Samstagsvorschauer – Rivalry Weekend 2017

Großkampftag heute im College Football – und an dieser Stelle eine spoilerfreie Vorschau darauf. Weiterlesen

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SEC East | College Football 2015/16 Preview

ACC (Florida State 2013) und Big Ten (Ohio State 2014) haben die letzten beiden Landesmeisterschaften gewonnen, die Pac-12 gilt als reichste und innovativste Liga, aber die Southeastern Conference (SEC) bleibt die stärkste Liga im College Football. Weiterlesen

Southeastern Conference | Vorschau 2014/15

Die Southeastern Conference (SEC) gilt seit gut einem Jahrzehnt als Königsklasse im College-Football, auch wenn sie in der letzten Saison nach sieben Jahren Regentschaft erstmals nicht den Landesmeister stellte. Am Selbstverständnis der Menschen wird sich deshalb aber fürs erste wenig ändern: Die SEC ist die Liga, in der der schnellste College-Football gespielt wird, in der die meisten Zuschauer ins Stadion strömen, und wo die Folklore gelebt wird wie nirgendwo sonst. College-Football ist in der Region im US-Südosten Ersatzreligion und ein Medium, die Komplexe gegenüber den urbaneren Regionen im Norden zu bewältigen.

Zu Beginn der gewohnte Rundumblick zur besseren Einordnung der einzelnen Mannschaften: Auburn ist der Titelverteidiger, Auburn spielte im BCS-Endspiel, aber auch wenn Alabama in den offiziellen Polls nur als viertbeste SEC-Mannschaft gerankt war, nach SRS stellten sie wenig überraschend die potenteste Mannschaft.

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Record = Bilanz in allen Saisonspielen
Conf. = Record in Conference-Spielen
AP-Poll = finale Platzierung im AP-Poll
SRS = Simple Ranking System 2013/14
SRS-Rank = Platzierung im SRS 2013/14 Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde 2013, Woche 9: Die Auflösung im Fall Nevin Shapiro

Das Spitzenspiel in Woche 9 war eindeutig das Divisionsduell der SEC East, #5 Missouri Tigers gegen #23 South Carolina Gamecocks. In der abergläubischen Welt hatte sich niemand getraut, auf „Mizzou“ zu tippen, aus Angst vor dem „Jinx“, dem Fluch, mit dem man den sympathischen kleinen Underdog belegen würde. Die, die es taten, trauern dem Underdog nun nach: Missouri verlor ein hart umkämpftes Spiel zweier Mannschaften, die in einer Stadt namens Columbia zuhause sind und zwei der letzten drei #1 Recruits aus den Highschools geholt haben (South Carolina mit Jadeveon Clowney, Missouri mit Dorial Green-Beckham).

Der sympathische kleine Underdog Missouri ging mit 24:27 nach Overtime baden, trotz einer 17:0 Führung, trotz der realistischen Chance, auch in der Verlängerung das Spiel noch zu gewinnen. Aber dann versemmelte der Kicker, und die Tigers gingen unter in einem Meer der Tränen. Es dauerte aber nicht lange, da kehrte der Stolz zurück zu Mizzou: Immerhin lieferte man ohne den nominellen Quarterback einem der großen Preseason-Favoriten einen harten Kampf. Jeder, wirklich jeder, lobte nachher das Potenzial, das Gary Pinkel und seine Mannschaft mit der Offense zeigten, und die großartige Defensive Line, in der sich nach Expertenmeinungen viele künftige Profis ins Rampenlicht spielen.

Am Ende war der Held des Tages aber ein anderer: Carolinas glatzköpfiger Quarterback Connor Shaw, der in der ersten Halbzeit mit Nachwirkungen einer Verletzung draußen saß, aber dann, mit hohem Rückstand, wechselte sich Shaw quasi selbst nach neun Minuten im dritten Viertel ein und drehte die Partie für seine Mannschaft. Shaw ist ein unwahrscheinlicher Held, und er sorgte dafür, dass die Gamecocks in der Eastern Division der SEC noch eine Chance auf das Finale haben. Das Standing in der Eastern Division sieht momentan so aus:

No.  TEAM             Conf   OVR
1    Missouri          3-1   7-1
2    South Carolina    4-2   6-2
3    Florida           3-2   4-3
4    Georgia           3-2   4-3
5    Tennessee         1-3   4-4
6    Vanderbilt        1-4   4-4
7    Kentucky          0-4   1-6

Missouri bleibt damit trotz der Niederlage noch vorne, aber die Tigers müssen in den letzten beiden Wochen der Regular Season noch nach Ole Miss fahren und schließen mit einem Heimspiel gegen die Texas A&M Aggies ab. Da gibt es einfachere Lose. In der anderen Division der Southeastern Conference läuft alles auf den Iron Bowl zwischen Alabama und Auburn hinaus, der Ende November stattfindet. Das SEC-Endspiel könnte dann mal wieder zu einem „Play-in“ für das BCS Championship Game werden, aber nur, wenn Missouri bis dahin nicht mehr verliert.

Wie haben sich die Titelfavoriten geschlagen?

Antwort: Gar nicht. Bis auf einen, aber zu dem kommen wir noch. Von den echten Titelkandidaten gab sich diesmal diesmal außer Mizzou, die gegen einen sehr guten Gegner verloren, niemand Blöße. Alabama machte mit den Tennessee Volunteers kurzen Prozess (Endstand 45:10), und zeigte die beste Leistung der Saison; in zwei Wochen geht es gegen Louisiana State (diesmal müheloses 48:16 gegen das unterklassige Furham). Bei Alabama glauben mittlerweile alle, dass die Abgesänge auf die Defense nach dem Spiel gegen Johnny Manziel (Alabama kassierte 42 Punkte) zu früh kamen; seit jenem unheilvollen Spiel ließ Crimson Tide nie mehr als 10 Punkte zu.

Die Oregon Ducks erlegten in beeindruckender und trickreicher Manier die UCLA Bruins aus Los Angeles (Endstand 42:14). Der hoch gejubelte UCLA-QB Brett Hundley machte keinen Stich. Stiche setzten nur die Ducks, unter anderem in Form eines einzigartig frechen „Punt Fakes“, den der Head Coach Mark Helfrich wohl als eine Art Hommage an Chip Kelly ansagte, und der hier als GIF bestaunt werden kann. Die No. 48 war noch nie so allein.

Die Florida State Seminoles gewannen am Ende „nur“ 49:17 gegen North Carolina State, aber der Endstand täuscht, denn die Noles hatten das Spiel schon nach wenigen Minuten mehr als entschieden und gingen als Führende mit fünf Touchdowns aus dem ersten Spielviertel. Jeder Drive führte in die Endzone, egal ob als Pass oder Lauf oder das Trick. Es war eine Freude, aber man konnte getrost und ohne Sorge, etwas zu verpassen, nach diesem Viertel wegschalten, da eh klar war: Niemand stoppt die Noles. Die vielen Granden und die Trainerlegende Bobby Bowden fühlten sich auf der Tribüne an die großen Noles-Teams der 1990er Jahre erinnert.

Ohio State hatte beim 63:14 gegen die Penn State Nittany Lions überhaupt keine Schwierigkeiten; wir werden aber weiter unten in den Standings sehen, dass die Buckeyes im Simple Ranking System längst nicht Welten vor dem Rest der Big Ten Conference anzusiedeln sind. Es ist eigentlich unglaublich, wenn man die Medienlandschaft in den Vereinigten Staaten kennt: Die Ohio State University, Ohio State!, gewinnt unter dem Coach Urban Meyer, Urban Meyer!, jedes einzelne der ersten 20 Spiele (12 in 2012, 8 in 2013), und trotzdem sind sich nun alle einig, dass dieses Team maximal an No. 4 der Big Cows zu reihen ist.

Das nächste Team im Schlepptau ist Baylor, das diese Woche „nur“ 59 Punkte gegen Kansas scorte, was bei diesen Bears fast schon als Punkteflaute durchgehen muss. Die Miami Hurricanes hatten Mühe, sich gegen lowly Wake Forest mit 27:24 durchzukämpfen, und erst ein letzter guter Drive rettete die Canes vor einer peinlichen Schlappe eine Woche vor dem großen Showdown gegen Florida State.

Stanford schlug Oregon State, Clemson fand gegen Maryland nach anfänglichen Krämpfen zurück in die Erfolgsspur, Auburn machte kurzen Prozess mit Florida Atlantic. Das einzige Team aus den Top Ten, das neben Missouri verlor, ist Texas Tech, aber die Niederlage der Red Raiders gegen Oklahoma geht bloß technisch als Upset durch: Wer vor dem Spiel 10 Experten gefragt hätte, hätte wenigstens neunmal die Antwort Oklahoma als Siegertipp bekommen.

Der größte Verlierer des Tages kommt am Ende aus Virginia, denn die Virginia Tech Hokies, in der vergangenen Woche noch an No. 14 klassiert, verloren zuhause gegen die Duke Blue Devils mit 10:13. Die Hokies sind bekannt als defensivstarkes Team, und die Defense war auch stark: Nur 7 komplette Pässe beim Gegner für 107 Yards und vier Interceptions, und nur 91 Yards im Laufspiel für Duke. Das reichte nicht zum Sieg, weil es die eigene Offense zustande brachte, daraus Kapital zu schlagen: Vier Interceptions auch für VT-QB Logan Thomas, und ein verkicktes Field Goal. Die Field Goals machte Duke, aus fast unmöglichen Distanzen jeweils jenseits der 50 Yards, und holte sich nicht nur ein riesiges Upset, sondern mit dem sechsten Saisonsieg auch das Ticket für die Bowl Season. Das ist an einer Uni wie Duke, die sich allein dem Basketball verschrieben hat, ein bemerkenswerter Erfolg.

Das BCS-Ranking sieht nach dem neunten Spieltag dann so aus:

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             8-0    26.5
#2   Oregon              8-0    29.8
#3   Florida State       7-0    31.2
#4   Ohio State          8-0    19.1
#5   Stanford            7-1    18.9
#6   Baylor              7-0    29.9
#7   Miami/FL            7-0    12.3
#8   Clemson             7-1    15.9
#9   Missouri            7-1    20.2
#10  Oklahoma            7-1    10.4
#11  Auburn              7-1    14.7
#12  Texas A&M           6-2    17.1
#13  Louisiana State     7-2    16.2
#14  South Carolina      6-2    14.3
#15  Texas Tech          7-1    10.6
#16  Fresno State        7-0     3.2
#17  Northern Illinois   8-0     4.8
#18  Oklahoma State      6-1    14.6
#19  Louisville          7-1    14.5
#20  UCLA                5-2    14.3
#21  Michigan            6-1     9.2
#22  Michigan State      7-1     9.0
#23  Central Florida     6-1    11.0
#24  Wisconsin           5-2    16.4
#25  Notre Dame          6-2     8.8

Am Samstag folgte der große Klassiker Floridas, Florida State Seminoles gegen Miami Hurricanes. Obwohl beide ungeschlagen sind und in den Rankings nicht durch viel getrennt sind, ist Florida State in den Wettbüros mit 21,5 Punkten favorisiert. Das deckt sich eigentlich ganz gut mit der Differenz im SRS, die 18,9 Punkte plus 3 Punkte Heimvorteil beträgt, also 21,9 Punkte. Wer hätte das vor der Saison gedacht?

Auch die „Cocktail-Party“ Georgia gegen Florida gewinnt wieder an Relevanz, aber nicht in der BCS, sondern nur in der SEC East, die ich eingangs beschrieben hatte: Der Sieger kann noch hoffen. Die beiden Teams sind Nachbarn im SRS, No. 23 gegen No. 24, und Georgia ist mit 1 Punkt favorisiert.

Es gibt weitere gute Spiele am Wochenende: Texas Tech gegen Oklahoma State aus der Big 12 Conference zum Beispiel, oder Michigan gegen den kleinen Bruder Michigan State. Viele erwarten in letzterem Spiel eine Überraschung, denn Michigan State ist mit seiner Defense immer in der Lage, die offensivschwachen Wolverines zu stoppen.

Damit zum non-Football-Teil.

Neues gibt es von Penn State: Die Universität gesteht den Familien der 26 Opfer des Sexskandal um dem pädophilen Assistenztrainer Jerry Sandusky insgesamt 59,7 Millionen Dollar Schmerzensgeld zu. Noch größere News schreiben aber vor dem großen sportlichen Klassiker am Samstag die Miami Hurricanes…

Miami Hurricanes: Das Urteil im Fall Shapiro ist gesprochen

Mitte der letzten Woche hat die NCAA (National Collegiate Athletic Association), der Dachverband im College-Sport, die Strafen in ihrer Ermittlung gegen das Sport-Programm der University of Miami Hurricanes bekannt gegeben. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren, im Hochsommer 2011, veröffentlichte Dan Wetzel, Sportjournalist bei Yahoo!, gemeinsam mit einem Kollegen das Ergebnis einer Recherche über die verrohten Zustände bei Miami [Zusammenfassung bei Sideline Reporter]. Es ging um einen im Stolz verletzten Booster (Nevin Shapiro), der frustriert im Knast auspackte, mit welchen Methoden er bei Miami Spieler beglücken durfte. Von Drogen und Sex über Abtreibungen und ausschweifende Partys war alles mit dabei, und betroffen waren viele heute in der NFL bekannte Namen wie Vince Wilfork, Andre Johnson oder Jonathan Vilma.

Nach dieser Veröffentlichung machte sich die NCAA mit ihrem schweren Apparat an die eigene Untersuchungsarbeit, die andauerte: Zwei geschlagene Jahre vergingen bis zur Verkündigung der Strafen. Das Ergebnis: Neun gestrichene Stipendien über drei Jahre. Nicht neun pro Jahr, sondern über alle drei Jahre.

Der Aufschrei anderer in den letzten Jahren geschröpfter Unis wie Southern Cal (gestrichener National-Title, gestrichene Heisman Trophy), Ohio State (Entlassung vom Cheftrainer) oder Georgia Tech (Aberkennung eines Conference-Titles) ließ nicht lange auf sich warten, aber das Ergebnis zeigte einmal mehr: In der NCAA wird nicht immer mit dem selben Maß gemessen. Immerhin soll es besser werden: Seit 1. August hat der Verband einen neuen Strafenkatalog eingeführt, der einheitlicheres Vorgehen in den verschiedenen Ermittlungen sicherstellen soll.

Der gesamte Fall ist komplex genug um ihn nicht in einigen wenigen Absätzen zu summieren, aber nur so viel: Die Univeristy of Miami entging höheren Strafen auch deswegen, weil sie sich von Anfang an kooperativ zeigte, im Gegensatz zum Beispiel zu Southern Cal, wo man sich die Schuld bis zuletzt nicht eingestehen wollte. Und vielleicht, aber nur vielleicht, spielte im Hinterkopf der Ermittelnden auch der Fall „Sandusky“ bei Penn State mit, der der Kategorie „Skandal im College-Sport“ eine ganz neue Dimension verlieh. Da schauen ein paar Nutten auf Speed plötzlich ganz harmlos aus…

Die NCAA ist derweil selbst immer weiter in der Defensive: Bei besagtem Fall Shapiro war der Aufschrei vor zwei Jahren noch groß gewesen. Ganze Medienmeuten hatten sich über die Universität hergemacht. In diesem Sommer, 2013, wurden ähnliche Regel-Verletzungen bei Oklahoma State bekannt, aber der große Aufschrei blieb aus. Der Ärger konzentriert sich mittlerweile vor allem auf die verstaubte NCAA, die krampfhaft am Amateurstatus der College-Athleten festhält und damit Millionen, ja Milliarden, an denen vorbeiwirtschaftet, die sie generieren: Die Atleten.

Fälle wie die Millionenklage von Ed O’Bannon gegen den Verband, oder das ganz gemeinhin nach außen transportierte Bild einer verkrusteten, trägen alten Organisation, die in der Gegenwart nach einer Daseinsberechtigung sucht, trüben das Image der NCAA als Hüterin von Sitte und Moral im College-Sport Amerikas.

College Football, Week 9 Preview

Das erste große Favoritenstolpern war letzte Woche. Dieses Mal sehen die Ansetzungen wie folgt aus (Ranking-Positionen ab sofort dem BCS-Ranking entnommen):

18h       South Florida - #20 Louisville
21h30     Maryland - #9 Clemson
01h       #3 Oregon - #12 UCLA
03h30 (*) #25 Oregon State - #6 Stanford

(*) Achtung: Heute Nacht wird in Europa die Uhr auf Winterzeit umgestellt; die Amerikaner sind damit eine Woche später dran, also werden alle Partien, die ab 3h (Sommerzeit) angepfiffen werden, für eine Woche nur mit 5h Zeitdifferenz in Europa gezeigt.

Potenzielle ESPN-Player Kandidaten wären:

  • 18h: #23 Central Florida-UConn, #7 Miami/FL-Wake Forest, Akron-Ball State, #16 Texas A&M-Vanderbilt, Minnesota – #24 Nebraska, South Florida-#20 Louisville, Rutgers-Houston
  • 18h30: Virginia-Georgia Tech
  • 20h: Ohio-Miami/OH
  • 20h30: Bowling Green-Toledo
  • 21h: Massachussetts-Western Michigan, SMU-Temple
  • 21h30: UNC-Boston College, Kent State-Buffalo, #18 Northern Illinois-Eastern Michigan, Maryland-#9 Clemson, #14 Virginia Tech-Duke, #2 Florida State-NC State, Illinois-Michigan State
  • 22h: Western Kentucky-Troy
  • 0h: Nevada-UNLV
  • 1h: #3 Oregon-#12 UCLA, #5 Missouri-#21 South Carolina, Kansas-Baylor, ULM-Georgia State, Texas State-South Alabama, LSU-Furman
  • 1h30: Ole Miss-Idaho, #11 Auburn-Florida Atlantic
  • 2h: #4 Ohio State-Penn State, New Mexico State-ACU

Vorsicht, der nachfolgende Block ist schon in MEZ (also Winterzeit!) angegeben:

  • 3h30: #25 Oregon State-#6 Stanford, San Diego State-Fresno State

Um 21h30 und offiziell in Europa nicht bekömmlich: #1 Alabama gegen die Tennessee Volunteers. Letztere beenden damit ihre Wochen der Wahrheit mit Gegnern wie Oregon, Georgia oder South Carolina im Schedule. Alabama ist haushoch favorisiert.

Um mal einen Blick auf ein paar “neue” Teams zu richten, ein bissl genauere Einführung in die Nachtspiele.

#3 Oregon Ducks – #12 UCLA Bruins

1h

Das 1h-Spiel bei SPORT1 US ist #3 Oregon Ducks (7-0) gegen die #12 UCLA Bruins (6-1) aus der Pac-12 Conference. Ich möchte nicht behaupten, dass Oregon dieses Jahr auf diesem Blog unter dem Radar fliegt, aber gemessen an anderen Jahren, yup, war ich vielleicht etwas weniger Oregon-lastig. Das liegt daran, dass ich die Ducks in der post-Kelly Ära noch nicht oft gesehen habe.

Dabei scheint der Übergang von Chip auf den neuen Head Coach Mark Helfrich recht reibungslos von statten gegangen zu sein: Die Offense hat noch immer dasselbe Gesicht, ist höchstens eine Spur „zentrierter“ geworden. Etwas wortreicher soll das heißen, dass der Angriff QB-lastiger geworden ist, auf Marcus Mariota, den hawaiianischen Wurfkünstler, der schon letztes Jahr massiv aufgeigte und heuer in seinem zweiten Jahr als Starter Heisman-artige Stats auf den Boden bringt. Mariota soll dem Vernehmen nach auch schon in der NFL Interesse geweckt haben. NFL-kompatibel ist auch der Quarterback beim Gegner: Brett Hundley, ein Jungspund, der allerdings auch schon das dritte Jahr aus der Highschool ist und bei Lust und Laune auch 2014 in die NFL gehen könnte.

#5 Missouri Tigers – #21 Couth Carolina Gamecocks

1h

Parallel dazu dürfte es im ESPN-Player #5 Missouri Tigers (7-0) gegen #21 South Carolina Gamecocks (5-2) zu sehen geben (Kickoffzeit 1h MESZ). South Carolina ist auf diesem Blog mittlerweile ein alter Bekannter, einer konstanten, sehr ordentlichen sportlichen Leistung und Charakterköpfen wie Head Coach Steve Spurrier, (ex-)QB Stephen Garcia oder Spielern wie Jeffery, Lattimore oder Clowney sei Dank. Wenige Teams boten in den letzten Jahren bessere Gelegenheit, über sie zu schreiben.

Anders Mizzou, das zwar auch seine Geschichte geboten hätte, z.B. dank Conference-Wechsel von der Big 12 in die SEC, aber: Mizzou umgibt ein bissl das Image der grauen Maus, bei der man schon letztes Jahr nicht ganz kapierte, warum die SEC ausgerechnet sie als 14tes Team einladen wollte. Der letzte Fetzen Sexyness geht der University of Missouri auf alle Fälle ab, und ich gebe zu, mir geht es nicht anders: Im Sommer überlegte ich Uni für Uni im College-Football Countdown, ob ich ihr einen Blogeintrag spendieren wollte; bei Mizzou fiel die Antwort negativ aus.

Vor einigen Wochen entdeckte ich im Simple Ranking System die Tigers ganz weit oben; es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Außenseiter in den ersten Wochen in einem SRS nach oben gespült wird, aber Mizzou blieb nicht nur oben; Mizzou verbesserte sich jede Woche. Vor zwei Wochen wurde schließlich trotz Verletzung von QB James Franklin der BCS-Contender Georgia auswärts geschlagen und ein damit ein fettes Ausrufezeichen gesetzt. Letzte Woche würgte Mizzou die Florida Gators komplett ab; Georgia und Florida, die beiden Topfavoriten der SEC-East 2013, wurden von den großteils ohne Starting-QB und ohne besten CB E.J. Gaines spielenden Missouri Tigers mit insgesamt 34 Punkten geschlagen!

Die Tigers hatten im Laufe der letzten Jahre immer wieder Superspieler im Kader; Head Coach Gary Pinkel gilt auch als relativ guter Recruiter, der die Midlands entlang des Mississippi nach Rohdiamanten abgrast und immer wieder eine Granate aus dem Ärmel schüttelt. Seit Mizzou 2007 um ein Haar ins BCS-Title Game eingezogen wäre, spielten Granaten wie Aldon Smith, Brad Smith (der Wildcat-Smith der Jets und Bills, ein sagenhafter College-QB), Sean Weatherspoon, Ziggy Hood, Sheldon Richardson oder Blaine Gabbert (vergiss dabei mal seine NFL-Entwicklung) an dieser Uni.

Diesmal ist der Skill Player-Corp die bestbesetzte Uni. WR #15 Dorial Green-Beckham war in der Recruiting-Saison 2011/12 der am höchsten bewertete Highschool-Footballer landesweit. Seiner Pressekonferenz zur Verkündung der glücklichen Uni spendierte ich einst einen eigenen kurzen Blogeintrag. In den eineinhalb Spielzeiten seither entwickelte sich „DGB“ gut, aber nicht überragend; andere Leute im WR-Corp gelten als noch besser.

QB bei Mizzou ist seit einigen Jahren der etwas blässliche James Franklin Quarterback; nach dessen Verletzung wurde einfach der nächste Scrambler eingewechselt, Maty Mauk, eine komplette Unbekannte, und Mauk lieferte seither sensationelle Performances gegen die Abwehrbollwerke von Georgia und Florida ab. Pinkel hat da eine großartig besetzte Offense beisammen.

Wie wird sie gegen die nicht minder großartige Gamecocks-Defense aussehen? Wie wird die Offense gegen den ultimativen gegnerischen DE #7 Jadeveon Clowney eingestellt werden? Haut Pinkel die Eier, mehr als eine Handvoll Plays über Clowneys Seite laufen zu lassen, oder folgt er der Blaupause anderer Coaches, die schlicht und einfach die Mehrzahl der Plays in die Clowney-freie Zone ansagten?

Kansas Jayhawks – #8 Baylor Bears

1h

Bei Kansas Jayhawks gegen #8 Baylor Bears (auch 1h MESZ) gibt es die letzte Chance für Baylor, sich gegen einen „eineinhalbt-klassigen“ Gegner einzuspielen auf die höheren Aufgaben aus der Big 12 Conference, die im November in Form von Oklahoma, Texas, Texas Tech oder TCU kommen werden. Wenn Baylor Bears 6-0 sind, ist man immer gerne skeptisch und schielt verstohlen auf den Schedule, und man sieht dann für dieses Jahr noch keinen echten ernst zu nehmenden Gegner.

Aber, meien Herren: Was die Jungs von Head Coach Art Briles da an Offense-Zahlen auf das Parkett zaubern, habe ich in den letzten Jahren noch nichtmal von Oregon, Oklahoma State oder West Virginia gesehen; das ist selbst gemessen für diesen Schedule nichts anderes als atemberaubend. Dass Baylor die krasseste Spread-Offense ever spielt, habe ich schon im Sommer geschrieben. Dass Baylor aber in einer Beständigkeit das Yardage-Duell mit roundabout 700 zu 150 Yards Offense gewinnt: Alle Achtung.

#25 Oregon State Beavers – #6 Stanford Cardinal

3h30 (Winterzeit!)

Ab 4h15 gibt es noch ein wichtiges Divisionsduell aus der Pac-12 Conference: #25 Oregon State Beavers gegen #7 Stanford Cardinal. Oregon State kam mit einer Pleite gegen ein FCS-Team (Eastern Washington?) desaströs in die Saison, aber seither sind die Jungs von HC Mike Riley durchaus beachtlich in Fahrt gekommen. Stanford auf der anderen Seite muss nach der Pleite bei Utah vor zwei Wochen unbedingt eine weitere Niederlage vermeiden, um sich die Chance zu erhalten, im November die Oregon Ducks eventuell doch noch per Auswärtssieg abzufangen.

Akademische Viertelstunde nach der Rückkehr der Giganten

Kollegin Seminole ist noch immer berauscht vom Kantersieg „ihrer“ Florida State Seminoles beim Schlager der Woche in Clemson (ein 51-14 Sieg), durch den die Noles auf #3 in der Erstausgabe der BCS-Rankings 2013 vorrückten. So berauscht, dass die Akademische Viertelstunde heute ausnahmsweise von mir geschrieben wird.

Recap: Clemson Tigers – Florida State Seminoles

Clemsons Fans wollten einen neuen Rekord für Lautstärke in Footballstadien aufstellen, aber das Death Valley war schon zur Halbzeit selbiges: Tot. FSU führte zur Pause unangefochten 27-7, und nur dank eines späten Touchdowns konnte Clemson das Endergebnis kurz vor Schluss mit 51-14 ein Tüpfelchen erträglicher gestalten. Der Blowout fühlte sich wie ein Klassenunterschied an. Die Tigers wurden gekillt.

Wie schrieb Andy Staples von Sports Illustrated so schön?

An entire generation of college football fans has come of age with no recollection of when Florida State was the baddest team in the universe, when Sanders and Charlie Ward and Warrick Dunn and Peter Warrick and Peter Boulware steamrolled nearly every team they played. It has been 13 years since the Seminoles finished a season ranked in the top five of the AP Poll. Within the ACC, the fear of Florida State dissipated with each random loss to NC State or Wake Forest. People forgot how thoroughly a fully realized Florida State team can destroy a quality opponent. On Saturday, when Florida State receiver Rashad Greene put a finger to his lips when he reached the terminus of a 72-yard second-quarter touchdown pass and the Clemson crowd complied with silence, the memories came flooding back.

Quelle: FSU looks like dominant ‚Noles teams of past in rout of Clemson, Andy Staples|SI.com.

Was bleibt vom Spiel? Ein sensationeller QB #5 Jameis Winston, der nicht nur großartige Stats lieferte, sondern vor in der Königsdisziplin brillierte: Unter Druck. Clemson-DefCoord Venables war schon in Oklahoma für fröhliches Blitzen bekannt und blitzte auch Winston munter, aber Winston verbrannte jeden einzelnen Blitz. Das war eine der besten Vorstellungen, die ich von einem College-QB bisher gesehen habe. Und Winston ist erst Freshman. Scary, scary shit.

Es war nicht nur der künftige Top-Draftpick Winston (444 Passyards) in der Offense: TE O’Leary und WR Greene jeweils mit über 150yds und krassen Yards-nach-dem-Catch Läufen, aber den Catch des Tages hatte mit Kelvin Benjamin ein anderer. Benjamin scorte den ersten TD auf spektakuläre Weise im Eck am Pylon. Dass der Catch in der NFL nicht gezählt hätte, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Die FSU-Defense war beeindruckend, hielt den hoch gehandelten QB Tajh Boyd bei 17/37 komplettierten Pässen und praktisch null downfield-Passspiel. Gefühlt ging nicht ein einziger Ball über 20yds. Überragender Mann war ein Altbekannter, und ich muss schon wieder in Lobeshymnen verfallen bei einem Mann, den ich für schlicht nicht genügend gewertschätzt halte: Defensive Back-Allrounder #20 Lamarcus Joyner war der Schlüsselspieler, nicht nur wegen der beiden früh forcierten Fumbles, die den Blowout einleiteten und wegen der INT später. Joyner wird praktisch nie als potenziell hoher Draftpick genannt. Das verstehe, wer will. Ich verehre Joyner seit Jahren abgöttisch, und weiß nicht wie oft ich das auf diesem Blog geschrieben habe: Das ist einer der besten Verteidiger, die ich im College-Football kenne. Flexibel, vielseitig, pfeilschnell. Was ist das Problem bei Joyner? Sein Zwergenwuchs?

Jedenfalls hat FSU die erste richtig schwere Aufgabe der Saison mit Bravour gelöst. Es gibt noch große Gegner im Schedule: Die Miami Hurricanes werden am 2. November empfangen, und am 30.11. muss man zu den Florida Gators nach Gainesville fahren – tja, und dann kommt wohl noch das ACC-Finale, wo man erneut Miami/FL vorgesetzt bekommen könnte.

Ein gefährlicher Gegner für FSU ist FSU selbst: Unter Jimbo Fisher vergeigten die Noles noch in jeder Saison ein Spiel gegen einen Kleinen. Den Statement-Sieg haben sie eingefahren. Nun wird es wichtig, gegen die „Jausengegner“ nicht nachzulassen. Nächste Woche kommt NC State. Gegen die verloren die Seminoles letztes Jahr.

Upsets, soweit das Auge reicht

Die Favoriten fielen wie die Fliegen: Fünf Teams aus den Top-10 kassierten Pleiten, insgesamt 8 Pleiten gerankter Teams gegen niedriger eingestufte Gegner. Gehen wir mal die Liste durch (die Nummern in diesem Abschnitt stehen für die AP-Rankings vor Woche 7):

  • #3 Clemson mit besagter 14-51 Klatsche gegen #5 FSU.
  • #6 LSU in letzter Sekunde 24-27 gegen Ole Miss verloren. QB Mettenberger mit 3 INT, und Ole Miss zeigte das, was man von Ole Miss vor der Saison erwartet hatte: Noch nicht gut genug, um eine ganze Saison auf Topniveau durchzuspielen, aber durchaus mit genügend individueller Klasse um ein Topteam an einem guten Tag zu schlagen. Tja, und mit einem fehlerlosen QB Bo Wallace. Das reichte, um per Last-Second Field Goal zu gewinnen.
  • #7 Texas A&M verliert 41-45 gegen Auburn. QB Manziel zwar mit erneut über 500 Total-Yards by himself, aber mit 2 Turnovers und am Ende sogar ausgeknockt. Auburn mit 60 (!) Laufspielzügen und 379 Laufyards und einem RB Tre Mason in Weltklasseform. Ich habe Auburn dieses Jahr noch nie komplett gesehen, aber mehrmals teilweise: Gus Malzahns Jungs sind nicht fehlerfrei, aber sie sind potenziell gut genug, um uns eine eventuell spannende „Iron Bowl“ Ende November gegen Alabama zu bescheren. Auf alle Fälle ist Auburn 6-1 und damit bereits bei doppelt so vielen Siegen wie in der kompletten letzten Saison.
  • #8 Louisville kassierte schon am Freitag eine 38-35 Heimpleite gegen den einzigen halbwegs nennenswerten Gegner im Schedule, Central Florida.
  • #9 UCLA verliert in Stanford 10-24. Dritte Niederlage für UCLA innerhalb von elf Monaten gegen #13 Stanford. Stanfords Pass-Defense machte den Unterschied, hielt den NFL-kompatiblen QB Brett Hundley bei 4.9 NY/A. Ich kann das Duell Stanford @ Oregon nicht erwarten: Da trifft eine der besten Offenses auf die vielleicht beste Defense im College-Football. Bei Stanford ist mir einzig die Offense in manchen Momenten zu pathetisch. UCLA kriegt nächste Woche auswärts das heftigste Los der Saison: @Oregon.
  • #11 South Carolina mit einer 21-23 Pleite in Tennessee dank Field Goal mit auslaufender Uhr. Ich habe das Spiel nicht zur Gänze gesehen, aber der Grund, weswegen die Gamecocks die Partie verloren haben, dürfte in den 2 Turnovers liegen. South Carolina ansonsten in allen statistischen Kategorien etwas besser als Tennessee. QB Shaw wurde ausgeknockt. Für Tennessee natürlich ein geiler, geiler Tag, der erste „Statement-Sieg“ der Ära Butch Jones; die Vols kommen immer besser in Schwung: Teil 1 des brutalen Schedules wurde noch verschissen (u.a. der Abschuss gegen Oregon), aber zuletzt Georgia in die Overtime getrieben und nun South Carolina geschlagen – aller Ehren wert! Bei den Gamecocks spielt übrigens wieder DE Jadeveon Clowney mit, den manche schon abschreiben wollten. Bullshit. Das ist der beste Abwehrspieler nach Suh (und noch klar vor Lamarcus Joyner), den ich im College-Football jemals gesehen habe. Clowney hatte dann zur Krönung auch mal wieder so einen Hit, der in den Highlight-Reels rauf und runter genudelt werden kann.
  • #14 Mizzou#22 Florida (Endergebnis 36-17 pro Mizzou) ist technisch gesehen kein Upset, aber es fühlt sich wie eines an. Mizzou marschierte mit einem komplett unbekannten Backup-QB Maty Mauk an und fuhr über Florida drüber: 500 Offense-Yards. Florida mit sagenhafte schlechtem Output im Angriff: 151 Yards aus 60 Spielzügen (unter 3yds/Spielzug!). Mizzou bleibt ungeschlagen. Das Simple Ranking System sieht Mizzou als eines der drei besten Teams des Jahres.Die Skill-Player in der Offense von Mizzou sind richtige Granaten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass nicht South Carolina, Georgia oder Florida die SEC-East gewinnen, sondern Mizzou? Sicher höher als zu Saisonbeginn angenommen. Und sowohl Georgia als auch Florida haben die Tigers schon geschlagen. Next Up: Mizzou vs South Carolina, nächsten Samstag.
  • Nächste Pleite für #15 Georgia (27-31 gegen Vanderbilt). Bei Georgia schlagen die extrem vielen Verletzungen für die Schlüsselspieler immer böser durch, und auch die Kadertiefe ist längst nicht mehr die, die ein BCS-Anwärter haben sollte. Georiga führte schon mit 13 Punkten, wurde aber in der zweiten Halbzeit komplett platt gemacht. QB Murray nur mit 14/28 für 114yds/1 INT.
  • #20 Washington, bei denen man sich vor zwei Wochen noch fragte, ob sie „for real“ sind, ging böse, böse bei Arizona State unter: 24-53. Washingtons hoch gelobter Angriff mit -5 (!) Rushing-Yards. Sacks zählen im College als Laufyards, aber trotzdem… Arizona State ist übrigens auch so ein Team wie Ole Miss: Zu unkonstant, zu wenig tief besetzt für eine richtig krasse Saison, aber immer für einen Ausreißer nach oben zu haben und deswegen nie zu unterschätzen.

Weitere Favoriten taten sich schwer: #10 Miami/FL kämpfte schon am Donnerstag mit den bisher so enttäuschenden UNC Tar Heels und kam mit einem blauen Auge davon. #17 Texas Tech tat sich schwer gegen das unberechenbare West Virginia. #4 Ohio State mühte sich gegen Iowa.

Da lobt man sich #1 Alabama (52-0 über Arkansas), #2 Oregon (62-14 gegen Washington State) oder #12 Baylor (71-7 gegen Iowa State), die ihre Pflichtaufgaben ohne Pipapo lösten. Zwei Bemerkungen dazu:

  • Das BCS-Rennen vorne wird zum Knüller: Alabama, Oregon, FSU und Ohio State sind ungeschlagen und derzeit „Front-Runner“ (Ohio St vor allem wg. mauem Schedule). Baylor und Mizzou als ungeschlagene Alternativen, deren Hauptproblem die Akzeptanz ist: Man traut diesen kleinen Unis nicht so recht.
  • Nochmal Baylor: Die Bears sind der absolute Hammer. Klar, die Gegner bisher waren keine „Juggernauts“, aber trotzdem: 69-70-70-73-35-71. Keine Lottozahlen ohne Zusatzzahl, sondern die Punktausbeute der Bears-Offense in den ersten sechs Saisonspielen. Oklahoma und Texas kommen noch, aber Baylor empfängt beide zuhause.

Drama für Wisconsin: Die Badgers stehen bei 5-2 und werden in den Rankings zurückgehalten, weil sie ein Spiel gegen Arizona State wegen eines Referee-Aussetzers verloren. Das ist schade. Wisconsin könnte durchaus höher gerankt sein. Wenn man vergleicht, dass Michigan ähnlich gut eingeschätzt wird… Wisconsin würde ich gegen Michigan mit zwei Touchdowns nehmen.

BCS-Rankings, Erstausgabe 2013

Wie setzt sich das BCS-Ranking zusammen? Wie ich schon in den letzten Jahren schrieb, besteht das sagenumwobene BCS-Ranking aus drei Teilen:

  • Coaches Poll von USA Today: Zirka 60 Headcoaches stimmen dort ab. Hauptkritikpunkt ist der Interessenskonflikt der Coaches, die natürlich nur allzu gerne das eigene Team oder Teams aus der eigenen Conference in die Richtung klassieren, die ihnen selbst am meisten hilft.
  • Harris Poll: Ein Retorten-Poll, das 2005 gegründet wurde, weil das AP-Poll aus der BCS austrat. Im Harris-Poll stimmen einige Experten, Altstars und Journalisten ab. Es gab in den letzten Jahren immer wieder Skandälchen, Stichwort Bias und Zuneigung von Votern für Teams aus ihrer Region, und einige der Voter gaben unumwunden zu, den College-Football so genau eigentlich gar nicht zu verfolgen.
  • Computer-Rankings: Die künstliche, pseudoneutrale Ansammlung von 10 Computer-Algorithmen, bei denen jeweils das beste und das schlechteste Ranking jeder Mannschaft eliminiert wird, und daraus ein Durchschnitt kalkuliert wird. Großer Kritikpunkt dieses Rankings: Es darf keine „Margin of Victory“ (Höhe des Sieges) berücksichtigen. Nicht alle Rankings sind (meiner Erinnerung nach) transparent, es konnten bei den wenigen transparenten in den letzten Jahren immer wieder Rechenfehler bzw. falsche Ergebniseingaben (!) nachgewiesen werden. Als „pseudoneutral“ bezeichne ich diese Rankings deswegen, weil ihre Algorithmen im Laufe der Jahre immer weiter angepasst wurden, um den beiden „menschlichen Polls“ möglichst nahe zu kommen – mit all ihren inherenten Befangenheiten.

Jeweils zu gleichen Teilen (ein Drittel) werden diese Rankings für das umfassende BCS-Ranking verwendet. Die #1 spielt im Jänner gegen die #2 im BCS-Championship Game. Notre Dame kriegt eine garantierte Einladung in eine BCS-Bowl, wenn es in den Top-8 klassiert ist. Der beste Champion einer Mid-Major Conference kriegt eine automatische Einladung in eine BCS-Bowl, wenn er an #12 oder besser klassiert ist bzw. zwischen #12 und #16, wobei er in letzterem Szenario auf jeden Fall besser klassiert sein muss als zumindest ein Champion aus einer BCS-Conference.

Generell bleibt festzuhalten, dass die Ranking-Kriterien schwer zu definieren sind: Du musst Sieg/Niederlagen berücksichtigen, ebenso wie Stärke der Gegner; beeindruckende Siege musst du höher einzustufen als knappe usw. Am Ende hat jeder ein ähnliches, aber kein komplett gleiches Bild der Rankings im Kopf.

Sicher ist ein SRS (Simple Ranking System) näher an der „Wahrheit“ als die Pseudo-Computerrankings, die für die BCS-Liste zählen, weil das SRS die Höhe der Siege berücksichtigt, die ihm erst die Vorhersage-Genauigkeit gibt. Aber: Die BCS-Liste soll nicht in die Zukunft schauen, sondern möglichst die „verdientesten“ Finalteilnehmer aussuchen.

War Notre Dame letztes Jahr eines der zwei besten Teams des Landes? Nein, aber das wussten wir alle schon vor dem BCS-Finale. Trotzdem ging die Finaleinladung gefühlt in Ordnung, weil Notre Dame gegen einen respektablen bis schwierigen Schedule ungeschlagen durchkam. Und darum geht es im Sport: Spiele zu gewinnen. Nicht darum, das Torverhältnis (im Football besser: das Punktverhältnis) über 12 Spiele zu optimieren.

Letzteres kann ein Indikator für die „wahre Stärke“ sein; aber im College-Football wird eben nicht immer der stärkste belohnt, sondern eine derjenigen sieben, acht Mannschaften der Saison, von denen man jede nominieren könnte. College-Football würfelt sich in Ermangelung einer besseren Methode aus sieben, acht würdigen Titel-Kalibern zwei glückliche Finalisten aus, die sich den Meister ausspielen.

Ist der Meister immer der beste? Nein, aber auch der Fußball-Weltmeister ist nicht immer die beste Mannschaft der Welt.

No.  TEAM                W-L     SRS
#1   Alabama             7-0    25.8
#2   Florida State       6-0    34.3
#3   Oregon              7-0    28.4
#4   Ohio State          7-0    15.9
#5   Missouri            7-0    23.0
#6   Stanford            6-1    18.7
#7   Miami/FL            6-0    15.0
#8   Baylor              6-0    30.1
#9   Clemson             6-1    16.5
#10  Texas Tech          7-0    12.7
#11  Auburn              6-1    13.8
#12  UCLA                5-1    16.1
#13  Louisiana State     6-2    18.9
#14  Virginia Tech       6-1    10.3
#15  Oklahoma            6-1     8.6
#16  Texas A&M           5-2    14.6
#17  Fresno State        6-0     3.7
#18  Northern Illinois   7-0     4.9
#19  Oklahoma State      5-1    12.7
#20  Louisville          6-1    15.3
#21  South Carolina      5-2    12.9
#22  Michigan            6-1     9.3
#23  Central Florida     5-1    11.1
#24  Nebraska            5-1     7.5
#25  Oregon State        6-1    11.1

Ich gebe zu, ich bin einigermaßen überrascht, dass die Seminoles dank der Computer-Rankings an Oregon vorbeiziehen, nachdem sie in beiden Polls hinter Oregon zurückliegen. Baylor ist in Coaches- und Harris Poll jeweils an #5 klassiert, aber bei den Computer nur an #12, fällt dadurch auf #8 im BCS-Ranking zurück. Allerdings kriegt Baylor noch gute Gegner in Oklahoma und Texas, und damit Möglichkeiten auf einen besseren SOS. Gefühlt würde ich ganz vorne sagen: FSU > Oregon > Alabama.

Von den Mid-Majors haben im Prinzip nur noch Fresno State und Northern Illinois BCS-Busterchancen. Beide haben allerdings schlechte SRS-Werte. Fresno ist mit seinem Punte-Rating von 3.7 über dem durchschnittlichen FBS-Team nichtmal in den Top-50 des SRS gerankt! Wenn die Bulldogs im MWC-Finale noch einmal auf Boise State treffen, wären sie nach SRS selbst mit Heimvorteil Außenseiter!

Nach SRS sind auch andere Teams in diesem BCS-Ranking überbewertet: Miami/FL und Texas Tech gehören zwar ins Ranking, aber nicht in die Top-10. Oklahoma schaut nicht wie ein Big-12 Favorit aus. Fresno und NIU hatten wir. Michigan und Nebraska sind auch eher untere Kategorie. Dagegen ist das nach SRS sechstbeste Team des College-Football, Arizona State (+19.9), nicht in den ersten BCS-Rankings vertreten (Sun Devils sind 5-2).

Spielerstreik bei Grambling State

Zum Abschluss ein Ausflug weg von der Glitzerwelt der FBS, denn auch in der zweiten und dritten Division wird College-Sport betrieben – und folglich ist auch folgende Geschichte College-Football.

Aus der FCS, der zweiten Ebene des College-Footballs: Die Spieler von Grambling State haben am Wochenende gestreikt. Der Grund liegt lt. Associated Press in den horrenden Bedingungen, unter denen die Spieler arbeiten müssen: Da ist von Schimmel in den Facilities die Rede, von verunreinigter Spiel-Ausrüstung, die zu bakteriellen Infekten in Teilen der Mannschaft führte. Die Sportabteilung ist quasi pleite, die Spieler müssen selbst ihre Ausrüstungen bezahlen, und bekommen keinen Schluck Gatorade mehr gratis. Das Fass zum Überlaufen soll dann die Entlassung vom Head Coach Doug Williams (Ehemaliger der Uni, Superbowl-Champ als erster schwarzer Starting-QB mit Washington) letzte Woche gebracht haben.

Grambling State ist keine unbekannte Uni: Als HBCU (historisch gewachsene Uni für Schwarze) spielt man in der SWAC (Southwestern Athletic Conference) mit, einer Conference, die sich nicht an den FCS-Playoffs beteiligt. Vor zwei Jahren stand Grambling State im SWAC-Finale, wurde bei ESPN America gezeigt. Dieses Jahr war man 0-7, und ist jetzt 0-8, da das bestreikte Spiel gegen Jackson State mit 0-1 gewertet wurde – dem Ergebnis, das im Football als einziges neben „1-1“ technisch unmöglich zu erreichen ist, sobald es angestoßen wird.

Die Akademische Viertelstunde, Woche 2: Straucheleinheiten

Zwei Spieltage der Regular Season sind vorüber, und der zweite Spieltag hat einige Favoriten stolpern sehen. In Miami und Athens (University of Georgia) sprießt die Hoffnung, während in Austin (University of Texas) und Los Angeles (USC) tiefe Depression herrscht. Am heikelsten ist die Lage jedoch an einer Uni in Oklahoma, wo sich ein Unwetter zusammenbraut. Ein Rundblick auf das Geschehen im College Football zu Beginn dieser Saison. Weiterlesen

College Football 2013/14, Week 2 Preview

Heute geht es weiter mit dem zweiten Football-Großkampftag an Amerikas Universitäten. Vor dem Einstieg noch eine kurze Recap zur Woche 1:

  • Alabama mit einem auf dem Papier souveränen 35-10 über Virginia Tech, aber in Wahrheit war das eher mau, mit viel Special Teams. Alabama bleibt die #1.
  • ClemsonGeorgia war ein insgesamt exzellentes Spiel zwischen zwei Mannschaften. QB Tajh Boyd spielte sich in den Kreis möglicher 1st-rd Draftpicks, auch wenn die Vorstellung nicht komplett einwandfrei war. Aber Pässe wie dieser famose lange Wurf rechts runter downfield in die Arme des in die Endzone fallenden Backup-RBs sind allerallerallererste Sahne und werden Scouts aufhorchen lassen. WR Sammy Watkins scheint dieses Jahr auch wieder besser aufgelegt zu sein: Der 77yds-TD zeigte alles, was Scouts sehen möchten: Super Catch, exzellente Physis (ließ 1-2 Linebacker einfach abprallen), Willen, downfield zu starten, sensationelle Beschleunigung und das, was man in den USA „closing speed“ nennt. Großartig. Sofern die Drops bei Watkins nur Unkonzentriertheiten wg. Saisonbeginn waren, sprechen wir da über einen Top-10 Pick.
  • Bei South Carolina fusseln viele über die null-Sack Performance von Superstar-DE Jadeveon Clowney. Ich bin überrascht, dass so viele geschätzte Schreiber in den USA Clowney überhaupt „verteidigen“ müssen; das Spiel zeigte IMHO eindeutig und zu 100%, weshalb Clowney der nächste Top-Pick ist. Er dominierte das Spiel nicht nur. Nein, der Gegner richtete seinen Game-Plan allein nach Clowney. Ein größeres Kompliment kannste nicht kriegen. Die Konditionsprobleme ließen sich übrigens mit Virusinfektion erklären. Angesichts der Umstände einer ständig bedrohten Pocket fand ich übrigens UNC-QB Renners Leistung mehr als akzeptabel.
  • Texas A&M mit lange Zeit Besorgnis erregender Abwehrleistung.
  • Das LSU-Spiel habe ich schon im Liveblog ausführlicher zusammengefasst; beide Teams mit guten Vorstellungen. LSU ist absolut ein BCS-Contender, trotz hammerhartem Schedule.
  • Bei FSU erfüllte Freshman-QB Jameis Winston nicht bloß die hohen Erwartungen, er übertraf sie. Gigantisches Debüt für Winston (25/27 für 356yds, 4 TD; 6 Carries, 34yds, TD/eine nicht gegebene Completion + okay, eine Fast-INT). Pitts Defense ist nicht überragend, aber auch nicht unterirdisch – insofern: Gigantisches Debüt, hatte ich so nicht erwartet. Winston hat übrigens eine etwas bizarre Wurfbewegung, aber die Bälle kommen trotzdem wie Raketen mit Top-Speed raus.
  • Höchste Niederlage für Boise State (6-38 in Washington) in der Ära Chris Petersen. Erstaunlich leblose Offense (u.a. 3.8yds/Passversuch). Hab Youtube-Ausschnitte gesehen: Washington-QB Price sah wie verwechselt aus. Wenn das der neue Price ist, sehen wir den irgendwann in der NFL wieder, zumindest als Backup.

Die ersten AP-Rankings kann man unter diesem Link nachlesen. Damit zum heutigen Spieltag, einem Tag mit nur wenigen Ansetzungen (wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, spielen z.B. 35 Mannschaften (!) gegen Gegner aus der FCS/Football Championship Subdivision, der zweiten Ebene im College Football):

Übertragungen

SPORT1 US

18h   Miami - #12 Florida
21h30 Virginia - #2 Oregon
02h   #17 Michigan - #14 Notre Dame

EUROSPORT 2

21h30 Penn State - Eastern Michigan (Tape)

ESPN-Player

18h   Miami/FL-Florida
18h   Michigan State-South Florida
18h   Kentucky-Miami/OH
18h   Tennessee-Western Kentucky
18h   Temple-Houston
18h   Kent State-Bowling Green
18h   Louisville-Eastern Kentucky
18h   Illinois-Cincinnati
18h30 Clemson-South Carolina State
18h30 UNC-Middle Tennessee State
19h   Ball State-Army
19h30 Virginia Tech-Western Carolina
20h   UMass-Maine
21h   Boise State-Tennessee Martin
21h   Central Michigan-New Hampshire
21h30 Mississippi State-Alcorn State
21h30 Oklahoma State-San Diego State
21h30 Virginia-Oregon
21h30 Missouri-Toledo
22h   Maryland-Old Dominion
22h30 Memphis-Duke
22h30 Georgia-South Carolina
00h   NC State-Richmond
00h   Akron-James Madison
01h   Brigham Young-Texas
01h   Louisiana State-UAB
01h   Troy-Savannah State
01h   Texas A&M-Sam Houston State
01h30 Auburn-Arkansas State
01h30 Vanderbilt-Austin Peay
02h   Michigan-Notre Dame
02h   SMU-Montana State
04h   Fresno State-Cal Poly

Miami Hurricanes – #12 Florida Gators

Canes-Gators ist die unspektakulärste der großen Rivalitäten im College-Football Floridas, und es ist ein Duell, dessen Zukunft mal wieder in den Sternen steht. Was an der Ansetzung erstmal überrascht, ist die Zeitansetzung: 12h mittags in Miami! Wie liest man über die mörderische Hitze in South Beach, und das Sunlife Stadium ist keine 20km entfernt! Normalerweise würde man erwarten, dass The U gegen einen Gegner wie Florida ausnahmsweise mal einige tausend Zuschauer ins Stadion bringt, aber bei den Temperaturen…

Zum Sportlichen: Florida ist mir weiterhin ein Rätsel: Die Mannschaft hat keine Offense. Gegen Toledo wurde mit aller Gewalt ein Laufspiel über RB Brown durchgedrückt, aber QB Driskel war bestenfalls unbeständig. Es reichte, weil die Defense einen unterklassigen Gegner komplett abwürgte. Obwohl: So unterklassig ist Toledos Offense eigentlich nicht, und sie machte keinen Stich! Das, obwohl einige der besten Verteidiger fehlten. Miamis Angriff ist noch etwas besser als Toledo, in QB Morris und vor allem RB Duke Johnson gibt es ernst zu nehmende Optionen. Können die Gators erneut so eine Abwehrschlacht liefern? Und wenn ja: Was ist Muschamps Plan, um Johnson zu stoppen?

Oft geschrieben, aber immer noch fehlt mir der Glaube: Ist Florida gut genug? Kann man mit so einer Spielweise wirklich heil durch eine Saison in der SEC kommen? Dieses Spiel wird uns Aufschlüsse gegen, da Miami ein erster Prüfstein von Format ist – zumal zuhause.

#11 Georgia Bulldogs – #6 South Carolina Gamecocks

Das Spiel kommt um 22h30, leider nur im ESPN-Player (edit: scheint leider nicht mehr auf), und es ist in der SEC-East vielleicht schon von vorentscheidender Bedeutung: Eine Niederlage ist kein ganzer Beinbruch hinsichtlich Conference-Ambitionen, aber ein halber. Für Georgia wäre es nach der Auftaktniederlage letzte Woche in Clemson ferner das frühzeitige Ende sämtlicher BCS-Ambitionen.

Das Geile bei jedem Georgia-Heimspiel ist schonmal das riesige Sanford-Stadium in Athens, 92.000 Rabauken und neben den EndZonen wachsen die Hecken (daher auch der oft gehörte Terminus „between the hedges“). Das gibt den Bulldogs ein ganz eigenes Flair.

Sportlich wird sich vieles im Duell von South Carolinas oben beschriebenem superbem DE #7 Clowney gegen die Offense Line entscheiden. Werden die Bulldogs ähnlich wie letzte Woche UNC ihren kompletten Offensiv-Gameplan von Clowney weg konzipieren? Schwierig vorstellbar. OffCoord Mike Bobo ist mir nicht dafür bekannt, sich zu passiv in seiner Ansage zu verhalten. Bobo sucht vielmehr selbst danach, dem Gegner sein Spiel aufzudrücken. Und ganz ehrlich: Georgia hat ganz andere Ressourcen als UNC, um eine Offense gegen einen Superspieler wie Clowney aufzustellen.

Auf der anderen Seite bin ich bei Gamecocks-QB Connor Shaw nicht vollends überzeugt: Erster Mann ist zugedeckt, und Shaw wird nervös, improvisiert sich in einen Strudel schlechter Entscheidungen und muss die Bälle gleich in Serie auf die Tribüne werfen. Andererseits: Physisch war das von South Carolinas O-Line und RB Mike Davis letzte Woche schon sehr beeindruckend.

Ich habe in diesem Spiel keinen Favoriten. Ich weigere mich, Georgia wegen einer knappen Niederlage gegen Clemsons Power-Offense abzuschreiben. Kurzum: Es ist das Spiel an diesem College-Weekend, auf das ich mich am meisten freue.

#17 Michigan Wolverines – #14 Notre Dame Fighting Irish

Michigan und Notre Dame verbindet eine große Rivalität, auch wenn beide Universitäten in ihrer langen Historie vergleichweise erstaunlich selten gegeneinander gespielt haben. Trotzdem kann man sich die Partie schonmal geben, was schon allein am Heimstadion der Wolverines liegt, dem „Big-House“ mit seinen 110.000 Zuschauern – bei Nacht. Nachtspiele in Michigan sind in etwa so zahlreich wie Puffs im Vatikan. Das erste gab es vor zwei Jahren. Gegner damals: Notre Dame. Das Spiel damals: Ein Spektakel allererster Güte, mit einem 35-31 Sieg für Michigan und drei Touchdowns und ebenso vielen Führungswechseln in den letzten 72 Spielsekunden.

Daran wird heute Nacht eher wenig erinnern, denn beide Offenses versuchen verzweifelt, solider, langweiliger zu spielen. Michigans OffCoord arbeitet fieberhaft, die alte I-Formation mit zwei Runningbacks wieder einzuführen. Letzte Woche holten zwar beide Teams Siege, aber die Art und Weise beunruhigte: Beide waren nicht konstant in der Lage, ihre Drives auszuspielen, sondern mussten sich auf Big-Plays verlassen. Beide Defenses waren eher soft.

Ein Knackpunkt heute könnte das Duell der NFL-reifen Defensive Line von Notre Dame gegen eine rundumerneuerte „Interior Offensive Line“ (Center, Guards) bei Michigan sein: Wird Michigan da überpowert, stirbt die I-Formation Offense im Ansatz. Auf der anderen Seite: Notre Dame reist mit QB Tommy Rees als Starter an, was schon qua Rees‘ Standing die Favoritenrolle zu Michigan verschiebt…

Sonstige Spiele im ESPN-Player

Der ESPN-Player hat von den Mittagsspielen nicht unbedingt viele Alternativen zu Canes-Gators zu bieten. Bei #8 Louisville – Eastern Kentucky kann man QB Bridgewater beobachten, aber wie viel lässt sich aus einem Spiel eines Top-Prospects gegen einen bestenfalls drittklassigen Gegner herauslesen? Michigan State South Florida ist insofern interessant, weil der neue USF-Coach Willie Taggert letzte Woche nach einer schwachen Debütvorstellung dermaßen medial auf die Fresse bekam, dass man keinen anderen Eindruck bekommen kann als der Mann coacht ab sofort um seine Zukunft.

IllinoisCincinnati? Cincinnati soll einer der Mitfavoriten in der American Athletic Conference sein, aber interessanter finde ich den Gegner, Illinois. Über zwei Ecken hab ich Verbindungen zu dieser Uni, und ich hege gewisse Sympathien für die Fighting Illini, wie das Team dort heißt. Sportlich waren die letzten eineinhalb Jahre (seit dem 6-0 Start 2011 gab es eine 1-17 Bilanz) katastrophal, und der Anfang 2012 mit viel Tamtam angeheuerte Head Coach Tim Beckman ging schon als lame duck in den Herbst.

Zum Time-Slot der Nachmittagsspiele (ab 21h): Ab 21h Boise State auf dem blue turf gegen das unterklassige Tennessee-Martin. Die Broncos müssen sich nach der verheerenden, weil so ungewohnten hohen Pleite gegen Washington rehabilitieren. Für Abgesänge ist es noch zu früh, aber das Debakel war so krass, dass jedermann die Bronco-Saison bereits als verloren deklariert.

SPORT1 US (plus ESPN-Player) überträgt um 21h30 Virginia#2 Oregon, das eigentlich nicht nach einem Upset riecht. Virginia in Woche 2 zuhause… da hatten wir schonmal was. Kann man mal nen Blick drauf werfen, inwiefern die Oregon-Offense des neuen Headcoaches Mark Helfrich sich von jener des alten Coache Chip Kelly unterscheidet.

Um den Link zwischen Virginia und einem Team des nächsten Spiels, BYU, herzustellen: Die beiden spielten letzte Woche gegeneinander. Virginia und BYU brachten es zustande, eine Partie mit 24 (!) Punts zu generieren. Sensationellerweise gewannen übrigens die Cavs, weswegen BYU heute schon unter Druck steht…

…und zwar um 1h zuhause gegen #15 Texas. BYUs Heimspiele sind schon wegen des Stadionpanoramas stets ein Schmankerl, aber diesmal gibt es durchaus auch Upset-Potenzial. BYU mag letzte Woche katastrophal aufgetreten sein, aber es hat eine hervorragende Front-Seven mit vielen möglichen hohen NFL-Picks, und das schmeckt den nervösen Texas-QBs im Normalfall nicht.

Ab 1h30 AuburnArkansas St. Letzteres Spiel ist das Wiedersehen von Auburn-HC Malzahn mit seiner ehemaligen Uni (Malzahn coachte die Red Wolves 2012). Arkansas St ist keine unterirdische Mannschaft. Auburn wird einen ersten ansatzweisen Test vorgesetzt bekommen. Wie funktioniert die Spread-Offense, bei der man monatelang nicht wusste, wessen Quarterback sie führen soll?

College Football 2013/14, die ersten Eier fliegen!

Blenden wir mal die Querelen um die hiesige Übertragungssituation aus, und gehen wir mit dem, was wir haben: Die Saison im College-Football beginnt wieder. Ich möchte nicht übertreiben, aber das erste Wochenende College-Football ist vielleicht mein größter Favorit im Sportjahr, höchstens noch von einer ersten Spielwoche bei der Fußball-Weltmeisterschaft geschlagen. Auf die Partien der nächsten Tage komme ich zu gegebenem Zeitpunkt zu sprechen. Heute konzentrieren wir uns auf das, was… tja, heute ist (okay, und morgen).

Wo kann ich College Football im Jahre 2013 sehen?

Es gibt diverse Möglichkeiten, um an Bilder von College-Football zu kommen. Auch wenn ESPN America nicht mehr exisitiert, auch wenn die Rechte an den Topspielen aus der SEC (normalerweise der Slot am Samstag, 21h30 MEZ) nicht übernommen wurden, aber SPORT1 US ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein adäquater Ersatz. SPORT1 US überträgt in akzeptablem Ausmaß Spiele, für die in den Staaten ESPN, ABC oder einer der vielen Ableger die Rechte hält. Jede Woche kommen bei SPORT1 US College-Spiele am Freitag und mehrere am Samstag. Nommal: Keine SEC-Toppaarungen (wie z.B. Alabama-LSU oder Alabama-Texas A&M, denn die gehören CBS), keine Toppaarungen aus der Pac-12 (die gehören FOX), aber wenigstens College Football!

SPORT1 US hat auch keine Rechte am ESPN GameDay erworben, der früher immer ab 15h übern Screen schimmerte. Auch ansonsten relativ wenige Magazine, aber ich sag’s mal von meiner Warte aus: Mir ist das komplett wurscht. Ich bin meistens um 17h58 drin und um 05h58 raus und blende alles, was nicht Live-Ware ist so gut es geht aus.

EUROSPORT 2 hält die Rechte an ausgewählten Spielen aus der Big Ten Conference (meistens allerdings „nur“ Unis wie Purdue oder Minnesota). Es sind die Spiele, die in den Staaten das Big Ten Network überträgt, also Spiele zweiter Klasse. Gestartet werden soll erst am 5. Oktober (Woche 6). In Italien scheint allerdings schon ab 7.9. ein Penn State-Spiel bei EUROSPORT 2 auf. Was nicht mehr übertragen wird: Notre Dames Heimspiele. Daran hat ES2 die Rechte verloren.

Wem das im deutschen Sprachraum nicht reicht, der kann zum kostenpflichtigen ESPN-Player greifen: Dort gibt es quasi alle Spiele, die im verlinkten Schedule jede Woche unter irgendeinem Label von ABC, ESPN oder einem Ableger zu finden sind. Der ESPN-Player ist in Deutschland, Österreich, der Schweiz und überhaupt fast allen EU-Ländern außer Spanien und *grrrrrrrrrummel* Italien empfangbar. Da ich diesen Herbst sehr viel on tour sein werde, kann ich es glaube ich verschmerzen. Preis kann ich leider nicht genau benennen, soll aber um die € 120 fürs Jahr liegen, oder ca. € 30 für den Monatspass oder € 12,50 für den Tag… zumindest sind das grob die Umrechnungen vom Schweizer Staatsgebiet. Ich habs dort getestet: 152 CH-Franken fürs Jahr, 35 CHF für den Monat, 15 CHF á Tag.

[Update, Do, 19h49] Die exakten Preise wurden in den Kommentaren mittlerweile genannt: 9,99 € pro Tag, 19,99€ / Monat oder 109,00€ / Jahr. Danke an manuel und Gamecock, SC. [/Update]

In Italien hält SKY ITALIA die Rechte an ausgewählten Spielen, bei denen ich keine Ahnung habe, welchem Rechtepaket sie angehören. Morgen zum Beispiel wird am Nachmittag Fresno St-Rutgers auf SKY Sport 3 aufgezeichnet; ansonsten hört man was von den Rechten an FOX SPORTS-Spielen in den Vereinigten Staaten, aber nächste Woche soll angeblich East Carolina-FAU kommen… Abwarten und Tee trinken.

Das ESPNA-Rechtepaket gehört in Italien wie SKY Murdoch, aber es wird diesen Herbst nicht gezogen: Der geplante US-Sportkanal „Fox Sports 2“ (ich nenne ihn mal so) wird nicht vor Jänner 2014 aus dem Boden gestampft, ergo gibt es kaum bis quasi keinen College-Football in Italien zu sehen.

Was ist neu im College-Football?

Einiges. Zu allererst: Es ist der Schwanengesang für die verhasste Bowl Championship Series (BCS), die zum letzten Mal als Meisterschaftsfindungsdings fungiert, bevor ab 2014 das Playoff-System mit zumindest Halbfinale und Finale eingeführt wird. ESPN hält dann auch die Rechte für diese Spiele bis 2026 und zahlt dafür insgesamt 7.3 Milliarden US-Dollar. Überhaupt ist ESPN der Player schlechthin im College-Football (okay, so neu ist datt nicht):

Zum zweiten gibt es eine quasi-neue Conference in der wahnsinnig inspirierenden American Athletic Conference (AAC), die als Nachfolgerin der Big East Conference gelten darf (Big East gibt es nur mehr im Basketball). Wir haben darüber bereits ausführlicher geschrieben, wen es interessiert. Heute Nacht wird es auch gleich ein Matchup aus der AAC geben, aber dazu komme ich später im Artikel.

Neben diversen Wechseln (Pitt und Syracuse in die ACC, nicht zu verwechseln mit der AAC; Memphis, SMU, Houston und Central Florida in die AAC, nicht zu verwechseln mit der ACC; North Texas, FAU, FIU, Louisiana Tech, Middle Tennessee State, UTSA in die Conference USA; San Jose State und Utah State in die Mountain West; Georgia State und Texas State in die Sunbelt) gibt es auch das Ende der Western Athletic Conference (WAC) im Football zu beklagen: Diese kleine Freak-Conference, in der u.a. Boise State und Nevada zu echten Playern wurden, ist das erste Todesopfer des Re-Alignment Wahnsinns der letzten Jahre. Als Folge wandern Idaho und New Mexico State erstmal in die Unabhängigkeit und bestreiten ihre 2013er Saison als Independents, ehe es in naher Zukunft wohl runter in die zweite Stufe der FBS geht.

ACC, AAC… ich glaube, ich werde es künftig mit einer in den Staaten schon gebräuchlichen Abkürzung „The American“ für die AAC halten, um der Verwirrung ein Ende zu bereiten. Also: ACC = Atlantic Coast Conference. The American = American Athletic Conference, Nachfolgerin der Big East.

Noch ein anderer Name wird neu sein, aber nicht ganz so neu: Die Teams der University of Hawaii werden künftig wieder als Rainbow Warriors auftreten, anstelle von “Warriors”, wie in den letzten zehn Jahren. Das ist das Revival des bereits früher genutzten Team-Namens.

So, und ein Hinweis in eigener Sache: Ich gedenke, künftig die Sendepläne der hiesigen TV-Sender auch auf Facebook zu posten, um nimmer diese Aufsplittung auf viele Preview-Artikel zu haben. Den Sendeplan des ESPN-Players gibt es bei mir nicht, weil ich ohnehin zu spät drauf Zugriff bekomme, aber dafür kann man sich oben besagten Link auf ESPN.com durchschauen.

Die Stunde null

SPORT1 US Programm

Do/Fr 00h00 South Carolina - UNC
Do/Fr 04h30 Fresno St - Rutgers
Fr/Sa 02h00 Texas Tech - SMU

Wdh. gleich in Dutzenden

SKY SPORT 3 (Italien)

   Fr 14h15 Fresno St - Rutgers (Tape)

ESPN-Player

Schedule (nur mit „ESPN“-Label und Unterlabel gekennzeichnete Spiele).

Um Mitternacht, 0h00 (live bei SPORT1 US) geht es los mit dem Duell South Carolina Gamecocks – North Carolina Tar Heels, das Spiel der beiden „Flagship“-Universitäten der jeweiligen Carolina-Staaten. Anders als man vielleicht annehmen möchte, ist relativ wenig Würze im Spiel, was das Stichwort „Rivalität“ angeht. Bis Anfang der 90er spielte man zwar regelmäßig gegeneinander, aber seither ist es erst das zweite Aufeinandertreffen.

South Carolina habe ich schon in der Preview abgearbeitet, und dabei von weiterhin vorhandenen leisen BCS-Ambitionen geschrieben (SC ist an Preseason #6 gerankt). Das Team von Steve Spurrier ist vielleicht nicht mehr so gut wie in den letzten beiden Jahren, hat diesmal aber einen günstigen SEC-Schedule. Heute Nacht geht es nicht um Conference-Bilanzen, sondern darum, einen Fehlstart zu vermeiden, was unangenehmer werden könnte als es sich anhört.

Denn UNC geht mit einer relativ ambitionierten Mannschaft an den Start, die nur deshalb ziemlich anonym ist, weil sie wegen diverser Boosterskandale zuletzt von der Bowl-Season ausgeschlossen war. Seit HC Larry Fedora vor eineinhalb Jahren übernommen hat, wird ein attraktiver Ball gespielt, und in Bryn Renner gibt es einen durchaus NFL-kompatiblen Quarterback.

DE Clowney und seine Kollegen sind also gewarnt.

South Carolinas Heimspielstätte ist ein echt geiles Stadion, aber wer es gerne lieblicher hat, der kann auch parallel den ESPN-Player laufen lassen und zu Kent StateLiberty flutschen. Kent State war letztes Jahr 11-3 und verlor seinen Coach an Purdue, aber der Aufwärtstrend der letzten Jahre war sehr stetig… und dann schoss aus dem Gar Nichts ein unglaublicher Running Back nach oben: RB Dri Archer, der in 159 Versuchen 1429 (!) Yards und 16 Touchdowns lief, für sagenhafte 9.0yds/Carry. Selbst für eine eher mittelmäßige Conference wie die MAC sind das irre Zahlen. Es ist zu verfolgen, ob es eine Eintagsfliege war, denn Archers Zahlen in seinen anderen beiden Jahren lasen sich eher mau (3.9yds/Carry).

Und Kent State hat in DL Roosevelt Nix einen Defensive End/Tackle, den es sich lohnt zu verfolgen: Gebaut eher wie ein schmächtiger Linebacker, macht der Mann mit seiner Explosivität so viele Tackles für Raumverlust wie kaum ein anderer Spieler. NFL-Maß ist er nicht, aber am College sieht der Winzling auf Tackle doch recht flott aus.

Ab 3h15 gibt es (nur im ESPN-Player) mit Vanderbilt CommodoresOle Miss Rebels das Duell zweier SEC-Unis, die ziemlich hochgejubelt werden. Ole Miss, klar, ist eine traditionelle Uni, die auch schon in den 50ern Spitzenteams hatte, und seit Hugh Freeze da ist, ist das Recruiting mit einem Mal so sensationell, dass sich die Experten quer durch die Bank fragen, ob das dort drunten in den Sümpfen von Oxford alles mit rechten Dingen zugeht.

„Vandy“ spielt schon lange in der SEC mit, war aber meistens das Nesthäkchen, das nix zustande brachte. So richtig Mitleid hatte mit den Commodores auch niemand, da Vanderbilt als Privatuni mit elitärem Anspruch auch nicht gerade als Sympathieträger auftritt und auch über keine allzu große Alumni-Gruppe verfügt. Seit Head Coach James Franklin aber am Arbeiten ist, geht es steil bergauf. Franklin ist eine glatzköpfige Erscheinung, neben der du gleich merkst, wohin der Wind weht: Franklin jammert nicht lange rum ob der Recruiting-Nachteile, sondern packt an. Seine Mannschaften spielen tough und physisch.

Das Spätspiel bei SPORT1 US lautet ab 04h30 Fresno State BulldogsRutgers Scarlet Knights. Bei ersteren geht mir diese katastrophale Schlappe zu Weihnachten gegen SMU nicht aus dem Kopf: Fresno legte ein eigentlich großes Debütjahr für Coach Tim DeRuyter hin, und ließ sich dann willenlos abschlachten wie das Opfer auf der Bank. Vermutlich ein einmaliger Ausrutscher. Fresno spielt in der MWC und ist nicht Boise-Kaliber, aber trotzdem ein ernst zu nehmender Mid-Major geworden. QB ist in Derek Carr der kleine Bruder von David Carr, der vor elf Jahren über Fresno den Weg zum #1-Draftpick zu den Houston Texans gefunden hat. Die Offense, die Carr spielt, ist extrem passlastig (letztes Jahr über 4100 Pass-Yards). Rutgers ist bodenständiger, und alles, was der neue OffCoord Ron Prince so anklingen lässt, lässt auf haufenweise 2 TE-Sets und viel Laufspiel schließen. Wer schon für die NFL scouten will, kann mal ein Auge auf deren WR Brandon Coleman werfen, ein 2m-Hüne, den manche angeblich schon in der ersten Runde gehen sehen. Coleman 2012: 93 Anspiele, nur 43 Catches, aber wenigstens 16.7yds/Catch. Okayer Spieler, aber vermutlich noch weit davon entfernt, als 1st Rounder durchgewunken zu werden.

Nacht von Freitag auf Samstag

Morgen, also Nacht von Freitag auf Samstag, geht es weiter bei SPORT1 US mit Texas Tech Red RaidersSMU Mustangs, ein texanisches Duell (ab 02h live). Die Red Raiders mit ihrem gottgleich verehrten Neo-Headcoach Kliff Kingsbury habe ich schon vor Wochen ausführlich abgearbeitet. Bei SMU ist einiges neu, und das beginnt bei der Conference, wo die Mustangs von der C-USA in die The American wechselten. Coach ist immer noch „run’n’shoot“ June Jones, der sich den geistigen Vater der „Air Raid“ Offense (Passgewalt pur) in den Trainerstab holte: Hal Mumme, über den Chris Brown ganze Bücher schreiben könnte.


Soweit der erste Ausblick. Heute Nachmittag geht es noch weiter mit The Countdown, der Preview-Serie im College-Football. Die letzten Drei stehen noch auf dem Programm. Einer heute, zwei morgen.

The Countdown, T-minus 5: South Carolina Gamecocks

The Countdown

#5 South Carolina Gamecocks.
SEC, Eastern Division.
2012: 11-2.

Historisch gesehen sind die South Carolina Gamecocks aus Columbus/Süd-Carolina keines der ganz großen Programme im College-Football, was aber nicht heißt, dass Universität und Mannschaft nicht „ziehen“: Die Fanbasis gilt als extrem loyal und füllte die Hütte selbst in Zeiten, in denen man sieglos durch die Saison stolperte. Und seit mit Steve Spurrier ein ebenso kultiger wie klingender Name auf Head Coach übernommen hat, geht es auch sportlich nach oben.

Steve Spurrier wurde bekannt als einstiger Heisman-Trophy Sieger und späterer Coach-Revoluzzer, der der bodenständigen SEC das Passspiel beibrachte („Fun’n’Gun“-Offense). In South Carolina erinnert nicht viel an diese alten Zeiten, in denen Spurriers Mannschaften Wurfrekorde diverser Art sprengten und Titel abstaubten: Die Gamecocks brillieren vielmehr durch grundsolide exekutiertes Laufspiel, Fehlerminimierung und knackige Defense. In den letzten Jahren war man mehrmals nahe am Durchbruch, scheiterte aber immer wieder knapp, mal, weil man auf Übermannschaften im Conference-Finale traf, mal, weil man ungünstige Schedules spielen musste.

Heuer sieht man einen relativ einfachen Schedule: Man muss zwar in Woche 2 auswärts zum Divisions-Mitfavoriten Georiga, aber die beiden einzigen weiteren Kaliber, Florida und Clemson, bekommt man zuhause serviert. Mit Abstrichen UNC, Vanderbilt und Mississippi State (alle ebenso zuhause) sind die drei einzigen weiteren Teams, von denen man diese Saison Gutes erwarten würde.

Aber wie der Teufel es will, muss man haargenau diesmal mit einem personellen Aderlass fertig werden, der sich gewaschen hat. Der herausragende RB Marcus Lattimore ging in die NFL, aber er wäre wohl sowieso nicht fit gewesen und fehlte auch in den letzten Jahren immer wieder im Krankenstand. Vier der fünf besten Wide Receiver sind gegangen, die fünf besten Linebackers, der zweitbeste Defensive End (Devin Taylor) und der beste Safety (D.J. Swearinger) – das ist Material, das auch eine mittlerweile solide SEC-Uni nicht im Handumdrehen ersetzen kann.

Jadeveon Clowney

Der Mann, der trotzdem Hoffnungen auf eine große Saison macht, ist Superstar-DE Jadeveon Clowney, der als Top-Draftpick 2014 gilt und wirklich eine einzigartige Naturgewalt ist. Es gab in der Vergangenheit immer wieder freakige Athleten in der Defense, die alles in Grund und Boden spielten (vor einem Jahrzehnt Peppers, zuletzt Ndamukong Suh), aber Clowney ist selbst für solch epische Standards ein herausragendes Einzeltalent, bei dem man dankbar ist, wenn man es mal hat spielen sehen. Clowney machte in der Bowl Season einen highlight-trächtigen Tackle gegen einen Michigan-RB, der im Laufe der kommenden Scouting-Periode in der Murmeltierschleife durch den Äther gejagt werden dürfte:

Es ist nicht nur dieser Hit; es ist vor allem die Beständigkeit, mit der Clowney Terror veranstaltet. Clowney ist trotz 115kg schlaksig und fassungslos antrittsschnell und wuchtig. Allein, der Hype um diesen Spieler ist so groß, dass er die Erwartungen fast nicht erfüllen kann.

Und es bleiben viele Fragezeichen: Selbst wenn die Defensive Line dominiert – wer macht dahinter die Tackles? Wie viel Freelancing ist ohne Swearinger überhaupt noch möglich für die Defensive Backs? Was passiert, wenn Clowneys Leistung abfällt?

Gamecocks-Offense

Die Offense hatte zuletzt ein bissl was von Chamäleon, was auch an den vielen Verletzungen lag. Die erste QB-Option ist Connor Shaw, ein mobiler Glatzkopf, der die Tendenz hat, entweder den tiefen Ball zu suchen oder den Checkdown zum nahe stehenden Running Back. Fällt Shaw aus, ist mit Dylan Thompson Kontrastprogramm angesagt: Thompson ist keine Statue, aber er scrambelt vergleichsweise selten und zieht bevorzugt ein Mitteldistanzgewichse auf, das stilistisch völlig von Shaw abweicht. Beiden ist gemein, dass sie trotz ihrer Beweglichkeit viel zu viele Sacks einstecken. Wohin sie dieses Jahr werfen sollen, steht noch aus: Kaum Wide Receiver haben Spielerfahrung vorzuweisen.

Dafür sollte das Laufspiel auch in der Zeit nach dem Genie Lattimore halbwegs passen: Die Offense Line bleibt komplett zusammen und mit Mike Davis gibt es einen relativ guten Back, der irgendwann mal auch in der NFL Fuß fassen sollte.

Nochmal: South Carolina ist diesmal deutlich schwächer aufgestellt als in den letzten Jahren, aber sie haben Glück mit dem Schedule (oder anders: Diesmal hat Georgia den schweren Weg). Wenn der Kader im Gegensatz zu den letzten Saisons diesmal gesünder durch den Herbst kommt, dürfte das Conference-Finale drin sein. Man ist allerdings ziemlich abhängig von der QB-Situation im Angriff und Clowney in der Defense. Ich bin nicht allzu zuversichtlich, was die BCS-Chancen der Gamecocks angeht, aber einen Einbruch erwarte ich auch nicht.

Die Unbekannte: Marcus Lattimore, Running Back

Eine kleine Storyline des NFL-Drafts 2013 wird die Runde sein, in der der Running Back der South Carolina Gamecocks Marcus Lattimore gedraftet werden wird. Lattimore ist der bei weitem größte Name in der heurigen Klasse der Ballträger, gilt nach seiner katatrophalen Verletzung von Ende Oktober aber maximal als Dritt- oder Viertrundenpick (Mayock sah in ihm zuletzt eine 3rd Rounder).

Lattimore bei bester Gesundheit: Megastar. Genialster Running Back neben Adrian Peterson, Jamaal Charles und vielleicht noch Lamichael James, den ich in meinem Leben bisher live gesehen habe. Kräftig, physisch, schleift jeden Tackler drei Yards mit sich, fällt immer nach vorn. Führungsspieler der feinsten Sorte sein.

Leider ist Lattimore nach zuletzt zwei Kreuzbandrissen en suite nicht „bei bester Gesundheit“. Lattimore war bereits zu Beginn der abgelaufenen Saison im College Football nur mehr ein Schatten der Sensation der Jahre 2010 und 2011. Dann kam der 27. Oktober. Beim Gedanken an die Szenen nach seiner letzten schweren Verletzung muss ich immer noch schlucken:

Viel, viel, viel bitterer war die erneute Verletzung von RB Marcus Lattimore. Ich poste aus Pietätsgründen kein Video, aber bei Lattimore dürfte den Eindrücken nach nicht bloß ein Kreuzband gerissen sein. Da ging gestern ein potenzieller Top-Draftpick den Bach runter, entsprechend emotional war Lattimores Familie, waren Lattimores Teamkollegen, und entsprechend könnte die Diskussion, dass für Running Backs das College nur drei verlorene Jahre und zusätzliches Verletzungsrisiko bedeuten, wieder an Drive gewinnen.

Der Moment, als Lattimore unter einem Handtuch vergraben aus dem Stadion gefahren wurde, hatte aber etwas Ergreifendes. Das komplette Gamecock-Team plus drei Viertel vom Gegner verabschiedeten Lattimore persönlich, ein Stadion mit Standing Ovations und Einblender von einem weinenden Lattimore-Clan: Eine solche Wertschätzung und Mutzusprechung sieht man lange nicht alle Tage.

Es war nicht bloß ein Kreuzband gerissen, sondern gleich deren drei. Es werden Analogien zu McGahee anno 2003 hergestellt werden: McGahee konnte sich unter Aufsicht von NFL-Ärzten gut erholen, aber alle seine Versprechen nie gänzlich einlösen.

Lattimores Aktien sollen aber nicht aussichtslos stehen: Dr. James Andrews – der „RG3-Andrews“ – kündigte angesichts des ausgezeichnet verlaufenden Heilungsprozesses an, Lattimore werde „die Welt schocken“:

After his devastating dislocated knee and torn knee ligaments in October, Lattimore, considered a certain first-rounder before the injury, is still in recovery mode. His surgeon, James Andrews, told Lattimore recently that he’s going to shock the world. „I hear he’s working out great,“ said Mayock. Lattimore believes he’ll be healthy enough to start the 2013 NFL season. Is he’s a fourth-round minefield pick? Or might some team desperate for a back go for him a round earlier — or even late in the second round?

In der am Mittwoch beginnenden NFL-Combine 2013 wird Lattimore nur als Interviewpartner für die Teams auftreten.

Neujahrsbowls 2013 Preview

An alle, die den Rutsch unbeschadet überstanden haben: Guten Morgen im neuen Jahr. College Football ist gnadenlos und gesteht uns keine Pause zu; im Gegenteil: Heute folgen die Bowls an dem Tag (Neujahr), an dem vor Urzeiten die Idee geboren wurden, überhaupt Bowls zu veranstalten. Die wichtigste ist heute die Rose Bowl zu Pasadena, die in einem gesonderten Eintrag behandelt wird, wie auch die Orange Bowl. Sie merken: Die BCS (Bowl Championship Series) startet. Zuerst aber das „Aufwärmprogramm“. Weiterlesen

The Return of the College Football zu ESPN America

Die MLB-Playoffs sind gütlicherweise genau so ausgegangen, dass heute wieder die volle Dröhnung College Football gezeigt werden kann. Ab 15h College GameDay aus Gainesville, der Heimatstadt der Florida Gators, und danach zweimal SEC-Derby vs. ein ACC-Klassiker. Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten: Die Conference-Saison kommt in die Gänge, die Saison im College Football gewinnt an Thrill.

Texas A&MLouisiana State birgt abseits des Manziel-Watchings (Manziel ist Freshman-QB der Aggies) Spannung, inwiefern die Tigers nach mehreren blutleeren Vorstellungen mit dem Heimsieg über South Carolina wieder in Schwung gekommen sind. LSU gewann verdient, recht souverän gegen die Gamecocks in einem Spiel.

Die spielen ab 21h30 im Kracher möglicherweise um den SEC-East-Divisionssieg, auswärts bei den Florida Gators. Und ausgerechnet dann droht RB Marcus Lattimore verletzt auszufallen… riecht nach einer defensivorientierten, nicht allzu punktereichen Partie. Ein Knackpunkt, der vor allem im GameDay rauf und runter diskutiert werden dürfte: Steve Spurrier kehrt zurück an die University of Florida. Spurrier war in den 90ern der Head Coach gewesen, der mit seiner Fun’n’Gun-Offense die Gators überhaupt erst auf die Landkarte der Top-Footballprogramme gebracht hatte, und ist spätestens seit dem National Championship 1996/97 eine Legende, ehe er in der NFL aufgrund von eklatanten Problemen mit der Blitz-Protection in Washington grandios scheiterte und dann zu South Carolina ging. Spurrier spricht in Interviews interessanterweise immer noch von we, as und our, wenn es um die University of Florida geht.

Noch zwei andere Teams aus Florida matchen sich am Samstag: Miami Hurricanes vs. Florida State Seminoles ist ein Duell, das Reminiszenzen an die Vergangenheit weckt. Canes und Seminoles waren vor allem in den 80ern und frühen 90ern zwei der College-Programme schlechthin gewesen, mit Spielen mit teilweise bis zu 50 (!) späteren NFL-Profis auf dem Spielfeld. Aus der ESPN-Doku „The U“ war einiges an Thrill zu entnehmen, was diese beiden Rivalen angeht; weil die University of Miami seit Jahren sportlich besonders arg krankt und zuletzt durch Booster-Skandale gebeutelt war, ist die Rivalität etwas abgeflaut, aber beide sehen sich gegenseitig immer noch als Rivalry #1.

Miami spielt normalerweise vor halbleerem Haus im Sunlife Stadium. Wenn es nachts gegen die Noles geht, ist die Hütte aber rappelvoll, und die Stimmung im Stadion ist kaum beschreiblich. Allerdings ist das Gutelaune-Publikum in Miami bei Blowouts auch recht NFL-like schnell verschwunden und wir erleben – wie vor zwei Jahren beim 7-42 gegen die Noles – ein Schlussviertel vor leeren Rängen, während die Fans in – sagen wir – Nebraska auch bei 0-50 fast geschlossen bis zur Schlusssirene im Stadion bleiben.

Spielplan Week 5 bei ESPN America

Der Sendeplan – falls nicht wieder dreimal überarbeitet – ist diesmal voll genug, dass zum ersten Mal seit viiiiiielen Wochen (oder Monaten?) auch wieder ein Footballtape am Sonntagmorgen gesendet wird. Das hatten wir laaaaaaaaange nicht mehr, vor lauter halbstarker Motocrosser.

LIVE

    20.10.2012  15h    College GameDay aus Gainesville
    20.10.2012  18h    Texas A&M - Louisiana State
    20.10.2012  21h30  Florida - South Carolina
20./21.10.2012  02h    Miami/FL - Florida State

TAPES

    21.10.2012  05h30  Syracuse - UConn
    21.10.2012  11h30  Miami/FL - Florida State
    22.10.2012  05h30  Oregon State - Utah
    25.10.2012  11h    TCU - Texas Tech
    25.10.2012  13h30  Tennessee - Alabama
    25.10.2012  16h    Miami/FL - Florida State

Auch TCU – Texas Tech ist nicht uninteressant. TCU muss ohne den suspendierten QB Pachall mit einer umgekrempelten Offense antreten, während die Red Raiders von Head Coach Tommy Tuberville bisher eine überraschend starke Saison spielen und in den mathematischen Rankings ganz, ganz weit vorne zu finden sind.

Bei TennesseeAlabama dürfte es für Head Coach Derek Dooley um Schadensbegrenzung gehen: Dooley kann sich vermutlich keinen Blowout leisten, will er nächstes Jahr noch Coach der Vols bleiben. Gespannt darf man auch hier auf die Stimmung sein: „Rocky Top“ im 100000er-Stadion zu Knoxville ist in sportlich erfolglosen Zeiten wie diesen häufig recht leise drauf, aber gegen Giganten wie Alabama war das Rund mit den extrem steilen Rängen auch in jüngerer Vergangenheit oft rowdymäßig drauf.

College Football 2012/13, Week 7 Preview – Zungenbrecher in Dallas

Die Analyse zum Status quo im College Football inklusive Blick auf die Rankings habe ich gestern abgeliefert. Heute folgt die Vorschau auf den Samstag am siebten Spieltag, der aufgrund der Baseball-Playoffs erneut etwas knapper ausfällt. Beginnen wir mit einer Sprechübung.

Bitte zehnmal en suite „Red River Rivalry“ aussprechen. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Red River Rivalry. Na?

Heute findet die 107. Auflage des Klassikers der Heartlands statt, in der Cotton Bowl zu Dallas: #13 Oklahoma Sooners vs. #15 Texas Longhorns. Über die Historie und Bedeutung des Spieles über den Sport hinaus habe ich letztes Jahr ein Segment geschrieben (erste zwei Abschnitte) – und auch diesmal gibt es Ingredienzien für einen großen Footballabend.

Denn beide Teams stehen nach mehr oder weniger enttäuschenden Heimniederlagen bereits mit dem Rücken zur Wand. Bei den Oklahoma Sooners ist man sowieso gewohnt, dass 1-2 Spiele pro Jahr abgeschenkt werden und man frägt sich allenfalls noch, wie man zum Teufel schon wieder einen BCS-Champion Sooners hatte riechen können (my fault). Bedenklicher ist aber die Situation bei Texas: Trotz des besten Recruitings quer durch alle Programme, durch alle Staaten ist 2012 anscheinend das dritte Jahr graues Mittelmaß hintereinander.

Die Probleme liegen dabei eher in der Defense, was völlig überraschend kommt angesichts der viiielen Sternchen, die die Athleten einst im Recruiting-Prozess zugeordnet bekommen hatten, und angesichts des DefCoords Manny Diaz, der für Pragmatismus aus dem Bilderbuch stand. Die Offense passt halbwegs: QB David Ash spielt erstaunlich effizient, die Running Backs… sind auch ganz okay.

Möglich, dass eine Niederlage gegen Oklahoma – und dabei braucht es nichtmal ein Debakel wie letztes Jahr – das Ende der Ära Mack Browns einläutet. Wir werden es sehen, ab 18h, aus der wunderbaren Schüssel in Dallas.

Der Abend wird „komplettiert“ von MizzouAlabama, was eine klare Angelegenheit zu werden verspricht angesichts der Dominanz der Crimsons bisher. Bei Mizzou habe ich leider keine Informationen, ob der gewaltig gehypte WR Dorial Green-Beckham nach einem Marihuana-Zwischenfall wird spielberechtigt sein.

Das eigentliche Spitzenspiel an diesem Wochenende wird aber erst am Dienstag als Tape bei ESPN America zu sehen sein: #9 LSU vs. #3 South Carolina, wie ich gestern schrieb: Das Duell des echten LSU gegen die bessere LSU-Kopie. Irgendwo vermutet man tief im Innersten seines Herzens immer noch einen Tigers-Sieg, weil man es einfach nicht wahrhaben will, dass die ewig Übersehene, die University of South Carolina, die Abgewichstheit besitzt, um den BCS-Mitfavoriten LSU zu stürzen.

Aber jetzt mal allein gemessen an den Vorstellungen am letzten Wochenende ist den Gamecocks der Sieg nicht bloß zuzutrauen. Er wäre nicht mal eine Überraschung.

Ohne explizit nachgeschaut zu haben, dürfte irgendwann im Verlauf des Wochenendes bei EUROSPORT2 auch #7 Notre Dame vs. #17 Stanford zu sehen sein (Update: Jo, ab 21h30 live). Bei Notre Dame bin ich immer noch baff, dass sie „nur“ an #7 gerankt sind, trotz Ungeschlagenheit, trotz des großen Namens, trotz zweier Zöglinge wie WVU oder Kansas State, trotz der insgesamt wenig gefürchteten Florida Gators. Möglicherweise kann das Spiel für Notre Dame noch wichtig werden, Sprichtwort Quervergleiche Stanford/Oregon/Fighting Irish.

Möglicherweise. Notre Dame spielt nämlich noch einen beinharten Schedule (u.a. USC und Oklahoma).

Programm bei ESPN America

LIVE bei ESPN America

    13.10.2012  15h00  College GameDay (South Bend)
    13.10.2012  18h00  Oklahoma - Texas
    13.10.2012  21h30  Missouri - Alabama

TAPES bei ESPN America

13./14.10.2012  05h30  Colorado - Arizona State
    16.10.2012  10h30  Louisiana State - South Carolina
    17.10.2012  12h30  Texas Tech - West Virginia
    18.10.2012  11h30  Michigan State - Iowa

Zur German Bowl wird noch ein kurzer Verweis folgen.

Recap – College Football, Woche 6

Weil ESPN America Baseball und erneut Motorsport bevorzugte, dauerte das „Wochenende“ am sechsten Spieltag diesmal bis Mittwochabend. Seit gestern kenne ich alle Ergebnisse und die wichtigsten Tapes.

Penn State – Northwestern

Die Story des Spiels ist weniger die erste Saisonpleite von Northwestern (die war abzusehen), sondern das Feuer, das in den Penn State Nittany Lions steckt. Ich meine, jeder Spielzug legt offen, dass wir es hier mit einer von Abgängen geplagten, in Qualität und Quantität maximal lauwarm besetzten Mannschaft zu tun haben. Entsprechend hoch einzustufen ist das, was der neue Trainerstab um Bill O’Brien da innerhalb kürzester Zeit aufgestellt hat.

QB Matt McGloin ist im Vergleich zu den letzten Jahren nicht wiederzuerkennen; im Herzen ein kleiner Favre, aber seit O’Brien das Sagen hat, gerade genügend gezähmt, um die ganz dicken Bolzen zu vermeiden. Und doch sage man O’Brien nicht nach, das Risiko zu scheuen. Der Call, das 4th down im Schlussviertel bei 25-28 Rückstand ausspielen zu lassen, war groß – trotz der Tatsache, dass jeder Kick des Sam Ficken aus mehr als 20yds Entfernung einer Harakiri-Aktion gleichkommt.

O’Brien riskierte, O’Brien gewann. Was Penn State im Schlussviertel nach drei Abschnitten Anämie aufgeigte, auch in der Defense um die fantastischen Linebackers #6 Hodges/#42 Mauti, war fantastisch. Man stelle sich vor, die Nittany Lions hätten nicht die überflüssigen Turnovers gegen Ohio begangen, oder Sam Ficken hätte wenigstens einen weiteren der vier Fehlkicks gegen Virginia versenkt – Penn State stünde 6-0 und böte den Pundits hinreichend Stoff, in Sachen „Penn State“ auch wieder mehr über das Footballteam zu berichten.

Florida – Louisiana State

Der große Titelfavorit vieler ist gestürzt: LSU wurde in Gainesville komplett abgewürgt und verlor 6-14 gegen die Florida Gators. Die Niederlage, wie ich schon in der Preview angedeutet hatte, kommt nicht einer Sensation gleich: Zu schlecht waren die letzten beiden Auftritte der Tigers mit ihrer Offense gewesen (gegen Auburn und Towson).

Die Probleme von LSU betreffen primär die Offensive Line: Das Laufspiel kam überhaupt nicht in die Gänge (wenn wir die Sacks wegrechnen, 21 Runs für 61yds), und wenn bei LSU der Lauf nicht funktioniert, steht in der Hinterhand kein Quarterback, der das Ruder rumzureißen vermag. Ernsthaft: S’letzte Mal, als LSU wirklich auf einen QB bauen konnte, hieß der Jamarcus Russell. Der aktuelle QB Zach Mettenberger brachte kaum was zustande, und der einzige richtige Big Play wurde von WR Odell Beckham weggefumbelt.

Florida, muss man anmerken, war auch nicht spektakulär. Aber die Gators gingen angeführt vom mir aus Boise-Zeiten in exzellenter Erinnerung gebliebenen OffCoord Brent Pease nicht von ihrem GamePlan weg und setzen über 60 Minuten konsequent auf ihre Bodenwaffe. Das zahlte sich in der zweiten Hälfte aus: Die Gators schläferten mit ihrem wenig aufregenden, aber beständigen Laufspiel die LSU Tigers ein. RB Mike Gillislee mit keinem Lauf über 12yds, aber der Mann fällt immer nach vorne, wenn er getackelt wird, holt immer noch 1-2yds selbst im Fallen raus – das summiert sich, und killte im Verlauf der zweiten Halbzeit sichtlich die Moral einer der besten Defenses, die der College Football hergibt.

South Carolina – Georgia

Das wahre LSU spielte am letzten Wochenende in Columbus: Die South Carolina Gamecocks besitzen die genau gleich gute – und gleich gebaute – Defense, sie sind genau gleich eindimensional im Angriff, aber sie haben die notwendigen Einzelspieler zum Aufblühen dieser Spielweise zu bieten.

In dieser Saison habe ich noch keine Defensive Line besser spielen sehen, als jene der Gamecocks gegen Georgia. Was der DE Devin Taylor da veranstaltete, war grandios und wird nur noch vom Hürdensprinter/Passrusher Jadeveon Clowney getoppt, der, wenn er fit bleibt, 2014 in den Top-5 gedraftet werden dürfte. Georgias wirklich guter Angriff sah kein Land. QB Murray mit gefühlt 5% Completion Rate, das Laufspiel mit kaum 50yds aus 25 Versuchen.

Im Angriff sind die Gamecocks ganz gegen die Natur von Head Coach Steve Spurrier eine LSU-typische Mannschaft: Geworfen wird nur, wenn unbedingt notwendig, dafür drückt man den Running Backs die Partie in die Hand. Nie die schlechteste Idee, wenn der Anführer RB Marcus Lattimore ist. Lattimore ist auch so ein Spieler wie der eben beschriebene Gillislee: Kaum ein Tackle, bei dem Lattimore nicht noch zwei Ellen Raumgewinn rauspresst.

Der QB Connor Shaw ist angewiesen, nur ja keine Turnovers zu produzieren, notfalls per Scramble einen Hit einzustecken, aber b-l-o-ß n-i-c-h-t d-e-n B-a-l-l h-e-r-z-u-g-e-b-e-n. Das reicht, um die Gamecocks scary ausschauen zu lassen.

Absolut nicht ausgeschlossen, dass South Carolina oder Florida in zwei Monaten die große Sensation vollbringen und einen der beiden Giganten der SEC-West, Alabama oder LSU, im SEC-Endspiel Paroli bieten können. South Carolina hat vorerst schonmal morgen die Chance dazu, wenn es gegen den „großen Bruder“ @LSU ins Tiger Stadium geht – ich bitte dabei, sich adäquate Schutzbrillen zu besorgen.

Die AP Top-10

#1  Alabama           5-0
#2  Oregon            6-0
#3  South Carolina    6-0
#4  Florida           4-0
#5  West Virginia     5-0
#6  Kansas State      5-0
#7  Notre Dame        5-0
#8  Ohio State        6-0
#9  Louisiana State   5-1
#10 Oregon State      4-0

Oder kurz anders intrepretiert: Underdogs! Wir haben was zum Glauben! South Carolina, die Uni, die dafür prädestiniert schien, nie irgendwas Bedeutungsvolles zu gewinnen, und Kansas State, das Lebenswerk des stillen Bill Snyder, zwei BCS-Teams, die sich nie wie „BCS“ anfühlten. Der dritte Underdog fühlt sich da mehr wie ein Zwerg an: Oregon State dürfte sich trotz viel versprechendem Auftakts nicht halten können und noch wenigstens zwei bis drei Spiele verlieren.

Der Rest ist Establishment: Alabama sieht wie eine verdiente #1 aus, Oregon wie eine verdiente #2. Das in den Polls gerankte Washington hielt alle Körperextremitäten dagegen und sah gegen die Ducks kein Land. Die West Virginia Mountaineers sind Spaßvögel, aber ich bin nicht überzeugt, wie lange deren Defense hält.

Notre Dame sieht wie die von mir prognostizierte, vor der Saison unterschätzte, Mannschaft aus, ist aber trotz Guru Brian Kelly immer noch auf der Suche nach einer Offense (aber ein 41-3 über Miami/FL ist aller Ehren wert).

Florida wie eben geschrieben mit verdientem Sieg über LSU, aber 100% ausgereift ist diese Mannschaft noch nicht. Ohio State ist nicht bowl-berechtigt. USC, Texas, LSU und Oklahoma könnten sich mit überzeugenden Siegen in den nächsten Wochen wieder zurück in den Kreis der BCS-Anwärter spielen. Bei Florida State bin ich mir nicht so sicher: Der verbleibende Schedule gibt nicht mehr viel her.