NFL 2016, Wildcard-Playoffs: der Samstag

Playoffs! Wir starten in die Playoffs mit einem Tag-Team-Match zwischen Connor Cook/Matt McGloin und Brock Osweiler/Brandon Weeden. Danach spielt besucht ein Freak-Team, das die letzten drei Spiele verloren hat, ein Team, das versucht mit Basketballern seinen Superstar-Quarterback zu beschützen. Ein Quarterback, der seinen ihm vorauseilenden Ruf eingeholt und mittlerweile hinter sich gelassen hat. Aber was soll’s? Es ist Januar, draußen schneit es und Playoff-Football ist Playoff-Football!

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Vorschau Divisional Playoffs 2015/16: Seattle Seahawks @ Carolina Panthers

Der Kracher dieses Wochenendes: Seattle Seahawks (11-6, #6 Seed) @ Carolina Panthers (15-1, NFC South Champions, #1 Seed); bei den Kameraden aus Übersee mit Joe Buck und Troy Aikman, also sollte man sich lieber für eine der hiesigen Übertragungen entscheiden: live und in Farbe bei Pro7Maxx/ran.de und PULS4, Kickoff 19:05Uhr.

Kein Spoilers hier, die gibt es alle in den beiden Liveblogs von korsakoff der vergangenen Nacht. [KC @ NE Liveblog, GB @ ARI Liveblog]. Hier die Vorschau Panthers vs Seahawks nach dem Klick. Weiterlesen

Vorschau Wild Card Playoffs 2015/16: Seattle Seahawks @ Minnesota Vikings

Nach dem AFC-Samstag folgt heute der NFC-Sonntag. Um 19.05Uhr geht’s los: Seattle Seahawks (10-6, #6 Seed) @ Minnesota Vikings (11-5, NFC North Champions, #3 Seed). Bei NBC mit der lebenden Legende Al Michaels und Color Commentator Cris Colinsworth; in Deutschland ab 18.55Uhr bei Pro7Maxx und ran.de, in Österreich bei PULS4.

Es soll ganz fürchterlich kalt werden in Minnesota, erwartet werden Temperaturen um Null Grad – Fahrenheit, das heißt fast -20 Grad Celsius. In Woche 13, hat Seattle die Vikings fein säuberlich in ihre Einzelteile zerlegt: 38-7. Die Offense wird wohl auch heute nicht viel reißen gegen Seattles D, aber im Gegensatz zum 06. Dezember bekommt die eigene D ihre Leistungsträger DT Linval Joseph, OLB Anthony Barr und Safety Harrison Smith zurück. Wird das reichen um gegen den amtierenden NFC Champ die Überraschung zu schaffen? Weiterlesen

NFC Championship Preview: San Francisco 49ers @ Seattle Seahawks

Der Sonntag beginnt mit der alten Rivalry der vielen alten abgebrühten Männer. Man sieht dunkle Gestalten vor sich, die vor großen Tischen und Tafeln in einem dunklen Raum stehen und überall wirre Zeichen hinmalen. Die ganze Magie spielt sich im Kopf ab. Der eine frißt sich in das Hirn des anderen hinein; der andere liest die geheimen Tagebücher des einen aus der Grundschulzeit um noch mehr über dessen Gedankengänge zu erfahren. Manchmal geht einer zur Zelluloidwand vorm Projektor mit der Filmrolle und zeigt seinen Mitverschwörern, wie der andere in dieser einen Situation sich immer genau zweimal mit dem rechten Ringfinger an das linke Ohr faßt. Die Mystik liegt in dem Undurchschaubaren. Wir können leider nicht ihre Gedanken erraten. Und selbst wenn wir es könnten – wir würden sie ja doch nicht verstehen.

Drei Stunden später: draußen vor dem Bunker schreit plötzlich ein Halbstarker „auf´s Maul!“. Im Nu sind zwei große Gruppen testosterongeschwängerter Kraftprotze aufmarschiert, die sich um die Vorherrschaft in ihrem Kiez kloppen wollen. Die Aggressivität ist mit Händen zu greifen. Die unglaubliche Lautstärke der Platzhirsche läßt gar kein klares Bild zu. Alles geht wild durcheinander. Es ist ein fairer Kampf, Mann gegen Mann, keine Waffen. Aber die fremden San Francisco 49ers (14-4) sind alleine gekommen, nur ihren Mut und ihren unbändigen Willen haben sie dabei. Die ansässigen Seattle Seahawks (14-3) haben ihre ganze Stadt und den Glauben an den großen Triumph im Rücken.

49ers Offense vs Seahawks Defense

Wieviele Punkte kann San Franciscos Offense machen? Das ist die alles entscheidende Frage in diesem Spiel. Wahrscheinlich würden schon 20 Punkte genügen, um wiederholt in den Super Bowl einzuziehen. Nur wer soll diese Punkte machen?

In den letzten vier Spielen gegen die Hawks haben die Niners 19 Punkte (Woche 14 in SF), 3 Punkte (Woche 2 in Seattle), 13 (Woche 16 2012 in Seattle) und 13 (Woche 7 2012 in SF) gemacht. 49 Punkte in vier Spielen, gerade mal 12 Punkte pro Spiel. Und es spricht wenig dafür, daß es dieses Mal mehr werden.

Die größte Schwachstelle im Angriff der 49ers ist der Quarterback Colin Kaepernick. Sein größtes Manko ist das “Lesen” von Verteidigungen. Er braucht zu viel Zeit, um zu erkennen, welcher seiner WR frei ist oder gar frei sein wird, nachdem er den Ball geworfen hat. Gute QBs werfen bei vielen Routen bereits, bevor der Ballempfänger überhaupt Richtung Ball guckt, weil sie wissen, wann sein Mann wo frei sein wird. Er wartet also oft zu lange und kann nicht antizipieren. Darüber hinaus wird er auch zu schnell in der pocket unruhig. Er versucht oft sehr früh im Spielzug irgendwie den vielen Körpern um sich herum zu entkommen, selbst wenn sie keine direkte Gefahr für ihn darstellen. Sieht er in der Linie eine Lücke, macht er den kick down und zischt ab. (Andy Benoit hat das nochmal anhand zweier Spielzüge diese Woche sehr schön illustriert.)

Das ist seine große Stärke, die oft seine Schwächen verdeckt. Allein: es braucht eine undisziplinierte Defense, um damit ein Spiel zu gewinnen. Und undiszipliniert ist Seattles Defense nun wahrlich nicht.


In seinen drei bisherigen Spielen gegen die Seahawks (im ersten Aufeinandertreffen 2012 war noch Alex Smith der starter), waren seine Läufe (attempts, yards, longest run) 7/31 (8), 9/87 (28), 9/31 (9). Er kann auch durchaus gegen Seattles D mal für ein 1st Down laufen. Nur wird das nicht reichen. Seattles “box defenders” um LB Bobby Wagner und Kam Chancellor sind zu sicher im tackling und werden vor allem von ihren Coaches die ganze Woche lang von morgens bis abends eingebläut bekommen haben, um Himmels willen big plays von Kaep zu verhindern. Soll er doch für vier, sechs oder auch mal acht Yards laufen. Dann stoppen wir sie eben im nächsten Spielzug. Stattdessen: bringt euch eine gute Position, macht eure eigene Seite zu und vertraut auf euren Nebenmann, daß er seine zumacht und macht einen sicheren textbook tackle. Zum Einschlafen gabs jede Nacht noch Videos von Kaepernick, wie er einem Packer wegrennt, der den Helden spielen wollte.

San Franciscos Angriff wird getragen vom Laufspiel. Das ist nicht mehr das alles zertrampelnde Monster der letzten beide Jahre, aber immer noch sehr gut. Die fünf dicken Jungs (von links nach rechts) Joe Staley, Mike Iupati, Jonathan Goodwin, Alex Boone und Anthony Davis können es in Sachen Abstimmung und Gleichklang mit jeder hart gedrillten chinesischen Synchromschwimmermannschaft aufnehmen. Kräftig ist jeder von ihnen wie fünf normale Menschen zusammen. Dazu kommt das schöne play design von OC Greg Roman, der von klassischen Power-O runs über Spielzüge mit sechs Linienspielern, weit ausschweifenden sweep plays hinter dem langbeinigen Staley und immer wieder auch mal option plays und Wildcat-Formationen alles auspackt, was eine Defense sonst so im Laufe einer ganzen Saison zu sehen bekommt.

Seattle kennt das alles und hat auch gute Laufverteidiger in der Linie wie Brandon Mebane, Red Bryant und Tony McDaniel. Aber ganz stoppen werden sie RB Frank Gore und Kendall Hunter nicht.


San Francisco braucht ein Paßspiel. Und Seattle hat die Legion of Boom (in der CB Byron Maxwell den gesperrten Brandon Browner gut ersetzt). Doof.

Ein Mittel wird sein, Vernon Davis irgendwie in Situation gegen die LBs oder Chancellor zu bringen. Weil hinten aber immer Earl Thomas aufpaßt wie ein Schießhund, wird dieser seine große Stärke, die tiefen Routen, nicht ausspielen können.

Es hilft nicht: Es müssen Michael Crabtree und Anquan Boldin in 1-v-1 Situationen gegen die starken CBs angespielt werden. So schwer diese Duelle dann auch für sie zu gewinnen sein werden, Kaepernick muß diese Risiken eingehen und Harbaugh/Roman müssen ihm das auch einige Male zutrauen. Zumal Kaepernicks Problem ja nicht das Werfen an sich ist, das kann er ganz gut. Er kann Bälle mit viel “zip” recht genau werfen. Und am Ende gilt immer noch: perfect pass beats perfect coverage.

Diese perfect coverage wird der junge QB oft zu sehen bekommen. Über Richard Sherman muß hier nicht mehr viel gesagt werden. Aber er ist nicht unfehlbar. Man muß Maxwell „testen“, der nur wenig Spielerfahrung hat. Wenn San Francisco etwas reißen will, brauchen sie zwei, drei Pässe von Kaepernick, die einem dem Mund offen stehen lassen.

Seahawks Offense vs 49ers Defense

Ich tue mich schwer damit, Seattles Angriff einzuordnen. Es gibt natürlich die eine jedem bekannten Komponente: Marshawn Lynch bekommt den Ball und läuft für sechs Yards. Obwohl die Offensive Line nicht besonders gut ist, macht er das oft. Wenn er mal in den beast mode schaltet, müssen sogar seine Linienspieler aufpassen, nicht von ihm verletzt zu werden.

Die andere Komponente ist aber irgendwie strange. Das Paßspiel ist ein wilder Mix aus allen möglichen Konzepten. Ich kann bei OC Darrell Bevell da keine richtige Linie oder “ein System” erkennen. Es gibt natürlich klassisches Zeug wie 11 personnel mit zwei WRs an den Seitenlinien, einem Tight End und einem slot receiver. Und auch klassisches Zeug mit trips formations (drei WRs vertikal versetzt nebeneinander). Und stack formations (zwei WR vertikel versetzt hintereinander). Und drei WRs auf einer Seite mit jeweils großem Abstand zueinander. Und Aufstellungen mit vier WRs. Und empty sets aus der shotgun. Die Bandbreite an Spielzügen reicht dabei von bubble screens über four verticals, von isolation routes (die WR spielen einzig gegen “ihren” Gegenspieler und müssen ihn schlagen mit out routes, comebacks, go routes, fades und sowas) bis zu streng getimeten (furchtbar eingedeutscht, “zeitlich aufeinander abgestimmt” trifft´s gestelzt etwas besser) Routenkombinationen der WRs (die Dinge, bei denen die Kommentatoren in der Wiederholung immer die vielen gelben Striche auf den Monitor malen und zeigen, wie der slot receiver den Safety “okkupiert”, der WR den CB tief mitzieht und so der Tight End dann gemütlich in einer leeren Zone Platz nimmt, plump gesagt).

Das playbook der Seahawks muß eines der dicksten der ganzen Liga sein. Aber mei, wenn´s funktioniert…Ich hoffe schwer darauf, daß einer üblichen Verdächtigen wie Doug Farrar bei SI, Andy Benoit bei MMQB oder Greg Cossel in einem Podcast auf irgendeiner obskuren kleinen Radiostation das bis Sonntag nochmal aufdröseln. Sehr zu empfehlen sei den Taktikfreunden mit dem Gamepass auch NFL Playbook auf NFL Network, aber selbst da ist mir aus dieser Saison nichts zum Paßspiel der Hawks im Gedächntnis geblieben.


Aber zurück zum Spiel. Es wirkt alles irgendwie willkürlich im Paßspiel und dieser Eindruck wird massiv verstärkt durch Entfesselungskünstler Russel Wilson. Meistens sind seine WR einfach offen, weil er so lange in der pocket Pirouetten gedreht hat. Irgendwann ist dann zwangsläufig einer frei. Und dann können die auch alle fangen. Vor allem Doug Baldwin und Golden Tate fallen dabei immer wieder positiv auf. Daneben sei vor allem Jermaine Kearse genannt. Der hat zwar erst 23 Bälle in dieser Spielzeit gefangen, aber viele davon waren 1A-Wow!-Catches.

Tight End Zach Miller dagegen ist die arme Sau. Er wird sich den ganzen Abend mit NaVorro Bowman, Patrick Willis, Eric Reid und Donte Hitner rumschlagen. Das einzige was Mitte Januar weniger Spaß macht, ist kiloweise Kohlen aus dem Keller in den fünften Stock zu schleppen.

Meistens funktioniert das Paßspiel irgendwie (nach NY/A war SEA die sechstbeste Mannschaft 2013). Die secondary der 49ers ist passenderweise auch einigermaßen suspekt. Aber, das große Aber: SF hat einen starken pass rush und SEA eine schwache pass protection.

Seit Aldon Smith aus der Reha zurück ist – nach Alkoholproblemen, glaub ich. Oder war das was anderes? Wieso ist das eigentlich keine riesige Story? Jede Einnahme von Adderall, jede von einem Stripper auf den Kopf bekommene Champagnerflasche und jetzt sogar die Hosen von John Harbaugh bekommen mehr Aufmerksamkeit als Smiths Zeit in der Klinik – nachdem er eines morgens betrunken im Auto statt im meeting room gefunden wurde, no less. Naja, seitdem er zurück ist jedenfalls und auch gar keine Strafe bekommen hat, weder von Team noch von NFL! Manchmal versteh ich die NFL wirklich nicht.


Sorry, nochmal. Seit Aldon Smith wieder mitspielt, ist er der pass rush der 49ers wieder in Ordnung. Er ist der Spiritus für das kleine Feuer, das seine Ersatzleute Corey Lemonier und Dan Skuta sowie auf der anderen Seite OLB Ahmad Brooks und der gute Blizer NaVorro Bowman am Leben erhalten haben.

Der pass rush – wie immer natürlich auch am Sonntag unterstütz durch den starken Justin Smith in der Mitte – wird durchkommen, oft. Der Knackpunkt ist hier: können die 49ers Russel Wilson dann auch über längere Zeit unter Druck setzen und ihn nicht so lange rumwirbeln lassen, bis er in Ruhe downfield schauen kann? Die Linebackers und die edge players müssen diszipliniert sein, sehr schnell die jeweilige Situation erkennen können und dann immer und immer wieder und immer noch verdammt diszilpliniert sein.

San Frans Front-7 ist dafür richtig gut aufgestellt. Brooks mit seinem Spielverständnis und seiner Disziplin ist sowas wie ein besserer Rob Ninkovich. (Ich würde wetten, daß Brooks Bill Belichicks Lieblingsspieler der 49ers ist.) Smith ist explosiv, verdammt „quick“ und macht auch kaum taktische Fehler. Bowman und Patrick Willis werden ganz zu recht überall in den Olymp gehoben. Die meisten anderen Mannschaften benötigen drei Linebackers für die Aufgaben hinter der Line of Scrimmage, die Willis/Bowman alleine Woche für Woche erledigen. Wenn SF hier gewinnen will, dann muß die Defense jedes big play verhindern. Kann man gegen einen starken Angriff jedes big play verhindern? Eigentlich nicht. Es reicht ja, wenn nur ein Spieler bei 65 plays einen Fehler macht. Aber manchmal passieren im Football komische Sachen…


Ich traue Seattles Offense gegen San Frans Defense etwas mehr zu, als umgekehrt San Frans Offense gegen Seattles Defense. Trotzdem sind beide Mannschaften ganz eng beieinander. Darum wird es noch mehr als sonst auf Ballverluste und big plays ankommen. Jedes einzelne kann in einem Spiel, bei dem kaum jemand mehr als 40 Punkte von beiden Mannschaften zusammen erwartet, den Ausschlag geben. Der zweite kleine Vorteil ist der Heimvorteil in Verbindung mit dem desaströsen clock management von Harbaugh und Kaepernick. Darauf wird am Wochenende korsakoff genauer eingehen.

NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

Am 2. Dezember waren die New Orleans Saints (12-5) das letzte Mal bei den Seattle Seahawks (13-3) zu Gast. Das Ergebnis war deutlich. Während die Saints ihre versohlten Hintern ins Flugzeug schleppten, feierte Seattle noch den Lautstärkerekord mit allen 12th men im CenturyLink Field. Zu Beginn der Divisional Playoffs gibt es jetzt das rematch. Im Gegensatz zum letzten legendären Playoffspiel der beiden gegeneinander, ist dieses Mal New Orleans bei den Buchmachern der klare underdog.

New Orleans´ sieben Punkte der Offense waren der Negativrekord in dieser Saison. Die 34 kassierten Punkte der Defense ebenfalls Negativrekord; überhaupt war es das einzige Mal, daß die Saints mehr als 30 Punkte zugelassen haben. Das spricht für den starken Job den Rob Ryan in seiner ersten Saison als Defensive Coordinator in New Orleans gemacht hat.

Seahawks Offense vs Saints Defense

Dabei sind die Spieler größtenteils dieselben, die sich 2012 unter Steve Spagnulo regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Wichtige Neuzugänge waren CB Keenan Lewis, Rookie-Safety Kenny Vaccaro und OLB Parys Haralson. Alle drei spielten wichtige Rollen: Lewis als recht zuverlässiger Nr.1 CB; Vaccaro als überraschend zuverlässiger Safety und Haralson als einziger in der Front-7, der große Erfahrung mit 3-4-Konzepten hatte (er kam von den 49ers). Blöderweise mußte Vaccaro in Woche 15 auf IR; da ist auch Haralson seit dem Wild-Card-Game und Lewis erschütterte sich das Gehirn und ist questionable für das Spiel in Seattle.

Das ist vor allem blöd, weil im „Hinspiel“ Russel Wilson per Arm um Bein der matchwinner war und nicht das „normale“ Laufspiel um Marshawn „beast mode“ Lynch und Robert Turbin. Beide zusammen kamen nur auf 79 Yards aus 27 Läufen. Ryans Verteidigungen machen zwar immer einen recht „wilden“ Eindruck, aber sie sind sehr diszipliniert und „fundamentally sound“ wenn es ums tackling geht. So haben sie auch letzte Woche die gefürchtete Laufmasche der Eagles sehr gut eingebremst (22 Läufe für 80 Yards). Seit ihrer bye week Mitte Oktober konnten nur vier ihrer elf Gegner mehr als 100 Yards erlaufen.

Genauso diszipliniert und mit sicheren tackles müssen sie dann aber auch dem kleinen Derwisch Russel Wilson gegenübertreten. Viele yards macht der kleine QB mit einfachen Würfen zu meterweit offenen Receivers. Diese „einfachen“ Würfe erabeitet sich Wilson aber mit schwierigsten Zirkuskunststückchen als Entfesselungskünstler. Er befreit sich so geschickt (und manchmal sogar richtiggehend elegant), daß die Übertragung am Sonnabend wieder zum drinking game werden könnte: einen Shot für jede Nennung von „Fran Tarkenton“ und zwei shots für jeden „Whoodini!“.

Hier ist das Herzstück der Saints-D gefragt: die Defensive Linemen Cameron Jordan, Akiem Hicks und OLB/DE Junior Gallette. Als sie vor wenigen Jahren zu den Saints kamen, hat man sich sehr viel von ihnen erwartet; massives Talent hatten alle drei. Doch dann kam kaum etwas. Unter Ryan nun steht Jordan plötzlich auf der shortlist für den DPOY. Hicks, zusammen mit Brodrick Bunkley oder Rookie John Jenkins machen zuverlässig die Mitte gegen den Lauf zu, während Gallette und Jordan ebenso zuverlässig Druck auf den QB machen. Knackpunkt hier ist, daß sie beim pass rush Wilson in der pocket halten und die Fluchtwege über die Außen zumachen und auch in der Mitte nicht blind nach vorne stürzen und ja nicht Wilson ausbrechen lassen, im Idealfall dann noch dem kleinen Mann mit Armen und Händen sein Sichtfeld verdecken.

Der X-Factor in der Offense ist Percy Harvin. Da er aber in dieser Saison keine 20 snaps gespielt hat und auch nicht klar ist, wie fit er tatsächlich ist, ist von Totalausfall bis matchwinner alles im Bereich des Möglichen. Neben den beiden WRs Golden Tate (sehr stark) und Doug Baldwin (stark) sollte man auch immer ein Auge auf Jermaine Kearse werfen. Dieser UDFA fängt in jedem Spiel einen eigentlich unmöglichen Ball.

Es wird hier noch mehr als sonst auf Fehlervermeidung der Saints ankommen, jeder missed tackle kann gegen Typen á la Wilson, Lynch und Tate zum TD führen.

Saints Offense vs Seahawks Defense

Auf der anderen Seite lastet alles auf den Schultern von Sean Payton und Drew Brees, sich einen gameplan zurechtzulegen, der eine Verteidigung knacken kann, die keine Schwachstellen hat.

Ich bin da auch ein bißchen ratlos, welches matchup hier das wichtigste oder spannendste sein wird. Nach der Verletzung des in Paßverteidigung exzellenten Linebackers K.J. Wright ist es vielleicht die Marques Colston-/Jimmy Graham-Combo über die Mitte. Die beiden Riesen können die Mitte attackieren wie kein anderes Duo der NFL. Aber selbst dafür hat Seattle als Antwort noch LB Bobby Wagner und die Safties Kam Chancellor und die one man dome patrol Earl Thomas.

Colsten und Graham können auch tief gehen. In Verbindung mit dem exzessiven screen game um Darren Sproles und Pierre Thomas (dieser allerdings questionable) können sie das Spiel sowohl sehr breit als auch sehr lang (? oder tief?) machen. In Kombination „streßt“ das eine Verteidung ungemein.

Von den individuellen matchups her ist Seattle fast überall im Vorteil. Pass rushers Michael Bennett und Cliff Avril gegen mittelmäßige Offensive Tackles; die „Legion of Boom“ gegen die WRs Robert Meachem, Lance Moore und Kenny Stills; Mount Mebane und Wagner als Anführer gegen das Laufspiel durch die Mitte um Jahri Evans und Brian De la Puente ist das noch das ausgeglichenste.

Die Zauberkünste des Russel Wilson gegen den Hasen, den Sean Payton aus seinem Hut zieht, ist in einem Satz das Faszinierende an diesem Spiel. Nimmt man noch die einzigartige Atmospähre im CenturyLink und die jüngste gemeinsame Geschichte der beiden Mannschaften dazu (blowout in dieser Saison plus der upset in den Playoffs 2011) ist das der perfekte Einstieg in das schönste Wochenende des Jahres.