NFL 2016, Woche 5: Montagsvorschauer

Bei beiden Mannschaften klaffen Anspruch und Wirklichkeit noch weit auseinander. Die Carolina Panthers (1-3) wollten da weitermachen, wo sie im NFC Championship Game aufgehört haben. Die Tampa Bay Buccaneers (1-3) wolllten den jungen flüssigen Kern verfestigen und damit ein stabiles Fundament für die nächsten Jahre legen. Beide Mannschaften sind nicht nur auf der Suche nach Siegen, sondern auch noch auf der Suche nach ihrer Identität für die Saison 2016. Die Suche der NFL nach besseren Einschaltquoten wird mit dem Ausfall Cam Newtons auch nicht einfacher. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2016/17 | Das Niemandsland

Nach dem gestrigen Auftakt zur großen, furchtlosen NFL-Vorschau 2016/17, folgt heute Teil 2 mit den Mannschaften, die nicht Gefahr laufen sollten um den Top-Pick zu spielen, die aber auch keine logischen Playoffanwärter sein sollten. Willkommen im Mittelmaß. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2015/16 | Die Kellerkinder

Die NFL-Saison 2015/16 steht vor der Tür und somit bietet sich wieder die Chance für eine lieb gewordene Tradition auf diesem Blog: Die große vierteilige Vorschau auf die Saison, die wie immer unterteilt wird in die vier Kategorien: Bodensatz, Mittelklasse, Playoffkandidaten und Titelanwärter.

Berücksichtigt werden dabei verschiedene Faktoren, von der Entwicklung der Mannschaft über die Stärke der Divisionen und Spielpläne hin zu Regressionsfaktoren wie Turnover- oder Verletzungsglück. Also nichts was wir nicht schon in der Vergangenheit hatten. In der Leiste rechts finden sich ein Glossar und die Referenz-Links zu den entsprechenden Quellen.

In der Voranalyse fällt auf, dass die NFC in diesem Jahr in der Spitze recht dünn besetzt ist, während die AFC mittlerweile wieder einen ganz guten Standard erreicht hat und wegzukommen scheint vom Gespann Manning / Brady, der über den Endspielteilnehmer dieser Staffel entscheidet. Doch genug der Vorrede, beginnen wir mit den acht Mannschaften, die den Bodensatz der Liga bilden. Weiterlesen

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Absturz der Tampa Bay Buccaneers auf den Bodensatz der NFL im ersten Jahr unter dem „Retter“, dem neuen Head Coach Lovie Smith: 2-14 Saison samt Top-Draftpick. Das hatte man nicht erwartet von der Mannschaft, die noch vor zwei Jahren als so reich an individuellen Talenten galt und deren größtes Problem mit dem Weggang des verhassten Cheftrainers Schiano vor eineinhalb Jahren aus dem Weg geräumt schien. Weiterlesen

Date am Donnerstag | 30. Oktober 2014

Kein Date mehr haben die Tampa Bay Buccaneers und ihr Safety Mark Barron, der erst vor zwei Jahren dort in der ersten Runde gedraftet wurde: Barron wurde gestern nach St Louis verschifft – für n’Appel und n’Ei, sprich 4th Rounder und 6th Rounder. Ein Trade, in den man hineininterpretieren kann, dass das Front-Office weiterhin volles Vertrauen in Head Coach Lovie Smith hat: Wie sonst verkauft man ein solches Talent nach so kurzer Zeit, weil es so eindeutig nicht in das Spielschema des Coaches passte? Smith lässt damit den zweiten großen Namen nach Darrelle Revis gehen, weil ihm sein „System“ über die Spieler geht. Auch spannend: Wie kann sich ein Coach heute in der NFL noch durchsetzen mit dieser Philosophie? Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 3: Atlanta Falcons – Tampa Bay Buccaneers

Start der NFL-Woche 3 heute Nacht ab 02h30 mit dem Divisionsduell Atlanta Falcons vs Tampa Bay Buccaneers aus der kriselnden NFC South (SPORT1 US überträgt live). Die Falcons kommen aus einem wechselhaften Saisonstart mit einem spektakulären Sieg über die Saints und einer apathischen Pleite in Cincinnati. Wo dieses Team steht, vermag keiner so recht einzuschätzen. Weiterlesen

Frühstückseier nach Woche 1: Tampa Bay Buccaneers – Carolina Panthers

Carolina gewann 20-14 bei den Tampa Bay Buccaneers. Mit dabei geholfen hat eine +3 Turnover Ratio, aber das ist nicht der Punkt des Spiels. Carolina kann vieles aus diesem Spiel ziehen. Die Crew der Ballfänger machte einen viel besseren Eindruck als man erwarten durfte. Der WR-Hüne Kelvin Benjamin wirkt erstaunlich abgeklärt und machte zwei, drei eindrucksvolle Catches in enger Deckung. Bei Benjamin wusste man um dessen Talente, aber man hatte stets Angst, weil er so wenig Spielerfahrung mit in die Liga brachte. Am Sonntag schien das kein Problem zu sein. Weiterlesen

Die furchtlose NFL-Vorschau 2014/15 | Die Aufstrebenden

Referenzen

Zweiter Teil der großen Vorschau auf die NFL-Vorschau 2014/15 mit den Mannschaften, die man irgendwo im unteren Mittelfeld bzw. knapp außerhalb der Playoffs erwarten kann. Es sind Mannschaften, die man für gut genug halten kann um nicht zwingend in Nähe des Top-Picks abzurutschen, die aber durch Schedule oder zu wenig Qualität im Kader nicht unbedingt als logische Playoffkandidaten anzusehen sind. Weiterlesen

Josh McCown und die Tampa Bay Buccaneers

Josh McCown war eine der positivsten Erscheinungen der Saison 2013/14: Nach einer Cutler-Verletzung von den Chicago Bears aus dem Ruhestand reaktiviert und quasi direkt von seinem Platz als Highschool-Lehrer an den Trainingsplatz gefahren, lieferte McCown eine exzellente Saisonschlussphase und führte eine Bears-Mannschaft ohne Defense fast noch in die Playoffs. Nun unterschrieb McCown in Tampa einen Zweijahresvertrag über 10 Mio. Dollar, mit runden 4.5 Mio. Handgeld und der Option auf fünf weitere Millionen durch Leistungsklauseln. Was bedeutet der Deal für die Buccaneers?

Ich lese bei Sports Illustrated so etwas:

Any desire for an open quarterback competition, though, fell by the wayside Wednesday when Tampa Bay landed the veteran quarterback it was after: ex-Chicago backup-turned-replacement starter Josh McCown. During the press conference to announce McCown’s signing, [Lovie] Smith was asked if the 34-year-old journeyman would be his starter heading toward the 2014 season.

Smith’s reply: “Yes, he is.”

Die erste Message ist eine versteckte Ansage an den jungen Mike Glennon. Die zweite Message in dieser Aussage impliziert, dass Tampa möglicherweise nicht in das Rennen um einen Quarterback im Draft 2014 einsteigen wird. Wie viel dran ist, ist nicht ganz klar – Smoke Screens! – aber zumindest besteht die Möglichkeit, dass die Buccaneers tatsächlich den alten McCown als Stamm-QB für die kommende Saison ansehen (das heißt noch nicht, dass er es werden wird). Auch der Vertragsumfang spricht zumindest nicht vehement dagegen.

Wie klug ist das?

Ich hörte von Greg Cosell in der Filmstunde von PhiladelphiaEagles.com sinngemäß folgende Worte über McCown in Chicago: Du musst bei McCown gut aufpassen. Das System, das Trestman in Chicago spielt, ist extrem strukturiert und extrem auf Präzision ausgelegt. Es ist ein Traum für einen Quarterback, weil es ihm für jede Situation eine Antwort gibt – und McCown hat das auch zugegeben. Du hast eigentlich mehr Antworten als Fragen, das kriegst du anderswo nicht.

Prinzipiell sagt man eine solche Offense auch dem Buccs-OffCoord Jeff Tedford nach, der auch alles danach auszurichten versucht, dem Quarterback eine möglichst schnelle Antwort zu geben – sodass dieser gar nicht erst großartig Plays auswendig lernen muss, sondern schnell überreißt was im Spielzug passiert. Das würde also zumindest philosophisch passen. Die Skill-Player in Tampa sind allerdings nach WR Vincent Jackson, RB Doug Martin und mit Abstrichen WR Mike Williams längst nicht die Kaliber, die McCown in Chicago hatte.

Und dann ist da die eine Frage, die sich durch die Advanced-Stats aufmacht: Sind McCowns Stats in Chicago auch unabhängig vom speziellen Spielsystem verlässlich?

McCown warf 2013/14 in insgesamt nur fünf Starts 224 Pässe, davon 149 complete (66.5% Completions) für 13 Touchdowns und sehr starke 7.63 NY/A. Seine Sack-Quote liegt mit 4.7% in etwa im Mittelfeld.

Aber: McCown warf nur eine einzige lächerliche Interception in 224 Versuchen. Das ist eine Quote von 0.44% oder anders gesagt: Sie ist nicht zu halten. Sie schreit geradezu nach Regression zur Mitte, und mal ernsthaft: Wie würden wir über McCown denken, hätte er nicht eine, sondern vielleicht zu erwartende sechs oder sieben Interceptions geworfen? Sechs Interceptions aus 224 Versuchen wären in etwa Liga-Durchschnitt und durchaus nicht so unrealistisch.

McCown hätte mich abgeschreckt. Er war zehn Jahre lang ein Wandervogel in der Liga, mit einigen Highlights (der sensationelle Last-Minute Pass 2003/04, der die Vikings in der allerletzten Sekunde der Saison aus den Playoffs schmiss, Bears 2013), aber es reichte letztlich nie zu mehr als einer Backup-Rolle. Sind fünf Spiele mit den Bears und ihrem großartigen Spielerpersonal genug um zehn Jahre McCown zu vergessen? Glaubt in Tampa wirklich jemand, McCown könne seine INT-Quote annähernd halten? Oder seine NY/A-Quote?

Die Chiefs hatten vor einigen Jahren ein ähnliches Problem: Es muss um 2006 herum gewesen sein, und ihr unbekannter Backup (es war entweder Brody Croyle oder Damon Huard) spielte sich in der Regular-Season in einen Rausch und machte etwas der Güteklasse 13 TD zu 1 INT in der Regular Season. Im Playoffspiel wurde der alte Starter Trent Green rangelassen, aber er floppte. In der Offseason entschieden die Chiefs, dem Backup mit der überragenden TD/INT-Quote in seinen 5-6 Einsätzen die Zukunft zu geben, was wenig überraschend in einem Fiasko und einer Saison mit Top-Draftpick Nähe führte.

Ich habe Angst vor McCown. Er klingt nach kurzfristiger Übergangslösung oder Absicherung für einen jungen QB wie ganz passabel, aber eine ernsthafte Lösung auch nur für zwei oder drei Jahre? Es wäre jedenfalls eine große Überraschung, sollte McCown heute in zwölf Monaten noch als ernsthafte Zukunftsoption in Tampa gelten. Ich hätte a) einen anderen Free-Agent QB vom Markt geholt und b) würde mich immer noch gezielt nach einer QB-Option im Draft 2014 umschauen.

Tampa Bay Buccaneers in der Sezierstunde

Die Tampa Bay Buccaneers sind ein komischer Laden mit ihrem Superstar-gespickten Kader, der in der abgelaufenen Saison nicht gut genug war um einen kompletten Kollaps zu verhindern. Als Reaktion auf die enttäuschende 4-12 Bilanz wurde der v-e-r-h-a-s-s-t-e Head Coach Greg Schiano gemeinsam mit dem GM Domenik rasiert. Das allein galt als Upgrade. Richtige Euphorie lösten dann aber die Neubesetzungen im Trainerstab aus: Mit Lovie Smith wurde ein in Tampa extrem populärer Mann eingekauft, und auch die neuen Coordinators sind durchaus arrivierte, oft geprüfte Männer. Darüber hinaus wurde die „Tracht“ der Buccs saniert. Man geht also frisch gelüftet in die Zukunft.

Lovie Smith ist kein gewöhnlicher Head Coach in der NFL; er ist für viele eine Ikone. Ein intelligentes schwarzes Männlein, ein Magier der Defense, der Ende der 90er als Assistent im gefeierten Trainerstab der Buccs unter Tony Dungy seine ersten guten Trainererfahrungen machte und später in St Louis und Chicago große bis sehr große Erfolge schaffte – ohne allerdings jemals die Vince Lombardi Trophy in den Händen zu halten. Smith kehrt nun an alte Wirkungsstätte zurück, und sein besonnenes Auftreten sowie seine nette Person bilden schon qua Existenz Kontrastprogramm zum Disziplinfanatiker Schiano, der schon im zweiten Jahr soviel Zwietracht in den Laden gebracht hatte wie es die Zweifler schon immer befürchtet hatten.

Überblick 2013

 Record         4-12
Enge Spiele    2-5
Pythagorean    5.2    28
Power Ranking  0.269  30
Pass-Offense   5.0    32
Pass-Defense   6.5    21
Turnovers      +10

Management

Salary Cap 2014.

Lovie, ein Verfechter (weil Mitentwickler) der quicken „Tampa-2“ Defense, holte sich als seinen DefCoord den in Minnesota geschassten Leslie Frazier, auch so einen früher in Tampa groß gewordenen Mann. Allerdings: Tampa-2 hin oder her, beide zeichnen sich durch Adaptivität aus, beide gelten als Männer, die zuallererst ihre Defense disziplinieren. Ihre Mannschaften sind berühmt dafür, sicher und sauber zu spielen und nie die Basics des Football zu vergessen: Tackling, Tackling, Tackling, aber immer mit dem Hintergedanken, in einen Ball zu springen und eine unwahrscheinliche Interception abzufangen.

„Disziplin“ ist dabei auch ein Schlüsselwort mit Blick auf die Penaltys: Schiano („Ich will gar nicht das fairste Team der Liga haben“) managte zuletzt ein Team, das mit 0.49yds/Play die meisten Strafen nach Yards pro Spielzug der gesamten Liga kassierte.

Die Buccs-Defense war 2013/14 gemessen am Personal eine leichte Enttäuschung: 6.5 NY/A gegen den Pass (#21 der Liga) sowie 61% Success-Rate gegen das Laufspiel (#7) waren Rückschritte gegenüber dem Vorjahr – einzig die hohe Interception-Quote (3.8% INT-Quote, #3 der Liga) rettete die Mannschaft vor dem Totaldesaster. Nun sind Interceptions nur äußerst bedingt „planbar“, aber Lovies Mannschaften gehörten über viele Jahre immer zu jenen mit den meisten Defense-Turnovers, und Lovie übernimmt auch ein Team, das relativ viele erzwungen hatte.

Bauen kann man auf einen Abwehr-Kern mit je einem Superstar in jeder Unit: DT Gerald McCoy, LB Lavonte David und CB Darrelle Revis werden in fast jedem „Positional Ranking“ als erster oder zweiter Name genannt. Vor allem Revis (16 Mio. Grundgehalt) schien bisher nicht allzu glücklich zu sein in Tampa, wo man ihn – den besten Manndecker der Gegenwart – in eine Zonendeckung presste, in der er seiner größten Stärken beraubt wurde. Es bleibt die Frage, wie Smith/Frazier Revis einsetzen wollen und werden: Tampa-2 ist auch in Smiths modernisierten Varianten eine Zonenverteidigung geblieben.

Smith und Frazier haben durchaus eine Historie als Leute, die keine Scheu haben, auch Manndeckung spielen zu lassen. Wird das System soweit angepasst, dass es für Revis wieder mehr direkte Duelle Mann-gegen-Mann gibt? Oder geht man in die traditionelle Richtung, und spielt konservativ Zone? In letzterem Fall ist ein Trade von Revis nicht auszuschließen: Revis kassiert viel Geld, aber er kassierte kein Handgeld, das heißt: Er würde kein dead money kosten – und er würde Draftpicks als Gegenwert bringen.

Abseits des Star-Trios sind Fragezeichen aufgekommen. Sie fangen in der Defense Line an, wo McCoys Nebenmann – meist NT Spence – permanent zu den Problemfällen gezählt wurde. Man hatte sich von Spence erhofft, den abgewanderten Roy Miller ersetzen können – nada. Spence wurde unisono verteufelt. Offen ist auch, was an den Flanken passiert, wo man den Abgang von Michael Bennett nicht verkraften konnte: DE Clayborn und DE Bowers waren vor drei Jahren hoch gedraftete Jungspunde von denen man sich einiges versprach, aber beide wurden vom blässlichen DE Gholston in den Schatten gestellt. Hauptkritik: Beide seien zu schlampig, zu unbeständig, nur situativ gebräuchlich. Landläufige Meinung: Mit einem McCoy als Monster in der Mitte müsste mehr drin sein. Als Option hält sich der neue GM Jason Licht offen, einen Free-Agent DE wie vielleicht den Bengal Michael Johnson einzukaufen.

Auf Linebacker gibt es neben dem All-Pro würdigen David kaum Leute mit Erfahrung, und in der Secondary soll man vor allem von den Safetys Goldson (kassiert rund 8 Mio) und Barron (zwei eher maue Jahre) enttäuscht gewesen sein, und was die Cornerbacks abseits von Revis – so er wie angenommen bleiben darf – angeht: CB Banks war 2013 Rookie und wurde oft verbrannt, aber viele Rookies werden auf Cornerback verbrannt, und CB Johnson gelten aktuell noch als unbeschriebene Blätter.

Das Potenzial dieser Defense ist in meinen Augen gigantisch: Kaum eine Defense außerhalb der NFC West kann auf ein derartiges Ensemble aus kampferprobten Recken aus dem Premium-Segment und aufstrebenden, hoch gedrafteten Jungen. Das Potenzial ist bloß noch nicht immer ersichtlich. Mir gefielen schon die Moves vom ehemaligen GM Mark Domenik im letzten Jahr, und ich würde eine Reihe dieser Spieler noch nicht aufgeben – nicht, wenn Lovie Smith und Les Frazier sie coachen. Ich erwarte, dass Tampa Bay 2014 eine der besten Defenses der NFL stellen wird.

Mehr Fragen lässt der Angriff offen. Dort wurde Jeff Tedford als neuer OffCoord eingestellt. Tedford sagt dem gemeinen NFL-Fan vielleicht nicht allzuviel, aber Tedford war viele Jahre lang ein sehr respektierter College-Coach, und er gilt als echter QB-Guru – allerdings hängt ihm der Ruf der von ihm in die NFL geschickten Quarterbacks wie die Pest nach: Akili Smith, Joey Harrington, Trent Dilfer, Kyle Boller, und wie sie alle hießen… und Aaron Rodgers. Einzig Rodgers schaffte in der NFL den Sprung ganz nach oben.

Tedfords System soll Quarterbacks sehr fordern. Er legt viel Wert auf mechanisch saubere Arbeit, was bei einem Jüngling wie Mike Glennon nie der verkehrte Weg sein kann – allerdings hörte man in NFL-Kreisen über die Jahre immer wieder, dass die NFL Tedfords Quarterbacks in der Anfangszeit anwies, die Bälle tiefer zu halten. Ein Aaron Rodgers wurde angeblich in Green Bay zwei Jahre lang gedrillt, den Ball nicht so hoch zu halten wie es Tedford ihn gelehrt hatte. Das zweite Konzept Tedfords dreht sich ums Verstehen. Er möchte nicht, dass seine Spieler Dinge auswendig lernen. Er möchte, dass sie das große Ganze überreißen. Wie innovativ das ist – ich weiß es nicht. Ich halte es auf alle Fälle für einen guten Ansatz. Diese Mentalität ist hier kurz und knapp in zwei Absätzen zusammengefasst. Dass Tedford als Coach gilt, der seine Zöglinge stundenlang in der Film-Session drillt, kann auch nicht schaden.

Der aktuelle Einser-QB im Kader ist der junge Glennon, von Schiano gedraftet und nun möglicherweise überflüssig. Glennon hat vor allem unter Druck die klar ersichtliche Tendenz, nervös zu werden und anstelle das Spielfeld runter, lieber den Passrush anzustarren, und an-zu-star-ren u-n-d g-a-n-z l-a-ngsam zu werden… bis zum Sack. 8.7% Sack-Quote ist ein recht abstrus hoher Wert, selbst für einen Rookie hinter einer nicht immer überzeugenden Offensive Line (sechsthöchster Wert der NFL-Saison).

Trotzdem ist nicht ganz auszuschließen, dass Tampa dem Glennon ein Jahr Bewährung gibt, denn komplett hoffnungslos sah Glennon als Rookie in einer an sich schon nicht funktionierenden Mannschaft nicht aus. 59% Completion-Rate und nur 5.0 NY/A sind nichts zum Prahlen, aber man beachte die Umstände. Es

Die Buccs haben ein Loch auf Wide Receiver: Der Einser Vince Jackson ist ein deep threat vor dem Herrn (30% downfield-Anspiele), aber er ist auch die absolut einzige verbliebene Waffe der Offense: 32% der Anspiele der Buccs gingen auf Jackson. TE Wright hatte 14%, alle anderen unter 10% Anspiele. Das ist keine Verteilung, für die die Vokabel „ausgewogen“ passend wäre. Ein Mike Williams, 2013/14 überwiegend im Krankenstand, könnte Abhilfe schaffen, aber dann sind es immer noch nur zwei gute Receiver, und keine Tight Ends und kein Mann für den Slot. Ein Talent wie Sammy Watkins könnte potenziell Abhilfe schaffen, aber es gibt keine Garantien, dass ein Watkins noch an Draftpick #7 verfügbar ist, wenn die Buccs dran sind. Viel Holz zum Trade nach oben ist nicht da: Der 3rd-Rounder und 6th-Rounder wurden bereits verkauft. Denkbar ist auch eine Ergänzung via Free-Agency oder ein mittlerer Draftpick für einen Receiver und/oder Tight End. Fix ist bloß: Es wird Moves auf WR/TE geben, in welchem Ausmaß auch immer.

Wo es in Tampa auch immer mal wieder gern hapert: Offense Line. Rein die Spielernamen hörend, vermutet man hier eine Top-5 Offense Line, aber es gibt mittlerweile Zweifel, ob es z.B. ein LG Carl Nicks überhaupt noch in der NFL packt: Vor zwei Jahren mit Pauken und Trompeten für einen Rekordvertrag aus New Orleans übersiedelt, spielte Nicks in zwei Jahren ganze neun Partien für die Buccs. Erst plagte ihn eine langwierige Knieverletzung; dann kam die bizarre MRSA-Bakterienverletzung, die ihn fast die ganze Saison 2013/14 außer Gefecht setzte. Sein Guard-Kollege Joseph hatte auch mal einen guten Ruf, gilt mittlerweile aber als völlig verbraucht.

Die einzige Offense-Position, die nicht wirklich Upgrades verträgt, ist Running Back. Sofern der junge Doug Martin nicht an den Nachwirkungen seiner Verletzung zugrunde geht, ist das einer der fünf besten two way Backs in der Liga: Kann fangen, kann laufen und nimmt sich’s zu Herzen, wenn ihn mal ein Coach etwas unsanft anpflaumt.

Die Buccs haben Cap-Space. Sollten sie in Verlegenheit geraten: Die Punter-Position ist eine einfache Einsparmöglichkeit. Dort kassiert Michael Koenen absurde 3.25 Mio. Dollar/Saison.

Noch einmal: Es ist ein insgesamt sehr, sehr brauchbarer Kader, mit dem die Buccs und ihr vielversprechender Trainerstab arbeiten können. Es gibt highend-Talente auf mehreren wichtigen Positionen. Es gibt aber auch Fragezeichen. Eine Priorisierung fällt nicht ganz einfach, daher als Zusammenfassung noch einmal die wichtigsten Needs:

  • Quarterback: Selbst wenn man für 2014 auf Glennon setzt, wird man einen routinierten Backup als Notfallplan holen. Sollte man die Entscheidung treffen, einen ambitionierten Rookie zu draften, so denn.
  • Wide Receiver / Tight Ends: Zwei Positionen, die man mit dem Erst- und/oder Zweitrundenpick angehen kann, sollte man keinen Quarterback im Visier haben. Tight End ist die vielleicht noch größere Baustelle als WR.
  • Offensive Guard: Nicks ist ein Fragezeichen von seinem körperlichen Zustand, Joseph von seinen spielerischen Fähigkeiten.
  • Defensive End: Möglicherweise eine Position, die in der Free-Agency angegangen wird. Ein 1B-Mann wie Johnson aus Cincinnati ist denkbar.
  • Nose Tackle: Der Nebenmann von McCoy muss im Abwehrsystem der Buccs kein Weltmeister sein, aber er sollte besser als Bodensatz sein.
  • Cornerback: Revis wird wahrscheinlich bleiben. Aber selbst dann würde ein weiterer CB-Routinier nicht schaden. Eher Free-Agency als Draft.

Lovie Smith konnte und kann ohne Star-Quarterback gewinnen. Zu gut waren seine Defenses in den letzten Jahren. Selbst wer mit Glennon nur mäßig begeistert ist, sollte nicht erwarten, dass Tampa sofort 2014 den Franchise-QB sucht. Auszuschließen ist es nicht. Aber es ist – vielleicht auch je nach noch verfügbaren Spielern im Draft – auch möglich, dass man die Skill-Positionen oder Offensive Line zuerst zu verstärken versucht.

Die Tampa Bay Buccaneers sind jedenfalls eines der teams to watch. Vieles wird neu sein: Die an der Seitenlinie, die auf dem Platz, die Trikots, die Erwartungen – die Erfolge?

Sektion „CU in February“ im Rückspiegel

Werfen wir noch einen schalen Blick auf meine acht größten Titelkandidaten aus dem Sommer zurück: Die CU in February Fraktion. Sechs der acht Kandidaten erreichten die Playoffs. Vier aus meinen Top-5 Kandidaten erreichten das Halbfinale.

Cincinnati Bengals

Division   AFC North
2012       10-6
Ergebnis   11-5 (Wildcard-Runde)

Ich schrieb:

Auch die Offseason kann als gelungen betrachtet werden; Cincinnati geht als noch besser aufgestelltes Team in diesen Herbst. Man kann argumentieren, dass man die Nummer 3 der AFC ist, was die Kaderqualität, und vielleicht noch besser, was den Coaching-Staff angeht.

[…]

Die Bengals sind richtig gut aufgestellt. Echte Schwachpunkte sind höchstens noch am zweiten WR-Posten und bei den Linebackers zu finden, und natürlich der „halbe“ Schwachpunkt auf Quarterback. Dalton ist gut, aber mit heutigem Wissen eben nicht mehr. Dalton ist die Personifizierung des Wesens der Cincinnati Bengals in einer Position. Das ist ein Quarterback zwar oft, aber bei Dalton ist es dieses „stuck in the middle“-Phänomen, das der kompletten Mannschaft das Gesamtbild der sehr guten, aber nicht herausragenden Truppe gibt.

Oder? Die AFC ist machbar, man spielt Colts/Chargers, während Baltimore Texans/Broncos als Positionsspiele vorgeworfen bekommt. Man hat ausreichend Waffen, um Pittsburgh zu schlagen. Cincy ist Divisionsfavorit. Divisionssieg hieße Playoff-Heimspiel, hieße höhere Wahrscheinlichkeit für einen längeren Playoff-Lauf.

Richtig starke Saison für die Cincinnati Bengals, die nicht nur 11-5 Siege holten, sondern im Power-Ranking auch als viertstärkste Mannschaft des Jahres ausgespuckt werden. Alle Welt wird aber darüber lachen, denn man schied mal wieder im ersten Playoffspiel aus. Offen gelegt wurden dabei vor allem die Limitierungen in der Offense. Danach verlor man beide Coordinators und geht nun mit einigen Fragezeichen in die Offseason. Stuck in the Middle droht, das Team zu killen.

Was aus der Vorschau traf ein? Zumindest nach Power-Ranking war man in den Top-3 der AFC. Dalton ist weiterhin als Schwachpunkt der Mannschaft anzusehen. Defense war sensationell trotz vieler Verletzungsausfälle.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense war mit 60% Erfolgsquote nur Mittelmaß. Linebacker war dank des Volltreffers Burfict kein wirklicher Schwachpunkt.

Houston Texans

Division   AFC South
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Vierter (2-14)

Ich schrieb:

Houston vermittelt ein bissl das Bild von good but not great. (Hey, remember the Bengals!) Das meiste dieses Eindrucks mag an der Blässlichkeit des Quarterbacks hängen. (Hey, remember the Bengals!) Aber IMHO auch ein bissl am fehlenden Passrush über die OLBs. Die Defense ist zwar optisch ansprechend, aber es fehlt das bissl WOW!

Die Playoffs sind trotzdem Pflicht. Die AFC South gewinnste fast im Vorbeigehen, auch wenn aufgrund des 5-0 in engen Spielen von 2012, einer Pythagoreischen Erwartung von zuletzt 10.2 Siegen und eines SRS von „nur“ 4.5 Punkten über Durchschnitt eine erneute 12-4 Bilanz eher schwierig erscheint. Die Texans haben aber einen einfachen Schedule. Sie hatten diesen auch letztes Jahr und nutzten ihn zu mehr Siegen als es ein Team ihrer Leistungsgüte normalerweise erreicht. Ich tippe auf einen erneuten dritten Seed in der AFC. Nicht ausgeschlossen, dass es am Ende ein Durchmarsch in den Superbowl wird. Ich würde es Head Coach Gary Kubiak mal gönnen.

Seuchensaison für die Texans, die erst in der Offense um QB Schaub als zu banal entblößt wurden und sich mit einer unheimlichen Serie an INT-Returns zu TD killten. Danach trat man mit UDFA auf Quarterback an, verlor neun von elf Spielen innerhalb eines Scores und feuerte noch vor Saisonende den erfolgreichsten Headcoach der Teamgeschichte, Gary Kubiak. Dafür hatte man danach genug Zeit um sich dessen Nachfolger Bill O’Brien zu greifen und bekommt nun die Chance, mit dem #1-Pick mal wieder auf QB-Jagd zu gehen.

Was aus der Vorschau traf ein? Die Bengals waren besser als die Texans (Hey! Großartig!). Die AFC South wäre fassungslos einfach gewesen.

OK. Aber was betraf die Texans? Matt Schaub packte es nicht. Laufspiel wurde immer ineffizienter. Nose Tackle, oder besser der fehlende Nose Tackle, riss die Defense weit runter. Hochwertiger Passrush über die Flanken war wie prognostiziert inexistent. Cushings Rückkehr brachte positiven Impact – aber leider nur drei Spiele, bis sich Cushing mit Kreuzbandriss mal wieder auf die IR verabschiedete.

Was traf nicht ein? Schaub war nicht nur blass, er war leichenblass mit einer ungesehenen Orgie an INT-Returns zu Touchdowns. Sowas ist dann auch irgendwann einfach nur noch Seuche. Watt war tatsächlich auch 2013 nach vielen Metriken ähnlich dominant wie 2012. Secondary war ein Schwachpunkt.

Tampa Bay Buccaneers

Division   NFC South
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Dritter (4-12)

Ich schrieb:

Tampa Bays Front-Office machte genau die Moves, die man in einer solchen Situation machen muss: Man kaufte sich für einen relativ spottbilligen Preis in CB Darrelle Revis den besten Manndecker der letzten 15 Jahre ein, einen Spieler in seiner Hochblütezeit (Revis ist 27), der im Optimalfall den besten WR des Gegners neutralisieren kann, und konnte ihm auch noch einen relativ günstigen Vertrag unterjubeln (16 Mio/Jahr, aber kein dead money)! Man holte S Goldson, einen überschätzten Hitter, aber einen, der immer noch ein massives Upgrade stellt. Und man draftete in CB Banks einen weiteren Defensive Back. So macht man aus der größtmöglichen Schwäche eine potenzielle Stärke. Und weiter: Man hilft damit wohl auch dem Passrush.

[…]

Tampa Bay hat durchaus Katastrophenpotenzial, vor allem, weil es die instabilste QB-Situation in der NFC South hat. Aber alles andere an den Buccs spricht extremst für den Durchbruch. Und selbst ein paar joshige Performances reichen nicht, um die Buccs in meinem Ansehen vor dieser Saison 2013 vom NFC-South-Thron zu stürzen. Der miserable Record in engen Spielen von 2012 (3-7 Bilanz), die vermutlich gesündere Offensive (G Nicks/Joseph) und Defensive Lines (2012: 21 verpasste Starts auf vier Leute verteilt) und die komplett gelungene Einkaufspolitik spricht für die Buccaneers.

Mein berühmtester Fehlschlag, und ich analysierte schon im Oktober die Gründe des Buccs-Kollapses. Es gab Positives bei den Buccs 2013: Sie gaben sich nie auf. Sie sind in der Lösung der QB-Problematik einen Schritt weiter. Sie stürzten immerhin soweit ab, dass Coach Schiano nicht mehr zu halten war und durch Lovie Smith ersetzt wurde. Lovie wird die Buccs nach vorne bringen, daran gibt es wenige Zweifel. Die Frage ist: Wie weit? Wird Lovie, der in Chicago jahrelang ein QB-Problem durchschleifte, diese seine größte Verfehlung als Headcoach in Tampa korrigieren?

Was aus der Vorschau traf ein? Das angesprochene Katastrophenpotenzial.

Was traf nicht ein? QB Freeman wurde schneller als eine heiße Kartoffel fallen gelassen. Die Secondary kam nie mit dem Zonenschema zurecht; Safety Goldson entpuppte sich zumindest in seiner ersten Saison als Bust. Defensive Ends stehen kurz davor, als solche abgeschrieben zu werden. Trotz aller Fehler der Coaches verbesserte sich die Buccs-Passdefense von 7.3 NY/A auf achtbare 6.5 NY/A. In der Offense ist aufgrund zu vieler Verletzungen und QB-Entlassungen nicht viel von der Preview übrig geblieben.

New England Patriots

Division   AFC East
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (12-4, Conference Finale)

Ich schrieb:

Die New England Patriots sind zum aktuellen Zeitpunkt kaum das fünfbeste Team in der National Football League. Aber sie haben nicht nur den Vorteil einer einfachen Conference (AFC), sondern gegenüber Teams wie Houston, Cincinnati oder Pittsburgh auch jenen einer einfacheren Division. Die Patriots sind ein gut aufgestelltes Team mit einer schwer zu schlagenden QB/Coach-Kombination in den scheinbar ewigen Tom Brady und Bill Belichick, und sie gehörten auch letztes Jahr zu den Mannschaften mit exzellenten Advanced-Metrics. Um mal einen Kontext zu geben: Die Patriots wurden zwar in den Playoffs von Baltimore abgeschossen, aber zuvor war die letzte Pleite mit mehr als einem Score im November 2010 gewesen!

Die Zweifel an den Patriots gründen in erster Linie auf ihrer turbulenten Offseason, die das eigentlich gesattelte Personal im Corp der Pass-Offense in die Scheiße ritten. TE Hernandez mit Mordverdacht erst aus dem Kader, dann in den Knast, WR Welker nach Denver, WR Lloyd auf die Straße, TE Rob Gronkowski mit nicht enden wollenden Komplikationen in Arm und – viel schlimmer – Rücken. Wären es nicht die Patriots, man wäre geneigt, den Laden erstmal abzuschreiben.

[…]

New Englands Saisonstart ist mit @Buffalo und Jets zum Einspielen recht günstig, ehe es dann in einen heftigen Vierspiele-Slot geht mit Tampa Bay, @Atlanta, @Cincinnati und New Orleans. Immerhin: Die beiden stärksten Gegner kriegens dabei daheim. Und spätestens ab Mitte Oktober sollte der Gronkowski wieder fit sein. Die Gefahr ist sowieso weniger, dass die Pats die Kontrolle über ihre Division verlieren (Spoiler: Sie werden nicht), sondern mehr, dass sie im Laufe der Regular Season nicht ausreichend Siege einfahren können, um sich den Top-Seed in der AFC zu sichern.

Die Gefahr ist, dass QB Bradys Interception-Statistik etwas gen Mitte einbricht (1.5% ist bei dem Spielstil kaum zu halten; es ist bei keinem Spielstil einfach zu halten) und dass die Defense weniger Turnovers forcieren wird. Das könnte das eine oder andere Spiel kosten, das es am Ende bräuchte, um den #1-Seed in der AFC zu holen. Das Heimspiel gegen Denver zu Thanksgiving ist mir eine Spur zu wenig.

Kurz gesagt war es wie erwartet: Die Patriots sahen niemals aus wie ein Halbfinalteam, aber sie standen im Halbfinale. Warum genau, wusste niemand. Aber überrascht war auch niemand. QB Brady hatte seine schlechteste Saison seit langem und das nicht nur wegen eines inexistenten WR-Corp, die Defense brach nach einer Verletzungsorgie bis Saisonmitte mal wieder ein, aber die Patriots würgten sich trotz allem zu einer beachtlichen 12-4 Saison. Am Ende musste man froh sein, nicht von Denver im AFC-Finale komplett abgeschossen zu werden. Der Abgang war so ein okayer: Du scheidest mit normalem Ergebnis aus und ersparst dir somit eine fällige Superbowl-Blamage.

Was aus der Vorschau traf ein? Divisionssieg, aber knapp kein Top-Seed. Die Patriots durfte man nicht abschreiben, aber besonders gut waren sie dann auch nicht. Halbfinale ja, aber es fühlte sich nicht wie „Halbfinal-Qualität“ an. Und trotzdem: Die einzige Pleite mit mehr als 7 Punkten kam im Halbfinale gegen Denver (mit 10 Punkten). Alle Zweifel an der Offense stellten sich als berechtigt heraus. Patriots-Defense war in den Play-by-Play Stats besser als in den letzten Jahren (u.a. nur noch 6.3 NY/A Pass-Defense). Das Mega-Loch in der Defense Line wurde nach Wilforks Verletzung offensichtlicher denn je.

Was traf nicht ein? TE Sudfeld war ein schnell gegangener Nullfaktor. Bradys INT-Statistik bleib einmal mehr extrem niedrig (1.6%), trotz aller Unkenrufe nach Regression, trotz aller Schlechtigkeit Bradys in manchen Spielen 2013.

San Francisco 49ers

Division   NFC West
Tipp 2013  Zweiter
Ergebnis   Zweiter (12-4, Conference Finale)

Ich schrieb:

Das ist überhaupt ein Punkt, den man bei aller Dominanz der 49er oft vergisst: Sie waren in den letzten beiden Jahren ein extrem gesundes Team. 2011 die #8 der AGL-Liste, 2012 die Nummer 1 mit ganzen 16.2 Adjusted-Games Lost (Vgl. Green Bay mit 108 verpassten Starts!). Insbesondere die Defense blieb irre verschont mit verpassten 4.5 AGL. Das ist ein einziger Spieler und das auch nur für ein Viertel der Saison! Schon jetzt ist das nicht zu halten: Die 49ers müssen bereits den homophoben CB Culliver und den Kaepernick-Liebling WR Michael Crabtree für viele, viele Monate vorgeben. San Francisco wird sich einstellen müssen, mehr Verletzungen zu kassieren. Sprich auch: Qualitätseinbußen. Abnutzung. Weniger Tiefe im Schlussviertel.

[…]

Die 49ers von 2012 waren im Gegensatz zur Vorgängerversion 2011 for real. Jo, es war ein außerordentlich gesundes Team, aber es war auch ein richtig gutes. Es war die Nummer 1 in meinem Power-Ranking (.702). 11.5 Saisonsiege und Pythagoreische Erwartung von 11.4 (#4 ligaweit) gegen einen Hammerschedule. Zweitbeste Scoring-Defense. SRS von 9.4 Punkten über Durchschnitt, auch #4 ligaweit.

San Francisco kriegt gleich zu Beginn die Green Bay Packers zuhause, was ein Vorteil ist. Aber der Schedule ist recht hinterhältig mit der heftigen eigenen Division und der gnadenlos schweren NFC South. Das ist schwerer als Green Bay. Und ich bin nicht überzeugt, dass der 49ers-Roster die lange Saison besser durchhält als der eines anderen Teams aus der eigenen Division…

Eine einmal mehr extrem gute Saison für die 49ers, die sich aber nicht so anfühlte, da es in der eigenen Division eine bessere Mannschaft Seattle gab, und da die eigene Offense durch ein gewaltiges WR-Problem phasenweise den Charme von feuchtem Toastbrot versprühte. So bleibt ein großes NFC-Finale, das um ein Haar gewonnen worden wäre. Es bleibt die Frage, was wäre wenn? Es bleibt die Hoffnung, dank eines tief besetzten Kaders auch künftig oben mitzuspielen.

Was aus der Vorschau traf ein? Kaepernick musste sein Spiel umstellen, und entsprechend verlor die Offense ein paar Prozentpunkte an Effizienz. Das musste man aber befürchten. Die Offense Line war nicht mehr so dominant. Lag es an Wehwehchen? Den Wehwehchen, die man in Frisco nun jahrelang nicht mehr kannte? Die 49ers hatten mit Verletzungen zu kämpfen, ganz allgemein in mehreren Phasen des Kaders. Da zeigt sich dann auch bei einem Kader wie diesem, dass du einen Willis nicht 1:1 ersetzen kannst. Ich hatte darüber geschrieben, dass das unglaubliche Verletzungsglück der 49ers in den letzten Jahren vielleicht nicht zu halten sein würde. Es war dann auch nicht. Der WR-Corp war nach Crabtrees Ausfall erwartet unterirdisch, trotz eines famosen Boldin.

Was traf nicht ein? Vielleicht ist das Laufspiel der 49ers weiterhin eines der vielseitigsten, aber die Effizienz ist nicht mehr da (nur noch unterdurchschnittliche Success-Rate).

Seattle Seahawks

Division   NFC West
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (13-3, Champion)

Ich schrieb:

GM Schneider und Coach Carroll haben da einen Titelanwärter unter ihren Fittichen – zweifellos. Nochmal: Der Kader steht. Der Quarterback ging letztes Jahr fast über vor lauter Selbstbewusstsein. Möglicherweise sind die Restzweifel an Wilson unbegründet und seine Rookiesaison war erst der Anfang. Auf der anderen Seite hege ich den Verdacht, dass eine derart sensationelle Saison nicht so ohne weiteres wiederholbar ist (siehe Phänomen „Sophomore-Slump“*).

Es mag Paranoia sein, die Angst vor einem Jinx, oder schlicht das Misstrauen gegen den offensichtlichen – zu offensichtlichen? – Geheimfavoriten. Oder aber es mag der Schedule-Nachteil gegenüber dem noch höher gerankten nachfolgenden Team sein, aber: So hoch ich die Seahawks einschätze, so hoch ich sie überhaupt schätze, meine ersten Superbowl-Anwärter sind zwei andere Mannschaften.

*Sophomore-Slump wäre bei Wilson auch 25 TD und 10 INT. Der Slump ist eher eine Spezialausprägung von Regression towards the mean. Die muss bei Wilson nach dieser fantastischen Rookiesaison fast zwangsläufig einsetzen.

Monster-Saison für die Seahawks. Man hatte es nach dem überragenden Finish der Vorsaison kommen sehen können, aber nicht so ganz glauben wollen. Russell Wilson war vielleicht eine Spur weniger Aufsehen erregend, dafür aber fast gleich effizient. Der Defense aber überragte wirklich, nachdem sie in der Saison 2012/13 sehr gut, aber nicht episch gewesen war. Am Ende stand ein triumphaler Superbowl-Gewinn.

Was aus der Vorschau traf ein? Seattle gewann die Division, und man landete vor den 49ers. Die Schwächen der Seahawks-OL waren ein Thema, das sich die ganze Saison über hielt. Harvin erwies sich spät, aber doch noch mit seiner Rückkehr als die erwartet wichtige Offensiv-Ergänzung. Die Legion-of-Boom war die tragende Säule und hielt alle Versprechungen.

Was traf nicht ein? Die Lauf-Defense der Seahawks war besser als erwartet.

Was kann man lernen? Die Vorschau traf eigentlich ziemlich genau den Nagel auf dem Kopf, mit einem Sternchen: Sie hatte kleine Vorbehalte gegenüber dem jungen Quarterback: Würde er noch einmal solch fantastische Ergebnisse liefern können wie als Rookie? Ich meine, man durfte zurecht skeptisch sein, und daher kann ich in der Retrospektive auch sehen, weshalb ich die Seahawks nicht als meinen absolut größten Titelkandidaten gesehen hatte.

Green Bay Packers

Division   NFC North
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (8-7-1, Wildcard)

Ich schrieb:

Die Green Bay Packers feierte ich vor zwei Jahren aufgrund ihrer guten Zahlen und ihres jungen Kaders als Sleeper für die nächsten Jahre ab. Heute sieht es manchmal überraschenderweise ein wenig nach Endzeit in Wisconsin aus, aber Achtung: Der Mannschaftskern ist potent. Extrem sogar.

QB Aaron Rodgers und seine Pass-Offense waren letztes Jahr so „schlecht“ wie lange nicht (6.6. NY/A war nur #12 der Liga, ein enttäuschender Wert). Die Packers hatten eine Weile lang Probleme, in die Saison zu kommen, weil Rodgers ohne Anflüge von Laufspiel verloren war. Trotzdem reichte es zu einer 11-5 Bilanz, mit knappen Niederlagen gegen San Francisco (-8), @Seattle (-2, „Hail-Mary“), @Indianapolis (-3) und @Minnesota (-3). Einzig von den Giants wurde man abgeschossen.

Ein Team, das vor drei Jahren den Superbowl holte, vor zwei Jahren fast die Perfect-Season schaffte, letztes Jahr als #32 der AGL-Liste (sprich: am schlimmsten von Verletzungen betroffenes Team mit 108 „verpassten“ Adjusted Games) mit eindimensionaler Offense ein 11-5 mit vier knappen Niederlagen in einer schweren Conference gegen die beiden heftigsten NFC-Divisionen (North/West) einfuhr? Wie gemacht, um bei mir als größter Superbowl-Kandidat der NFC 2013/14 zu gelten.

[…]

Auch wenn McCarthy kein überzeugender in-Game Coach ist: Ich erwarte einen effizienteren Angriff der Packers 2013/14: 6.6 NY/A wird einem Rodgers nimmer passieren. Rodgers wird vermutlich mehr als 1.4% INT-Quote produzieren, aber das sollte ein Anstieg der NY/A-Effizienz kaschieren. Und so richtig hohe, fatale INT-Quoten hatte Rodgers noch nie in seiner Karriere.

Green Bay muss zum Saisonauftakt am Sonntag nach San Francisco. Das ist ein Hammerlos zum Einstand. Das möchtest du eigentlich um jeden Preis vermeiden. Danach beruhigt sich die Lage aber. Die eigene Division ist etwas niedriger einzustufen als jene der Hawks/49ers. Und deshalb glaube ich, dass die Packers die beste Superbowl-Chance in der NFC haben.

Eigenartige Saison für die Green Bay Packers: Man lieferte sich wochenlang einen Zweikampf mit den Detroit Lions, obwohl jeder sehen konnte, wie eindimensional diese Mannschaft mal wieder auf seine Offense vertrauen musste. Die Packers-Defense sah über weite Strecken des Jahres kein Land. Als dann auch noch QB Rodgers für mehrere Wochen mit Schlüsselbeinbruch ausfiel, wurstelte man sich durch und kam am Ende, weil die Lions schwächelten, zu einem Endspiel gegen die Bears, das dank einem Hailmary-artigen Pass gewonnen wurde. In den Playoffs war man gegen die 49ers vielleicht nicht die bessere Mannschaft, aber es wirkte doch mit zunehmendem Spielverlauf ebenbürtig. Am Ende scheiterte man einmal mehr knapp.

Was aus der Vorschau traf ein? Protection-Probleme galore. Trotzdem war man wie erwartet viel effizienter in der Pass-Offense: Über die Saison hatte man 6.9 NY/A, was jetzt nicht sooo der Anstieg ist. Aber ich sprach ja von Rodgers‘ Verbesserung: Rodgers landete bei bockstarken 7.6 NY/A in den Wochen, in denen er spielte. Rodgers hatte auch wie prognostiziert eine leicht höhere INT-Quote als 2012 (nämlich 1.8%).

Was traf nicht ein? Die endgültigen Reports stehen noch aus, aber rein gefühlt waren die Packers mal wieder arg verletzungsgebeutelt, mit längeren Ausfällen von Quarterback, Matthews, Left Tackle usw. Vielleicht war man nicht mehr die #32 der AGL, aber narrisch weit weg war man wohl nicht. Verletzungspech auch bei Slot-CB Hayward, der zu den besten seines Fachs gehörte. Datone Jones erwies sich (noch?) nicht als ganz große DL-Verstärkung.

Denver Broncos

Division   AFC West
Tipp 2013  Erster
Ergebnis   Erster (13-3, Superbowl-Verlierer)

Ich schrieb:

Die Denver Broncos 2013/14 gehen als gesatteltes Rösser in die Saison. In der Offense müsste schon QB Peyton Manning einen völlig überproportionierten Alterseinbruch erfahren, um nicht erneut einen Angriff mit um die 7.0 NY/A hinzulegen: Die WR-Crew um die jungen Thomas und Decker wurde ergänzt um Slot-WR Wes Welker, der zu aller Freude auch noch vom größten direkten AFC-Konkurrenten New England losgeeist werden konnte. Die Tight Ends Dreessen und Tamme waren schon letztes Jahr gute Ergänzungsspieler.

[…]

Ein Problem für die Broncos in diesem Jahr: Die schwersten Gegner kommen zu Saisonbeginn. Allein in der Phase ohne Miller gibt es einmal das Wiedersehen mit Baltimore (in der Nacht auf Freitag, 02h30) und den NY Giants. Der Vorteil danach: Es kommen fast nur mehr Graupentrupps. Es dürfte schwieriger sein einem Kind einen Lutscher zu klauen, als die AFC West zu gewinnen, und danach hat die Glücksgöttin mit der AFC South und der NFC East die beiden nächst-einfachen Divisionen geschenkt. In New England muss man zwar den härtesten Brocken des Jahres auswärts bespielen, aber die Scheduling-Vorteile gegenüber den Pats dürften auch bei einer Niederlage dort reichen, um den Top-Seed in der American Football Conference zu sichern.

Viele einfache Spieler bedeuten viele Siege. Das bedeutet einen kürzeren und einfacheren Weg über die Heimat in die Superbowl. Und genau das ist der Grund, wieso die Denver Broncos mein größter Titelfavorit in dieser Saison sind. Vierter und eins, und mehr als eine halbe Minute zu spielen: John Fox kann nicht abknien. Er muss nur ausspielen lassen.

Eine extrem gute Saison der Broncos-Offense, die sich in Rekord-Sphären bewegte. Peyton Manning brach mehrere Allzeit-Rekorde, die Mannschaft durchbrach als erste die 600-Punkte-Schallmauer, aber es gab immer leichte Zweifel an dem Team; die kannst du mit der Defensivleistung begründen, die nur mittelmäßig war. Trotzdem marschierte man gegen einen zugegeben einfachen Schedule locker durch in die Superbowl, wo dann allerdings alle Dämme brachen und man abgeschossen wurde. Ein derartiges Debakel liegt natürlich schwer im Magen, und man wird sehen müssen, was die Franchise für Schlüsse daraus zieht.

Was aus der Vorschau traf ein? Ich erwartete keine Allzeit-Rekorde für die Offense der Denver Broncos, aber in der Tat waren sie wie erwartet über 7 NY/A, und das sogar sehr deutlich. Die Offense Line überzeugte nicht übermäßig, aber sie erwies sich auch nicht als Sollbruchstelle im Angriff (wie sie allerdings PFFs #1 werden konnte, bleibt mir schleierhaft). Die Defense hatte ich besser erwartet, aber ich hatte richtigerweise auf die vielen Fragestellungen in der Front-Seven hingewiesen – Fragestellungen, die nie ganz überzeugend gelöst werden konnten.

Was traf nicht ein? Greg Knapp war nicht der OffCoord, sondern Adam Gase. Das hatte ich wohl falsch auf dem Schirm gehabt – und es konnte für Denver auch nur Gutes bedeuten. Die Defense hatte kein solches Glück: Okay, kein Greg Knapp als Coordinator auch hier, aber dafür waren die Effizienz-Stats trotzdem ernüchternd: 6.3 NY/A sind nicht unterirdisch, aber man beachte, dass Denver gegen einen extrem simplen Schedule spielen durfte. Den Passrush hatte ich richtig identifiziert, aber die Coverage in der Secondary war doch etwas schwächer als prognostiziert.