NFL 2016, Wildcard-Playoffs: der Samstag

Playoffs! Wir starten in die Playoffs mit einem Tag-Team-Match zwischen Connor Cook/Matt McGloin und Brock Osweiler/Brandon Weeden. Danach spielt besucht ein Freak-Team, das die letzten drei Spiele verloren hat, ein Team, das versucht mit Basketballern seinen Superstar-Quarterback zu beschützen. Ein Quarterback, der seinen ihm vorauseilenden Ruf eingeholt und mittlerweile hinter sich gelassen hat. Aber was soll’s? Es ist Januar, draußen schneit es und Playoff-Football ist Playoff-Football!

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NFL 2016, Woche 9: Montagsvorschauer

Bill Belichick sagt immer, eine Mannschaft braucht bis Thanksgiving um seine Identität und besten Game Planes zu finden. Vorher ist es ein Suchen und Tasten – mit der Herausforderung, bei diesem Suchen und Tasten genügend Siege einzusammeln für eine gute Ausgangsposition im Playoffrennen. Beide Teams heute, Buffalo Bills (4-4) und Seattle Seahawks (4-2-1), suchen noch Antworten auf wichtige Fragen, haben sich aber gute Positionen erarbeitet in den unübersichtlichen Playoff Races in ihren jeweiligen Conferences. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2013/14 – Die finale Version

Mehr als drei Wochen nach der Titelvergabe der NFL-Saison 2013/14 sei die letzte Version des Power-Rankings nachgereicht. Ich kann vorwegnehmen, dass sich nicht mehr überaus viel geändert hat, außer, dass sich die Dominanz der Seahawks noch einmal mehr manifestiert hat.

Die Seattle Seahawks werden mit ihrer 13-3 Bilanz, ihrem SRS von 13.0, ihrer Punktedifferenz von 186 Punkten in der Regular Season sowie einem Pythagorean von 12.9 Siegen als eines der besten Teams der Superbowl-Ära in die Geschichtsbücher eingehen. Auch ihre Endspielvorstellung war fantastisch. Aber es gibt Mannschaften, die in der Superbowl-Ära (also seit 1966/67) noch mehr herausgeragt haben.

Nachfolgend eine Tabelle mit der Auflistung einiger massiver Superbowl-Champs. Kriterium Nummer 1 ist der Record, der zwar nicht immer die wahre Stärke einer Mannschaft wiedergibt, aber in der Wahrnehmung des GOAT-Teams das wichtigste Kriterium ist. Dazu SRS (explained here), Punktdifferenz (PtDiff), Pythagorean (Erklärung hier; Pyth) und die Differenz in NY/A Passspiel zwischen der eigenen Offense und Defense (d.h. ein 2.2 Wert bedeutet, dass die eigene Offense pro Passspielzug 2.2 NY/A mehr zustande brachte als die eigene Defense zuließ):

Beste Superbowl-Champs ever

Beste Superbowl-Champs ever

Das letzte Team, die Patriots von 2007, ist der einzige Endspielverlierer. Die gesamte „Best Team Ever“-Diskussion wäre erledigt gewesen, hätten die Patriots ihre Superbowl gewonnen. Haben sie nicht, deswegen sind andere Teams mit vorn dabei.

Die beiden besten Profile haben die Chicago Bears von 1985, bekannt als Monsters of the Midway mit vielen Charakterköpfen und – für viele überraschend – die Washington Redskins von 1991/92, die relativ unbekannt sind, vielleicht auch, weil sie keinen großartig epischen Franchise-QB hatten und keine legendäre Defense um die man tausend Geschichten („wir haben bis 6 Uhr gesoffen und am Nachmittag den Super Bowl Shutout gemacht“) spinnen könnte.

Die Seahawks von 2013 sind irgendwo dabei unter den Top-10, aber ich würde sie definitiv unter den Bears und Redskins und vielleicht auch unter einem der 49ers-Teams sowie den ungeschlagenen 72er Dolphins ranken. Sie gehören irgendwo in die Nähe der Patriots von 2004. Was allerdings für die Seahawks spricht, ist ihre überragende Endspielvorstellung, mit der einige andere Mannschaften in der Liste nicht mithalten können.

Und die Seahawks sind noch ein junges Team. Ihr Quarterback spielte erst das zweite Jahr. Ihre Secondary und Linebackers sind fast alles junge Spieler mit maximal drei oder vier Jahren Spielerfahrung. Die Mannschaft wird auch in Zukunft vorne dabei bleiben – ob sie noch einmal so dominieren wird wie 2013/14, bleibt abzuwarten, aber sie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen kompletten Einbruch in absehbarer Zeit erleben.

Das Power-Ranking gibt aber auch das andere Ende der Skala frei und zeigt noch einmal in aller Härte auf, wie weit abgeschlagen die Jacksonville Jaguars, das schlechteste Team der Saison (wenn auch nicht per Siegbilanz), sind. Selbst die Oakland Raiders, vor der Saison als größter Trümmerhaufen gehandelt, sind relativ weit von den Jaguars entfernt. Und relativ brutal ist auch das Ranking der Baltimore Ravens, immerhin der Titelverteidiger, der böse, sehr böse abstürzte.

NFL Power Ranking 2013/14 - Finale Version

NFL Power Ranking 2013/14 – Finale Version

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strength of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Playoffs. Fettgedruckte Teams waren für die Playoffs qualifiziert.


Nachfolgend sei auch die finale Version der Effizienz-Stats nachgeschoben:

Finale Effizienz-Stats 2013/14 (klick mich zum Vergrößern)

Finale Effizienz-Stats 2013/14 (klick mich zum Vergrößern)


Das finale Divisionsranking ist folgendes:

  1. NFC West .600
  2. AFC North .522
  3. NFC North .515
  4. AFC West .513
  5. NFC East .503
  6. NFC South .496
  7. AFC East .474
  8. AFC South .378

Wenig überraschend ist die komplette Dominanz der NFC West, die Division, die so lange so ausgelacht wurde, aber in den letzten zweieinhalb Jahren fantastisch aufgeigt und drei der besten Teams der Saison beheimatete. Etwas überraschend ist die AFC North an #2 gereiht, vor allem, weil die Metriken die Bengals so lieben.

Verblüffend scheint auch, dass die NFC East vor der NFC South gereiht ist, was aber vor allem daran liegt, dass die South-Division dieses Jahr zwei Totalschaden durchleben musste. Die beiden Topteams der South-Division waren Titelkandidaten.

Weit, weit abgeschlagen ist die AFC South.

Die NFC gewinnt den Conference-Vergleich mit einem durchschnittlichen Teamwert von .528, was fast sechs Prozentpunkte besser ist als die AFC.


Das Power-Ranking schloss die Saison mit einer 129-73 Bilanz in den Siegertipps ab. Das entspricht 63.8% und ist damit eher am unteren Ende des 63-70% Ranges, den ich im Oktober vorhergesagt hatte. Es war eine schwierig zu tippende Saison, keine Frage, auch wenn am Ende der Playoffs die besten Teams übrig blieben.

In den Playoffs hatte das Ranking acht von elf Tipps richtig; das ist besser als in den letzten Jahren. Die einzigen Upsets waren San Diego in Cincinnati sowie die beiden „fast-Münzwürfe“ der Saints in Philadelphia sowie der 49ers in Carolina.

Was noch aussteht: Eine Spread-Analyse. Wie gut schnitt das Power-Ranking gegen den Spread (Fachbegriff: ATS/against the spread) ab? Ich habe im Dezember mal einen Zwischenstand ausgewertet, der roughly bei 50/50 lag wenn ich mich recht erinnere. Dazu wird es in absehbarer Zeit einen Nachschub geben.

Superbowl XLVIII im Liveblog: Denver Broncos – Seattle Seahawks

[04h25] Ah ja, weil wir was wirklich Einzigartiges sehen wollten:

[04h21] Für das Protokoll: Der WP-Graph zeigt die Einseitigkeit dieses Spiels. So unspannend war kein Endspiel seit 2002/03 Buccs-Raiders oder gar 2000/01 Ravens-Giants nicht mehr:

GWP Superbowl 48

GWP Superbowl 48

[04h17] SAT.1? Ihr Superbowl-Sender mit fast allen Touchdowns? So läuft das eben, wenn Experten und Regie sich mehr für Hotdogs interessieren und wahrscheinlich alle grad am Würststand waren…

[04h13] LB #53 Malcolm Smith wird MVP. Der Mann, der den INT-Return zum Touchdown zurücktrug. Der Mann, der schon letzte Woche die Sherman-Deflection abfing. Keine „logische“ Wahl, aber du musst halt einen Spieler aus dieser Defense herauspicken, und es war derjenige mit dem größten Play (Smit hatte auch noch den Safety aufgenommen). Auch wenn Smith für den Pick & den Safety im Prinzip nix konnte. Also doch eine schlechte Wahl, aber das kennen wir ja schon aus den letzten Jahren. Immerhin gewinnt einer der ärmsten Spieler im Seahawks-Roster das neue Auto…

[04h09] Das Team, das beide Finalisten schlug: Indianapolis.

[04h03] Endstand Denver Broncos 8, Seattle Seahawks 43

Der Kantersieg täuscht ein klein wenig über den Spielverlauf hinweg, denn die Seahawks hatten schon alles für sich laufen: Vom quasi geschenkten Safety im allerersten Play über den INT-Return TD zum Kickoff-Return TD , Fumble in dummen Zeitpunkten yadda yadda.

Die Seahawks waren besser, keine Diskussion. Sie haben das Monster-Matchup der besten Offense gegen die beste Defense glasklar gewonnen. Sie haben in allen Facetten des Spiels dominiert.

Diese Defense ist scary. Die Legion-of-Boom killt quasi jede konventionelle Passroute des American Football. Das ist ein bunter Mischmasch aus Geschwindigkeit, Wucht und Finesse, sie machen keine technischen Fehler, sie ziehen die Plays bis zum Ende durch. Das ergibt gemeinsam mit einem unglaublichen Passrush – bestehend aus mindestens sechs fast gleichwertig sehr guten Defense Linern – eine fast nicht zu schlagende Unit.

Selbst die beste Offense war heute hoffnungslos. Manning kam nie ins Rollen. Die Offense Line der Broncos wurde GEKILLT. Kein einziger Sack gegen Manning, aber dieser Fakt ist wertlos und beschreibt nicht das Spiel. Denvers Offense war heute spektakulär überfordert. Sie wurde noch im Schlussviertel krankenhausreif getackelt.

Viele der Prognosen vor dem Spiel sind eingetroffen. Nur sind alle Prognosen deutlich wilder gen Seattle ausgeschlagen, sodass am Ende ein Blowout steht.

Russell Wilson ist damit der zweite schwarze Starting-Quarterback nach Doug Williams 1987/88, der die Superbowl gewinnt. Pete Carroll gewinnt einen Titel, der ihm nicht mehr nachträglich aberkannt werden wird. Eine der unbekanntesten Franchises des Landes, die Seahawks, stellen eine der markantesten Superbowl-Champs in den letzten 10-15 Jahren.

[04h00]

Viertes Viertel

[03h55] Die Legende der Seattle Seahawks 2013/14 als Gesamtpaket ist auch nicht zu verachten: Eine 13-3 Bilanz in einer der heftigsten Divisions der letzten zumindest zehn Jahre. Alle drei Niederlagen waren richtig knapp: -6 in einem Freakspiel in Indianapolis, -2 in der letzten Minute in San Francisco, -7 gegen Arizona. Dazu diese fassungslos dominante Endspiel-Performance.

Seattle war nicht weit weg von einer perfekten Saison. Sie hätten schon Hand aufs Herz im letzten Jahr die Superbowl holen sollen, da sie das beste Team waren. Sie waren es heuer nur noch klarer. Sie werden in die Diskussion um die besten Teams in der Superbowl-Ära gehören.

[03h51] Mit dieser Endspielperformance dürften die Seattle Seahawks von 2013/14 ihren Platz in der Geschichte der besten Defenses aller Zeiten zementiert haben:

  • Miami Dolphins der frühen 70er Jahre
  • Steel Curtain der mittleren 70er Jahre
  • Chicago Bears 1985 und 1986 („Monsters of the Midway“)
  • Baltimore Ravens 2000
  • Tampa Bay Buccaneers 2002
  • Seattle Seahawks 2013

[03h47] Nächster Fumble Mannings, DE #91 Clemons schlägt den Ball frei. Seattle erobert ihn.

[03h40] Spiel ist entschieden. Wir können uns ja mal über die MVP-Kandidaten unterhalten. Beim Blick über Twitter ist der meistgenannte Kandidat Percy Harvin (2 Rushes, 45yds / 1 Catch, 5yds / 87yds-TD Kickreturn). Harvin als großer X-Faktor der Seahawks-Offense, der einen 1st-Rounder gekostet hat, aber heute eigentlich sein erstes echtes Spiel bestritt. Keinen Tag zu spät. Harvin hat sicher eine gute Kandidatur, auch wenn sein Kickreturn das Spiel nur „endgültig entschied“.

Aber Hand aufs Herz: Der MVP dieser Mannschaft gehört der Defense. Man könnte ihn prinzipiell der kompletten Defense überreichen. Die Defense hat die Seahawks getragen. Es gibt zwei Units, die den MVP stellen könnte: Defense Line oder die Legion-of-Boom. Einen klaren Kandidaten gibt es nicht; Avril / Bennett waren entscheidende Leute bei der Kreation einiger Big-Plays zu Beginn des Spiels. Aber das war wohl zu wenig.

Earl Thomas ist der wichtigste Spieler der Defense. Als solcher „wichtigster Spieler der Defense“ gewann einst Ray Lewis seinen Superbowl-MVP Titel, ohne Besonderes geleistet zu haben. Aber Thomas hat nicht die Reputation eines Lewis.

So denke ich, kann man ein Argument abgeben, SS Kam Chancellor (1 INT, einige massive Hits) den Titel zu geben.

[03h36] Nächstes gescheitertes 4th-Down der Broncos-Offense.

[03h34]

[03h29] Sherman wird verletzt runter getragen. Sieht nach Knöchel aus.

[03h23] Denver 8, Seattle 43/Q4 11:45. 13yds-TD Catch für Baldwin. Raketen von Russell Wilson, und so wie die Seahawks diesen Drive durchzogen, sieht das danach aus als wollte Pete Carroll mit seinen Seahawks noch ein paar Punkterekorde sprengen.

[03h14] Stecker & Joe Montana #DRINK

Drittes Viertel

[03h11] Denver 8, Seattle 36/Q3 0:00. 13yds-TD Catch Demariyus Thomas. 6 Plays, 80yds, 2:58min. Eine etwas tiefer stehende Secondary, kollidierende Defensive Backs, und Denver scort einen lockeren TD zum Ausgang des dritten Viertels um zumindest die ganz große Blamage einer punktelosen Superbowl abzuwenden – und Thomas stellt mit dem 12ten Catch des Tages einen traurigen Superbowl-Rekord auf. (löscht Jerry Rices Mega-Spiel Ende der 80er aus + Branch und noch ein und zwei andere)

[03h02] Denver 0, Seattle 36/Q3 2:58. 23yds-Pass für WR #15 Kearse. 6 Plays, 58yds, 2:57min. Locker drei, vier gebrochene Tackles bei Kearse. Mehrere rattenscharfe Pässe des Russell Wilson gegen eine Defense, die sich am Ende selbst aufzugeben scheint.

[03h01] Denver ist aktuell übrigens bei 190 Yards Offense zu 187 Yards Offense der Seahawks.

[03h00] Wie wird dieses Spiel noch legendär? Erster Shutout in der Superbowl-Geschichte, und das gegen die punktereichste und beste Offesne ever?

[02h56] Seuche. Der Combo Manning-Thomas gelingt für einmal ein längerer Spielzug, und dann fährt CB #41 Maxwell nichts ahnend eine Hand aus und ist völlig verdutzt, dass er damit einen Fumble bei Demariyus Thomas provoziert. Nochmal: Erster Spielzug der Broncos in diesem Spiel, der gelungen ausschaute, und dann fumbelt der beste Receiver der Mannschaft den Ball weg. Surreal.

[02h52] Seattles OT #76 Okung mit einem Holding im zweiten Down, und das reicht aus um Seattles nun natürlich konservative Offense abzuwürgen: Seattle muss punten. Denver sollte nun aufhören zu punten, denn es ist eh schon fraglich genug ob sich noch vier Drives bekommen.

[02h44] Punt der Broncos. Sie würgen sich langsam ins Spiel, aber was bei Spielstand 0-0 im ersten Viertel aussieht wie Abtasten, löst im dritten Viertel bei 0-29 Emotionen des Ärgers aus.

[02h31] Denver 0, Seattle 29/Q3 14:48. 87yds-Kickoff-Return für Harvin. Und die Vollpfosten bei SAT.1 waren mal wieder nicht drauf. Idioten.

Harvin, ich hatte es geschrieben: Sensationeller Kickreturner gegen eine grottenschlechte Coverage der Broncos-Special Teams. Und Prater macht keine Touchbacks. Das ist quasi der Sargnagel.

[02h18] Halbzeitshow, und die Welt erlebt die Premiere des Playback-Schlagzeugs (oder?). Dann stürmt ein halbes Dutzend halbnackter Männer und die Chili Peppers bringen Give it away now aus den 90ern. Da war letztes Jahr besser. Wo kann man Beyonce reinwählen?

Zweites Viertel

[02h13] Nach dem WP-Graph (Win Probability Graph) von Advanced NFL Stats ist Seattle fast durch. Man sieht aus dem Graph auch heraus, dass Denver wirklich nie im Spiel war und sich auch nie renibeißen konnte. Ein TD kurz vor der Pause hätte geholfen, aber man hätte nach dem gescheiterten 4th-Down ruhig auch Timeouts ziehen können (man hatte alle 3). Aber Fox machte einen auf Schwartz und wartet offenbar auf die nächste Superbowl um Timeouts zu nehmen.

Win-% zur Superbowl-Halbzeit

Win-% zur Superbowl-Halbzeit

[02h03] Halbzeit Denver Broncos 0, Seattle Seahawks 22.

Die Broncos werden hier ZERLEGT. Das ist die totale Dominanz der Seahawks-Defense, und sie beginnt in der Defensive Line: Was die Kollegen #92 Mebane, #79 Bryant, #72 Bennett und #56 Avril hier veranstalten, ist Giants-2o07 würdig: Die Pass-Protection Mannings wird konstant, Spielzug für Spielzug, auseinander genommen, und Manning hat keine Zeit zu werfen.

Wirft, er, stehen hinten sieben Defensive Backs, um alles abzudecken. Manning antwortet mit schnellen, flachen Kurzpässen, aber die bringen nur wenig Raumgewinn, weil die Wideouts vorblocken als wären sie homophobe Mauerblümchen.

Das artet aus in einer Offense der Broncos, die in 31 Spielzügen nur 131yds zustande brachte. Manning mit 17/23 für 104yds und 2 INT (4.5 NY/A). Beide INTs waren ein Produkt aus „etwas unglücklich“ und „merkwürdiger Entscheidung“. Einmal hätten die Broncos allerdings eine DPI gegen #29 Earl Thomas zugestanden bekommen müssen.

Seattle machte mit seiner Offense nicht viel. Russell Wilson zu Spielbeginn stets schnell auf flotten Füßen und begann loszuscrambeln. Dann wurde das „harte“ Laufspiel über #24 Lynch in der Mitte gesucht. Zwischendurch wurde #11 Harvin mit den Jet-Sweeps eingestreut, und Harvin machte massive Yardage, weil der DE #91 Ayers katastrophales Containment hatte.

Besonderes sprang bis auf Harvin nicht heraus: Wilson ist risikolose 9/15 für 94yds. Lynch 11/17yds. Ein paar nette Catches der Wideouts. Ein paar zu ängstliche Entscheidungen Pete Carrolls.

So. Das Spiel schaut ein klein wenig gegessen aus, sofern die Broncos nicht schnell in einen Groove im mittlerweile strömenden Regen kommen. Letztes Jahr hatten wir bei Ravens-49ers auch zwischenzeitlich eine 22pts-Führung für Baltimore, aber die waren auf andere Art und Weise zustande gekommen. Abwarten.

Seattle kriegt nun als erstes den Ball. Für Manning positiv: Er wird diesmal keinen Onside-Kick gegen sich sehen… er könnte ihn höchstens selbst probieren.

[01h55] 1:06min vor der Pause muss Manning ein 4th-Down und 2 in der Seattle-Redzone ausspielen. Ein Muss, aber einmal mehr wird die Offense Line in Krümel zerfetzt, und Mannings Pass fällt harmlos zu Boden.

Vorher zerstörte ein False-Start der Broncos eine aussichtsreiche Position. Danach musste Manning feldpositionsbedingt zweimal werfen, was gegen eine so krasse Deckung ein halbes Todesurteil ist.

[01h50] Eli Manning. #DRINK

[01h45] Stecker: „Skittles“ #DRINK

[01h38] Denver 0, Seattle 22/Q2 3:21. 69yds-INT Return zum TD für #53 Malcolm Smith. Weia: Manning wird in der Wurfbewegung von einem D-Liner getroffen und der so abgeschwächte Ball fällt Smith in den Schoß. Erste INT = abgefälschter Ball. Zweite INT = abgebrochene Wurfbewegung. Trotzdem eine merkwürdige Entscheidung von Manning, diesen Ball so zu versuchen. Und Demariyus Thomas sah ziemlich passiv aus.

Zuvor recht klare Versuche der Broncos, eine Kurzpassoffense mit vielen Screens aufzuziehen: Angezogenes Tempo, immer wieder quick raus für #80 Demariyus Thomas, der aber gegen eine disziplinierte Defense kaum YAC (yards after catch) machte. Dazu schlimmes Vorblocking der Wideouts der Broncos bei diesen Plays.

[01h29] Erstes 1st-Down für Denver: 3rd-und-1, und Manning übergibt an RB Moreno. Danach schaltet Manning in den No-Huddle Modus.

[01h23] Denver 0, Seattle 15/Q2 12:00. 1yds-Run Lynch. 7 Plays, 37yds, 3:59min. Lynch im zweiten Down, nachdem er wohl schon im ersten drin war (man sehe sich das Nachfassen an).

Seattle mit dem ersten Touchdown, weil CB #32 Tony Carter zuvor eine PI in der EndZone begangen hatte. Seattles große Offense-Waffe Harvin schlug schon wieder bei einem Jet-Sweep zu: Ein Spielzug, bei dem man wunderbar erkennen konnte, wie undiszipliniert DE #91 Ayers war. Hält Ayers sein Containment an den Flanken der Defense Line, passiert nicht viel. Aber Ayers überpowerte, und Harvin hat nun 2 Rushes für 45yds.

[01h19] Stecker: „Beast Mode“ #DRINK

Erstes Viertel

[01h16] Ein Eröffnungsviertel für die Grütze von den Broncos, für die nichts zusammengeht. Beginnend mit dem üblen Safety, aber es ging dann weiter: Noch kein einziges 1st-Down für die Rekordoffense, dafür schon ein Safety plus ein Turnover. 11:41 zu 3:19min Ballbesitz. 148-zu-11yds in der Offense. 22 zu 7 Plays pro Seattle. Aber: Nur acht Punkte Unterschied, weil Seattle sich noch nicht durchwalzen konnte bzw. zu viel Schiss hatte, ein 4th-und-inches auszuspielen.

[01h12] Big Play! 3rd-Down für Manning, eine unruhige Pocket und von hinten rauscht schon der Druck heran. Manning versucht noch einen DL zu überlupfen, aber er überlupft ihn zu stark. Der Ball segelt über alle, auch TE #80 Thomas, hinweg, direkt in die Arme vom Kopfjäger-SS #31 Chancellor.

[01h10] Stecker mit QB-Diskussion „Peyton Manning unter den Top-5“. #DRINK #DRINK #DRINK

[01h08] Denver 0, Seattle 8/Q1 2:16. 33yds-FG Hauschka. 13 Plays, 58yds, 6:15min. Seattle kontrolliert bisher die Line of Scrimmage, zieht die langen Drives durch. Das ist nicht die befürchtete boom or bust Offense.

4/5 der Third Downs wurden verwertet. Denver immer wieder mit quicken Blitzes, die Wilson mit schnellen Slants kontert.

Auffällig auf die Hasenfüßigkeit von Wilson: Leisester Anflug von Druck, und Wilson scrambelt sofort los. Auffällig auch: Wilsons Pässe sind nicht allzu präzise. Dann ein massiver Breakup eines Broncos-DB (Irving?) bei einem tollen Ball in die EndZone.

[01h05] John Fox mit einer relativ hoffnungslosen Challenge bei einem Lateral, der doch recht klar ein Vorwärtspass war. Fox hatte auch schon in der Superbowl vor 10 Jahren so eine schlechte Challenge (als er glaube ich einen unmöglichen Spot gechallenged). Übrigens unterirdisch vom World-Feed, den SAT.1 übernimmt: Nur eine einzige, winzige kurze Wiederholung.

[00h53] Die erste ernst zu nehmende Angriffsserie der Broncos endet im Three and Out: Erstes Play als diese Package-Option, die Herrmann in der Preview angesprochen hatte. Manning übergab den Ball an RB Moreno für 2yds. Zweites Play ein quicker Kurzpass für #88 Thomas, aber Chancellor wartete in der Nickel-Formation unmittelbar mit dem großen Hit. Drittes Play, und erneut hyper-aggressive Defense, und keine Yards nach dem Catch.

[00h45] Denver 0, Seattle 5/Q1 10:21. 31yds-FG Hauschka. 9 Plays, 51yds, 4:27min Drive. Der Drive begann exzellent, als #11 Harvin um ein Haar zum TD durchgelaufen wäre: Ein saucooler „Jet Sweep“, den Aikman im Gamepass natürlich als Reverse analysierte… aber Harvin kam „nur“ 30yds weit und trat mit einem Fuß aus dem Spielfeld.

Danach quickes Gewichse der Seahawks. Wilson behielt den Ball einmal bei einem zone read Play (#DRINK), aber wurde kurz im 3rd-Down danach knapp vor dem 1st-Down gestoppt.

Carroll warf die rote Flagge wegen einer 3cm-Entscheidung im ersten Viertel der Superbowl. Hätte ich nicht gemacht, und schon gar nicht so knapp vor der EndZone. Aber was will ich einem Superbowl-Coach erklären…

[00h43] #Gefrierschrank New York #Superbowl-Blunder: Offizielle Temperatur bei Kickoff 9.4°C. Temperatur zu Kickoff von Superbowl VI in New Orleans: 3.9°C. Take that, ihr Kritikaster.

[00h40] Fast 64% der Abstimmenden in der Umfrage dieses Blogs sehen einen Superbowl-Sieger Seattle kommen. Das ist in Spread umgerechnet ein 4.5pts Spread pro Seattle.

[00h35] Denver 0, Seattle 2/Q1 14:48. Paukenschlag: Erster Spielzug, während Manning noch einen auf Omaha machen will kommt schon der Snap und der Ball segelt an Manning vorbei in die EndZone. RB Moreno schmeißt sich noch auf den Ball zum Safety. Schnellster Score ever in der Superbowl-Geschichte: Hester brauchte 2007 bei seinem Kickreturn-TD 14 Sekunden.

Pre Game

[00h28] Seattle gewinnt den Münzwurf von Spaßvogel „Broadway“ Joe Namath und deferred in die zweite Halbzeit. Damit wohl erster Ballbesitz für die Denver Broncos.

[00h25] SAT.1 hat wieder Ines Sainz am Wickel – wie schon letztes Jahr in der Stromausfall-Pause. Sainz ist die Frau, die schon Brett Favre verrückt machte.

[00h23] Nationalhymne von Fleming dauert handgestoppte 2:04min. Also das Under für Las Vegas, aber über 100 Sekunden. #DRINK

[00h19] Raab bei SAT.1:

Fotoball ist ein Sport, der alle vereint. Da können Dicke und Dünne mitmachen!

[00h15] Over/Under für die Hymnenlänge von Renée Fleming ist 2:25min – die Wettbüros erklären sich diese Länge damit, dass sie als Sopranistin eher Opern-like performen wird, und damit eher langsam.

[23h57] Wir sind heute zu dritt. Einer ist für Seattle, Sabine für Denver, und ich kann mich so recht nicht entscheiden. Ich bin gespannt. Ich habe keine Ahnung wie es ist, ein Endspiel zu verfolgen, bei dem ich erst im Lauf des Spiels merke, wem ich die Daumen drücke.

[23h49] Die Superlative sind alle aufgebraucht, die Einwärmphase hat ein Ende, wenden wir uns also dem Essenziellen zu: Dem Spiel, dem sagenumwobenen Gipfel zwischen den Denver Broncos und den Seattle Seahawks. Der Fahrplan bis zum Kickoff lautet wie folgt: Um Mitternacht wird Sabine die Weißwürste auftischen. Um zirka zwanzig nach Mitternacht gibt es die Nationalhymne mit Renée Fleming. Danach den Münzwurf und anschließend gegen halb eins den Kickoff.

NFC Divisional Playoffs Preview: New Orleans Saints @ Seattle Seahawks

Am 2. Dezember waren die New Orleans Saints (12-5) das letzte Mal bei den Seattle Seahawks (13-3) zu Gast. Das Ergebnis war deutlich. Während die Saints ihre versohlten Hintern ins Flugzeug schleppten, feierte Seattle noch den Lautstärkerekord mit allen 12th men im CenturyLink Field. Zu Beginn der Divisional Playoffs gibt es jetzt das rematch. Im Gegensatz zum letzten legendären Playoffspiel der beiden gegeneinander, ist dieses Mal New Orleans bei den Buchmachern der klare underdog.

New Orleans´ sieben Punkte der Offense waren der Negativrekord in dieser Saison. Die 34 kassierten Punkte der Defense ebenfalls Negativrekord; überhaupt war es das einzige Mal, daß die Saints mehr als 30 Punkte zugelassen haben. Das spricht für den starken Job den Rob Ryan in seiner ersten Saison als Defensive Coordinator in New Orleans gemacht hat.

Seahawks Offense vs Saints Defense

Dabei sind die Spieler größtenteils dieselben, die sich 2012 unter Steve Spagnulo regelmäßig der Lächerlichkeit preisgegeben haben. Wichtige Neuzugänge waren CB Keenan Lewis, Rookie-Safety Kenny Vaccaro und OLB Parys Haralson. Alle drei spielten wichtige Rollen: Lewis als recht zuverlässiger Nr.1 CB; Vaccaro als überraschend zuverlässiger Safety und Haralson als einziger in der Front-7, der große Erfahrung mit 3-4-Konzepten hatte (er kam von den 49ers). Blöderweise mußte Vaccaro in Woche 15 auf IR; da ist auch Haralson seit dem Wild-Card-Game und Lewis erschütterte sich das Gehirn und ist questionable für das Spiel in Seattle.

Das ist vor allem blöd, weil im „Hinspiel“ Russel Wilson per Arm um Bein der matchwinner war und nicht das „normale“ Laufspiel um Marshawn „beast mode“ Lynch und Robert Turbin. Beide zusammen kamen nur auf 79 Yards aus 27 Läufen. Ryans Verteidigungen machen zwar immer einen recht „wilden“ Eindruck, aber sie sind sehr diszipliniert und „fundamentally sound“ wenn es ums tackling geht. So haben sie auch letzte Woche die gefürchtete Laufmasche der Eagles sehr gut eingebremst (22 Läufe für 80 Yards). Seit ihrer bye week Mitte Oktober konnten nur vier ihrer elf Gegner mehr als 100 Yards erlaufen.

Genauso diszipliniert und mit sicheren tackles müssen sie dann aber auch dem kleinen Derwisch Russel Wilson gegenübertreten. Viele yards macht der kleine QB mit einfachen Würfen zu meterweit offenen Receivers. Diese „einfachen“ Würfe erabeitet sich Wilson aber mit schwierigsten Zirkuskunststückchen als Entfesselungskünstler. Er befreit sich so geschickt (und manchmal sogar richtiggehend elegant), daß die Übertragung am Sonnabend wieder zum drinking game werden könnte: einen Shot für jede Nennung von „Fran Tarkenton“ und zwei shots für jeden „Whoodini!“.

Hier ist das Herzstück der Saints-D gefragt: die Defensive Linemen Cameron Jordan, Akiem Hicks und OLB/DE Junior Gallette. Als sie vor wenigen Jahren zu den Saints kamen, hat man sich sehr viel von ihnen erwartet; massives Talent hatten alle drei. Doch dann kam kaum etwas. Unter Ryan nun steht Jordan plötzlich auf der shortlist für den DPOY. Hicks, zusammen mit Brodrick Bunkley oder Rookie John Jenkins machen zuverlässig die Mitte gegen den Lauf zu, während Gallette und Jordan ebenso zuverlässig Druck auf den QB machen. Knackpunkt hier ist, daß sie beim pass rush Wilson in der pocket halten und die Fluchtwege über die Außen zumachen und auch in der Mitte nicht blind nach vorne stürzen und ja nicht Wilson ausbrechen lassen, im Idealfall dann noch dem kleinen Mann mit Armen und Händen sein Sichtfeld verdecken.

Der X-Factor in der Offense ist Percy Harvin. Da er aber in dieser Saison keine 20 snaps gespielt hat und auch nicht klar ist, wie fit er tatsächlich ist, ist von Totalausfall bis matchwinner alles im Bereich des Möglichen. Neben den beiden WRs Golden Tate (sehr stark) und Doug Baldwin (stark) sollte man auch immer ein Auge auf Jermaine Kearse werfen. Dieser UDFA fängt in jedem Spiel einen eigentlich unmöglichen Ball.

Es wird hier noch mehr als sonst auf Fehlervermeidung der Saints ankommen, jeder missed tackle kann gegen Typen á la Wilson, Lynch und Tate zum TD führen.

Saints Offense vs Seahawks Defense

Auf der anderen Seite lastet alles auf den Schultern von Sean Payton und Drew Brees, sich einen gameplan zurechtzulegen, der eine Verteidigung knacken kann, die keine Schwachstellen hat.

Ich bin da auch ein bißchen ratlos, welches matchup hier das wichtigste oder spannendste sein wird. Nach der Verletzung des in Paßverteidigung exzellenten Linebackers K.J. Wright ist es vielleicht die Marques Colston-/Jimmy Graham-Combo über die Mitte. Die beiden Riesen können die Mitte attackieren wie kein anderes Duo der NFL. Aber selbst dafür hat Seattle als Antwort noch LB Bobby Wagner und die Safties Kam Chancellor und die one man dome patrol Earl Thomas.

Colsten und Graham können auch tief gehen. In Verbindung mit dem exzessiven screen game um Darren Sproles und Pierre Thomas (dieser allerdings questionable) können sie das Spiel sowohl sehr breit als auch sehr lang (? oder tief?) machen. In Kombination „streßt“ das eine Verteidung ungemein.

Von den individuellen matchups her ist Seattle fast überall im Vorteil. Pass rushers Michael Bennett und Cliff Avril gegen mittelmäßige Offensive Tackles; die „Legion of Boom“ gegen die WRs Robert Meachem, Lance Moore und Kenny Stills; Mount Mebane und Wagner als Anführer gegen das Laufspiel durch die Mitte um Jahri Evans und Brian De la Puente ist das noch das ausgeglichenste.

Die Zauberkünste des Russel Wilson gegen den Hasen, den Sean Payton aus seinem Hut zieht, ist in einem Satz das Faszinierende an diesem Spiel. Nimmt man noch die einzigartige Atmospähre im CenturyLink und die jüngste gemeinsame Geschichte der beiden Mannschaften dazu (blowout in dieser Saison plus der upset in den Playoffs 2011) ist das der perfekte Einstieg in das schönste Wochenende des Jahres.

Nach dem Sturm von Seattle

Ganz ironiefrei: Das Monday Night Football Game von Seattle gehört zu meinen Allzeitfavoriten. Weil es so gegen alle Erwartungen verlief. Weil es mitreißende Stimmung im vielleicht besten Stadion der NFL bot. Und weil es nach einem sensationellen, bizarren, einzigartigen Finish völlig zu Recht in die NFL-Annalen eingehen wird.

Die letzte Hail Mary vom wuseligen Rookie-Quarterback Russell Wilson – dem Mann, der einst von der North Carolina State University geflogen war, weil der Coach ihm nix mehr zugetraut hatte – in die EndZone war nur der Kulminationspunkt einer der spannendsten Footballspiele der letzten Jahre. Ganz ehrlich: Ich hatte es in Real Time nicht erkannt. Ich hatte noch dem Ball nachgeschaut und in mir waren gerade wieder die Bilder der unzähligen Bomben des Russell Wilson in die EndZone der Arizona Cardinals vor zwei Wochen präsent.

Plötzlich standen die beiden Refs am Knäuel, in dem sich zwei, drei, vier Athleten um ein Ei balgten. Beide Refs sichtlich unwohl. Einer zeigte Touchback an. Der andere Touchdown. Seahawks Win.

Fraglos: Die Schiedsrichter hätten spätestens nach der TV-Review auf Interception entscheiden sollen. Die überwiegende Mehrzahl der Wiederholungen ließ darauf schließen. Es wäre die bessere Entscheidung gewesen. Dass sie es nicht gemacht haben, lehrt auch eines: Der Videobeweis ist nicht das Allheilmittel.

Zumal die viel klarere Offensichtlichkeit, der Rammstoß des WR Golden Tate, nicht mehr geahndet werden durfte. Ein Ref war direkt daneben gestanden. Er hätte es sehen müssen. Die Refs hätten viel mehr in diesem Spiel sehen müssen, und sie haben Dinge gesehen, die nicht waren (gell, Mr. Shields?).

Solche Sachen passieren, wenn Menschen in Situationen geschmissen werden, denen sie nicht gewachsen sind. Ich bin noch jung. Aber ich habe es bereits zu oft gesehen – im Alltag.

Und wenn Referees aus der untersten Ebene des College Football, und aus der Indoor-Liga, und aus der Unterwäscheliga, plötzlich mit Weltklassesprintern und 500kg-Bombern und Staffords Weltklassegranaten mithalten sollen, und in der größten, teuersten, möglicherweise zuschauerträchtigsten Liga der Welt vor ausverkauften Hütten haarige Entscheidungen in Sekundenbruchteilen entscheiden müssen, kann ich die Fehler zu einem gewissen Grad nachvollziehen.

Ich habe intelligente Menschen in Prüfungssituationen Divisionen durch Null rechnen sehen. Leute machen unter Druck verrückte Dinge.

Deswegen habe ich auch überhaupt kein Verständnis für solche Schimpftiraden.

Nein, die Schiedsrichterleistungen sind gemessen an Hochulis Standard nicht gut. Weshalb ich mich darüber nicht übermäßig aufrege (obwohl sich auch die Lions nach der 44yds-Line-Aktion verarscht vorgekommen sein dürften)? Ich hatte es nicht anders erwartet. Ich hatte damit gerechnet, dass das eine oder andere Spiel entscheidend beeinflusst werden würde. Fehler passieren auch Ed Hochuli. Nicht in dieser Masse, aber sie passieren. Frag nach bei Bill Carrollo. Die nicht gepfiffenen Pass Interferences im AFC-Finale 2006/07 verfolgen mich bis heute. Trotzdem war dieses das beste NFL-Spiel, das ich je gesehen habe.

In Kürze werden die „alten“ Referees wieder da sein, vielleicht schon am Wochenende. Das Produkt „NFL“ wird dadurch fraglos aufgewertet. Uns wird ein Zufallselement mehr verloren gehen, aber es ist ein Zufallselement, auf das auch ich verzichten kann. Hochuli und Konsorten werden besser pfeifen, so wie wir es erwarten, und wir werden es nach nur drei Wochen Abstinenz endlich zu schätzen wissen und ihnen danken.


Die Seattle Seahawks sind indes mit 2-1 Siegen überraschend gut in die Saison gestartet, und sie sind kein Zufallsprodukt. Es war irgendwann Anfang Advent 2011, als ich nach Studium der Zahlen meine abgrundtiefe Skepsis gegen Pete Carroll und seine Mannschaft abzulegen begann.

Und dieses Spiel bewies wieder, warum: Die junge Seahawks-Defense ist fantastisch. Selten, ganz selten, wird eine Offense so derart brutal abgewürgt wie jene der Packers in Halbzeit eins. Und fast nie passiert es der effizientesten Pass-Offense der letzten Jahre. Was die Herren DE #91 Chris Clemons, DT #92 Brandon MeBane, DT #99 Alan Branch, DE #51 Bruce Irvin und Konsorten da veranstalteten, war groß. Ganz groß.

Dass sich die Seahawks vom einen oder anderen Laufspielzug der Packers überraschen lassen hatten, geschenkt. Allein die Tatsache, dass Green Bay in den Benson-Modus schaltete, war Kompliment genug. McCarthy schaltete in der zweiten Halbzeit in einen anderen Gang, ließ QB Aaron Rodgers dutzendweise schnelle Pässe nach 0.3 Sekunden in den Bereich 2yds um die Line of Scrimmage werfen, um dem Druck zu entfleuchen. Lange Pässe von Rodgers’ Seite habe ich vielleicht drei gezählt. Dafür scheinen 5.7 NY/A im Gamebook auf. Das ist kaum mehr als die halbe Höhe des Packers-Standards der letzten drei, vier Jahre.

Dass die Seahakws das Spiel ihrerseits nicht früher entscheiden konnten, lag unter anderem an ihrer eigenen anämischen Offense. RB Lynch kämpfte zwar wie ein Löwe, aber der Output war nicht wirklich da. QB Wilson wird in der Pocket bei andeutungsweise zuviel Druck zu schnell zappelig, scrambelt durch die Gegend und wirft den Ball dann immer noch viel zu spät. Der Rhythmus ist nicht da, selbst wenn zwischendurch der eine oder andere spektakuläre Big Play herausschaut.

Das war angesichts der Vorstellung der Seahawk-Defense dann auch der Grund, warum das Spiel überhaupt erst mit einem Spielzug entschieden werden musste, den niemand, der ihn gesehen hat, so schnell vergessen wird.

NFC West in der Frischzellenkur

Die Bodensatz-Division seit Jahren – aber eine für einmal sehr konsequent wirkende Draftklasse für die NFC West.

Arizona Cardinals

Rd #   Pos Name
1  13  WR  Michael Floyd
3  80  CB  Jamell Fleming
4  112 OT  Bobby Massie
5  151 G   Senio Kelemete
6  177 S   Justin Bethel
6  185 QB  Ryan Lindley
7  221 OT  Nate Potter

Nach dem Kolb/Cromartie-Trade aus dem vergangenen Sommer liest sich der Draft 2012 der Cardinals recht unspektakulär. Der herausstechende Pick ist einer, über den schon tagelang zuvor gemunkelt worden war: WR Michael Floyd von Notre Dame, der aus derselben Region wie Fitzgerald (Bundesstaat Minnesota) kommt und als großgewachsene, physische Präsenz neben Fitzgerald fungieren soll. Klar war einzig: Arizona braucht jedwede Verstärkung für das Passspiel (5.9yds/Pass). Diese Mannschaft ist der Divisionsfavorit mit wenigstens annehmbarem Passspiel in der Offense. Kolb gehen mit jeder Neuverpflichtung die Entschuldigungen aus.

Aus den mittleren Runden eine Entwicklungs-Option für die Secondary (CB Jamell Fleming) und zweimal Offensive Line. Ein interessanter Mann ist QB Ryan Lindley von San Diego State: Aus dem College als relativ unpräziser Werfer bekannt, aber abseits davon mit allen physischen Tools zum eventuellen Herausforderer Kolbs, sollte sich jener nicht weiterentwickeln. (Natürlich ist ein unpräziser Werfer in der NFL aber immer ein Fragezeichen) Aus den späten Runden noch Boise States Nate Potter.

Arizona gefällt mir. Die Defense ist jung und schnell, macht vorne recht schön Rabatz und besitzt ein relativ gutes Backfield. In der Offense waren die zu starke Fokussierung auf Fitzgerald (wurde versucht, zu verbessern) und die vielen Interceptions (das Phänomen Regression zur Mitte dürfte helfen) das Problem – beides Felder, die man bereitet hat. Fraglich ist freilich nur noch die Ernte.

San Francisco 49ers

Rd #   Pos Name
1  30  WR  A.J. Jenkins
2  61  RB  LaMichael James
4  117 G   Joe Looney
5  165 LB  Darius Fleming
6  180 S   Trenton Robinson
6  199 OT  Jason Slowey
7  237 DE  Cam Johnson

Zwei Skill Player zu Beginn für die 49ers. WR A.J. Jenkins kann getrost als große Überraschung gewertet werden, nachdem doch deutlich bekanntere und mehr diskutierte Leute an #30 auf dem Tablett gegeben waren. Jenkins soll ein deep threat sein, dem allerdings im direkten Duell die letzten paar Kilo Physis abgehen. Nichtsdestotrotz liest sich der Stall an Ballfängern insgesamt besser als noch im Jänner: Jenkins, Manningham, Randy Moss, Crabtree, Davis, Walker, dazu die „Joker“ Ginn und Williams.

RB LaMichael James ist einer meiner persönlichen Favoriten (sportlich zumindest), dürfte mit seinem Speed eine wertvolle Ergänzung zum enttäuschenden RB-Pärchen Gore/Hunter sein, aber so richtig möchte man sich das noch nicht ausmalen: Der 20kg-Back James hinter einer wackeligen Offensive Line – ob da die erhofften Big Plays nicht bereits frühzeitig abgewürgt werden?

Dahinter folgen Ergänzungsspieler für eben jene Line (G Looney/T Slowey), sowie ein durchaus variabel einsatzfähiger DB Robinson und in der siebten Runde ein Defensive End Cam Johnson, den man wenigstens 2-3 Runden früher hatte vom Tablett gehen sehen.

Insgesamt liest sich die Draftklasse der 49ers recht rund: Tiefe in einigen kritischen Mannschaftsteilen geschaffen und mit den Skill Players dem mäßigen QB Alex Smith paar dringend notwendige Anspielstationen verschafft. Sollte Smith den Durchbruch auch 2012/13 nicht schaffen, kann man es dann ja mal mit dem „Pistol“-Interpreten Colin Kaepernick probieren.

Seattle Seahawks

Rd #   Pos Name
1  15  DE  Bruce Irvin
2  47  LB  Bobby Wagner
3  75  QB  Russell Wilson
4  106 RB  Robert Turbin
4  114 DT  Jaye Howard
5  154 LB  Korey Toomer
6  172 CB  Jeremy Lane
6  181 S   Winston Guy
7  225 DE  J.R. Sweezy
7  232 DE  Greg Scruggs

Querbeet geprügelt wurde Seattle für diese sich uns bietende Klasse. Die Kritik fokussierte sich vor allem auf den einen Namen: DE Bruce Irvin, ein pfeilschneller Pass Rusher von West Virginia mit einer turbulenten Lebensgeschichte. Irvin gilt als „reach“, d.h. wurde dem common sense nach viel zu früh gedraftet (oder anders: Seattle hätte mit einem Trade nach unten Gegenwert und Irvin bekommen können). Nun weiß man nie, wie sich andere Teams wie bsp. die Jets verhalten hätten; Seattle und sein HC Carroll wollten Irvin um jeden Preis und dürften ergo gut damit leben. Dass ein schneller Pass Rusher eine große Hilfe sein würde, davon war man ausgegangen (gegen Draftende folgten zwei weitere Ends).

Die interessantesten weiteren Picks in einer ansonsten extrem defensivlastigen Draft (8/10 sind Abwehrspieler) sind die beiden Angreifer. QB Russell Wilson, der in der dritten Runde – einer Zone, die dem Strategiepapier nach Perspektivspielern für 2014 vorbehalten ist – kam, ist ein Kleinwüchsiger (1,80m) für einen Quarterback, aber flott bei Fuß. Nun kommt Wilson haarklein zu einem Zeitpunkt, an dem man sich in Seattle mit QB Flynn eine relative Unbekannte für drei Jahre und teures Geld angelacht hat – Wilsons Einberufung riecht nach Absicherung für ein eventuelles Scheitern Flynns. Und mobil sind beide Männer zur Genüge… Dazu RB Robert Turbin, ein „grinder“ von den Utah State Aggies, der dem oftmals recht fußlahmen Laufspiel der Seahawks einen Rhythmuswechsel beibringen dürfte.

Nun ja. Es ist der zweite Seahawks-Draft in Serie, der relativ stark kritisiert wurde. In den letzten beiden Jahren der Versuch, die Offensive Line zu zementieren (selten eine schlechte Idee), heuer den Pass Rush aufzupeppen und mit der Hoffnung auf den QB-Retter. Gefällt.

St Louis Rams

Rd #   Pos Name
1  14  DT  Michael Brockers
2  33  WR  Brian Quick
2  39  CB  Janoris Jenkins
2  50  RB  Isaiah Peed
3  65  CB  Trumaine Johnson
4  96  WR  Chris Givens
5  150 G   Rokevious Watkins
6  171 K   Greg Zuerlein
7  209 LB  Aaron Brown
7  252 RB  Daryl Richardson

In Tennessee bekam Jeff Fisher immer mal wieder Draftklassen der Güteklasse: Athleten aus kleinen Universitäten und schwierige Charaktere. Die Rams-Klasse von 2012:

[X] kleine Universitäten
[X] schwierige Charaktere

Dreimal „Small-School“ in den ersten fünf Picks für St Louis: Quick, Jenkins und Johnson kommen aus der FCS (ehem. Division 1-AA), und wenigstens letztere beide (plus WR Givens) gelten als nicht unbedingt leicht zu handhabende Jungspunde.

DT Michael Brockers ist die „Entschädigung“ dafür, dass sich St Louis gleich zweimal nach unten tradete (von 2 auf 6 auf 14): Ein Tackle der Marke boom or bust – gesegnet mit Fähigkeiten der Güteklasse Ndamukong Suh, aber roh wie die Eier aus dem Stall. Trotzdem sammelt sich in der Front-7 der Rams still, heimlich und leise eine Serie an hohen Draftpicks zusammen.

Die Skill-Players für den stagnierenden QB Bradford sind die beiden WR Quick und Givens und RB Peed. Ersterer gilt als besonders entwicklungsfähig, hat aber auch mangels Konkurrenz und adäquater Spielsysteme am College noch nicht wirklich viel NFL-Komplatibles gesehen. RB Peed soll mittelfristig den jahrelang versauerten RB Steven Jackson ersetzen und dürfte in den ersten Jahren vor allem als dessen „change of pace“-Back fungieren.

Für das viel kritisierte und von Verletzungen gerüttelte Defensive Backfield kommen zwei vieldiskutierte Leute aus der FCS, wobei Janoris Jenkins bereits jahrelange Erfahrung bei den Florida Gators hatte sammeln dürfen, aber nach dem xten Kind der xten Frau und diverser Drogendelikte geschmissen worden war. Nicht nur ein Experte sieht in Jenkins das größte Cornerback-Talent in diesem Draft, wenn wir nur den Charakter ausschalten könnten. Ähnliches galt laut Mayock für Trumaine Johnson: FCS, enormes Potenzial, aber nach Rangeleien auf College-Partys nicht über den besten Ruf verfügend.

Aus der Zone „Entwicklungsspieler“ kommen noch ein Kicker (Zuerlein) sowie ein Guard mit einem genialen Vornamen: Rokevious Watkins. Die Rams werden in den nächsten beiden Jahren nach dem Griffin-Trade jeweils mit zwei Erstrundenpicks beginnen können und dürften zusätzlich mit den Draftklassen von 2012 und 2011 solide Grundlagen für die Zukunft geschaffen haben.