Die furchtlose NFL-Vorschau 2017/18 | Das Niemandsland

Teil 2 der großen, furchtlosen NFL-Vorschau 2017/18 mit den Mannschaften, die sich zwischen den Bodensatztruppen von gestern und den starken Playoffkandidaten von morgen befinden. Erfahrungsgemäß schießen immer ein bis zwei Mannschaften aus dieser Gruppe letztlich hoch in die Playoffs – in einer auf Parität getrimmten Liga wie der NFL ist das per Design gegeben. Weiterlesen

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NFL 2016, Woche 5: Montagsvorschauer

Bei beiden Mannschaften klaffen Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinander. Die Carolina Panthers (1-3) wollten da weitermachen, wo sie im NFC Championship Game aufgehört haben. Die Tampa Bay Buccaneers (1-3) wolllten den jungen flüssigen Kern verfestigen und damit ein stabiles Fundament für die nächsten Jahre legen. Beide Mannschaften sind nicht nur auf der Suche nach Siegen, sondern auch noch auf der Suche nach ihrer Identität für die Saison 2016. Die Suche der NFL nach besseren Einschaltquoten wird mit dem Ausfall Cam Newtons auch nicht einfacher. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Das Niemandsland

Nach dem gestrigen Auftakt zur großen, furchtlosen NFL-Vorschau 2016/17, folgt heute Teil 2 mit den Mannschaften, die nicht Gefahr laufen sollten um den Top-Pick zu spielen, die aber auch keine logischen Playoffanwärter sein sollten. Willkommen im Mittelmaß. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Kellerkinder

Die NFL-Saison 2015/16 steht vor der Tür und somit bietet sich wieder die Chance für eine lieb gewordene Tradition auf diesem Blog: Die große vierteilige Vorschau auf die Saison, die wie immer unterteilt wird in die vier Kategorien: Bodensatz, Mittelklasse, Playoffkandidaten und Titelanwärter.

Berücksichtigt werden dabei verschiedene Faktoren, von der Entwicklung der Mannschaft über die Stärke der Divisionen und Spielpläne hin zu Regressionsfaktoren wie Turnover- oder Verletzungsglück. Also nichts was wir nicht schon in der Vergangenheit hatten. In der Leiste rechts finden sich ein Glossar und die Referenz-Links zu den entsprechenden Quellen.

In der Voranalyse fällt auf, dass die NFC in diesem Jahr in der Spitze recht dünn besetzt ist, während die AFC mittlerweile wieder einen ganz guten Standard erreicht hat und wegzukommen scheint vom Gespann Manning / Brady, der über den Endspielteilnehmer dieser Staffel entscheidet. Doch genug der Vorrede, beginnen wir mit den acht Mannschaften, die den Bodensatz der Liga bilden. Weiterlesen

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Absturz der Tampa Bay Buccaneers auf den Bodensatz der NFL im ersten Jahr unter dem „Retter“, dem neuen Head Coach Lovie Smith: 2-14 Saison samt Top-Draftpick. Das hatte man nicht erwartet von der Mannschaft, die noch vor zwei Jahren als so reich an individuellen Talenten galt und deren größtes Problem mit dem Weggang des verhassten Cheftrainers Schiano vor eineinhalb Jahren aus dem Weg geräumt schien. Weiterlesen

Date am Donnerstag | 30. Oktober 2014

Kein Date mehr haben die Tampa Bay Buccaneers und ihr Safety Mark Barron, der erst vor zwei Jahren dort in der ersten Runde gedraftet wurde: Barron wurde gestern nach St Louis verschifft – für n’Appel und n’Ei, sprich 4th Rounder und 6th Rounder. Ein Trade, in den man hineininterpretieren kann, dass das Front-Office weiterhin volles Vertrauen in Head Coach Lovie Smith hat: Wie sonst verkauft man ein solches Talent nach so kurzer Zeit, weil es so eindeutig nicht in das Spielschema des Coaches passte? Smith lässt damit den zweiten großen Namen nach Darrelle Revis gehen, weil ihm sein „System“ über die Spieler geht. Auch spannend: Wie kann sich ein Coach heute in der NFL noch durchsetzen mit dieser Philosophie? Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 3: Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers

Start der NFL-Woche 3 heute Nacht ab 02h30 mit dem Divisionsduell Atlanta Falcons vs Tampa Bay Buccaneers aus der kriselnden NFC South (SPORT1 US überträgt live). Die Falcons kommen aus einem wechselhaften Saisonstart mit einem spektakulären Sieg über die Saints und einer apathischen Pleite in Cincinnati. Wo dieses Team steht, vermag keiner so recht einzuschätzen. Weiterlesen

Frühstückseier nach Woche 1: Tampa Bay Buccaneers – Carolina Panthers

Carolina gewann 20-14 bei den Tampa Bay Buccaneers. Mit dabei geholfen hat eine +3 Turnover Ratio, aber das ist nicht der Punkt des Spiels. Carolina kann vieles aus diesem Spiel ziehen. Die Crew der Ballfänger machte einen viel besseren Eindruck als man erwarten durfte. Der WR-Hüne Kelvin Benjamin wirkt erstaunlich abgeklärt und machte zwei, drei eindrucksvolle Catches in enger Deckung. Bei Benjamin wusste man um dessen Talente, aber man hatte stets Angst, weil er so wenig Spielerfahrung mit in die Liga brachte. Am Sonntag schien das kein Problem zu sein. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Die Aufstrebenden

Referenzen

Zweiter Teil der großen Vorschau auf die NFL-Vorschau 2014/15 mit den Mannschaften, die man irgendwo im unteren Mittelfeld bzw. knapp außerhalb der Playoffs erwarten kann. Es sind Mannschaften, die man für gut genug halten kann um nicht zwingend in Nähe des Top-Picks abzurutschen, die aber durch Schedule oder zu wenig Qualität im Kader nicht unbedingt als logische Playoffkandidaten anzusehen sind. Weiterlesen

Josh McCown und die Tampa Bay Buccaneers

Josh McCown war eine der positivsten Erscheinungen der Saison 2013/14: Nach einer Cutler-Verletzung von den Chicago Bears aus dem Ruhestand reaktiviert und quasi direkt von seinem Platz als Highschool-Lehrer an den Trainingsplatz gefahren, lieferte McCown eine exzellente Saisonschlussphase und führte eine Bears-Mannschaft ohne Defense fast noch in die Playoffs. Nun unterschrieb McCown in Tampa einen Zweijahresvertrag über 10 Mio. Dollar, mit runden 4.5 Mio. Handgeld und der Option auf fünf weitere Millionen durch Leistungsklauseln. Was bedeutet der Deal für die Buccaneers?

Ich lese bei Sports Illustrated so etwas:

Any desire for an open quarterback competition, though, fell by the wayside Wednesday when Tampa Bay landed the veteran quarterback it was after: ex-Chicago backup-turned-replacement starter Josh McCown. During the press conference to announce McCown’s signing, [Lovie] Smith was asked if the 34-year-old journeyman would be his starter heading toward the 2014 season.

Smith’s reply: “Yes, he is.”

Die erste Message ist eine versteckte Ansage an den jungen Mike Glennon. Die zweite Message in dieser Aussage impliziert, dass Tampa möglicherweise nicht in das Rennen um einen Quarterback im Draft 2014 einsteigen wird. Wie viel dran ist, ist nicht ganz klar – Smoke Screens! – aber zumindest besteht die Möglichkeit, dass die Buccaneers tatsächlich den alten McCown als Stamm-QB für die kommende Saison ansehen (das heißt noch nicht, dass er es werden wird). Auch der Vertragsumfang spricht zumindest nicht vehement dagegen.

Wie klug ist das?

Ich hörte von Greg Cosell in der Filmstunde von PhiladelphiaEagles.com sinngemäß folgende Worte über McCown in Chicago: Du musst bei McCown gut aufpassen. Das System, das Trestman in Chicago spielt, ist extrem strukturiert und extrem auf Präzision ausgelegt. Es ist ein Traum für einen Quarterback, weil es ihm für jede Situation eine Antwort gibt – und McCown hat das auch zugegeben. Du hast eigentlich mehr Antworten als Fragen, das kriegst du anderswo nicht.

Prinzipiell sagt man eine solche Offense auch dem Buccs-OffCoord Jeff Tedford nach, der auch alles danach auszurichten versucht, dem Quarterback eine möglichst schnelle Antwort zu geben – sodass dieser gar nicht erst großartig Plays auswendig lernen muss, sondern schnell überreißt was im Spielzug passiert. Das würde also zumindest philosophisch passen. Die Skill-Player in Tampa sind allerdings nach WR Vincent Jackson, RB Doug Martin und mit Abstrichen WR Mike Williams längst nicht die Kaliber, die McCown in Chicago hatte.

Und dann ist da die eine Frage, die sich durch die Advanced-Stats aufmacht: Sind McCowns Stats in Chicago auch unabhängig vom speziellen Spielsystem verlässlich?

McCown warf 2013/14 in insgesamt nur fünf Starts 224 Pässe, davon 149 complete (66.5% Completions) für 13 Touchdowns und sehr starke 7.63 NY/A. Seine Sack-Quote liegt mit 4.7% in etwa im Mittelfeld.

Aber: McCown warf nur eine einzige lächerliche Interception in 224 Versuchen. Das ist eine Quote von 0.44% oder anders gesagt: Sie ist nicht zu halten. Sie schreit geradezu nach Regression zur Mitte, und mal ernsthaft: Wie würden wir über McCown denken, hätte er nicht eine, sondern vielleicht zu erwartende sechs oder sieben Interceptions geworfen? Sechs Interceptions aus 224 Versuchen wären in etwa Liga-Durchschnitt und durchaus nicht so unrealistisch.

McCown hätte mich abgeschreckt. Er war zehn Jahre lang ein Wandervogel in der Liga, mit einigen Highlights (der sensationelle Last-Minute Pass 2003/04, der die Vikings in der allerletzten Sekunde der Saison aus den Playoffs schmiss, Bears 2013), aber es reichte letztlich nie zu mehr als einer Backup-Rolle. Sind fünf Spiele mit den Bears und ihrem großartigen Spielerpersonal genug um zehn Jahre McCown zu vergessen? Glaubt in Tampa wirklich jemand, McCown könne seine INT-Quote annähernd halten? Oder seine NY/A-Quote?

Die Chiefs hatten vor einigen Jahren ein ähnliches Problem: Es muss um 2006 herum gewesen sein, und ihr unbekannter Backup (es war entweder Brody Croyle oder Damon Huard) spielte sich in der Regular-Season in einen Rausch und machte etwas der Güteklasse 13 TD zu 1 INT in der Regular Season. Im Playoffspiel wurde der alte Starter Trent Green rangelassen, aber er floppte. In der Offseason entschieden die Chiefs, dem Backup mit der überragenden TD/INT-Quote in seinen 5-6 Einsätzen die Zukunft zu geben, was wenig überraschend in einem Fiasko und einer Saison mit Top-Draftpick Nähe führte.

Ich habe Angst vor McCown. Er klingt nach kurzfristiger Übergangslösung oder Absicherung für einen jungen QB wie ganz passabel, aber eine ernsthafte Lösung auch nur für zwei oder drei Jahre? Es wäre jedenfalls eine große Überraschung, sollte McCown heute in zwölf Monaten noch als ernsthafte Zukunftsoption in Tampa gelten. Ich hätte a) einen anderen Free-Agent QB vom Markt geholt und b) würde mich immer noch gezielt nach einer QB-Option im Draft 2014 umschauen.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Die Tampa Bay Buccaneers sind ein komischer Laden mit ihrem Superstar-gespickten Kader, der in der abgelaufenen Saison nicht gut genug war um einen kompletten Kollaps zu verhindern. Als Reaktion auf die enttäuschende 4-12 Bilanz wurde der v-e-r-h-a-s-s-t-e Head Coach Greg Schiano gemeinsam mit dem GM Domenik rasiert. Das allein galt als Upgrade. Richtige Euphorie lösten dann aber die Neubesetzungen im Trainerstab aus: Mit Lovie Smith wurde ein in Tampa extrem populärer Mann eingekauft, und auch die neuen Coordinators sind durchaus arrivierte, oft geprüfte Männer. Darüber hinaus wurde die „Tracht“ der Buccs saniert. Man geht also frisch gelüftet in die Zukunft.

Lovie Smith ist kein gewöhnlicher Head Coach in der NFL; er ist für viele eine Ikone. Ein intelligentes schwarzes Männlein, ein Magier der Defense, der Ende der 90er als Assistent im gefeierten Trainerstab der Buccs unter Tony Dungy seine ersten guten Trainererfahrungen machte und später in St Louis und Chicago große bis sehr große Erfolge schaffte – ohne allerdings jemals die Vince Lombardi Trophy in den Händen zu halten. Smith kehrt nun an alte Wirkungsstätte zurück, und sein besonnenes Auftreten sowie seine nette Person bilden schon qua Existenz Kontrastprogramm zum Disziplinfanatiker Schiano, der schon im zweiten Jahr soviel Zwietracht in den Laden gebracht hatte wie es die Zweifler schon immer befürchtet hatten.

Überblick 2013

 Record         4-12
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    5.2    28
Power Ranking  0.269  30
Pass-Offense   5.0    32
Pass-Defense   6.5    21
Turnovers      +10

Management

Salary Cap 2014.

Lovie, ein Verfechter (weil Mitentwickler) der quicken „Tampa-2“ Defense, holte sich als seinen DefCoord den in Minnesota geschassten Leslie Frazier, auch so einen früher in Tampa groß gewordenen Mann. Allerdings: Tampa-2 hin oder her, beide zeichnen sich durch Adaptivität aus, beide gelten als Männer, die zuallererst ihre Defense disziplinieren. Ihre Mannschaften sind berühmt dafür, sicher und sauber zu spielen und nie die Basics des Football zu vergessen: Tackling, Tackling, Tackling, aber immer mit dem Hintergedanken, in einen Ball zu springen und eine unwahrscheinliche Interception abzufangen.

„Disziplin“ ist dabei auch ein Schlüsselwort mit Blick auf die Penaltys: Schiano („Ich will gar nicht das fairste Team der Liga haben“) managte zuletzt ein Team, das mit 0.49yds/Play die meisten Strafen nach Yards pro Spielzug der gesamten Liga kassierte.

Die Buccs-Defense war 2013/14 gemessen am Personal eine leichte Enttäuschung: 6.5 NY/A gegen den Pass (#21 der Liga) sowie 61% Success-Rate gegen das Laufspiel (#7) waren Rückschritte gegenüber dem Vorjahr – einzig die hohe Interception-Quote (3.8% INT-Quote, #3 der Liga) rettete die Mannschaft vor dem Totaldesaster. Nun sind Interceptions nur äußerst bedingt „planbar“, aber Lovies Mannschaften gehörten über viele Jahre immer zu jenen mit den meisten Defense-Turnovers, und Lovie übernimmt auch ein Team, das relativ viele erzwungen hatte.

Bauen kann man auf einen Abwehr-Kern mit je einem Superstar in jeder Unit: DT Gerald McCoy, LB Lavonte David und CB Darrelle Revis werden in fast jedem „Positional Ranking“ als erster oder zweiter Name genannt. Vor allem Revis (16 Mio. Grundgehalt) schien bisher nicht allzu glücklich zu sein in Tampa, wo man ihn – den besten Manndecker der Gegenwart – in eine Zonendeckung presste, in der er seiner größten Stärken beraubt wurde. Es bleibt die Frage, wie Smith/Frazier Revis einsetzen wollen und werden: Tampa-2 ist auch in Smiths modernisierten Varianten eine Zonenverteidigung geblieben.

Smith und Frazier haben durchaus eine Historie als Leute, die keine Scheu haben, auch Manndeckung spielen zu lassen. Wird das System soweit angepasst, dass es für Revis wieder mehr direkte Duelle Mann-gegen-Mann gibt? Oder geht man in die traditionelle Richtung, und spielt konservativ Zone? In letzterem Fall ist ein Trade von Revis nicht auszuschließen: Revis kassiert viel Geld, aber er kassierte kein Handgeld, das heißt: Er würde kein dead money kosten – und er würde Draftpicks als Gegenwert bringen.

Abseits des Star-Trios sind Fragezeichen aufgekommen. Sie fangen in der Defense Line an, wo McCoys Nebenmann – meist NT Spence – permanent zu den Problemfällen gezählt wurde. Man hatte sich von Spence erhofft, den abgewanderten Roy Miller ersetzen können – nada. Spence wurde unisono verteufelt. Offen ist auch, was an den Flanken passiert, wo man den Abgang von Michael Bennett nicht verkraften konnte: DE Clayborn und DE Bowers waren vor drei Jahren hoch gedraftete Jungspunde von denen man sich einiges versprach, aber beide wurden vom blässlichen DE Gholston in den Schatten gestellt. Hauptkritik: Beide seien zu schlampig, zu unbeständig, nur situativ gebräuchlich. Landläufige Meinung: Mit einem McCoy als Monster in der Mitte müsste mehr drin sein. Als Option hält sich der neue GM Jason Licht offen, einen Free-Agent DE wie vielleicht den Bengal Michael Johnson einzukaufen.

Auf Linebacker gibt es neben dem All-Pro würdigen David kaum Leute mit Erfahrung, und in der Secondary soll man vor allem von den Safetys Goldson (kassiert rund 8 Mio) und Barron (zwei eher maue Jahre) enttäuscht gewesen sein, und was die Cornerbacks abseits von Revis – so er wie angenommen bleiben darf – angeht: CB Banks war 2013 Rookie und wurde oft verbrannt, aber viele Rookies werden auf Cornerback verbrannt, und CB Johnson gelten aktuell noch als unbeschriebene Blätter.

Das Potenzial dieser Defense ist in meinen Augen gigantisch: Kaum eine Defense außerhalb der NFC West kann auf ein derartiges Ensemble aus kampferprobten Recken aus dem Premium-Segment und aufstrebenden, hoch gedrafteten Jungen. Das Potenzial ist bloß noch nicht immer ersichtlich. Mir gefielen schon die Moves vom ehemaligen GM Mark Domenik im letzten Jahr, und ich würde eine Reihe dieser Spieler noch nicht aufgeben – nicht, wenn Lovie Smith und Les Frazier sie coachen. Ich erwarte, dass Tampa Bay 2014 eine der besten Defenses der NFL stellen wird.

Mehr Fragen lässt der Angriff offen. Dort wurde Jeff Tedford als neuer OffCoord eingestellt. Tedford sagt dem gemeinen NFL-Fan vielleicht nicht allzuviel, aber Tedford war viele Jahre lang ein sehr respektierter College-Coach, und er gilt als echter QB-Guru – allerdings hängt ihm der Ruf der von ihm in die NFL geschickten Quarterbacks wie die Pest nach: Akili Smith, Joey Harrington, Trent Dilfer, Kyle Boller, und wie sie alle hießen… und Aaron Rodgers. Einzig Rodgers schaffte in der NFL den Sprung ganz nach oben.

Tedfords System soll Quarterbacks sehr fordern. Er legt viel Wert auf mechanisch saubere Arbeit, was bei einem Jüngling wie Mike Glennon nie der verkehrte Weg sein kann – allerdings hörte man in NFL-Kreisen über die Jahre immer wieder, dass die NFL Tedfords Quarterbacks in der Anfangszeit anwies, die Bälle tiefer zu halten. Ein Aaron Rodgers wurde angeblich in Green Bay zwei Jahre lang gedrillt, den Ball nicht so hoch zu halten wie es Tedford ihn gelehrt hatte. Das zweite Konzept Tedfords dreht sich ums Verstehen. Er möchte nicht, dass seine Spieler Dinge auswendig lernen. Er möchte, dass sie das große Ganze überreißen. Wie innovativ das ist – ich weiß es nicht. Ich halte es auf alle Fälle für einen guten Ansatz. Diese Mentalität ist hier kurz und knapp in zwei Absätzen zusammengefasst. Dass Tedford als Coach gilt, der seine Zöglinge stundenlang in der Film-Session drillt, kann auch nicht schaden.

Der aktuelle Einser-QB im Kader ist der junge Glennon, von Schiano gedraftet und nun möglicherweise überflüssig. Glennon hat vor allem unter Druck die klar ersichtliche Tendenz, nervös zu werden und anstelle das Spielfeld runter, lieber den Passrush anzustarren, und an-zu-star-ren u-n-d g-a-n-z l-a-ngsam zu werden… bis zum Sack. 8.7% Sack-Quote ist ein recht abstrus hoher Wert, selbst für einen Rookie hinter einer nicht immer überzeugenden Offensive Line (sechsthöchster Wert der NFL-Saison).

Trotzdem ist nicht ganz auszuschließen, dass Tampa dem Glennon ein Jahr Bewährung gibt, denn komplett hoffnungslos sah Glennon als Rookie in einer an sich schon nicht funktionierenden Mannschaft nicht aus. 59% Completion-Rate und nur 5.0 NY/A sind nichts zum Prahlen, aber man beachte die Umstände. Es

Die Buccs haben ein Loch auf Wide Receiver: Der Einser Vince Jackson ist ein deep threat vor dem Herrn (30% downfield-Anspiele), aber er ist auch die absolut einzige verbliebene Waffe der Offense: 32% der Anspiele der Buccs gingen auf Jackson. TE Wright hatte 14%, alle anderen unter 10% Anspiele. Das ist keine Verteilung, für die die Vokabel „ausgewogen“ passend wäre. Ein Mike Williams, 2013/14 überwiegend im Krankenstand, könnte Abhilfe schaffen, aber dann sind es immer noch nur zwei gute Receiver, und keine Tight Ends und kein Mann für den Slot. Ein Talent wie Sammy Watkins könnte potenziell Abhilfe schaffen, aber es gibt keine Garantien, dass ein Watkins noch an Draftpick #7 verfügbar ist, wenn die Buccs dran sind. Viel Holz zum Trade nach oben ist nicht da: Der 3rd-Rounder und 6th-Rounder wurden bereits verkauft. Denkbar ist auch eine Ergänzung via Free-Agency oder ein mittlerer Draftpick für einen Receiver und/oder Tight End. Fix ist bloß: Es wird Moves auf WR/TE geben, in welchem Ausmaß auch immer.

Wo es in Tampa auch immer mal wieder gern hapert: Offense Line. Rein die Spielernamen hörend, vermutet man hier eine Top-5 Offense Line, aber es gibt mittlerweile Zweifel, ob es z.B. ein LG Carl Nicks überhaupt noch in der NFL packt: Vor zwei Jahren mit Pauken und Trompeten für einen Rekordvertrag aus New Orleans übersiedelt, spielte Nicks in zwei Jahren ganze neun Partien für die Buccs. Erst plagte ihn eine langwierige Knieverletzung; dann kam die bizarre MRSA-Bakterienverletzung, die ihn fast die ganze Saison 2013/14 außer Gefecht setzte. Sein Guard-Kollege Joseph hatte auch mal einen guten Ruf, gilt mittlerweile aber als völlig verbraucht.

Die einzige Offense-Position, die nicht wirklich Upgrades verträgt, ist Running Back. Sofern der junge Doug Martin nicht an den Nachwirkungen seiner Verletzung zugrunde geht, ist das einer der fünf besten two way Backs in der Liga: Kann fangen, kann laufen und nimmt sich’s zu Herzen, wenn ihn mal ein Coach etwas unsanft anpflaumt.

Die Buccs haben Cap-Space. Sollten sie in Verlegenheit geraten: Die Punter-Position ist eine einfache Einsparmöglichkeit. Dort kassiert Michael Koenen absurde 3.25 Mio. Dollar/Saison.

Noch einmal: Es ist ein insgesamt sehr, sehr brauchbarer Kader, mit dem die Buccs und ihr vielversprechender Trainerstab arbeiten können. Es gibt highend-Talente auf mehreren wichtigen Positionen. Es gibt aber auch Fragezeichen. Eine Priorisierung fällt nicht ganz einfach, daher als Zusammenfassung noch einmal die wichtigsten Needs:

  • Quarterback: Selbst wenn man für 2014 auf Glennon setzt, wird man einen routinierten Backup als Notfallplan holen. Sollte man die Entscheidung treffen, einen ambitionierten Rookie zu draften, so denn.
  • Wide Receiver / Tight Ends: Zwei Positionen, die man mit dem Erst- und/oder Zweitrundenpick angehen kann, sollte man keinen Quarterback im Visier haben. Tight End ist die vielleicht noch größere Baustelle als WR.
  • Offensive Guard: Nicks ist ein Fragezeichen von seinem körperlichen Zustand, Joseph von seinen spielerischen Fähigkeiten.
  • Defensive End: Möglicherweise eine Position, die in der Free-Agency angegangen wird. Ein 1B-Mann wie Johnson aus Cincinnati ist denkbar.
  • Nose Tackle: Der Nebenmann von McCoy muss im Abwehrsystem der Buccs kein Weltmeister sein, aber er sollte besser als Bodensatz sein.
  • Cornerback: Revis wird wahrscheinlich bleiben. Aber selbst dann würde ein weiterer CB-Routinier nicht schaden. Eher Free-Agency als Draft.

Lovie Smith konnte und kann ohne Star-Quarterback gewinnen. Zu gut waren seine Defenses in den letzten Jahren. Selbst wer mit Glennon nur mäßig begeistert ist, sollte nicht erwarten, dass Tampa sofort 2014 den Franchise-QB sucht. Auszuschließen ist es nicht. Aber es ist – vielleicht auch je nach noch verfügbaren Spielern im Draft – auch möglich, dass man die Skill-Positionen oder Offensive Line zuerst zu verstärken versucht.

Die Tampa Bay Buccaneers sind jedenfalls eines der teams to watch. Vieles wird neu sein: Die an der Seitenlinie, die auf dem Platz, die Trikots, die Erwartungen – die Erfolge?