Deshaun Watson, Lamar Jackson und die große Angst vor Selbstüberschätzung

Lamar Jackson gegen Deshaun Watson – am College lieferten sich diese beiden fantastischen Quarterbacks vor drei Jahren einen sensationellen Shootout. Jetzt kommt es zum ersten Wiedersehen in der NFL – in jener NFL, die diesen beiden atemberaubenden College-Quarterbacks einst fast die Qualifikation mitzumachen abgesprochen hätte. Weiterlesen

Edge Rusher im NFL-Draft 2019

Trotz Kyler Murray, starker Tight Ends und tiefer Wide-Receiver Klasse: Der NFL-Draft 2019 gilt in erster Linie als Jahrgang der Verteidiger – selten, dass sich so viele Star-Prospect und so viel Tiefe vor allem in der Front-Seven in einem einzigen Jahr im Draft finden.

Linebacker hatten wir schon. Die Rundschau auf die Defense-Spieler im NFL-Draft 2019 geht heute mit der Klasse der Edge-Rusher weiter. Weiterlesen

Die beiden Linebacker-Stars im NFL-Draft 2019 in der Analyse

Linebacker ist historisch eine der wichtigsten Positionen im American Football. Je nach 4-3 oder 3-4 Grundaufstellung in der Defense brauchten Teams in Vergangenheit im Kader drei bis vier Starting-Linebacker. Mit zunehmendem Aufkommen der Spread-Offenses und 11-Personnel in der NFL in den letzten 8-12 Jahren hat die traditionelle Linebacker-Position immer stärker an Wert verloren. Weiterlesen

Quinnen Williams: Täuschen mich meine Augen?

Für viele das beste Talent im heurigen NFL-Draft: Quinnen Williams von der University of Alabama, der dominanteste Abwehrspieler der letzten Saison. Bei allen längst bekannten Lobeshymnen, die derzeit auf Williams gesungen werden: Sein Case-Study ist einer der spannenderen in diesem Draft. Weiterlesen

Wide Receiver im NFL Draft 2019 – Teil I: Die Big Guys

Wide Receiver ist eine der am schwierigsten zu bewertenden Position im NFL-Draft – und eine Position mit relativ hoher Flop-Rate. Woran das liegen könnte, das habe ich schon vor ein paar Tagen zu ergründen versucht: Da unterschiedliche Positionen und Einsatzgebiete in Nuancen völlig unterschiedliche Anforderungsprofile haben, gibt es relativ hohes Fehlerpotenzial bereits in der Einstufung von Wide Receivern. Weiterlesen

Quarterbacks im NFL Draft 2019: Hände weg von Drew Lock und Daniel Jones!

Kaum jemand zweifelt mehr daran, Kyler Murray und Dwayne Haskins in der 1ten Runde des NFL-Drafts gezogen werden. Hinter diesem Duo wird es jedoch spannend: Manche gehen von vier oder bis zu fünf 1st-Round Quarterbacks aus. Andere sehen noch maximal einen dritten QB vor Ablauf des #32 Picks vom Tablett gehen.

Zwei noch immer häufig genannte 1st-Round Kandidaten sind Drew Lock (Mizzou) und Daniel Jones (Duke). Beide sind gebaut wie echte QBs: Lock ist 6‘3 und 228 Pfund, Jones ist schlaksige 6‘5 bei 221 Pfund. Weiterlesen

Quarterbacks und Completion-Rate entlang des Feldes

Draften hat sich in der NFL über die Jahrzehnte als relative Lotterie herausgestellt, in dem keine Mannschaft mit Konstanz die Konkurrenz aussticht. Noch immer gilt die Prämisse: Draft Traits, not Production.

Doch Scouting for Traits allein reichen nicht aus. Es ist die Verbindung mit neuen Metriken, die Scouting auf eine neue Ebene hieven wird.

Ich hatte letzten Sommer ein recht langes Gespräch mit einem US-Scout, dessen Einstellung gegenüber „Advanced-Analytics“ mit „skeptisch“ zu positiv beschrieben wäre. Analytics ist Bullshit. Und zieht ein Sheet heraus mit seinen zusammengekasperten Metriken, anhand derer er den Draft analysiert. Über die mäßigen Hit-Rates von Draftees wundere ich mich spätestens seither nicht mehr. Weiterlesen

Scoute die Offensive Line: Pass-Blocking ist einfacher zu prognostizieren als Run-Blocking

Es zeigt sich seit etlichen Jahren: Die Grenzen des traditionellen Scoutings scheinen ausgelotet und erreicht zu sein. Die nächste Stufe in der Evolution des Draft-Scoutings in der NFL ist die Integration von Advanced-Analytics. Diese steckt noch in den Kinderschuhen, doch die ersten Anzeichen stimmen hoffnungsvoll. Weiterlesen

Watch den Wentz

Carson Wentz ist der Liebling der Scouting-Phase 2016. Sogar Mike Mayock hat Wentz als besten QB im Draft bezeichnet und mit Andrew Luck verglichen. Wentz kommt vom kleinen North Dakota State College, war dort eineinhalb Jahre Starter und gewann zuletzt in einem furiosen Finale die Meisterschaft der FCS, der zweiten Stufe im College Football. Weiterlesen

Scoute den Goff

Die landläufige Meinung zum QB-Rennen im Vorfeld des NFL-Drafts 2016 sieht zwei Männer ganz vorne: Carson Wentz und Jared Goff. Gemeinhin wird dabei Wentz als der Mann mit mehr Potenzial beschrieben, wohingegen Goff als der Quarterback gilt, der schneller ins NFL-Getümmel geworfen werden kann. Ich habe mir die beiden QBs angesehen. Heute: Jared Goff. Weiterlesen

Combine heute: Marcus Peters

Letzter Tag der NFL-Combine heute mit den Defensive Backs. Der interessanteste Mann am heutigen Tag ist der ehemalige Cornerback der University of Washington, Marcus Peters, der bewegte letzte 12 Monate hinter sich hat. Als jemand, der die Washington Huskies aufgrund ihres neuen Coaches Chris Petersen intensiver verfolgt hat, war Marcus Peters natürlich ein Mann, den man nicht übersehen konnte. Weiterlesen

Combine heute: Dante Fowler jr. und Shaq Thompson

Heute ist die Defensive-Front Seven mit ihren Combine-Drills an der Reihe. Anstatt auf jeden der Top-Prospects genauer einzugehen, seien hier und heute mal zwei von ihnen vorgestellt, die ich in dieser Saison ein bisschen genauer verfolgt habe. Weiterlesen

Die Tight Ends im NFL-Draft 2014

Keine zwei Wochen mehr bis zum Highlight der NFL-Offseason, dem NFL-Draft 2014, und entsprechend Zeit, mit der ausführlichen Einstimmung zu beginnen. Bis vor wenigen Tagen war ich noch fast komplett unbeleckt von der Draftmaterie dieses Jahr, aber ich habe mich mittlerweile eingearbeitet in die Thematik. Das Feld ist bereitet für zwei Wochen Groove, oder wie es Mike Tanier nannte: Draftathon. Draft-Vorfeld ist gekennzeichnet von einer ganzen Latte an Stereotypen, die im Falle eines jeden Drinking-Games zum unvermeidlichen Vollrausch führen.

Abseits von Mock-Drafts und Gemeinplätzchen ist der NFL-Draft aber immer wieder eine sehr gute Gelegenheit, über spielerische Trends in der NFL zu sinnieren und einen neuen Jahrgang an Spielern, sprich Individualisten, kennenzulernen.

Let’s begin mit einer der Positionen, die sich in den letzten Jahren am meisten gewandelt hat: Tight End. Ich schrieb schon im Februar über die neuen Trends auf dieser Position und verlinkte auf dieses sehr schöne Video von Philadelphia Eagles.com, das die neue Bedeutung der Tight Ends ganz gut zusammenfasst.

Der Wandel in der Bedeutung des Tight Ends

Früher war der Tight End ein – eben – tight end, am Rande der Offensive Line aufgestellt, mit der Hauptaufgabe als Blockunterstützung zu wirken und gelegentlich mal als Ballfänger in Aktion zu treten. Das waren die 115kg schweren, 1.93m großen Bolzen, gebaut wie etwas athletischere Offensive Tackles. Schwere Jungs, die gegen Linebacker gegenhalten konnten. Sie haben fraglos auch heute noch ihren Platz im Footballsport, aber der Hauptfokus auf dieser Position hat sich über die letzten Jahre hin zu den fangstärkeren TE gewendet – Leute, die gerne mal auch in klassischen, früher ausnahmslos Wide Receivern vorbehaltenen Plätzen aufgestellt werden.

Prospects 2014

Name                 Rd
Eric Ebron           1
Jace Amaro           1-2
A. Seferian-Jenkins  2-3
Troy Niklas          2-3
C.J. Fiedorowicz     2-4
Arthur Lynch         3-5
Crockett Gillmore    3-5
A.C. Leonard         3-5
Richard Rodgers      4-6
Trey Burton          5-7

Links

Mayock Top Five

  1. Ebron
  2. Seferian-Jenkins
  3. Amaro
  4. Niklas
  5. Fiedorowicz

Leute wie Tony Gonzalez, Antonio Gates, Jimmy Graham oder Rob Gronkowski sind in erster Linie große, schlaksige Athleten, die Bälle wie ein Wide Receiver fangen können, aber zeitgleich noch gut genug als Blocker sind um damit ein Upgrade über jeden konventionellen Wide Receiver zu sein. Blocken ist immer noch für die meisten Tight Ends eine wichtige Aufgabe, die sitzen muss, aber in der Pass-Liga NFL ist die Eigenschaft des Fangens mittlerweile höher eingestuft als die des Blockens.

Wie man einen jungen, groß gewachsenen Tight End mit guten Fanhänden einsetzen kann, zeigt das Video anhand des jungen Eagles-TE #86 Zach Ertz: Ein Mann, der zu groß ist für einen Safety oder Cornerback und zu schnell für einen Linebacker. Das sind genau die Mismatches, die die Coaches von heute suchen – nicht, dass der Mann zwangsläufig jedes Spiel zehn Catches für 150yds machen muss, nein: Er muss „nur“ eine zusätzliche Option stellen, für die der gegnerische Coaching-Staff wertvolle Vorbereitungszeit investieren und im laufenden Spiel im einen oder anderen Play einen zusätzlichen Mann abstellen muss.

Ein fangstarker Tight End mit einigermaßen brauchbaren Block-Skills hat heutzutage eine gute Chance, in der ersten oder zweiten Runde gedraftet zu werden. Ein bockstarker Blocking-TE mit mäßigen Fanghänden geht dagegen garantiert nicht mehr vor der dritten oder vierten Runde vom Tablett.

Die Klasse von 2014

Der NFL-Draft 2014 hat von allen Sorten ein paar Optionen zu bieten. Der Jahrgang gilt nicht als überragend besetzt, aber die besten fünf, sechs Optionen sollen schon recht sichere Tüten mit Pro-Bowl Potenzial sein. In der sehenswerten Film-Room Session von Philadelphia Eagles.com diskutierten Bo Wulf und Greg Cosell in einem knackigen 10min-Video über die Vorzüge und Unsicherheiten der heurigen Klasse.

New Generation

Beginnen wir mit der Sorte „neue Tight Ends“, also denen, die sich in erster Linie über das Pass-Fangen definieren. Als Star des Jahrgangs gilt North Carolinas Eric Ebron, der bei den Tar Heels am College häufig als verkappter Wide Receiver aufgestellt wurde. Als Fachbegriff für Ebron könnte man detached Tight End einführen, also eine Art Spielertyp, der losgelöst von der klassischen Tight End-Positionierung am Rand der Offense Line operierte – meistens im Slot zwischen Line und Hash Marks.

Ebron sieht auf den ersten Blick auch aus wie ein klassischer, richtig monströs gebauter Wide Receiver. Er ist pfeilschnell und in der Lage, auch einem Cornerback auf und davon zu laufen. Ebron gilt noch als eher schlampiger Routenläufer, aber er ist mit seiner Statur, seinem Speed und seiner Physis in der Lage, Safetys zu schlagen, und mit gutem Coaching traut man ihm auf alle Fälle auch zu, die schwierigeren Routen, die von Cornerbacks verteidigt werden, zu laufen.

Ebron gilt als durchaus unterschätzter Vorblocker. Er wurde nicht oft für das Blocken einsetzt, soll aber in den wenigen Szenen sehr brauchbar ausgesehen haben und nur ein paar Feinheiten davon entfernt sein, zumindest ein „brauchbar“ für NFL-Verhältnisse auf diesem Feld ins Zeugnis geschrieben zu bekommen.

Gelegentlich schlampiger ist Ebron in seiner eigentlichen Paradedisziplin, dem Fangen. Von Zeit zu Zeit hat Ebron Aussetzer, lässt simple Bälle durch die Finger flutschen. Er streut oft genug die sensationellen Catches ein, dass man als Coach geneigt ist, diese Unssauberkeiten als Konzentrationsschwierigkeiten abzutun, aber in der Tat ist eine der großen Fragen, wie einfach man Ebron diese Flauseln austreiben kann.

Eine der weiteren Fragen bei Ebron wird sein, wie man ihn an der Anspiellinie attackiert: Am College wurde er nur selten mit einem jam (Wikipedia) angegangen, weil keine ausreichend kräftigen Gegenspieler gab und er sie überlaufen hätte. In der NFL hat mittlerweile fast jede Mannschaft Linebacker, die diesbezüglich zumindest temporären Schaden bei einem gegnerischen Tight End anrichten können und das Timing im Passspielzug empfindlich stören können.

Kommt Ebron sauber in die Route und fängt den Ball, ist er konkurrenzlos mit Hinblick auf die Klasse von 2014: So schnelle, fluide Bewegungen macht sonst kein Tight End, und er ist in vollem Lauf nur schwer zu Boden zu bringen.

In Summe ergibt das den Tight End mit dem höchsten „Ceiling“, also dem größten Potenzial, des Jahrgangs. Die geschilderten Fragezeichen und einige nur bedingt erbauliche Offseason-Workouts verhindern möglicherweise, das Ebron als sicherer Top-10 Pick in den Draft geht, aber er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit bis spätestens Mitte-Ende der ersten Runde vom Tablett gegangen sein.

Als zweiter möglicher 1st-Rounder gilt Jace Amaro von der Texas Tech University. Amaro war in der teilweise kompromisslosen Pass-Offense der Red Raiders noch häufiger als ein Ebron als Wide Receiver unterwegs, und es gab Spiele, in denen Amaro die TE-Position nur vom Hörensagen kannte. Er operierte phasenweise als echter Slot-WR der Güteklasse Boldin. Von seiner Spielweise ist Amaro aber weniger mit einem Ebron vergleichbar, sondern mehr mit einem Jason Witten von den Cowboys: Er ist nicht überaus explosiv, sondern mehr der Techniker, der einfach seinen Job präzise erledigt und nicht versucht, mehr aus dem Play zu machen als es das Playbook vorschreibt – das mögen Coaches für gewöhnlich.

Amaro wird aber trotz dieser Eigenschaften und trotz seiner 1,95m von den meisten Experten aber als inferiore Option im Vergleich zu Ebron angesehen, weil er schlicht keine Erfahrung als Blocker an der Line of Scrimmage hat. Er wird das in der NFL lernen müssen, und das wird einige Zeit brauchen.

Auch so ein sehr stark auf seine Rolle des Fängers festzunagelnder Spieler ist Richard Rodgers von Cal: Groß gewachsen und somit ein Mismatch für sowohl Linebacker als auch Cornerback. Rodgers gilt als schwacher Blocker, aber als durchaus lernfähiger TE mit mittelfristigem Fokus. Man sagt, er geht irgendwann zwischen der dritten und fünften Runde vom Tablett.

Die Vielseitigen

Austin Seferian-Jenkins von der University of Washington sieht mit seinen 1,96m und 270 Pfund wie ein abgeschlankter Left-Tackle aus, und dürfte eine furchterregende Erscheinung sein. Er ist zwar ein guter Routenläufer und Ballfänger, der schon Cornerbacks geschlagen hat, aber seine wahre Stärke ist seine Vielseitigkeit: Seferian-Jenkins sagt man nach, ein ähnlicher Spielertyp wie letztes Jahr Zach Ertz (wurde an #36 gedraftet) zu sein, einer, der den Lauf-Blocker, Mitteldistanz-Ballfänger für die RedZone und die massige Statur für die GoalLine Offense in sich vereint.

Er wird kaum vor einem Ebron oder Amaro vom Board gehen, aber Seferian-Jenkins dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit als dritter oder vierter Tight End gedraftet werden.

In etwa die gleiche Region wie Seferian-Jenkins ist Troy Niklas von Notre Dame. Niklas ist auch so ein Hüne. Er sieht auf den ersten Blick ziemlich hüftsteif aus und bewegt sich längst nicht so grazil wie andere Artgenossen, aber bei genauerem Hinsehen gilt er als beweglicher als angenommen. Niklas‘ große Stärke ist die Zone in der Spielfeldmitte: Downfield kann er mit seiner Größe Safetys schlagen. Er gilt noch als entwicklungsfähig, wird zumindest ein oder zwei Jahre brauchen um sein Potenzial erschöpfen zu können.

Als sehr spannende Option gilt der schwer aussprechbare C.J. Fiedorowicz von Iowa, den der konservative Trainerstab um Kirk Ferentz dort nur sehr widerwillig als Pass-Catcher einsetzte, und wenn, dann meistens auf sehr kurzen Routen, wo nicht viel schief gehen kann. Fiedorowicz soll allerdings – und da wird es heiß – bei den wenigen längeren Spielzügen gigantisch ausgesehen haben. Die Frage ist hier Zufall oder Methode? Kannst du aus einer sehr kleinen Stichprobe an Tapes darauf schließen, dass Fiedoroqicz tatsächlich eine Art 360° Spielertalent ist?

Cosell meinte in einem seiner Podcasts, Fiedorowicz habe in seinen Bewegungen etwas Gronkowski-mäßiges. Sein Blockspiel ist kompromisslos, sein Fangen wie gesagt gut, aber schwierig zu bewerten. Viele glauben, dass er in der zweiten oder dritten Runde vom Tablett geht, aber ein mutiger Trainerstab könnte ihn auch schon früher ziehen.

Weniger Upside, dafür ein grundsoliderer Spieler ist Georgias Arthur Lynch. Bei ihm ist es ähnlich wie Fiedorowicz: Man vermutet viel unausgelotetes Potenzial im Spiel als Ballfänger. Lynch wurde nur für wenige wirklich spektakuläre Passspielzüge in Szene gesetzt, hatte überwiegend traditionelle TE-Übungen zu absolvieren. Das machte er wunderbar. Gilt als Option für die mittleren Draftrunden.

Ein komplettes dark horse ist der fürchterlich tätowierte Colt Lyerla, ein spielerisch unumstrittener, aber menschlich schwieriger Mann von der University of Oregon, oder besser: Von keiner Universität. Lyerla wurde in Oregon wegen wiederholter Drogenprobleme halb geschasst, halb ging er aus freien Stücken. Zurück blieb üble Nachrede von wegen Weichei und kaum zu kontrollierender Typ.

Rein von den sportlichen Voraussetzungen wäre Lyerla vermutlich der beste Tight End neben Ebron. Er ist ein 1.96m großer Hüne, der sich bewegt wie ein Einssiebziger. Diese Kombination aus Beweglichkeit und körperlicher Überlegenheit macht gewöhnlich einen 1st-Rounder auf dieser Position, aber nur, wenn es ein astreiner Charakter ist.

Für ein Team, das glaubt, ihn unter Kontrolle zu haben, wird er einen Draftpick wert sein. Lyerla kann per sofort als Waffe in der RedZone eingesetzt werden. Alles weitere muss man sehen: Da er 2013 kaum oder keinen Football spielte, hat er noch einiges in seiner Entwicklung nachzuholen.

Schließlich gibt es noch den schwer einzuschätzenden Trey Burton von Florida. Burton wurde bei den Gators hauptsächlich als „X-Faktor“ eingesetzt, sprich als positionsübergreifendes Asset in der Offense. Mal war er der Runningback, der die Pässe aus dem Backfield entgegen nahm. Mal war er der klassische Slot-Bolzen. Mal war er ein echter Tight End. In der Combine war er der TE-Gruppe zugewiesen, also bleibe ich hier mal bei dieser Einschätzung. In Wahrheit dürfte er eher das sein, was früher Chris Cooley in Washington war: Ein H-Back. Burton gilt aufgrund seiner undefinierten Position als Kandidat für einen mittleren Draftpick so um die vierte oder fünfte Runde.

Safetys vor der Combine 2014

Die Safety-Position in der NFL ist eine, die immer mehr an Wert gewinnt. Die 2014er-Draftklasse hat für meinen Geschmack drei potenzielle Größen: Calvin Pryor, Ha-Ha Clinton Dix und Lamarcus Joyner. Sie werden heute in den Workouts dran sein, und schonmal ein paar Gedanken meinerseits zu diesen Spielern.

Pryor von der University of Louisville ist keine 100kg schwer, kommt aber auf 1.88m und gilt als geschwindiger Spieler. Das sind Gardemaße für einen NFL-Safety. Bei Pryor sieht es sehr wuchtig aus, wenn er aus der Tiefe des Spielfelds kommt und die Ballträger attackiert. Guter Tackler. Geht kompromisslos gegen den Mann. Das sind glänzende Voraussetzungen, aber die Negativen hört man bei Pryor auch alsbald: Kein reifer Spieler, fliegt oft im falschen Winkel daher, muss sich manches dreimal sagen lassen bevor er es dem Trainer abnimmt. Das klingt danach, als ob Pryor für einige Trainer (vor allem unerfahrene) eher eine Pest ist, aber für welche mit guten Defense-Coaches möglicherweise ein nur zu schleifender Rohdiamant.

Clinton-Dix kommt von Alabama, fiel dort aber nicht weiter auf außer seinem Spitznamen („Ha-Ha“) bei dem man sich schnell mal vor Lachen verschluckt. Er gilt als rundum guter Spieler ohne eklatante Schwachstelle – nie die schlechteste Voraussetzung für einen Safety, aber auf der anderen Seite soll er auch keine besonderen Stärken haben. Überall „gut“, nirgendwo „hervorragend“. Kein episches Talent, um den herum du eine ganz neue Art von Defense kreieren kannst. Das klingt nach Ende erste Runde bis Anfang dritte Runde.

Der spannendste Safety sollte Lamarcus Joyner vom National-Champion Florida State sein. Ich habe oft genug betont, wie sehr ich Joyner, den College-Spieler, vergötterte. Für die NFL-Aussichten gibt es ein Problem: Seinen Körperbau. Joyner ist mit nur 86kg auf 1.73m ein Winzling für Profi-Verhältnisse, was bestimmt etliche Teams abschreckt – vielleicht nichtmal zu Unrecht: Wenn du so manches Monster auf Tight End siehst, möchtest du den nicht gegen einen zwei Kopf kleineren Joyner angesetzt sehen.

Auf der anderen Seite ist das einer der furchterregendsten Verteidiger, die der College-Football die letzten Jahre gesehen hat. Joyner ist schnell, ein gefürchteter Tackler, der keine faulen Tricks braucht um einen Gegenspieler zu sich herunter zu ziehen. Er ist vielfältig einsetzbar, da er ursprünglich als Cornerback zu FSU kam, später auf Safety umgeschult wurde, weil sie Seminoles so viele erfahrene exzellente Cornerbacks im Kader hatten (von denen einige wie Minnesotas Xavier Rhodes mittlerweile Profis sind). Joyner gilt zudem als guter Manndecker, kann auch im Slot eingesetzt werden.

Ist Joyner so sehr anders als der Honey Badger, der auch als zu klein galt und zu wild, und so on? Der Honey-Badger, der auch in der dritten Runde vom Tablett ging, trotz einer Vita voller Drogen- und Charakterprobleme. Trotz der Tatsache, dass er ein ganzes Jahr raus aus dem Football war. Joyner hat diese Fragezeichen nicht. Er gilt als höchst professionell und ließ sich auch von seinem Einsatz am Spielfeld und im Training nie etwas zu Schulden kommen, zumindest nicht, dass es zu mir durchgedrungen wäre.

Joyner ist aufgrund seiner körperlichen Limits wohl kein 1st-Rounder, aber ich wäre nicht überrascht, wenn er in der zweiten oder dritten Runde ginge und dann in einem Jahr als große Überraschung gefeiert würde.

Tight Ends im Jahr 2014

Bei Philadelphia Eagles.com gibt es ein wunderbares, kurzes und knackiges Vierminuten-Video mit vielen bekannten Experten wie Greg Cosell, Mike Mayock oder Charles Davis über den Wandel in der Tight End-Position über die letzten Jahre. Keine Frage: Diese Position hat sich stark verändert in den letzten Jahren.

Früher war der Tight End ein – eben – tight end, am Rande der Offensive Line aufgestellt, mit der Hauptaufgabe als Blockunterstützung zu wirken und gelegentlich mal als Ballfänger in Aktion zu treten. Das waren die 115kg schweren, 1.93m großen Bolzen, gebaut wie etwas athletischere Offensive Tackles. Schwere Jungs, die gegen Linebacker gegenhalten konnten. Sie haben fraglos auch heute noch ihren Platz im Footballsport, aber der Hauptfokus auf dieser Position hat sich über die letzten Jahre hin zu den fangstärkeren TE gewendet – Leute, die gerne mal auch in klassischen, früher ausnahmslos Wide Receivern vorbehaltenen Plätzen aufgestellt werden.

Leute wie Tony Gonzalez, Antonio Gates, Jimmy Graham oder Rob Gronkowski sind in erster Linie große, schlaksige Athleten, die Bälle wie ein Wide Receiver fangen können, aber zeitgleich noch gut genug als Blocker sind um damit ein Upgrade über jeden konventionellen Wide Receiver zu sein. Blocken ist immer noch für die meisten Tight Ends eine wichtige Aufgabe, die sitzen muss, aber in der Pass-Liga NFL ist die Eigenschaft des Fangens mittlerweile höher eingestuft als die des Blockens.

Wie man einen jungen, groß gewachsenen Tight End mit guten Fanhänden einsetzen kann, zeigt das Video anhand des jungen Eagles-TE #86 Zach Ertz: Ein Mann, der zu groß ist für einen Safety oder Cornerback und zu schnell für einen Linebacker. Das sind genau die Mismatches, die die Coaches von heute suchen – nicht, dass der Mann zwangsläufig jedes Spiel zehn Catches für 150yds machen muss, nein: Er muss „nur“ eine zusätzliche Option stellen, für die der gegnerische Coaching-Staff wertvolle Vorbereitungszeit investieren muss.

Ein fangstarker Tight End mit einigermaßen brauchbaren Block-Skills hat heutzutage eine gute Chance, in der ersten oder zweiten Runde gedraftet zu werden. Ein bockstarker Blocking-TE mit mäßigen Fanghänden geht dagegen garantiert nicht mehr vor der dritten oder vierten Runde vom Tablett.

Die bekanntesten Tight Ends der 2014er-Klasse sind allesamt zuallererst Ballfänger und somit Pass-Mismatches und erst in zweiter Linie Blocker:

  • Jace Amaro (Texas Tech)
  • Eric Ebron (UNC)
  • Austin Seferian-Jenkins (Washington)
  • Arthur Lynch (Georgia)
  • Colt Lyerla (Oregon)

Vor allem letzterer ist ein faszinierendes Prospect: Lyerla ist ein Monstrum von Mann, ein 1.96m-Schlaks mit 108kg mit allen Anlagen, die Liga im Sturm zu nehmen, aber es gibt Abschreckendes über sein Leben neben dem Footballfeld zu berichten: Er spielte nur wenige Spiele in der abgelaufenen Saison, soll wegen Drogenbesitzes kurzzeitig sogar eingebuchtet worden sein und das Team nach einem Monat aus mehr oder weniger freien Stücken verlassen haben. Lyerlas Stats lesen sich nicht überragend, aber Chip Kelly setzte ihn bei Oregon extremst oft in der RedZone ein. Lyerla klingt ein bissl wie das Prospect, das wegen persönlicher Probleme erstmal durch die Draft-Boards fällt, aber durchaus sportlich einen hohen Pick wert sein könnte.

Amaro und vor allem Ebron sind exakt oben beschriebene „neue“ Tight Ends. Ebron ist mir in der Bowl-Season aufgefallen, aber ich wäre im ersten Moment nicht drauf gekommen, dass es ein Tight End ist, so schnell, so fluid, so fangsicher. Er ist aber Tight End, denn er soll auch noch vorzüglich blocken können – enie Art neuer Gronkowski.

Der mehr oder weniger einzige der „alte Schule“-Tight Ends mit Aussichten auf einen Pick in den mittleren Runden ist Georgias Arthur Lynch: Er gilt als zu langsam um in die Elite gezählt zu werden, aber man sagt ihm höllische Härte nach, den Willen, in die engen Deckungen zu gehen. Er gilt als Spieler für alle Downs, kann als Blocker vollends eingesetzt werden, ist vielseitig, aber eben im wichtigsten Punkt – dem Fangen – nicht so gut wie die anderen… sagen zumindest die Experten.

Heute sind die Tight Ends in ihren Workouts bei der Combine dran.