Sehnsucht nach dem Zauber der Vergangenheit

Für mich ist die Superbowl-Paarung 2019 Patriots gegen Rams ein Fall für „Wie alles begann“. Weiterlesen

Super Bowl 2018 im Liveblog: New England Patriots – Philadelphia Eagles

Schluss für diese Saison. Die Big 12 Conference hat Einzug in die NFL gehalten und für eine Super Bowl gesorgt, die in jeder Diskussion um die beste ever mithalten kann. 10 von 10 Punkten für das Spiel des Jahres. Weiterlesen

Super Bowl 2018: Die Aufwärmphase

[23h55] Die Sympathien in Amerika sind klar verteilt:

[23h03] Zum Stadion, in dem heute gespielt wird: US Bank Stadium, fertiggestellt 2016 und in seiner Form den spitzigen Eiszacken nachgeahmt, die sich Winter für Winter im Fluss zwischen den Twin Cities bilden. Das US Bank Stadium ist ein Dome, auch wenn die Vikings-Franchise es genau andersrum gewollt hatte: Entweder Freiluftstadion oder verschließbares Dach. Erstere Option wurde gekippt, weil der Staat kein öffentliches Geld für eine solche Arena bereitstellen wollte, die im Winter nicht für andere Events als Football genutzt werden kann. Letztere Option scheiterte am zu teuren Kostenvoranschlag. Weiterlesen

Der ausgewürfelte Superbowlsieger

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen.

Diese meine spontanen Gedanken am Ende des Liveblogs zu Superbowl XLVI waren Anlass zu einiger Irritation und fordern mich zu einer Klarstellung heraus. Nein, dieser Satz bedeutet nicht, dass die New York Giants ein unverdienter Titelträger 2011/12 sind. Und nein, dieser Satz bedeutet auch nicht, dass die New York Giants reine Kinder des Glücks waren. Trotzdem sind sie ein eher zufälliger Superbowl-Sieger 2011/12.

Einer der faszinierenden Aspekte an der Sportart American Football ist, dass man sich im Rückspiegel häufig an einzelnen Situationen gegen Spielende aufhängen kann – und das mit Recht!

Denn wenn sich zwei Teams über vier Viertel und 60 Spielminuten auf fast exakt gleicher Augenhöhe begegnen, entscheiden oft Kleinigkeiten, Zufälle, glückliche Fügungen. Man kann dies sehr gut an den GWP-Charts („Game Winning Probability“/Sieg-Wahrscheinlichkeit) vom hoch geschätzten Brian Burke von Advanced NFL Stats ablesen: Eine Vierpunkteführung in der „Crunch Time“ ist mehr wert als eine Vierpunkteführung im ersten Viertel. Sie ist auch mehr wert als eine Zehnpunkteführung im ersten Viertel.

Und so ist ein geglücktes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds Line 3:59 Minuten vor Spielende bei Zweipunkteführung im Sinne der Sieg-Wahrscheinlichkeit auch wertvoller als ein gelungenes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds und zwei Punkten Vorsprung im – sagen wir – zweiten Viertel, respektive ein Scheitern im Schlussviertel verheerender als ein Scheitern irgendwo am Anfang der Partie.

Die Konzentration auf die Schlüsselmomente gegen Spielende ist also ebenso intuitiv wie mathematisch erwiesen und geht damit über den üblichen ESPN-Hype hinaus. Das bedeutet nicht, dass alles Vorherige unrelevant war, denn alles Vorherige bereitete das Feld für die Crunch Time und ist oft ebenso mit Zufällen besät wie der entscheidende Moment himself.

Anders gesagt: Die Gesamtleistung eines Mannings wird durch die Comeback-Drives im Schlussviertel nicht unbedingt sehr viel besser. Sie wird jedoch wertvoller. Das ist – um ganz kurz abzuschweifen – auch das interessante beim simultanen Betrachten von Pro Football Focus, das versucht, jeden Spielzug unabhängig der Situation gleich zu gewichten und damit der blanken Leistung Beachtung schenkt, und Advanced NFL Stats, das aufgrund der Einbeziehung des Kontexts dazu neigt, die Crunch Time – sofern eine Partie darauf hinausläuft – deutlich höher zu bewerten, weil es den Einfluss eines Spielers auf den Spielausgang misst.


Superbowl XLVI war so ein enges, hart umkämpftes Spiel zweier sehr, sehr guter Footballmannschaften, das spätestens im dritten Viertel erkennbar auf einen Furz als Entscheidungsfinder („Tie-Breaker“ ist angesichts des Spielstandes nicht ganz korrekt, gefühlt aber zutreffend) hinauslaufen musste.

Stark reduziert ist die Analyse des Superbowls ebenso populistisch wie tiefschürfend: Die Giants haben den einen Fehler der Patriots (Welkers Drop) genutzt, die Patriots den großen Fehler der Giants (Bradshaws Touchdown) nicht.

Hätte Welker den Catch gemacht, die Patriots hätten das Spiel so gut wie eingetütet gehabt (mit Drop 74%, ohne Drop wären es 98% gewesen!). Wer findet, kann einen anderen Moment herausheben. Was die Sache mit Welker aber einen Tick brisanter macht: Dieser neben Belichicks Anti-Management völlig spiel(mit)entscheidende Augenblick war ein „unforced error“. Der Giants-Beitrag zum Welker-Drop geht nicht über einen in der Wurfbahn stehenden Abwehrspieler hinaus: Welker war meterweit ungedeckt und man kann angesichts der Klasse der Protagonisten erwarten, dass sowohl Brady den Wurf platziert, als auch Fangwunder Welker das Ei zu pflücken vermag – trotz dieses einen Männleins.

Beides geschah in jenem Moment nicht. Für beides konnten die Giants herzlich wenig. Deswegen fällt der Giants-Sieg aus Giants-Sicht trotz der sehr guten Mannschaftsleistung zu einer großen Portion in die Kategorie des Zufalls, der glücklichen Fügung, was aufgrund der schieren Ausgeglichenheit der Mannschaften nicht mit „verdient“ oder „unverdient“ gleichzusetzen ist.

Hell, alle drei der abschließenden NFL-Partien dieser Saison wurden durch „unforced errors“ wenn nicht entschieden, dann doch extrem stark beeinflusst. Das verkickte Field Goal der Ravens. Das entnervte Knie des Kyle Williams. Der Drop des Wes Welker. Eine einzige Situation, die anders ausgeht, und wir haben, obwohl die Leistung haargenau gleich gut war, keinen Superbowl-Champ Giants.

Wir waren gar nicht so weit von einem 2-0 Endspielsieg der Baltimore Ravens über San Francisco entfernt wie wir glauben, und jeder der beiden wäre a) ein verdienter und b) ein zufälliger Ringträger gewesen.

Super Bowl 46 – Würdigung New York Giants

In vielen Nachbetrachtungen ist jetzt zu lesen, daß die New York Giants besonders glücklich gewesen wären und von vielen Zufällen profitiert haben. Das kann ich so nicht nachvollziehen. Eher ist es so, daß sie gerade zu Saisonbeginn sehr viel Pech hatten. Vor allem Verletzungspech. Aber sie haben an ihr Konzept und an sich selbst geglaubt und sind ein würdiger Super Bowl Champion.

Schon bevor der erste Snap der Regular Season gespielt wurde hat sich Terrell Thomas, der als No.2-CB eingeplant war, mit einem Kreuzbandriß auf IR verabschiedet. Unglücklicherweise brach sich zusätzlich auch noch der hochgehandelte Rookie Cornerback Prince Amukamara das Bein und fiel bis November aus. Die ohnehin schwache Offensive Line verlor mit Left Tackle Will Beatty im November ihren besten Mann; sein Ersatz Stacy Andrews mußte kurz darauf die Segel streichen. So mußte der schon als Guard überforderte David Diehl wieder den Left Tackle geben. Kurz vor dem ersten Saisonspiel riß auch das Kreuzband von MLB Jonathan Goff, für den die Rolle des defensiven QBs vorgesehen war. Weil auch Michael Boley einige Wochen verletzt aussetzen mußte, haben die G-Men einige Spiele mit drei Rookies im Linebacking-Corps gespielt. Matthias Kiwanuka konnte dort nicht spielen, denn er wurde als Defensive End gebraucht, da auch die essentiell wichtigen Justin Tuck und Osi Umenyiora von Verletzungen nicht verschont blieben. Um dem noch die Krone aufzusetzen, ist auch 2nd-rd pick Marvin Austin schon im August auf IR gelandet.

Auf der anderen Seite des Balles hat das für Big Blue so wichtige Laufspiel nicht nur unter den Verletzungen der O-Line gelitten, sondern auch unter der verletzungsbedingten Abwesenheit von Ahmad Bradshaw. Domenix Hixon, als Nr.3-WR vorgesehen hat sich in Woche 2 ins Lazarett verabschiedet. Das war nicht so gravierend, weil dann Victor Cruz in die Bresche sprang, aber gerade in seinen ersten Wochen hat er neben Big Plays auch teilweise hahnebüchene Genickbrecher produziert, die dann unter anderem zu dieser komischen Niederlage im Freak Unfall gegen die Seahawks geführt haben. Hixon hat dann schon mehr gefehlt, als auch Mario Manningham und Hakeem Nicks mehrere Spiele verpaßt haben.

Als New York dann immer mehr ihrer verletzten Spieler an Board hatte oder sich mit den Ersatzleuten eingespielt hatte, wurden auch die Leistungen deutlich besser. Nach drei November-Niederlagen in Folge (gegen die 49ers, Eagles und Saints – keine schlechten Teams) hat Big Blue in Woche 13 ein erstes lautes Ausrufezeichen gesetzt mit ihrem couragierten Auftreten in einer denkbar knappen Niederlage gegen die Packers. In der folgenden Woche, in der nach einem noch besseren Auftritt der Divisionsrivale Dallas niedergerungen wurde, stand hier am 14. Dezember Folgendes zu lesen:

Die Giants können jeden schlagen. Sie sind deutlich besser als ihr 7-6-record vermuten läßt. Wenn nicht nur JPP so spielt, sondern auch Tuck noch eine Schipee drauflegt, was er talentmäßig durchaus kann, und Osi Umenyiora wieder topfit ist, kann auch diese Defense wieder jedem Angriff Kopfschmerzen bereiten. In den letzten zwei, drei Spielen hat auch das Laufspiel endlich gezeigt, daß es gar nicht so unterirdisch ist. Mit Nicks, Manningham, Cruz und Ballard hat man dazu Paßempfänger, die immer für ein Big Play gut sind. Und ein Eli Manning in dieser Verfassung kann die Giants überall hin führen…

So ist es dann auch gekommen. Nach einem kurzen Rückschlag gegen die Redskins gewannen die G-Men bis zum vergangenen Sonntag sechs Do-or-Die-Spiel in Folge. Die ersten vier davon mit einem kumulierten Score von 121 zu 50. Nicht daß die jeweiligen Gegner Laufkundschaft gewesen wären, es handelte sich um den Stadtrivalen Jets, den Erzfeind Cowboys, den No.5 Seed Atlanta, den No.1 Seed Green Bay, den No.2 Seed San Francisco und den No.1 Seed der AFC – New England. So ganz ohne ein wenig Glück wäre vielleicht auch ein Spiel davon verloren gegangen. Aber der Respekt über einen der beeindruckendsten Streaks der letzten Jahre sollte deutlich überwiegen. Über keines dieser Spiele kann man das Urteil unverdient sprechen.

Über die Leistungen von Eli Manning habe ich oft genug geschrieben, das muß hier nicht wiederholt werden. Nur soviel: das beeindruckendste an Eli ist seine Entwicklung, die er durchlaufen hat. Von einem überforderten Jüngling, der in seinen erratischen Leistungen oft zwischen dämlich und ängstlich geschwankt hat, ist in einem langsamen, aber steten Prozeß ein hervorragender Quarterback und Leader geworden, der seine Mannschaft trägt, immer im Spiel hält und auch mal eines (und zwei und drei…) alleine gewinnen kann. Und das alles in New York. Das wohl schwierigste Umfeld, das man einem Quarterback antun kann.

Besonders gewürdigt werden muß auch das Management. Gerade bei diesem Druck, dem Mannschaft und Coach im Big Apple ausgesetzt sind, trotz manchmal ausbleibender Siege und Playoff-Teilnahmen an Coughlin und dem Konzept festzuhalten, hätten einige andere aufgeregte Besitzer und Manager wohl nicht durchgehalten. Die Giants beweisen, daß sich eine durchdachte langfristige Strategie auszahlt – manchmal zwar erst langfristig, aber zwei Lombardi Trophies sind es allemal wert.

Abseits der Giants noch ein anderer Gedanke: jedes Spiel der Regular Season ist wichtig, vielleicht ein banaler Gedanke, aber in den Stories über “heiß sein zu rechten Zeit” ein wenig untergegangen. Hätten die Saints sich nicht zwei unerklärliche Auszeit gegen die Bucs und Rams (!) gegönnt, hätten sie den Heimvorteil in den Playoffs gehabt – und wohl kaum in ihrem Dome gegen die 49ers verloren. Und wahrscheinlich auch nicht gegen irgendeine andere Mannschaft in einem Dome. Die beiden Spiele waren vielleicht das größte Glück für die Giants. (Die Head Coaches von Tampa und St. Louis wurden nach der Saison gefeuert. Ironischerweise ist Raheem Morris jetzt bei New Yorks Divisionsrivalen aus Washington untergekommen. Und noch ironischer: Ex-Rams HC Steve Spagnuolo, der als DC der Giants 2007/08 einen Ring gewann, ist in der kommenden Saison DC der Saints.)

Super Bowl XLVI – Beobachtungen

Es war nicht sein allerbestes Spiel, aber Eli Manning hat – jaja, diese Platte hat einen Sprung – die wichtigen Plays gemacht. Als die Giants mit 3:46 Minuten auf der Uhr an New Englands 12-Yard-Linie mit zwei Punkten Rückstand ihren letzten Drive begannen, hab ich gedacht, die Situation ist zu perfekt. Das kann gar nicht passieren, daß Eli das wieder macht. Manchmal hab ich immer noch den “alten” Eli vor Augen, wenn ich ihn so sehe mit seinen schmalen Schultern, dem fast ängstlichen Blick im zerknautschten Gesicht und dieser irgendwie unmotiviert wirkenden Attitüde.

Und dann wirft er einen der besten Pässe der Super-Bowl-Geschichte. Besser kann man einen Ball nicht werfen und besser kann man einen Comeback-Drive auf der größten Bühne des Jahres nicht beginnen. Besser fangen als Mario Manningham natürlich auch nicht. Im letzten Drive bringt Manning 5 von 6 Pässen für 74 Yards an den Mann.

Der Touchdown von Ahmad Bradshaw sah ziemlich lustig aus, nur leider hat dabei wohl sein Bauch gegen den Kopf gewonnen. Hinfallen wäre die richtige Entscheidung gewesen. Völlig unverständlich der Entscheidungsfindungsprozeß New Englands: warum wird nicht schon der vorherige Lauf Bradshaws durchgelassen? So hätte man 66 Sekunden und zwei Timeouts für den letzten Drive gehabt, statt 57 Sekunden bzw. eine Auszeit.

Brady hatte wieder eines seiner komischen Brady-Spiele. Phasen, in denen er wie ein Chirurg blitzsauber operiert und mit 16 Completions in Folge einen Super-Bowl-Rekord aufstellt wechseln sich mit Phasen ab, in denen er völlig neben sich steht. Die Interception sticht natürlich besonders heraus: nicht nur, daß er den Ball herschenkt. Gronkowski hatte den LB hinter sich gelassen, Brady muß ihn nur irgendwie Richtung Endzone werfen und das ist ein sicherer Touchdown. Genauso verstörend war seine Entscheidung über die Line of Scrimmage zu laufen, sich dann wieder umzudrehen und sich im Zustand eines aufgescheuchten Huhnes fast den Kopf abreißen zu lassen (die Situation, in der er seine Schulter verletzt hat). Auch der Paß, den Welker dummerweise nicht festhält, ist ein schlechter Paß: wenn Brady den richtig wirft, so wie Brady den früher auch immer geworfen hätte, ist das ein TD.

Die Offensive Line hat überraschend gut ausgesehen gegen den Giants-Pass-Rush. Vor allem in der ersten Hälfte. In der zweiten Hälfte wurde es dann immer schlechter. LG Logan Mankings hatte das schlechteste vierte Viertel seiner Karriere. Zweimal läßt er ohne Gegenwehr Chris Canty zu Brady durch und einmal riskiert er Law Firms Gesundheit, als er dem Verteidiger keine Gegenwehr leistet.

Was der versteckte Gamewinner für New York war, ist eines der Lieblingsthemen von korsakoff: Feldposition. New Englands Offense hatte immer sehr viel Grün vor sich, die Drives begannen an folgenden Yard-Linien: 6, 29, 20, 4, 21, 17, 20, 8, 20. Durchschnittlich also an der 16. Die Giants begannen ihre Drives im Schnitt an der eigenen 25. Fast 10 Yards Unterschied. Ein Grund dafür war die gute Leistung von Punte Steven Weatherford, der drei Punts innerhalb NEs 10-Yd-Line plazieren konnte.

Ein anderer Grund war New Englands Defense. Die war ganz solide, aber nicht so stark, wie sie jetzt mancherorts geschrieben wird. Das Problem war, daß sie die Giants nicht vom Feld bekommen haben. Big Blue hatte nur acht Drives; aber in jedem machten sie mindestens zwei 1stDowns; sechs produzierten mindestens drei 1st Downs. Das hat zu den 37 Minuten Ballbesitz geführt. Und die Patriots-D hat zwar nur 19 Punkte kassiert, aber in eben nur acht Drives. Das sind 2,375 Punkte/Drive, während es in der Regular Season nur 1,9 waren.

Nichtsdestotrotz war das eine Leistung, die eigentlich für einen Sieg hätte reichen müssen. Besonders gefallen haben Brandon Spikes, der mit einem Feuer spielt wie Ray Lewis, Gerard Warren, der in der zweiten Hälfte NYs Guards zerstört hat und CB Sterling Moore, der zwar nicht der beste Mann in Coverage ist, aber immer wieder Plays gegen den Ball macht. Leider war die Defensive Line in der ersten Hälfte lange nicht so gut wie gegen Baltimore, mehrere missed tackles von Vince Wilfork und Brandon Deaderick haben zu 70 Laufyards in Hälfte eins geführt.

Am Ende haben die G-Men das durchaus verdient gewonnen, nicht durch übermäßiges Glück. Die dämlichen Drops von Welker/Branch und die von New York gesicherten Fumbles wurden ausgeglichen durch die dämlichen Strafen der O-Line bei dritten Versuchen, zwei nicht gegebene Pass Interferences, die oftmals gepfiffen werden und die Verletzungen der wichtigen Tight Ends Ballard und Beckum. Gronkowski sah bei den meisten Plays übrigens ganz gut aus, wenn auch nicht bei allen. Man darf nicht vergessen, daß Gronk auch topfit nicht der allerschnellste ist.

Superbowl XLVI im Liveblog: New England Patriots – New York Giants

Dogfood bei Allesaussersport bloggt live mit. Wie auch die New York Times. Und der Guardian.

[04h43] Abschließend noch eine leise Anmerkung zur Übertragung bei SAT.1. Nach drei Stunden wird es irgendwann schwer zuzuhören, wenn jeder Catch das größte Play seit Erfindung der Weißwurst ist und Schreiarien folgen. Christopher D. Ryan setzte seine Arien im rechten Moment ein, die Italiener kriegen sich bei Touchdowns minutenlang nicht ein, aber nicht wenn Nicks in der fünften Minute den ersten Allerweltscatch macht. Daher bin ich nun auch müde und froh, keinen Sound mehr hören zu müssen.

[04h26] Man darf nun gespannt sein, wie der Stratege Belichick in der Offseason die Mannschaft umbauen wird. Der Kern in der Offense steht (Welker ist allerdings Free Agent), jedoch gibt es eklatanten Nachholfbedarf in der Defense. Es ist ohnehin ein Wunder, und ein großes Verdienst Belichicks, dass man trotz so vieler Abgänge und so weniger Verstärkungen in der Defense in den letzten beiden Jahren 27-5 Siege in der Regular Season einfahren konnte.

[04h13] Eli Manning wird MVP – eine simplifizierte Wahl in einem Spiel ohne herausragende Gestalt. Vielleicht hätte man Pierre-Paul den MVP geben können; oder Welker.

[04h07] Endstand New England Patriots 17, New York Giants 21.

Da geht natürlich auch der erste „reinrassige“ (O-Ton Buschmann) deutsche Superbowl-Champ den Bach runter. Verschenkter Titelgewinn für die New England Patriots, die sich erst mit Butterfingern ihrer wichtigen Offensivspieler (WR Wes Welker/WR Deion Branch) im entscheidenden Moment plagen mussten und dann die Pistole zückten und sich mit dem sinnfreien Clock Management ganz laut in die eigenen Knie schossen. Spätestens als die Giants in der RedZone waren, hätte man die Giants durchlaufen lassen müssen. Dass man es nach den verbrannten Timeouts erst mit knapp einer Minute machte, wird Belichick noch lange verfolgen und dürfte eine der schwärzesten Stunden dieses Coaches sein. Sei’s drum: Die Pundits bei ESPN haben nun tagelangen Diskussionsstoff.

Für die Giants war es ein glücklicher Sieg, aber aufgrund des erneuten Comebacks Eli Mannings trotzdem kein farbloser. Manning wirkte wieder sehr souverän in der Crunch Time, dieser rattenscharfe 38-Yarder für Manningham war einer der besten Plays am heutigen Tag. Am Ende konnte man eine waidwunde Defense locker ausspielen.

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen. Die Giants sind ein passender Champion einer NFL-Saison ohne eine wirklich herausragende Mannschaft. Ein Team, das sich mit einem wackeligen 9-7 gerade so in die Playoffs gewürgt hatte.

[03h53] Die letzte Hail Mary fällt zu Boden und die New York Giants gewinnen die Superbowl XLVI. Dieses Spiel wird einen dicken Kratzer am angeblich besten Coach aller Zeiten, Belichick, hinterlassen. Belichick, der die Giants viel zu spät in die EndZone traben ließ.

[03h50] Sie zucken noch. Branch verwertet das sehr lange 4th down. Nach dem nächsten Pass für Hernandez sind es 17sek und an der NE 42. Hail Mary Time.

[03h49] Die Patriots ergeben sich wehrlos in ihr Schicksal. Drop Hernandez, Sack gegen Brady und dann lassen sie sekundenlang die Uhr runtertickern, ehe das letzte Timeout genommen wird.

[03h43] New England 17, NY Giants 21/Q4 0:57. Während Buschmann völlig ausrastet und nicht wahrhaben will, dass die Patriots den intentionalen Touchdown aufgegeben haben (endlich!!), macht Bradshaw dem Elend ein Ende und setzt sich in die EndZone. Die Patriots haben nun 57 Sekunden Zeit, um per TD auszugleichen. Aber die Art, wie Belichick das gemanagt hat, wird für Kritik sorgen – zurecht.

[03h42] An Stelle der Patriots würde ich den Touchdown aufgeben. Eigentlich ein no brainer.

[03h38] Zwei Minuten vor Schluss sind die Giants an der NE18. Vielleicht sollten die Patriots die Giants durchlaufen lassen.

[03h34] Famoser Catch von WR Mario Manningham nach einem butterweichen Manning-Pass ganz dicht an der Seitenlinie. Die Giants sind an der Mitellinie; 3:39 geht es noch.

[03h32] Übler, sehr übler Drop von einem weit offenen WR Wes Welker in der RedZone; ausgerechnet der beste Ballfänger der Patriots. Anstelle von Punkten müssen die Patriots punten. 3:46 noch. Manning hat noch genügend Zeit und ein Field Goal reicht den Giants.

[03h29] Fünf Minuten vor Schluss verwertet #81 Hernandez ein weiteres 3rd down und für die Giants wird es langsam eng. Ein Field Goal bedeutete Fünfpunkteführung, ein Touchdown würde die Giants schon sehr tief unter die Erde schieben…

[03h26] Bei Twitter aufgeschnappt (und Quelle leider verloren):

„I know Nike does some crazy stuff, but the jerseys LSU and Alabama are wearing tonight are way out there.“

[03h22] Nächster Ausfall: Bei TE Jake Ballard (Giants) hält das Knie nicht mehr.

[03h19] Neuneinhalb Minuten vor Schluss wehrt #29 Sterling Moore wohl regelwidrig (weil Pass Interference) das 3rd down ab und Coughlin rastet an der Seitenlinie ob der dilettantischen Referees fast aus. Die Flaggen bleiben stecken, Patriots 9:24 vor Schluss tief in der eigenen RedZone mit der nächsten Angriffsserie.

[03h17] Nach einem suboptimalen, weil zu weich geworfenen Ball über die rechte Seite ist Manning erstmal so verwirrt, dass er sein zweites Timeout der zweiten Halbzeit verbrennen muss, um dem Delay of Game aus dem Weg zu gehen. Viele 3rd downs für die Giants in diesem Drive, weil ihnen die Patriots immer noch alle tiefen Optionen nehmen.

[03h03] Fassungslose Szene: Brady reißt sich los, feuert wie einst Manning den tiefen Ball das Spielfeld runter, aber dort steht nicht Tyree, sondern nur Gronkowski. Gronkowski wird von einem Defensive Liner Middle Linebacker #93 Blackburn abgedeckt und FÄNGT DEN BALL ab. Ungefähr so hirnrissiger Ball wie einst Manning. Zwei Plays später sind die Giants nochmal im Glück, fumbeln wieder und nehmen den Ball wieder selbst auf.

Drittes Viertel

[02h58] Mal schauen, was die Patriots jetzt aufbieten, nachdem die „Spread“-Aufstellungen so blendend funktioniert hatten und im letzten Drive sehr „enge“ Aufstellungen gemacht wurden, was prompt in die Hose ging.

[02h55] New England 17, NY Giants 15/Q3 0:35. Kleinigkeiten: Nicks fumbelt nach großem Raumgewinn den Ball, den die Giants aufnehmen können. Manning wird mal wieder beim dritten Down gesackt. Resultat: Wieder ein kurzes Field Goal für die Giants, diesmal ohne Hilfe der Stange reingewürgt.

[02h49] Brady für einmal unentschlossen, die Patriots müssen schnell wieder auf die Bank, die Giants mit exzellenter Feldposition – und Brady wird anscheinend wegen schmerzender linker Schulter nun untersucht. Hoyer soll sich warm machen!

[02h38] New England 17, NY Giants 12/Q3 6:43. Nachdem die Giants mühelos an die RedZone marschiert sind, kommt S #25 Pat Chung und knockt WR #88 Nicks mit einem hart an der Grenze zur Illegalität stehenden Hit raus, kommen die Patriots mit ihrem ansonsten „weichen“ Pass Rush einmal durch und schon müssen sich die Giants mit dem Trostpreis Field Goal zufrieden geben.

[02h28] New England 17, NY Giants 9/Q3 11:20. TD 11yds von #81 Hernandez. Zwei lange Raumgewinne für WR Ochocinco (!) links draußen und RB Green-Ellis über die rechte Seite, ehe die Patriots in der RedZone die entblößte Spielfeldmitte der Giants auseinandernehmen und einen locker aussehenden Touchdown machen, auch weil Brady viel Zeit zum Werfen bekommt. Sogar die Tackles der Giants saßen nun nicht mehr so 100%ig wie vor der Pause, Hernandez ließ den Safety beim TD z.B. abtropfen.

Brady im übrigen mit dem sagenhaften 16. komplettierten Pass in Serie. Wer hat eine deutsche Vokabel für „on fire“?

Halbzeit

[02h22] Ich habe nun noch einmal den Touchdown für Cruz gesehen und muss mich korrigieren: Der Ball war nicht abgefälscht, aber in ein extrem enges Fenster reingeworfen und im Nachfassen unter Kontrolle gebracht.

[02h15] Choreografie zur Halftime-Show sah nicht übel aus, aber da ich diese Musik für reine Talentvergeudung für diese schöne Stimme halte, schweige ich mich zum Rest aus.

[02h08] Die Zahlen zum Spiel:

Kategorie       NE       NYG
Ballbesitz      10:15    19:45
First Downs     10       12
Plays           27       35
Offensiv-Yards  182      177
Strafen         4-23     2-14

Gefühlt war das deutlicher als es die Zahlen sagen, wooooobei: Weit über die Hälfte der Patriots-Yards kamen in jenem großen Drive vor der Pause. Patriots mit mehr yds/Play, fast gleich vielen Yards. Beide Quarterbacks erst mit drei Incompletions: Manning 14/17 für 120yds, Brady 15/18 für 147yds, beide 1 TD und keine INT.

Ein Verletzungs-Update noch: Der Tight End der Giants, Travis Beckum, hat sich in der ersten Halbzeit also tatsächlich das Kreuzband gerissen.

Zweites Viertel

[01h58] (Ich habe den Wahrscheinlichkeits-Graphen verfolgt und deshalb nur mit einem Auge mitbekommen, dass SAT.1 die verbliebenen acht Sekunden nach dem Touchdown einfach mal vergaß zu senden)

[01h57] Patriots von der Schippe gesprungen, oder so. Die Giants sind die bessere Mannschaft, dominieren im Prinzip mit beiden Mannschaftsteilen und dann nehmen die Patriots dreieinhalb Minuten vor der Pause den Ball an der eigenen 3yds Line und spielen diese lupenreinen Drive zum Touchdown und Führung runter – und kriegen zum Start der zweiten Halbzeit als erste den Ball.

Die Giants können sich nicht viel vorwerfen, außer, dass sie sich zwei Drives mit Strafen selbst zerstört haben. Und dass sie einmal gefühlt umsonst gepuntet haben (4th and 4). Wird eine spannende zweite Halbzeit, da hier die „falsche“ Mannschaft führt. Passt aber wunderbar zum Gefühl vor der Partie: Es läuft alles anders als erwartet.

[01h47] New England 10, NY Giants 9/Q2 0:08. Woodhead, Catch über 4yds. M-a-s-s-i-v-e-r Patriots-Drive über 97yds (98.5yds mit der Strafe am Anfang) und plötzlich führen die Patriots kurz vor der Pause, obwohl sie bis dato fast an die Wand gespielt worden waren. Es war eine Kurzpassorgie der Patriots, deren größte Waffen heute TE Hernandez und WR Welker sind.
BTW SAT.1 hatte zum hirntotesten Zeitpunkt einen minutenlangen Spot über deren Jahreshighlights laufen, hätten den Touchdown um ein Haar verpasst und zum Catch noch immer keinen Ton.

[01h35] Ein lichter Moment für die Patriots: Brady entfleucht dem nahenden Druck und feuert auf den in der Mitteldistanz hängenden #87 Gronkowksi, der nach dem artistischen Catch einen richtig schönen Raumgewinn erhumpelt. Mal so auf die Uhr geschaut: Es sind keine drei Minuten mehr zu spielen.

[01h30] Belichick pustet erleichtert durch: Die Giants zerstören sich den zweiten Drive in Serie durch eine Strafe. Diesmal ein Holding gegen den Left Guard, der die übel Aufgabe hatte, DT #75 Wilfork allein abzublocken. Statt lockerem 1st down gibt es Punt, aber Belichick kann es nicht gefallen, wie die Patriots in der Defense alle Kreuzzeichen machen müssen, um heil rauszukommen – schon jetzt.

[01h24] Three’n’out für die Patriots, nachdem sie ein 4th and inches nicht ausspielen. Bradys Pocket bleibt unsicheres Land – beim Pass im dritten Versuch war Umenyiora wieder haarscharf dran und Sekunden vorher hatte Pierre-Paul seinen zweiten Ball heute geblockt.

[01h20] Jetzt ist es an den Giants, die sinnfreien Strafen zu kassieren. Nach einer haarscharf nicht gegebenen (ich meine: keine richtige Fehlentscheidung der Refs) Pass Interference gegen S #25 Chung sind die Giants zu 12t im Huddle. Resultat: Ein vielversprechend aussehender Drive endet im Punt. Obwohl: 4th and 4 an der NE41 hätte ich ausgespielt.

[01h13] Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist ein Drop von RB #44 Bradshaw eingangs des zweiten Viertel der erste inkomplette Pass für Eli Manning (erste 9 oder 10 Pässe alle komplettiert).

[01h05] New England 3, NY Giants 9/Q2 13:48. Die Giants-Defense kommt mit ihren „Speed-Rushes“ immer wieder soweit zu Brady durch, dass dieser schneller als gewollt werfen muss. #72 Umenyiora und #90 Pierre-Paul machen ordentlich Rabatz und so schaut nach einigen viel versprechenden Pässen zu Beginn des Drives am Ende nur das Field Goal heraus. Auffallend an der aggressiven Giants-Defense auch: Das Tackling ist stark.

Erstes Viertel

[01h00] Zum Ende eines recht flotten ersten Viertels kommen die Patriots in der Offense langsam in Schwung – soweit ich das gesehen habe ohne Vollmer, der beim Safety überrannt worden war.

Ein Wort zu SAT.1 zum Ende des ersten Viertels: Da sind besorgniserregend viele kleine faktische Fehler. Nicht viel Schlimmes, aber es lässt jedes Mal aufhorchen. Branch war nicht dreimal mit Brady im Endspiel. Es heißt „EndAround“ und nicht „Turnaround“ usw. und dass Chuck Norris schon jetzt ausgepackt wird… nun ja.

[00h51] New England 0, NY Giants 9/Q1 3:24. 2yds-TD für #80 Cruz im Nachfassen bei einem abgefälschten Ball. Besorgniserregendes Tackling der Patriots – und das eine Mal, als sie aggressiv auf den Ball gingen und einen Fumble rausschlugen und eroberten, waren 12 Mann am Feld! Belichick muss Sodbrennen bekommen.

[00h39] New England 0, NY Giants 2/Safety. Unglaublich. Brady spürt sachten Druck und wird panisch, wirft aus der eigenen EndZone einen tiefen Ball ins Niemandsland. Per Regel ist das ein Safety wegen Intentional Grounding.

[00h39]Erster Drive der Giants. Zuerst nur wenig Druck der Patriots und die Giants nutzen das mit vielen schnellen Pässen für Tight Ends, für Nicks und für Cruz. Als die Giants leise am field Goal anklopfen erst ein „Coverage Sack“ von #71 Daederick trotz wenig Drucks, und dann beim dritten Down bricht DE #95 Mark Anderson durch und stoppt Manning.

Pregame

[00h26] Coin-Toss: Die Patriots deferren, der Schiedsrichter weiß nicht, wie das Stadion in Indianapolis heißt und die Kommentatoren bei SAT.1 haben nicht zugehört 🙂

[00h24] Als letzten Guide bin ich so frei und stelle Herrmanns Tipps hier rein – hierauf ist zu schauen:

Giants

>Laufspiel (OC Gilbride hört niemals auf, Laufspielzüge anzusagen, auch wenn es überhaupt nicht funktioniert. Es sollte besser funktionieren, denn Eli kann nicht jeden 3rd&long verwandeln)

>Eli (hat Manning die gleiche Klasse wie in den letzten Wochen, vor allem under pressure?)

>Pressure/O-Line ( schafft es NYs OLine die Herren Wilfork/Love/Deaderick vor allem in der Mitte in Schach zu halten?)

>Coverage in der Mitte (stellen sie die Mitte zu, um Aaron Welkowski zu minimieren oder versuchen sie etwas anderes?)

>Tackling (mit schwachen Tackles von den LBs/Safeties können sie die Drei Großen NEs decken, wie sie wollen – sie werden untergehen)

Patriots

>Formationen/Personnel (6 O-Liner? die bekannte flexible 2WR/2TE/1TE-Aufstellung oder was anderes wie 3WR-sets, gerade in No-Huddle-Offense)

>Coverage (Safeties tief und „softe“ Zonenverteidigung gegen NYs Große Drei oder etwas aggressiveres mit Blitzes und Manndeckung?)

>Attack the outside! (gibt es zur Abwechslung mal ein größeres Einbinden der WRs der Außenlinie, die nie in Doppeldeckung sein werden oder gar mehrere Versuche, ganz tiefe Bälle zu werfen? Ochocinco, anyone?)

[00h20] Die Wette ist mit „Under“ gewonnen worden. 1:30 Minuten – astreine Performance.

[00h17] Damit zur Wette des Jahres: Wie schnell wird Kelly Clarksen den Star-Spangled Banner singen? Clarksen ist bekannt dafür, schnell zu singen. Bei all ihren öffentlichen Soloauftritten nie länger als 1:34 gebraucht. Mittelwert 1:31 Minuten. Markenzeichen: Ein recht kurz angezogenes „Home of the Brave“. Over/Under heute: 1:34 Minuten, weil Sternchen dazu tendieren, auf großer Bühne ein bissl mehr reinzulegen.

(Aguilera kreischte letztes Jahr 1:54min lang).

[23h47] Einen hab‘ ich noch vergessen – meinen Favoriten. Brian Burke/Advanced NFL Stats hat bei Fifth Down das Ergebnis seiner Superbowl-Simulation präsentiert. Um das 50/50 zu brechen, musste Burke auf die Tausendstelstelle runtergehen. Burkes System ist mein favorisiertes, weil das mit Abstand präziseste. Und damit verabschiede ich mich für ein paar Minuten, da Sabine für eine Minute nach Mitternacht die traditionellen Weißwürste zubereitet hat.

[23h37] Nach der Aufwärmrunde über den Tag starten wir nun offiziell in die Superbowl-Nacht. Belichick soll wie gewohnt auf die Größe des Events geschissen haben und in grauem Pulli auflaufen, womit die wichtigste Frage gleich eingangs geklärt wäre.

Die New England Patriots laufen ohne den langjährigen Running Back #33 Kevin Faulk auf, der inactive ist. Ebenso nicht spielberechtigt: QB Mallett, RB Vereen, LB Guyton. Das heißt wohl, der Mann, der heute Nacht vom Trainingsplatz verpflichtet wurde (Alex Silvestro/Rutgers) könnte active sein. Bei den Giants ist der bekannteste inaktive Mann LB Mark Herzlich, der sentimentale Favorit (Stichwort: Knochenkrebs), dessen Leistungen heuer besorgniserregend gewesen sein sollen.

Active: Der deutsche OT #76 Sebastian Vollmer und TE #87 Rob Gronkowskias expected. Bleibt abzuwarten, wie stark die beiden eingesetzt werden können.

Eingrooven in die Superbowl-Nacht

Die Superbowl-Vorschau von Herrmann gibt es hier.

Bei Allesaussersport groovt sich dogfood ebenso in die Superbowl-Nacht.


[23h20] Nachdem ich mich nun für die Uni als ausreichend vorbereitet betrachte und alles glaube, die interessanteren Storylines durchgebracht zu haben, werde ich ein Stockwerk tiefer wechseln, von wo ich bereits Stimmen vernehme, und in Kürze den Blogeintrag zum Spiel aufmachen.


Gratulation dem Superbowl-Champ!

[21h23] Hehe, da scheinen ganze Regionen vor Selbstvertrauen zu strotzen. Die Giants haben heute Nacht sich bereits auf ihrer Homepage als Superbowl-Champ feiern lassen, während beim NBA-Spiel zwischen Boston und Memphis anscheinend ein Werbespot, der den Patriots zum Superbowl-Sieg gratulierte, eineinhalb Mal ausgestrahlt wurde. Dann wurde der Spot schließlich beim zweiten Mal auf halber Länge abgebrochen. Der Spot ist bei Deadspin zu sehen!


EA Sports Madden-Simulation

[21h12] Geht es nach Madden NFL 2012, wird Superbowl XLVI ein hochspannendes Spiel. Madden lag beim Siegertipp in den letzten Jahren nur 2010/11 (Packers/Steelers) und *tadaaaa* 2007/08 (Giants/Patriots) daneben. Zum Spielvideo geht es hier entlang.


Brady und die schnelle Offense

[19h49] Der famose Chris Brown (Smart Football) ist mal wieder fremd gegangen und erklärt in einem wunderbaren Artikel für Slates „NFL-Roundtable“ die schnelle No-Huddle-Offense der New England Patriots, die Brady so meisterhaft beherrscht und die für einen konventionellen Quarterback schon aufgrund der schieren Länge der Spielzug-Bezeichnungen problematisch wären. Außerdem hervorgehoben: Die Variabilität der einzelnen Schachfiguren der Patriots-Offense, die man nichtmal mehr mit Schachfiguren vergleichen sollte, weil es sich abseits der Line und Brady um lauter Allrounder handelt. Schlussfazit:

If the Giants win the Super Bowl, they’ll have earned their rings.

Okay, Platitüde, aber: Sehr, sehr lesenswert das ganze.


AFC und NFC

[19h33] Wenn man sich die Superbowls der letzten Jahre durchschaut, dann brechen die New York Giants heuer einen Trend in der NFC, der damals 2002 begonnen hatte: Seit die Giants 2001 die Superbowl verloren hatten, war jedes Jahr ein anderes Team aus der NFC im Endspiel:

2002 Rams
2003 Buccaneers
2004 Panthers
2005 Eagles
2006 Seahawks
2007 Bears
2008 Giants
2009 Cardinals
2010 Saints
2011 Packers
2012 Giants

Eigentlich bizarr, denn man hatte nie das Gefühl, dass die Giants eine besonders dominante Mannschaft gestellt hätten. Eher die Sekundengenies, denn die Dynastien. Völlig konträr das Bild in der AFC:

2002 Patriots
2003 Raiders
2004 Patriots
2005 Patriots
2006 Steelers
2007 Colts
2008 Patriots
2009 Steelers
2010 Colts
2011 Steelers
2012 Patriots

Mit dem Ausreißer Raiders sind hier seit Jahren die Großen Drei unter sich: Patriots (5. Superbowl in 11 Jahren), Steelers (3), Colts (2).


Dit’n’dat-Superbowl

[18h17] Zur Superbowl-Geschichte gehören nicht nur Punkte, Touchdowns und Trophäen, sondern aufgrund des schieren Festtagscharakters in den Vereinigten Staaten („Superbowl Sunday, National Holiday“) auch unzählige Rundumerscheinungen, die wir zum Teil in dieser Woche schon angesprochen haben. Grantland hat die zehn denkwürdigsten Superbowls in Sachen „Trivia“ (Wissenswertes) zusammengestellt – von Nipplegate bis Purple Rain ist alles dabei, was an Randgeschichten zum Superbowl-Mythos gehört.


Super Bowl XLVI Prognose

[16h54] Selten habe ich mir so schwer getan, das NFL-Endspiel zu zerlegen. Es gibt zu viele Variablen vor dieser Partie, dass es fast schon einer Lotterie gleicht. Die Giants-Unkonstanz ist nur eine davon. Ich hatte vor dem NFC-Finale die Behauptung aufgestellt, dass die Leistungsexplosion nur schwer zu halten sein wird, und prompt flog Big Blue gegen einen nicht furchterregenden Gegner fast raus. Die Patriots sind ebenso ein Faszinosum, wirken phasenweise sehr leicht verwundbar, nur um im nächsten Moment über den Gegner drüberzufahren. Oder sie würgen sich gegen einen eigentlich besseren Gegner wie die Ravens durch.

Dazu kommt die Komponente Gronkowski. Ich habe mir gestern die Szene mit der Knöchelverletzung noch einmal angeschaut, das heißt: Ich musste wegschauen und kann mir kaum vorstellen, dass die Bänder halbwegs verheilt sind. Auf der anderen Seite war, als die Schwere der Verletzung von dessen Vater in den Zeitungen publik gemacht wurde, mein erster Gedanke: Bluff. Dass die Sache mit „high ankle sprain“ mir nichts, dir nichts so nebenbei in die Welt geplaudert wird, müffelt. Ohne eine Verschwörungstheorie anzetteln zu wollen, aber Belichick lässt es normalerweise nicht zu, dass über solche Internas geplaudert wird. Kann Gronkowski also den Erwartungen zum Trotz heute Nacht zu großer Form auflaufen? Ich würde angesichts der Bilder eher dagegen setzen, aber nichts ausschließen.

Wenn man sich durch die großen und kleinen Medien klickt, fällt völlig überraschend auf: Den anderen geht es mit ihrer Unsicherheit ähnlich. Eine Auswahl an starken Vorschautexten mit unterschiedlichen Prioritäten sei an der Stelle verlinkt:

Die Ungewissheit geht sogar soweit, dass die Football-Outsiders trotz klarer „Beweislage“ pro Patriots eher zu den Giants tendieren. Bei Spox tippen beide Experten auf die Giants. Benoit tippt auf die Giants. ORF-Amerikakorrispondent und NFL-Tippgenie Hanno Settele sagt gar einen Blowout pro Giants voraus. Nur Barnwell springt nach einem Hin und Her im letzten Moment auf den Patriots-Zug auf.

Mir geht es ähnlich. Eigentlich sind die Giants die insgesamt etwas komplettere Mannschaft. Eigentlich waren die Giants und sogar der blässliche QB Eli Manning in den letzten Wochen einen Tick besser in Schuss. Eigentlich sagt das Bauchgefühl New York. Aber in einer Partie, in der keine klaren Unterschiede zwischen beiden Kontrahenten auszumachen sind und die zumindest in der Erwartung auf den einen zusätzlichen Ballbesitz ankommen könnte, fällt es mir schwer, gegen meinen ursprünglichen Tipp aus dem Sommer zu setzen.

Patriots mit 7.


Drinking Game outgesourct

[16h00] Dieses Jahr hat Sideline Reporter leider kein Drinking Game zu bieten (der Betreiber wird morgen früh an der Uni mündlich geprüft), deshalb empfehle ich für die erfahrenen Trinker unter den Durstigen auf das offizielle Trinkspiel von Living With The Balls, immer mit der Bitte versehen, die eigenen Grenzen nicht aus den Augen zu verlieren.


[14h33] Info bei Allesaussersport aufgeklaubt: Die Kommentierung des World Feed wird nicht mit Nessler/Mayock passieren, sondern mit Kenny Albert und wie ich schon irgendwo gemutmaßt hatte mit Joe „really nice play“ Theisman. Damit bleibt uns verborgen, wie sich der Freak Mike Mayock in einer Laienkommentierung gemacht hätte, aber das Ringen um World Feed oder nicht World Feed gucken bleibt uns erspart.


Phantom mal zwei

[14h26] Dass Belichick etwas anders tickt, wissen wir. Dass Belichick nicht an erster Stelle im Kleider-Ranking steht, ist auch nichts Neues. Unbestritten sind auch seine großen Leistungen als Head Coach in der NFL – etwas umstrittener seine Methoden. Wer aber nach massiven Verlusten seiner Coordinators und vieler wichtiger Spieler über ein Jahrzehnt immer um den Titel mitspielt, gegen den hast du keine Argumente.

Nun haben Yahoo Sports und die New York Times diese Woche zwei Männer durchleuchtet, die im Gegensatz zu Weis, Crennel, Pioli, McDaniels und Mangini dem Fuchs Belichick stets treu geblieben sind. Die Männer heißen Ernie Adams (Stellenbeschreibung „Football Researcher“) und Berj Najarian (Stellenbeschreibung: N/A).

Zweimal eine lesenswerte Geschichte über zwei Männer, bei denen selbst die Patriots-Spieler rätseln, was sie denn so treiben.


Reißbrettplanung

[13h18] Eine Freundin hat im vergangenen Frühjahr mehrere Monate in Bloomington/Indiana gearbeitet (dort, wo der Hauptcampus der Indiana University steht). Der Eintagesreisebericht über Indianapolis sorgt nicht für glänzende Augen.

Indianapolis ist eine am Reißbrett geplante Stadt, Anfang der 1820er aus der Notwendigkeit einer zentralen Hauptstadt für den Bundestaat Indiana entstanden – und man sieht es an der Karte in der Wikipedia: „Zentral“ ist dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Keine US-Bundeshauptstadt liegt so haargenau im Herzen wie Indianapolis.

Kernpunkt der Stadt ist der „Monument-Circle“, ein Straßenring um ein Denkmal zu Ehren der Gefallenen im amerikanischen Bürgerkrieg, und sämtliche Avenues rundherum sind in quadratischer Form 1A vom Inventor abgezeichnet aufgezogen worden. Die Endspielhalle von heute Nacht, das im Retrostyle gebaute Lucas Oil Stadium mit seinen sich öffnenden Glasfassaden hinter den EndZonen, steht downtown, nur wenige hundert Meter und einige Avenues vom Monument entfernt und ist als Stadion in der Innenstadt eine Anomalie in Zeiten, in denen die NFL Arenen mit riesigen Auslaufzonen in der Peripherie bevorzugt.

Wer übrigens mit Klugscheißerei glänzen will: Der Indy-Speedway steht nicht in Indianapolis, sondern in Speedway (harhar), einer Enklave in Indianapolis. Wäre das auch geklärt.


Das Geschacher um die Tickets

[11h54] Jack Bechta, ein NFL-Spieleragent, hat bei Nationalfootballpost über das Treiben von Teambesitzern, Managern, Coaches und Spielern und mit ihren Superbowl-Tickets geschrieben. Das Geschäft läuft so: Jede Franchise, die nicht am Endspiel teilnimmt und nicht Gastgeber ist, erhält ca. 1% der Eintrittskarten. Jede Franchise muss jedem Manager, Coach oder Spieler wenigstens 1-2 Karten zum Nennpreis (ca. $900) überlassen. Manche Owner binden die Verteilung der Karten aber an gewisse Bedingungen (Spieler muss am Tag X in Stadt Y sein, um die Karte abzuholen) mit der Hoffnung, dass es diesem zu viele Scherereien seien. Wer auch immer die Karte abholt oder nicht: Für den, der sie in den Tagen vor der Superbowl in den Händen hält, beginnt das ganz große Schachern, das Vertreiben der Superbowl-Tickets allein oder über Mittelmänner. Bei $ 6000 Schwarzmarktpreis für Superbowl-Eintrittskarten natürlich ein lukratives Geschäft, bei dem Owner, Spieler, Coaches und/oder Mittelmänner für mehrere Monate aussorgen können.

Vor Jahren ist Mike Tice (damals Vikes-HeadCoach) mal aufgeflogen – ich kann mich erinnern, dass es ein ziemliches Boohay gab und Tice eine zeitlang gebrandmarkt war. Schaut in der Retrospektive so aus, als sei Tice ein Bauernopfer gewesen. Laut Bechta geht das Treiben munter weiter, wird zwar nicht gern gesehen, aber gebilligt. Bechtas Tipp: Wer in die Superbowl will, nimmt einen schönen Scheck mit und treibt sich in diesen Tagen in den Hotel-Lobbys um das Endspielstadion herum. Die Chance auf ein Ticket ist definitiv gegeben.


MVP 2011/12

[09h32] Ebenso heute Nacht verliehen: Die individuellen Awards für die besten Spieler der Regular Season. Die Sieger:

MVP: Aaron Rodgers/Packers
Offensivspieler des Jahres: Drew Brees/Saints
Defensivspieler des Jahres: Terrell Suggs/Ravens
Rookie des Jahres, Offense: Cameron Newton/Panthers
Rookie des Jahres, Defense: Von Miller/Broncos
Comebackspieler des Jahres: Matthew Stafford/Lions
Coach des Jahres: Jim Harbaugh/49ers

Könnte man die Footballliga gleich auf zwei Positionen kürzen: Quarterbacks und Outside Linebackers. Übrigens sind zum zweiten Mal in Serie die ersten beiden Draftpicks auch gleich zu denn Rookies des Jahres gekürt worden (letztes Jahr Bradford/Suh). Weitere Kuriosität: Brees ist zum zweiten Mal Offensivspieler des Jahres, ohne in dem Jahr MVP geworden zu sein (2008/09 kratzte er Marinos Passrekord, den er heuer pulverisierte), eine Rarität, besonders für einen Quarterback.


Hall of Fame

[09h04] Die Wahl für die Hall of Fame brachte mal wieder einige Überraschungen und wäre es nicht so wurscht, könnte man sich darüber echauffieren. Mal sehen, wer drin ist: LT Willie Roaf (Chiefs), RB Curtis Martin (Patriots, Jets), LB Chris Doleman (Vikes, Falcons, 49ers), Cortez Kennedy (Seahawks), C Dermotti Dawson (Steelers), CB Jack Butler (Steelers). Martin hat eine ziemlich turbulente Lebensgeschichte, aber so wirklich als aufregenden Spieler hab‘ ich den nicht in Erinnerung.

Interessanter sind die Leute, die draußen bleiben mussten: Bill Parcells zum Beispiel, der HeadCoach, der von Team zu Team zog und jedes schlagartig verbesserte, mit den Giants zweimal die Superbowl gewann, mit dem ewigen Looser New England einmal verlor, die Jets wiederaufbaute, die Cowboys wiederaufbaute, den Dolphins einen kurzzeitigen Schub gab. Parcells‘ großes Problem: Er war ungeduldig. Ging meist zu einem Team, um zwei, drei Jahre vor Vertragsende zu kündigen oder sich zum GM zu befördern, ehe er kurz darauf wieder verschwand.

Andere, die draußen bleiben mussten: WR Cris Carter, ein sich jährlich wiederholendes Thema für den Mann mit den großartigen Zahlen, WR Tim Brown, der ein paar Jahrhunderte lang NFL spielte und Pässe von 21 (!) Quarterbacks fing, WR Andre Reed, RB Jerome Bettis, ein Sympathieträger, LB Kevin Greene, ein sehr „lauter“ Abwehrspieler und einstiger Walk-on bei Auburn, DL Charles Haley und DB Aeneas Williams.

Anm. In den Kommentaren wird zurecht angemerkt, dass LT Roaf vor allem aufgrund seiner Zeit in New Orleans als Hall of Famer gilt.


[07h10] Die NFL hat dieser Tage offiziell gemacht, was seit etlicher Zeit gemunkelt wurde: Ab kommender Saison gibt es noch mehr Donnerstagsspiele. Nach dem Season Opener folgenden ab Woche 2 bis Woche 15 Thursday Night Games im NFL Network, mit Ausnahme des Thanksgiving-Spieltags, das bei NBC kommt. Jede NFL-Franchise soll damit wenigstens ein Spiel pro Saison im landesweiten TV bekommen – keine schlechte Idee, wenn man sieht, wie vor allem zu Monday Night Football zuletzt hirnrissige Partien übertragen wurden, während grundsolide Teams leer ausgingen. Quelle: NFL.com


[07h01] Guten Morgen an einem frischen Sonntagmorgen. Meine Heimwetterstation spuckte zum Frühsport -22.3°C aus. Playoffwetter für die NFL, doch leider findet die Superbowl heute Nacht indoors, also in einer Halle, statt. Das soll uns die Freude nicht verderben, und so gibt es heute sachtes Eingrooven bis in die Abendstunden.

Superbowl-Countdown 2012, T-minus 4: Von der Unternehmensphilosophie der New York Giants

Wenn ich über die Monate Franchises wie Detroit oder Arizona für intelligentes „Team-Building“ gelobt habe, so wird es drei Tage vor der Superbowl XLVI Zeit, den Scheinwerfer auf die New York Giants zu richten, wo die Beharrlichkeit und die Stetigkeit angesichts der rabiaten Presse vielleicht noch eine Stufe höher einzuordnen ist.

Vorausgeschickt: Die Giants sind eine der klassichen NFL-Franchises, gegründet in den 20ern und aufgrund des gleichnamigen Baseball-Teams (heute „San Francisco Giants“) offiziell mit dem Zusatz „Football-Giants“ versehen. In der Urzeit war man viermal NFL-Champ, lieferte heute hymnisch besungene Partien wie das NFL-Finale 1958 („The Greatest Game Of All Time“), gehörte in den 70ern jedoch zu den erfolglosesten Mannschaften.

Die 70er waren auch die Zeit, in der etwas weiter südlich, bei den Baltimore Colts, die zukünftigen klugen Köpfe von Big Blue geschult wurden: George Young und der berühmte Ernie Accorsi, Schützlinge des visionären Joe Thomas, dessen Philosophie so simpel gestrickt war, dass sie von Podolski stammen könnte:

Oberste Priorität ist: Finde deinen Quarterback. Und zwar nicht „einen“, sondern „deinen“. Du musst dir ob seiner Qualitäten 100%ig sicher sein. Hast du ihn, drafte Pass Rusher bis die Kälber fliegen lernen.

Vor Jahren lernte ich, dass bereits die große, von Young zusammengestellte Giants-Dynastie der 80er Jahre genau so funktionierte; als berühmteste Figur agierte mit dem OLB Lawrence Taylor (hierzulande bekannt aus Any Given Sunday) der noch heute als dominantester Abwehrspieler seiner Zeit angesehen wird, ein Mann, der das rare Kunststück zustande brachte, als Abwehrspieler zum NFL-MVP gewählt zu werden. Resultat: Zwei Superbowlsiege und etliche noch heute „zitierte“ Playoff-Klassiker.

Ach, und: Im Trainerstab des rastlosen HeadCoaches Bill Parcells waren zwei weitere uns heute bekannte Gesichter: DefCoord Bill Belichick und Tom Coughlin, der Positionstrainer der Wide Receivers.

Parcells‘ Trainerstab zerschlug sich Anfang der 90er, aber im Front Office der Giants setzte man weiterhin auf Kontinuität. Der greise Besitzer Wellington Mara war eine eigenartig kultige Gestalt, der man rückwirkend betrachtet so viel Gelassenheit in der Führung einer so großen Franchise an einem so unruhigen Ort gar nicht zugetraut hätte.

Nach GM Youngs Abgang übernahm der ähnlich gepolte GM Accorsi. Die Giants verschwanden zwar etwas von der Bildfläche, hatten aber mit Michael Strahan wenigstens „ihren“ großen Pass Rusher für die nächsten 15 Jahre gefunden. Trotzdem stehen die Jahre Ende der 90er und Anfang der 2000er etwas verloren in der Giants-Historie: Obwohl man als Spielmacher nur den Wandervogel und gefühlten Notnagel Kerry Collins zu bieten hatte, schaffte man es unter dem „kulturellen Mismatch“, HeadCoach Jim Fassel, 2000/01 ins Endspiel, das allerdings sang- und klanglos verloren ging.

Die Ära Coughlin/Manning

Irgendwann im Herbst 2003 war allen klar geworden, dass die implodierenden Giants einen Schnitt brauchten, zurück zu ihren Wurzeln mussten. Accorsi machte den Move und verpflichtete den als Diziplinfanatiker verschrieenen ehemaligen Giants-Assistenztrainer und Chefcoach der Jaguars, Tom Coughlin – kein Showman und charakterlich die Anti-These zum Bild von New York City.

Der Wiederaufbau auf dem Feld wurde um den noch blasseren QB Eli Manning versucht, den Bruder des damaligen NFL-MVPs Peyton Manning, und ein bereits zu Zeiten des Drafts verhasster Charakter, weil er sich die Freiheit genommen hatte, selbst zu bestimmen, wo er spielen wollte. Eine Ungeheuerlichkeit.

Das Theater um Manning in jenem April 2004 hatte noch eine weitere, wenig bekannte, aber vielsagende und wie die Faust auf Accorsis Auge passende Facette, die der NFL.com-Kolumnist Vic Carucci im Frühjahr 2006 durchleuchtete: San Diego – das Manning gegen dessen Willen gedraftet hatte – wusste, wie sehr Accorsi/Coughlin den Manning wollten; für einen Trade wurden abstruse Preise verlangt und die Giants waren bereit, alle Geschäftemacherei mitzugehen, bis auf die eine: Der junge, unbekannte DE Osi Umenyiora, in der damaligen Madden-Version mit einem unspektakulären Rating von 72 Punkten versehen, stand nicht zur Diskussion. Accorsi hätte sich eher die Pulsadern aufgeschlitzt, bevor er Umenyiora verkauft hätte. Da war es also wieder: Tue alles, um deinen Franchise-QB zu bekommen. Deine zweite Priorität: Pass Rusher.

Wenig später starb die Legende Wellington Mara, der Giants-Besitz wurde auf Sohnemann John überschrieben, einen noch unscheinbareren Kopf als Coughlin, Accorsi und Manning zusammen. John Mara kommt nicht wie ein Visionär daher, passt aber mit seinem bedingungslosen Bekenntnis für Kontinuität wie die Faust aufs Auge auf diesen komischen, biederen und vielleicht gerade deshalb doch inspirierenden Laden „Giants“.

Denn obwohl Manning lange Jahre stagnierte, obwohl die Giants November für Dezember aufs Neue kollabierten, obwohl Coughlin dreimal pro Jahr bei den Fans unten durch war und sein Kopf gefordert wurde: Owner Mara, GM Accorsi oder Nachfolge-GM Floyd Jerry Reese blieben selbst im größten Trubel cool. Vermutlich musste diese Franchise genau so geführt werden.

Verdienter Lohn war der fast zufällig errungene Superbowl-Sieg von 2007/08, ein innerlicher Reichsparteitag Triumph auch für Accorsi: Offizieller MVP war Manning. Aber der wahre wertvollste Part jener Mannschaft war die Defensive Line. Und rein zufällig war deren auffälligste, ja dominanteste, Figur – erraten – Defensive End Umenyiora.

Die Giants von 2011/12

Jener Umenyiora stand im vergangenen Sommer 2011 vor dem Absprung. Wir schreiben ein neues Kapitel Giant’scher Unternehmens-Führung, die konzeptionell trotz neuer Köpfe (der schwarze GM Reese hatte für Accorsi übernommen) immer noch unverändert blieb. Reese bekannte sich seiner Wurzeln und riskierte erst gar nicht, Umenyiora zu verlieren und bewahrte, nach unglücklich ausschauender Kaderpolitik voll ins Kreuzfeuer geraten, kühlen Kopf.

Als die Giants-Saison im November den gewohnten Lauf nahm und nach viel versprechendem Beginn mal wieder abzustinken drohte, schoben Mara, Coughlin und Reese die Probleme auf die lange Bank und verwiesen einfach auf den Faktor Geduld. Wenn erstmal wieder alle Pass Rusher gesund seien, wäre die Saison eh gerettet.

Und so stehen die Giants nun in der Superbowl und man tut sich erneut schwer, es wirklich rational erklären zu können; anstelle der Schlachtrufe für den Rauswurf Coughlins wird über seine eventuell kommende Wahl in die Hall of Fame diskutiert, Reese als großer Stratege und Mara als legitimer „neuer“ Wellington gefeiert.

Ich bin mir nicht sicher, wie ernst es der Giants-Führung über die Jahre mit ihrer Nibelungentreue für das sich jahrelang nicht recht weiterentwickelnde ewige Talent Manning und den knorrigen Coughlin war. Fakt ist aber, dass die beiden trotz aller Widrigkeiten niemals von einer offiziellen Giants-Stelle verbal angesägt worden waren.

Und so ist der wie schon vor vier Jahren überraschende Playoff-Lauf der Giants am Ende neben dem durchaus vorhandenen Freak-Faktor alles in allem auch ein Produkt jahrzehntelang konsequent durchgezogener Unternehmensphilosophie und ein Lohn für den unerschütterlichen Glauben an die Kontinuität.

Super Bowl Countdown 2012, T-minus 5: Spielzug + Spiel oder meine beste Super-Bowl-Erinenrung

Nachdem Korsakoff gestern den Tyree-Catch aus Super Bowl XLII rekapituliert hat (der ja, wie alle Patriots-Fans wissen, illegal war und vorher schon hätte abgepfiffen werden müssen, weil Eli Manning in the grasp war und das für gewöhnlich als Sack gewertet wird), soll heute das beste Play der Super-Bowl-Geschichte gefeiert werden: James Harrisons 100-Yard-Interception Return zum Touchdown in Super Bowl XLIII zwischen den Pittsburgh Steelers und den Arizona Cardinals.

Pittsburghs startet das Spiel ziemlich souverän und punktete mit den ersten beiden Drives, so das es zu Beginn des zweiten Viertels 10-0. Nachdem Arizonas Angriff zu Beginn stotterte, führte Kurt Warner die Cards anschließend über 83 Yards zum Anschluß-TD. Mit noch 2:46 Minuten in der ersten Hälfte fing Karlos Dansby einen Paß von Ben Roethlisberger ab und als Arizona mit noch 18 Sekunden an der 1-Yard-Linie stand, lag der momentum swing Richtung Arizona ganz schwer in der Luft. Der momentum swing der dann folgte, war dann aber ein ganz anderer.

Beim 1st&Goal von Pittsburghs 1-Yard-Linie versucht Warner einen kurzen Slant-Paß auf seinen Slot-WR zur Linken. OLB James Harrison hat beim Snap sehr aggressiv an der Line of Scrimmage gestanden und Pass Rush angetäuscht. Wie es aber bei Dick LeBeaus Defenses so ist, war das nur eine schöne Verschleierung eines Zone-Blitzes. Harrison geht also in Zonenverteidigung, aber er steht nicht einfach so rum, sondernn erkennt sofort, was Warner vorhat. So macht er auch noch zwei Schritte in die richtige Richtung, fängt den Ball und dreht das Spielgeschehen in die andere Richtung.

Es war nicht nur das längste Play in der Super-Bowl-Geschichte, sondern eine der besten Leistungen, die überhaupt jemals auf einem Footballfeld gezeigt wurden. Fast genauso beeindruckend wie der unfaßbare Return von Harrison ist der Einsatz, den Arizonas WR Larry Fitzgerald zeigt. In der Wiederholung kann man gut sehen, daß er mindestens 150 Yards sprintet. Er muß zickzack laufen und wird zwischendurch auch noch an der Seitenlinie von einem Mitspieler geblockt, was ihn aber nicht daran hindert, nochmal Harrison einzuholen, nur um dann das größtmögliche Pech zu haben – statt auf dem Boden landet Harrisons Knie auf Fitzgeralds Bein. Touchdown. 0:00 auf der Uhr.

Natürlich war es sehr passend, daß Pittsburgh Defense das beeindruckendste Play gemacht hat. Leider ist es ein wenig untergegangen, denn nach der Larry-Fitzgerald-Show im dritten Viertel lag Pittsburgh plötzlich hinten und es brauchte eine grandiosen Paß von Ben Roethlisberger und einen noch grandioseren Catch von Santonio Holmes um das Spiel zu gewinnen. Das alles zusammen, der gute Pittsburgh-Start, das leichte Aufbäumen Arizona, der Harrison-TD, das ganz starke Aufbäumen von Warner/Fitzgerald und schließlich als Kulminationspunkt der Game-Winner von Big Ben/Holmes machen das gesamte Spiel zu einem der besten aller Zeiten.

Wenn man sich das Video anschaut, merkt man auch nochmal deutlich, warum Al Michaels einer der besten Play-by-Play-Kommentatoren ist. Man vergleiche dagegen Joe Buck beim Tyree-Catch. Außerdem hört man noch John Madden, der seine Karriere als Kommentator mit genau diesem Super Bowl beendete. Viel mehr als „Boom!“ und „Wow!“ hat er am Ende zwar nicht mehr beizutragen gehabt, aber irgendwie ist es doch immer wieder schön, nochmal seine Stimme zu hören.

Green Bay Packers in der Sezierstunde

Zum Abschluss des Sezierstunde-Kurses dann noch der Titelverteidiger. Die Green Bay Packers, die mit 10-6 und als #6 der NFC den Titel in der abgelaufenen Saison geholt haben.

Waren die Packers 2010/11 unschlagbar? Nope.

Wird man sich in fünf Jahren schwelgend an die Packers 2010/11 erinnern? Probably not.

Trotzdem beeindruckend, wie nach all den Verletzungsausfällen, seien sie permanent oder temporär gewesen, in der Saisonschlussphase noch einmal der Schalter umgelegt werden konnte und am Ende trotz weiterer Ausfälle in der Superbowl der Titel geholt werden konnte.

Die Huldigung

Die Haupt-Gratulation von meiner Seite geht neben Head Coach Mike McCarthy vor allem an General Manager Ted Thompson, der vor drei Jahren die Eier hatte, die Legende Favre abzusägen und trotz größter Widerstände auf den jungen Aaron Rodgers gesetzt hat. Es ist aus der Ferne schwer nachvollziehbar, wie mutig der Schritt war, aber wenn erst jetzt die letzten Rufe nach Favre am Verstummen sind, kann man die Tragweite der Entscheidung erahnen.

Aaron Rodgers

Rodgers hat nicht die Persönlichkeit, um Leute mitzureißen wie einst ein Brett Favre, und deshalb ist Rodgers wohl lange etwas unterschätzt worden. So richtig in die Top 3 der NFL QBs hätte ich Rodgers ab ziemlich genau Mitte November gewählt. Green Bay war eine eindimensionale Mannschaft und es war fassungslos, wie sich Rodgers hinter einer un-überzeugenden Offensive Line bewegte, wie ruhig er seine Receiver ausguckte. Ab diesen Tagen glaubte ich an die Möglichkeit, dass Rodgers eine Mannschaft zum Titel quarterbacken (ja, tatsächlich handelt es sich hierbei um ein Verb) könnte.

Offensiv den Hebel ansetzen

Trotz Superbowl-Sieg haben die Packers genügend Schwachstellen im Kader, als dass man schon jetzt von einer Dominanz für die kommenden Jahre ausgehen könnte. Eine dieser Schwachstellen ist die Offensive Line, die immer noch ein wunder Punkt ist. Sie war in der abgelaufenen Saison besser als 2009/10. Von Dominanz zu sprechen wäre glatte Übertreibung. Ein Problem ist auch der Alterungsprozess, vor allem bei LT Chad Clifton.

Die Passempfänger dürften durch die Rückkehr von TE Jermichael Finley eine enorme Verbesserung erfahren. Ich halte Finley für die dominanteste Offensiv-Waffen in Green Bay. Mit Finley ist die Offensivmaschine noch einmal eine Einheit geschmierter als sie phasenweise in den Playoffs eh schon lief.

Allerdings könnte mit WR Donald Driver die Beständigkeit in Person zurücktreten. Driver ist 36 geworden und hat 2010/11 erstmals seit Äonen wieder weniger als 1000yds erzielt. Mit WR James Jones ist zudem ein Mann Free Agent. Ich halte Jones für wertvoller als es seine produzierten Stats vermuten ließen (50 Catches, 679yds, 5 TD).

Das Laufspiel lief in den Playoffs unter Rookie James Starks besser als in der Regular Season. RB Ryan Grant wird von einer schweren Oberschenkelverletzung zurückkehren, aber Running Backs tendieren nach schweren Verletzungen schnell verbrannt zu sein. Für Grant ist dies bitter. Er ist nach 2011/12 Free Agent – nun wartet entweder eine verkürzte Saison oder ein Platz als Backup. So kann man Millionen verlieren. RB Brandon Jackson, der in den Playoffs hauptsächlich fangender Back war, ist Free Agent und wird wohl gehen.

Der Publikumsliebling FB John Kuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuhn ist ebenso Free Agent, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Green Bay den Mann ziehen lässt. Alles in allem gilt: Das Laufspiel hat in Green Bay mehr die Funktion eines Ablenkungsmanövers, denn die Funktion, das Offensivspiel im Alleingang zu tragen.

Defensiv den Hebel ansetzen

Die Defense ist trotz allem die bessere Hälfte in dieser Mannschaft. #2 nach DVOA, #1 nach Passspiel, #16 nach Lauf. Die Passverteidigung zeichnet sich vor allem durch sensationelle Deckungsarbeit und variable Blitz-Formationen aus.

Die Defensive Line ist um den jungen NT B.J. Raji gebaut. Der DE Cullen Jenkins wird mit hoher Wahrscheinlichkeit gehen (müssen), weil Green Bay in der ersten Runde an #32 wohl einen frischen Defensive Liner holen wird. Sind schließlich genügend Talente durch die Gegend laufend.

Die Linebacker dürfen den Chef, Nick Barnett, zurück heißen. Barnett ist ILB, doch das Problem liegt eher bei den OLBs. Nicht bei Clay Matthews. Sondern seinem Gegenpart, und in der Tiefe der LB-Gruppe.

Die Secondary ist IMHO das Prunkstück bei den Packers. Es gibt mit CB Charles Woodson einen absolut herausstechend überragenden Mann. Woodson ist ein Alleskönner, deckt zu, was zuzudecken ist und ist ein effizienter Blitzer. Allerdings wird Woodson mit bald 35 nicht jünger. Auf lange Sicht wird Green Bay einen Nachfolger brauchen, obwohl mit den intelligent spielenden CBs Shields und Williams schon gute Leute da sind. Die Safetys sind trotz des Touchdowns in der Superbowl nicht vom Kaliber „Polamalu“, sondern gehobene NFL-Klasse.

Ausblick

Offensive und Defensive Lines müssen verbessert und einige junge Alternativen für die Altstars herangeführt werden. Ansonsten schaut der Kader nicht schlecht besetzt aus. Die Defense ist zu Teilen noch recht jung und sollte unter dem großartigen DefCoord Dom Capers noch nicht alle Leistungsgrenzen ausgelotet haben.

Jetzt kommt der Draft, wo das GM-Genie Thompson auf die Talente dieser Welt losgelassen wird. Green Bay hat in den letzten Jahren außergewöhnlich viele Eigenbauspieler via Draft in die Mannschaft eingebaut. Hält sich der Trend, wird Green Bay langfristig auch in der schweren NFC North vorne dabei bleiben.

Superbowl-Countdown T-minus 1: Beste Unterhaltung zur Halbzeit

Super Bowl XLV ist in ihren belanglosen Grundzügen abgearbeitet. Fehlt noch eins: Die Halbzeit-Unterhaltung. 2011 mit den Black Eyed Peas im Cowboys Stadium von Arlington. Ich lasse mir durchaus keine musikalische Engstirnigkeit nachsagen. Die Black Eyed Peas finde ich dann aber eher nicht so beeindruckend. Aber die Halftime Show der Superbowl leidet IMHO unter einem grundsätzlicheren Problem: Da werden seit Nipplegate Jahr für Jahr ältere Herren oder irgendwelche halb abgehalfterte Combos (The Who, I’m Looking At You!) auf die Bühne gestellt, die einen halbstündigen Mix/Remix ihrer besten Werke auf die Welt loslassen. Irgendwie… uninspirierend.

Was also sind die Alternativen?

Im Zuge des Superbowl-Counterprogrammings haben die Strategen in Übersee zwei Hits gelandet. Hit #1: Puppy Bowl auf dem Sender Animal Planet. 2011 steht Puppy Bowl VII an. Welpenfootball at his best. Über manche geschmäcklerischen Präferenzen kann man tatsächlich diskutieren. Das sieht nüchtern betrachtet in reality dann so aus – Szenen, bei denen bei James Harrison der Speichel nur so raustriefen dürfte:

Das Ganze wird dann auch dementsprechend „professionell“ gemacht, inklusive Einzelvorstellung der Welpen. Die Startaufstellung für 2011 ist auch schon raus.

Hit #2 ist dann sogar „richtiger“ Football. Gemacht für Männer – von Frauen. Es geht um die Lingerie Bowl VIII. Richtiger Football, gespielt von schlanken Frauen mit Modellfigur – in knappster Bekleidung. Unterwäschenfootball. Jahrelang war Lingerie Bowl ein Schlager als Halbzeitunterhaltung für die, die Paul McCartney oder Prince nicht ganz so erbaulich fanden. So erfolgreich, dass seit Herbst 2009 eine ganze Liga existiert. Die LFL – Lingerie Football League.

Vor zwei Wochen haben sie die Finalisten ausgespielt. Die Los Angeles Temptation (Titelverteidigerinnen) und die Philadelphia Passion, beide als einzige Mannschaften noch ungeschlagen. Hier die Vorschau für Passion und Temptations KR/WR Melissa Margulies.

Lingerie Bowl VIII wird auf MTV übertragen. Vermutlich wird das Event auch irgendwo im Internet für Europäer gezeigt. Solange niemand mit Andy Grays Einstellung ans Werk geht bzw. einen auf Neil Prenderville macht, dürfte Lingerie Bowl VIII 2×12 Minuten Unterhaltung bieten.

Eigene Ankündigung: Jo, es wird Live-Blogging geben, wenn auch aus persönlichen Gründen (Stichwort: Superbowl-Party at home) in etwas anderer Form. Der Tag ist brutal intensiv, aber ich hoffe, am Abend im Zuge des Liveblog-Eintrags noch eine kleine Matchup-Vorschau anbringen zu können. Vielleicht lasse ich auch Seminole auf die Welt los. Bis dann – sind es wirklich noch 15 Stunden?

Superbowl-Countdown T-minus 3: Die Green Bay Packers oder vom Homecoming einer Legende

Die Pittsburgh Steelers sind der Superbowl-Rekordchamp (6 Titel). Der Finalgegner hat zwar „ganze“ drei Superbowls (zweimal davon, als die Superbowl noch nicht unter diesem Namen ausgespielt wurde) gewonnen, ist aber der Rekordmeister der National Football League. Heute in der Vorstellung. Matchups gibt es erst im Sonntagabend-Vorprogramm.

Was die Packers ausmacht – geschichtlich

Curly Lambeau, Green Bay Packers

Curly Lambeau

Die Green Bay Packers dürfen sich als das Traditionsteam in der NFL sehen. Gegründet 1919 als Amateurclub und zwei Jahre später als professionelle Franchise der NFL beigetreten, sind die Packers seit damals das einzige Team im amerikanischen Profisport, das als Non-Profitorganisation  seinen Fans gehört. Über 112.000 Menschen sind Stakeholder der Packers.

Packers? Ein merkwürdiger Teamname. Die Herkunft ist so simpel wie einleuchtend: Die Gründerväter um Curly Lambeau brauchten ohne Finanzspritze durch einen Besitzer Schotter. Und den steuerte ein Unternehmen bei: Die Indian Packing Company. Daher rührt auch der Name „Packers“.

Und die Packers waren erfolgreich – sehr sogar. Bis Ende der 40er holten sie sechs Meistertitel unter Lambeaus Ägide. Lambeau? Dürfte jedem Footballinteressierten ein Begriff sein. Curly Lambeau zu Ehren wurde nach seinem Tod das Stadion der Packers in „Lambeau Field“ umbenannt. Es gilt als eines der legendärsten in Amerika.

Ein 70.000 Zuschauer fassendes Stadion in einer 100.000 Einwohner fassenden Stadt. Und nicht nur immer ausverkauft, sondern mit über 80.000 Menschen auf der WARTELISTE für Saisonkarten ein Ort, der im Lauf der Zeit zu einem Mythos hochstilisiert worden ist, ähnlich wie ein Bernabeu-Stadion in Madrid.

Ende der 50er kam mit dem charismatischen Vince Lombardi ein neuer Erfolgscoach, der die Packers in den 60ern unter QB Bart Starr und RB Paul Hornung zur absoluten Großmacht heranzüchtete.

Vince Lombardi Trophy, Super Bowl

Vince Lombardi Trophy - ©Wikipedia

Lombardi? Lombardi? Auch das wird der geneigte Football-Fan schon einmal gehört haben. Oder auch nur der Schönwetterzuschauer. Und das wohl deswegen: In der Super Bowl wird um die Vince Lombardi Trophy gespielt, benannt nach eben diesem Coach. Als Ende der 60er AFL und NFL begannen, den Meister der Meister auszuspielen, gewannen Lombardis Packers die ersten beiden Auflagen dieses Duells. Die ersten beiden Super Bowls, auch wenn sie, wie wir mittlerweile wissen, damals offiziell noch keine „Super Bowls“ waren.

Nach Lombardis Tod verschwanden die Packers gut ein Vierteljahrhundert in der Versenkung. Aber eines ist im kleinen Green Bay immer schon gelungen: Man hatte charismatische Leute am Ruder, Publikumslieblinge, die ganz wesentlich zum Erfolg beitrugen. In den 90ern ging es mit den Packers wieder aufwärts und das lässt sich an einigen berühmten und weniger berühmten Spielern festmachen.

Mike Holmgren zum Beispiel, dem stets grimmig dreinschauenden, dicklichen Head Coach, der quasi als erste Amtshandlung 1992 Brett Favre von den Falcons einkaufte. Favre sollte von Beginn an eine der sensationellsten Serien durchspielen, die es jemals gegeben hat: Über 18 Jahre verpasste der QB kein Spiel. Favre wurde zum Liebling in Green Bay, im hohen Norden, im ganzen Land. Auch Männer wie der „Prediger“ DE Reggie White oder der unglaublich fette DT Gilbert Brown waren massiv daran beteiligt, dass im Jänner 1997 die Vince Lombardi Trophy erstmals nach Green Bay „heimkehrte“. Seither sind die Packers stets Playoff-Anwärter.

Was die Packers ausmacht – spielerisch

Seit 2006 ist Head Coach Mike McCarthy in Green Bay am Ruder. Was McCarthy mit seinem Gegenüber Mike Tomlin teilt: Er geht in der Diskussion um die beiden Mannschaften völlig unter. Obwohl Green Bay seit Jahren nahe am Titel dran ist: McCarthy ist nicht in der Diskussion.

Das waren andere: Brett Favre zum Beispiel. Der trat 2008 zurück und GM Mike Tannebaum installierte blitzschnell den QB Aaron Rodgers als Nachfolger. Rodgers hatte jahrelang als Packers-QB in spe gewartet. Als Favre doch weitermachen wollte, hielt man in Green Bay am jungen Rodgers fest und verjagte das Idol Favre – ein Skandal.

Rodgers spielte von Anfang an super, zumindest statistisch. Im ersten Jahr schaute wenig bei rum, aber 2009/10 geigten die Packers mächtig auf. Rodgers ist schneller als erwartet das Gesicht der Packers geworden, obwohl Rodgers kaum Reibungspunkte bietet, sieht man von seiner (mutmaßlichen) Freundin ab. Nach der Verletzung von RB Ryan Grant im ersten Saisonspiel 2010/11 darf man getrost insistieren: Green Bays Offense ist zu 90% Aaron Rodgers.

In den Playoffs hat sich dank des völlig unbekannten RB James Starks eine Laufspiel-Komponente dazugeschwindelt. Starks hat maximal durchschnittliche Zahlen (3,8yds/Lauf), aber Starks sorgt wenigstens für ein bisschen Entlastung und dafür, dass sich keine Defense allein auf das Passspiel einschießen kann. Das gibt Rodgers hinter einer suboptimalen Offensive Line genug Möglichkeiten, seine Receiver auszugucken. Die Armada ist trotz des Ausfalls von Top-TE Finley groß: WR Greg Jennings (1265yds, 12 TDs), WR James Jones (679yds, 5 TDs), Jordy Nelson (582yds, 2 TDs), Oldie-WR Donald Driver (565yds, 4 TDs), RB Brandon Jackson (342yds, 1 TD) und eine Handvoll Role Players.

Die Defense galt nach dem Ausfall von MLB Barnett als eher namenlos. Angeführt vom DefCoord Dom Capers hat sich die gesamte Unit (2009 #2 der NFL, allerdings mit totalen Kollapses gegen Pittsburgh (sic!) und Arizona) ab Mitte Oktober gewaltig gesteigert. Sie zeichnet sich durch starken Zug zum QB aus. Green Bay spielt 3-4, bringt aber mit DT B.J. Raji und DE Cullen Jenkins (soll am Sonntag fit sein) starken Druck schon mit der Defensive Line zustande.

Auf Blitzes geschickt werden häufig DE/OLB Clay Matthews jr. (oder eigentlich Matthews III) und CB Charles Woodson, die bekanntesten Namen der Defense. Beide sind effizient: Während Woodson ein außergewöhnlich kompletter Spieler (Deckung und Blitzes) ist, macht Matthews auch noch die Sacks (14 in der Reg. Season, 3 in den Playoffs). In der Secondary lauert mit CB Tramon Williams ein Mann, den einst keiner wollte: Intelligenter Bursche, der ein Näschen entwickelt hat und in den Playoffs die Bälle anzieht (3 INTs).

Was die Packers ausmacht – Die Schlüsselspieler

Aaron Rodgers, QB Green Bay Packers

Aaron Rodgers - ©Flickr

Aaron Rodgers. Ich habe es oft genug gesagt: Ich habe mich in den Spieler Aaron Rodgers verknallt. Hoch intelligenter Bursche und es ist ein Genuss, ihm in der Pocket zuzusehen. Rodgers wird nicht nervös, auch wenn mal eine Ladung Defensive Backs in sein Gesichtsfeld geschickt wird, sondern macht seine drei Tippelschritte und bringt trotzdem einen rattenscharfen 35yds-Pass an. Rodgers zeichnet blindes Verständnis mit seinen Receivern aus und ist zudem sehr beweglich, kann auch selbst scrambeln (über 300yds heuer) und ist dementsprechend auch nicht schüchtern, wenn es darum geht, die Pocket zu verlassen. Rodgers ist kein Lautsprecher. Ich könnte kein Interview von Rodgers aus dem Stehgreif aufrufen. Aber ein fantastischer QB. Wäre er Fußballer und Stürmer, man würde sagen: Er hat derzeit einfach einen Lauf. Oder man drückt sich wie dogfood/Allesaussersport aus:

2008 zeigte [Rodgers] aber so viel Potential, dass die Packers seinen Vertrag bis 2014 verlängerte, 2009 verbesserte er sich nochmals und 2010 hat er dann endgültig sein Coming Out und und wird derzeit in den Playoffs als heißer wie Frittenfett gehandelt.

Ich nenne die Rubrik „Schlüsselspieler“, aber anstatt WR Greg Jennings kommt an der Stelle WR Donald Driver dran. Driver ist seit gefühlt zwei Jahrzehnten in der NFL dabei (ist es tatsächlich erst seit 1999??) und hat fast ausnahmslos 1000-1200yds/Jahr gefangen und 6-9 TDs/Saison. Ein Muster an Beständigkeit, ohne die Krönung: Vor drei Jahren machte Driver einen extrem langen TD im NFC-Finale, aber das haben die Packers dann am Ende trotzdem – und verdient – verloren. Driver ist ein Mann, dem ich den Titel (wie Rodgers) von Herzen vergönnen würde. So lange dabei, so viel Beständigkeit und so ruhig geblieben. In Zeiten, in denen ein #85, ein Terrell Owens oder ein Randy Moss Woche für Woche rumzicken, eine Wohltat.

Die eigentlichen Heroen spielen aber in der Defense. Angefangen mit dem lange unbedachten NT B.J. Raji (sprich: Radschi). Raji macht die Mitte des Spielfeldes platt und fungiert in der Offense als Vorblocker/Goal-Line-Fullback für die Running Backs. Im Halbfinale returnierte „Big Man With The Football“ Raji einen Ball zum Touchdown. Der Unterschied beim 21-14 Sieg.

Superstar der Defense ist OLB Clay Matthews jr., den die Wortspielkönige schon HurriClayne getauft haben. Nicht nur wegen der wehenden Haare nicht ganz aus der Luft gegriffen, angesichts solcher Bilder:

Die Familie ist footballverrückt: Der Opa spielte in der NFL, Vater Clay war mehrfacher Pro Bowler, Onkel Bruce ist als einer der besten Offense Liner aller Zeiten und Hall of Famer. Bruder Casey hat vor ein paar Wochen das College-Football-Endspiel verloren. Jetzt soll der fällige Titel für die Familie eingesackt werden. Clay itself ist Spätzünder: Am College (USC) spielte er ohne Stipendium, ging als walk-on zum Footballteam. 2010/11 bekam er die zweitmeisten Stimmen bei der Wahl zum Defensivspieler des Jahres. Der spielt am Sonntag auf der anderen Seite: Troy Polamalu.

Letzter im Bunde der Star-Verteidiger: CB Charles Woodson, einst alles überragender Cornerback in Michigan und Gewinner der Heisman Trophy, was für Verteidiger eine absolute Rarität darstellt. In Oakland jahrelang in einem dahinsiechenden Team, aber seit seinem Wechsel nach Green Bay hat sich Woodson zu einem kompletten Cornerback entwickelt, der alles kann: Enge Deckung, INTs abfangen, Blitzing. Woodson hat vor fast einem Jahrzehnt mit den Raiders eine furchtbare Superbowl-Schlappe einstecken müssen. Diesmal hat er eine Chance, mit 34 Jahren doch noch Superbowl-Champ zu werden.

Noch ein sentimentaler Held: RB John Kuhn, schon ein Ringträger (vor Jahren als Sparringspartner auf dem Trainingsplatz der… erraten: Steelers). Kuhn hat wie vor Jahren Duce Staley (richtig: auch mal ein Steeler) dafür gesorgt, dass eine ureigene deutsche Tradition in den US-Stadien Einzug gehalten hat: Das lange UUUUUUUUUUUUUUUU. Was hierzulande ein Rudi Völler ausgelöst hat, passiert nun auch in den US-Arenen, wenn Kuhn am Ball ist. Nope – kein Ausbuhen der Mannschaft. Es ist der Tribut an John Kuhn, nicht mehr als ein situationsbedingt eingesetzter Spieler. Aber ein Publikumsliebling, und in den Playoffs ein Stimmungsbarometer: In Philadelphia und Atlanta war das lange U deutlich vernehmbar. Also waren haufenweise Packers-Fans im Stadion.

Warum ich die Packers siegen sehen möchte

Zum ersten, weil jeder mal dran ist. Pittsburgh hat eine Reihe Superbowls gewonnen. Green Bay lange keinen mehr und Rodgers, Woodson und Driver sind einfach mal dran.

Genug der Floskeln. Nachdem die US-Experten noch eine Antwort schuldig sind: Wer darf den Siegerpokal für Green Bay in Empfang nehmen, nachdem das Podium zwar gigantisch riesig sein wird, aber kaum die 112.000 Anteilseigner aufnehmen wird können? Ich tippe auf CEO Mark Murphy. Sicher bin ich mir nicht. Wir werden es am Montagmorgen wissen. Vielleicht…