Der Coach, der seine Schatulle öffnet

Man kann sagen, was man will, aber Steve Spurrier ist zu unkonventioneller Denke fähig. Der neueste Gag: Spurriers Anstoß zur Debatte „Amateursport am College“.

Die Idee: Spurrier schlägt vor, dass im College Football in Zukunft die Coaches ihre Athleten bezahlen sollten. Als Erstansatz $300 pro Spieltag pro Spieler. Würde nach eigener Rechnung bei ca. 11 Spielen und 85 scholarships (Stipendien) rund $280.000 ausmachen. Spurrier hat angeblich die Rückendeckung einiger namhafter Trainer der SEC (u.a. der Coaches von Tennessee & Florida).

Nun kommt der Vorschlag just in den Tagen, in denen Spurrier den umstrittenen QB Stephen Garcia wieder in den Kader der USC Gamecocks aufgenommen hat. Ein Move, an der University of South Carolina hitzig diskutiert und in manchen Kreisen alles andere als gern gesehen. Also alles nur eine Provokation als Ablenkung?

Ich bin mir nicht so sicher. Ich halte Spurrier für eine integere Person, wenn sich auch seine Begründung sehr schmalzig liest (via USA Today):

„I just wish there was a way to give our players a piece of the pie,“ Spurrier said. „It’s so huge right now. As you know, 50 years ago, there wasn’t any kind of money and the players got full scholarships. Now, they’re still getting full scholarships and the money is in the millions. I don’t know how to get it done. Hopefully there’s a way to get our guys that play football a little piece of the pie.“

Ich halte eine Genehmigung des Vorschlags in den NCAA-Gremien für aussichtslos. Trotzdem ist der Vorschlag, aus welchen Gründen auch immer gerade zu diesem Zeitpunkt vorgebracht, wertvoll.

College Football ist ein Millionenbusiness und nur die, deren Uhr irgendwann in den frühen 60ern stehen geblieben ist, glauben noch an den reinen Amateur in den höheren Ebenen des Universitätssports. Es gilt als unbestritten, dass Booster (private Sponsoren mit Connections in die Büros der Universitäten) vor allem die Top-Athleten mit reichlich finanziellem Ansporn an die jeweiligen Unis locken. Cameron Newton ist das jüngste sehr prominente Beispiel, aber nicht das einzige.

Deswegen kann Spurriers Vorstoß definitiv als Diskussionsanstoß verstanden werden, dass in Zeiten, in denen Coaches um die 3 Millionen Dollar/Saison kassieren und korrupte Bowl-Veranstalter Gelder in Millionenhöhe unterschlagen, auch die Hauptfiguren des Spektakels mit mehr als einem simplen Sportstipendium von der Sache profitieren. Denn Profis werden nur die Allerwenigsten.

Der Kampf der NCAA um die Beibehaltung des Student Athlete erinnert mich immer ein wenig an den Anti-Dopingkampf: Notwendig, um die Grundfeste des Sports beizubehalten, aber hoffnungslos, weil nicht breitflächig durchführbar. Allein: Während eine Lockerung der Antidopingbestimmungen schon aus Gründen des Jugendschutzes nie passieren darf, sehe ich im Universitätssport durchaus die Möglichkeit einer Zwischenlösung zwischen reinem Amateur und Halbprofi, der jeder BCS-Footballer bereits jetzt ist.

Klar ist aber auch: Ein $300-Stipendium würde zur Ausschaltung der Booster nicht reichen. Nicht bei Athleten der Güteklasse „Cameron Newton“.