College Football 2013/14, Week 12 Preview

Vermeintlich ruhiges Wochenende diesen Samstag (wer erinnert sich noch an das letzte Mal, als ich dies von einem November-Samstag behauptete?). Den Stand der Dinge hat Seminole schon am Dienstag auf den Punkt gebracht, und es geht ab sofort für die Granden nur mehr darum, nicht mehr zu stolpern. Ein gefährliches „Nur“.

Das nominelle Spitzenspiel heute ist um 21h30 #7 Auburn Tigers#25 Georgia Bulldogs. Beide können mit einem Sieg in dieser Partie ihre Chance auf den SEC-Finalplatz ihrer jeweiligen Divisionen am Leben halten, auch wenn es für beide ein sog. „long shot“ ist: Auburn muss in zwei Wochen auf jeden Fall noch auswärts gegen #1 Alabama spielen, und Georgia muss auf mehrere Ausrutscher bei Missouri hoffen. Die Partie gehört dem CBS-Rechtepaket, deswegen ist es weder bei SPORT1 US noch im ESPN-Player zu sehen; schade, denn beide Teams sind spektakulär: Georgia spielte zuletzt wieder mit dem Großteil seiner Offense-Stars, Auburn hatte letzten Sonntag seine beste Saison-Performance und soll unter dem neuen Head Coach Gus Malzahn richtig attraktiven Football spielen – meilenweit von dem entfernt, was ich von den Tigers erwartet hatte. Auburn muss auch deswegen gewinnen, weil es dann selbst mit einer Niederlage bei Alabama noch eine Chance hätte, durch die Hintertür eine BCS-Bowleinladung zu bekommen (Mizzou ist der andere lebendige „at-large“-Kandidat).

Für die Big 12 Conferene hat #12 Oklahoma State#24 Texas große Implikationen (21h30, auch außerhalb der bei uns legal bekömmlichen Spiele); Texas ist noch ohne Conference-Pleite; Oklahoma State mit bisher einer Niederlage. Für die Cowboys ist ein Sieg wichtiger als für die Longhorns. Beide müssen später im Saisonverlauf noch gegen das ungeschlagene Baylor ran.

Damit zu dem, was uns bei SPORT1 US respektive im ESPN-Player geboten wird (gesamten Sendeplan siehe unten).

18hIllinois vs #3 Ohio State dürfte eher begrenztes Upset-Potenzial haben. Die Buckeyes haben sich im Saisonverlauf zunehmend verbessert und sind mittlerweile legitimes Top-5 Team, aber es könnte zu spät sein: Selbst bei einer Pleite einer der ersten beiden Mannschaften (Bama, FSU) wird Ohio State möglicherweise in den letzten Wochen noch von hinten überholt, von entweder #4 Stanford oder #5 Baylor. Um diese Gefahr zu minimieren, muss Ohio State hier nicht bloß gewinnen, sondern überzeugend gewinnen.

21h30 – Bleiben wir in der Big Ten Conference: Nebraska#16 Michigan State könnte eine Art „play-in“ für das Conference-Finale der B1G (Legends Division). Die Huskers wursteln sich mal wieder mit altbekannten Problemen durch die Saison, und weil es immer und immer wieder Spiele auf dieselbe Art verliert, gerät Headcoach Bo Pelini in Lincoln langsam unter Druck. Letzte Woche würgte man sich immerhin zu einem Achtungserfolg auswärts gegen Michigan (17-13 Sieg), sodass es heute tatsächlich noch die Chance gibt, den Finaleinzug aus eigener Kraft zu schaffen. #16 Michigan State ist ein unangenehmer Gegner; die Spartans haben zwar keine Offense, aber eine Defense vor dem Herrn. Daher muss hier die Auswärtsmannschaft als Favorit angesehen werden – für viele im Lande ist Michigan State die einzige verbliebene Hoffnung, Ohio State doch noch eine Pleite vor Beginn der Bowl Seaosn zuzufügen.

Parallel dazu das Heimspiel der #2 Florida State gegen Syracuse. Alle Welt wartet noch immer auf den Stolperer der Noles, und viele Chancen bleiben nimmer. Im Gegensatz zu anderen Jahren gab es heuer aber noch keinen Fetzen Anzeichen, dass die Jungs um den Heisman-Favoriten QB Jameis Winston ins Straucheln kommen. Winston geriet unter der Woche in Schlagzeilen wegen eines „sexual harrasing“-Vergehens aus dem vergangenen Dezember. Wird möglicherweise thematisiert, aber der Fall sieht auf den ersten Blick relativ gegessen aus.

FSU ist schon für das ACC-Finale qualifiziert; der Finalgegner steht noch aus: Heute spielen Duke und #23 Miami/FL (jeweils 3-2 in der ACC) gegeneinander. Duke ist ein Freakteam im College-Football; Duke ist eine Basketball-Uni zuerst bis zuletzt. Miami/FL muss nach der niederschmetternden Pleite gegen Virginia Tech ein Lebenszeichen geben.

1h#10 South Carolina (schon wieder an #10?) gegen Florida wird immer mit dem Namen Steve Spurrier verknüpft sein; Spurrier war erst QB und Heisman-Trophy Sieger bei den Gators und dann in den 90ern dort als Headcoach der Revoluzzer, der der SEC das Passspiel beibrachte. Bei den Fans geliebt, im Athletic-Department aufgrund seines Starkults zum Problem erklärt, scheiterte Spurrier später in der NFL grandios und kehrte  ans College zurück. Bei Florida bleiben ihm die Türen verschlossen – man liebe es ruhiger – und Spurrier heuerte bei den Gamecocks an. Heute kann er mit einem Sieg quasi dafür sorgen, dass der Trainerstuhl bei Florida im Winter frei wird: Will Muschamp steht dort schwer in der Kritik. Es wäre die sechste Saisonpleite – und Florida muss noch gegen FSU ran; das Aus für die Bowl-Season könnte das Aus für Muschamp bedeuten.

1h45#1 Alabama auswärts gegen Mississippi State. Die Bulldogs haben nicht mehr die Qualität vergangener Jahre, und selbst dann wären sie klarer Außenseiter gewesen. Alabama verliert zwar schon ab und an ein Spiel, das es nicht verlieren sollte, aber sie sind nun schon jahrelang gegen keinen klaren Außenseiter mehr gestolpert.

2hUSC gegen #4 Stanford, eine extrem wichtige Partie für die Pac-12 Conference. Stanford hält in seiner North-Division zwar den Tie-Breaker gegen Oregon, darf aber wegen Punktegleichheit trotzdem nicht verlieren!  (Nächste Woche kriegt Stanford noch den Erzfeind Cal zuhause.) Und USC ist nicht mehr zu unterschätzen: Ob es am Trainerwechsel von Lane Kiffin auf Ed Orgeron liegt oder woran auch immer: Die Advanced-Stats lieben die längst totgesagten USC Trojans (6-3). Die Offense ist zwar aufgrund von Verletzungen (WR Marquise Lee z.B. humpelt sich durchs Jahr) und mittelmäßigen Quarterbacks eine Enttäuschung, aber die Defense gehört – das ist überraschend – zu den besten im Lande. Stanford ist mit seiner ruhigen Spielweise natürlich favorisiert, aber ein klein wenig Upset-Alarm liegt in der Luft: Die Stanford-Offense ist nicht so gut wie sie gemacht wird, und schließlich ist es für USC vor eigenem Publikum am späten Samstag-Nachmittag (zweite Halbzeit dürfte im Dunkeln stattfinden) die Chance, eine als verloren abgeschriebene Saison doch noch zu retten. Entsprechend aufgeladen dürfte die Stimmung im L.A.-Coliseum auch sein.

Sendepläne

SPORT1 US mit folgendem Programm:

18h    #24 Wisconsin - Indiana
21h30  #2 Florida State - Syracuse
01h    South Carolina - Florida

EUROSPORT 2 ab 22h30 mit der Aufzeichnung von Penn StatePurdue aus dem Beaver Stadium.

Der ESPN-Player hat potenziell diesen Schwall an Spielen:

  • 18h: Illinois-#3 Ohio St, Temple-#17 UCF, #22 Wisconsin-Indiana, Ole Miss-Troy, Rutgers-Cincinnati, Western Michigan-Central Michigan
  • 18h21: Vanderbilt-Kentucky
  • 18h30: Boston College-NC State, Pitt-UNC, Virginia Tech-Maryland, Southern Miss-FAU
  • 20h: UMass-Akron, Georgia St-ULL
  • 21h: UConn-SMU
  • 21h30: #2 FSU-Syracuse, Nebraska-#16 Michigan St, Duke-#23 Miami/FL
  • 1h: #10 South Carolina-Florida, #20 Louisville-Houston, USF-Memphis
  • 1h30: Arkansas St-Texas St
  • 1h45: Mississippi St-#1 Alabama
  • 2h: USC-#4 Stanford
  • 4h15: Boise St-Wyoming, Nevada-San Jose St

The Countdown, T-minus 5: South Carolina Gamecocks

The Countdown

#5 South Carolina Gamecocks.
SEC, Eastern Division.
2012: 11-2.

Historisch gesehen sind die South Carolina Gamecocks aus Columbus/Süd-Carolina keines der ganz großen Programme im College-Football, was aber nicht heißt, dass Universität und Mannschaft nicht „ziehen“: Die Fanbasis gilt als extrem loyal und füllte die Hütte selbst in Zeiten, in denen man sieglos durch die Saison stolperte. Und seit mit Steve Spurrier ein ebenso kultiger wie klingender Name auf Head Coach übernommen hat, geht es auch sportlich nach oben.

Steve Spurrier wurde bekannt als einstiger Heisman-Trophy Sieger und späterer Coach-Revoluzzer, der der bodenständigen SEC das Passspiel beibrachte („Fun’n’Gun“-Offense). In South Carolina erinnert nicht viel an diese alten Zeiten, in denen Spurriers Mannschaften Wurfrekorde diverser Art sprengten und Titel abstaubten: Die Gamecocks brillieren vielmehr durch grundsolide exekutiertes Laufspiel, Fehlerminimierung und knackige Defense. In den letzten Jahren war man mehrmals nahe am Durchbruch, scheiterte aber immer wieder knapp, mal, weil man auf Übermannschaften im Conference-Finale traf, mal, weil man ungünstige Schedules spielen musste.

Heuer sieht man einen relativ einfachen Schedule: Man muss zwar in Woche 2 auswärts zum Divisions-Mitfavoriten Georiga, aber die beiden einzigen weiteren Kaliber, Florida und Clemson, bekommt man zuhause serviert. Mit Abstrichen UNC, Vanderbilt und Mississippi State (alle ebenso zuhause) sind die drei einzigen weiteren Teams, von denen man diese Saison Gutes erwarten würde.

Aber wie der Teufel es will, muss man haargenau diesmal mit einem personellen Aderlass fertig werden, der sich gewaschen hat. Der herausragende RB Marcus Lattimore ging in die NFL, aber er wäre wohl sowieso nicht fit gewesen und fehlte auch in den letzten Jahren immer wieder im Krankenstand. Vier der fünf besten Wide Receiver sind gegangen, die fünf besten Linebackers, der zweitbeste Defensive End (Devin Taylor) und der beste Safety (D.J. Swearinger) – das ist Material, das auch eine mittlerweile solide SEC-Uni nicht im Handumdrehen ersetzen kann.

Jadeveon Clowney

Der Mann, der trotzdem Hoffnungen auf eine große Saison macht, ist Superstar-DE Jadeveon Clowney, der als Top-Draftpick 2014 gilt und wirklich eine einzigartige Naturgewalt ist. Es gab in der Vergangenheit immer wieder freakige Athleten in der Defense, die alles in Grund und Boden spielten (vor einem Jahrzehnt Peppers, zuletzt Ndamukong Suh), aber Clowney ist selbst für solch epische Standards ein herausragendes Einzeltalent, bei dem man dankbar ist, wenn man es mal hat spielen sehen. Clowney machte in der Bowl Season einen highlight-trächtigen Tackle gegen einen Michigan-RB, der im Laufe der kommenden Scouting-Periode in der Murmeltierschleife durch den Äther gejagt werden dürfte:

Es ist nicht nur dieser Hit; es ist vor allem die Beständigkeit, mit der Clowney Terror veranstaltet. Clowney ist trotz 115kg schlaksig und fassungslos antrittsschnell und wuchtig. Allein, der Hype um diesen Spieler ist so groß, dass er die Erwartungen fast nicht erfüllen kann.

Und es bleiben viele Fragezeichen: Selbst wenn die Defensive Line dominiert – wer macht dahinter die Tackles? Wie viel Freelancing ist ohne Swearinger überhaupt noch möglich für die Defensive Backs? Was passiert, wenn Clowneys Leistung abfällt?

Gamecocks-Offense

Die Offense hatte zuletzt ein bissl was von Chamäleon, was auch an den vielen Verletzungen lag. Die erste QB-Option ist Connor Shaw, ein mobiler Glatzkopf, der die Tendenz hat, entweder den tiefen Ball zu suchen oder den Checkdown zum nahe stehenden Running Back. Fällt Shaw aus, ist mit Dylan Thompson Kontrastprogramm angesagt: Thompson ist keine Statue, aber er scrambelt vergleichsweise selten und zieht bevorzugt ein Mitteldistanzgewichse auf, das stilistisch völlig von Shaw abweicht. Beiden ist gemein, dass sie trotz ihrer Beweglichkeit viel zu viele Sacks einstecken. Wohin sie dieses Jahr werfen sollen, steht noch aus: Kaum Wide Receiver haben Spielerfahrung vorzuweisen.

Dafür sollte das Laufspiel auch in der Zeit nach dem Genie Lattimore halbwegs passen: Die Offense Line bleibt komplett zusammen und mit Mike Davis gibt es einen relativ guten Back, der irgendwann mal auch in der NFL Fuß fassen sollte.

Nochmal: South Carolina ist diesmal deutlich schwächer aufgestellt als in den letzten Jahren, aber sie haben Glück mit dem Schedule (oder anders: Diesmal hat Georgia den schweren Weg). Wenn der Kader im Gegensatz zu den letzten Saisons diesmal gesünder durch den Herbst kommt, dürfte das Conference-Finale drin sein. Man ist allerdings ziemlich abhängig von der QB-Situation im Angriff und Clowney in der Defense. Ich bin nicht allzu zuversichtlich, was die BCS-Chancen der Gamecocks angeht, aber einen Einbruch erwarte ich auch nicht.

The Return of the College Football zu ESPN America

Die MLB-Playoffs sind gütlicherweise genau so ausgegangen, dass heute wieder die volle Dröhnung College Football gezeigt werden kann. Ab 15h College GameDay aus Gainesville, der Heimatstadt der Florida Gators, und danach zweimal SEC-Derby vs. ein ACC-Klassiker. Falls Sie es noch nicht gemerkt haben sollten: Die Conference-Saison kommt in die Gänge, die Saison im College Football gewinnt an Thrill.

Texas A&MLouisiana State birgt abseits des Manziel-Watchings (Manziel ist Freshman-QB der Aggies) Spannung, inwiefern die Tigers nach mehreren blutleeren Vorstellungen mit dem Heimsieg über South Carolina wieder in Schwung gekommen sind. LSU gewann verdient, recht souverän gegen die Gamecocks in einem Spiel.

Die spielen ab 21h30 im Kracher möglicherweise um den SEC-East-Divisionssieg, auswärts bei den Florida Gators. Und ausgerechnet dann droht RB Marcus Lattimore verletzt auszufallen… riecht nach einer defensivorientierten, nicht allzu punktereichen Partie. Ein Knackpunkt, der vor allem im GameDay rauf und runter diskutiert werden dürfte: Steve Spurrier kehrt zurück an die University of Florida. Spurrier war in den 90ern der Head Coach gewesen, der mit seiner Fun’n’Gun-Offense die Gators überhaupt erst auf die Landkarte der Top-Footballprogramme gebracht hatte, und ist spätestens seit dem National Championship 1996/97 eine Legende, ehe er in der NFL aufgrund von eklatanten Problemen mit der Blitz-Protection in Washington grandios scheiterte und dann zu South Carolina ging. Spurrier spricht in Interviews interessanterweise immer noch von we, as und our, wenn es um die University of Florida geht.

Noch zwei andere Teams aus Florida matchen sich am Samstag: Miami Hurricanes vs. Florida State Seminoles ist ein Duell, das Reminiszenzen an die Vergangenheit weckt. Canes und Seminoles waren vor allem in den 80ern und frühen 90ern zwei der College-Programme schlechthin gewesen, mit Spielen mit teilweise bis zu 50 (!) späteren NFL-Profis auf dem Spielfeld. Aus der ESPN-Doku „The U“ war einiges an Thrill zu entnehmen, was diese beiden Rivalen angeht; weil die University of Miami seit Jahren sportlich besonders arg krankt und zuletzt durch Booster-Skandale gebeutelt war, ist die Rivalität etwas abgeflaut, aber beide sehen sich gegenseitig immer noch als Rivalry #1.

Miami spielt normalerweise vor halbleerem Haus im Sunlife Stadium. Wenn es nachts gegen die Noles geht, ist die Hütte aber rappelvoll, und die Stimmung im Stadion ist kaum beschreiblich. Allerdings ist das Gutelaune-Publikum in Miami bei Blowouts auch recht NFL-like schnell verschwunden und wir erleben – wie vor zwei Jahren beim 7-42 gegen die Noles – ein Schlussviertel vor leeren Rängen, während die Fans in – sagen wir – Nebraska auch bei 0-50 fast geschlossen bis zur Schlusssirene im Stadion bleiben.

Spielplan Week 5 bei ESPN America

Der Sendeplan – falls nicht wieder dreimal überarbeitet – ist diesmal voll genug, dass zum ersten Mal seit viiiiiielen Wochen (oder Monaten?) auch wieder ein Footballtape am Sonntagmorgen gesendet wird. Das hatten wir laaaaaaaaange nicht mehr, vor lauter halbstarker Motocrosser.

LIVE

    20.10.2012  15h    College GameDay aus Gainesville
    20.10.2012  18h    Texas A&M - Louisiana State
    20.10.2012  21h30  Florida - South Carolina
20./21.10.2012  02h    Miami/FL - Florida State

TAPES

    21.10.2012  05h30  Syracuse - UConn
    21.10.2012  11h30  Miami/FL - Florida State
    22.10.2012  05h30  Oregon State - Utah
    25.10.2012  11h    TCU - Texas Tech
    25.10.2012  13h30  Tennessee - Alabama
    25.10.2012  16h    Miami/FL - Florida State

Auch TCU – Texas Tech ist nicht uninteressant. TCU muss ohne den suspendierten QB Pachall mit einer umgekrempelten Offense antreten, während die Red Raiders von Head Coach Tommy Tuberville bisher eine überraschend starke Saison spielen und in den mathematischen Rankings ganz, ganz weit vorne zu finden sind.

Bei TennesseeAlabama dürfte es für Head Coach Derek Dooley um Schadensbegrenzung gehen: Dooley kann sich vermutlich keinen Blowout leisten, will er nächstes Jahr noch Coach der Vols bleiben. Gespannt darf man auch hier auf die Stimmung sein: „Rocky Top“ im 100000er-Stadion zu Knoxville ist in sportlich erfolglosen Zeiten wie diesen häufig recht leise drauf, aber gegen Giganten wie Alabama war das Rund mit den extrem steilen Rängen auch in jüngerer Vergangenheit oft rowdymäßig drauf.

College Football/Week 11 Preview: Aufmucken in Eugene, Aufräumen in Penn State

Woche 11 im College Football, und der nächste Schlager in den Top-10, diesmal ein Conference-Duell in der Pac-12. Die Kontrahenten: : #4 Stanford Cardinal (9-0) und #7 Oregon Ducks (8-1). Das Duell zweier unterschiedlicher Spielphilosophien: Power/Stanford gegen Finesse/Oregon. Termin: Heute Nacht, 02h MEZ LIVE bei ESPN America (morgen, 12h als Tape). Ausgespielt wird wohl der Sieger in der Pac-12 North und so ganz nebenbei gibt es nicht unwesentliche BCS-Auswirkungen.

Wenn Stanford den Ball bewegt

Head Coach David Shaw hat das Markenzeichen Jim Harbaughs übernommen, dessen Markenzeichen da wäre: Brachiales Laufspiel über ein Dutzend kräftiger Running Backs und immer eingestreut eine Serie an Playaction-Pässen. Trotz Quarterback Andrew Luck gründet Stanfords Angriff zu allererst auf einer mächtigen Offensive Line und blockstarken Tight Ends.

Laufspiel sozusagen als Wegbereiter, Luck (mit 1,93m und 107kg NFL-Gardemaß) der Vollstrecker, der heuer bis dato nur in einem Spiel das Heft wirklich das Heft des Handelns in die Hand nehmen musste: Vor zwei Wochen gegen USC, als das Laufspiel mächtig stotterte, Luck sich dann aber trotz INT-Returntouchdown kurz vor Schluss nicht abschütteln ließ und die Mannschaft im Spiel hielt. Die Message war jedoch klar: Man nehme RB Stepfan Taylor (kein Tippfehler) und Konsorten aus dem Spiel und bekomme die Partie auf dem Silvertableau serviert.

Oregons Defense weiß dies, da kommt das jüngste Aufbäumen der als mittelmäßig verschrieenen Unit gerade Recht. Zu einer Front Seven mit vielen verschiedenen Formationen gesellt sich für den Fall der Fälle auch eine Secondary, die zwar Yards zulässt, aber mit ihrer Allzweckwaffe CB Cliff Harris, der auch ein fantastischer Punt Returner ist, stets für die eine oder andere INT gut ist. Gefühlt ist Oregons Defense – ich widerspreche hier dem Common Sense – durchaus in der Lage, auch über vier Viertel einen Grabenkampf mitgehen zu können.

Wenn Oregon den Ball bewegt

Meistens ist dies nicht notwendig, da die Oregon Ducks immer noch eine faszinierende Offense spielen, selbst wenn dieser orgiastische Wow-Effekt des vergangenen Herbstes fehlt. Auch wenn es niemand merkt: Oregon scort immer noch 46Pkte/Spiel, aber der wahre Wert ist ein ästhetischer, der Kreator und Head Coach Chip Kelly bei mir ganz hoch oben in der Ansehensskala hat rutschen lassen. Ein Angriff, immer griffbereit, wenn es eine Stunde zur Aufheiterung braucht: Option-Laufoffense par excellence. Blitzschnell und ohne Huddle zwischen den Spielzügen agierend.

Und mitten drin dieser Irrwisch, RB LaMichael James, so klein und zerbrechlich ausschauend, aber ein Karnickel von einem Running Back, flink und hasenfüßig. James ist nicht mal richtig fit, schleppt schon seit Monaten Wehwehchen herum, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr auf Schlägereien mit seiner Freundin zurückzuführen sind, macht aber 8yds/Carry und häufig über 200yds/Spiel.

Steht James an der Seitenlinie, wuseln sich der etwas kräftiger gebaute RB Kenyon Barner oder der filigrane Freshman De’Anthony Thomas zu 6-7yds/Carry durch die Defenses. Und zwischendurch streut QB Darron Thomas trotz fehlender Spritzigkeit seine Scrambles und tiefen Bomben auf 30m offene Receiver ein. Allenfalls der Slot-Mann á la Jeff Maehl ist dem Team abhanden gekommen.

Oregons Angriff hat ein Problem: Er gilt als zu leichtgewichtig gegen physische Defenses. Stanford besitzt so eine physische Defense, kommt jedoch im 3-5 daher, wodurch der eine oder andere 30yds-Lauf für James unausweichlich scheint, Stichwort: Blocking-Matchups. Umso wichtiger werden die „Option-Reads“ für den Quarterback und Thomas fiel in der Vergangenheit durch den einen oder anderen Fehler dabei auf.

Ausblick

Dennoch halte ich Oregon für favorisiert. Stanford braucht – so bizarr das angesichts eines Quarterbacks wie Luck klingt – Laufspiel, riskiert ansonsten wie bei USC bedrohlich zu wackeln. Auf der anderen Seite ist auch Oregon recht stark auf seine quicken Running Backs angewiesen, allerdings ist diese Offense explosiver und auf lange Sicht schwerer zu verteidigen: Die Ducks drehen die Schlagzahl meist erst ab dem dritten Viertel richtig hoch.

18h: Penn States Sexskandal

ESPN America hat recht kurzfristig für 18h/LIVE die Partie #12 Penn State Nittany Lions#19 Nebraska Cornhuskers ins Programm aufgenommen. Es ist das erste Spiel der Nittany Lions seit der 1949 (!) ohne Joe Paterno im Trainerstab, der nicht mehr zu halten vorgestern dann doch per sofort gefeuert wurde. Paternos Abgang scheidet die Geister und spaltet nicht nur die US-Medienlandschaft, die sich uneinig ist, ob man die Legende JoePa ob des unwürdigen Abgangs bemitleiden oder ob der jahrelangen stillen Mitwisserschaft verachten sollte.

Die Mehrheit der Studenten in College Town/Pennsylvania hat ihr Statement abgegeben und per Demonstration für den legendären Coach plädiert. Für morgen wurden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch erhöht, da der Eskalatometer gröbere Ausschreitungen befürchtet. Auch die Reaktion von Publikum und Studentensektor („S“) im Beaver Stadium dürfte gespannt zu beobachten sein.

Spiel selbst für die Interessierten: Nebraska ist ein bissl Wundertüte, zaubert mal eine große Defensivleistung wie gegen Michigan State raus, wird mal überlaufen wie von Wisconsin. Penn State ist klar einzuordnen: Unterirdische Offense, knackige Defense. Heute dürfte Nebraska hoch favorisiert sein und die Nittany Lions die Ränge runterschießen.

Ein anderes 18h-Spiel ist Texas Tech – #2 Oklahoma State, das live im ESPN-Player kommt und morgen/Sonntag um 9h30 als Tape bei ESPN America kommt. Die Red Raiders haben bereits die Oklahoma Sooners auswärts von den Reihen der Ungeschlagenen geschossen, gelten aber unter Head Coach Tommy Tuberville als instabil. Ein Sieg hier wäre eine große Überraschung, aber wer weiß… Mit Wundertüten kennt sich Oklahoma State bestens aus – man ist selbst eine.

18h-Spiel im ESPN-Player außerdem (Auswahl): #9 Clemson – Wake Forest um den Divisionssieg und Finaleinzug in der ACC-Atlantic, Iowa – Michigan State in der wilden Big Ten Conference oder Louisville – Pitt aus der noch unübersichtlicheren Big East Conference.

21h30: Buntes Programm

#15 Georgia Bulldogs gegen #20 Auburn Tigers (21h30 LIVE/ESPN America) aus der SEC. Georgia braucht noch zwei Siege, um aus eigener Kraft das SEC-Finale zu erreichen, das Head Coach Mark Richt als Jobgarantie benötigen könnte. Man hat jedoch hausgemachte Probleme (z.B. RB Crowell), während Auburn befreit von jedem Druck aufspielen kann. Die Tigers schauen diese Saison besser aus als erwartet. Nicht ausgeschlossen, dass Head Coach Gene Chizik heuer mehr Anerkennung bekommt als letztes Jahr, als er mit QB Cameron Newton den National Title holte – auf dem Weg dorthin unter anderem mit einem Sieg über Georgia. Ein Spiel, das damals in wüsten Schlägereien nach jedem Spielzug in den letzten Minuten endete. Ob noch Rechnungen zu begleichen sind?

Im Parallelspiel matchen sich #13 South Carolina und Florida. Abgesehen von South Carolinas Hoffnungen auf das SEC-Titelspiel ist natürlich das alljährliche Aufeinandertreffen von Steve Spurrier mit „seinen“ Florida Gators Erzählstoff. Spurrier machte das Footballprogramm der University of Florida erst zu dem, was es heute ist und spricht auch neun Jahre nach seinem freiwilligen Abgang von „We“, wenn er im Interview über die Gators redet.

Außerdem um 21h30 im ESPN-Player: #14 Kansas State gegen Texas A&M, beide nach empfindlichen Niederlagen gegen die Granden aus Oklahoma State und Oklahoma, und der ewige Klassiker Florida State – Miami, der immer noch Emotionen weckt und für zwei der erfolgreichsten Colleges der letzten 25 Jahre das Spiel des Jahres auf der Intensitätsskala ist.

Eurosport 2 bringt um 21h30 LIVE Minnesota – #18 Wisconsin. Am Sonntag, 19h gibt es zudem eine Wiederholung von Notre DameMaryland (Partie wird Sa/1h30 im FedEx Field in Landover angepfiffen). Bei Maryland fordert die Erfolglosigkeit unter dem neuem Head Coach Randy Edsall schon für kreative Sprachchöre auf den Rängen: Edsall ist unten durch und steht schon vor dem Abschuss.

Das kleine Spiel von nebenan

Um 21h30 MEZ treffen in Boise/Idaho die beiden besten „Mid-Majors“ der letzten Jahre aufeinander: #5 Boise State BroncosTCU Horned Frogs. Es ist das einzige Conference-Duell zwischen den beiden, da die Texas Christian University nächsten Sommer in die Big 12 Conference wechselt. Heuer hat man eine erstaunlich löchrige Abwehr und einen Mannschaftskader, der als instabil angesehen werden muss. Vielleicht instabiler, als es Boise lieb ist, Stichwort strength of schedule für die Broncos, die als hoher Favorit in ein Spiel gehen, das auf dem kleinen Sender Versus in den Staaten übertragen wird und ergo in der Anonymität ablaufen wird. Bei uns gibt es keine Möglichkeit, außerhalb der Grauzone Livebilder zu bekommen.

College Football 2011/12 Preview: Southeastern Conference (SEC)

Zum Abschluss des Vorschau-Marathons auf die College-Footballsaison heute die Conference der Conferences – die #1 im Sportlichen, die #1 im Folkloristischen, die #1 im TV-Programm von ESPN America. Welcome to the South, Welcome to the SEC mit ihren dieses Jahr wohl sportlich etwas ungleich verteilten beiden Divisions. Wir beginnen mit der schwächeren.

SEC East

Seit der Ankunft von Urban Meyer hatten die Florida Gators die SEC East dominiert. Meyer trat Ende 2009 zum ersten Mal für ein paar Tage zurück, kam dann doch zurück – und hätte es besser sein gelassen. Sagenhaft, wie schlecht vorbereitet Florida im vergangenen Herbst oft wirkte, sagenhaft wie leblos Team und Coach die Spiele bestritten – nirgendwo besser beschrieben als in diesem Absatz von Saturday Down South:

Fans that had been used to the enthusiastic leadership of Tim Tebow and the speed of the many playmakers now were asked to root for a team with a skittish quarterback who was asked to split time with a receiver and a tight end and who apparently could only throw five-yard outs, a running back that sends death threats to his girlfriends, and a coach that not only looked burnt out but disinterested.  It was a mess of a season.

Meyer ist weg, der Anti-Meyer ist da: Will Muschamp, ehemaliger Defensive Coordinator der University of Texas, ein Mann der SEC, Head-Coach-Neuling und Rumpelstilzchen in einer Person.

Muschamp straffte gegenüber dem laxen Meyer die Zügel an, schmiss Studenten, die sich daneben benahmen eiskalt von der Uni und nahm auch keine Rücksicht vor großen Namen (CB Janoris Jenkins, anyone?) und brachte mit OffCoord Charlie Weis einen Mann an Bord, der die fassungslos orientierungslose Offense wieder auf Trab bringen kann.

Florida spielte zuerst, als ob Meyer tatsächlich den fußlahmen QB John Brantley als Tebow-Nachfolger in einer Run-Optionoffense angedacht hatte. Später wurden Wide Receivers oder Tight Ends als Quarterbacks eingesetzt, während Brantley nur in aussichtslosen Situationen reinkam, logischerweise floppte und bei den Fans bereits unten durch ist. Unter Weis sollte der Pocket Passer Brantley trotzdem erstmal die #1 sein, da sämtliche Ersatzleute grün bis hinter die Ohren sind.

Das Laufspiel wird von RB Chris Rainey (der Mann mit den Morddrohungen) und dem verletzungsanfälligen RB Jeff Demps getragen, dazu gibt es den interessanten WR/RB/QB Trey Burton, der aus einer ansonsten gesichtslosen Masse an Ballempfängern herausragt. Problem in der Offense: Die Line wird rundumerneuert. Dafür sollte die Defense unter Muschamp aufleben, trotz der großen Abgänge. DE/OLB Ronald Powell ist so ein Pass Rusher, über den man bisher nur Gutes hört.

Floridas großer historischer Rivale sind die Georgia Bulldogs aus Athens (1h von Atlanta) – man darf sich Allerheiligen für Allerheiligen am großen rivalry game der beiden in Jacksonville erfreuen („World’s Largest Cocktail Party“).

Georgia geht in die Saison mit einem langjährigen Head Coach, der Platz genommen hat auf dem Schleudersitz. Mark Richt gilt als lame duck und kann sich praktisch kaum noch retten. Da nützt auch der womöglich beste Quarterback der SEC wenig: Aaron Murray. Richts Offense ist bei aller Tradition immer noch laufbasierend, was zuletzt überhaupt nicht mehr funktionierte. Mit RB Isaiah Crowell kommt ein Riesentalent frisch aus der Highschool, aber wenn man seine Offense zwei jungen Hüpfern wie Murray/Crowell anvertrauen muss…

Georgia wird das alles ignorierend eine Außenseiterchance auf den Divisionstitel eingeräumt, trotz der mäßigen Defense und der zu erwartenden Probleme im Angriff. Spiel der Saison, zumindest für die Traditionalisten, dürfte aber der out of conference-Opener am Samstag sein, wenn es im Georgia Dome von Atlanta gegen die Neureichen von der Boise State University geht. Vor sechs Jahren gab es das Duell schon mal. Damals prügelte Georgia die Broncos 48-13 nach Hause. Diesmal kommt der Winzling als sportlicher Favorit – für Richt könnte dieses Spiel den Untergang einläuten.

Ihre Probleme mit den Head Coaches hat die University of Tennessee erstmal hinter sich. Jahrelang hatte die Legende Philip Fulmer in Knoxville gecoacht, bis das Großmaul Lane Kiffin kam – und nach einem Jahr wieder gen USC verschwand, inklusive des halben Trainerstabs und der größten Top-Talente. Seit einem Jahr ist daher der bis dato unbekannte Derek Dooley am Kommandostand. Dooleys Rookie-Saison galt dank Siegesserie zum Ende hin als solide und unspektakulär, mit dem einen Moment für die Ewigkeit. Es ist ein Moment, der so fassungslos war, dass ich aus tiefstem Herzen dieses Video empfehle:

Betonfrisur Dooley wird 2011/12 als weiteres Aufbaujahr für die Volunteers benutzen, für den jungen QB Tyler Bray, für die junge Defensive Line, für den gesamten Trainerstab. Man rechnet mit sieben oder acht Siegen.

Ein paar dutzend Kilometer weiter westlich spielen in Nashville die Vanderbilt Commodores, im Gegensatz zum Giganten Tennessee/Knoxville ein ganz kleiner Fisch in der SEC und nach 2-10 und Trainerwechsel mal wieder mit dem Versuch eines Neuaufbaus. Rookie-Head Coach ist James Franklin, nur Vanderbilts zweite Wahl (nach Gus Malzahn), ein Mann, der als Nachfolger von Ralph Friedgen in Maryland übergangen wurde und sich dort Mangini-like unbeliebt machte, als er versuchte, dutzende Trainer gegen den Willen des dortigen Regimes mitzulotsen. Franklin ist ein junger Charismatiker, der als exzellenter Recruiter gilt und dessen Hauptaufgabe es sein wird, die Offense wiederzubeleben.

Um QB Larry Smith wird es wie jedes Jahr Theater geben (sprich: Man wird versuchen, ihn zu ersetzen), und mit Jordan Rodgers hat Franklin auch einen talentierten Mann in der Hinterhand. Quarterback? Rodgers? Rüschtisch. Wir sprechen von Aarons kleinem Bruder.

Wie Vanderbilt sind auch die Kentucky Wildcats ein alljährlich willkommener Gegner in der SEC, oder anders gesagt: Ein sicherer Sieg. Kentucky verliert seit gepflegten 26 Jahren JEDES JAHR gegen den Erzfeind Tennessee, darf aber trotzdem häufig bowlen gehen, und immer nach demselben Schema: 2-6 Bilanz in der SEC und dann würgt man ein 4-0 gegen schwache Gegnerschaft out of conference heraus. Head Coach ist mit Joker Phillips ein fanatischer „Kentucky Man“, doch Phillips sucht nach seiner Debütsaison immer noch nach dem richtigen Abwehrschema. Somit bleibt für Kentucky wie immer das 4-0 OOC, der Sieg über Vanderbilt und ein Überraschungssieg gegen eine andere SEC-Uni, um die nötigen sechs Siege für die Bowl Season zusammenzuklauben.

Einer fehlt noch – der allgemein anerkannte Divisionsfavorit, die University of South Carolina Gamecocks mit ihrem Head Coach Steve Spurrier („Fun’n’Gun“) und ihrem auf und neben dem Spielfeld unterhaltsamen magischen Angriffsdreieck QB Stephen Garcia, RB Marcus Lattimore, WR Alshon Jeffery.

Garcia ist eigentlich eine Knalltüte von einem Charakter, nicht in der Lage, sich länger als drei Monate an konventionelle Verhaltensweisen zu halten, aber Spurrier ist durch Kaderengpässe gezwungen, den Teufelspakt mit Garcia einzugehen. Lattimore ist einer meiner favorisierten Running Backs, für mich ein Favorit auf die Heisman Trophy, wie auch Jeffery, einer meiner Lieblings-Receiver, der immer und ausschließlich in kritischen Situationen angespielt wird – und trotz Doppel- und Dreifachdeckung fast immer mit dem Catch die Angriffsserie am Leben hält.

Ein bisschen Zweifel habe ich ob der Defense, die vor allem im Backfield doch recht leicht auseinanderzunehmen ist, was sich in der SEC aber aufgrund der Lauforientierung vieler Mannschaften nicht allzu schwer auswirken könnte. Gefühlt müsste South Carolina die East-Division gewinnen, solange Garcia nicht wieder Stunk veranstaltet.

SEC West

Kaum jemand bezweifelt, dass die SEC West aktuell die hochwertigste Division im College Football ist. Und das mag ein Understatement sein, denn wir können getrost von „mit Abstand hochwertigst“ sprechen.

Die Leistungsdichte ist so massiv, dass es in der Sechser-Division nicht vermessen ist, die Auburn Tigers als bloß fünftstärkstes Team anzusehen. Zur Einordnung: Wir sprechen hier nur bloß vom SEC-Champ, sondern vom National Champion 2010/11. Auburn hat allerdings einen heftigen Abfluss an Spielertalenten hinnehmen müssen, was sich so liest: Nur 3 Starter in der Offense, und 4 Starter in der Defense kehren für diese Saison zurück. 7/22 der ersten Auswahl vom vergangenen Herbst. Und die Abgänge haben sich auch qualitativ gewaschen: QB Cameron Newton und DT Nick Fairley, beide die essenziellen Bestandteile ihrer Units, ohne die Auburn nicht mal in den Top-25 gerankt gewesen wäre.

Nun vertraut man auf das Offensiv-Genie Gus Malzahn und die ruhige Hand von Head Coach Gene Chizik, der nach dem Meistertitel erstmal von allen Zweifeln befreit ist. In der Offense wird RB Michael Dyer der Dreh- und Angelpunkt sein, den Quarterback wird vorerst Barrett Trotter geben, wobei es in Malzahns QB-freundlichen Angriffssystemen oft wurscht ist, wer denn nun spielt – gute Zahlen produzieren sie alle. Wichtig für Auburn: Der RedZone-Mann TE Phillip Lutzenkirchen ist noch da, was eminent wichtig sein dürfte.

Auburn, und darin sind sich alle einig, muss in dieser Saison die einjährige Vorherrschaft im eigenen Bundesstaat hergeben, denn die Alabama Crimson Tide gelten nicht nur als SEC-Topfavorit, sondern auch als heißer BCS-Kandidat (#2 in den Polls) – für mich ist Alabama der unumstrittene Topfavorit auf den Landesmeistertitel, auch wenn mit QB McElroy, RB Ingram und WR Jones die drei besten Angreifer und mit DT Dareus der beste Abwehrspieler gegangen sind. How that?

Alabama hat mit Nick Saban einen Trainerfuchs, der seine Teams vor allem um eine bärenstarke Defense und eine lauforientierte, fehlerlose Offense baut. Und „bärenstarke Defense“ darf man heuer erwarten, nachdem eine völlig umgekrempelte Unit 2010/11 schon phasenweise wie eine einzige Naturgewalt daherkam.

Es ist eine 3-4 Defense mit einem extrem guten Pass Rusher in DE/OLB Courtney Upshaw, aber der Mann, der sofort ins Auge sticht, ist ein anderer: MLB Dont’a Hightower, ein sensationeller Spieler, pfeilschnell trotz 1,93m und 118kg und ein Leadertyp par excellence. Die Front Seven dürfte die beste im College Football sein. Mit Abstand. Und die Secondary ist um S #4 Mark Barron gebaut, dem sämtliche Gurus eine hohe Position im kommenden NFL-Draft voraussagen.

Die Offense dürfte auf eine sehr gute Line bauen, hinter der RB Trent Richardson seine vielen Yards machen kann. Richardson war nun jahrelang Backup von Mark Ingram, einem Heisman-Trophysieger, wobei ich Richardson stets als besseren, variableren, gefährlicheren Spieler als Ingram ansah. Ich in gespannt, wie sich der Mann nun macht, wenn er die Offense mit einem neuen Quarterback tragen muss – ich sage mal mindestens 1200yds voraus. Bei den Quarterbacks scheint noch nicht klar, ob A.J. McBarron oder der unerfahrene Phillip Sims starten werden – McBarron wurde in der Iron Bowl in einer bitterbösen Situation ins Spiel geworfen und brachte nichts zustande. Ich bezweifle allerdings die Aussagekraft dieser zwei Minuten Einsatzzeit.

Zu guter Letzt ist Alabama on mission. Im Frühjahr wurde die Heimatstadt der Uni, Tuscaloosa, von einem schweren Unwettersturm verwüstet, die Region ächzt immer noch heftig unter den Nachwirkungen, sogar das heimische Bryant Denny Stadium wurde ärger in Mitleidenschaft gezogen – kombiniert mit dem emotionalen Tod eines Mitspielers in der Offseason ist Alabama auch so etwas wie ein sentimentaler Favorit vieler Leute im US-Süden.

Wie las ich diese Woche in der Printausgabe der Los Angeles Times?

Los Angeles Times - Alabama

Die L.A. Times schrieb diese Woche über die Spätfolgen des april'schen Tornados - Bildrechte: Los Angeles Times (Klick auf das Bild führt zum onlinegestellten Artikel)

Will it be tough for Alabama to win the national title this year?

Yes. The Crimson Tide has moved on without quarterback Greg McElroy and running back Mark Ingram — pillars from the 2009 title team.

Will it be tough to root for Alabama to win it all this year?

No.

Alabama football has a divisive component that comes from years of unparalleled success and the self-righteousness that sometimes accompanies it.

Saban is not a drippy, sentimental man who needs a hug. You can barely talk to him at all once the season starts.

Everyone, though, can appreciate Saban’s posttraumatic resolve. Everyone can wrap their arms around Tuscaloosa. No football town in America has been so devoted and destroyed.

Wenn wir von Titelanwärtern mit starken Defenses reden, sollte man nicht an den Louisiana State Tigers vorbeidiskutieren. LSU hatte im Vorjahr seine glücklichen Momente (siehe Video oben), sollte heuer reifer, erfahrener sein und trotz einiger Fragezeichen irgendwo in BCS-Bowlnähe mitmischen können.

Allerdings steht Head Coach Les Miles bei mir nicht im besten Ruf – wenn es haarig wird, hege ich nur wenig Vertrauen in diesen Mann und ich kann nicht erklären, warum. Miles muss in dieser Saison vor allem schauen, dass die Offense hinkommt, nachdem QB Jordan Jefferson nach einer Kneipenkeilerei arge Probleme mit der Justiz hat und vorerst die wandelnde Interception-Maschine QB Jarrett Lee den Angriff führen soll. Dass OffCoord wegen ständig verschlimmernder Parkinson-Erkrankung vor wenigen Wochen zurücktreten musste, macht die Sache auch nicht einfacher.

Ein dark horse, das man gerne vergisst, sind die Arkansas Razorbacks, deren Aushängeschild mit Head Coach Bobby Petrino kein Mann ist, für den man allzu viel Sympathie aufbringen möchte. Dass Petrino aber College für College nach oben führt, kann man nicht wegdiskutieren. Vielleicht nimmt man Arkansas auch deswegen nicht voll ernst, weil sie die Tanz besitzen, die ganz großen Gegner in den ganz wichtigen Spieler knapp nicht besiegen zu können.

Nun ist mit QB Ryan Mallett ein geschichtenträchtiger Anführer weg, der neue Quarterback wäre da #8 Tyler Wilson, ein Mann, der aus einem in der Not geborenen Einsatz im vergangenen Herbst gegen Auburn (ein Spiel, das in der Region 65-43 oder so verloren wurde) in exzellenter Erinnerung geblieben ist. Wilson erwartet keine ganz einfache Aufgabe, denn neben einer rundumerneuerten Offensive Line fallen sämtliche guten Running Backs (beginnend beim Topmann Knile Davis) für diese Saison mit Knieverletzungen aus, während der einzige nennenswerte weitere Back von einer schweren Knieverletzung zurückkommt… Immerhin baut man darauf, dass die zuletzt massiv verbesserte Front Seven in der Defense große Teile der Saison tragen kann – was ganz Neues bei den Hogs.

Zum Abschluss der langen, kräfteraubenden Vorschauserie auf die Saison im College Football geht es noch ab in die Sümpfe von Mississippi, wo mit den Mississippi State Bulldogs eine ganz leise Erfolgsstory zu vermelden ist. Was Headcoach Dan Mullen da aufgebaut hat, ist groß. Mullen kam vor wenigen Jahren von der University of Florida, und er hat eine ähnliche lauflastige Spread Offense auch bei den Bulldogs installiert: Hier wird gnadenlos gelaufen, auch in der RedZone: RB Vick Ballard machte 2010/11 nicht ganz 1000yds, aber 20 Touchdowns.

Auch der Quarterback ist sehr flott bei Fuß: Chris Relf komplettiert keine 60% seiner Pässe, macht aber runde 700yds/Saison im Laufspiel. Der Mann ist aus der vergangenen Gator Bowl in guter Erinnerung, und auch deswegen eingeprägt, weil er früher mit der #36 auffm Rücken munter durch die Gegend scrambelte. Mittlerweile trägt Relf die QB-kompatiblere #14 und macht damit ganze 186yds/Spiel mit Würfen.

Mississippi State wird bei entsprechendem Saisonverlauf durchaus der zweite oder dritte Platz in dieser brutalen SEC West zugetraut – allerdings warten nächste und übernächste Woche Auburn und LSU, zwei richtungsweisende Spiele.

Zu allerletzt noch das vermeintliche sechste Rad am SEC-Westwagen, die University of Mississippi, wo die Mannschaft ganz einfach Ole Miss Rebels genannt wird. Für mich ist diese Uni ein Faszinosum: Sie liegt irgendwo in der Pampa im kleinen Städtchen Oxford (16.000 Einwohner), hat weitere 15.000 Studenten auf dem Campus, die nächste größere Stadt Memphis ist 150km entfernt und liegt im Bundesstaat Tennessee – und Ole Miss’ Heimstadion, das Vaught Hemingway Stadium, ist mit seinen über 60.000 Plätzen trotzdem immer ausverkauft.

Sportlich erlebte die Mannschaft von Coach Houston Nutt im vergangenen Herbst ein Debakel, purzelte in sämtlichen Defensiv-Kategorien lateral durch die Rankings und war in der Offense teilweise hirnamputiert unterwegs: Der Ball, der im Spiel gegen Tennessee an der eigenen 3yds-Line einem fünf Meter freistehenden Gegenspieler direkt in die Hände geworfen wurde, hat sich bei mir eingeprägt. Immerhin hat man mit RB Brandon Bolden einen Angriffsspieler mit Ingredienzien für eine lauforientierte Offense, die es dringend brauchen wird, weil keine Quarterbacks und Wide Receivers in Sichtweite sind. In der Defense hofft man einfach mal auf verbesserten Pass Rush, aber auch dort sind die besten Spieler mittlerweile in die Arbeitswelt eingestiegen.

So. Das war’s. Mit der SEC wäre auch die letzten Conference abgehakt. Ich freue mich auf eine spannende Saison und das beim Schreiben dieses Eintrags nebenbei laufende Spiel Baylor – TCU ist schon das erste großartige Highlight, das eigentlich mehr verdient gehabt hätte als „nebenbei zu laufen“. Spiel des Jahres trifft es eher.

Was nun folgt, sind – endlich – fliegende Eier. Die Vorschau auf alle Mannschaften in College Football und NFL gibt es auf dr entsprechenden Seite bei Sideline Reporter – inklusive (hoffentlich) wöchentlich neuer TV-Guidelines. Viel Spaß.

Der Coach, der seine Schatulle öffnet

Man kann sagen, was man will, aber Steve Spurrier ist zu unkonventioneller Denke fähig. Der neueste Gag: Spurriers Anstoß zur Debatte „Amateursport am College“.

Die Idee: Spurrier schlägt vor, dass im College Football in Zukunft die Coaches ihre Athleten bezahlen sollten. Als Erstansatz $300 pro Spieltag pro Spieler. Würde nach eigener Rechnung bei ca. 11 Spielen und 85 scholarships (Stipendien) rund $280.000 ausmachen. Spurrier hat angeblich die Rückendeckung einiger namhafter Trainer der SEC (u.a. der Coaches von Tennessee & Florida).

Nun kommt der Vorschlag just in den Tagen, in denen Spurrier den umstrittenen QB Stephen Garcia wieder in den Kader der USC Gamecocks aufgenommen hat. Ein Move, an der University of South Carolina hitzig diskutiert und in manchen Kreisen alles andere als gern gesehen. Also alles nur eine Provokation als Ablenkung?

Ich bin mir nicht so sicher. Ich halte Spurrier für eine integere Person, wenn sich auch seine Begründung sehr schmalzig liest (via USA Today):

„I just wish there was a way to give our players a piece of the pie,“ Spurrier said. „It’s so huge right now. As you know, 50 years ago, there wasn’t any kind of money and the players got full scholarships. Now, they’re still getting full scholarships and the money is in the millions. I don’t know how to get it done. Hopefully there’s a way to get our guys that play football a little piece of the pie.“

Ich halte eine Genehmigung des Vorschlags in den NCAA-Gremien für aussichtslos. Trotzdem ist der Vorschlag, aus welchen Gründen auch immer gerade zu diesem Zeitpunkt vorgebracht, wertvoll.

College Football ist ein Millionenbusiness und nur die, deren Uhr irgendwann in den frühen 60ern stehen geblieben ist, glauben noch an den reinen Amateur in den höheren Ebenen des Universitätssports. Es gilt als unbestritten, dass Booster (private Sponsoren mit Connections in die Büros der Universitäten) vor allem die Top-Athleten mit reichlich finanziellem Ansporn an die jeweiligen Unis locken. Cameron Newton ist das jüngste sehr prominente Beispiel, aber nicht das einzige.

Deswegen kann Spurriers Vorstoß definitiv als Diskussionsanstoß verstanden werden, dass in Zeiten, in denen Coaches um die 3 Millionen Dollar/Saison kassieren und korrupte Bowl-Veranstalter Gelder in Millionenhöhe unterschlagen, auch die Hauptfiguren des Spektakels mit mehr als einem simplen Sportstipendium von der Sache profitieren. Denn Profis werden nur die Allerwenigsten.

Der Kampf der NCAA um die Beibehaltung des Student Athlete erinnert mich immer ein wenig an den Anti-Dopingkampf: Notwendig, um die Grundfeste des Sports beizubehalten, aber hoffnungslos, weil nicht breitflächig durchführbar. Allein: Während eine Lockerung der Antidopingbestimmungen schon aus Gründen des Jugendschutzes nie passieren darf, sehe ich im Universitätssport durchaus die Möglichkeit einer Zwischenlösung zwischen reinem Amateur und Halbprofi, der jeder BCS-Footballer bereits jetzt ist.

Klar ist aber auch: Ein $300-Stipendium würde zur Ausschaltung der Booster nicht reichen. Nicht bei Athleten der Güteklasse „Cameron Newton“.

College Football Week #11 Preview [Update: Cam Newton]

Zielgerade für den College Football. Das Rennen um das BCS Championship Game wird heuer so umstritten sein wie lange nicht mehr. Einen kurzen Überblick habe ich bei Spox gegeben.

Die Spiele der Top 4 an diesem Wochenende: #1 Oregon @ California/Berkeley, #2 Auburn vs. Georgia, #3 TCU vs. San Diego State, #4 Boise State @ Idaho. ESPN America zeigt uns leider nur einen der Top 4: Auburn.

Road to Glendale

California Golden Bears – #1 Oregon Ducks

© John Morgan

Aaarggh. Das Spiel ist bei uns im TV nicht zu sehen. Dabei rieche ich durchaus die Möglichkeit einer Sensation. Die Golden Bears zeigen diese Saison zwei Gesichter: Auswärts katastrophal, daheim nicht zu stoppen. Die Unterschiede sind frappierend: Daheim 4-0 bei einem durchschnittlichen Punkteverhältnis von 47-8. Auswärts 1-4 mit im Schnitt 17-32 Punkten. Die ersten beiden Heimgegner waren schwach, aber der allgemein Trend ist doch auffallend. Allerdings wird QB Kevin Riley weiterhin fehlen.

Oregon kommt ähnlich daher. Daheim 61-12, auswärts 47-25. Immer noch eindrucksvoll, aber abseits des SmurfTurf in Eugene ist das doch etwas „zäher“. Die Ducks bringen eine eindrucksvolle Offense nach Berkeley: QB Darron Thomas, RB LeMichael James und WR Jeff Maehl sind die Eckpunkte.

#2 Auburn Tigers – Georgia Bulldogs

Samstag, 21h30 bei ESPN America

Upset alert auch in diesem Spiel. In Auburn wird die Affäre um QB Cam Newton und die angeblichen Zahlungen von Seiten der Uni Auburn immer undurchsichtiger, nachdem Newtons Vater mehrdeutige Kommentare rausgelassen hat. Newton ist ein famoser Quarterback, 1,98m groß, extrem laufstark (pulverisierte schon Mitte Oktober den SEC-Rekord für die meisten Laufyards eines QB/Saison) und soll mit seiner Wurfbewegung auch bestens in die NFL passen. Kurzum: Newton ist der haushohe Favorit, die Heisman Trophy zu gewinnen. Wenn da nicht die NCAA-Ermittlungen wären…

Auf der anderen Seite kommen die Bulldogs mit aufsteigendem Trend daher, nachdem es noch im September zappenduster ausgeschaut hatte. Einzige Niederlage seit Mitte Oktober: OT gegen Florida. Es gibt trotzdem Gerüchte über einen Abgang von Head Coach Mark Richt, da Georgia seit Jahren stagniert. Allerdings schafften mit QB Matt Stafford und RB Knowshon Moreno zwei Topspieler zuletzt den Sprung in die NFL. Mit WR A.J. Green könnte der nächste demnächst folgen. Green könnte im April schon in den Draftpool wandern, als Junior aber auch noch eine Saison im College anhängen.

Green spielt erst seit Anfang Oktober wieder Football, nachdem er bis dahin von der NCAA gesperrt war. Grund: Er hatte sein Trikot von einem letztjährigen Bowl-Spiel an einen ehemaligen Footballspieler verkauft – den die NCAA als Spieleragenten eingestuft hatte. Das ist verboten. Also: Attention, Mr. Newton!

[UPDATE: Auburns „Sportdirektor“ wollte heute Nacht auf Nachfrage von ESPN keine Auskunft geben bzgl. eines Einsatzes von QB Cam Newton. Das kann bereits als Rückzieher gewertet werden, denn noch am Mittwoch (als ich die Preview geschrieben habe) ließ man aus Auburn verlauten, es gäbe keinen Grund, Newton nicht starten zu lassen. Newtons Vater Cecil gab inzwischen zu, von Mississippi State Geld verlangt zu haben für Cam Newtons Dienste. Mittlerweile ist auch das FBI in die Ermittlungen der NCAA eingeschaltet worden. Die Sache nimmt also Fahrt auf.

Für Auburn ist die Entscheidung nicht leicht. Nach all dem, was ich von den Tigers bisher gesehen habe, habt Newton sie eine ganze Klasse nach oben. Ohne Newton könnte es vielleicht für das mäßige Georgia reichen, aber spätestens gegen Alabama in zwei Wochen dürfte Schluss sein. Setzt man Newton wiederum ein, riskiert man wohl ärgere Sanktionen und womöglich sogar zukünftige Ausschlüsse von Bowls, siehe USC/Reggie Bush.

Die BCS dürfte gar nicht erfreut sein. Womöglich werden nun doch die ungeliebten TCU oder Boise State ein Thema für das BCS Finale. Ich würde eine Wette abschließen, dass Auburn ohne Cam Newton nicht nacheinander Georgia, Alabama und den SEC-East-Sieger putzt.]

#3 Texas Christian Horned Frogs – San Diego Aztecs

TCU wird dieses Spiel dominieren und locker nach Hause fahren. Upset alert gleich null.

Idaho Vandals – #4 Boise State Broncos

Es ist eh wurscht, was passiert. Boise State wird das Spiel dominieren und haushoch gewinnen – oder halb Amerika und die gesamte Bowl Alliance schnaufen auf. Idaho hat ein respektables Basketball-Team, aber die Footballmannschaft spielt selbst in der schwachen WAC unter ferner Liefen.

Road to BCS Bowls?

Damit kurz zu den Spielen bei ESPN America.

Samstag, 18h: Northwestern Wildcats – #13 Iowa Hawkeyes

Die Northwestern ist als Spitzenuni bekannt, von Forbes sogar in die Top-20 weltweit gevotet. Das Football-Team ist nicht so doll. Seit Jahren dümpeln die Wildcats vor sich hin. Problem: Sie erzielen wenige Punkte. Vor ein paar Wochen wurde allerdings Michigan State ein harter Kampf geliefert.

Iowa spielt mit Coach Kirk Ferentz eine eher lauflastige Offense: 330 zu 240 Laufspielzüge. Es sah allerdings krasser aus, als mit Shonn Greene (jetzt N.Y. Jets) ein Klasse-Running Back da war. Interessant ist das Spiel für NFL-Fans, weil hier mit DE Adrian Clayborn einer der Top-Ends für den kommenden Draft spielt. Rastamann Clayborn ist Senior.

Iowa kann noch in die Top 10 rutschen, muss dafür aber überzeugend gewinnen.

Samstag, 21h30: #2 Auburn – Georgia. Siehe oben

Sa./So. 1h15: #22 Florida Gators – #23 South Carolina Gamecocks

In diesem Spiel wird der SEC-East-Champion ausgespielt. Beide Mannschaften stehen bei 4-3 und es ist ihr letztes Conference-Spiel.

Story des Spiels dürfte aber die Rückkehr von Steve Spurrier in seine alte Heimat, das Stadion in Gainesville, sein. Spurrier ist der Mann, der die SEC revolutioniert hat. Die SEC war eigentlich stets eine bodenständige, lauforientierte Liga, bis Spurrier ab 1990 mit den Gators und seiner Fun’n’Gun-Offense von Conference-Sieg zu Conference-Sieg eilte und 1996 gar National Champion wurde. Spurrier hörte 2002 in Florida auf, ging in die NFL zu den Redskins und scheiterte dort grandios ebenso wie sein QB Danny Wuerffel, der unter Spurrier Heisman-Trophy-Sieger war. Sein Nachfolger Ron Zook coachte die Gators derweil in Grund und Boden.

Spurrier hat sich in Carolina eine starke Defense angelacht und hatte damit einigen Erfolg: Der ganz große Durchbruch ist aber noch nicht gelungen. Die Gators sind in Jahr eins nach Tim Tebow natürlich geschwächt, aber nicht so brutal wie vielleicht angenommen. Spurrier kann in diesem Spiel mit seinen Gamecocks erwachsen werden, ins Georgia Dome fahren und im SEC-Finale auf Auburn treffen (und vielleicht den Tigers das BCS Finale vermasseln).

Sonntag, 5h30: #9 Ohio State Buckeyes – Penn State Nittany Lions (Aufzeichnung)

100.000 werden im Stadion sein. Mindestens. Es ist ein heißes Aufeinandertreffen. Zwei alte BigTen-Rivalen. Der legendäre Penn State-Coach Joe Paterno kommt nach Ohio mit seinem 400. Sieg letzten Samstag. Der war hart erarbeitet: Die Northwestern führte schon mit drei Touchdowns, ehe dank fünf TDs in Serie mit 35-21 gewonnen werden konnte.

Die Buckeyes auf der anderen Seite sind eine der ganz großen Nummern im College Football, nicht nur wegen des riesigen Stadions. Sie gehören seit Jahren zu den Top 5, waren auch heuer zwischendurch #1, ehe sie von Wisconsin ausgebremst wurden. Nun braucht es dringend einen Sieg, um Wisconsin noch verdrängen zu können und in die Rose Bowl einzuziehen. QB Trevor Pryor ist laufstark und mittlerweile auch als Passer gereift. Nicht alle trauen Pryor jedoch eine NFL-Karriere zu.

[Update zu dem Spiel: Kleine Huldigung für Penn-State-Coach Joe Paterno.]

Am Sonntag um 13h wird Texas – #10 Oklahoma State aufgezeichnet. Für Oklahoma State geht es darum, Punkte zu sammeln, um die Big12-South zu gewinnen. Oklahoma ist divisionsintern mit 4-1 vorn, hat aber noch drei Spiele: Texas, @Kansas und #16 Oklahoma zum Abschluss der Regular Season.