Senior Bowl 2021: Weitere interessante Prospects

Am Vormittag hab ich die Senior-Bowl-Quarterbacks angeschaut. Lass uns jetzt noch auf ein paar andere interessante Talente eingehen.

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Vor der Senior Bowl 2021

NFL Conference Finals sind gespielt und seit die Houston Texans gestern den 65-jährigen Ravens-WR-Coach David Culley als neuen Headcoach aus dem Hut gezaubert haben sind alle sieben offenen Cheftrainerposten für 2021 besetzt.

Wir können den Fokus also schön langsam in Richtung NFL Draft schieben. Dort findet zur Stunde quasi der Auftakt zur Scouting-Saison statt, denn es ist Senior-Bowl-Woche.

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Draftsenioren

Letzte Ausläufer der NFL-Saison 2018/19 mit der morgigen Pro Bowl und der nächste Woche anstehenden Super Bowl, doch 30 von 32 Mannschaften befinden sich bereits voll im Modus „Blickrichtung Zukunft“. Sprich: Offseason. Ein Thema dabei sind die Coaches, ein anderes Thema ist das Kadermanagement. Weiterlesen

Senior Bowl 2015

Heute Abend, 21h findet die Senior Bowl in Mobile/Alabama statt (live NFL Network/Gamepass). Sie ist ein All-Star Auswahlspiel von Draft-Prospects, die ihre Zeit am College als Seniors (vier Jahre) beendet haben und sich nach einer Woche Vorbereitung mit NFL-Trainerstäben ein letztes Mal in realer Spielsituation den Scouts präsentieren wollen. Weiterlesen

Senior Bowl 2014 Preview

Nachtrag für die Chronik: Das NFL-Network (empfangbar über den NFL-Gamepass) überträgt natürlich die Senior Bowl live. Kickoff 22h MEZ.


Kein footballfreies Wochenende dieser Tage: Heute Abend, 22h findet der Senior Bowl 2014 statt, ein Auswahlspiel von ausgewählten Draftanwärtern, die zumindest vier Jahre aus der Highschool sind (oder vier Jahre am College gespielt haben und „Seniors“ waren). Veranstaltungsort ist Mobile/Alabama, ein kleines Provinzstädtchen, das schon die ganze Woche über eine Schar an Scouts, Journalisten, Funktionären und Scouts beherbergt.

Die Senior Bowl ist nicht das einzige, aber dafür das bekannteste Auswahlspiel an College-Prospects für den Draft. Es spielt ein „Nord-Team“ gegen ein „Süd-Team“, wobei die Spieler relativ willkürlich den beiden Teams zugeordnet werden. Coaches sind diesmal Mike Smith (Atlanta Falcons) für das Nord-Team und Gus Bradley (Jacksonville Jaguars) für das Süd-Team. Die Roster kann man sich auf der offiziellen Senior-Bowl Homepage anschauen; ich schneide hier nur einmal kurz die wichtigeren, bekannteren Prospects an.

Über die Prospects wird auch bei Der Draft im Draftcast No. 8 gesprochen. Nachfolgend meine Gedanken und einiges Aufgeschnapptes zu den Prospects.

Quarterbacks

Die Stars der QB-Klasse 2014 sind heuer nicht die Seniors, auch wenn es interessante Namen gibt. Der bekannteste Senior hat sich nicht zum Spiel angemeldet: QB A.J. McCarron von Alabama schwänzt die Veranstaltung.

Unter den verbliebenen Teilnehmern heute Abend kennt man am ehesten gewiss Clemsons QB #10 Tajh Boyd, noch im Sommer als kommender Superstar gehypt, aber mittlerweile ist man sich nicht mehr sicher, ob seine Würfe genügend Power für die NFL haben; Clemson spielte eine sehr spezielle Offense mit vielen Würfen gegen die Laufrichtung – etwas, das es in der NFL, und schon heute Abend, nicht mehr geben wird.

Boyd spielt im Nord-Team. Die anderen beiden Nord-QBs sind #17 Stephen Morris (Miami Hurricanes) und #3 Logan Thomas (Virginia Tech Hokies), also insgesamt drei QBs aus der ACC. Der Hüne Thomas ist berühmt geworden dafür, trotz seiner Körpergröße extrem athletisch zu sein, aber seine Flauseln hinsichtlich konstant unpräziser Würfe sollen seine Coaches in den Wahnsinn getrieben haben. Thomas ist allerdings die Art Prospect, die dann in der Senior-Bowl Woche doch genug gezeigt haben soll, dass schon erste Trainer trotz seiner lauen College-Karriere neugierig geworden sind.

Morris soll Anlagen eines echten Franchise-QBs haben, aber ähnlich unverlässlich wie Thomas sein.

Im Nord-Team ist der bekannteste QB-Name Derek Carr von Fresno State. Derek ist Davids kleiner Bruder (Dave Carr wurde 2002 als #1-Pick von den Texans gezogen), und seine durchaus interessante persönliche Geschichte habe ich schon im Septemer knapp dokumentiert. Carr gilt als der Typus Quarterback, der sich nicht scheut, die schwierigen Würfe zu versuchen – das wollen Scouts sehen – und er soll gleich am ersten Trainingstag am Montag allen Konkurrenten gezeigt haben, wo der Hammer hängt.

David Fales von San Jose State kennen wir auch schon. Wo man bei ihm Frühsommer noch etwas Buzz kreieren konnte ob seines möglichen Erstrundenpotenzials, wurden im Laufe der Saison immer mehr Stimmen laut, dass Fales einfach nicht genügend Saft im Wurfarm habe; das ging soweit, dass sich der OffCoord von San Jose State zur Bemerkung hinreißen ließ, man habe aufgrund von Fales schwachem Wurfarm einige Plays aus dem Playbook streichen müssen. Das klingt nicht NFL-kompatibel.

Der Dritte im Bunde im Nord-Team ist der mir bisher unbekannte Jimmy Garoppolo, der am College beim unterklassigen Eastern Illinois gespielt hat. Garoppolo soll letzte Woche in einem anderen All-Star Spiel (East-West Shrine Game) faszinierend gespielt haben und richtig geile Downfield-Raketen geworfen haben. Garoppolo wird keine Chance haben gegen die Unkenrufe vom kleinen College, aber man glaubt mittlerweile, dass er durchaus Material für eine zweite oder dritte Runde im Draft sein kann.

Running Backs

Ein eher unbekanntes Sextett an Runningbacks. #20 James White von Wisconsin hat man noch am öftesten spielen sehen: Ein kleiner, recht beweglicher Spieler, aber wenn ich Dinge lese von wegen „White ist ein Speedster“, dann stelle ich mir echt die Frage, ob ich bei dem Namen den gleichen Spieler im Kopf habe.

#24 Jerick McKinnon (Süd-Team) soll ein pfeilschnelles Talent sein. McKinnon spielte am College in der FCS bei Georgia Southern Offense und Defense, und soll entsprechend ziemlich ausgelaugt gewirkt haben. Plus: McKinnon spielte am College in einer echten Option-Offense. Es ist meistens echtes Lehrvideo, solche Spieler zum ersten Mal aus einer I-Formation laufen zu sehen.

#33 Charles Sims (West Virginia) soll extremst wendig sein und sich schon in die Herzen der Scouts gespielt haben. Alle erwarten von ihm heute einige Monster-Plays.

Wide Receivers

Vielleicht zuerst zu den Jungs aus dem Nord-Team. #1 Josh Huff von Oregon gilt als der klassische Spieler, der am College nur von seiner Athletik lebte, der aber noch nicht viel Route-Running trainiert hat und große Konzentrationsprobleme beim Catch haben soll. Andere bekannte Spieler sind #84 Jared Abbrederis von Wisconsin und #16 Michael Campanaro von Wake Forest. Campanaro soll eine Kämpfernatur sein und sich im Training nicht gescheut haben, gegen die besten Cornerbacks in Doppeldeckungen hinein zu springen um die Bälle herunterzuholen.

Auch bei den Wide Receivers: #22 Kain Colter, der frühere Quarterback von Northwestern, der schon bei den Wildcats immer mal wieder als Receiver eingesprungen ist – grad da, wo Not am Mann war. Colter hat in der NFL, wenn überhaupt, nur als WR eine Chance.

Im Süd-Team spielen allerlei flüchtig bekannte Namen wie #1 Mike Davis (Texas), #2 Cody Hoffman (Brigham Young), #83 Kevin Norwood (Alabama) oder #87 Jordan Matthews (Vanderbilt), aber bei allen zieht sich im Vorfeld des Spiels in etwa folgende Beschreibung durch: „man sieht NFL-Potenzial aufflackern, aber in irgend einer Facette des Spiels hat er entscheidende Schwächen…“

Tight Ends

Auch bei den Tight Ends gilt: Die Stars sind Juniors und werden frühestens in der Combine erstmals in Erscheinung treten. Der bekannteste TE heute ist #88 Arthur Lynch von Georgia (spielt im Süd-Team) – ein echt auffälliger Spieler am College in der großartigen Georgia-Offense, aber man befürchtet bei ihm, dass er zu langsam ist um sich in der NFL durchzusetzen.

Offensive Line

Der bekannteste OT ist #76 Seantrel Henderson von Miami/FL, ein 140kg-Bolzen. Soll ein klassisches Problem haben: Zu viele mentale Aussetzer. Das kannst du dir in einer „offensiven“ Position erlauben, weil dort bei solchen Fehlern nicht gleich die Welt untergeht. Aber „Offensive Tackle“ ist Hand aufs Herz eine primär „defensive“ Position – sie schützt zuallererst den Quarterback vor dem Angriff des Defensive Ends. Und wenn du einen Franchise-QB beschützen musst und pro drei Snaps einen Denkfehler begehst, hast du als Offense Tackle ein Problem. Henderson gehört offenbar in die Kategorie, auch wenn er schon qua Vorname am ehesten Star-Potenzial haben soll.

Bei den Guards bekam Baylors #68 Cyril Richardson vor der Senior Bowl recht viel Presse – weil er im Training immer und immer wieder von seinem direkten Gegenspieler DT Aaron Donald verarscht wurde. Donald gilt als möglicher NFL-Star, aber direkt vor den Augen von NFL-Trainerstäben immer und immer wieder lächerlich gemacht zu werden, dürfte Richardson nicht geholfen haben.

Bei den Centern kenne ich keinen Mann. Von Wisconsin ist niemand dabei, also auch kein Grund, jetzt schon näheres über die Position zu schreiben.

Defensive End

Auch hier gilt: Die Top-Noten kriegen die Juniors wie Jadeveon Clowney. Die sind aber natürlich nicht dabei. Von den heute Spielberechtigten ist ganz sicher die #93 Trent Murphy der bekannteste, vielversprechendste Name. Murphy kommt direkt von der Stanford University, wo er – ich schrieb einige Male darüber – der absolut herausragende Abwehrspieler einer der besten Verteidigungen des Landes war. Murphy spielte dort allerdings vornehmlich als OLB in einer 3-4 Defense. Die NFL befindet ihn dafür als zu schwach. Murphy wurde im Training hauptsächlich als DE getestet und während einige seiner Positionskollegen auch Übungseinheiten als OLBs mitmachen durften, soll man Murphy nahe gelegt haben, sich auf DE zu konzentrieren: Zu schlecht soll seine Deckungsfähigkeit sein. Murphy ist ein Hüne mit ca. 1m96, aber ein beweglicher Hüne.

#30 Dee Ford von Auburn wurde im Vorfeld des National-Championship Games bekannt, weil er einer der talentiertesten Klavierspieler des Landes sein soll, und weil er bekannt gab, dass Piano-Spielen seine „wahre Leidenschaft“ sei. Todsünde. Du darfst als Mann mit NFL-Aussichten niemals zugeben, dass es Dinge gibt, die für dich über Football stehen.

Defensive Tackle

Auf dieser Position sollen die Seniors gegenüber den Juniors die Nase vorn haben. Der absolute Superstar ist den Trainingseindrücken zur Folge der DT #97 Aaron Donald von Pitt – ein Mann, der schon ernsthafte Kandidatur für die Heisman-Trophy abgegeben hat, aber aus Gründen des Körperbaus (nur ca. 1,81m groß, 123kg schwer) überall nur als 2nd-Round Pick gelistet war. Dann kamen die Trainingseinheiten, und Donald soll alles pulverisiert haben, was sich ihm in den Weg gestellt hat. Da bahnt sich schon ein möglicher 1st-Rounder an…

Der andere mögliche hohe Pick aus dem Nord-Team ist #99 Ra’shede Hageman von Minnesota, der das komplette Gegenteil zu Donald ist: Ein 1,97m großer, weit über 300 Pfund schweres Monster. Alle glaubten, er sei eine Art neuer Gerald McCoy, aber dann hatte der Coaching-Staff neue Ideen: Hageman soll als „5-technique“ getestet worden sein, eine Position, die in der NFL eher einem Defensive End ähnelt als einem Tackle.

Im Süd-Team ist #90 Will Sutton von Arizona State der Topstar. Sutton ist vom College als extrem quicker Line-Spieler bekannt. Wenn die Berichte aber stimmen, dann sprechen ihm die Scouts die für einen echten Mega-DT notwendige Physis ab.

Linebacker

#7 Christian Jones von Florida State war der mir bekannteste Name. Jones ist für einen Linebacker mit nur ca 105kg relativ leicht, wobei: Mit dem zunehmenden Speed in NFL-Offenses geht auch einher, dass die Linebackers quicker, schneller sein müssen. Deswegen soll das Gewicht nicht mehr das entscheidende Kriterium bei den Linebackern sein. Allerdings gilt die Faustregel: Leichtgewichtige LBs müssen technisch extrem sauber sein um den Kraft-Nachteil ausgleichen zu können. Jones zum Beispiel gilt als technisch zu unsauber und könnte somit ein Kandidat sein, in der NFL zum Safety umgeschult zu werden, wo du es dir leisten kannst, mit der Schulter voran den Gegenspieler anzugehen. Linebacker können sich das gegen zumeist kräftigere Gegenspieler nicht leisten. Das ist in etwa das „Alec-Ogletree-Problem“: Bei Ogletree wusste man letztes Jahr auch nicht, ob das ein guter Linebacker werden würde oder lieber doch Safety.

Ein anderer, vielseitigerer Spieler ist #3 Kyle Van Noy, Codename KVN, von Brigham Young, der am College einer der dominantesten Spieler war. Van Noy gilt als extrem spielintelligent.

#55 Michael Sam von Mizzou soll vornehmlich als OLB gearbeitet haben, auch wenn Sam am College ein klarer End war. Sam soll für die NFL als eine Art „edge rusher“ eingelernt werden – nicht allzu gut in der Deckung, aber solange das Passrushing passt…

Bei einem anderen bin ich erstaunt, wie wenig Buzz er kriegt: Alabamas OLB #52 Adrian Hubbard, einer der auffälligeren Spieler in einer der besten Defenses. Hubbard soll im Training allerdings die Seuche gehabt haben und viel zu oft einen halben Schritt zu spät zum Tackle herangerauscht sein.

Cornerbacks

Die großen CB-Stars heuer sind Seniors, aber sie haben aus verschiedenen Gründen alle für heute abgesagt. Der bekannteste Teilnehmer ist der Iron-Bowl Held #11 Chris Davis, der allerdings in erster Linie als Returnspezialist gilt. Davis soll ziemlich verloren ausgesehen haben, wenn er denn mal in den Drills als Cornerback eingesetzt wurde.

Der CB #23 Jaylen Watkins von Florida soll eine positive Überraschung der Trainingswoche gewesen sein.

Safetys

Der sensationelle Seminoles-Safety Lamarcus Joyner ist nicht dabei, und ich bin mal ehrlich: Ich kenne die andere Jungs nicht. #5 Isaiah Lewis soll nicht wirklich gut ausgesehen haben, dafür sollen die Coaches mit der Physis von #6 Ahmad Dixon (kommt von Baylor) beeindruckt gewesen sein.

Die #14 Dezmon Southward soll unter der Woche als Cornerback getestet worden sein, aber dabei so schlecht ausgesehen haben, dass man ihn mittlerweile zum Strong Safety „gedowngradet“ hat (im Sinne von „kann keine Coverage spielen“ – aber Southwards Physis soll hilfreich sein).


Senior Bowl, das ist meistens ein Spiel, das man sich schon ansehen kann. Die Prospects spielen eigentlich soweit es geht rücksichtslos durch, und nur wenige haben Angst vor Verletzungen vor der Combine – die ist heuer übrigens auch ein wenig später als gewohnt, weil die NFL den Offseason-Kalender streckt. Damit ist auch die Chance höher, dass sich die Prospects nach etwaigen Blessuren besser für die Combine erholen können.

Vor der Senior Bowl 2013

Heute Abend gibt es im NFL-Gamepass ab 22h LIVE die Übertragung der Senior Bowl 2013, einem Auswahlspiel der besten eingeladenen Draftanwärter, die wenigstens vier Jahre am College mit dabei waren (ergo “Seniors” sind). Die Veranstaltung kommt aus dem Dörfchen Mobile in Alabama, wo sich schon die ganze Woche Spieler, Funktionäre, Scouts und Journalisten aufhalten und in zahllosen Trainingseinheiten ein Stimmungsbild von einigen der besten Seniors machten. Es ist nicht das einzige „Allstar“-Spiel im Draft-Vorfeld, aber jenes mit der meisten Aufmerksamkeit und den meisten Scouts. Es wird ein Nord-Team gegen ein Süd-Team spielen. Die Senior Bowl gilt auch als letzter Test vor dem Combine Ende Februar in Indianapolis. Coaches sind Jim Schwartz/Lions für das Nord-Team und Dennis Allen/Raiders für das Süd-Team.

Ein kurzer Blick auf ein die bekannteren Namen im Teilnehmerfeld. Die kompletten Lineups kann man sich auf der offiziellen Seite runterladen.

Quarterbacks – Nachdem die beiden größten Namen aus unterschiedlichen Gründen absagten (Geno Smith = Combine ist mir wichtiger, Matt Barkley = verletzt), dürfte der Arkansas-QB Tyler Wilson das beste Prospect sein: Wilson schaute in der „alten“ Petrino-Offense mit teilweise tollen tiefen Bällen wie ein Top-Pick aus, soll aber diesen Herbst (Petrino war wegen Weibergeschichten gefeuert worden) verletzungsgeplagt keine gutes Saison gehabt haben. Wilson soll allerdings keine gute Trainingswoche hinter sich haben.

Mike Glennon/NC State ist ein Hüne vor dem Herrn, gilt aber als unpräziser Werfer auf Mitteldistanzrouten. Landry Jones/Oklahoma habe ich oft thematisiert: Sieht eigentlich wie ein guter Werfer aus, bleibt aber häufig blass. EJ Manuel/FSU war für mich als beweglicher Athlet stets mehr Hype denn erbrachte Leistung, aber es steht außer Zweifel, dass das „Rohmaterial“ bei Manuel gigantisch ist.

Bei Ryan Nassib/Syracuse schwärmen immer mehr Scouts von seiner NFL-Kompatibilität, aber bei mir hat sich bei Nassib eine eher lauwarme „arm strength“ eingeprägt. Nicht eingeladen ist übrigens der famose Collin Klein/Kansas State; Klein spielte schon in einem anderen Allstar-Spiel und bestätigte dort die Vorurteile gegen ihn als Spielertypus („nicht präzise, komische Wurfbewegung, sabber, fasel“). Die Vorstellung war zu wenig, um noch durch die Hintertür zur Senior Bowl zugelassen zu werden.

Running Backs – Die Topleute sollten die beiden kleinwüchsigen Kenjon Barner/Oregon und Andre Ellington/Clemson sein, flinke, wendige Leute ohne Option auf die Arbeitstiere hinter Center und Guard. Dies sollte eher für Stanfords Stepfan Taylor gelten. Mike Gillislee/Florida und Jonathan Franklin/UCLA gelten als Geheimtipps. Franklin kenne ich nur in Auszügen, soll ein famoser „all-around“-Back sein, und Gillislee hat es mir angetan als Mann, der häufig dem Tackler geschickt genug ausweicht, um immer noch ein, zwei Yards for free mitzunehmen.

Wide Receivers – Viel Boohay wurde um den ehemligen Michigan-QB Denard Robinson gemacht, dessen Wurfqualitäten lange nicht zur QB-Karriere in der NFL reichen, dem man aber fantastische athletische Voraussetzungen ansieht; dumm allein, dass Robinson sich als Butterfinger erwiesen haben soll – er wird heute spielen und wir dürfen schon jetzt mitzählen, wie häufig man ihn als „Wildcat“-QB ansagen wird… Auch viele andere eingeladene Receiver gelten als pfeilschnelle Leute, aber mit guten Händen: Wheaton/Oregon State, Marquise Goodwin/Texas oder Terrance Williams/Baylor. Der groß gewachsene und stämmige Chris Harper von K-State soll auch mit einem guten Spiel seine Aktien steigern können.

Tight Ends – Der hoffnungsvollste Senior Tyler Eifert von Notre Dame fehlt verletzt. In seiner Abwesenheit gilt Vance McDonald von der Rice University als interessantester Mann. In der Bowl Season konnte man McDonald häufig als verkappten Wide Receiver in der Aufstellung bewundern. Auch dabei: Der Riese Jack Doyle von Western Kentucky, den man ebenso in der Bowl Season nicht übersehen konnte.

Offensive Line – Als möglichen Erstrundendraftpick kann ich einmal mehr OT Eric Fisher von Central Michigan ankündigen. Fisher wird in diesem Spiel eine Latte an guten Passrushern antreffen, und kann bei entsprechender Vorstellung ein mächtiges Statement abgeben. In den Trainingseinheiten sagte man Fisher wechselhafte Leistungen vor.

Defensive Line – Enorm viele der prognostizierten Anwärter (z.B. Björn Werner) sind „underclassmen“, also keine Seniors, und entsprechend nicht im Senior Bowl dabei. Drei Defensive Ends dürften für Aufsehen sorgen: Der ghanaische Rohdiamant Ezekiel Ansah/BYU, der noch keine zwei Jahre Football spielt, aber wegen seiner Statur als potenzieller 1st-Rounder gilt, Alex Okafor/Texas, wie so viele Texas-Abgänger extrem athletisch, aber häufig wenig detailverliebt und Margus Hunt/SMU, der die Hawaii Bowl an Heiligabend im Alleingang dominierte und gewann. Bei den Tackles sollten Kawanne Short/Purdue und John Jenkins/Georgia die meistdiskutierten Leute sein, wobei Jenkins als wandelndes Übergewichtsproblem gilt.

Linebackers – Diese Position gilt als problematisch für die Senior Bowl, weil es aus nachvollziehbaren Gründen (Verletzungen) als verpönt gilt, mit Nachdruck hart zu tackeln. Man versucht also eher, die Spielintelligenz eines Spielers zu testen. Insofern dürfte es für den bekanntesten Abwesenden Manti Te’o ganz gut sein, dass er sich momentan mit anderen Problemen rumschlägt. In Te’os Abwesenheit gilt K-States Arthur Brown als bester Vertreter bei der Senior Bowl. Khaseem Green/Rutgers war während der Bowl Season ein vieldiskutierter Mann. Bei den OLBs sind keine wirklichen Top-Prospects dabei; Jarvis Jones und Kollegen sind underclassmen.

Defensive Backs – Der große Leader der Georgia-Defense, S Shawne Williams, wird ein spannender Mann sein, bei dem sich viele Scouts noch nicht einig über dessen Instinkte in der Passverteidigung sind. Toller Mann von Boise State: CB Jamar Taylor, der als physisch und äußerst lernfähig gilt. Der oft genannte Jonathan Banks/Mississippi State ist auch Senior, scheint im Lineup aber nicht auf; Banks dürfte entweder verletzt sein oder abgesagt haben.

Der Superbowlhalftimeshowdetermining-Blogeintrag oder wenn sich ranke Blondinen um Touchdowns prügeln

Pro Bowl Hawaii

Pro Bowl - ©Flickr

Die NFL macht an diesem Wochenende eine Pause. Zumindest für mich. In der Nacht auf Montag gibt es die Pro Bowl (live bei ESPN America), aber ich halte die NFL Pro Bowl für die sinnfreieste NFL-Veranstaltung ever. Ein Spaß-Spiel ohne irgendeinen Wert, in einem halbleeren Stadion, mit sehr zweifelhaften Nominierungen, von denen auch noch die besten Spieler der besten Mannschaften quasi per Spielterminierung nicht teilnehmen können. Und von denen, die teilnehmen könnten, sagen 50% verletzungs- oder motivations(los)bedingt ab. Pro Bowl – ein Muster ohne Wert.

Mal schauen, wie lange die NFL mit dem Schwachsinn noch weitermacht. (Vermutlich solange sie damit eine Einnahmequelle kriegt)

Somit kein NFL-Football an diesem Wochenende. Am Samstag, 29. Jänner, gibt es in Alabama die Senior Bowl, ein Allstar-Spiel für Seniors, also Spieler, die ihr letztes Jahr mit Spielberechtigung an der Universität hinter sich gebracht haben und nun via Draft in die NFL kommen können. Gibt es leider keine Livebilder via TV von.

Ebenso keine Live-Bilder gibt es von einer Veranstaltung in Jacksonville, die für einige in den USA die Superbowl-Halbzeitshow bestimmen wird. Jo, die Black Eyed Peas werden dort spielen und auch unsere Stuben das Grauen lehren. Aber in Amerika hat sich seit einigen Jahren Counterprogramming zu einer Art Lieblingshobby für kleine TV-Anstalten gemacht.

Counterprogramming?

Wer hat im Sommer die Programme der deutschen Sender gecheckt, als Deutschland England und Argentinien verprügelt hat? Sendungen mit Option auf die schönsten Bahnstrecken. Weil gegen Fußball keiner eine Chance hat. In Amerika ist das ähnlich. Die Superbowl ist mehr als ein Spiel. Sie ist ein Festtag und für den übertragenden Sender die Chance, via Werbung Millionen zu scheffeln und im Anschluss an das Spiel seine brandneuesten, besten Serien zu präsentieren. Die Superbowl ist ein Präsentierteller.

Für die anderen Sender ein Horror, weil Chancenlosigkeit gegen das NFL-Finale. Also haben sich ein paar kleine Sender wie Animal Planet was einfallen lassen, um die Leute während der Halbzeitshow auf ihren Sender wechseln zu lassen. Animal Planet bringt Puppy Bowl, ein Footballspiel, wo sich richtige Welpen um Touchdowns prügeln.

Noch genialer ist die Idee der Lingerie Bowl. Lingerie wie Unterwäsche. Dort, wo schlanke Models in knappster Bekleidung Indoor-Football at his best spielen. Eine so großartige Idee, dass seit 2009 gar eine ganze Liga für Unterwäschenfootball existiert.

LFL – Lingerie Football League

Nope. Kein Witz.

Da laufen Teams mit Nicknames wie Passion, Caliente, Breeze, Temptation, Desire oder Charm rum. Die LFL ist sogar richtig erfolgreich, bietet mit einem Spiel inklusive Rahmenprogramm pro Freitagabend nach Eigendefinition einen „Freitagabendunterhaltung für Jungs in den 20ern, die mit Kumpels einen launigen Start ins Wochenende erleben wollen“.

Die Sache ist nicht bierernst zu nehmen, aber es werden durchaus nicht nur Frauen nur nach dem Kriterium Fotomodellfigur ausgesucht, es gibt sogar richtig ordentliche Hits und Schlägereien. Gecoacht werden die Teams u.a. von ehemaligen NFL-Profis wie dem Ex-Ram Yo Murphy, der einst sogar in der Superbowl gegen die Patriots mitgespielt hat.

Am morgigen Samstag, 29.1. werden die beiden Teilnehmer an Lingerie Bowl VIII ermittelt – und damit die beiden Teams, die während der Superbowl-Halbzeitshow auf MTV2 ausgestrahlt wird – bei uns nur via Internetstreams zu sehen.

Die Conference Finals 2010/11

Die Spiele finden als Doubleheader in Jacksonville statt. Beide Conference Finals sehen Mannschaften, die seit Wochen als Teilnehmer feststehen und die sich im direkten Duell in der Regular Season nur noch um das virtuelle Heimrecht gematcht haben.

Das Eastern Conference Final sieht die Philadelphia Passion und die Tampa Breeze. Vor zwei Wochen spielte Philly Tampa in Grund und Boden. Passion ist für die heurige Saison zwar Postergirl Jackie Danico abhanden gekommen, aber die Pass-Offense mit QB Christy Bell und WR Tyrah Lusby gilt als beste ligaweit. Tampa ist dagegen verteidigungsstark und hat ein besseres Laufspiel. Die Breeze werden von Yo Murphy gecoacht, die Passion von Chandler Brown. Als leicht favorisiert gilt Philadelphia.

Das Western Conference Final kommt mit dem Duell Verführung gegen Glückseligkeit, oder Los Angeles Temptation gegen Chicago Bliss, daher. Auch hier gab es jüngst, vor drei Wochen, das Regular Season Finale. L.A. siegte damals in der Overtime, nach gewonnenem Münzwurf. Die Temptation sind so was wie ein Urgestein in der LFL, waren schon bei Lingerie Bowl I als Dream Team dabei und sind die Titelverteidiger. Geputzt wurde in Lingerie Bowl VII… Chicago Bliss! Die haben mittlerweile die Conference gewechselt, da die LFL ja schon im Wachsen begriffen ist. Jetzt treffen die beiden wieder aufeinander. Diesmal eine Stufe niedriger. Hauchdünner Favorit: Los Angeles, wegen QB Ashley Salerno, die als LFL MVP-würdig gilt.

Wir werden sehen.