Meine Definition von Geschichte

„Los Angeles Rams“ – Ich werde mich noch etwas daran gewöhnen müssen. Der Umzugswahn der 90er war vor meiner Zeit. Die NFL war für mich, seit ich sie bewusster verfolge, ein fix festgefahrenes Konstrukt: 2 Conferences à 4 Divisionen macht 8 Divisionen, 16 Spiele pro Team, 32 Mannschaften, 256 Mal Regular Season. Weiterlesen

Los Angeles Rams

Machen wir es kurz: Die Rams kehren ab 2016 nach Los Angeles zurück und treten als Los Angeles Rams in der NFL auf. Die Owner haben heute Nacht überraschend deutlich dafür gestimmt: 30 Ja, 2 Nein Stimmen. Der Move gilt als Erfolg für Commissioner Roger Goodell, der in einer verzwickten Situation gut vermittelt zu haben scheint. Weiterlesen

NFL Power Ranking 2015/16, Week 5 | Von Glück und Unglück in der Spielplangestaltung

Das Power-Ranking mit ersten neuen Features. Zum einen kehrt das Ranking für Offense und Defense sowie das Ranking der einzelnen Divisionen und Conferences ins Power Ranking zurück, aber die größere Neuerung ist die Übersicht der Spielpläne. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Das Niemandsland

Wochenstart mit Teil 2 der großen furchtlosen NFL-Vorschau auf die Saison 2015/16 mit den acht Mannschaften, die man im Zwischenzustand erwarten kann: Playoffs sind nur in Reichweite, wenn es sehr gut läuft, wohingegen es bei der einen oder anderen Verletzung auch schnell abwärts gehen kann. Man kann diese Fraktion auch despektierlich das Niemandsland der NFL nennen, sofern die NFL überhaupt ein Niemandsland hat. Aber im Prinzip ist das eine der aufregendsten Leistungszonen, denn diese Mannschaften bestreiten oft einen Haufen knapper Spiele, weil das Feld so gedrängt ist. Weiterlesen

NFL 2015 – Preview St. Louis Rams

Nee, liebe Rams, dieses Jahr nicht mehr. Auch ich bin in den letzten Jahren immer wieder auf euren Offseason-Hype reingefallen. In jeder Saison ging’s schlecht los, bis dann irgendwann im November plötzlich Siege gegen starke Mannschaften eingefahren wurde, woraufhin der allgemeine Tenor war: ach ja, die haben so viele gute junge Spieler, aus den Rams wird auf jeden Fall was – nächstes Jahr ganz sicher. Nur hat sich dann der Zyklus wiederholt: gute junge Spieler verpflichtet, schlechter Start, spät dann überraschende Siege und die Stories „nächste Saison muß man mit ihnen rechnen“. Weiterlesen

St Louis Rams in der Sezierstunde

Die St Louis Rams bleiben eine Franchise, die in einem merkwürdigen Zwischenzustand verharrt: Sportlich wartet man seit Jahren auf den bislang ausbleibenden Durchbruch, und abseits des Spielfeldes versucht man zu ergründen, ob es Owner Stan Kroenke denn nun mit seinem angestrebten Move nach Los Angeles ernst meint. Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 15: St Louis Rams – Arizona Cardinals

Nur noch drei Wochen bis Saisonende, und mit den Arizona Cardinals (10-3) kann das Team mit dem mit besten Record der Liga noch nichtmal mit einem weiteren Sieg die Playoffs fix machen – aber immerhin einen großen Schritt dorthin. Es geht auswärts gegen die St Louis Rams (6-7), die ihrerseits noch nicht komplett aus dem Playoffrennen eliminiert sind, aber alle Wunder dieser Welt brauchen um sich noch dafür zu qualifizieren. Weiterlesen

Montagsvorschauer, Week 6: San Francisco 49ers @ St. Louis Rams

Ein schönes Fragezeichen-Spiel haben wir hier in der Nacht zum Dienstag. Die San Francisco 49ers (3-2) fahren zu den St. Lous Rams (1-3). Wacht die Rams-D irgendwann auf? Ist UDFA QB Austin Davis so gut wie Sam Bradford? Groovt sich San Fran langsam (zurück) in den Super-Bowl-Contender-Status? Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Der Bodensatz

Referenzen

Ich gebe zu, dass mich die vergangene Footballsaison geschlaucht hat. Ich gebe zu, dass mich der Draftprozess irgendwann ermüdet hat. Ich gebe zu, dass ich eine Pause gebraucht habe. Vom Schreiben, von der NFL, vom Football. Frühjahr und Sommer waren für mich nicht einfach, da aus recht heiterem Himmel neue Projekte im Job reingeschneit sind, die mich ins kalte Wasser geworfen haben, ein Wasser, in dem ich erst das Schwimmen lernen musste. Ich hatte mir überlegt, ob ich die Seite weiterbetreiben werde. Ich beschloss, über den Sommer zu warten. Warten auf die Rückkehr des Kribbelns. Warten auf Normalisierung der Arbeitszeiten.

Die NFL-Preseason hat mich nicht interessiert, aber sie hat mich nie interessiert. Aber in den Tagen vor Beginn der College-Saison kam es. Es interessiert mich noch. Am kommenden Donnerstag beginnt schließlich die NFL-Saison 2014/15. Eine Vorschau darauf, wie aus dem letzten Jahr gewohnt als Vierteiler: Kein klassisches Power-Ranking, sondern ein Blick auf Stärken, Aussichten, mögliche Probleme und mögliche Chancen. Ich beginne mit dem Oktett, das ich dieses Jahr am Bodensatz der Liga erwarte, den Jungs, deren Trophy 2015 nicht Vince Lombardi, sondern Marcus Mariota sein könnte.

Beim Selektieren der Mannschaften fällt dieses Jahr aber auf, dass man sich schwer tut, sowohl acht echte Gurkentruppen ausfindig zu machen als auch acht echte Titelanwärter. Es gibt diesmal ein extrem breites Mittelfeld, wo es bei minimum 20-25 Mannschaften nicht schwierig ist, sich Szenarien mit Ausreißern nach oben oder unten auszudenken. Das ist zugegeben zu einem gewissen Grad jedes Jahr so in der NFL, aber diesmal doch auffällig ausgeprägt. Weiterlesen

Robert Griffin The Ram

Keine Woche ohne D’oh! in der NFL-Offseason. Erst Revis, dann DeSean Jackson und jetzt RG3: Gestern Abend gab es bei Twitter die ersten Gerüchte, und ehe man sich versah, flatterte die News zur Tür herein: Die Washington Redskins traden QB Robert Griffin III nach St Louis zu den Rams und erhalten im Gegenzug QB Sam Bradford und den #2-Draftpick overall im diesjährigen Draft. Damit wird Geschichte rückgängig gemacht: Genau dieser zweite Draftpick hätte eh den Redskins gehört, hätten sie ihn nicht schon vor zwei Jahren nach St Louis getradet – für die Rechte an RG3.

Damit haben wir den bis dato spektakulärsten Move der Offseason 2014. Es ist nur der Schlussstrich der Redskins unter das wilde Kapitel mit dem gefallenen Volkshelden RG3.

Schon im Lauf der letzten Woche drangen in den Redskins-Foren leise Gerüchte ob der angeblichen Missstimmung zwischen RG3 und dem neuen Head Coach und quasi-OffCoord Jay Gruden durch. Grudens Playbook soll mit seiner West-Coast artigen Offense nicht auf Griffins Talente zugeschnitten gewesen sein, und Griffin soll sich darüber laut bei Owner Dan Snyder ausgeheult haben. Gruden scheint den internen Machtkampf gewonnen zu haben.

Mit dem Trade bekommen die Redskins nun in Sam Bradford den Top-Draftpick 2010, der sich bisher nicht so recht in der NFL durchsetzen konnte. So ganz ohne Fähigkeiten wird Bradford aber nicht sein, und wenn Gruden eines kann, dann es ist das Coachen von mittelmäßig talentierten Quarterbacks (siehe: Dalton, Andy).

Die Redskins bekommen quasi gratis mitgeliefert den heiß ersehnten hohen Draftpick um die Defense zu verstärken. Was kommt da besser als die Chance, den nächsten potenziellen Heroen DE Jadeveon Clowney zu ziehen? Ein Clowney als das Monster in der Defensive Line, und Cousins gegen Bradford als Kampf um den Stamm-QB – die Skins sind schon wieder auf dem Weg nach oben.

Für die Rams ist der Move so logisch, dass man sich hinterher fragt: Warum nicht schon 2012? RG3 ist trotz aller Negativpresse der letzten 12 Monate noch immer ein entzückender Spieler, der feuchte Träume wahr werden lassen kann, und wenn nicht, dann ermöglicht er zumindest für die nächsten Monate feuchte Träume. Quarterback war die größte Lücke im Rams-Kader in diesem Jahr, und einen 1st-Rounder haben die Rams dieses Jahr noch immer.

Und das Allerbeste: St Louis spielt nicht auf einem Schlachtfeld, sondern in einer Halle – keine Gefahr mehr also für die Kreuzbänder bei RG3.

Griffin wird in St Louis die 1 tragen. Bradford in Washington die 4.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Bei den St Louis Rams rührt sich seit der Installation des Head Coaches Jeff Fisher vor zwei Jahren so einiges, aber eine Kombination aus Altlasten und schwieriger Division NFC West drückt den Output noch immer ein wenig nach unten. Obwohl: Bei 7-8-1 und 7-9 Bilanzen kann man angesichts des Spielermaterials nicht wirklich enttäuscht sein. Nun hat man zwar nicht die allerbeste Salary-Cap Position, dafür aber zum zweiten Mal en suite zwei Erstrundendraftpicks und somit ordentlich Holz um weiter an den Grundlagen zu bauen.

Wer die NFL erst seit ein, zwei Jahren verfolgt, kann sich gar nicht vorstellen, in was für einem abgrundtiefen Loch die Rams noch vor fünf Jahren steckten. Die Jaguars von heute kommen in etwa dem gleich, was Mannschaften wie St Louis oder Detroit damals waren. Die Folgen jener Katastrophenjahre zwischen 2007 und 2009 spürt man unterm Bogen bei den Rams noch immer.

Überblick 2013

Record         7-9
Enge Spiele    1-3
Pythagorean    7.6    17
Power Ranking  0.361  26
Pass-Offense   5.8    23
Pass-Defense   6.7    24
Turnovers      +8

Management

Salary Cap 2014.

Der QB Sam Bradford passt dabei wie die Faust rein: Er ist ein ehemaliger #1-Pick, der sich aber noch nicht so entwickelte wie erwünscht. Er ist dafür aber der letzte der rekordverdächtig bezahlten Rookies aus dem alten CBA („Collective Bargaining Agreement“) und läuft diese Saison für eine Cap-Zahl von rund 17 Mio. Dollars auf. Seine Zahlen auf dem Feld in den letzten Jahren sind ernüchternd: Über seine vierjährige Karriere brachte er 5.5 NY/A an den Mann und versuchte sich hierbei nur in 16.7% der Wurfversuche an Pässen, die weiter gingen als 15yds. Entsprechend gilt Bradford als gut im Vermeiden von Turnovers, aber ein Turnover ist irgendwo ein „Trade-Off“, den du eingehen musst, wenn du mit dir und deiner Mannschaft weiterkommen willst. Wenn du dein ganzes Leben lang in deinem Haus verkrochen bleibst, wirst du dir nie den Hax abreißen, aber du wirst im Leben auch nicht voran kommen. Bradford scheint – zumindest geben das die Zahlen so wieder – in seinen ersten Jahren ein QB der Güteklasse Alex Smith gewesen zu sein: Lieber sicher werfen, ja keine INT riskieren.

Genau das macht Bradford im Grunde in Kombination mit seinem Vertrag entbehrlich. Wir hatten das Thema schon vor einigen Tagen in der Kommentarspalte, aber noch einmal: Es gibt prinzipiell vier Möglichkeiten, wie die Rams mit Bradford verfahren können:

  1. Gar nix machen. Dann kassiert Bradford sein ganzes Gehalt, aber die Rams werden ihre vertrackte Salary-Cap Situation (aktuell 7 Mio. Space) anderswo lösen müssen. Nicht vergessen: Die Rookie-Klasse 2014 wird die Rams mit ihren beiden 1st-Roundern runde 9.5 Mio. kosten. Und ein paar Free-Agents willst du dir auch einkaufen.
  2. So könnte man mit Bradford eine blanke Gehaltskürzung vereinbaren, aber ob Bradford das Spiel mitspielt, ist ungewiss.
  3. Möglich ist auch die Umschichtung von Bradfords Fixgehalt 2014 in ein Handgeld. Davon hätte Bradford keinen Nachteil: Er würde sein Geld sehen, und die Rams könnten dieses Geld auf mehrere Jahre abschreiben. Allerdings verschieben die Rams dann das etwaige Bradford-Problem nur in die Zukunft, und Bradfords Entlassung kostet eben 2015 ein paar Milliönchen mehr.
  4. Bradfords direkte Entlassung. Damit würden die Rams 17 Mio. Gehalt bei Bradford einsparen, müsste aber 7 Mio. dead money anschreiben. Netto würde man in etwa 10 Mio. an Cap-Space gewinnen, aber man wäre mit einem Mal gezwungen, mit einem seiner hohen Draftpicks einen Quarterback zu ziehen, von dem man möglicherweise nicht 100%ig überzeugt ist.

Es läuft wohl auf Option 2 oder 3 hinaus. Bradford dürfte ein weiteres Jahr kriegen um seinen Wert doch noch unter Beweis zu stellen. Er wird es machen müssen nach einer schweren Knieverletzung, der zweiten in seiner Karriere.

Er wird aber auch eine rundum verbesserte Offense vorfinden, denn es gilt als geritzt, dass St Louis mit einem seiner hohen Picks einen Offensive Tackle für die „Gegenseite“ des LT Jake Long holen wird. OT/OG Saffold wurde nach einigem Geeiere doch noch für relativ moderate Kohle gehalten, aber es gilt als unwahrscheinlich, dass er den anderen Tackle-Platz neben Long behalten darf.

Bei den Running Backs scheint man mit dem jungen Zac Stacy (nur 39% Success-Rate und 3.9 Y/A, aber ein relativ brauchbarer Ballfänger) sowie den seinigen Backups recht zufrieden zu sein. Ob der Mann ohne Spielgefühl, Isaiah Peed, noch eine Chance erhält, bleibt abzuwarten. Bei den Tight Ends kann ich mir vorstellen, dass man an der Combo Cook/Kendricks erst einmal nicht viel ändert.

Wide Receiver ist vielleicht eine Position, die noch einmal Augenmerk erfährt: Givens, Bailey und Quick sind alles noch recht junge, geschwindige Leute, die in über 1/3 der Fälle tief angespielt werden, aber sie alle besitzen nicht die allersichersten Fanghände und lassen schonmal einen Ball durch die Finger flutschen. Besonders ein Givens ist da anfällig: Letzte Saison 83 Anspiele, und nur 34 davon gefangen. Das ist nicht mehr allein mit üblem „Ball-Placement“ der (mittelmäßigen) Quarterbacks zu erklären.

Und dann haste noch die X-Waffe Tavon Austin, letztes Jahr mit viel Tamtam im Draft geholt, aber Austin hatte dann nur 34 Catches für 388yds und 4 TD, und er wurde fast ausschließlich kurz angespielt. Der OffCoord bleibt Brian Schottenheimer, und der bewies schon letztes Jahr nicht grad die neuesten Gedankengänge beim Versuch, Austin einzusetzen. Ist Tavon den hohen Pick wert? Ist er bloß eine Return-Waffe? Oder fehlt den Rams vor allem noch der eine, große #1-Wide Receiver, der das Spielfeld im Alleingang entzerren kann?

Über die Defense Line braucht man nicht viele kritische Worte verlieren: Sie ist die größte Stärke der Rams. DE Quinn holte zuletzt 19 Sacks und erwies sich als fantastischer Speed-Rusher, der allein gegen die All-Pro Gegenspieler zu knabbern hatte. Der Mann auf der Gegenseite ist der teure Chris Long, der kompletter als Quinn ist, aber nicht so explosiv. In der Mitte wird der junge DT Michael Brockers in hohen Tönen als eine Art neuer Suh gelobt. Es drängt sich allenfalls die Frage auf, ob sich die Rams mit ihrem Draftpick #2 overall den Luxus leisten sollten, ein weiteres potenziell episches Talent wie Clowney zu ziehen. Du kannst in der Defensive Line fast nie zu tief besetzt sein, aber wenn du so viele andere dringendere Löcher hast: Kannst du dir einen Clowney leisten?

Die Secondary ist eine offene Scheune: St Louis kassierte zuletzt trotz des fantastischen Passrushes 6.7 NY/A. Einzig der junge CB Janoris Jenkins gilt als NFL-tauglich. Bei den Safetys ist es eher die Unerfahrenheit. Bei den Linebackers die steifen Hüfte sowie die Eindimensionalität des OLBs Ogletree… wobei ein Ogletree ziemlich unumstritten sein dürfte, weil er das, was er kann, schon sehr gut kann: Decken und Passwege zustellen.

Es gibt also viel zu tun in St Louis. Man bewegt sich zwischen Luxusproblemen und echten Problemen. Alle Baustellen werden die Rams dieses Jahr nicht schließen können, und vielleicht wird 2014/15 wieder so eine frustrierende Saison im grauen Mittelmaß, aber „Team-Building“ braucht seine Zeit. Eine Priorisierung fällt schwer, aber gemessen an den Cap-Zahlen sehe ich folgende Fragen als die wichtigsten an:

  • Wie lösen wir die Bradford-Frage? Kriegen wir eine ökonomische Vertragslösung hin oder müssen wir ihn rauswerfen? Dann müssen wir aber QB draften.
  • Können wir uns den Luxus Clowney leisten? Könnten wir dafür im Gegenzug nächstes Jahr Quinn gehen lassen?
  • Was ist uns wichtiger? Eine solidierte Offense Line oder ein großer Wide Receiver?
  • Einer der hohen Picks gehört der Defense. Entweder Clowney oder eine Defensive Back.
  • Mehrere Bemühungen müssen in das Defensive Backfield gesteckt werden: Entweder via Draft oder Free-Agency. Am besten über beide Wege.

Aus vielen Gründen sind die Rams trotz ihres geringen Sex-Appeals ein Team to Watch. Hier werkelt eine sportliche Leitung, die ihr Handwerk versteht. Hier holt ein Head Coach das Maximum aus seinem Spielermaterial heraus. Hier steht alsbald die Frage, wie viel Kohle ein zweitklassiger Starting-QB wert sein darf. Die Rams bleiben ein Team, auf dessen Aktionen ich gespannt bin.

Sektion „Ciao im Dezember“ im Rückspiegel

Zweiter Teil der Rückschau auf die Vorschau, diesmal mit den „grauen Mäusen“, die ich im September im unteren Mittelfeld der NFL erwartet hatte – die Ciao im Dezember Fraktion.

Indianapolis Colts

Division   AFC South
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Erster (11-5)

Ich schrieb:

Die feel good-Geschichte von 2012 waren die Colts, die in einer extrem einfachen Division den sensationellen Sprung vom schlechtesten Team der Liga in die Playoffs schafften. Die Playoffs sollten auch in diesem Jahr nicht komplett außer Reichweite sein; dafür sorgen die maue AFC und die noch viel mauere AFC South. Aber es gibt genügend Hinweise darauf, dass Indianapolis dieses Jahr einen Rückschlag hinnehmen wird müssen.

Größter Faktor dürfte der simple Faktor „Regression zur Mitte“ in engen Spielen sein: Indy gewann letztes Jahr neun von zehn Spielen innerhalb eines Scores Differenz – eine Bilanz, die nicht zu halten ist. Die Colts waren nach meinem Power-Ranking (und nicht nur meinem) leistungsmäßig im unteren Drittel der NFL zu verorten (#26) und spielten einen extrem einfachen Schedule (den einfachsten der Liga). Trotzdem wurde man mit 357-387 Punkteverhältnis um 30 Punkte „outgescort“. Die Defense war horrend auf allen Ebenen und in der Offense war das Laufspiel nur mittelmäßig überzeugend.

Wenn Indianapolis dieses Jahr annähernd sowas wie die 11-5 Bilanz wiederholen möchte, wird noch mehr Druck auf die Schultern vom sensationellen QB Andrew Luck geladen werden müssen. Luck musste letztes Jahr eine Hardcore-Version der downfield-Offense spielen, schaffte ergo auch nur 54.5% Completion-Rate. Luck hatte 18 Interceptions und zudem die meisten gedroppten potenziellen INTs in der NFL. Mit der Installation des OffCoords Pat Hamilton kriegt Luck einen alten Vertrauten aus College-Zeiten beigestellt; die Offense wird kurzpasslastiger werden, mit mehr Einbeziehung der Tight Ends Allen und Fleener, mit mehr Laufspiel und Play-Action.

[…]

Insgesamt sind die Colts sicher besser aufgestellt als vor der letzten Saison. Gleichermaßen dürfte es aber schwer sein, den 11-5 Record zu wiederholen: Die Würfel in engen Spielen werden nicht mehr alle pro Colts fallen und den einfachsten Schedule der Liga spielt man auch nimmer (NFC West!). Obwohl: AFC South, AFC West plus Bengals und Dolphins – sieht immer noch nach einem machbaren Schedule aus… Ich sehe ein 7-9 oder 8-8 kommen. Und das ist schon ein Tribut an den einzigartigen Andrew Luck.

Die Colts waren in etwa so wie ich sie erwartet hatte: Bei Zeiten sehr gute Offense, insgesamt schwache Defense, und vor allem unkonstant. Sie waren allerdings erneut extrem gut in engen Spielen, gewannen schon wieder sechs von sieben dieser Dinger (exklusive Playoffs) und gewannen mit 11-5 Bilanz ihre (zugegeben kinderleichte) Division. Trotzdem sind sie ein komisches Team: Der Franchise-QB Andrew Luck passt. Die Wide Receiver und Tight Ends passen. Aber sonst liegt im Kader noch einiges im Argen, und man hat dank des Richardson-Trades keinen 1st-Rounder für 2014.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Offense wurde kurzpasslastiger und mehr „Power“-orientiert. Probleme in der Defense trafen wie erwartet relativ genau ein (eine einzige Stärke: OLB Mathis). Turnover-Bilanz verbesserte sich (von -12 auf +13) – allerdings dramatischer als man vorhersehen konnte. Es war einer der wichtigsten Gründe für die überraschend gute Colts-Bilanz.

Was traf nicht ein? Simpel gesagt: Die Sieganzahl. Die Colts holten drei oder vier Siege mehr als ich erwartet hatte (obwohl viele Effizienz-Stats auf ein komplett durchschnittliches Team hindeuten). Es gab zumindest 2013 keine Regression in den engen Spielen (man war erneut 6-1). Dass die Offense kurzpasslastiger wurde, entpuppte sich wider Erwarten als schlecht; die Colts sollten schleunigst wieder auf downfield-Offense switchen. Reggie Wayne… ja, er war bis zu seiner Verletzung schwächer, aber nicht um viel. Indy war ähnlich verletzungsgeplagt wie 2012 (ich glaube, über 70 verschiedene Starter).

Was wird sich noch als korrekt herausstellen? Die schlechten Einkäufe wie Walden, Jean-Francise oder Toler.

Miami Dolphins

Division   AFC East
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Dritter (8-8)

Ich schrieb:

Das Frühjahr der Dolphins war ein extrem ereignisreiches: Großeinkauf Wallace, Ellerbe, Clabo, Wheeler, Abgang Long, Bush, Burnett, Dansby und Smith, Megatrade für Jordan – GM Jeff Ireland blieb nach der x-ten Mittelmaß-Saison (7-9 in 2012) nicht untätig, sondern versuchte, aggressiv die Baustellen im Kader zu schließen. Ich bin lange nicht überzeugt, dass es gelungen ist.

[…]

Ich sehe die Weiterentwicklung in Miami nicht. Der Kaderumbau sieht für mich nicht aus, als hätte da jemand mit allzu großer Weitsicht gebaut, sondern eher Gerümpel hin und her geschoben. Die Fins sehen unaufgeräumt aus. Wenn sich Tannehill entwickelt, ist dank durchwachsener Conference ohne weiteres eine Bilanz der Güteklasse 8-8 bis 10-6 drin. Aber man macht es ihm trotz großer Transferaktivität nicht bedeutend einfacher als es letztes Jahr war – und schafft nebenher noch Salary Cap-Probleme über 2014 hinaus.

Sportlich eine Saison im Rahmen des Erwarteten, aber durch die unappetitliche Mobbing-Geschichte rund um Incognito und Jonathan Martin bleibt ein fader Beigeschmack. Ein Teil des Front-Office wurde rasiert. Also insgesamt keine gute Saison für die Dolphins, die die Playoffs im letzten Abdrücker noch verpassten, und das nicht irgendwie: Man wurde im letzten, entscheidenden Saisonspiel von einer gurkigen Jets-Mannschaft in Grund und Boden gespielt.

Was aus der Vorschau traf ein? Kader-Umbau war… eben ein Umbau, keine Verbesserung. WR Mike Wallace wirkte im Dolphins-Spielsystem etwas verloren. Willkürliche Schwächung der Offense Line entpuppte sich als die Sollbruchstelle schlechthin und ruinierte letztlich die Saison. Rookie-DE Jordan hatte quasi null Impact. Das Linebacker-Problem schlug durch.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense war wider Erwarten eine der schwächsten nach Success-Rate (#27 mit 54%). Dafür war die Secondary besser als erwartet. CB Grimes blieb relativ verletzungsfrei.

Was wird noch zum Problem werden? Die Einkaufspolitik des mittlerweile geschassten GM Ireland. Miami hat heuer guten Cap-Space, aber ab nächstem Jahr sieht es nicht mehr so rosig aus.

Minnesota Vikings

Division   NFC North
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Vierter (5-10-1)

Ich schrieb:

Die Vikings waren vor der letzten Saison ein klarer Kandidat für eine aufsteigende Kurve gewesen (u.a. 2011: 2-9 in engen Spielen). Dieses Jahr, nach dem überraschenden 10-6 inklusive Playoffqualifikation, wird es eher schwierig, die Siegbilanz zu wiederhlen (u.a. 2012: 5-1 in engen Spielen; „Siege in engen Spielen sind ein Zeichen von Qualität!“).

Der Hauptfaktor, weswegen Minnesota dieses Jahr eher enttäuschen wird, ist das mehr als suspekte Passspiel in der Offense: QB Christian Ponder stagniert auf niedrigem Niveau (5.3 NY/A, #30 der NFL) und verleiht dem kompletten Angriff einen blässlichen Eindruck (Backup Cassel ist solide, aber nicht mehr). Die Reaktion aus dem Front-Office: Man gebe ihm Hilfe. Via Draft wurde recht aggressiv WR Cordarrelle Patterson geholt, in der Free-Agency stieß der als präziser Routenläufer bekannte Greg Jennings dazu – zwei Moves, zweimal nicht schwer zu erraten, wem sie gelten.

[…]

Ich bin trotzdem skeptisch. Ponder ist das Eine. Das andere ist Percy Harvins Abgang: Klar schaffte man es letztes Jahr auch ohne Harvin in die Playoffs, aber der Angriff war ohne ihn deutlich lahmer, und Harvin war auch der einzige nennenswerte längerfristigere Ausfall (Minnesota war #2 nach AGL, nur 30.9 Spielausfälle). Wenn da der Teufel etwas grausiger zuschlägt (gilt auch für die Defense)…

Gepaart mit einem knackigen Schedule (NFC North, AFC North, NFC East plus Panthers und Seahawks) ergibt das bei den Vikes das Gesamtbild einer Mannschaft, die eher eingehen wird: Sowas wie 6-10 oder 7-9.

Schwache Saison für die Vikings, die mittlerweile gecheckt haben dürften, dass sie ein QB-Problem zu lösen haben. Drei Erstrundenpicks und der einher gehende win now Modus garantieren noch lange keinen Erfolg.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Vikings enttäuschten die Erwartungen. Dass Passspiel-Problem schlug eklatant durch. Peterson konnte seine wahnsinnigen „Per Carry“-Stats von 2012 nicht halten. Erneut wenige INTs für die Vikings (diesmal 1.9% INT-Quote). Mehr Verletzungspech.

Was traf nicht ein? Die Secondary war keine Stärke, sondern zweitgrößte Schwäche nach Quarterback.

Was hätte ich rückwirkend tun sollen? Ich wollte die Vikings aus tiefstem Herzen heraus in die schlechteste Fraktion setzen, aber ich brachte es nicht übers Herz, sie gegen die Chargers oder Browns auszutauschen. Rückwirkend waren die Signale so klar, dass ich es hätte tun sollen.

St Louis Rams

Division   NFC West
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Vierter (7-9)

Ich schrieb:

Warum glaube ich nicht an eine lineare Fortsetzung des Aufwärtstrends? Da wäre zum ersten der Schedule: Die eigene Division ist vermutlich erneut hammerhart, dazu mischen sich NFC South und Cowboys sowie Bears als Conference-Gegner. Dazu wird man kaum erneut so gesund durch die Saison kommen (2012 war man #6 nach AGL, nachdem man 2011 #32 gewesen war). Und es gibt immer noch etliche Fragezeichen in der Offense.

[…]

Ich stehe den Rams und der Arbeit von Jeff Fisher sehr positiv gegenüber. Ich glaube trotzdem, dass 2013 noch zu früh kommt. Der letzte Herbst bot nen steilen Aufstieg, aber die Historie zeigt: Solche steilen Aufstiege erleben fast immer ein Unterbrechung, eine Phase der Stagnation. S’normale Leben geht auch nicht immer gerade nach oben. Die üble Division tut ihr übriges. Rams 2013: Graues Mittelmaß als Maxime, und das ist in diesem Fall keine ganz schlechte Maxime.

Die Saison startete für die Rams relativ verheerend, als man in den Effizienz-Stats im untersten Bodensatz herumgurkte. Aber nach der Bye-Week wurde das Team immer besser, schloss in einer schwierigen Division beachtlich mit 7-9 Siegen ab. Nicht vergessen: Die Rams haben eine sensationell gute Defensive Line und sonst… nichts. Nada. Das ist einer der schwächsten Kader der Liga – immer noch. Man kann gar nicht oft genug drüber schreiben, wie dringend die Rams die ganzen von den Redskins erworbenen 1st-Round Picks brauchen. Angesichts des QB-Problems ist mir schleierhaft, weswegen momentan niemand einen QB im Draft zu den Rams gehen sieht.

Was aus der Vorschau traf ein? Defensive Line war sensationell, vielleicht sogar besser als erwartet.

Was traf nicht ein? Ich war zu positiv gegenüber Bradford. Bradford ist kein Katastrophen-QB, aber er ist a) nur Mittelmaß und damit b) seinen Megavertrag nicht annähernd wert. Ich habe jegliches Vertrauen verloren, dass es mit Bradford noch was wird. Secondary war noch nicht so gut wie ich es erwartet hatte.

Dallas Cowboys

Division   NFC East
Tipp 2013  Vierter
Ergebnis   Zweiter (8-8)

Ich schrieb:

Eines der lautesten NFL-Teams – und eines der mittelmäßigsten. Die Cowboys geistern seit einigen Jahren nahe der .500-Grenze durch die Liga, immer ein paar knappe Niederlagen von den Playoffs entfernt, und immer das Gefühl vermittelnd, ihr Potenzial wegzuschmeißen. Vor allem die Offense kann an guten Tagen alles an die Wand spielen, aber an schlechten mit Fumbles und Interceptions alles in die Scheiße reiten. Die Defense ist nicht mehr als guter Durchschnitt, litt aber letzten Herbst unter extrem vielen Verletzungen (AGL der Cowboys: #28 ligaweit).

Als Reaktion wurde der durchgeknallte DefCoord Rob Ryan durch den zirka einhundertundsieben Jahre alten Methusalem Monte Kiffin ersetzt. Kiffin ist der Erfinder der Tampa-2 Defense, und er wird in Dallas nach gefühlt drei Jahrzehnten der 3-4 Defense nun ein 4-3 System einführen. Das bedeutet als allererstes: DeMarcus Ware wird künftig als Defensive End spielen, mit den Händen im Dreck, und er wird somit weniger Deckungsaufgaben übernehmen müssen, was ihm zugute kommen wird. Ware als bestem Spieler der Defense sollte der Systemwechsel helfen. Das ist aber auch alles.

[…]

Dem Kurzbeschrieb von Stärken und Schwächen folgt der negativste Punkt: Ich hab etwas Angst um Dallas. Potenzial ist da um die mittelmäßige NFC East zu gewinnen. Aber a) hat das Team nicht genügend Tiefe um ein, zwei verletzte Schlüsselspieler zu ersetzen, b) ist der neue OffCoord und PlayCaller in Bill Callahan nicht unbedingt ein Mann, der bisher durch zuviel Spielgefühl aufgefallen wäre. Und c) wird der Head Coach-Kontroverse das ganze Jahr über Dallas schweben. Jason Garrett ist angesägt, und Owner/GM Jerry Jones versucht schon gar nicht mehr, Garrett irgendwie den Rücken zu stärken indem er einfach mal die Fresse hält. Quasi gefeuerter Cheftrainer, Assistenztrainer mit Denke aus den 90ern: Puuuhhh.

Deswegen wird der Saisonstart extrem wichtig: Ein paar Siege, eine halbwegs ordentliche Bilanz Mitte Oktober, und es kehrt etwas Ruhe ein. Aber man stelle sich vor, es hagelt wieder knappe Niederlagen in den ersten Wochen; Dallas ist 2-5 und 1-4 in engen Spielen: Jones wird ungeduldig, Medien werden bissig, und Garrett überlebt das Jahr nicht. Weil Dallas ein Faible für enge Spiele hat (2010: deren elf, mit 3-8 Bilanz, 2012: deren zwölf, mit 7-5 Bilanz), und deren Ausgang schwer kontrollierbar ist, besteht durchaus die Gefahr einer Implosion für eine Franchise, die prinzipiell mehr Potenzial haben sollte. Das erste Pulverfass wartet bereits diesen Sonntag mit den New York Giants: Ebenso unberechenbares Team, und ein Divisionsgegner…

Typische Cowboys-Saison: Man ist zu gut besetzt um komplett abzustürzen und den längst fälligen Neubau zu starten. Man ist zu wenig tief besetzt, um dauerhaft nach oben zu kommen. Dazu schafft man sich durch einen inkompetenten General Manager (Owner Jerry Jones) permanent das eigene Grab in Sachen Salary-Cap (millionenschwerer Siebenjahresvertrag für einen Kicker – hallo?). So war’s am Ende wie immer: Zeitweise sah man gut aus. Zeitweise sah man mittelmäßig aus. Und man verwurstelte mal wieder ein Divisions-Endspiel in typischer Cowboys-Manier: Ordentlich gespielt, aber verloren. NYG / WAS / PHI: Dreimal en suite im Entscheidungsspiel gegen jedes andere Divisionsteam. Dreimal verloren. Immerhin: Ich hatte sie ja am Ende der Division gesehen…

Was aus der Vorschau traf ein? Die Einstellung von Monte Kiffin war der Anti-Move des Jahres. Wertvollste Defense-Ressourcen wurden verschwendet. Die nonexistente Kadertiefe in der Defense riss die Saison in den Abgrund. Gewaltig viele missed tackles bei Ernie Sims (zumindest relativ zur Snap-Anzahl). Secondary war das erwartete Riesenfass (u.a. 7.0 NY/A, #30). Tony Romo bekam wieder viel auf die Fresse. Jason Garrett gehört weiterhin zu den schlechtesten Coaches. Dallas hat als eines dieser Durchschnittsteams weiterhin ein Faible für viele enge Spiele (2013 waren es zehn).

Was traf nicht ein? Man war besser als „Platz vier in der NFC East“. Die INT-Quote verbesserte sich wie erwartet (auf 2.4%). Offense Line war auf der rechten Seite besser als befürchtet. Rookie-Center Frederick soll viel besser ausgesehen haben als befürchtet. Die totale Implosion wurde verhindert.

Unentschieden: Die Coach-Kontroverse. Inwiefern sie wirklich ein Thema war, ist schwer zu beurteilen, aber es gab durchaus immer mal wieder ein Statement von Jerry Jones, das dezente Spuren von Sägespäne bei Garretts Stuhl freigab. Garrett durfte bleiben. Damit bleibt auch das Coaching-Theater.

Philadelphia Eagles

Division   NFC East
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Erster (10-6)

Ich schrieb:

Kelly steht vor einem spannenden Jahr: Zum ersten will jeder sehen, wie „seine“ Offense in der NFL aussieht. Zum zweiten geben die Zahlen hinter den Eagles viele Gründe, an eine schnelle Verbesserung der Saisonbilanz zu glauben. Also: Die Eagles kollabierten 2012 komplett. Andy Reid war schnell dead man walking, aber immer wenn solche Teams so schnell einbrechen wie Philly 2012, geht es im Jahr darauf wieder bergauf. Dafür ist seit vielen Jahren zu viel Talent im Kader vereint. Zum zweiten: Die Eagles hatten unglaubliches Pech bei Fumble-Recoverys (nur 35%). Und sie hatten die schlechteste Turnover-Bilanz der Liga (u.a. wegen der Fumbles und der viertschlechtesten INT-Quote in der Defense).

Das sind Faktoren, die für Regression zur Mitte schreien. Kelly lässt eine eher NFL-unorthodoxe Offense spielen, in der relativ viel gelaufen wird, was schon mal qua Spielplanung zu weniger Turnovers führt. Quarterback für dieses Jahr ist erstmal Michael Vick, der mit seinen zwei Zusatzdimensionen „Mobilität“ und „Monsterwurfarm“ durchaus kompatibel sein sollte. Vick wird mit Sicherheit nicht völlig von der Leine gelassen werden.

[…]

Ich glaube trotzdem, dass es kein unterirdisches Jahr zu Kellys Einstand werden wird. Von 8-8 wird Philadelphia keine Lichtjahre entfernt sein, und im Draft 2014 kannste dann auf die Suche nach deinem Franchise-QB gehen.

Sehr, sehr gutes Einstandsjahr für Chip Kelly in Philadelphia. Die Offense machte nach ersten Eingewöhnungsproblemen schnell „klick“, die Defense spielte eine zeitlang akzeptabel genug um die Saison nicht zu zerstören. Es wurde am Ende ein unerwarteter Playoffeinzug. Ich schrieb, Philly sei nicht weit weg von 8-8, aber ich hatte sie wenn, dann eher drunter erwartet. Kurz gesagt: Ich hätte mir im Sommer niemals erträumt, dass die Eagles in einem Playoff-Heimspiel gegen New Orleans zu favorisieren seien.

Was aus der Vorschau traf ein? Weniger Pech bei Turnovers (von -24 auf +12), das sind 36 (sechsunddreißig!!!) Ballverluste Unterschied – das allein sind locker 4 der 6 Siege Verbesserung wert. Das ist mehr als Regression zur Mitte. Das ist kompletter Swing. Die Offense Line wurde per Knopfdruck zu einer der besten… okay, vielleicht war sie nicht eine der besten, aber sie war massivst viel besser als der durch Verletzungen zerstörte Trümmerhaufen von 2012. Die boom or bust-Theorie bei LeSean McCoy traf voll ins Schwarze.

Was traf nicht ein? Ich hatte zwar in einem Sportradio360-Podcast korrekt vorhergesagt, dass Vick die Saison nicht als Starter überleben würde, aber ich hatte nicht erwartet, dass ihn Nick Foles ersetzen würde, und dass er es so gut machen würde. (Ich erwarte aber auch künftig Probleme bei Foles)

Dann schrieb ich „Philadelphia wäre für mich durchaus ein Playoffkandidat, wäre da nicht die Defense“. Die Defense war aber besser als befürchtet. Nicht gut, aber halbwegs okay.

Was wird kaum eintreffen? Momentan ist nicht unbedingt zu erwarten, dass Chip Kelly im Mai einen Franchise-QB draften wird.

Washington Redskins

Division   NFC East
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Vierter (3-13)

Ich schrieb:

Der Knackpunkt wird sein, wie lange Washington mit dem suboptimalen Spielermaterial auf Wide Receiver durchkommt. Es können ganze Bücher darüber geschrieben werden, wie Washingtons Spielzugdesign seine durchschnittlichen Receiver freigelaufen bekommt (siehe auch obigen Link), aber es ist die NFL, und da dauert es oft nicht lange, bis die Reaktion der Defense kommt. Garcon, Hankerson, Moss: Wenn die Jungs auf ihre Skills angewiesen sind und nicht auf den Play-Action Pass, sehe ich schwarz mit erneut über 7.0 NY/A im Passspiel.

[…]

Trotz der Rückkehr der beiden besten Spieler RG3/Orakpo, trotz des soliden Backup-QBs Cousins, trotz pipapo: Die genannten Punkte ergeben mir ein zu ungewisses Bild, als dass ich mit viel Selbstvertrauen einen Divisionsfavoriten Washington ausrufen möchte. Ich sehe ein ungemütliches Jahr auf die Skins und den Shanaclan zukommen. Die Playoffs wären selbst in der durchaus machbaren NFC East eine Überraschung.

Schrotthaufen. Dass es keine Playoffs werden würden, davon konnte man ausgehen, aber dass die Redskins so abkacken würden, kommt dann doch überraschend. Retrospektiv hätte man das furchtbare Defensive Backfield noch stärker ins Gewicht fallen lassen müssen, und dass die Offense um RG3 auch nur mehr ein Schatten ihrer selbst sein würde… naja. Vielleicht hätte man ein wenig Regression erwarten sollen. Washington war auch neben dem Spielfeld eine Soap-Opera, die sich vor der ganzen Nation lächerlich machte.

Was aus der Vorschau traf ein? Weniger Verletzungen. Aber die Verletzungen, die da waren, rissen aufgrund der besagt schlechten Kadertiefe trotzdem alles den Bach runter.

Was traf nicht ein? Die Offense schmierte deutlich übler ab als befürchtet. Die Rückkehr von Brian Orakpo hatte wenig Einfluss (trotz prognostizierter 10 Sacks für Orakpo).

Baltimore Ravens

Division   AFC North
Tipp 2013  Dritter
Ergebnis   Dritter (8-8)

Ich schrieb:

Der Titelverteidiger als Wackelkandidat für die Playoffs? Soll vorkommen, und war in den letzten Jahren immer mal wieder ähnlich. Baltimore geht als relative Unbekannte in diese 2013er Saison: Letztes Jahr stellte man bis zu den Playoffs eine eher unterdurchschnittliche Mannschaft, die sich nur mit Biegen und Brechen durch die Regular Season quängelte, nur um im Jänner wie eine Bombe einzuschlagen und auswärts die Topfavoriten gleich serienweise zu meucheln.

[…]

Insofern dürfte der Ravens-Kader noch immer die Qualität und das Coaching besitzen, um in Playoffnähe mitzuspielen. Aber es wird viel mehr als in der Vergangenheit auf Flaccos Schultern lasten, und das macht angesichts von Flaccos Vergangenheit Sorgen. Es sei denn, der Mann hat ab sofort die Weisheit geerbt. Aber solche Breakouts waren geschichtlich eher selten langfristig, und als Regelfall muss man eher annehmen, dass Flacco nach diesem „Outlier“ (Außreißer nach oben) wieder näher an seine „wahre Stärke“ zurückfällt. Baltimore sieht mir nach einem .500-Team aus, selbst in der mäßigen AFC.

Baltimore spielte eine höllisch unansehnliche Offense, die aus gefühlt 70% Incompletions eingestreut mit zwei 40yds-Bomben plus fünf 60yds-Fieldgoals bestand. Es reichte lange Zeit, weil die junge, verbesserte Defense die Mannschaft trug und weil QB Flacco in mehreren Crunch-Times gerade genügend Plays machte, aber am Saisonende, als die ersten Pundits schon wieder begannen, die Ravens als Sleeper zu hypen, schmierte das Team so ab wie es die Advanced-Metrics (Baltimore als viertschlechtestes Team der Saison!) schon lange vorhergesagt hatten.

Was aus der Vorschau traf ein? Es gab keinen „Playoff-Flacco“ mehr. Die Skill-Player waren in etwa so katastrophal wie erwartet. Beide Tackle-Positionen in der Offense Line erwiesen sich als erwartete Sollbruchstellen. Baltimore war genau ein .500 Team nach Siegbilanz.

Was traf nicht ein? Nichts. Alle Vorhersagen zu den Ravens trafen ins Schwarze.

NFL-Power Ranking 2013, Week 14

Woche 14 war eine der aufregendsten dieses Jahr, und wir haben das schon recht ausführlich im Sofa-QB Podcast und bei SPORT1 FM am Montagabend besprochen. Es bleibt noch einmal festzuhalten, wie eng es in den meisten Matchups zuging, mit teilweise krassen Finishes in Baltimore, Pittsburgh oder New England.

Mittendrin waren wie so oft auch die Referees, von denen einige Crews immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, aber es ist wie so oft: Refs sind Teil des Spiels. Ob man will oder nicht, sie werden immer Spiele mit entscheiden. Dass in einem Sport mit so kompliziertem Regelwerk wie American Football die eine oder andere haarige Entscheidung zu treffen ist (Regelauslegungen! Pass Interference! Roughing the Passer! Kopfschutz!) und nicht jede davon korrekt oder nachvollziehbar ist, kann ich gut verstehen.

Das einzige, was auffällt, und möglicherweise einen berechtigten Angriffspunkt bietet: Mehrere Head-Refs haben die 60 überschritten. Zwar gehören Jungs wie Mike Carey oder Ed Hochuli zu den besseren, aber eine Verjüngung könnte bald fällig sein.

Zum Power-Ranking, das die Effizienz der Teams misst, und sich von der Schiedsrichterei weniger beeinflussen lässt als die Siegbilanz. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2013, Week 10: Die Wüste gibt ihr Geheimnis preis

Die Jacksonville Jaguars holten den ersten Saisonsieg. Der war wichtig für das Selbstbewusstsein dieser Franchise, die seit dem Owner-Wechsel auf Shadid Khan vor nunmehr fast zwei Jahren sehr umtriebig versucht, ihr graues Imkage aufzubessern. Jacksonville ist nicht wie Detroit 2008, das damals die negativste Saison brauchte, um endgültig die Reißleine zu ziehen und sich von Grund auf selbst zu sanieren. Jacksonville 2013 hat die Grundsteine zur Sanierung schon gelegt, und wusste um die Schwierigkeit, heil durch diese Saison zu kommen. Ein 0-16 hätte viel mehr Gespött bedeutet als es diese Franchise verdient hat.

Der Sieg über Tennessee kam in etwa so zustande, wie ein Jaguars-Sieg 2013 zustande kommen musste: Ein quasi-spielunfähiger verletzter gegnerischer Quarterback, vier Turnovers beim Gegner, ein Fumble-Return zum TD und halbwegs opportunistische eigene Offense. Mehr können die Jags 2013 nicht, aber sie können gegen einen strauchelnden Mittelklasse-Gegner – nix anderes war Tennessee – zuschlagen, wenn es die Situation erlaubt. Das haben sie gemacht, und nun kann die zweite Saisonhälfte in Ruhe und ohne Angst vor der Lächerlichkeit abgeschenkt werden.

Bei den Tampa Bay Buccaneers war eh nie die Gefahr einer sieglosen Saison. Die waren das vermutlich beste 0-8 Team aller Zeiten. Tampa fightete sich zu einem grundsoliden 22-19 Sieg über Miami. Leistung: Sehr gut.


Lass mich mal ein gefühltes Power-Ranking andenken. Wir haben mehrere Fraktionen:

  • CU in February: Seattle und San Francisco. Es kann nur einen von beiden geben, wenn überhaupt, klar, aber das sind die optisch überzeugendsten Teams bisher. Ja, San Francisco.
  • CU in January, weil wir so gut sind: New Orleans, Carolina, New England, Kansas City, Denver, Green Bay, Detroit. Ich weiß, dass die Rechnung in der NFC nicht aufgeht, weil es keine drei Wildcards geben wird, aber in etwa so fühlen sich die Teams an; bei den Packers natürlich einen gesunden Aaron Rodgers vorausgesetzt.
  • CU in January, weil die anderen so schlecht sind: Miami, NY Jets, Houston, Tennessee, Cincinnati, Baltimore, Cleveland, Pittsburgh, San Diego. Also das komplette AFC-Wildcard-Feld in der Bewerbung um den sechsten Seed (einer von diesen wird auch an die AFC North gehen).
  • Ciao im Dezember, weil die anderen zu gut sind? Arizona, Chicago. Das Los des NFC-Durchschnittsteams: Besser sein als die Counterparts in der AFC, aber die Gegner sind zu hochklassig. Oder? Wir werden über ein Team gleich nachher noch mehr lesen…
  • CU in January, weil einer die NFC East gewinnen muss: Dallas. Es muss aber nur einer heißlaufen, das Dallas rausfliegt.
  • Ciao im Dezember, weil nur einer die NFC East gewinnen kann: Philadelphia, NY Giants, Washington. Es muss aber nur einer heißlaufen, dass statt seiner Dallas rausfliegt.
  • Identitätskrise: Indianapolis, St Louis. Das 38-8 vom Wochenende dürfte das überraschendste Ergebnis der Saison sein. Bezeichnend, dass zwei der drei unberechenbarsten Teams (neben den Jets) daran beteiligt waren.
  • Saison im Gully: Atlanta, Minnesota, Buffalo, Tampa Bay.
  • Hauptpreis Bridgewater: Jacksonville, Oakland.

Vom gefühlten zum „offiziellen“ Sideline Reporter Power-Ranking nach Woche 10.

NFL-Power Ranking 2013, Week 10

NFL-Power Ranking 2013, Week 10

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 10.

Statistik-Sektion

Wichtigste Statistik-Inputs für Week 10

Wichtigste Statistik-Inputs für Week 10

Kommentar-Sektion

Das Spiel EaglesPackers sei ganz kurz aus dem Blickwinkel des Power-Rankings diskutiert, über den man Bescheid wissen sollte: Das Ranking weiß um keine Verletzungen. Der Fall Green Bay ist deswegen so krass, weil hier der beste und wichtigste Spieler der NFL, QB Aaron Rodgers, durch einen third stringer (Tolzien) ersetzt wird, der bislang keinen NFL-Pass geworfen hat. Das ist die krassest mögliche Verletzung seit Manning in Indianapolis ausfiel; allerdings spielte Manning nicht ein einziges Down in jener Saison und war insofern für das Power-Ranking irrelevant. Bei Rodgers nein. Hier rechnet das Ranking für den nächsten Monat mit den Werten, als spiele Rodgers noch mit.

Damit dürfte Green Bay die nächsten Wochen mit Vorsicht zu genießen sein, aber nicht nur Green Bay, sondern auch deren Gegner: Diese profitieren aus Ranking-Sicht in zweierlei: Sie werden bessere Defense-Werte einfahren (weil Tolzien eben nicht Rodgers ist), und sie kriegen einen Boost durch den Strength of Schedule, der Green Bay aktuell mit Sicherheit überbewertet. Insofern „Glück“ für die Eagles, die diese Woche massive Pluspunkte sammeln konnten, obwohl der Sieg eigentlich eine Art „Muss-Sieg“ war gegen einen übel angeknockten Gegner.

Ich werde übrigens das Ranking nicht auf die Rodgers-Verletzung anpassen, da ich ansonsten auch für weitere Verletzungen Adjustments machen müsste, Adjustments, für die schlicht genügend Daten aus der Historie fehlen. Ich bitte, die im Hinterkopf zu behalten.


Ich hab’s oben schon angesprochen, und nun der genauere Blick auf ein Team, das bisher völlig übersehen wurde. Schon letzte Woche schaute ich erstaunt auf mein Ranking der besten Defenses, und sieht da: Die sechsbeste gehörte den Arizona Cardinals! Nach einer weiteren exzellenten Cards-Vorstellung gegen Houston rückt Arizona diese Woche sensationell auf #10 im Gesamt-Power Ranking vor (letzte Woche: #19). Zugegeben, der Leistungssprung in absoluten Werten war nicht ungeheuerlich, aber trotzdem: Ich horche auf.

Was macht die Cards so besonders? Die Offense ist es nicht wirklich. 5.9 NY/A im Passspiel ist in einem Vakuum leicht unterdurchschnittlich und NFL-weit #20, und die mit 38% nur 26t-beste Lauf-Offense auch net so beeindruckend, und 4.7 INT pro 100 Passversuche sind gar der zweitschlechteste Wert der Liga, aber jetzt kommt’s: Geschafft hat Arizona das gegen den drittschwersten Schedule der Liga. Das Power-Ranking legt Wert auf Schedule-Anpassung, und belohnt die Cards dafür, diese Zahlen gegen einen solchen Schedule erreicht zu haben.

Was sehe ich bei den Arizona Cardinals? Eine weiterhin unterdurchschnittliche Offense Line. Einen QB Palmer, der zwar mit 15 INT mehr Turnovers begeht als Touchdowns, aber im Vergleich zu allem, was in Arizona die letzten drei Jahre Pässe geworfen hat, trotzdem drei Klassen höher einzustufen ist (Palmer = NFL-Durchschnitt). Eine unverständliche Situation auf Runningback, wo weiterhin mit Rookie Andre Ellington (7.2 Y/A) einer der effizientesten Offensivspieler der Liga hinter dem komplett ineffizienten RB Mendenhall (3.1 Y/A) zurückstehen muss. Mit welchen Augen schaut Arizonas Coaching-Staff die Spiele? Ist es Arians‘ Nibelungentreue zu Mendenhall, den er einst in Pittsburgh eigenhändig aus dem College draftete? Auf alle Fälle hat man eine solche Fehl-Rotation von Runningbacks zuletzt 2010 in Kansas City gesehen, wo damals Thomas Jones (3.1 Y/A) mehr Carries bekam als Jamaal Charles (6.5 Y/A). Diese Aufstellungsfehler kosten Arizona massig Prozentpunkte im Laufspiel – da ich annehme, dass Ellington früher oder später mehr Spielzeit bekommen wird (er muss!), erwarte ich von der Laufspiel-SR% einen baldigen Anstieg.

Ach, und Arizona hat: Eine extrem schnelle, wuchtige Defense. Diese Defense ist nach dieser Woche die #7 der Liga in meinem Ranking (letzte Woche wie gesagt #6). Der Kollege Herrmann schwärmt bekanntlich seit Jahren von Jungs wie DL #93 Calais Campbell oder LB #58 Daryl Washington, und ich hab auch noch einen dritten anzubieten, einen, der bislang als überschätzt galt: CB #21 Patrick Peterson. Houstons Andre Johnson, kein schlechter seines Fachs (das mag eine Untertreibung sein), musste am Sonntag einige der besten Zaubercatches seiner langen Karriere auspacken, um Peterson beizukommen. Ein sagenhafter Mann. Es scheint sich für Peterson im dritten Profijahr auszuzahlen, dass er nun so lange so konsequent in Manndeckung gestellt wurde, bis er es auf die harte Tour gelernt hat.

Arizona gewann zwar knapp gegen Houston, aber Houston ist mit 2-7 Record extrem unterschätzt. Es brauchte einen Defense-TD für Arizona, aber das Spiel mal nüchtern betrachtet, war Arizona die bessere Mannschaft. Arizona hat Carolina geschlagen. Arizona hat Detroit geschlagen! Die Lions-Niederlage in Woche 2 dort sieht mit einem Mal nicht mehr so übel aus… Kurzum: Mir dämmert, dass ich da bisher möglicherweise ein Team massiv unterschätzt habe. Ich bin vermutlich nicht allein, denn niemand interessiert sich für ein Team, das in der einsamen Sonorawüste ihr Dasein fristet. Aber dafür haben wir die Advanced-Stats, damit wir solche Teams genügend würdigen können.


Nachklapp zu Bengals @ Ravens. Jo, die Ravens gewannen, und sie hätten ohne einen unmöglichen Hailmary-TD keine Overtime gebraucht, aber das war trotzdem nix. Die Ravens sind keine Verirrung im Power-Ranking an #30. Sie gehören ziemlich genau dorthin. Das Hauptproblem ist die Offense: QB Joe Flacco hat wenig bis nix zum Arbeiten und vor allem genau null Laufspiel-Hilfe (Ravens-Laufspiel: 28% Success-Rate, was zu diesem späten Zeitpunkt in der Saison ohne Vergleiche ist). Trotzdem fand ich Flacco auch gegen Cincinnati unterirdisch. Flacco hatte einen guten Spielzug in der Overtime, als er sich die Zeit für einen 1st-Down Pass erkaufte, aber sonst? Sterilität 68 Minuten lang. Die 20 Punkte bekamen die Ravs geschenkt durch Bengals-Turnovers und Gio Bernard Negativ-Lauf. Ravens 2013: #25 Pass-Offense, #32 Laufoffense. Die Defense ist allerdings stark und eigentlich zu schade, um einen derartigen Schrotthaufen an Offense durchzuschleppen.

Aus den Bengals werde ich nicht schlau, obwohl jeder Laie der Checkliste entlang haarklein die Stärken und Schwächen aufzählen kann. Die Defense ist nicht das Problem; Baltimore ist kein Prüfstein, aber trotzdem musst du eine NFL-Offense erstmal so komplett dermaßen abwürgen wie Cincinnati auch gegen Baltimore wieder – zumal ohne die beiden wichtigsten Einzelspieler DT Atkins und CB Hall. DefCoord Mike Zimmer, alle Achtung! Die Offense wird Cincinnati über kurz oder lang killen. QB Andy Dalton hat den tiefen Ball einfach nicht drauf, kannste machen wasse willst.

Krasses Team sind sie, die Bengals: Letzte fünf Spiele zuerst zweimal en suite durch Last Second-FG gewonnen, dann die Jets mit 40pts-Sieg nach Hause geschickt, dann zwei Overtime-Pleiten hintereinander. Klingt erstmal nicht nach #4 im Power-Ranking, aber dort oben wird Cincinnati noch verortet.


St Louis Rams… rein optisch hätte ich die Rams schon das ganze Jahr höher als ihre mickrige Position im Power-Ranking eingestuft, aber es gab nix dran zu rütteln, dass weder die Pass-Offense noch die Pass-Defense in irgendeiner Weise konkurrenzfähig waren. QB Bradford konnte seine schwachen Effizienz-Stats mit sehr guten Turnover-Werten kaschieren, weswegen die Rams auch Spiele bei aller sonstigen Grottigkeit gewannen. Backup-QB Clemens ist effizienter als Bradford, das Defensive Backfield nutzt mittlerweile zumindest halbwegs den „vorne“ entfachten Wirbel der Passrusher um DE Long und DE Quinn, und schwupps sehen die Rams wie eine ernst zu nehmende Mannschaft aus. Ich kann mich erinnern, dass St Louis schon letztes Jahr besser abschloss als es ihr Power-Ranking erwarten ließ; das fällt positiv auf Headcoach Fisher zurück (ich lobte Fisher schon mehrfach). Wenn Fisher im nächsten Draft den richtigen Quarterback findet (und OC Schottenheimer austauscht) und einen der vielen sonstigen hohen Picks in den richtigen Defensive Back investiert, ist diese physische Mannschaft schneller als man denkt in den Top-10.

Indianapolis dagegen rutscht quer durch die Boards erstmal runter auf #15, wobei ich zugebe, dass mit die Heftigkeit des Absturzes schon überrascht. Aber die Colts haben in der Pass-Defense ordentlich eingebüßt (mittlerweile 7.0 NY/A), und vor allem hat ihr Schedule diese Woche einen bösen Knick erlebt: Einige der bisherigen Gegner wie Oakland, Miami oder San Francisco büßten massiv Boden ein und ziehen damit auch die Wertigkeit der Colts-Leistungen gegen diese Teams nach unten.

Indy ist damit erstmal dort angelangt, wo ich sie vor Saisonstart verortet hätte. Der Saisonstart der Colts war viel besser als ich erwartet hatte; seit die Verletzungen zuschlagen und vor allem WR Reggie Wayne nimmer helfen kann, die üble Offense Line zu kaschieren, ging es aber rapider mit den Colts abwärts als ich vermutet hätte.


Im Conference-Vergleich wird die NFC immer dominanter:

  • NFC .541
  • AFC .459

Wenn wir die besten Divisionen messen, geigt die NFC West dann auch schon mittlerweile gehörig auf (u.a. drei Teams in den Top-10 des Power-Rankings); die AFC South gurkt immer tiefer gen Bodensatz. Auffällig ist auch der Split: Alle vier NFC-Divisionen gelten als mittlerweile überdurchschnittlich; alle vier AFC-Divisionen als unterdurchschnittlich.

  1. NFC West .580
  2. NFC North .538
  3. NFC South .524
  4. NFC East .522
  5. AFC West .495
  6. AFC North .479
  7. AFC East .452
  8. AFC South .409

Award Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson, LeSean McCoy
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Luke Kuechly
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen
  • Coach-Watch: Sean Payton, Andy Reid, Ron Rivera

In der Offense kehrt LeSean McCoy nach nur kurzer Zeit wieder ins Blickfeld zurück. Mit Luke Kuechly heißen wir einen Neuling im Blickfeld für den Defense-Player-of-the-Year Award willkommen. Das Feld ist mittlerweile hochklassig genug, dass Ndamukong Suh nur mehr mit etwas gutem Willen drin bleibnt. Bei den Rookies wird es Zeit, DeAndre Hopkins von der Liste zu streichen und zwei Neulinge aufzunehmen: RB Eddie Lacy aus Green Bay und WR Keenan Allen aus San Diego. Lacy war am College eine Nummer kleiner als sein dortiger Teamkollege Trent Richardson, aber in der NFL hat er schon jetzt mehr bewegt als „TRich“. Allen ist mittlerweile das tragende Element der Chargers-Offense und somit wertvoller als Hopkins.

Andre Ellington bleibt. Arizonas Coaching-Staff muss nur schleunigst kapieren, was er an dem Jungen hat; Gio Bernard wird nicht aufgenommen, aber es ist ein „noch nicht“ mit Zusatz „wohl sehr bald“. Beide kommen momentan zu wenig zum Einsatz. Allein vom angedeuteten Potenzial sind beide aber bereits die mit großem Abstand besten Optionen für ihre jeweiligen Teams.

Bei den Coaches fliegt Pagano erstmal runter. Doug Marrone von Buffalo und Marv Lewis aus Cincinnati haben sich endgültig mit subparen Eindrücken verabschiedet und werden dieses Jahr wohl nicht mehr aufgenommen.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 11

Woche 10 verlieft für das Power-Ranking schlecht: Nur eine 6-8 Bilanz. Über die Saison sind das nun 53-30 richtige Tipps, also 63.8%. OK, die Rodgers-Verletzung war dem Ranking nicht bekannt. Persönlich hab ich noch schlechter abgeschnitten und nur fünf richtige Tipps an diesem Spieltag abgegeben; man könnte auch sagen, ich war dabei 2-7 in engen Spielen. Damit habe ich bei NFL-Crush meine geteilte Führung erstmal wieder verloren.

HOME                 %   AWAY                  %
Tennessee           53   Indianapolis         47
Buffalo             52   NY Jets              48
Chicago             76   Baltimore            24
Cincinnati          73   Cleveland            27
Philadelphia        77   Washington           23
Pittsburgh          39   Detroit              61
Tampa Bay           48   Atlanta              52
Jacksonville        17   Arizona              83
Houston             80   Oakland              20
Miami               48   San Diego            52
New Orleans         66   San Francisco        34
NY Giants           44   Green Bay            56
Seattle             87   Minnesota            13
Denver              75   Kansas City          25
Carolina            66   New England          34

Eine Woche, auf die ich mich ungemein freue. Ich hoffe, Arbeits- und Uni-Stress lassen einen NFL-Sonntagabend zu, denn da sind – mit Verlaub – geile Matchups drunter. Vier Spiele innerhalb der 53%-Marke ist unerhört, und die besten Matchups sind da noch nichtmal inbegriffen: Saints-49ers, Broncos-Chiefs und Panthers-Patriots sind alles Spitzenspiele mit massiven Play-Implikationen.

Ad-hoc widersprechen würde ich der Packers-Favoritenstellung in New York (aus bekannten Gründen), und auch bei Lions @ Steelers sehe ich durchaus Upset-Potenzial: Die hochoktanige Lions-Offense im Schlamm des Heinz Field? Schaue ich mir an. Atlanta in Tampa Bay favorisiert? Hm…

Denver gegen Kansas City wurde von NBC via Flex-Scheduling in die Primetime gehievt und ist bei uns leider, leider nur in der Nacht zu sehen. Das Modell gibt es den Broncos eine 75%ige Chance zuhause gegen die Chiefs, was 3 aus 4 entspricht – würde ich so unterschreiben. Es riecht viel danach, dass die alten Kämpen der 72er Dolphins den Sekt schon mal kalt stellen können – für die ritualisierte Feier zur Niederlage des letzten Ungeschlagenen.