Tampa 2 Defense: Damals und Heute

Vor der Superbowl hat Alexander Brink in einem Gasteintrag auf die Grundprinzipien der Match Coverage geblickt. Heute folgt eine Analyse der „Tampa 2“-Defense, einer von Tony Dungy bei den Tampa Bay Buccaneers entwickelten Spezialversion von Cover-2, die um das Jahr 2000 herum die NFL revolutioniert hat.

Mittlerweile gilt die Reinform der Tampa 2 als überholt, doch wie Cody Alexander in seinem neuen Buch „Anchor Points“ schreibt: Sie lebt neu interpretiert in zahlreichen Defense-Formationen weiter.

Ich übergebe damit das Wort an Alexander Brink.

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Dallas Cowboys in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record         8-8    --
Enge Spiele    7-5  
Pythagorean    7.4   (19)
Power Ranking   .517 (16)
Pass-Offense   6.8   ( 9)
Pass-Defense   6.8   (24)
Turnover       -13

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Dallas Cowboys sind einer der härtesten Brocken der Sezierstunde-Serie, weil diese Franchise in einer verzwickten Lage steckt. Der Owner Jerry Jones ist in allererster Linie Fan und putzt vor lauter Freude über sein Spielzeug auch noch im neuen Stadiontempel die letzten Krümel von den Sitzschalen, aber Jones’ zweite Rolle – General Manager – wird dezent schwach ausgefüllt. Oder anders: Die Cowboys sehen in ziemlich genau einem Jahr der Salary-Cap-Hölle ins Auge. Man wird jetzt schon ca. zehn Millionen über der Gehaltsobergrenze sein, und dann ist noch nicht reingerechnet, dass der Vertrag des QBs Tony Romo in zwölf Monaten auslaufen wird.

Jones hat noch eine andere Baustelle aufgemacht und den Trainer, seinen Ziehsohn Jason Garrett, angezählt. Garrett reagierte und tauschte den DefCoord Rob Ryan gegen den zirka einhundertsiebenunddreißig Jahre alten Monte Kiffin (ehemals Tampa Bay, USC) aus. Monte Kiffin ist der Kreator der „Tampa 2“-Defense, ein Abwehrsystem, das vor 10-15 Jahren die NFL überrollte, aber als mittlerweile zu simpel und antiquiert gilt.

In den Grundzügen vertraut die Tampa 2 Defense auf eine druckvolle Front-Seven und schnelle Spieler in der Deckung. Wer das System besser verstehen möchte, lese sich den starken Artikel von Bryan Broaddus auf DallasCowboys.com durch:

The design of the defense is bend but don’t break, making sure to eliminate the big play. It makes the offense have to drive the ball in order to have success, and it requires an offense to be very patient in the way they attack it. It’s designed to allow the underneath stuff, but the speed of the defense takes care of that.

Der Systemwechsel birgt auch das Risiko, dass das vorhandene Personal nicht adäquat passt. Es gibt mit DT Jason Hatcher einen guten Tackle, wogegen man über NT Jay Ratliff seit Jahren nix erbauliches mehr hört und Ratliff schon allein wegen des Monstervertrags in spätestens einem Jahr sicherer Kandidat für eine Entlassung sein wird (und wie er sich in der 4-3 machen wird, steht in den Sternen). Alle anderen Optionen im Kader lassen wenig Gutes erwarten.

Auf Defensive End gibt es mit DE DeMarcus Ware einen fantastischen Individualisten, mit DE Crawford einen grundsoliden Arbeiter, aber weil man DE/LB Spencer kaum wird halten können, wird Ersatz in qualitativer und quantitativer Hinsicht gesucht.

Die Linebackers: Mit dem jungen, aber verletzungsgeplagten Bruce Carter steht der Fixstern auf Middle Linebacker und daneben sollte man LB Sean Lee auf alle Fälle irgendwie einspannen können. Es gibt aber schlicht keinen vertrauenswürdigen dritten Linebacker im aktuellen Kader – und die Stellenbeschreibung liest sich für einen billigen Ersatz nicht so gut: Muss Tight Ends decken können und überdurchschnittlich schnell sein.

Gesetzt sind sämtliche Cornerbacks (CB Carr ließ sich den Vertrag extra umstrukturieren), aber die eminent wichtige Position des Free Safetys sehe ich erstmal nicht. Sensabaugh gilt als flink genug, aber zu wenig spielintelligent. Der junge S Church ist das Gegenteil: Lernfähig, aber fußlahm wie ein einbeiniger alter Mann.

Fazit: Wenn die Cowboys den Scheiß mit der „Tampa 2“ wirklich allen Ernstes hardcoremäßig durchziehen wollen (im Gegensatz zur Implementierung von „Elementen“ aus dieser Defense), müssen mittelfristig vier Starter-Positionen angegangen werden: Defensive Tackle, Defensive End, Outside Linebacker, Safety. Das ist viel.

Die Offense

Potenziell extrem potent ist die Cowboys-Offense um den exzellenten QB Romo, aber die gesamte Offense kriegt es irgendwie zu häufig nicht auf die Reihe, ihre Stärken in ausreichend Punkte zu verwandeln. Symptomatisch für viele dieser Spiele, in denen du mit einem schlechten Gefühl nach Hause gingst („Dominiert, aber zu dumm zum Gewinnen“), ist die Partie gegen die New York Giants aus dem letzten Oktober, als man sich völlig grundlos ein 23-Punkte-Loch schaufelte, das man nach beherzter Aufholjagd am Ende nicht mehr gänzlich stopfen konnte.

Romo passt, aber Romo ist nächstes Jahr Free Agent – und eine Vertragsverlängerung dürfte selbst bei einem Oldie wie Romo (32 Lenze) nicht billig werden. Die WR-Combo ist okay: WR Austin und WR Dez Bryant macht so schnell keiner was vor. Insbesondere Bryant ist an guten Tagen eine fabulöse Waffe und kaum kaltzustellen. Es sind dann halt immer wieder diese unmotivierten Drops eingestreut, die einen Durchbruch zum „neuen Moss“ verhindern. Wenn man aber bedenkt, dass Bryant in 32% der Fälle tief angespielt wird und trotzdem insgesamt zwei von drei Pässen in seine Richtung fängt, ist das okay.

Slot-WR Ogletree ist Free Agent und zeigte nach dem Season Opener nicht mehr viel. Die Jungs dahinter, Harris und Beasley, haben dagegen schon mehrfach angedeutet, was in ihnen steckt.

TE Witten ist verlässlich genug um keine Baustelle aufmachen zu wollen (110 Catches, wird aber fast ausschließlich kurz angespielt). Ein interessanter Mann ist der junge TE Hanna (2012: nur 8 Catches in sechs Einsätzen): Gebaut wie Gronkowski, und so einer, an dem man als OffCoord seine Freude haben muss und seine Kreativität ausleben kann.

Bei den Running Backs dürfte der Vertrag des Felix Jones nicht verlängert werden, was nach Jones’ schwacher Saison kein herber Verlust wäre. Der angedachte Starter DeMarco Murray ist ein geschwindiger Mann aus der Abteilung Attacke, der sich ungern länger als einskommasieben Sekunden eine Spielzugentwicklung anschaut und dann sofort losrennt. Murrays Ruf leidet aber an seiner Verletzungsanfälligkeit.

Ausblick

Die Situation bei den Cowboys ist, wie eingangs geschrieben, vertrackt. Die Fragezeichen sind viele und vielschichtig: Neuer weißhaariger DefCoord, neues System, schlechte Cap-Situation, Head Coaches, der nicht mehr das Vertrauen von oben herab genießt. Alles Anzeichen, die auf nix Gutes hindeuten, vor allem nicht in der hammerharten NFC East.

Dallas besitzt aber eine ausreichend starke Offense, um viele Punkte vorzulegen, und hat immerhin die Schlüsselpositionen in der Defense (DE Ware, Cornerbacks) mit hochklassigen Leuten besetzt, sodass ein kompletter Einbruch einer Überraschung gleich käme. Riecht nach einer weiteren Saison zwischen 7 und 10 Siegen und eine lustige Soap Opera, wenn Jones im Winter möglicherweise Romo und Garrett ersetzen muss (sich selbst = ausgeschlossen).