Pfingst-Trilogie: Die Bühne gehört erneut der Klasse von 2010, Part 2

Gestern hatten wir das erste Dutzend an Draftpicks des NFL-Drafts von 2012 in der Mangel. Heute folgt der Rest der ersten Runde.

Die nicht mehr Gesichtslosen

Vor einem Jahr hatte ich die #11-19 zu den „Gesichtslosen“ erklärt. Und heute? G Mike Iupati (#17/SF) ist das Niner-Gegenstück zu OT Davis, gilt als potenzieller All-Star, wenn ihm auch ein leichter Rückschritt gegenüber der Rookie-Saison nachgesagt wurde.

Den anderen Weg nahm DE Jason Pierre-Paul (#15/NYG), genannt The Haitian Freak aufgrund seiner Krakenarme und seiner karibischen Wurzeln. Pierre-Paul soll noch nicht der Beständigste und trotz Fortschritten auch noch nicht der Kompletteste sein, aber man nennt so was Kritisieren auf hohem Niveau: Pierre-Paul gehörte zu den Verteidigern mit den meisten effizienten Spielzügen (Situation für die Defense verbessert) NFL-weit. Inwiefern sich dies halten lässt, bleibt offen, aber gemessen an den Eindrücken aus der Superbowl darf man optimistisch sein.

Ein Favorit aus spielästhetischer Sicht ist Seattles #14-Pick S Earl Thomas, der für einen Defensive Back außerordentlich oft im Blickfeld der Kamera auftaucht. Ohne wirklich Substanzielles an Eigenleistung beisteuern zu können, darf ich auch LB Sean Weatherspoon (#19/ATL) als Erfolgsstory des zweiten Jahres in der NFL verkünden. Stats, fortgeschrittene Stats und Scouts stimmen alle überein.

Massiv von den Kreuzbandverletzungen aus ihren Debütjahren waren DE Brandon Graham (#13/PHI) und DE Derrick Morgan (#16/TEN) betroffen, sodass bei beiden kombiniert nur 15 Einsätze im Einsatzbuch stehen, die dann auch noch großteils sporadischen Charakter hatten. Beide sind vorerst entschuldigt, dürften aber 2012/13 starke Aufwärtstrends zur Rettung ihrer Karriere benötigen.

C Maurkice Pouncey (#18/PIT) war als Rookie unglaublich (überbewertet). Die Offensive Line der Steelers wirkt immer noch wackelig genug und die Lobhudelei um Pouncey ließ mit dem zweiten Jahr dann auch recht schnell nach.

Pre-Tebow

Schnell abgearbeitet: CB Kareem Jackson (#20/HOU) war ein unterirdisches Rookie-Jahr in allerdings unglücklichen Umständen nachgesagt worden. Jackson soll in einer insgesamt stark verbesserten Texan-Abwehr auch Fortschritte gemacht haben, der Sprung soll aber im Verhältnis zu den meisten Teamkollegen kleiner gewesen sein. TE Jermaine Gresham (#21/CIN) gehört in Cincinnatis Angriff zu den Fixsternen und war bereits in der Pro Bowl.

WR Demariyus Thomas (#22/DEN) hatte bereits seine Verletzungsgeschichten, gehört aber von der physischen Statur zur absoluten Elite. Soll noch nicht alle Basics drauf haben, aber allein mit Körperbau vieles wettmachen können, und dann war da noch dieser Spielzug. Der vielleicht noch eine Spur überzeugendere Wide Receiver ist Dez Bryant (#24/DAL) von den Cowboys, der, wenn auf der Höhe, zur absoluten Ligaspitze gezählt werden darf. Bryant gilt allerdings immer noch als Problemkind, muss mit Samthandschuhen angegriffen werden und läuft selbst dann als tickende Zeitbombe durch die Straßen von Dallas.

OT Bryan Bulaga (#23/GB) wird ein sehr gutes Jahr 2011/12 nachgesagt, ein Jahr nach einer schwachen Rookie-Saison.

Tebow

Vor einem Jahr wunderte ich mich immer noch, wie die Denver Broncos unter McDaniels einen atypischen Spielertyp wie Tim Tebow (Pick #25) in Runde 1 hatten nehmen können. In Sachen sportlicher Analyse fühle ich mich Stand heute bestätigt, den Playoff-„Unfall“ der Broncos zum Trotz: Die sportliche Leitung gab Tebow nicht nur trotz Playoffsieg auf, sie verscherbelte den Mann der 46% Completions Rate für lächerliche Spätrundendraftpicks nach New York und zog damit frei nach Andy Benoit den offiziellen  Schlussstrich unter das unglückliche Experiment „Tebow“.

Davon ab muss man sich fragen, ob Tebow seinen Preis nicht trotzdem wert gewesen ist. Die Story der tausendundeins Comebacks gehörte zum faszinierendsten NFL-Stoff der letzten Jahre. Das Heimspiel der Broncos gegen Chicago gehört zu den fassungslosesten Footballspielen der letzten Jahre. Insofern: Tebow in der Unterhaltungsbrille war ein Volltreffer. Sportlich freilich sieht es etwas anders aus.

Post-Tebow

Der Nose Tackle der Arizona Cardinals, Dan Williams (#26), wird zu den hoffnungsvollsten Talenten der Branche gezählt, soll aber nicht mit dem größten Biss gesegnet sein und gerne ein paar Fettwaben zu viel mich sich schleppen.

CB Devin McCourty (#27/NE) war der erste Draftpick einer fantastischen Patriots-Klasse von 2010 und galt als Rookie in einer schwachen Pass-Defense als großer positiver Ausreißer. 2011/12 korrigierte den McCourty-Hype, nach so vielen aufgegebenen Yards, dass McCourty erstmal auf Safety abgestellt wurde.

Eher „langweilige“ und bis heute sich nicht vollends ausgezahlte Picks waren DT Jared Odrick (#28/MIA), CB Kyle Wilson (#29/NYJ) und CB Patrick Robinson (#32/NO). Keiner jedoch gilt als Flop der Güteklasse DE Jerry Hughes (#31/IND), dem neben Raffgier zum Karrierestart danach fehlende Klasse für die „Tampa-2“ Defense in Indianapolis nachgesagt wird. Hoffnung könnte für Hughes der Systemwechsel unter Chuck Pagano bringen.

The Best

Einer der spektakulärsten NFL-Spieler ist RB Jahvid Best (#30/DET), ein prototypischer Running Back für die nächsten Jahre NFL: Kein klassisches Arbeitstier, dafür ein vielseitig einsetzbarer Mann (NFL-Jargon „Matchup-Problem“) für Formationen aller Art, gut als Ballfänger und jederzeit für einen 75yds-Touchdown zu haben. Kurzum: Obwohl selten geduldig genug, um die traditionelle Ballträger-Arbeit zu übernehmen und auf das sich öffnende Loch zu warten (das sich in Detroit selten genug öffnet), ist Best in der Form der wenigen Spiele von 2011/12 eine Waffe, weil sich Verteidiger allein aufgrund der Aufstellungen nicht auf die Situation nach dem Snap einstellen können.

Freilich hängt die Karriere des Jahvid Best am seidenen Faden, nachdem der Mann ein Patent auf ernsthafte Gehirnerschütterungen angemeldet hat und vermutlich nur mehr einen oder zwei Hits am falschen Ort vom schnellen Karriereende entfernt ist.


Zwischenfazit: Die erste Runde von 2010 sieht nach zwei Spielzeiten richtig vielversprechend aus. Der Glamour-Faktor, auch: die Würze, geht aufgrund des Fehlens eines wirklich starken Quarterbacks (noch?) ab, abseits davon sind die wenigen negativen Ausreißer hauptsächlich schweren Verletzungen geschuldet. Aber noch sind nicht alle Messen gelesen.

NFL-Franchises im Kurzporträt, #11: Denver Broncos

Eigentlich genügt ein Name, um diese Franchise zu beschreiben: John Elway. Trotzdem ein Versuch, eine der klassischeren NFL-Franchises etwas differenzierter zu betrachten.

Pre Elway – Mehr Quarterbacks als Spielzeiten

Zur Gründung ist zu sagen: Beteiligt war kein uns Unbekannter. Vor einem Jahr schlug in den Kommentarspalten ein gewisser Chris Griffing auf diesem Blog auf der Suche nach einem Stream für eiFreundschaftsspiel seines Sohnes auf. Ich kam mit Griffing ins Gespräch und es zeigte sich recht schnell die Historie des Mannes: Chris Griffings Vater Dean Griffing (sr.) war einer der Mitbegründer der Denver Broncos und deren erster General Manager.

Das war 1960 und noch in der AFL (American Football League), aber im ersten erfolglosen Jahrzehnt erreichten die Broncos nicht ein einziges Mal das Endspiel der damaligen NFL-Konkurrenzliga.

Dafür werden die Broncos auf immer das erste AFL-Team bleiben, das eine NFL-Mannschaft putzte: Das Opfer, erraten, es waren die Lions. In den 70ern, dann in der NFL, ging es mühselig weiter, bis Ende des Jahrzehnts hinter einer dominanten Defense und einem alternden QB Craig Morton einmal die Super Bowl verloren wurde. Morton ist neben Kurt Warner der einzige QB, der mit zwei Teams die Super Bowl erreicht hat. Nur: Morton hat keine von beiden gewonnen.

Die Ära Elway – Leiden mit Happyend

Alle anderen Phasen der Vereinsgeschichte sind Episoden, 1983 bis 1998 stellt jedoch eine Ära dar. Die Ära von QB John Elway, der Quarterback, der nicht für die Baltimore Colts spielen wollte und dafür in Denver zur Legende wurde. Elway machte sich einen (nicht unbedingt berechtigten) Namen als Comeback-König, als einer, der mit Willens- und Führungsstärke eine eher durchschnittliche Mannschaft immer wieder zu großen Erfolgen führte – um immer wieder die ganz wichtigen Spiele zu verlieren. Legedärste Spiele wie The Comeback in Cleveland wurden letztendlich immer wieder negiert, weil Denver zum Schluss die Super Bowls haushoch verlor.

1986/87 zum Beispiel wurde gegen die defensivstarken New York Giants 20-39 verloren. 1987/88 kassierte man fünf Touchdowns in einem Viertel gegen Washington und ging 10-42 baden. 1989/90 wurde man von San Francisco böse 10-55 niedergemacht – bis heute das höchste Ergebnis in der Superbowl-Geschichte.

Mitte der 90er reagierte Besitzer Pat Bowlen, sägte den alten Head Coach Dan Reeves ab, änderte Farben und Logo (vom niedlichen hellorange zum aggressiven blau/orange und ein Wildpferd mit Kampfblick als neues Logo) und installierte den ehemaligen 49ers-Assistent Mike Shanahan als Coach.

Elway selbst war nicht mehr so gut wie in den alten Zeiten. Aber Elway hatte nun eine starke Mannschaft versammelt, mit dem Sensations-RB Terrell Davis und TE Shannon Sharpe an der Spitze. Am Ende dauerte es bis 1997/98, als erstmals die Superbowl gewonnen wurde. Ein ganz tolles Endspiel in San Diego, mit glücklichem Sieg über die Green Bay Packers. Das Spiel, in dem Elway den Helicopter zeigte. Ein unvergesslicher Moment. Ein Jahr später wiederholten Elway und Konsorten den Titelgewinn in einer dominant geführten Saison mit Endspielsieg über Atlanta. Und „Jon Wayne“ Elway ritt mit der Vince Lombardi Trophy gen Sonnenuntergang.

Post Elway – Die Zeit nach dem Superbowls

Nach Elways Rücktritt gewannen die Broncos jahrelang keine Playoffspiele mehr. Unterirdisch waren die Spielzeiten nicht, aber immer wieder wurde man in der ersten Playoffrunde von den Colts abgeschossen. 2005/06 scheiterte man im AFC-Finale. Seitdem stand man nie mehr in den Playoffs, weil erst QB Jay Cutler zu jung war, dann die Defense streikte und später Head Coach Josh McDaniels alle Strukturen samt Mannschaftsgefüge in Trümmer schlug.

Mit John Fox und GM Elway (natürlich!) ist seit Winter 2011 der Wiederaufbauprozess im Gange. Die Playoffs 2011/12 waren ein Freak-Unfall, wenn auch dank „Comeback-King“ Tebow ein höchst unterhaltsamer, aber der „richtige“ Umbau erst mit der Verpflichtung von Superstar-QB Peyton Manning 2012 eingeleitet – die erste Saison unter Manning endete im viertlängsten Spiel der NFL-Geschichte zuhause gegen den späteren Superbowlchamp Baltimore.

Eine Meile über dem Meer

Denvers Footballstadion vor Colorados Bergkulisse

Denvers Footballstadion vor Colorados Bergkulisse – Bild: Wikipedia/David Shankbone

Die Broncos spielen nicht mehr im berühmten Mile High Stadium, sondern einen Katzensprung davon entfernt im Sports Authority Field @Mile High Stadium (65.000 Plätze)/ex-INVESCO. Ein Stadion in der Periphärie, eine Meile hoch über dem Meeresspiegel und entsprechend in dünner Luft. Die Fans sind berühmt als besonders treu und stolz.

Rivalitäten

Denvers oberste Nemesis wurde 1997/98 geschlagen: Der Dämon “Super Bowl”. Wichtigste Rivalen sind die beiden AFC-West-Gegner Oakland Raiders und Kansas City Chiefs. Die Duelle mit beiden sind meistens sehr physische, kampfbetonte Matches und nicht selten fliegen die Fetzen. Ende der 90er wechselte mal das Chiefs-Idol DE Neil Smith nach Denver und wurde bei der Rückkehr nach Arrowhead gnadenlos ausgepfiffen. Die dritten im Bunde, die San Diego Chargers, sind hauptsächlich seit letzter Dekade Rivale, weil zumeist Denver und San Diego um die Divisionskrone stritten.

Auf zwei Spielen für die Footballannalen gründet die gemeinsame Geschichte der Broncos und Cleveland Browns: The Comeback und The Fumble – zweimal gewann Denver das AFC-Finale hauteng, einmal durch einen 99yds-Drive (The Comeback), einmal durch einen Fumble an der Goal Line von Browns-RB Earnest Byner. 1989/90 gewann Denver ein drittes AFC-Finale. Während Cleveland damit dreimal aufgrund der Browns die Super Bowl verpasste, wurde Denver dreimal in selbiger abgeschlachtet. Sie entscheiden, wer besser sich besser aus der Affäre gezogen hat.

Sportlich kommen die Broncos seit Jahre nicht an den Colts vorbei. Immer und immer wieder verlud QB Peyton Manning die Broncos, die einst Millionen für CB Champ Bailey ausgaben, nur um Mannings Pass-Armada zu stoppen. Ohne Erfolg. Nun spielt Manning selbst in Denver.

Gesichter der Franchise

  • John Elway – QB. Der beste Spieler, den die Broncos je hatten. Genannt Captain Comeback aufgrund zahlloser gedrehter Spieler, geliebt aufgrund zahlloser Superbowl-Niederlagen. Erst als nicht mehr er so gut war, dafür aber sein Team, holte er zum Karriereausklang noch zweimal den Titel.
  • Terrell Davis – RB, kurze NFL-Karriere, aber die wenigen Jahre der absolut dominante Back. Zweimal Superbowl-Sieger, ehe alle Bänder im Knie rissen.
  • Shannon Sharpe – TE, Lautsprecher und, ja, genau der, dem man heute im TV zuhört und sich immer und immer wieder fragt: Was hat er jetzt grad gesagt?
  • Tebow. Langfristig wird Tim Tebow kaum mehr als eine Anekdote in der Bronco-Historie verbleiben. Aber dass ein einziger Mann in sieben Wochen einen derartigen Hype verursachen kann, habe ich in rund zehn Jahren NFL-Verfolgen noch nicht gesehen.

korsakoffs Highlight

Denver 13, Chicago 10 (OT) – Das Tape von Superbowl XXXII kam vor 2-3 Jahren mal auf ORF Sport Plus und war sicherlich ein tolles, spannendes Footballspiel, und das Playoffspiel gegen die Steelers hatte auch was, aber dieses Spiel muss einfach der Favorit sein: Das NFL-Spiel des Jahres 2011/12. Ich zitiere mich da selbst:

Was die Broncos angeht: Das ist wie im alten Madden, wo der Gegner siebenundfuffzich Minuten nichts zustande brachte, um mit der 2min-Offense zur unstoppbaren Angriffsmaschine zu werden und in 23sek 87yds zum Touchdown zurücklegte. Es ist zu viel „Freak“ dabei, als dass diese Offense langfristig Früchte tragen kann. Aber das Team ist unterhaltsam bis zum Anschlag. Tipp: Staunen und genießen.

Eckdaten

Gegründet: 1960
Besitzer: Pat Bowlen (Rechtswesen/Bergbau/Makler)
Division: AFC West
Erfolge: Superbowl-Champ 1997, 1998, Superbowl-Verlierer 1977, 1986, 1987, 1989, 19x Playoffs (18-17) – Stand 2013

New York Jets in der Sezierstunde

Das Gute für Rex Ryan: Die Lombardi Trophy kehrte nach all dem Getöse nach New York zurück. Das weniger Gute: Eingefahren wurde sie vom Stadtrivalen Giants. Die Jets dagegen erlebten eine frustrierende Saison, verpassten mit 8-8 Siegen die Playoffs und standen am Ende vor meutereiähnlichen Zuständen, inklusive tagelanger auf breiter Front ausgetragener Grabenkämpfe zwischen Trainerstab und Spielern, wo sich selbst anerkannte Routiniers wie Tomlinson öffentlich kritisch mit den Zuständen in der Mannschaft auseinandersetzten. Am Ende durfte Ryan bleiben, aber OffCoord Brian Schottenheimer wurde freundlich vor die Tür gesetzt. Nachfolger: Der knochentrockene Tony Sparano.


Sparano steht in Zeiten, in denen das Passspiel Titel gewinnt, für ein eher lauforientiertes Footballspiel. Was normalerweise eine schlechte Idee ist, macht bei den New York Jets und ihrem Spielermaterial aber sogar noch Sinn. Denn mit dem stagierenden QB-Schönling Mark Sanchez und dem jüngst eingekauften Tebow gibt es zwei nicht furchterregende Quarterback-Optionen. Überhaupt die Quarterbacks: Erst flirtete man mit Manning, dann verlängerte man mit Sanchez und holte Backup Stanton, dann kaufte man Tebow ein und setzte Sanchez das Messer vor die Brust, dann wurde Stanton schon wieder abgegeben und nun diskutiert die Footballwelt über einen Sanchez-Trade nach L.A.. Bleibt nun gar der aufmüpfige McElroy die dritte Option? Wie wir es drehen und wenden: ‘Ne rüschtüsch rote Linie lässt sich nicht erkennen. Nach Sanchez‘ erstem Spiel mit drei Fehlpässen wird die Meute nach Tebow krähen.

Wäre alles nicht das ganz große Problem, hätten die Jets abseits davon eine runde Offense. Doch neben dem offenen Scheunentor auf Right Tackle, wo Hunter im Einwochenrhythmus in den Senkel gestellt wurde, fehlt es den Jets auch an verlässlichen Running Backs (Tomlinsons Leistungskurve stürzte zuletzt rapide ab, Greene ist nicht das erhoffte Arbeitstier) sowie einem ausgereiften Corp an Wide Receivers. Holmes passt charakterlich wie Arsch auf Eimer auf Rex Ryan und bietet auch sportlich gute Aussicht, dürfte aber insbesondere mit den mittelmäßigen Quarterbacks nicht alle Last allein tragen können.


Über Jahre wurden diese Probleme von einer fabulösen Defense übertüncht. Eine Defense, die mit ungemein viel Bewegung an der Anspiellinie arbeitet und es meisterhaft versteht, zu tarnen und zu täuschen. Druck auf den Quarterback wird via Spielzugansage veranstaltet, während man im Defensive Backfield darauf vertrauen kann, dass der großartige CB Darelle Revis einen Top-WR nach dem anderen aus dem Spiel nehmen kann.

Trotzdem sucht man in New York seit Jahren an dem einen Pass Rusher, um den herum sich die Abwehr entlasten ließe. Mit dem Pick #16 dürfte den Jets der eine oder andere Weg via Draft offen stehen, einen druckvollen OLB einzuberufen, nach dem Pettino/Ryan so sehr lechzen. Es ist trotz einer insgesamt wechselhaften Jets-Saison die einzige wirkliche Schwäche in der Defense, nachdem die Line um den alten, aber noch immer als frisch geltenden NT Pouha (33 Lenze) wenigstens den Lauf zur Genüge abwürgen kann und die Secondary (diesmal verstärkt u.a. durch S Landry aus Washington) grundsolide genug besetzt ist, um auch mal drei Wide Receivers auf einmal aus dem Spiel zu nehmen.


Bei den Jets dürfte viel am Gelingen des Drafts liegen – ein Dauerthema für die notorisch schlechten Draftstrategen von Gang Green. Mit dem Tebow-Einkauf dürfte man sich neben der Möglichkeit, eine zusätzliche Offensiv-Variante einzubauen, vor allem Theater und ein paar Messer für Sanchez‘ Rücken beschert haben. Der Druck dürfte indes nicht geringer werden. Ryan und GM Mike Tannenbaum stünden bei einer weiteren erfolglosen Saison vor dem Abschuss, während sich gleichzeitig das Fenster für den Erfolg dieser Jets-Generation zu schließen beginnt.

Denver Broncos in der Sezierstunde

Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow! Tebow!

Geht es nach sämtlichen Analysten, haben die Denver Broncos mit der Verpflichtung des 36jährigen Quarterbacks Peyton Manning den Jackpot des Jahrzehnts gezogen und den spektakulärsten Weiterlesen

Huuuuiiii (I): Tebow goin’ Jets

Mit freundlichsten Grüßen an unsere Freunde und Anhänger der New York Jets: Weltstar Tim Tebow wechselt für einen 4th-Rundendraftpick* von Denver zu den New York Jets, wo es zum Kampf der Titanen um den Starting Quarterback-Posten kommen wird. Kuriose Timeline für einen Trade der Jets.

*EDIT: Sind sogar zwei Picks (Runde #4, #6) im kommenden Draft 2012 gegen Tebow und einen Pick aus Runde #7.

Inspirierend

Gerade wird es wieder bei den Sofa-Quarterbacks #15 von Sportradio 360 diskutiert: Tebow und seine sozialen Eigenschaften, ein Team zu einen und zu inspirieren – das große (und einzige?) Argument pro Tebow, dem Quarterback mit der bekannt lausigen Wurftechnik. Andy Benoit (u.a. Fifth Down), hartnäckiger Spötter des tebowschen Spielstils, hat heute eine eigentlich simple Beobachtung ausformuliert, die ich einfach mal hier rein posten möchte:

Football purists can be glad to know that the Tim Tebow worshipers who tuned in Saturday night accidentally witnessed (for the first time) truly immaculate NFL quarterbacking. Of course, because that immaculate quarterbacking came from Tom Brady, the Tebow worshipers likely haven’t paused to appreciate what they saw. Over the years Brady has proved scores of doubters wrong, has motivated teammates, said all the right things and has won against all odds. But because his blessings also include arm strength, precision accuracy and the ability to read coverages, the uninformed but eager-to-be-enthused viewers find nothing inspiring about the guy.

Bei Bradys Interviews schlafen dir die Füße ein. Aber der Mann hat als Sechstrundendraftpick eine Sensationskarriere hingelegt, deren (für mich) absoluter Höhepunkt 2006/07 war, als der Mann mit Fünftrundendraftpicks und vom Practice Squad aufgesammelten „Ballfängern“ (memo to Reche Caldwell) einen Run auf den Superbowlring machte und erst im besten NFL-Spiel der letzten zehn Jahre gestoppt werden konnte. Der Mann bei den Sofa-QBs meinte, „eine Inspiration zu sein“ sei eine Eigenschaft, die „haste oder haste nicht“.

Brady ist staubtrocken wie Marmorgugelhupf. Trotzdem ist Brady die Inspiration für alle vergessenen und übersehenen Talente in den NFL-Hinterhöfen.

AFC-Divisionals 2011/12: New England Patriots – Denver Broncos

[09h32] Endstand New England Patriots 45, Denver Broncos 10.

Gütiges Endergebnis aus Bronco-Sicht, weil New England ein Einsehen hatte. Bradys finale Zahlen sind großartig: 26/34, 363yds, 6 (!) Touchdowns, 1 INT. Vier TD-Pässe für die Tight Ends, drei davon auf Gronkowski (10/145yds, 3 TD). Chef-Ballträger für die Patriots: TE Hernandez (sic!), 5 Läufe für 61yds. Die Patriots-Drives in diesem Spiel:

Q   Zeit    Dauer   Pl   yds  Resultat
1   15:00   01:51   5    80   Touchdown
1   10:07   03:25   7    59   Touchdown
1   03:26   01:26   4    12   INT
2   14:54   01:27   5    15   Punt
2   11:17   03:35   8    52   Touchdown
2   06:31   00:47   3     3   Punt
2   02:27   00:30   2    72   Touchdown
2   01:09   01:04   5    58   Touchdown
3   13:26   01:40   4    44   Touchdown
3   10:29   01:59   5    32   Fumble
3   02:14   04:35  11    78   Field Goal
4   07:14   04:04   6    39   Punt

Immer, wenn eine Mannschaft mit mehr Turnovers (NE 2, DEN 1) ein Spiel mit 35 Punkten Differenz gewinnt, läuft irgendetwas auf schiefer Bahn. Denver hatte keine Mittel in Offense und Defense. Tebow gegen die schlechteste Pass-Defense ever: 9/26 für 136yds, nur mit 5 Scrambles für 13yds, 5x gesackt. Was aus Denvers Sicht negativ stimmen muss: Completion Rate eines Quarterbacks ist historisch betrachtet eine Statistik, die dazu tendiert, im Laufe der Jahre relativ konstant zu bleiben. Tebow heuer mit keinen 50% Completion Rate bei seinen Pässen – als Langzeitlösung ist sowas eigentlich nicht haltbar.

Denver beendet seine Saison damit mit einer 9-9 Bilanz bei einer Pythagoreischen Erwartung von ganzen 5,2 Siegen. Denver mit einer 8-4 Bilanz in engen Spielen, hatte nur einen einzigen klaren Erfolg zu verbuchen – keine illustre Gesellschaft: St Louis, Indianapolis, Kansas City, Minnesota, Oakland. Weniger klare Siege haben nur drei Teams: Arizona, Cleveland, Tampa Bay. Denver schaut damit für 2012/13 wie ein erster leiser Kandidat für den Top-Draftpick 2013 aus.

New England wird nun im Conference-Finale, sofern es die Baltimore Ravens schaffen werden, auf den ersten ernsthaften Gegner seit Anfang/Mitte November treffen. Dann werden wir wirklich wissen, wie stark die Patriots überhaupt sind.

[03h48] Halbzeit New England Patriots 35, Denver Broncos 7.

Brady mit 246yds und 5 Touchdowns in der ersten Halbzeit, pulverisierte in Kombination mit Gronkowski mal wieder ein paar Playoffrekorde und wartet nun auf seinen Halbfinalgegner nächsten Sonntag. Denver ist kein Gegner für die Patriots, bei denen wir frühestens bei einer eventuellen Superbowl-Qualifikation wissen werden, wie gut oder schlecht ihre Defense in ihrer Gesamtheit ist. Tebow ist kein Gegner, nicht für die statistisch schlechteste Pass-Defense aller Zeiten (Tebow in erster Halbzeit: 3/10 für 28yds, 2 Sacks). Ich nehme mir dann mal die Freiheit, gute Nacht zu sagen.

[03h45] New England 35, Denver 7/Q2 0:05. Die Entscheidung. Gronkowski, die dritte. Dieses Mal war Gronkowski 10-15m offen, und Brady mit dem einfachen Wurf. Denver wird hier nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen. Fünfter Touchdownpass für Brady am heutigen Tag. In der heutigen ersten Halbzeit.

[03h42] Tebow verpasst WR Thomas auf der simpelsten „Out“-Route der Welt zirka um einen Meter, sodass Thomas grad noch zwei Finger dran bekommt. Geht es nach Simms, liegt es am Wind („The wind is hurting the Broncos a lot more than the Patriots“).

[03h34] New England 28, Denver 7/Q2 1:57. Bradys vierter Touchdown nach einem rattenscharfen Wurf auf den an der linken Seitenlinie einfach nur geradeaus laufenden WR #84 Deion Branch. 61yds, Simms hatte recht: Denver wäre besser beraten gewesen, den 14pts-Rückstand zu konservieren.

[03h29] Es erstaunt immer noch, wie niedrig CBS den Standard bei Tim Tebow ansetzt. Schon letzte Woche faselte Simms was von kluger Entscheidung, als Tebow unmotiviert den Ball intentional in den Boden setzte (als Royal (?) kurz vor Schluss schlecht abgedeckt war) – ein Wurf, den jeder halbwegs normale NFL-Quarterback versenkt. Die heutige Version: Für Simms wäre es ein Erfolg, wenn Denver mit 7-21 in die Halbzeit ginge.

[03h21] Tebow liefert Stoff zur Kritik. Sieht nun schon zum dritten oder vierten Mal weit offene Leute (diesmal glaub ich der Running Back) nicht und sorgt fast im Alleingang für das zweite Three’n’Out.

[03h16] New England 21, Denver 7/Q2 7:42. Wieder Gronkowski mit dem Touchdown, diesmal diskussionslos und über die Mitte. Denver kriegt überhaupt keinen Zugriff auf Gronkowski: 7 Catches, 78yds, 2 TD für den Tight End. Nebenher haben die Pats einen neuen Running Back: #81 Aaron Hernandez, der aus 3 Carries bisher 58yds machte.

[03h05] Schon ist der Rhythmus aus New Englands Angriff raus. Brady kriegt eine Spur mehr Druck und wirft eher schlechte Pässe, überwirft Gronkowski zwei Meter beim dritten Down und hätte einen Snap vorher um ein Haar eine weitere INT geschmissen.

[02h58]] New England 14, Denver 7/Q2 14:54 Brady wird langweilig und bringt ein bissl Spannung ins Spiel: INT mit einem eher vogelwilden Wurf auf S Quinton Carter. RB McGahee verwertet zum Touchdown, aber Denvers Kader wird nach der Verletzung von WR #88 Demariyus Thomas bedenklich dünn.

Erstes Viertel

[02h42] New England 14, Denver 0/Q1 6:42 Was ganz Neues: Die tight Ends der Patriots bestimmen, wo der Hammer hängt. Hernandez darf die Laufspielzüge ausführen, TE Gronkowski die Pässe fangen. Wir sind gerade knapp über 1/8 der Spielzeit und #81und #87 schon mit 99yds von den 132yds Offense der Patriots – obwohl der TD eher nach Fehlentscheidung roch.

[02h26] Die Patriots führen nach einem lockeren Auftaktdrive 7-0, mit dem Schlüsselspielzug eines Laufes von TE #81 Hernandez, der sich durch sämtliche Tacklings fräste. Den TD besorgte dann WR #83 Wes Welker. Im anschließenden Broncos-Drive hat Tebow zwar Erfolg mit Scrambles, fumbelt aber dann zum ersten Turnover den Ball.

[01h45] Gleich geht es in Foxboro los. Die Bedingungen sind playoffwürdig: Minus 14°C! Ich halte mir diesmal die Option offen, gegebenenfalls das Spiel irgendwann zu verlassen – ich muss um 7h15 wieder raus.

Divisional Playoffs am Samstag

Die Divisional Playoffs sind nach Thanksgiving und dem 15-stündigen Season Opener im College Football das drittbeste Footballwochenende, und werden bei mir für immer zwei Emotionen wecken: Die gigantische, so vielseitige Viererserie von 2003/04 – Stichwörter 4th and 26, die Eispartie zu Foxboro, doppelte Overtime in St Louis und punterloses Spiel zu Kansas – , und die einfach nicht verblassende Erinnerung an Christoper D. Ryan und seine Kommentierung zu Bettis’ Fumble anno 2006 im RCA Dome von Indianapolis.

San Francisco 49ers – New Orleans Saints

Sa, 22h30 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am So, 15.1. um 8h30 bei ESPN America
Aufzeichnung am So, 15.1. um 13h50 bei SPORT1+

Eine Woche nach dem dicken Brett „Detroit Lions“ folgt heute für den Superbowl-Favoriten „1B“ New Orleans Saints der nächste Brocken – diesmal auswärts: Die San Francisco 49ers von HeadCoach Jim Harbaugh, eine der großen Überraschungen dieser NFL-Saison. Rein vom Charakteristikum lassen sich Gegner und Ambiente nicht mit letztem Samstag vergleichen. Die 49ers sind eine knallharte, auf Fehlerminimierung bedachte „Smashmouth“-Mannschaft in einem windigen Stadion, zwei Gegebenheiten, die den Saints tendenziell nicht schmecken.

Das Wild Card Weekend zeigte, dass die Saints durchaus vielseitiger sein können als eine reine Pass-Offense: Die Running Backs #23 Thomas, #42 Ivory und insbesondere #43 Sproles – mein heimlicher MVP in dieser Begegnung – hielten die Defensive Line der Lions ausreichend in Schach, um den Boden für Brees’ tiefes Spiel zu bereiten. Jetzt kommt mit San Francisco eine der besten Lauf-Defenses des Weges: 3,5yds/Carry sind Maße, die selbst die Vikings der letzten Jahre erblassen lassen würden – und riecht schon jetzt leise nach einer noch stärkeren Fokussierung der Saints auf ihren Luftangriff.

Die Passverteidigung der 49ers gehörte trotz sehr gutem Pass Rush zu den kleineren Schwächen in dieser Saison: 6.4yds/Pass werden aufgegeben (#9), man ist etwas anfällig gegen Big Plays, fängt aber mit 23 Interceptions die zweitmeisten Bälle ab – mit Brees kommt nun jemand, der den Gegner gerne tief verbrennt, aber zum einen oder anderen überhasteten Fehlwurf neigt. Schauen wir uns mal die Verteilung der 49ers gegen die Passwaffen in dieser Saison an:

Top-WR:               72.1yds/Spiel (#8)
Zweiter WR:           43.8yds/Spiel (#6)
Dritter/vierter WR:   57.5yds/Spiel (#17)
Tight End:            50.0yds/Spiel (#6)
Running Back:         41.7yds/Spiel (#20)

Es gibt mit NaVorro Bowman und Patrick Willis zwei exzellente Linebacker, die TE Jimmy Graham aus dem Spiel nehmen könnten, aber die restlichen Zahlen dürften leise Sorgenfalten bereiten: Insbesondere gegen die häufig mit drei, vier Wide Receivers kommenden Saints dürfte die fehlende Tiefe im Defensive Backfield der Saints problematisch werden, und dann schreit es förmlich danach, dass der fangstarke Darron Sproles die Defense das eine oder andere Male beim 3rd down verbrennen wird.

Die 49ers ihrerseits spielen einen völlig anderen Stiefel mit ihrer Offense: 31 Läufen stehen 28 Passversuche im Schnitt gegenüber, trotz nur mittelmäßig effizientem Laufspiels (4.1yds/Carry, #19). Das Arbeitstier ist dabei immer noch der zähe RB Frank Gore (1211yds, 8TD). Viel wichtiger als Gore ist den 49ers allerdings ohnehin der Quarterback mit dem Allerweltsnamen, Alex Smith. Kein Scherz: Smith ist die Schlüsselfigur, die fehlenden Interceptions (nur fünf in 445 Würfen) die Schlüsselstatistik.

Denn während die 49ers mit 5.3yds/Angriffsspielzug zu den schlechtesten Mannschaften gehören (#23), ist die Offense eine der effizientesten: Für jeden der 380 erzielten Punkte muss San Francisco nur 13.1yds (#2 hinter den Packers) zurücklegen. Es gibt zwei Geheimnisse dafür:

  • Die sagenhaft geringe Turnover-Ratio von einem Giveaway pro 18 Drives (#1 mit weitem Abstand).
  • Die sagenhafte Starting Field Position für jede Angriffsserie in der NFL (33.4yds, ebenso #1 mit weitem Abstand).

Folge: Weil der Ball nicht oft verschenkt wird, braucht es nicht viele Yards zum Erzielen von Punkten. In der RedZone kickt man lieber Field Goals als für einen TD einen Turnover zu riskieren (nur 40% der RedZone-Besuche enden als Touchdowns, #30) und um die Spielfeldmitte wird fröhlich gepuntet, sodass die Gegner einen meist extrem langen Weg in die EndZone haben: San Francisco ist auch in der Defense die Mannschaft mit dem größten Vorteil in der Starting Field Position (23.9yds-Line im Schnitt), sodass die 49ers jeden einzelnen Drive aufs Neue im Schnitt 9.39yds Raumvorteil allein durch Starting Field Position gegenüber dem Gegner besitzen! Das ist mit weitem Abstand der beste Wert in der NFL (#2 New England 4.89yds). Sind die Special Teams der 49ers die wahren NFL-MVPs?

Trotzdem spricht einiges dafür, dass die 49ers Probleme bekommen werden. Erstens tendieren Mannschaften wie die 49ers mit außerordentlich viel Glück in engen Spielen (heuer 7-2 in Spielen mit einem Score) dazu, sich in den Playoffs schneller als alle denken zu verabschieden, zweitens ist ihre Offense nicht dafür gebaut, Rückstände aufzuholen – und gegen „Big Play“ Brees sind 1-2 Touchdowns immer möglich – und drittens ist die Mannschaft extrem stark von Turnovers abhängig.

Trotz Auswärts-„Schwäche“: 7pts-Sieg für die New Orleans Saints.

New England Patriots – Denver Broncos

Sa, 02h LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 11h bei ESPN America
Aufzeichnung am Sonntag, 15.1. um 16h25 bei SPORT1+

Das Nachtspiel ist ein Re-Match von einem der meistgehypten Begegnungen der Regular Season: Damals am 18. Dezember zerbröselten die New England Patriots die Denver Broncos auswärts locker 41-23 in einer nur am Beginn spannenden Partie, und beendeten damit den wochenlangen Spuk um Tebows wundersame Comeback-Siege.

Seither sind die Patriots (13-3) steril ihren Weg gegangen, holten sich mal wieder den #1-Seed, während die Broncos tiefste Tiefen durchstehen mussten, um dann am vergangenen Wochenende aus dem „quasi“ Nichts Pittsburgh nach Hause zu prügeln. Nun das Wiedersehen Broncos/Patriots, und das Wiedersehen Tebow/McDaniels.

Es ist ein Matchup, das man nicht bis in die Pipette zu analysieren braucht: Die Denver Broncos spielen ein Chamäleon von einer Offense, sind mal lauflastig bis die Beine halbiert sind, um im nächsten Spiel Tebow 40 Kurzpässe zu werfen und dann gegen die Pittsburgh Steelers wie ein Karnickel eine tiefe Bombe nach der anderen aus dem Zylinder zu ziehen – sie sind lange nicht immer erfolgreich, aber haben aufbauend auf einer recht guten Defense (5.6yds/Play, #15) an einem guten Tag wenigstens eine Außenseiterchance.

[Vorsicht: Tebow-Zone]

Für die Fans ohnehin viel wichtiger: Tebow hat sich mit dem vergangenen Sonntag wohl eine ernsthafte Chance als Quarterback für 2012/13 verdient. Tebow ist ein lausiger Werfer, aber dank Pittsburghs abgrundtiefem Misstrauen in Tebows Wurffähigkeiten konnte Denver bizarrerweise genau daraus Kapital schlagen: Denver kaschierte mit tiefen Bällen Tebows Präzisionsschwierigkeiten, und Tebow war gut genug, um die ultimative Verarsche – Pittsburghs „Deckung“ in der Overtime – zu kontern. Auf der anderen Seite gilt: die Plays in enger Coverage aus dem frühen zweiten Viertel muss man erst mal machen, auch wenn spätestens das Schlussviertel dann wieder Tebows Hilflosigkeit blankstellte (hatten die Steelers deshalb keine Scheu, die Overtime so „front-heavy“ zu beginnen?).

[Ab sofort Tebow-freie Zone.]

Gegen New England gibt es erneut Chancen auf Raumgewinn: Deren Pass-Defense gehört zu den schlechtesten aller Zeiten, pulverisierte mit 4722 kassierten Yards Raumgewinn sämtliche historisch gewachsenen Negativrekorde und stellte in Relation zu den gegnerischen Passversuchen (7.6yds/Passspielzug) eine der schwächsten Defenses in der heurigen Saison (#30). Nach Pittsburgh dürfte der Überraschungseffekt der tiefen Bomben erstmal verpufft sein, und im Hinspiel zeigte sich, dass die Patriots durchaus in der Lage sind, schnell auf Denvers Laufspiel zu reagieren (162yds im ersten Viertel, danach eher dichte Schotten, wenn ich mich nicht irre).

Deshalb dürften Denvers Siegchancen  – ick weiß, ich setze eh immer gegen Denver – minimal sein. Denn Brady und Konsorten trotzen sämtlichen unterirdischen Zahlenwerten ihrer Defense und legen mit ihrem Angriff immer noch mehr Yards und Punkte – und vor allem viel weniger Turnovers – drauf. Resultat: Die Mannschaft ist mal wieder die No. 1 der wenn auch suspekten AFC und wenn auch gegen einen Schedule, der seit November keinen hochkarätigen Gegner gesehen hat.

Was sich die Patriots zuletzt hinter die Ohren schreiben konnten, waren die recht abgewichsten Konter gegen frühe Rückstände, die mit Bradys Offense schnell in blowout-artigen Spielvierteln gedreht wurden. Brady wird auch gegen Denver punkten, da der Bronco-Passrush um die Herren Dumervil/Miller gegen New Englands Protection nicht die Hälfte Land von letzter Woche gegen Pittsburgh sehen wird. Und niemand kann ernsthaft erwarten, dass die Broncos einen Shootout mitgehen können. Und der letzte Sargnagel in Denvers Hoffnungen: Wenn eine Mannschaft in einer einzigen Saison acht von 12 Spielen innerhalb eines Scores gewinnt, ist irgendwann genug.

Sieg der Patriots mit 16 Punkten.

AFC-Wildcards 2012: Denver Broncos – Pittsburgh Steelers

[02h45] Tebow: 316 rules. Wir werden noch Jahre davon hören, auch wenn Tebow keine langfristige Aussicht in der NFL hat.

[02h17] Für jene mit Koffeinüberschuss: ESPN America bringt noch die GoDaddy.com Bowl Arkansas State Red Wolves – Northern Illinois Huskies.

[02h12] New England hat heute bestätigt, dass Josh McDaniels, der Mann, der Tebow in Denver draftete, als neuer Offensiv-Assistent (oder Berater) eingestellt wird, weil OffCoord O’Brien neuer Penn State-Chefcoach wird. Tebows Wiedersehen mit McDaniels.

[02h10] Was ist die Definition von „deep threat“? WR Thomas mit 4 Catches für 201yds und dem entscheidenden TD.

[02h07] FASSUNGSLOS! FASSUNGSLOS! Tebow bedient WR #88 Demariyus Thomas, der im ersten Play durchläuft und die kürzeste Overtime ever entscheidet. Denver fährt nach Foxboro – eine Megasensation, trotz allem. Endstand Denver Broncos 29, Pittsburgh Steelers 23.

Viertes Viertel

[02h01] Ende viertes Viertel, 23 beide. Es geht in die OVERTIME. Die extra vor zwei Jahren für die NFL-Playoffs geschaffenen neuen Overtime-Regeln dürften zum ersten Mal ever zur Anwendung kommen:

  • Team A kriegt den Ball und kann mit Touchdown das Spiel beenden.
  • Bei Field Goal für Team A kann Team B kontern: B gewinnt dann mit TD. Gleicht mit FG aus – in letzterem Fall ginge die Partie im „Sudden Death“ weiter.

[01h57] 21sek vor Schluss fumbelt Roethlisberger den Ball (#92 Dumervil im Fallen), kann den Ball aber gerade noch selbst erobern.

[01h56] Nun ist Pittsburgh dran. Nach zwei spektakulären Completions sind die Steelers 25sek vor Schluss an der DEN45.

[01h48] Noch zwei Spielminuten. Denver an der eigenen 35, hat zwei Timeouts.

[01h43] Denver 23, Pittsburgh 23/Q4 3:48. Roethlisberger spielt plötzlich on fire, scrambelt sich als hätte er kiloweise Schmerztabletten gefressen (hat er?) und feuert einen tiefen Ball in die EndZone, wo WR #89 Cotchery das Ei herunterpflückt – der Touchdown gilt, obwohl der „Catch-Prozess“ ziemlich eindeutig nicht beendet wurde. Wohl Auslegungssache.

[01h34] Nun kommt der Fehler der Denver Broncos: RB #23 Willis McGahee wird von #92 Harrison und #97 Heyward das Ei aus der Hand geschlagen, nur Augenblicke bevor das Knie am Boden ist. Zentimeterentscheidung, Pittsburgh kriegt siebeneinhalb Minuten vor Schluss eine unverhoffte Ausgleichschance.

[01h25] Denver 23, Pittsburgh 16/Q4 9:59. Die Broncos-Defense wird müder, wackelt, aber hält in der RedZone. Pittsburgh hat immer mehr Erfolg mit dem Laufspiel über #33 Redman, und auch Roethlisberger wirkt plötzlich mobiler als noch vor der Halbzeit, erkauft sich Zeit und kann sogar einmal für 9yds scrambeln. Die Schlussphase verspricht, heiß zu werden.

[01h15] Denver 23, Pittsburgh 13/Q4 13:10. Pittsburgh springt wieder von der Schippe, kommt mit dem Fieldgoal davon, weil die Broncos sich eine Offensive Pass Interference erlauben und der Drive dadurch gebremst wird. Die Defense wirkt aber auch bei Läufen nicht überzeugend, verpasst etliche Tackles und schenkt dadurch Yards her.

Drittes Viertel

[01h01] Denver 20, Pittsburgh 13/Q3 4:33. Nach dem missratenen Refereeing beim Fumble bekommt Pittsburghs Offense plötzlich Drive und RB Redman bricht haufenweise Tackles und läuft zur 1 durch. Danach folgt der Touchdown. Wir haben ein Spiel, und es ist knisternd (und nicht vor 2h fertig).

[00h49] Nächster Aussetzer im Regelwerk: Obwohl der Spielzug ein klarer Fumble der Steelers war, kriegen die Broncos den Ball nicht, DA DIE REFS ERNEUT ABGEPFIFFEN HATTEN. Katastrophales Management der Zebras in den letzten beiden Tagen. Steelers bleiben also am Ball und Nantz/Simms rätseln mit mir, warum.

[00h45] Roethlisberger mit einem Lateral nach rechts draußen, den CB Champ Bailey erobert. Der Spielzug wurde „incomplete“ gegeben, wird nun überprüft und dürfte als Fumble und Ballgewinn für Denver gewertet werden! Turnover in der eigenen RedZone für die Steelers.

Zweites Viertel

[00h22] Halbzeitstand Denver 20, Pittsburgh 6

Vogelwildes zweites Viertel für die Steelers, deren Defense hier komplett kollabiert ist, 3-4 ganz große Plays aufgab und „vorne“ in der Front Seven keinen Zugriff auf die Pocket Tebows bekommt. Sind die Verletzungen schuldig? NT Hampton, DE Keisel sind raus, nur noch Rookies und Backups fit genug, um hier durchzuhalten. Denver nutzte das aus, begann, tief zu werfen. Resultat: 225yds für Tebow im zweiten Viertel, 185yds Passspiel.

Pittsburghs Angriff leidet unter Roethlisbergers Immobilität. Roethlisberger ist unter Druck einer der besten Improvisationskünstler, aber ohne Beweglichkeit wird’s schwer. Das Ding ist noch lange nicht gegessen, aber definitiv problematischer für Pittsburgh als angenommen.

[00h16] Der deutschstämmige Doug Legursky mit einem missratenen Snap, der 30sek vor Halbzeit fast weitere Punkte für die Broncos eingebracht hätte.

[00h10] Denver 20, Pittsburgh 6/Q2 1:05. Nächstes Big Play ins Herz der Steelers-Secondary: Diesmal sieht Polamalu gegen TE #86 Fells alt aus – allerdings sind die Steelers dann nahe der GoalLine gut vorbereitet und verhindern den Touchdown (auch inkl. eines Drops von #88 Thomas).

[23h53] Denver 17, Pittsburgh 6/Q2 7:33.

[23h50] Roethlisberger wird nun Spielzug für Spielzug abgeschossen, das ist bald nicht mal mehr Humpeln, so angeschlagen wie der Mann ist. Roethlisberger muss unter Druck das Ei wegwerfen, direkt zur INTERCEPTION. Einen Spielzug später wirft Tebow einen fürchterlich eiernden Ball in die EndZone, der fast abgefangen wird. Denver kriegt jedoch das Personal Foul und ist kurz davor, erneut zu punkten.

[23h43] Denver 14, Pittsburgh 6/Q2 10:36. Tebow per designtem QB-Scramble zum Touchdown, bringt das Stadion zum Entzücken – vorhin gab es noch einen riesigen Pass für WR Demariyus Thomas, der 109yds in drei Minuten gefangen hat.

Für die Steelers wird es bitter: NT #98 Hampton wird kaum mehr ins Spiel zurückkehren und nun geht auch noch DL #99 „Bart“ Keisel flöten. Die Steelers haben fast keine Defensive Liner mehr zur Verfügung, und die wenigen die noch da sind, sind Rookies oder blutjung und müssen nun wohl durchspielen… Vielleicht erklärt sich dadurch die viele Zeit, die Tebow in der Pocket bekommt.

[23h37] Wenn ich auf das Zeiteisen schaue: Vorhin hatten wir nach einer Stunde die 2min-Warning. Jetzt sind wir eine Stunde nach Kickoff gerade eineinhalb Minuten im zweiten Viertel. Sprich: Das Spiel droht bis nach 1h30 anzudauern.

[23h34] Pech für Pittsburgh: Ein wunderschöner tiefer Ball in den Lauf für WR #17 Wallace berührt mit einer Naht den Boden und wird per Challenge zurückgenommen.

[23h26] Denver 7, Pittsburgh 6/Q2 13:24. TOUCHDOWN Tebow nach Pass für Tebow Royal. Denver geht aus dem Nichts zweimal tief, als erst WR Thomas und dann WR Royal im Eck der EndZone die Bälle gegen gute Deckung herunterfangen. Aus dem Nichts führen die Broncos plötzlich 7-6.

[23h24] Der Referee rettet sich aus der Scheiße, indem der 20yds-Pass für WR Decker „incomplete“ gegeben wird. Decker hatte gefumbelt, die Steelers aufgenommen, aber analog gestern bei den Lions war abgepfiffen worden. Calvin-Johnson-Regel sei dank können die Refs die Situation für sich retten.

Erstes Viertel

[23h19] Korrektur: Waren 8yds Total-Offense für Denver im ersten Viertel.

[23h16] Ende erstes Viertel. Denver mit 7 Spielzügen für 7yds und noch ohne 1st down.

[23h12] Denver 0, Pittsburgh 6/Q1 0:23. Trotz Tebow versenkt Suisham das 38yds-Field Goal, aber dank Tebow konnte Denver eine Art „moralischen Sieg“ in diesem Drive herauswürgen: RB Redman sah viel Raum, die Steelers konnten nur wegen einer zu Unrecht nicht gegebenen Pass Interference gestoppt werden. Drei Punkte für Pittsburgh fühlen sich zu wenig an.

[23h02] Zweites Three’n’out für die Denver Broncos. Es deutet sich leise an, dass Tebow, wenn er mal schnell kurz werfen kann, Erfolg haben könnte, auch wenn die Pässe unpräzise kommen. Das Laufspiel über die Running Backs macht nicht den Eindruck, als dass es heute besonders gut in die Gänge kommen kann.

[22h51] Denver 0, Pittsburgh 3/Q1 11:14. Ordentlicher Start der Steelers, inkl. Einsatz von TE Heath Miller, aber in FG-Reichweite bleibt der Drive u.a. aufgrund eines überworfenen Balls für WR Wallace stecken und die Steelers müssen kicken. Zyniker meinen, das Spiel sei damit entschieden.

[22h14] Für die Denver Broncos könnte das Spiel richtungsweisend für die nähere Zukunft werden – und es gibt Stimmen im Bronco-Lager, die eine richtige Klatsche begrüßen würden, hieße es doch das Ende der Tebow-Zeit. Es ist in der Tat schwer vorstellbar, dass Denver mit Tebow über längere Sicht eine brauchbare NFL-Offense bauen kann, zumal sich Fox und sein Offensive Coordinator unfähig gezeigt haben, der Tebow-Offense eine Identität zu geben. Das Spiel letzte Woche gegen Kansas City war aus der untersten Schublade und es gibt im Moment wenige Hebel, an denen man ansetzen kann…

…außer QB Brady Quinn, der unter der Woche Tebow im Training zum Teil quasi ersetzt haben soll und möglicherweise heute schneller als gedacht eingesetzt werden wird.

[22h03] Denver vs Pittsburgh ist so ein Spiel, in dem man von tendenziell sowas wie einer Defensivschlacht ausgehen kann. Defensivschlacht ist auch das einzige Szenario, in dem man den Denver Broncos mit ihrer identitätslosen Offense eine Chance geben kann. Zur Vorschau geht es hier:

Von Bronco zu Bronco

Es ist nicht immer ganz einfach, Sportfan zu sein. Sicher, man kann sich mit jedem darüber unterhalten, wie Juve, Milan und Bayern am Wochenende gespielt haben, dass Lindsey Vonn bald wieder Tebow Kildow sein wird oder Vettel die fünfundachzigste Pole Position hintereinander herausgefahren hat. Kritischer wird die Sache für den, dessen Hemmschwelle, sich um 2h15 mittwochnachts Temple gegen Gonzaga im College Basketball reinzuziehen, gen Nullpunkt tendiert.

Sportübertragungen sind wunderbar. In Zeiten, in denen deutsches und italienisches TV sich immer ähnlicher werden, in denen selbst Politdiskussionen im Schweizer „Club“ zu polemischem Geschwätz verkommen und Klassiker wie Blue Velvet selten werden, bleiben Temple und Gonzaga und der Anker „Sport“.

Zugegeben, in mindestens drei Vierteln der Fälle bleibt auch Livesport in einem gewissen Rahmen des Erwarteten und Erwartbaren. American Football ist so ein Beispiel, das sich größtenteils auf das Warten auf den einen Moment reduzieren lässt. Taktische Aufstellungen, Trainerentscheidungen, kurze und lange Drives – alles ehrenwerte Momente, interessiert verfolgbar und Stoff für endlose Analyseansätze. Aber richtig „geil“ wird auch Football erst dann, wenn die Partie vom Skript abweicht.

Wie die Fiesta Bowl 2007, der irrste Event seit Erfindung der Leberwurst. Ich würde Football heute wohl nur beiläufig verfolgen ohne jenes Spiel, als die kleinen Boise State Broncos die Hosen runterließen und in der Crunch Time Trumpfass auf Herzkönig zückten und das Äquivalent zum Championsleague-Sieg von Unirea Urcizeni über Barcelona schafften und damit die Messlatte legten für alles, was Sport im Allgemeinen und Football im Besonderen so einzigartig unterhaltsam macht. Und Football ist ein Spiel geblieben, das von Zeit zu Zeit die Sehnsucht nach dem Zauber dieses „einen“ Moments befriedigt.

Tyree. Johnson. Fitzgerald. Griffin. Belichick. Bettis. Baldwin. Miles. Jackson. Und seit Sonntag Prater. Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

Bei aller Hoffnungslosigkeit, dass sich ein Siegeslauf mit einem derart apathischen Passspiel auf Dauer halten wird können, so ist das doch faszinierend, wie die Denver Broncos Tag ein, Tag aus plötzlich in den letzten 4:30min diesen imaginären Schalter umlegen und ein Feuerwerk von Comeback starten. Mal ist es ein Onside Kick, mal ein All Out-Blitz, mal eine völlig unmotivierte Prevent Defense, aber Tebow und Konsorten lavieren sich durch.

Denver 2011/12 ist „unlogisch“, aber aufregend und es ist schwer, sich der Magie dieser Wiederauferstehungswunder zu entziehen. Diese Latte an glücklichen Fügungen über sieben, acht Wochen – bislang ungesehen. Wann wird der Bogen überspannt sein?

Heute Abend treffen die Wunder-Broncos auf die meilenweit beste Offense, seit die Serie im Oktober in Miami begonnen hat: Die New England Patriots. Déja-vu? Es wird sich zeigen, ob die Defense gegen die variantenreiche Kurzpass-Offense Bradys erneut das Feld für einen Lazarus bestellen kann. Die Logik sagt – mal wieder – „Nope!“.

Trotzdem ist es höchste Zeit, sich der Grundsätze von Sideline Reporter zu besinnen und die Underdogs und Unkonventionellen zu ehren. Denver Broncos 2011/12, das ist unabhängig vom Ausgang die Story der Saison und stellt sogar die Rekordjagden der Packers und Colts in den Schatten. Gucken, staunen, genießen und danke sagen.

NFL-Schau 2011/12, Week 14

Denver Broncos – Chicago Bears wird mir noch lange in Erinnerung bleiben, als das bislang fassungsloseste Spiel der Saison. Drittes Viertel, ca. sechs Minuten gespielt. Tebow entwischt Peppers beim 1st down für 9yds. 2nd down, diesmal passt Peppers auf, verkürzt raffiniert den Winkel für Tebow, der keinen Raumgewinn macht. 3rd down: Fox lässt nicht etwa werfen, da die Wide Receivers an diesem Tag eh alles fallen lassen, was ihnen Tebow in die Hände legt. Fox lässt laufen, und McGahee wird abgewürgt. Punt. Hester returniert sich aus einer aussichtslosen Situation das Spielfeld runter, kurz danach tippelt RB Marion Barber leichtfüßig wie lange nicht in die EndZone. Es folgen „Drives“ (Gansefüßchen mit Absicht gesetzt) zweier sagenhaft ineffizienter Offenses: Denver kann den Ball nicht festhalten, läuft deswegen selbst bei 3rd and 15 mit seinen Running Backs, auch weil Chicagos quicke Linebackers Tebow keinen Raum zum Scrambeln geben. Chicagos QB Hanie nudelt sich mit einfachsten Overthrows um Kopf und Kragen und zeigt auch via Handling mit Timeouts null Autorität. Trotzdem führen die Bears vier Minuten vor Schluss 10-0 nach einem 57yds-FG, das Lovie Smith beruhigt ansagen konnte, da Denver selbst mit Startposition an der gegnerischen 40 keine Punkte erzielt hätte.

Apropos Timeouts: Chicago sieben Minuten vor Schluss, beginnt eine weitere Angriffsserie. Hanie nimmt nervös eine Auszeit. Chicago kommt zurück auf das Spielfeld und läuft für 0yds über die Mitte. Ich meine, ich nehme eine Auszeit, um meinen Spielzug zu besprechen und exekutiere dann den sinnlosesten, unkreativsten Play, der mir gerade auf den Kopf gefallen ist? Zum Start eines neuen Drives?? Zwei Läufe später wieder ein 3’n’out und der dreihunderfünfundsiebzigste Punt der Bears.

Trotzdem haben diese alles im Griff, bis sie den Horror aller Jets-Fans heraufbeschwören und auf „Prevent Defense“ umschalten, die Safetys plötzlich 30yds hinter die Anspiellinie zurückziehen. Folge: Tebow nimmt plötzlich Fahrt auf, WR #88 Demariyus Thomas legt die Butterfinger ab, Denver verkürzt 2:08 vor Schluss auf 7-10. Onside Kick. Geschickt gemacht, aber weil sich zwei Broncos über den Haufen rennen, erobern die Bears den Ball, Denver ohne Auszeiten geschlagen.

2nd down, 1:59. Chicagos Sieg-Chance laut Advanced NFL Stats in diesem Moment: 99%. Barber erkämpft sich die Yards und geht out of bounds. Folge: Chicago ist mit knapp mehr als einer Minute gezwungen zum Punten! Das Spiel eingetütet und dann muss man punten! Die Broncos arbeiten sich schnell runter, und K Matt Prater versenkt ein 59yds-Field Goal! Mile High nahe an der Explosion.

Münzwurf. Chicagos Ball. Barber erst mit einem fantastischen Catch, macht seinen Fehler scheinbar wieder wett. Verkürzt kurz darauf das siegbringende Field Goal mit einem quicken Lauf in der Overtime, nur um dann den Ball wegzufumbeln. Der Rest ist simpel tebowtiert: Prater erneut aus >50yds, versenkt zum nächsten Freak-Sieg, dem bisher irrsten, unwahrscheinlichsten, und Denver ist 8-5.

Man braucht gar nicht zu versuchen, das Phänomen „Broncos 2011/12“ zu erklären. Fox hat sich hier eine knackige Defense angelacht, Tebow war in der crunch time wieder on fire, aber das alles hätte mal wieder nicht gereicht. So brutal wie sich die Bears diesmal in die Knie geschossen haben, das war geschottenheimert at his worst und hätte hier Dinamo Zagreb gespielt, wir würden glatten Wettbetrug vermuten. Es wird sich zeigen, inwiefern sich das Zielrohr gen Lovie Smith ausrichten wird. Hanie hat keine Zukunft, klar, aber wie wird wohl die Stimmung in der Stadt der Winde nach diesem verheerenden Ergebnis sein, das möglicherweise die Playoff-Teilnahme kosten wird?

Was die Broncos angeht: Das ist wie im alten Madden, wo der Gegner siebenundfuffzich Minuten nichts zustande brachte, um mit der 2min-Offense zur unstoppbaren Angriffsmaschine zu werden und in 23sek 87yds zum Touchdown zurücklegte. Es ist zu viel „Freak“ dabei, als dass diese Offense langfristig Früchte tragen kann. Aber das Team ist unterhaltsam bis zum Anschlag. Tipp: Staunen und genießen. Am Sonntag das Duell, das sich unendlich mit Thrill aufladen lässt: Denver – New England Patriots. Superbowl-Rematch Fox vs. Belichick. Arbeiter Tebow vs. Schönling Brady.


Pythagoras adjusted

Disclaimer: Die pythagoreische Erwartung für diese Woche wurde angepasst. Ich habe gelernt, wie sich der Exponent individuell auf jedes Team anpassen lässt. Also kein „2,637“ mehr für jede Mannschaft, dafür ab sofort ein individueller Exponent, der sich da schimpft:

x = 1,5*log10((PF+PA)/G)

Ziel ist damit, das „Umfeld“ einer Mannschaft besser zu beschreiben: Spielt sie in hauptsächlich Defensivschlachten (z.B. Browns)? Oder gibt es Shootout after Shootout (Saints, Packers, Patriots)? Die Korrelation zwischen Siegerwartung und reeller Bilanz ist mit dem neuen, sogenannten „Pythagenport“-Exponenten sensationelle 0,9134 über die letzten 20 Jahre NFL, und noch etwas damit höher der alte Durchschnittsexponent. (Korrellation für 2011/12: 0,895) Quelle: Football-Outsiders.com.

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E13 = Siegerwartung nach Woche 14, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 14

W = Siege, L = Niederlagen, PF = erzielte Punkte, PA = kassierte Punkte, % = relative Siegerwartung, E16 = Siegerwartung nach 16 Spielen, E13 = Siegerwartung nach Woche 14, +/- = Soll/Ist Vergleich nach Woche 14

Pechvögel. Carolina verspielte eine gepflegte 16pts-Führung gegen Atlanta, Minnesotas ehrenhafte Aufholjagd in Detroit blieb unbelohnt, Philadelphia trotz klarem Auswärtssieg in Miami immer noch klar unter seiner Erwartung. San Diego performt 1,6 Siege besser als Denver, liegt in der Tabelle jedoch 2 Spiele zurück und schleppt sich noch durch drei Spiele mit einem „lame duck“-Trainerstab.

Glücksritter. Green Bay ist nach dem furiosen Start gegen Oakland noch drei Spiele von der Perfect Season entfernt und hat seine Vorjahressaison nun, in Woche 13, an Performance übertrumpft. Denver wie geschildert muss unter einem anderen Gesichtspunkt betrachtet werden, die Geschichte zeigt jedoch, dass solche Glückssträhnen nicht auf Dauer haltbar sind (Broncos 2009/10 als Beispiel genannt). Die Giants noch einmal mit einem Aufbäumen. Aber zwei andere Mannschaften werden nach Saisonschluss interessant:

  • Kansas City. Man sage mir nicht, ich habe den letzten Platz der AFC West nicht leise kommen sehen. Die Chiefs haben ein fürchterliches Verhältnis PF/PA und es ist Wahnsinn, dass diese Mannschaft fünf Siege holen konnte. Haley bleibt auf dem heißen Stuhl.
  • Tampa Bay. Ich hatte den Buccs eine 5-11 Bilanz prognostiziert. Könnte Zeit werden, die Erwartung weiter herunterzukorrigieren. 14-41 gegen Jacksonville mit SIEBEN Turnovers? Ich würde meinen Arsch nicht an den Ofen halten, dass Raheem Morris den Jänner unrasiert überlebt. Tampa nach Pythagoras mit einer fatalen Erwartung von 3,1 Siegen nach 13 Wochen. Meine Rübe, was ist mit dem ehemaligen Spaß-QB Josh Freeman los?

Das Playoff-Bild in beiden Conferences wird klarer.

AFC-Playoffrennen

Fix durch ist erst Houston (10-3). Die Texans mussten im neunten Jahr zwei Quarterbacks auf die Injuried Reserve wandern sehen, um zum ersten Mal in die Playoffs zu kommen, und haben als einziges AFC-Team bereits ihre Division gewonnen. Fast fix: New England (10-3), Baltimore (10-3) (und Pittsburgh, ebenso 10-3).

In der AFC West halten die Broncos alle Matchbälle, sich durchzulavieren (NE/@BUF/KC). Vermutlich braucht es nur noch einen Sieg, weil Oakland blass aussieht und San Diego erst jetzt die lockeren Siege einfährt, aber noch einen happigen Rest-Schedule zu bewältigen hat (BAL/@DET/@OAK).

Die Wildcards schauen nun klarer aus: Aus der AFC North dürfte, je nachdem wer die Division gewinnt, Baltimore oder Pittsburgh den #5-Seed bekommen (beide aktuell 10-3), dahinter haben sich die Jets (8-5) die „Pole-Position“ für den #6-Seed gesichert – mal wieder. Das Restprogramm der Jets hat es aber noch in sich: @PHI, NYG, @MIA. Nicht die einfachste Dreierserie, wenn der Saisonerfolg auf dem Spiel steht.

Dahinter steht mit Cincinnati und Tennessee (7-6) ein Überraschungsduo bereit. In einem möglichen „Three-Way-Tie“ mit den Jets könnte der Sieg der Bengals über Tennessee dabei negiert werden. Auch Oakland ist mit seiner 7-6 Bilanz noch im Spiel, aber so wie man sich zuletzt präsentierte, könnten die Wildcard-Träume mit diesem Schedule eher schnell enden: DET/@KC/SD. Bleibt also die kleine Hoffnung auf den Divisionssieg.

Mögliches Seeding: #1 Houston/#2 New England/#3 Pittsburgh/#4 Denver/#5 Baltimore/#6 N.Y. Jets.

NFC-Playoffrennen

Fix durch sind: Green Bay, das bereits ein Freilos in Runde 1 hat und nur mehr gegen die Historie spielt. San Francisco, das seine Division gewonnen, aber den #2-Seed noch nicht eingetütet hat. Die New Orleans Saints sind durch, aber der Divisionssieg ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Abseits davon wird es eng. Die NY Giants sind nach dem knappen Auswärtssieg in Dallas vorerst wieder in der schwachen NFC East vorne (beide 7-6). In Woche 17 kommt es zum „Rückspiel“ in New Jersey, wo wohl der Divisionssieger ausgespielt wird. Dallas hat sein Schicksal in der Hand, braucht unabhängig von der Giants-Situation nur zwei Siege: in New York und entweder bei TB oder gegen PHI, da man damit auf alle Fälle den Tie-Breaker mit NYG holen würde (Division und/oder Conference). Philadelphia (5-8) hat nur noch minimalste rechnerische Chancen (die Eagles würden nach meiner Rechnung sämtliche 8-8 Tie-Breaker mit zwei oder drei Teams zum Divisionssieg für sich entscheiden).

Der Verlierer von Dallas/Giants hat noch das Hintertürchen „Wild Card“, das einen kleinen Spalt offen bleibt – wenigstens bis zum Wochenende. Detroit und Atlanta (8-5) haben sich vorerst einen Vorteil verschafft, da Chicago (7-6) jene böse, böse Schlappe in Denver kassierte.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Wildcard mit „9-7“ weggeht, weswegen entweder New York oder Dallas bluten dürften. Detroit (SD/@GB) hat noch ein schwieriges Abschlussprogramm, auch Chicago (@NO), aber es müssen alle Stricke reißen, damit die NFC East mit zwei Vertretern die Playoffs bestreiten kann, zumal NYG eine schwache NFC-Bilanz hat (aktuell 4-6) und DAL das direkte Duell mit DET verloren hat.

Mögliches Seeding: #1 Green Bay/#2 New Orleans/#3 San Francisco/#4 Dallas/#5 Atlanta/#6 Detroit.


NFL im US-TV

Die neuen TV-Verträge der NFL weren fett. Diverse Tweets haben durchsickern lassen, dass die NFL bis 2022 weiterhin auf den drei großen Networks FOX/CBS/NBC bleiben werden, Flex-Scheduling ausgeweitet wird und dem „flex“ auch die Zusatzbedeutung gibt, dass CBS und FOX nicht mehr stur blindheil jeweils der AFC oder NFC verschrieben sind. ESPN soll möglicherweise ein Playoffspiel bekommen, behält wie seit längerer Zeit bekannt Monday Night Football. Die Verträge mit CBS/FOX/NBC belaufen sich auf schlappe 27 Mrd. Dollar (neun Jahre pro Sender, ergo $1 Mrd. pro Sender pro Saison im Schnitt). NBC soll das Thanksgiving-Spiel um 02h MEZ bekommen. Bissl ausführlicher das Ganze bei Allesaussersport.de.


Mayock-Watch, Week 14

Heute Nacht: Atlanta – Jacksonville (02h LIVE ESPNA/SPORT1+). Die Falcons brauchen den Sieg für das Rennen um Wildcard und eventuell sogar noch Divisionssieg, während Jacksonville nach dem Schlachtfest gegen Tampa danach trachtet, das nächste Kaliber aus der NFC South zu fassen. Ob das gegen die unterirdische Lauf-D Tampas funktionierende Laufspiel um RB Jones-Drew auch gegen die Falcons so reibungslos klappen wird, wage ich in Frage zu stellen. Ansonsten fiele mir bis auf die eleganten Teamfarben beider Franchises ad-hoc nicht viel mehr zu diesem Spiel ein. Vielleicht hat Mike Mayock was Interessantes zum Erzählen.

Tebow

Ich glaube weiterhin nicht, dass sich die Broncos mit Tebow eine rosige Zukunft angelacht haben. Tebows größter Wert liegt auf einer anderen Ebene. Zwei Lesetipps.


Okay, „Lesetipp“ dürfte hier nicht ironiefreie Zone sein. Es wird ernsthaft mit Sätzen wie diesem argumentiert:

As a father who has watched coaches try to teach his tall son the perfect long-range jumpshot when he just wants to bang around under the basket, get rebounds, putbacks and play like Dennis Rodman, well, it’s nice to see someone win with a style that doesn’t come from a cookie-cutter.

Trotzdem. Lesen von Greg Coachs (FOX Sports) Artikel ist erlaubt. Man mache sich ein Bild. Aber das Ding mit der Hautcréme im Hinterkopf behalten.


Am anderen Ende der Argumentationsskala kommt Grantlands Chuck Klosterman mit dem bisher besten Text über das Phänomen „Tebow“: The People Who Hate Tim Tebow. Klosterman begibt sich auf der Suche danach, warum Tebow die Massen spaltet. Viel mehr noch: Warum Tebow überhaupt die Massen bewegt. Wer die Schlussfolgerung gelesen hat, wir sich denken „Mönsch. Watt it daran nu‘ neu?” Bei Klosterman gilt jedoch die Devise: Der Weg ist das Ziel. Und es ist ein gutes Ziel. Klosterman at his best. Eine spannende Lektüre, nicht nur aufgrund solcher Gedankengänge:

It’s difficult to take an „anti-faith“ position. There’s no pejorative connotation of the word faithful. The only time „faith“ seems negative is when it’s prefaced by the word „blind.“ But blind faith is the only kind of faith there is. In order for someone’s faith to be meaningful, it has to be blind. Anyone can believe a hard fact that everyone already accepts. That’s easy. If you can see something, you don’t need faith. Faith in the seeable is meaningless. But meaningful faith is dangerous. It simplifies things that aren’t simple.

[…]

How do you refute the non-argument of meaningful faith?

You (usually) don’t. You (usually) lose.

Since Tebow was installed as the Broncos‘ starter, they are 6-1.

Trust the insane?

NFL-Wk 12, 2011/12: Mahlzeit

Der heutige NFL-Abschluss des Thanksgiving-Wochenendes fühlt sich eher „lauwarm“ an. Die 19h-Partien sind so wenig prickelnd, dass bei ESPN America der Krisengipfel NY Jets – Buffalo als Livespiel herhalten muss. Dazu hat schon heute Vormittag Herrmann die Einleitung gegeben.

Die restlichen TV-Spiele.

Oakland Raiders – Chicago Bears

22h15 LIVE bei ESPN America und SPORT1+
Montag, 12h30 Tape bei ESPN America

Im Mittelpunkt stehen für mich die beiden Quarterbacks. Bei den Raiders hat sich der teuer eingekaufte #3 Carson Palmer richtig gut eingelebt und nach ein paar Interceptions zum Warmwerden zuletzt drei großartige Spiele gezeigt. „Großartig“ weniger in den Stats (50/78 für 795yds, 6 TD, 4 INT), aber Palmer soll leichtfüßiger denn je und brutal gute Pässe in brutal enge Deckungen werfen. Zumindest gingen Andy Benoits Beobachtungen im CBS-Podcast in diese Richtung. Und wenn Andy Benoit das behauptet, dann glaube ich das. Einfach so.

Oakland hat nicht schnelle Wide Receivers. Oakland hat Sprinter. Palmer besitzt den Arm für die tiefen Bälle. Wenn Palmer nun auch noch flink genug ist, um der ersten Druckwelle auszuweichen, riecht es gegen die eigenartigen Abwehrschemen der Bears nach mehreren Big Plays.

Die Bears müssen  wochenlang an dem am Daumen verletzten QB Jay Cutler verzichten, weswegen wir hier die Rückkehr des Caleb Hanie erleben werden. Hanie war sowas wie ein moralischer Sieger des NFC-Finals 2010/11, wurde damals in eine tote Mannschaft geworfen, nachdem Cutler mit Knieverletzung und Backup Collins mit Inkompetenz raus waren, und Hanie spielte meiner Erinnerung nach richtig ordentlich, trotz zweier INTs. Unter Hanie lief die Offensivmaschine der Bears in jenem Spiel gegen Green Bay am besten.

Für Hanie werden es entscheidende Wochen: Am Saisonende läuft sein Vertrag aus. Gewinnt er drei der sechs Spiele, könnte Chicago in die Playoffs marschieren und Hanie irgendwo einen teuren Vertrag kassieren. Spielt er schlecht, könnte die Laufbahn zu Ende sein.

Die Bears haben nach der Lions-Niederlage die große Chance, einen Vorsprung herauszuarbeiten, aber man darf skeptisch sein, ob das ausgerechnet bei den aufsteigenden Oakland Raiders passieren wird.

Kansas City Chiefs – Pittsburgh Steelers

02h20 LIVE bei ESPN America und SPORT 1+
Montag, 18h30 Tape bei ESPN America
Mo/Di, 00h00 Tape bei SPORT1+

Auch hier ist ein Quarterback im Fokus: Tyler Palko, der Mann, der in New England nicht katastrophal debütierte, aber unter Druck aussah wie die Hühner im Nachbarsstall. Palko bekam kürzlich mit Kyle Orton den neuen Starter vorgesetzt, nachdem die Matt Cassell diese Saison abschenken wird, aber Orton wird heute kaum eingesetzt werden. Will heißen: Man kann eine druckvolle Steelers-Defense erwarten, die den Linkshänder Palko aus dem Konzept bringen wird. Ich sehe nicht, wie die recht biedere Chiefs-Offense dann noch punkten will. Pittsburgh dürfte also leichtes Spiel haben, sollte eigentlich mit einer grundsoliden Offensivleistung locker durchmarschieren können.

ESPNA: Aufzeichnungen von morgen

  • 10h30: NY Jets – Buffalo
  • 12h30:Oakland -Chicago
  • 14h30: San Diego – Tebow. Duell in der AFC West, was eigentlich per definitionem jegliche weitere Prognose verbietet. Kann Fox auch in San Diego einen Sieg heraustebowtieren?
  • 16h30: Philadelphia – New England. Kurze Einführung habe ich bei Football-Austria geschrieben.
  • 18h30: Sunday Night Game

Mahlzeit.

Mayock-Watch, Week 11: Denver Tebows – New York Jets

Das Duo Nessler/Mayock hat mit dem Debüt letzten Donnerstag die Latte auf Anhieb hoch gelegt und ein angenehmes Gespann mit gehaltvollen Analysen gegeben. Schon jetzt: Freude auf weitere Übertragungen vom NFL Network-Duo. Heute um 02h (LIVE bei ESPN America) sind die beiden wieder im Einsatz, wenn die Denver Broncos (4-5, punktgleich Zweiter der AFC West) und die New York Jets (5-4, punktgleich Zweiter AFC East) aufeinander treffen.

Die Jets kommen von einer demoralisierenden Heimniederlage gegen New England sonntagnachts, müssen nur vier Tage später 2000km weiter westlich auswärts gegen die eigenartige Offense der Broncos ran. Denver ist im Hoch, gewann drei der letzten vier Spiele unter QB Tim Tebow, zuletzt am Sonntag in Kansas City mit acht Passversuchen (!) und nur zwei Completions (!!!), aber 66 Laufspielzügen.

Ob der Lauf-Orgien nennt man Denver bereits „Denveer“ (Veer = Option Offense), etwas, das die Aufzeichnungen nur bedingt bestätigen wollen: Nur sehr wenige „klassische“ Option-Pitches, viele Spielzüge im traditionellen NFL-Look, selbst Tebows Läufe waren mehr Scrambles denn designte Option-Plays. Spricht mehr dafür, dass Denvers Trainerstab ein paar gewaltige Mismatches in der Chiefs-Defense gefunden hat, als für eine komplette Umstellung des Angriffs auf Tebows Stellenausschreibung.

Dem fantastischen Head Coach John Fox dürfte es wurscht sein, der Mann weiß, wie man ohne Quarterbacks gewinnt. Es darf jedoch ruhig als fraglich gelten, ob man ohne die beiden besten Running Backs Knowshon Moreno (Kreuzbandriss) und Willis McGahee (McGahee könnte wenigstens angeschlagen spielen) allein mit dem Lauf gegen die superbe Defense der Jets auch nur den Hauch einer Chance haben wird – gegen Detroit wurde Denver mit schwer eingebremsten Laufspiel schnell eindimensional und in Grund und Boden gespielt.

Riecht also nach klarer Sache für die Jets, bei denen dennoch schlechte Stimmung herrscht. Weil RT Wayne Hunter sich mehr und mehr als Sollbruchstelle in der Protection herauskristallisiert, QB Mark Sanchez unter Druck zum verscheuchten Huhn mutiert und RB Tomlinson ausfallen wird, ist man auf den unzuverlässigen RB Shonn Greene angewiesen.

Die angespannte Stimmungslage in New York wird auch dann deutlich, wenn ein Rex Ryan öffentlich Sanchez für einen Anfängerfehler im Auszeit-Nehmen in den Senkel stellt und hinterher kleinlaut zugibt, von Belichick „outcoached“ worden zu sein. Man hat den Tie-Breaker gegen New England bereits verloren, wie auch mögliche Tie-Breaker gegen Oakland und Baltimore – gegen die dark horses Broncos dürfte allerdings kein weiterer dazukommen. An das nächste Auferstehungswunder wagt niemand zu glauben.