Superbowl XLV: Auf der Suche nach der besten Geschichte

Morgen werden die beiden Superbowl-Teilnehmer ausgespielt – will heißen: Es gibt im Moment noch vier mögliche Matchups und einige massive Storylines für das Endspiel. Welche ist die beste?

Ryan Bowl

Bears vs. Jets. Rex Ryan ist aktuell der Head Coach der New York Jets. Das war nicht immer so: Rex war als Kind Ballbub bei den Chicago Bears, und das nicht ohne Grund: Sein Dad ist der legendäre Buddy Ryan, einst Defensive Coordinator der Bears und Architekt der Bears-Defense Mitte der 80er, die als eine der besten und aufgund vieler Charakterköpfe auch als eine der geschichtsträchtigsten ever gilt und im Jänner 86 maßgeblich am einzigen Superbowl-Championat der Bears beteiligt war. Damit nicht genug: Buddy war als Defensive Coordinator auch am Superbowl-Sieg der Jets (1968) nicht „schuldlos“.

Obama Bowl

Bears vs. Steelers. Die beiden Teams eint trotz ihrer Tradition kaum gemeinsame Geschichte, außer, dass sie seit Äonen in Familienbesitz sind. Interessanter ist da schon der politische Faktor: US-Präsident Barack Obama kommt aus Chicago und ist naturgemäß Bears-Fan. Aber Obama dürfte auch nicht wenig Empathie für die Pittsburgh Steelers empfinden, schließlich war Steelers-Owner Art Rooney einer der ersten, die Obama im Wahlkampf öffentlich unterstützt haben.

Title Bowl

Oder so. Packers vs. Steelers. Der NFL-Rekordchamp Green Bay (13 Titel) gegen den Superbowl-Rekordchamp Pittsburgh (6 Ringe), etwas, wovon die Amerikaner gerne behaupten, das ware ein Matchup for the ages. Zwei Städte, die Football im Wappen tragen müssten. Es gibt noch andere Geschichten nebenbei: Die QBs Roethlisberger und Rodgers, die einst in ihren Drafts 2004 und 2005 übergangen worden sind, die Top-Offense der Packers gegen die Top-Defense der Steelers und ein paar persönliche Verlinkungen: Packers-Coach McCarthy stammt aus der Region um Pittsburgh. Und wer sich den Trainerstab der Packers anschaut, dem fällt der eine Name auf: Kevin Greene, einst testosterongeschwängerter Linebacker und Defensiv-Leader bei den Pittsburgh Steelers.

Favre Bowl oder Green Bowl oder Wild Card Superbowl

Je nachdem, wie man’s nimmt, und das sind nicht die einzigen Geschichtchen. Packers vs. Jets. Ein Superbowl-Matchup, bei dem Claudia Roth ihre hellste Freude haben würde: Die Farbe grün dominiert.

Zweiter Fun Fact: Es wäre eine Superbowl der AFC-#6 Jets gegen die NFC-#6 Packers – ein Novum und angesichts der Playoffgeschichte bis Mitte der 2000er eine Sensation. Es wäre gleichzeitig die erste Superbowl zweier Wildcard-Teams.

Das alles hat aber keine Chance gegen diese eine Geschichte: Im Frühjahr 2008 hatte Ted Thompson genug gesehen. Er jagte die Packers-Legende Brett Favre nach Jahren des Fang-mich-Spielchens vom Hof, um dem aufstrebenden QB Aaron Rodgers eine Chance zu geben. Eine Majestätsbeleidigung und um ein Haar GM-Selbstmord in Green Bay. Favre spielte sein Ego-Theater zum ersten Mal, wechselte beleidigt nach New York und wurde Jets-QB. Im Großen Apfel avancierte Favre erst zum Hero, als die Jets wie die kommenden Champs aussahen, und dann zum Sündenbock, als die Jets mit einer Niederlagenserie noch aus der Playoffzone flogen. Favre wiederholte sein elendiges Spielchen, und ging nach Minnesota, wo er eine Dummheit von der Superbowl entfernt war. Im vergangenen Sommer, 2010, Kapitel [bitte beliebige Zahl x>3 einsetzen], Favre auf dem letzten Halali für den Titelgewinn. Es wurde nichts.

Bei Packers vs. Jets würden Dallas die beiden Teams gegeneinander um den Titel spielen, die einst Favre vor nicht allzu langer Zeit im Streit und egogekränkt verlassen hat. Für mich storyline-mäßig gesehen das Top-Matchup für Superbowl XLV.

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