Auch die Footballgötter würfeln nicht

Wenn man einen Kausalmechanismus aufdecken will, gibt es in der Wissenschaft die bekannte Methode, eine Variable (X) zu ändern um so zu überprüfen, ob diese Variable einen Einfluß auf das Ergebnis (Y) hat. Ändert sich mit veränderter Variable das Ergebnis, ist verifiziert, daß X zu mehr (oder weniger) Y führt. Allerdings mit der Einschränkung: ceteris paribus – bei sonst gleich bleibenden Bedingungen. Diese Einschränkung ist sehr wichtig, denn gerade bei komplexen Vorgängen oder Operationen kommt es oft vor, daß X gleich größer/kleiner Y nur dann stimmt, wenn X nicht von anderen Variablen beeinflußt wird oder gar erst in Verbindung mit anderen Variablen seine Wirkung entfaltet. Nur gibt es kaum Lebensbereiche die derart nicht-interdependent und statisch statt hochgradig interdependent und dynamisch sind. Nicht Politik, nicht Wirtschaft, nicht Gesundheit und auch nicht Football.

[Beispiel: ein höherer Steuersatz auf Tabak führt zu höheren Tabaksteuereinnahmen. Klingt logisch. Stimmt aber oft nicht. Besser gesagt: stimmt nur unter der Bedingung ceteris paribus (wenn also alle anderen Variablen gleich bleiben, zum Beispiel der Absatz). Weil aber nicht nur im Football, sondern auch in der realen Welt alle möglichen Variablen alle anderen möglichen Variablen beeinflussen, führt meistens ein höherer Steuersatz zu geringeren Einnahmen, weil der Absatz zurückgeht und überhaupt weniger Tabak versteuert wird.]

Lange Rede, kurzer Sinn: worauf ich hinauswill, ist die – in meiner Sicht – irrige Annahme, daß ein Footballspiel auf jeden Fall anders ausgeht, wenn ein Play anders läuft. Diese Diskussion kommt immer wieder auf, war aber in den vergangenen Playoffs besonders häufig zu hören. Wenn Kyle Williams den Punt nicht fumblet dann…; wenn Pittsburgh nicht diesen einen Tebow-Paß so blöd verteidigt, dann…; wenn Billy Cundiff den Kickt nicht daneben haut oder wenn Lee Evans den Catch nicht vergeigt, dann…; wenn Wes Welker den Paß fängt, dann…

Ich halte die Annahmen, ein Spielzug entscheidet ein Spiel und Glück spielt eine sehr große Rolle für “unterkomplex”. Die Glücks-/Zufalls-Argumentation wurde nicht nur hier von korsakoff, sondern auch auch von anderen Footballkennern wie Gregg Easterbrook vertreten. Mr. Secretary, I am not convinced. Ich möchte widersprechen.  Sechs Dinge, die in dieser simplizierten, auf Zufälle konzentrierten Sichtweise zu kurz kommen, sind

  • 1) die Dynamik (jeder Spielzug beeinflußt alle folgenden und ändert die Spielsituation; es gibt keine Ceteris-Paribus-Situationen im Football);
  • 2) die Komplexität (ein Spielzug kann nicht den Spielausgang bestimmen, aber den Gameplan ändern);
  • 3) Geringschätzung der anderen Spielzüge (in Verbindung mit 1) und 2) sind bestimmte Spielzüge in früheren Teilen des Spiels teilweise wichtiger für den Spielausgang als spätere, die sehr ins Auge fallen)
  • 4) Recency Bias (man hält, Dinge, die jüngerer Vergangenheit stattfanden für wichtiger, als Dinge, die länger zurückliegen)
  • 5) Sichtbarkeit (Dinge, die man sieht oder offensichtlich sind, hält man für bedeutender als Dinge, die man nicht sieht)
  • 6) Planbarkeit (manche Dinge, die zufällig erscheinen, hätten verhindert werden können und sind also gar nicht zufällig)

Beispiele aus diesen Playoffs, die oft diskutiert wurden, unter dem Gesichtspunkt meiner Behauptungen:

1) Das ist selbsterklärend, wird aber gerne ignoriert. Nehmen wir den Welker-Drop. Vielleicht wirft Brady nach dem Welker-Catch eine Interception oder die Patriots machen nur ein Field Goal und Manning trotzdem einen Game Winning Drive. Man weiß ja nicht, was passiert wäre. Dafür, daß Eli nach Catch und FG beispielsweise den Game Winner mit 2 Minuten auf der Uhr macht, stehen deutlich besser als 50/50. Drop hin oder her, das Spiel ist in jedem Fall noch offen.

2) Der Safety von Brady im Super Bowl. Mit dem Safety lagen die Giants nur zwei Punkte hinten, ihn reichte also also ein FG am Ende um das Spiel zu gewinnen. Hätte es den Safety nicht gegeben, wäre der Rückstand vier Punkte gewesen, damit hätten sie auf jeden Fall einen TD gebraucht. Dagegen kann man ganz anders verteidigen, das ändert die gesamte Komplexität des Spiels.

3) Die Interception von Brady im Super Bowl. Gronkowski war offen, er hatte LB Chase Blackburn überlaufen, Brady muß nur irgendwie über die Beiden in Richtung Endzone werfen und es ist ein Touchdown – NE führt mit 9, bei erfolgreicher 2-Pt-Conversion sogar mit 10 Punkten. Das ist ein Paß, den muß Brady machen. Den muß er einfach machen. Eli hat später einen der besten Würfe aller Zeiten gemacht. Das ist der Unterschied: Manning bringt wichtige Pässe an den Mann. Brady nicht. Manning besser. New York gewinnt. Kein Zufall, kein Freak-Ereignis, sondern starke Leistung vs. schwache Leistung. Starke Leistung gewinnt.

4) Tim Tebows Paß zu Demariyus Thomas in der Verlängerung gegen Pittsburgh. Das war ein Ergebnis von Pittsburghs Gameplan und Tebows Leistung. Die Steelers hatten den nachvollziehbaren Gameplan, das Laufspiel zu eliminieren und Denver zu zwingen, auf Tebows Arm zu vertrauen. Jeder, wirklich jeder, hat vor dem Spiel das für den ganz sicheren Schlüssel zu Pittsburghs Sieg gesehen. Auch völlig zu recht in meinen Augen. Aber Tebow hat gezeigt, daß er gegen 1-v-1-Coverage Bälle an den Mann bringen kann. Das hatte ihm keiner zugetraut. Er hat im ersten TD-Drive Pässe geworfen, die habe ich von Brady in den gesamten Playoffs nicht gesehen. Damit hat er Denver im Spiel gehalten. Mit denen hat er Denver überhaupt erst in die Overtime gebracht. Und die hätte er immer wieder gemacht. Tebows Pässe hätten Pittsburgh schlagen müssen, sie haben es getan. Starke Leistung und kein Zufall. (Seltsam, scheint wohl niemand seine beeindruckende Sugar-Bowl-Performance gegen Cincinnati oder auch andere College- und NFL-Spiele gesehen zu haben. Ja klar, tiefe Bälle in Ein-Mann-Deckung sind nicht die schwierigsten, aber solche Situationen sind das Ergebnis seiner Fähigkeiten als Runner. Und diese Bälle dann zu verwerten, ist bei Tebow in den Augen der Auguren ein Freak-Unfall, im Falle Cam Newtons die beste Rookie-Saison aller Zeiten. Aber das ist ein anderes Thema…)

5) Der Drop von Wes Welker. Zugegeben: wenn Welker den Ball fängt, steigen die Chancen, daß New England gewinnt. Aber, siehe 1): ausgemacht ist das nicht, vielleicht wirft Brady nach dem Catch eine Interception oder die Patriots machen nur ein Field Goal und Manning trotzdem einen Game Winning Drive. Jedenfalls, viel wichtiger ist der Umstand, daß es bei diesem Spielzug die einzige Blown Coverage der Giants gab. Das heißt, die Secondary war so unglaublich diszipliniert, daß bei keinem anderen Spielzug die Coverage versagt hat. Das ist entscheidend, wird aber kaum mehr beachtet, weil man es nicht richtig sehen kann. Und es gab keinen Missed Tackles. Missed Tackles sind auch so eine Sache: man sieht sie, wenn sie passieren. Aber es gibt nicht viel Respekt, wenn sie nicht passieren. Welker, Gronkowski und Hernandez haben mehr Broken/Missed Tackles verursacht, als je ein Trio zuvor in der NFL Geschichte. Im Super Bowl gab es nicht einen Broken/Missed Tackle. Das ist entscheidend. Das hat das Spiel gewonnen.

6) Der Fumble von Kylie Williams in der Verlängerung des NFC Championship Games. Williams hatte in diesem Spiel schon zwei Bälle gefumblet. Einen vorherigen Punt konnte er nicht fangen und er hat im ersten Viertel bei einem Reverse gefumblet. Gerade der Fumble beim Reverse wurde nach dem Spiel gar nicht mehr erwähnt. Der dritte Fumble ist kein Zufall. Wer schon zweimal den Ball verloren hat, sollte ihn nicht nochmal bekommen. Fehler Coaching Staff. (Daneben wär das Spiel nur anders ausgegangen, wenn San Fran nochmals gepunktet hatte, mit dieser Offense nur schwer vorstellbar. Die Giants hätte mit oder ohne Fumble gewonnen)

Nicht um mich falsch zu verstehen: ich bin als Erster aufgesprungen und habe am lautesten geschrieen, als Billy Cundiff daneben geschossen hat. Und als Williams den Punt gefumblet hat. Und als Welker den Ball nicht gefangen hat. Aber diese Spielzüge haben nicht das Spiel entschieden. Sie waren nur ein Teil des großen Ganzen. Mit ein wenig Abstand und bei tiefer gehender Analyse hat in jedem Playoffspiel die bessere Mannschaft gewonnen. Der Zufall hat in meinen Augen nur in einem Spiel eine gewichtige Rolle gespielt: daß Baltimore gegen TJ. Yates gespielt hat und nicht gegen Matt Schaub. Aber am Ende wären die Texans auch schlechter gewesen als New York und New England. Selten war eine Mannschaft so deutlich die kompletteste und beste wie in dieser Saison die New York Giants. Sie haben sich die Lombardi Trophy eindruckvoll erspielt, nicht zufällig erwürfelt.

Football ist nicht einfach, sondern kompliziert; Football ist nicht simpel, sondern komplex. Every single play matters. Darum ist Football der großartigste Sport der Welt.

Der ausgewürfelte Superbowlsieger

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen.

Diese meine spontanen Gedanken am Ende des Liveblogs zu Superbowl XLVI waren Anlass zu einiger Irritation und fordern mich zu einer Klarstellung heraus. Nein, dieser Satz bedeutet nicht, dass die New York Giants ein unverdienter Titelträger 2011/12 sind. Und nein, dieser Satz bedeutet auch nicht, dass die New York Giants reine Kinder des Glücks waren. Trotzdem sind sie ein eher zufälliger Superbowl-Sieger 2011/12.

Einer der faszinierenden Aspekte an der Sportart American Football ist, dass man sich im Rückspiegel häufig an einzelnen Situationen gegen Spielende aufhängen kann – und das mit Recht!

Denn wenn sich zwei Teams über vier Viertel und 60 Spielminuten auf fast exakt gleicher Augenhöhe begegnen, entscheiden oft Kleinigkeiten, Zufälle, glückliche Fügungen. Man kann dies sehr gut an den GWP-Charts („Game Winning Probability“/Sieg-Wahrscheinlichkeit) vom hoch geschätzten Brian Burke von Advanced NFL Stats ablesen: Eine Vierpunkteführung in der „Crunch Time“ ist mehr wert als eine Vierpunkteführung im ersten Viertel. Sie ist auch mehr wert als eine Zehnpunkteführung im ersten Viertel.

Und so ist ein geglücktes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds Line 3:59 Minuten vor Spielende bei Zweipunkteführung im Sinne der Sieg-Wahrscheinlichkeit auch wertvoller als ein gelungenes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds und zwei Punkten Vorsprung im – sagen wir – zweiten Viertel, respektive ein Scheitern im Schlussviertel verheerender als ein Scheitern irgendwo am Anfang der Partie.

Die Konzentration auf die Schlüsselmomente gegen Spielende ist also ebenso intuitiv wie mathematisch erwiesen und geht damit über den üblichen ESPN-Hype hinaus. Das bedeutet nicht, dass alles Vorherige unrelevant war, denn alles Vorherige bereitete das Feld für die Crunch Time und ist oft ebenso mit Zufällen besät wie der entscheidende Moment himself.

Anders gesagt: Die Gesamtleistung eines Mannings wird durch die Comeback-Drives im Schlussviertel nicht unbedingt sehr viel besser. Sie wird jedoch wertvoller. Das ist – um ganz kurz abzuschweifen – auch das interessante beim simultanen Betrachten von Pro Football Focus, das versucht, jeden Spielzug unabhängig der Situation gleich zu gewichten und damit der blanken Leistung Beachtung schenkt, und Advanced NFL Stats, das aufgrund der Einbeziehung des Kontexts dazu neigt, die Crunch Time – sofern eine Partie darauf hinausläuft – deutlich höher zu bewerten, weil es den Einfluss eines Spielers auf den Spielausgang misst.


Superbowl XLVI war so ein enges, hart umkämpftes Spiel zweier sehr, sehr guter Footballmannschaften, das spätestens im dritten Viertel erkennbar auf einen Furz als Entscheidungsfinder („Tie-Breaker“ ist angesichts des Spielstandes nicht ganz korrekt, gefühlt aber zutreffend) hinauslaufen musste.

Stark reduziert ist die Analyse des Superbowls ebenso populistisch wie tiefschürfend: Die Giants haben den einen Fehler der Patriots (Welkers Drop) genutzt, die Patriots den großen Fehler der Giants (Bradshaws Touchdown) nicht.

Hätte Welker den Catch gemacht, die Patriots hätten das Spiel so gut wie eingetütet gehabt (mit Drop 74%, ohne Drop wären es 98% gewesen!). Wer findet, kann einen anderen Moment herausheben. Was die Sache mit Welker aber einen Tick brisanter macht: Dieser neben Belichicks Anti-Management völlig spiel(mit)entscheidende Augenblick war ein „unforced error“. Der Giants-Beitrag zum Welker-Drop geht nicht über einen in der Wurfbahn stehenden Abwehrspieler hinaus: Welker war meterweit ungedeckt und man kann angesichts der Klasse der Protagonisten erwarten, dass sowohl Brady den Wurf platziert, als auch Fangwunder Welker das Ei zu pflücken vermag – trotz dieses einen Männleins.

Beides geschah in jenem Moment nicht. Für beides konnten die Giants herzlich wenig. Deswegen fällt der Giants-Sieg aus Giants-Sicht trotz der sehr guten Mannschaftsleistung zu einer großen Portion in die Kategorie des Zufalls, der glücklichen Fügung, was aufgrund der schieren Ausgeglichenheit der Mannschaften nicht mit „verdient“ oder „unverdient“ gleichzusetzen ist.

Hell, alle drei der abschließenden NFL-Partien dieser Saison wurden durch „unforced errors“ wenn nicht entschieden, dann doch extrem stark beeinflusst. Das verkickte Field Goal der Ravens. Das entnervte Knie des Kyle Williams. Der Drop des Wes Welker. Eine einzige Situation, die anders ausgeht, und wir haben, obwohl die Leistung haargenau gleich gut war, keinen Superbowl-Champ Giants.

Wir waren gar nicht so weit von einem 2-0 Endspielsieg der Baltimore Ravens über San Francisco entfernt wie wir glauben, und jeder der beiden wäre a) ein verdienter und b) ein zufälliger Ringträger gewesen.

Super Bowl 46 – Würdigung New York Giants

In vielen Nachbetrachtungen ist jetzt zu lesen, daß die New York Giants besonders glücklich gewesen wären und von vielen Zufällen profitiert haben. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Eher ist es so, daß sie gerade zu Saisonbeginn sehr viel Pech hatten. Vor allem Verletzungspech. Aber sie haben an ihr Konzept und an sich selbst geglaubt und sind ein würdiger Super Bowl Champion.

Schon bevor der erste Snap der Regular Season gespielt wurde hat sich Terrell Thomas, der als No.2-CB eingeplant war, mit einem Kreuzbandriß auf IR verabschiedet. Unglücklicherweise brach sich zusätzlich auch noch der hochgehandelte Rookie Cornerback Prince Amukamara das Bein und fiel bis November aus. Die ohnehin schwache Offensive Line verlor mit Left Tackle Will Beatty im November ihren besten Mann; sein Ersatz Stacy Andrews mußte kurz darauf die Segel streichen. So mußte der schon als Guard überforderte David Diehl wieder den Left Tackle geben. Kurz vor dem ersten Saisonspiel riß auch das Kreuzband von MLB Jonathan Goff, für den die Rolle des defensiven QBs vorgesehen war. Weil auch Michael Boley einige Wochen verletzt aussetzen mußte, haben die G-Men einige Spiele mit drei Rookies im Linebacking-Corps gespielt. Matthias Kiwanuka konnte dort nicht spielen, denn er wurde als Defensive End gebraucht, da auch die essentiell wichtigen Justin Tuck und Osi Umenyiora von Verletzungen nicht verschont blieben. Um dem noch die Krone aufzusetzen, ist auch 2nd-rd pick Marvin Austin schon im August auf IR gelandet.

Auf der anderen Seite des Balles hat das für Big Blue so wichtige Laufspiel nicht nur unter den Verletzungen der O-Line gelitten, sondern auch unter der verletzungsbedingten Abwesenheit von Ahmad Bradshaw. Domenix Hixon, als Nr.3-WR vorgesehen hat sich in Woche 2 ins Lazarett verabschiedet. Das war nicht so gravierend, weil dann Victor Cruz in die Bresche sprang, aber gerade in seinen ersten Wochen hat er neben Big Plays auch teilweise hahnebüchene Genickbrecher produziert, die dann unter anderem zu dieser komischen Niederlage im Freak Unfall gegen die Seahawks geführt haben. Hixon hat dann schon mehr gefehlt, als auch Mario Manningham und Hakeem Nicks mehrere Spiele verpaßt haben.

Als New York dann immer mehr ihrer verletzten Spieler an Board hatte oder sich mit den Ersatzleuten eingespielt hatte, wurden auch die Leistungen deutlich besser. Nach drei November-Niederlagen in Folge (gegen die 49ers, Eagles und Saints – keine schlechten Teams) hat Big Blue in Woche 13 ein erstes lautes Ausrufezeichen gesetzt mit ihrem couragierten Auftreten in einer denkbar knappen Niederlage gegen die Packers. In der folgenden Woche, in der nach einem noch besseren Auftritt der Divisionsrivale Dallas niedergerungen wurde, stand hier am 14. Dezember Folgendes zu lesen:

Die Giants können jeden schlagen. Sie sind deutlich besser als ihr 7-6-record vermuten läßt. Wenn nicht nur JPP so spielt, sondern auch Tuck noch eine Schipee drauflegt, was er talentmäßig durchaus kann, und Osi Umenyiora wieder topfit ist, kann auch diese Defense wieder jedem Angriff Kopfschmerzen bereiten. In den letzten zwei, drei Spielen hat auch das Laufspiel endlich gezeigt, daß es gar nicht so unterirdisch ist. Mit Nicks, Manningham, Cruz und Ballard hat man dazu Paßempfänger, die immer für ein Big Play gut sind. Und ein Eli Manning in dieser Verfassung kann die Giants überall hin führen…

So ist es dann auch gekommen. Nach einem kurzen Rückschlag gegen die Redskins gewannen die G-Men bis zum vergangenen Sonntag sechs Do-or-Die-Spiel in Folge. Die ersten vier davon mit einem kumulierten Score von 121 zu 50. Nicht daß die jeweiligen Gegner Laufkundschaft gewesen wären, es handelte sich um den Stadtrivalen Jets, den Erzfeind Cowboys, den No.5 Seed Atlanta, den No.1 Seed Green Bay, den No.2 Seed San Francisco und den No.1 Seed der AFC – New England. So ganz ohne ein wenig Glück wäre vielleicht auch ein Spiel davon verloren gegangen. Aber der Respekt über einen der beeindruckendsten Streaks der letzten Jahre sollte deutlich überwiegen. Über keines dieser Spiele kann man das Urteil unverdient sprechen.

Über die Leistungen von Eli Manning habe ich oft genug geschrieben, das muß hier nicht wiederholt werden. Nur soviel: das beeindruckendste an Eli ist seine Entwicklung, die er durchlaufen hat. Von einem überforderten Jüngling, der in seinen erratischen Leistungen oft zwischen dämlich und ängstlich geschwankt hat, ist in einem langsamen, aber steten Prozeß ein hervorragender Quarterback und Leader geworden, der seine Mannschaft trägt, immer im Spiel hält und auch mal eines (und zwei und drei…) alleine gewinnen kann. Und das alles in New York. Das wohl schwierigste Umfeld, das man einem Quarterback antun kann.

Besonders gewürdigt werden muß auch das Management. Gerade bei diesem Druck, dem Mannschaft und Coach im Big Apple ausgesetzt sind, trotz manchmal ausbleibender Siege und Playoff-Teilnahmen an Coughlin und dem Konzept festzuhalten, hätten einige andere aufgeregte Besitzer und Manager wohl nicht durchgehalten. Die Giants beweisen, daß sich eine durchdachte langfristige Strategie auszahlt – manchmal zwar erst langfristig, aber zwei Lombardi Trophies sind es allemal wert.

Abseits der Giants noch ein anderer Gedanke: jedes Spiel der Regular Season ist wichtig, vielleicht ein banaler Gedanke, aber in den Stories über “heiß sein zu rechten Zeit” ein wenig untergegangen. Hätten die Saints sich nicht zwei unerklärliche Auszeit gegen die Bucs und Rams (!) gegönnt, hätten sie den Heimvorteil in den Playoffs gehabt – und wohl kaum in ihrem Dome gegen die 49ers verloren. Und wahrscheinlich auch nicht gegen irgendeine andere Mannschaft in einem Dome. Die beiden Spiele waren vielleicht das größte Glück für die Giants. (Die Head Coaches von Tampa und St. Louis wurden nach der Saison gefeuert. Ironischerweise ist Raheem Morris jetzt bei New Yorks Divisionsrivalen aus Washington untergekommen. Und noch ironischer: Ex-Rams HC Steve Spagnuolo, der als DC der Giants 2007/08 einen Ring gewann, ist in der kommenden Saison DC der Saints.)

Super Bowl XLVI – Beobachtungen

Es war nicht sein allerbestes Spiel, aber Eli Manning hat – jaja, diese Platte hat einen Sprung – die wichtigen Plays gemacht. Als die Giants mit 3:46 Minuten auf der Uhr an New Englands 12-Yard-Linie mit zwei Punkten Rückstand ihren letzten Drive begannen, hab ich gedacht, die Situation ist zu perfekt. Das kann gar nicht passieren, daß Eli das wieder macht. Manchmal hab ich immer noch den “alten” Eli vor Augen, wenn ich ihn so sehe mit seinen schmalen Schultern, dem fast ängstlichen Blick im zerknautschten Gesicht und dieser irgendwie unmotiviert wirkenden Attitüde.

Und dann wirft er einen der besten Pässe der Super-Bowl-Geschichte. Besser kann man einen Ball nicht werfen und besser kann man einen Comeback-Drive auf der größten Bühne des Jahres nicht beginnen. Besser fangen als Mario Manningham natürlich auch nicht. Im letzten Drive bringt Manning 5 von 6 Pässen für 74 Yards an den Mann.

Der Touchdown von Ahmad Bradshaw sah ziemlich lustig aus, nur leider hat dabei wohl sein Bauch gegen den Kopf gewonnen. Hinfallen wäre die richtige Entscheidung gewesen. Völlig unverständlich der Entscheidungsfindungsprozeß New Englands: warum wird nicht schon der vorherige Lauf Bradshaws durchgelassen? So hätte man 66 Sekunden und zwei Timeouts für den letzten Drive gehabt, statt 57 Sekunden bzw. eine Auszeit.

Brady hatte wieder eines seiner komischen Brady-Spiele. Phasen, in denen er wie ein Chirurg blitzsauber operiert und mit 16 Completions in Folge einen Super-Bowl-Rekord aufstellt wechseln sich mit Phasen ab, in denen er völlig neben sich steht. Die Interception sticht natürlich besonders heraus: nicht nur, daß er den Ball herschenkt. Gronkowski hatte den LB hinter sich gelassen, Brady muß ihn nur irgendwie Richtung Endzone werfen und das ist ein sicherer Touchdown. Genauso verstörend war seine Entscheidung über die Line of Scrimmage zu laufen, sich dann wieder umzudrehen und sich im Zustand eines aufgescheuchten Huhnes fast den Kopf abreißen zu lassen (die Situation, in der er seine Schulter verletzt hat). Auch der Paß, den Welker dummerweise nicht festhält, ist ein schlechter Paß: wenn Brady den richtig wirft, so wie Brady den früher auch immer geworfen hätte, ist das ein TD.

Die Offensive Line hat überraschend gut ausgesehen gegen den Giants-Pass-Rush. Vor allem in der ersten Hälfte. In der zweiten Hälfte wurde es dann immer schlechter. LG Logan Mankings hatte das schlechteste vierte Viertel seiner Karriere. Zweimal läßt er ohne Gegenwehr Chris Canty zu Brady durch und einmal riskiert er Law Firms Gesundheit, als er dem Verteidiger keine Gegenwehr leistet.

Was der versteckte Gamewinner für New York war, ist eines der Lieblingsthemen von korsakoff: Feldposition. New Englands Offense hatte immer sehr viel Grün vor sich, die Drives begannen an folgenden Yard-Linien: 6, 29, 20, 4, 21, 17, 20, 8, 20. Durchschnittlich also an der 16. Die Giants begannen ihre Drives im Schnitt an der eigenen 25. Fast 10 Yards Unterschied. Ein Grund dafür war die gute Leistung von Punte Steven Weatherford, der drei Punts innerhalb NEs 10-Yd-Line plazieren konnte.

Ein anderer Grund war New Englands Defense. Die war ganz solide, aber nicht so stark, wie sie jetzt mancherorts geschrieben wird. Das Problem war, daß sie die Giants nicht vom Feld bekommen haben. Big Blue hatte nur acht Drives; aber in jedem machten sie mindestens zwei 1stDowns; sechs produzierten mindestens drei 1st Downs. Das hat zu den 37 Minuten Ballbesitz geführt. Und die Patriots-D hat zwar nur 19 Punkte kassiert, aber in eben nur acht Drives. Das sind 2,375 Punkte/Drive, während es in der Regular Season nur 1,9 waren.

Nichtsdestotrotz war das eine Leistung, die eigentlich für einen Sieg hätte reichen müssen. Besonders gefallen haben Brandon Spikes, der mit einem Feuer spielt wie Ray Lewis, Gerard Warren, der in der zweiten Hälfte NYs Guards zerstört hat und CB Sterling Moore, der zwar nicht der beste Mann in Coverage ist, aber immer wieder Plays gegen den Ball macht. Leider war die Defensive Line in der ersten Hälfte lange nicht so gut wie gegen Baltimore, mehrere missed tackles von Vince Wilfork und Brandon Deaderick haben zu 70 Laufyards in Hälfte eins geführt.

Am Ende haben die G-Men das durchaus verdient gewonnen, nicht durch übermäßiges Glück. Die dämlichen Drops von Welker/Branch und die von New York gesicherten Fumbles wurden ausgeglichen durch die dämlichen Strafen der O-Line bei dritten Versuchen, zwei nicht gegebene Pass Interferences, die oftmals gepfiffen werden und die Verletzungen der wichtigen Tight Ends Ballard und Beckum. Gronkowski sah bei den meisten Plays übrigens ganz gut aus, wenn auch nicht bei allen. Man darf nicht vergessen, daß Gronk auch topfit nicht der allerschnellste ist.

Superbowl XLVI im Liveblog: New England Patriots – New York Giants

Dogfood bei Allesaussersport bloggt live mit. Wie auch die New York Times. Und der Guardian.

[04h43] Abschließend noch eine leise Anmerkung zur Übertragung bei SAT.1. Nach drei Stunden wird es irgendwann schwer zuzuhören, wenn jeder Catch das größte Play seit Erfindung der Weißwurst ist und Schreiarien folgen. Christopher D. Ryan setzte seine Arien im rechten Moment ein, die Italiener kriegen sich bei Touchdowns minutenlang nicht ein, aber nicht wenn Nicks in der fünften Minute den ersten Allerweltscatch macht. Daher bin ich nun auch müde und froh, keinen Sound mehr hören zu müssen.

[04h26] Man darf nun gespannt sein, wie der Stratege Belichick in der Offseason die Mannschaft umbauen wird. Der Kern in der Offense steht (Welker ist allerdings Free Agent), jedoch gibt es eklatanten Nachholfbedarf in der Defense. Es ist ohnehin ein Wunder, und ein großes Verdienst Belichicks, dass man trotz so vieler Abgänge und so weniger Verstärkungen in der Defense in den letzten beiden Jahren 27-5 Siege in der Regular Season einfahren konnte.

[04h13] Eli Manning wird MVP – eine simplifizierte Wahl in einem Spiel ohne herausragende Gestalt. Vielleicht hätte man Pierre-Paul den MVP geben können; oder Welker.

[04h07] Endstand New England Patriots 17, New York Giants 21.

Da geht natürlich auch der erste „reinrassige“ (O-Ton Buschmann) deutsche Superbowl-Champ den Bach runter. Verschenkter Titelgewinn für die New England Patriots, die sich erst mit Butterfingern ihrer wichtigen Offensivspieler (WR Wes Welker/WR Deion Branch) im entscheidenden Moment plagen mussten und dann die Pistole zückten und sich mit dem sinnfreien Clock Management ganz laut in die eigenen Knie schossen. Spätestens als die Giants in der RedZone waren, hätte man die Giants durchlaufen lassen müssen. Dass man es nach den verbrannten Timeouts erst mit knapp einer Minute machte, wird Belichick noch lange verfolgen und dürfte eine der schwärzesten Stunden dieses Coaches sein. Sei’s drum: Die Pundits bei ESPN haben nun tagelangen Diskussionsstoff.

Für die Giants war es ein glücklicher Sieg, aber aufgrund des erneuten Comebacks Eli Mannings trotzdem kein farbloser. Manning wirkte wieder sehr souverän in der Crunch Time, dieser rattenscharfe 38-Yarder für Manningham war einer der besten Plays am heutigen Tag. Am Ende konnte man eine waidwunde Defense locker ausspielen.

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen. Die Giants sind ein passender Champion einer NFL-Saison ohne eine wirklich herausragende Mannschaft. Ein Team, das sich mit einem wackeligen 9-7 gerade so in die Playoffs gewürgt hatte.

[03h53] Die letzte Hail Mary fällt zu Boden und die New York Giants gewinnen die Superbowl XLVI. Dieses Spiel wird einen dicken Kratzer am angeblich besten Coach aller Zeiten, Belichick, hinterlassen. Belichick, der die Giants viel zu spät in die EndZone traben ließ.

[03h50] Sie zucken noch. Branch verwertet das sehr lange 4th down. Nach dem nächsten Pass für Hernandez sind es 17sek und an der NE 42. Hail Mary Time.

[03h49] Die Patriots ergeben sich wehrlos in ihr Schicksal. Drop Hernandez, Sack gegen Brady und dann lassen sie sekundenlang die Uhr runtertickern, ehe das letzte Timeout genommen wird.

[03h43] New England 17, NY Giants 21/Q4 0:57. Während Buschmann völlig ausrastet und nicht wahrhaben will, dass die Patriots den intentionalen Touchdown aufgegeben haben (endlich!!), macht Bradshaw dem Elend ein Ende und setzt sich in die EndZone. Die Patriots haben nun 57 Sekunden Zeit, um per TD auszugleichen. Aber die Art, wie Belichick das gemanagt hat, wird für Kritik sorgen – zurecht.

[03h42] An Stelle der Patriots würde ich den Touchdown aufgeben. Eigentlich ein no brainer.

[03h38] Zwei Minuten vor Schluss sind die Giants an der NE18. Vielleicht sollten die Patriots die Giants durchlaufen lassen.

[03h34] Famoser Catch von WR Mario Manningham nach einem butterweichen Manning-Pass ganz dicht an der Seitenlinie. Die Giants sind an der Mitellinie; 3:39 geht es noch.

[03h32] Übler, sehr übler Drop von einem weit offenen WR Wes Welker in der RedZone; ausgerechnet der beste Ballfänger der Patriots. Anstelle von Punkten müssen die Patriots punten. 3:46 noch. Manning hat noch genügend Zeit und ein Field Goal reicht den Giants.

[03h29] Fünf Minuten vor Schluss verwertet #81 Hernandez ein weiteres 3rd down und für die Giants wird es langsam eng. Ein Field Goal bedeutete Fünfpunkteführung, ein Touchdown würde die Giants schon sehr tief unter die Erde schieben…

[03h26] Bei Twitter aufgeschnappt (und Quelle leider verloren):

„I know Nike does some crazy stuff, but the jerseys LSU and Alabama are wearing tonight are way out there.“

[03h22] Nächster Ausfall: Bei TE Jake Ballard (Giants) hält das Knie nicht mehr.

[03h19] Neuneinhalb Minuten vor Schluss wehrt #29 Sterling Moore wohl regelwidrig (weil Pass Interference) das 3rd down ab und Coughlin rastet an der Seitenlinie ob der dilettantischen Referees fast aus. Die Flaggen bleiben stecken, Patriots 9:24 vor Schluss tief in der eigenen RedZone mit der nächsten Angriffsserie.

[03h17] Nach einem suboptimalen, weil zu weich geworfenen Ball über die rechte Seite ist Manning erstmal so verwirrt, dass er sein zweites Timeout der zweiten Halbzeit verbrennen muss, um dem Delay of Game aus dem Weg zu gehen. Viele 3rd downs für die Giants in diesem Drive, weil ihnen die Patriots immer noch alle tiefen Optionen nehmen.

[03h03] Fassungslose Szene: Brady reißt sich los, feuert wie einst Manning den tiefen Ball das Spielfeld runter, aber dort steht nicht Tyree, sondern nur Gronkowski. Gronkowski wird von einem Defensive Liner Middle Linebacker #93 Blackburn abgedeckt und FÄNGT DEN BALL ab. Ungefähr so hirnrissiger Ball wie einst Manning. Zwei Plays später sind die Giants nochmal im Glück, fumbeln wieder und nehmen den Ball wieder selbst auf.

Drittes Viertel

[02h58] Mal schauen, was die Patriots jetzt aufbieten, nachdem die „Spread“-Aufstellungen so blendend funktioniert hatten und im letzten Drive sehr „enge“ Aufstellungen gemacht wurden, was prompt in die Hose ging.

[02h55] New England 17, NY Giants 15/Q3 0:35. Kleinigkeiten: Nicks fumbelt nach großem Raumgewinn den Ball, den die Giants aufnehmen können. Manning wird mal wieder beim dritten Down gesackt. Resultat: Wieder ein kurzes Field Goal für die Giants, diesmal ohne Hilfe der Stange reingewürgt.

[02h49] Brady für einmal unentschlossen, die Patriots müssen schnell wieder auf die Bank, die Giants mit exzellenter Feldposition – und Brady wird anscheinend wegen schmerzender linker Schulter nun untersucht. Hoyer soll sich warm machen!

[02h38] New England 17, NY Giants 12/Q3 6:43. Nachdem die Giants mühelos an die RedZone marschiert sind, kommt S #25 Pat Chung und knockt WR #88 Nicks mit einem hart an der Grenze zur Illegalität stehenden Hit raus, kommen die Patriots mit ihrem ansonsten „weichen“ Pass Rush einmal durch und schon müssen sich die Giants mit dem Trostpreis Field Goal zufrieden geben.

[02h28] New England 17, NY Giants 9/Q3 11:20. TD 11yds von #81 Hernandez. Zwei lange Raumgewinne für WR Ochocinco (!) links draußen und RB Green-Ellis über die rechte Seite, ehe die Patriots in der RedZone die entblößte Spielfeldmitte der Giants auseinandernehmen und einen locker aussehenden Touchdown machen, auch weil Brady viel Zeit zum Werfen bekommt. Sogar die Tackles der Giants saßen nun nicht mehr so 100%ig wie vor der Pause, Hernandez ließ den Safety beim TD z.B. abtropfen.

Brady im übrigen mit dem sagenhaften 16. komplettierten Pass in Serie. Wer hat eine deutsche Vokabel für „on fire“?

Halbzeit

[02h22] Ich habe nun noch einmal den Touchdown für Cruz gesehen und muss mich korrigieren: Der Ball war nicht abgefälscht, aber in ein extrem enges Fenster reingeworfen und im Nachfassen unter Kontrolle gebracht.

[02h15] Choreografie zur Halftime-Show sah nicht übel aus, aber da ich diese Musik für reine Talentvergeudung für diese schöne Stimme halte, schweige ich mich zum Rest aus.

[02h08] Die Zahlen zum Spiel:

Kategorie       NE       NYG
Ballbesitz      10:15    19:45
First Downs     10       12
Plays           27       35
Offensiv-Yards  182      177
Strafen         4-23     2-14

Gefühlt war das deutlicher als es die Zahlen sagen, wooooobei: Weit über die Hälfte der Patriots-Yards kamen in jenem großen Drive vor der Pause. Patriots mit mehr yds/Play, fast gleich vielen Yards. Beide Quarterbacks erst mit drei Incompletions: Manning 14/17 für 120yds, Brady 15/18 für 147yds, beide 1 TD und keine INT.

Ein Verletzungs-Update noch: Der Tight End der Giants, Travis Beckum, hat sich in der ersten Halbzeit also tatsächlich das Kreuzband gerissen.

Zweites Viertel

[01h58] (Ich habe den Wahrscheinlichkeits-Graphen verfolgt und deshalb nur mit einem Auge mitbekommen, dass SAT.1 die verbliebenen acht Sekunden nach dem Touchdown einfach mal vergaß zu senden)

[01h57] Patriots von der Schippe gesprungen, oder so. Die Giants sind die bessere Mannschaft, dominieren im Prinzip mit beiden Mannschaftsteilen und dann nehmen die Patriots dreieinhalb Minuten vor der Pause den Ball an der eigenen 3yds Line und spielen diese lupenreinen Drive zum Touchdown und Führung runter – und kriegen zum Start der zweiten Halbzeit als erste den Ball.

Die Giants können sich nicht viel vorwerfen, außer, dass sie sich zwei Drives mit Strafen selbst zerstört haben. Und dass sie einmal gefühlt umsonst gepuntet haben (4th and 4). Wird eine spannende zweite Halbzeit, da hier die „falsche“ Mannschaft führt. Passt aber wunderbar zum Gefühl vor der Partie: Es läuft alles anders als erwartet.

[01h47] New England 10, NY Giants 9/Q2 0:08. Woodhead, Catch über 4yds. M-a-s-s-i-v-e-r Patriots-Drive über 97yds (98.5yds mit der Strafe am Anfang) und plötzlich führen die Patriots kurz vor der Pause, obwohl sie bis dato fast an die Wand gespielt worden waren. Es war eine Kurzpassorgie der Patriots, deren größte Waffen heute TE Hernandez und WR Welker sind.
BTW SAT.1 hatte zum hirntotesten Zeitpunkt einen minutenlangen Spot über deren Jahreshighlights laufen, hätten den Touchdown um ein Haar verpasst und zum Catch noch immer keinen Ton.

[01h35] Ein lichter Moment für die Patriots: Brady entfleucht dem nahenden Druck und feuert auf den in der Mitteldistanz hängenden #87 Gronkowksi, der nach dem artistischen Catch einen richtig schönen Raumgewinn erhumpelt. Mal so auf die Uhr geschaut: Es sind keine drei Minuten mehr zu spielen.

[01h30] Belichick pustet erleichtert durch: Die Giants zerstören sich den zweiten Drive in Serie durch eine Strafe. Diesmal ein Holding gegen den Left Guard, der die übel Aufgabe hatte, DT #75 Wilfork allein abzublocken. Statt lockerem 1st down gibt es Punt, aber Belichick kann es nicht gefallen, wie die Patriots in der Defense alle Kreuzzeichen machen müssen, um heil rauszukommen – schon jetzt.

[01h24] Three’n’out für die Patriots, nachdem sie ein 4th and inches nicht ausspielen. Bradys Pocket bleibt unsicheres Land – beim Pass im dritten Versuch war Umenyiora wieder haarscharf dran und Sekunden vorher hatte Pierre-Paul seinen zweiten Ball heute geblockt.

[01h20] Jetzt ist es an den Giants, die sinnfreien Strafen zu kassieren. Nach einer haarscharf nicht gegebenen (ich meine: keine richtige Fehlentscheidung der Refs) Pass Interference gegen S #25 Chung sind die Giants zu 12t im Huddle. Resultat: Ein vielversprechend aussehender Drive endet im Punt. Obwohl: 4th and 4 an der NE41 hätte ich ausgespielt.

[01h13] Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist ein Drop von RB #44 Bradshaw eingangs des zweiten Viertel der erste inkomplette Pass für Eli Manning (erste 9 oder 10 Pässe alle komplettiert).

[01h05] New England 3, NY Giants 9/Q2 13:48. Die Giants-Defense kommt mit ihren „Speed-Rushes“ immer wieder soweit zu Brady durch, dass dieser schneller als gewollt werfen muss. #72 Umenyiora und #90 Pierre-Paul machen ordentlich Rabatz und so schaut nach einigen viel versprechenden Pässen zu Beginn des Drives am Ende nur das Field Goal heraus. Auffallend an der aggressiven Giants-Defense auch: Das Tackling ist stark.

Erstes Viertel

[01h00] Zum Ende eines recht flotten ersten Viertels kommen die Patriots in der Offense langsam in Schwung – soweit ich das gesehen habe ohne Vollmer, der beim Safety überrannt worden war.

Ein Wort zu SAT.1 zum Ende des ersten Viertels: Da sind besorgniserregend viele kleine faktische Fehler. Nicht viel Schlimmes, aber es lässt jedes Mal aufhorchen. Branch war nicht dreimal mit Brady im Endspiel. Es heißt „EndAround“ und nicht „Turnaround“ usw. und dass Chuck Norris schon jetzt ausgepackt wird… nun ja.

[00h51] New England 0, NY Giants 9/Q1 3:24. 2yds-TD für #80 Cruz im Nachfassen bei einem abgefälschten Ball. Besorgniserregendes Tackling der Patriots – und das eine Mal, als sie aggressiv auf den Ball gingen und einen Fumble rausschlugen und eroberten, waren 12 Mann am Feld! Belichick muss Sodbrennen bekommen.

[00h39] New England 0, NY Giants 2/Safety. Unglaublich. Brady spürt sachten Druck und wird panisch, wirft aus der eigenen EndZone einen tiefen Ball ins Niemandsland. Per Regel ist das ein Safety wegen Intentional Grounding.

[00h39]Erster Drive der Giants. Zuerst nur wenig Druck der Patriots und die Giants nutzen das mit vielen schnellen Pässen für Tight Ends, für Nicks und für Cruz. Als die Giants leise am field Goal anklopfen erst ein „Coverage Sack“ von #71 Daederick trotz wenig Drucks, und dann beim dritten Down bricht DE #95 Mark Anderson durch und stoppt Manning.

Pregame

[00h26] Coin-Toss: Die Patriots deferren, der Schiedsrichter weiß nicht, wie das Stadion in Indianapolis heißt und die Kommentatoren bei SAT.1 haben nicht zugehört 🙂

[00h24] Als letzten Guide bin ich so frei und stelle Herrmanns Tipps hier rein – hierauf ist zu schauen:

Giants

>Laufspiel (OC Gilbride hört niemals auf, Laufspielzüge anzusagen, auch wenn es überhaupt nicht funktioniert. Es sollte besser funktionieren, denn Eli kann nicht jeden 3rd&long verwandeln)

>Eli (hat Manning die gleiche Klasse wie in den letzten Wochen, vor allem under pressure?)

>Pressure/O-Line ( schafft es NYs OLine die Herren Wilfork/Love/Deaderick vor allem in der Mitte in Schach zu halten?)

>Coverage in der Mitte (stellen sie die Mitte zu, um Aaron Welkowski zu minimieren oder versuchen sie etwas anderes?)

>Tackling (mit schwachen Tackles von den LBs/Safeties können sie die Drei Großen NEs decken, wie sie wollen – sie werden untergehen)

Patriots

>Formationen/Personnel (6 O-Liner? die bekannte flexible 2WR/2TE/1TE-Aufstellung oder was anderes wie 3WR-sets, gerade in No-Huddle-Offense)

>Coverage (Safeties tief und „softe“ Zonenverteidigung gegen NYs Große Drei oder etwas aggressiveres mit Blitzes und Manndeckung?)

>Attack the outside! (gibt es zur Abwechslung mal ein größeres Einbinden der WRs der Außenlinie, die nie in Doppeldeckung sein werden oder gar mehrere Versuche, ganz tiefe Bälle zu werfen? Ochocinco, anyone?)

[00h20] Die Wette ist mit „Under“ gewonnen worden. 1:30 Minuten – astreine Performance.

[00h17] Damit zur Wette des Jahres: Wie schnell wird Kelly Clarksen den Star-Spangled Banner singen? Clarksen ist bekannt dafür, schnell zu singen. Bei all ihren öffentlichen Soloauftritten nie länger als 1:34 gebraucht. Mittelwert 1:31 Minuten. Markenzeichen: Ein recht kurz angezogenes „Home of the Brave“. Over/Under heute: 1:34 Minuten, weil Sternchen dazu tendieren, auf großer Bühne ein bissl mehr reinzulegen.

(Aguilera kreischte letztes Jahr 1:54min lang).

[23h47] Einen hab‘ ich noch vergessen – meinen Favoriten. Brian Burke/Advanced NFL Stats hat bei Fifth Down das Ergebnis seiner Superbowl-Simulation präsentiert. Um das 50/50 zu brechen, musste Burke auf die Tausendstelstelle runtergehen. Burkes System ist mein favorisiertes, weil das mit Abstand präziseste. Und damit verabschiede ich mich für ein paar Minuten, da Sabine für eine Minute nach Mitternacht die traditionellen Weißwürste zubereitet hat.

[23h37] Nach der Aufwärmrunde über den Tag starten wir nun offiziell in die Superbowl-Nacht. Belichick soll wie gewohnt auf die Größe des Events geschissen haben und in grauem Pulli auflaufen, womit die wichtigste Frage gleich eingangs geklärt wäre.

Die New England Patriots laufen ohne den langjährigen Running Back #33 Kevin Faulk auf, der inactive ist. Ebenso nicht spielberechtigt: QB Mallett, RB Vereen, LB Guyton. Das heißt wohl, der Mann, der heute Nacht vom Trainingsplatz verpflichtet wurde (Alex Silvestro/Rutgers) könnte active sein. Bei den Giants ist der bekannteste inaktive Mann LB Mark Herzlich, der sentimentale Favorit (Stichwort: Knochenkrebs), dessen Leistungen heuer besorgniserregend gewesen sein sollen.

Active: Der deutsche OT #76 Sebastian Vollmer und TE #87 Rob Gronkowskias expected. Bleibt abzuwarten, wie stark die beiden eingesetzt werden können.

Eingrooven in die Superbowl-Nacht

Die Superbowl-Vorschau von Herrmann gibt es hier.

Bei Allesaussersport groovt sich dogfood ebenso in die Superbowl-Nacht.


[23h20] Nachdem ich mich nun für die Uni als ausreichend vorbereitet betrachte und alles glaube, die interessanteren Storylines durchgebracht zu haben, werde ich ein Stockwerk tiefer wechseln, von wo ich bereits Stimmen vernehme, und in Kürze den Blogeintrag zum Spiel aufmachen.


Gratulation dem Superbowl-Champ!

[21h23] Hehe, da scheinen ganze Regionen vor Selbstvertrauen zu strotzen. Die Giants haben heute Nacht sich bereits auf ihrer Homepage als Superbowl-Champ feiern lassen, während beim NBA-Spiel zwischen Boston und Memphis anscheinend ein Werbespot, der den Patriots zum Superbowl-Sieg gratulierte, eineinhalb Mal ausgestrahlt wurde. Dann wurde der Spot schließlich beim zweiten Mal auf halber Länge abgebrochen. Der Spot ist bei Deadspin zu sehen!


EA Sports Madden-Simulation

[21h12] Geht es nach Madden NFL 2012, wird Superbowl XLVI ein hochspannendes Spiel. Madden lag beim Siegertipp in den letzten Jahren nur 2010/11 (Packers/Steelers) und *tadaaaa* 2007/08 (Giants/Patriots) daneben. Zum Spielvideo geht es hier entlang.


Brady und die schnelle Offense

[19h49] Der famose Chris Brown (Smart Football) ist mal wieder fremd gegangen und erklärt in einem wunderbaren Artikel für Slates „NFL-Roundtable“ die schnelle No-Huddle-Offense der New England Patriots, die Brady so meisterhaft beherrscht und die für einen konventionellen Quarterback schon aufgrund der schieren Länge der Spielzug-Bezeichnungen problematisch wären. Außerdem hervorgehoben: Die Variabilität der einzelnen Schachfiguren der Patriots-Offense, die man nichtmal mehr mit Schachfiguren vergleichen sollte, weil es sich abseits der Line und Brady um lauter Allrounder handelt. Schlussfazit:

If the Giants win the Super Bowl, they’ll have earned their rings.

Okay, Platitüde, aber: Sehr, sehr lesenswert das ganze.


AFC und NFC

[19h33] Wenn man sich die Superbowls der letzten Jahre durchschaut, dann brechen die New York Giants heuer einen Trend in der NFC, der damals 2002 begonnen hatte: Seit die Giants 2001 die Superbowl verloren hatten, war jedes Jahr ein anderes Team aus der NFC im Endspiel:

2002 Rams
2003 Buccaneers
2004 Panthers
2005 Eagles
2006 Seahawks
2007 Bears
2008 Giants
2009 Cardinals
2010 Saints
2011 Packers
2012 Giants

Eigentlich bizarr, denn man hatte nie das Gefühl, dass die Giants eine besonders dominante Mannschaft gestellt hätten. Eher die Sekundengenies, denn die Dynastien. Völlig konträr das Bild in der AFC:

2002 Patriots
2003 Raiders
2004 Patriots
2005 Patriots
2006 Steelers
2007 Colts
2008 Patriots
2009 Steelers
2010 Colts
2011 Steelers
2012 Patriots

Mit dem Ausreißer Raiders sind hier seit Jahren die Großen Drei unter sich: Patriots (5. Superbowl in 11 Jahren), Steelers (3), Colts (2).


Dit’n’dat-Superbowl

[18h17] Zur Superbowl-Geschichte gehören nicht nur Punkte, Touchdowns und Trophäen, sondern aufgrund des schieren Festtagscharakters in den Vereinigten Staaten („Superbowl Sunday, National Holiday“) auch unzählige Rundumerscheinungen, die wir zum Teil in dieser Woche schon angesprochen haben. Grantland hat die zehn denkwürdigsten Superbowls in Sachen „Trivia“ (Wissenswertes) zusammengestellt – von Nipplegate bis Purple Rain ist alles dabei, was an Randgeschichten zum Superbowl-Mythos gehört.


Super Bowl XLVI Prognose

[16h54] Selten habe ich mir so schwer getan, das NFL-Endspiel zu zerlegen. Es gibt zu viele Variablen vor dieser Partie, dass es fast schon einer Lotterie gleicht. Die Giants-Unkonstanz ist nur eine davon. Ich hatte vor dem NFC-Finale die Behauptung aufgestellt, dass die Leistungsexplosion nur schwer zu halten sein wird, und prompt flog Big Blue gegen einen nicht furchterregenden Gegner fast raus. Die Patriots sind ebenso ein Faszinosum, wirken phasenweise sehr leicht verwundbar, nur um im nächsten Moment über den Gegner drüberzufahren. Oder sie würgen sich gegen einen eigentlich besseren Gegner wie die Ravens durch.

Dazu kommt die Komponente Gronkowski. Ich habe mir gestern die Szene mit der Knöchelverletzung noch einmal angeschaut, das heißt: Ich musste wegschauen und kann mir kaum vorstellen, dass die Bänder halbwegs verheilt sind. Auf der anderen Seite war, als die Schwere der Verletzung von dessen Vater in den Zeitungen publik gemacht wurde, mein erster Gedanke: Bluff. Dass die Sache mit „high ankle sprain“ mir nichts, dir nichts so nebenbei in die Welt geplaudert wird, müffelt. Ohne eine Verschwörungstheorie anzetteln zu wollen, aber Belichick lässt es normalerweise nicht zu, dass über solche Internas geplaudert wird. Kann Gronkowski also den Erwartungen zum Trotz heute Nacht zu großer Form auflaufen? Ich würde angesichts der Bilder eher dagegen setzen, aber nichts ausschließen.

Wenn man sich durch die großen und kleinen Medien klickt, fällt völlig überraschend auf: Den anderen geht es mit ihrer Unsicherheit ähnlich. Eine Auswahl an starken Vorschautexten mit unterschiedlichen Prioritäten sei an der Stelle verlinkt:

Die Ungewissheit geht sogar soweit, dass die Football-Outsiders trotz klarer „Beweislage“ pro Patriots eher zu den Giants tendieren. Bei Spox tippen beide Experten auf die Giants. Benoit tippt auf die Giants. ORF-Amerikakorrispondent und NFL-Tippgenie Hanno Settele sagt gar einen Blowout pro Giants voraus. Nur Barnwell springt nach einem Hin und Her im letzten Moment auf den Patriots-Zug auf.

Mir geht es ähnlich. Eigentlich sind die Giants die insgesamt etwas komplettere Mannschaft. Eigentlich waren die Giants und sogar der blässliche QB Eli Manning in den letzten Wochen einen Tick besser in Schuss. Eigentlich sagt das Bauchgefühl New York. Aber in einer Partie, in der keine klaren Unterschiede zwischen beiden Kontrahenten auszumachen sind und die zumindest in der Erwartung auf den einen zusätzlichen Ballbesitz ankommen könnte, fällt es mir schwer, gegen meinen ursprünglichen Tipp aus dem Sommer zu setzen.

Patriots mit 7.


Drinking Game outgesourct

[16h00] Dieses Jahr hat Sideline Reporter leider kein Drinking Game zu bieten (der Betreiber wird morgen früh an der Uni mündlich geprüft), deshalb empfehle ich für die erfahrenen Trinker unter den Durstigen auf das offizielle Trinkspiel von Living With The Balls, immer mit der Bitte versehen, die eigenen Grenzen nicht aus den Augen zu verlieren.


[14h33] Info bei Allesaussersport aufgeklaubt: Die Kommentierung des World Feed wird nicht mit Nessler/Mayock passieren, sondern mit Kenny Albert und wie ich schon irgendwo gemutmaßt hatte mit Joe „really nice play“ Theisman. Damit bleibt uns verborgen, wie sich der Freak Mike Mayock in einer Laienkommentierung gemacht hätte, aber das Ringen um World Feed oder nicht World Feed gucken bleibt uns erspart.


Phantom mal zwei

[14h26] Dass Belichick etwas anders tickt, wissen wir. Dass Belichick nicht an erster Stelle im Kleider-Ranking steht, ist auch nichts Neues. Unbestritten sind auch seine großen Leistungen als Head Coach in der NFL – etwas umstrittener seine Methoden. Wer aber nach massiven Verlusten seiner Coordinators und vieler wichtiger Spieler über ein Jahrzehnt immer um den Titel mitspielt, gegen den hast du keine Argumente.

Nun haben Yahoo Sports und die New York Times diese Woche zwei Männer durchleuchtet, die im Gegensatz zu Weis, Crennel, Pioli, McDaniels und Mangini dem Fuchs Belichick stets treu geblieben sind. Die Männer heißen Ernie Adams (Stellenbeschreibung „Football Researcher“) und Berj Najarian (Stellenbeschreibung: N/A).

Zweimal eine lesenswerte Geschichte über zwei Männer, bei denen selbst die Patriots-Spieler rätseln, was sie denn so treiben.


Reißbrettplanung

[13h18] Eine Freundin hat im vergangenen Frühjahr mehrere Monate in Bloomington/Indiana gearbeitet (dort, wo der Hauptcampus der Indiana University steht). Der Eintagesreisebericht über Indianapolis sorgt nicht für glänzende Augen.

Indianapolis ist eine am Reißbrett geplante Stadt, Anfang der 1820er aus der Notwendigkeit einer zentralen Hauptstadt für den Bundestaat Indiana entstanden – und man sieht es an der Karte in der Wikipedia: „Zentral“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Keine US-Bundeshauptstadt liegt so haargenau im Herzen wie Indianapolis.

Kernpunkt der Stadt ist der „Monument-Circle“, ein Straßenring um ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen im amerikanischen Bürgerkrieg, und sämtliche Avenues rundherum sind in quadratischer Form 1A vom Inventor abgezeichnet aufgezogen worden. Die Endspielhalle von heute Nacht, das im Retrostyle gebaute Lucas Oil Stadium mit seinen sich öffnenden Glasfassaden hinter den EndZonen, steht downtown, nur wenige hundert Meter und einige Avenues vom Monument entfernt und ist als Stadion in der Innenstadt eine Anomalie in Zeiten, in denen die NFL Arenen mit riesigen Auslaufzonen in der Peripherie bevorzugt.

Wer übrigens mit Klugscheißerei glänzen will: Der Indy-Speedway steht nicht in Indianapolis, sondern in Speedway (harhar), einer Enklave in Indianapolis. Wäre das auch geklärt.


Das Geschacher um die Tickets

[11h54] Jack Bechta, ein NFL-Spieleragent, hat bei Nationalfootballpost über das Treiben von Teambesitzern, Managern, Coaches und Spielern und mit ihren Superbowl-Tickets geschrieben. Das Geschäft läuft so: Jede Franchise, die nicht am Endspiel teilnimmt und nicht Gastgeber ist, erhält ca. 1% der Eintrittskarten. Jede Franchise muss jedem Manager, Coach oder Spieler wenigstens 1-2 Karten zum Nennpreis (ca. $900) überlassen. Manche Owner binden die Verteilung der Karten aber an gewisse Bedingungen (Spieler muss am Tag X in Stadt Y sein, um die Karte abzuholen) mit der Hoffnung, dass es diesem zu viele Scherereien seien. Wer auch immer die Karte abholt oder nicht: Für den, der sie in den Tagen vor der Superbowl in den Händen hält, beginnt das ganz große Schachern, das Vertreiben der Superbowl-Tickets allein oder über Mittelmänner. Bei $ 6000 Schwarzmarktpreis für Superbowl-Eintrittskarten natürlich ein lukratives Geschäft, bei dem Owner, Spieler, Coaches und/oder Mittelmänner für mehrere Monate aussorgen können.

Vor Jahren ist Mike Tice (damals Vikes-HeadCoach) mal aufgeflogen – ich kann mich erinnern, dass es ein ziemliches Boohay gab und Tice eine zeitlang gebrandmarkt war. Schaut in der Retrospektive so aus, als sei Tice ein Bauernopfer gewesen. Laut Bechta geht das Treiben munter weiter, wird zwar nicht gern gesehen, aber gebilligt. Bechtas Tipp: Wer in die Superbowl will, nimmt einen schönen Scheck mit und treibt sich in diesen Tagen in den Hotel-Lobbys um das Endspielstadion herum. Die Chance auf ein Ticket ist definitiv gegeben.


MVP 2011/12

[09h32] Ebenso heute Nacht verliehen: Die individuellen Awards für die besten Spieler der Regular Season. Die Sieger:

MVP: Aaron Rodgers/Packers
Offensivspieler des Jahres: Drew Brees/Saints
Defensivspieler des Jahres: Terrell Suggs/Ravens
Rookie des Jahres, Offense: Cameron Newton/Panthers
Rookie des Jahres, Defense: Von Miller/Broncos
Comebackspieler des Jahres: Matthew Stafford/Lions
Coach des Jahres: Jim Harbaugh/49ers

Könnte man die Footballliga gleich auf zwei Positionen kürzen: Quarterbacks und Outside Linebackers. Übrigens sind zum zweiten Mal in Serie die ersten beiden Draftpicks auch gleich zu denn Rookies des Jahres gekürt worden (letztes Jahr Bradford/Suh). Weitere Kuriosität: Brees ist zum zweiten Mal Offensivspieler des Jahres, ohne in dem Jahr MVP geworden zu sein (2008/09 kratzte er Marinos Passrekord, den er heuer pulverisierte), eine Rarität, besonders für einen Quarterback.


Hall of Fame

[09h04] Die Wahl für die Hall of Fame brachte mal wieder einige Überraschungen und wäre es nicht so wurscht, könnte man sich darüber echauffieren. Mal sehen, wer drin ist: LT Willie Roaf (Chiefs), RB Curtis Martin (Patriots, Jets), LB Chris Doleman (Vikes, Falcons, 49ers), Cortez Kennedy (Seahawks), C Dermotti Dawson (Steelers), CB Jack Butler (Steelers). Martin hat eine ziemlich turbulente Lebensgeschichte, aber so wirklich als aufregenden Spieler hab‘ ich den nicht in Erinnerung.

Interessanter sind die Leute, die draußen bleiben mussten: Bill Parcells zum Beispiel, der HeadCoach, der von Team zu Team zog und jedes schlagartig verbesserte, mit den Giants zweimal die Superbowl gewann, mit dem ewigen Looser New England einmal verlor, die Jets wiederaufbaute, die Cowboys wiederaufbaute, den Dolphins einen kurzzeitigen Schub gab. Parcells‘ großes Problem: Er war ungeduldig. Ging meist zu einem Team, um zwei, drei Jahre vor Vertragsende zu kündigen oder sich zum GM zu befördern, ehe er kurz darauf wieder verschwand.

Andere, die draußen bleiben mussten: WR Cris Carter, ein sich jährlich wiederholendes Thema für den Mann mit den großartigen Zahlen, WR Tim Brown, der ein paar Jahrhunderte lang NFL spielte und Pässe von 21 (!) Quarterbacks fing, WR Andre Reed, RB Jerome Bettis, ein Sympathieträger, LB Kevin Greene, ein sehr „lauter“ Abwehrspieler und einstiger Walk-on bei Auburn, DL Charles Haley und DB Aeneas Williams.

Anm. In den Kommentaren wird zurecht angemerkt, dass LT Roaf vor allem aufgrund seiner Zeit in New Orleans als Hall of Famer gilt.


[07h10] Die NFL hat dieser Tage offiziell gemacht, was seit etlicher Zeit gemunkelt wurde: Ab kommender Saison gibt es noch mehr Donnerstagsspiele. Nach dem Season Opener folgenden ab Woche 2 bis Woche 15 Thursday Night Games im NFL Network, mit Ausnahme des Thanksgiving-Spieltags, das bei NBC kommt. Jede NFL-Franchise soll damit wenigstens ein Spiel pro Saison im landesweiten TV bekommen – keine schlechte Idee, wenn man sieht, wie vor allem zu Monday Night Football zuletzt hirnrissige Partien übertragen wurden, während grundsolide Teams leer ausgingen. Quelle: NFL.com


[07h01] Guten Morgen an einem frischen Sonntagmorgen. Meine Heimwetterstation spuckte zum Frühsport -22.3°C aus. Playoffwetter für die NFL, doch leider findet die Superbowl heute Nacht indoors, also in einer Halle, statt. Das soll uns die Freude nicht verderben, und so gibt es heute sachtes Eingrooven bis in die Abendstunden.

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 4: Von der Unternehmensphilosophie der New York Giants

Wenn ich über die Monate Franchises wie Detroit oder Arizona für intelligentes „Team-Building“ gelobt habe, so wird es drei Tage vor der Superbowl XLVI Zeit, den Scheinwerfer auf die New York Giants zu richten, wo die Beharrlichkeit und die Stetigkeit angesichts der rabiaten Presse vielleicht noch eine Stufe höher einzuordnen ist.

Vorausgeschickt: Die Giants sind eine der klassichen NFL-Franchises, gegründet in den 20ern und aufgrund des gleichnamigen Baseball-Teams (heute „San Francisco Giants“) offiziell mit dem Zusatz „Football-Giants“ versehen. In der Urzeit war man viermal NFL-Champ, lieferte heute hymnisch besungene Partien wie das NFL-Finale 1958 („The Greatest Game Of All Time“), gehörte in den 70ern jedoch zu den erfolglosesten Mannschaften.

Die 70er waren auch die Zeit, in der etwas weiter südlich, bei den Baltimore Colts, die zukünftigen klugen Köpfe von Big Blue geschult wurden: George Young und der berühmte Ernie Accorsi, Schützlinge des visionären Joe Thomas, dessen Philosophie so simpel gestrickt war, dass sie von Podolski stammen könnte:

Oberste Priorität ist: Finde deinen Quarterback. Und zwar nicht „einen“, sondern „deinen“. Du musst dir ob seiner Qualitäten 100%ig sicher sein. Hast du ihn, drafte Pass Rusher bis die Kälber fliegen lernen.

Vor Jahren lernte ich, dass bereits die große, von Young zusammengestellte Giants-Dynastie der 80er Jahre genau so funktionierte; als berühmteste Figur agierte mit dem OLB Lawrence Taylor (hierzulande bekannt aus Any Given Sunday) der noch heute als dominantester Abwehrspieler seiner Zeit angesehen wird, ein Mann, der das rare Kunststück zustande brachte, als Abwehrspieler zum NFL-MVP gewählt zu werden. Resultat: Zwei Superbowlsiege und etliche noch heute „zitierte“ Playoff-Klassiker.

Ach, und: Im Trainerstab des rastlosen HeadCoaches Bill Parcells waren zwei weitere uns heute bekannte Gesichter: DefCoord Bill Belichick und Tom Coughlin, der Positionstrainer der Wide Receivers.

Parcells‘ Trainerstab zerschlug sich Anfang der 90er, aber im Front Office der Giants setzte man weiterhin auf Kontinuität. Der greise Besitzer Wellington Mara war eine eigenartig kultige Gestalt, der man rückwirkend betrachtet so viel Gelassenheit in der Führung einer so großen Franchise an einem so unruhigen Ort gar nicht zugetraut hätte.

Nach GM Youngs Abgang übernahm der ähnlich gepolte GM Accorsi. Die Giants verschwanden zwar etwas von der Bildfläche, hatten aber mit Michael Strahan wenigstens „ihren“ großen Pass Rusher für die nächsten 15 Jahre gefunden. Trotzdem stehen die Jahre Ende der 90er und Anfang der 2000er etwas verloren in der Giants-Historie: Obwohl man als Spielmacher nur den Wandervogel und gefühlten Notnagel Kerry Collins zu bieten hatte, schaffte man es unter dem „kulturellen Mismatch“, HeadCoach Jim Fassel, 2000/01 ins Endspiel, das allerdings sang- und klanglos verloren ging.

Die Ära Coughlin/Manning

Irgendwann im Herbst 2003 war allen klar geworden, dass die implodierenden Giants einen Schnitt brauchten, zurück zu ihren Wurzeln mussten. Accorsi machte den Move und verpflichtete den als Diziplinfanatiker verschrieenen ehemaligen Giants-Assistenztrainer und Chefcoach der Jaguars, Tom Coughlin – kein Showman und charakterlich die Anti-These zum Bild von New York City.

Der Wiederaufbau auf dem Feld wurde um den noch blasseren QB Eli Manning versucht, den Bruder des damaligen NFL-MVPs Peyton Manning, und ein bereits zu Zeiten des Drafts verhasster Charakter, weil er sich die Freiheit genommen hatte, selbst zu bestimmen, wo er spielen wollte. Eine Ungeheuerlichkeit.

Das Theater um Manning in jenem April 2004 hatte noch eine weitere, wenig bekannte, aber vielsagende und wie die Faust auf Accorsis Auge passende Facette, die der NFL.com-Kolumnist Vic Carucci im Frühjahr 2006 durchleuchtete: San Diego – das Manning gegen dessen Willen gedraftet hatte – wusste, wie sehr Accorsi/Coughlin den Manning wollten; für einen Trade wurden abstruse Preise verlangt und die Giants waren bereit, alle Geschäftemacherei mitzugehen, bis auf die eine: Der junge, unbekannte DE Osi Umenyiora, in der damaligen Madden-Version mit einem unspektakulären Rating von 72 Punkten versehen, stand nicht zur Diskussion. Accorsi hätte sich eher die Pulsadern aufgeschlitzt, bevor er Umenyiora verkauft hätte. Da war es also wieder: Tue alles, um deinen Franchise-QB zu bekommen. Deine zweite Priorität: Pass Rusher.

Wenig später starb die Legende Wellington Mara, der Giants-Besitz wurde auf Sohnemann John überschrieben, einen noch unscheinbareren Kopf als Coughlin, Accorsi und Manning zusammen. John Mara kommt nicht wie ein Visionär daher, passt aber mit seinem bedingungslosen Bekenntnis für Kontinuität wie die Faust aufs Auge auf diesen komischen, biederen und vielleicht gerade deshalb doch inspirierenden Laden „Giants“.

Denn obwohl Manning lange Jahre stagnierte, obwohl die Giants November für Dezember aufs Neue kollabierten, obwohl Coughlin dreimal pro Jahr bei den Fans unten durch war und sein Kopf gefordert wurde: Owner Mara, GM Accorsi oder Nachfolge-GM Floyd Jerry Reese blieben selbst im größten Trubel cool. Vermutlich musste diese Franchise genau so geführt werden.

Verdienter Lohn war der fast zufällig errungene Superbowl-Sieg von 2007/08, ein innerlicher Reichsparteitag Triumph auch für Accorsi: Offizieller MVP war Manning. Aber der wahre wertvollste Part jener Mannschaft war die Defensive Line. Und rein zufällig war deren auffälligste, ja dominanteste, Figur – erraten – Defensive End Umenyiora.

Die Giants von 2011/12

Jener Umenyiora stand im vergangenen Sommer 2011 vor dem Absprung. Wir schreiben ein neues Kapitel Giant’scher Unternehmens-Führung, die konzeptionell trotz neuer Köpfe (der schwarze GM Reese hatte für Accorsi übernommen) immer noch unverändert blieb. Reese bekannte sich seiner Wurzeln und riskierte erst gar nicht, Umenyiora zu verlieren und bewahrte, nach unglücklich ausschauender Kaderpolitik voll ins Kreuzfeuer geraten, kühlen Kopf.

Als die Giants-Saison im November den gewohnten Lauf nahm und nach viel versprechendem Beginn mal wieder abzustinken drohte, schoben Mara, Coughlin und Reese die Probleme auf die lange Bank und verwiesen einfach auf den Faktor Geduld. Wenn erstmal wieder alle Pass Rusher gesund seien, wäre die Saison eh gerettet.

Und so stehen die Giants nun in der Superbowl und man tut sich erneut schwer, es wirklich rational erklären zu können; anstelle der Schlachtrufe für den Rauswurf Coughlins wird über seine eventuell kommende Wahl in die Hall of Fame diskutiert, Reese als großer Stratege und Mara als legitimer „neuer“ Wellington gefeiert.

Ich bin mir nicht sicher, wie ernst es der Giants-Führung über die Jahre mit ihrer Nibelungentreue für das sich jahrelang nicht recht weiterentwickelnde ewige Talent Manning und den knorrigen Coughlin war. Fakt ist aber, dass die beiden trotz aller Widrigkeiten niemals von einer offiziellen Giants-Stelle verbal angesägt worden waren.

Und so ist der wie schon vor vier Jahren überraschende Playoff-Lauf der Giants am Ende neben dem durchaus vorhandenen Freak-Faktor alles in allem auch ein Produkt jahrzehntelang konsequent durchgezogener Unternehmensphilosophie und ein Lohn für den unerschütterlichen Glauben an die Kontinuität.

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 8: Statt Pro Bowl

Morgen ist mal wieder Pro Bowl und weil die Spieler hauptsächlich nach Name, Fan Base und/oder früheren Leistungen ausgewählt werden, strafen wir ihn hier mit Nichtachtung. (Aller)Spätestens als Brandon Meriweather, der mit fürchterlichen Aussetzern jeden Patriots-Fan zur Weisglut getrieben hat, Starter im Pro Bowl wurde, hatte diese Veranstaltung jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Daneben hat auch das Spiel selbst überhaupt keinen Wert, da sich wohl kein Spiel weniger für eine All-Star-Veranstaltung eignet als American Football.

Wie dem auch sei: nachdem wir hier Anfang des Jahres schon die Sidelinereporter-Awards verteilt haben, stelle ich heute mein All-NFL-Team vor.

Offense

Quarterback: Drew Brees (Saints)
Brees ist über die gesamte Saison gesehen der beste QB gewesen. Neben den Rekorden hat er den anderen Anwärten Konsistenz voraus (gegenüber Manning und Brady) und die Fähigkeit, Comebacks anzuführen und Playoff-Spiele zu gewinnen (Rodgers). Darüber hinaus ist er der beste Quarterback bei den wichtigen 3rd Downs.

Running Back: Ray Rice (Ravens)
Fast am Ende der Saison, im AFC Championship Game, hat Joe Flacco erst gezeigt, daß er die Mannschaft tragen kann, wenn der Gegner Rumbling Ray Rice aus dem Spiel nimmt. Bis dahin lastete alles auf Rices Schultern – und die waren meistens breit genug: 4,7 Yards/Carry und 9,3 Yards/Catch für insgesamt mehr als 2000 Yards from Scrimmage (1364 Rushing, 704 Receiving) garniert mit 15 Touchdowns und nur zwei Fumbles.

Fullback: Vontae Leach (Ravens)
Die Fullbacks verlieren immer mehr an Bedeutung. Vontae Leach zeigt schon seit Jahren, wie wertvoll ein starker Fullback für jeden Ballträger und Quarterback (Blitz pick-up) sein kann.

Tight End: Rob Gronkowski (Patriots)
Der große böse Gronk hat die Tight-End-Position nicht revolutioniert, er ist mehr sowas wie ein Jason Witten Plus. Er blockt fast so gut wie ein Offensive Lineman und hat hat mehr als 90 Bälle gefangen. Sein größtes Plus ist aber, daß er die beste Redzone-Waffe der gesamten Liga ist; mit 15 TDs hat er dort auch einen neuen Rekord aufgestellt.

Wide Receiver: Larry Fitzgerald (Cardinals), Calvin Johnson (Lions) und Victor Cruz (Giants)
Spätestens seit seinem unglaublichen Playoffs 2008 halte ich Fitzgerald für den besten WR der Welt. In dieser Saison hat er von den Herren Skelton, Kolb und Bartel 80 Bälle für 1411 Yards gefangen. Man kann sich kaum ausmalen, was er mit einem guten QB reißen könnte. Wahrscheinlich etwas in der Region von Megatrons 96 Catches für 1681 Yards. In den Slot stellen wir Senkrechtstarter Cruuuuuz. Wenn man als Slot-WR pro Catch fast 19 Yards macht, stellt man jede Defense vor Riesenprobleme.

OT: Jason Peters (Eagles) und wo sind nur die ganzen starken Tackles hin (NFL)?
Peters hatte schon immer das Potential, hat sich aber regelmäßig wie eine WR-Diva aufgeführt und einige Spiele schmollend rumgestanden. Dieses Jahr war er mit Abstand der beste Offensive Tackle der Liga, weil er auch endlich mal konstant herausragend war. Der zweite Platz bleibt frei. Mir fällt niemand ein, der das ganze Jahr über konstant starke Leistungen gebracht hätte. Am ehesten könnte man dort wohl noch Joe Thomas (Browns) und Jake Long (Dolphins) hinstellen, die beide mit vielen kleineren und größeren Verletzungen zu kämpfen hatten. Interessant wird in der nächsten Spielzeit Jared Gaither (Chargers), der 2008 und 09 überragend spielte, dann in Baltimore unerwünscht war, in Kansas City landete, wo er aber auch unerwünscht war und nach einem False Start von Hitzkopf Haley gefeuert wurde. In den fünf Spielen für San Diego am Ende der Saison war er sofort wieder auf Top-Level. Insgesamt hab ich aber das Gefühl, daß es immer weniger dominierende Tackles gibt. Oder es gibt einfach zu viele gute Pass Rushers. Interessant ist diese Entwicklung, wenn man sieht, wie viele Tackles in den letzten fünf Jahren in den ersten beiden Runden gedraftet wurden und wie viele davon ihren Hype lange nicht erfüllen konnten.

Offensive Guards: Carl Nicks (Saints) und Josh Sitton (Packers)
Guards sind zum Bewerten mit die schwierigste Position. Gute Guards erkennt man in der Regel daran, daß sie nie auf ihren dicken Hintern liegen; daß sie 1-gegen-1 ohne Hilfe ihren QB vor den besten gegnerischen Tackles schützen; und daß sie im Laufspiel immer wieder ins second level kommen und sich dort einen LB vorknöpfen, um Platz für ihren RB zu schaffen. Dreimal Check bei Nicks und Sitton.

Center: Chris Myers (Texans)
Noch schwieriger zu evaluieren sind die Center. Die Wahl fällt hier auf Myers, weil er der Anker des besten Laufspiels der Liga ist und seine QBs sich in der Mitte der Pocket hinter ihm immer sehr sicher fühlen können.

Defense

Defensive Line: Terrell Suggs (Ravens), Jason Pierre-Paul (Giants), Justin Smith (49ers) und Sione Pouha (Jets)
Vielleicht sehen die Offensive Tackles auch nur so schlecht aus, weil es so viele gute D-Liner und Edge Rusher gibt. Neben den vier genannten spielen auch Richard Seymour (Raiders), Justin Tuck (Giants), Cameron Wake (Dolphins) Broderick Bunkley (Broncos), Jason Babin, Cullen Jenkins & Trent Cole (Eagles), DeMarcus Ware (Cowboys), Tamba Hali (Chiefs), Jared Allen (Vikings), Julius Peppers (Bears), Clay Matthews (Packers), Mike DeVito (Jets) und Andre Carter & Vince Wilfork (Patriots) in der ersten Liga. Und ich habe bestimmt noch welche vergessen.

Suggs und Smith sind die zwei besten Verteidiger der Liga. Haitian Freak JPP könnte schon im nächsten Jahr zu den beiden aufschließen und Pouha ist wohl der am meisten unterschätzte Verteidiger der NFL. Falls jemand nicht weiß, wie man Nose Tackle spielen muß – einfach ein Jets-Spiel ansehen.

Linebacker: Patrick Willis (49ers), Karlos Dansby (Dolphins) und Von Miller (Broncos)
NaVorro Bowman (49ers) hätte es auch verdient gehabt; James Harrison und LaMarr Woodley (Steelers) sind immer noch die besten Outside Linebackers, haben aber in dieser Saison zu viele Spiele verletzt oder gesperrt gefehlt. Willis ist der beste ILB der Liga: Instinkte, Speed, Disziplin, Antizipation – wie Ray Lewis in seinen besten Tagen. Dansbys Leistungen sind ein wenig untergegangen, nachdem die Dolphins das Jahr so schlecht begonnen haben, aber er wird immer (noch) besser und macht kaum Fehler. Miller ist mein Rookie of the Year. Stark als „echter“ OLB in Base-D und uoch stärker als reiner Pass Rusher in Nickel-Formationen. Mit ihm werden die Broncos noch viel Spaß haben.

Safety: Troy Polamalu (Steelers) und Ed Reed (Ravens)
Polamalu hat nach einer für seine Verhältnisse schlechten Saison 2010 wieder deutlich bessere – vor allem, weil diszipliniertere – Leistungen gebracht. Auch der andere Dauerbrenner in der Top-2 Safety-Rotation, Mr. Reed, hat wieder gezeigt, warum er immer wieder als Vorbild für alle anderen Safeties genannt wird. Er hat zwar nicht die ganz großen Interceptions gemacht wie im letzten Jahr. Aber das hat auch damit zu tun, daß er als Safety unter dem Shutdown-Corner-Syndrom leidet: niemand wirft mehr auch nur annähernd in seine Richtung.

Cornerback: Darrelle Revis (Jets) und Jonathan Joseph (Texans)
Revis ist immer noch die Benchmark für jeden Cornerback in der Liga. Joseph hat es schon in Cincinnati zu einiger Bekanntheit gebracht und war in der abgelaufenen Saison die große Stütze beim Turnaround der Texans-Secondary, die sich von unterirdisch zum Prädikat ziemlich gut katapultiert hat.

Special Teams: San Francisco 49ers.
Die Niners haben mit Andy Lee einen der besten Punter, der ihnen immer wieder gute Field Position verschafft. David Akers macht die Punkte, wenn die Offense in der Redzone stottert – also fast immer. Und ihre Return Teams um Ted Ginn, Jr. gehören ebenfalls zur Elite der NFL. Wenn er nur auch im NFC Championship Game hätte mitspielen können…

Super Bowl 2012 bei Sat.1

Lt. Meedia.de, das sich auf SportBILD beruft, wird Super Bowl XLVI (5.2.2012) nicht mehr in der ARD, sondern bei Sat.1 übertragen. Schade, weil die ARD in den letzten Jahren immer brauchbarere Superbowl-Sendungen geliefert hat, zuletzt gar recht schnörkellos aus Arlington, und IMHO zu Unrecht von Hardcore-Fanaten an den Pranger gestellt wurde.

Sat.1, das könnte nun heißen: Superbowl mit Werbe-Pausen en masse (wenn Sat.1 frei über die Werbepausen verfügen darf). Der Vertrag soll bis 2014 laufen, also für drei Superbowls. Von den Conference-Finals ist keine Rede.

UPDATE: Angeblich soll der Kommentator Frank Buschmann sein.