College Football 2012, Week 1, Tag 3: Das Eierwerfen geht richtig los

Heute ist der erste „Großkampftag“ der diesjährigen Saison im College Football – und ESPN America bringt angemessenes Programm.

Notre Dame Fighting Irish – Navy Midshipmen

Heute, 15h LIVE bei ESPN America

…und das live aus dem neuen Aviva Stadium in Dublin. Irland… ich werd’ sentimental. Die Weiden. Die Klippen. Die Leute. Das Bier. Ich möchte bitte als Ire wiedergeboren werden.

Nicht zum ersten Mal übrigens gibt es College Football in Irland: Schon vor über 20 Jahren wurden Versuche gestartet, nach Übersee ausgewanderte Iren mit diesem „Trick“ mal wieder zu einer Heimreise zu animieren (u.a. mit dem Boston College). Auch Notre Dame spielte vor 16 Jahren schon mal in Irland gegen die Navy, im Croke Park, vor halbleerem Stadion. Nun also die Neuauflage unter dem Label „Emerald Isle Classic“.

Bei den Notre Dame Fighting Irish kommt natürlich sofort die Frage nach dem Hintergrund des Teamnamens auf. Anders als ich immer vermutet hatte, lief das Footballteam erst ab zirka 1920 herum unter diesem Namen auf – vorher war man unter diversen Bezeichnungen unterwegs gewesen, zur Zeit, als der legendäre Knut Rockne („Football is a game played with arms, legs and shoulders, but mostly from the neck up.“) dort coachte. Die Legenden ob des Ursprungs des Namens sind breit gestreut: Von einem irischen Terrier an der Seitenlinie über Schmährufe der Gegner über Abstammung von Universitätspräsidenten hin bis zur Assoziation von irischen Tugenden mit dem Kampfstil des Notre Damer Footballteams – die blanke Antithese zum Credo Rocknes übrigens – ist alles dabei.

Dabei hatte ich stets unerschütterlich an die Verbindung der sehr römisch-katholisch geprägten Republik Irland mit der landesweit als Katholikenschule bekannten University of Notre Dame geglaubt. Ein Irrglaube.

Sei’s drum. Vorschau zum sportlichen Teil der Veranstaltung für die nicht an Klickfaulheit Erkrankten und Neugierigen gibt es nebenan in der Sideline.

Penn State Nittany Lions – Ohio Bobcats

Heute, 18h LIVE bei ESPN America

Sideline

Penn State.
Ohio.

Fast zehn Monate nach Auffliegen des Sandusky-Skandals und runde siebeneinhalb Monate nach dem Tod von Joe Paterno werden die Pennsylvania State Nittany Lions zum ersten Mal seit 1965 eine Saison ohne einen Head Coach Paterno beginnen. Die möglicherweise nicht allzu lange „Ära“ Bill O’Briens beginnt auch offiziell, und sie beginnt unter keinem guten Stern: Den massiven NCAA-Strafen folgte im August ein Exodus vieler Leistungsträger, und es werden ein paar dürre Jahre in State College aufziehen.

Das Beaver Stadium wird übrigens mit 108.000 Zuschauern ausverkauft sein. Man hat schon erste Stimmen vernommen, dass das Tailgating dieses Jahr noch intensiver sein wird, weil die Spiele danach aufgrund eben jener Abgänge und der eh schon schwach besetzten Offense zu eher zähen Angelegenheiten zu verkommen drohen. Und ich meine auch gelesen zu haben, dass ein berühmter Fighting Song aus dem Programm genommen wurde.

Sportlich gespannter bin ich heute auf die Ohio Bobcats aus der kleinen MAC, denen einige eine fantastische Saison zutrauen und die möglicherweise hier nicht der große Außenseiter sind, den die Teamnamen suggerieren würden.

Nebraska Cornhuskers – Southern Miss Golden Eagles

Heute, 21h30 LIVE bei ESPN America

Nächstes Heimspiel in einer zumeist fantastischen Heimatmosphäre. Aus Omaha/Nebraska dringen immer wieder hymnische Gesänge auf die Fans durch und man erzählte mir, dass sich mal bei einem Heimspiel gegen Texas zu den 85.000 im Stadion noch mal 80.000 auf den Parkplätzen und Straßen um die Arena herum säumten – Zustände, die kriegt man hierzulande kaum beim EM-Halbfinale auf die Beine. In Omaha offenbar nah am Normalzustand.

Sportlich halte ich die Partie für ein Mismatch. Southern Miss hat seine Abwehr-Stärken eindeutig im Defensive Backfield. Dumm, dass Nebraska fast nie wirft, und immer mit dem Doppelkopfmonster QB Martinez/RB Burkhead daherrollt. Auf der anderen Seite darf man gespannt sein, wie die in den letzten zwei, drei Jahren doch arg dezimierte Husker-Defense heuer ausschauen, und heute getestet, wird.

Nebraska ist in den Wettbüros mit 20 Punkten favorisiert.

Michigan Wolverines – Alabama Crimson Tide

Heute Nacht, 02h00 LIVE bei ESPN America
Tape morgen 13h

Sideline

Michigan.
Alabama.

Das Spiel des Wochenendes, auf neutralem Boden live aus dem Cowboys Stadium nahe Dallas. Für Michigan ist es nur das erste von mehreren beinharten Begegnungen, weswegen viele den Wolverines heuer trotz gut ausschauendem Kader noch nicht den Schritt ganz nach oben in die Nähe der BCS-Trophäe zutrauen. Alabama hat aber einen nicht minder heftigen Schedule, kann sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch keine Niederlage leisten, wenn sie den Landesmeistertitel verteidigen wollen.

In der Vergangenheit zeigte sich bei direkten Duellen SEC vs. Big Ten häufig ein eklatanter Geschwindigkeitsunterschied zwischen den Kontrahenten. Während die Boliden aus der Big Ten zwar auch physisch gebaut sind, walzen die SEC-Dampfer gerne komplett drüber und entkräften den Gegner damit schrittweise. In den letzten beiden Jahren würgte Alabama zum Beispiel in der Regular Season komplett die Penn State Nittany Lions ab, und auch das komplett aus dem Ruder gelaufene Bowlspiel gegen Michigan State – auch keine Gurkentruppe – vor zwei Jahren (49-7 Sieg nach sieben Touchdowns in Serie) ist noch ganz tief im Gedächtnis verankert.

Wird für den pfeilschnellen QB Denard Robinson die vermutlich härteste Prüfung seiner bisherigen Karriere. Wenn eine Defense Robinson mit ihrem Speed Paroli bieten kann, ist es jene von Nick Saban. Und: Michigan hat seinen #1-RB Fitzgerald Touissant suspendiert.

Oregon Ducks – Arkansas State Red Wolves

Heute Nacht, 05h LIVE bei ESPN America

Zwei Stichworte dürften eigentlich genügen: Oregons Offense ist am Werkeln und bei Arkansas State gibt Offensivgenie Gus Malzahn sein Debüt. Dürfte sportlich eine eindeutige Sache werden, aber diese beiden Faktoren reichen aus, um das Spiel reinzuziehen. Und natürlich die neuen Trikots der Oregon Ducks – erstmals getragen für die Rose Bowl im Jänner und nun offenbar öfters zum Einsatz gekommen (hoffentlich auch die Helme). Oregon Ducks und ihre Trikots: Der einzige neumodische Kitsch, der wirklich gefällt.

ESPNA-Tapes von heute und morgen: Auftakt zum Labour Day-Weekend

Um 11h30 kommt CFL-Football mit Montreal – BC Lions, das Duell der beiden Divisionsführenden in Ost und West zum Auftakt des soganannten Labour Day Classic-Weekends, wenn stets die Rivals gegeneinander angesetzt werden. Montreals Hauptrivale, Ottawa, besitzt derzeit kein CFL-Team, weswegen man seit ein paar Jahren dann gegen BC spielt, die keinen historisch gewachsenen solchen besitzen. In Kanada spricht man von einer künstlich kreierten „Coast-to-Coast“-Rivalität.

Montreal mit 5-3 Siegen trotz negativer Punktebilanz, und BC mit 6-2 mit bester Defense ligaweit. Das Spiel hat auch deswegen einen Reiz, weil nächste Woche in der CFL alle vier Partien wieder gespielt werden, mit vertauschtem Heimrecht. (morgen abend gibt es dann den ersten großen Klassiker Saskatchewan – Winnipeg am Vorabend des kanadischen Labour-Days).

Die CFL hat dieser Tage auch deswegen ihren Reiz, weil vermehrt aus den NFL-Trainingslagern entlassene Spieler wieder in ihre „Heimat-Teams“ im hohen Norden zurückkehren.

Morgen früh noch um 10h30 als ESPNA-Tape Boston College vs. Miami Hurricanes, ein Spiel, das heute um 21h30 angesetzt war, und von dem ich überrascht bin, dass die Internetwahl der Fans nicht auf diese, sondern auf die Nebraska-Partie gefallen ist. Beide ACC-Unis stehen vor schwierigen Saisons. Boston College, weil die Stimmung am Boden liegt. Miami, weil keine Sau weiß, wann der Hammer der NCAA im Falle „Shapiro“ fallen wird. Und natürlich, weil die Offense mal wieder rundumerneuert wurde.

Alles weitere im Verlauf des Tages und/oder morgen.

Conference USA 2012/13 Preview

WiederZufalleswill, befindet sich auch die Conference-USA aus dem Süden und Südosten der Vereinigten Staaten inmitten einer Transformationsphase. Was in diesem Sommer mit 12 Mannschaften von dannen geht, wird ab 2013 wieder völlig umgekrempelt sein, vor allem nach den Abgängen von Zugpferden wie SMU oder Houston (gehen in die Big East) und der Neuaufnahme von FIU (kommt aus der Sunbelt Conference).

Eastern Division

Um mit dem Titelverteidiger zu beginnen: Die Southern Mississippi Golden Eagles kommen aus einer bockstarken 12-2 Saison mit einem Kantersieg im Conference-Finale über die bis dahin unbesiegten Houston Cougars. Und was passiert nach solchen großartigen Saisons oftmals? Richtig: Ein Neubeginn, weil die sportliche Leitung abgeworben wird. So auch im Falle von Southern Miss, die den erfolgreichen Larry Fedora ersetzen müssen und dies mittels einer internen Lösung schafften: Für das Offensivgenie Fedora springt der alte, defensivorientierte Eddie Johnson ein.

Der neue OffCoord ist mit Rickey Bustle ein Mann, der auf grundsolides Laufspiel setzt – und das in einer Mannschaft, die sich über Jahre den Ruf als Luftmacht gemacht hatte! Beim vorhandenen Personal – eine bärenstarke O-Line, 4-5 erfahrene Running Backs, ca. sechs gleich starke Wide Receivers und starke Punter – ist ein leichter Strategiewandel aber vielleicht nichtmal das größte Übel, zumal der Rekord-QB Davis sein Studium beendet hat und ins Berufsleben eingestiegen ist.

Die kleinen Fragezeichen reichten schon aus, um die University of Central Florida Knights zum Divisionsfavoriten zu küren, wenn diese denn nicht von der Bowl Season und damit auch vom Conference-Finale ausgeschlossen wären. UCF ist das Programm des umstrittenen und streitbaren Cheftrainers George O’Leary – und UCF ist wegen Recruiting-Vergehen bestraft.

Unter O’Leary zeichnet sich das Programm seit Jahren durch eine exzellente Defense aus. Im letzten Jahr erlebte UCF eine enttäuschende Saison mit 5-7, aber man vergesse nicht: Die Knights waren 0-6 (!) in Spielen mit einem Score Differenz.

Dabei hatte die Defense so manches Standhafigkeitsproblem in der Schlussphase von Spielen und dabei musste man auch noch eine QB-Kontroverse überstehen (der schwarze QB Godfrey wurde abgesägt und O’Leary daraufhin des Rassismus bezichtigt; Godfrey wird nun zum WR umgeschult). Nun ist mit QB Blake Bortles die Spielmacherposition wohl in trockenen Tüchern (der Blaine-Bruder Tyler Gabbert sollte keine Chance haben) und das Laufspiel um das Trio Harvey/Murray/Storm Johnson sollte zu den allerbesten gehören.

Wie gesagt: Eigentlich auf dem Papier der Favorit. Aber eben auch auf dem Papier und in der Praxis für diese Saison sportlich außer Konkurrenz mit von Partie.

Bestenfalls Außenseiterchancen werden den East Carolina Pirates, dem Zuschauerkrösus der Liga, gegeben. East Carolina spielt eine schöne, passlastige Offense (44 Pässe/Spiel) und setzt dabei weniger auf die 80yds-Bomben, sondern auf beständige kurze Raumgewinne mit Yards After Catch. Aufgrund der viel zu vielen verschenkten Bällen (35 Turnovers der Offense!) übersieht man bei der 2011er Saison dieser Mannschaft dabei zu leicht, dass die Defense immer besser aufgeigt.

Die Kandidaten für den Bodensatz beginnen dabei bei Marshall, wo letztes Jahr die Bowl Season erreicht wurde, aber das Team von Doc Holliday zu unerfahren sein soll. Die Probleme liegen völlig überraschend in der Offense, was für eine der ganz großen Innovationsschmieden für Angriffsfootball eigentlich eine Schande ist: Das Angriffsspiel beschränkt sich auf kilometerweise Laufspiel, um die Spiele bis ins Schlussviertel eng zu halten und dann auf knappe Siege zu hoffen.

Die UAB Blazers werden von ihrem eigenen staatlichen Universitätssystem kastriert und sollen sowohl eine grottenschlechte Defense, als auch einen disziplinlosen Kader besitzen. Und dann ist da noch unser aller Liebling, die Memphis Tigers, das furchtbarste an sportlichem Produkt, was der College Football in den letzten Jahren so produziert hat. Memphis hat einen neuen Head Coach, den jungen Justin Fuente (ehemals OffCoord bei TCU), der für eine schnelle Offense steht und mutiges PlayCalling steht. Die größere Problemzone waren zuletzt aber die zahnlose Defense, die sich überlaufen und überwerfen ließ, und das mangelnde Zuschauerinteresse (nur wenige tausend verirrten sich in die riesige Schüssel) – die Saison wird aber wichtig: Memphis ist als Markt attraktiv genug, dass man nächstes Jahr in die Big East wechselt, und da will man logischerweise ein sportlich halbwegs brauchbares Produkt anbieten.

Western Division

Sportlich die höherwertige Division dürfte der Westen mit drei Titelkandidaten sehen. Dabei sind die Houston Cougars nach einer blendenden 13-1 Saison nicht der größte Favorit. Zu viel Aderlass musste man einstecken (u.a. HC Sumlin zu Texas A&M, QB Keenum in das Berufsleben). Dabei ist die aktuelle Phase für die Coogs großartig: Man ist wieder wer und wird nächstes Jahr in die Big East Conference wechseln und man wird in absehbarer Zeit ein neues Stadion bauen. Heißt auch: Der Job ist für Sumlin-Nachfolger Tony Levine ein sehr verantwortungsvoller, denn zu sehr sportlich absaufen darf man nicht. QB David Piland hat bereits exzellente Ansätze gezeigt und der RB Charles Sims gehört zu den vielseitigsten überhaupt, aber die Fragezeichen stecken in der Defense, die sehr viel (zu viel?) no risk, no reward spielt und deren Umstellung auf 4-3 für viel Kritik sorgt, weil man das Personal für ungeeignet dafür hält.

Könnte also für die Tulsa Golden Hurricane eine prädestinierte Situation sein: Tulsa spielt eine schnelle, explosive Offense und besitzt eine sich rasant verbessernde Defense und darf einen eher einfachen Schedule spielen. Der fulminante QB Kinne ist zwar weg, aber Nachfolger Cody Green soll ein fast ebenso guter Scrambler sein und mittlerweile hat man ausreichend Vertrauen in HC Bill Blankenship, dass man nicht mehr von vercoachten Spielen ausgeht.

Dritter im Bunde: Die SMU Mustangs von der Southern Methodist University aus einer Enklave in Dallas. Dabei reicht den Kennern des College Football meist ein Wort (okay, zwei): June Jones. Der Mann ist der Head Coach und steht seit einer unglaublichen Zeit bei Hawaii synonym für Erfolg. Jones wäre im Winter um ein Haar gen Arizona State verschwunden, blieb dann aber trotzdem und wie gut sein Standing bei SMU ist, sieht man daran, dass sich niemand hinterher über Jones’ kurzzeitige Abwanderungsgedanken beschwerte.

SMU soll – ungewöhnlich für Jones – heuer einige Probleme in der Offense haben. Der neue QB ist Garrett Gilbert, der von einer enttäuschenden Zeit bei Texas rübertransferiert ist, und den kompletten Frühling durchgepaukt haben soll, um spielberechtigt zu sein (andere Quellen sprechen von „27h Vorlesung besucht“ für „durchgepaukt“). Das noch größere Fragezeichen stellen die extrem rundumerneuerte Offensive Line und der rekonvalenszente RB Zach Line.

Der Rest der Conference ist Schlachtfutter. UTEP ist nie unterirdisch schlecht, aber selten gut genug, um die Mittelklasse im College Football konstant schlagen zu können. Die Rice Owls aus Houston gehören auf akademischen Level zur absoluten Spitzenklasse, werden im Football aber durch eine beständig fürchterliche Defense gehandicappt. Die Tulane Green Wave warten mit einem Namen als Superstar auf: RB Orleans Darwka (!!!) ist der Schlüsselspieler in einer recht NFL-ähnlichen Offense; „NFL-ähnlich“ ist kein Zufall, nachdem der neue Cheftrainer mit Curtis Johnson ein ehemaliger New Orleans Saint ist. Johnson ist auch der Grund, weshalb die Stimmung auf dem Campus trotz langjähriger Misere gut ist: Die Leute freuen sich auf die Saison. Man hofft, dass der schwierige Saisonstart das nicht mit Niederlagenserie in den Boden reißt.