NFL Draftvorschauer 2017 – Running Backs

2017 ist das Jahr der Runningbacks. Nicht, dass wir plötzlich eine Renaissance der Zeiten von Tomlinson, Alexander und Priest Holmes erleben werden, aber: So viele so gute Runningbacks sind lange nicht mehr in einem einzigen Jahrgang in die NFL gespült worden.

Es ist unmöglich, alle Prospects in einem einzigen Eintrag zu behandeln, also konzentriere ich mich heute auf die fünf bekanntesten – wissend, dass ich damit bereits den einen oder anderen möglichen 2nd Rounder ignorieren werde. Weiterlesen

NFL Draft 2016 – Rede und Antwort | Running Backs und Tight Ends

Vorletzter Teil der großen Vorschau-Serie auf den NFL-Draft 2016, wo die Betreiber von Der Draft.de meinen Fragen Rede und Antwort stehen. Heute dran: Die Positionsgruppen Runningback und Tight End. Die Antworten kommen heute teilweise von Roman John (@maschemist), dem Blog-Partner von Christian Schimmel.

Vertiefend wurden Runningbacks und Tight Ends bereits in vergangenen Draftcast-Sendungen behandelt. Im folgenden Eintrag werden die Top-Prospects durch den Äther gejagt. Weiterlesen

Die Running Backs im NFL-Draft 2014

Der Running Back war einst der größte Star einer Footballmannschaft. Er war noch vor wenigen Jahren die Nummer 2 hinter den Quarterbacks, und der Topkandidat auf den Publikumslieblings-Preis in fast jeder Footballmannschaft. Heute ist der Running Back in vielen Mannschaften zu einem Rollenspieler verkommen. Es gibt nur noch sehr wenige Mannschaften, die wirklich um ihr hartes Laufspiel gebaut sind. Es gibt nur noch wenige klassische Arbeitstiere, die durchschnittlich 20 Carries pro Spiel bekommen. Dafür ist die Runningback-Position viel variabler geworden: Skills im Pass-Blocking zählen heute ebenso wie die Möglichkeit, Bälle zu fangen, und die Möglichkeit, verschiedene Systeme zu laufen.

Viele Mannschaften setzen heute eine Runningback-Rotation mit zwei oder drei verschiedenen Optionen ein. Das hat den Vorteil, dass man variable Spielertypen im Kader halten und einsetzen kann. Der größte Vorteil ist aber der Preis: Man kann durchaus argumentieren, dass der langsame Schritt weg von den Jamal Lewis, den Tomlinsons, den Shaun Alexanders, den Larry Johnsons hin zu den RB-Rotationen vor allem gekommen ist um den Preis der Backs zu drücken. Das scheint gelungen: In der heurigen Free-Agency zum Beispiel lag der Wert von Runningbacks nur noch marginal über jenen der Kicker.

Aber es gibt auch noch die Teams mit lauflastiger Offense. Rein zufällig sind zwei der besten Mannschaften der letzten Jahre um Power-Laufspiel gebaut: Seattle und San Francisco. Das kann Erfolg haben, aber es braucht dafür auch den entsprechenden Quarterback und eine entsprechende Offensive Line. Und darin liegt oft die Krux in der Bewertung von Backs: Wie kann man ihren Wert von jenem der Offense Line trennen?

Running Backs bewerten

Prospects 2014

Name                Rd
Carlos Hyde         1-2
Bishop Sankey       2-3
Jeremy Hill         2-3
Tre Mason           2-3
Charles Sims        2-4
Lache Seastrunk     2-4
Ka’Deem Carey       2-4
Andre Williams      3-4
Terrance West       4-7
Dri Archer          4-7
De’Anthony Thomas   4-7
Storm Johnson       4-7
James White         4-7
Devonta Freeman     4-7
Marion Grice        4-7
Jerick McKinnon     4-7
James Wilder Jr.    7
Ben Malena          7
Henry Josey         7

Links

Mayock Top-5

  1. Sankey
  2. Hyde
  3. Hill
  4. Mason
  5. Williams

Die erste Zahl, auf die man beim Runningback verlockt ist zu schauen, ist natürlich die 40yard-Sprintzeit aus der NFL-Combine, dabei sagt diese Zahl bei Runningbacks vergleichsweise gar nichts aus. Wichtig für den Runningback der Gegenwart ist die Beweglichkeit auf der horizontalen Achse des Spielfeldes, sprich parallel zur Line-of-Scrimmage (LOS = Anspiellinie), und die Explosivität. Sprintqualitäten sind brauchbar, wenn du häufig im offenen Spielfeld operierst um 60yds-TD zu erzielen, aber du hast nur in 2-3% der Plays die Chance, überhaupt solche langen Läufe zu scoren – yup, Speed ist ein Skill, aber nicht der wichtigste.

Du musst als Runningback den Blick für deine Vorblocker haben („wo wird sich gleich die Lücke öffnen“) und dann entschlossen (!) diese Lücke attackieren. Das ist für die Scouts jedoch gar nicht so einfach zu bewerten, da viele Backs am College diesbezüglich überhaupt nicht getestet werden: Sie kriegen richtige Waale frei geblockt und sehen erst in der Linebacker-Zone den ersten Gegenspieler.

Was heute auch immer wichtiger wird: Qualitäten als Ballfänger, damit du zumindest eine glaubwürdige Alternative für Pässe z.B. bei 3rd-Downs bist, und wenigstens minimale Qualitäten und Einsatzbereitschaft im Pass-Blocking – Aufnehmen von Blitzes als Paradebeispiel.

Die klassischen Arbeitstiere sind wie schon erwähnt nicht mehr so stark gefragt. Selbst Scouts der alten Schule haben eingesehen, dass die Tendenz gen vielseitige Backs geht. Das heißt natürlich nicht, dass die Backs der Güteklasse Peterson oder Lynch, diese alten Arbeitstiere mit ihrer Power in der Spielfeldmitte, komplett aus der Mode sind.

Greg Cosell spricht in seinen Podcasts oft von foundational backs, wenn er über die Arbeitstiere spricht. „Foundational“ im Sinne von „kann ich einen wichtigen Teil meiner Offense-Philosophie um die Laufspielqualitäten meines Runningbacks bauen?“. Und so einen richtigen system-schaffenden Back gibt es im Draft 2014 nicht. Viele Backs sind ziemlich durchschnittlich oder echte „Systemspieler“, die man am besten in ein vordefiniertes System steckt, zum Beispiel eine Spread-Offense.

Die Arbeitstiere

Carlos Hyde von der Ohio State University gilt am ehesten als potenzielles Arbeitstier, dem man permanent um die 20 Carries geben kann. Hyde ist nicht der ganz große Speedster, kann Gegner nicht so mir nichts, dir nichts aussteigen lassen. Er hat aber gute Beschleunigung, gute Körperbalance und ist ein harter Knochen. Er gilt als Spielertyp mit sehr leichtfüßigen Bewegungen und soll auf engstem Raum eine Art explosiverer Eddie Lacy sein – das läse sich nach einer eher guten Stellenbeschreibung. Allerdings ist Hyde kein wirklich guter Receiver, und sein Pass-Blocking gilt als extrem ausbaufähig, um es vorsichtig zu beschreiben.

Aufgrund seines Körperbaus könnte auch noch Jeremy Hill von Louisiana State als potenzieller foundation back durchgehen: Hill ist wie Hyde über 105kg schwer und gilt für einen so gewichtigen Back als erstaunlich wendig. Hill hat den Vorteil, dass LSU in den letzten Jahren schon eine sehr NFL-nahe Offense gespielt hat (u.a. weil dort zuletzt Cam Cameron Offense-Coordinator war), inklusive der auch in der NFL oft verwendeten I-Formation.

Hill ist auch noch kein verbrauchter Back: Er hatte nie die ganz große Arbeitslast zu tragen, weil er nicht immer spielberechtigt war… und da sind wir beim großen Fragezeichen: Was ist Hill für ein Typ? Am College wurde er zweimal eingebuchtet (ein Sexualvergehen, eine Schlägerei) und bereitete dem Trainerstab immer wieder Kopfzerbrechen („wie viel negative Presse kriegen wir, wenn wir den Typ schon diese Woche wieder aufstellen?“). Hill soll sich schon proaktiv an die 32 NFL-Teams gewandt haben um sich zu erklären, aber das ändert die Faktenlage nicht.

Eine Art Hyde/Hill für Arme soll der Rekord-RB von Boston College sein, Andre Williams, der im abgelaufenen Herbst über 2100yds und 18 Touchdowns machte. Williams ist ein sehr eigener Typ, ein nachdenklicher Knabe, für den es auch neben dem Footballfeld eine Welt gibt. Auf dem Feld sieht man das nicht immer: Dort ist Williams meistens sehr straight downhill orientiert. Kein langes Fackeln, sondern sofortiges Abbiegen gen Süden. Williams ist allerdings weder explosiv genug für einen richtig hohen Pick, noch hat er die nötige Geduld. Man geht davon aus, dass er bestenfalls in den mittleren Runden gedraftet wird.

Terrance West von der kleinen Towson University soll ein dark horse in den letzten Runden für ein mutiges Team sein: Ein eher kleiner, kompakt gebauter Back. Er sieht lustig aus, weil sein Körperschwerpunkt nur zirka 10 Zentimeter überm Spielfeld liegt. Nachteil bei solchen Jungs: Sie sind nicht die beweglichsten. Weil West aber genug Geschick angedeutet haben soll und zumindest die Eier bewiesen hat, immer wieder das eine oder andere Yard zwischen den Menschenbergen in der Spielfeldmitte herauszuwringen, gilt West NFL-gebräuchlicher Spielertyp.

3rd-Down Backs

Ein 3rd-Down Back ist in Kurzbeschreibung das, womit man die eher fangstarken Runningback-Typen bezeichnet: In 3rd-Downs ist es häufig für die Quarterbacks wichtig, eine Art Sicherheitsoption zu haben, und das ist oft der fangstarke Back. Ein Charles Sims (West Virginia) oder Marion Grice (Arizona State) gelten als solche Backs, die auch mal Bälle via Reception über die gelbe Linie tragen können. Beide sind nicht explosiv genug um wirkliche zentrale Bausteine einer Offense zu werden, aber sie sollen als Ballträger intelligent genug sein um hin und wieder das eine Extrayard am Ende des Spielzugs herauszuwürgen und somit in 150 Carries pro Jahr vielleicht 70, 80 Yards mehr zu machen als der komplett durchschnittliche Back.

Ein interessanter Spieler, dem man anfangs seiner NFL-Zeit eine Rolle als 3rd-Down Back zutraut, ist Storm Johnson von der University of Central Florida. Das ist die Uni, von der auch der gehypte Quarterback-Prospect Blake Bortles kommt. Es hat sich zum gängigen Witz unter Draft-Scouts entwickelt, dass sie sagen „wir wollten uns Bortles anschauen, aber beeindruckt hat uns bei UCF Storm Johnson“.

Alle sagen: Johnson ist gut, aber du siehst es erst, wenn du ihn dir tausendmal angeschaut hast. Johnson ist weder super gebaut noch superschnell noch ein superstark, aber er spielt intelligent, kann Bälle fangen und sollte zum Beginn seiner Karriere zumindest in dieser Rolle eingesetzt werden können.

Die Kampfzwerge

Tre Mason ist jedem Fan des College Football, der die abgelaufene Saison mit mehr als einem halbwachen Auge verfolgt hat, ein Begriff: Mason war der Mann, um den die Auburn Tigers ihre sensationelle Saison gebaut haben, die um ein Haar zum unbegreiflichsten BCS-Titel ever geführt hätte. Mason ist kein großer Spieler. Er ist nur zirka 1.73m und 94kg. Das sind normalerweise nicht Maße, mit denen du in der NFL bei 300 Carries durchstehst.

Mason kennt aber eine solche Workload: Er hatte in der abgelaufenen Saison in nur 14 Spielen 317 Carries. Es gab vor allem gegen Saisonende Partien, in denen Auburns Trainerstab Mason 30 Mal, ja 40 Mal den Ball tragen ließ. Und Mason war effizient: Fast 2000 Yards holte er in der SEC, er verglühte gegen eigentlich starke Defenses wie Alabama, Mizzou oder Florida State fast vor lauter Energie.

Bei so vielen Carries siehst du auch recht viele unterschiedliche Spielzugdesigns: Mason kennt sie alle. Er kennt Power-Runs, er kennt den Jet-Sweep, er kennt das Counter-Play, er kennt natürlich die Zonen-Offense, und sein Output war überall gleichermaßen positiv.

Mason hat einen sehr markanten Laufstil: Sein Körperschwerpunkt ist sehr „bodenständig“ und er nimmt nicht viele harte Hits. Er schafft es, mit simplen Moves dem großen Knall soweit auszuweichen, dass er noch 1-2 Gratis-Yards am Ende des Laufes mitnimmt, was sich über die Zeit summiert. Mason ist kein überaus geduldiger Back: Er guckt sich zwar schon die Lücke bei den Vorblockern aus, aber bricht dann schnell entschlossen durch, was bei funktionierender Offensive Line wie ein Wunder der Natur aussieht.

Mason ist trotz der vielen Carries 2013 nicht überarbeitet, denn 2013 war sein erstes Jahr als Stammspieler. Negativer sind da schon seine fehlende Erfahrung als Ballfänger und Pass-Blocker, denn – es wurde schon bei Greg Robinson im Eintrag der Tackles diskutiert – Auburn und Passspiel war wie Puff und Vatikan. Mason dürfte für einige Teams ein sehr attraktiver Back sein, und er wird möglicherweise spätestens Ende zweite Runde vom Tablett sein.

Für viele ein noch NFL-reiferer Back ist Ka’Deem Carey von Arizona, wie Mason ein eher kleiner Back. Carey ist ein extrem harter Knochen, der in jedem Spielzug den Kontakt sucht und trotz seines ranken Äußeren lieber über den Gegner drüberläuft als drumherum. Er ist ein Mann, der sich im Pass-Blocking nicht scheut, mit der Schulter voran den Blitz abzuwehren – technisch arg verbesserungswürdig, aber Zeugnis seines Enthusiasmus für den Footballsport der alten Schule.

Bei Scouts hat die Kombination aus Careys Körperbau und seiner Workload Skepsis hervorgerufen: Carey bekam in den letzten zwei Jahren über 700 Carries und steckte entsprechend viele Hits ein. Für große, schwere Spieler ist das vielleicht noch tragbar, aber Careys Kampfgewicht ist weit unter 90kg. Er hat sich nach der Saison rund 10kg angefressen um die Scouts zu beeindrucken, aber die ließen sich dann nicht blenden und sehen in Carey keinen 210-Pfund Bolzen.

Spielerisch ist er unumstritten und dank seiner Erfahrung als Ballfänger flexibel, aber weil man ihm aufgrund der fehlenden realen Kilos nicht zutraut, eine richtig tragende Rolle zu übernehmen, wird Carey wohl eine Runde weiter fallen als gedacht – zumindest in die dritte, glaubt man den Auguren.

Mindestens dorthin fallen wird auch James White von Wisconsin. White war dort super-effizient in einem lateral angelegten Zonensystem. Er teilte sich viele Jahre mit Montee Ball die Carries auf, hatte aber stets bessere Effizienz-Stats als Ball, der letztes Jahr in den mittleren Runden von Denver gedraftet wurde. White wird Probleme haben, sich gegen die RB-Konkurrenz 2014 zu erwehren, weil es viele ähnliche Backs gibt, die etwas schneller, etwas explosiver sind, aber White hat ein großes Plus: Er ist ein famoser Pass-Blocker. Er killte die Linebacker am College gleich reihenweise.

Guter Blocker ist auch Devonta Freeman von der Florida State University, ein Back, der jahrelang in der Rotation der Seminoles mitspielte, aber immer im Schatten vom Teamkollegen James Wilder jr. (ebenso ein Prospect 2014) stand – bis zu den letzten Wochen der letzten Saison, wo Freeman seinen Durchbruch hatte. Er ist zwar nur 1.72m groß, aber mit seinem kompakten Körperbau gilt er als sehr schwer zu Boden zu bringen. Freeman ist kein „Stratege“ im Play, der visionär arbeitet und sich die Lücken ausguckt; Freeman ist eher der Brecher, der seinen Gegner mit Physis zu überlaufen versucht. Er ist ein kompletter Spieler, aber er ist fumble-anfällig. Die Frage ist, ob ein paar Spiele „Breakout“ mehrere Jahre des Ergänzungsspielers übertünchen können.

Die Spread-Runningbacks

Bishop Sankey von der University of Washington ist in vielen Big-Boards ganz weit oben gereiht, aber der Kampfgnom Sankey ist bei genauerem Hinsehen ein ziemliches one trick pony, das zum Überleben viel Platz braucht. Sankey wurde in den letzten beiden Jahren in Washington als echtes Arbeitstier mit über 600 Carries eingespannt und machte dabei fast 5.5yds/Carry, aber es waren fast alles Läufe, die nicht in das klassische NFL-Schema über die Spielfeldmitte passen.

Sankey ähnelt dabei stark dem Baylor-Runningback Lache Seastrunk, auch so ein 1.75m-Wurstler. Seastrunk kennt zwar die inside-Läufe besser als Sankey, ist aber auch kein Back, den du als Arbeitstier einspannen kannst. Sankey und Seastrunk gelten beide als explosiv und recht gute Ballempfänger. Beide werden keine effizienten Inside-Power Läufer sein, aber sie werden im offenen Feld einigen Schaden anrichten. Damit passen beide in eine Spread-Offense – und weil sie dort hohes Potenzial haben, könnte es durchaus das eine oder andere NFL-Team geben, das einen der beiden in den hohen Runden zieht.

Die Irrwisch-Fraktion

Zum Abschluss zwei Irrwische, die nur mit sehr weitgefasster Definition als „Running Backs“ durchgehen. Der eine ist The Black Mamba, De’Anthony Thomas von der University of Oregon, der uns am College viele schöne Stunden mit seinen spektakulären Plays bereitete. Thomas war eine Art Universalwaffe im System der Ducks: Change-of-Pace Back, Slot-WR, Empfänger von Jet-Sweeps, Kickreturner, Puntreturner, deep threat-WR. Oregons Trainerstäbe hatten ihre hellsten Freuden mit diesem schmächtigen, nur 79kg schweren 1.74m-Stäbchen.

Thomas ist eine Art Tavon Austin für Arme. Er hat bis an die Grenzen des guten menschlichen Geschmacks drehbare Hüften, eine extreme Beschleunigung aus dem Stand, und kann schonmal zwei, drei Linebacker aussteigen lassen. Thomas gilt nicht als kontaktscheu, wird sich aber in der NFL mit seinem stiff arm eher selten durchsetzen.

Die Negativen bei ihm sind seine erstaunlich langsame 4.60 Zeit im 40yds-Sprint, die Fragen ob seiner Sprinterfähigkeiten aufwarfen, sowie sein Durchhaltevermögen: Thomas hatte praktisch nie mehr als 11, 12 Ballberührungen pro Spiel. Die aber hatten es in sich.

Ein ähnlicher Spielertyp ist Dri Archer von Kent State, dessen Verkaufsschlager am College der Jet-Sweep war, eine Art Trickspsielzug, die versucht, einen sehr schnellen Offensivspieler ums Eck (Defensive End) zu schicken, wo viel grünes Gras wartet. Einen berühmten Jet-Sweep hatte Percy Harvin zum Beispiel zu Beginn der Superbowl gegen Denver. Archer ist so ein schneller Mann, für den dieser Typ Spielzug wie gemacht ist.

Archer ist wie Thomas und einige andere schon Aufgezählte ein Mann, der nur im offenen Feld erfolgreich sein wird. Er wird in einer horizontal angelegten Offense spielen müssen und den Ball schon in Bewegung aufnehmen müssen um seinen Output zu maximieren, denn Archer kann nicht so gut beschleunigen wie Thomas. Archer ist aber Ballfänger genug, dass ich ihn morgen vielleicht noch einmal unter die Lupe nehmen werde… bei den Wide Receivern.

Die Erfolgsquote der Running Backs, ihre Bedeutung und die dazugehörige Leseempfehlung

Die beste Nachricht voraus: Das Blog lebt! Andy Goldschmidt hat auf seinem Blog „Football is Sex, Baby“ über das Phänomen der Running Backs und ihrer Erfolgquote geschrieben, was ich unbedingt als Lektüre empfehlen würde.

Die Erfolgsquote (englisch Success Rate) beschreibt, ob ein Spielzug einen positiven oder negativen Beitrag gebracht hat. Man muss sich das so vorstellen: Ein Down ist die Ressource, mit der ein Coach arbeitet. Gewinnt die Mannschaft im ersten Versuch zwei Yards, ist das ein negatives Erlebnis, da in die Opportunity Costs das verlorene Down mit reingerechnet werden muss. 2nd-und-8 ist schlechter als 1st-and-10.

Es gibt verschiedene Definitionen der Success-Rate, wie Footballissexbaby richtigerweise schreibt. Diejenige von Brian Burke dürfte die am meisten entwickelte sein. Bei Burkes Success-Rate springen zwei Dinge ins Auge:

  • Die Success-Rate des Laufspiels korreliert mit Sieg und Niederlage sehr viel besser als die einfachere Statistik Yards/Lauf (Y/A), und zwar mit 0.42; Y/A korreliert fast überhaupt nicht mit Sieg und Niederlage (0.08).
  • Success-Rate im Laufspiel korreliert sehr viel besser mit Yards/Passspielzug (NY/A) denn Yards/Laufspielzug, und zwar mit 0.39 (gegenüber 0.03).

Man kann daraus schließen, dass NFL-Trainerstäbe primär versuchen, ihre Siegchance mit viel klein-klein im Laufspiel zu optimieren, anstelle noch aggressiver via des viel riskanteren Passspiels den großen Knockout-Punch zu suchen.

Adrian Peterson scheint übrigens nicht unter den besten Running Backs auf, wenn wir auf die Erfolgsquote schauen. Das kann mehrere Gründe haben: Peterson ist erwiesenermaßen eher ein Back der Güteklasse boom or bust, gibt also lieber sieben Carrys mit null Yards für den einen Big Play auf als konstant die 3-4 Yards zu nehmen. Es kann aber auch dran liegen, dass die Vikings häufig „Feldposition“ spielen und bei drittem Down und neun Yards to go lieber laufen, punten, und auf ihre Defense vertrauen.

Das ist dann ein Punkt, an dem ich nicht mehr komplett einher mit Footballissexbaby gehe: Ich sehe die Success-Rate eher als Bewertungskriterium für die gesamte Offense als für einen einzelnen Spieler. Gerade Running Backs sind relativ machtlos den Gameplans ihres Coaches ausgesetzt und haben sehr viel weniger Kontrolle über ihre persönlichen Statistiken als z.B. ein Quarterback.

NFL Draft 2011 Countdown T-minus 7 – Die Running Backs am Karfreitag

(Man lege es mir nicht als Pietätlosigkeit aus, aber Countdown-Unterbrechung geht nicht)

Die Auguren sind sich einig: Der herausragende Top-Running Back fehlt – wie schon 2010. Stattdessen wird die Draftklasse vom etwas biederen Mark Ingram jr. angeführt, ein ehemaliger Heisman Trophy-Gewinner an der University of Alabama. Ingram ist ein kleingewachsener, bullig gebauter und vielseitiger Back, dem das Eine abgeht: Speed. Und ohne „Grundspeed“ bist du in der NFL zumindest was den Draft angeht schnell mal unten durch. Da können noch so viele Emmitt Smiths durch die Lande rushen.

Ingram war aber im Herbst eine zeitlang verletzt, und mir persönlich gefiel sein Backup Trent Richardson etwas besser.

Die halbe Augurenschaft sieht Ingram als soliden Pick für die Miami Dolphins (#16). Persönlich frage ich mich, was Miami mit Ingram bezwecken möchte – sie hatten mit dem Duo Brown/Williams zwei IMHO ziemlich ähnliche Spielertypen. Spielertypen für eine langweilige, uninspirative Offense. Miami könnte IMHO einen explosiven Back viel dringender benötigen.

Ingram halte ich trotzdem für einen soliden Running Back, weil er sehr durchhaltefähig ist und die Eier hat, auch mal einen Moment länger zu warten, bis sich das Loch öffnet, anstatt blindlings in einen Menschenberg hineinzupreschen. Vermutlich wird man Ingram auch locker 300 Carries pro Saison geben können und er wird dir verlässlich seine Yards runterspulen.

Während Ingram der große Name ist, gilt Mikel LeShoure (sprich: Muuukel Luuuschour) unter Insidern als bester Running Back. LeShoure ist kein Kind von Traurigkeit – vor drei Jahren zertrümmerte er einem Teamkollegen den Kiefer, vor zwei Jahren stand er kurz vor dem Rausschmiss aus seiner Uni (Illinois). Illinois? Richtig, und somit erklären sich auch die vielen Vergleiche mit Pittsburghs Rashard Mendenhall. LeShoure ist ein ähnlich kraftvoller Läufer, einer vom Typus „gebt mir einen schnellen, wendigen Back als Abwechslung und ich mache euch 1300yds pro Saison!“ Gegen die Northwestern hat er schon mal gepflegte 330yds in einem Spiel hingelegt.

Ein spezieller Fall ist Ryan Williams von Virginia Tech. 2009 hatte der Mann ein gutes Jahr mit vielen Carries, 2010 brach er förmlich ein. Schaute, wie viele gute Backs in den Draft gehen würden – und schlug zu. Williams hätte noch ZWEI Jahre am College bleiben können, wäre aber vermutlich nie wieder so hoch einberufen worden. Wenn ich persönlich an Ryan Williams denke, fällt mir immer wieder ein, wie Williams gegen Boise State zum Saisonstart keinen einzigen Stich machte. Aber es gibt auch Tapes, die Williams’ Leichtfüßigkeit unter Beweis stellen.

Diversität ist der Trumpf

Hinter dem Top-Trio gibt es eine Reihe an unterschiedlichen RB-Typen. Und wir wissen, dass viele gute NFL-Running Backs durchschnittlich recht spät gedraftet wurden.

So ein Kandidat ist Jordan Todman, mit 1,75m und 92kg nicht grad NFL-Gardemaß. Anders gesagt: Sobald Todman als Blocker abgestellt wird, kann getrost die Pfannkuchen-Polizei angefordert werden.

Was soll man dann erst über Kendall Hunter sagen? 1,70 und 90kg? Das USRK (oder so) sofort in Einsatzbereitschaft anfordern? Hunter gilt immerhin als flink genug, um sämtlichen Tacklern ein Schnippchen zu schlagen und soll die Leichtgüßigkeit eines Hasen auf der Flucht haben. Gilt als idealer Change-of-Pace-Back als Ergänzung zum Arbeitstier-RB, auch genannt „Michael Turner“.

Noch einen Tick mehr Winzling ist Oregon States Jaquizz Rodgers mit seinen 1,69m und 87kg. Das sind Kampfgnom-Maße in der NFL. Quizzes‘ Bewerbungsschreiben liest sich in etwa so: Pfeilschnell, sehr leichtfüßig, kann Tacklern ausweichen und ist ein ausgelernter Ballfänger, kaum sichtbar hinter einer großen Offensive Line und schwer zu Boden zu bringen. 1st round? Mitnichten, denn 1) ist Quizz etwas sehr klein und leicht für die NFL und 2) hat Quizz bei allem jugendlichen Daherkommen (21 Jahre alt) schon massivste Hits einstecken müssen. 651 Ballberührungen über die letzen 2 Jahre. Wer Dinge lieber direkt anspricht, sagt dazu „verheizen“. Kandidat für die Runden #2 oder #3, als Back für die Rhythmuswechsel zwischendurch.

Flexibler sollte DeMarco Murray sein, der Krokodilstränen verdrücken sollte, dass er nicht noch ein fünftes Jahr an der University od Oklahoma bleiben durfte – die Sooners gelten als h-e-i-ß-e-r Kandidat auf die BCS-Trophäe 2011/12. Der verletzungsanfällige Murray „muss“ jetzt in die NFL, gilt aber unter Scouts als reifer, ausgeglichener Spieler, der das Ingenieur-Syndrom verkörpert: Nirgends brillant, aber überall gut.

Wie Murray kommt auch Roy Helu von einem Traditions-College (für Ignoranten: Nebraska). Anders als bei Murrays Sooners bestand dort der Gameplan aus zirka 97% Laufspiel. Entsprechend viele Carries hat Helu schon auf dem Buckel – und gilt trotzdem als wenig zuverlässiger Back.

Mario Fannin ist mit Auburn National Champion geworden. Obwohl RB, hatte Fannin dort annähernd so viele receptions wie carries. Gilt als Waffe für Laufen, Fangen und Returnen. Klein, aber sehr kräftig gebaut – und schnell: 4.38 über 40yds. Erstaunlich für einen Back mit 104kg.