NFL-Power Ranking 2013, Week 14

Woche 14 war eine der aufregendsten dieses Jahr, und wir haben das schon recht ausführlich im Sofa-QB Podcast und bei SPORT1 FM am Montagabend besprochen. Es bleibt noch einmal festzuhalten, wie eng es in den meisten Matchups zuging, mit teilweise krassen Finishes in Baltimore, Pittsburgh oder New England.

Mittendrin waren wie so oft auch die Referees, von denen einige Crews immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit geraten, aber es ist wie so oft: Refs sind Teil des Spiels. Ob man will oder nicht, sie werden immer Spiele mit entscheiden. Dass in einem Sport mit so kompliziertem Regelwerk wie American Football die eine oder andere haarige Entscheidung zu treffen ist (Regelauslegungen! Pass Interference! Roughing the Passer! Kopfschutz!) und nicht jede davon korrekt oder nachvollziehbar ist, kann ich gut verstehen.

Das einzige, was auffällt, und möglicherweise einen berechtigten Angriffspunkt bietet: Mehrere Head-Refs haben die 60 überschritten. Zwar gehören Jungs wie Mike Carey oder Ed Hochuli zu den besseren, aber eine Verjüngung könnte bald fällig sein.

Zum Power-Ranking, das die Effizienz der Teams misst, und sich von der Schiedsrichterei weniger beeinflussen lässt als die Siegbilanz. Weiterlesen

NFL-Power Ranking 2013, Week 10: Die Wüste gibt ihr Geheimnis preis

Die Jacksonville Jaguars holten den ersten Saisonsieg. Der war wichtig für das Selbstbewusstsein dieser Franchise, die seit dem Owner-Wechsel auf Shadid Khan vor nunmehr fast zwei Jahren sehr umtriebig versucht, ihr graues Imkage aufzubessern. Jacksonville ist nicht wie Detroit 2008, das damals die negativste Saison brauchte, um endgültig die Reißleine zu ziehen und sich von Grund auf selbst zu sanieren. Jacksonville 2013 hat die Grundsteine zur Sanierung schon gelegt, und wusste um die Schwierigkeit, heil durch diese Saison zu kommen. Ein 0-16 hätte viel mehr Gespött bedeutet als es diese Franchise verdient hat.

Der Sieg über Tennessee kam in etwa so zustande, wie ein Jaguars-Sieg 2013 zustande kommen musste: Ein quasi-spielunfähiger verletzter gegnerischer Quarterback, vier Turnovers beim Gegner, ein Fumble-Return zum TD und halbwegs opportunistische eigene Offense. Mehr können die Jags 2013 nicht, aber sie können gegen einen strauchelnden Mittelklasse-Gegner – nix anderes war Tennessee – zuschlagen, wenn es die Situation erlaubt. Das haben sie gemacht, und nun kann die zweite Saisonhälfte in Ruhe und ohne Angst vor der Lächerlichkeit abgeschenkt werden.

Bei den Tampa Bay Buccaneers war eh nie die Gefahr einer sieglosen Saison. Die waren das vermutlich beste 0-8 Team aller Zeiten. Tampa fightete sich zu einem grundsoliden 22-19 Sieg über Miami. Leistung: Sehr gut.


Lass mich mal ein gefühltes Power-Ranking andenken. Wir haben mehrere Fraktionen:

  • CU in February: Seattle und San Francisco. Es kann nur einen von beiden geben, wenn überhaupt, klar, aber das sind die optisch überzeugendsten Teams bisher. Ja, San Francisco.
  • CU in January, weil wir so gut sind: New Orleans, Carolina, New England, Kansas City, Denver, Green Bay, Detroit. Ich weiß, dass die Rechnung in der NFC nicht aufgeht, weil es keine drei Wildcards geben wird, aber in etwa so fühlen sich die Teams an; bei den Packers natürlich einen gesunden Aaron Rodgers vorausgesetzt.
  • CU in January, weil die anderen so schlecht sind: Miami, NY Jets, Houston, Tennessee, Cincinnati, Baltimore, Cleveland, Pittsburgh, San Diego. Also das komplette AFC-Wildcard-Feld in der Bewerbung um den sechsten Seed (einer von diesen wird auch an die AFC North gehen).
  • Ciao im Dezember, weil die anderen zu gut sind? Arizona, Chicago. Das Los des NFC-Durchschnittsteams: Besser sein als die Counterparts in der AFC, aber die Gegner sind zu hochklassig. Oder? Wir werden über ein Team gleich nachher noch mehr lesen…
  • CU in January, weil einer die NFC East gewinnen muss: Dallas. Es muss aber nur einer heißlaufen, das Dallas rausfliegt.
  • Ciao im Dezember, weil nur einer die NFC East gewinnen kann: Philadelphia, NY Giants, Washington. Es muss aber nur einer heißlaufen, dass statt seiner Dallas rausfliegt.
  • Identitätskrise: Indianapolis, St Louis. Das 38-8 vom Wochenende dürfte das überraschendste Ergebnis der Saison sein. Bezeichnend, dass zwei der drei unberechenbarsten Teams (neben den Jets) daran beteiligt waren.
  • Saison im Gully: Atlanta, Minnesota, Buffalo, Tampa Bay.
  • Hauptpreis Bridgewater: Jacksonville, Oakland.

Vom gefühlten zum „offiziellen“ Sideline Reporter Power-Ranking nach Woche 10.

NFL-Power Ranking 2013, Week 10

NFL-Power Ranking 2013, Week 10

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 10.

Statistik-Sektion

Wichtigste Statistik-Inputs für Week 10

Wichtigste Statistik-Inputs für Week 10

Kommentar-Sektion

Das Spiel EaglesPackers sei ganz kurz aus dem Blickwinkel des Power-Rankings diskutiert, über den man Bescheid wissen sollte: Das Ranking weiß um keine Verletzungen. Der Fall Green Bay ist deswegen so krass, weil hier der beste und wichtigste Spieler der NFL, QB Aaron Rodgers, durch einen third stringer (Tolzien) ersetzt wird, der bislang keinen NFL-Pass geworfen hat. Das ist die krassest mögliche Verletzung seit Manning in Indianapolis ausfiel; allerdings spielte Manning nicht ein einziges Down in jener Saison und war insofern für das Power-Ranking irrelevant. Bei Rodgers nein. Hier rechnet das Ranking für den nächsten Monat mit den Werten, als spiele Rodgers noch mit.

Damit dürfte Green Bay die nächsten Wochen mit Vorsicht zu genießen sein, aber nicht nur Green Bay, sondern auch deren Gegner: Diese profitieren aus Ranking-Sicht in zweierlei: Sie werden bessere Defense-Werte einfahren (weil Tolzien eben nicht Rodgers ist), und sie kriegen einen Boost durch den Strength of Schedule, der Green Bay aktuell mit Sicherheit überbewertet. Insofern „Glück“ für die Eagles, die diese Woche massive Pluspunkte sammeln konnten, obwohl der Sieg eigentlich eine Art „Muss-Sieg“ war gegen einen übel angeknockten Gegner.

Ich werde übrigens das Ranking nicht auf die Rodgers-Verletzung anpassen, da ich ansonsten auch für weitere Verletzungen Adjustments machen müsste, Adjustments, für die schlicht genügend Daten aus der Historie fehlen. Ich bitte, die im Hinterkopf zu behalten.


Ich hab’s oben schon angesprochen, und nun der genauere Blick auf ein Team, das bisher völlig übersehen wurde. Schon letzte Woche schaute ich erstaunt auf mein Ranking der besten Defenses, und sieht da: Die sechsbeste gehörte den Arizona Cardinals! Nach einer weiteren exzellenten Cards-Vorstellung gegen Houston rückt Arizona diese Woche sensationell auf #10 im Gesamt-Power Ranking vor (letzte Woche: #19). Zugegeben, der Leistungssprung in absoluten Werten war nicht ungeheuerlich, aber trotzdem: Ich horche auf.

Was macht die Cards so besonders? Die Offense ist es nicht wirklich. 5.9 NY/A im Passspiel ist in einem Vakuum leicht unterdurchschnittlich und NFL-weit #20, und die mit 38% nur 26t-beste Lauf-Offense auch net so beeindruckend, und 4.7 INT pro 100 Passversuche sind gar der zweitschlechteste Wert der Liga, aber jetzt kommt’s: Geschafft hat Arizona das gegen den drittschwersten Schedule der Liga. Das Power-Ranking legt Wert auf Schedule-Anpassung, und belohnt die Cards dafür, diese Zahlen gegen einen solchen Schedule erreicht zu haben.

Was sehe ich bei den Arizona Cardinals? Eine weiterhin unterdurchschnittliche Offense Line. Einen QB Palmer, der zwar mit 15 INT mehr Turnovers begeht als Touchdowns, aber im Vergleich zu allem, was in Arizona die letzten drei Jahre Pässe geworfen hat, trotzdem drei Klassen höher einzustufen ist (Palmer = NFL-Durchschnitt). Eine unverständliche Situation auf Runningback, wo weiterhin mit Rookie Andre Ellington (7.2 Y/A) einer der effizientesten Offensivspieler der Liga hinter dem komplett ineffizienten RB Mendenhall (3.1 Y/A) zurückstehen muss. Mit welchen Augen schaut Arizonas Coaching-Staff die Spiele? Ist es Arians‘ Nibelungentreue zu Mendenhall, den er einst in Pittsburgh eigenhändig aus dem College draftete? Auf alle Fälle hat man eine solche Fehl-Rotation von Runningbacks zuletzt 2010 in Kansas City gesehen, wo damals Thomas Jones (3.1 Y/A) mehr Carries bekam als Jamaal Charles (6.5 Y/A). Diese Aufstellungsfehler kosten Arizona massig Prozentpunkte im Laufspiel – da ich annehme, dass Ellington früher oder später mehr Spielzeit bekommen wird (er muss!), erwarte ich von der Laufspiel-SR% einen baldigen Anstieg.

Ach, und Arizona hat: Eine extrem schnelle, wuchtige Defense. Diese Defense ist nach dieser Woche die #7 der Liga in meinem Ranking (letzte Woche wie gesagt #6). Der Kollege Herrmann schwärmt bekanntlich seit Jahren von Jungs wie DL #93 Calais Campbell oder LB #58 Daryl Washington, und ich hab auch noch einen dritten anzubieten, einen, der bislang als überschätzt galt: CB #21 Patrick Peterson. Houstons Andre Johnson, kein schlechter seines Fachs (das mag eine Untertreibung sein), musste am Sonntag einige der besten Zaubercatches seiner langen Karriere auspacken, um Peterson beizukommen. Ein sagenhafter Mann. Es scheint sich für Peterson im dritten Profijahr auszuzahlen, dass er nun so lange so konsequent in Manndeckung gestellt wurde, bis er es auf die harte Tour gelernt hat.

Arizona gewann zwar knapp gegen Houston, aber Houston ist mit 2-7 Record extrem unterschätzt. Es brauchte einen Defense-TD für Arizona, aber das Spiel mal nüchtern betrachtet, war Arizona die bessere Mannschaft. Arizona hat Carolina geschlagen. Arizona hat Detroit geschlagen! Die Lions-Niederlage in Woche 2 dort sieht mit einem Mal nicht mehr so übel aus… Kurzum: Mir dämmert, dass ich da bisher möglicherweise ein Team massiv unterschätzt habe. Ich bin vermutlich nicht allein, denn niemand interessiert sich für ein Team, das in der einsamen Sonorawüste ihr Dasein fristet. Aber dafür haben wir die Advanced-Stats, damit wir solche Teams genügend würdigen können.


Nachklapp zu Bengals @ Ravens. Jo, die Ravens gewannen, und sie hätten ohne einen unmöglichen Hailmary-TD keine Overtime gebraucht, aber das war trotzdem nix. Die Ravens sind keine Verirrung im Power-Ranking an #30. Sie gehören ziemlich genau dorthin. Das Hauptproblem ist die Offense: QB Joe Flacco hat wenig bis nix zum Arbeiten und vor allem genau null Laufspiel-Hilfe (Ravens-Laufspiel: 28% Success-Rate, was zu diesem späten Zeitpunkt in der Saison ohne Vergleiche ist). Trotzdem fand ich Flacco auch gegen Cincinnati unterirdisch. Flacco hatte einen guten Spielzug in der Overtime, als er sich die Zeit für einen 1st-Down Pass erkaufte, aber sonst? Sterilität 68 Minuten lang. Die 20 Punkte bekamen die Ravs geschenkt durch Bengals-Turnovers und Gio Bernard Negativ-Lauf. Ravens 2013: #25 Pass-Offense, #32 Laufoffense. Die Defense ist allerdings stark und eigentlich zu schade, um einen derartigen Schrotthaufen an Offense durchzuschleppen.

Aus den Bengals werde ich nicht schlau, obwohl jeder Laie der Checkliste entlang haarklein die Stärken und Schwächen aufzählen kann. Die Defense ist nicht das Problem; Baltimore ist kein Prüfstein, aber trotzdem musst du eine NFL-Offense erstmal so komplett dermaßen abwürgen wie Cincinnati auch gegen Baltimore wieder – zumal ohne die beiden wichtigsten Einzelspieler DT Atkins und CB Hall. DefCoord Mike Zimmer, alle Achtung! Die Offense wird Cincinnati über kurz oder lang killen. QB Andy Dalton hat den tiefen Ball einfach nicht drauf, kannste machen wasse willst.

Krasses Team sind sie, die Bengals: Letzte fünf Spiele zuerst zweimal en suite durch Last Second-FG gewonnen, dann die Jets mit 40pts-Sieg nach Hause geschickt, dann zwei Overtime-Pleiten hintereinander. Klingt erstmal nicht nach #4 im Power-Ranking, aber dort oben wird Cincinnati noch verortet.


St Louis Rams… rein optisch hätte ich die Rams schon das ganze Jahr höher als ihre mickrige Position im Power-Ranking eingestuft, aber es gab nix dran zu rütteln, dass weder die Pass-Offense noch die Pass-Defense in irgendeiner Weise konkurrenzfähig waren. QB Bradford konnte seine schwachen Effizienz-Stats mit sehr guten Turnover-Werten kaschieren, weswegen die Rams auch Spiele bei aller sonstigen Grottigkeit gewannen. Backup-QB Clemens ist effizienter als Bradford, das Defensive Backfield nutzt mittlerweile zumindest halbwegs den „vorne“ entfachten Wirbel der Passrusher um DE Long und DE Quinn, und schwupps sehen die Rams wie eine ernst zu nehmende Mannschaft aus. Ich kann mich erinnern, dass St Louis schon letztes Jahr besser abschloss als es ihr Power-Ranking erwarten ließ; das fällt positiv auf Headcoach Fisher zurück (ich lobte Fisher schon mehrfach). Wenn Fisher im nächsten Draft den richtigen Quarterback findet (und OC Schottenheimer austauscht) und einen der vielen sonstigen hohen Picks in den richtigen Defensive Back investiert, ist diese physische Mannschaft schneller als man denkt in den Top-10.

Indianapolis dagegen rutscht quer durch die Boards erstmal runter auf #15, wobei ich zugebe, dass mit die Heftigkeit des Absturzes schon überrascht. Aber die Colts haben in der Pass-Defense ordentlich eingebüßt (mittlerweile 7.0 NY/A), und vor allem hat ihr Schedule diese Woche einen bösen Knick erlebt: Einige der bisherigen Gegner wie Oakland, Miami oder San Francisco büßten massiv Boden ein und ziehen damit auch die Wertigkeit der Colts-Leistungen gegen diese Teams nach unten.

Indy ist damit erstmal dort angelangt, wo ich sie vor Saisonstart verortet hätte. Der Saisonstart der Colts war viel besser als ich erwartet hatte; seit die Verletzungen zuschlagen und vor allem WR Reggie Wayne nimmer helfen kann, die üble Offense Line zu kaschieren, ging es aber rapider mit den Colts abwärts als ich vermutet hätte.


Im Conference-Vergleich wird die NFC immer dominanter:

  • NFC .541
  • AFC .459

Wenn wir die besten Divisionen messen, geigt die NFC West dann auch schon mittlerweile gehörig auf (u.a. drei Teams in den Top-10 des Power-Rankings); die AFC South gurkt immer tiefer gen Bodensatz. Auffällig ist auch der Split: Alle vier NFC-Divisionen gelten als mittlerweile überdurchschnittlich; alle vier AFC-Divisionen als unterdurchschnittlich.

  1. NFC West .580
  2. NFC North .538
  3. NFC South .524
  4. NFC East .522
  5. AFC West .495
  6. AFC North .479
  7. AFC East .452
  8. AFC South .409

Award Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offensiv-MVP: Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson, LeSean McCoy
  • Defensiv-MVP: J.J. Watt, Poe, Justin Houston, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Luke Kuechly
  • Rookie-Watch: Sheldon Richardson, Star Lotulelei, Kiko Alonso, Andre Ellington, Eddie Lacy, Keenan Allen
  • Coach-Watch: Sean Payton, Andy Reid, Ron Rivera

In der Offense kehrt LeSean McCoy nach nur kurzer Zeit wieder ins Blickfeld zurück. Mit Luke Kuechly heißen wir einen Neuling im Blickfeld für den Defense-Player-of-the-Year Award willkommen. Das Feld ist mittlerweile hochklassig genug, dass Ndamukong Suh nur mehr mit etwas gutem Willen drin bleibnt. Bei den Rookies wird es Zeit, DeAndre Hopkins von der Liste zu streichen und zwei Neulinge aufzunehmen: RB Eddie Lacy aus Green Bay und WR Keenan Allen aus San Diego. Lacy war am College eine Nummer kleiner als sein dortiger Teamkollege Trent Richardson, aber in der NFL hat er schon jetzt mehr bewegt als „TRich“. Allen ist mittlerweile das tragende Element der Chargers-Offense und somit wertvoller als Hopkins.

Andre Ellington bleibt. Arizonas Coaching-Staff muss nur schleunigst kapieren, was er an dem Jungen hat; Gio Bernard wird nicht aufgenommen, aber es ist ein „noch nicht“ mit Zusatz „wohl sehr bald“. Beide kommen momentan zu wenig zum Einsatz. Allein vom angedeuteten Potenzial sind beide aber bereits die mit großem Abstand besten Optionen für ihre jeweiligen Teams.

Bei den Coaches fliegt Pagano erstmal runter. Doug Marrone von Buffalo und Marv Lewis aus Cincinnati haben sich endgültig mit subparen Eindrücken verabschiedet und werden dieses Jahr wohl nicht mehr aufgenommen.

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 11

Woche 10 verlieft für das Power-Ranking schlecht: Nur eine 6-8 Bilanz. Über die Saison sind das nun 53-30 richtige Tipps, also 63.8%. OK, die Rodgers-Verletzung war dem Ranking nicht bekannt. Persönlich hab ich noch schlechter abgeschnitten und nur fünf richtige Tipps an diesem Spieltag abgegeben; man könnte auch sagen, ich war dabei 2-7 in engen Spielen. Damit habe ich bei NFL-Crush meine geteilte Führung erstmal wieder verloren.

HOME                 %   AWAY                  %
Tennessee           53   Indianapolis         47
Buffalo             52   NY Jets              48
Chicago             76   Baltimore            24
Cincinnati          73   Cleveland            27
Philadelphia        77   Washington           23
Pittsburgh          39   Detroit              61
Tampa Bay           48   Atlanta              52
Jacksonville        17   Arizona              83
Houston             80   Oakland              20
Miami               48   San Diego            52
New Orleans         66   San Francisco        34
NY Giants           44   Green Bay            56
Seattle             87   Minnesota            13
Denver              75   Kansas City          25
Carolina            66   New England          34

Eine Woche, auf die ich mich ungemein freue. Ich hoffe, Arbeits- und Uni-Stress lassen einen NFL-Sonntagabend zu, denn da sind – mit Verlaub – geile Matchups drunter. Vier Spiele innerhalb der 53%-Marke ist unerhört, und die besten Matchups sind da noch nichtmal inbegriffen: Saints-49ers, Broncos-Chiefs und Panthers-Patriots sind alles Spitzenspiele mit massiven Play-Implikationen.

Ad-hoc widersprechen würde ich der Packers-Favoritenstellung in New York (aus bekannten Gründen), und auch bei Lions @ Steelers sehe ich durchaus Upset-Potenzial: Die hochoktanige Lions-Offense im Schlamm des Heinz Field? Schaue ich mir an. Atlanta in Tampa Bay favorisiert? Hm…

Denver gegen Kansas City wurde von NBC via Flex-Scheduling in die Primetime gehievt und ist bei uns leider, leider nur in der Nacht zu sehen. Das Modell gibt es den Broncos eine 75%ige Chance zuhause gegen die Chiefs, was 3 aus 4 entspricht – würde ich so unterschreiben. Es riecht viel danach, dass die alten Kämpen der 72er Dolphins den Sekt schon mal kalt stellen können – für die ritualisierte Feier zur Niederlage des letzten Ungeschlagenen.

NFL-Power Ranking 2013, Week 8: Der Teufelskerl

Peter King beschrieb in seiner allwöchentlichen Kolumne Monday Morning Quarterback die letztenden Sekunden des Krachers zwischen den Detroit Lions (5-3) und den Dallas Cowboys (4-4), das Detroit bekanntlich denkbar knapp 31-30 gewann. King beschreibt, was in Quarterback Matthew Stafford vorging, nachdem Calvin Johnson in der letzten halben Spielminute an der „halb-Yards Line“ gestoppt wurde:

“So I’m on the line, and everyone in the stadium thinks I’m spiking it, and that was the plan,’’ Stafford said. “The other 10 guys [on offense] thought I was too. I thought I was—but then I saw a couple of their guys, almost standing up, and I just had this thought: Maybe I could make it by sneaking, or just putting the ball over the line. Maybe that was our best chance.’’

But no timeouts left. Clock running. If Stafford failed, there was a chance he wouldn’t get another play off. “Oh, no question,’’ he said. “That was it. That would have been the last play of the game; we weren’t getting another one off. That runs through your mind. You think, ‘Boy, I’ll get a minus on the play sheet when we go over this.’ ‘’

NFL-Films wird in den nächsten Tagen einen fantastischen Videoschnitt der letzten Minute ausstrahlen, der wunderbar dokumentiert, wie Stafford („Clock it! Clock it! Clock it!“) erst den Ball spikte, und dann, beim zweiten Mal zwei Pässe später, über seine verblüffte Offense Line drüber zum entscheidenden Touchdown in die EndZone hüpfte.

Warum es einen Video-Review brauchte, ist mir schleierhaft, nachdem ja spätestens im Nachfassen klar war: Stafford ist in der EndZone, aber wurscht. Diese Eier zu besitzen, ohne Timeouts mit 12 Sekunden auf der Uhr anstelle des Spikes das Überraschungsmoment zum QB-Sneak zu nutzen, war ganz groß, und ist nach dem vor wenigen Wochen beschriebenen 2009er-Spiel gegen die Cleveland Browns der zweite wirklich große Moment Staffords in der NFL.

Matthew Stafford gehört zu den umstrittensten NFL-Quarterbacks der Gegenwart, weil er wie kaum ein zweiter das Spannungsfeld zwischen Elite-Potenzial und tatsächlicher Elite beschreibt. „Genie und Wahnsinn“ würde etwas zu weit gehen, aber es bleibt festzuhalten, dass er…

  • … in lichten Momenten Würfe auspackt, die kein anderer Quarterback außer Aaron Rodgers drauf hat (wie die Granate für Durham im drittletzten Spielzug).
  • … zwar von der Präsenz eines Calvin Johnson profitiert, aber eben auch diese Präsenz nutzt mit Würfen, die sich kaum ein anderer Quarterback wagen würde (wie die beiden Pässe in Doppel- und Dreifachdeckung diese und letzte Woche).
  • … trotzdem in jedem Spiel frustrierende Phasen hat, in denen man ihn zum Teufel jagen möchte.

Ich habe mich damit abgefunden, dass Matt Stafford eben… „Matt Stafford“ ist. Kein systemunabhängiger Spieler. Keiner, der ohne einen Megatron die Welt erobert. Ein Chamäleon. Das reicht zwar nicht aus, um aus den Detroit Lions ein dauerhaftes Spitzenteam zu machen, aber es gibt die Chance auf einen Superbowl-Run, und, vor allem, garantiert, dass diese Mannschaft nie langweilig wird.

Es war ein ebenso verdienter wie glücklicher Triumph über Dallas. Als Stafford wild hüpfend und gestikulierend den finalen Spielzug einleitete, liefen vor meinem geistigen Auge die Bilder ab, wie letztes Jahr Aaron Murray von der University of Georgia im SEC-Finale gegen Alabama in den letzten Sekunden das Spielfeld hinunter stürmte und uns ein ebenso unvergessliches Finish besorgte. Stafford vermied wie damals Murray den Spike. Nur einer von beiden wurde für den Mut belohnt. Aber solche Szenen sind der Hauptgrund, warum ich diesen Sport so liebe.


Zu den harten Fakten.

NFL-Power Ranking 2013, Woche 8

NFL-Power Ranking 2013, Woche 8

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, (LW) ist das Ranking von letzter Woche, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rs die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 8.

Statistik-Tabelle

Die wichtigsten Statistiken nach Woche 8

Die wichtigsten Statistiken nach Woche 8

Kommentarsektion

Ich hatte nicht die Zeit, mir alle oder fast alle Condensed-Tapes durchzuschauen, aber was ich bisher vom achten Spieltag u.a. mitgenommen habe, waren die vielen, auffällig vielen, ausgespielten 4th-Downs, die mehreren Spitzenteams halfen, wie Carolina, San Francisco, Denver (mehrfach), Detroit (das allerdings auch einmal zurückschiss) oder New Orleans, und auch Jacksonville und Miami hatten die Traute, um 4th-und-kurz auszuspielen. Zufall oder Trend?

Was vielleicht mal ganz interessant ist: Ein Divisionsvergleich. So stehen die acht Divisionen nach durchschnittlichem Power-Ranking Wert knapp vor der Saisonhalbzeit 2013/14:

  1. NFC West 0.550
  2. AFC West 0.545
  3. NFC North 0.529
  4. AFC North 0.518
  5. NFC East 0.512
  6. NFC South 0.485
  7. AFC South 0.454
  8. AFC East 0.406

Die AFC East ist dabei die einzige Division, die nicht ein einziges Team in die obere Plateau-Hälfte bringt; das beste Team New England ist an #21 klassiert. Die NFC West bleibt die Königin, weil Seahawks und 49ers in den Top-3 gerankt sind. Die AFC West ist etwas überraschend als momenten stärkste AFC-Division anzusehen. Insgesamt ergibt der Conference-Vergleich folgendes Bild:

  • NFC 0.519
  • AFC 0.481

Wie erwartet also ist die NFC die aktuell höher einzustufende Conference.

Auf Team-Ebene klafft das Leistungsspektrum schön langsam auseinander: Seattle, Cincinnati und Denver sind mittlerweile auf einem Niveau, das nur wenige Teams bisher bis zum Saisonende halten konnten (zuletzt beendete Pittsburgh 2011 die Saison mit zumindest .750). Das kompletteste Team stellt dabei momentan zweifellos Seattle, aber bis runter auf #9 würde ich keine Mannschaft unterschätzen: Sie alle spielen eine Standardabweichung über durchschnittlichem Niveau. Generell bleibt festzustellen, dass bis vielleicht auf Philadelphia dieses Jahr kein Freak-Team in den Spitzenrängen mitmischt.

Nach einem wackeligen Saisonstart beißen sich die Cincinnati Bengals schön langsam oben fest: Nach dem Auswärtssieg letzte Woche in Detroit walzten die Bengals am Sonntag die NY Jets 49-9 nieder, und es hätte noch höher sein können. Zu den Bengals morgen mehr, aber vorerst nur soviel: Wenn die Pass-Offense in etwa die Pace der letzten beiden Wochen halten kann, wird die Mannschaft dem Mitfavoritenstatus mit Blick Superbowl gerecht.

Seattle bleibt trotz des mickrigen Sieges gegen St Louis vorne; die Hawks hatten hinsichtlich Effizienz-Stats das „Glück“, dass sie zusätzlich zum 80yds-Pass für Tate kaum geworfen haben, somit wurde ihr Durchschnitt nicht allzu weit runtergezogen. Die Lauf-Defense der Hawks erlebte allerdings einen Einbruch, ist nun nur mehr die #17 mit 58.7% Success-Rate. Das erinnerte gegen die Rams an schlechte Vorjahreszeiten: Die Seahawks hatten letzte Saison die zweitschlechteste Lauf-Defense der NFL.

Bei Denver frage ich mich nach dem Redskins-Spiel immer mehr: Was passiert mit diesem Team, wenn mal die Offense einen Tag Stich auslässt? Washingtons Defensive Backfield spottet jeder Beschreibung, und trotzdem reichte exzellentes Punting der Skins, um Manning und Co. zweieinhalb Viertel lang auf 7 Punkten zu halten. Die Broncos bleiben natürlich ein AFC-Topfavorit, aber wenn sich die Defense nicht noch merklich verbessert, wird Denver bis zum (bitteren?) Ende mit einem Sternchen versehen sein.

Die Chiefs – einzige verbliebene ungeschlagene Mannschaft, und daher in den meisten Power-Rankings an #1 gesetzt. Nach Pythagorean mit 13.3 Siegen weiterhin der Spitzenreiter. Hier: Ein Mittelklasse-Team. Man sehe es mal so: Kansas City hat bei aller guter Story bisher einen leichten Spielplan, und nicht nur das: Man sah häufig Backup-QBs und third stringer gegen sich, zuletzt Campbell aus Cleveland, zuvor schon Keenum und Hasselbeck Fitzpatrick, sowie den auf oder unter „Replacement-Level“ spielenden Gabbert aus Jacksonville. Die Chiefs zehrten meistens von ihren schnellen Führungen; diese sind ein Zeichen einer guten Mannschaft, keine Frage, und die Chiefs sind eine gute Mannschaft, aber es kommen in der zweiten Saisonhälfte noch je zweimal Peyton Manning und Rivers und je einmal Luck und RG3, und dann wird sich zeigen, wo der Hammer hängt. Playoffs sind mit einem 8-0 Start praktisch gebucht, aber ich erwarte weiterhin weder First-Round Bye noch Divisionssieg für die Jungs von Andy Reid.

Pittsburgh (2-5) rangiert in diesem Power-Ranking wie auch die New York Giants (2-6) im grundsoliden Mittelfeld. Beide sehen im Augentest nicht unterirdisch aus, aber es sind deutliche Schwächen (z.B. Laufspiel bei beiden, PIT #29, NYG #31) auszumachen. Auch die beiden QBs, Roethlisberger und Manning, haben mehr schlechte Momente, als gewohnt. Dafür haben beide Top-5 Lauf-Defenses und ihre Pass-Defenses sind an #10 (NYG) und #11 (PIT) klassiert mit jeweils rund 5.8 NY/A.

Die New York Jets sind ein Team, dessen 4-4 Bilanz recht respektabel aussieht, und die Play-by-Play Stats reichen, um im Power-Ranking im unteren NFL-Mittelfeld klassiert zu sein, aber sehen wir es mal anders: Nach Punktverhältnis ist Gang Green das fünftschlechteste Team der Liga (Pythagoreische Erwartung von 4.4 Siegen). Zwei der vier bisherigen Saisonsiege kamen schon seeeeehr glücklich zustande (krasse Strafen gegen die Buccs und Pats), und ein weiterer war ein Last-Second Sieg gegen komplett dezimierte Falcons. NYJ ist 4-1 in engen Spielen. Die Defense ist zwar in der Defense Line erstklassig, aber im Defensive Backfield schaut’s schütter aus; ich weiß nicht, zum wievielten Male z.B. Rookie-CB Milliner am Sonntag gebencht wurde. Ein Problem, das nach Regression schreit, ist die INT-Quote in der Defense: No Way, dass diese bei 1.0% bleibt. In der Offense sieht Geno Smith auch eine Woche okay, die nächste Woche wieder wackelig aus. Kurzum: Yup, das Team ist eine Spur besser als erwartet, aber für die Playoffs fast ein Ausschlusskandidat.

Schließlich der Bodensatz: Tampa, St Louis und die nach einer erneuten Klatsche ins Bodenlose sinkenden Jacksonville Jaguars. Die Jags nähern sich mit solchen Leistungen Allzeit-Tiefen von Teams wie den 49ers von 2005 oder den Lions und Rams von 2009.

Die Rams dagegen zeigten gegen die Seattle Seahawks ein ernsthaftes Lebenszeichen, ja man kann sogar konstatieren, dass sie als an diesem Tag bessere Mannschaft gegen das beste Team der Liga unglücklich verloren. Eine 14-9 Pleite, geschuldet mehreren Kleinigkeiten:

  • Ein kompletter Kollaps der Passdeckung (war es allein CB Jenkins, dem man die Schuld zuweisen muss?) im 80yds-TD Pass für Tate zum zwischenzeitlichen 14-3.
  • RedZone Ineffizienz.
  • Mutlosen Playcalls im Schlussviertel, als man willentlich mit Läufen einen 50+yds-Kick von „Legatron“ Greg Zuerlein vorbereitete – und der Star-Kicker prompt verfehlte. Ein gern gemachter Coaching-Fehler: Vertraut jenseits der 25-30yds Line zu sehr auf den Kick. Das sind keine Selbstgänger. Die Dinger gehen nur in ca. 55% der Fälle rein. Der Kick fehlte am Ende, als man einen TD brauchte.
  • Etwas Pech in den letzten Sekunden nahe der GoalLine. Ich habe aber keine Meinung zum Thema „hätten die Rams noch weiter laufen sollen, nachdem das schon den ganzen Tag gut gegangen war?“ Stattdessen warf QB Clements eine Incompletion mit auslaufender Uhr in die EndZone rein.

Auf alle Fälle ein kräftiges Lebenszeichen der Rams. Eine Erklärung muss man noch abgeben, warum die Rams diese Woche trotz besserer Effizienz-Stats durch die Bank im Vergleich zu letzte Woche etwas abgesackt sind (von .283 auf .265): Der Regressionsfaktor, den ich in den ersten Wochen stets einbaue, um die durch geringe Datenmengen entstehenden Schwankungen etwas auszugleichen. Nach acht Wochen sind die Daten – das zeigten zumindest die letzten Jahre – so stabil, dass ab sofort nur noch 2013er Daten vorhanden sind. Damit sollten die Rams in Zukunft noch von dieser fantastischen Leistung gegen Seattle zehren können.

Award-Watch

  • MVP-Watch: Peyton Manning, Drew Brees, Romo, Andrew Luck, Dontari Poe, Calvin Johnson
  • Offense-MVP Watch: P. Manning, Jimmy Graham, Calvin Johnson
  • Defensive-MVP Watch: Poe, J.J. Watt, Ndamukong Suh, Richard Sherman, Justin Houston
  • Rookie of the Year-Watch: Star Lotulelei, Kiko Alonso, DeAndre Hopkins, Sheldon Richardson, Andre Ellington
  • Coach of the Year Watch: Chuck Pagano, Andy Reid, Sean Payton

Neu aufgenommen habe ich Calvin Johnson, auch wenn seine Chancen auf den Liga-MVP Award minimal sein dürften. Aus dem Offense-Watchlist musste ich nach der dritten schwachen Performance en suite RB LeSean McCoy streichen. Bei den Rookies ist Andre Ellington aus Arizona drin, nachdem er erstmals angemessen viele „touches“ bekam. Kurz vor der Aufnahme in die jeweiligen Kategorien: Aaron Rodgers für die MVP-Liste, und Ron Rivera ist nur mehr ein ausgespieltes 4th-Down von der Coach-Liste entfernt (ich habe Riveras Saisonstart noch nicht vergessen).

Sieg-Wahrscheinlichkeiten für Woche 9

Letzte Woche ein 10-3 für das Power-Ranking, das damit in der überarbeiteten Version auf 38-19 oder genau zwei Drittel Vorhersagegenauigkeit hüpft. Die kalkulierten Wahrscheinlichkeiten für Woche 9:

HOME                 %   AWAY                  %
Miami               23   Cincinnati           77
Buffalo             40   Kansas City          60
Dallas              79   Minnesota            21
St Louis            35   Tennessee            65
NY Jets             29   New Orleans          71
Washington          41   San Diego            59 
Carolina            77   Atlanta              23
Oakland             33   Philadelphia         67
Seattle             92   Tampa Bay             8
Cleveland           73   Baltimore            27
New England         52   Pittsburgh           48
Houston             44   Indianapolis         56
Green Bay           76   Chicago              24

Da sind einige überraschend hohe Picks drunter. Cleveland als 73%-Favorit über Baltimore klingt ziemlich heftig, aber dann stellt man sich wieder vor: Diese Browns gewinnen 7 von 10 Heimspielen gegen diese Ravens? Yup, klingt pausibel. St Louis ist 35% Außenseiter gegen Tennessee. Die Rams werden das Spiel mit einer Leistung wie gegen Seattle gewinnen. Aber das Modell berücksichtigt eben nicht nur das Seattle-Spiel, sondern die ganze Rams-Saison, und die war kacke bisher.

Gespannt bin ich auch auf das Eagles@Raiders Spiel (Philly noch immer 67% Favorit), und darauf, ob die Texans mit Case Keenum tatsächlich das Spiel gegen die Colts relativ eng gestalten können. Klarster Favorit ist diesmal Seattle mit 92% Siegchance gegen den Totalschaden Tampa Bay.

Knappster Favorit: New England, das nur dank Heimvorteil minimal gegen Pittsburgh favorisiert ist.

Monday Night Football, #7: St Louis Rams – Seattle Seahawks Preview

Update: Die Uhrzeit musste ich ausbessern. Natürlich wird um 1h30 angekickt, da die Zeit-Differenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten derzeit nur 5h Stunden beträgt.


Monday Night Football aus der NFC West heute ab 2h30 1h30 live im Gamepass und bei SPORT1 US: Seattle Seahawks (6-1) auswärts gegen die St Louis Rams (3-4), die derzeit in der eigenen Stadt massiv ins Hintertreffen geraten sind, weil die Keulenschläger aus der MLB mal wieder in der World Series stehen und ihre x-te Weltmeisterschaft gewinnen können.

Das Footballspiel fühlt sich selbst mit Heimvorteil für die Rams wie ein gigantisches Mismatch an. Die Seahawks sind aufgrund ihres sportlichen Höhenflugs aktuell ein Dauerthema und dürften relativ gut bekannt sein; hervorzuheben ist einzig ihre fassungslose Tiefe in der Defense sowie doch gröbere Probleme in der verletzungsgeplagten Offensive Line, die gegen bessere Verteidigungen einen schweren Stand hat.

Gegen die Rams sollten diese Schwierigkeiten nicht allzu schwer zuschlagen, denn diese sind eine der großen Enttäuschungen diese Saison. Nicht, dass ich Besonderes von St Louis erwartet hatte (ich sah sie als bestenfalls Mittelklasseteam), aber Baby: Drittschlechteste Offense der Liga und zweitschlechteste Pass-Defense der NFL? No way. Da hatte ich mehr erhofft.

Viel höher wird es auch nimmer gehen, denn letzten Sonntag verletzte sich der QB #8 Sam Bradford am Kreuzband und verabschiedete sich auf die IR. Prinzipiell ist Bradfords Ausfall mit seiner ängstlichen Spielweise kein allzu schwerer Verlust, hielt er die Offense eh zurück, und kann seine Verletzung nun möglicherweise die harte Entscheidung, den teuren Top-Draftpick von 2010 zu entlassen, erleichtern, aber die Kurzzeitalternative ist Kellen Clements, der das Label „career backup“ wie wenige andere trägt.

Bradfords (und OffCoord Schottenheimers) Offense war gekennzeichnet von Checkdowns; das führte zu einer der niedrigsten Turnovers-Raten (weil „sicher“ gespielt wird), aber eben auch zu schwachen 5.6 NY/A – selbst sterile Offenses wie Houston oder Arizona bringen mehr zustande. Dass das Laufspiel überhaupt nicht funktioniert und mittlerweile wegen des gefloppten Isaiah Peed auf einen 5th-Rounder im völlig unbekannten Zac Stacy zurückgreifen muss: Auch nicht hilfreich.

Das Matchup bradfordlose Rams-Offense gegen Seahawks-Defense dürfte keines auf Augenhöhe werden.

Die Rams-Defense ist allerdings auch nicht viel besser. Die D-Line um DE Quinn, DE Long und DT Brockers kriegt ganz guten Dampf im Passrush zustande, ist aber nur allzu nachlässig in der Detailarbeit, die da lautet: Run-Defense. Weil hinter diesen schlampigen Genies in Alec Ogletree ein halber Safety auf Linebacker spielt, gibt es auch immer wieder längere Runs gegen die Rams: Ogletree kann schon wunderbar Tight Ends decken, aber v.a. gegen Houston war der Mann ein sehr leichtsinniger Lauf-Verteidiger.

Am schlimmsten: Trotz akzeptablem Passrush kassiert St Louis 7.4 NY/A im Passspiel: #31 der Liga. Und das, obwohl man schon gegen Pass-Gurken wie Arizona, San Francisco, Houston oder Jacksonville spielte! Eigentlich unglaublich. Was stellt da wohl Russell Wilson mit so einem Backfield an?

Ich bewunderte Jeff Fishers Arbeit in der Saison 2012: Der talentlose Rams-Kader wurde von Fisher auf 7-8-1 Siege hinaufgecoacht, eine der größten Leistungen des Jahres. Dieses Jahr allerdings ist die Stagnation größer als befürchtet, und die 3-4 Siegbilanz spiegelt das noch nichtmal wieder (Siege über Arizona, Houston und Jacksonville). Es ist Spielermaterial da, aber noch ist man eine Baustelle. Es ist nicht zu erwarten, dass gegen die weiterhin vielleicht beste Mannschaft der NFL ein Upset aus dem Hut gezaubert wird.

NFL-Sonntagsvorschauer 2013, Week #5

Schwer zu sagen, wer den NFL-Schedule für diesen Sonntag zusammengestellt hat, denn während um 19h eine ganze Stange an Klasse-Matchups auf dem Programm stehen, sind die 22h25-Slates eher durchwachsen besetzt – ja es gibt überhaupt nur drei Spiele zu dieser Sendezeit. SPORT1 US bringt jedenfalls folgendes Programm:

19h    Miami Dolphins - Baltimore Ravens
19h    Green Bay Packers - Detroit Lions (*)
22h05  Arizona Cardinals - Carolina Panthers (*)
22h25  Dallas Cowboys - Denver Broncos
02h25  San Francisco 49ers - Houston Texans

Die mit (*) gekennzeichneten Spiele warden in der Multifeed-Spur übertragen.

PULS4 überträgt Dallas CowboysDenver Broncos.

Das Gratis-Spiel im Gamepass (Registrierung trotzdem notwendig; und hernach zu kündigen!) ist diese Woche Tennessee TitansKansas City Chiefs.

Die frühen Abendspiele ab 19h

Noch einmal die Vorwarnung bezüglich der Farbgebung der NFL im Oktober: Es ist der Monat des Brustkrebs-Gedenkens und ergo wird wieder quasi jeder Spieler, Coach oder Kommentator (!) irgendwas Rosarotes an seiner Kleidung tragen.

Green Bay Packers – Detroit Lions

Wichtiges Divisionsduell aus der NFC North, wo die Packers (1-2) nach dem eher missglückten Saisonstart schon leichten Druck spüren. In den letzten Jahren taten sich die Packers gegen Detroit (3-1) häufig schwer, gewannen aber trotzdem die letzten vier direkten Duelle. Ein Schlüssel-Matchup ist das direkte Duell der verletzungsgeplagten Packers-Protection für QB Rodgers gegen den Druck, den Detroit Defensive Line entfachen kann. DT #98 Nick Fairley und nochmehr DT #90 Ndamukong Suh spielen bisher meines Ermessen eine MVP-würdige Saison, halten Detroits Abwehr quasi im Alleingang im Spiel. Green Bay sah dieses Jahr schonmal eine Front-Four (Cincinnati), und hatte gegen diese ernsthafte Probleme, aus exzellenten Feldpositionen richtig fettes Kapital zu schlagen (ich glaube, damals nur 23 Punkte, obwohl 7x in des Gegners Platzhälfte gestartet).

Auf der anderen Seite haben die Packers die bisher ineffizienteste Pass-Defense mit aufgegebenen 8.2 NY/A. Detroit fährt eine der besten Pass-Offenses auf. Detroit hat in WR #81 Calvin Johnson einen, der notfalls Alleinunterhalter geben kann. „Alleinunterhalter“ gab in Woche 1 auch Anquan Boldin gegen die Packers, und das erfolgreich. Haben sich die Packers damals zusehr auf den Lauf konzentriert? Ja, aber auch die Lions haben dieses Jahr ein recht gutes Laufspiel.

Es spricht bei genauem Hinsehen also einiges für die Lions, selbst auswärts. Nichtmal das Coaching-Duell Schwartz vs McCarthy ist ein Mismatch. Das Power-Ranking gibt Detroit im Lambeau-Field eine 62%ige Siegchance! Ich mag paranoid sein, aber ich misstraue der angeblichen Packers-Schwäche. Ich fühle den Breakout der Packers, die zwei Wochen Zeit hatten, sich vorzubereiten und die ich trotz aller konträrer Beweise hier leicht vorn sehe.

Cincinnati Bengals – New England Patriots

Cincinnati (2-2) wurde letzte Woche von den Cleveland Browns (!) auf den Boden der Realität zurückgeholt, während die Patriots-Offense langsam zu klicken beginnt. Fraglicher ist, was aus New Englands Abwehr wird, die ab sofort DT #75 Vince Wilfork vorgeben muss (Achillessehnenriss). Wilfork war fast über das komplette letzte Jahrzehnt der Schlüsselspieler in Belichicks Defense, weil er mit seiner flexiblen Einsetzbarkeit ein wildes Hin- und Herschalten zwischen 4-3 und 3-4 Konzepten ermöglichte. Belichick wusste diese Flexibilität zu nutzen und schätzen.

Schwierig, Wilforks Impact zu quantifizieren. ESPN Stats hat einen Versuch übernommen, und auch wenn das Ergebnis pauschal nicht nach Downs, Distanzen udgl. unterscheidet: Ich verlinke es mal unkommentiert. Es scheint tatsächlich gravierende Unterschiede mit und ohne Wilfork zu geben.

Es bleibt die Frage, wie es nun weitergeht: Die Patriots haben mehr Linebackers als Defense Liner im Kader. Wird es nun verstärkt 3-4 Defense geben? Aber verbrennt man dann nicht die Stärken eines DE #95 Chandler Jones? Hat Chandler Jones auf der anderen Seite jemals mehr gemacht als seine Stärken anzudeuten?

Will man wirklich einen Freak wie Rookie-LB Jamie Collins 40x/Spiel auf dem Feld sehen? Die Wilfork-Verletzung könnte gröbere Auswirkungen auf die Pats haben als man annehmen würde. Möglicherweise lädt sie wieder mehr Druck auf die Offense, die damit wieder verstärkt gefordert ist, Punkte vorzulegen, um viel Nickel-Defense zu ermöglichen.

Möglicherweise ist es aber gegen QB Dalton auch genug, die tiefen Optionen aus dem Spiel zu nehmen, und in CB Talib hat Belichick einen, der WR A.J. Green zumindest annähernd auf Augenhöhe begegnen kann.

Wenn in der Pats-Offense die zuletzt angedeuteten Fortschritte (Dobson fängt Ei) real sind, sehe ich die Patriots auch auswärts im Paul Brown Stadium leicht im Vorteil (Modell sieht die Pats 51:49 vorn).

Indianapolis Colts – Seattle Seahawks

Erstes direktes Aufeinandertreffen von QB Andrew Luck und QB Russell Wilson. Luck und die Colts (3-1) schauen seit 2-3 Wochen wie ein echter AFC-Contender aus: Nicht nur der Auswärtssieg in San Francisco, sondern auch der Kantersieg in Jacksonville sind Zeichen von dominanten Mannschaften. Der Colts-Angriff fundiert auf „Power-Running“: Niemand ist da allerdings besser Verhindern dessen wie die Seahawks. Wenn Luck diese Saison auf sich allein gestellt war, tendierte er, riskantere Pässe als notwendig zu feuern – nicht immer zum Vorteil Colts. Nicht uninteressant wird die Taktik, wie die Colts ihre Protection gegen den wiedererstarkten Passrush der Seahawks gestalten wollen (u.as. wird OLB Irvin wieder spielberechtigt sein und DE Clemons war schon zuletzt wieder dabei).

Auf der anderen Seite bleibt die Colts-Defense für mich eine Black-Box: Die Ansätze von Woche 2-4 waren monströs: Physisch, diszipliniert, keine überflüssigen Strafen. Allerdings ist es auch die Defense, die sich von Terrelle Pryor zerstückeln ließ. War das damals nur ein Produkt der Überraschung? Oder sind die CBs Davis, Toler und Co. wirklich so gut wie in den Spielen danach angedeutet?

Der Gegner Seattle wird es zeigen. Die Hawks-Offense ist durchaus nicht unverwundbar, zeigte zuletzt große Schwächen in der Offense Line (LT Okung und C Unger verletzt). Wie weit kann Indys Passrush das ausnützen? Jener Passrush, den man als eher schwach erwartet hatte? Wo OLB Mathis trotzdem zuletzt 3 Sacks zustande brachte, allerdings „nur“ gegen Jacksonville? Kann Björn Werner erste Akzente setzen?

Obwohl die Colts wirklich besser zu sein scheinen als ich es im Sommer erwartet hatte, würde ich in dieser Partie den Teufel tun, gegen die Seahawks (4-0) zu setzen.

Tennessee Titans – Kansas City Chiefs

Du musst schon ein Pechvogel allererster Güte sein, wenn du als völliger Noname in die Saison gehst, dein schon von allen als Flop abgestempelter Franchise-QB Jake Locker plötzlich ernsthafte Fortschritte zeigte und seine gelegentlich eingestreuten 3-4 Sensationspässe pro Spiel zu drei Siegen (plus Overtime-Niederlage) in vier Spielen reichen, du einen nicht wirklich erwarteten Kantersieg über eine gefürchtete Jets-Defense einfährst, und sich dann genau jener QB Locker mit Verletzung für eineinhalb bis zwei Monate in den Krankenstand begibt! OK, Backup Fitzpatrick ist kein Schlechter und vielleicht im Vergleich zu Locker kein großes „Downgrade“, aber trotzdem: Da läuft mal wa gut für die Titans, und schon ist wieder schlechte Stimmung.

Sportlich scheinen die Titans bei mir im Power-Ranking in den Top-10 auf. Rein vom Zuschauen tut man sich schwer, diese Platzierung zu rechtfertigen. Ja, die Defense ist stark, aber was kann sie eigentlich wirklich gut? Bis auf die guten Defensive Tackles fällt nicht viel Erzählenswertes auf. Nun kommt mit den Chiefs ein Gegner nach Nashville, der sich auf Fehlervermeidung und extremsten Passrush zu spezialisieren scheint. Auf die Schnelle würde man natürlich Kansas City favorisieren (tue ich auch), aber das Power-Ranking gibt Tennessee mit 54% leichten Vorteil.

Miami Dolphins – Baltimore Ravens

Die Miami Dolphins (3-1) wurden am Montag von den Saints w.z.e.w. („wie zu erwarten war“) gestutzt, wenn auch am Ende höher als man hatte annehmen können. Einiges mag am Fehlen des wichtigsten Passrushers DE Cameron Wake gelegen haben. Der ist nun wieder fit. Damit dürfte auch der Dolphins-Secondary geholfen sein, die ohne konstant guten Passrush in etwa so schlecht aussah wie ich es vor der Saison befürchtet hatte.

Miamis Angriff ist ansonsten entziffert: Es ist keine Philbin-like Spread-Offense, sondern hier wird viel mit Basis-Personal operiert. QB Tannehill geht trotz monströsem Wurfarm und deep threat #11 Mike Wallace nur ungern tief und nimmt lieber die sicheren Yards. Das Laufspiel ist so lala, aber es hat hinter einer graupen-O-Line auch wenig Aussicht auf Erfolg. Diese Offense Line bricht Miami noch das Genick.

Bleibt die Frage, was die Ravens daraus machen können: Deren Defense scheint soweit okay zu sein, aber die Offense ist unterirdisch. Dass QB Joe Flacco annähernd seine Playoff-Form halten würde, hab ich nie erwartet. Eine Glückslauf oder Giga-Vertrag macht noch keinen Super-QB. Aber Flacco ist dieser Tage auch viel durchschnittlicher und wechselhafter als in der Zeit zuvor gewohnt. Man muss zugeben, dass Flacco auch null Unterstützung kriegt: Der WR/TE-Corp ist grottenschlecht.

Noch übler ist das Laufspiel: 25% Success-Rate (#32), da kannst du nimmer tiefer sinken. Das ist so zu interpretieren: Nur in einem von vier Läufen erzielt Baltimore eine „Wertsteigerung“. So ist ein 1st-und-10 besser als ein 3yds-Lauf und 2nd-und-7. Im konventionellen Stat-Sheet scheinen dann 3.0yds/Lauf aus. Aber insgesamt war dieser Laufversuch ein Misserfolg. Ligaschnitt ist 41%. Baltimore ist bei bisher ungesehenen 25%. Glück für die Ravens: Die in den letzten Jahren stets exzellente Lauf-Defense der Dolphins ist heuer bisher erstaunlich mäßig und nur an #29 klassiert.

Chicago Bears – New Orleans Saints

Die Story des Spiels läuft auf das Duell QB Brees (7.6 NY/A, #4) gegen Chicagos Pass-Abwehr (7.7 NY/A, #31) hinaus. Es ist schlicht bizarr, wie die jahrelang so dominante Bears-Defense diese Saison bisher so abschmiert. DT Melton ist verletzt, klar, aber reicht das als Erklärung? DE Peppers war zuletzt gegen Detroit auffälligster Mann und ließ die Unkenrufe nach einem Leistungseinbruch bei Peppers verstummen. DE McClellin spielt quasi überhaupt nicht. CB Tillmann zwar mit einigen INTs, aber ließ sich im Season-Opener gegen Cincinnati von AJ Green mehrfach übel verarschen. Da kommt der quasi ohne Schwachstellen operierende Angriff der Saints ziemlich ungelegen… Zu schauen auf der anderen Seite: QB Cutler gegen eine Saints-Defense, die bisher überrascht: Relativ guter Passrush um den optisch auffälligen DL #94 Cameron Jordan, und mit 5.4% INT-Quote bisher eine „ballhawk“-Unit. Ist das legendär unbespielbare Feld im Soldier Field für die Bears genug, um ihre auf dem Papier großen Matchup-Nachteile zu kaschieren und mit zwei Puntreturn-TDs doch zu gewinnen?

New York Giants – Philadelphia Eagles

Die Giants (0-4) sind im Alarm-Modus, und wer seinen Quarterback einer solchen „Protection“ aussetzt wie Big-Blue, muss mit Allem rechnen, aber die Situation in der NFC East ist für sie so verheerend nicht:

DAL  2-2
PHI  1-3
WAS  1-3
NYG  0-4

Kein einziges Team ist wirklich überzeugend. Mit den Eagles (1-3) kommt nun ein direkter Kontrahent in die Meadowlands, einer mit einer nur zeitweise überzeugend-explosiven Offense und einer schlagbaren Secondary. Die Eagles sind auf dem Papier ein gutes Matchup für New York. Sollte QB Eli Manning seine horrende INT-Quote unter Kontrolle halten, ist seine Mannschaft für mich hier zu favorisieren, zumal der Eagles-Passrush auch nur abschnittweise ein Passrush ist.

St Louis Rams – Jacksonville Jaguars

Gemessen an den Werten, die mein Power-Ranking für diese beiden Franchises ausspuckt, wird das ein Festival der Inkompetenz: Die Rams sind das Schlusslicht in meinem Ranking, die Jags die #30. Jacksonville gilt für das Ranking überraschend als minimaler Favorit (50.02%), und das widerspricht so ziemlich jeder konventionellen Meinung, die es quer durch die Staaten zu lesen gibt.

Denn die Jacksonville Jaguars (0-4) gelten als schlechtestes Team seit den Lions 2008 (persönlich stufe ich Rams und Lions von 2009 allerdings von der Qualität nochmal eine Kategorie tiefer ein) und wenn es mal wieder eine Gefahr für die sieglose Saison gibt, dann soll Jacksonville 2013 das Team Ihrer Wahl sein.

An den Jags ist so ziemlich alles zu bemitleiden: Bei den Quarterbacks haben wir das gescheiterte Talent Blaine Gabbert und Backup Chad Henne, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist (und so gut war Henne nie). 4.2 NY/A sind Pass-Werte, da kannst du Tebow einwechseln und hast sofort ein halbes Yard Verbesserung. Bei den Runningbacks quält sich ein verbrauchter Jones-Drew übers Feld. Die Wide Receiver können zumindest zum ersten Mal dieses Jahr auf den bisher gesperrten Justin Blackmon bauen, aber sonst läuft nicht viel Bekanntes übers Feld. Und die Offense Line ist auf Guard und Center ds schlechteste in der NFL, und hat in LT Monroe unter der Woche ihren besten Mann nach Baltimore verkauft.

Die Defense von Guru Gus Bradley ist besser, aber nicht wirklich reif. Zu viele Löcher, zu wenig Highend-Talent. Aber wenn diese Defense gegen QB Sam Bradford keinen Stich macht, dann ist es wirklich zu spät.

Für mich ist St Louis (1-3) trotz all seiner eigenen Probleme klar favorisiert; die Rams-Offense ist zwar kaum besser als Jacksonville, aber die Defense halte ich für ein ganz anderes Kaliber mit ihrer relativ guten Passrush-DL, die allenthalben eine Spur zu aggressiv zu Werk geht und sich daher vom Laufspiel verarschen lässt.

Die späten Abendspiele nach 22h

Arizona Cardinals – Carolina Panthers

Kickoff: 22h05

Alle Augen sind auf das Matchup zwischen Arizonas Offense Line gegen die massive Front-Seven der Panthers gerichtet. Hier könnte sich erstmals zeigen, wie schwer der Ausfall von G Jonathan Cooper wirklich wiegt, obwohl: Die Cards (2-2) hatten in Woche 2 schon eine andere massierte Defensiv-Front unter Kontrolle: Detroit. Allein, die Panthers können hinter einem Kaliber wie Lotulelei auch noch hochkarätige Linebackers wie Kuechly oder Anderson (Beason wurde unter der Woche nach New York getradet) auffahren und dürften daher schon einen leichten Vorteil besitzen.

Nicht unspannend wird auch das Duell QB Cam Newton gegen die starke Cards-Defense: Newton hatte vor zwei Jahren sein Profidebüt gegen diese Defense, und beeindruckte die Fachwelt damals mit über 400 Pass-Yards unr mehreren Sensations-TDs – damals ungesehen für einen Rookie. In jenem Spiel hatte meiner Erinnerung nach auch CB #21 Patrick Peterson seinen Breakout; Peterson war damals vornehmlich Returnspezialist. Heute gilt er als einer der besten Cornerbacks in der Liga. Es ist übrigens aus Cards-Sicht auch das Spiel, in dem ILB Daryl Washington nach Dopingsperre wieder zurückkehrt.

Oakland Raiders- San Diego Chargers

Kickoff: 22h25 Montag früh, MESZ 5h35

Vorteil für die San Diego Chargers (2-2) in diesem Spiel: Ihre größte Schwachstelle, die verheerende Secondary, dürfte von Oaklands unbeständigem Scramble-QB #6 Pryor (soll wieder fit sein) nur selten bzw. zu wenig konstant ausgetestet werden. Es wäre zwar nicht das erste Mal, dass die Raiders einen Überraschungscoup gegen San Diego fahren würden, aber mir gefiel die Offense um QB #17 Rivers in den letzten Wochen zu gut, als dass ich ernsthaft an einen Raiders-Erfolg in diesem Spiel glauben will.

(Update: Aufgrund des MLB-Playoffspiels der Oakland Athletics im selben Stadion findet diese Partie wegen Umbauarbeiten ein paar Stunden später statt)

Dallas Cowboys – Denver Broncos

Kickoff: 22h25

Denvers Offense hat bisher 49, 41, 34 und 52 Punkte aufs Tablett gelegt – so viele wie nie zuvor eine Mannschaft in den ersten vier Saisonspielen. Ein Merkmal dabei war in drei von vier dieser Spiele: Die Punkteexplosion kam erst nach der Pause. Eine Halbzeit lang hatte QB Manning durchaus zu knabbern, ehe die Armada um WR Welker, WR Thomas, WR Decker und TE Thomas optische Überlegenheit auch in TDs, TDs, TDs ummünzte.

Sunday Night Game

Kickoff: ca. 02h25

Die Ansetzung für Sunday Night Football lautet San Francisco 49ers (2-2) – Houston Texans (2-2), zwei Teams, die man im Vorfeld der Saison irgendwo im Dunstkreis der Titelanwärter vermutet hätte. Vielleicht sind sie beide immer noch dort, aber überzeugend in die Saison gekommen sind sie nicht – und zwar der eine wie der andere.

Die Probleme bei den Niners habe ich schon mehrfach geschildert: Eklatante Abhängigkeit in der Offense von WR Anquan Boldin, ein QB Kaepernick, der gerade im Wellental der Entwicklung ein Tal durchschreitet, eine verletzungsgeplagte Defense (überhaupt verletzungsgeplagter Kader), die niemandem mehr Angst und Schrecken einjagt. Gegen die Rams wurde zwar klar gewonnen, aber „klar“ ist nicht gleich „überzeugend“.

San Francisco ist mit 0.67 Penalty-Yards pro Spielzug außerdem ein brutal undiszipliniertes Team. Nicht alle sehen die Schuld bei sich. Kopfjäger Donte Whitner (Safety) ließ unter der Woche seinen Namen allen Ernstes in Donte Hitner (ohne das „W“) abändern. Nicht aus Spaß, sondern richtig mit Registrierung im Amt und allem Trara. Ochocinco lässt grüßen. Nur, dass Hitner ein Zeichen setzen wollte gegen die NFL, die es angeblich auf ihn abgesehen habe… naja.

Houston hat andere Probleme: Zu große Abhängigkeit von zwei Schlüsselspielern in der Defense (DE Watt, ILB Cushing), und vor allem ein QB Schaub, der die Fans mit seinem leblosen Spiel zur Weißglut bringt. Schaub hat schon drei „Pick Sixes“ (zu TDs returnierte INTs) geworfen, und auch wenn das eine Statistik ist, die nicht linear fortgeführt werden wird: Solche Pick-Six tun immer weh. Ganz besonders, wenn sie wie gegen Seattle bei Führung kurz vor Schluss kommen und ein längst gewonnen geglaubtes Spiel noch zum Schlechten wenden.

Ansonsten sind die Texans durchaus ein interessanter Laden: In der Offense klappt die Integration vom gehypten Rookie-WR #10 DeAndre Hopkins durchaus wie geplant, und trotzdem fehlt weiterhin der Esprit. Der Offensivgeist Gary Kubiak wird da noch einige Stellschrauben drehen müssen, zumal die Texans in der eigenen Division durch die Colts vielleicht doch ernsthafte Konkurrenz kriegen…

Für Houston war es letzte Woche fast schon ein Achtungserfolg, die Seahawks am Rand einer Niederlage gehabt zu haben. San Francisco ist der nächste Kracher aus der NFC West. Aufgrund des Auswärtsspiels sehe ich die 49ers aber durchaus favorisiert.

NFL Notizblock, Week 4: TNF 49ers @ Rams

Sowohl die San Francisco 49ers als auch die St. Louis Rams gingen mit einer 1-2-Bilanz in dieses Spiel. So wie die Seattle Seahawks sich präsentiert haben, geht es für Rams wie `Niners jetzt erstmal nur darum, um Platz zwei in der NFC West zu spielen. Beide Mannschaften waren mit großen Erwartungen in die Saison gestartet, hatten aber erstmal einige Fragezeichen produziert: San Francisco mit zwei deutlichen Niederlagen gegen Seahawks und Indianapolis Colts; die Rams mit zwei deutlichen Niederlagen gegen Falcons und Cowboys. Für San Francisco kamen noch die vielen verletzten (und versoffenen) Spieler auf der defensive Seite des Balles hinzu: OLB Aldon Smith, NT Ian Williams, CB Nnamdi Asomugha und LB Patrick Willis.

San Franciscos Defense hatte Glück: die Offense der Rams hat gespielt, wie man das seit Jahren von ihnen kennt – nur ohne das Laufspiel. In altbekannter Manier hat Offensive Coordinator Brian Schottenheimer ein wahres Paßfeuerwerk abgefackelt. Nur lehnt man sich mittlerweile nicht weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, daß Bradford kein besserer Quarterback ist als Mark Sanchez. Bradford wirft teilweise sehr schlechte Pässe; trifft immer mal wieder ganz schlechte Entscheidungen und wird geradezu unbrauchbar, wenn er es in der pocket mit pressure zu tun bekommt. Am Ende waren es dann wieder fast 50 Paßspielzüge für Bradford, damit hält er seinen Schnitt von 47 Pässen pro Spiel.

Stats / Gamebooks

Gamebook 49ers@Rams

Wobei man hier wohl Schottenheimer auch mal den benefit of doubt zustehen sollte: diese Offensive Line und diese Running Backs – Daryl Richardson und ein gewisser Benny Cunnningham – sind einfach nicht dafür gemacht, gegen eine `Niners-Defense zu laufen. 16 Versuche für 22 Yards – gegen eine Defense, die drei Stammspieler der Front Seven ersetzen mußte.

Paßspiel nicht gut, Laufspiel schlecht, damit man trotzdem irgendwie vorwärts kommt, haben die Rams ihren top-ten pick in eine blitzschnelle Allzweckwaffe investiert. Aber warum waren eigentlich alle so scharf auf Tavon Austin? Im Angriff spielt er überhaupt keine Rolle und auch als Punt Returner sieht er schlecht bis mittelmäßig aus.

Die besten Spieler bei San Fran waren DE Justin Smith, der ganz gemütlich die OLine durch die Gegend geschoben hat; und vor allem LB NaVorro Bowman mit etlichen Tackles, zwei Sacks, einem abgefälschten Paß und dem erzwungenen Fumble von Bradford beim Stand von 3-21 tief in der Rams-Hälfte.

So war das Spiel auch enger, als es das Endergebnis vermuten läßt. San Franciscos Offense war über weite Strecken des Spiels alles andere als überzeugend. Vor allem Colin Kaepernick sieht nun aus wie ein Rookie und nicht mehr wie die heißeste Erfindung seit der Dampfmaschine. Er hat vor allem das Problem, daß er sich immer an seinem first read festklammert und diesen dann manchmal so lange anstarrt, bis auch der letzte Bratwurstverkäufer im Stadion gemerkt hat, zum wem er werfen will. Nur knapp entging er so zwei Interceptions. Kaepernick muß von seinem Offensive Coordinator Greg Roman regelrecht gepampert werden mit einfachen reads: viel play-action, designed rollouts oder durchs Spielzugdesign kreierte 1-gegen-1-Situationen von WR Anquan Boldin und TE Vernon Davis gegen körperlich unterlegene Gegenspieler.

Das funktioniert auch alles, solange Kaepernick nicht das Spiel auf seinen Schultern tragen muß. Gegen eine erschreckend schwächliche Laufverteidigung der Rams sind Frank Gore und Kendall Hunter hinter einer endlich mal wieder bärenstarken Offensive Line für mehr als 200 Yards gelaufen. Aber, wie gesagt: es stand bis zu Bradfords Fumble im vierten Viertel nur 21-3 und nicht gegen jeden Angriff werden die 49ers defensiv so glänzen können wie gestern.

Date am Donnerstag, #4: St Louis Rams – San Francisco 49ers Preview

Das letzte Septemberwochenende in der NFL bedeutet den Beginn der vierten Spielwoche. Den Auftakt machen in der Nacht auf morgen, 02h (live bei SPORT1 US) die St Louis Rams (1-2) und die San Francisco 49ers (1-2) im direkten Duell zweier Mannschaften aus der NFC West. Das Spiel hat aufgrund der Siegbilanzen beider Mannschaften bereits erhöhte Brisanz.

Bei den 49ers herrscht nach der zweiten Pleite en suite zwar noch keine Panik, aber doch dezente Beunruhigung: In Seattle kann man bei beschissenem Spielverlauf schonmal auch höher verlieren, aber zuhause gegen die Colts – und dann auch noch höchst verdient? No way, dass nach so einer Leistung einer der dominantesten Mannschaften des letzten Jahres alles ruhig bleibt.

Wenn die 49ers den Ball haben

Gegen die Colts wurde man nicht nur von einem superben QB Andrew Luck besiegt; es war schlicht und einfach frappierend, wie San Francisco, diese physische Gewalt, körperlich unterlegen war. Es gab einen einzigen guten Drive, und zwar den ersten oder zweiten in der ersten Halbzeit, als das 49ers-Laufspiel um RB Frank Gore und RB Kendall Hunter wieder an gute alte Tage erinnerte: Superbes Vorblocking, und die Backs, die jede Lücke nutzten um zu beschleunigen und durchzubrechen. Das war’s dann aber auch. Danach wurden 2-3 Läufe eingebremst, und dann gab der Coaching-Staff in der zweiten Hälfte komplett das Laufspiel auf.

Mehr Passspiel ist bei fast allen Mannschaften eine gute Idee, aber San Francisco ist ein etwas speziell gelagerter Fall mit seinem jungen QB Kaepernick und seinem Einmann-Receiving Corp Anquan Boldin. TE Vernon Davis ist nicht fit, und dann gibt es niemanden mehr. Eigentlich unglaublich, aber Kaepernick hatte nur zwei vollständige Pässe zu Wide Receivers, die nicht Boldin hießen (2x Williams, 12yds).

Diese Eindimensionalität ist ein Problem. Ein Problem ist auch Kaepernicks zuletzt wieder verstärkt gezeigte Tendenz, seinen Receiver (Boldin) bis zum letzten Moment anzustarren und dann trotzdem den Pass zu werfen. Wenn der Gegner merkt, dass der Quarterback nur zu einem einzigen Receiver werfen möchte weil er nur diesem einzigen vertraut, ist es einfach, seinen GamePlan danach auszurichten. „Kaep“ ist ein junger Spieler, für den solche Krisen normal sind, aber aus Niners-Sicht könnte es in der derzeitigen Divisions-Konstellation (bereits eine Divisions-Niederlage) ein größeres Problem werden…

…sofern die „wahre“ Defensive Line der Rams jene aus den ersten beiden Spielen (ARI, @ATL) ist und nicht jene aus dem dritten (@DAL). Jeder bescheinigte den Rams und vor allem DE Robert Quinn nach zwei Spielen sensationelle Frühform. Ohne richtig darauf geachtet zu haben: Die Offense Lines von Arizona und Atlanta sind nicht dafür bekannt, zu den besseren zu gehören. Im ersten „echten“ Test gegen Tyron Smith sah Quinn wie ein Normalsterblicher aus, und DE Chris Long völlig von der Rolle: Langsam, träge und wenig Gegenwehr.

San Francisco hat eine Unit im Angriff, die derzeit kein Problem stellt, und das ist die O-Line. Dominiert diese auch die Rams (und die Wetten stehen gut), sehe ich gute Chancen, dass die 49ers zurück in die Spur finden.


Wenn die Rams den Ball haben

Aber auch das andere Duell hat seine Reize: San Franciscos plötzlich recht marginal aussehende Defense gegen die eher schwache Rams-Offense. Zuerst zu den Rams, wo QB Sam Bradford auch im vierten Profijahr keinen rechten Fortschritt machen möchte. Den Rams geht rein vom Spielertypus abseits von vielleicht WR Chris Givens ein echtes deep threat ab. Trotzdem ist es schwer erklärbar – und fällt irgendwann auf den Quarterback zurück – wenn zwei von drei Passversuchen 3yds-Checkdowns für die Runningbacks sind. Checkdowns sind nicht per se zu verachten (sie bringen immerhin relativ sichere kurze Yards und sind weniger turnover-anfällig), aber wenn sie der Kernbestandteil bzw. fast der einzige Bestandteil der Offense sind, wird das zum Problem.

(Täuschte es oder wurde LT Jake Long am Sonntag tatsächlich auf die Bank gesetzt?)

Gut möglich, dass wir uns vom extrem langweiligen Eindruck, den St Louis im Angriff hinterlässt, in die Irre führen lassen, aber auch fortgeschrittene Stats unterstützen die These, dass Bradfords übervorsichtiges Spiel (bzw. übervorsichtiges PlayCalling des Coaching-Stabs) ein Handicap stellen.

San Franciscos Defense 2013? Kränkelnd. Die Unit kämpft mit Verletzungssorgen und Alkoholproblemen beim wichtigsten oder zweitwichtigsten Passrusher Aldon Smith (Smith für die nächste Zukunft: Inactive wegen Entziehungskur). LB Patrick Willis ist alles andere als fit. Und was fast alle anderen Mannschaften schon lange kennen, schlägt nun auch bei den Niners zu: Wenn die Superstars fehlen oder nur mit halber Kraft spielen können, müssen die Backups ran, und das führt natürlich häufig zu Qualitätsverlusten.

Wenn sich dann noch dazu eine ganze Latte an uncharakteristischen Fouls (late hits, Pass-Interferences) gesellen, sieht die einst beste Defense im Lande schonmal schnell aus wie eine ganz gewöhnliche Abwehr der Güteklasse Detroit. Genau das ist in den ersten drei Spielen (mit Ausnahme vielleicht einer Halbzeit in Seattle) der Niners 2013 der Fall.

Es steht also heute Nacht ziemlich vieles auf dem Spiel; und weil beide Teams klar ersichtliche Probleme haben, werden wir hoffentlich auch viele optische Eindrücke sammeln können. Letztes Jahr gingen beide Spielen zwischen diesen Teams in die Overtime (ein Remis, ein Rams-Sieg). Beide Spiele waren Abwehrschlachten mit zwar immer wieder guten Anflügen in beiden Offenses, die aber mit brutal disziplinierter Spielweise jeweils wieder schnell eingebremst wurden. Vor allem die Rams werden heute weiter so diszipliniert spielen müssen, weil sie die immer noch schwächere Offense besitzen.

Ich tippe auf San Francisco, weil die 49ers trotz allen aktuellen Problemen mehr Wucht in ihrem Angriff haben.

Die furchtlose NFL-Vorschau 2013/14: Second Down, die grauen Mäuse

Referenzen

Zweiter Teil der furchtlosen NFL-Vorschau auf die Saison 2013/14 mit den Mannschaften, die ich diese Saison im grauen NFL-Mittelmaß erwarte: Die Teams, die nicht schon im November eliminiert sein werden, aber es auch nicht in den Jänner schaffen werden. Call it die Ciao im Dezember-Fraktion der NFL. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich nicht bei allen dieser Teams glaube, dass sie schlechter als das 16t-beste Team der NFL sein werden; es ist schlicht die Kombination aus erwarteter Stärke, Schedule und Division, die mich zu der Einteilung bringt.

Indianapolis Colts

Division   AFC South
Headcoach  Chuck Pagano
2012       11-5
Tipp 2013  Zweiter

Die feel good-Geschichte von 2012 waren die Colts, die in einer extrem einfachen Division den sensationellen Sprung vom schlechtesten Team der Liga in die Playoffs schafften. Die Playoffs sollten auch in diesem Jahr nicht komplett außer Reichweite sein; dafür sorgen die maue AFC und die noch viel mauere AFC South. Aber es gibt genügend Hinweise darauf, dass Indianapolis dieses Jahr einen Rückschlag hinnehmen wird müssen.

Größter Faktor dürfte der simple Faktor „Regression zur Mitte“ in engen Spielen sein: Indy gewann letztes Jahr neun von zehn Spielen innerhalb eines Scores Differenz – eine Bilanz, die nicht zu halten ist. Die Colts waren nach meinem Power-Ranking (und nicht nur meinem) leistungsmäßig im unteren Drittel der NFL zu verorten (#26) und spielten einen extrem einfachen Schedule (den einfachsten der Liga). Trotzdem wurde man mit 357-387 Punkteverhältnis um 30 Punkte „outgescort“. Die Defense war horrend auf allen Ebenen und in der Offense war das Laufspiel nur mittelmäßig überzeugend.

Wenn Indianapolis dieses Jahr annähernd sowas wie die 11-5 Bilanz wiederholen möchte, wird noch mehr Druck auf die Schultern vom sensationellen QB Andrew Luck geladen werden müssen. Luck musste letztes Jahr eine Hardcore-Version der downfield-Offense spielen, schaffte ergo auch nur 54.5% Completion-Rate. Luck hatte 18 Interceptions und zudem die meisten gedroppten potenziellen INTs in der NFL. Mit der Installation des OffCoords Pat Hamilton kriegt Luck einen alten Vertrauten aus College-Zeiten beigestellt; die Offense wird kurzpasslastiger werden, mit mehr Einbeziehung der Tight Ends Allen und Fleener, mit mehr Laufspiel und Play-Action.

Das ist gewiss nicht schlecht, denn an Wide Receivers ist nicht allzu viel vorhanden: Reggie Wayne hatte 2012 eine sensationelle Saison, aber Wayne ist 35 – ein Alter, in dem historisch gesehen fast alle WRs (Ausnahme: Jerry Rice) leistungsmäßig endgültig eingebrochen sind. Vielleicht kann Wayne den Trend schlagen, aber die Wetten stehen nicht allzu günstig. Und hinter Wayne gibt es fast ausschließlich unerfahrene Jünglinge á la Brazill oder Hilton.

Die O-Line wurde leicht verstärkt (RT Cherilus, OG Thomas), die Runningbacks bleiben grosso modo dieselben, bis auf Oldie Bradshaw aus New York, der zuletzt schwer angeschlagen durch den Herbst tingelte. In der Defense, die trotz schwachem Schedule zu den seichtesten gehörte kommt mit dem OLB Björn Werner die größte deutsche Footballhoffnung nach Indianapolis. Werner galt nicht als prototypischer 3-4 OLB, insofern bleibt abzuwarten, wie der Move einschlägt. Auf der anderen Flanke kommt OLB Mathis (auch schon 32 Lenze) – der Passrush ist noch die größte Stärke.

GM Grigson versuchte auch, ein bissl Leadership einzukaufen: LB Walden aus Green Bay, DL Jean-Francis aus Frisco, S Landry aus New York, CB Smith aus Miami und CB Toler aus Arizona kamen für relativ fette Kohle – wenn du so viel Cap-Space hast wie die Colts, sicher kurzfristig kein Problem, aber wenn man sich die PFF-Noten einiger dieser Jungs ansieht, könnten die Moves in 2-3 Jahren weh tun. Vor allem Waldens Einkauf – ein gruseliger Vertrag.

Immerhin: Durch diese Einkäufe, durch die Rookieklasse und durch den zu erwartenden Rückgang an Verletzungsausfällen (Indy 2012: Bizarrerweise mit den drittmeisten Verletzungsausfällen nach AGL, 92.5 Games) sollte der Kader auf breiteren Beinen stehen und die Last besser verteilt sein. Die Turnover-Bilanz der Colts war letztes Jahr -12 und sollte sich eher verbessern als verschlechtern.

Insgesamt sind die Colts sicher besser aufgestellt als vor der letzten Saison. Gleichermaßen dürfte es aber schwer sein, den 11-5 Record zu wiederholen: Die Würfel in engen Spielen werden nicht mehr alle pro Colts fallen und den einfachsten Schedule der Liga spielt man auch nimmer (NFC West!). Obwohl: AFC South, AFC West plus Bengals und Dolphins – sieht immer noch nach einem machbaren Schedule aus… Ich sehe ein 7-9 oder 8-8 kommen. Und das ist schon ein Tribut an den einzigartigen Andrew Luck.

Miami Dolphins

Division   AFC East
Headcoach  Joe Philbin
2012       7-9
Tipp 2013  Zweiter

Das Frühjahr der Dolphins war ein extrem ereignisreiches: Großeinkauf Wallace, Ellerbe, Clabo, Wheeler, Abgang Long, Bush, Burnett, Dansby und Smith, Megatrade für Jordan – GM Jeff Ireland blieb nach der x-ten Mittelmaß-Saison (7-9 in 2012) nicht untätig, sondern versuchte, aggressiv die Baustellen im Kader zu schließen. Ich bin lange nicht überzeugt, dass es gelungen ist.

QB Ryan Tannehill spielte letztes Jahr eine grundsolide Rookiesaison, die im sensationellen Quartett Wilson-Kaepernick-Luck-RG3 mehr unterging als sie es verdient hatte. Tannehill ist kein Supertalent, aber hat alle Würfe drauf. Insofern: Keine üble Idee, einem jungen QB Hilfe anzubieten. Ireland kaufte für einen monströsen Vertrag WR Mike Wallace aus Pittsburgh ein, einen Speedster für die ganz tiefen Routen. Ein deep threat ist nie die schlechteste Idee, und Wallace ist gut, aber ich bin mir nicht sicher, ob ein Wallace in dem Timing-orientierten System von Head Coach Philbin und OffCoord Mike Sherman der optimale Spieler ist. Er ist auch kein Kaliber der Güteklasse Johnson, Vince Jackson oder Fitzgerald.

Zumal die Dolphins ihre Offense Line willkürlich schwächten: LT Jake Long wurde nach einer Verletzung ziehen gelassen, und wenn man sich ansieht, für welch moderaten Preis Long in St Louis unterschrieb, fragt man sich ernsthaft, wieso Miami das Risiko eingeht, den unerfahrenen LT Jonathan Martin, der als Rookie horrend ausgesehen haben soll, auf die Blindside-Protection abzustellen.

Ich zweifle auch ob der Moves in der Defense: DE/OLB Dion Jordan kostete einen Erst- und Zweitrundenpick, ist ein zu entwickelndes Prospect, aber seine Einberufung zeigt wenigstens die Aggressivität, mit der Ireland bereit ist, die Front-Seven zu stärken. Ein Passrush mit Wake und Jordan liest sich potenziell potent. Die Lauf-Defense um die Tackles Soliai und Vernon ist eh herausragend (2012 mit 60% Erfolgsquote die #5).

Sorgen macht alles, was dahinter kommt: Neuzugang OLB Ellerbe zeigte bisher nix, womit a) sein Gehalt gerechtfertigt wäre oder b) man ihm eine Rolle als Leaderfigur zutrauen würde. Dafür wurde Dansby ziehen gelassen: Was langfristig (Dansby ist weit jenseits der 30) die richtige Entscheidung ist, schmerzt kurzfristig: Wheeler ist noch kein gleichwertiger Ersatz.

Wo es echt übel wird: Cornerback. Du kannst in der heutigen NFL nicht so schwach auf Outside-CB besetzt sein. In den letzten zwei Jahren wurden Davis und Smith abgegeben. Nun vertraut man drauf, dass Rookie Jamar Taylor sofort einschlägt und der eingekaufte 1er-CB Brent Grimes zur Abwechslung verletzungsfrei bleibt. Das ist Harakiri, und wenn man sich die Einkaufspolitik ansieht, die eher auf das Hier und Jetzt bezogen ist, ist mir die Verkaufspolitik der Dolphins unerklärlich.

Ich sehe die Weiterentwicklung in Miami nicht. Der Kaderumbau sieht für mich nicht aus, als hätte da jemand mit allzu großer Weitsicht gebaut, sondern eher Gerümpel hin und her geschoben. Die Fins sehen unaufgeräumt aus. Wenn sich Tannehill entwickelt, ist dank durchwachsener Conference ohne weiteres eine Bilanz der Güteklasse 8-8 bis 10-6 drin. Aber man macht es ihm trotz großer Transferaktivität nicht bedeutend einfacher als es letztes Jahr war – und schafft nebenher noch Salary Cap-Probleme über 2014 hinaus.

Minnesota Vikings

Division   NFC North
Headcoach  Les Frazier
2012       10-6
Tipp 2013  Vierter

Die Vikings waren vor der letzten Saison ein klarer Kandidat für eine aufsteigende Kurve gewesen (u.a. 2011: 2-9 in engen Spielen). Dieses Jahr, nach dem überraschenden 10-6 inklusive Playoffqualifikation, wird es eher schwierig, die Siegbilanz zu wiederhlen (u.a. 2012: 5-1 in engen Spielen; „Siege in engen Spielen sind ein Zeichen von Qualität!“).

Der Hauptfaktor, weswegen Minnesota dieses Jahr eher enttäuschen wird, ist das mehr als suspekte Passspiel in der Offense: QB Christian Ponder stagniert auf niedrigem Niveau (5.3 NY/A, #30 der NFL) und verleiht dem kompletten Angriff einen blässlichen Eindruck (Backup Cassel ist solide, aber nicht mehr). Die Reaktion aus dem Front-Office: Man gebe ihm Hilfe. Via Draft wurde recht aggressiv WR Cordarrelle Patterson geholt, in der Free-Agency stieß der als präziser Routenläufer bekannte Greg Jennings dazu – zwei Moves, zweimal nicht schwer zu erraten, wem sie gelten.

Es ist auch das Eingeständnis, dass du in der NFL von heute nicht dauerhaft 30-Carry-Spiele für deinen Runningback ausgeben kannst. So großartig Adrian Peterson sein mag: Seine 2097yds-Saison mit 6.1 yds/Carry-Schnitt sieht auf dem Advanced-Stats Sheet überraschend ineffizient aus. Da mögen viele Carries dabei gewesen sein, in denen Peterson aussichtslose 3rd-und-lang laufen musste, aber dennoch erstaunt es bei den vielen langen Runs, dass Petersons von vielen als „episch“ deklarierter Herbst 2012 auf den wichtigen Stat-Sheets nicht besser weg kommt. Anyhow: Eine Wiederholung der Leistung ist fast zur Gänze auszuschließen. Selbst wenn Peterson einen Schnitt von 5.0yds/Carry erreichen sollte, wäre das annähernd historisch, und dann fehlen ihm bei 300-400 Carries immer noch 300-400yds. Das sind 2-3 komplette Spiele!

Gehen wir mal durch, was an Minnesota gefällt: Da wären Peterson und der Versuch, Ponders Support-Cast zu verbessern. Da wäre die mittlerweile echt starke Offense Line. Und die Defense, die auch okay geworden ist: Sie fängt zwar seit vielen Jahren erstaunlicherweise kaum INTs (2012 auch wieder nur 1.5% INT-Quote), aber eine grundsolide Front-Four mit DT Williams, DE Allen und dem in der Preseason starken Rookie-DT Floyd sowie eine Secondary mit dem exzellenten jungen Safety Harrison Smith liest sich wie eine der verlässlicheren Units.

Ich bin trotzdem skeptisch. Ponder ist das Eine. Das andere ist Percy Harvins Abgang: Klar schaffte man es letztes Jahr auch ohne Harvin in die Playoffs, aber der Angriff war ohne ihn deutlich lahmer, und Harvin war auch der einzige nennenswerte längerfristigere Ausfall (Minnesota war #2 nach AGL, nur 30.9 Spielausfälle). Wenn da der Teufel etwas grausiger zuschlägt (gilt auch für die Defense)…

Gepaart mit einem knackigen Schedule (NFC North, AFC North, NFC East plus Panthers und Seahawks) ergibt das bei den Vikes das Gesamtbild einer Mannschaft, die eher eingehen wird: Sowas wie 6-10 oder 7-9.

St Louis Rams

Division   NFC West
Headcoach  Jeff Fisher
2012       7-8-1
Tipp 2013  Dritter

„Graue Maus“ ist für die Rams nach einer halben Dekade des Grauens (nicht „Grau“ens) schon ein kleines Kompliment. Die 7-8-1 Bilanz der Rams im letzten Herbst war eine der positivsten Erscheinungen, und sie kam trotz des zweitschwersten Schedules zustande. Head Coach Jeff Fisher machte einen exzellenten Job in seinem ersten Jahr. Man muss bedenken, dass die Rams frisch aus mehreren 2-14 und 1-15 Saisons kamen, und nach etlichen Draft-Busts so ziemlich den talentfreiesten Kader besaßen.

Warum glaube ich nicht an eine lineare Fortsetzung des Aufwärtstrends? Da wäre zum ersten der Schedule: Die eigene Division ist vermutlich erneut hammerhart, dazu mischen sich NFC South und Cowboys sowie Bears als Conference-Gegner. Dazu wird man kaum erneut so gesund durch die Saison kommen (2012 war man #6 nach AGL, nachdem man 2011 #32 gewesen war). Und es gibt immer noch etliche Fragezeichen in der Offense.

Zwar machte das Front-Office gemeinsam mit Fisher exzellent anmutende Einkäufe (u.a. LT Long, WR Austin, WR Bailey, TE Cook, OL Jones) für genau die richtigen Positionen, aber es bleibt immer noch ein großes Fragezeichen auf Runningback (Jackson ging nach Atlanta) sowie natürlich das entscheidende: Quarterback. Sam Bradford geht in sein viertes Jahr. Erstmals gibt es keine Verletzungssorgen. Erstmals bleibt der OffCoord derselbe (O.K., Schottenheimer ist eher suspekt, aber wenigstens eine Konstante). Erstmals gibt es sowas wie einen „Receiving-Corp“, wenn auch ohne echte Nummer 1. Bradford war nach DVOA von Football-Outsiders letztes Jahr ein besserer Quarterback als Joe Flacco. Nur soviel dazu: DVOA nehme ich nicht gänzlich für voll, weil ich den Code dahinter nicht kenne, aber DVOA wie auch andere Metriken zeigen, dass ein Bradford und ein Flacco so weit vom Leistungsvermögen nicht auseinander liegen. Und dass auch ein mittelmäßiger Quarterback sich in einen Rausch spielen kann, hat das Beispiel Flacco mal wieder eindrucksvoll bewiesen. Für Bradford ist 2013 das make-or-break Jahr. Die Tools zum Durchbruch hat er.

Die Defense war trotz allem der bessere Mannschaftsteil. Die Front-Seven ist jung und aufstrebend, DE Long und DT Brockers gefallen mir außerordentlich und wenn bei DE Quinn (ehemaliger 1st round pick) auch irgendwann der Knopf aufgeht, gibt es vielleicht bald einen schwer überzeugenden Abwehrkern.

Die Sterne der Secondary sind im Aufgehen begriffen, aber sie sind extrem junge Sterne: CB Jenkins, CB Johnson und S McDonald sind Spieler im ersten oder zweiten Jahr. Nur CB Finnegan hat einige Jahre Erfahrung auf dem Buckel. Ohne disziplinierten Passrush könnte da zuviel Druck auf das Defensive Backfield zukommen.

Ich stehe den Rams und der Arbeit von Jeff Fisher sehr positiv gegenüber. Ich glaube trotzdem, dass 2013 noch zu früh kommt. Der letzte Herbst bot nen steilen Aufstieg, aber die Historie zeigt: Solche steilen Aufstiege erleben fast immer ein Unterbrechung, eine Phase der Stagnation. S’normale Leben geht auch nicht immer gerade nach oben. Die üble Division tut ihr übriges. Rams 2013: Graues Mittelmaß als Maxime, und das ist in diesem Fall keine ganz schlechte Maxime.

Dallas Cowboys

Division   NFC East
Headcoach  Jason Garrett
2012       8-8
Tipp 2013  Vierter

Eines der lautesten NFL-Teams – und eines der mittelmäßigsten. Die Cowboys geistern seit einigen Jahren nahe der .500-Grenze durch die Liga, immer ein paar knappe Niederlagen von den Playoffs entfernt, und immer das Gefühl vermittelnd, ihr Potenzial wegzuschmeißen. Vor allem die Offense kann an guten Tagen alles an die Wand spielen, aber an schlechten mit Fumbles und Interceptions alles in die Scheiße reiten. Die Defense ist nicht mehr als guter Durchschnitt, litt aber letzten Herbst unter extrem vielen Verletzungen (AGL der Cowboys: #28 ligaweit).

Als Reaktion wurde der durchgeknallte DefCoord Rob Ryan durch den zirka einhundertundsieben Jahre alten Methusalem Monte Kiffin ersetzt. Kiffin ist der Erfinder der Tampa-2 Defense, und er wird in Dallas nach gefühlt drei Jahrzehnten der 3-4 Defense nun ein 4-3 System einführen. Das bedeutet als allererstes: DeMarcus Ware wird künftig als Defensive End spielen, mit den Händen im Dreck, und er wird somit weniger Deckungsaufgaben übernehmen müssen, was ihm zugute kommen wird. Ware als bestem Spieler der Defense sollte der Systemwechsel helfen. Das ist aber auch alles.

Denn Kiffin ist in den letzten Jahren nie mehr dadurch aufgefallen, sein Spielermaterial optimal einzusetzen. Das System geht bei ihm über die Spieler. Man muss befürchten, dass der senile Mann mit seiner bend but don’t break-Philosophie wertvolle Ressourcen verschwendet. Die Defense Line mit Ware, DT Hatcher, NT Ratliff und DE Spencer dürfte noch das kleinste Problem sein, obwohl nach DT Crawfords Verletzung keine Tiefe mehr da ist. Fraglicher wird es schon auf Linebacker, wo LB Sean Lee bei aller Liebe keiner ist, auf den man 16 Spiele bauen kann, und der schlicht nicht dafür gebaut ist, die Rolle als Weakside Linebacker zu übernehmen. Aber immer noch lieber Lee als LB Ernie Sims, ein wandelndes missed tackles-Problem.

Ein Riesenfass ist die Secondary mit großen Löchern auf Nickelback und nach dem Rücktritt von Sensabaugh auch auf Safety. Es gibt ein Positives: Die 1.4% INT-Quote von letztem Jahr werden sich sehr wahrscheinlich zum besseren wenden; das war die schlechteste INT-Bilanz ligaweit in einer Statistik, die enorm volatil ist. Auf der anderen Seite: 6.8 NY/A war nur der 23t-beste Wert. Und das ist eine Statistik, die schwieriger ist zu verbessern, und noch schwieriger mit dem vorhandenen Personal… Diese Defense wird als Gesamtes nicht eine der schlechtesten sein, fraglos, aber sie ist im ihrer Instabilität prädestiniert dafür, das eine oder andere Spiel zu vergeigen.

Auf die Fresse kriegen wird dafür aber sowieso jemand anderes: QB Tony Romo. Romo gehört zu den umstrittensten Figuren in unserer heutigen NFL, largely, weil er vor Jahren mal als Holder (!) ein Playoffspiel verschenkte. Romos Clutch-Bilanz in engen Spielen ist 23-25, also nicht unterirdisch, aber sein exponierter Charakter und der schlichte Fakt, dass er Cowboys-QB ist, sorgen dafür, dass ihn regelmäßig halb Amerika zum Teufel jagen möchte, trotz guter Effizienz-Stats.

Der Support-Cast für Romo ist bärenstark: WR Dez Bryant kennt man nur, weil seine Mutti ne an der Nadel hängende Nutte war, aber wer regelmäßig Dallas verfolgt, weiß sehr schnell zu schätzen, welches gigantische Talent da rumläuft. Letztes Jahr hab ich mehrmals bei Cowboys-Spielen die Audiospur der Dallas-Radiokommentare gehört, und Bryant kam meistens schlecht weg („I’ve never said that before, but put that guy on the bench!“). Die Jungs täten gut daran, diesen sensationellen Receiver höher zu schätzen und ihn entsprechend einzusetzen. Hinter Bryant gibt es verletzungsanfällige Ergänzungsspieler wie Austin, Harris, Beasley und den grundsoliden TE Jason Witten.

Das Laufspiel wird um den explosiven DeMarco Murray gebaut, einen meiner Lieblings-Backs. Leider ist Murray auch oft genug verletzt, um in zwei Jahren nur selten mehr als 15 Carries gehabt zu haben. Ist Rookie Joseph Randle eine Alternative? Ein viele Jahre altes Problem ist die rechte Seite Offense Line, wo man es einfach nicht schafft, aus RG Bernadeau und RT Free eine verlässliche Combo zu bauen. Immerhin ging man das Center-Problem mit einem Wisconsin-Prospect im Draft an: Travis Frederick. Dallas bekam für den Pick medial auf die Rübe, und Frederick soll in der Preseason tatsächlich überfordert ausgesehen haben. OL-Probleme, ick hör eur trappsen.

Dem Kurzbeschrieb von Stärken und Schwächen folgt der negativste Punkt: Ich hab etwas Angst um Dallas. Potenzial ist da um die mittelmäßige NFC East zu gewinnen. Aber a) hat das Team nicht genügend Tiefe um ein, zwei verletzte Schlüsselspieler zu ersetzen, b) ist der neue OffCoord und PlayCaller in Bill Callahan nicht unbedingt ein Mann, der bisher durch zuviel Spielgefühl aufgefallen wäre. Und c) wird der Head Coach-Kontroverse das ganze Jahr über Dallas schweben. Jason Garrett ist angesägt, und Owner/GM Jerry Jones versucht schon gar nicht mehr, Garrett irgendwie den Rücken zu stärken indem er einfach mal die Fresse hält. Quasi gefeuerter Cheftrainer, Assistenztrainer mit Denke aus den 90ern: Puuuhhh.

Deswegen wird der Saisonstart extrem wichtig: Ein paar Siege, eine halbwegs ordentliche Bilanz Mitte Oktober, und es kehrt etwas Ruhe ein. Aber man stelle sich vor, es hagelt wieder knappe Niederlagen in den ersten Wochen; Dallas ist 2-5 und 1-4 in engen Spielen: Jones wird ungeduldig, Medien werden bissig, und Garrett überlebt das Jahr nicht. Weil Dallas ein Faible für enge Spiele hat (2010: deren elf, mit 3-8 Bilanz, 2012: deren zwölf, mit 7-5 Bilanz), und deren Ausgang schwer kontrollierbar ist, besteht durchaus die Gefahr einer Implosion für eine Franchise, die prinzipiell mehr Potenzial haben sollte. Das erste Pulverfass wartet bereits diesen Sonntag mit den New York Giants: Ebenso unberechenbares Team, und ein Divisionsgegner…

Philadelphia Eagles

Division   NFC East
Headcoach  Chip Kelly
2012       4-12
Tipp 2013  Dritter

Die Eagles sind auch ein Divisionsgegner der Cowboys, und vielleicht die größte Wundertüte in diesem Jahr mit ihrem neuen Wundercoach Chip Kelly, dem Wunderknaben von der University of Oregon, dem ich schon mehrere Stücke widmete. Wer noch mal nachlesen will, weshalb ich von Kelly so viel halte, dem verlinke ich an dieser Stelle noch mal die zwei ausführlichsten Artikel und einen Podcast:

Kelly steht vor einem spannenden Jahr: Zum ersten will jeder sehen, wie „seine“ Offense in der NFL aussieht. Zum zweiten geben die Zahlen hinter den Eagles viele Gründe, an eine schnelle Verbesserung der Saisonbilanz zu glauben. Also: Die Eagles kollabierten 2012 komplett. Andy Reid war schnell dead man walking, aber immer wenn solche Teams so schnell einbrechen wie Philly 2012, geht es im Jahr darauf wieder bergauf. Dafür ist seit vielen Jahren zu viel Talent im Kader vereint. Zum zweiten: Die Eagles hatten unglaubliches Pech bei Fumble-Recoverys (nur 35%). Und sie hatten die schlechteste Turnover-Bilanz der Liga (u.a. wegen der Fumbles und der viertschlechtesten INT-Quote in der Defense).

Das sind Faktoren, die für Regression zur Mitte schreien. Kelly lässt eine eher NFL-unorthodoxe Offense spielen, in der relativ viel gelaufen wird, was schon mal qua Spielplanung zu weniger Turnovers führt. Quarterback für dieses Jahr ist erstmal Michael Vick, der mit seinen zwei Zusatzdimensionen „Mobilität“ und „Monsterwurfarm“ durchaus kompatibel sein sollte. Vick wird mit Sicherheit nicht völlig von der Leine gelassen werden.

Dafür steht Kelly zu sehr auf seine gefinkelten Laufspielzüge und die Hurry Up-Offense. Das Spielermaterial abseits des Quarterbacks hat er. In der Preseason schickte er manches Mal vier Tight Ends zugleich aufs Feld. Die Wide Receivers Cooper und DeSean Jackson sind gute NFL-Klasse, auch wenn Maclins Kreuzbandriss schmerzt.

Das wichtigste Novum ist aber die Offensive Line. LT Jason Peters und C Kelce kehren von schweren Verletzungen zurück, und RT Lane Johnson kommt als frischer vierter Draftpick und US-Staatsmeister im Bären-Wrestling nach Philadelphia. Die zuletzt viel kritisierte Line dürfte somit per Knopfdruck von einer der schlechtesten zu einer der besten mutieren – wenn alle gesund bleiben. Profitieren tun davon die boom or bust-Backs der Iggles: LeSean McCoy und Bryce Brown hatten letztes Jahr extrem viele Negativ-Spielzüge, aber auch extrem viele Big-Gains.

Philadelphia wäre für mich durchaus ein Playoffkandidat, wäre da nicht die Defense. Die Umstellung auf 3-4 offenbarte in der Preseason eklatante Schwächen vor allem gegen den Lauf. In DE Cox und OLB Graham werden zwei der besten jungen Spieler mehr oder minder quasi per System neutralisiert. Not good. Die Einkäufe in der Front-Seven lesen sich in Barwin und Sopoaga auch eher mäßig, weswegen es ein langer Herbst werden könnte.

Das ist aber nix gegen die Secondary: Dort wurde CB Cary Williams aus Baltimore ein haarsträubender Vertrag gegeben, und Williams hatte in der kompletten Offseason dann auch nix besseres zu tun als sich über die Eagles lustig zu machen. FS Phillips musste gar schon wieder entlassen werden. Dort hinten steht nix, nix, nix, das dich beruhigt schlafen lässt.

Ich glaube trotzdem, dass es kein unterirdisches Jahr zu Kellys Einstand werden wird. Von 8-8 wird Philadelphia keine Lichtjahre entfernt sein, und im Draft 2014 kannste dann auf die Suche nach deinem Franchise-QB gehen.

Washington Redskins

Division   NFC East
Headcoach  Mike Shanahan
2012       10-6
Tipp 2013  Zweiter

Die Washington Redskins waren letzte Saison mit 10-6 und einer richtig guten Offense eine positive Erscheinung, die nun vor einer schweren Saison steht. Die erste und wichtigste Frage wird sich um den Zustand von QB Robert Griffin III drehen: Wie fit kommt RG3 zurück? Die Redskins spielten letztes Jahr durchaus keine so atypische Offense, wie man gemeinhin angenommen hat, aber trotzdem: Wie wird sich Griffin anpassen können an die Antworten der Defense, jetzt, wo jeder Scramble Ängste im Hinterkopf auslösen wird? Nach einer epischen Rookiesaison, der vielleicht besten ever, sehe ich ein ungewisses Jahr auf Griffin zukommen.

Mike und Kyle Shanahan haben genug Kredit auf der Bank, dass man ihnen zutraut, Griffin erneut die richtigen Plays auf den Leib zu schneidern, und dass sie RG3s Skill-Set auch weiterhin nutzen, um ganze Waale für den „anderen“ Star-Rookie aufzureißen: RB Alfred Morris, der über 1600yds machte. Morris mag ein Produkt des Systems sein, aber du brauchst als Back immer noch den Speed und das Auge um die Lücke zu nutzen. Insofern: Nein, Morris ist kein Peterson, aber er muss es auch nicht sein.

Der Knackpunkt wird sein, wie lange Washington mit dem suboptimalen Spielermaterial auf Wide Receiver durchkommt. Es können ganze Bücher darüber geschrieben werden, wie Washingtons Spielzugdesign seine durchschnittlichen Receiver freigelaufen bekommt (siehe auch obigen Link), aber es ist die NFL, und da dauert es oft nicht lange, bis die Reaktion der Defense kommt. Garcon, Hankerson, Moss: Wenn die Jungs auf ihre Skills angewiesen sind und nicht auf den Play-Action Pass, sehe ich schwarz mit erneut über 7.0 NY/A im Passspiel.

Positiv für die Aussichten der Skins wird nicht nur die Rückkehr des besten Abwehrspielers OLB Brian Orakpo (Kandidat für regelmäßig 10-15 Sacks) sein, sondern generell die zu erwartende Regression zur Mitte in Sachen Verletzungen (2012 war WAS dort #29 mit 89.4 verpassten Adjusted-Games; u.a. Orakpo und S Meriweather das komplette Jahr).

Mit Orakpo in der Aufstellung muss DefCoord Haslett auch weniger Risiko eingehen und seine Scheune mit Blitzes abfackeln. Orakpo und OLB Kerrigan stehen für ordentlichen Passrush, durch den die Secondary sich dahinter mehr auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren kann, die da lautet: Deckung. Das war letztes Jahr zu wenig. Im ersten Halbjahr 2012 hatte Washington die zweitschlechteste Defense der Liga! Haslett machte die richtigen Moves, aber die Saison zeigte: Es braucht bei dieser geringen Kadertiefe nicht viel für die Katastrophe. Vielmehr: Die Katastrophe zeichnet sich schon ab. In Carriker und Jenkins fallen zwei wichtige Defense Liner für viele Monate aus.

Trotz der Rückkehr der beiden besten Spieler RG3/Orakpo, trotz des soliden Backup-QBs Cousins, trotz pipapo: Die genannten Punkte ergeben mir ein zu ungewisses Bild, als dass ich mit viel Selbstvertrauen einen Divisionsfavoriten Washington ausrufen möchte. Ich sehe ein ungemütliches Jahr auf die Skins und den Shanaclan zukommen. Die Playoffs wären selbst in der durchaus machbaren NFC East eine Überraschung.

Baltimore Ravens

Division   AFC North
Headcoach  John Harbaugh
2012       10-6
Tipp 2013  Dritter

Der Titelverteidiger als Wackelkandidat für die Playoffs? Soll vorkommen, und war in den letzten Jahren immer mal wieder ähnlich. Baltimore geht als relative Unbekannte in diese 2013er Saison: Letztes Jahr stellte man bis zu den Playoffs eine eher unterdurchschnittliche Mannschaft, die sich nur mit Biegen und Brechen durch die Regular Season quängelte, nur um im Jänner wie eine Bombe einzuschlagen und auswärts die Topfavoriten gleich serienweise zu meucheln.

Danach baute GM Ozzie Newsome den Kader so radikal wie rücksichtslos um. Verschont wurde nur der lange Zeit als blass wahrgenommene QB Joe Flacco (Regular Season 2012: 6.3 NY/A, Playoffs: 8.3 NY/A), der eine rekordverdächtige Vertragsverlängerung bekam. Drum herum wurde vieles erneuert: LB-Legende Ray Lewis punditiert mittlerweile bei ESPN, Safety-Legende Reed verdingt sich in Houston, LB Ellerbe nach Miami, LB Kruger nach Cleveland. Der Schnitt war so hart wie notwendig. Auch ohne Superbowl hätte Newsome den Raben rupfen müssen: Baltimores Zyklus, eine lange Zeit verschwendete und letztlich im letzten Abdrücker noch vergoldete Generation, war sowieso am Ende.

Jetzt geht John Harbaugh mit einer Mannschaft voller Fragezeichen in die Saison: Flacco muss erst den Nachweis erbringen, dass der „richtige“ Flacco der Playoff-Flacco ist und nicht der 2008-Ende 2012er Flacco. Hat OffCoord Jim Caldwell was Besseres drauf als sechs lange Pässe pro Spiel anzusagen und zu hoffen, dass der Safety im rechten Moment daneben hüpft? Der Receiving-Corp schaut nach dem Verkauf von WR Boldin sehr „unfertig“ aus: TE Pittas karrierebedrohende Hüftverletzung ist nicht planbar, aber ein Ballfängertrio aus Torrey Smith, Jacoby Jones und Tandon Doss? Meine Fresse. Von wegen „unfertig“. Da sind kaum Teams schlechter aufgestellt.

In der Pass-Protection ist es nicht schwer, ein Desaster auf beiden Tackle-Positionen kommen zu sehen; in der Defense vertraut man auf ILB in Arthur Brown auf einen Rookie. Auf einen hochgelobten zwar, aber man muss wissen, wie die Ravens-Abwehr in den letzten zwei Jahrzehnten funktionierte: Es war die Achse Ngata-Suggs-Lewis-Reed. Letztere waren die Anführer. Beide sind nun weg, Ngata und Suggs ächzen schon unter ersten Alterserscheinungen.

Was sich positiv auf die Abwehr auswirken sollte, ist dass sie vermutlich gesünder bleiben wird: Fast alle der o.g. Achsenspieler plus der beste CB Webb waren 2012 zumindest über Strecken außer Gefecht (Baltimores Defense war #25 nach AGL mit 46.4 verpassten „adjusted-Games“).

Insofern dürfte der Ravens-Kader noch immer die Qualität und das Coaching besitzen, um in Playoffnähe mitzuspielen. Aber es wird viel mehr als in der Vergangenheit auf Flaccos Schultern lasten, und das macht angesichts von Flaccos Vergangenheit Sorgen. Es sei denn, der Mann hat ab sofort die Weisheit geerbt. Aber solche Breakouts waren geschichtlich eher selten langfristig, und als Regelfall muss man eher annehmen, dass Flacco nach diesem „Outlier“ (Außreißer nach oben) wieder näher an seine „wahre Stärke“ zurückfällt. Baltimore sieht mir nach einem .500-Team aus, selbst in der mäßigen AFC.

Frischzellenkur in St Louis: Mountaineer Pride

Der WR-Corp der St Louis Rams wird seit drei Jahren aufgemotzt, dass ein Matt Millen nur bass erstaunt zuschauen kann: Dieses Jahr kamen zwei neue Wide Receiver im Draft dazu, nachdem schon in den zwei Jahren vier Wide Receivers und einen Tight End gedraftet worden waren. GM Les Snead und Head Coach Jeff Fisher scheinen sehr darauf bedacht, dem Quarterback ihres Vertrauens, Sam Bradford (Top-Draftpick 2010), eine Armada zu geben, mit der sich arbeiten lässt.

Snead und Fisher holten diesmal die beiden Hauptprotagonisten der Air-Raid-Offense der West Virginia Mountaineers, Tavon Austin (Pick #8) und Stedman Bailey (Pick #92) neu hinzu. Damit zählen wir über die letzten drei Jahre sechs Wide Receiver und einen Tight End, die St Louis via Draft holte, plus dieses Jahr mit TE Jared Cook erstmals auch eine Waffe via Free-Agency.

Der Offensiv-Gameplan nimmt also Formen an. Fisher installierte in seinen ersten beiden Offseasons in St Louis alle Elemente, die dem Vorgänger-Duo Spagnuolo/Devaney entweder entgangen oder missglückt waren:

  • OffCoord Brian Schottenheimer, manchmal ein bisschen übermütig, aber insgesamt solide und West Coast-affin.
  • Schnelle Receiver (Austin, Bailey, Givens) und groß gewachsene Receiver (Cook, Quick)
  • Blockstarker Tight End (Kendricks)
  • Left Tackle (Jake Long) und ein erfahrener Center, der viele Protection-Calls machen kann (Chris Wells)
  • Fangstarker Running Back (Isaiah Peed)

Das liest sich nicht schlecht, obwohl auch jedes Jahr 1-2 Kernbausteine den Verein verließen (Steven Jackson, Amendola, Brandon Lloyd).

Der Move für das Kronjuwel Austin hinterlässt mich leicht zwiegespalten: Prinzipiell ist er mit seinen 1.73m kein Mann, um den man eine NFL-Offense bauen möchte, sondern mehr der Typ „Luxus-Schachfigur“, der zwischendurch die Nadelstiche setzt, aber mit seinen 9-Catches-für-72yds, 3-Endarounds-für-21yds und 2-Puntreturns-für-76yds-und-ein-TD-Spielen nicht das zentrale tragende Element eines Angriffs sein kann. Harvin kam letzte Saison in Minnesota bis zu seiner Verletzung nahe dran an die Wunschvorstellung „Slot-WR trägt seine Offense allein“. Aber es waren nur wenige Spiele bis zu seiner Verletzung.

Austin sehen viele als mehr als einen Slot-WR. Am College wurde er tatsächlich überall eingesetzt, vorne, hinten, als Wideout, im Slot, im Backfield, fing Bälle für über 150yds, erlief über 300yds in einem einzigen Spiel (!) usw. Aber ein klassischer Wideout ist Austin nicht. Einen klassischen, prototypischen #1-Wideout gibt es in St Louis vielleicht trotz der vielen Picks immer noch nicht.

Brian Quick mag noch am nächsten dran sein: Letztes Jahr an #33 von einem aberwitzig kleinen College gedraftet, schaffte Quick den Entwicklungssprung im Rookiejahr nicht ganz. Quick ist groß gewachsen, physisch, hat aber noch etliche Unsauberkeiten in seinem Spiel. Die Idealvorstellung wäre, dass sich Austin und Quick gegenseitig ergänzen: Des einen Präsenz bringt den anderen weiter und umgekehrt.

Chris Givens (letztes Jahr: Vierte Runde) gilt als speedster für die tiefen Routen. Typ Torrey Smith: Nicht präsent genug für eine richtige Führungsrolle, aber einer mit der Standard-Statline 3 Catches für 86yds, TD. Nicht oft am Ball, niedrige Catch-Rate, aber wenn er ihn fängt, ist es mehr als Zündeln in der Secodary.

Vielleicht braucht es den „Führungsspieler“ auch gar nicht, denn zu diesem interessanten Trio gesellt sich mit dem Rookie Bailey vielleicht der Spieler, den diese Offense noch brauchte. Bailey ist keine 1,80m groß, aber extrem kräftig und war in der Mountaineers-Offense noch produktiver als Austin. Gemeinsam mit einem TE-Hünen Cook könnten Bailey und Austin ein gefährliches Trio für die Spielfeldmitte bilden. Cook gilt nicht als der allerkonstanteste, hat aber immerhin den Körper für die Zweikämpfe mit den kräftigsten Linebackers.

Das alles, und durch die sofortige Verbesserung der Protection (Long) und eine Entlastung der Fänger-Rolle für Kendricks dürften die Rams in der NFC West aufgeholt haben und haben zumindest auf dem Papier eine weitaus mächtigere Offense als noch vor zwölf Monaten. 2012/13 war beachtlich von den Rams im Angesicht des schweren Schedules und der Qualität ihres Kaders, und nun ist der Angriff erstmals seit fast einem Jahrzehnt wieder so aufgestellt, um mehr als bloß Achtungserfolge einzufahren.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         7-8-1  --
Enge Spiele    4-3  
Pythagorean    6.6   (22)
Power Ranking   .522 (14)
Pass-Offense   6.0   (20)
Pass-Defense   6.0   (10)
Turnover        -1

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Angesichts der Kaderqualität der St Louis Rams entlockt mir die 7-8-1 Bilanz, die Franchise im ersten Jahr unter Head Coach Jeff Fisher einfahren konnte, nichts anderes als einen gaaaaaaaanz hohen Pfeifton. Gegen einen bärenstarken Schedule (#2 in meinem Modell) und mit nur einer einzigen Niederlage in einer überraschend starken Division glänzt dieses 7-8-1 nach Jahren des Siechtums im Gegensatz zu jener windigen 7-9 Saison vor zwei Jahren richtig hell.

Der Aufschwung der Rams passt zum insgesamt nach oben zeigenden Pfeil der gesamten Franchise. Owner Stan Kroenke drückte mit der London-Geschichte der Stadt St Louis seinen Willen auf und scheint im Kampf um bessere Stadionkonditionen mittlerweile am längeren Hebel zu sein. Und die Fans quittierten das zeitgleiche gute Spiel der Rams mit besser gefüllten Rängen. Es scheint Leben in eine jahrelang emotional am Boden liegende Mannschaft zu kommen.

Trotzdem bleiben Fragezeichen.

Keines ist dabei größer als jenes in der Offensive Line, wo zwar viele hohe Draftpicks investiert wurden, der Return on Investment aber enttäuschend mau blieb. Der hoch gedraftete LT Saffold soll wenigstens gute Ansätze gezeigt haben, aber abseits davon sagt man den Rams Handlungsbedarf allernorts nach. RT Richardson würde man lieber heute als morgen in die Wüste schicken, und C Scott Wells könnte aufgrund anhaltender Knieprobleme zum Rücktritt gezwungen sein.

Hinter dieser Offensive Line – und mit dem Schreckgespenst des OffCoord Brian Schottenheimer im Hinterkopf – entwickelte sich der junge QB Sam Bradford zuletzt besser als es die ersten beiden Jahre Bradfords in der NFL hatten befürchten lassen. Weit mehr als das Prädikat „blass“ wird man Bradford wohl so schnell nicht nachsagen können, aber immerhin schaute die Offense dieses Jahr zumindest streckenweise gefährlich aus.

Bradford wird aber – ebenso ein seit Jahren rekurrierendes Thema in St Louis – weitere Waffen brauchen. WR Amendola ist Free Agent und nicht mehr der jüngste, und man soll in den Vertragsverhandlungen weit auseinander liegen. Hinter Amendola wird es im Kader sehr schnell sehr jung. WR Chris „big play“ Givens geht ebenso wie der stagnierende WR Brian Quick in sein erst zweites Jahr, der notorische Troublemaker Titus Young wurde aus Detroit geholt und schon eine Woche später wieder geschasst, der junge WR Pettis soll zum Tight End umgeschult werden… von bekannten ehemaligen Rams wie Bruce oder Holt sind wir Lichtjahre entfernt.

Bleiben die Running Backs. RB Steven Jackson ist ein Krieger, dem man nichts sehnlicher wünschen würde als endlich eine Winning-Season (also über .500), aber das Fenster für den bald 30jährigen Jackson schließt sich schön langsam und Jackson ist mit seinen 7 Mio. Cap-Space nicht billig. RB Isaiah Peed zeigte gemessen an seiner Zeit am College erstaunlich wenig Gefühl für die gelegentlichen Lücken, die sich sogar in einer Line wie jener der Rams aufmachen können. Nicht ausgeschlossen, dass Handlungsbedarf besteht.

Die Defense

Die Abwehr war das Prunkstück der Rams, und sie lebt von einer geschwindigen D-Line, die selbst nach der Suspendierung des DefCoords Gregg Williams („Bountygate“) massiv aufgeigte und der mit Abstand beste Mannschaftsteil war. Es ist eine Line, die um disziplinierte Defensive Ends wie den extrem teuren Chris Long und Robert Quinn und einen superathletischen DT Michael Brockers gebaut ist, alles noch junge, ehemalige hohe Draftpicks. Das einzige Fragezeichen ist, ob und zu welchen Konditionen man den auslaufenden Vertrag des role players Willie Hayes, einer von Fishers Lieblingsspielern, verlängern sollte.

Der zweite Mannschaftsteil, der als „gesattelt“ gilt, ist Cornerback, wo man sich mit Cortland Finnegan und Janoris Jenkins zwei charakterliche Problemfälle angelacht hatte, die aber beide sportlich gut einschlugen.

Alles weitere gilt als verbesserungswürdig. Safety liegt nach den zu erwartenden Abgängen von Craig Dahl und Oldie Quintin Mikell (wg. teurem Vertrag) blank, und die Linebackers bieten wenig mehr als die Spielintelligenz des jungen James Laurinaitis. Wenn du nochmal so in eine Saison gehst, garantiere ich dir, dass du im Slot und von Tight Ends böse verbrannt werden wirst. Weil die Salary Cap nicht gut aussieht, dürfte man es via Draft probieren.

Ausblick

Gibt trotz der guten abgelaufenen Saison viel zu tun in St Louis, denn der Kader hat noch brutal viele Schwachstellen. Was aber helfen sollte: Dank des RG3-Trades aus dem letzten Frühjahr werden die Rams dieses und nächstes Jahr jeweils zwei Erstrundendraftpicks zum Operieren haben. Das ist nicht zu unterschätzen, auch wenn der von den Redskins entsendete Pick diesmal „nur“ die #21 ist. Denn so viele Picks verschaffen nicht nur die Möglichkeit, den einen oder anderen Bust zu verkraften, sondern auch viel Schaffensraum auf dem Transfermarkt.

Zündstoff liegt bei dem Rams vor allem in der Philosophie der sportlichen Leitung, bei der Evaluierung von Spielern auf deren charakterliche Flauseln zu pfeifen. Den Bengals flog diese Herangehensweise vor wenigen Jahren um die Ohren und das kurze Intermezzo des Titus Young lässt auch für St Louis wenig Gutes befürchten.

NFL-Week 15, Preview auf die Abendspiele

Diesmal aus Zeitgründen eine geteilte TV-Guideline für die Wochenendspiele in der National Football League. Heute dran: Die 19h-Spiele vom Sonntagabend. Weiterlesen

NFL Week 10 Power Rankings

Die neuen Overtime-Regeln machen das unwahrscheinlichste Ergebnis in der National Football League ein bisschen wahrscheinlicher, und am Sonntag war es mal wieder soweit: Wir hatten das erste Unentschieden in der NFL seit 2008, als die Philadelphia Eagles gegen Cincinnati remis spielten und QB Donovan McNabb sich hinterher fragte, warum man denn nun nicht noch eine zweite Overtime hatte spielen lassen.

Bei FOX scheint man es auch noch nicht so genau mitbekommen zu haben:

FOX wollte wohl eine zweite Verlängerung - ©NFL-Gamepass

FOX wollte wohl eine zweite Verlängerung – ©NFL-Gamepass

Zu den Power Rankings, die sich von einem Unentschieden nicht nervös machen lassen.

Nr.  TEAM              WP     E16    SOS   RK   W-L
#1   Denver           .728   11.6   .510   15   6-3
#2   San Francisco    .695   11.1   .516   10   6-2-1
#3   Houston          .665   10.6   .483   22   8-1
#4   Seattle          .655   10.5   .539    6   6-4
#5   Carolina         .606    9.7   .551    2   2-7
#6   Detroit          .579    9.3   .505   16   4-5
#7   Green Bay        .570    9.1   .514   11   6-3
#8   Chicago          .568    9.1   .510   14   7-2
#9   Dallas           .556    8.9   .548    3   4-5
#10  N.Y. Giants      .541    8.6   .530    7   6-4
#11  Atlanta          .538    8.6   .487   21   8-1
#12  St Louis         .530    8.5   .552    1   3-5-1
#13  Cincinnati       .527    8.4   .473   24   4-5
#14  New England      .513    8.2   .499   17   6-3
#15  Tampa Bay        .509    8.1   .465   29   5-4
#16  Miami            .505    8.1   .472   25   4-5
#17  Philadelphia     .497    7.9   .489   19   3-6
#18  Minnesota        .484    7.7   .498   18   6-4
#19  Pittsburgh       .483    7.7   .471   27   6-3
#20  Baltimore        .481    7.7   .472   26   7-2
#21  Washington       .463    7.4   .513   13   3-6
#22  San Diego        .460    7.4   .436   31   4-5
#23  Indianapolis     .454    7.3   .427   32   6-3
#24  N.Y. Jets        .436    7.0   .545    4   3-6
#25  Buffalo          .429    6.9   .479   23   3-6
#26  Arizona          .418    6.7   .542    5   4-5
#27  Cleveland        .406    6.5   .488   20   2-7
#28  New Orleans      .403    6.5   .517    9   4-5
#29  Oakland          .393    6.3   .469   28   3-6
#30  Tennessee        .387    6.2   .514   12   4-6
#31  Kansas City      .281    4.5   .462   30   1-8
#32  Jacksonville     .242    3.9   .522    8   1-8

WP entspricht der Siegchance der jeweiligen Franchise gegen eine standardisierte, durchschnittliche NFL-Franchise, E16 ist WP hochgerechnet auf 16 Spiele (WP*16 = E16), SOS ist der bisherige Strenght of Schedule, den dieses Modell für die jeweilige Franchise errechnet, Rk die Platzierung des Schedules, W-L die tatsächliche Sieg-Niederlagen-Bilanz jeder Franchise zum Ende der Woche 10.


Ein paar Anmerkungen zum Power Ranking:

  • Denver spielt eine wirklich famose Saison, hat die beste Pass-Offense (7.7 NY/A), die sechstbeste Lauf-Offense, die fünftbeste Pass-Defense (5.4 NY/A), eine überdurchschnittliche Lauf-Defense, begeht wenige Strafen (#10), und gehört dann mit einer unterirdischen Quote an Fumble-Recoverys (knapp 23%) zu den unglücklichsten Teams ligaweit!
  • Detroit bleibt weiterhin extrem weit oben, was schwer erklärlich ist: Detroit ist nirgendwo herausragend, spielte gegen den 16t-schwersten Schedule. Aber die Lions sind in allen Statistiken außer Penaltys und Defensive Interceptions überdurchschnittlich gut, was in einer Saison ohne die ganz herausragenden Top-Teams für eine hohe Platzierung zu reichen scheint. Den Lions sei prinzipiell vor allem zu raten: In Zukunft von einer 60/40-Ratio in Lauf/Pass auf eine 80/20-Ratio wechseln!
  • Carolina hält sich weiterhin trotz hoher Niederlage und 2-7 Bilanz im Spitzenfeld, und man kann weiterhin verstehen, warum: Schlechte Starting-Feldpositionen in Offense (#31) und Defense (#28) sowie schlechte Special Teams (#30 nach DVOA) – Werte, die dieses Modell nicht berücksichtigt, weil sie schwer messbar im Verhältnis zum Gesamterfolg sind.
  • Die anti-Panthers sind die Baltimore Ravens, die nach DVOA das beste Special Teams in der NFL besitzen (Stand Woche 10 sogar eines der besten der letzten 20 Jahre!), hier aber nur an #20 ausgespuckt werden. Baltimore besitzt zwar eine exzellente Pass-Offense rund um QB Flacco (6.8 NY/A, #6), aber die Defense ist lauer als erwartet, die Ravens kassieren viele Strafen, auch weil HC Harbaugh sich an der Seitenlinie nicht zurückhalten kann, und sie haben all das gegen einen der schwächsten Schedules in der NFL „zustande gebracht“.
  • Weiteres pikantes Merkmal: St Louis vor New England, was nach dem London-Spiel eher ungläubig zur Kenntnis genommen wird. St Louis „punktet“ im direkten Vergleich vor allem mit der viel besseren Pass-Defense (6.1 NY/A vs. 7.3 NY/A der Pats, die damit #28 sind) und dem viel schwierigeren bisherigen Schedule (Rams spielten den schwersten bisher).

Kalkulierte Prozentsätze für Woche 11

Letzte Woche sagte Excel 9 von 13 Spielen richtig voraus, was in einer Woche mit mehreren scheinbaren Upsets keine schlechte Bilanz war. Diesmal tippt Excel wie folgt:

HOME              %     AWAY               %
Buffalo          46     Miami             54
Atlanta          69     Arizona           31
Dallas           72     Cleveland         28
Detroit          57     Green Bay         43
Kansas City      27     Cincinnati        73
Washington       51     Philadelphia      49
Carolina         68     Tampa Bay         32
Houston          92     Jacksonville       8
St Louis         66     N.Y. Jets         34
Oakland          54     New Orleans       46
Denver           88     San Diego         12
New England      62     Indianapolis      38
Pittsburgh       56     Baltimore         44
San Francisco    75     Chicago           25

D’oh! Detroit over Green Bay. Oakland over New Orleans! Und San Francisco ein 3:1 Favorit über die Chicago Bears.

London Calling: Patriots v Rams Preview

Hello from London! Dieser Beitrag wurde schon am Donnerstag geschrieben, darum gibt es keine Informationen über kurzfristige verletzungsbedingte Ausfälle oder ähnliches.

Nach korsakoffs Ranking sind die St. Louis an diesem Sonntag abend in London der Favorit gegen die New England Patriots. Und das ist lange nicht so albern, wie es sich vielleicht anhört. Die Rams haben sich mehr als achtbar durch ihren steinharten schedule gearbeitet. Nur zwei ihrer Gegner haben zum jetzigen Zeitpunkt eine negative Bilanz – die Redskins und die Lions. Trotzdem haben sie aus diesen sieben Spielen drei Ws gezogen.

Getragen wird die Mannschaft des neuen HCs Jeff Fisher von ihrer Defense. Den Kern bilden die Jungstars DE Chris Long und LB James Laurinaitis sowie CB Cortland Finnegan, den sich Fisher als Leader fürs Defensive Backfield geholt hat. Nach zugelassen Punkten ist diese Unit Top-10 Material. Das ist sicher zu hoch gegriffen, aber gegen die Patriots sollte man trotzdem nicht völlig hilflos sein.

Vor allem der Pass Rush um die Defensive Ends Robert Quinn und Chris Long bereitt jeder Offensive Line Kopfzerbrechen. Die beiden Tackles des Patriots, Sebastian Vollmer und Nate Solder, machen zwar bislang einen sehr sicheren Eindruck, besonders Vollmer. Aber es steht kaum zu erwarten, daß sie gegen so starke Konkurrenz Tom Bradys Trikot frei von dreckigen Wembley-Naturrasen halten können. Zumal Brady in den letzten Jahren die schlechte Angewohnheit entwickelt hat, gerne Mal phantom pressure zu verspüren, nachdem er drei- bis vier Mal an der Grasnarbe geschnuppert hat.

Vorteilhaft für Brady ist dagegen das Fehlen von vernünftigen Linebackers neben Laurinaitis. Das wird der ganzen Welker/Edelman/Gronkandez-Fraktion jede Menge einfache match ups underneath bescheren. Je nachdem, wie sich die DLine gegen den Lauf macht, dürften auch die RBs Stevan Ridley und Danny Woodhead ihre carries bekommen. Da Solder/Vollmer ungemein athletisch sind und, wie gesagt, die OLBs der Rams nicht besonders gut, werden wir wahrscheinlich viele Läufe off tackle, also über die Außen, sehen. Diese sweep– und toss-plays sind auch von Hause aus schon ein Favorit der Patriots.

Auf  der anderen Seite heißt das spannende Duell: Sam Bradford gegen die „Secondary“ der Patriots. Am spannendsten wird dabei sein, wer diesen Sonntag für die Pats auflaufen wird. In den letzten Wochen wurde da wieder heftigst jongliert – mit schlechten Ergebnissen. Letzte Woche durfte 7th-rd pick Alfonzo Dennard an der linken Seitenlinie anfangen, während rechts Kyle Arrington auflief. Eine Woche zuvor wurde Arrington während des Spiels auf die Bank gesetzt und Ras-I Dowling durfte sich mal dort versuchen. Letzte Woche hat Dowling dann LB/“Star“ im dime package gespielt. Das hat vorher Rookie Nate Ebner gemacht, der gegen Seattle Safety gespielt hat und letzte Woche gar nicht. Safety waren gegen die Jets Rookie Tavon Wilson und Devon McCourtey. Wer diese Woche wo spielt ist völlig offen. Es wär nicht verwunderlich, wenn Belichick am Freitag irgendwo noch einen englischen Rugbyspieler aufgetrieben hat, der mal irgendwas spielen darf. Oder daß WR Edelman wieder im Slot spielt und Special Teamer Matt Slater Safety. Belly und DC Matt Patricia sind da wirklich für alles offen. Schlimmer als von Mark Sanchez auseinandergenommen zu werden, kann es eh nicht mehr werden.

Zupaß kommt New England allerdings die schwache Offensive Line St. Louis´. In dieser OLine ist Wayne Hunter starter. Ja: der Wayne Hunter von den Jets. Mit Chandler Jones und Rob Ninkovich haben die Patriots zwar nur 1,5 gute Pass Rusher – aber das sind mehr als St. Louis verträgt.

In den letzten fünf Spielen hat diese Offense kumuliert 76 Punkte gemacht (15 pro Spiel). Sam Bradford sieht auch immer noch nicht im Entferntesten aus wie ein Nr.1 pick. Aber wie auch bei diesen WRs (bei denen jetzt auch noch Danny Amendola fehlt) und vor allem: OC Brian Schottenheimer. Allerdings könnte dieses Mal das Ignorieren des Laufspiels genau das richtige Mittel sein, siehe: Patriots secondary. Und andersrum ist New England mit Wilfork/Love und den high energy Typen Brandon Spikes, Jerod Mayo und Dont´a Hightower vor allem stark gegen den Lauf.

In short: wir erwarten viel kurzes Paßspiel und viele Läufe von den Patriots, was zu einigen langen, zeitraubenden Drives führen sollte. Auf der anderen Seite erwarten wir mindestens 40 Pässe von Bradford, vorzugsweise intermediate und tief. Der Schlüssel für den Sieg liegt dann bei New Englands Paßverteidigung. Wenn die DBs sich alle zusammenreißen und vielleicht auch noch ein, zwei Interceptions dabei rumkommen, sollte es für New England reichen. Aber bei den Patriots 2012 weiß man ja nie.

Was wir auf jeden Fall haben werden ist ein Flutlichtspiel. Yeah!

Über den Zustand der NFL International Series

Zuallererst die Warnung: Diesen Sonntag werden die NFL-Spiele aufgrund der Winterzeit-Umstellung eine Stunde früher beginnen (ab 18h), weil die Amerikaner sich mit ihrer Umstellung wie gewohnt eine Woche länger Zeit lassen. NFL-Woche 8, das ist auch das Wochenende des mittlerweile schon fast zur Tradition gewordenen London-Spiels der NFL („NFL International Series 2012“) im Wembley Stadium.

Sideline Reporter wird mit dabei sein – in Form von Co-Autor Herrmann, der sich irgendwann im Laufe des heutigen Tages gen England verabschieden wird. Ob ich selbst einen Fuß in Stadt oder Stadion setzen werde, steht noch in den Sternen. Eher… nicht. Der Zeitplan lässt höchstwahrscheinlich kein modernes Glücksrittertum für diesen Sonntag zu.

Anyhow. Es treffen am Sonntag um 18h MEZ aufeinander: Die New England Patriots gegen das designierte „Heimteam“, die St Louis Rams – die Neuauflage von Superbowl 36 vor zehneinhalb Jahren, dem ersten Footballspiel, das ich in voller Länge verfolgte.

Während bei den Rams die Legenden um Torry Holt höchstens als Maskottchen zur Promotion mit nach London gereist sind und die „neue“ Generation um Sam Bradford noch ihr Profil stärken muss, sind die beiden Hauptprotagonisten bei den Pats von einst auch heute noch mitten drin: Head Coach Belichick und Quarterback Brady.

Gegenwart und Zukunft der International Series

Die Rams waren ja eigentlich als das neue Fixteam der NFL für London angedacht gewesen, bis sich das lange Vermutete im August doch bewahrheitete: Der neue Rams-Besitzer Stan Kroenke hatte Wembley nur als Hebel für Stadionverhandlungen in der eigenen Stadt unterm Bogen genutzt, und bei der ersten Aussicht auf Erfolg den Dreijahresvertrag mit NFL/London gekündigt.

Ab 2013 werden andere am Start sein. Das neue London-Team für die Jahre 2013-2016 wird eines der unbekanntesten NFL-Teams sein, die Jacksonville Jaguars. Ein erstaunlicher Move vom neuen Jags-Owner Shadid Khan, der offenbar mit Gewalt seine Franchise zur „Marke“ werden lassen möchte.

Mir war bei dieser Nachricht erstmal das Frühstück auf das iPad gefallen. Von einem jungen, kleinen Team aus einem kleinen Markt, ohne große Erfolge und Anhaltspunkte, würde man eher erwarten, sich erstmal regional anzubiedern – zumal sich in Florida genügend Chancen bieten würden, wenn ich z.B. an die Region um Orlando denke.

Aber Khan hat für die Zukunft offenbar andere Pläne, wenn wir Peter King Glauben schenken dürfen: Khan schwebt Jacksonville als „Britain’s Teams“ oder „Europe’s Team“ vor, mit mindestens den vier Heimspielen in den nächsten Jahren (Khan möchte angeblich noch ein zweites Europaspiel implementieren, vielleicht in Irland oder Deutschland) und einem gar nicht unkreativen Reisepaket für europäische NFL-Fans, inklusive Heimspielbesuch in der Gator Bowl und Besuchen in Urlaubsdestinationen wie – eben – Orlando. Nach allem, was ich so beim Durchblättern des Orlando Sentinel aufschnappen konnte, stoßen solche Gedanken in der Region Orlando in etwa auf soviel Gegenliebe wie entzündete Furunkel am Arsch.

So oder so: Khan geht neue Wege. Ich bezweifle jedoch, ob sich der Move auszahlen wird, solange die Jags weiterhin als Billigteam am Bodensatz der NFL herumdümpeln.

Am 27. Oktober 2013 werden die Jags also erstmal eine Partie gegen die San Francisco 49ers in Wembley bestreiten – wobei erstmal nicht anzunehmen sein wird, dass Jacksonville die 49ers in der Fangunst ausstechen werden können.

In all dem Trubel um Rams, Jaguars und Shadid Khan ging letzte Woche, nach dem Herbstmeeting der NFL-Owner, fast unter, dass es 2013 noch ein zweites NFL-Spiel in London geben wird: Der 29. September 2013 wird die Minnesota Vikings und Pittsburgh Steelers gegeneinander gematcht sehen – eine Partie zwischen zwei klangvollen, geschichtsträchtigen Franchises, eine Wiederauflage der Superbowl IX. Eine Partie, die erstmal durchaus noch mehr Resonanz auslösen dürfte als jedes Jags-Spiel.

Dieses zweite NFL-Spiel kommt gleichzeitig einer Überraschung gleich: Jahrelang war nur geredet, und geredet,… und geredet, und geredet worden von weiteren Versuchen, mehr als ein Footballspiel der NFL in Europa auszutragen, und ich hatte schon lange nicht mehr dran geglaubt, zumal sich kein zahlungskräftiger Kunde (a.k.a. Großstadt) finden ließ, die der NFL die Millionen in den Popo schiebt, und auch, weil London in Großbritannien die Exklusivrechte an NFL-Spielen besitzt.

Ab 2013 also zweimal NFL pro Jahr. Beim Herbstmeeting wurde zum eintausendsiebenhundertdreiundvierzigsten Mal betont, dass diese London-Spiele eine Art Anfangsstadium einer Markterschließung für eine europäische Franchise sein sollen – der heimische, amerikanische Markt ist bald penetriert genug. We will see.

St Louis Rams – Arizona Cardinals Preview

Auftakt zur Woche 5 heute Nacht im Edward Jones Dome zu Saint Louis mit einer Partie aus der NFC West: Rams (2-2) gegen die Arizona Cardinals (4-0). Beide kommen mit viel Optimismus in die Partie: St Louis putzte am Wochenende knapp die Seattle Seahawks, Arizona würgte einen Dreckssieg gegen Miami nach Hause, ein Spiel Markenzeichen gewinnen nur große Mannschaften. Really?

Meine Probleme mit den Cardinals statistischer Natur habe ich gestern dargelegt, aber es gibt auch Haptischeres. Beginnend bei der Offensive Line, die selbst gegen nicht überaus druckvolle Defenses schnell kollabiert und den dahinter stehenden Quarterback Kevin Kolb schneller als gewünscht in Bedrängnis bringt. Man möchte sich nicht vorstellen, was die bislang ordentliche Rams-Defensive Line um DE Chris Long da mit den Tackles Batiste/Massey veranstalten wird.

Auch Kolb selbst ist nicht der entschlossenste Mann unter der Sonne, kassiert selbst für diese Line zu viele Sacks und ist bestenfalls mit „blass“ beschrieben. Gegen eine Rams-Truppe, deren größte Stärke das Defensive Backfield zu sein scheint, keine guten Attribute. Wenig hilfreich ist auch ein komplett abgewracktes Laufspiel um Wells/Williams, das keinerlei Akzente zu setzen vermag.

Auf der anderen Seite ist auch die Offense der Rams nicht wirklich zu den überzeugenderen zu zählen. QB Sam Bradford wirkt, als hätte er Fortschritte gegenüber der jüngeren Vergangenheit gemacht, aber „Fortschritte“ liest sich in harten Fakten immer noch so: 61.6% Completion Rate, 5.6 NY/A, 1 Sack pro 10 Dropbacks. Nuff said.

Zugegeben, Bradford hat es auch nicht einfach: Die lichten Momente bei den Wide Receivers sind rar, worüber man bei den völlig indisponierten Tight Ends sogar noch froh wäre. Und die Protection um die Tackles Hunter/Richardson dürfte gegen Arizonas extrem starke D-Line um DE Calais Campbell eine lange Nacht erleben, selbst wenn Arizonas brandgefährlicher Allrounder Dockett weiterhin verletzt ausfallen sollte.

Ich traue der Rams-Offense nicht. RB Steven Jackson wirkt wie ein Schatten seiner selbst, und mein Vertrauen in die Backups Richardson und Isaiah Peed ist den Bach runtergegangen. Meine Rübe – Peed. Aus dem College in bester Erinnerung behalten, aber in der NFL bisher kein Gefühl für die wenigen offenen Lücken gezeigt. Es wäre mehr als erstaunlich, wenn sich dies ausgerechnet gegen die gefinkelte Linebacker-Crew der Cardinals ändern sollte.

Der X-Faktor ist dann auch schnell ausgemacht: Rams-K Greg Zuerlin, genannt „Legatron“, ein Rookie, der sich mit dutzendweisen extrem langen Kicks schnell einen Namen in der NFL gemacht hat. Ich frage mich, wie viel dabei Produkt der heimischen Halle der Rams war, und ob Zuerleins Wunderkicks tatsächlich ein zukunftsträchtiges, vertrauenswürdiges Mittel für die aseptische Rams-Offense ist.

Das Spiel ist auf alle Fälle von Wichtigkeit. Für die Cardinals geht es nicht bloß darum, endlich auch in den großen Mainstream-Medien die nötige Akzeptanz als überdurchschnittliches Team in der NFL zu bekommen, sondern auch und vor allem darum, die 49ers weiterhin auf Distanz zu halten. Die Rams dagegen, die nur wenige Playoff-Hoffnungen hegen, können mit einem Heimsieg in Schlagdistanz bleiben. Ich sehe diesbezüglich gar nicht schwarz.

Partie wird ab 02h30 bei ESPN America und SPORT1+ übertragen. Die Tapes gibt es morgen im Laufe des Tages.