Power Ranking Beitragsbild

NFL-Power Ranking 2019 nach dem Wildcard-Weekend

Das Wildcard-Weekend 2019/20 hatte es definitiv in sich. Es wurde nicht immer der beste Football gespielt, aber es war in allen vier Spielen spannend. Es gab zwei Verlängerungen und zwei Spiele, die erst in der letzten bzw. vorletzten Minute entschieden wurden. Die ausführliche Recap dazu hat Herrmann schon gestern geschrieben – Fokus dabei auf die Verlierer:

Ein paar Goodies seien noch ergänzt. Weiterlesen

Montagsvorschauer, Week 15: New Orleans Saints – Detroit Lions

Monday Night Game ohne wirkliche Playoff-Implikationen: New Orleans Saints (5-8) vs Detroit Lions (4-9), ab 2h30 live bei SPOX.com und SPORT1 US. Für beide ist es eine Gelegenheit, in einer vermurksten Saison noch einmal ein anständiges Ergebnis einzufahren. Weiterlesen

NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

Am 2. Dezember waren die New Orleans Saints (12-5) das letzte Mal bei den Seattle Seahawks (13-3) zu Gast. Das Ergebnis war deutlich. Während die Saints ihre versohlten Hintern ins Flugzeug schleppten, feierte Seattle noch den Lautstärkerekord mit allen 12th men im CenturyLink Field. Zu Beginn der Divisional Playoffs gibt es jetzt das rematch. Im Gegensatz zum letzten legendären Playoffspiel der beiden gegeneinander, ist dieses Mal New Orleans bei den Buchmachern der klare underdog.

New Orleans´ sieben Punkte der Offense waren der Negativrekord in dieser Saison. Die 34 kassierten Punkte der Defense ebenfalls Negativrekord; überhaupt war es das einzige Mal, daß die Saints mehr als 30 Punkte zugelassen haben. Das spricht für den starken Job den Rob Ryan in seiner ersten Saison als Defensive Coordinator in New Orleans gemacht hat.

Seahawks Offense vs Saints Defense

Dabei sind die Spieler größtenteils dieselben, die sich 2012 unter Steve Spagnulo regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Wichtige Neuzugänge waren CB Keenan Lewis, Rookie-Safety Kenny Vaccaro und OLB Parys Haralson. Alle drei spielten wichtige Rollen: Lewis als recht zuverlässiger Nr.1 CB; Vaccaro als überraschend zuverlässiger Safety und Haralson als einziger in der Front-7, der große Erfahrung mit 3-4-Konzepten hatte (er kam von den 49ers). Blöderweise mußte Vaccaro in Woche 15 auf IR; da ist auch Haralson seit dem Wild-Card-Game und Lewis erschütterte sich das Gehirn und ist questionable für das Spiel in Seattle.

Das ist vor allem blöd, weil im „Hinspiel“ Russel Wilson per Arm um Bein der matchwinner war und nicht das „normale“ Laufspiel um Marshawn „beast mode“ Lynch und Robert Turbin. Beide zusammen kamen nur auf 79 Yards aus 27 Läufen. Ryans Verteidigungen machen zwar immer einen recht „wilden“ Eindruck, aber sie sind sehr diszipliniert und „fundamentally sound“ wenn es ums tackling geht. So haben sie auch letzte Woche die gefürchtete Laufmasche der Eagles sehr gut eingebremst (22 Läufe für 80 Yards). Seit ihrer bye week Mitte Oktober konnten nur vier ihrer elf Gegner mehr als 100 Yards erlaufen.

Genauso diszipliniert und mit sicheren tackles müssen sie dann aber auch dem kleinen Derwisch Russel Wilson gegenübertreten. Viele yards macht der kleine QB mit einfachen Würfen zu meterweit offenen Receivers. Diese „einfachen“ Würfe erabeitet sich Wilson aber mit schwierigsten Zirkuskunststückchen als Entfesselungskünstler. Er befreit sich so geschickt (und manchmal sogar richtiggehend elegant), daß die Übertragung am Sonnabend wieder zum drinking game werden könnte: einen Shot für jede Nennung von „Fran Tarkenton“ und zwei shots für jeden „Whoodini!“.

Hier ist das Herzstück der Saints-D gefragt: die Defensive Linemen Cameron Jordan, Akiem Hicks und OLB/DE Junior Gallette. Als sie vor wenigen Jahren zu den Saints kamen, hat man sich sehr viel von ihnen erwartet; massives Talent hatten alle drei. Doch dann kam kaum etwas. Unter Ryan nun steht Jordan plötzlich auf der shortlist für den DPOY. Hicks, zusammen mit Brodrick Bunkley oder Rookie John Jenkins machen zuverlässig die Mitte gegen den Lauf zu, während Gallette und Jordan ebenso zuverlässig Druck auf den QB machen. Knackpunkt hier ist, daß sie beim pass rush Wilson in der pocket halten und die Fluchtwege über die Außen zumachen und auch in der Mitte nicht blind nach vorne stürzen und ja nicht Wilson ausbrechen lassen, im Idealfall dann noch dem kleinen Mann mit Armen und Händen sein Sichtfeld verdecken.

Der X-Factor in der Offense ist Percy Harvin. Da er aber in dieser Saison keine 20 snaps gespielt hat und auch nicht klar ist, wie fit er tatsächlich ist, ist von Totalausfall bis matchwinner alles im Bereich des Möglichen. Neben den beiden WRs Golden Tate (sehr stark) und Doug Baldwin (stark) sollte man auch immer ein Auge auf Jermaine Kearse werfen. Dieser UDFA fängt in jedem Spiel einen eigentlich unmöglichen Ball.

Es wird hier noch mehr als sonst auf Fehlervermeidung der Saints ankommen, jeder missed tackle kann gegen Typen á la Wilson, Lynch und Tate zum TD führen.

Saints Offense vs Seahawks Defense

Auf der anderen Seite lastet alles auf den Schultern von Sean Payton und Drew Brees, sich einen gameplan zurechtzulegen, der eine Verteidigung knacken kann, die keine Schwachstellen hat.

Ich bin da auch ein bißchen ratlos, welches matchup hier das wichtigste oder spannendste sein wird. Nach der Verletzung des in Paßverteidigung exzellenten Linebackers K.J. Wright ist es vielleicht die Marques Colston-/Jimmy Graham-Combo über die Mitte. Die beiden Riesen können die Mitte attackieren wie kein anderes Duo der NFL. Aber selbst dafür hat Seattle als Antwort noch LB Bobby Wagner und die Safties Kam Chancellor und die one man dome patrol Earl Thomas.

Colsten und Graham können auch tief gehen. In Verbindung mit dem exzessiven screen game um Darren Sproles und Pierre Thomas (dieser allerdings questionable) können sie das Spiel sowohl sehr breit als auch sehr lang (? oder tief?) machen. In Kombination „streßt“ das eine Verteidung ungemein.

Von den individuellen matchups her ist Seattle fast überall im Vorteil. Pass rushers Michael Bennett und Cliff Avril gegen mittelmäßige Offensive Tackles; die „Legion of Boom“ gegen die WRs Robert Meachem, Lance Moore und Kenny Stills; Mount Mebane und Wagner als Anführer gegen das Laufspiel durch die Mitte um Jahri Evans und Brian De la Puente ist das noch das ausgeglichenste.

Die Zauberkünste des Russel Wilson gegen den Hasen, den Sean Payton aus seinem Hut zieht, ist in einem Satz das Faszinierende an diesem Spiel. Nimmt man noch die einzigartige Atmospähre im CenturyLink und die jüngste gemeinsame Geschichte der beiden Mannschaften dazu (blowout in dieser Saison plus der upset in den Playoffs 2011) ist das der perfekte Einstieg in das schönste Wochenende des Jahres.

Sunday Night Game #10 Preview: New Orleans Saints – Dallas Cowboys Preview

Das Sunday Night Game (ab 2h30 live auf SPORT1 US und Gamepass) als Spiel mit Beziehungsstatus „es ist kompliziert“. Saints gegen Cowboys wird immer ein Spiel sein, in dem die Person des Sean Payton eine zentrale Rolle spielt: Payton ist als ehemaliger OffCoord unter Cowboys-Fans noch immer extrem beliebt, und viele würde einen Cowboys-Headcoach Sean Payton lieber sehen als einen Cowboys-Headcoach Jason Garrett. Garrett auf der anderen Seite war früher mal Backup-QB bei den Saints und gilt noch immer als Kenner der Saints-Franchise. Tja, und es gibt noch Rob Ryan: Einst DefCoord bei den Cowboys und dort gefühlt zu Unrecht rausgeworfen. Heute ist Rob DefCoord bei den Saints – und er will sich für die Entlassung rächen.

Auf dem Platz geht es heute – und das mag merkwürdig klingen – möglicherweise für die Saints (6-2) um mehr als für die Cowboys (5-4). Das hat Gründe: New Orleans spielt in der heftigeren Division, und dort sind ihnen die Panthers gehörig auf die Pelle gerückt; vermutlich muss man in der NFC South schon die Division gewinnen um die Playoffs zu erreichen, da eine Wildcard in der NFC in den Westen zu gehen scheint, und sich für die zweite gleich mehrere Teams aus der NFC North bewerben. Dallas dagegen muss „nur“ eines: Seine Division gewinnen. Und die NFC East ist vermutlich einfacher zu holen als die South-Division der Saints.

Von den Formationen her kann man sich heute auf ein 1A-Passfeuerwerk mit zirka siebenundvierzig verschiedenen Spread-Aufstellungen aus der Shotgun-Formation einstellen. Runningbacks stellen beide nur zur Tarnung auf bzw. um den Blitz aus der zweiten Reihe des Gegners zu verhindern. Ein Studienkollege erklärte mir das mal vor einigen Jahren so: Manchmal siehst du als Abwehrspieler einen Gegner mit 5x Offense Line plus QB im Backfield. Dazu 5 WR oder 4 WR plus TE. Für dich als Defense heißt das: Ein Linebacker blitzt unabhängig vom PlayCall, da der Gegner gar nicht genug Leute zum „Blitz-Pickup“ (Aufnehmen des blitzenden Verteidigers; normalerweise der Job eines RB oder FB) haben kann.

Die Krux: Beide Defensive Coordinators haben sich den Ruf angelacht, Blitz-Fans zu sein; Ryan ist eh verrückt genug, um im Notfall 50x pro Spiel hopp-oder-topp zu spielen. Selbst wenn nicht jeder Spielzug, der nach Blitz aussieht auch ein „Blitz“ ist, geht hier alles über die Aggression. Aber auch der greise Cowboys-DefCoord Monte Kiffin, der Entwickler der „Tampa-2 Defense“ soll diese Saison mehr blitzen als gewohnt.

Könnte also ein lustiges Sack- oder Touchdown-Spielchen werden. Beide Quarterbacks spielen für mein Ermessen fassungslos gute Saisons. Beide Defenses haben ein paar potenzielle „Game-Changer“ in ihren Reihen (Saints: DE Jordan, S Vaccaro | Cowboys: DT Hatcher, DE Ware (wenn fit), LB Lee). Personell sehe ich keine weltbewegenden Unterschiede, aber bei den Coaches hat New Orleans einen beträchtlichen Vorteil. Und die Saints haben Heimvorteil. Setze niemals gegen die Saints im Louisiana Superdome.

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-9    --
Enge Spiele    4-5 
Pythagorean    8.2   (15)
Power Ranking   .489 (18)
Pass-Offense   7.2    (2)
Pass-Defense   7.4   (32)
Turnover        +2

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Saints haben ein Jahr für die Grütze hinter sich: Bountygate, Rechtsstreit mit dem NFL-Commissioner, Head Coach suspendiert, und dann verpasste man nicht nur die Superbowl im eigenen Stadion: Man war sogar zu keinem Zeitpunkt im Rennen um einen Superbowl-Platz, weil man sich nach vier Spielwochen in ein tiefes 0-4 Loch eingebuddelt hatte. Jetzt soll vieles besser werden: Sean Payton ist zurück mit Headset an der Seitenlinie, und noch viel wichtiger: Es werden einige Stellschrauben in der Defense gedreht.

Diese Defense war so absurd schlecht, dass sie ein Team mit der mitunter potentesten Offense in der kompletten Liga in die Kacke ritt: Das von Steve Spagnuolo gepredigte druckvolle Spiel machte nur Druck auf die eigene Secondary und sorgte für eine der schlechtesten Pass-Verteidigungen, die ich in zehn Jahren NFL gesehen habe. Da waren wir nicht mehr weit weg von den 2009er Lions.

Jetzt soll die Abwehr unter dem neuen DefCoord Rob Ryan hauptsächlich zu einer 3-4 Formation umgemodelt werden. Umstellungen brauchen immer Zeit und nicht selten im Kinderschuh-Status mit einigen Leistungsschwankungen verbunden, aber wenn in New Orleans deine Alternative „weitermachen wie bisher“ ist, macht der Systemwechsel Sinn. Denn tiefer kann man eh nicht fallen.

Das wichtigste Ziel muss sein: Vorne halbwegs gegen den Lauf dicht machen und mehr Wirbel im Passrush zu erzeugen. Ich sehe dabei zwei gewaltige Needs: Nose Tackle und wenigstens einmal Outside Linebacker. Die Saints haben in DT Bunkley, DE Cam Jordan und DE Akiem Hicks brauchbare Leute für die Positionen des Defensive Ends, aber keiner ist groß und schwer genug, um die so wichtige Fettsack-Position direkt in der Fresse des Offensive-Centers zu spielen. Ein fehlender Nose Tackle ist in vielen NFL-Teams der Grund, weswegen die 3-4 Defense nicht bis in die letzte Konsequenz zündet – und auch New Orleans dürfte …..

Dahinter die Linebackers: Vilma ließ seinen Vertrag so umbauen, dass er gehalten werden konnte, und Vilma dürfte das System noch aus seiner Zeit bei den Jets kennen und immer noch athletisch genug dafür sein. Aber Vilma deckt (gemeinsam mit Hawthorne/Lofton) eher die Spielfeldmitte ab denn gewaltigen Druck auf den Quarterback zu erzeugen, und da sind wir beim Punkt: Ich würde nicht drauf wetten, dass Wilson und Galette die einzigen Alternativen für die zweitwichtigste Position in der 3-4 Defense bleiben: Outside Linebacker – die Männer, die pausenlos auf den QB geschickt werden.

Die Secondary bekam am meisten auf die Rübe und wenn eine Passdefense 7.4 NY/A aufgibt, ist es nie gut, aber viele der Deckungsprobleme werden sich in nichts auflösen, wenn erstmal „vorne“ der Druck erzeugt wird. Trotzdem ist es um die Tiefe im Defensive Backfield der Saints nicht am besten bestellt: CB Robinson und S Malcolm Jenkins sind die einzigen Athleten mit Starpotenzial, S Harper ist immerhin auch eine Schachfigur, mit der du arbeiten kannst – aber dahinter wird es schnell dünn.

Fazit: Die Abwehr ist noch eine massive Baustelle. Die drei Prioritäten, die nach einer Salarycap-bedingt ruhigen Free Agency bleiben, sind NT, OLB und Ergänzungsspieler auf Cornerback.

Die Offense

Es gibt nach dem Abgang des LT Jermon Bushrod einen wichtigen „Need“ auf der Blindside des QBs Drew Brees; Bushrod war aber nie ein Mann, dem man Top-Niveau nachsagte und deswegen könnte es sein, dass sich die Saints entweder mit einer Billiglösung oder einem Mann aus den Tiefen des eigenen Kaders behelfen, zumal Brees als spielintelligent genug gilt, um viele Protection-Sorgen zu negieren.

Ansonsten ist alles paletti: Brees hat noch minimum drei, vier Jahre auf höchstem Niveau im Armgelenk und wird den Laden gemeinsam mit dem furchtlosen HC Payton zusammenhalten. Die WR-Crew ist in Spitze und Breite nicht mehr das Kaliber früherer Tage, aber gemeinsam mit dem monströsen TE Graham gut aufgestellt. Ich kann mir vorstellen, dass GM Loomis in den hinteren Draft-Runden aktiv wird und einen billigen role player auf WR einberuft.

Auf Running Back hat man den f-a-m-o-s-e-n Darren Sproles, eine Wunderwaffe auf verschiedensten Wegen und einer der vielseitigsten Spieler in der NFL; man hat Pierre Thomas, nicht den verlässlichsten Mann und zudem ein paar Probleme mit den Bändern im Knie, aber gut gebräuchlich für sieben Carries und zwei Catches im Spiel; man hat immer noch den ultimativen Parasiten RB Ivory. Und man hat Mark Ingram jr., dessen Einberufung die Saints immer mehr bereuen dürften. Ingram ist kein schlechter Mann, aber Ingram fühlt sich in New Orleans wie Luxus an – Luxus ohne viel Zusatznutzen. Ich wette, Loomis würde viel geben um den Pick zurückzuhaben um was Gescheiteres damit anzustellen.

Fazit: Offense ist gut aufgestellt. Es gäbe immer ein paar Kleinigkeiten, an denen man arbeiten könnte, aber weil die Defense eine dermaßen große Baustelle ist, erwarte ich nicht mehr als das Einberufen von Entwicklungs-Prospects in der Offense in den späteren Runden.

Glaskugel 2012: New Orleans Saints

 

Es regnet in Strömen. Seit Tagen schon. Die Uniformen sind klatschnaß. Die Männer sind durch bis auf die Knochen. Sie waten durch knöcheltiefen Schlamm. Immer auf der Hut vor einem Hinterhalt oder einem gut geplanten Überfall von der Flanke. Die schwüle Hitze ist unerträglich.

Die Kompanie ist bekannt als eine der härtesten und skrupellosesten zwischen Atlantik und Pazifik. Sie sind bekannt als Einheit, die sich nicht immer an die Regeln hält. Aber sie sind bekannt als eine der mutigsten und besten Einheiten der gesamten Armee.

Juristen fernab der Front in ihren feinen Büros werfen ihnen immer wieder Knüppel zwischen die Beine um hochtrabenden Idealen Genüge zu tun, die nicht weiter von den Männern im Dschungel weg sein könnten. Hier geht es um Schweiß, Tränen, Verletzungen, Blut und Verluste und das alles nur dafür, einen Auftrag auszuführen.

Sie haben schon ganz andere Schlachten geschlagen – und gewonnen. Nun aber haben sie ihren KP-Chef und zwei ihrer besten Gruppenführer verloren. Der Zugführer und MG-Schütze, der sich mit Jahren harter Arbeit und unerreichter Zähigkeit bis an die Spitze gearbeitet hat, ist in dieser Situation der unumstrittene Leader.

Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Ein langer harter Weg liegt vor ihnen. Aber am Ende wird sich niemand mehr um die Verluste, Rückschläge und Juristen kehren – wenn die Kompanie “Saints” als erfolgreiche Helden zu ihrem Heimatstützpunkt in New Orleans zurückkehrt.

Mit typisch amerikanischem Pathos ließe sich die Geschichte so schreiben, wenn die New Orleans Saints tatsächlich am Abend des 3. Februar 2013 im eigenen Stadion die Lombardi Trophy in die Höhe strecken. Die Ausgangslage könnte in diesem pathetischen Sinne “perfekter” nicht sein: die bösen Outlaws, die alle Widerstände überwinden, es allen zeigen und zu Helden werden.

Nach Bountygate sind sie “men on a mission”, die nach einer shock-and-awe Offseason fester zusammengeschweißt sind, als jemals zuvor.

Saints Offense

Der MG der Kompanie, Drew Brees, kann mit Fug und Recht behaupten, der beste QB der NFL zu sein. Er hat die Offensivphilosophie des gesperrten Head Coaches Sean Payton zur Perfektion auf dem Spielfeld getrieben. Er hat Playoffspiele gewonnen, er hat den Super Bowl gewonnen, und er hat den Jahrhundertrekord für die meisten Passing Yards in einer Saison von Dan Marino nicht gebrochen, sondern mit fast 5500 Yards in 2011 zerstört. Man kann nicht sagen, daß die Offense der Saints sich personell verbessert hätte, aber das ist einer der wenigen Fälle in denen das auch gar nicht schlimm ist.

Verloren hat New Orleans die 40 Catches von Robert Meachem an die San Diego Chargers. Aber die anderer Pfeiler des Paßspiels, die WRs Lance Moore und Devery Henderson, Slot-Monster Marques Colston und 2,00-m-TE Jimmy Graham sind immer noch da. Graham, der in sein drittes Jahr geht, sollte – bleibt er von Verletzungen verschont bleiben – besser sein als die 99 Catches und 1300 Yards der letzten Saison. Von einem 26-jährigen kann man schließlich erwarten, sich noch zu verbessern. Moore, Henderson und Colston sollten zumindest ihre Leistungen halten und um den Platz von Meachem balgen sich Adrian Arrington und 4th-rd pick Nick Toon.

Schedule

Wk1 v WAS
Wk2 @ CAR
Wk3 v KC
Wk4 @ GB
Wk5 v SD (SNF)
Wk6 BYE
Wk7 @ TB
Wk8 @ DEN (SNF)
Wk9 @ v PHI (MNF)
Wk10 v ATL
Wk11 @ OAK
Wk12 v SF
Wk13 @ ATL (TNF)
Wk14 @ NYG
Wk15 v TB
Wk16 @ DAL
Wk17 v CAR

Neben und auch wegen dem fast unaufhaltsamen Paßspiel werden die Saints auch 2012 wieder eines der besten Running Games der Liga haben. Kein Team der gesamten Liga kann so viel Talent im Backfield sein eigen nennen. Der letztjährige 1st-rd pick und ehemalige Heisman Trophy Winner Mark Ingram und Chris Ivory haben beide letztes Jahr einige Spiele verletzt gefehlt. Weil aber daneben auch noch Mr. Zuverlässig Pierre Thomas und die pfeilschnelle Allzweckwaffe Darren Sproles jedem Defensive Coordinator Kopfzerbrechen bereiten, ist das gar nicht weiter aufgefallen. Gerade Sproles war mit 700 Receiving-, 600 Rushing-Yards und 9 TDs neben TE Graham der zweite absolute Match-up-Albtraum für jeden Gegner. Außer New Englands Gronkandez gibt es in der ganzen Lige kein derartiges Duo, auf das eine Defense fast keine Antwort finden kann.

Bei so viel individuellem Talent auf den skill positions kann man auch mit einer durchschnittlichem Offensive Line leben. Der vermeintlich beste Guard der Liga, Carl Nicks ist für einen riesigen Payday nach Tampa abgewandert und wurde mit dem immerhin ziemlich guten Ben Grubbs ersetzt. Der andere Guard, Jahri Evans, ist ebenso ziemlich gut. Wenn auch nicht allererste Klasse wie seine vielen Fans (und sein Vertrag) vermuten lassen würden. Center Brian De La Puente, letztes Jahr aus dem Nichts gekommen, sowie die beiden Tackles Jermon Bushrod und Charles Brown sind auch Durchschnitt – was aber hier keinesfalls als Beleidigung gemeint ist.

Offensive Coordinator Pete Carmichael sollte keine Schwierigkeiten haben, aus diesem Verbund wieder einen der aufregendsten Angriffe der Liga zu formen. Carmichael hat während der Verletzung von Payton in der letzten Saison das Playcalling übernommen und danach auch nie wieder abgegeben. Es sollte also an dieser Front keine Schwierigkeiten geben. Der Angriff war auch letztes Jahr auf Super-Bowl-Niveau, die Schwächen gab es auf der anderen Seite des Balles.

Saints Defense

Weil es hier so große Schwierigkeiten gab, wurde DC Gregg Williams auch entlassen. Für ihn kommt das ehemalige Wunderkind Steve Spagnuolo, der sich nach erfolgreicher Zeit als DC bei den Giants die letzten drei Jahre als HC um die moribunden St. Louis Rams gekümmert hat. Das war nicht so erfolgreich, aber jetzt kann Spags sich wieder auf das konzentrieren, was er am besten kann.

Nur gibt es ein kleines Problem. Spagnuolo macht am liebsten nur mit seinen vier Defensive Linemen Druck auf den Quarterback. Bei den Giants mit ihrer endlos tiefen Rotation hat das hervorragend geklappt; bei den Rams mit Chris Long, James Hall und Robert Quinn hat das schon nur noch mäßig gut geklappt. Die Saints haben nun überhaupt keinen erstklassigen Pass Rusher in der D-Line. Will Smith ist noch ganz gut, aber ist auch erstmal vier Spiele gesperrt. Daneben stehen noch einige angeblich hochtalentierte Pass Rusher im Kader. Junior Galette, Cam Jordan, Greg Romeus und der diesjährige 3rd-rd pick Akiem Hicks. Aber außer irgendwie talentiert sein haben die alle noch nicht viel gerissen. Es erinnert irgendwie an die Patriots in den letzten Jahren: in jeder Offseason wird ein neuer ganz heißer Pass Rusher von irgendwo aus dem Hut gezaubert und während der Training Camps sind die eigenen Fans ganz verzückt und erzählen allen Interessierten, daß Shawn Crable oder Tyrone McKenzie hundertprozentig ganz steil aus der Kurve kommen werden. Passiert dann oftmals doch nicht.

Aber zum Glück hat Spagnuolo bei Phillys Großmeister Jim Johnson gelernt und hat daher auch vielfältige Blitzes im Repertoire. Fragt sich nur, ob die Secondary dahinter hält. CB Tracy Porter hat man aus Salary-Cap-Gründen ziehen lassen müssen. Ihn ersetzen sollen Johnny Patrick oder Patrick Robinson. Auch wieder so Fälle von viel nachgesagtem Talent, aber noch nicht allzu viel gezeigter Leistung. Immerhin steht an einer Seitenlinie relativ sicher Jabari Greer.

Als Safeties sollen daneben wie gewohnt Malcolm Jenkins und Roman Harper für Sicherheit sorgen. Das ist zwar sicherlich nicht Troy-Polamalu-Niveau, aber doch eines der besseren Duos der Liga.

Durch die Axt von RGI gefällt wurde neben Payton auch der aggressive leader Jonathan Vilma. Der LB ist vorläufig für die gesamte Saison gesperrt, im Berufungsverfahren kann die Strafe eventuell noch verkürzt werden. Wie schwer der Verlust als Kapitän wiegen wird ist schwer zu sagen. Spielerisch wurde Vilmas Fehlen mit den Neuzugängen Curtis Lofton und David Hawthorne auf jeden Fall aufgefangen.

Der wichtigste Neuzugang dürfte aber DT Broderick Bunkley sein. Bunkley kam von den Broncos und gilt als einer der besten Run Stuffer der Liga. Neben ihm steht mit dem ehemaligen Top-10 pick Sedrick Ellis ein zumindest sehr solider Mann.

Saints Ausblick

Als gefühllose Stumpen sind wir ja in der Regel nur wenig empfänglich für alle Dinge, die nicht mit Xs&Os, Matchups und Gameplans zu tun haben. Aber bei diesen Saints 2012 kommt man um die „noch-enger-zusammengeschweißt-„, „men-on-a-mission-„, „wir-gegen-den-Rest“Gedanken nicht herum. Sie mögen personell nicht besser geworden sein, aber psychologisch und in Sachen Motivation könnte sie die Offseason tatsächlich auf ein neues Level gehoben haben.

Spielerisch wird alles davon abhängen, welches System Spagnuolo wie gut installieren kann und was er aus dem durchaus vorhandenen individuellen Talent noch rausholen kann. Die Defense muß auch gar nicht Steelers-Niveau erreichen – aber trotzdem mal einen Gegner bei 20 Punkten halten. Am Ende kann der Angriff um Brees immer 30 Punkte machen, aber wenn die Verteidigung dann 36 Punkte gegen die 49ers (!) zuläßt, kann man einfach keinen Super Bowl gewinnen.

NFL 2012 Preseason: Heute Nacht geht es los mit dem Hall of Fame Game

Und zwar jetzt gleich, um 02h live bei ESPN America. Die New Orleans Saints spielen gegen die Arizona Cardinals in Canton/OH, wo gestern die Klasse von 2012 mit Büsten und allem Trallala in die Ruhmeshalle des American Football aufgenommen wurden. Am emotionalsten war dabei wohl der ehemalige Patriots- und Jets-RB Curtis Martin, der alles rausschüttete, was er auf dem Herzen hatte. Sean Payton soll übrigens in der Nähe von Canton unterwegs sein, darf sich allerdings nicht seiner Mannschaft nähern und hat offenbar sogar Stadionverbot!

(Wh. morgen, 6.8. um 12h30 bei ESPNA)

NFC South in der Frischzellenkur 2012 (I)

Atlanta Falcons

  • #55 (2) C Peter Konz (Wisconsin)
  • #91 (3) OT Lamar Holmes (Southern Miss)
  • #157 (5) FB Bradie Ewing (Wisconsin)
  • #164 (5) DE Jonathan Massaquoi (Troy)
  • #192 (6) S Charles Mitchell (Mississippi State)
  • #249 (7) DT Travian Robertson ( South Carolina)

Zwei Picks in den Top 150: die Falcons bezahlen auch heute noch für Julio Jones, nachdem sie in der letzten Draft bereits einen 1st-, 2nd- und 4th-rd pick für ihn abgegeben haben. Dafür haben die Falcons nun zwei ziemlich gute Receiver für ihren ziemlich guten QB, aber daneben wird vor allem die O-Line und das Laufspiel immer schlechter und depth ist bald nur noch ein Fremdwort.

Zumindest gegen die Veralterung der offensiven Linie hat GM Thomas Dimitroff mit seinen zwei „Top Picks“ an den Positionen 55 und 91 etwas getan. Der Badger Peter Konz ist extrem groß für einen Center (1,95m), was ihm wohl immer wieder Nachteile in Sachen „leverage“ beschert. Dafür ist er aber einigermaßen beweglich für einen 140kg-Koloß, kann daher auch erstmal Guard spielen und dann in ein, zwei Jahren das Erbe des 35-jährigen Todd McClure antreten OFFENSIVE LINEMAN WISCONSIN!

OT Lamar Holmes bekommt eher das Label project. Er hat zwar einen Tackle-Körper wie er im Buche steht mit 2,00m und 150kg, aber an Technick soll es noch mangeln. Was auch damit zu tun hat, daß er auf einer kleinen Schule war; darum ist sogar für die selbsternannten pundits die Evalution noch schwieriger als ohnehin schon: seine Gegner waren nicht die ganz großen SEC- oder BigTen-Kaliber, sondern oftmals nur halbe Portionen. Holmes wird ein wenig Zeit bekommen, denn mit Tyson Clabo (rechts) und Will Svittek oder Sam Baker (links) hat man Starter. Aber bei dem Niveau, das die beiden letztgenannten an den Tag legen und Clabos 31 Lenzen kann er schon früher seine Zeit bekommen, als allen Beteiligten lieb sein sollte.

Für die Verstärkung des Laufspiels, das auf den 45jährigen Beinen Michael Turners wie ein Kartenhaus im Windkanal steht, hat Dimitroff mit seinem dritten Pick einen Fullback genommen. Das hat kurz für allseitiges Kopfkratzen gesorgt, aber dann stellte sich heraus, daß Bradie Ewing ja bei WISCONSIN war!

Für die Defense, die breiter aufgestellt ist als die Offense und in der Free Agency und per Trade schon angegangen wurde – die DEs John Abraham und Kroy Biermann haben neue Verträge bekommen und CB Asante Samuel kam im Tausch für ein paar Turnschuhe und ein Satz Trikots aus Philadelphia – hat man die zwei D-Liner Jonathan Massaquoi und Travian Robertson sowie Safety Charles Mitchell verpflichtet.

Insgesamt scheint gerade die Strategie für den Angriff sehr riskant zu sein. Durch die mangelnde Kadertiefe ist man zwei Verletzungen davon entfernt, in jedem Spiel so auszusehen wie gegen die Giants in den letztjährigen Playoffs.

New Orleans Saints

#89 (3) DE/DT Akiem Hicks (Regina, Canada)
#122 (4) WR Nick Toon (Wisconsin)
#162 (5) S Corey White (Samford)
#179 (6) G Andrew Tiller (Syracuse)
#234 (7) OT Marcel Jones (Nebraska)

Zwei Picks in den Top 150; der erste Pick an Position 89. Noch schlechter als Atlanta, und man hat in Louisana wahrlich nicht weniger Löcher als nebenan in Georgia. In der Free Agency mußte man bluten (WR Meachum, G Nicks, CB Porter); LB Vilma und DE Smith wurden für ihre Rolle im Bounty Scandal gesperrt; Head Coach ist gesperrt; GM ist gesperrt; Drew Brees hat keine Lust auf das Franchise Tag. Der 1st-rd pick wurde letztes Jahr schon nach New England verschippt um RB Mark Ingram draften zu können; den 2nd-rd pick hat sich Roger Goodell als Bounty einbehalten.

Mit dem 3rd-rd pick haben die Saints dann recht kreativ einen Pass Rusher aus Kanada gedraftet. Akiem Hicks wurde mal als riesiges D-Line Talent von LSU recruited, hatte dann aber Probleme mit der NCAA, landetet auf einem Junior College und schließlich bei der University of Regina, irgendwo in Saskatchewan. Ein Körper wie gemalt – 1,95m, 125kg – aber durch seinen Mangel an Training von Top Coaches an großen Schulen auch das Synonym für raw. Klassischer boom-or-bust-Fall. Gewagte Strategie, wenn der Kader löchrig ist wie eine Schützenscheibe.

Nick Toon, Offensive Lineman Wide Receiver aus Wisconsin, groß und kräftig, wäre ein sehr sinnvoll investierter Pick gewesen, wenn denn Drew Brees vor August mal mit ihm trainieren würde. Ohne die Zeit mit seinen neuen Chefs Brees und Sean Payton wird er wohl kaum früh in der Saison große Taten vollbringen können.

Hintenraus kommt mit Safety Corey White noch ein small school prospect und mit Andrew Tiller und Marcel Jones Tiefe für die Offensive Line. Insgesamt eine sehr riskante Draft angesichts der vielen Löcher. Wahrscheinlich wird keiner der fünf Picks sofort weiterhelfen. Wobei die Hilfe angesichts der vielen gesperrten und abgewanderten Leistungsträger dringendst angeraten gewesen wäre.

Man kann mit Fug und Recht behaupten, daß sowohl Saints als auch Falcons 2012 schlechter aufgestellt sind als 2011. Das ist doppelt schlimm, denn nicht nur das Ausbleiben von signifikanten Verstärkungen zwischen den Jahren ist ein Rückschritt, sondern auch schon das bloße Halten des status quo.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #10: New Orleans Saints

Same old Saints war jahrelang das Stichwort gewesen, als es um die Footballmannschaft von New Orleans ging. Bis sie vor zweieinhalb Jahren tatsächlich sogar mal die Super Bowl holten.

When the Saints Go Marchin‘In

Am Allerheiligentag 1966 wurde die Franchise offiziell in die NFL-Familie aufgenommen – benannt jener berühmten Gospel-Melodie. New Orleans und seine Footballmannschaft – sie spielten sieben Jahre lang im Tulane Stadium, ehe sie Mitte der 70er in den Superdome einzogen. Erfolge? Nope – über zehn Jahre dauerte es, bis sie überhaupt mal damit aufhörten, negative Saisonbilanzen zu schreiben – sportlich zumindest. Selbst von den eigenen Fans wurde man Aint’s genannt, was nichts anderes als eine Verarsche auf die Negierung ist. Do plus nein ist gleich don’t.

Über zwei Jahrzehnte dauerte es, bis sie überhaupt mal eine positive Bilanz hinlegten. Das war 1987 unter dem Coach Jim Mora. Unter Mora war man viermal in den Playoffs und einmal Divisionschamp. Nur, um jedes Mal gleich im ersten Playoffspiel rauszufliegen.

Verkalktheit

Auf Mora folgte der ehemalige Superbowl-Champ der Bears, Mike Ditka. Ditka bleibt vor allem deswegen in Erinnerung, weil er im Draft 1999 die einsame Entscheidung traf, den Washington Redskins alle Draftpicks 1999 plus mehrere hohe Picks 2000 zu schenken, nur um RB Ricky Williams holen zu können. Resultat: 3-13, und Ditka war weg vom Fenster.

2000/01 holten sie sich unter Jim Haslett immerhin den ersten Playoffsieg der Vereinsgeschichte – über den Titelverteidiger St Louis. Aber Haslett war berüchtigt für seine fehlende Liebe zum Detail und schlampte jahrelang vor sich hin. Zugegeben, viel Unterstützung vor allem von Seiten des Managements hatte er nicht und GM Randy Mueller wurde ohne Erklärung vom Owner abgesägt.

QB Aaron Brooks war auch so eine Geschichte für sich. Brooks agierte eher in der Kategorie „vogelwild“. Sein versuchter Rückwärtspass zu einem eigenen Offensive Liner ist Kult und gehört zur Saints-Folklore.

Katrina

Anfang September 2005 überflutete der berüchtigte Hurrikan Kartina weite Teile der Region Mississippi/Louisiana und zerstörte Teile der Heimatstadt und des Stadions der Saints. Die Saints schmierten als Team ohne Heimat vor leeren Rängen gnadenlos ab. Auftritt Sean Payton.

Payton holte als neuer Head Coach QB Drew Brees nach New Orleans und die Saints legten eine überraschende 2006er-Saison hin, die angeführt von einer genialischen Offense erst im Schneegestöber von Chicago endete.

Drei Jahre später noch besser: Brees orchestierte eine stürmische Offense durch die Lande und hätte um ein Haar eine Perfect Season hingelegt. Viel wichtiger: Die Saints gewannen die Super Bowl, dank einer leidenschaftlichen Endspielvorstellung gegen Indianapolis inklusive spektakulärer PlayCallings von Seiten Paytons. In der öffentlichen Wahrnehmung wird der Playoff-Lauf von 2009/10 aktuell durch den unguten Bountygate-Skandal in ein etwas anderes Licht gerückt.

Der Triumph schob jedoch wenigstens das seit Jahren schwebende Beil namens „Umzug“ in den Hintergrund und dürfte dafür gesorgt haben, dass die Saints mittelfristig weiterhin in New Orleans bleiben werden.

Die Halle (The Benz)

Superdome

Der Louisiana Superdome im Abendlicht - ©Wikipedia/Nwill21

Die Saints spielen seit Anfang der 70er im Louisiana Superdome (72.000 Plätze), bei uns bekannt geworden ist als Zufluchtsort für die Opfer von Hurricane Katrina und so ziemlich die einzige NFL-Halle, die ich mag. Ich habe vor ca. 8-10 Jahren eine Doku gesehen, wie der Superdome auf Stelzen in das Sumpfgelände hineingebaut wurde – beeindruckend und für die damalige Zeit eine architektonische Meisterleistung. Der Superdome trägt sich sozusagen selbst im Sumpf. Innen drinnen ist das Design langweilig, aber die Halle gilt als eine der potenziell lautesten der NFL. Mehrere Superbowls haben hier schon stattgefunden, wie auch die jährliche Sugar Bowl. Seit Oktober ist Mercedes Benz Namensgeber des Superdomes.

Rivalitäten

Die traditionelle Rivalität der Saints ist diejenige mit den Atlanta Falcons, die I-85 genannt wird, weil die Interstate 85 die beiden Städte verbindet und in fünf Stunden per Anhalter erreichbar macht. Neben den Falcons gibt es weniger hitzige Divisions-Rivalitäten mit Buccaneers und Panthers.

Kleinere „Nebenschauplätze“ gibt es mit den San Francisco 49ers als langjähriger Divisionskonkurrent und aufgewärmt in den vergangenen Playoffs, den Chicago Bears (Schneeballschlachten beim NFC-Finale 2006/07) und den Minnesota Vikings (Bountygate/NFC-Finale 2009/10). Ansonsten fehlen die Reibungspunkte, wohl auch aufgrund der fehlenden sportlichen Erfolge über die Jahrzehnte.

Gesichter der Franchise

  • Archie Manning – QB, Vater von Peyton und Eli und ein Idol in Louisiana.
  • Drew Brees – QB, Heilsbringer und Superbowl-Champ. Ich glaube zwar kein Wort, dass Brees sich genau in dem Moment für die Saints entschied, als er durch die komplett zerstörten Vororte des Big Easy geführt wurde, aber es ändert nichts: Brees ist mittlerweile das Idol der Krisenregion.
  • Sean Payton – Head Coach und Architekt hinter einer der spektakulärsten Pass-Offenses in den letzten Jahren in der NFL. Dass jener Payton
  • Deuce McAllister – RB, jahrelang das allein gelassene Arbeitstier, um am Ende der Karriere zuschauen zu müssen, wie die Saints ohne ihn den Titel abstaubten.

korsakoffs Highlight

Super Bowl XLIV – seit Katrina hätte ich eine Handvoll großer Spiele der Saints anzubieten, vom Superdome-Comeback bis zum Halbfinale. Aber Superbowl XLIV wird mir immer in Erinnerung bleiben als das Spiel, in dem Saints-Coach Sean Payton die ultimativen Risiken einging und mit Wahnsinns-Calls das Spiel drehte und gewann: 4th down ausspielen, Onside Kick zur Eröffnung der zweiten Hälfte, 2pt Conversion spielen.

Eckdaten

Gegründet: 1967
Besitzer: Tom Benson (Automobil-Zwischenhändler)
Division: NFC South
Erfolge: Superbowl-Sieger 2009, 9x Playoffs (6-8)

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Chaotische Offseason für die Saints. Als wäre der quasi verschenkte Superbowl-Ring an der Bucht zu San Francisco nicht schon schlimm genug, verscherzte man es sich nach Saisonschluss erst mit Franchise-QB Drew Bree$, sah inmitten des massiven Bountygate-Skandals Offizielle und Chefcoach auf die NFL-Abschussliste wandern und wird nun die kommende Saison aller Voraussicht nach mit den HeadCoaches Kromer (Spiele 1-6) und Joe Vitt (Spiele 7-16) bestreiten – really?


GM Mickey Loomis ist erst ab Saisonbeginn suspendiert und aktuell noch der Mann am Ruder, daher ist es umso erstaunlicher, wie lange man Brees nun schon hinhält. Wir reden bei Brees nicht von irgendjemandem. Brees ist der mit Abstand erfolgreichste Quarterback in der Saints-Geschichte, eine Ikone, gekommen nach der schwärzesten Stunde der Staatsgeschichte (Hurricane Katrina 2005) und die einstigen Aints mitentscheidend zu Superbowl-Champs transformiert. Brees kommt frisch aus einer Rekordsaison mit 5476 Pass-Yards und ist die zentrale Figur im Angriff. Gemeinhin herrscht Unverständnis über Loomis‘ Umgang mit Brees und Brees scheint die verhasste Franchise-Tag als Affront zu werten.

Man kann trotz alledem davon ausgehen, dass Brees früher oder später, auf alle Fälle aber rechtzeitig, seinen Multimillionenvertrag aufgesetzt bekommen wird, weswegen der Saints-Angriff durchaus auf der Höhe bleiben dürfte. Die beiden nennenswerten Abgänge in der Offseason waren OG Carl Nicks (gen Tampa Bay) und WR Robert Meachem (nach San Diego), unbestritten wichtige Bestandteile, aber aufgrund der hohen Gehälter inkompatibel mit der Salary Cap der Saints.

Nicks wurde durch den etwas billigeren Ben Grubbs aus Baltimore ersetzt, Meachem dürfte durch den einen oder anderen jüngeren Wide Receiver aus den späteren Runden des NFL-Drafts abgelöst werden. Dass „Wide Receiver“ in New Orleans ein Thema bleibt, gilt als sicher, da der für teures Geld gehaltene Marques Colston als Verletzungsrisiko eingestuft wird.

Der schwächere Bestandteil der optisch wunderschönen Spread-Offense der Saints ist das Laufspiel um das Viergestirn Ingram/Thomas/Ivory/Sproles, ein Laufspiel, das jedoch ohnehin nur als Entlastung dient. Gespannt darf man sein, wie Nicks‘ Abgang sich darauf auswirken wird: Nicks wird gemeinhin als Maßstab für aktuelle NFL-Guards angesehen.


Große Problemzone der Saints seit Jahren ist die Defense, die nach dem aufgeflogenen Kopfgeld-Skandal ziemlich im Verruf stehen dürfte. Unter dem mittlerweile geschassten DefCoord Gregg Williams war die Unit als sehr blitzfreudig bekannt, war jedoch immer dann anfällig, wenn nicht 1-2 Turnovers pro Spiel geholt werden konnten. Die Probleme starten schon mit der Defensive Line.

Auftritt Steve Spagnuolo. In St Louis als HeadCoach mit Pauken und Trompeten gescheitert, gilt Spagnuolo seit seiner Zeit bei den Giants als Mann, der das eine beherrscht: Die Schützengräben zu dominieren. Trotz etlicher namhafter Einkäufe und vieler hoher Draftpicks galt New Orleans‘ Defense Line stets als leicht kontrollierbar. Gespannt sein darf man, wie Spagnuolo Rabatz machen möchte. DT Ellis, DE Jordan, DE Smith und der neu eingekaufte Bulldozer DT Broderick Bunkley (Laufspiel-Genie) sind bekannte Namen und gelten als großartige Athleten mit Luft nach oben.

Für die Linebackers hat man sich den Instinktfootballer Hawthorne aus Seattle und Lofton aus Atlanta eingekauft, nachdem man befürchtet, dass MLB Vilma im Zuge von „Bountygate“ noch die eine oder andere spielfreie Woche aufgebrummt bekommen wird. Worüber in New Orleans seit Jahren diskutiert wird, sind die Outside Linebackers, eine Position, der im Spagnuolo’schen System aufgrund zahlreicher Blitzes gen Quarterback für gewöhnlich erhöhte Priorität beigemessen wird. Hawthorne gilt als durchaus spielintelligent und athletisch genug, um die Rolle zu erfüllen, aber es bleiben Verletzungsfragezeichen. Dem Eigenbauprodukt Jonathan Casillas wird große Klasse nachgesagt; allerdings fiel Casillas in der Vergangenheit auch öfters als erwünscht mit Fußverletzungen aus.

Bleibt das Defensive Backfield, das unter Williams massiert blitzen musste, im neuen System aber durchaus häufiger in der Deckung verharren dürfte. Superbowl-Held Tracy Porter ist weg und muss ersetzt werden – bloß wie? Erstrundenpick ist bis zum nächsten Trade in New England, Zweitrundenpick bei der NFL, und man muss sich irgendwo noch um die eigenen Wide Receivers kümmern. CB Greer, CB Peterson und CB/S Malcolm Jenkins gelten allesamt als durchaus hochwertige junge Spieler mit viel Potenzial, jedoch fehlen abseits davon Tiefe und dank SS „big hit“ Roman Harper Verlässlichkeit.


Der Kader ist also trotz einiger Fragezeichen durchaus gut besetzt. Solange Brees motiviert und gesund bleibt, dürfte die Hauptaufgabe der Defense ohnehin bloß sein, mit „bend but don’t break“ die Gegner einzuschlummern. Vermutlich ist die größte Baustelle wirklich die Tiefe im Defensive Backfield: New Orleans wird dank seines eigenen Passfeuerwerks im Angriff durchaus etlichen Pässen in der Defense ins Auge schauen. Entsprechend dürfte ein Vierer- oder wenigstens Dreierpack an akzeptablen Cornerbacks von Vorteil sein.

Bliebe „nur“ noch die Baustelle schlechthin: Head Coach. Sean Payton war der Spielzugansager im Angriff. Wird nun Brees noch mehr Verantwortung bekommen? Welche Rolle wird der eher suspekte OffCoord Carmichael einnehmen? Was ist mit Vitt, dessen Interimszeit in St Louis wenig Denkwürdiges hinterlassen hat? Und dann ist da noch die Führungsfrage: Solange die Bilanz der Saints stimmt, dürfte auch die Atmosphäre passen. Aber wenn der wahre Chef (Payton) irgendwo zweitausend Meilen südlich mit Eisbecher am Strand liegt, möchte man sich nicht ausmalen, wie die verbliebene Führungsriege nach der ersten Dreiniederlagenserie reagieren wird…

Mit den New Orleans Saints in den Sonnenaufgang

Whudat? Vor Ihnen flackert Teil eins eines Zweiunddreißigteilers als NFL-Vorschau 2011/12 auf Sideline Reporter, geboren aus der Symbiose von blanker Zeitnot (ich sage nur: reguläre Arbeit plus Laureatsarbeit in Kombination) und dem doch vorhandenen Kribbeln einer bevorstehenden Footballsaison.

Worum geht’s? Es ist der Versuch, 32 Mannschafts-Previews in 1024 Minuten zu schreiben, ergo: 32 Minuten Vorschau pro Team. Eine Zugfahrt pro Team. Let’s start with the New Orleans Saints, dem jüngsten Mitglied des NFC-Fluches: Seit 2001 gab es in zehn Saisons zehn verschiedene NFC-Champs.

New Orleans 2010/11 schaffte es nicht, die Serie zu durchbrechen. Zu unausgeglichen spielte man in der Offense, zu unkonstant war die Defense. Dabei hätte es alle Ingredienzien für eine erfolgreiche Titelverteidigung gegeben, inklusive einer fast vollständig zusammen gebliebenen Mannschaft.

„Zusammengeblieben“ sind die Saints auch in dieser Offseason. Head Coach Sean Payton darf man getrost als einen der besten Verwalter während des Spiels betrachten, wobei „Verwalter“ vielleicht sogar zu despektierlich ist: Payton versucht, dem Gegner nach Kräften seine Offense aufzuzwingen, mit dutzenden verschiedenen Angriffsformationen und immer wieder wohl getimten riskanten Playcalls.

Captain Brees und sein Fußvolk

Payton hat das Glück, mit Drew Brees den optimalen Quarterback für diese Offense zu besitzen. Brees verfügt über eine erstaunliche Präzision und begeht – auch wenn das angesichts von 22 INTs in der vergangenen Saison bizarr klingt – kaum Fehler. Brees verfügt über eine Armada an Passempfängern, von denen keiner richtig bekannt ist, aber alle machen sie ihre Yards und alle haben sie ihre speziellen Fähigkeiten.

WR Marquise Marques Colston zum Beispiel wirkt bei Zeiten ziemlich ungelenk, fängt aber über die Mitteldistanzen alles, was in seine Richtung fliegt und hat in vier von fünf Spielzeiten über 1000yds gemacht. Für die tiefen Routen stehen WR Robert Meachem und WR Devery Henderson bereit. Die kurzen Distanzen werden vom jungen TE Jimmy Graham abgedeckt. Als X-Faktor fungiert WR Lance Moore. Und wenn alle Stricke reißen, stehen eine Handvoll fangsicherer Running Backs zur Seite.

Aber auch Brees und Payton können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Saints in der vergangenen Saison sehr eindimensional daherkamen und sich zu häufig auf die Big Plays verlassen mussten. Grund dafür: Ein abgeschmiertes Laufspiel. Es mögen Verletzungen daran Schuld gewesen sein, es bleibt trotzdem Fakt: Selbst diese fantastische Offense kann nicht nur mit Passspiel daherkommen.

Abhilfe glaubt man durch die Einberufung vom ehemaligen Heisman-Sieger RB Mark Ingram jr. geschaffen zu haben. Ingram ist ein etwas biederer Back, aber man traut ihm zu, die Offense mit 20 Carries/Spiel tragen zu können. Dazu soll RB Pierre Thomas nach mehreren Verletzungen wieder zurückkehren. RB Chris Ivory könnte da trotz einer soliden Saison als Rookie entbehrlich werden. Allzweckwaffe Darren Sproles dürfte vorwiegend als Back bei 3rd downs und für Returns eingesetzt werden.

Neueinkauf Sproles ist trotz seines hohen Gehalts auch der Grund, weswegen die Saints den Abgang vom Marketing-Zugpferd Reggie Bush mit einem sportlichen Grinsen hinnehmen können. Bush war ein Sekundengenie, aber auch ein Schönwetterspieler und man hatte zuletzt nie mehr das Gefühl, Bush hätte dieser Offense eine besondere Note gegeben.

Größter Knackpunkt ist die Offensive Line, die zu unzuverlässig blockt und eigentlich eher für dominantes Laufspiel konzipiert ist: Die Guards Evans/Nicks gelten als herausragend, die Tackles Bushrod/Stinchcomb als Sicherheitsrisiken. Solange Brees aber nur halbwegs brauchbaren Schutz bekommt, sollte dies nicht weiter ins Gewicht fallen.

Abwehr-Saints

Etwas mehr Kopfzerbrechen bereitet die Defense unter dem Coordinator Gregg Williams. Wir sprechen hier von einer Unit, die mit jeder Woche ein anderes Gesicht zeigt: Mal blitzfreudig, mal passiv, mal alles abdeckend, mal sperrangelweit offen. Das hat Gründe: Williams versucht, mit verschiedenen Formationen das nicht optimale Spielermaterial zu kaschieren – was nicht immer gelingen kann.

Die Front Seven ist insgesamt eher durchwachsen. Das beginnt mit den Fragezeichen in der Defensive Line, wo aufgrund der Schwächen von DT Sedrick Ellis mit dem alternden DT Shaun Rogers und dem prototypischen Nose Tackle Aubrayo Franklin zwei neue Männer gekauft werden mussten, von denen zumindest Letzterer mit Hinblick auf das Abwehrschema der Sainits etwas fragwürdig scheint. Die Ends sind grundverschieden: DE Alex Brown gilt als sehr starker Spieler gegen den Lauf, DE Will Smith als herausragender Pass Rusher. Beide sind aber bloß „Spezialisten“, können das jeweils andere nicht.

Gegengift ist dafür Rookie-DE Cameron Jordan, dem nachgesagt wird, eine Art Mittelding zwischen Brown und Smith zu sein. Riecht danach, dass Jordan situativ eingesetzt wird. Je nach Bedarf.

Der Middle Linebacker Jonathan Vilma darf als feste Größe angesehen werden. Vilma fehlen allerdings die starken Partner an der linken und rechten Seite, weswegen Williams oft gezwungen ist, die Defensive Backs auf Blitzrouten zu schicken. Das entblößt aber bei nicht überragenden Deckungsspielern die Passabwehr, was nicht zuletzt das verheerend gelaufene Playoffspiel in Seattle zeigte.

Dabei wären die Defensive Backs namentlich gar nicht so schwach besetzt: Das Cornerback-Tandem liest sich mit Jabari Greer und Larry Tracy Porter gar nicht so schlecht, dazu haben die Saints mit Fabian Washington einen erfahrenen Backup aus Baltimore geholt und mit Patrick Robinson einen hoch gedrafteten, jungen Mann in der Hinterhand.

Einst als Cornerback gedacht, aufgrund von zu schwerfälligen Füßen zum Safety umfunktioniert ist der junge Malcolm Jenkins, der herausragende Noten als Free Safety bekommen hat und wohl auch in Zukunft neben SS Roman Harper spielen soll. Harper hat trotz des einmaligen, aber extremen Ausrutschers in Seattle einen neuen Vertrag bekommen und wird als fixe Größe angenommen. Gespannt darf man sein, was New Orleans mit dem Abfangjäger Darren Sharper im Schilde führt.

Ausblick

Eigentlich haben die Saints alles beisammen und die Offseason strotzte nur so vor „logischen“ Entscheidungen. Dieser Schedule ist auch nicht der allerschwierigste:

Wk #1 @Packers (Season Opener)
Wk #2 vs Bears
Wk #3 vs Texans
Wk #4 @Jaguars
Wk #5 @Panthers
Wk #6 @Buccaneers
Wk #7 vs Colts (SNF)
Wk #8 @Rams
Wk #9 vs Buccs
Wk #10 @Falcons
Wk #11 BYE
Wk #12 vs Giants (MNF)
Wk #13 vs Lions
Wk #14 @Titans
Wk #15 @Vikings
Wk #16 vs Falcons (MNF)
Wk #17 vs Panthers

Man kann also von den Playoffs durchaus ausgehen, selbst mit einer oder zwei Verletzungen. WENN, natürlich, WENN diese nicht Drew Brees betreffen. Das wäre in der Tat verheerend.

Das Zeiteisen verrät: 995 Minuten verbleiben. WordCount nach einem Team: 1001.

New Orleans Saints in der Sezierstunde

In der NFC galt seit neun Jahren: Wer will, wer will, wer hat noch nicht? Neun NFC-Sieger in neun Jahren. Grund genug, die Saints schon im Sommer aus dem Superbowl-Rennen gesehen zu haben. Ich schrieb damals von einer Unbekannte, die die Saints darstellen:

Die Saints sind zwar als Titelverteidiger mit einer hervorragenden Offense um QB Drew Brees und RB Pierre Thomas gesegnet, aber sowohl die (Pass-)Defense als auch die psychologische Situation gilt als suspekt. Die Defense war 2009 zwar stark im Provozieren von Turnovers, aber die Passverteidigung nur #26 in der NFL. Dass man 26 Interceptions wiederholen kann, gilt als eher unwahrscheinlich.

Outcome: Nach einer unkonstanten Saison (11-5) sind die Saints in Playoffrunde #1 in Seattle rausgeflogen und haben die Serie auf 10 Jahre/10 NFC-Champs verlängert. Mit einer unterirdischen Pass-Verteidigung und völlig überrannt von einem euphorisierten, aber keineswegs spielstarken Gegner.

Zugegeben, die Passabwehr war in der Regular Season nicht mal das Problem. Unter 200yds/Spiel zugelassen (#4 in der NFL), aber nur mehr 9 INTs in der Regular Season (+1 in Seattle) gemacht. Kombiniert mit einer durchwachsenen Laufverteidigung haben die Saints aber immer wieder ganz gerne lange, sehr lange Drives aufgegeben.

Drew Brees QB New Orleans Saints

©Flickr

Zu Saisonbeginn glänzte New Orleans durch Blitz-Genie-Momente in der Offense. 55/60 der Spielzeit lief nichts zusammen, nur um in den restlichen fünf Minuten Spielzeit zwei-drei Big Plays zu zaubern, die 1-2 Touchdowns produziert haben. Im Lauf der Saison wurde es besser, aber es war nicht so, dass ich jemals jedwede Angst verspürt hätte, New Orleans könnte in die Super Bowl durchmarschieren.

Zu wenig Laufspiel, zu viel auf den Schultern von QB Drew Brees (mal eben nebenbei 22INTs produziert), zu wenig Offense-Konstanz. Klar, wenn das Laufspiel nicht in die Gänge kommt.

Wo hakt’s?

Bevor die Saints irgendwelche neue Spieler ins Blickfeld aufnehmen, müssen inter Verträge verlängert werden: 3/5 der Offense Line ist vertragslos (LT Jermon Bushrod, OG Carl Nicks, C Jonathan Goodwin).

Bei den zirka dreitausend Running Backs und Wide Receivers wird eher ausgemistet werden. RB Pierre Thomas ist zwar noch eher jung, aber verletzungsanfällig und es gilt als unsicher, ob er bleiben wird. RB Reggie Bush hat zwar Vertrag, sich aber als Flop erwiesen, der nur situativ eingesetzt werden kann, nicht aber die Last auf seinen schmalen Schultern tragen kann. WR Lance Moore hat gute Dienste geleistet, aber New Orleans hat noch eine Reihe anderer WRs. Ebenso vertragslos: WR Roby, RB Jones, RB Betts, TE Thomas, FB Evans.

In der Defense könnten neben DT Ayodele auch noch beide Safetys wegfallen: Der alte Darren Sharper (heuer nicht mehr der Mann für entscheidende INTs) und Roman Harper. Harper war mal Pro Bowl? Vermutlich ist nach dem Seattle-Desaster Harpers Ruf für die nächsten zwei Jahrzehnte verbrannt. Ich bin gespannt.

Wo ansetzen?

IMHO hat New Orleans offensiv ein großes Problem, das 2009/10 phasenweise überdeckt werden konnte: Schwaches Laufspiel. Bush ist teuer und bringt sportlich nur etwas Variation, nicht aber den RB, den du in jedem Down einsetzen kannst. Seit McAllisters Abgang fehlt da etwas, und daran gilt anzusetzen. Brees’ Interception-Orgie führe ich zum Großteil auf die fehlende Offense-Balance zurück.

In der Defense sind die Bausteine eigentlich gegeben. Ein starker Pass Rusher könnte nicht schaden, und ein verlässlicher Safety. Was sich Harper im Playoffspiel geleistet hat, spottet jeder Beschreibung, auch die Cornerbacks sahen in der Nickel-Formation ganz schwach aus. Greer und Porter dürften höheren Ansprüchen genügen, aber dahinter wird es schnell eng. Mit 3-4 WR dürfte New Orleans recht einfach zu knacken sein.

Ausblick

Solange der Mann mit den dicken Nüssen, Sean Payton, den Laden managt und QB Brees am Werk ist, wird New Orleans nicht durchgereicht werden. An angesprochenen Baustellen muss man sich zwar in die Hände spucken und ansetzen, aber das Grundgerüst dürfte stehen. Zumal man zwar passlastig ist, aber nicht von einem Receiver abhängig ist, sondern konstant 4-5 Anspielstationen hat.

Blick auf den Spielplan, sofern wir eine volle Saison erleben: Huiiii. AFC South, NFC North und die eigene Division. Okay, gilt für alle in der NFC South. Aber für die höheren Seeds könnte das für die heimstarken Saints schwer werden…

Andere Teams in der „Sezierstunde“ gefällig? Hier entlang.