Date am Donnerstag – Woche 11: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals Vorschau

Die NFC West ist auch ohne Spitzenteam die insgesamt auf höchstem Niveau ausgeglichene Division in der NFL 2020. Keine Mannschaft hat negatives Punktverhältnis, nur eine einen knapp negativen Record – und dabei handelt es sich um den regierenden NFC-Champion.

Drei Teams führen mit 6-3 die Division an. Zwei davon treffen heute zum zweiten Mal in dieser Saison aufeinander, und das „Hinspiel“ war eines der spektakulärsten der bisherigen Saison: Seattle Seahawks – Arizona Cardinals.

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All-32: Seattle Seahawks 2020 Preview

Die Seattle Seahawks waren in den letzten Jahren eines der leichtesten Ziele der Analytics-Community. Aber jetzt haben sie plötzlich mehr als Russell Wilson plus X.

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NFL-Power Ranking 2019 – Divisional Playoffs

NFL Power-Ranking 2019 nach dem Viertelfinale. Weiterlesen

Montagsvorschauer, Woche 10: Spitzenspielalarm bei San Francisco – Seattle

Abschluss von Woche 10 mit dem heutigen Monday-Night Kracher San Francisco 49ers (8-0) vs. Seattle Seahawks (7-2). Es ist nicht nur die Wiederauferstehung einer der markantesten NFL-Rivalitäten dieses Jahrzehnts (Harbaugh vs. Carroll 2012 bis 2014), sondern als Divisionsspiel in der NFC West auch von entscheidender Bedeutung im Rennen um das NFC-Playoffrennen 2019. Weiterlesen

Sonntagsvorschauer – Woche 15

Spoilerfreier Vorschaueintrag für den 15ten Spieltag, der heute über die Bühne geht. Noch einmal der Playoff-Hebel Index für heute: Etliche Partien haben bereits „do or die“ Charakter, wenn es um echte oder letzte Playoffhoffnungen geht. Weiterlesen

Die Gesichter von Super Bowl 2015

Superbowl Sunday steht vor der Tür, und nachdem die Kollegen bereits über Coach Evil Belichick geschrieben haben beziehungsweise noch über die taktischen Vorzüge des Endspiels referieren werden, werfen wir mal einen Blick auf die Köpfe, die sich am Sonntag hinter den Helmen verstecken werden. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – Green Bay Packers & Seattle Seahawks

Football!

Die NFL ist zurück und wird wieder viele, viele besser nutzbare Abende in Beschlag nehmen und blabla Opportunitätskosten – NBC´s Sunday Night Football hat ihren Theme Song schon mit Bedacht gewählt.

Zum season opener bei NBC heute nacht reisen die Green Bay Packers zum Titelverteidiger Seattle Seahawks. Die Seahawks machten seit dem Amtsantritt von Pete Caroll den Eindruck einer Studenten-WG. Sie hatten unglaublich viel Spaß, waren best buddies und hatten zum Schluß die beste Zeit ihres Lebens. Wilde parties, beste Freundschaften und am Ende ein toller Abschluß sind Dinge, die ihnen niemand jemals wird nehmen können. Trotzdem müssen sie jetzt erwachsen werden.

Es ist vielleicht etwas langweilig, aber sie brauchen mehr Struktur und Ordnung. Aus ihrer wild zusammengeschustertem WG müssen sie in eine richtige eigene Wohnung umziehen. Ihre Talent, ihren Ehrgeiz, Willen und Zielstrebigkeit müssen sie aus dem Studium in ihren ersten richtigen Job mitnehmen. Die Packers der Ära Mike McCarthy/Aaron Rodgers sind schon dort, im mid-level management sozusagen, aber hängen da auch irgendwie fest. Weiterlesen

Super Bowl XLVIII preview: Seattle Seahawks Offense v Denver Broncos Defense

Alle reden vor diesem Super Bowl von der „Besten Offense aller Zeiten“ gegen „Legion of Boom“. Aber die Seattle Seahawks (15-3) haben auch eine Offense, so wie die Denver Broncos (15-3) auch eine Defense haben. Höchste Zeit bei T-1 schnell noch einen Blick auf dieses matchup zu werfen.

Seattles Angriff ist ein seltsames, scheinbar willkürlich zusammengeschraubtes Gebäude aus verschiedensten Materialien. Es gibt ein Fundament, auf dem die Offense aufgebaut ist, aber die oberen Stockwerke und vor allem der Balkon dieses Hauses sehen aus wie ein “best of NFL playbooks”.

Aber fangen wir mit dem Fundament an. Das besteht hauptsächlich aus dem Laufspiel. Marshwan “beast mode” Lynch läuft hinter einer mittelmäßgen Offensive Line so gut wie eh und je. Daß es dem run blocking an Stärke mangelt, sieht man vor allem an Robert Turbin, der pro Lauf fast ein Yard weniger als Lynch erreicht.

Besonders die Mitte der Linie um J.R. Sweezey, Max Unger und James Carpenter wird mit dem neu errichten Bollwerk der Defensive Line Denvers größte Mühe haben. Vor allem der monströse Defensive TacklePot Roast“ Terrance Knighton hat sich nach einigen mittelmäßigen Jahren in Jacksonville zu einer echten Macht gemausert. Aber auch die anderen dicken Jungs in der Linie um den sehr jungen Malik Jackson, den neu aufgeblühten Shaun Phillips und den endlich sein Talent ausschöpfenden Robert Ayers machen zusammen eine mittlerweile sehr anständige front four. Defensive Coordinator Jack Del Rio holt aus diesen ehemaligen castoffs und Talentverschwendern wirklich alles raus.

In den letzten sechs Spielen hat Denvers Verteidigung nur einmal mehr als 100 Yards zugelassen. Die Linebackers hinter der Linie sind allesamt keine Offenbarung, aber zumindest Danny Trevathan macht einen recht zuverlässigen Job. Wenn Lynch einmal durch die Linie brechen kann, ist immer mal wieder ein big play drin.


Zum Laufspiel gehört bei den Seahawks auch immer noch die read option. In den letzten Wochen hat Quarterback Russel Wilson zwar fast immer den Ball an seinen Running Back abgegeben, aber wenn die edge players der Broncos am Sonntag nicht högscht diszipliniert sind, könnte der agile Wilson mehrere First Downs mit seinen Beinen rausholen. Sind sie allerdings zu weit “draußen” um den Weg an der Linie vorbei dicht zu machen, dürfte Lynch ein recht freundliches Bild in der Mitte vor sich haben.

Mit ihrem Laufspiel dürfte Seattle also den Ball bewegen können. Aber “moving the chains” ist immer noch etwas anderes als “scoring points”.

Ebenso fest verankert zum Angriff der Seahawks gehört der Slant. Um drives am Leben zu erhalten, läßt Offensive Coordinator Darrell Bevell Slants werfen bis zum Erbrechen, am liebsten zur rechten Seite. Allein: es war in den letzten Wochen sehr hervorsehbar und Wilson hat viele dieser Würfe verpaßt. Sie müssen entweder kreativer werden oder Wilson diese Bälle so genau werfen wie ein ganz Großer.


Zum fertigen Fundament gehört schließlich noch das tiefe Paß von Wilson, nachdem er sich viele Sekunden lang mit seinen Entfesselungskünsten Zeit “erkauft” hat. Man kann das nicht planen, es gibt dafür auch keine richtigen Spielzüge, die Bevell ansagen könnte. Aber weil es Wilsons Spielsstils regelmäßig gelingt, seinen Wide Receivers endlos viel Zeit zu geben, um sich freizulaufen, gibt es in jedem Spiel Seattles einige Möglichkeiten für lange Pässe. Wilson muß sie dann nur nutzen. Glücklicherweise sind die beiden Safeties der Broncos, Duke Ihenacho und Mike Adams, große Wackelkandidaten.

Die WRs Doug Baldwin, Golden Tate und Jermaine Kearse können die schwierigsten Bälle fangen und machen das auch immer mal wieder. Aber sie lassen eben auch immer mal wieder Bälle fallen. Seattle muß zwingend big plays machen, um auf´s scoreboard zu kommen. Ohne big plays haben sie keine Chance.

Diese big plays kommen nicht nur von Lynch und Wilson, sondern auch von den Special Teams. Im Spiel gegen San Francisco war es ein Kick Return von Golden Tate über 70 Yards. Überhaupt war das Spiel gegen die 49ers ein ganz typisches der Seahawks. Ein langer Lauf von Wilson, ein langer Paß von Wilson und ein langer Kick Return waren verantwortlich für 17 der 23 Punkte.


Auf dem Fundament steht dann ein seltsam anmutendes Gebäude. Es wirkt, als hätten mehrere Architekten ihre coolsten Ideen zusammengeworfen. Nur hat es eben keine richtige Struktur, kein System.

Mal 5WRs empty sets, mal eine trips formation hier, mal ein Running Back an der Seitenlinie da und zwischendurch mal etwas ganz Konventionelles. Es wirkt immer willkürlich und beliebig, wenn die Hawks nicht gerade Laufen oder Slants werfen. Wirklich erfolgreich ist das alles nicht. Der junge QB und seine WRs, die auch allesamt noch sehr jung sind, sehen dann oftmals etwas verloren aus. Zumal Denver in Champ Bailey und Dominuque Rodgers-Cromartie zwei erfahrenen und smarte Cornerbacks hat. “Klassisches” Paßspiel verspricht Seattle keinen großen Erfolg.

Um Punkte zu machen, muß irgendwas von diesen Spielzügen funktionieren. Ideal wären für die Hawks zwei, drei ganz neue plays für Percy Harvin, der immerhin so fit ist, daß er das Spiel wird beginnen können. Im Championship Game hat man im ersten Viertel kurz gesehen, wie gefährlich er durch seine Vielseitigkeit und Explosivität ist. Mit einem jet sweep machte er locker ein neues First Down.

Big Plays sind der Schlüssel zum scoreboard für Seattle; viel mehr noch als für die meisten anderen Teams. Ohne big plays werden sie keine 20 Punkte machen und mit weniger als 20 Punkten sollte man einem Peyton Manning nicht gegenübertreten, egal wie gut die eigene Defense ist.

Also: Fundament super, die zwei Stockwerke ganz schön, nur der Balkon hängt da seltsam schief dran. Aber auch von einem schiefen Balkon kann man sehr gut ein Feuerwerk beobachten.

Philosophie trifft Pragmatik: Wie die Seattle Seahawks ein einzigartiges Business Model schafften

Gestern hatten wir die Denver Broncos als erste der beiden Superbowl-Mannschaften 2013/14 unter der Lupe im Versuch, ihre Stilfindung zu analysieren. Heute ist die andere Mannschaft dran, die Seattle Seahawks aus dem rauen Nordwesten der Vereinigten Staaten – eine Franchise, die viele Jahre lang als reiner Mitläufer wahrgenommen wurde.

Ursprünglich wurden die Seahawks in den 70er Jahren als Expansion-Team in die AFC eingegliedert. Dort waren sie Divisionskonkurrenz der… Denver Broncos. Während die Broncos aber alljährlich mit einem der größten Stars, QB John Elway, Division und Conference viele Jahre lang dominierten, ging bei den Seahawks so vieles daneben, dass man zwischendurch vergaß, dass da droben in den Wäldern, wo es eh immer regnet, noch eine NFL-Mannschaft zuhause war.

In den 90er Jahren wurde die Franchise an den CEO von Microsoft, Paul Allen, verkauft, der rasch mit der Sanierung begann. Allen riss den morschen Kingdome ab und baute das neue Seahawks-Stadion in Downtown Seattle, eines der fantastischesten NFL-Stadien mit Blick auf die Stadt und mehreren Lautstärkerekorden. Allen installierte auch den Erfolgscoach der Green Bay Packers, den stets grimmig dreinschauenden Mike Holmgren, als neuen Cheftrainer – und schon waren die Seahawks eine Nummer.

Allerdings ab 2002 in der NFC, denn im Zuge der NFL-Aufnahme der Houston Texans wurde eine Neustrukturierung der Divisionen gemacht. Weil zu wenige NFC-Teams im US-Westen zuhause waren, wurden die Seahawks einfach mal auf ihre 30jährige Geschichte scheißend von der AFC in die NFC umgeschichtet. Viel zu sagen hatten sie dabei nicht; es hätte auch keine Sau interessiert.

Sportlich war es ihr Glück, denn ihr neues Zuhause, die NFC West, war viele Jahre lang die Lachnummer der NFL. Seattle gewann sie jahrelang im Schlafwandel. 2005/06 schaffte man sogar den Sprung in die Superbowl XL in Detroit. Dort war man eigentlich die bessere Mannschaft, aber eine Kombination aus Pech, einigen wenigen Steelers-Plays und einem lachhaften Schiedsrichter-Gespann verwehrte den Seahawks den ersten Titelgewinn. In der Folge dümpelte man zurück in altbekannte Gewässer mit 7-9 und 4-12 Saisons.

Am Ende der Saison 2008 wurde Holmgren verabschiedet. Als Nachfolger wurde – schon damals wenig überzeugend – Jim Mora jr. installiert. Mora konnte allerdings keine Begeisterung auslösen, und so waren die Hawks schon ein Jahr später wieder ohne Head Coach.


Pete Carroll trat Anfang 2010 von seinem Head Coach-Posten bei den USC Trojans zurück. Dort hatte er in über einem Jahrzehnt eine große Dynastie geformt und die stolze private University of Southern California zurück in die Erfolgsspur gebracht. Es war ein Erfolg, den man Pete Carroll gar nicht zugetraut hatte, denn Pete Carroll war in den 1990er Jahren zweimal als Head Coach in der NFL gescheitert.

Bei den Jets musste er nach nur einer Saison gehen. Bei den Patriots übernahm er 1997 eine Superbowl-Mannschaft und schaffte in drei Jahren erst 10, dann 9, dann 8 Siege. Siehst du einen Trend? Er ist nicht dein Freund. Schnell war das Urteil über Carroll gefällt: Ein netter Kerl, ja, aber ungeeignet als Head Coach in der NFL.

Ging ans College und brachte USC in gigantische Höhen. Allerdings gerüchtelte es viele Jahre lang ob da schon alles mit rechten Dingen zugegangen war. Ende 2009 verdichteten sich die Indizien immer mehr, dass es teilweise größere Recruiting-Verletzungen bei USC gegeben hatte und dass Carroll der NCAA-Hammer um die Ohren fliegen würde. Er ging, bevor es aufflog (das passierte ein halbes Jahr nach seinem Rücktritt).

Und die Seahawks hatten ja gerade ihren Head Coach Mora jr. rausgeschmissen.


Carroll unterschrieb Anfang 2010 bei den Seahawks, und er wurde nicht bloß Head Coach, sondern zugleich auch noch mit Kompetenzen eines General Managers ausgestattet. Es verblüffte, welche Power man ihm gab. Der „echte“ General Manager ist zwar John Schneider, aber hallo: Schneider fungiert vor allem als Carrolls Berater. Mehr noch: Schneider wurde sogar von Carroll eingestellt!

Pete Carroll ließ in den ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit in Seattle keinen Stein unberührt. Er räumte den Trainerstab auf. Er wälzte den Kader um wie kaum jemand vor ihm. An die 200 Transaktionen machte Carroll allein in seiner ersten Offseason. Es sah gar nicht so aus, als hätte Carroll einen besonderen Plan im Hinterkopf. Es wirkte wie ein Hin- und Herschieben von Bausteinen, aber richtig aufgeräumt wirkte die Baustelle im ersten Hingucken freilich nicht – und ich selbst spottete auch ganz gern über Carrolls Wirken.

In der Retrospektive sieht das freilich etwas anders aus. Zum ersten holte er sich mit RB Marshawn Lynch (via Trade aus Buffalo) das neue Gesicht der Franchise, einen physischen, kräftigen Back als neuen Motor der Offense. Und dann kam der Draft 2010, einer der besten Drafts, die einer NFL-Franchise in den letzten Jahren glückte:

Russell Okung, Earl Thomas, Kam Chancellor, Walter Thurmond und Golden Tate in einem einzigen Draft! Das ist ein ganzer Mannschaftskern für sich. Trotzdem waren die Hawks 2010 ein relativ schlechtes Team, das aber verrückterweise trotz 7-9 Bilanz die Division gewinnen konnte. Man spielte in den Playoffs zuhause gegen den Titelverteidiger New Orleans, und, naja: Rest ist bekannt.

Das war der beste Laufspielzug der Playoffgeschichte, und das beast mode war geboren. Lynch galt fortan als Gesicht der Carroll-Seahawks: Wuchtig, wild, druckvoll.


Die Seahawks sind heute gebaut nach dem Ebenbild des Pete Carroll. Ich hatte den wirklich aufschlussreichen Artikel von Smart Footballs Chris Brown bei Grantland schon vor zwei Wochen hier verlinkt, aber noch einmal: Who’s laughing now?

Also known as Three-Deep zone coverage, Cover Three is a fundamental defensive building block; almost every high school team in the country runs some version. As the name implies, three defenders drop and divide the field into three deep zones — typically the two cornerbacks on the outsides and the free safety in the middle — while four other defenders drop to defend underneath passes as the remainder rush the QB. This coverage is sound against the pass and allows an extra defender to come up to stop the run, but it’s also conservative, which is why veteran NFL quarterbacks tend to carve it up and thus why it’s not commonly used in the NFL on passing downs.

Die Legion-of-Boom. Die vielleicht beste Defense, die ich bisher gesehen habe. Auf alle Fälle eine der optisch herausragendsten, gewaltigsten. Thomas, Sherman, Chancellor: Viel besseres gibt und gab es nicht zu bestaunen.

Es ist auch eine Defense, die aus außerordentlich vielen Außenseitern gebaut ist, Spielern, die die erste Runde des NFL-Drafts nur vom Hörensagen kennen. Die 2010er-Clique hatten wir schon, aber auch der aktuell größte und bekannteste Seahawks-Star, CB Richard Sherman, war ein Mann aus der fünften Runde. LB Bobby Wagner kam in der zweiten Runde. Der aktuell gesperrte CB Browner? Kam aus der Canadian Football League. Leute wie DT MeBane (3. Runde 2007) oder DT Red Bryant (4. Runde 2008) stammen aus der Zeit vor Carroll, aber sie blühten erst unter ihm auf.

In der Offense: QB Russell Wilson in der dritten Runde. WR Golden Tate in der zweiten Runde. WR Jermaine Kearse und WR Doug Baldwin? Beide wurden überhaupt nicht gedraftet.

Das erstaunliche ist: Die hohen Picks des Pete Carroll gingen eigentlich eher schief. Der G Carpenter (1. Runde 2011) ist Bankdrücker. Der OLB Irvin (1. Runde 2012) gilt als one trick pony und musste heuer wegen diverser Delikte ein Saisonviertel gesperrt aussetzen. Und der letztes Jahr quasi für einen 1st-Rounder geholte WR Percy Harvin war das ganze Jahr verletzt, soll nun aber zurückkehren; okay, wenn Harvin fit ist, ist das einer der zehn besten Skill-Player in der Liga, aber er ist halt fast nie fit.

So arbeitete Carroll fast zwei Jahre lang nahezu ohne Resultat (okay, der Divisionssieg, aber…) vor sich hin. Spät in der Saison 2011 hatte man erstmals das Gefühl, dass sich in Seattles Defense auch vom Output her was regt.


Aber das echte Coming-Out hatte die heute bekannte Version der Seahawks erst im September 2012, als sie in einem Monday Night Game die Mega-Offense der Green Bay Packers nach Strich und Faden killten. Das Spiel von damals ist vor allem bekannt wegen der Replacement-Referees und der bizarren letzten Hail Mary des Russell Wilson, aber (zumindest bei mir) in mindestens ebenso prägender Erinnerung war die Vorstellung der Defense in der ersten Halbzeit, die Aaron Rodgers komplett abwürgte.

Der große Erfolgträger in Seattle war unter Carroll immer die Defense. Das markante Gesicht der ersten Jahre war RB Lynch aus der Offense. Aber der Schlüssel, diese Mannschaft von „gut“ und „Sleeper“ zu „Geheimfavorit“ und „Topfavorit“ war der Quarterback, Russell Wilson. Ohne Quarterback kann auch der ansonsten beste, tiefste Kader nix erreichen. Und Wilson ist nicht irgendein QB.

Wilson kam gegen alle Wetten aus der dritten Runde in die NFL. Er wurde sofort zum Stamm-QB. Nach einigen Eingewöhnungsproblemen in den ersten Wochen mauserte sich Wilson schnell zum heimlichen Star der „Big Three“ (RGIII, Luck, Wilson) der Rookie-QBs. Schon zur Halbzeit seiner ersten Saison gehörte er zu den besten Quarterbacks in der NFL, und wurde zur prägenden Gestalt einer Mannschaft, die gegen Jahresende alles an die Wand spielte, was sich ihr in den Weg stellte.

Dieser Überquall an physischer Energie und wuchtiger Dynamik, mit dem die Seahawks Ende der Saison 2012/13 alles in Grund und Boden walzten, wird für immer das definierende Bild der Carroll-Hawks sein. Es war blanker Zufall, dass die letztlich wohl beste Mannschaft der Saison letztes Jahr nicht die Superbowl erreichte, und es brauchte ein mirakulöses Comeback der nicht schwachen Atlanta Falcons in einem unglaublichen Playoffspiel.

Russell Wilson war dieses Jahr nur noch phasenweise so dominant, aber mit seiner Spielweise muss er trotzdem als Liebling der Massen angesehen werden: Ein untersetzter Mann, der eigentlich eher Kickreturner als Quarterback spielen sollte. Es ist extrem sympathisch, dem Underdog Wilson bei seiner Arbeit in der Pocket zuzusehen. Er strahlt phasenweise totale Kontrolle über sich und den Gegner aus. Es gibt wenig Anmutigeres als einen Wilson in Hochform. Da würdest ihn am liebsten als Plüschtier kaufen. Fragt sich, ob Wilsons „Formkrise“ in den letzten Wochen mehr ihm oder den dominanten gegnerischen Abwehrreihen zuzuschreiben ist.


Wilson ist nicht nur sportlich der Mann, der diesen überaus talentierten Kader über sich hinauswachsen ließ. Wilson ist auch deshalb ein „MVP“, weil er so billig ist. Er kostet die Hawks bloß nahezu das Minimalgehalt, weil er als Rookie aus der dritten Runde in einem skandalösen Kontrakt festgeknebelt ist. Auch Jungs wie Sherman, Chancellor oder Wagner spielen für lau, weswegen sich Seattle in der Offseason 2013 den Luxus leisten konnte, gefürchtete Passrusher wie DE Avril oder den kompletten DE Michael Bennett für okayes Salär einem eh schon enorm tief besetzten Kader hinzuzufügen.

So sind die Carroll-Seahawks dieser Tage ein auf recht unorthodoxem Weg zustande gekommenes, rundum fast komplettes Team. Es lebt von geglückten, späten Draftpicks. Von guten Verträgen. Von einem Trainerstab, der nach unermüdlicher Arbeit und vielen Rückschlägen doch noch die richtigen Schemata gefunden hat. Von einem Quarterback, der allen Unkenrufen zum Trotz die Liga im Sturm genommen hat. Und es ist ein markantes Team voller spektakulärer Charaktere und Geschichten.

Die heutige Ausgabe 2013/14 ist gemessen an dem Image, das die Hawks in der letzten Saison ausstrahlten, zwar tiefer und rundum vielleicht auch besser besetzt, aber es fehlt der letzte Thrill. Die Offense läuft nicht mehr so geschmiert wie 2011. Wilson, diese Wühlmaus, spielt nicht mehr ganz so lights out wie noch vor 12 Monaten. Aber dafür reißt eine der besten Pass-Defenses aller Zeiten, die Legion-of-Boom, alles heraus – sportlich und medial.

Pete Carroll hatte schon immer eine Philosophie, die er umsetzen wollte. Er konnte es nicht immer versuchen, weil ihm das Spielermaterial abging. In Seattle fand sich selbiges ein. Dank seiner pragmatischen Art, die auch Ignoranten wie mir lange suspekt erschien. Dank natürlich auch einem glücklichen Händen. Aber ohne Glück ist es nicht möglich, eine solche Mannschaft zusammenzustellen – und wir sollten sie bestaunen, solange sie noch in dieser Form zusammenspielen kann.

Vielleicht ist der Superbowl Sunday auch schon der Höhepunkt der Seattle Seahawks.

NFL-Power Ranking 2013/14 in der Zielgeraden

Das Matchup für Superbowl XLVIII am 2. Februar 2014 steht: Denver Broncos gegen Seattle Seahawks. Die Ansetzung kommt nicht überraschend. Beide waren schon im Sommer die jeweils größten Favoriten ihrer Conferences, und beide waren auch vor den Halbfinalspielen jeweils favorisiert gewesen.

Die Seattle Seahawks gehen in das Endspiel als Team mit den besten Effizienz-Stats im Power-Ranking. Sie führen trotz ihrer recht wackeligen Vorstellung gegen San Francisco auch vor dem großen Endspiel die Wertung an. Die Denver Broncos sind als bestes Team der AFC die #3 des Rankings. Wir haben also ein Endspiel der beiden jeweils besten Mannschaften jeder Conference – das hatten wir lange nicht mehr.

Und die Endspiel-Quote ist knapp: Das Power-Ranking favorisiert Seattle mit 53% Sieg-Wahrscheinlichkeit hauchdünn gegenüber den Denver Broncos. In Punkt-Spread ausgedrückt heißt das: Die Seahawks gehen als Favorit mit einem Punkt ins Endspiel. Knapper geht fast nicht. Und würdiger für ein Endspiel auch nicht.

Zum Power-Ranking.

NFL-Power Ranking 2013/14, Conference-Finale

NFL-Power Ranking 2013/14, Conference-Finale

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strength of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise vor der Super Bowl.

Der Extrapunkt

Bevor ich noch einmal auf die Mannschaften und Spieler eingehe, sei kurz eine Nachricht aus dieser Woche andiskutiert, die ich mit Freuden aufgenommen habe: Roger Goodell, NFL-Commissioner und mittlerweile so still, dass er fast in Vergessenheit geraten ist, hat vorgeschlagen, den Extrapunkt (PAT, point after touchdown/try) zu streichen.

Ich warte praktisch seit ich Football verfolge auf diesen Moment. Der PAT war für mich immer ein Ärgernis. Er langweilte mich als Madden-Spieler unendlich. Er langweilte mich als TV-Zuschauer. Ich hasste ihn. Es war erst intuitiv, aber dann rechnest du nach und siehst völlig unüberraschend: 99.5% (oder so) gehen rein. Dieses Jahr sollen es 5 versemmelte PATs unter 1200 gewesen sein (einer davon kam im Schneegestöber von Philadelphia, als der Hold im Tiefschnee misslang).

Wer einem PAT nachtrauert, der soll sich mal die umgekehrte Vorgehensweise vorstellen: Stell dir vor, die NFL vergab bisher stets 7 Punkte für einen TD, aber sie kommt im Jahr 2013 auf die Idee, fünf bis sechs zusätzlichen Werbepausen zu Gunsten einen TD nur mehr 6 Punkte zu werten und dafür einen Extra-Schuss einzuführen, der in 99.5% der Fälle eh rein geht. Das ist doch idiotisch, nicht? Wir würden es hassen.

PATs waren in der Urzeit des Football gerechtfertigt, aber heute sind die Kicker so gut, dass sie fast alles reinnageln. Maximal ein falscher Hold zerstört einen PAT. Mir schweben viele Ideen für einen PAT-Ersatz vor:

  • Sechs Punkte für den TD. 1 Extrapunkt für einen Versuch von den Goal-Line (oder 2yds-Line). Zwei Punkte für einen Versuch von der 2yds-Line (oder 3yds-Line). 1 Punkt von der 2yds-Line, das liest sich fair: Heute gelingen 48% der 2pt-Conversions (die starten dort) – das ist eine Punkterwartung von fast genau 1 Punkt pro Versuch – fast identisch mit dem PAT.
  • Sieben Punkte für den TD, aber eine Mannschaft kann für den Einsatz von einem Punkt einen 2pts-Conversion versuchen (von der 1, 2 oder 3yds Line). Gelingt er, kriegste 8 Punkte. Misslingt er, kriegste 6. Versuchst du’s erst gar nicht, kriegste 7 und wir haben eine Werbepause gespart.
  • Schreibe zwingend eine 2pts-Conversion vor.

Ich habe auch schon von Vorschlägen gehört, die es dem Rugby nachahmen wollen: Der Extrapunkt bleibt als Kick erhalten, soll aber von der Stelle aus erfolgen, von der der Ball die Goal-Line übertreten hat. Viel Spaß dann denen, die über den Pylon reinsegeln.

Oder: Extrapunkt erhalten, aber schießen muss ihn der Spieler, der den TD erzielt hat. Damit gewinnen wir wieder etwas Spannung, bzw. ein Team muss sich schon vor dem TD überlegen, wem es den Ball geben möchte…

Viele Vorschläge, und alle sind sie besser als der PAT, einer der wenigen wirklich lahmen Momente in einem Footballspiel.


Den direkten Vergleich der Effizienz-Stats hatten wir schon letzte Woche, aber als Visualisierung kann man es schon noch einmal hinaushauen (klick mich):

Profile der Superbowl-Teams 2014

Profile der Superbowl-Teams 2014

Es ist im Grunde ein Duell einer der besten NFL-Offenses der Saison (Broncos) gegen die beste Defense (Seahawks). Wobei die Seahawks über das Jahr durchaus auch eine sehr gute Offense auffahren, und weiterhin sowohl in Pass- als auch Lauf-Effizienz nur minimal unter einer Standardabweichung besser sind als der Durchschnitt. Was auch auffällt: Beide Teams werden mit am meisten bestraft.

Bei den Seahawks fällt rein optisch betrachtet auf, dass dieser orgiastische WOW-Effekt in der Offense mittlerweile abgeht. Das liegt vor allem dran, dass bei QB Russell Wilson die Leichtigkeit des Seins verschwunden ist. Wilson, der vor einem Jahr die Footballwelt in hellste Aufregung versetzt hatte, schleppt sich in den letzten Wochen nur noch durch. Folgender Graph verdeutlicht dies:

QB Russell Wilson 2013/14

QB Russell Wilson 2013/14

Die verwendeten Metriken sind EPA/Play, was soviel misst wie den Beitrag zu Punkten, den Wilson pro Spielzug leistet. „0.24 EPA/P“ liest sich so: Jeder Spielzug über diesen Spieler hat 0.24 Punkte zur erwarteten Punkteausbeute der Mannschaft in diesem Drive beigetragen. EPA („expected points added“) ist dabei die Summe aller Spielzüge. EPA misst alles: Raumgewinn, Downs, Turnovers, Incompletions, Sacks, Touchdowns. Es ist die kompletteste Mess-Metrik für Football-Offense, die ich kenne. Ich nutze dabei die Interpretation von Brian Burke. Burke hat sein EPA-Konzept hier präzise erklärt.

Ein Spieler allein macht keine Mannschaft, auch kein QB. Aber man kann trotzdem recht gut abschätzen, wie Wilsons Saison verlaufen ist: Dem famosen Auftakt folgte ein eher durchwachsener Oktober, gefolgt von einem sensationellen November, in dem die Seahawks zeitweise unschlagbar aussahen. Aber dann änderte sich irgendetwas nach dem Kantersieg über die Saints. Wilsons quält sich seither mit sterilen Leistungen durch.

Vor allem seine SR% (Success-Rate) litt bedeutend. Seit mehreren Wochen hat Wilson nur noch 3 oder maximal 4 erfolgreiche Plays auf 10. Das ist extrem wenig, und es wäre schon gegen die 49ers fast schief gegangen, wäre er am Ende nicht von zwei massiven Big-Plays im Passspiel heraus gerissen worden.


Das Power-Ranking war letzte Woche 2-0, weil beide Heim-Teams gewonnen haben. Beide Tipps waren auch gegen den Vegas-Spread richtig. Bei Seattle-San Francisco war der vom Power-Ranking vorgeschlagene Spread von 6 Punkten sogar auch der Endstand des Spiels.

Damit ist das Ranking in den Playoffs bei 7-3 korrekten Tipps. Über die Saison liegt es bei nunmehr 128-73 richtigen Tipps (63.7%). Für die Super Bowl habe ich es schon in der Einleitung geschrieben: Eine Favoritenstellung von sage und schreibe einem Punkt, oder 53%, für die Seattle Seahawks.

Viel knapper geht es nicht, auch wenn wir just in den letzten Jahren einige solcher Matchups hatten: Green Bay (2010/11) und die New York Giants (2011/12) waren jeweils Favoriten in echten Münzwurfen: Beide hatten vor ihren Superbowls gegen Pittsburgh bzw. New England nach diesem Ranking eine Favoritenstellung von unter 50.5%.

Das Wetter ist diesmal eine komplette Unbekannte, aber es ist nur ein weiterer X-Faktor in einem Spiel, in dem man schlicht ins Dunkle greifen muss um sich mit einem Siegertipp ans Licht zu wagen.

NFL-Power Ranking 2013, Week 14

Woche 14 war eine der aufregendsten dieses Jahr, und wir haben das schon recht ausführlich im Sofa-QB Podcast und bei SPORT1 FM am Montagabend besprochen. Es bleibt noch einmal festzuhalten, wie eng es in den meisten Matchups zuging, mit teilweise krassen Finishes in Baltimore, Pittsburgh oder New England.

Mittendrin waren wie so oft auch die Referees, von denen einige Crews immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, aber es ist wie so oft: Refs sind Teil des Spiels. Ob man will oder nicht, sie werden immer Spiele mit entscheiden. Dass in einem Sport mit so kompliziertem Regelwerk wie American Football die eine oder andere haarige Entscheidung zu treffen ist (Regelauslegungen! Pass Interference! Roughing the Passer! Kopfschutz!) und nicht jede davon korrekt oder nachvollziehbar ist, kann ich gut verstehen.

Das einzige, was auffällt, und möglicherweise einen berechtigten Angriffspunkt bietet: Mehrere Head-Refs haben die 60 überschritten. Zwar gehören Jungs wie Mike Carey oder Ed Hochuli zu den besseren, aber eine Verjüngung könnte bald fällig sein.

Zum Power-Ranking, das die Effizienz der Teams misst, und sich von der Schiedsrichterei weniger beeinflussen lässt als die Siegbilanz. Weiterlesen