Tribut an Steve Smith

Letzte Woche hat sich WR Steve Smith von den Baltimore Ravens die Achillessehne gerissen und fällt damit für den Rest der Saison aus. Der 36jährige Smith hatte im Sommer angekündigt, dass 2015 seine letzte Saison sein würde. Es ist also möglich, dass Smith damit gegen die Chargers seinen letzten Auftritt im NFL-Dress hatte, auch wenn man sich bei einem Smith immer vorstellen kann, dass er seine Entscheidung hiermit noch einmal revidiert und noch einmal zurückkommt. Weiterlesen

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Carolina Panthers haben eine der besten Spielzeiten ihrer noch immer jungen Franchise-Geschichte hinter sich: 12-4 in der Regular Season dank des sehr gefeierten Head Coaches Ron Rivera, der seine Unterhosen herunterließ und als erster Coach der jüngeren NFL-Geschichte die Traute hatte, konsequent unkonventionelle, aber analytisch richtige in-Game Entscheidungen zu treffen – und gewann. Rivera machte vieles richtig, was er in der Vergangenheit falsch gemacht hatte.

Dann kam die Offseason. Carolina befindet sich auf schnurgeradem Weg in die „Cap-Hölle“, seit der mittlerweile gefeuerte GM Marty Hurney im Sommer 2011 meinte, einen Mannschaftskern aus Runningbacks alten Linebackers mit dutzenden Millionen zuschütten zu müssen. Weil Carolina sich mit massiven Spielerverträgen seinerzeit selbst knebelte, konnten die Panthers in dieser Offseason nicht bloß keine Schwachstellen beseitigen; sie waren sogar gezwungen, neue Schwachstellen aufzumachen.

Für den Rücktritt des langjährigen LT Jordan Gross konnte man nichts. Aber dass hernach weder versucht wurde, die Offense Line zusammenzuhalten noch ernsthaft versucht wurde, den ikonischen WR Steve Smith mit der Gehaltsstruktur in Einklang zu bringen, dass die Secondary noch weiter geschwächt wurde: Dafür trägt die Sportliche Leitung zumindest ansatzweise die Verantwortung.

Überblick 2013

Record        12-4    DP
Enge Spiele    5-2
Pythagorean   11.7     3
Power Ranking  0.624   8
Pass-Offense   6.0    18
Pass-Defense   5.5     6
Turnovers      +11

Management

Salary Cap 2014.

Carolina ist in der Offense auf einzelnen Positionen gesattelt. Der Center Kalil passt; das Backfield mit dem Kugelblitz Tolbert sowie den – wenn auch teuren – RBs Williams/Stewart/Barner passt. TE Olsen ist ein Mann, mit dem du arbeiten kannst. Und die wichtigste Personalie: QB Cameron Newton, der zwar seine schwächste Profisaison hinter sich hat (nur 6.0 NY/A Passspiel), aber weiterhin, trotz seiner manchmal nervenden Aussetzer, der zentrale Punkt des Angriffs ist. Newton hatte letztes Jahr Probleme mit einem Offensiv-System, das nicht um seine Stärken herum konzipiert war, sondern versucht, mit I-Formationen eine Art Power-Offense zu spielen. Ein Newton stünde mit seiner Beweglichkeit eher für einen offeneren Spread-Angriff, der die Breite des Spielfelds und das offene Spielfeld zu nutzen versucht.

Aber die Power-Offense funktionierte zumindest ansatzweise, weil Newton sich auf seine Notwaffe Smith verlassen konnte: Dieser alte Haudegen sah trotz aller Abgesänge wieder einmal 115 Anspiele und machte viele 3rd-Downs. Smith wurde vom neuen GM Gettleman nahezu ohne Umstände ziehen gelassen. Smith ist 35 und kein einfacher Mensch, so viel ist klar, und oft würde man eine Trennung in solchen Fällen gutheißen, aber Carolina ist eine Mannschaft, die neben Smith nicht einen einzigen Wide Receiver von NFL-Format aufweisen kann, nachdem auch LaFell, Ginn und Dixon ziehen gelassen wurden.

Carolina ist gezwungen, sich im Draft nicht bloß nach einem Left-Tackle umzusehen, nicht bloß noch zumindest einen Offense-Guard zu suchen, sondern Carolina muss händeringend Wide Receiver draften, nicht in einfacher oder zweifacher Ausführung, sondern am besten in dreifacher. Aktuell besteht der Depth-Chart aus einem bestenfalls #3-WR in Cotchery (kam aus Pittsburgh; ist mit mittlerweile 32 auch nicht mehr der jüngste), Underwood, King, McNutt und wie sie alle heißen – die meisten sind ungedraftete Leute ohne Erfahrung.

In der Defense können die Panthers auf eine großartige Front-Seven bauen: DE Greg Hardy (zuletzt 16 Sacks) konnte gehalten werden und wird auch eine Vertragsverlängerung bekommen; Hardys künftiger Vertrag dürfte allerdings auch einer der Gründe gewesen sein, wieso Carolina auf anderen Positionen seine Spieler so schmerzlos ziehen ließ (lassen musste?). DE Charles Johnson ist im Vergleich zu Hardy der blassere Spieler, aber eine gute Ergänzung als #2.

Die jungen DT Lotulelei und Kawann Short hatten jeweils den erhofften Impact auf die Panthers-Defense und dürften auf Jahre hinaus unumstritten sein, sofern sie sich nicht ärger verletzen. Dahinter steht mit dem aktuellen NFL-Abwehrspieler des Jahres #59 Luke Kuechly sowie #58 Thomas Davis eine Mauer an Linebackers. Aber wehe, da fällt mal einer dieser Schlüssespieler über längere Zeit aus…

Die großen Fragen beschränken sich in Carolina trotzdem auf die Secondary, aber dort sind sie dafür umso lauter. Es war in Carolina ja immer schon die Denke, dass man ein schwach besetztes Defensive Backfield mit einer dominanten Front-Seven kaschieren kann; so oder ähnlich praktizieren es die 49ers auch nicht ohne Erfolg seit Jahren… allerdings ließen die Panthers heuer von jenem mittelmäßigen Backfield auch noch die wenigen Stützen wie CB Munnerlyn, CB Florence, S Mitchell oder S Mikell ziehen. Alles für sich keine allzu schmerzhaften Abgänge, aber in der Summe und gepaart mit den Alternativen im Kader ist das schon ein heftiger Abfluss von Spielern, der schwer zu kompensieren ist.

Zumal ja – wie wir gesehen haben – durchaus in Offense Line und auf Wide Receiver noch ärgere Lücken bestehen. Carolina dürfte also in Sachen Secondary noch versuchen, zumindest akzeptable Routiniers via Transfermarkt zu bekommen um zumindest die ganz große Katastrophe – den Kollaps der Pass-Defense – zu verhindern.

Die Lücken in Carolina sind also recht simpel zu identifizieren:

  1. Wide Receiver
  2. Offensive Tackle
  3. Defensive Backfield

Es steht außer Frage, dass Carolina heuer relativ nahe an das Draften nach „Need“ kommen muss, und dass man zumindest zwei oder drei Talente finden muss, mit denen man per sofort etwas anfangen kann. Der/die neue/n Wide Receiver sollte im Idealfall ein vergleichsweise NFL-bereiter Spieler sein, auch wenn gerade die Historie zeigt, dass Receiver keine Position ist, auf der die Talente dazu tendieren, den Wechsel vom College zu den Profis schnell zu schaffen. Defensive Backfield übrigens noch weniger… aber nicht vergessen: Need-Draften ist das, was man in der NFL nur im äußersten Notfall machen sollte. Carolina 2014 hat Notfälle.

Tja. Carolina hatte eine der größten Mannschaften in den letzten zwei Jahren, aber man war aus diversen uns bekannten Gründen in den großen Medien verkannt. Jetzt droht erstmals in der Ära Ron Rivera/Cam Newton ein ernsthafter Rückfall. Du kannst Schwachstellen in der heutigen NFL kompensieren, aber du kannst kaum kompensieren, wenn du in den drei erörterten Schlüsselpositionen das Äquivalent von „nicht tauglich“ bzw. „komplett unerfahren“ als Optionen hast.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Die Saisonbilanz der Carolina Panthers liest sich mit „6-10“ schlechter als es die Mannschaft verdient hat. Nach Pythagoreischer Erwartung erbrachte man die Leistung eines Teams, das im Durchschnitt 7,4 Saisonsiege holt, und in den engen Spielen mit einem Score Differenz schaut die Bilanz nach argem Pech aus: 2-6. Vor allem die Offense lieferte erstaunliche Zahlen ab:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          15.4       #13
Y/A            6.2       #4
Y/Pass         7.9       #6
Y/Lauf         5.4       #1

Das sind hervorragende Nachweise, insbesondere für einen Mannschaftsteil, der vor einem Jahr töter als tot war und mindestens fünf Meter unter der Erde begraben lag. Zeit, den Gang nach Canossa anzutreten und die Symbolfigur hinter dem Umschwung zu würdigen: QB Cameron Newton, der von OffCoord Rob Chudzinski ein wunderbares Quarterback-Scramble-dichund-wirf-den-tiefen-Ball zugeschneidert bekam, lieferte neben sensationellen 7.8yds/Passversuch und 4051yds noch 706yds durch Scrambles und insgesamt 35 Offensivtouchdowns, bei nur 17 INT und 5 Fumbles.

Unerwartete Zahlen für den angeblichen Egomanen Newton, nichtmal die 3.3% Interception-Quote ist hoch genug, um einen ernsthaften Ansatzpunkt für Kritik zu finden. Weil Newtons Pass-Präzision vor allem bei den Intermediates zu leiden scheint, bleibt jedoch abzuwarten, ob sich diese sehr vertikal angelegte Offense wird langfristig halten können, auch wenn ich gewillt bin, Newton fürs Erste Narrenfreiheit zu gewähren.

Weil es an der Offensive Line in der Form des Herbstes und an den Running Backs Williams/Stewart wenig auszusetzen gibt (wenigstens einer der Guards Hangartner/Schwartz wird gehalten werden), dürfte sich der strengste Blick in der Offense auf die Ballfängertruppe richten. Dort ist der „Ü30“ Steve Smith nicht bloß „integraler Bestandteil“, sondern „die Wide Receivers“. Sollten die Panthers mittel- und langfristig zu denken imstande sein, wird in dieser Offseason Frischblut kommen müssen.

War die Offense entgegen aller Erwartungen deutlich über dem NFL-Durchschnitt anzusiedeln, so darf man die Panther-Defense ohne Umschweife als große Enttäuschung klassifizieren. Diese Unit verhinderte den durchaus möglichen Playoffeinzug im abgelaufenen Herbst. Von den wendigen, quicken Defenses, die Ron Rivera bislang unter seinen Fittichen hatte, war nicht allzu viel zu sehen. Auch die Stats sind selbst mit den vielen Verletzten im Hinterkopf furchterregend:

Kategorie    Stats       Rk
Y/PT          14.1       #27
Y/A            6.2       #29
Y/Pass         8.4       #32
Y/Lauf         4.6       #24

Die große Schwachstelle der Panthers ist die Mitte der Defensive Line: Die Wahrscheinlichkeit dürfte groß sein, dass mit dem Draftpick #8 ein Defensive Tackle der Güteklasse Devon Still gezogen wird, denn die Panthers wurden über die Rookies McClain/Keo überlaufen, ohne zeitgleich Druck zustande zu bekommen (nur 31 Sacks). Auch DE Charlie Johnson dürfte nach seinem millionenschweren Vertrag ab sofort kritischer begutachtet werden.

Natürlich dürfte es bei 8.4yds/Pass auch im Backfield nicht allzu rosig aussehen. Carolina hatte mit allen möglichen verschiedenen Typen von Receivern so seine Probleme (vs Top-WR #27, vs RB #27, vs Slot #22, vs TE #32). Die Sache mit den Tight Ends dürfte sich rasch durch die bloße Rückkehr von Beason, Davis und Anderson verbessern. Aber die Secondary wird gezwungenermaßen einen Playmaker brauchen.

Trotzdem waren die Gesamteindrücke zu gut, um die Mannschaft auch nur annähernd in den Senkel zu stellen wie noch vor einem Jahr. Wenn Newton nicht in ein allzu tiefes Sophomore-Loch fällt und die problematischen Mitteldistanzwürfe sich nicht als bedrohlich erweisen, kann man Carolina durchaus mit den Detroit Lions der letzten Jahre vergleichen: Junges Team mit einigen vielversprechenden Bestandteilen und an guten Tagen in der Lage, Topteams in Bedrängnis zu bringen.

Der Reifeprozess wird kommen, das Pech wird sich irgendwann ausgleichen. Wir könnten hier über einen schlafenden Riesen sprechen.

Carolina Panthers in der Sezierstunde

Panthers

Die Sideline der Carolina Panthers - ©Flickr

Der Beweis meiner ultimativen Inkompetenz: Ich hatte die Carolina Panthers im Sommer als Divisionssieger in der NFC South getippt – und es so begründet: Ein viel versprechender QB Matt Moore, ein starkes Laufspiel und eine solide Defense gepaart mit nicht restlos überzeugender divisionsinterner Konkurrenz UND ein Coach in seinem letzten Vertragsjahr: John Fox. Weil bekannt war, dass Jerry Richardson keinen Coach hoch bezahlt, brauchte Fox eine gute Saison, um richtig abzukassieren. So weit meine Gedankengänge.

Mittlerweile weiß ich dank Tuesday Morning Quarterback, dass es da noch einen nicht unrenommierten Experten „da drüben“ gibt, der ähnlich dachte.

Kein Luck

Carolinas Laufspiel schmierte vom ersten Tag an ab, RB DeAngelo Williams und RB Jonathan Stewart hatten mit Verletzungen zu kämpfen und kamen nicht in Schwung. Dazu gesellte sich ein überraschend aktionistischer Head Coach John Fox, der schon nach wenigen Spielen Matt Moore absägte und dafür Rookie-QB Jimmy Clausen ins kalte Wasser warf.

Nun ist Clausen bei aller Arroganz und allem Brechreiz ja kein grottenschlechter Quarterback. Aber ein unerfahrener ich-weiß-eh-schon-alles-QB in einer kollabierenden und auf Laufspiel basierenden Offense – so was schreit nach Scheitern.

Clausen Bilanz liest sich fürchterlich: 52,5% Completion Rate, 102yds/Spiel, 3 TD, 9 INTs, 58,4 QB Rating, 1-9 als Starter, null Spiele mit mehr als 200yds.

Ich habe Carolina gegen New Orleans und Pittsburgh gesehen – zwei hohe Schlappen. Und zweimal erschreckende Offense Lines, vor allem über innen. Über Clausen hatte sich meist schon ein Blitz-Bündel hergemacht, bevor er überhaupt die Receivers ausgucken konnte. So verbrennst du jedes Quarterback-Talent.

Resultat: 2-14. Hätte nicht Arizona das Gnadengesuch angenommen und in Woche 15 das Spiel abgeschenkt, für John Fox hätte sich der Kreis geschlossen: Ein 1-15 Team übernommen, ein 1-15 Team abgegeben.

Carolina hatte wenigstens den Draftpick #1 – und dann blieb QB Andrew Luck überraschend am College. Für Carolina die gefühlte 15te Saison-Niederlage, mit drei Tagen Verspätung.

Der Draftpick #1

Zu diesem Thema den abgespaltenen Exkurs zu „Was mache ich mit Draftpick #1?“ von gestern. Hier entlang.

Executive summary: Ich verwehre mich gegen die immer mehr aufkommende öffentliche Meinung, es müsse ein Quarterback sein. Aus den vielen aufgelisteten Gründen. An Carolinas Stelle baue ich mir erst mal eine Defense zusammen. Ob Carolina auf den Rat hören wird?

Die Optionen an Draftpick #1, und zwar in dieser Reihenfolge:

1) Einen Tauschpartner suchen, um zusätzliche Picks zu bekommen, und später womöglich einen Offensive Tackle holen
2) Defensive Tackle Marcel Dareus draften (oder Nick Fairley)
3) Wide Receiver A.J. Green nehmen

Was es sonst noch braucht

Auf alle Fälle 1-2 Wide Receivers. Optionen für Clausen. Wenn nicht für Clausen, dann wenigstens für den Quarterback, der dann 2012 kommt. (Luck?) – (TE Shockey ist schon mal da.)

Alles, was Clausen mehr als 0,3 Sekunden Zeit zum Werfen gibt. (C Kalil bekam Franchise Tag)

Vertragsverlängerung für RB Williams. (Franchise Tag ist nicht möglich)

Verstärkung für die Secondary und die Defensive Line (v.a. im „Inneren“).

Kicker John Kasay (ist schon jenseits der 40) wird wohl noch weitermachen. Auf längere Sicht wird es aber Ersatz für den einzigen verbliebenen Original-Panther brauchen.

Ausblick

Carolina hat keinen Pick in der zweiten Runde: Der wurde vor einem Jahr nach New England getradet, um WR Armanti Edwards an #89 holen zu können. Edwards Bilanz 2010: 3x im active roster, 1 Lauf für 7 Yards. Wenn die Seuche drin ist…

Ich würde trotzdem zu gerne mit Head Coach Ron Rivera tauschen. Trotz der fehlenden Draftpicks, trotz des verflixten Free-Agent-Situation, trotz des knausrigen Owners Jerry Richardson: Eine Franchise, die am Boden liegt, lässt sich erstmal frei von allen Begleiterscheinungen aufbauen. Kein Spieler, auf den du Acht geben musst.

Ich hoffe bloß, dass Rivera davon absieht, einen QB an der #1 zu holen. Lieber erstmal die Rahmenbedingungen schaffen, um einem eventuell hoch bezahlten Quarterback überhaupt eine Halbwertszeit von länger als zwei Jahren zu ermöglichen.