Big East Conference 2012/13 Preview

Die Big East Conference… was im College-Basketball mit Syracuse und March Madness eine ganz große Nummer ist, genießt im College Football mittlerweile keinen allzu hohen Status mehr. Nach etlichen Jahren der Misserfolge und hohen Schlappen der BCS-Vertreter in der Bowl Season und dem drohenden Kollaps nach Abgängen (West Virginia, baldig Pitt und Syracuse) und nicht erfolgten Additionen (TCU) wird in einem Jahr der blanke Wahnsinn ausbrechen, mitsamt Teams aus Texas, Idaho (!) und Südkalifornien (!!!).

Die Zusammensetzung der Football-Liga sieht 2012 so aus:

Cincinnati
Connecticut (UConn)
Louisville
Pittsburgh
Rutgers
South Florida (USF)
Syracuse
Temple

Und im nächsten Sommer – ein durchaus mögliches weiteres Beben mal außer Acht gelassen – werden folgende Universitäten die Footballmeisterschaft unter sich ausspielen (die Navy kommt erst 2015 und jetzt vergessen wir mal, dass Louisville durchaus Big12-würdig sein könnte):

Boise State
Central Florida (UCF)
Cincinnati
Connecticut (UConn)
Houston
Louisville
Memphis
Rutgers
San Diego State
South Florida (USF)
Southern Methodist (SMU)
Temple

Und wenn die Funktionäre dann lange genug zusammensitzen, kommt bestimmt wer auf die Idee, die beiden Divisionen dieser Conference nicht nach geographischen Gesichtspunkten zusammenzusetzen…

Die obere Hälfte des Tabellenplateaus

Eigentlich verbietet es sich, in der Big East Conference von “Favoriten” zu sprechen – zu wenig Konstanz ist da auf Jahr-zu-Jahr-Basis drin. Für dieses Jahr erwarte ich allerdings die Louisville Cardinals aus Kentucky obenauf. Der Chefcoach Charlie Strong war bis zum vergangenen Herbst nur als großer Motivator und Recruiter bekannt gewesen, zeigte dann aber Profil: Feuerte mitten in der Saison nach katastrophalem Saisonstart seinen OffCoord, wechselte QB Terry Bridgewater ein, und schon war die Offense plötzlich potent genug, dass es um ein Haar noch zum Conference-Gewinn gereicht hätte. Der schwarze Strong hat da einen sehr jungen Kader beisammen, der erst in 1-2 Jahren zur Hochform auflaufen dürfte.

Zweiter Kandidat ist ein langjähriges dark horse: Die South Florida Bulls aus Tampa. Ich erinnere mich an meine Worte Mitte/Ende September, vor der furchtbaren Schlappe bei Pitt, die alles Selbstvertrauen aus dem Team zu ziehen schien. Und dann kam auch noch Pech dazu: Ein 5-7 liest sich nie gut, aber wenn du in engen Spielen 1-4 gehst, kannst du das schon mal ein bissl Entschuldigung gelten lassen.

Die Offense ist eigentlich gar nicht übel: Es steht und fällt immer noch alles mit QB B.J. Daniels, der sich aber langsam zum soliden Verwalter entwickelt, und nun mit WR Andre Davis einen künftigen NFL-Star in the making zur Seite bekommen haben soll. Getragen wird USF eh wie immer von der flinken, aggressiven Defense – oder auch nicht: Weil die Abwehr sich halt auch immer den einen oder anderen Lapsus leistet, wird USF wieder zwei oder drei Spiele einfach wegen Konzentrationsschwierigkeiten wegschenken.

Vielleicht ist das die Chance der Rutgers Scarlet Knights, die nach dem überraschenden Abgang vom langjährigen, sehr umtriebigen Head Coach Greg Schiano gen Tampa den Kulturwandel vollzogen und mit dem ruhigen, bedachten Kyle Flood das komplette Gegenteil zum Schreihals Schiano installiert haben. Auch hier gilt: Star ist die Defense, während die Offense weitestgehend indisponiert ist (Laufspiel ist unzuverlässig genug für 0yds-Spiele).

Oder kommen gar noch die Cincinnati Bearcats zum Tragen? Letztes Jahr waren die gar nicht übel, aber es gibt etliche – und berechtigte – Fragezeichen: Wer ersetzt den angehenden Profi RB Isaiah Peed? Wer folgt auf die vier abgewanderten Offensive Liner? Wie soll QB Munchie Legaux (was für ein fassungslos geiler Name übrigens!) hinter solchem Blocking seine Completions Rate von 47% verbessern? Und was passiert mit der Laufdefense, nachdem die größte Stärke – die Defensive Tackles um Derek Wolfe – nach Zillionen Abgängen zum größten Mysterium in der Abwehr geworden ist? Ach ja: In der Historie gab es noch nicht viele Mannschaften (genau: eine), die zwei Jahre hintereinander wie Cincinnati 2011 genau 20 Fumbles freischlagen konnte…

Die untere Hälfte des Tabellenplateaus

Die Pittsburgh Panthers gehören zu den chaotischsten Läden in der FBS. Nach einem wiederholten Trainerwechsel – diesmal mit vielen, vieeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeelen bösen Worten und mehr als latent an die Oberfläche gebrachtem Hass gegen Ex-Coach Todd Graham ist nun Paul Chryst, zuletzt höchst erfolgreicher OffCoord bei Wisconsin, der fünfte Head Coach von Pitt in den letzten 18 Monaten! Äh, Wisconsin? War da was? Riecht nach überragender Offensive Line von Tag an. Keine, wirklich keine Preview über Pitt kommt ohne Termini der Güteklasse soon-to-be enormous offensive line aus.

Die Fakten untermauern das schon mal. Also: Durchschnittsgröße 1,99m bei 318 Pfund (144kg). Der Benni unter denen ist 1,94m bei 305 Pfund (138kg). „Enormous“ mögen die Leistungen auch sein, denn QB Tino Sunseri ist nicht nur ein unkonventioneller Werfer, sondern auch fürchterlich unentschlossen: 13.5% der Passversuche enden in Sacks (5 Sacks im Schnitt pro Partie gegen Sunseri!!). Immerhin dürfte der famose RB Ray Graham nach Knieverletzung wieder zu großer Form auflaufen können. Komplett im Dunkeln tappt man nach all den Wechseln bei der Defensiv-Strategie der Panthers. Pornoschnäuzer Dave Wannstedt war 4-3-affin, Graham machte daraus eine 3-4; was wird Chryst da machen?

Schon besser Bescheid um die Defense weiß man bei den Connecticut Huskies: Die ist nämlich wirklich bärenstark, und aus der vergangenen Saison habe ich mir mit dem ungefähr zwanzig Mal pro Spiel gelobten DE Trevardo Williams noch eine wichtige Figur gemerkt. Die Offense liegt zwar zirka drei Meter unter der Erde und QB Chandler Whitmer wurde von HeadCoach Pasqualoni mit einer grundlos in die Länge gezogenen Entscheidung über den Starting-QB (es gab klar ersichtlich keine Alternative) schon sachte enteiert, aber du kannst wenn es gut läuft damit in einer Big East ganz vorne durchkommen…

Syracuse wird das nicht schaffen. Den Orangemen rutschen zwar immer wieder fantastische Spiele oder auch nur Spielviertel aus, aber der Kader hat nicht genügend Qualität, um damit über vier Monate schadlos zu bleiben.

An Qualität wird es auch den Temple Owls mangeln, den Neulingen 2012. Oder besser: Rückkehrern. Temple war vor sieben Jahren aufgrund von sportlichem Siechtum aus der Big East gekickt worden – jetzt sind sie wieder zurück, und kommen frisch von einer Bowl-Season-Teilnahme. Der HeadCoach ist mit Steve Addazio ein kauziger Mann, der humorlosen 60er-Jahre Football spielen lässt: Laufen am besten auch noch bei 3rd und 15 und das wenn möglich auch noch mit Schwarzweißübertragungen, ohne irgendwelchen neumodischen Schnickschnack. Eigentlich dürfte das dieses Jahr nicht reichen. Eigentlich. Aber wir reden hier von der Big East Conference, und deswegen dürfte diese Preview schon in drei Wochen völlig wertlose geworden sein. Die Rechnung für die verschwendete Zeit beim Lesen bitte in die Zentrale von Sideline Reporter schicken. Danke für die Aufmerksamkeit.

College Football 2011/12: Die ersten Schüsseln stehen bereit

ESPN America beginnt das Wochenende mit Eiern aus der Unterklasse: Championships-Spiele in Division II und Division III und Semifinals in der FCS. Das Programm:

  • Tape, heute 12h: Division III Finale
    Wisconsin/Whitewater Warhawks – Mount Union Purple Raiders
  • Tape, heute 14h30: FCS-Semifinale
    #1 Sam Houston State Bearcats – #4 Montana Grizzlies
  • LIVE, heute 17h: Division II Finale
    Pittsburg State Gorillas – Wayne State Warriors
  • Tape, morgen 7h: FCS-Semifinale
    #3 Georgia Southern Eagles – #4 North Dakota State Bisons

Wisconsin/Whitewater und Mount Union sind sowas wie Madrid und Barcelona der Division III. Siebtes Finale in Serie mit dieser Ansetzung! Bis dato schön gesplittet (3:3 Siege) – heute kann wieder einer vorlegen. Mount Union ist im Übrigen ein College, das in den letzten Jahren immer mal wieder NFL-Spieler herausgebracht hat. Der bekannteste ist WR Pierre Garcon, der sogar einen Superbowl-Touchdown fabrizierte. Auch letztes Jahr wurde ein Spieler von Mount Union gedraftet (ich glaube von Jacksonville/Name nicht mehr in Erinnerung). [Update: Koblenzer weist in den Kommentaren darauf hin, dass es sich bei besagtem Spieler um „Cecil Shorts“ handelt.]

Heute Nachmittag, 17h das Finale der Division II mit einem Überraschungsteam Wayne State. Die Division II beginnt ihre Playoffs mit vier Regionen zu sechs Teams. Wayne State war in seiner Region nur die #6 gewesen. Die Warriors sollen eine „Ball-control“-Offense mit viel Laufspiel spielen, während die Division-II Macht Pittsburg (aus Kansas) von QB Zac Dickey und seinem Passspiel lebt und eine turnoverfreudige Defense besitzt.


Heute Abend, 20h MEZ, beginnt die Bowl Season. Trotz einiger verheerender Fehlgriffe letztes Jahr (auf klaren Sieg Hawaiis getippt, ehe die Warriors 62 Punkte eingeschenkt bekamen und mit drei Handvoll Turnovers und -27pts verloren) werde ich mich auch heuer nicht vor ausgedehnteren Previews und/oder Tipps drücken.

Gildan New Mexico Bowl
Temple Owls – Wyoming Cowboys

Sa, 17.12. um 20h LIVE bei ESPN America

Temple war mit 8-4 eine der besseren Teams der Mid-American Conference (MAC), trotz des neuen Trainerstabs um Steve Addazio. Temple, das ist eine kleine Universität aus Philadelphia, die meist keine 20.000 Leute bei Heimspielen im riesigen Lincoln Financial Field begrüßt, und vor wenigen Jahren wegen Erfolgslosigkeit aus der Big East Conference geschmissen wurde. Letztes Jahr gab es richtig Stunk, als die Owls trotz 8-4 keine Bowl-Einladung bekamen. Diesmal ist es soweit. Die Mannschaft ist „run-heavy“, Anker- und Frontmann ist RB Bernard Pierce (1507yds/25 TD), der heute auf eine der schwächsten Lauf-Defenses in der FBS trifft (#115).

Dieser Gegner, Wyoming, dürfte in diesem Spiel klarer Außenseiter sein, schloss die Saison in der Mountain West Conference (MWC) mit 8-4 ab, aber war neben einigen Überraschungssiegen auch anfällig gegen Blowouts (19-63 gegen Utah State). Was ich erst jetzt sehe: Der deutsche Linebacker Oliver Schober (Bruder vom ex-NFLE Spieler Daniel) war heuer überhaupt nicht aktiv, setzte die Saison verletzungsbedingt komplett aus. Keine deutsche Beteiligung, dafür eine nicht uninteressante Mannschaft. Der QB Brett Smith ist ein Freshman, der gleich mal voll einschlug und mit 2495yds, 18 TD und 8 INT und 645yds plus 10-LaufTD eine bärenstarke Saison hinknallte.

Insgesamt werden wir reizvollere Matchups sehen. Wyoming dürfte nur mit einer überraschend starken Lauf-Defense eine Chance haben. Sponsor Gildan ist übrigens ein Hersteller von unbedruckten, aber bedruckbaren Billigshirts. „Unbedruckt“ dürfte nicht unerheblicher Zusatz sein, da man gemeinhin von keinem reißenden Absatz von Temple- und Wyoming-Shirts ausgegangen wäre.

Famous Idaho Potato Bowl
Ohio
Bobcats – Utah State Aggies

Sa, 18.12. 23h30 LIVE im ESPN-Player
So, 18.12. 9h30 Tape bei ESPN America

Die Bowl auf den blauen Spielfeld zu Boise/ID mit einem immerhin interessanten Team: Die Utah State Aggies (7-5). „7-5“ in der WAC liest sich zugegeben mau, aber die Mannschaft ist offensivgewaltig. Zum Saisonstart schrammte man haarscharf an einer schlichten Sensation vorbei, als der National Champ Auburn im eigenen Stadion alle sieben Kreuzzeichen zusammenkratzen musste um einen Zufallssieg über Utah State einzufahren.

In Erinnerung geblieben sind die quicken running Backs der Aggies: RB Robert Turbin machte dann über die Saison auch 1416yds und 19 TD (plus 4 gefangene TDs) und gilt als der Eckpunkt im Angriff, der fast 280yds/Spiel erläuft.

Auch Ohio ist eine Macht, die viele Punkte scort, gilt aber als insgesamt solider in der Defense und wird so von manchen als leicht favorisiert in dieser Partie angesehen. Mein simples Computer-Ranking spuckt einen zu erwartenden Spread von 0,3 Punkten zugunsten der Aggies aus – ein enges Spiel dürfte also keine Überraschung sein. Utah State ist darin erfahren, da sauknappe Spiele zur Expertise der Aggies gehören. Die Ohio Bobcats ziehen dagegen ihre Hauptmotivation daraus, erstmals in ihrer Geschichte ein Bowlspiel gewinnen zu können.

R+L Carriers New Orleans Bowl
San Diego
State Aztecs – Louisiana-Lafayette Ragin’ Cajuns

Sa/So, 17./18.12. 03h LIVE im ESPN-Player
Mo, 19.12. 10h Tape bei ESPN America

Beiden Head Coaches wird exzellente Arbeit nachgesagt. ULL steht zum ersten Mal überhaupt in einer FBS-Bowl, was als Meisterwerk des jungen Mark Hudspeth gilt, der erst in der zweiten Saison coacht. ULL verfügt über eine grundsolide Offense, in der QB Blaine Gauthier als double threat brilliert.

San Diego State mit Coach Rocky Long (ebenso zweites erstes Jahr als Head Coach, zweites Jahr im Trainerstab) wird als athletisch deutlich überlegen angesehen, kommt aber mit einem eindimensionalen Angriff daher, der sich da nennt: RB Ronnie Hillman (1656yds, 19 TD), der beste Running Back der Universität seit Marshall Faulk in den 90ern hier sein Unwesen trieb. Hillmann ist mir als wendiger, sehr agiler Back in Erinnerung und wird die meisten Carries bekommen, weil dem Passspiel heuer Wechselhaftigkeit nachgesagt wird. QB Ryan Lindley soll sich trotz exzellenter Offensive Line eher zurückentwickelt haben. X-Faktor könnte der Riecher der Aztecs-Defense für Turnover sein.


Nach und nach werden alle Bowl-Previews hier verlinkt. Der Eintrag ist rechts oben zu finden, über der Kommentarspalte. NFL-Samstagnachtspiel kommt später.

College Football zum Novemberstart: Volles Programm (1) und (2)

Rivers kann durchschnaufen: Wir bekommen zum Höhnen keine 24h, ehe wieder die Eier fliegen. Diesmal im College Football, wo es ab sofort Schlag auf Schlag geht. Heute und morgen dran: Die Mid-American Conference (MAC), die kleine Schwester der Big Ten Conference im Nordosten der USA, sportlich von fragwürdiger Qualität, aber ein Stahlbad für junge, ambitionierte Coaches und in der Vergangenheit immer wieder Talentschuppen auch was NFL-Kaliber angeht (Roethlisberger sei als Beispiel genannt).

Um 00h00 live bei ESPN America: Toledo RocketsNorthern Illinois Huskies, das Topspiel aus der Western Division, wo die Spitze kuschelig eng zusammengerückt ist:

Toledo (4-0)
Eastern Michigan (3-1)
Northern Illiois (3-1)
Western Michigan (3-2)
Ball State (3-2)
Central Michigan (2-3)

Toledo war im September bereits zweimal zu sehen, hätte fast ein riesiges Upset bei Ohio State geschafft, wurde von Boise State aber deutlich in die Schranken verwiesen. Die Rockets spielen eine knackige Defense und sind im Angriff unberechenbar, weil mal der bewegliche, aber inakkurate QB Austin Dantin spielt, mal die „Statue“ QB Terrance Owens. NIU ist auch nach dem hässlichen Abgang von Head Coach Jerry Kill eine enorm am Laufspiel orientierte Mannschaft. Das Spiel wird morgen um 18h wiederholt.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (01h LIVE ESPNA) dann Ohio BobcatsTemple Owls aus der engen Eastern Division:

Temple (3-2)
Ohio (2-2)
Miami/OH (2-2)
Bowling Green (2-3)
Kent State (1-3)
Buffalo (1-4)
Akron (0-4)

Wähernd Temple auch nach den Abgängen von NFL-Spielern wie DT Wilkerson (Jets) oder S Jarrett (Eagles) eine fiese Defense spielt, ganze 10 Pkte/Spiel kassiert und im September um ein Haar die große Sensation gegen Penn State geschafft hätte, weiß man beim eigentlichen MAC-Favoriten Ohio nie so recht, was man erwarten kann: Die Ergebnisse lassen auf eine instabile Mannschaft an allen Ecken und Enden schließen. Für Ohio wird es daheim essenziell sein, die sehr gefährlichen Running Backs von Temple unuter Kontrolle zu halten. Das Spiel wird am Donnerstag, 18h wiederholt.

Ist also einiges drin, vor allem könnte bei entsprechenden Spielausgängen in beiden Divisions Anarchie ausbrechen. Anschauen dürfte sich lohnen – die MAC ist auch deswegen sympathisch, weil hier die schnuckeligen 25.000-Stadien selten ausverkauft sind, ein willkommener Kontrast zum überhypten Treiben in SEC oder Big Ten.

College Football Preview 2011/12: Mid-American Conference (MAC)

Teil 3 der Conference-Vorschau für die College-Footballsaison 2011/12. Diesmal dran im Ranking von worst to first: Die Mid-American Conference, daheim in der Region um die Großen Seen im Nordosten der Vereinigten Staaten und am bekanntesten dafür, oftmals Zwischenstationen für Trainertalente auf dem Weg nach oben zu bieten (oder aber auch als Conference, in der die meisten Träume ambitionierter Coaches zerstört werden, weil die Unipräsidenten zu ungeduldig sind).

Eastern Division

Die traditionelle „Großmacht“ – die Ohio Bobcats – gelten in dieser Saison nach einigen mäßigen Jahren wieder als Topfavoriten in der Eastern Division. Hoffnung macht vor allem die Offense, deren Umstellung auf No-Huddle zwar alles andere als reibungsfrei verläuft (Stichwort: Quarterback-Kontroverse), aber die a) keine Offense Liner ersetzen muss und b) WR LaVon Brazill zurück heißen kann. Ohne Brazill war man zuletzt nur #102 in der Pass-Offense gewesen. Die Defense kommt bis auf Star-MLB Noah Keller sehr grün und unerfahren daher. Großer Pluspunkt ist der einfache Schedule: Die out of conference games sind so lächerlich, dass eine Bowl sicher eingeplant werden kann und conference-intern kommen die ärgsten Rivalen Temple und Miami/Ohio ins eigene Stadion.

Die University of Miami/Ohio RedHawks, die einst Big Ben Roethlisberger herausgebracht haben und es 2010/11 geschafft haben, innerhalb von einer Saison von 1-11 auf 10-4 zu stellen und sogar die MAC zu gewinnen. Dass HC Mike Haywood weg sein würde, hatte man erwartet – allerdings aufgrund zu vieler Niederlagen. Nun wollte Haywood seine neu gewonnene Reputation in eine BCS-Conference einbringen, was nicht gelang, weil Haywood als frisch gebackener Pitt-Headcoach lieber seine Ehefrau verprügelte und noch vor Jahreswechsel wieder auf der Straße war. Miami hat natürlich einen neuen Coach: Don Treadwell, der mit der exorbitanten Erwartungshaltung zurecht kommen muss – etwas, das fast immer schief geht.

Einen neuen Coach haben auch die Temple Owls aus Philadelphia, nachdem der alte Erfolgstrainer Al Golden gen Miami/Florida abgewandert ist. Die letzten beiden Jahre unter Golden waren ein beispielloser Erfolgsrun mit 9 respektive 8 Siegen, aber der bittere Nachgeschmack der verwehrten Bowl-Teilnahme 2010/11 bleibt hängen. Der neue HC ist Steve Addazio, der zuletzt die Offense von Florida gecoacht und sich dabei eher nicht mit Ruhm bekleckert hatte. Vor allem in der Defense sind die Abgänge in Temple von Gewicht: DT Wilkerson (Jets) und S Jarrett, der gleich von den ums Eck liegenden Eagles gedraftet wurde.

Der Rest der Eastern Division dürfte Kanonenfutter sein. Die Bowling Green Falcons erlebten 2010/11 einen Totalkollaps unter dem eigentlich als Rebuilding-Genie geltenden Dave Clawson: 62,8yds/Partie im Laufspiel mit einem Schnitt von 2.1/yds/Carry!! Die Kent State Golden Flashes demolieren sich seit mehreren Dekaden selbst durch willkürliche Trainerentlassungen und weggeschmissenes Talent (z.B. TE Gates, OLB Harrison, WR Edelman, WR Cribbs). Das neueste Riesentalent: DE Roosevelt Nix, in seinem zweiten Jahr. Der neueste Coach: Darrell Hazell, zuletzt in Ohio State und wohl froh, dort weg zu sein.

Mehrere Jahrzehnte Siechtum sind auch die Buffalo Bulls gewohnt, was sich so ausdrückt: 2010/11 erspielte man sich eine 2-10, die ehrenwert ist allein durch die Tatsache, dass man dank viel Enthusiasmus nur noch wenige Blowouts erleben musste. Hauptschuldig, dass nicht mehr Siege geholt wurden: Die neu installierte No-Huddle-Offense, die nicht funktionierte, weil das Laufspiel böse abschmierte. Noch schlimmer ist es um die Akron Zips bestellt: 1-11 mit meutereiähnlichen Zuständen im Team des neuen Coaches Rob Ianello. Immerhin wurde dann im Saisonfinale gegen Buffalo der einzige Saisonsieg geholt, aber wenn sich die Secondary nicht massiv verbessert, wird dieser Herbst ebenso wieder ein langer werden.

Western Division

Sportlich die qualitativ deutlich bessere Division sollte der Westen bieten, mit drei veritablen Kandidaten für das MAC-Finale. Dabei galten die Northern Illinois Huskies im vergangenen Herbst dank ihrer (bis zur blassen MAC-Finalvorstellung) phänomenalen und Schulrekorde brechenden Offense als MAC-Überflieger, inklusive eines Auswärtssieges bei den Minnesota Golden Gophers. Dumm, dass der Sieg so eindrucksvoll war, dass sich Minnesota dann mal eben dazu entschied, NIUs Head Coach Jerry Kill einen Vertrag anzubieten. Der Neue ist Dave Doeren, über dessen Qualitäten man sich wohl noch nicht ganz einig ist, aber Doerens Wissen um Defensivarbeit sollte helfen, die junge Abwehr auf Trab zu bringen.

Das muss auch schnell passieren, denn die Konkurrenz von der Toledo University scheint unter dem HC Tim Beckman im Aufwind zu sein. Bei den Rockets gilt: Starke und erfahrene Defense, aber Fragezeichen in der Offense. WR Eric Page ist eine fulminante Waffe (181 Catches und 15 TDs in seinen ersten beiden Jahren am College & bester Kickreturner der gesamten FBS), aber die QB-Kontroverse schwebt über allem und könnte dazu führen, dass Beckman eine zweigleisige Offense fährt, mit dem beweglichen Leadertypen QB Austin Dantin und dem hüftsteifen Linkshänder QB Terrance Owens in der Rotation. Ein ganz starkes Tackle-Duo in der Offense Line sollte helfen. Ebenso, dass man fast die gesamte MAC-Konkurrenz zuhause empfängt.

Diesen Luxus genießen die aufstrebenden Western Michigan Broncos nicht: Sie müssen alle ihre Schlüsselspiele auswärts bestreiten. Die Offense gilt nach dem Coming Out von QB Alex Carder (30 TD, 12 INT im ersten Jahr als Starter) als gesattelt, die Defense dagegen muss mehr Pass Rush und bessere Lauf-Abwehr zeigen und wichtige Starter in der Secondary ersetzen. Potenziell traut man WMU sogar 10 Siege zu, vor allem, weil Head Coach Bill Cubit als Kreativkopf gilt.

Eher zum Bodensatz sollte das Rest-Trio gehören. Die Ball State Cardinals kommen mal wieder mit neuem Coach daher, Pete Lembo, der dann auch gleich ankündigte, eine No-Huddle-Offense (he, in der MAC wollen alle No-Huddle!) einführen zu wollen. Erste Saison abschenken, ick hör dir trappsen…

Die Eastern Michigan University ist in Ypsilanti beheimatet und sieht nicht nur deswegen seit Jahren rot. Head Coach Ron English hat nach zwei Jahren 2-22 vorzuweisen und vor allem die schwache Defense macht zu schaffen. English gilt als guter Defensivcoach – wohin Michigans Abwehr nach seinem Abgang gewandert ist, hat man gesehen. Defensivbilanz 2010/11bei Easton Michigan: 32 Pass-TDs zugelassen, 2 INTs gemacht.

Noch schlechter sieht es für Central Michigan aus: Die Chippewas sind seit einigen Jahren im Sinkflug, zuletzt scheiterte die Abkehr von der Spread Offense grandios. Mit QB Ryan Radcliffe ist ein Hoffnungsträger gefunden, allerdings einer mit lockerem Abzugshändchen: 17 INTs im vergangenen Herbst. Die meisten Kopfzerbrechen in der Defense machen die besten Spieler, die allesamt lieber in Kneipen anzutreffen sind und Stunk ohne Ende produzieren.

Morgen morgens im vierten Teil eine Conference, die in Auflösungserscheinungen begriffen ist und 2012/13 mit der Sunbelt Conference um den vorletzten Platz streiten wird.