Vor dem Grey Cup 101: Saskatchewan Roughriders vs Hamilton Tiger-Cats

Am Sonntag findet parallel zum NFL-Sonntag ab 22h30 MEZ auch das Endspiel der Canadian Football League 2013 statt, der Grey Cup, und es ist das von vielen erhoffte Traumfinale zwischen den Saskatchewan Roughriders und den Hamilton Tiger-Cats. Endspielort ist das altehrwürdige Mosaic Stadium von Regina/Saskatchewan, die Heimspielstätte der Roughriders, ein Stadion, das einen ganz eigenen Charme hat, aber den Zahn der Zeit fühlt und in spätestens vier Jahren durch ein neues Schmuckkästchen ersetzt wird.

Saskatchewan… ich werde dieses Land, diesen Fluss und diese Leute nicht vergessen. Die Roughriders sind Ersatzreligion in diesen Weiten des Nichts, diesen wunderschönen Prärielandschaften. Eine so relaxte Stimmung habe ich sonst noch nicht erlebt. Ein paar Impressionen aus dieser wunderschönen Gegend (teilweise bis hinüber in die Nachbarprovinz Alberta reichend):

Saskatchewan gegen Hamilton, das ist eine Partie der beiden Außenseiter, die jeweils überraschend auswärts ihre Halbfinalspiele gewinnen konnten. Die Roughriders gewannen vor malerischer Kulisse im verschneiten Olympiaort von 1988, Calgary, mit ihrer knüppelharten Defense (5 Turnovers) 35-13, während sich Hamilton im „Lokalderby“ gegen die Toronto Argonauts nach Comebacksieg durchsetzen konnte.

Das Endspiel ist auch das Wiedersehen von Hamilton-WR Andy Fantuz, einem langjährigen Roughrider, und Fantuz ist in Saskatchewan noch immer ein Publikumsliebling, dessen Abgang den Fans weh tut. Auch der Hamilton-QB Henry Burris, ein bald 40jähriger Recke, spielte früher mal in Regina.

Die Saskatchewan Roughriders sind vermutlich das populärste CFL-Team in Kanada, vielleicht auch, weil sie ähnlich wie die Green Bay Packers ein echter „Verein“ sind und den Fans gehören. Diese Fans sind brutal fanatisch und sorgen für echte Heimspielatmosphäre in diesem morschen Mosaic Stadium. Genannt werden sie aus mir etwas suspekten Gründen melonheads („Melonenköpfe“). Auf alle Fälle laufen tausende Fans mit Wassermelonen auffm Kopf durch die Gegend. Diese Verkleidungskünste sind vergleichbar mit den Hundemasken in Cleveland oder den Käsköpp in Green Bay oder der Verkleidungspracht in Oakland.

Saskatchewan erreichte in seiner über 100jährigen Geschichte 19x den Grey Cup, gewann den Pokal aber nur dreimal, zuletzt 2007. Hamilton ist auch so ein ewiger Underdog, und es ist das erste Mal seit über 15 Jahren, dass die Ti-Cats wieder das Endspiel erreicht haben.

Der Superstar in Saskatchewan ist immer mehr QB #4 Darian Durant, ein schwarzer Brocken von Mann, der in den letzten Jahren immer mal für einen Bock gut war, aber 2013 seine beste Saison spielt. Durant erinnert mich ein bissl an meinen Hero aus ersten NFL-Tagen, Steve McNair: Auch so ein schwarzer Scrambler, nicht der beste Werfer, nicht der schnellste Sprinter, aber immer wenn es knüppeldick kommt, kannst du dich als Mannschaft auf ihn verlassen. Ich weiß, dass dies von Zahlen und Fakten kaum zu untermauern ist, aber das schiere Gefühl, das einem McNair wie Durant vermittelten, macht es einem als Fan einfach.

Prognosen abgegeben ist in einer CFL immer schwer. Bei den Buchmachern sind die Roughriders Favorit mit 5.5 Punkten. Ich würde partout auch auf Saskatchewan tippen, aber ich glaube, ich bin in der CFL in den letzten Jahren so oft daneben gelegen, dass ich mich eines Endspieltipps ehrlicherweise enthalten möchte.


Das Spiel wird in der Nacht von Sonntag auf Montag um Mitternacht MEZ angepfiffen. Die Angaben ob der Live-Übertragung in Europa ist wie in den letzten Jahren nicht eindeutig geklärt. Die Auskünfte der TSN-Mitarbeiter sind widersprüchlich, wie aus den letzten Jahren bekannt. „on-demand“ ist das Game-Tape aber wie immer bei TSN zu erhalten.

CFL 2013, Conference Finals Preview

Wie schon die letzten Jahre konnte ich die Canadian Football League 2013 nur schwerlich verfolgen. Hatte ich als Schüler und Student noch die Zeit, mir gelegentlich die CFL reinzuziehen, gab es in den letzten 1-2 Jahren immerhin noch die Möglichkeit, CFL bei ESPN America zu verfolgen. Nicht so dieses Jahr. CFL beschränkte sich auf „on-demand“-Consum der TSN-Datenbank. Ein gutes on-demand (for free) Angebot zwar, aber CFL 2013 lief größtenteil an mir vorbei.

Diesen Sonntag finden die Conference-Finals statt, in denen die Teilnehmer am 101ten Grey Cup ausgespielt werden. Heut Vormittag hatte ich die Chance, mir die Tapes der Conference-„Semifinals“ (in Kanada eine Art Play-in) reinzuziehen, und wage mich mit wenigem Gesehenen und einigem Angelesenen an eine ausführlichere Vorschau auf die beiden Spiele.

Toronto Argonauts – Hamilton Tiger-Cats

Kickoff Sonntag 19h MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Toronto gegen Hamilton ist quasi das „Regionalderby“ von Toronto, da die Tiger-Cats (oder, wer Eindruck schinden will: Die Ticats) im nahen Gülph ihre Heimspiele austragen und auch ihr derzeit im Umbau befindlichen Heimatstadion im 50km-Radius der größten kanadischen Metropole liegt. Ich bin mir nicht sicher, inwiefern die Partie in Toronto die Massen bewegt, denn von meinem letzten Toronto-Besuch hatte ich den Eindruck, dass diese Stadt die Maple Leafs aus der NHL lebt und atmet, und dass sogar der Toronto FC aus der Major League Soccer mehr Resonanz im Großraum der Stadt erzeugt als die Argonauts, die immerhin eine der ältesten US-Franchises sind. Wie auch immer: Toronto ist der Titelverteidiger der CFL, und so lahm sie 2012 auch über weite Strecken spielten, so pathetisch ihr meist halbleeres Rogers Center auch oft wirkt, so feurig war das letztjährige Finale in einem rabaukenartigen Rogers Center.

2013 ist man wieder etwas langsam in die Saison gekommen, u.a. weil der QB #17 Zach Collaros, uns noch aus dem College Football bekannt, nicht in Schwung kam. In den letzten Wochen allerdings kehrte der etatmäßige QB #15 Ricky Ray zurück und seither glüht die Anzeigetafel! Ray fabrizierte in 10 Starts sensationelle 21 TD vs 2 INTs und 9.5 Y/A; Ray ist vielleicht noch einigen Madden-Spielern aus der NFL bekannt: In Madden-2005 scheint er im Depth-Chart der New York Jets auf. In der CFL ist er ein Star, der dieses Jahr viele Rekorde gesprengt hätte, wenn er die Saison heil durchgekommen wäre.

Toronto beendete die Regular Season mit 11-7 Siegen und dem besten Punktverhältnis im Osten. Allerdings müssen die Argos ab sofort auf den letztjährigen MVP RB Chad Kackert verzichten (Knöchel-OP). Ersetzt wird er durch den aus er NFL (Atlanta Falcons?) bekannten Jerious Norwood, ein Mann mit einer relativ tragischen persönlichen Geschichte.

Toronto gewann den Grunddurchgang der Eastern Conference und musste im Gegensatz zu Hamilton kein Play-In bestreiten. Die Ticats gewannen letzten Sonntag in der Overtime gegen Montreal nach einer dramatischen Schlussphase. Dabei wurde ein Altbekannter zum Helden: QB #13 Dan LeFevour, der bei Central Michigan am College vor wenigen Jahren mehrere Passrekorde sprengte und sich mit seiner beherzten Spielweise als weißer Scrambler in die Herzen der Fans spielte. LeFevour wird in Hamilton nicht als Starting-QB eingesetzt – diese Rolle besetzt der 38jährige Oldie #1 Henry Burris – sondern als eine Art freakiger „change of pace QB“ für spezielle Offensiv-Packages, in denen sein double threat von Vorteil ist. Am letzten Sonntag tauchte er im entscheidenden Spielzug in die Endzone nach einem Spiel, das so furchterregend schwach war, dass es schon wieder unterhaltsam war: Alles war dabei, von Sturmböen zu Regenschauern, matschigem Boden, verkickte Field Goals (solche Dinger gibt es in der NFL mit ihren Superstadien leider mittlerweile viel zu selten), ein Halbzeitstand von 2-0 pro Montreal durch zwei Singles, endlose Schiedsrichterdiskussionen, nur um am Ende zwei zum Leben erweckte Offences zu sehen, die sich die Kante gaben und plötzlich spielten als gäbe es kein morgen.

Das Wetter wird in der Rogers-Halle keine Rolle spielen, insofern ist qualitativ ein besseres Spiel zu erwarten. Ich traue den Ticats nicht. Ohne Windunterstützung sehe ich für diese Defence keine Chance, Ricky Ray und seine Armada zu stoppen, trotz der guten Ergebnisse in der Regular Season gegen Toronto (2 von 3 gewonnen). Toronto Argonauts for Grey Cup.

Calgary Stampeders – Saskatchewan Roughriders

Kickoff Sonntag 22h30 MEZ | Ab Montag on-demand bei TSN

Gehen wir rein nach Qualität der Ansetzung, ist das das vorweggenommene Endspiel: Calgary (14-4) als bestes Team des Grunddurchgangs, aber die Saskatchewan Roughriders (11-7) sind nur ein i-Tüpfelchen hinter den Stamps anzusiedeln. Es ist die ligaweit beste Offence (Calgary) gegen die ligaweit beste Defence (Saskatchewan) bzw. die ligaweit zweitbeste Offence (Saskatchewan) gegen die ligaweit zweitbeste Defence (Calgary) – jeweils nach Punkten. Den Unterschied in der Saisonbilanz kann man an knappen Spielen ablesen: Calgary war darin 4-3, Saskatchewan 4-6. In der Regular Season spielten beide viermal gegeneinander; dreimal gewann Calgary, aber zweimal davon denkbar knapp – und deswegen haben sie heute Heimvorteil.

Es dürfte auch von den Emotionen her das bessere Spiel sein als das erste Conference-Finale, denn Westkanada ist CFL-Territorium. Okay, die NHL dominiert Kanada, aber im Westen ist die CFL nur knapp dahinter. Würden wir sämtliche Ost-Franchises samt Toronto einstampfen, den Leuten im Westen wäre es egal, und sie würden einen flotten Dreier Calgary-Saskatchewan-Winnipeg veranstalten und die Liga hätte trotzdem bis in alle Ewigkeit Bestand.

Sportlich ist die Saison für den Head Coach John Hufnagel ein fettes Ausrufezeichen: 14-4 trotz einer unsäglichen Verletzungsmisere auf Quarterback: Erst wurde der unumstrittene Starter Drew Tate mit „Tennis-Arm“ rein- und rausrotiert, dann durch Backup Kevin Glenn ersetzt, der zeitweise von third stringer Bo Levi Mitchell vertreten wurde. Diese Misere machte aus Calgary ein Team, das für CFL-Verhältnisse erstaunlich lauffreudig ist, und entsprechend wenige Turnovers begeht. Nur 2 INTs pro 100 Passversuche sind quasi nix, und solange der brachiale FB Jon Cornish 7.0 Y/A erläuft, muss der Offence nicht bange sein. Glenn führt die Mannschaft dann auch mit relativ fehlerarmem Spiel an.

Was kann Saskatchewan da gegenhalten? Eine opportunistische Defence, die zwar durchaus viele Yards zulässt, aber die wenigsten Punkte der Liga. Man hält sich mit INTs und sehr guter Goal Line Defence über Wasser. Ist das haltbar? Nun, zumindest gibt es Superspieler wie den DE #99 Alex Hall, der im Lauf der Saison von Winnipeg per Trade geholt wurde. Hall ist eines dieser Monster, das möglicherweise tatsächlich nächstes Jahr einen NFL-Platz kriegen könnte.

Tja, und dann wäre da die Riders-Offence. Sie wird immer noch angeführt vom alten Recken QB #4 Darian Durant, einem schwarzen Krieger, der stets so spielt als sei ihm sein Körper kein Jota wert. Durant spielte seine beste Saison ever. 7.8 Y/A und nur 2.2% INT-Quote sind die Durant exzellente Werte. Man muss dazu sagen, dass Durants Qualitäten auch den Scramble zur rechten Zeit umfassen. Die Offence ist eh eine der konservativsten, was PlayCalling angeht: Man versucht noch ganz old-school, Laufspiel über den Brocken RB Kory Sheets zu implementieren, und dann, wenn der Gegner die Box zustellt, den Kurzpass zu werfen. Fraglich ist allerdings Sheets’ Gesundheitszustand nach schwerer Verletzung.

Zweifel gibt es auch ob der Fitness von Slotback #89 Chris Getzlaf, dem wichtigsten Skill-Player neben Durant (Knieverletzung), und von SB #81 Geroy Simon, dem 38jährigen ewigen Yards-Leader der CFL-Geschichte.

Hochziehen können sich die Riders aber auf alle Fälle an dem gigantischen Comeback-Sieg am letzten Sonntag gegen die BC Lions, die in unmenschlichen Konditionen bei -15 Grad Celsius und gefrorenem Boden per beherztem „4th Quarter-Comeback“ geschlagen wurden. Weniger berauschend waren die drei Viertel zuvor, als man an die Wand gespielt wurde und wohl selbst nicht wusste, weshalb man am Ende überhaupt die Chance zum Comeback bekam.

Ich bin Saskatchewan-Fan. In meinem Zimmer hängt noch immer eine grüne Riders-Fahne aus Regina. Aber ich tue mir schwer zu glauben, dass das heute in Calgary gut geht – obwohl: Diese intensive CFL-Rivalität bot in den letzten Jahren immer wieder knappe, spannende Spiele, in denen gefühlt fast immer der Außenseiter in den Playoffs gewann. Trotzdem: Calgary ist effizienter, Calgary sollte das Endspiel erreichen, das nächsten Sonntag ausgerechnet in Regina/Saskatchewan ausgetragen wird.

CFL 2013 steht vor der Tür

Heute Nacht beginnt wie jedes Jahr am Wochenende vor dem Canada Day (1. Juli) die Saison 2013 der Canadian Football League (CFL), dem kanadischen Gegenstück zur National Football League. Die CFL ist eine sympathische Liga, die bei mir einen schönen Platz im Herzen genießt: Football im Hochsommer, diese kanadische Mentalität, diese alten Stadien. Alles ist ein bissl ruhiger, Dorfverein-mäßiger, und im Gegensatz zur entrückten NFL kann man in der CFL noch sowas wie Authentizität anhand von ranzigem Fett in der Stadion-Würstlbude riechen.

Canadian-Football hat ein paar Regelunterschiede im Vergleich zur NFL, von denen ich die wichtigsten schon früher erklärte, daher heute nur die wichtigsten noch einmal zur Wiederholung:

  • 12 Spieler pro Team statt elf.
  • Drei Downs statt vier.
  • 150 Yards-Feld statt 120 (110yds + jeweils 20yds Endzone).
  • Torpfosten an der GoalLine.
  • Zusätzliche Score-Möglichkeit: Single/Rogue (1 Punkt): Kick/Puntreturner wird in der EndZone getackelt.
  • Zeitmanagement: Nur 1 Timeout und nur 20sek zwischen Spielzugende und Snap.

Die CFL wäre in den 90er Jahren mit wilden Expansionsplänen runter in die Vereinigten Staaten mal fast pleite gegangen, ist aber mittlerweile nach dem Rückzug nach Kanada mit acht Franchises wieder konsolidiert:

EASTERN DIVISION        WESTERN DIVISION
Toronto Argonauts       B.C. Lions
Montreal Alouettes      Saskatchewan Roughriders
Hamilton Tiger-Cats     Edmonton Eskimos
Winnipeg Blue Bombers   Calgary Stampeders

Im nächsten Jahr wird mit den Ottawa REDHAWKS REDBLACKS (kein Witz: Die Medien sind angehalten, den Teamnamen in Maiuskeln zu schreiben!) ein neuntes Team dazustoßen und um die älteste Trophäe im Footballsport, den Grey Cup, spielen. Dieser wird dieses Jahr zum 101ten Male ausgespielt. Spielort ist Regina, die Heimat der Saskatchewan Roughriders, dem CFL-Pendant zu Green Bay: Einzige Franchise, die dem Volk gehört.

Die Jubiläumsausgabe gewannen im vergangenen November ausgerechnet die Toronto Argonauts in ihrer Heimatstadt. Für einen wirklichen Boom sorgte der überraschende Triumph damals nicht: Die Argos spielen im heimischen Rogers Center zumeist vor leeren Rängen, und sie konnten auch vor dieser Saison kaum Dauerkarten loswerden. Dazu vielleicht nochmal in einem eigenen Beitrag ein paar Worte von einem Lokalaugenschein.

Die großen Storylines betreffen diesmal nicht die Spieler (außer, dass die 40jährige QB-Legende Anthony Calvillo noch ein Jahr in Montreal dranhängt), sondern Stadien und Coaches. Die kleinen Hamilton Tiger-Cats bestreiten diese Saison aufgrund eines Stadionneubaus „auswärts“ im 50km entfernten Guelph, und man befürchtet für die eh schon finanzschwache Franchise eine harzige Saison. Dagegen kann Winnipeg seine neue Arena pünktlich beziehen, und sie bekam gute Kritiken. Bleibt nur abzuwarten, was die heimischen Blue Bombers auf die Reihe kriegen, nachdem die Preseason-Vorstellungen unterirdisch waren.

Bei den Coaches gab den einen spektakulären Wechsel von Montreal-Alouettes-Headcoach Marc Trestman zu den Chicago Bears – ein Move, der auch südlich der kanadischen Grenze viele aus den Socken haute. Ersetzt wird Trestman durch Dan Hawkins. Das ist auch kein Unbekannter: Hawkins ist der Visionär und Vater des Aufstiegs der Boise State Broncos. Er ging vor sieben, acht Jahren allerdings den Weg zur renommierteren University of Colorado, wo er entsetzlich scheiterte und einen einzigen Scherbenhaufen hinterließ, dessen Folgen noch immer nachwirken. Jetzt also die CFL – und Hawkins wurde schon eher skeptisch aufgenommen.

Topfavoriten sind die B.C. Lions aus Vancouver, deren GM Wally Buono als ausgefuchstes Genie gilt und die in Travis Lulay den besten Quarterback ligaweit haben.

ESPN America wird dieses Jahr nix mehr von der CFL übertragen, auch nicht den letzten Monat bis zu seinem Ableben – zumindest gibt der Sendeplan nix diesbezüglich her. Dafür wird es lt. Auskunft des Kundendiensts von TSN wieder die kompletten Spiele on-demand auf der TSN.com-Homepage geben.

Football heute, 14.11.2012

Drei Verweise für nicht alltägliches Brot am heutigen Tag bei ESPN America (plus einen für morgen!).

CFL-Playoffs

Am vergangenen Wochenende begann der Start der CFL-Playoffs, von denen ESPN America heute um 16h und 18h die Tapes der beiden Spiele zeigt.

Ich schulde noch das letzte SRS aus der Canadian Football League, deren letzten Spieltag ich letzte Woche diskutiert hatte.

TEAM           MOV   SOS   SRS
BC Lions       6.4  -0.4   6.1
Calgary        4.8  -0.2   4.8
Saskatchewan   1.0   0.8   1.8
Edmonton      -0.9   1.1   0.1
Montreal       0.0  -1.0  -1.0
Hamilton      -2.4  -0.4  -2.8
Toronto       -2.5  -0.3  -2.8
Winnipeg      -6.4   0.4  -6.0

Mit Hilfe von 4.5 Punkten Heimvorteil lassen sich die Favoriten kalkulieren.

Im Ost-Bracket trafen die Toronto Argonauts auf die Edmonton Eskimos, die im Zuge der “crossover-rule” im Ost-Bracket mitmachen dürfen. Im Fokus stand dabei insbesondere Torontos QB Ricky Ray, vor der Saison in einem Verzweiflungsmove aus Edmonton geholt und in der laufenden Saison mit recht soliden Vorstellungen, u.a. einer niedrigen Turnover-Anfälligkeit.

Bei den Eskimos lief die Saison dagegen recht turbulent ab: Man musste zwischen den QBs Joseph und Jyles hin und her switchen, wobei vor allem der Altstar Joseph eine wandelnde Turnover-Maschine war. Weil Jyles verletzt ist, wird heue Joseph starten.

Nach SRS ist Toronto dank Heimvorteil mit knapp 2pts favorisiert, aber Vorsicht: In der Regular Season gewann Edmonton gleiche beide direkten Duelle.

Im Westen treffen die altbekannten Calgary Stampeders auf die Saskatchewan Roughriders, wobei letztere aus einer schlechten letzten Saisonphase kommen, wo haufenweise Spiele und das Heimrecht noch verloren wurden.

Saskatchewan zeichnet sich durch eine knackige Defense aus, und die wird es heute brauchen, denn Calgarys Pass-Angriff ist gefährlich: QB Drew Tate war zwar über weite Strecken der Saison verletzt im Krankenstand und sein Einsatz heute Nacht ist nicht unumstritten, aber Tate war, wenn fit, mit 9.0 Y/A der zweitexplosivste Quarterback in der CFL überhaupt.

Überschattet wurde das Spiel von gehässigen Kommentaren der lokalen Medien in Calgary („Ich bete, dass der Flieger der Roughriders abstürzt“), wo man sich nur allzu ungern an die jüngste Playoff-Vergangenheit gegen Saskatchewan erinnert, u.a. vor zwei Jahren eine Partie als haushoher Favorit in Eiseskälte abgeschenkt.

In der Regular Season gewann Calgary zwei von drei direkten Duellen, allerdings waren alle drei Spiele sau eng (1x Overtime, dann 5pts, dann 7pts Differenz). Nach SRS ist Calgary diesmal aber mit 7.5 Punkten favorisiert.

(Ich habe eines von den beiden Halbfinals bereits gesehen und kündige SPEKTAKEL für die Schlussphase an)

Northern Illinois Huskies – Toledo Rockets

Das möglicherweise entscheidende Divisionsduell um den Einzug in das MAC-Finale aus der Western Division wird heute ab 03h LIVE bei ESPN America übertragen. Die Northern Illinois Huskies (9-1, 6-0 in der MAC) treffen auf Toledo (8-2, 5-1 in der MAC) und können mit Heimsieg den Sack zumachen und das Ticket fürs Endspiel in Detroit am 30.11. schon mal klar machen.

Toledo gilt auch unter HC Matt Campbell als potenziell starke Mannschaft, die aber immer wieder in entscheidenden Momenten versagt. NIU dagegen ist „nur“ ein Geheimtipp, aber die SRS-Ratings zeigen, dass wir es hierbei bei der mit Abstand besten MAC-Mannschaft zu tun haben: NIU ist mit 7.5 an #31 gerankt, während z.B. Toledo mit -0.8 erst an #68 aufscheint. Sehenswert bei NIU ist immer wieder der QB Jordan Lynch, ein wuseliger „double threat“.

Die letzten beiden Jahren lieferten sich die beiden Teams wilde Shootouts, vergangenes Jahr ein 66-63!

Morgen um 12h bringt ESPNA noch ein Tape von Ball StateOhio, wobei beide bereits für die Bowl Season qualifiziert sind, aber beide nur noch kleine rechnerische Chancen auf das MAC-Finale haben.

Canadian Football League 2012 vor dem letzten Spieltag

Wenn man sich in knapper Zeit um zu viele seiner Liebsten kümmern muss, muss eines zurückstehen. Insofern same procedure as every year für die Canadian Football League, die bei mir nur allzu häufig nach den ersten Wochen, mit Ende des Sommers und Beginn des Spielbetriebs in den Vereinigten Staaten und im europäischen Fußball, zurückstehen muss, und wo ich nur noch ein paar ausgewählte Klassiker wie Saskatchewan – Winnipeg sehen kann.

Dieses Wochenende ist der letzte Spieltag des Grunddurchgangs der CFL 2012. ESPN America ist nach den langersehnten Saisonenden in Baseball und Motorradfahren (ufffffffff, Sonntagmorgen wieder College Football!) mit angemessenem Programm dabei.

   2.11.  14h30  Tape  Toronto - Hamilton
2./3.11.   2h30  LIVE  Edmonton - Calgary
   6.11.  11h00  Tape  Winnipeg - Montreal
   6.11.  13h00  Tape  BC Lions - Saskatchewan

Folgende Divisionsstände haben wir vor dem letzten Spieltag zu vermelden (y = Freilos in der ersten Playoffrunde, x = für die Playoffs bereits qualifiziert):

Osten

(y) Montreal      11-6
(x) Toronto        8-9
    Hamilton       6-11
    Winnipeg       5-12

Westen

(y) BC Lions      12-5
(x) Calgary       11-6
(x) Saskatchewan   8-9
    Edmonton       7-10

Zu den komplizierteren Regeln in der CFL gehört die „crossover rule“, dank der es für einen Viertplatzierten mit besserer Bilanz in der einen Division am Drittplatzierten mit schwächerer Bilanz in der anderen Division vorbeizuziehen, und an dessen Stelle in den Playoffs mitzuspielen – besagter Viertplatzierte würde in diesem Fall in das Playoff-Bracket der „anderen“ Division rutschen.

Und haargenau dieser Fall macht den letzten Spieltag äußerst kompliziert, und droht, Wettbewerbsverzerrung zuzulassen.

Hamilton spielte bereits heute Nacht und könnte sich dank des gewonnenen Tie-Breakers gegen Edmonton dann für die Playoffs qualifizieren, wenn Edmonton heute Nacht gegen die Calgary Stampeders, für die es um nichts mehr geht, verliert (beide wären dann 7-11 und Hamilton dabei).

Hat Hamilton verloren und/oder gewinnt Edmonton heute Nacht, ist Edmonton als viertes Team aus dem Westen mit dabei…

…und dann wird es kompliziert, denn es erst in der Nacht auf Sonntag, 3h MEZ, spielen die Saskatchewan Roughriders auswärts gegen die längst qualifizierten BC Lions. Edmonton hat den Tie-Breaker gegen Saskatchewan gewonnen und würde bei eigenem Sieg und Saskatchewan-Niederlage auf den dritten Platz in der Division rutschen – und die Saskatchewan Roughriders würden in den Playoff-Bracket des Ostens rutschen.

Dies ist insofern ein begehrter Platz, weil die Ost-Division dieses Jahr sportlich deutlich unter dem Westen eingestuft wird, wie die kanadischen Medien es sehen – und wie es meine Excel-Tabelle sieht; ich habe über die Saison das Simple Rating System für die CFL-Saison 2012 errechnet und folgendes Ergebnis bekommen (Ergebnisse sind bei 25 Punkten Differenz gedeckelt, deswegen hat z.B. Montreal eine positive Margin of Victory trotz negativem Punkteverhältnis):

TEAM           MOV   SOS   SRS
BC Lions       6.2  -0.4   5.8
Calgary        4.9  -0.2   4.8
Saskatchewan   1.7   0.4   2.1
Edmonton      -0.8   0.9   0.0
Montreal       0.5  -0.8  -0.3
Hamilton      -2.4  -0.3  -2.7
Toronto       -2.8  -0.2  -3.0
Winnipeg      -7.2   0.6  -6.7

Alle vier West-Teams rangieren vor sämtlichen Ost-Teams; ergo ist der Letzte (Edmonton oder Saskatchewan) des Westens höher einzustufen als der Erste des Ostens (Montreal).

Freilich kann sich eine mögliche Farce (Saskatchewan verliert morgen absichtlich bei BC) nicht verhindern lassen, selbst wenn Hamilton heute Nacht das „Lokalderby“ bei den bereits qualifizierten Toronto Argonauts verloren hat. Edmonton könnte dann seinerseits die Partie gegen Calgary freiwillig abschenken und trotzdem als qualifiziertes Team in das Ost-Bracket rutschen und gegen die schwachen Argonauts die Playoffs eröffnen, während die Roughriders in diesem Falle zu den deutlich höher einzuschätzenden Calgary Stampeders müssten.

So long. Football mit riesigen Endzonen und 12 Mann auffm Feld erwartet uns.

Frühstückseier, 5.10.2012 – Was macht Jeremy Bloom?

Wer schon immer mal wissen will, was einer der großen Sportallrounder unserer Zeit seit einiger Zeit so treibt, wird beim Entrepreneur findig, der über die zweite, oder dritte, Karriere des Jeremy Bloom (und weiterer ehemaliger Footballer) schreibt. Zur Erinnerung: Bloom war Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Herbst Wide Receiver der Colorado Buffaloes im College Football und im Winter mehrfacher Freestyle-Skiweltmeister gewesen.

Freestyle-Skiing? Für die NCAA ein klarer Fall von Profitum. Bloom wurde zwei Jahre vor Ablauf seiner vierjährigen College-Zeit vom NCAA-Spielbetrieb gesperrt, trainierte dann für die 2006er-Winterspiele in Turin. Zwei Tage nach diesen Spielen nahm Bloom in Indianapolis am NFL-Combine teil, wurde von den Eagles gedraftet. Scheiterte aufgrund von Verletzungen. Versuchte Jahre später in Pittsburgh ein Comeback. Scheiterte. Versuchte als Freestyle-Skifahrer ein Comeback. Scheiterte. Arbeitete für gemeinnützige Zwecke. Glückte. Kommentierte College Football. Glückte. Gründete mit Risikokapital ein Startup – auf dessen Spuren der Entrepreneur nun wandelt.


Über die Saison der New Orleans Saints hatte ich am Mittwoch einen kurzen Absatz geschrieben:

New Orleans Saints. Die anti-Eagles. Vier Niederlagen, und alle vier mit einem Score Differenz. Klingt nach positiver Zukunft? Vielleicht, denn bei allen Problemen mit der unterirdischen Pass-Defense (8.1 NY/A entspricht Rang 30) gibt es immer noch einen fantastischen Quarterback wie Drew Brees und eine insgesamt potenziell potente Offense, sodass auch mit diesem Start noch 7-9 oder 8-8 drin sein dürfte. Aber: Die Saints sind ohne Scheiß in meinem Ranking aktuell die #32 von 32 Mannschaften (#17 Pass-Offense, schlechte Lauf-Offense, schlechte Laufdefense, und nur der 28t-schwerste Schedule bisher).

Seither haben sich zwei mittlerweile renommierte US-Schreiber mit dem tiefen Loch der New Orleans Saints auseinandergesetzt: Josh Levin/Slate fragt sich, ob und wie viel der Schuld am horrenden 0-4 Start der Saints auf den suspendierten Head Coach Sean Payton zu schieben ist, während für den von mir auch wegen seiner Schreibe sehr geschätzten Bill Barnwell die Probleme eine Ebene tiefer zu suchen sind.


Drei TV-Termine bei ESPN America für den heutigen Tag: Um 11h aus der Canadian Football League SaskatchewanBC Lions vom vergangenen Wochenende. BC ging mit 9-3 in die Partie, Saskatchewan mit 6-6. Die Roughriders bauten in den vergangenen Wochen weniger als in den letzten Jahren gewohnt auf QB Darian Durant, dafür viel mehr auf ein Laufspiel. Prunkstück ist aber die bärenstarke Pass-Abwehr, die gegen BCs mächtigen Luftangriff helfen könnte.

Um 16h bringt ESPNA die Aufzeichnung vom Kracher aus der Süddivision der Pac-12 Conference: Utah Utes vs. USC Trojans. Beide Teams bereits mit bitteren Niederlagen. Während die Utes dabei eine von Lokalkonkurrent Utah State gehauen bekamen, gingen die BCS-Titelträume der Trojans bereits früh in der Saison den Bach runter: Eine Schlappe bei Stanford, von der USC sich kaum mehr erholen dürfte. Bleibt der Trostpreis Pac-12. Um diesen weiter verfolgen zu können, müssen QB Barkley und diese vielen künftigen Top-Draftpicks gegen eine der dominantesten Front-Sevens im College Football bestehen. Im Spotlight auch: Utahs DT Star Lotulelei, einer der Top-Draftanwärter 2013.

Um 18h30 dann das Tape vom Donnerstagnachtspiel St Louis – Arizona.

Football heute

Labour Day Classic

Bei ESPN America: Um 22h live aus Regina/Saskatchewan: Die größte Rivalität der CFL, Saskatchewan Roughriders vs. Winnipeg Blue Bombers. Eine triste Partie: Nach dem gestrigen Spitzenspiel der beiden Divisionsersten heute die beiden Letzten.

Saskatchewan hat nach 3-0 Start seine letzten fünf Partien allesamt verloren und ist durchgereicht worden. Der GM ist gerade fleißig am Beruhigen, HC Chamblin scheint vorerst auch unangetastet zu bleiben, während die Spieler diese Woche einen „Player-only“-Abend veranstaltet haben, über dessen Inhalt sich alle fleißig ausschweigen. Überhaupt finde ich die Aufregung etwas übertrieben: Vier von fünf Niederlagen waren mit einem einzigen Score Differenz.

Bei Winnipeg sieht es schon anders aus. Der Vorjahresfinalist, bei dem ich bereits ein happiges Jahr angekündigt hatte (*Schulterklopf*) feuerte diese Woche den streitbaren Head Coach Paul LaPolice. Winnipeg ist 2-6 und dabei 2-2 in engen Spielen. Vor drei Wochen habe ich mal ein Viertel von den Bombers gesehen; war absolut nicht grauenhaft und auch die Ergebnisse schrien eigentlich nicht nach „Entlasse! Entlasse!“ – letzte Woche nur knapp gegen den Ligakrösus BC verloren.

College Football Auftaktwochenende continued

Um 5h bitteschön als Tape: Syracuse (ACC) vs. Northwestern (Big Ten). Zweimal Teams mit relativ kleinen Ambitionen in dieser Saison (v.a. Northwestern mit HC Pat Fitzgerald will diesmal eher kleine Brötchen backen). Aber beidesmal Teams mit schönen Trikotfarben: Syracuse und sein Orange, Northwestern und sein elegantes Lila/Violett.

Eier zu Ferragosto

Olympia 2012 haucht seinen letzten Atem aus, und Football rückt wieder etwas mehr in den Fokus. Mal ein Blick auf das Programm bei ESPN America in den nächsten Tagen.

CFL

Gleich um 10h30 kommt die Aufzeichnung von Edmonton – Saskatchewan. Die Roughriders stehen nach drei Auftaktsiegen nun nur noch mit 3-2 Bilanz da, aber es waren zwei haarscharfe Niederlagen (Overtime und einmal mit -1 Punkt verloren) und teilweise begeisternder Offensivfootball. Edmonton auf der anderen Seite kommt mit der aktuell vermutlich besten Defence daher, und mit einer beeindruckenden Heimbilanz gegen die Riders: 14 der letzten 16 Heimspiele gegen Saskatchewan wurden gewonnen, und BTW das einzige zu Hause noch ungeschlagene CFL-Team in diesem Jahr. Ob es dabei bleibt, darf als fraglich gelten: Edmontons halber Kader ist im Krankenstand. Das „Hinspiel“ vor rund einem Monat gewann Saskatchewan daheim in einer unansehnlichen Veranstaltung 17-1.

NFL-Preseason

Ich habe nun Ausschnitte von Pittsburgh – Philadelphia gesehen und mir vermerkt: Die Eagles-Secondary ist grausam. Ist das erste Spiel gewesen und noch alle Zeit der Welt, um das auszumerzen, aber wie aufgescheucht die Eagle-Abwehr ganz „hinten“ agierte, stimmt nachdenklich und lässt mit Blick auf einen der ganz großen Superbowl-Favoriten aufhorchen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag 13./14.8. bringt ESPNA die Aufwärmpartie Oakland – Dallas. Es wird der erste Blick auf eine rundumerneuerte Raider-Franchise sein. Die einen Blicke richten sich auf die Offense: Was hat Greg Knapp, der einst Vick so böse vercoachte, mit Palmers deep threats vor? Die Defense ist auch eher ein Mysterium, nachdem ich von Dennis Allen kein wirkliches Profil im Kopf habe. Vielleicht gibt es erste Aufschlüsse. Das Spiel wird dann auch noch am Dienstag, 14.8. um 13h30 und am Mittwoch, 15.8. um 11h als Tape aufgezeichnet. Ich liebe freie Tage mitten im August.

CFL 2012 – Recap Week 2

(Vorsicht: Nachdem ESPN America noch nicht alle Spiele gezeigt hat, könnte der Artikel für manchen die Ergebnisse des Wochenendes spoilern)

Die bisherige CFL-Saison ist die Show der Returnspieler mit ihren auffällig vielen langen Returns. Das Gesetz der Serie besagt, dass sich der Trend nicht allzu lange fortsetzen wird, aber immerhin: Die Special Teams sorgen bisher für Wirbel und richtig, richtig ansehnliche Partien mit vielen Punkten in den ersten zwei Wochen CFL 2012.

Toronto Argonauts – Calgary Stampeders 39-36

Ich mag ja die Heimspiele der Toronto Argonauts nicht wirklich… Diese brutal tiefe Kameraposition, diese Anonymität durch die meterhohen Werbebanden hinter der Seitenlinie, und wenn die Kamera dann mal in die blauen Ränge schwenkt meist gähnende Leere auf den Tribünen. Aber dieses Spiel war dann doch Spektakel. Toronto war im Prinzip die über weite Strecken bessere Mannschaft mit der runder wirkenden Offence, während Calgary nach dem Ausfall vom Stamm-QB Tate im ersten Viertel Probleme hatte. QB Glenn erwies sich als nicht allerpräzisester Werfer unter der Sonne und neigte vor allem unter Druck dazu, die Eier die entscheidenden 15cm zu hoch für die Catches zu werfen. Toronto dominierte, erzwang mit seiner Defence auch die Turnovers, blieb aber immer und immer wieder tief in der gegnerischen Platzhälfte stecken und war zum Fieldgoalschießen gezwungen. Extravagant wurde es eingangs des Schlussviertels, als K Prefontaine ein Fieldgoal aus der Mitteldistanz (ca. 35yds) links neben den Pfosten setzte und #2 Larry Taylor das Ei in der eigenen EndZone aufnahm. Gefühlte zweieinhalb Stunden Slalomlauf und 125yds später hatte Taylor den Ball zum Ausgleichs-TD (29-29) zurückgetragen.

Was folgte, war fantastischer Football, von beiden Seiten mit viel Herz und zittrigen Knien gespielt. Fehler sind nicht selten die Grundlage für ein spektakuläres Spiel, und dieses war ein extrem spektakuläres. Zwei Plays nach dem Ausgleich warf Torontos QB Ricky Ray mit einer verteidigenden Klette am Wurfarm eine INT direkt in die Arme eines Abwehrspielers. Die durchaus mögliche Challange wurde von Torontos unerfahrenem, weil jungem, HeadCoach Scott Milanovich verschlafen, aber direkt im nächsten Play der zurückeroberte Ball nach einem Fumble des Calgary-QB Glenn. Toronto an der 10. Gegessene Sache?

Nope. Ein harter Hit an der GoalLine gegen den extra eingewechselten „Goal Line QB“ #12 Jackson und Turnover on Downs. Unter dem Eindruck von vieeeeeeeel Adrenalin zwei Plays später: QB Glenn noch beim Ausrichten seiner Receiver zu seiner Linken, und dann wird an der eigenen 5yds-Line der Ball zu früh gesnappt – Fumble und pures Glück, dass das kullernde Ei nicht vom Gegner aufgenommen wurde.

Toronto antwortete mit einem souveränen Drive, abgeschlossen von QB Ray mit einem famosen, gefühlvollen „Heber“ am Biergarten hinter der Seitenlinie vorbei in die EndZone, wo sich der Rookie #11 Inman mächtig streckte und artistisch die 36-29 Führung herbeicatchte. Vorbei war noch lange nix. 1:30 vor Schluss Punt für die Argonauts und erneut PR #2 Larry Taylor, diesmal 64yds in die Redzone, und ein Pass später der Ausgleich. Am Ende wurde K Prefontaine trotzdem zum Held, mit seinem sechsten Field Goal im achten Versuch an diesem Tag, mit auslaufender Uhr zum Sieg für Toronto.

Die Argonauts 2012 sind eine sehr gute Mannschaft. Die größten Schwachpunkte sind in der RedZone zu finden, aber immerhin: Sie gelangen bis dorthin, und zwar in fast jedem Drive. Die Stamps dagegen werden nun um ihren Stamm-QB Tate bangen. Es sah nach Schulterverletzung aus und es sah nicht danach aus, als könnte Tate schon kommendes Wochenende wieder zum Einsatz kommen.

Saskatchewan Roughriders – Edmonton Eskimos 17-1

Ein über weite Strecken unansehnliches Spiel von beiden Offenses, aber geprägt von einer feurigen Rider-Defense. Edmontons QB Jyles sah hinter einer schwachen Protection der Eskimos kein Land und war meist schon am Boden, bevor er überhaupt seinen Hals nach einem offenen Mann ausstrecken konnte. Aber Jyles ist auch nicht der Mann, der aus Nix was Produktives machen kann. Am vergangenen Freitag hatte ich spekuliert, wie lange es brauchen würde, bis Jyles gebencht wird. Antwort: Eineinhalb Spiele. In der zweiten Halbzeit kam der alte Mann, QB Kerry Joseph (ehemaliger Safety der Seattle Seahakws und als QB Greycup-Champ mit Saskatchewan), brachte letzten Endes aber auch nicht viel mehr zustande. Die Roughriders waren in der Offense allerdings auch recht blutleer und QB Durant mit vielen sehr ungenauen Würfen. So kam die Entscheidung erst im Schlussviertel mit zehn Punkten für Saskatchewan.

Montreal Alouettes – Winnipeg Blue Bombers 41-30

Für beide Teams war es eine Steigerung gegenüber der ersten Woche. Montreals Offence bestand primär aus dem SB Whittaker (98yds Rushing, 137yds Receiving, 3 TD), während bei Winnipeg insbesondere der gescholtene, weit verletzungsanfällig QB Buck Pierce einen Aufwärtstrend erkennen ließ und keinen Scramble scheute. Am Ende setzte sich die reifere Mannschaft durch.

BC Lions – Hamilton Tiger-Cats 39-36

Ein Spiel der Serien: Erst fuhr BC über die Ticats drüber und führte schon 33-14, dann kam Hamilton zurück und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, BC hätte das glatt noch verloren. Hamilton galt nach vielen teuren Einkäufen als großes Versprechen für dieses Jahr, und im Gegensatz zur insgesamt enttäuschenden Vorstellung gegen Saskatchewan war das diesmal eine vergleichsweise bombenstarke Leistung. Die Defence würgte BC mit ihrem Super-QB Lulay komplett ab (Lulay mit keinen 50% Completion Rate), war allerdings weich wie warme Butter gegen den Lauf (serienweise 10yds-Runs für BC). Im Angriff sahen wir einen deutlich sicherer wirkenden QB Henry Burris und das eine oder andere Big Play. Insgesamt wirkten beide Teams auf Augenhöhe.

Noch nicht allzu aussagekräftige Zwischenstände in den Tabellen:

Osten

Toronto  1-1
Montreal 1-1
Winnipeg 0-2
Hamilton 0-2

Westen

Saskatchewan 2-0
BC Lions 2-0
Edmonton 1-1
Calgary 1-1

CFL 2012 nach dem Canada Day – Der Westen

Nach dem Osten am gestrigen Donnerstag heute der Blick auf die West-Division, nicht ohne einen Verweis auf die heutige Liveübertragung bei ESPN America: BC Lions gegen die Hamilton Tigers (Fr/Sa 6./7.7. um 4h). In der Nacht von Samstag auf Sonntag (7./8.7. um 5h) wird es ein Tape von Montreal – Winnipeg geben, am Sonntag, 10h30 ein Tape von Toronto – Calgary. Und damit wir den kompletten Schwung vom kommenden Wochenende abgearbeitet hätten, folgt am Donnerstag, 20h Saskatchewan – Edmonton als ESPNA-Tape. Lieber in tabellarischer Form? Bitte:

Fr/Sa 7./ 8.7.  04h   LIVE BC Lions - Hamilton
Sa/So 8./ 9.7.  05h   Tape Montreal - Winnipeg
So        9.7.  10h30 Tape Toronto - Calgary
Do       12.7.  20h   LIVE Saskatchewan - Edmonton

Und damit zur Vorstellung der Western Division, jener Division, die man eigentlich deutlich schwächer als den Osten eingeschätzt hatte, der aber am Kickoff-Wochenende vier von vier Partien holte – will noch nicht viel heißen, war aber mal ne Ansage.

Saskatchewan Roughriders

Die Saskatchewan Roughriders sind das möglicherweise populärste CFL-Team, die Green Bay Packers des Nordens, weil sie als einzige CFL-Franchise wie das Pendant aus Wisconsin noch ihren Fans gehören. Ein eigenartig sympathischer Verein, mit einem frenetischen Publikum („Rider Nation“) auf zwei riesigen Haupttribünen im Heimstation, bis zur Trikotüberholung zur Saison 2012 in einem Outfit aus den 80ern (des 18ten Jahrhunderts) angetreten – allein, diese wunderschönen weißen Helme vom Eröffnungsspiel scheinen in Zukunft wieder bloß zu besonderen Anlässen getragen zu werden.

Besondere Anlässe gab es in der ewigen Historie der über 100 Jahre alten Roughriders, des gesamtem Stolzes dieses Bundesstaates, nur wenige: Nur drei Grey Cups wurden gewonnen, aber seit 2007 war man dreimal im Endspiel (ein Sieg). 2011 waren die Riders aber wieder Divisionsschlusslicht mit 5-13 Saisonsiegen und zwei Trainerwechseln.

Zur neuen Saison steht mit Corey Chamblin ein junger, schwarzer neuer Head Coach in den Startlöchern, und Chamblin machte sich gleich unbeliebt, als er die Fans von zwei Trainingssessionen aussperrte – ein Unding in einer Liga, die mit dem Slogan „This is Our League“ wirbt und ein Team, das noch immer den Fans gehört.

Es war nicht Chamblins einziger Move: Der populäre, weil kanadische, WR Andy Fantuz wurde gen Hamilton ziehen gelassen und die Offensive Line wurde komplett umgebaut. Auf der Habenseite holte man sich mit DE Odell Willis vom Erzfeind Winnipeg („Banjo Bowl“) einen gefährlichen Mann. „Gefährlich“ auf dem Feld, aber eben auch im Nachtleben. Willis soll einen lendenlahmen Passrush verstärken.

In der Offense setzt Chamblin weiterhin auf den markanten QB Darian Durant. Nicht gebaut wie ein prototypischer Quarterback (Österreicher würden sagen „a Bröckerl“), besitzt Durant eine Granate von Wurfarm und scheut vor keinem Scramble zurück, ist aber anfällig gegen hirnlose Würfe in Doppeldeckungen und an schlechten Tagen (wie so häufig 2011) gut für eine Handvoll Interceptions. Durants #1-Waffe wird der ehemalige Superbowl-Champ WR Sinorice Moss (ex-Giants) sein, ein Mann, der in Kanada noch nicht allzu viele Leute überzeugt hat.

Edmonton Eskimos

Die Fragezeichen in Edmonton richteten sich vor dem Saisonstart auf die QB-Position, wo mit Ricky Ray der langjährige Franchise-QB und Grey-Cup MVP für Draftpicks und den durchschnittlichen QB Steve Jyles verhökert wurde. Der schlechten Stimmung arbeitete am letzten Wochenende dann just ein Heimsieg über Rays neues Team, die Argonauts, entgegen, und GM Eric Tillman ist vorerst aus dem Schneider.

Jyles ist ein double threat mit viel „double“ und mäßig viel „threat“, und könnte mit dem ehemaligen Superstar-QB Kerry Joseph im Nacken schneller als erwartet in alte Verhaltensmuster zurückfallen und Fumbles und INTs produzieren. Jyles wird dazu der Erfahrung nach Hilfe der aufgejazzten Wide Receivers und der Defence brauchen.

Calgary Stampeders

In Calgary ist mit John Hufnagel ein alter Bekannter aus der NFL am Kommandostand (Gm und Head Coach in Personalunion). Hufnagel hatte gemischte NFL-Aufenthalte, gilt in Kanada allerdings als Koryphäe, ist mit Calgary jedes Jahr einer der Topfavoriten, und gilt als durchaus mutiger Coach (u.a. den 1st round pick 2012 sofort nach der Einstellung wieder entlassen).

2011 sägte Hufnagel den populären QB Henry Burris – immerhin ein Grey Cup Sieger unter Hufnagel 2008 – ab und übergab an den jungen Drew Tate, der prompt einschlug und kaum Anpassungsschwierigkeiten zeigte. Tate (spielte am College in Iowa) hat einen beliebten, weil sehr kanadisch, geprägten WR-Corp zur Verfügung. Fragezeichen hinterlässt allerdings die Defence, deren Pass Rush nicht überzeugend ist.

BC Lions

Der Titelverteidiger. 2011 war eine famose Saison von Seiten der BC Lions aus Vancouver, die sich von einem bodenlosen Saisonstart (0-5 mit vier Niederlagen innerhalb eines Scores) nicht verrückt machen ließen, das Schicksal drehten und am Ende neun von zehn Spielen zum Playoffeinzug inklusive „Heimsieg“ im Grey Cup gewannen.

Als Konsequenz trat der italokanadische Chefcoach Pasquale „Wally“ Buono nach dem Finale zurück und konzentriert sich nun nach neun Jahren Doppelfunktion auf seinen Posten als General Manager. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Sportlich auf dem Thron abmarschiert und nun mit dem neu renovierten „BC Place“ ein fantastisches neues Heimstadion am Start.

Mit Mike Benevides ist nun Buonos Lieblingsschüler neuer Cheftrainer und unter Benevides wird selbige Erfolgsstrategie wie in den letzten Jahren fortgefahren: Passspiel, Passspiel, Passspiel. Im vergangenen Sommer schoss QB Travis Lulay aus dem Nichts hervor und sorgte mit ästhetisch wunderschönem Spiel für offene Mäuler. Lulays Top-Waffe ist der steinalte WR Geroy Simon, seit vergangenem Wochenende der „Jerry Rice der CFL“ als neuer ewiger Bester der Yards-Liste.

In der Defense riskierte man den Abgang einiger Schlüsselspieler gen NFL, konnte sich am Ende aber relativ schadlos halten (nur LB Elimimian ging nach Minnesota) und erreichte das erklärte Ziel, das Defensive Backfield physisch zu verbessern (1cm mehr Durchschnittsgröße, 2kg mehr Hüftspeck).

CFL 2011 Overview

Mit wenig Getöse startet heute die Canadian Football League (CFL) in ihre 58. Saison (offiziell ist es Saison #54). Die Canadian Football League ist die kanadische Version der NFL, geschrumpft um ein paar Dimensionen und vor allem: Viel ruhiger und anonymer.

Die Saison zieht sich wie die NFL über fünf Monate, vom Wochenende um den Canada Day (1.7.) bis zum letzten Wochenende im November, wo im Grey Cup der CFL-Champion ausgespielt wird. Grey Cup ist die kanadische Version der Superbowl – und man addiere ein paar Jahrzehnte Tradition: Heuer wird die Trophäe zum 99. Mal ausgespielt.

Canadian Football

Obwohl sich haufenweise ehemalige Studenten aus US-Colleges in der CFL tummeln, sprechen wir bei „CFL“ nicht von American, sondern von Canadian Football. Das heißt: Anstelle von vier Downs nur drei Downs, dafür 12 statt nur 11 Spieler auf dem Platz. Drei Downs heißt: Laufspiel wird im Vergleich zur NFL entwertet, dafür sieht man teilweise richtige Pass-Orgien und viel mehr Risiko, was im Umkehrschluss zu einer Aufwertung von Special Teams führt, die bei den meist kurzen Drives viel häufiger zum Einsatz kommen. Für zusätzliche Action sorgt die Bewegungsfreiheit der Spieler vor dem Snap, weshalb Spielzüge schwer antizipierbar sind und sich an der Anspiellinie oft geselliger Knuddelmuddel abspielt.

12 Spieler statt 11, dafür aber auch ein größeres Spielfeld: 110yds lang plus jeweils 20yds in jeder Endzone, macht eine Gesamtlänge von 150yds. Die Torpfosten stehen wie früher in der NFL in der Endzone, nahe der Goal Line.

Canadian_football_field CFL

Gepunktet wird wie in der NFL mit dem Zusatz eines Singles (offiziell bitteschön: rogue), eine Situation, die einem Safety ähnelt mit dem Unterschied, dass beim Safety die Offence snappt, beim Single hingegen die ballführende Mannschaft den Ball von einem Kick/Punt annimmt. Ein Single ist – völlig überraschend – einen Punkt für die verteidigende (bzw. kickende) Mannschaft wert. Die Two-Point-Conversion nach dem Touchdown findet außerhalb der 5yds-Line statt.

Zeitmanagement in der CFL ist ein wichtiger Faktor, da jede Mannschaft nur ein Timeout besitzt und nur 20 Sekunden zwischen den Snaps bekommt, was für einigen optischen Thrill sorgt.

Und dann wäre noch die unterschiedliche Schreibweise: Offence und Defence.

CFL im TV

Für NFL-Network-Abonnenten: NFLN zeigt pro Woche zwei Spiele live. Einen Sendeplan der ersten Wochen gibt es an dieser Stelle. Ansonsten wird auf ESPN America leider schon seit Jahren nichts mehr gezeigt, dafür kann man auf der Homepage des kanadischen Sportsenders TSN die Spiele in sehr guter Qualität und in voller Länge on demand anschauen – gratis. Meistens stehen die Spiele schon kurz nach Ende online.

CFL – Status neo

Die 4 Regeländerungen auf dem Spielfeld sind auf den ersten Blick recht marginal und beschränken sich auf die seit Jahren praktizierte inkrementelle Erweiterung des Video-Reviews, auf den jedes Jahr ein ganz klein bisschen verbesserten gesundheitlichen Schutz der Spieler und out-of-bounds Punten.

CFL – Status quo

Die Liga verharrt weiterhin in ihrem gemütlichen Dasein, was angesichts der Fast-Pleite nach einer konzeptlosen US-Erweiterung in den 90ern nicht die allerschlechteste Strategie ist. Allerdings schwebt das Damokles-Schwert „NFL in Toronto“ immer noch (und vermutlich noch eine Weile lang) über der CFL. Sollten die Buffalo Bills (oder irgendeine andere NFL-Franchise) in den Kernmarkt der CFL – Toronto – eindringen, wird es für die deutlich weniger strahlkräftige CFL bitter.

Wie klein die CFL finanziell im Vergleich zur NFL ist? Das Salary Cap beläuft sich auf 4,3 Millionen Dollar (Vergleich NFL: ca. 135 Mio. sind im Gespräch). Mindestsalär in der CFL: 44.000 Dollar.

Trotz allem genießt die CFL einen guten Ruf in Kanada, und besonders der Grey Cup genießt sowas wie den Status eines kleinen Nationalfeiertags inklusive Familienausflügen und Voradvents/Pregame-Shoppingtouren.

Man muss wissen, dass die CFL aus nur acht Franchises besteht, die sich auf eine West und eine East Division aufteilen.

Im Osten spielen die traditionsreichen Toronto Argonauts, die Hamilton Tiger-Cats, Winnipeg Blue Bombers und Montreal Alouettes, und ab 2013 wohl endlich auch wieder eine Franchise aus Ottawa.

Die West-Division setzt sich zusammen aus den B.C. Lions (Vancouver), Edmonton Eskimos, Calgary Stampeders und Saskatchewan Roughriders. In 18 Wochen Regular Season werden sechs (!) Playoffteilnehmer ausgespielt – nur logisch, dass dabei immer wieder Teams mit negativer Bilanz in den Playoffs spielen, worüber außerhalb von Seattle in der NFL niemand lachen könnte.

CFL 2011 – Der Osten

Die Montreal Alouettes haben in den letzten beiden Jahren jeweils den Grey Cup gewonnen und dürften auch in dieser Saison mit ihrer explosiven Offense Meisterschaftsanwärter sein. Mit Woche 1 beginnt der Countdown für den CFL-Passrekord nach Yards, den #13 QB Anthony Calvillo seit Jahren jagt. Zirka in Woche 14 oder 15 dürfte die ewige Bestmarke fallen. Montreals Heimspiele finden übrigens in einem sehr netten Ambiente statt, nicht im Betonklotz des Olympiastadions, sondern im schnuckeligen Memorial Stadium bei meist prächtiger Stimmung.

Die Toronto Argonauts kämpfen seit Jahren darum, endlich an Montreal vorbeizuziehen und manche erwarten, dass es heuer passieren wird. Beim jüngsten Roster Cut sorgten die Argonauts mal wieder für Erregung, als sie den hoffnungsvollen kanadischen QB Danny Brannagan aus dem Kader strichen. Ausgerechnet die CFL-Quarterbacks sind keine kanadische Domäne, was seit Jahren für Diskussionen sorgt.

Die Hamilton Tiger-Cats sind der Lokalrivale der Argonauts, aber die Offence um QB Quinton Porter gilt als wenig überzeugend, trotz des Preseason-Erfolgs über Toronto. Winnipeg schließlich wird die rote Laterne im Osten abholen, alles andere käme Sensation gleich. Für die Blue Bombers könnte die neue stadtinterne Konkurrenz der Jets (NHL) zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen und auch in der Preseason wurde bereits munter verloren, was es zu verlieren gab (zwei Spiele, um genau zu sein).

CFL 2011 – Der Westen

Als haushoher Favorit im Westen gelten die Calgary Stampeders, die schon im vergangenen Sommer dominierten, aber das Playoffspiel gegen Saskatchewan fassungslos in den Sand setzten. Allerdings haben die Stampeders nicht grad überzeugende Offence in der Preseason gespielt, weswegen manche glauben, dass die B.C. Lions Chancen auf den Titel im Westen haben. BC genösse heuer Heimvorteil im Grey Cup, der nach Vancouver vergeben wurde und im rundum erneuerten BC Place stattfinden wird.

Mein persönliches Lieblingsteam sind die Saskatchewan Roughriders, so was wie Canada’s Team, eine Franchise, zu der sich auch Granden bis hinauf in die höchsten politischen Ämter bekennen. Die Roughriders haben in ihrer langen Geschichte nur drei Titel geholt (zuletzt 2007) und in den letzten beiden Saisons jeweils den Grey Cup verloren. QB ist der schwarze Darian Durant, der mittlerweile ein erstaunliches Standing genießt und von Saison zu Saison souveräner wirkt, aber Durant muss 2011 auf seine besten Wide Receivers verzichten. Durants Platz als QB ist zementiert: Jüngst haben die Roughriders den ehemaligen Gators-QB Chris Leak (BCS-Champ 2006/07) gefeuert.

Vor ein paar Wochen hat in den Kommentaren im Kontext mit Charity Bowl XIII in Wien ein gewisser Chris Griffing aufgeschlagen. Nach längerem Email-Wechsel durfte ich u.a. erfahren, dass die Familie Griffing lange Football-Tradition besitzt und Chris Griffings Vater, Dean Griffing sr., ein ehemaliger Center und Head Coach der Roughriders war – und sogar in der kanadischen Football Hall of Fame steht! (Ganz nebenbei war der Mann auch noch Chefscout für Papa Bear George Halas und erster General Manager der Denver Broncos.)

Die Edmonton Eskimos schließlich gelten als krasser Außenseiter im Westen. Edmonton hat vor ein paar Wochen den legendären QB der Boise State University, Jared Zabransky, entlassen, womit Zabranskys CFL-Ambitionen wohl auch beendet sind. Die anderen QBs scheinen aber auch nicht höheren Ansprüchen zu genügen.

Als Abschluss: Hier gibt es den CFL-Schedule von 2011, wo Woche für Woche auch die Spiel-Highlights verlinkt werden.

NFL #11: New England Patriots – Indianapolis Colts

 [01h37] Die Roughriders spielen die letzten Sekunden runter. Es war kein großes Spiel, aber spannend bis wenige Minuten vor Schluss, als die Roughriders einen Punt in die eigene Endzone fumbelten. Statt Touchdown Calgary gab es Touchback. Danach spielten die Roughriders die Uhr herunter. 20-16 Sieg in Calgary, und damit ist die Neuauflage des 2009er-Grey Cups perfekt: Die Montreal Alouettes mit dem Uralt-QB Calvillo haben am frühen Abend Toronto demoliert.

[01h32] Vince Young ist nicht mehr Starting-QB der Titans. Young verletzte sich während des Spiels gegen die Redskins am Daumen, legte sich anschließend mit dem pfeifenden Publikum an und verschwand kommentarlos aus dem Stadion. Young ist nicht zum ersten Mal als unreif aufgefallen. Mal schauen, ob die Titans tatsächlich mit QB Rusty Smith weitergehen.

[01h05] Manning führt seine Offense das Feld hinunter und es ist nur noch die Frage, ob sie den Touchdown oder das Field Goal machen. Und dann für einmal ein büsschen Pressure für Manning. S James Sanders pflückt einen unguten (weil sehr gelupft) Ball von Manning artistisch aus der Luft.

29 Sekunden vor Schluss und ca. 15yds vor der Endzone ist das Spiel somit entschieden. Das große Comeback der Colts bleibt also ungekrönt.

Ein bärenstarkes Spiel: Sehr lange, ausgewogene Drives von beiden Seiten, kaum Strafen und viele, viele verwertete dritte Downs. Allenfalls die Pass-Verteidigung auf beiden Seiten könnte ein wenig stärker sein, v.a. die der Patriots. Trotz der drei Interceptions.

New England bleibt somit an den Jets dran, während Indianapolis in der sauknappen AFC South gemeinsam mit Jacksonville (!) nur knapp vorn liegt und die Playoffs noch lange nicht gesichert hat.

[0oh57] Blick nach Calgary: Saskatchewan ist wieder in Führung gegangen. 20-16 nach einem TD-Lauf und kurz darauf einem Single für die Stampeders.

[00h50] New England 31, Indianapolis 28. Schrieb ich etwas von eingetütet? Die Colts 4:51 Minuten vor Schluss mit einem weiteren Touchdown. Unterstützt von einem langen Pass bei 3rd down und einer hirntoten Strafe gegen LB Cunningham für 15 yds. Der Spielverlauf ähnelt nun sehr dem von ziemlich genau vor einem Jahr.

Indianapolis mit drei Timeouts.

[00h36] New England 31, Indianapolis 21. In nur zweieinhalb Minuten marschieren die Colts das Feld hinunter, u.a. sogar mit einem langen Laufspielzug. Nur mehr zehn Punkte Rückstand, und noch genau acht Minuten zu spielen.

[00h29] New England 31, Indianapolis 14. Wie vor einem Jahr: 31-14 im Schlussviertel. Aber ich glaube nicht an ein Comeback der Colts. Die haben kein Mittel, die Pats zu stoppen, es sei denn, die Patriots machen sich durch Eigenfehler einen Drive kaputt bzw. machen wie eben anstatt des durchaus möglichen TD nur das Field Goal. Die Offense ist einfach zu dominant, mittlerweile funktioniert sogar das Laufspiel blendend.

[00h20] Im CFL-Westfinale geht in diesen Minuten die zweite Halbzeit los. Die Roughriders haben ein 0-11 aufgeholt und daraus ein 14-11 gemacht. Eben ein Single für die Stampeders. Nur noch 14-12. Das Spiel ist m.E. hauptsächlich wegen des Wetters spektakulär (Schnee-Spiel!).

[00h16] WTF-Moment: Manning mit einem stupiden Wurf an den Spielfeldrand. Dorthin, wo meilenweit kein Receiver zu sehen ist. Dafür zwei Verteidiger. CB McCourty macht die Interception. Die Pats können jetzt den Sack zumachen. Oder zumindest sehr weit schließen.

[00h10] New England 28, Indianapolis 14. Das Playcalling in der Patriots-Offense ist nun ausgeglichener. Läufe über die Mitte wechseln sich mit aberwitzig schnellen Pässen von Brady ab. Am Ende staubt RB Danny Woodhead mit einem sensationellen Lauf zum Touchdown ab. Ein Lauf über 36yds, mehrere Verteidiger aussteigen lassen und Wes-Welker-like in die Endzone gestürmt. Woodhead beim anschließenden Kickoff mit einem spektakulären Tackle gegen den Colts-Returner. Ein faszinierender Spieler.

Trotzdem: Von Vorentscheidung kann hier keine Red sein.

[00h01] Auch die Colts werden gestoppt. Kaum erhöht die Defense für Momente den Druck, muss auch Manning seine Pässe wegwerfen bzw. nicht mehr 100%ig präzise in die Hände der Receivers gelegt.

[23h48] Kein Onside Kick der Colts. Dafür zum ersten Mal die Pats-Offense gestoppt.

WR Austin Collie wird in dem Spiel nicht mehr eingesetzt. Die Gehirnerschütterung zeigt ihre Nachwirkungen.

[23h31] Halbzeit New England 21, Indianapolis 14. Die Pass-Verteidigung der Patriots ist besorgniserregend schwach. Zwei-drei Receiver stehen bei jedem Spielzug der Colts frei. Manning findet stets seine Receiver, in letzter Konsequenz WR Reggie Wayne, der auch den TD macht, 4 Sekunden vor Halbzeit. Wichtig für die Colts, weil sie in Halbzeit zwei kicken müssen – wobei ich an Patriots-Stelle auch auf einen möglichen onside kick Acht geben würde.

Mittlerweile sind auch die Colts in der Offense nicht mehr zu stoppen, scoren bei jedem Drive. Es ist ein Spiel der langen Drives: NE machte bei drei von drei einen Touchdown. Die Colts mit vier Drives: Eine INT, einmal gestoppt und zweimal TD. Das geht ca. 42-35 aus heute.

[23h15] New England 21, Indianapolis 7. Dritter Drive, dritter Touchdown, diesmal per Lauf (RB Green-Ellis) über die Mitte. Die Colts kriegen keinen Durck auf Brady zustande. Brady verbrennt die Colts bei so viel Zeit mit seinen schnellen Würfen.

Pats-Raumgewinn nach Plays: 6-25-16-7-0-3-3-5.

[23h03] New England 14, Indianapolis 7. Manning arbeitet nun sehr viel aus der Shotgun. Sobald er schnell wirft, ist stets ein Receiver frei. Großartiger Catch von RB Brown nach großartigem Wurf von Manning unter großem Druck. Am Ende fängt TE Robinson einen 0,5-yds Pass, weil die Colts nicht imstande sind, den Ball per Laufspiel durchzudrücken.

Die Message ist deutlich: Die Colts sind im Spiel und sie bleiben gefährlich. Und wir werden noch einige Punkte zu sehen bekommen.

[22h53] New England 14, Indianapolis 0. Die Pats packen wieder ihr Kurzpass-Repertoire aus und marschieren mit vielen kurzen Pässen in die Endzone. Keine spektakulären Spielzüge, aber stetiges Mitnehmen von 5-6 yds. Am Ende geht es wieder über die Mitte: TE Hernandez ist dem gegnerischen Linebacker überlegen und fällt in die Endzone.

Bisher ein sehr souveräner Auftritt der Patriots. Und schwaches Tackling der Colts.

[22h31] New England 7, Indianapolis 0. Peyton Manning guckt sich im ersten Drive den falschen Mann aus, wirft den Ball direkt in die Arme von FS Meiweather. Die Patriots haben dann keine Mühe, die 30yds in die Endzone zurückzulegen. Tom Brady über die Mitte zu WR Wes Welker. Der kleine Mann überspringt LB Angerer und schleift zwei-drei Mann in die Endzone.

Die Pats-Defense ist sehr aggressiv: Im anschließenden Drive sind die Verteidiger bei fast jedem Pass mit einer Hand dran. Minimum zweimal war eine zweite Interception mehr als nur möglich.

[22h16] Roundup einiger 19h-Spiele:

MIN 3, GB 31. Das war’s dann mit den Playoffhoffnungen der Vikings. Aaron Rodgers mit einer Bomben-Vorstellung im Metrodome: 22 von 31 für 301 yds, 4 TDs. Favre versuchte auf der Gegenseite gut ein Dutzend Mal, WR Sidney Rice anzuspielen – mit minimalem Erfolg.

JAX 24, CLE 20. Wieder so eine Wende der Jags in den letzten Augenblicken. RB Jones-Drew mit einem sensationellen Run über das ganze Feld. 76 Sekunden vor Schluss dann von Jones-Drew aus 1yd zum TD eingeschenkt.

PIT 35, OAK 3. Unansehnliches Spiel. Die Raiders spielten so schlecht wie lange Jahre gewohnt, brachten keinen Ansatz von Laufspiel zustande. Pittsburgh mit einem großartig aufgelegten QB Roethlisberger, der immer, wenn es eng wurde, genau die richtigen Entscheidungen machte. Aber brutal viele Strafen, v.a. von Steelers-Seite (über 160yds Raumstrafen). Phasenweise im dritten Viertel flogen bei jedem Spielzug die Flaggen. DT Seymour schlug Roethlisberger nieder, wurde von den Refs ausgeschlossen.

NYJ 30, HOU 27. Erst ein großes Comeback der Texans. Am Ende dreht QB Sanchez mit einem bärigen TD-Pass auf WR Holmes, zehn Sekunden vor Schluss vor erstaunlich gelichteten Reihen im Meadowlands Stadium das Spiel. Die Jets würgen sich seit Wochen durch und heimsen einen knappen Sieg nach dem anderen ein.

TEN 16, WAS 19. Die Skins verschießen mit auslaufender Uhr im vierten Viertel ein machbares Field Goal. In der Verlängerung wirft QB McNabb eine hanebüchene Interception. Trotzdem gewinnt Washington, weil Tennessee zwar viel Laufspiel hatte, aber ansonsten nichts gebacken bekam. Backup-QB Smith brachte nichts zustande. QB Young mit Daumenverletzung raus.

[22h10] Schlechte Nachrichten für die Colts: Sie müssen auf RB Addai und LB Bracket verzichten. Beide sind nicht mehr rechzeitig fit geworden. Dafür kehrt WR Austin Collie zurück – wichtig für Indy, deren Receiver-Corps arg dezimiert wurde.

New England spielt einigermaßen in Bestbesetzung.

[22h03] Guten Abend. New England – Indianapolis ist seit Jahren stets eines der meistgehypten Spiele in der Regular Season – kein Wunder bei der Vorgeschichte.

Weitere kleine Einstimmung: Ein Artikel über Peyton Mannings Arbeit an der Line of Scrimmage.