NFL Recaps 2019 – Woche 2

Ein Rückblick auf die ersten Spiele von Woche 2 und den Fitzpatrick-Trade von heute Nacht. Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 14: Einen Teddy zum Nachtisch

Thursday Night Game mit den Arizona Cardinals (10-2) und den Minnesota Vikings (8-4) heute ab 2h30 als nominelles Spitzenspiel aus Glendale. Wobei: Bei „Spitzenspiel“ bin ich mir nicht ganz so sicher. Weiterlesen

Minnesota Vikings in der Sezierstunde

Die Minnesota Vikings mausern sich klammheimlich, still und leise zu einem dark horse, bei dem es nicht mehr lange dauern wird, bis die Hype-Maschine angeworfen wird. Die Mannschaft wurde von GM Rick Spielman in den letzten Jahren konsequent via Draft aufgebaut, und seit der Einstellung von Headcoach Mike Zimmer nebst Star-Coordinators passt auch das Coaching. Weiterlesen

Date am Donnerstag, Week 5: Green Bay Packers – Minnesota Vikings

Heutiges Donnerstagnachtspiel: Green Bay PackersMinnesota Vikings, ab 02h25 bei SPORT1 US, als Startschuss des pinken Monats. Die NFL braucht keine Wasserkübel um an Krankheiten zu erinnern. Die NFL hat die Erinnerung an den Brustkrebs zu einer Modeschau gemacht.

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NFL-Draft 2014: Die Franchise-Quarterbacks unter dem Mikroskop

Wie fast jedes Jahr entzündet sich das meiste Feuer im Vorfeld des NFL-Drafts auch diesmal um die Leuchtturm-Position im American Football, die Quarterbacks. Wie immer ist mindestens eine Handvoll Mannschaften auf der Suche nach einem neuen Stamm-Quarterback, was für gewöhnlich ein paar knackige Szenarien schon in der ersten Runde garantiert. In diesem Jahr gilt die Klasse der Quarterbacks als eher durchwachsen, mit einer zwar breit gestreuten Gruppe an guten Talenten, aber das ganz große can’t miss prospect soll fehlen.

Wie sich das Lechzen nach Quarterbacks am nächsten Donnerstag entwickelt, wird die Dramaturgie im Draft massiv beeinflussen. Ein Sturm auf die talentiertesten Jungs in den Top-Ten ist ebenso nicht auszuschließen wie ein Szenario analog dem letzten Jahr, als alle bis auf einen aus der ersten Runde fielen.

Die Quarterback-Vorschau 2014 habe ich aufgrund der Ausführlichkeit in diesem Jahr aufgeteilt. Heute beginne ich mit dem Trio, das die meisten Schlagzeilen kassiert und sich nach landläufiger Meinung als Spitzentrio herauskristallisiert hat.

Der Komplette: Teddy Bridgewater

Teddy Bridgewater - Bild: Wikipedia

Teddy Bridgewater – Bild: Wikipedia

Hätte man vor drei Monaten nach dem favorisierten Quarterback des Drafts 2014 gefragt, die Antwort wäre fast unisono „Teddy Bridgewater“ gewesen. Bridgewater kommt als Quarterback der Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference in die NFL. Er war dort der Stamm-QB der letzten zweieinhalb Jahre.

Sein Coming-Out vor nationalem Publikum hatte Bridgewater in der Sugar Bowl 2013, als er die Monster-Defense von Florida im Alleingang und Spielzug für Spielzug blitzsauber auseinander nahm. Er ging als Nummer-1 QB in den vergangenen Herbst und enttäuschte die Erwartungen nicht.

Bridgewater gilt als reifster, komplettester Quarterback im Draft. Er strahlt eine innere Ruhe aus, die selbst in brenzligen Situation in nicht mehr als ein paar Körperzuckungen „ausartet“. Bridgewater kriegt im Angesicht eines Blitzes keine kalten Füße, sondern schmettert den großen Einschlag mit einem leichtfüßigen Schritt ab. Er kennt die NFL-Standardoffense aus dem College, wo er überwiegend West-Coast Prinzipien sah und mit eindrucksvoller Konstanz ausführte.

Bridgewaters größtes Verkaufsargument neben seinem guten Nervenkostüm sein Wissen um die Komplexität des Spiels. Er durfte bzw. musste am College recht viel auf eigene Faust an der Anspiellinie operieren. Er bekam zwar die Spielzüge durchgesagt, aber Anpassungen aufgrund Defensiv-Aufstellungen waren ihm erlaubt. Für viele Coaches am College ist solches Vertrauen in den Quarterback unerhört. Nicht für Louisville. Und Bridgewater zahlte es mit exzellenten Vorstellungen zurück.

Bridgewater ist mobil, aber er ist kein Scrambler. Seine Stärken liegen ganz klar in der Pocket und er wartet notfalls auch bis zum letzten Moment, um einen Pass anzubringen. Er lässt sich vom Druck der Defense nicht nervös machen und beginnt beim Kollabieren der Pocket nicht auf de Passrush zu starren, sondern hält seine Augen stets bei seinen Anspielstationen im Defensive Backfield. Er ist mobil genug um sich den Platz in der Pocket zu verschaffen und er kann Rollout-Spielzüge bis ins Detail präzise ausführen.

Bis zum Saisonende war er der klare QB-Favorit 2014. Erst mit Einsetzen der Scouting-Periode ab Mitte Februar wurden die Zweifel an Bridgewaters Kandidatur lauter. Das offensichtlichste Fragezeichen ist seine Statur: Der Teddy ist mit 1.84m 1.87m kein Zwerg, aber eben auch locker sieben, acht Zentimeter kleiner als der NFL-Prototyp für seine Position. Er ist klein und schmächtig und damit ein Freak in einer Liga, die nach den 1.93m, 115kg schweren Spielmachern lechzt.

Es gibt zwar „kleine“ Quarterbacks, die sich in der NFL durchgebissen haben, aber es sind nicht viele. Brees und Russell Wilson, aber sie sind eher die Ausnahme denn die Regel. Wilson profitierte zudem von einer funktionierenden Mannschaft, die sich erlauben konnte, eine konservativere Offense mit einfachen Packages zu spielen, ein Luxus, den nicht viele Quarterbacks bekommen.

Eine Figur als Hüne hilft in der NFL mit ihren immer größer werdenden Defensive Linern natürlich ungemein. Ein groß gewachsener Spieler sieht mehr, ein groß gewachsener Spieler wird weniger Bälle schon an der Anspiellinie abgefälscht sehen. Obwohl Bridgewater mobil genug ist um sich eine freie Wurfbahn zu verschaffen, bleibt es ein Wettbewerbsnachteil.

Der zweite Knackpunkt bei Bridgewater ist sein tiefer Ball. Bridgewater hat keine Rakete von Wurfarm vom Schlage eines Matt Stafford, aber sein Arm gilt als gut genug um die meisten Pässe sauber zu werfen – bis auf den einen: Den tiefen eben. Bridgewaters tiefe Pässe sind nicht nur unpräzise; sie verlieren nach 30, 40 Yards an Power und hängen merkwürdig kraftlos in der Luft. Ein fehlender tiefer Ball wird dich in der NFL immer verfolgen, weil dir eine der wichtigsten Dimensionen abgeht, und versuchst du es trotzdem, ist jedesmal Gefahr durch Abfangjäger gegeben.

Der Teddy hätte viele dieser Zweifel mit gewaltigen Offseason-Workouts widerlegen können, manövrierte sich dann aber mit schwachen Trainingseinheiten noch weiter in eine Ecke, in der er momentan von der Öffentlichkeit festgenagelt ist: So wirkt Bridgewater mit jeder Woche, die dieser Scouting-Prozess dauert, mehr wie ein zu klein geratener, einen Tick zu blasser Typ mit zu schwachem Arm aus, der auch nicht so unglaublich präzise ist wie ursprünglich angenommen.

Bridgewater, der Mensch, ist als Typ unangreifbar. Er hat sich nie auch nur Kleinigkeiten zu Schulden kommen lassen, sondern galt stets als Führungsspieler und Teamkollege der ersten Kategorie. So wirkt der ganze Blues um Bridgewater noch immer wie ein kleines bisschen wie das alljährliche Spielchen, in denen sich Scouts an ein, zwei Flauseln aufhängen und einen Spieler weiter zerreden als es notwendig ist. Warum fällt Bridgewaters schmächtiges Äußeres erst in der Combine wie Schuppen von den Augen? Wie kann ein einziger schlechter Pro-Day fast drei Jahre einwandfreies Videobeweismaterial vernichten?

Die Stelle, an der Bridgewater nächsten Donnerstag vom Tablett gehen wird, wird finales Zeugnis einer wilden Scouting-Periode sein. Sollte die sicherste Tüte im Draft tatsächlich aus der ersten Runde fallen, wäre das nichts anderes als eine riesige Sensation.

Der Aufsteiger: Blake Bortles

Blake Bortles kommt von der University of Central Florida und ist quasi Phoenix aus der Asche. Er ist der Anti-Teddy. Er war viele Jahre lang nahezu unbekannt, bis er mit einer bärenstarken Performance in der Fiesta-Bowl am Neujahrstag 2014 auf dem Radar der Meute erschien – und seither trotz vieler Unkenrufe nicht wieder verschwand.

Bortles ist ein Hüne mit Zahnpastalächeln, 1.95m groß und 120 kg schwer und damit genau die Statur von Mann, die Konkurrent Teddy abgeht. Bortles ist dabei kein unbeweglicher Zeitgenosse vom Schlage eines Byron Leftwich, sondern ein durchaus mobiler Mann, den man als besseren Scrambler im Vergleich zu Teddy Bridgewater bezeichnen könnte.

Bortles orchestrierte bei UCF eine mit dem read-option Angriff sehr nahe verwandte Offense mit dem Ziel, dem Quarterback möglichst saubere Wurfbahnen zu verschaffen. Rollouts und kurze Scrambles gehörten zu dieser Offense wie Erbsen zum Speck. Bortles erledigte diesen Teil seiner Arbeit ganz zufriedenstellend, aber ist er ein Franchise-QB?

Anfangs dachte ich, oh, Bortles ist ganz praktisch, da er der Journallie einen letztlich chancenlosen Gegenspieler für Bridgewater anbiete. Dann dachte ich, oh, seine Freundin eignet sich für den Boulevard. Dann dachte ich, warum ist er noch immer ein Mitfavorit. Und dann, wie zum Teufel konnte er Bridgewater in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit schier überholen?

Bortles‘ hat genau einmeterfünfundneunzig Vorteile gegenüber einem Bridgewater. Körpergröße ist kein Vorteil, den man negieren sollte, aber man ist versucht, ihn immer und immer wieder zu unterstreichen, wenn es der einzige Vorteil ist.

Denn: Bortles‘ Wurftechnik ist am Arsch. Er wirft die Bälle nicht, er stößt sie so merkwürdig, dass spätestens die längeren Würfe nach 20yds saftlos zu Boden fallen. Mit Passrush im Gesicht bricht Bortles auseinander und wirft viele Pässe praktisch im Rückwärtsfallen. Die Technik ist wohl selbst mit gutem Coaching nicht mehr von Grund auf zu verändern, aber zumindest eine Verbesserung sollte noch drin sein.

Diese Wurfbewegung und seine unkonstanten Leistungen sind die größten Killer bei Bortles, und so bleibt die Frage, wie ein Mann, der nur körperlich einen kleinen Vorteil besitzt, in der öffentlichen Wahrnehmung tatsächlich an einem Bridgewater gefühlt vorbeiziehen kann. Keine drei Jahre nach Gabbert gilt schon wieder ein Mann mit nur wenig Spielerfahrung und suspektem Spielverständnis, mit kaum behebbaren technischen Mängeln und nach nur zwei, drei Heldenspielen als möglicher Top-Quarterback Pick im Draft.

Der Anarch: Johnny Manziel

Johnny Manziel - Bild: Wikipedia

Johnny Manziel – Bild: Wikipedia

Johnny Manziel war der größte Star des College-Football, seit ich selbigen verfolge. Er stellte Tebow in den Schatten und er stellte RG3 in den Schatten. Johnny Football war zwei Jahre lang Quarterback der Texas A&M Aggies, und eigentlich war er mehr als ein Quarterback. Er war die Offense der Aggies, Spielmacher, Playmaker, Zirkuskünstler, Herz, Seele und Lunge einer der besten Offenses des Landes. Er brachte in der defensivstarken Southeastern Conference (SEC) selbst die per Trademark geschützte beste Defense des Landes, Alabama mit Coach Nick Saban, an den Rand der Selbstaufgabe.

Johnny Manziel ist auch mehr als ein Footballspieler. Er ist ein Popstar, dessen Possen Futter für die Yellow-Press von Texas bis New York waren. Er ließ keine Fettnäpfchen aus, von Saufgelagen im Trainingslager über Studentenfeten im Haus des größten Rivalen hin zu zweideutigen Twitter-Publikationen war alles dabei, was ein normaler Mensch sich nicht erlauben sollte, aber Manziel verzieh man alles, ja mehr, man hoffte auf den nächsten… Ausrutscher kann man es nicht nennen… Egotrip dieses Jungen aus reichem Haus.

Manziel ist ein Anarch auf wie neben dem Feld. Er hat durchaus den Arm für das tiefe Spiel, wenn auch seine Wurfbewegung nicht die konventionellste ist. Er ist mit seinen 1.85m 1.90m zirka 1.80m und 95kg nur unwesentlich größer sogar etwas kleiner als ein Bridgewater, aber während dies bei ersterem zum Problem der Nation gestylt wird, schert sich bei Johnny Football kein Mensch um solche Nebensächlichkeiten.

Mit Manziel ist alles möglich. Er hat kein Gefühl für die Pocket, kein Gefühl für Timing, Präzision im Spielzugablauf, also ziemlich genau kein Gefühl für irgendetwas, das einen klassischen NFL-Quarterback erfolgreich macht. Seine absolute Stärke ist das Improvisieren, das Schaffen von sensationellen Highlight-Plays aus dem Gar Nichts, das Entzaubern von disziplinierten Abwehrbollwerken. Manziel ist am besten, wenn das Skript in sich zusammenfällt und er von der Leine gelassen wird.

Er ist ein Messi in einem Sport, der ansonsten versucht, seinen Akteuren jegliche Kreativität soweit es geht auszutreiben. Sein Paradespielzug ist die Pirouette mit dem Defensive End in der Fresse, nein, dem Defensive End ins Leere greifend, die Drehung und der Wurf downfield. Manziel ist kein Quarterback, er ist Playmaker. Er fühlt sich überall auf dem Spielfeld wohl, nur nicht in einer unbedrängten Pocket.

Es ist schwer, sich der Magie von Manziels Footballverständnis zu entziehen, aber die Frage ist wie sich dieses mit der NFL verheiraten lässt. Er wäre der erste Quarterback seit Äonen, der nicht primär von seiner Arbeit in der Pocket lebt. Er ist kein Timing-Spieler. Manziel ist das, was Scouts see it, throw it-Spieler nennen: Der Ball wird dann geworfen, wenn der Receiver offen ist. Antizipation als Fremdwort. Aber genau diese Antizipation ist das, was die heutigen QB-Superstars in der NFL ausmacht – für gewöhnlich.

Manziel ist aber nicht „gewöhnlich“. Kein Team, das sich nicht zumindest in Ansätzen an Manziels Spielweise anpassen will, darf ihn draften. Eine sehr klare Vorstellung, was du mit ihm anfangen willst, ist von Nöten. Du musst ihm eine Spread-Offense geben, die Manziel von der Leine lässt. Eine Einengung seiner Skills á la Michael Vick in Atlanta ist mit Johnny Football ein No Go.

Manziel wird von Mike Mayock als bester Quarterback 2014 gelistet. In der landläufigen Meinung ist er das dark horse unter den Spitzen-QBs. Er ist der Spieler, der vor erst vier, fünf Jahren vermutlich niemals auch nur in der Diskussion für die erste Runde gewesen wäre, aber in einem Jahr 2014, in dem read-option, Spread-Offense und experimentelle Offense mindestens genauso Regel wie Ausnahme sind, wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Platz für Manziel in der ersten Runde finden.

Die Frage ist: Wer zieht ihn? Wer zieht sie alle, Bridgewater, Bortles und Manzielwer und wann?

Quarterbacks vor der Combine 2014

Ein paar Zeilen zur Einführung, mit was für Typen wir es bei den Quarterbacks im NFL-Draft 2014 zu tun haben werden, habe ich schon unter der Woche verfasst. Heute mal ein Blick auf die spielerischen Fähigkeiten der Herrschaften, die die neuen Franchise-Gesichter werden sollen – das meiste ungefragt übernommen von Greg Cosell, dessen Podcast bei Sportstalk 790 for Houston mit Lance Zierlein ich unter der Woche gehört habe.

Cosell sagt keinem der Quarterbacks in diesem Jahrgang die „Würdigkeit“ des Top-Draftpicks nach, schiebt aber auch ein, was nicht bedeuten muss, dass kein QB an #1 gezogen wird. Zu wichtig ist die Position. Zu oft wurden schon üblere Prospects ganz hoch oben gezogen, weil sie eben Quarterbacks waren (Paradebeispiel: Mark Sanchez, bei dem auch jeder wusste, dass das maximal ein Durchschnittsspieler war).

So schlimm ist das auch nicht, wenn die QBs nach oben gespült werden; es zeigt schlicht: Der Pass gewinnt in der NFL. Jeder weiß das bzw. sollte das wissen. Und bei 32 Teams ist es nicht möglich, für jede Mannschaft gleichzeitig einen richtig guten QB aufzutreiben, also gehen manche Mannschaften halt mal „all in“ und riskieren einen Griff nach einem potenziellen Flop.

Die Senior-QBs habe ich schon vor einem Monat im Eintrag über die Senior Bowl kurz vorgestellt. Heute der Blick auf drei aussichtsreiche Junior-QBs („Junior“ = erst drei Jahre aus der Highschool, hätte noch ein oder zwei Jahre College Football spielen können).


Johnny Manziel – laut Cosell ist Manziel ein see it, throw it Spielertyp, was nichts anderes heißt, als dass Manziel nicht antizipiert. Die großen QBs der Gegenwart wie Manning, Brady oder Rodgers sind meisterhaft darin, den Wurf schon anzubringen, wenn der Ballfänger noch nicht frei gelaufen ist, weil sie schlicht wissen, wo er im Moment sein wird, in dem der Ball den ihm zugedachten Raum am Spielfeld erreicht. Manziel zeigt diese Tendenz für Cosells Geschmack zu wenig.

Manziel soll zu ungeduldig sein. Sieht er nicht sofort das Bild vor sich, das er sehen möchte, ist er schnell versucht loszuscrambeln. So zumindest Cosells Gefühl nach dem ersten Videostudiums. Persönlich hatte ich im November ein anderes Bild von Manziel:

Schwierig zu sagen, wie die NFL auf Manziel reagiert.
Positiv ist auf alle Fälle, dass er sich vom Druck des Gegners nicht verunsichern lässt und sich sehr “sicher” in der Pocket bewegt. Manziel ist auch kein Scrambler in erster Linie, sondern versucht IMHO schon zuerst, den Ball zu werfen. Augen immer downfield gilt IMHO für Manziel wie für Bridgewater –> sehr positives Zeichen.
Weitere Pluspunkte könnten die enorme Improvisationsstärke sein; wenn Spielzüge zu kollabieren drohen ist Manziel am besten, und er ist zumindest im College-Football gegen die besten Defenses am besten bzw. nicht einzubremsen. Trotz der Tatsache, dass er der Alleinunterhalter seiner Aggies-Offense ist. Und er ist mit 21 extrem jung.
Zweifel wird die NFL sicher wegen der nur 1,80m anbringen. Wurfstil ist durchaus unorthodox, Flugbahnen sind ziemlich “eierig” und im Vergleich zu, sagen wir einem Cutler oder Stafford, richtige Bogenlampen. Das ist gewiss keine NFL-Spitzenklasse.

Keine Ahnung, wie der Mensch Manziel von der NFL aufgenommen wird. Im Team scheint er trotz seiner exponierten Stellung eine herausragende Stellung einzunehmen und beliebt zu sein. Gegen Alabama (?) am Spielfeldrand trieb Manziel seine Jungs z.B. richtig an – das ist ein Bild, das mir von Manziel immer bleiben wird, nachdem man bei einem Mensch mit so vielen Eskapaden eigentlich nicht erwartet, dass er sich 120% ins Zeug legt und auch bei quasi aussichtslosem Spielstand noch volle Tube reinhängt.

Also:
Prototypischer NFL-QB sieht eigentlich anders aus, aber wenn ein Tebow in der ersten Runde gehen konnte…

Cosell bescheinigt Manziel allerdings, dass er die meisten seiner Big-Plays als Werfer aus der Pocket machte, und nicht wie man vielleicht denken würde im Scrambling und Wurf im Lauf.

Cosell merkt allerdings auch an, dass die NFL-Coaches sich gut überlegen müssen, ob Manziels Improvisationsgeschick sich auf die NFL übertragen lässt bzw. in welcher Form. Ist ein Spielsystem mit einem Instinktspieler wie Manziel dauerhaft haltbar? Das Problem bei solchen Spielern war in der Vergangenheit, dass sie sich zu sehr auf ihre individuelle Klasse verließen, versuchten, aus dem System auszubrechen um auf eigene Faust Plays zu generieren – das ging manchmal mit spektakulärsten Plays und Spielen gut, aber auf Dauer war es doch weniger erfolgreich als bei den „langweiligen“ Maschinen wie Brady und Manning. Frag nach bei Michael Vick

Cosell nennt das im Podcast „wide variation“ in Manziels Spielanlage. Wie gesagt: Das erwies sich in den letzten Jahren oft als Problem. Auf der anderen Seite muss Manziel was draufhaben, so wie er quasi im Alleingang die best eingeschätzten Defenses des College-Football, jene aus der SEC, zerlegte.

Manziel wird bei der Combine übrigens nicht werfen.


Blake Bortles – Cosell ist nicht überschwänglich, wenn er über Bortles spricht („The more I watched him the more I thought there were some positives“). Some Positives. Naja. Laut Cosell ist Bortles kein großartiger Werfer, der dich baff hinterlässt und abspritzen lässt. Seine Wurfbewegung gilt als nicht lupenrein, denn Bortles stößt den Ball ein weniger anstatt ihn zu werfen. Das muss nicht unbedingt negativ sein: Philip Rivers hat eine ähnliche Anlage und war in San Diego jahrelang ein phänomenaler QB.

Cosell merkt an, dass Bortles näher am NFL-Prototyp ist als ein Manziel. Er ist ein Pocket-Passer, der aber mobil genug ist um einige rudimentäre Bootleg-Plays auszuführen. Bortles‘ Unerfahrenheit soll sich bemerkbar machen, aber er soll besser antizipieren als Manziel. Seine Fußarbeit soll aber noch sehr ungeschliffen sein und viel Arbeit brauchen – zu häufig wirft er ohne Gleichgewicht.

Das spricht dafür, dass Bortles einen erfahrenen QB-Coach braucht um nicht in hellen Flammen unterzugehen. Wie viele QB-Gurus sitzen in verantwortungsvollen Positionen als OffCoords oder Headcoaches in der NFL und haben aktuell dringendes QB-Need? Tampa Bay mit Jeff Tedford, dem Lehrmeister des Aaron Rodgers, und ansonst?

Klingt jedenfalls nicht völlig überragend für Bortles. Bortles wird in den Combine-Workouts wie Manziel nicht an den Wurftrainings teilnehmen, und es gibt Beobachter, die ihm nachsagen, damit seine Aktien zu verbessern (sic!). Wie gesagt: Noch habe ich Bortles‘ Kandidatur nicht ganz begriffen.


Teddy Bridgewater – für Cosell ist das zweifellos das QB-Prospect, das am weitesten in seiner Entwicklung ist. Er ist mobil genug und wirft einen gepflegten Ball. Sein Gefühl in der Pocket hat Cosell überzeugt. Kann sehr gut antizipieren, hat ein Gefühl, den Pass im rechten Moment anzubringen, traut sich, in enge Deckungen reinzuwerfen. Cosell lobt Bridgewaters pre snap“-Wissen, mit dem er schon am College die gegnerischen Safetys „manipulieren“ konnte. Er erinnert Cosell an Russell Wilson – das wäre eigentlich per Knopfdruck den Top-Pick wert.

Aber: Cosell erwartete, dass Bridgewater in der Combine nicht als größter QB ever gemessen wird, sprach etwas von ca. 1.84m Körperbau, was für einen Quarterback nicht überaus Gardemaß ist. Es muss kein Problem sein, aber gepaart mit seinem fragilen Körperbau und seinem sehr starken, aber nicht epischen Wurfarm könnte das Bridgewater vom Top-Pick runterbuchsieren.

Ich bin kein Scout, aber wenn ich von meiner Laien-Warte aus die Top-Anwärter miteinander vergleiche, ist Bridgewater für mich mit meilenweitem Abstand die sicherste Tüte. Ich schrieb schon oft darüber, dass mit das Selbstverständnis bei Bridgewater, sein Selbstvertrauen, auch tiefe Pässe anzubringen, sehr gefällt. Er lässt sich nicht vom Passrush beeindrucken. Er ist sehr smooth in seinen Bewegungen. Er ist kein Scrambler der ersten Güte, sondern versucht immer, zuerst den Pass anzubringen. Möglicherweise ist Bortles von seinen Bewegungen her sogar der bessere Scrambler als der Schwarze Bridgewater.


Cosell bestätigt diese meine Eindrücke aus den letzten zwei Jahren. Ich bin momentan davon überzeugt, dass es Bullshit wäre, Bortles ernsthaft in Bridgewaters Nähe zu schreiben. Bortles gilt momentan als möglicher Top-10 Pick, aber es gibt in keiner einzigen Beschreibung dieses QBs einen Anhaltspunkt, der dies rechtfertigen würde. Wenn du ihn spielen siehst, siehst du kein Indiz für einen sehr hohen Pick. Aber Bortles hat die Schnitte an seiner Seite, er hat das Grinsen für die Werbung, er taugt womöglich medial zumindest für einige Wochen dazu, als eine Art dark horse Gegenspieler für Teddy Bridgewater aufzubauen.

Oder sehe ich Bortles zu negativ? Als nächstes gilt es, Mike Mayocks Meinungen während der Combine aufzusaugen.

Bowl Season 2013/14, Großkampftag am Samstag

Bowl-Season heute mit einem Großkampftag. Alle Spiele kommen wieder live im ESPN-Player, und SPORT1 US zeigt heute auch was live, nämlich die Russell Athletic Bowl Miami/FL vs #18 Louisville (mit Teddy Bridgewater!) ab 0h45.

MEZ    BOWL                TEAM 1            TEAM 2
18h    Pinstripe           Notre Dame        Rutgers
21h20  Belk                Cincinnati        North Carolina
00h45  Russell Athletic    Miami/FL          Louisville
04h15  Buffalo Wild Wings  Kansas State      Michigan

Zu den einzelnen Spielen im Detail. Weiterlesen

Guck den Teddy: #8 Louisville Cardinals – UCF Knights Preview

Heute Nacht, ab 02h LIVE bei SPORT1 US, gibt es as every Friday College-Football aus der American Athletic Conference: #8 Louisville Cardinals (6-0) – Central Florida Knights (4-1). Die Partie ist die Chance, den geehypten Louisville-Quarterback Teddy Bridgewater (Rückennummer 5) zu begutachten, gemeinhin als bester Quarterback des kommenden NFL-Drafts 2014 angesehen.

Louisville befindet sich in einem merkwürdigen Zwischenzustand zwischen Ungeschlagenheit, Top-10 Ranking in allen wichtigen Polls, und trotzdem umgeben von Expertenmeinungen, die den Cards keine Chance auf das BCS-Finale geben. Das hat einen Grund: Schedule. Louisvilles Conference, die ehemalige Big East, ist mittlerweile bekanntlich „The American“, eine mittelstarke Mid-Major Conference unter dem Deckmantel des BCS-Titels, den man einst der Big East verliehen hatte. Das heißt: Der Conference-Sieger kriegt einen sicheren Platz in einer BCS-Bowl. Aber auch: Kein Mensch nimmt diese Conference ernst, und deswegen fliegt sie auch nächstes Jahr aus dem „System“. Übrigens fliegt nächstes Jahr auch Louisville… in die Atlantic Coast Conference.

Louisville ist in etwa vergleichbar mit Boise State der letzten Jahre: Eine Mannschaft, die prinzipiell ungeschlagen durch die Saison kommen muss, um ernst genommen zu werden. Allein: Boise hatte jedes Jahr wenigstens einen Statement-Sieg über BCS-Granden wie Georgia, Virginia Tech oder Oregon. Louisville hat diesen nicht; UCF heute Nacht ist vermutlich der beste Gegner, den Louisville dieses Jahr bis zur Bowl-Season sehen wird.

Dabei haben die Cards durchaus eine flotte Truppe beisammen: Head Coach ist Charlie Strong, ein exzellenter Recruiter mit Wurzeln in Florida, und von dort holte Strong Bridgewater nach Kentucky. Bridgewater, ich schrieb es schon im Sommer, ist das, was Scouts so lieben an einem Top-QB Prospect: Wurstark, präzise, und vor allem: Wird nicht nervös, wenn sich Druck auf die Pocket abzeichnet. Bridgewater hat die Augen immer downfield, das lässt sich wunderbar beobachten, und das ist Luck-esk. Es gibt auch Dampfwalzen in der Defense, angefangen von einem Passrusher Marcus Smith oder einer coolen Socke auf Safety in Calvin Pryor. Das Team darf als durchaus stark besetzt gelten; das Problem ist der Schedule.

Deswegen waren viele bei Louisville froh, dass der heutige Gegner UCF auch schon zwei respektable Spiele hatte: Penn State auswärts geschlagen, und nur eine 3pts-Niederlage gegen die South Carolina Gamecocks aus der SEC. Im Angriff wird bei UCF vornehmlich geworfen (2:1 Ratio Pass/Lauf), über QB Blake Bortles, der sehr sichere QB-Stats aufweist (9 TD, 3 INT). Einen besseren QB hat Louisville heuer nicht gesehen, und wird einen besseren erst im Jänner sehen – wenn überhaupt.

Das Simple Ranking System übrigens sieht Louisville nach sechs Spielen übrigens nur auf Platz 19, UCF nicht allzu weit dahinter auf #26. Mit Heimvorteil ist Louisville heute nur mit ca. 7 Punkten favorisiert. Aber im Prinzip ist es eh fast egal, was die Cards heute machen: Ein Kantersieg wird kaum reichen, um die Voter genug zu beeindrucken für einen ernsthaften Run auf das BCS-Finale; und eine Pleite dürfte immer noch reichen, um am Ende die wachsweiche American Athletic Conference zu gewinnen.

Also: Bridgewater schauen als oberstes Ziel.

The Countdown, T-minus 16: Louisville Cardinals

The Countdown

#16 Louisville Cardinals.
AAC.
2012: 11-2.

Heute dran im College Fooball Countdown: Die Louisville Cardinals aus der American Athletic Conference, eines der Teams mit dem meisten Buzz im Vorfeld der anstehenden Saison. Hauptgrund war die lange Ungeschlagenheit letztes Jahr, und vor allem der Kantersieg über die Florida Gators in der Fiesta Bowl. Ich bin überzeugt, dass der common sense die Cardinals vom sympathischen Head Coach Charlie Strong in diesen Tagen massiv überschätzt und im Simple Ranking System maximal eine Platzierung zwischen 15 und 20 herausschauen wird, aber gut. Louisville stellt die kompletteste Mannschaft in der Conference, und „Top-25“ ist dann ja auch schon mal etwas.

Im Fokus sollten die Cards in erster Linie wegen ihres Quarterbacks sein: Teddy Bridgewater, der schwarze Scrambler, der in sein drittes Jahr am College geht und nach der Saison in die NFL wechseln dürfte. Bridgewater geht als Favorit auf den Top-Pick 2014 in die Saison, und wer ihn schon hat spielen sehen, kann nachvollziehen, warum.

Bridgewater zeigte letzte Saison ein Standing, das nur noch mit jenem von Andrew Luck vergleichbar war. Dieses charakteristische „hält die Augen immer downfield“, das Scouts so lieben, ist bei keinem Prospect so ausgeprägt wie bei Bridgewater. Die Pocket ist am Kollabieren? Wurscht, es wird auch noch die allerletzte Millisekunde ausgenutzt, ehe der Pass versucht wird. Bei vielen mobilen Quarterbacks (Bridgewater ist nur unwesentlich unspektakulärer als RG3) hast du die Schweißperlen auf der Stirn, weil sie sich zu schnell ins Getümmel stürzen. Nicht so hier: Der Teddy läuft im Zweifelsfall eher zu spät los. Und: Ich kenne keinen Rechtshänder, der so geniale Pässe in Bewegung wirft, wenn er links gegen die Laufbewegung rausrollt.

Man gebe sich mal die 8min Highlights gegen die Florida Gators (Sugar Bowl 2012):

Bridgewater kommt aus der Umgebung von Miami/Südflorida, und kam nur durch die Hintertür nach Louisville, weil eben Strong aufgrund seiner jahrelangen Arbeit in Florida noch gute Beziehungen dorthin hatte. Das Freshman-Jahr hatte man als „vielversprechend“ eingeordnet. Der letzte Herbst galt schon als Top-Pick-würdig. Was man auch immer wieder vernahm, sind die Lobpreisungen, wie anspruchslos das Supertalent doch sei. „Bridge over troubled Water“ hat sich die Latte hoch gelegt: Liefert er Leistung, werden Teams wie Jets, Jaguars oder Raiders im nächsten Frühjahr schwerlich an ihm vorbeischauen können. Auf der anderen Seite sind immer wieder hoch gehypte Prospects im Jahr der Wahrheit gestrauchelt. Ist Bridgewater der nächste? Wir werden sehen.

Für die Interessierten gibt es noch einen zweiten potenziellen Superstar-Angreifer: RB Michael Dyer, dessen Irrwege von Auburn über Arkansas State über Grundkurse in Benimmregeln ein vorläufiges Ende haben sollen. Dyer war der MVP im BCS-Finale 2010/11, versank danach aber in Chaos und Sumpf. Er kriegt in Louisville diesen Herbst die x-te Chance, sein Leben auf die Reihe zu kriegen. Bridgewater und Dyer sollen sich persönlich recht gut verstehen. Auf dem Spielfeld sollten sie ein spektakuläres Angriffs-Duo bilden können, das anzuschauen sich lohnt.

Die beiden allein machen Louisville zum Favoriten in der American Athletic Conference (AAC), aber dass es für die Cardinals zu mehr – sprich: BCS-Titelträumen – reicht, daran glaube ich keine Sekunde. Trotz Bridgewater, und trotz eines lächerlichen Schedules.