Glaskugel 2012: New Orleans Saints

 

Es regnet in Strömen. Seit Tagen schon. Die Uniformen sind klatschnaß. Die Männer sind durch bis auf die Knochen. Sie waten durch knöcheltiefen Schlamm. Immer auf der Hut vor einem Hinterhalt oder einem gut geplanten Überfall von der Flanke. Die schwüle Hitze ist unerträglich.

Die Kompanie ist bekannt als eine der härtesten und skrupellosesten zwischen Atlantik und Pazifik. Sie sind bekannt als Einheit, die sich nicht immer an die Regeln hält. Aber sie sind bekannt als eine der mutigsten und besten Einheiten der gesamten Armee.

Juristen fernab der Front in ihren feinen Büros werfen ihnen immer wieder Knüppel zwischen die Beine um hochtrabenden Idealen Genüge zu tun, die nicht weiter von den Männern im Dschungel weg sein könnten. Hier geht es um Schweiß, Tränen, Verletzungen, Blut und Verluste und das alles nur dafür, einen Auftrag auszuführen.

Sie haben schon ganz andere Schlachten geschlagen – und gewonnen. Nun aber haben sie ihren KP-Chef und zwei ihrer besten Gruppenführer verloren. Der Zugführer und MG-Schütze, der sich mit Jahren harter Arbeit und unerreichter Zähigkeit bis an die Spitze gearbeitet hat, ist in dieser Situation der unumstrittene Leader.

Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Ein langer harter Weg liegt vor ihnen. Aber am Ende wird sich niemand mehr um die Verluste, Rückschläge und Juristen kehren – wenn die Kompanie “Saints” als erfolgreiche Helden zu ihrem Heimatstützpunkt in New Orleans zurückkehrt.

Mit typisch amerikanischem Pathos ließe sich die Geschichte so schreiben, wenn die New Orleans Saints tatsächlich am Abend des 3. Februar 2013 im eigenen Stadion die Lombardi Trophy in die Höhe strecken. Die Ausgangslage könnte in diesem pathetischen Sinne “perfekter” nicht sein: die bösen Outlaws, die alle Widerstände überwinden, es allen zeigen und zu Helden werden.

Nach Bountygate sind sie “men on a mission”, die nach einer shock-and-awe Offseason fester zusammengeschweißt sind, als jemals zuvor.

Saints Offense

Der MG der Kompanie, Drew Brees, kann mit Fug und Recht behaupten, der beste QB der NFL zu sein. Er hat die Offensivphilosophie des gesperrten Head Coaches Sean Payton zur Perfektion auf dem Spielfeld getrieben. Er hat Playoffspiele gewonnen, er hat den Super Bowl gewonnen, und er hat den Jahrhundertrekord für die meisten Passing Yards in einer Saison von Dan Marino nicht gebrochen, sondern mit fast 5500 Yards in 2011 zerstört. Man kann nicht sagen, daß die Offense der Saints sich personell verbessert hätte, aber das ist einer der wenigen Fälle in denen das auch gar nicht schlimm ist.

Verloren hat New Orleans die 40 Catches von Robert Meachem an die San Diego Chargers. Aber die anderer Pfeiler des Paßspiels, die WRs Lance Moore und Devery Henderson, Slot-Monster Marques Colston und 2,00-m-TE Jimmy Graham sind immer noch da. Graham, der in sein drittes Jahr geht, sollte – bleibt er von Verletzungen verschont bleiben – besser sein als die 99 Catches und 1300 Yards der letzten Saison. Von einem 26-jährigen kann man schließlich erwarten, sich noch zu verbessern. Moore, Henderson und Colston sollten zumindest ihre Leistungen halten und um den Platz von Meachem balgen sich Adrian Arrington und 4th-rd pick Nick Toon.

Schedule

Wk1 v WAS
Wk2 @ CAR
Wk3 v KC
Wk4 @ GB
Wk5 v SD (SNF)
Wk6 BYE
Wk7 @ TB
Wk8 @ DEN (SNF)
Wk9 @ v PHI (MNF)
Wk10 v ATL
Wk11 @ OAK
Wk12 v SF
Wk13 @ ATL (TNF)
Wk14 @ NYG
Wk15 v TB
Wk16 @ DAL
Wk17 v CAR

Neben und auch wegen dem fast unaufhaltsamen Paßspiel werden die Saints auch 2012 wieder eines der besten Running Games der Liga haben. Kein Team der gesamten Liga kann so viel Talent im Backfield sein eigen nennen. Der letztjährige 1st-rd pick und ehemalige Heisman Trophy Winner Mark Ingram und Chris Ivory haben beide letztes Jahr einige Spiele verletzt gefehlt. Weil aber daneben auch noch Mr. Zuverlässig Pierre Thomas und die pfeilschnelle Allzweckwaffe Darren Sproles jedem Defensive Coordinator Kopfzerbrechen bereiten, ist das gar nicht weiter aufgefallen. Gerade Sproles war mit 700 Receiving-, 600 Rushing-Yards und 9 TDs neben TE Graham der zweite absolute Match-up-Albtraum für jeden Gegner. Außer New Englands Gronkandez gibt es in der ganzen Lige kein derartiges Duo, auf das eine Defense fast keine Antwort finden kann.

Bei so viel individuellem Talent auf den skill positions kann man auch mit einer durchschnittlichem Offensive Line leben. Der vermeintlich beste Guard der Liga, Carl Nicks ist für einen riesigen Payday nach Tampa abgewandert und wurde mit dem immerhin ziemlich guten Ben Grubbs ersetzt. Der andere Guard, Jahri Evans, ist ebenso ziemlich gut. Wenn auch nicht allererste Klasse wie seine vielen Fans (und sein Vertrag) vermuten lassen würden. Center Brian De La Puente, letztes Jahr aus dem Nichts gekommen, sowie die beiden Tackles Jermon Bushrod und Charles Brown sind auch Durchschnitt – was aber hier keinesfalls als Beleidigung gemeint ist.

Offensive Coordinator Pete Carmichael sollte keine Schwierigkeiten haben, aus diesem Verbund wieder einen der aufregendsten Angriffe der Liga zu formen. Carmichael hat während der Verletzung von Payton in der letzten Saison das Playcalling übernommen und danach auch nie wieder abgegeben. Es sollte also an dieser Front keine Schwierigkeiten geben. Der Angriff war auch letztes Jahr auf Super-Bowl-Niveau, die Schwächen gab es auf der anderen Seite des Balles.

Saints Defense

Weil es hier so große Schwierigkeiten gab, wurde DC Gregg Williams auch entlassen. Für ihn kommt das ehemalige Wunderkind Steve Spagnuolo, der sich nach erfolgreicher Zeit als DC bei den Giants die letzten drei Jahre als HC um die moribunden St. Louis Rams gekümmert hat. Das war nicht so erfolgreich, aber jetzt kann Spags sich wieder auf das konzentrieren, was er am besten kann.

Nur gibt es ein kleines Problem. Spagnuolo macht am liebsten nur mit seinen vier Defensive Linemen Druck auf den Quarterback. Bei den Giants mit ihrer endlos tiefen Rotation hat das hervorragend geklappt; bei den Rams mit Chris Long, James Hall und Robert Quinn hat das schon nur noch mäßig gut geklappt. Die Saints haben nun überhaupt keinen erstklassigen Pass Rusher in der D-Line. Will Smith ist noch ganz gut, aber ist auch erstmal vier Spiele gesperrt. Daneben stehen noch einige angeblich hochtalentierte Pass Rusher im Kader. Junior Galette, Cam Jordan, Greg Romeus und der diesjährige 3rd-rd pick Akiem Hicks. Aber außer irgendwie talentiert sein haben die alle noch nicht viel gerissen. Es erinnert irgendwie an die Patriots in den letzten Jahren: in jeder Offseason wird ein neuer ganz heißer Pass Rusher von irgendwo aus dem Hut gezaubert und während der Training Camps sind die eigenen Fans ganz verzückt und erzählen allen Interessierten, daß Shawn Crable oder Tyrone McKenzie hundertprozentig ganz steil aus der Kurve kommen werden. Passiert dann oftmals doch nicht.

Aber zum Glück hat Spagnuolo bei Phillys Großmeister Jim Johnson gelernt und hat daher auch vielfältige Blitzes im Repertoire. Fragt sich nur, ob die Secondary dahinter hält. CB Tracy Porter hat man aus Salary-Cap-Gründen ziehen lassen müssen. Ihn ersetzen sollen Johnny Patrick oder Patrick Robinson. Auch wieder so Fälle von viel nachgesagtem Talent, aber noch nicht allzu viel gezeigter Leistung. Immerhin steht an einer Seitenlinie relativ sicher Jabari Greer.

Als Safeties sollen daneben wie gewohnt Malcolm Jenkins und Roman Harper für Sicherheit sorgen. Das ist zwar sicherlich nicht Troy-Polamalu-Niveau, aber doch eines der besseren Duos der Liga.

Durch die Axt von RGI gefällt wurde neben Payton auch der aggressive leader Jonathan Vilma. Der LB ist vorläufig für die gesamte Saison gesperrt, im Berufungsverfahren kann die Strafe eventuell noch verkürzt werden. Wie schwer der Verlust als Kapitän wiegen wird ist schwer zu sagen. Spielerisch wurde Vilmas Fehlen mit den Neuzugängen Curtis Lofton und David Hawthorne auf jeden Fall aufgefangen.

Der wichtigste Neuzugang dürfte aber DT Broderick Bunkley sein. Bunkley kam von den Broncos und gilt als einer der besten Run Stuffer der Liga. Neben ihm steht mit dem ehemaligen Top-10 pick Sedrick Ellis ein zumindest sehr solider Mann.

Saints Ausblick

Als gefühllose Stumpen sind wir ja in der Regel nur wenig empfänglich für alle Dinge, die nicht mit Xs&Os, Matchups und Gameplans zu tun haben. Aber bei diesen Saints 2012 kommt man um die „noch-enger-zusammengeschweißt-„, „men-on-a-mission-„, „wir-gegen-den-Rest“Gedanken nicht herum. Sie mögen personell nicht besser geworden sein, aber psychologisch und in Sachen Motivation könnte sie die Offseason tatsächlich auf ein neues Level gehoben haben.

Spielerisch wird alles davon abhängen, welches System Spagnuolo wie gut installieren kann und was er aus dem durchaus vorhandenen individuellen Talent noch rausholen kann. Die Defense muß auch gar nicht Steelers-Niveau erreichen – aber trotzdem mal einen Gegner bei 20 Punkten halten. Am Ende kann der Angriff um Brees immer 30 Punkte machen, aber wenn die Verteidigung dann 36 Punkte gegen die 49ers (!) zuläßt, kann man einfach keinen Super Bowl gewinnen.

MNF #14 Preview: Seattle Seahawks – St Louis Rams

Die Spielauswahl der NFL für die Primetime soll hier nicht das Thema sein. Heute Nacht, 02h30 (LIVE EPSN America) ein eher wertloses Duell aus der NFC West, Seattle Seahawks vs. St Louis Rams, das „Re-Match“ des letztjährigen „Playoff-Spiels“ zum Ausklang der Regular Season. Auf die Seahawks und ihre aufstrebende Defense hatte ich vor zehn Tagen geschaut. Nehmen wir diesen seltenen TV-Auftritt der Rams mal als Vorwand, einen Blick auf St Louis zu werfen, das mit „2-10“ die zweitschwächste Bilanz aller NFL-Teams hält.

Hauptverantwortlich dafür ist die inferiore Offense, die kein Bein in den Boden bekommt und mittlerweile ernsthafte Zweifel an OffCoord Josh McDaniels weckt. Verletzungen sind nicht unschuldig: Beide Tackles und fast alle nennenswerten Wide Receivers sind auf den IR. Die Line soll jedoch auch mit den Tackles Smith/Saffold labil genug gewesen sein, was das schwache Laufspiel um den bemitleidenswerten RB Steven Jackson hemmte und in katastrophalem Passspiel kulminierte. Passspiel, wo McDaniels doch als Koryphäe gilt.

Der junge QB Sam Bradford entwickelt ohne einen QB-Coach (!) im Trainerstab sich einfach nicht weiter und hat mit Verletzungen und Armut an brauchbaren Anspielstationen zu kämpfen, ist aber immer noch ein Upgrade gegenüber dem Wandervogel A.J. Feeley. Beide sollen heute Nacht jedoch ausfallen und der Third Stringer Tom Brandstater – der Name lässt Wurzeln irgendwo in den Alpen vermuten – ran.

Das Erstaunliche an der Rams-Offense: Sie produziert sehr wenige Interceptions (1 pro 25 Drives), gibt aber trotzdem oft den Ball her (1/8 Drive), was für Fumble-Pech spricht. Die Probleme gehen aber tiefer: St Louis startet meistens sehr weit in der eigenen Platzhälfte (am Sonntag gegen S.F. 20-20-13-20-20-18-23-20-18-21-12-20) und macht kaum Yards mit seiner lahmen Offense (23,4yds/Drive). Wenig überraschendes Ergebnis: Die Rams sind trotz nicht verheerender Turnover-Zahlen die ineffizienteste Mannschaft der NFL, scoren mit 0,94pts/Drive weniger als alle anderen Teams in der NFL.

Das liest sich alles ähnlich der Situation in Cleveland. Auch die Rams suchen neben einem verlässlichen Offensive Tackle händeringend einen großen #1-Wide Receiver zur Entlastung Bradfords (nur 54% Completion Rate!), nachdem sich die vielen Einkäufe der Offseason (plus WR Lloyd) nicht bezahlt gemacht haben.

Auf der anderen Seite gehört die Defense der Rams zu den grundsoliden, ist gebaut um einen guten, unspektakulären Pass Rush, hat aber Probleme, wenn der Gegner mit massiertem Laufspiel daherkommt (RB Lynch, hallo!). Eine sehr interessante Facette an der Rams-Defense ist das Abdecken der Wide Receiver:

  • vs. TE: #1 (27.0yds/Spiel)
  • vs. #1-WR: #12 (64.8yds/Spiel)
  • vs. #2-WR: #25 (50.6yds/Spiel)
  • vs. #3/4/5-WR: #23 (50.7yds/Spiel)
  • vs. RB: #25 (35.5yds/Spiel)

IMHO ein Zeichen für noch zu geringe Tiefe in der Pass-Deckung, v.a. bei den vielen unbekannten Cornerbacks. Ich bezweifle jedoch, ob Head Coach Steve Spagnuolo die Zeit bekommen wird, den Kader diesbezüglich zu verbreitern: Die Rams stagnieren seit Spagnuolos Amtsantritt nicht weniger als vor dessen Ankunft. Sprach anfangs der Stimmungsaufschwung noch für einen Verbleib, dürfte angesichts des trotz vieler Draftpicks mittelmäßig gebliebenen Kaders der Geduldsfaden langsam reißen. Eine Rasur Spagnuolos halte ich für wenigstens nicht unwahrscheinlicher als einen Verbleib.

NFL 2011/12, TV-Guideline Week 2: Reminiszenzen an eine Vergangenheit, in der 250yds noch was wert waren

Die NFL-Auftaktwoche hat einen Trend der letzten Jahre fortgesetzt, ach was, explodiert: Quarterbacks, so viele Quarterbacks, da läuft der Waschraum bei ESPN im Jahr des Quarterbacks vor feuchten Höschen über. Vom fröhlichen Gunslingertum in Green Bay über die laserscharfen Flacco-Bälle zu den Passfestivals in Chicago, Arizona und Miami – da läuft man Gefahr, schon zu Beginn der Saison sämtliche Superlative zu verbrennen. Wenn QB-Giganten wie Grossman und Kolb 305yds respektive 309yds machen, wenn ein Cameron Newton zum NFL-Debüt 422yds und ein Chad Henne mal eben 416yds aus dem Handgelenk schnackeln, wenn 335yds-Tage für QB Rivers nur noch Mittelmaß und 419yds-Tage für QB Brees nur noch mit Schulterzucken hingenommen werden, wer horcht dann noch ernsthaft bei 517yds für QB Tom Brady auf?

Da passt es wie Arsch auf Eimer, dass am Sonntag sechs wohltemperierte Luftangriffsmaschinen gegeneinandergematcht werden, alle mit namhaften Quarterbacks an der Front. Bei den zu erwartenden zirka 300 Wurfversuchen und 4000yds Passspiel eignet sich auch ein Blick auf das neue Total Quarterback Rating von ESPN, dessen vom geschätzten Kollegen footballissexbaby errechnete Korrelation +0,57 (für die Top-20) mit dem traditionellen Pass-Rating in Woche 1 schwächer war als es meine ermatteten Augen angenommen hätten (beziehen wir alle 33 Werte von Woche 1 ein, sinkt die Korrelation RAPIDE noch weiter ab, was am krassen Gefälle der ESPN-Berechnungsskala liegt).

Woche zwei in der NFL steht bei ESPN America aber auch unter dem Motto “Reminiszenzen”. Wir haben eine Serie an Spielen, deren Pregame-Hype sich um Erinnerungen an die Vergangenheit bauen lässt – schöne Erinnerungen, aufregende Erinnerungen, aber auch hässliche.

Sonntag, 18. September 2011

New Orleans Saints – Chicago Bears

(19h LIVE bei ESPN America/Tape am 23.9. um 13h30)

Die erste Reminiszenz geht an das NFC-Finale 2006/07, als eine knochentrockene Bears-Defense das Aschenputtel Saints im Schneegestöber ziemlich übel abwürgte und uns damit die hässlichste Superbowl der letzten Jahre bescherte. Während die Saints im Kern in der Offense immer noch die gleiche Mannschaft wie damals besitzen, haben die Bears im Laufe der Jahre mehrere Wandel durchgemacht und sind heute ein im Vergleich zu damals grundverschiedenes Team – Cutler statt Grossman, Wurfgewalt statt Bodenwaffe.

Vergangene Woche war Chicago vor allem in der Pass Protection deutlich besser als erwartet und die paar Schnipsel, die ich gesehen habe, zeigten einen QB Jay Cutler, der es sichtlich genoss, ohne Stress werfen zu können und entsprechend eine Handvoll messerscharfer Bälle das Spielfeld hinunterzujagen bzw. den explosiven RB Matt Forte zu bedienen wusste – ein, zwei durchaus mögliche Interceptions (1x gegen einen Safety in der Endzone) waren auch dabei.

Cutler soll im dritten Jahr endlich mehr Verantwortung übernommen haben, ein Umschwung, der wenn ich den lokalen Zeitungen glauben darf erst möglich wurde, als man den sehr lauten C „Captain“ Olin Kreutz rausgeworfen hatte. Dieser Kreutz war eineinhalb Jahrzehnte das Sprachrohr der Offense gewesen – und ist nun, erraten, ein New Orleans Saint (hey, zweites Wiedersehen!).

Mit den Saints hat Kreutz das Auftaktspiel knapp, aber verdient in Green Bay verloren. Ich kann die Kritik an QB Drew Brees trotzdem nicht fassen, da Brees IMHO eine fulminante Vorstellung geboten hat und wenn irgendetwas, dann besser denn je wirkte und das, obwohl sein #1-Mann WR Colston ziemlich pulverisiert wurde und das Laufspiel immer noch kaum einen Stich machte.

Die Schlüssel für beide Defenses werden sein, mit den jeweiligen Defensive Lines Druck zu bringen, da die Erfahrung aus Woche 1 zeigte, dass Cutler wie Brees jeden Blitz aus der zweiten und dritten Reihe ohne mit der Wimper zu zucken in einen 30yds-Pass downfield mutieren. Dabei dürfte Chicago bereits die Blaupause geliefert haben mit einer insgesamt dominanten Vorstellung gegen Atlantas O-Line, während die Saints sich zu stark auf Blitzes der Safetys verließen und entsprechend hilflos jeden Pass gegen sich komplettiert sahen.

Trotzdem ist New Orleans IMHO klarer Favorit. Bei aller Fröhlichkeit, aber ich kann die extrem positiven Lobeshymnen auf die Bears nicht nachvollziehen – es war eine gute Vorstellung gegen Atlanta, aber das Endresultat von 30-12 sah für mich – ich habe nur Play für Play im Schnelldurchlauf durchgeschaut – wie ein Treppenwitz aus.

New England Patriots – San Diego Chargers

(22h LIVE bei ESPN America und PULS4/Tape ESPNA 23.9. um 15h30)

New England, das in der Preseason so übersehene New England, am Montag mit 622yds Offense gegen die überdurchschnittliche Defense der Dolphins, und vor allem mit einer in Ansätzen immer wieder flüssigen No-Huddle-Offense, die Miami schlicht überforderte. Hat Norv Turner seinen Linebackers bereits Beruhigungstabletten verabreicht, damit sie am Sonntag ausgeschlafen gegen die Albtraum-Combo TE Hernandez/Gronkowski aufmarschieren können?

San Diego muss hier gegen eine Nemesis antreten, einen Gegner, der wie de Faust aufs Auge auf die Chargers passt und dort entsprechend häufig für Pein gesorgt hat: Die tendenziell parasitären Patriots gegen die tendenziell schlampigen, unkonzentrierten Chargers, das hatten wir mehrfach in den vergangenen Jahren. Und die Big Points holten sich stets die Patriots. 2006/07 in den Playoffs zum Beispiel, in einem der denkwürdigeren Spiele des Jahrzehnts, als eine fassungslos unterlegene Patriots-Equipe mit einem unmöglichen Sieg nach Hause fahren konnte. Oder im AFC-Finale 2007/08, als die Chargers mehrmals an der Goal Line Field Goals gegen schlagbare, ungeschlagene Patriots kickten und für diese Mutlosigkeit mit dem Aus bestraft wurden. Oder im vergangenen Herbst, als San Diegos Football-Praktikanten eine immer noch sprachlose Fehlerserie in der ersten Halbzeit hinlegten und am Ende mit einer weiteren Fehlerserie ein überlegen geführtes Heimspiel verschenkten (und ganz nebenbei damit auch die Playoffs).

Atlanta Falcons – Philadelphia Eagles

(02h LIVE bei ESPN America/Tape 19.9. um 18h30)

Es war im April Michael 2001 Vick, dass die Atlanta Falcons, eine langjährige, in ihrer Heimatstadt ignorierte Vick Verlierermannschaft, einen Spieler an #1 drafteten, für dessen Michael Vick Talente es weder historische Vergleiche noch zeitgemäße Superlative gab, ein Quarterback mit einer Kanone von Wurfarm, schnell wie ein Weltklassesprinter und flink wie ein Wiesel. Und ein Schwarzer, der Vick die Halle in der schwarzen Stadt Atlanta füllte.

Dieser junge Mann sorgte jahrelang Ron für Ekstase, Mexico sabbernde TV-Experten und Michael Vick Rekordoffenses auf den Spielkonsolen und brachte mehrmals die Playoffs nach Atlanta zurück. Es war aber auch ein verletzungsanfälliger Mann, der von seinem Michael Vick inkompetenten Michael Trainerstab in ein rudimentäres Angriffssystem gesteckt wurde, die an seinen Talenten vorbeigestrickt war Vick und trotz aller Big Plays und Jubelorgien für die Dauerbeklemmung Mike sorgte, Vick dass hier nicht nur Potenzial verschenkt wurde, sondern Vickwomöglich gar die Revolution Vick der Quarterback-Position.

Am Ende beendete der junge Mann das merkwürdige Elend Michael Vick selbst, riss sich und seine Franchise Vick in den Abgrund, Michael als Vick er wegen illegaler Hundekämpfe in den Kast befördert und zu einem der meistgehassten Sportler der Vereinigten Vick Staaten wurde.

Weil der junge Mann alles, inklusive Geld und Würde, verloren hatte, musste er zurück in NFL, und wurde auf Anraten Michael Vick der Bosse zu den Philadelphia Eagles verscheppert. Dort legte er nach einem Jahr als Vick Bankdrücker im Herbst 2010 ein rakentenartiges Comeback, spielte befreit von ignoranten Vick Trainern die Saison seines Lebens, tourte als Gutmensch für Seminare durch die Lande Michael Vick und schnappte sich den Titel „aufregenster Spieler der Liga“ zurück. Am Sonntag kehrt Vick der nicht Vick mehr so junge junge Mann zum zweiten Mal in die Vick Halle zurück, die seit seinem Abgang nicht mehr voll wurde, zurück, zum Vick ersten Mal als Starting Michael Quarterback gegen Vick seine alte Mannschaft, Vick die Atlanta Falcons.

Irgendeine Idee, von wem hier die Rede sein könnte?

Montag, 19. September 2011

Am Montagnachmittag wieder zwei Tapes, in der Nacht das Monday Night Game Giants – Rams. Diese Woche habe ich die angenehme Erfahrung gemacht, dass sich die Aufzeichnung der Nachmittags-Tapes sehr handlich zu einem ca. 50minütigen Durchlauf aller Spielzüge komprimieren lassen – dadurch durfte ich u.a. beobachten, wie unterirdisch die Secondary der Cardinals ist oder wie aggressiv die Defensive Line der Bears zu Werke ging.

New York Jets – Jacksonville Jaguars

(14h30 bei ESPN America)

Kein spezieller Subplot für diese Partie, dafür das Erstaunen, eine völlig uncharakteristische Jets-Mannschaft am vergangenen Wochenende gesehen zu haben: Keine 20 Läufe, dafür über 40 Pässe hinter einer wackeligen Offensive Line und trotz eines ganz schwachen QB Mark Sanchez, dessen Standing auf diesem Blog mit solchen Vorstellungen eher noch weiter sinken wird. Glück für die Jets nach dem Glückssieg: Mit den Jaguars kommt ein fast sicherer Sieg in die Meadowlands, eine Mannschaft, die selbst gegen die verunsicherten Titans eine Ladung Glück brauchte und bei der ich nicht sehen kann, wie sie mit QB Luke McCown gegen die Pracht-Defense der Jets ankommen will.

San Francisco 49ers – Dallas Cowboys

(16h30 bei ESPN America)

49ers gegen die Cowboys war in den 90ern das, was Indianapolis gegen New England in den 2000ern war: Die hochkarätigste sportliche Auseinandersetzung zweier Mannschaften, zeitweise mit vier Superbowlsiegen in Serie. Diese glanzvollen Zeiten sind vorüber, heuer sind beide mit neuen Head Coaches und Coordinators am Start und auf der Suche nach dem Glanz der Vergangenheit. San Francisco glaubt, mit dem ehemaligen Quarterback Jim Harbaugh zurück zu alten Kurzpass-Wurzeln finden zu können, was sich in Woche 1 noch nicht so wirklich abgezeichnet hätte.

Dallas verlor auf unnötige Weise in New York gegen die Jets, eine Niederlage, die vor allem QB Tony Romo angekreidet wird, dessen doch hanebüchene Turnovers im Schlussviertel den Untergang eingeleitet hatten. Romo und „Clutch“ ist in den US-Foren eines der Themen der Woche. Etwas intensiver sollte man IMHO aber über die Special Teams diskutieren: Nicht nur, dass daraus der Umschwung am Sonntag resultierte, nein, nun kommt mit Teddy Ginn auch noch ein Mann daher, der für die 49ers am Sonntagnachmittag zwei Return-Touchdowns in EINER MINUTE hinlegte.

New York Giants – St Louis Rams

(02h LIVE bei ESPN America)

Es ist das Wiedersehen der New York Giants mit ihrem ehemaligen Defensive Coordinator Steve Spagnuolo, nun Cheftrainer in St Louis und nicht unerfolgreich, hat er immerhin den Stimmungsumschwung gebracht, von hoffnungsloser Verliererkultur hin zu Optimismus für die Zukunft, nun sogar mit einem Monday-Nightspiel, jahrelang undenkbar in St Louis. In Woche 1 verlor man gegen die Eagles, nun kommt mit den Giants der nächste Gegner aus der NFC East.

Hauptproblem einer nicht unterirdischen Rams-Mannschaft in Woche 1: Die schwache Offensive Line, die gegen die Defensive Front Four der Eagles kein Land sah. Wäre alles nicht so schlimm, wenn da nicht die noch bessere Defensive Line der Giants kommen würde… Man wird auf alle Fälle sehen, inwiefern die Rams auf die beiden OTs Saffold/Smith als verlässliche Optionen für die nächsten Monate herhalten können.

Auf Giants-Seite leckt man nach der desaströsen Vorstellung gegen Washington noch die Wunden, sollte vor allem darauf bedacht sein, QB Eli Manning mehr Zeit zu geben. Wobei, auf der anderen Seite lauert eine Defensive Line, die unter Spagnuolo auch rasch verbessert auftritt.

Mit den St Louis Rams in den Sonnenuntergang

Die St Louis Rams sind eine der Underdog-Franchises, seit Jahren im Niedergang begriffen und in den letzten Jahren fast so leblos wie die Jacksonville Jaguars wirkend. Absoluter Tiefpunkt war die Saison 2008, als man 2-14 ging und schon früh in der Saison den Head Coach feuerte. Der Neue seitdem: Steve Spagnuolo, der ehemalige Defensive Coordinator der Giants, und vom neuen GM Bill Devaney eigenhändig ausgewählt.

Spagnuolos Debütsaison las sich stark vereinfacht so: 1-15. Erstmals in der NFL-Geschichte wurde eine 2-14 Saison noch mal unterboten. Trotzdem ist der Stimmungspegel im Steigen begriffen. Das mag am erkennbaren Konzept Spagnuolos liegen, oder an den sieben Siegen vom Vorjahr, oder aber an der erst einmal beruhigten Besitzer-Situation.

Die Offense

Das Grundgerüst haben sich die Rams in den letzten Jahren zusammengestellt. Via Draft wurden die Offensive Tackles Roger Saffold und Jason Smith geholt, via Free Agency Center Jason Brown und jüngst der Guard Harvey Dahl. Die Dominanz zeigte sich bisher noch nicht, aber die Einkaufsphilosophie und das junge Spielermaterial gefallen.

Zentrum der Offense ist der junge QB Sam Bradford, der Top-Pick von 2010, der eine recht ordentliche Rookie-Saison hingelegt hat und vor allem gemessen an seiner Zeit an der Uni erstaunliche Qualitäten im Lesen von Defenses gezeigt haben soll.

Auch Bradfords reine Zahlen (60% Completion Rate, 3512yds, 18 TD, 15 INT) lesen sich so übel nicht, und sind umso erstaunlicher, wenn man das Fehlen einer adäquaten Ballfänger-Armada beachtet, eine Armada, in der der Running Back der gefährlichste Receiver war.

Die jüngste Offseason stand primär unter dem Motto „Man gebe Bradford bitteschön Waffen“. Via Draft wurden der possession receiver Austin Pettis (Boise State) und der burner Greg Salas (Hawaii) geholt, via Free Agency der grundsolide Mike Sims-Walker (aus Jacksonville). Gemeinsam mit der Rückkehr von WR Donnie Avery und dem um ein Jahr erfahreneren, aber recht lethargisch wirkenden WR Danny Amendola sieht die Gruppe plötzlich recht ausgewogen aus und allenfalls der klassische #1-Mann fehlt.

Ein ganz interessanter Mann ist IMHO TE Lance Kendricks, ein Rookie, dem exzellentes Blockspiel und sehr gute Fähigkeiten als Receiver nachgesagt werden. Fangsichere Tight Ends sind gerade für junge Quarterbacks stets eine vitale Option.

Wichtigster Neuzugang ist allerdings OffCoord Josh McDaniels, der nach seiner gescheiterten Erfahrung als Head coach in Denver erstmal das Motto „zurück zu den Wurzeln“ befolgte. McDaniels darf man durchaus zutrauen, eine mächtige Offense kreieren zu können – das entsprechende Personal wurde auch unter McDaniels’ Guide bereits zusammengestellt.

Gespannt darf man sein, was McDaniels für den Rams-Spieler des Jahrzehnts bedeutet: RB Steven Jackson, ein bewundernswerter Mann, der seine Blütezeit als unterbezahlte Alleinwaffe in St Louis vergeigen und mit mittlerweile 28 Jahren schon eine Menge harter Hits für Niederlagenserien einstecken durfte. Jackson ist, wenn fit, eine Allzweckwaffe, ein Mann, der eine Offense tragen kann und ich möchte sehen, wie Jackson mit einem ernsthaften Passspiel als Entlastung die Freiräume nutzen kann – sofern er halbwegs anständiges Blockspiel bekommt. Die Backups sind beide neu: RB Cadillac Williams aus Tampa und RB Jerious Norwood aus Atlanta.

Bloß: McDaniels und Running Backs hatte bisher was von „muss halt sein, weil es sein muss“, aber als großer Runningback-Freund gilt McDaniels nicht.

Die Defense

Spagnuolo liebt es, Defensive Lines mit viel Tiefe zu bauen, um eine konsequente Rotation fahren zu können. Mit DE Robert Quinn wurde dann auch gleich ein weiterer hoher Draftpick in die Abwehrreihe gesteckt. Quinn gilt als etwas lax aber höchst talentiert, und Quinn wird einer Defensive Line mit einigen gegebenen Bausteinen beitreten.

Der etwas speckige DT „Big Dog“ Fred Robbins (143kg) – ein Spagnuolo-Mann –  gilt als veritabler Anker der Line, etwas konditionsschwach, aber dominant genug, um Guards und den Center zu verschrecken und somit Räume für die Defensive Ends zu schaffen. Die Ends gelten als solide, aber niemand erwartet, dass der alternde James Hall und der zu wenig explosive Chris Long noch zu sensationellen Pass Rushers werden – dieser Job soll Quinn vorbehalten sein.

Die Linebacker sind bekannt als ordentliche Unit gegen den Lauf, aber auch als zu langsam für Pass Rush und Pass-Deckung. MLB James Laurinaitis hat sich in zwei Jahren zum unbestrittenen Leader entwickelt, gilt aber als körperlich zu limitiert, um mit den dynamischeren Vertretern á la Pat Willis mithalten zu können. Mir dünkt so was wie eine „Bruschi“-Rolle für den weißen Mann.

Haupt-Problemzone ist die Secondary. St Louis kassierte über 240 Pass-yds/Spiel und insgesamt 21 Touchdowns via Luftweg – und das gegen einen Schedule mit nur dreieinhalb ernsthaften Pass-Angriffen (Denver, New Orleans, San Diego plus die lauflastigen Falcons). Ein verbessertes Pass Rush sollte helfen, wie auch der neu eingekaufte Safety Quintin Mikell, der bei PFF als seit Jahren konstant bester Safety der NFL gilt. Ein kleiner, unscheinbarer, stiller Mann, der das massivste personelle Upgrade in dieser Saison sein dürfte.

Ausblick

Die Rams gefallen konzeptionell, sollten in Offense und Defense stark gecoacht werden und stets recht aggressiv zu Werke gehen – at least, das erwarte ich, wenn McDaniels und Spagnuolo die Spielvorbereitung übernehmen.

Für 2011/12 wird es wichtig werden, nicht zu schnell die Nerven zu verlieren: Der Schedule liest sich gemessen an 2010/11 machbar (#26) – allein, die Spiele sind ungut verteilt. Der Saisonauftakt ist recht brutal, bis Woche 8 droht eine Niederlagenserie. Die zweite Saisonhälte dürfte dann machbar sein.

Wk #1 vs Eagles
Wk #2 @Giants
Wk #3 vs Ravens (MNF)
Wk #4 vs Redskins
Wk #5 BYE
Wk #6 @Packers
Wk #7 @Cowboys
Wk #8 vs Saints
Wk #9 @Cardinals
Wk #10 @Browns
Wk #11 vs Seahawks (MNF)
Wk #12 vs Cardinals
Wk #13 @49ers
Wk #14 @Seahawks
Wk #15 vs Bengals
Wk #16 @Steelers
Wk #17 vs 49ers

Ich halte die NFC West für offen genug, dass St Louis die Playoffs packt, WENN sie sich nicht von einem möglichen 1-6 Start (oder so) allzu früh entmutigen lassen. Die Richtung dürfte stimmen.

Das Zeiteisen verrät: 876 Minuten verbleiben. WordCount nach fünf Teams: 4769.

St Louis Rams in der Sezierstunde

Zwischendurch mal eine Mannschaft in der Sezierstunde, die in der abgelaufenen Saison ein einziges Mal in der deutschen TV-Landschaft zu bestaunen war: Am letzten Spieltag der Regular Season. Da spielten die Rams bei den Seahawks um den Einzug in die Playoffs. Und verloren sang- und klanglos 6-16.

Vorausgeschickt: Die Rams hatten zwei ganz schlechte Saisons hinter sich (2-14 und 1-15). So schlecht, dass sie im letzten Draft den #1-Pick hatten. Nach einigen mäßigen Picks haben sie diesmal vielleicht das große Los gezogen: QB Sam Bradford von der University of Oklahoma. Bradford, ein Meister der Spread Offense am College, aber nicht in der Lage, die entscheidenden, die ganz großen Spiele, zu gewinnen. Und zudem grad von einer Schulterverletzung genesen.

Resultat 2010: Bradford spielte ordentlich für einen Rookie, nicht sensationell. Aber Bradford machte hinter einer verbesserten Offensive Line und ohne nennenswerte Wide Receivers genug Plays, um die Rams zu einem 7-9 zu führen.

Nun liest sich „7-9“ erstmal ganz gut. Aber der Spielplan der Rams gehört zu den lächerlichsten der vergangenen Jahre. NFL-weit. Siege gegen Washington, Seattle, San Diego, Carolina, Denver, Arizona und San Francisco. Ein einziges Team mit einer positiven Bilanz, als dieses in der schwersten Krise der Saison war. Gegen die ernsthafteren Mannschaften setzte es reihenweise Niederlagen.

Ich will St Louis nicht madig machen, denn immerhin haben sie die Spiele überhaupt gewonnen, im Gegensatz zu den letzten Jahren, als selbst gegen Graupentruppen verloren wurde.

Neben Bradford haben die Rams im Draft 2010 ganz leise mit LT Roger Staffold den Left Tackle gefunden, der der teure Draftpick Jason Smith vor zwei Jahren nicht war. Resultat: Deutlich weniger kassierte Sacks.

Die Defense ist komplett gesichtslos, aber langsam im Kommen. Wie auch anders bei einem Head Coach mit Namen Steve Spagnuolo? Der teure DE Chris Long (Howie’s Sohn) scheint langsam besser zu werden, der Oldie DE James Hall hatte mit 10,5 Sacks keine schlechte Saison.

Was gibt’s zu tun?

Keine Frage: Die Rams sind auf dem aufsteigenden Ast, aber sie sind noch keine gute Mannschaft. Bradford ist kein Schlechter, aber Bradford braucht Waffen. Kein Receiver mit 700yds? Die einzigen namhaften WRs haben sich alle schon früh verletzt und Bradford musste auf Leute wie Danny Amendola, Brandon Gibson und Daniel Fells werfen. Nie gehört? Kein Problem, ich auch nicht.

Steven Jackson RB Rams

Steven Jackson - ©Wikipedia

Zweite Problemzone: Die Running Backs. Ich bewundere Steven Jackson aufs Äußerste. Der Mann muss sich vorgekommen sein wie eine Perle vor den Säuen. Jahrelang in einer hoffnungslosen Mannschaft als hoffnungslos unterbezahlter Back Top-Leistungen auf Pro-Bowl-Niveau abzuliefern, das hat was. Und Jackson hat sich nie öffentlich beschwert, sondern konstant seine Yards abgeholt. Aber Jackson wird nicht jünger und hatte immer wieder Verletzungssorgen. Ein junger Backup, der langsam als Jacksons Nachfolger aufgebaut wird, könnte Abhilfe schaffen.

Andererseits… Der neue OffCoord der Rams heißt Josh McDaniels. McDaniels hat in seiner bisherigen Laufbahn nur wenig Interesse an Running Backs gezeigt und dafür seine QBs (Brady, Cassell, Orton) um die Wette werfen lassen.

Ein angelesene Beobachtung: RG Adam Goldberg gilt als abgesägt, weil viel zu schwach. Ein Rod Hudson (FSU) könnte in Runde zwei noch im Draft sein. Auf alle Fälle gilt es als ausgemacht, dass St Louis auf dieser Position ein Upgrade braucht.

In der Defense halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass Spagnuolo ein weiteres Mal auf Defensive-Line-Jagd geht. Spagnuolos Superbowl-Rezept in New York war: Dominante Defensive Line bauen, die alle Hitze der Welt von der Front Four auf den QB losbläst. Die Rams picken an #14. 2011 gilt als guter Jahrgang, wenn man Defensive Line draften möchte…

Im Prinzip kann St Louis in der Defense bis auf den kanadischen FS O.J. Atogwe überall noch Verstärkungen brauchen. Ich gehe jedoch davon aus, dass man die Prioritätenliste für 2011 ungefähr so ausgemacht hat:

1) Wide Receiver
2) Guard
3) Defense Line
4) Linebacker/Secondary

Für die Zukunft

Der Spielplan für 2011 wird hammerhart. Neben New Orleans und Green Bay warten die knackige AFC North und die unangenehme NFC East auf die Rams. Die Bilanz 2011 könnte eher schlechter sein als jene von diesem Jahr. Trotzdem muss das nicht bedeuten, dass die Rams schlechter geworden wären.

Aktuell sind für mich die 49ers mal wieder favorisiert in der NFC West. Sollten Ken Whisenhunt und seine Cardinals einen QB finden, dürfte auch Arizona gute Chancen haben, vor den Rams zu landen.

2011 könnte ein weiteres Jahr des Aufbaus werden. Ein schmerzhaftes, aber lehrreiches Jahr.

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