NFL Rookie-Analyse 2010/11: Dez Bryant, Wide Receiver

Heute dran: Ein Wide Receiver der Dallas Cowboys.

#24 Dez Bryant

Position: Wide Receiver
College:
Oklahoma State University
NFL-Team: Dallas Cowboys

Dez Bryant kann als sowas wie Jerry Jones’ Friedensschluss mit Michael Irvin angesehen werden. Irvin, der herausragende WR der 90er, der mit Dallas drei Superbowls holte, aber sich anschließend so fürchterlich daneben benahm, dass Jones 1998 sogar den schwierigen Charakter Randy Moss scheute.

Wir schreiben 2010 und wir haben mit WR Dez Bryant wieder so einen Rülpel mit allen Talenten dieser Welt, der rücklings durch die Draftboards fällt. An #24 war dann aber genug und Jones holte sich „seinen“ Randy Moss zurück.

Well, Bryant hatte seine lichten Momente. 45 Catches für 561yds, 6 TD und 2 Touchdowns nach Punt Returns, obwohl er nur dreiviertel der Saison wegen Verletzungen bestreiten konnte. Annehmbare Zahlen für einen Rookie. Und trotzdem… irgendwie enttäuschend.

Ich persönlich habe mich stets gefragt, welche Rolle Bryant im Cowboys-Team eigentlich einnahm? Nicht der #1 oder #2 Receiver, nicht der Haupt-PR. Bryant war wohl sowas wie der Joker in dieser Mannschaft, ein Sekundengenie, das nur andeutungsweise großes Potenzial aufblitzen ließ, während Miles Austin und Roy Williams die regulären Starter waren.

Interessant: Williams, der als deep threat gilt, wurde häufig über die Mitteldistanzen geschickt, die Orte, an denen eigentlich Bryant brillieren sollte. Bryant sollte in Zukunft mehr in diesen Zonen zum Einsatz kommen.

Treppenwitz: Als Bryant Leistung brachte, verloren die Cowboys haufenweise Spiele (mag auch am Coaching gelegen haben). Als sich Bryant verletzte, siegte sich Dallas munter einem ordentlichen Saisonschluss entgegen. Zufall?

Nun ist Bryant abseits des Feldes ein Knallkopf, der auch trotz mehrfacher Warnungen gerne mal öffentlich in Einkaufszentren schamlos schlägert und man darf gespannt sein, wie lange sich Jones dies anschaut.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Erstrundenpicks der Denver Broncos

Sideline Reporter steht wieder auf Sparflamme. Heute die beiden Picks der Broncos im letztjährigen NFL-Draft, zwei Offensiv-Picks für den eigenartigen Head Coach Josh McDaniels. Wie das Urteil wohl ausfallen wird?

Pick #22: Demaryius Thomas

Position: Wide Receiver
College:
Georgia Tech University
NFL-Team: Denver Broncos

Denvers ex-Coach Josh McDaniels war ein Sturkopf und so voller Eigenwillen, dass er eine Serie an merkwürdigen Drafts zu verantworten hat. Moreno, Smith, Tebow sind IMHO alle für sich fürchterliche Picks – und ich gehöre noch zu denen, die ihm den Cutler-Move nicht ankreiden, da ich Cutler nie besonders geschätzt habe.

Aber bei allen schlechten Entscheidungen hatte McDaniels auch die Scheiße kleben. Demaryius Thomas, Wide Receiver, war zwar nicht wirklich ein dringend benötigter Mann in Denver. Aber wenigstens nichts, mit dem man McDaniels vorführen könnte.

Nun ist es bloß so, dass WR Thomas zwar ein gutes Debütspiel gab (8 Catches, 97yds, TD), aber danach völlig abstürzte und schließlich kurz nach Saisonhalbzeit mit Verletzung runtermusste. Endbilanz: 22 Catches über die Saison.

Man könnte meinen, Thomas hat die Möglichkeit, zurückzuschlagen. Dumm nur, dass seine Achillesferse beim Training in der Offseason gerissen ist und er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Spiel bis Herbst 2012 wird bestreiten können. Thomas – schaut aus wie ein Fehleinkauf, für den McDaniels ausnahmsweise nicht alles kann.

Pick #25: Tim Tebow

Position: Quarterback
College:
University of Florida
NFL-Team: Denver Broncos

Dieser Tage wird in Denver intensiv darüber diskutiert, ob man Tim Tebow für die kommende Saison die Position des Franchise-QBs anvertrauen kann oder noch ein Jahr auf den blassen Kyle Orton vertraut?

Die Mannschaft scheint hinter Orton zu stehen. Verständlich, denn Orton ist ein orthodoxer Quarterback – zumindest sein Spielstil ist orthodox – mit dem sich eine Standard-Offense leichter spielen lässt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, der uns zum Gegenspieler Ortons bringt, QB Tim Tebow.

IMHO der idiotischste Pick des ersten Runde von 2010.

Tebow war ein großartiger Spieler am College und wurde durch seine eindrucksvolle Persönlichkeit und dieses gewisse Etwas, diese Aura, schon zum Superstar, bevor er überhaupt in die NFL kam. Das ist selten, aber der sportliche Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden. Ein verkappter Running Back mit dieser Wurftechnik und dieser Flugkurve des Balls soll in der NFL funktionieren?

Freilich hat Tebow in den wenigen Starts zum Saisonende nicht mal unterirdisch gespielt, sondern sogar Anzeichen von exzellentem Scrambling gezeigt und auch ein paar halbwegs brauchbare Bälle geworfen. Möglich, dass Tebow trotz aller ungünstigen Vorzeichen ein vernünftiger NFL-QB werden wird.

ABER: Der Pick „Tebow“ ist dem Ego von Josh McDaniels geschuldet und war ebenso überhastet wie unnötig. Denver hat ganz fürchterliche Lücken in der Defense und ein annehmbares Passspiel – und dann nimmst du einen Quarterback, der mit absoluter Sicherheit eine lange Einlernzeit braucht, auf den du deine funktionierende, starke – nicht überragende! – Offense umstellen musst und der dann trotzdem mit erhöhter Wahrscheinlichkeit floppen wird?

Ich verstehe sowas nicht – wie auch nicht Owner Pat Bowlen, der Ende November die Reißleine zog und McDaniels‘ Egotrip frühzeitig beendete. Ich befürchte, dass Tebow der letzte von McDaniels‘ mehreren verwirrenden Draftpicks sein und in Denver unter dem sehr konservativen neuen Coach John Fox eher wenig Rückendeckung bekommen wird.

Die Fans lieben Tebow und das Broncos-Shirt mit der #15 gehört zu den meistverkauften in der NFL. Allein, so richtig vorstellen kann ich mir sportlichen Superstar-Status für Tim Tebow nicht.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Kareem Jackson, Cornerback

Heute dran: Der 20ste Pick der ersten Runde, CB Kareem Jackson.

Position: Cornerback
College:
University of Alabama
NFL-Team: Houston Texans

Zuerst die gute Nachricht: Jackson hat alle 16 Saisonspiele bestritten.

Dann die schlechte: Houstons Passabwehr war so unterirdisch, dass ich es nicht geschafft habe, rechtzeitig einen neuen Superlativ aufzutreiben.

Jackson war an #20 ein logischer Pick für die Houston Texans. Eine Mannschaft mit jungem Kern und vielen Eigenbauspielern auf dem Weg nach oben, die aber gerade mit CB Dunta Robinson ihren Leader in der Secondary abgegeben hat. Robinson hätte bleiben wollen, aber Houston glaubte wohl, den des Öfteren etwas unkonstanten Robinson nicht überbezahlen zu wollen.

Jackson war also eine Notwendigkeit und Jackson wurde häufig böse, böse verbraten. Die Defense in Houston ist kollabiert, wie ich es nie für möglich gehalten hätte und es fällt schwer, Jackson dafür verantwortlich zu machen. Zum einen fiel der großartige MLB Ryans aus und auch OLB Cushing war nicht mehr so gut, weil er sich nach Dopingsperre nicht mehr so sehr zudröhnen durfte.

Gegen die Cowboys (Wk 3) und vor allem die Chargers (Wk 9) schnackelte es nur so an Big Plays gegen Jackson (eine INT gegen San Diego war auch dabei) – und das sind nur die schlimmeren Spiele, die ich gesehen habe. In Woche 1 machte Peyton Manning 433yds über den Luftweg gegen Houston.

Die Secondary war also blutjung und unerfahren – für einen Rookie wie Jackson unangenehm. Ich glaube, dass Wade Philipps das Problem sicher hinkriegen kann.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Maurkice Pouncey, Center

Auch auf die Gefahr hin, dass ein heute beendeter Lockout diesen Eintrag in den Schatten stellen wird: Ein weiterer Teil von Rookie-2010-Review. Diesmal dran in der: Der Center der Pittsburgh Steelers, Maurkice Pouncey, Pick #18.

Position: Center
College:
University of Florida
NFL-Team: Pittsburgh Steelers

Ich maße mir stets ungern an, Offensive Linemen zu bewerten. Punkt bei Pouncey ist: Die Medien sehen in ihm einen überragenden Center, der Pittsburghs Offensive Line gerettet hat und sämtliche Tackles dominiert hat und überhaupt.

/Cut

Dank ESPN Americas Affinität für gewisse Mannschaften durften wir Pouncey heuer häufig angucken. Ich fand die Steelers-Line stets unterirdisch. Waren es meine entzündeten Augen oder war Pouncey doch nicht so dominant, zumindest gemessen am für einen Offensive Liner überproportionalen Hype. Da spielt mir doch die Einschätzung von den geschätzten Sezierern von Pro Football Focus in die Hände: 

A winner by default. Pouncey may make the Pro Bowl every year for the rest of his life on the back of a reputation he has really yet to earn. In fact Pouncey was downright awful at times, and has a long way to go before he lives up to the press hype.

Messen wir Pouncey am Hype (N.Y. Times sieht in Pouncey bereits jetzt den drittbesten Center der NFL), werden die Argusaugen büsschen weiter. Brutal, wie Pouncey von Mike Wright im Patriots-Spiel auseinandergenommen wurde. Sogar gegen die mausetoten Panthers gegen Saisonende wurde Pouncey verbraten. In Erinnerung auch die großen Probleme gegen Haloti Ngata in jenem sensationellen Sunday-Night-Game Anfang Dezember. Okay, gegen Ngata sieht fast jeder schlecht aus. Aber datt hängt noch nach.

Fazit: Pouncey hat ab nun den Freifahrtschein für einen alljährlichen Pro-Bowl-Trip. Hype und so. Für Linespieler noch viel wichtiger als für jede andere Position.

Die Offense Line der Steelers muss trotz Pouncey weiterhin Hohn und Spott über sich ergehen lassen. Ich habe hohen Respekt für das, was QB Big Ben Roethlisberger in Pittsburgh zusammenzaubert und ich finde seine Leistungen erstaunlich, denn Pittsburgh ist die Gegenthese zum Thema „Offense Line ist die Basis für eine Top-Offense“.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Gesichtslosen

In dieser Ausgabe nehme ich mich mal einer Handvoll Picks in den Teens an. Allesamt Leute, die ich nicht explizit auf meinem Notizzettel hatte, zu denen ich mir nichts verzeichnet habe, aber um kurz ein Stimmungsbild abzugeben…

Pick #11 Anthony Davis wurde bereits gestern zum potenziellen Bust deklariert, aber G Mike Iupati, der Pick #17 – und wie Davis zu den San Francisco 49ers – bekommt erstaunlich euphorische Kritiken. Während Davis nach seiner horrenden Performance in Woche 3 gegen Kansas City (Gegenspieler Hali hatte dort gegen Davis 14x (!!) die Hand am QB) unten durch war, soll Iupati trotz seiner 150kg sehr geschmeidig und trotzdem eisenhart sein.

Pick #13 sah Michigans DE Brandon Graham nach Philadelphia gehen. Graham machte in 13 Spielen 3 Sacks, soll ein solider Pass Rusher sein, aber sehr disziplinlos, wenn der Gegner mit dem Dampfhammer daherrollt.

Pick #14 S Earl Thomas? Muss athletisch fantastische Voraussetzungen haben, nicht anders ist zu erklären, dass an der University of Texas spielte und hoch einberufen wurde. Leute wie Thomas, die in Texas suboptimales Coaching bekommen, tun sich in der NFL oftmals schwer. Und Thomas beging viele Leichtsinnsfehler und war besonders in der Deckung nicht der zuverlässigste. Weil er sehr variabel eingesetzt wurde, darf man Thomas aber auf alle Fälle Ansammlung von Erfahrungsschatz zuschreiben – und immerhin war er der Schuldloseste am Passfeuerwerk der Saints im Playoffsieg: Nur 12yds wurden direkt gegen ihn gefangen.

Interessant war der Giants-Pick an #15, DE Jason Pierre-Paul (USF Bulls). Obwohl DLine-Freak Spagnuolo nicht mehr in New York coacht, wurde Pierre-Paul clever eingesetzt, immer wieder als Pass Rusher in Situationen für Pass Rush gebracht. Muss man ja auch mal loben, wenn Coaches Spieler mit Hirn aufbauen. Die Defense Line der Giants: Meine #1 in der NFL – und Pierre-Pauls Ansätze als Pass Rusher waren gut (4.5 Sacks), wobei die Angst bleibt, dass der Mann aus Haiti eindimensional wie eine Scheibe Schüttelbrot bleiben wird.

Zwar ist auch die Testmenge an Snaps bei DE Derrick Morgan (Pick #16 zu Tennessee) arg begrenzt, aber dies aus Verletzungsgründen. In Spiel 4 rissen die Kreuzbänder. Bis dahin ließen die Titans Morgan überall in der Defensive Line fröhlich probieren, wobei er besonders gegen die Giants glänzen konnte.

Pick #19 LB Sean Weatherspoon erlebte auch einiges als Rookie: Katastrophales Debüt, dann sich zum Starter hinaufgearbeitet, dann durch eine Verletzung einbremst, ehe der stärker spielende Stephen Nicholas eine Rückkehr in die Startaufstellung verhinderte. Weatherspoon ist aber quick genug, um immer und immer wieder in klaren Pass-Situationen auf das Feld geschickt zu werden, was für einen Linebacker zumindest vom körperlichen Standpunkt nie ein schlechtes Zeichen ist.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Ryan Mathews, Running Back

Der Pick #11 Anthony Davis (San Francisco) wird als Offensive Line ausgelassen. Zu Davis kann man nur eines sagen: Sämtliche Analytiker hauen den Mann in die Pfanne und beschwören schon den nächsten großen O-Line-Bust herauf. Dagegen bekommt der zweite Niners-Blocker, G Mike Iupati (Pick #17), Höchstnoten ausgestellt und gilt als nächster Steve Hutchinson. Die beiden seien nicht unser Thema, sondern Pick #12 Ryan Mathews:

Position: Running Back
College: Fresno State University
NFL-Team: San Diego Chargers

In Mathews sahen die Gurus und Weisen einen explosiven Back, dessen Einberufung als Tomlinson-Erbe an #12 allerdings als reach abgetan wurde. Mathews hat als Rookie wenig gemacht, um diese Stänkereien zu entkräften, und auch wenn Verletzungen daran nicht ganz unschuldig waren: Backup Mike Tolbert gefiel mir persönlich phasenweise besser.

Mein Notizblock vom Saisonauftakt gegen die Chiefs liest sich so: Mathews von einer dominanten Defensive Line abgemeldet, bis auf einen einzigen langen Lauf. Und der endete als Fumble in Gegners Händen. Nach zwei Spielen hatte Mathews ebenso viele verlorene Fumbles. Im Patriots-Spiel blieb Mathews als Butterfinger (billiger, billiger Drop) in Erinnerung. Generell soll sein Pass-Blocking besorgniserregend sein.

Um Mathews nicht allzu madig zu reden und auch wenn die Zahlen durch eine Handvoll längerer Runs (Ü20-yds) geschönt sind und der Mann nach dem ersten Hit meist am Boden liegt: 637yds in 158 Carries und 7 Touchdowns hinter einer generell als unterdurchschnittlich bekannten Offensive Line sind nicht unterirdisch. Wenn da nur nicht 5 Fumbles in 158 Carries wären. Alle 31,6 Carries ein Fumble – so wird man Tomlinson nicht vergessen machen.

Um ein Fazit zu ziehen: Mathews schien mir nicht wie der neue Franchise-Back, aber wenn ich daran denke, wie viele Möglichkeiten Norv Turner in dieser passgewaltigen Offense für Mathews geboten wären, darf man ihn nicht zu schnell abhaken.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Tyson Alualu, Defensive End

Heute ein charakterlich einwandfreier Mann aus Hawaii in der Rookie-Analyse. Tyson Alualu. Ein Mann, der mit 18 geheiratet hat, mit 18 Vater wurde und mit 21 mal eben zweifacher Familienvater war. Als Student.

Position: Defensive End
College:
University of California/Berkeley
NFL-Team: Jacksonville Jaguars

Die Jaguars und Head Coach Jack Del Rio wurden vor einem Jahr ganz heftig für den Alualu-Pick kritisiert. Ein athletischer End, der als eindeutig zu früh einberufen galt. Dazu natürlich Del Rios Eigenheit, in jedem Jahr eine Handvoll Defensive Ends zu draften, von denen in schöner Regelmäßigkeit haufenweise floppen und die Lücken im Kader an anderen Stellen viel eklatanter sind.

Generell wird Alualu ein solides Debütjahr attestiert, das vielversprechend begann und dann langsam ausbrannt. Der Mann spielte immerhin alle 16 Spiele durch – Ende Oktober sogar mit Verletzungen – und machte am Ende 3.5 Sacks. Del Rio setzte den Mann recht variabel ein, mal als End, mal als Tackle neben dem ebenso sehr jungen, aber aufstrebenden DT Terrance Knightley. Wenn phasenweise eine Defensive Line mit drei Rookies (Alualu, DE Larry Hart, DE Austen Lane) und einem Sophomore (Knightley) antreten muss, dann geht Alualus Leistung schon in Ordnung.

Vor allem, wenn man bedenkt, dass nur ein richtiges Graupenspiel dabei war, jenes in Woche 12 gegen Houston, das am Ende dank Hailmary und Gus Johnson trotzdem ein versöhnliches Ende nahm.

Natürlich wird Alualu sich steigern und als Top-10 Pick ein paar Jahre konstant sehr gute Vorstellungen bringen müssen, um die Kritikaster zum Schweigen zu bringen, aber, Baby: Womöglich ist dieser Mann mitverantwortlich dafür, dass die Herren in Jacksonville in Zukunft damit anfangen können, die vielen Schwachstellen im Defensive Backfield anzugehen.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: C.J. Spiller, Running Back

Position: Running Back
College:
Clemson University
NFL-Team: Buffalo Bills

Die Sturköpfe in Buffalo sind berüchtigt dafür, gegen den common sense immer wieder Spieler zu holen für Positionen, die sie eigentlich ordentlich besetzt haben, oder Spieler, die andere Teams erst DEUTLICH später einberufen hätten.

Spiller gehört zur ersten Kategorie. Buffalo hatte die Backs Marshawn Lynch und Fred Jackson im Kader. Ersterer ist zwar nicht besser als Mittelmaß, Letzterer immerhin ein sehr zuverlässiger Mann. Spiller war also kein Need.

Und weil Spiller ein one trick pony ist, macht der Pick auch rückwirkend nur bedingt Sinn. Sicher, Spiller gilt als explosiver Back und als recht fangsicher. Aber Spiller ist auch ein Back, der dir keine yards after contact macht. Will heißen: Der Mann kann nicht über die Mitte laufen, solange die Offensive Line nicht großartig spielt (was sie völlig überraschend in Buffalo nicht macht).

Defenses hatten also leichtes Spiel: Spiller im Backfield, das heißt: OLBs in Alarmbereitschaft versetzen. Denn es war gewiss: Spiller würde um die Line herumlaufen. So gewiss wie verdorbene Trauben im Glühwein.

Resultat: Buffalo hat nun wieder zwei mittelmäßige Backs und haufenweise Lücken im Kader. Ich bin auch ehrlich nicht sicher, ob Spiller den Durchbruch schaffen wird. Ich mag Backs nicht, die sich NUR über Speed definieren und kann mir nicht vorstellen, dass der Mann ohne Offense Line überhaupt länger als zwei-drei Jahre überlebt.

Und nur mal so by the way: Wie viele Running Backs will Buffalo eigentlich noch draften? Sie hatten vor Jahren Travis Henry, der solide gespielt hat. Und holten in Runde 1 den verletzungsanfälligen Willis McGahee, der sich ein-zwei Saisonen zu einem Topmann entwickelte, um dann von Lynch (ebenso hoher 1st rounder) ersetzt zu werden, der von Jackson ersetzt wurde und so weiter und so on. Ist Spiller der nächste – außer, dass er niemals #1-Back sein wird?

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Rolando McClain

Nächster Teil des Rookie-Rückblicks: Oaklands MLB Rolando McClain.

Position: Mike
College:
University of Alabama
NFL-Team: Oakland Raiders

Rolando McClains Einberufung in Oakland darf auch ein Jahr später durchaus als sensationell gewertet werden, wenn man sich die Historie der Drafts anschaut. Oakland war bislang stets das Team, das gegen alle Konventionen super-athletische Skill Players einkauft, um diese dann Spieler für Spieler genüsslich floppen zu sehen.

2010 also McClain vomBCS-ChampAlabama. Ein unspektakulärer Mann, aber McClain hat allem Anschein nach alles in allem sehr ordentlich gespielt, trotz gelegentlicher Totalausfälle. Gegen den Lauf soll McClain absolut überragend gewesen sein, dafür arge Schwierigkeiten in der Deckung gehabt haben.

Wir hatten heuer dreimal Raiders – nennenswerte Spiele habe ich nicht vermerkt, u.a. auch, weil er gegen die Chiefs recht schnell runter musste. Die einprägsamste Aktion McClains bleibt jene aus Woche 2 gegen die Rams – WWC at his best:

Zwischendurch war McClain mal in den Schlagzeilen, weil er das desinteressierte Publikum scharf angegriffen hat – Raiders-Fans gehen eben nur mehr ins Stadion, wenn sie jemanden auszubuhen haben. Das attraktivste Opfer ever, Jamarcus Russell, ist aber seit einem Jahr kein Raider mehr. McClain blieb nach seinem Rundumschlag überraschend von Pfiffen verschont – OBWOHL er ordentlich spielte.

Könnte der Leader einer recht guten Defense werden. Seymour, Kelly, Wimbley, Huff, McClain – die Eckpunkte einer sehr, sehr guten Unit.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Joe Haden, Cornerback

Heute dran in der Rookie-Rückschau 2010/11: Ein unscheinbarer Cornerback der Cleveland Browns.

Pick #7: Joe Haden

Position: Cornerback
College:
University of Florida
NFL-Team: Cleveland Browns

Joe Haden. Natürlich aus zig SEC-Übertragungen ein bekannter Name, galt aber als etwas zu früh gedraftet (reach) und vor allem: Ging im Clevelander Wechseltheater (Stichwort: LeBron James) vor einem Jahr ziemlich unter.

Man möchte ja nicht so richtig nach Cleveland als junger Spieler – gilt für Basketball wie für Footballer – aber wenn mit Eric Mangini ein Mann am Ruder sitzt, der ein Auge für Defensive Backs hat, lässt es sich leichter leben.

Haden spielte wochenlang als Nickelback, ehe er in der zweiten Saisonhälfte zum Starter befördert wurde – und alle Zahlen und Statistiken weisen darauf hin, dass Haden brillant spielte: Er schaltete selbst anerkannte Top-Leute wie Brandon Marshall aus und war einer der Hauptgründe für eine phasenweise mächtige Defense der Browns.

Unter Insidern gilt Haden als absolute Elite, als mit weitem Abstand bester Cornerback des 2010er-Jahrgangs, der nur deshalb nicht Rookie des Jahres wurde, weil Mangini ihn spät (zu spät?) auf die Receiver der Liga losließ. Die einzigen Schwachstellen in seiner Defensivarbeit soll die Laufspielverteidigung sein, nachdem er in der Deckung als praktisch ausgelernt gilt – nach dem ersten Jahr!

Natürlich werden Schwächephasen kommen, vor allem nach der Entlassung Manginis und der darauf folgenden Inthronisierung des jungen Offensiv-Coaches Pat Shurmur. Der Fokus wird sich von Defense auf Offense verschieben – Dick Jauron ist jetzt auch nicht der der DefCoord, zu dem ich allergrößtes Vertrauen hege.

Mit Haden hat Jauron aber allem Anschein nach nicht nur einen Rohdiamanten als Anker in der Secondary, sondern einen Diamanten, der bald zu funkeln beginnen wird bereits schwer glitzert.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Eric Berry, Safety

Blick auf den nächsten Rookie der 2010er-Klasse, den gehypten Safety mit der #29 bei den Kansas City Chiefs.

Pick #5 Eric Berry, Safety, Kansas City Chiefs

Position: Safety
College:
University of Tennessee
NFL-Team: Kansas City Chiefs

Wenn ein Spieler mit dem Beinamen The Fifth Dimension in die NFL kommt, erwartet man sich viel. Sehr viel.

Eric Berry wurde anfangs recht harsch für seine Stellungsfehler im Passspiel kritisiert, doch er hat allem Anschein schnell Romeo Crennels Defensivschemata gelernt und galt in der zweiten Saisonhälfte als Spieler mit Prädikat „exciting“.

Berry wurde sogar an #93 der NFL-Spielerwahl gesetzt und spielte in der Pro Bowl – eine Ehre, die er sportlich noch nicht verdient hat, wenn man Insidern glauben darf, weil er kein guter Deckungsspieler ist, trotz 10 pass defenses und 4 INTs/1 Touchdown. Solche Zahlen – dazu noch 2 Sacks – lesen sich exzellent, aber bei Verteidigern und traditionellen Stats bin ich immer sehr skeptisch.

Besonders ins Auge gefallen ist mir Berry mit seinem Spiel noch nicht, aber die Auguren reiben sich die weichen Stellen, wenn sie an Berrys Zukunft denken. Ich bin gespannt: Super-athletischer und vor allem sehr lernwilliger Spieler, der das Potenzial erst angedeutet hat und trotzdem schon zu den besseren seines Fachs gehört. Da heißt es tatsächlich dranbleiben.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Gerald McCoy

Weiter geht es mit der Review-Serie der Rookies von 2010. Diesmal dran: Der Erstrundenpick der Tampa Bay Buccaneers, den man leider nicht allzu häufig hat spielen sehen.

Pick #3: Gerald McCoy

Position: Defensive Tackle
College:
University of Oklahoma
NFL-Team: Tampa Bay Buccaneers

Gerald McCoy war die #3 des NFL-Drafts 2010 und der zweite Defensive Tackle. Vor dem Draft hatte es sogar Gerede gegeben, ob McCoy nicht doch der bessere Tackle als Suh wäre. Aber: Immer wenn solches Gefasel Ende März/Anfang April aufkommt, dann weiß man: Den Medien geht der Stoff aus und es wird mit aller Gewalt ein fünfblättriges Kleeblatt gesucht.

Anders gesagt: McCoy war nie eine ernsthafte Option, vor Suh genommen zu werden. Trotzdem ist McCoy natürlich ein sehr guter Spieler – und das hat er auch phasenweise angedeutet. Nicht in dem Maße wie Suh, aber McCoy zeigte definitiv Potenzial für Höheres.

Das Debüt gegen Cleveland soll phänomenal gewesen sein, wie auch seine Vorstellung gegen San Francisco. Ansonsten ein Haufen solider Vorstellungen, in denen McCoy sich als kompletter Spieler präsentierte. Gegen Atlanta kostete ein dummer Penalty seinerseits allerdings die Buccs wichtige, vielleicht entscheidende Punkt im Playoffrennen (Spiel ging mit -4 verloren).

Am Ende war Tampas Defense von den Statistiken unterdurchschnittlich und McCoy landete mit Verletzung auf der IR-Liste, aber man sagte ihm nach, im Pass Rush nicht weniger effizient als Suh gewesen zu sein – allerdings ohne das ganz große Spektakel zu veranstalten.

Weniger Rabatz als Suh, aber nicht wesentlich der schlechtere Spieler – so könnte die Karriere von McCoy ausschauen. Nun haben die Buccs mit den Defensive Ends Clayborn und Bowers zwei hohe Picks eingekauft. Wenn alle die Erwartungen halbwegs erfüllen, hat Tampa eine bombige Defensive Line.

Womöglich wird in fünf Jahren der Mainstream nur Suh Nachfolger von Warren Sapp hypen, während in der Nische der Fach-Analyse McCoy keinen Deut schlechter wegkommt.

Oder anders gesagt: McCoy könnte im Gegensatz zu Suh in Sachen Pro Bowls und All-Pros zurückstehen müssen. Halte ich für nicht ausgeschlossen, denn schon allein der Name „Ndamukong Suh“ ist viel spektakulärer als „Gerald McCoy“.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Ndamukong Suh, Lions

Es geht weiter mit der Rookie-Klasse von 2010. Heute dran:

Pick #2: Ndamukong Suh

Position: Defensive Tackle
College:
University of Nebraska
NFL-Team: Detroit Lions

Der meistgehypte Spieler des Drafts 2010 war Nebraskas Ndamukong Suh. Klar, wenn ein Mann mit diesem Namen übers Feld läuft und dann auch noch spektakuläre Bilder aus seiner College-Zeit im Hinterkopf hängen geblieben sind, dann kann man mit einem gewissen Hype rechnen.

Ich bin eigentlich skeptisch, wenn ein Defensive Liner in der Big 12 Conference dominiert. Die „Big 12“ genießt bei mir nicht den besten Ruf, aber Suh ist mir in seiner Cornhuskers-Zeit natürlich schon aufgefallen. Entsprechend cool, dass „meine“ Lions den vermeintlichen Top-Spieler des Jahrgangs serviert bekamen. Ich habe angesichts der Erwartungen Suh als Rookie des Jahres in der Defense getippt.

Auch wenn am Ende einige widersprechen werden: Ich finde die Kür von Suh zum Defensivrookie des Jahres in Ordnung. CB McCourty genießt bei mir noch nicht den Status, der ihm von vielen Scouts zugeschrieben wird.

Klar ist: Suh ist noch kein überragender Tackle gegen das Laufspiel. Zu Thanksgiving hatten die Patriots mit zunehmendem Spielverlauf immer weniger Probleme, ihre Running Backs über die Mitte zu schicken.

Aber: Suh ist ein explosiver Tackle, der Offensive Lines in der Mitte zerbröselt. 10 Sacks sind für einen DT ein exzellenter Wert, aber noch stärker ist der Eindruck hängen geblieben, dass man häufig zwei Blocker auf Suh abstellen musste. Weil er so dominant war. Dass ein Tackle innen so viel Verwüstung anrichtet – bis auf vielleicht noch Kevin Williams bisher ungesehen. So soll einst in den frühen Jahren Warren Sapp gespielt haben.

Suh war so aggressiv, dass er gegen Chicago seine Mannschaft ungewollt sogar den Sieg gekostet hat, nach einem Ellbogen-Hit gegen QB Cutler. IMHO eine Fehlentscheidung der Referees, bzw. des eigentlich von mir geschätzten Ed Hochuli. Bitte selbst vergewissern:

Ich glaube, dass Suh der Pick ist, der die Detroit Lions über Jahre definieren wird. Noch mehr als Stafford, sollte der denn endlich mal gesund bleiben. Top-Tackle, jetzt in Kombination mit DT Nick Fairley, starke Defense Line und ein Line-Coach, dem ein exzellenter Ruf vorauseilt: Alles Zutaten, die mich daran glauben lassen, dass Detroits Lions diesmal tatsächlich nach oben kommen.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Sam Bradford, Rams

Der NFL Draft 2011 ist vorbei, jetzt darf munter spekuliert werden, wie die Mannschaften ihre Rookies einsetzen werden oder welche Teams ihre Rookies verbrennen werden.

Die Rookie-Klasse von 2010 hat ihr Debütjahr schon hinter sich. Ein Rückblick darauf, wie es einigen Ausgewählten so ergangen ist und wie ihre Zukunft in der NFL gelagert ist, beginnend mit dem Top-Pick Sam Bradford.

(Disclaimer: Natürlich habe ich nicht annähernd genügend Spiele von den meisten dieser Rookies gesehen, als dass diese Reviews „fair“ wären. Sie sind mehr dem persönlichen Interesse geschuldet, was ein Jahr nach dem Draft so alles passiert ist)

Und wer sich nicht durch die in Salamitaktik in nächster Zeit präsentierten Einträge kämpfen will: Auf Spox.com habe ich vor kurzem einen 999 Wörter langen Überblick reingestellt.

Pick #1: Sam Bradford

Position: Quarterback
College:
University of Oklahoma
NFL-Team: St. Louis Rams

Als College-Footballfan war mir Sam Bradford natürlich bereits ein Begriff. Als ich damit begonnen habe, regelmäßig College Football zu schauen, war grad die beste Zeit von Bradford an der University of Oklahoma. Die Spread Offense der Sooners war mächtig mit reihenweise vertikal das Spielfeld runtergebombten Bällen.

Bradford war schon als Sophomore Heisman-Trophy-Sieger und orchestrierte die Sooners ins BCS-Finale, das dann aber recht enttäuschend gegen Florida endete. 2009/10 war Bradford dann schulterverletzt fast die komplette Saison inaktiv.

Nicht nur das: Bradford eilte auch der Ruf voraus, auf der ganz großen Bühne zu versagen, sprich: Die wichtigen Bowls nicht gewinnen zu können.

Trotzdem hatte ich einiges erwartet und Bradford als Rookie des Jahres in der Offense getippt. Erstens, weil Bradford ein bescheidener Jungs ist, was bei erfolgreichen Quarterbacks an so großen Unis nicht immer normal ist. Und zweitens, weil St Louis für einen jungen QB ein guter Ort sein sollte: Keine Medienhysterie, guter junger Coach und Erwartungen vom Kaliber „zwei Saisonsiege sind schon ein Fortschritt“.

Bradford entpuppte sich als Chamäleon von einem Quarterback. Anstelle von Spread und Spektakel Solidität und Fehlerminimierung. Ohne ansprechende Wide Receivers brachte Bradford 18 TD bei 15 INTs zustande und noch viel wichtiger: Er holte Siege. 7-9 ist angesichts der Erwartungen der Rams eine Sensation. Dass dabei nur gegen die Unterklasse der NFL gepunktet wurde – geschenkt. Es war ein solides Rookiejahr für Bradford – gekrönt mit dem erwarteten Rookie-Preis.

Nun ist mit OffCoord Josh McDaniels ein anerkanntes Genie in St Louis am Werkeln. McDaniels ist einer, der auf Running Backs pfeift und lieber seine Quarterbacks bis zum Armbluten werfen lässt. Man kann sich schonmal vorsichtig darauf einstellen, dass Bradford unter diesen Umständen innerhalb von zwei Jahren spektkulärere Zahlen produzieren wird.

Ich sehe keine Ansätze dafür, dass Bradfords guter Einstieg in die NFL eine Eintagsfliege gewesen sein sollte – auch wenn die Vorstellung im einzigen vollen Spiel, das ich von den Rams gesehen habe (SNG gegen Seattle), ein schlechtes Spiel von Sam Bradford war.