Sezierstunde II: Detroit Lions 2012

Der erste Part der Offseason 2012, die Free Agency, war jahrelang eines der Hauptprobleme der Detroit Lions. Zu häufig wurden wichtige Spieler aus Gründen der Geiz ist geil-Mentalität von dannen geschickt. Nicht so dieses Mal. Vor einem Monat schrieb ich:

[…] dürfte diese Offseason für GM Mayhew die Meisterprüfung darstellen. Sofern die sportliche Leitung der Lions nicht völlig ins Klo greift, werden die Lions auf Jahre ein Thema bleiben.

Der Klogriff blieb aus. Die Lions setzten DE Cliff Avril die Franchise Tag auf und stopften somit vorsorglich ein potenzielles Loch. Für den/die/das Draft ist das insofern von Bedeutung, weil damit der Fokus von der Defensive Line weggerichtet werden kann.

Die zweite wichtige Vertragsverlängerung war jene von MLB Tulloch, der erstaunlicherweise null Beachtung auf dem Transfermarkt bekam. Womit die beiden wichtigsten Puzzleteile in der Defense geklärt wären – CB Wright unterschrieb in Tampa für einen horrend teuren Vertrag; Detroit hatte nie eine Chance (wollten sie überhaupt?).

In der Offense wurde der erfahrene Recke LT Jeff Backus gehalten, obwohl aus San Diego LT McNeill geholt wurde. Ein völliger Paradigmenwechsel für Detroit, das noch vor kurzem den soliden Backus ziehen lassen hätte, um den billigeren McNeill als Ersatz auflaufen lassen zu können. Dabei liest sich Backus’ Bewertung von Pro Football Focus, wenn fit, exzellent, wie das Blog The Lions in Winter herausarbeitete.

Heimlich, still und leise unter Dach und Fach gebracht: Backup-QB Shaun Hill (2010/11 ein verlässlicher Mann) gehalten. Und ein weiteres potenzielles Loch stopfte sich vorerst von allein: RB Best bekam von den Doktoren einen Freifahrtschein, es trotz aller Gehirnerschütterungen noch einmal probieren zu dürfen; Bests Historie besagt jedoch: a) aus gesundheitlicher Sicht wäre ein Rücktritt wohl trotzdem die bessere Entscheidung; b) Best wird ohnehin in Kürze wieder eine Gehirnerschütterung erleiden.

Spektakulärste und wichtigste Aktion war die Vertragsverlängerung von WR Calvin Johnson (8yrs, 132M, 60M guaranteed). Womit zwei Fliegen auf einen Schlag abgeklatscht worden wären: Die wichtigste Figur in der Offense auf Jahre gebunden und ein potenzielles Störfeuer für die kommenden Saison frühzeitig ausgetreten (Johnson wäre 2013 Free Agent geworden und unter der Franchise Tag mindestens 28M teuer geworden). Calvin Johnson ist charakterlich wie sportlich das Aushängeschild der Lions. Ein Wide Receiver als absoluter Superstar des Teams und das ohne die Zicken eines Moss oder Owens.

Die Lions hätten erstmals seit längerer Zeit einen Rückschritt machen können; das passierte bislang nicht. Die wichtigsten Figuren wurden behalten. Für den Draft bedeutet dies: Es könnte tatsächlich ein Defensive Back wie Jenkins oder Gilmore in Runde #1 werden.

NFL-Bazar 2011: Defensive Front Seven

Nach der Offense wird heute und morgen die Defense in der Free Agency kurz vorgestellt.

Defensive Tackles

Ich verweise noch einmal auf den Eintrag vom März – einige (Rogers, Stroudt) haben mittlerweile neue Teams gefunden. Dazu kommt noch Pat Williams, dessen Größe sich vor allem zahlenmäßig in Minnesotas Lauf-Defense wiederschläft. Diese Statistik dürfte Stammlesern mittlerweile hinreichend bekannt sein, aber sie ist einfach frappierend – es ist die Lauf-Defense der Minnesota Vikings (yds/carry):

2003 4,9yds/Lauf
2004 4,6yds/Lauf
2005 4,0yds/Lauf (erstes Jahr mit Pat Williams)
2006 2,8yds/Lauf
2007 3,1yds/Lauf
2008 3,3yds/Lauf
2009 3,9yds/Lauf
2010 3,9yds/Lauf

Bekannt ist auch der Name von John Henderson, einstiger Pro Bowler in Jacksonville und zuletzt in Oakland integraler Bestandteil einer Würfegriff-Defense. Sein Wert dürfte durch zahlreiche Verletzungsprobleme um einiges geschmälert werden. Ganz interessanter Mann: San Franciscos Aubrayo Franklin, bei dem ich geneigt war von „jüngerer Generation“ zu schreiben, der aber tatsächlich schon Ü30 ist – und trotzdem einen massiven Vertrag kassieren dürfte. Franklins Wert ist in keiner Statistik ablesbar, aber der Ruf des „two-gap“ NT dürfte Millionen wert sein. „Two gap“ heißt: Spielt nicht bloß 1-gegen-1 gegen den Center, sondern kriegt auch Zugriff auf den Running Back.

„Jüngere Generation“ ist korrekt für Seattles Brandon Mebane. Ein völlig unbekannter Name, der sich aufgrund der konstant hohen Wertschätzung bei Pro Football Focus aus der grauen Masse heraushebt.

In Sachen Trades kann ich mir einen Albert Haynesworth vorstellen.

Defensive Ends

Zwei Namen stechen sofort heraus: Ray Edwards (Minnesota) und Charles Johnson (Carolina), die eines einst: Sie standen lange Zeit im Schatten anderer (Allen, Peppers), sind beide noch jung (26 respektive 25 Jahre alt) und beide schwer zu blockende Pass Rusher auf dem aufsteigenden Ast. Bei Edwards geht man von einem Mannschaftswechsel aus, aber bei beiden gilt: Der neue Vertrag wird richtig schwer. Aufsteigender Ast gilt auch für Cliff Avril (Detroit), der aber RFA-Status genießt und somit recht sicher bleiben wird.

Eher auf dem absteigenden Ast sind die beiden Jets Shaun Ellis und Trevor Pryce, beide Mittdreißiger. Sie sollen dem Vernehmen nach tatsächlich N.Y. verlassen (müssen), aber irgendwo sorge ich mich dann doch um die nötige Kadertiefe bei den Jets.

Alteisen gilt auch für die Ends Raheem Brock, Cullen Jenkins und Jason Babin, die alle seit Jahren mehr oder weniger konstante Leistungsträger für diverse Teams waren und alle Varianten von Defenses gesehen haben, von 3-4 bis 4-3 und wieder zurück.

Linebackers – Olbs und Sams, Ilbs und Mikes

Haufenweise bekannte Namen, die man nicht so recht einschätzen kann. Steve Tulloch von den Titans ist nicht nur jung (26), sondern mit fünf Saisons auch schon recht erfahren – gegen ihn spricht seine breakout season 2010/11, zufällig genau in dem Jahr, vor dem sein Vertrag auslief. Solche Spieler tendieren oft dazu, nach dem Kassieren der big bucks wieder auf Normalmaß gestutzt zu werden.

Jung, dynamisch und variabel sind auch Paul Poluszny (Bills), Quincy Black (Buccs), James Anderson (Panthers) und Justin Durant (Jags). Bei Anderson spielt der Zusatzfaktor Thomas Davis mit, der ebenso FA ist und von einer Kreuzbandverletzung zurückkehrt.

Von der älteren Garde sind Akin Ayodele (Bills), der ewige Runningback-Schreck Takeo Spikes (49ers), Mike Peterson (Falcons) und Dhani Jones (Bengals) vertragslos. Spikes sollte auf alle Fälle bleiben.