannten US-„Mathleten“ ansieht, sehen sie alle ganz, ganz leicht die Seahawks vorn.

Ich auch. Die Gründe:

Das Matchup zwischen Peyton Manning und der Legion of Boom ist ein sehr transparentes. Peyton macht recht wenig Überraschendes; Seattle macht recht wenig Überraschendes. Das sind keine extrem komplexen Units, sondern zwei Mannschaftsteile, die auf punktgenaue Ausführungsqualität setzen. Jeder weiß, was Peyton Manning macht, aber keiner kann Manning stoppen.

Mannings größte Stärke: Er „manipuliert“ die Safetys, wie die Amerikaner so schön zu sagen pflegen. Insofern wird es heute in allererster Linie das Duell zwischen Manning und dem besten Safety der NFL, #29 Earl Thomas, werden. Das wird das alles dominierende Matchup, nicht WR #88 Thomas gegen CB #25 Sherman.

Auf Empfehlung des großartigen Grantland-Podcasts habe ich mir heute noch einmal ein bissl die Seahawks reingezogen: Sie spielen eine eigenartige Variation der Cover-3 Defense, mit einem Safety Chancellor, der sehr hoch steht, und einem Free Safety Thomas, der im prinzipiell zwei Routen zugleich killt: Seam-Routen und Fade-Route. Das sind die beiden Routen, die in der Cover-3 Defense die anfälligsten sind. Thomas gilt als gut genug, die beiden Routen mit seinem Speed zu verteidigen. Das spart den Seahawks einen ganzen Spieler, und deswegen sind die Seahawks auf „außen“ fast nur tief zu bezwingen. Und das bedeutet: Pässe gegen die Deckungen von Sherman und Jeremy Lane. Ich würde nicht drauf wetten, dass Manning gegen den variationsreichen und tief besetzten Passrush der Seahawks konstant diese Zeit bekommt.

Denver wird vieles versuchen, um #88 Thomas von Sherman wegzuziehen. Es wird ihnen manchmal gelingen, denn Sherman gilt eher als Spieler, der sich auf eine Spielfeldseite zu konzentrieren hat. Aber wen „opfert“ man dann? Decker? Welker? TE Julius Thomas? Das wird zu beachten sein.

Und noch einer: Seattles tiefe Zonen in der Spielfeldmitte dürften für Denver tote Zonen sein; Seattle sah, wie ich unter der Woche las, dieses Jahr acht (!) tiefe Passversuche über die Spielfeldmitte. Nicht „Completions“. Versuche. Im Jahr davor waren es deren 15. Wer war nochmal der beste Safety der Liga?

Auf der anderen Seite wird es spannend zu sehen, wie Seattle versuchen wird, eine zeitfressende Offense auf das Feld zu schicken. In den letzten Wochen mutierten die Hawks immer mehr in Richtung boom or bust Offense: Das Laufspiel sieht über RB Lynch, der mit seinen Dreadlocks immer kämpft wie ein Löwe, immer sehr herzhaft aus, aber überragend effizient ist es nicht – und Denver kann in der Defense eines: Laufspiel abwürgen. DT Knighton („Pot Roast“) ist sicher der Ankermann, aber es braucht nicht einmal einen überragenden Knighton: Das ist eine Defense Line von John Fox; alle Defensive Lines des John Fox sind diszipliniert und vom Laufspiel nicht konstant zu bezwingen – auch nicht, wenn mit Von Miller, Derek Wolfe und Kevin Vickerson drei wichtige Starter fehlen werden.

Das ist das Eine. Das andere ist die von vielen als Schwachstelle ausgemacht Left Guard-Position der Seahawks. Ich bin skeptisch, ob es ein beast mode Spiel wird.

Zum Passspiel. Auch wenn Russell Wilson nicht mehr der ganz große Burner des letzten Jahres und der ersten Saisonhälfte ist, er kann an einem guten Tag jede mittelprächtige Defense schlagen.

Und so brauchbar Denvers Lauf-Defense sein wird, ich fürchte, die Broncos haben nicht genügend Waffen im Passrush um Wilson schnell genug unter Druck zu setzen. Sie haben einen RE Shaun Phillips, und auf der anderen Seite? Ein Rob Ayers? Mincey? Ist irgend einer dieser Jungs schnell genug durch um Wilson unter Druck zu setzen? Ist irgendeiner diszipliniert genug um Russell Wilson nicht losscrambeln zu lassen? Kannst du wirklich einem LB Trevathan (der 4-3 OLB in Denver) die Aufgabe des Spys zuteilen? Viele Fragen, keine überzeugenden Antworten.

Wo ich weniger Sorge habe: Das Defensive Backfield. CB Bailey und CB Rodgers-Cromartie dürften durchaus die Qualität haben um die guten, aber nicht großartigen Wide Receivers der Seahawks – Tate und Baldwin – zu kontrollieren. Aber was ist mit dem X-Faktor: Percy Harvin. Wie fit Harvin ist, weiß niemand.

Welche Pläne OffCoord Quinn mit Harvin hat, ist auch nur vage bekannt. Ich erwarte, dass Quinn analog dem Saints-Spiel sehr schnell versuchen wird, Harvin in Szene zu setzen. Schon allein Harvins Präsenz ist wichtig: Er wird Denvers Defense-Pläne beeinflussen. Und ein Harvin als Kickreturner gegen die üble Kick-Coverage der Broncos? Mismatch hoch drei. (Denvers K Prater hat mit die wenigsten Touchbacks in der Liga)

Und dann kommen die Refs. Terry McAuley ist der Head-Ref, und McAuley hatte schon vor acht oder neun Jahren in der Superbowl zwischen Patriots und Eagles eine bestenfalls durchschnittliche Vorstellung. Denver und Seattle sind die beiden Teams, die mehr Strafen kassieren als alle anderen NFL-Teams. Wie schnell die Refs Kontrolle über das Spiel kriegen, wird wichtig für den Spielverlauf. Wie viel sie im späteren Spielverlauf an Körperkontakt durchgehen lassen, wird möglicherweise mit entscheidend – in die eine oder andere Richtung.

Je länger ich schreibe und darüber nachdenke, desto mehr komme ich zur Überzeugung, dass ich die Seattle Seahawks zurecht schon die ganze Zeit vorne sehe. Es ist kein großer Vorteil; es ist schlicht gefühlt in mehreren Phasen des Spiels ein leichter Vorteil. Denver hat Peyton Manning. Seattle hat ein das bessere, tiefere Gesamtpaket.

Manning kann die Seahawks schlagen, keine Frage. Aber er wird ein extrem gutes Spiel nahe der Perfektion brauchen. John Fox wird seine konservative Ader in der RedZone aufgeben müssen und möglicherweise anstelle von FieldGoals auf Touchdowns gehen (da habe ich echt Angst um Denver) – die RedZone-Units von Denver und Seattle gehören jeweils zu den allerbesten.

All in all: Seattle ist mein leichter Favorit in einem Spiel, in dem ich absolut keine Ahnung habe, wem ich die Daumen drücken werde.

Die Charaktere der Super Bowl 2014

[17h42] Es wird Zeit, auch auf eine weitere sehr bemerkenswerte Geschichte hinzuweisen: Derrick Coleman, Backup-RB bei den Seattle Seahawks, der sich als fast tauber Spieler durchgebissen hat. Coleman hatte schon beim Media-Day einen Auftritt, der die Journaille hellauf begeisterte. Sein Werbe-Video für Duracell hat bereits Legendenstatus:

Jürgen „King“ Kalwa hat für die FAZ schon nach dem Conference-Finale in gewohnter Weise über Derrick Coleman geschrieben.

[17h00] Alle Jahre wieder einer meiner Lieblings-Artikel über die Super Bowl und ihre Protagonisten: A Super Bowl Preview for people who don’t know football von The Rumpus. Heuer in der Verlosung:

Richard Sherman – as expected.

In 2014, Richard Sherman has made himself known, and we should be thankful for this. His story is a quintessentially American one; it’s banal and heartbreaking to say it couldn’t have happened in any other place or time, but some of what sets Richard apart in his rags-to-riches trajectory is how deeply he wants to be representative of a much larger group of men and women like himself. He is not, as they say, simply along for the ride.

Sherman hat mittlerweile Marshawn Lynch als “Gesicht der Seahawks” abgelöst und ist spätestens seit seiner Pöbelei gegen Michael Crabtree nach dem NFC Championship Game zu einer der ganz heißen Storys der NFL geworden. Der Artikel beschreibt Sherman und seinen Weg von Compton/Los Angeles hoch an die renommierte Stanford University und weiter – allen Anfeindungen seines dortigen Head Coaches Jim Harbaugh (!) zum Trotz – zu den Seattle Seahawks. Sherman, ich betone es noch einmal, gilt als intelligenter Knabe. Er schreibt zum Beispiel bei Sports Illustrated eine Kolumne, die viele „Journalisten“ in den Schatten stellt.

Demariyus Thomas (“The Quiet Man”)

On March 15th, 1999, Demaryius and his family were asleep in their home in Montrose, Georgia, when police officers pounded on their door.

“I got up out of bed and heard a loud noise,” Demaryius told ESPN. “Somebody kicking down the door. I’m just scared at that moment, I didn’t know what to do. I see my mom on the bed, handcuffs behind her back.” Demaryius’ mother, Katina Smith, and grandmother, Minnie Pearl Thomas, had been arrested for manufacture and distribution of cocaine.

The Rumpus erzählt eine Geschichte, die ich noch nicht kannte: Demariyus Thomas wuchs quasi als Waisenkind auf, nachdem seine Mutter und Oma wegen Drogendealerei zu jeweils extrem langen Gefängnisstrafen verurteilt wurden.

Eric Decker (“The Celebrity”)

Before Eric appeared on the national stage, the most famous thing about Cold Spring may, sadly, be a 2003 shooting at the high school when two students were killed by a 15-year old classmate. Eric was a junior at the time; he knew each of the victims.

Eric avoided the line of fire by hiding in a closet for 45 minutes with several classmates. “Every girl was crying, every guy was trying to stay calm, and when they came and got us, we had to go across the street to the elementary school with our hands up,” Eric told the Denver Post. “That moment, you’ll never forget. It changes your life in a second.”

Decker wurde als Schüler Zeuge eines Amoklaufs an der Schule, bei dem zwei Freunde erschossen wurden.

Russell Wilson (“The Underdog”)

This means that dozens of backup quarterbacks—guys who wander around on the sidelines with a clipboard and a cute stocking cap every Sunday—make more than Russell. The Minnesota Vikings, a team that won five games in 2013, have three quarterbacks on their roster who each made at least double Russell’s salary and had the temerity to cash the checks.

There’s a correlation between Russell’s modest height and modest paychecks. NFL teams want a 5’10” quarterback about as much as Emeril Lagasse wants Flamin’ Hot Cheetos in his gumbo. The knocks are familiar: too fragile, too scrawny, and too short to see over those giant offensive linemen. The last time a 5’10” quarterback even threw as many as 20 touchdowns occurred when Doug “Flutie Flakes” Flutie did it, back when Marcy Playground was tearing up the charts.

Russell Wilson war schon immer ein Mann, der gegen Vorurteile ankämpfen musste. Und dann starb sein Vater und Förderer vor seinen Augen an einem Herzinfarkt…

Peyton Manning („The Auteur“)

The dry, affable everyman he tends to portray off the gridiron belies the fact that Peyton is a phenomenally intense guy who, by his own deliberate design, has become the greatest quarterback of his generation. If Tom Brady is the George Clooney of the NFL (looks, charm, specific skill set) and Tony Romo is the Johnny Depp (underrated risk-taker who often makes disappointing choices) then it’s tempting to call Peyton the Tom Hanks or Daniel Day-Lewis. Yet, that is not the case; what Peyton does is so cosmically innovative that there is no modern-day equivalent. He’s the NFL’s Buster Keaton.

Wie gesagt, es ist jedes Jahr einer der Artikel, auf die ich im Vorfeld der Super Bowl am sehnsüchtigsten warte, und auch dieses Mal hat die Vorschau für Leute, die kein Football kennen, nicht enttäuscht.

Sideline Reporter Drinking Game 2014

[15h58] Das offizielle Drinking Game von Sideline Reporter sei auch wieder angeführt. Nachdem ich letztes Jahr Beschwerden ob Anstiftung zu Alkoholismus bekam, sei das Drinking Game dieses Jahr auf Bier und Shots reduziert. Für Bier empfehle ich Maxlrainer („unsereiner trinkt Maxlrainer“), für Shots geht alles gut, aber in Ehren eines Studienkameraden bleibe ich diesmal beim Obstler.

Ein Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator „Superbowl 48“ (in Worten: Superbowl achtundvierzig) sagt
  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman seine Superbowl-Ringe in die Kamera hält.
  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman „you know, Joe“ sagt
  • Für jede Einblendung von John Elway
  • Für jede Einblendung von Richard Shermans Rant
  • Für jede Einblendung eines kaugummikauenden John Fox
  • Für jede Einblendung eines kaugummikauenden Pete Carroll
  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning und kaltes Wetter in einem Satz erwähnt werden.
  • Für jede Erwähnung von „New Jersey“
  • Jedes Mal, wenn Joe Buck „Peyton’s legacy“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Eli Manning und „ein Superbowl-Ring mehr als Peyton“ erwähnt wird
  • Für jede Erwähnung von Seattles „12th man“
  • Für jede Einblendung von Eli Manning

Zwei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Troy Aikman „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Frank Buschmann „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn ein Kommentator das kalte Wetter erwähnt
  • Jedes Mal, wenn Richard Sherman und Stanford in einem Satz erwähnt werden.
  • Jedes Mal, wenn Marshawn „Beast Mode“ wird
  • Für jede Erwähnung von Bruno Mars

Drei Schluck Bier

  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Momentum“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Joe Montana ist der beste QB aller Zeiten“ sagt
  • Jedes Mal, wenn Jan Stecker „Peyton Manning braucht den zweiten Ring um zu den fünf besten QBs ever zu gehören“ sagt
  • Wenn Richard Sherman nach Spielende von Erin Andrews interviewt wird.

Ein Shot

  • Für Münzwurf HEADS
  • Für Münzwurf TAILS
  • Für jeden Turnover
  • Für jeden Punt
  • Für jeden Pass-Touchdown Peyton Mannings
  • Für jede Interception Richard Shermans
  • Für jeden Sack gegen Peyton Manning
  • Für jeden Wilson-Lauf bei der „read-option“
  • Für jedes verkickte Field Goal
  • Für jede gelbe Flagge
  • Wenn die Seahawks gewinnen.
  • Wenn die Broncos gewinnen.
  • Für die erste Overtime
  • Wenn ein QB MVP wird

Zwei Shots

  • Wenn die Hymne über 100 Sekunden dauert
  • Jedes Mal, wenn Pete Carrolls Vergangenheit bei den Jets erwähnt wird
  • Jedes Mal, wenn Matt Praters Rekord-Kick eingeblendet wird
  • Für jedes three and out der Broncos-Offense
  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning „Omaha“ audibled
  • Für jedes Personal-Foul
  • Für jeden Wes-Welker Drop.
  • Für jeden Zentimeter Schneefall.
  • Für die zweite Overtime
  • Wenn kein QB MVP wird

Drei Shots

  • Für die dritte Overtime
  • Für jede Einblendung von Skittles
  • Wenn dich deine Mitgucker fragen, was Bruno Mars ist

Vier Shots

  • Jedes Mal, wenn Peyton Manning „Heidi“ audibled

Schnapsflasche auf Ex

  • Wenn der Extrapunkt im Schnee stecken bleibt

Prost.

Superbowl-Commercials

[15h41] Keine zwei Monate Ruhe vor Tebow. Tebow wird heute einen spektakulären Superbowl-Werbeclip haben, in dem er für T-Mobile wirbt („Everyone thinks I want a contract, but without one, I’ve done so much this year“) – zu sehen bei Youtube. Der Mann ist echt besser dran als Pundit als wenn er sich als Karikatur seiner selbst bei den Backups im Roster rumschlägt. Werbestar auf ewig.

[15h00] Die Superbowl dürfte eines der wenigen Events sein, bei denen sich die Zuschauer bemühen, auch die Werbespots mitansehen zu dürfen. Sie gehören zu den Highlights der TV-Übertragung. Sie spülen dem übertragenden Sender (heuer FOX) in den Staaten Moneten in Rekordhöhen in die Taschen. In diesem Jahr soll FOX pro 30 Sekunden Werbeplatz rund 4 Mio. Dollar kassieren.

Für so viel Geld sind natürlich so gute Werbespots notwendig. Viele der großen amerikanischen Konzerne drehen extra für die Super Bowl ihre besten Spots und präsentieren sie dort dem größten Publikum (rund 100 Mio. sehen sich die Super Bowl in den Vereinigten Staaten im Schnitt über die Sendezeit an!).

Einer meiner großen Favoriten ist auch nach über zehn Ausgaben immer noch der Budweiser-Clip nach 9/11, bei allem Pathos-Gehabe. Kein besserer Weg um die Folgen eines Anschlags mit einem Schluck Bier runterzusaufen. Budweiser lässt auch diesmal nicht von seinen Clydesdalern los, aber der Star eines der diesjährigen Budweiser-Commercials ist ein anderer Knabe:

Der Clip ist seit Mittwoch online und schon mit über 32 Millionen Klicks versehen. Budweiser hat auch einen Clip der Güteklasse „Hero’s Return“ für dieses Jahr, mit einem strahlenden Army-Soldaten, der von den Rössern durch einen Festzug in der Stadt getragen wird… naja.

Einige der Superbowl-Clips von 2014 hat Forbes schon einmal vorab zum Anschauen parat.

New York vs New Jersey

[14h27] Bestimm kennen viele Leser New York City besser als ich, deswegen auch keine detailliertere Einführung in diese Megastadt. Alles, was es superbowl-mäßig zu sagen gibt, ist die schwierige Vorstellung, dass der zur Superbowl-Meile umfunktionierte Time-Square am Broadway in diesen Tagen noch chaotischer aussieht als normalerweise gewohnt:

Der Time-Square

Der Time-Square

Da kriegst du selbst als junger Hüpfer Epilepsieanfälle, aber es gilt wie immer der alte Spruch von der Kellys School of Business: Marketing is the mother of all sciences. Insofern kann man die Minuten des Anblicks des Time-Squares nur genießen und hoffen, danach noch geradeaus und nicht im Kreuz zu sehen.

New York ist der Partyteil der Superbowl 48. Hier treffen sich die wichtigen Promis und die Katzenbergers der USA um zu feten. Der sportliche Teil wird über dem Fluss in New Jersey abgewickelt, vom Spiel über die ganze Vorbereitung vor der Woche: Media-Day war in Jersey, die Teams trainierten in Jersey, Spiel und Tailgating-Partys finden in Jersey, dem Garden State, statt. Viele der von mir gelesenen US-Schreiber wie Mike Tanier oder Will Leitch haben im direkten Vergleich dem „Jersey“-Teil der Superbowl einen deutlichen Vorteil gegenüber dem „Broadway“-Teil der Superbowl gegeben.

Mike Tanier schreibt in seinem Blog zum Beispiel:

This has been a New Jersey Super Bowl week with an Empire State Building photobomb. New Jersey has been making all of the effort so New York can strut in and hog all the credit. New Jersey has embraced the Super Bowl. New York swallowed it whole and did not even burp.

The game, of course, is in East Rutherford, N.J. Media Day was in Newark, N.J. Most of the team interviews have taken place in Jersey City, N.J. Both teams practiced in New Jersey facilities.

What did New York do? It broadcasted, like it always does. It hosted expensive parties and feasted on tourist dollars, like it always does. And it provided hotel space, a wonderful thing when you dash off to Manhattan to catch Book of Mormon or do other touristy stuff, but a terrible thing when all the real work is being done in New Jersey. Enjoy the New York-New Jersey commute, exactly backwards of the way otherwise sane people do it, two or three times daily!

Leitch schreibt in seiner Kolumne diese Woche:

Here’s a pretty safe prediction: This will be the last Super Bowl they ever have in New York/New Jersey.

Super Bowl Week, so far, has not been poorly run. The weather is cooperating; it’s even supposed to be sorta warm on Sunday. The Sheraton Times Square hotel has served as an efficient, well-located media hub; Radio Row is the madhouse it always is, but not in any particularly unusual way. Volunteers are helpful, transportation is reliable and all schedules are being vigorously adhered to. It’s all working out. It’s not Atlanta, it’s not Jacksonville, it’s not Detroit. Everything is going fine.

But this will be the last Super Bowl they ever have in New York/New Jersey for one reason: No one in New York seems to notice the Super Bowl is even happening.

Vielleicht ist es nicht so extrem wie Leitch es andeutet. Immerhin wurde der Nabel von Manhattan, der Broadway/Time-Square, zeitweise umfunktioniert, aber im Vergleich zu anderen Städten sieht die Super Bowl trotzdem wie ein relativ marginales Element aus.

Das hört sich alles nicht nach Traumehe “New York und Super Bowl” an. Wie wohl die NFL darüber denkt, dass ihr absolutes Ausnahmeprodukt – die Super Bowl – in der aufregendsten Stadt vergleichsweise untergeht? Verschluckt wird von diesem Moloch mit seinen fünf Stadtbezirken, tausend Kulturen und nochmal hoch tausend Menschen? Die Traumehe „New York und Super Bowl“ scheint das Experiment auf alle Fälle wert gewesen zu sein, und sei es bloß, dass wir nun die Grenzen des Events „Super Bowl“ kennen.

Das MetLife Stadium

[12h17] Super Bowl 48 findet im MetLife Stadium in East Rutherford im Bundesstaat New Jersey statt. Das Stadion selbst ist einer der Hauptgründe, weswegen das Endspiel überhaupt zum ersten Mal seit der „vor-Superbowl“ Ära im Großraum New York stattfindet, da die NFL wie gesagt das Versprechen der Superbowl-Vergabe abgab.

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 - Bild:Wikipedia

Das Stadion kurz vor der Vollendung 2010 – Bild:Wikipedia

Das MetLife Stadium ist eines der teuersten Stadien der Welt mit einem geschätzten Baupreis von runden 1,6 Milliarden Dollar. Und das, obwohl sowohl Jets als auch Giants bei der Entscheidung darauf verzichteten, ein Dach über den Kopf zu bauen – zu teuer. Somit ist MetLife Stadium der einzige der in den letzten Jahren neu erbauten NFL-Tempel, der noch ganz klassisch im alten US-Way gebaut ist: Riesige Tribünenränge, aber open air.

Das Stadion steht draußen vor den Toren von Newark/NJ und Manhatten/NY, und es ist umgeben von einer seelenlosen Beton- und Asphaltlandschaft. Runde 27.000 Parkplätze soll es um die Arena herum geben, was sensationell für eine Tailgating-Fete im September sein dürfte, aber viel mehr kannst halt sonst nicht machen. Restaurants, Shopping-Malls in erreichbarer Weite zu Fuß? Fehlanzeige. Nur Beton, Highways und über dir pausenlos startende Flugzeuge vom nahe gelegenen Flughafen in Newark.

Auch innen ist die Arena relativ stark in Grau gehalten, denn Grau ist die neutrale Farbe zwischen den blauen Giants und den grünen Jets, die sich die Arena teilen. Das gibt dem leeren Stadion einen recht trostlosen Eindruck. Allerdings gilt das MetLife Stadium auch als eine Arena, bei dessen Planung man sehr darauf bedacht war, jeden Sitzplatz so zu halten, dass er optimale Sicht auf das Spielfeld gibt. Und das trotz der gigantischen Dimensionen dieses Stadions: Man könnte das Giants-Stadium, das früher nebenan stand und 78.000 Leuten Platz bot, komplett in den Innenraum des Metlife Stadiums stellen, und es hätte locker Platz!

Ein Clou am MetLife Stadium ist neben den gigantischen HD-Videoboards im Innenraum auch die Beleuchtung der Außenfassade, die nach dem Vorbild der Allianz Arena gemacht ist: Leuchtpaneele hinter der Aluminiumfassade können das Stadion nach außen je nach Heimspielmannschaft entweder in Blau oder in Grün hüllen.

Noch eine Parallele zum Münchner Stadion: Die Allianz-Gruppe wollte sich die Namensrechte kaufen. Der Versuch scheiterte allerdings, denn die jüdische Gemeinde kam mit ihrem Argument, die Allianz habe zwielichtige Rollen im Dritten Reich gespielt, durch. So kam MetLife zum Zug um sich die Rechte an dieser riesigen 82.000er-Schüssel zu kaufen.

Etwas, das alle dem Stadion bescheinigen: Es ist ein Vorreiter in umweltfreundlichem Bauen. Für ein Land wie die Vereinigten Staaten, in denen Energie sparen noch ein recht zartes Pflänzchen im Wortschatz ist, verbraucht das Stadion relativ wenig Energie (z.B. 30% weniger als das alte Giants-Stadium, das nur halb so groß in den Dimensionen war). Rund um die Arena gibt es haufenweise Solarpaneele, und Recycling wurde schon bei der Planung groß geschrieben.

Und noch etwas: Das MetLife Stadium ist als Footballarena gebaut und wird als solche genutzt. Es unterscheidet sich damit in angenehmer Weise von Vergnügungstempeln wie Arlington/Dallas, sagen die Befürworter. Die Gegner sehen hier eher ein langweiliges, ohne besondere Liebe gebautes, Stadion, das halt gute Sicht aufs Spiel bietet (das ist eh nicht wichtig!). Nachfolgend noch eine kurze Bilderserie vom Blogleser Mike, der ein Jets-Heimspiel besuchte:

Hard Count Podcast

[11h24] Mit Freuden vernehme ich, dass der Hardcount Podcast pünktlich zur Super Bowl ein Comeback feiert: Die Ausgabe #23 beschäftigt sich mit den Coach-Wechseln, Geschichten rund um die Super Bowl, und einer Analyse des Endspiels. Ich hatte noch nicht die Zeit, ihn mir anzuhören, aber hier schon einmal der Verweis auf den Podcast:

Ich halte diesen Podcast für einen sehr, sehr guten, den man sich anhören sollte, wenn man sich näher mit der NFL beschäftigt.

Hall of Fame Class 2014

[10h33] Damit zur Wahl der Hall of Fame-Klasse von 2014. Heuer wurden sieben neue Mitglieder aufgenommen. Es ist eine Klasse ohne die ganz großen Weltstars, unter anderem auch weil keine Quarterbacks dabei sind, aber das heißt nicht, dass sie ganz ohne Kontroverse abgelaufen ist.

  • DE Michael Strahan gilt als größter Star der Klasse 2014. Strahan ist in den Staaten bekannt als die „große Zahnlücke“ und es ist unschwer zu erkennen, warum. Strahan spielte 15 Jahre lang bei den Giants und war siebenmal Pro Bowler, viermal All-Pro und einmal Defensivspieler des Jahres. Er brachte 142 Sacks zustande. Strahan ist auch deswegen bekannt, weil er den Rekord für die meisten Sacks in einer Saison hält: 22.5. Es ist ein Rekord, der als umstritten gilt, da Strahan im allerletzten Spiel der Saison einen Sack von Brett Favre „geschenkt“ bekommen haben soll. Das Video des Sacks gibt es bei Youtube. Dieser Sack ist eienr der Gründe, weswegen Strahan komischerweise kritisiert wird: Er sei des Rekords nicht würdig.
    Strahans letztes Spiel seiner Karriere war die Super Bowl XLII, das gigantische Upset der Giants gegen die Patriots. Es war eine Saison, vor der Strahan eigentlich schon hatte zurücktreten wollen. Er entschied sich zu bleiben, die Giants rauften sich nach anfänglichen Zuständen wie in einem Tollhaus doch noch zusammen und Strahan wanderte mit Ring in den Ruhestand. Heute ist er Studiopundit bei FOX.
  • OLB Derrick Brooks. Wenn Strahan auch aufgrund seiner medialen Persönlichkeit der bekanntere Name ist, so ist Derrick Brooks mit Sicherheit der Spieler, der als Spieler die größere Stempelmarke hinterließ. Brooks war der OLB, der das Funktionieren der „Tampa-2 Defense“ ermöglichte. Die Tampa 2 ist eine leicht abgewandelte Form der Cover-2 Defense, und sie gab noch mehr Verantwortung in die Hände des OLBs. Sie konnte nur mit einem untersetzten, flinken Linebacker funktionieren – einem Linebacker wie Brooks, der in dem Spielsystem der Tampa Bay Buccaneers zum Giganten wurde. Die Buccs-Defense um die Jahrtausendwende galt nicht als eine der rohen Gewalt, sondern als eine, die sich über Speed definierte – und sie war in der Version 2002 die letzte, die so stark dominierte wie Seattle dieses Jahr.
    Brooks war in jenem 2002 der Defensivspieler des Jahres. Die Buccaneers gewannen die Superbowl, und sie gewannen sie mit Stil: Ein kompletter Abschuss der Oakland Raiders, samt 3 TD-Returns aus Interceptions. Die letzte davon machte Derrick Brooks.
  • Andre Reed. Reed war in den 80ern und 90ern Wide Receiver bei den Buffalo Bills. Er hatte 951 Catches über seine Karriere für 13198ysds und 87 Touchdowns. Die Wahl Reeds gilt als umstritten. Er war ein bekanntes Gesicht in den 90er Jahren, weil die Bills fast jedes Jahr die Superbowl erreichten, aber wenn Leute wie Marvin Harrison (1102 Catches, 14580yds, 128 TD in drei Jahren weniger als Reed) oder Tim Brown (1094 Catches, 14934yds, 100 TD ohne jemals mit einem richtig guten QB gespielt zu haben) wegen Reed draußen bleiben, gehen die Diskussionen los. Reed spielte fast seine ganze Karriere mit dem Hall-of-Fame QB Jim Kelly. Harrison spielte fast immer mit Peyton Manning, aber Harrison halt um Welten dominantere Statistiken. Harrison spielte in einer passlastigeren Ära, aber man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Harrisons Resümee nur noch von Jerry Rice geputzt wird. Tim Brown spielte ganz einfach… extrem lange. Er war der Mann, der erst ganz zum Ende seiner Karriere einen brauchbaren QB als Teamkollegen hatte: Rich Gannon.
  • Walter Jones. Jones war Offensive Tackle bei den Seahawks. Er galt als „Berg“, als Hüne mit seinen 1.96m und 145kg Kampfgewicht. Er war von 1997 bis 2009 der Left Tackle der Seahawks, und er war einer der wichtigen Gründe, weswegen die Seahawks Mitte des letzten Jahrzehnts die Superbowl erreichten: Die Hawks-Offense Line galt damals als dominanteste der Liga. Jones und sein Nebenmann Steve Hutchinson formten ein unüberwindbares Pärchen, hinter dem der eigentlich eher als mittelprächtig wahr genommene RB Shaun Alexander NFL-Rekorde aufstellte. Jones war neunmal Pro Bowler, siebenmal All-Pro und gehört zum NFL-Team des Jahrzehnts 2000.
  • DB Aeneas Williams. Williams war Defensive Backs bei den Arizona Cardinals und St Louis Rams. Er hatte Pech, dass die Cardinals zu seiner Zeit ihre schlimmsten Phasen durchmachten und als Synonym für die Hoffnungslosigkeit in der NFL galten. Williams‘ Profil wurde schon bei PFR herausgearbeitet.
    An seiner Wahl gibt es eigentlich nur zu kritisieren, dass an seiner statt der G Will Shields draußen gelassen wurde. Shields war 12x Pro Bowler und 8x All-Pro und wurde nun zum dritten Mal nicht in die Hall-of-Fame gewählt. Also: Mit Shields und Marvin Harrison wurden zwei logische Kandidaten draußen gelassen. Weitere bekannte Leute, die nicht gewählt wurden: Jerome Bettis (RB Steelers/Rams), Tony Dungy (Headcoach Colts/Buccs), Eddie DeBartolo (Owner 49ers). Damit zu den Legenden-Picks, die ja auch immer zwei Plätze von den sieben kriegen.
  • Ray Guy. Ein Punter! Guy gilt als bester Punter der NFL-Geschichte. Seine Wahl wurde oft genug gefordert, aber immer wieder abgeschmettert mit dem Argument, ein Punter gehöre nicht in die Hall of Fame. Wenn dem so ist, dann sollte man den Punter abschaffen (wäre das wirklich so schlimm?). Da es aber Punter gibt, gibt es keinen Grund, den besten von ihnen draußen zu lassen. Ergo: Gute, längst überfällige Wahl.
  • Claude Humphrey. Humphrey war Defensive End bei den Falcons und Eagles.

Die NFL-Awards 2013/14

[09h35] In der Nacht auf heute wurden die offiziellen NFL-Awardsder AP-Press für die abgelaufene Saison vergeben. Die Gewinner sind überwiegend keine Überraschungen.

  • MVP: Peyton Manning. Nach der Rekordsaison gab es praktisch keine Zweifel mehr an Mannings fünfter Wahl zum NFL MVP.
  • Offensivspieler des Jahres: Manning. Man könnte höchstens überlegen, ob man diesen Award in Zukunft zu einem non-QB Award macht, um herausragenden Leuten auf anderen Positionen eine Chance zu geben.
  • Defensivspieler des Jahres: Luke Kuechly. Kuechly ist der Inside Linebacker der Carolina Panthers. In einem Jahr, in dem mindestens eine Handvoll Spieler des Award hätten gewinnen können, ist Kuechly wohl so etwas wie ein gemeinsamer Nenner in der Wahl: Spielt für eine der besten Defenses, ist deren Gesicht, hatte schon vor der Saison einen guten Ruf. Persönlich hätte ich Leute wie Watt oder Earl Thomas vorgezogen, aber im Prinzip ist es eh wurscht.
  • Offensiv-Rookie des Jahres: Eddie Lacy. Lacy ist der Packers-RB, der über 1100yds erlaufen hat und mitgeholfen hat, die Packers halbwegs heil über die Rodgers-lose Zeit zur Saisonmitte zu bringen. Lacy war in meiner Rangordnung ein recht deutliche Nummer zwei hinter dem alles überragenden Chargers-WR Keenan Allen, aber angesichts der Tatsache, dass Lacy in der bekannteren Mannschaft eine bekanntere Rolle spielt, ist seine Wahl nicht überraschend. Sie ist auch nicht unfair. Es war schließlich ein Jahr, in dem keine Rookie-QBs für Aufsehen sorgten und auch ansonsten enorm viele gute, aber nur wenige hervorragende Rookies in die NFL kamen.
  • Defensiv-Rookie des Jahres: Sheldon Richardson. Richardson ist ein Defensive Liner bei den Jets und eine überraschende Wahl. Richardson galt bei den Beobachtern von PFF fast das ganze Jahr lang als der beste der Rookies aus der Defense, aber er spielt eine wenig beachtete Rolle in der Jets-DL, ergo hatte man ihn nicht unbedingt als Sieger dieser Wahl erwarten können. Richardson gilt als Überraschung. Man hatte ihn vor einem Jahr als sehr ungeschliffenes, aber körperlich wuchtiges Prospect gesehen, dessen große Stärke der Passrush sei. Richardson kam in die NFL und war kein besonderer Passrusher, dafür aber per Knopfdruck einer der besten Line-Spieler gegen das Laufspiel.
  • Coach des Jahres: Ron Rivera. Der Riverboat Ron, das Mastermind, das die Carolina Panthers mit seinen verblüffenden 4th-Down Entscheidungen ganz nahe an die Super Bowl brachte. Rivera war auch meine Wahl zum Coach des Jahres. Ich bin ehrlich gesagt aber überrascht, dass im offiziellen AP-Poll nicht Andy Reid als Sieger hervor gegangen ist. Ein 2-14 Team zu einem 11-5 Team zu machen, das hätte eigentlich danach geklungen, dass wir einen fast sicheren Sieger Reid sehen werden. Persönlich gehe ich mit der Einschätzung Rivera d’accord.
  • Comeback-Spieler des Jahres: Philip Rivers. Die Wahl war uns seit zirka zehn Tagen bekannt, und wen hätte man sonst nehmen können? RG3 hatte kein gutes Jahr, Chris Clemons spielte auch zu wenig und das Comeback des Aaron Rodgers kam schlicht zu spät.

Unsere Awards haben wir schon am Montag veröffentlicht. Es wurden auch noch die Hall of Famer 2014 bekannt gegeben. Dazu in einem späteren Eintrag.

Zum Aufstehen

[08h45] Guten Morgen zum Superbowl Sunday 2014, dem Tag der Ausgabe 48 des NFL-Endspiels zwischen den Seattle Seahawks und den Denver Broncos. Es wird heute in gewohnter Weise ein langsames Reingleiten in das große Spiel geben, mit all jenen Themen um das große Spiel herum, die noch nicht abgearbeitet wurden. Was wir schon hatten, wird freilich nicht wiederholt:

Es ist das erste Endspiel zwischen den beiden Top-Seeds jeder Conference seit sich 2009/10 die Saints und Colts in Miami duelliert haben. Es ist vor allem aber das erste Freiluftendspiel in der Superbowl-Ära in einer US-Stadt in den nördlichen Gefilden. Die Partie findet im Metlife Stadium in East Rutherford/NJ statt, im Großraum New York, aber über der Staatsgrenze im Bundesstaat New Jersey. Weit weg ist Manhattan aber freilich nicht:

Das Endspiel war ein Geschenk an den Big-Apple, als Quasi-Dank dafür, dass das extrem teure neue MetLife Stadium (Eröffnung 2010) so generös von Bundesstaaten und Bürgern mitfinanziert wurde – wie nicht unüblich, aber eben auch immer umstrittener in den Vereinigten Staaten. Um die Meute ruhig zu stellen, wurde dem medialen Nabel der Welt erstmals die Greatest Show on Earth – die Superbowl – versprochen. Eine Wahl, die von vielen kritisiert wurde, weil es potenziell ein Endspiel in schlechtem Wetter bedeuten hätte können.

Kalt! Es kann kalt werden! Schnee! Wettbewerbsverzerrung! Die armen Leute, die viertausend Euro zahlen um sich bei Minusgraden den Arsch abzufrieren! Wer kommt auf so bescheuerte Ideen wie Superbowl in New York? Yadda Yadda. Weicheier. Jürgen Schmieder von der SZ hat im Big-Show Segment zur NFL in seinem Rant (ab 12:20min) genau die richtigen Töne zu der Motzerei gefunden. Die NFL scheffelt sich die Konten zu mit mehr Schnee als vom Himmel fällt? Wen scheißt’s. Bester Freiluftsport der Welt – bestes Freiluftendspiel der Welt.

Nun wird es zwar kalt, aber nicht eiskalt, und so richtigen Schneefall erwartet man für heute Abend/Nacht auch nicht. Es sollte also ein Endspiel unter gewohnten Rahmenbedingungen werden.

Wer sollte Coach des Jahres 2013/14 werden?

Der Award „Coach des Jahres“ verhält sich in der NFL anders als alle anderen Awards. Denn während der NFL MVP oder Rookie-des-Jahres Preis tatsächlich an den Spieler vergeben werden, der nach common sense die beste Saison hatte (wie auch immer das definiert sein mag), so wird der Coach-Preis für gewöhnlich an den Coach gegeben, der an ihn gehegten Erwartungen vom Sommer am meisten übertrifft.

Die Wildcard gleich zu Beginn geht an John Fox von den Denver Broncos. Fox ist manchmal etwas nervtötend, weil er so konservativ ist, aber man kann ihm eines nicht absprechen: Dass seine Mannschaften nicht souverän spielen. Sie tackeln sicher. Sie begehen zwar Strafen, aber nicht viele Phantom-Tackles. Trotzdem spricht es Bände, dass der Coach, der seine Mannschaft dieses Jahr in die Superbowl geführt hat (Fox schaffte das schon vor zehn Jahren mit den Panthers), eigentlich kaum Presse. Denver wird als Peyton Mannings Team wahrgenommen. Aber allein mit Manning fährst du nicht in die Superbowl. Was Fox allerdings in dieser Liste knapp raus schießt: Er verpasste vier Spiele im November mit Herzproblemen. Klingt makaber, aber es gibt heuer genügend gute Coaching-Leistungen, dass ich das mal als Entschuldigung her ziehe. Ebenso knapp draußen: Sean Payton und Jim Harbaugh. Würde ich eine Top-10 Liste machen, zwei dieser drei hätten sie komplettiert.

#8 Andy Reid (Kansas City Chiefs)

Die Chiefs drehten ihre Bilanz innerhalb eines Jahres von 2-14 und Top-Draftpick auf 11-5 und Playoff-Qualifikation. Sie sind damit das zweite Team in Folge, dem das gelang (2012 schaffte es Indianapolis), und damals gewann der Colts-Headcoach den offiziellen Award. Andy Reid ist einer der Topfavoriten in diesem Jahr. Aber Hand aufs Herz: Reids Job war relativ einfach. Er fand zu seiner Einstellung vor einem Jahr einen Kader mit etlichen Pro Bowlern und vielen ehemals hohen Draftpicks vor, dem nur zwei Dinge abgegangen waren: Quarterback und Coaching. Zufällig sind das die wichtigsten Dinge im Football. Zufällig waren die Chiefs in diesen Bereichen nicht bloß schlecht, sondern unterirdisch.

Reid kam, und musste „nur“ zwei Dinge verändern. Er holte sich QB Alex Smith aus Kansas City. Es war wie erwartet das einflussreichste QB-Upgrade des Jahres. Und natürlich Reid selbst. Die Chiefs waren nicht besonders effizient nach Downs (Power-Ranking: untere Tabellenhälfte), aber weil sie mit der risikolosen Spielweise kaum Turnovers begingen, landeten sie doch bei 6.1 Punkten über Durchschnitt im SRS (#7 der Liga) und bei einem hervorragenden Pythagorean von 11.2 Siegen (#5 der Liga).

#7 Mike McCoy (San Diego Chargers)

Die Auswahl von Mike McCoy ist weniger ergebnisgetrieben als sie nach dem kurzen, aber doch überraschenden Playoff-Lauf aussieht. Ich hatte McCoy schon Ende November ganz weit oben auf meiner Short-List, und ich glaube, dass er einen echt guten Job als Rookie-Coach bei den Chargers gemacht hat.

Das Auffälligste an seinem Wirken war die Revitalisierung einer Chargers-Offense, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner formen konnte. Es war nicht bloß eine „gute“ Chargers-Offense 2013/14. Es war eine fantastische. Eine Offense Line bestehend aus Rookies und längst abgeschriebenen Altstars war gut genug um landesweit Aufmerksamkeit zu erregen. Ein QB Rivers blühte auf. Leute wie RB Mathews, der schon als Bust abgeschrieben war, gehörten plötzlich zu den ligaweit besten auf ihren Positionen. Rookie-WR Keenan Allen kam aus der dritten Runde und war per Knopfdruck einer der besten Wide Receivers in der NFL.

Ich glaube, man kann McCoy nicht daran aufhängen, dass die Defense so lange so absurd war; sie war schließlich unterirdisch besetzt. Es gibt personell keine NFL-Defense, die weniger an Spielermaterial hatte. Der einzige Verteidiger von NFL-Format, OLB Ingram, war fast die ganze Saison auf der Verletztenliste. Trotzdem wurde um dieses Problem herum gewerkelt, und in den letzten Wochen hatte San Diego dann sogar eine zumindest brauchbare Defense, und prompt ging es in die Playoffs.

Ein insgesamt sehr guter Job von McCoy, dessen Mannschaft momentan in den Top-10 des Power-Rankings rangiert. Die nach SRS 2.7 Punkte besser als der Liga-Durchschnitt ist. Der mit einem guten GamePlan auswärts ein Superbowl-Kaliber schlagen konnte (Cincinnati). Der am Ende aber ein Playoffspiel in Denver abschenkte, weil man zu lange zu starr an seinem längst gescheiterten Plan fest hielt.

#6 Bruce Arians (Arizona Cardinals)

Der amtierende Coach des Jahres. Arians gewann 2012 in Indianapolis als Interimscoach, ging aber im Anschluss daran zu den Arizona Cardinals um sich ca. 60jährig doch noch erstmals als Head Coach zu versuchen. Ich geben zu, ich war skeptisch. Aber Arians schaffte das, wofür er geholt wurde: Die Offense um QB Palmer beging zwar viele Turnovers, aber sie war immerhin wettbewerbsfähig genug um den schlafenden Riesen Arizona zu wecken.

Remember: Die Cards-Defense war schon in den letzten Jahren großartig gewesen; Arians‘ Coaching-Stab konnte den Level auch nach Abgang von DefCoord Horton sogar noch eine Stufe höher schrauben. Der Schlüssel aber war die Offense: QB Palmer warf zwar 22 INTs, aber er erlebte zumindest annähernd sowas wie einen dritten Frühling, als dass er Pässe für mehr als 6.5 NY/A an den Mann brachte – ein Wert, der Welten besser ist als alles was die Cards die letzten Jahre hatten.

Arizona war eines der besten und gefürchtetsten Teams der Liga in den letzten Wochen; niemand hätte gerne gegen die Cards in den Playoffs gespielt (sie verpassten diese trotz 11-5 Bilanz in der bockstarken NFC-West). Platz 7 im Power-Ranking, Platz neun im Pythagorean, Platz sechs im SRS: Das war ein komplettes Team.

Er formte WR Michael Floyd zur NFL-Tauglichkeit. Er machte die Offense zumindest glaubwürdig. Allein die viel zu geringe Einsatzzeit für den sensationellen Rookie-RB Ellington sowie ein katastrophales Game-Management (Field Goal bei -18?) gegen Seattle ziehen das Gesamtbild Arians‘ runter.

#5 Marv Lewis (Cincinnati Bengals)

Marv Lewis ist die graue Maus unter den NFL-Coaches: Ein stilles, schwarzes Männlein im leisesten Markt der Liga in Cincinnati, wo sich die eigene Bevölkerung nicht um die Mannschaft schert, weil sie den Owner hasst. Dieser Owner ist Mike Brown, und Mike Brown war vor drei Jahren nach dem Ende eines 4-12 Kollapses und zerbrochener Träume schlau genug um Marv Lewis nicht bloß nicht zu entlassen, sondern ihm sogar eine Vertragsverlängerung mit Kompetenzen-Zuwachs zu verschaffen. Als Resultat gibt es seither bis auf vielleicht Belichick in New England keinen Head Coach in der Liga, der ein breitere Themenfeld abdeckt als Marv.

Marv hatte 2013 sein bisher bestes Produkt auf dem Feld: Die Bengals gewannen mit 11-5 Siegen die AFC North und beendeten die Regular Season an #4 im Power-Ranking. Sie beendeten das Jahr mit nur 305 Gegenpunkten, fünftbester Wert der Liga. Und das, obwohl die beiden wichtigsten Spieler der Abwehr, DT Geno Atkins und CB Leon Hall, sich beide schon in den ersten zwei, drei Wochen verletzt in den Winter verabschiedeten. Einiges an der Defense-Arbeit mag an DefCoord Mike Zimmer liegen, und Zimmer konnte das kürzlich in seinen verdienten ersten Cheftrainerposten (in Minnesota) ummünzen.

Marv Lewis hat sich als quasi-GM einen famosen Kader zusammengestellt – und das ohne echte Free-Agency Aktivität. Er hatte das Team in hohen Höhen trotz eines mittelmäßigen QB um den herum gebastelt werden musste. Schade, dass die Saison letztlich so seelenlos gegen San Diego zu Ende ging.

#4 Chip Kelly (Philadelphia Eagles)

Die größten Befürchtungen erwiesen sich als nicht angebracht, zumindest nicht im ersten Jahr: Chip Kellys Offense hatte einen guten Einstand in der NFL. Er schaffte es, viele Konzepte seiner äußerst ansehnlichen Oregon-Ducks Offense in der NFL erfolgreich zu implementieren, und er schaffte es, obwohl er seinen Quarterback wechseln musste.

Nick Foles hatte ein extrem gutes Jahr als QB-Notnagel und als QB-Typ, der eigentlich alles andere als zum „klassischen“ Chip-QB taugte. Foles hat Limitierungen, die ihn möglicherweise eine Karriere als legitimer Franchise-QB kosten werden, aber Chip baute um ihn herum eine doch sehr ansehnliche Offense. Die Offense wurde nach seinen Vorstellungen zusammengestellt: Draften von massiven Offense Tackles, Draften von groß gewachsenen Tight Ends usw. Das ist Chip-Football par excellence, und es funktionierte.

Die Defense war bestenfalls unteres Mittelmaß, aber Chip musste auch erstmal mit einem Spielermaterial arbeiten, das für eine andere Art von Abwehr (die 4-3 Defense) gebaut war. Via Free-Agency wurden einige bessere Backups wie Sopoaga oder Cary Williams verpflichtet, aber mehr war in einer einzigen Offseason noch nicht drin.

Kellys Eagles sind im Efficiency-Ranking (Power-Ranking) die #5 der Liga. Das SRS ist okay, aber nicht überragend (1.9 Punkte über NFL-Schnitt). Die 10-6 Bilanz in der Regular Season ist es – zumindest gemessen an den Erwartungen, die den Eagles ca. ein 7-9 oder 8-8 prognostiziert hatten. Mische Kellys vergleichsweise aggressives Coaching in 3rd-Downs und 4th-Downs mit rein, wird die Coaching-Leistung noch besser. Verbesserungswürdig ist sein Handling mit der roten Flagge sowie war das eine oder andere Auszeiten-Ziehen suboptimal, aber es reicht locker für einen verdienten vierten Platz – aber nicht zu einer Medaille.

#3 Pete Carroll (Seattle Seahawks)

Pete Carroll hat in Seattle eine Mannschaft nach seinem Antlitz geformt. Das ist bemerkenswert, weil es so wenigen Coaches gelingt. Das geht nicht ohne ein Quäntchen Glück (wie z.B. die Glücksgriffe wie Chancellor oder Sherman, oder aber auch QB Wilson), aber du musst trotzdem eine funktionierende Einheit basteln.

Carrolls Seahawks von 2013 strahlen nicht mehr diesen Begeisterungsfaktor aus, der sie letztes Jahr berühmt machte, aber dafür sind sie insgesamt noch solider, tiefer besetzt und gehen zumindest nicht als Außenseiter in die Super Bowl.

Seattle beendete die Regular Season mit 13-3 Bilanz. Normalerweise ist eine 13-3 Bilanz ohne etwas Glück nicht leicht erreichbar, aber der Pythagorean behauptet, Seattle habe die Performance einer Mannschaft erbracht, die im Schnitt 12.9 Spiele gewinnt. Das ist nur ein Jota unter der schwarzen Zahl. Seattle ist die #1 im Power-Ranking. Seattle ist die #1 im Simple Ranking System mit 13.0 Punkten über NFL-Schnitt.

Die Seahawks waren das dominanteste Team des Jahres, und sie sind nach dem Abbild des ehemaligen Defensive-Backs Coaches Pete Carroll gebaut. Die große Stärke ist die Legion of Boom, die Secondary, in der Carrolls Schützlinge Earl Thomas und Richard Sherman Angst und Schrecken verbreiten.

Carroll hätte zwingend schon im letzten Jahr den Coach-des-Jahres Preis gewinnen müssen. Dieses Jahr gibt es aber zwei Kandidaten, die ich knapp vor Carroll sehe.

#2 Bill Belichick (New England Patriots)

Letzte Woche wurde ich im Podcast bei den Sofa-Quarterbacks um eine Einschätzung zu Bill Belichick gefragt, und ich kann das, was ich dort verzapfte, nur noch einmal wiederholen: Man hat sich an die Größe Bill Belichicks gewöhnt, so sehr, dass eine erneute 12-4 Saison des alten Mannes keine Sensation mehr ist. Es gibt keinen besseren Coach da draußen. Vielleicht gab es noch nie einen so guten Coach da draußen. Vielleicht ist Belichick der beste NFL-Headcoach aller Zeiten. Aber man registriert es gar nicht mehr. Belichick ist ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden.

Drei Superbowl-Siege sind das eine. Viel bemerkenswerter ist die Tatsache, dass es Belichick in einer Ära, in der alles auf Gleichheit getrimmt wird, jedes verdammte einzelne Jahr ein Produkt aufs Feld schickt, das um den Titel mitspielt. Ohne Unterbrechung. Belichick verpasste seit seinem ersten Titel 2001/02 nur zweimal die Playoffs – beide Male mit Winning-Record. Einmal davon mit 11-5 Bilanz und Durchwursteln mit einem Quarterback, von dem nie zuvor jemals jemand was gehört hatte (Matt Cassel war sogar am College nur Backup gewesen).

Belichick erfindet sich jedes Jahr von neuem. Aber 2013 mag sein bisher markantestes gewesen sein. Eine Offense, die nach einer Lawine an schlechten Nachrichten in der Offseason und anfänglichen Schwierigkeiten durchaus wieder phasenweise exzellente Spiele hatte. Eine Defense, die bis zum Zuschlagen des Verletzungsteufels mit einem Male wieder Top-Team würdig war. Ein konstant wandelnder GamePlan, der um diese Probleme herum dokterte.

Am Ende war New England ein Top-10 Team nach Effizienz, was angesichts der Kaderqualität bemerkenswert ist. New England war 5.9 Punkte besser als der Durchschnitt nach SRS (#8der Liga). #8 nach Pythagorean. 12-4 Siege, und es hätten je nach Ausgang einiger Zufalls-Plays in den letzten Sekunden auch 10 oder sogar 14 sein können. Das müsste eigentlich reichen für den COTY, aber…

#1 Ron Rivera (Carolina Panthers)

Ich löse mein Versprechen ein und küre den Coach, der wie kein anderer für die neue Welle an aggressiven (besser: rational richtigen) 4th-Down Calls stand: Riverboat Ron. Ron Rivera ist mehr als die paar 4th-Downs. Ron Rivera war der Hauptgrund, weswegen die Carolina Panthers in der vorangegangenen Saison 2012 so „schlecht“ abschnitten: Wegen seines üblen „in-Game Managements“. Dass Rivera aus einem Schrotthaufen von Mannschaft, die er 2011 übernommen hatte, innerhalb von kürzester Zeit eine titelfähige Mannschaft gebastelt hat, habe ich nie abgestritten; Carolina hatte schon 2012 eine Superbowl-fähige Mannschaft, aber einen Top-Draftpick würdigen Coach.

Rivera war der Hauptgrund, besser: der alleinige Grund, weswegen ich Carolina im Sommer knapp außerhalb der Playoffs gesehen hatte. Bei allem Respekt für seine sicherlich exzellente Trainings- und Vorbereitungsarbeit, aber er hatte sie so oft mit inaktzeptablen in-Game Entscheidungen negiert, dass diese kein Zufall sein konnten. Weil Menschen Gewohnheitstiere sind und sich – wenn überhaupt – nur seeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeehr langsam ändern, hatte ich Rivera bereits als hoffnungslosen Fall abgeschrieben.

Woche 2 gegen Buffalo, und Rivera machte nahtlos weiter mit seinem „Punt in 4th-und-kurz“. Resultat: Zwei Saison-Pleite im zweiten Spiel.

Aber dann muss sich etwas bei Rivera getan haben, denn quasi über Nacht mutierte Rivera vom konservativsten Head Coach der NFL zu einem, der 4th-Down auf 4th-Down auf 4th-Down ausspielen ließ und damit mehr als eine Partie zu Gunsten seiner Mannschaft drehte. Carolina war am Ende 12-4, in etwa die Bilanz, die die Panthers schon 2012 hätten einfahren müssen. Man war ein Top-8 Team nach Effizienz-Stats. Man war die #4 der Liga im SRS mit 9.1 Punkten über Liga-Schnitt. Man stellt mit 11.7 Siegen das drittbeste Team nach Pythagorean.

Und mehr: Die Panthers funktionieren mittlerweile wie eine Mannschaft nach Riveras Vorstellungen: Massive Front-Seven, okayes Defensive Backfield. Rivera und sein Staff machten in der Offseason genau die richtigen Moves um den letztjährigen Underachiever zu upgraden. Das größte Upgrade aber war Rivera selbst – und das verdient ihm den Sideline Reporter Coach oft he Year 2013/14 Award.

Divisional-Playoffs 2013/14 am Sonntag

Den Abschluss machen heute Abend zwei Spiele, die wir schon am 10. November 2013 hatten. Für beide Spiele habe ich schon damals eine detailliertere Vorschau geschrieben. Beide sind heute immer noch ähnlich gepolte Matchups, aber es gibt kleinere Unterschiede von damals zu heute.

Carolina Panthers – San Francisco 49ers

  • Kickoff 19h05
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Joe Buck/Troy Aikman
  • Vorschau Herrmann: Panthers vs 49ers.

Langjährige Leser kennen die folgende Leier: Die Carolina Panthers gehören auf diesem Blog zu den Mannschaften, die am öftesten thematisiert wurden. Das liegt daran, dass sie seit Beginn der Saison 2012 (!) quasi ohne Unterbrechung im NFL-Power Ranking in den Top-8 stehen, trotz Zeiten in denen ihre Siegbilanz bei 2-8 lang und sie eher um den Top-Draftpick spielten als um die Superbowl: Sie waren Down für Down so effizient, dass sie eher um letzteres hätten spielen sollen. Aber sie hatten ein Problem: Den Head Coach Ron Rivera.

Rivera ist allerdings auch der Mann, der in dieser Saison eine der erstaunlichsten Wendungen genommen hat, die ein Mann in seiner Position nehmen kann: Er wurde vom konservativsten PlayCaller zu einem der aggressivsten, spielte plötzlich 4th-Downs en masse aus anstelle zu punten – und die Panthers begannen mit dem Gewinnen. Nach einem unglücklichen 1-3 Start zu Beginn der Saison antworteten die Panthers mit einer 11-1 Serie zum „Abschluss“. Resultat: Gewinn der NFC South, Seed #2 in der NFC.

Die Ironie der Geschichte in Carolina: Während letztes Jahr die Offense um QB Cameron Newton die Pace vorgab, ist es dieses Jahr die Defense, die in der Offseason um haargenau die richtigen Spieler ergänzt wurde: DT #98 Lotulelei und DT #99 Short, beide hohe Draftpicks, die die große Lücke in der Defensive Line stopften. Carolina 2013 führt folgende Spieler in der Front-Seven auf:

  • DE #76 Greg Hardy
  • DT #98 Star Lotulelei
  • DT #91 Colin Cole / #99 Kawann Short
  • DE #95 Charles Johnson
  • OLB #93 Chase Blackburn
  • ILB #59 Luke Kuechly
  • OLB #58 Thomas Davis

Eine Front-Seven, die 48 der 60 Panthers-Sacks fabriziert hat; allein die Ends Hardy (15 Stück) und Johnson (11) machten zusammen 26. Lotulelei gilt als einer der besten Rookies des Jahrgangs. Kuechly, ein Mann im zweiten Jahr, gilt als legitimert Anwärter auf den Titel des „Abwehrspielers des Jahres“.

Diese Front-Seven allein reicht aus, um trotz eines suspekten Defensive Backfields eine der besten Pass-Defenses im Lande zu stellen: 5.5 NY/A (#5 der Liga) bei 59% Success-Rate (#16) gegen das Laufspiel, und eine weit überdurchschnittliche INT-Quote von 3.6%. Eine Sack-Quote von 9.6%, beste der Liga. Carolina gibt zwar 66.7% Completion-Rate im Passspiel auf, aber für wenige Yards: nur 10.3yds/Completion, viertbester Wert der Liga. Wie man es drehen und wenden will: Diese Defense ist fassungslos gut geworden, und sie ist philosophisch ein Ebenbild des heutigen Gegners San Francisco: Auch dort hat man eine dominante Front-Seven gebaut, und versucht damit, eine suspekte Secondary zu kaschieren. Allerdings spielt Carolina vornehmlich 4-3, San Francisco eher ein verkapptes 3-4. Wuchtig sieht beides aus.

Sogar die Offenses sind ähnlich gepolt: Viele Ressourcen, die in die Running Back-Position gesteckt wurden. Zwei junge, schwarze, mobile Quarterbacks. Ein Ballfänger-Corp, der in erster Linie aus einem guten Wide Receiver und einem guten Tight End besteht. Eine Offense Line, in die Geld investiert wurde, die aber eher unkonstante Leistungen bringt. Alles mit Zusatz „jeweils“. Der Absatz gilt für beide Teams.

Bei den Panthers ist aber ausgerechnet der Teufel im Detail bei Cameron Newton begraben. Die landläufige Meinung sah in Newton nun zwei Jahre lang eine Lusche in den engen Spielen, ohne Eier, die Mannschaft Tebow-like rein per Willenskraft zum Sieg im engen Spiel zu preschen. Newton verlor fast alle der knappen Spiele der ersten Jahre, aber seine Offense brachte mit ihm stets um die 7.0 NY/A Passspiel zusammen – trotz eines abseits von WR-Legende #89 Steve Smith unterirdischen WR-Corps.

2013? Nun, Newton wurde über Nacht Eli-Manning-like zum „Close-Game“ Star und führte spektakuläre „Game Winning / Comeback Drives“ gegen Patriots, 49ers oder Saints das Feld runter. Allerdings leidet die Panthers-Offense dieses Jahr unter der geringeren Effizienz: Nur noch 5.9 NY/A für Newton sind nur noch der 20t-beste Wert der NFL. Nicht alles davon ist schlecht: Carolina spielt dieses Jahr einen Tick zurückhaltender in der Offense: Es wird kürzer geworfen, es wird weniger tief geworfen:

2011   25.7%
2012   23.3%
2013   19.9%

Das sind die Prozentwerte der Newton-Pässe, die in den letzten Jahren mehr als 15yds in der Luft downfield gingen (also keine 2yds-Pässe, die von Runninbacks zu 15yds-Raumgewinnen getragen wurden). Die Completion-Rate der Newton-Pässe stieg leicht an, von zuletzt 57.7% auf nunmehr 61.7%. Aber die Pass-Success Rate, also die Rate an Pässen, die verbesserte Punkteerwartung („EPA“) brachte, ist bei Newton seit Karrierebeginn dieselbe: 47%. Er ist also der fast identische Spieler seit Jahren.  Heute wird er allerdings mal wieder mit einem bestenfalls angeschlagenen (Knieverletzung) Steve Smith antreten können – Smith ist wohl active, aber er selbst ist sich noch nicht sicher, wie fit er sein wird.

Kaepernick kommt aus derselben Draftklasse wie Cam Newton, wurde aber erst Mitte 2012 zum Stammspieler. Er hat einen etwas besseren Support-Cast in Leuten wie Boldin, Davis oder Crabtree, aber er erlebt dieses Jahr erstmals Kritik, weil die Pass-Offense der Niners nur allzu oft so aussah: 13/25 Pässen für 174 yds, 1 TD, 1 INT, 3 Sacks, 4 gecallte Timeouts zur Verhinderung von False-Starts. Im „Hinspiel“ gegen Carolina, jenem berühmten 10-9 Sieg der Panthers, waren Kaepernick und seine Jungs noch schwächer: 11/22, 91yds, 1 INT. Allerdings fehlten damals noch Crabtree und in der zweiten Halbzeit Davis wegen Knieproblemen.

Ein weiterer Faktor in diesem Spiel: Das Coaching. Rivera ist völlig ohne Vorwarnung über Nacht zum Vorreiter der neuen Coach-Generation „Go fo it on 4th Down“ mutiert, und schwupps gewinnen die Panthers nun diese Spielen, die sie zuvor verloren haben (u.a. dank 5 Siegen in den letzten 5 knappen Spielen!). Nicht alles davon ist Rivera, aber ein Teil sicherlich. Der Coach, der in den letzten Jahren so viele Spiele wegschmiss, weil er Schiss hatte, gewinnt nun umso mehr davon. Auch gegen San Francisco?

Nicht alle sind sich sicher, dass Rivera auch in der Crunchtime in seinem ersten Playoff-Spiel die Eier zum Ausspielen zeigen wird. Einen Vorteil gegenüber seinem Gegenüber Jim Harbaugh hat Rivera aber auf alle Fälle: Er verbrennt nicht so viele sinnlose Timeouts, bevor es gen Spielende geht. Was sich Harbaugh/Kaepernick zuletzt wieder in Green Bay leisteten, spottete jeder sittlichen Beschreibung (2 verbrannte Timeouts in den ersten Minuten im dritten Viertel, davon eines vor dem ersten Spielzug des dritten Viertels!).


Für Newton und sein Bild in der US-Öffentlichkeit ist es ein enorm wichtiges Spiel: Er kann mit diesem Spiel vom leicht freakigen Unsympathen in der Provinz von Carolina („da drunten“) zur landesweiten Marke als neuester „Elite-QB“ mutieren – so unfair die eine oder andere Darstellung von ihm sein möge. Gelingt ihm kein Sieg, sollte man ihn aber auch nicht verdammen, denn die Ansetzung gleicht einem Münzwurf. Das Power-Ranking sieht einen 52/48-Vorteil pro Carolina. Das Hinspiel hatte einen 10-9 Endstand, und seither haben die 49ers Crabtree und einen fitten Davis dazu bekommen.

Es ist die klassische Ansetzung, in der die sprichwörtlichen Kleinigkeiten entscheiden könnten: Der Fumble, der in die richtigen Arme fällt. Der Puntreturn, der einen Tackle bricht und für 27 statt -2yds geht. Die eine Pass-Interference, die wahllos gegeben wird, weil sich die Refs nicht noch stärker dem Vorwurf der „Playoff-Softies“ aussetzen wollen.

Oder aber, es entscheidet der Quarterback, der sein Pass-Spiel gegen die jeweilige Monster-Defense besser in Gang kriegt. Und da würde ich heute aufgrund des besseren Supporting-Cast tendenziell mit Kaepernick gehen. Ergo: Ich sehe San Francisco trotz Harbaughs Auszeiten-Fetisch minimal vorn.

Denver Broncos – San Diego Chargers

  • Kickoff 22h40
  • Live bei SPORT1 US, im ran.de-Stream und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Jim Nantz/Phil Simms

Diese Ansetzung ist eine der einfachsten intuitiv innerhalb von Momentenbruchteilen zu erfassen, aber sie ist extremst schwierig, in eine strukturierte Preview zu fassen. Der Grund ist, dass beide Mannschaften konzeptionell sehr ähnlich gebaut sind, aber beide sind schwierig, in Worte zu fassen. Sie sind Wundertüten. Wundertüte ist dabei ein Synonym für „ich weiß es nicht“.

Die Chargers sind potenziell großartig. Gleichzeitig sind sie unkontrollierbar – für sich und für den Gegner. Das macht dieses Spiel so attraktiv.

Beide Teams sind um ihre Quarterbacks gebaut, wobei bei den Broncos der QB Peyton Manning „das System“ darstellt in Form von einem immergleichen Runterwichsen der Plays: 3 WR, 1 TE, 1 RB in der Aufstellung, und je nachdem was die Defense anbietet, lässt der Stratege Manning laufen oder er wirft selbst. Das funktioniert, solange er zumindest zwei großartige Wide Receivers hat; die Broncos haben deren vier: #88 Demaryius Thomas, #87 Eric Decker, #83 Wes Welker, #80 TE Julius Thomas. Manning selbst ist der ganz große Wurfkünstler nicht mehr, aber das muss er auch nimmer sein. Sein Wissen genügt.

Bei den Chargers geht es mehr um die Wurfkünste des Philip Rivers, wobei die Offense durchaus vielseitig ist: Alles, was die Offense Line wirklich drauf hat, ist das Lauf-Blocking. Damit kommt das Laufspiel um RB #24 Mathews und den weißen Zauberer #39 Woodhead ganz gut über die Runden. Dazu streut Rivers eine Menge an Kurzpässen und Checkdowns für die konstanten kurzen Raumgewinne ein, aber der wahre Star ist das Mitteldistanz-Spiel: Rivers bringt mit seiner Präzision auch die schwierigsten Pässe an den Mann, und keiner seiner Receiver ist dabei instrumenteller als der Rookie mit der #13, Keenan Allen.

Vom Konzept her ist das also ähnlich bei beiden. Liegt es daran, dass Chargers-Headcoach Mike McCoy letztes Jahr OffCoord in Denver war, und sich so einiges bei Manning abschauen konnte? Oder liegt es am QB-Flüsterer Ken Whisenhunt, jetzt OffCoord in San Diego? Auf alle Fälle sind die Ergebnisse bei den beiden Teams ähnliche: Denver als #1-Passoffense mit 7.8 NY/A, San Diego als #2 mit 7.5 NY/A. Denver mit 44% Success-Rate im Laufspiel, San Diego mit 43%.

Die Fragezeichen sind die Defenses, die beide problematisch sind – aber beide hatten im Verlauf der Saison auch genügend gute Momente, sodass man sie nicht ohne weiteres verdammen könnte. Die Chargers zum Beispiel: Mit 7.0 NY/A gibt man die meisten Yards im Passspiel auf, mit 46% Success-Rate hat man die zahnloseste Lauf-Defense der Liga. Allein: Die letzten Wochen der Chargers waren besser – viel besser.

Vielleicht ist es die Genesung von OLB Melvin Ingram, vielleicht war es der CB Marshall, der das Backfield verbesserte. Vielleicht auch nicht: Auch nach Ingrams Rückkehr stieg die Sack-Rate der Chargers nicht an. Auf alle Fälle aber „klickt“ die Pass-Defense der letzten Wochen besser. Wurde man in den ersten Wochen des Jahres noch regelmäßig in Grund und Boden geworfen, sind die Chargers des Dezember/Jänner eine relativ durchschnittliche Defense – ein Kompliment. Man schaltete in Woche 15 sogar Denver in Denver aus (allerdings ein damals Welker-loses Denver). Man stellte auch Cincinnati kalt. Es waren keine Rabauken-Vorstellungen, aber man war fleißig, legte sich wie Mehltau auf den Gegner und würgte den ohne Aufsehen langsam ab.

Bei den Broncos ähnliches: Erste Saisonhälfte war eine Katastrophe, aber mittlerweile ist man runter auf sehr passable 6.2 NY/A gegen den Pass. Allein: OLB #58 Miller ist mittlerweile auf der IR. DT Wolfe mit epilepsieanfälligen Symptomen noch immer inactive. Hinten drin Probleme bei CB Bailey… es ist eine Defense, die unter DefCoord Del Rio mal richtig gut ist, mal richtig banal.

Das sind die Mannschafts-Gerüste. Es gibt aber viele verdeckte Stats, die eine Rolle spielen könnten. So sind beide Offenses gigantisch in den 1st-Downs. „Gigantisch“ in 1st-Downs ist auch das Feld bereitet für „gigantisch in 3rd-Downs“: Broncos mit 49% Conversions die #1, Chargers mit 47% die #2.

Die Chargers sind der Underdog, d.h. für sie könnte es interessant sein, wie schon in Week 15 eine ballkontrollierte Offense zu spielen, um möglichst wenige Drives für beide Teams zu sehen. Wenige Drives = mehr Varianz = bessere Siegchance für den Außenseiter. Und laufen können die Chargers. Sie haben sogar die Chance, über ihren RT Fluker zu laufen – die Seite, auf der das Laufspiel exzellent ist. Es ist auch die Seite, auf der Denver etwas ausrichten muss, da die LE-Seite als Schwachpunkt gilt.

Okay.

Die Broncos sind insgesamt besser besetzt, tiefer, haben Heimvorteil und somit zu favorisieren. Aber die Chargers sind mit ihrer Offense in jedem Spiel ein Kandidat. Alles, was es braucht, ist eine erneute unangenehme Defense-Leistung, die gerade genügend Plays macht um mit der Offense das Spiel zu gewinnen. So geschehen in Week 15. Das Gute an den Chargers: Dank der jüngsten Verbesserung der Defense sind sie unberechenbar – und somit sollte auch dieses Spiel Augenschmaus-Potenzial haben.

NFL Notizblock, Week 8: TNF Carolina Panthers @ Tampa Bay Buccaneers

Die Lage der Tampa Bay Buccaneers (0-6) hat korsakoff gestern bereits in der Vorschau ausführlich beleuchtet. Die Lage ist hoffnungslos und alle warten nur noch auf die Implosion. Damit waren die Carolina Panthers (3-3) in einer undankbaren Lage: sie mußten überzeugend gewinnen, andererseits wären sie bis Sonntag die Trottel vom Dienst gewesen, für die sogar ein sinkendes Schiff eine zu große Herausforderung darstellt; Wasser auf die Mühlen derer, die das recht patente Auftreten der Cardiac Cats in den letzten Wochen auf das ihnen zum Fraß vorgeworfene Fallobst schieben.

Aber schon im ersten Viertel hat Carolina deutlich gemacht, wer hier auf dem aufsteigenden und wer auf dem absteigenden Ast ist. Nachdem die Verteidigung Tampa nach drei snaps zum punten zwingt, marschiert der Angriff neun Minuten lang in aller Seelenruhe in die gegnerische Endzone. Was sofort auffiel, war die Kreativität Mike Shulas. Ich nörgel ja schon seit Jahren an dieser plumpen, ideenlosen pass-first offense rum. Gestern im ersten Drive Carolinas gab es so viele verschiedene Formationen und personnell groupings wie in den letzten drei Jahren und unter Shula und seinem Vorgänger als Offensive Coordinator Rob Chudzinski zusammen.

Stats / Gamebook

Gamebook Panthers@Buccaneers

Was gleichzeitig auffiel, war die Rolle, die Tampas coaching staff Darrelle Revis zugedacht hatte. Zugegeben: er verteidigte und verfolgte immer mal wieder WR Steve Smith in enger Manndeckung über das gesamte Spielfeld. Aber immer mal wieder stand er eben auch als Zonenverteidiger in der/die/das rechten flat (der Raum einige Yards hinter der Anspiellinie) rum und langweilte sich. So kam es auch gleich in der ersten Serie, daß Smith seinen längsten catch der Saison hatte (21 yards). Er lief unbewacht zur Mitte des Feldes, suchte sich ein lauschiges Plätzchen zwischen Linebackers und Safeties, winkte kurz Cam Newton zu und machte das first down – es war ein 3rd&9. Wenn nicht bei einem 3rd&long, wann denn sonst soll Revis Smith ausschalten? Völlig unverständlich. Zumal die anderen WRs, Brandon LaFell und Ted Ginn kaum eine Gefahr darstellen.

Es half natürlich auch nicht, daß Newton ohne blitzes nicht unter Druck gesetzt werden konnte. Aber gerade wenn ich mit meiner front four keinen pass rush bringe, dann kann ich doch keine simple Zonenverteidigung spielen! Es sei denn, ich habe einen Weltklassedeckungsspieler, der eine Sonderaufgabe bekommt und – äh, nee, das hatten wir ja gerade schon.

Die Bucs mit ihrem Milchbubi-QB Mike Glennon versuchten händeringend irgendwie im Spiel zu bleiben. Teilweise war das run blocking ganz gut, und manchmal machten Vincent Jackson oder Tiquan „Hightop“ Underwood starke Fänge, aber dann lagen sie eben schnell mit 14-3 hinten. Glennon spielte den typischen Rookie: viele Würfe weit daneben (meist zu hoch); zwei fumbled snaps (beide aber recovered, sonst wär das ein richtig häßlicher Abend geworden); und manchmal auch ein guter Wurf, bei dem er sein Talent aufblitzen läßt.

Den Touchdown zum besagten 14-3 machte RB DeAngelo Williams mit einem Lauf über 12 Yards und wie bereits vorher im selben Drive bei einem Lauf von Mike Tolbert über 24 Yards zeichneten sich LaFell und Ginn als gute blockers aus und Tampas Verteidiger durch missed tackles und bad angles. Auch Newton sammelte bei seinen scrambles fleißig Meilen. Die Drei zusammen benötigten in Q1&2 nur 11 Läufe für 75 Yards. So kann man mit vier Absätzen die erste Halbzeit (14-6 Carolina) zusammenfassen – danach passierte nichts mehr.

Tampas Offense machte im dritten Viertel ein First Down; Freaking´Ron Rivera läßt natürlich wieder einen 4th Down ausspielen – RIVERA!  because that´s just what he does, folks!  – und beim Stand von 21-6 fumblet ein gewisser Herr Page einen Punt und das Spiel ist vorbei.

Am interessantesten wird in den nächsten Wochen sein, wie Carolinas Angriff sich präsentiert, wenn sie mal unter Druck stehen, unbedingt Punkte machen zu müssen. In den letzten drei Wochen waren die Panthers von Anfang an in Führung und konnten dank ihrer Verteidigung auch ganz ruhig und unaufgeregt spielen. Wie entwickelt sich das playcalling, wenn Not am Mann ist;, wie reagiert Newton (der auch gestern wieder wirklich cool, calm and collected war) auf einen Rückstand, auf eine eklige aggressive Defense – sie werden in den nächsten Wochen wahrscheinlich oftmals auf diese Fragen Antworten finden müssen: vs Falcons; @49ers; vs Patriots (MNF); @Dolphins; Ruhepause gegen Bucs; @Saints; vs Jets; vs Saints; @Falcons. Ohne großen Sieg gegen ein großes Team bisher und mit diesem schedule sind die Panthers immer noch borderline Playoff-Kaliber und nicht mehr.

NFL-Power Ranking 2013, Woche 6: Wer ist Carolinas wahrer Coach?

Eine kleine Neuerung in den Power-Rankings diese Woche: Ich habe die Penalty-Yards auf die Special-Teams ausgeweitet: Die Korrelation mit oder ohne Special-Teams Plays ist nur in der dritten Nachkommastelle anders, deswegen habe ich entschieden, ab sofort auch die zirka 22 Special Teams Plays, die jede NFL-Mannschaft im Schnitt pro Partie absolviert, mit zu inkludieren.

Woche 5 war übrigens ein recht erfolgreiches Wochenende für dieses Power-Ranking: 10-5 korrekte Tipps. Damit hat es in der korrigierten Version in den ersten 29 Partien diese Saison 18 korrekte Tipps abgegeben (.620) – für die ersten Wochen, in denen man für gewöhnlich noch nicht viel über die wahre Stärke der Teams aussagen kann, schon recht ordentlich.

Nachfolgend sei das Ranking nach Woche 6 ausgewiesen, mit angehängter Tabelle der wichtigsten Stats, Kommentarsektion sowie den Tipps für Woche 7.

NFL-Power Ranking nach Woche 6

NFL-Power Ranking nach Woche 6

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das (provisorische) Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 6.

Statistik-Tabelle

Statistik-Tabelle nach Woche 6

Statistik-Tabelle nach Woche 6

Kommentarsektion

Die Broncos bleiben trotz der durchwachsenen Leistung gegen Jacksonville ganz vorn. Der Absolutwert der Broncos nahm auch keinen allzu großen Schaden, was vor allem am gestiegenen Regressionskoeffizienten liegt. Ich schrieb letzte Woche, dass Peyton Manning seine 9.1 NY/A im Passspiel nicht würde halten können. Schon gegen Jacksonville setzte die Regression ein, Denver ist trotz des vergleichsweise einfachen Loses nur mehr bei 8.7 NY/A. Trotz der zweitschlechtesten Pass-Defense im Lande reicht es aber weiter für die Spitzenposition. Ab sofort ist dann auch wieder Von Miller mit von der Partie.

Das Freak-Team sind die Philadelphia Eagles an #4, bei denen ich zugeben muss: Der Augentest sieht hier kein Top-10 Team. Zu schwach ist die Eagles-Defense, in der (optisch zumindest) so vieles nicht zusammenpasst. Aber: Aufgegebene 6.8 NY/A gegen den Pass sind „immerhin“ nur der elfschlechteste Wert in der NFL. Und die Eagles-Offense ist an #2 hinter Denver gerankt. Was die Defense wert ist, wird das nächste Spiel zeigen: Es geht gegen Gunslinger Tony Romo.

Die San Francisco 49ers beißen sich zurück ins Rennen. Zuerst zur Offense: QB Kaepernick durchleidet zwar immer noch ein tiefes Tal, aber in TE Vernon Davis haben die 49ers vielleicht den besten Tight End der Liga. Den besten? Ich hatte am Wochenende eine Diskussion mit einem geschätzten Kollegen, der so argumentierte: Witten hat den weitaus besseren Support-Cast, Gronkowski ist aktuell dauerverletzt, Gonzalez kann nur fangen, und im Vergleich zu Jimmy Graham ist Davis der bei weitem bessere Blocker. Ich muss ihm da irgendwo recht geben…

Größtes Problem der 49ers ist meiner Meinung nach das Defensive Backfield, das sich am Sonntag mit zwei INTs herausreiten konnte, aber: Diese Cornerbacks sind massivst überschätzt. Ein Carlos Rogers als Top-Corner ist gegen die Star-QBs ein Himmelfahrtskommando. Und die Safetys sind auch so bolle nicht: Hitner ist ein boom or bust-Spieler, Reid ein Rookie, der seine vielen Böcke bisher nur mit INTs übertüncht. Die Pass-Defense ist trotzdem mit 5.7 NY/A die 7t-beste in der Liga, was ich mit einem erstaunten Stirnrunzeln quittiere.

Kansas City? Diese 2011-49ers Kopie spielte bisher einen richtig schwachen Schedule, und bringt trotzdem nur 5.8 NY/A im Passspiel zustande. Wie es Barnwell am Montag so schön schrieb: Gegen den Bodensatz reicht das, aber wenn die richtig guten Quarterbacks kommen und schnell Punkte auf das Tablett legen, wird Alex Smith im Comeback-Modus gekillt.

Panther-Sprung für Carolina. Wenige Stunden, nachdem ich die Panther-Offense kritisierte, antwortete Cam Newton mit einer einwandfreien Leistung. Carolina hat nach diesem Ranking zwar weiterhin nur die 22t-beste Offense, aber dafür auch die drittbeste Defense. Die Nachricht des Tages ist aber folgende:

 “It’s about trying to make a statement,” Rivera said of his fourth-down risks on Monday. “And it’s probably also honestly one of the things that I’ve learned. Sometimes you play by the book and you miss opportunities. It’s been an enlightening situation for me. One of the things that I want to try to do is to make sure we are in the best position to win. And the other realization is kicking field goals is obviously not good enough.”

Wenn Rivera das in Zukunft durchzieht, wäre das eine der größten Sensationen, die ich an Umdenkprozess in den letzten Jahren gesehen hätte. Ich traue dem noch nicht ganz, denn der Mensch ist en Gewohnheitstier, aber zieht Rivera das durch, weiß ich, wer Coach des Jahres wird.

Eines der Teams des Jahres stellen die Tennessee Titans. Augentest: Die können nix. Aber selbiges könntest du gegen bisher jeden Titans-Gegner sagen. Die Titans lassen jeden Gegner schlecht aussehen. Die Run-Offense ist komplett steril, aber die Defense ist zeckig und der Schedule ist der bislang 8t-schwerste. Trotzdem sind die Titans nach zwei „un-Lockeren“ Spielen auf #20 abgerutscht.

Die 0-6 New York Giants gelten für das Ranking weiterhin als Mittelklasse-Team. Ich kann verstehen, warum: Die Pass-Offense ist guter Durchschnitt, und der Schedule der Giants ist der Schedule der schwerste bisher (.608) – und es ist nichtmal knapp: Washingtons (.562) zweitschwerster Schedule ist näher an Baltimore (.516) mit dem 13t-schwersten Schedule als an den Giants. Regression coming soon.

Das Ranking ist vom Comeback-Sieg der Patriots gegen die Saints nicht sonderlich beeindruckt; Brady hatte auch gegen die Saints keine 6 NY/A im Passspiel und nutzte erst die allerletzte von vielen Chancen. Ich hatte trotzdem aufgrund des „Boosts“ im Schedule einen Anstieg der Pats erwartet, aber: Nada. Andere bisherige Gegner wie Bills, Jets oder Buccs stürzten hinreichend ab um diesen potenziellen Boost für die Pats zu negieren.

Jacksonville rutscht trotz der ordentlichen Leistung in Denver im Ranking weiter ab. Das einzige Trostpflaster: Die Jags haben die Buccs im Pass-Offense Ranking überholt und sind mit 5.1 NY/A der Tebow-Zone entfleucht. Tampa ist nun Letzter in der Pass-Offense.

Award Section

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, LeSean McCoy
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton

Aufgrund der exzellenten Bewertung bei PFF.com habe ich Sheldon Richardson in die „Watch-List“ mit aufgenommen. Ansonsten keine Änderungen diese Woche. Rivera bleibt im Hinterkopf.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 7

Letzte Woche eine akzeptable 10-5 Bilanz für das Power-Ranking. Die Wahrscheinlichkeiten für Woche 7 sehen so aus:

HOME                 %   AWAY                  %
Arizona             36   Seattle              64
Atlanta             69   Tampa Bay            31
Detroit             59   Cincinnati           41
Miami               61   Buffalo              39
NY Jets             57   New England          43
Philadelphia        67   Dallas               33
Washington          43   Chicago              57
Carolina            80   St Louis             20
Jacksonville        28   San Diego            72
Tennessee           42   San Francisco        58
Green Bay           70   Cleveland            30
Kansas City         71   Houston              29
Pittsburgh          67   Baltimore            33
Indianapolis        49   Denver               51
NY Giants           63   Minnesota            37

Relativ wenige enge Matchups diese Woche. Jets-Patriots ist ein Spiel zwischen zwei Teams mit quasi identischem Ranking, ergo macht der Heimvorteil den Ausschlag. Heimvorteil ist, wie wir wissen, für gewöhnlich 57% – also gewinnen ein Team mit den Werten der Jets auf lange Sicht 57 von 100 Heimspielen gegen ein Team mit den Werten der Pats.

Das knappste Matchup gehört wie schon letzte Woche den Indianapolis Colts, die bei der Rückkehr von Peyton Manning ins Lucas Oil Stadium minimalster Außenseiter sind: Das Power-Ranking gibt den Colts eine 49.8%ige Chance – das ist Münzwurf-Niveau.

NFL-Recap, Week 1: Carolina Panthers – Seattle Seahawks

Das Spiel eines meiner Geheimfavoriten (Carolina) gegen den absoluten Topfavoriten nach Common-Sense (Seattle) enttäuschte nicht – zumindest mich nicht. Die Seahawks gewannen ein meiner Meinung nach exzellent ausgeführtes Spiel von beiden Mannschaften am Ende knapp 12-7. Qualitätsunterschiede konnte ich zwischen beiden Mannschaften ehrlicherweise praktisch keine erkennen. Weiterlesen

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    4-7  
Pythagorean    7.8   (18)
Power Ranking   .626  (4)
Pass-Offense   7.0    (4)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        +1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Es gibt jedes Jahr mittelprächtige Mannschaften, die mit vielen knappen Siegen nach oben rauschen. Es gibt aber auch den umgekehrten Weg: Starke Teams, die schwere Schedules spielen müssen und mit vielen knappen Pleiten nach unten durchgereicht werden. Die Carolina Panthers von 2012/13 können der letzteren Kategorie zugeschrieben werden: Eine grundsolide Mannschaft, die Mitte November mitten im Rennen um den Top-Draftpick war, obwohl sie das Power-Ranking eher als NFC-Topkaliber gesehen hätte!

An den Effizienz-Stats führen erstmal keine Wege vorbei: Die Pass-Offense mit 7.0 NY/A die viertbeste der NFL, die Pass-Defense mit 6.0 NY/A die zehntbeste, der gespielte Schedule etwas überdurchschnittlich stark. Warum schloss Carolina trotzdem nur mit 7-9 ab?

Zum einen: Sie waren 4-7 in engen Spielen, mit den einzigen beiden Blowouts gegen die New York Giants und Denver, also eher gehobene NFL-Klasse. Zum anderen: Head Coach Ron Rivera ist noch mehr old school als alle im NFL-Dunstkreis herumschwirrende Personalien außer Dan Dierdorf. Rivera schmiss zumindest die Partien gegen Tampa Bay und Atlanta mit fragwürdigen PlayCalls in der Schlussphase weg und kassierte völlig unnötige Pleiten. Ein versteckter Faktor könnte auch die Starting Field Position sein, wo Carolinas Offense nur an #28 aufschlägt.

Die Panthers haben also für die nahe Zukunft das Make-Up eines gewaltigen Sleepers. Aber es gibt durchaus auch außerhalb des PlayCallings und der Münzwürfe Fragezeichen und Verbesserungspotenziale.

Die Panthers-Offense

Nicht uninteressant wird die Entwicklung der Offense, nachdem OffCoord Chudzinski nach Cleveland zurückkehrte. Chudzinski war nicht unumstritten, aber man muss ihm zugute halten, aus dem durchaus eher unkonventionellen Talenten des QB Cameron Newton in den beiden Jahren Vorzeigbares gemacht zu haben. Für Chudzinski rückt QB-Coach Mike Shula nach.

Es wird spannend, wie sich die Offense entwickeln wird. Cam Newton war trotz der teuren Running Backs DeAngelo Williams/Jonathan Stewart der leading rusher der Panthers in der abgelaufenen Saison, aber es wäre nicht so, dass der 2m-Brocken Newton den „vickiger“ Scrambler gäbe: Im Gegenteil, Newton läuft vielleicht sogar zu selten, kassiert relativ viele „Coverage Sacks“ durch zu lange Nibelungentreue mit dem angesagten Pass-Spielzug.

Newton ist nicht der allerbeständigste Quarterback unter der Sonne, ist immer anfällig gegen einen leicht unplatzierten Ball, den die mittelprächtigen Receiver und Fullbacks der Panthers dann nicht fangen. Aber Newton ist mit seiner Granate von Wurfarm eine weiterhin junge, entwicklungsfähige Wunderwaffe und mir steigt noch immer die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich dran denke, wie sehr ich vor zwei Jahren von einer Einberufung Cam Newtons mit einem Top-Draftpick abgeraten hatte.

Das Laufspiel fand ich in der abgelaufenen Saison dezent enttäuschend, was auch an der unbeständigen Offensive Line liegen kann. Wenn man die Probleme am wochenlangen Ausfall von C Ryan Kalil festmachen will, dürfte sich das Problem mit Kalils Gensung von selbst lösen. Wen die Kritiker aber immer wieder in den Senkel stellen, ist der Right Tackle. Man geht davon aus, dass hier nachgebessert wird.

Die TE-Frage, in einer Offense der Tradition Chudzinski seit jeher eine wichtige Position, wurde mit Greg Olsen bereits adäquat beantwortet (Olsen mit 69 Catches für 852yds, 5 TD). Bei den Wide Receivers gibt es weiterhin nur den bald Mittdreißiger Steve Smith, der bald auch nicht mehr die Wunderzwergenkräfte von vor einigen Jahren besitzen dürfte. Und danach… lange… nichts. LaFell, Murphy, Edwards, Pilares – die 7.0 NY/A des Cam Newton sind angesichts dieses Supporting-Casts nichts anderes als sensationell.

Weil die Panthers wie im Kästchen oben verlinkt wenig Platz unter der Salary Cap haben, dürfte hier die Antwort „NFL-Draft“ lauten.

Die Panthers-Defense

Das Cap-Problem dürfte zur Entlassung des 11 Mio. teuren CB Chris Gamble führen. Gambles möglicher Abgang führt allerdings dazu, dass die eh schon instabile Secondary der Panthers zu einem echten Problem werden könnte (CB Munnerlyn ist ebenso Free Agent). Wenn man sich vor Augen führt, wie viel Geld der ehemalige GM Marty Hurney den zirka fünfunddreißig Linebackers in Carolina zugeschachtelt hat, kann der geneigte Panther-Fan durchaus Aggressionsanfälle gegenüber Hurney bekommen.

Die Herren Beason, Anderson, Davis kosten 15-20 Mio. Dollar für relativ unbedeutende Positionen, wo mit LB Luke Kuechly auch noch der „Rookie des Jahres“ bereit stünde. Es ist zu erwarten, dass die Panthers entweder Verträge umstrukturieren oder Spieler rausschmeißen müssen.

Es wäre auch nicht so, dass die Ankermänner vorne (DL) wie hinten (S) die sichersten Kandidaten sind. DE Charles Johnson sagte man ein insgesamt gutes Jahr nach, aber die jungen Defensive Tackles sollen weiterhin kaum Fortschritte gezeigt haben. Im Backfield muss man um einen Unsicherheitsfaktor wie S Nakamura herum bauen, der nicht bloß die eine horrende Vorstellung gegen Atlanta in Woche 4 hatte.

Rivera und DefCoord McCormack gelten als Verfechter von quicken, schnellen Defenses. Ich würde daher eher eine Nachbesserung in der Secondary erwarten und ein Hoffen der Panthers, dass irgendein relativ billiger, solider Free Agent auf Defensive Tackle auf den Markt kommt.

Ausblick

Die Salary-Cap (2 Millionen dead money für einen Kicker (!), my Ass) könnte die eh schon wackelige Defense in die Scheiße reiten, aber möglicherweise fällt es mit dem enormen Potenzial, das in der Panther-Offense steckt, nicht mal sosehr ins Gewicht. Vielleicht haben wir in Carolina die nächste Defense, die bend but don’t break mit Hoffen auf Turnovers spielen sollte; Lauf-Defense passt dank der Linebackers halbwegs, Pass-Defense könnte ihre Schwächen damit etwas kaschieren.

Meine Skepsis gegen Ron Rivera ist noch immer mit „enorm“ zu umschreiben, aber die Panthers sind ein Team, bei dem schon viel schief gehen muss, dass sie nicht mindestens acht Siege einfahren. Acht Siege müssten eher mit Standgas drin sein. Die Panthers 2013/14 sind Playoffkandidaten, sofern Superstar Newton fit bleibt und sich nicht wieder mit Nebenschauplätzen wie der Lokalpresse beschäftigt.

Welche sind die besten offenen Trainerstellen im Winter?

Jason Lisk von The Big Lead hat sich die „besten“ Trainerstellen in der NFL für 2013 angeschaut. Wenig überraschend führen die Carolina Panthers (3-8) die Auflistung an: Ein Coach, der aufgrund absurd schwacher Entscheidungspolitik in Hebel-Situationen (3rd downs, 4th downs, Punts) dringend gefeuert werden muss, aber eine Mannschaft, deren Saisonbilanz nicht nur deswegen ein absoluter Witz ist – der Nachfolger von Ron Rivera (so er denn gefeuert wird) wird ein Team mit zwar einigen Baustellen vorfinden, aber auch eine explosive Offense mit einem jungen Star-Quarterback Cameron Newton, und er wird schnell die Siege abstauben, die Rivera hergeschenkt hat. Ein bisschen das Kevin-Sumlin-Phänomen bei Texas A&M, der dieses Jahr die Partien gewinnt, die die Aggies im letzten Jahr noch unter Vorgänger Sherman abgeschenkt hatten.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Saisonbilanz der Carolina Panthers liest sich mit „6-10“ schlechter als es die Mannschaft verdient hat. Nach Pythagoreischer Erwartung erbrachte man die Leistung eines Teams, das im Durchschnitt 7,4 Saisonsiege holt, und in den engen Spielen mit einem Score Differenz schaut die Bilanz nach argem Pech aus: 2-6. Vor allem die Offense lieferte erstaunliche Zahlen ab:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          15.4       #13
Y/A            6.2       #4
Y/Pass         7.9       #6
Y/Lauf         5.4       #1

Das sind hervorragende Nachweise, insbesondere für einen Mannschaftsteil, der vor einem Jahr töter als tot war und mindestens fünf Meter unter der Erde begraben lag. Zeit, den Gang nach Canossa anzutreten und die Symbolfigur hinter dem Umschwung zu würdigen: QB Cameron Newton, der von OffCoord Rob Chudzinski ein wunderbares Quarterback-Scramble-dichund-wirf-den-tiefen-Ball zugeschneidert bekam, lieferte neben sensationellen 7.8yds/Passversuch und 4051yds noch 706yds durch Scrambles und insgesamt 35 Offensivtouchdowns, bei nur 17 INT und 5 Fumbles.

Unerwartete Zahlen für den angeblichen Egomanen Newton, nichtmal die 3.3% Interception-Quote ist hoch genug, um einen ernsthaften Ansatzpunkt für Kritik zu finden. Weil Newtons Pass-Präzision vor allem bei den Intermediates zu leiden scheint, bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese sehr vertikal angelegte Offense wird langfristig halten können, auch wenn ich gewillt bin, Newton fürs Erste Narrenfreiheit zu gewähren.

Weil es an der Offensive Line in der Form des Herbstes und an den Running Backs Williams/Stewart wenig auszusetzen gibt (wenigstens einer der Guards Hangartner/Schwartz wird gehalten werden), dürfte sich der strengste Blick in der Offense auf die Ballfängertruppe richten. Dort ist der „Ü30“ Steve Smith nicht bloß „integraler Bestandteil“, sondern „die Wide Receivers“. Sollten die Panthers mittel- und langfristig zu denken imstande sein, wird in dieser Offseason Frischblut kommen müssen.

War die Offense entgegen aller Erwartungen deutlich über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, so darf man die Panther-Defense ohne Umschweife als große Enttäuschung klassifizieren. Diese Unit verhinderte den durchaus möglichen Playoffeinzug im abgelaufenen Herbst. Von den wendigen, quicken Defenses, die Ron Rivera bislang unter seinen Fittichen hatte, war nicht allzu viel zu sehen. Auch die Stats sind selbst mit den vielen Verletzten im Hinterkopf furchterregend:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          14.1       #27
Y/A            6.2       #29
Y/Pass         8.4       #32
Y/Lauf         4.6       #24

Die große Schwachstelle der Panthers ist die Mitte der Defensive Line: Die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass mit dem Draftpick #8 ein Defensive Tackle der Güteklasse Devon Still gezogen wird, denn die Panthers wurden über die Rookies McClain/Keo überlaufen, ohne zeitgleich Druck zustande zu bekommen (nur 31 Sacks). Auch DE Charlie Johnson dürfte nach seinem millionenschweren Vertrag ab sofort kritischer begutachtet werden.

Natürlich dürfte es bei 8.4yds/Pass auch im Backfield nicht allzu rosig aussehen. Carolina hatte mit allen möglichen verschiedenen Typen von Receivern so seine Probleme (vs Top-WR #27, vs RB #27, vs Slot #22, vs TE #32). Die Sache mit den Tight Ends dürfte sich rasch durch die bloße Rückkehr von Beason, Davis und Anderson verbessern. Aber die Secondary wird gezwungenermaßen einen Playmaker brauchen.

Trotzdem waren die Gesamteindrücke zu gut, um die Mannschaft auch nur annähernd in den Senkel zu stellen wie noch vor einem Jahr. Wenn Newton nicht in ein allzu tiefes Sophomore-Loch fällt und die problematischen Mitteldistanzwürfe sich nicht als bedrohlich erweisen, kann man Carolina durchaus mit den Detroit Lions der letzten Jahre vergleichen: Junges Team mit einigen vielversprechenden Bestandteilen und an guten Tagen in der Lage, Topteams in Bedrängnis zu bringen.

Der Reifeprozess wird kommen, das Pech wird sich irgendwann ausgleichen. Wir könnten hier über einen schlafenden Riesen sprechen.