Trainerkarussell – College Football 2017/18

Das Trainerkarussell im College Football dreht sich dieser Tage massiv. Hier die Liste der Trainersessel, die dieser Tage neu besetzt werden – und dabei schauen wir nur auf die großen Conferences: Weiterlesen

Akademische Viertelstunde 2016 nach dem Schlager von Clemson

Der ACC-Kracher #5 Clemson Tigers vs #3 Louisville Cardinals am Samstag hat gehalten, was er versprochen hat. Es war ein fulminantes Spiel, das die ganze Palette bot, was College Football so großartig macht: Intensität, knisternde Atmosphäre, Team zieht auf und davon, Comeback, Gegen-Comeback, fehlerhafte Offense gepaart mit eingestreuten Monsterspielzügen und ein Kampf zwischen zwei absolut famosen Quarterbacks. Entschieden wurde die Partie standesgemäß in der letzten Minute. Entscheidend war ein Yard. Weiterlesen

Akademische Viertelstunde 2016, Week 2

Eine Woche 2 zum Durchschnaufen – aber das eine oder andere „typische“ College Footballspiel gab es dann doch – und natürlich einen schwer zu schlagenden Zuschauerrekord. Weiterlesen

Samstagsvorschauer 2016, Woche 2: Battle of Bristol

Der herausragende Event am heutigen 2ten Spieltag ist #17 Tennessee Volunteers – Virginia Tech Hokies (2h, ESPN-Player), das im 150.000 Zuschauer fassenden (!) Bristol Motor Speedway („The Last Great Colosseum“) stattfindet. Dort, wo normalerweise die NASCAR in diesem 1/2 Meile Oval ihre Runden dreht, werden heute Tennessee und Virginia Tech vor einer neuen, schwer zu schlagenden Rekordkulisse im „Battle of Bristol“ gegeneinander antreten. Weiterlesen

Tennessee Volunteers | 2016/17 Vorschau

Die Tennessee Volunteers sind eine der ganz großen Nummern im College Football mit ihrer riesigen Anhängerschaft und ihrem monströsen Neyland Stadium in Knoxville, das über 100.000 Zuschauer fasst und mit die lautesten Fans im Lande aufbietet („Rocky Top“). Im Football krebsen die Vols aber seit mittlerweile zehn Jahren hinterher, sind nicht mehr in der Lage, Anschluss an die Granden der SEC zu finden. Weiterlesen

SEC East | College Football 2015/16 Preview

ACC (Florida State 2013) und Big Ten (Ohio State 2014) haben die letzten beiden Landesmeisterschaften gewonnen, die Pac-12 gilt als reichste und innovativste Liga, aber die Southeastern Conference (SEC) bleibt die stärkste Liga im College Football. Weiterlesen

Southeastern Conference | Vorschau 2014/15

Die Southeastern Conference (SEC) gilt seit gut einem Jahrzehnt als Königsklasse im College-Football, auch wenn sie in der letzten Saison nach sieben Jahren Regentschaft erstmals nicht den Landesmeister stellte. Am Selbstverständnis der Menschen wird sich deshalb aber fürs erste wenig ändern: Die SEC ist die Liga, in der der schnellste College-Football gespielt wird, in der die meisten Zuschauer ins Stadion strömen, und wo die Folklore gelebt wird wie nirgendwo sonst. College-Football ist in der Region im US-Südosten Ersatzreligion und ein Medium, die Komplexe gegenüber den urbaneren Regionen im Norden zu bewältigen.

Zu Beginn der gewohnte Rundumblick zur besseren Einordnung der einzelnen Mannschaften: Auburn ist der Titelverteidiger, Auburn spielte im BCS-Endspiel, aber auch wenn Alabama in den offiziellen Polls nur als viertbeste SEC-Mannschaft gerankt war, nach SRS stellten sie wenig überraschend die potenteste Mannschaft.

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Blick auf die Saison 2013/14 in der Southeastern Conference

Record = Bilanz in allen Saisonspielen
Conf. = Record in Conference-Spielen
AP-Poll = finale Platzierung im AP-Poll
SRS = Simple Ranking System 2013/14
SRS-Rank = Platzierung im SRS 2013/14 Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Woche 6: Wir waren so knapp davor!

Woche 6 im College-Football bot einige spannende Spiele, und fast hätte es das erste große Chaos in den Rankings gegeben, aber eben nur fast. So blieb von diesem Wochenende bloß der Schrecken, den einige Top-10 Teams mitnahmen in das Wochenende. Beginnen wir vielleicht chronologisch mit einer der wenigen Mannschaften, die voll überzeugt haben.

Und zwar den Florida State Seminoles, die gegen die Maryland Terrapins ein 63:0-Feuerwerk abbrannten. Nun mag der geneigte Fan sagen, waren doch nur die Terps! Stimmt – vielleicht. Denn diese Terps waren bisher 4-0 und an #25 im A.P.-Poll gerankt. In Tallahassee war davon nicht viel zu sehen, denn die Noles hatten von der ersten Minute an keine Probleme und machten die Terps platt. Überzeugend war einmal mehr QB „Famous Jameis“ Winston, der immer mehr mit Johnny Manziel verglichen wird, was auch heißt: Jameis wird im Heisman-Rennen ab sofort öfters genannt werden.

Kein Heisman-Rennen, sondern A.C.C. bzw. National Title Race war für die Clemson Tigers angesagt, die nach der Demonstration der Noles am Mittag nachlegen mussten und im Nachmittags-Slate ab 14:30 (Eastern Time) den armen Syracuse Orange sieben Touchdowns einschenkten und 49:27 gewannen. Am nächsten Wochenende geht es für die beiden im direkten Duell um alles, sprich: Wohl den A.C.C.-Finaleinzug aus der Atlantic Division.

Die Probleme hatten die anderen. Die Georgia Bulldogs zum Beispiel, die eine Woche nach ihrem gefeierten Heimsieg über L.S.U. nach Knoxville fahren mussten, um den Tennessee Volunteers entgegenzutreten. Was wie eine Pflichtaufgabe klang, entwickelte sich zu einem echten Knüller, in dem Georgia in der zweiten Halbzeit „outplayed“ wurde und erst fünf Sekunden vor Schluss durch einen TD-Pass von QB Aaron Murray überhaupt den Ausgleich für die Overtime erzielten! Dort erzielte RB Pig Howard (der heißt wirklich so) dann sogar einen Touchdown – dachten alle. Es wurde Fumble gegeben, und Georgia konnte hernach per Field Goal zum knappen 34:31 Sieg einschießen. Damit haben die Vols einmal mehr eine herzzerreißende Niederlage erlebt, aber dafür waren auch die Georgia Bulldogs viele Jahre lang bekannt. Die haben das Stigma scheinbar erst einmal abgelegt.

Das Primetime-Spiel zwischen den Northwestern Wildcats und den Ohio State Buckeyes brachte neben riesigen Emotionen auch einen spannenden Spielverlauf. Ohio State gewann am Ende 40:30, aber der Endstand trügt und täuscht darüber hinweg, dass es in der zweiten Halbzeit lange sehr knapp war. Bei 23:20 Führung für Northwestern konnte Buckeyes-RB Carlos Hyde nur um Zentimeter den TD erzielen, und später, als die Buckeyes drei Minuten vor Spielende nur mit 34:30 führten, scheiterten die beherzten Wildcats nur um Haaresbreite an einem Fourth Down: QB Kain Colter wurde unter einer Menschentraube begraben, und kein Mensch vermochte abzuschätzen, ob Colter die notwendigen Zentimeter erreicht hatte. Weil es für die Video-Referees im American Football aber zweifelsfreie Beweislage braucht, wurde der Versuch „zu kurz“ gebeben.

Zwei haben wir schon, aber die Trilogie ist noch nicht komplett: Im Spätspiel standen sich Stanford und die Washington Huskies gegebenüber, und auch hier hatte der Favorit (Stanford) erhebliche Schwierigkeiten. Wer das Spiel gesehen hat, sah eine richtig starke Stanford-Mannschaft, keine Frage. Aber Washington hatte seine Chancen: Kurz vor Schluss, eben auf 28:31 herangekommen, stürmten die Huskies das Spielfeld hoch, bis in einem weiteren Fourth Down der WR Kevin Smith einen überragenden Catch machte, oder „keinen Catch machte“?  Smith fiel nach vorne und hatte den Ball fest verschränkt unter seinem Körper. Die Referees gaben auch nach dem Video-Review „incomplete Pass“. Keine Fehlentscheidung, aber man sieht: Es war ganz einfach extrem knapp.

So haben wir nahezu unveränderte Top-10 vor dem nächsten Spieltag (F.S.U. überholte aufgrund des überzeugenderen Sieges im AP Poll Georgia). Ab nächstem Spieltag werden dann auch wieder die B.C.S. Rankings zum letzten Halali blasen und erstmals in ihrer letzten Saison erscheinen.

Von der persönlichen Warte aus gab es auf dem Campus hier in Bloomington am Wochenende ein großes Highlight, als die Indiana Hoosiers die höher eingeschätzten Penn State Nittany Lions klar schlugen. Indiana ist vielleicht noch keine Spitzenmannschaft, aber die Leute hier sind fast schon euphorisch, dass es endlich mal eine Footballmannschaft gibt, die nicht Woche ein, Woche aus abgeschossen wird. Der Head Coach Kevin Wilson hat ganze Arbeit geleistet, und man bewundert ihn nicht nur für die Siege, sondern auch für das ziemlich ansehnliche Offensivspiel der Hoosiers.

Damit für heute fast schon das Ende, allein das obligatorische Texas-Spiel fehlt uns noch. Die Longhorns waren schon am Donnerstag im Einsatz, in Ames in Iowa, bei den Iowa State Cyclones. Texas gewann 31:30, aber es war ein Spiel für die Verschwörungstheoretiker – so sehr wurde Texas in diesem Spiel von den Referees bevorzugt: Im letzten Drive zu den siegbringenden Punkten gab es einen so eindeutigen Fumble eines Texas-RBs, dass es unverständlich war, wie die Referees sogar nach dem Video-Beweis noch behaupten konnten, er sei am Boden gewesen.

Für Karma und Ansehen taten die Longhorns zehn Tage vor ihrem großen Schlager an diesem Wochenende gegen Erzfeind Oklahoma auch nicht viel: Der Wide Receiver Mike Davis hatte die unfairste Aktion an diesem Wochenende:

Der unfairste Late Hit des Jahres

Wir ahnen es: Mike Davis wurde von den Referees dafür nicht bestraft.

The Countdown, T-minus 62: Tennessee Volunteers

Paul Myerberg ist in seinem College Football Countdown bei der #62 angelangt, den Tennessee Volunteers aus Knoxville. Für uns, die den College-Football erst seit wenigen Jahren verfolgen, ist der Dauerhype, der um dieses Team veranstaltet wird, etwas merkwürdig, aber man muss einfach mal in die Geschichte dieses Bundestaates, dieser Region, blicken um zu verstehen, warum die Vols als eines der Teams in diesem Sport gelten. Tennessee liegt in den nördlichen Ausläufern des footballverrückten Bible-Belts und ist ein eher rural geprägter Staat, der bis rein in die 90er Jahre keine Profimannschaft zum Bejubeln hatte (Titans kamen erst Ende der 90er). Die Vols dagegen waren Gesetz. Mit ihrem 102.000er-Riesen, dem Neyland Stadium mit seinem extrem steilen Rängen, verfügt die Universität über eines der größten Stadien der Welt und das charakteristische Tailgating auf den Booten des Tennessee Rivers vor der Arena sowie den Fan-Traditionen („Rocky Top“) hat man Geschichten zu erzählen, die in keinen Dreierband reinpassen.

Diese Tennessee Volunteers stecken gegenwärtig sportlich im Niemandsland fest: Man kriegt keinen Zugriff mehr auf Unis mit ähnlichen Voraussetzungen wie beispielsweise LSU, aber man ist auch nicht so abgestürzt wie zum Beispiel Colorado. Tennessee ist für mich mit meinen sechs, sieben Jahren Erfahrung in dieser Materie in erster Linie ein klassischer underachiever, der seine phänomenalen Ressourcen nur unzureichend nutzt. Der im Winter nach nur drei Jahren geschasste Head Coach „Betonfrisur“ Derek Dooley war der Posterboy für dieses Image: Ein sympathischer Kerl, immer für einen launigen Spielzug gut, aber letzten Endes zu schlampig, zu überfordert mit vielen Verletzungen, und glücklos in haarigen Spielsituationen oder irren letzten Spielsekunden (dieses Video habe ich glaube ich ein Dutzend Mal gepostet).

Dooley ist jetzt weg, der Neue ist Butch Jones, der von Cincinnati kommt und ähnlichem seinem Vorgänger nicht die ganz große Aura und Erfahrung mitbringt. Aber Jones könnte ein guter Griff sein. Er sorgt für Luftveränderung. Über sein bisheriges Auftreten hört man nur Gutes und selbst dass er seine komplette Sippe aus Cincinnati mitschleppt, nimmt ihm keiner übel.

Jones kriegt in Knoxville einen jungen, hungrigen Kader vorgeworfen (sein Recruiting für 2014 verläuft auch besser als erwartet). Er muss aber noch die Puzzleteile nur zusammenstellen. Die Offense Line und das Laufspiel gelten als absolute Stärken, aber im Passspiel müssen viele Jungs ersetzt werden, die im Vorfeld des NFL-Drafts 2013 rauf und runter diskutiert wurden: QB Tyler Bray, WR Cordarrelle Patterson, WR Zac Rogers, WR Justin Hunter. Die Ersatzleute sind durch die Bank unerfahrene Teenies, die teilweise noch kein einziges Down College-Football gespielt haben (z.B. der mögliche Starter-QB Nathan Peterman: 0 Snaps).

Wenn wir mal davon ausgehen, dass Davis die Offense hinbiegen kann, bleibt die Baustelle Defense, die letztes Jahr geschwächt durch zu viele Verletzungen Team und Coach Dooley in die Scheiße ritt. Es gibt in MLB A.J. Johnson eine NFL-reife Präsenz in der Spielfeldmitte, aber rundherum war vogelwildes Treiben zu beobachten. Es liegt am neuen Trainerstab, hier Struktur und klare Aufgabenverteilung hineinzukriegen.

Tennessees Schedule ist Wahnsinn: Auswärtstrips nach Alabama, Florida und Oregon (!) beenden auch gute Teams schon mal mit 0-3, und dazu empfängt man Georgia und South Carolina. Für ein so grünes Team, sei es noch so vollgestopft mit begehrten Highschool-Athleten, sind in diesen fünf Partien ein oder zwei Siege schon ein Erfolgserlebnis. Das Gute für die Vols: Mit Mizzou und Vanderbilt gibt es daneben nur noch zwei mittelprächtige Teams, der Rest im Schedule ist Kanonenfutter. Die Kombination aus brutalen Kalibern „top-end“ und quasi geschenkten Spielen „low-end“ sowie zwei 50/50-Spielen könnte durchaus dafür sorgen, dass Jones gleich im ersten Jahr die Qualifikation für die Bowl-Season schafft und mit Schwung ins nächste Jahr geht.

(BTW lt. Myerberg gibt es im Kader einen Burschen namens Pig Howard? „Pig“? Really?)

SEC East 2012/13 Preview

Zum Abschluss der langen, erschöpfenden Preview auf die College-Football-Saison 2012/13 kommt noch die Queen unter den Conferences dran, die Southeastern Conference aus dem erzkonservativen Bible Belt im Süden und Südosten der Vereinigten Staaten – seit der jüngsten Erweiterung um Missouri und Texas A&M nun mit 14 Mannschaften die größte Conference und ausgedehnt im Westen bis nach Texas, im Norden bis nach Kentucky und im Süden und Osten bis nach Florida.

Die SEC wird auf diesem Blog gewiss den kompletten Herbst ein Thema bleiben, CBS und ESPN/ESPN America sei Dank, und wird werden zirka jedes Wochenende minimum ein oder zwei SEC-Teams in Action erleben, oft mehr. SEC im TV, das bedeutet im Normalfall auch: Verne Lundqvist und Gary Danielson werden die Hauptpartien bei CBS kommentieren – zwei Kommentatoren, die alles und jedes Detail selbst über die Ex-Freundinnen des drittbesten Offensive Tackles wissen, aber die mir in letzter Zeit mit ihrem unhinterfragten Hype um „ihre“ S! E! C! zunehmend auf die Nüsse gegangen sind. We will see, wie sich datt entwickelt.

Im ersten Teil der Southeastern Conference auf alle Fälle die Eastern Division.

Georgia Bulldogs

Es gibt Head Coaches, die sind nicht zu beneiden. Georgias Mark Richt ist einer von denen. Seit jetzt 12 Jahren ist der Mann da und zaubert für einen historischen underachiever eine der besten Spannen in der über 100jährigen Historie hin, und trotzdem ständig mit dem Fadenkreuz auf der Stirn. Grund: Georgia erreicht nie das BCS-Endspiel. Man muss wissen, dass Georgia in einem großartigen Recruiting-Gebiet liegt und trotz der vielen Avancen der umliegenden SEC-Universitäten jährlich Top-10 Recruiting-Klassen einfährt, aber sportlich hat in den letzten sieben, acht Jahrzehnten nur ein einziger National Title (1980) herausgeschaut. Unter Richt ist man meistens bei zehn oder elf Saisonsiegen, aber eben auch nie mehr. Immer fehlt ein kleines Detail, sei es ein beschissener Schedule, ein fehlgefeuerter Pass eines ansonsten tadellosen QB Matt Stafford, mal ist es Richt selber, der im falschen Moment nicht über seine vollen Hosen springen kann.

Georgia, die Heimatstadt Athens, und das riesige Sanford Stadium (92.000 Plätze) mit seinen Hecken entlang des Spielfeldes wollen also die BCS-Kristallkugel. In diesem Jahr ist man mal wieder gut dafür aufgestellt, und das, obwohl dem massiv gehypte RB Isaiah Crowell gekündigt wurde (Crowell hatte falsches Zeug geraucht, aber sportlich als Freshman nun auch nicht sooooo überzeugt).

Denn in QB Aaron Murray besitzt man einen durchaus feurigen Spielmacher mit NFL-kalibrigem Arm, dem Richt heuer trotz seiner zu hohen Sack-Rate mehr zutrauen dürfte als letztes Jahr, als er versucht, das schlimme Laufspiel durchzudrücken (u.a. auch gegen Boise, als man komplett niedergemacht wurde).

Die wahre Stärke ist aber trotz Murray die Defense, wo man mit DefCoord Tod Grantham und seiner 3-4 Defense voll ins Schwarze getroffen zu haben scheint. Es drohen zwar noch ein paar Suspensionen von Schlüsselspielern zu Saisonbeginn (u.a. gegen den starken LB Ogletree), aber diese Front-7 ist ein Augenschmaus. Die Arbeit der 3-4 Line ist von jener einer NFL-Franchise nicht zu unterscheiden und im Hintergrund walzt der grandiose OLB Jarvis Jones alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Für Hobbyscouts gilt es, sich diesen Jones vorzumerken, denn der Mann wird in den Top-5 im NFL-Draft 2013 vom Board gehen.

Schedule ist auch ziemlich günstig, also erwartet man von Georgia (Preseason-Ranking im Coaches-Poll #6) wenigstens den Einzug in das SEC-Endspiel. Eine 10-2 Saison würde bestimmt als Enttäuschung gewertet werden.

South Carolina Gamecocks

Größter Konkurrent dürfte South Carolina mit seinem unkonventionellen Head Coach Steve Spurrier (bekannt von seiner Zeit in Florida und bei den Redskins) sein. South Carolina hatte ich bereits im Frühling auseindergenommen, daher nur noch die geraffte Form. Jo, 2011 war das einen undurchschaubare Mannschaft: Mit unsicherer QB-Situation und verletztem Running Back, aber einer Super-Defense zu 11-2 marschiert, aber von keiner Sau wahr genommen.

In der Offense kehrt RB Marcus Lattimore wohl erst nach vollständiger Genesung zurück, aber die Effizienzmessungen zeigen überraschenderweise: Ohne Lattimore war man nicht schwächer als mit Lattimore. So können die Augen täuschen. QB ist Connor Shaw, der sich bei mir einen Ruf gemacht hat als Mann mit zu vielen Sacks.

In der Defense ist das Auge vor allem auf die sensationellen Defensive Ends Jadeveon Clowney und Devin Taylor zu werfen. Ein Problem „Regression zur Mitte“ könnte für die Gamecocks das extreme Turnover-Glück von 2011 sowie der 4-1 Record in engen Spielen werden.

Georgia muss nach Columbia kommen. Wird spannend, wie sich das Duell zwischen den beiden entwickelt, aber South Carolina hat auch danach noch einen brutalen SEC-Schedule: Mizzou, Arkansas, @LSU, @Florida.

Florida Gators

Nur haarscharf die erste losing season seit Menschengedenken (1979) abgewendet hat die University of Florida mit ihrem 7-6 letztes Jahr im ersten Jahr unter Head Coach Will Muschamp. Trotzdem ist man nicht unzufrieden in Gainesville, weil sich die Defense prächtig entwickelt und als Draufgabe noch den rekonvaleszenten DE Ronald Powell (Verletzung aus dem April ist ausgeheilt) willkommen heißen darf.

Die Knackpunkte sind in der Offense zu finden, wo letztes Jahr unter Charlie Weis überhaupt kein Laufspiel implementiert werden konnte. Konsequenz: Als Weis-Nachfolger wurde der junge OffCoord Brent Pease aus Boise geholt. Boise in Florida? Riecht verdächtig danach, dass hier demnächst mit PlayAction operiert wird, um insbesondere die eklatanten Schwächen beim 3rd down rauszubekommen.

Die Personalsituation könnte besser sein: Die Running Backs Rainey und Demps (unser Olympia-Sprinter) sind gegangen, und dahinter wird man sehen müssen, wie sich die unerfahrenen Backs hinter einer schlechten Line entwickeln können. Unklar ist auch die QB-Situation: Brissett oder Driskel? Beide haben bei ihren Kurzeinsätzen nicht überzeugen können, und Driskel schleppt zu allem Überfluss noch eine Verletzung aus dem Trainingslager mit sich. Als jüngste Informationen sickerte gestern Nacht durch, dass Muschamp/Pease beide im Season Opener einsetzen werden – ein Ende der Fahnenstange scheint also über Wochen nicht in Sicht zu sein.

Der große Hoffnungsträger ist einer der geilsten Spieler im kompletten College Football, WR/TE/FB/Backup-QB/RB Trey Burton, der als X-Faktor absolut nicht zu ersetzen ist und eine der schönsten Schachfiguren für einen Coach ist. Pease wird seine helle Freude mit dem Mann haben.

Mizzou Tigers

Oder besser: MizSEC Tigers. Ich kann eigentlich nicht fassen, dass die SEC so scharf auf die University of Missouri war. Das Programm ist nicht schlecht, aber auch nie wirklich grandios. Es ist fehlt irgendwo der Pfeffer. Es ist… ein bissl langweilig. Die Tiger-Fans werden sich vorkommen wie im siebzehnten Himmel. Endlich da. Endlich SEC.

Head Coach Gary Pinkel kann man aber keinen Vorwurf machen, er hat ein grundsolides Programm zusammengestellt, das in den letzten Jahren immer wieder Pech mit schweren Schedules hatte (2011 zum Beispiel #5, heuer #8). Was sich für Pinkel positiv auswirken könnte: Seine Defense ist bekannt dafür, gegen physische Teams besonders aufzugeigen, allen voran der höchst talentierte DT Sheldon Richardson. „Physisch“? SEC? SEC! Physisch!

Im Angriff sieht das ganz auch eigentlich recht gut aus (abgesehen von der Frisur von OffCoord David Yost): QB James Franklin ist ein guter Werfer (63% completion rate, 2865yds, 21 TD, 11 INT) und ein noch besserer Schrambler (1089yds, 15 TD) und gebaut wie ein Running Back. Er sollte in seinem zweiten Jahr noch besser werden. Und dann ist da noch der nach allen Auguren beste Highschool-Football dieses Jahres, WR Dorial Green-Beckham.

Dürfte ich tippen, würde ich aber nicht allzu euphorisch sein: Obwohl man physisch in die SEC reinzupassen scheint, haben Mannschaften nach Conference-Wechseln oftmals Probleme mit der Umstellung. Und von Oklahoma State zu LSU ist philosophisch ein weiter Weg.

Vanderbilt Commodores

Vanderbilt ist mit Stanford zu vergleichen: Bildungsanstalt, wo man noch hohen Wert auf gute Noten legt und deswegen Probleme hat, starke Highschooler mit überschaubarem IQ zu bekommen. Enter James Franklin (nicht der von Mizzou).

Franklin, der aussieht wie Triple-X, hielt letztes Jahr Einzug an der Universität nahe Nashville/TN, implementierte eine physische, beinharte, opportunistische Mannschaft und fuhr gleichmal eine der besten Recruiting-Klassen ever für Vanderbilt ein. Und nach der ersten Saison inklusive überraschender Qualifikation für die Bowl Season ist Vandy und sein Studentenkorpus erstmal erwartungsfreudig.

Die Offense dürfte trotz des grundsoliden QB Jordan „hello, my brother is NFL-MVP“ Rodgers erstmal aus 97% Laufspiel bestehen, damit ja möglichst kein Turnover produziert wird, und dann wird man versuchen, sich trotz mancher wichtiger Abgänge in der Defense mit ein paar gut getimten INTs wieder ausreichend Siege für ein 6-6 zu ergaunern.

Alles schon ein Fortschritt bei Vernderbilt.

Tennessee Volunteers

Ein paar Meilen weiter östlich, in Knoxville/TN, kommen die Tennessee Volunteers einfach nicht aus ihrem Loch heraus. Vor 15 Jahren war man noch National Champion, jetzt hat man erhebliche Probleme, überhaupt noch in die Bowl Season reinzuflutschen (2011 scheiterte man). Head Coach „Betonfrisur“ Derek Dooley ist aber auch verwandt mit der Pechmarie, seien es ausgefallene Starting-Quarterbacks, extrem unglückliche Turnovers oder schlichtweg bizarre Spielausgänge wie vor zwei Jahren bei LSU (ich kann diese letzten 32 Sekunden auch nach dem zwanzigsten Mal anschauen noch immer nicht fassen).

Dooley ist angezählt. 2011 hatte man nicht unmöglich viel erwartet gehabt, aber dann, im letzten Saisonspiel bei 5-6 Siegen, zum ersten Mal seit ein paar Äonen gegen Erzfeind Kentucky zu verlieren, das grenzte an einen kleinen Skandal.

Spielermaterial ist nur in der Spitze. Der QB Tyler Bray spielt wie ein prototypischer NFL-Quarterback spielen sollte und ist ein eigenartig cooler Charakter mit Starpotenzial. Ist Bray fit und auf der Höhe, hat Tennessee einen richtig explosiven Angriff. Fehlt Bray wie ein paar Wochen letztes Jahr, krepiert die Offense komplett. Positiv zu werten ist allerdings, dass Dooley kompromisslos zu werfen versucht, nie eine schlechte Idee bei einem Mann mit Brays Qualitäten (mein dark horse auf einen hohen NFL-Pick 2013).

Mal schauen. Knoxville mit seinem furiosen sechsstelligen Publikum („Rocky Top“) erwartet eigentlich mehr von den Vols – ich würde bei einem erneuten Verpassen der Bowl Season keinen Pfifferling mehr auf einen Verbleib Dooleys wetten.

Kentucky Wildcats

Schließlich Kentucky, die zu den besten Universitäten im College-Basketball gehören, aber zu den schlechtesten im Football – und trotzdem ist hier der Coach unangetastet, eine Kultfigur, ein Sympathieträger: Joker Phillips gilt als ultrapatriotischer „Kentucky Man“, der genügend aus der Mannschaft rausholt, dass man jedes Jahr in Nähe von 6-6 spielt, womit man zufrieden ist.

Seit dem eben angesprochenen legendären Sieg über Tennessee im Saisonfinale 2011 hat Phillips eh Narrenfreiheit, obwohl Augenzeugen dieses Spiels ob der gebotenen Qualität immer noch Schadenersatzklagen gegen beide Unis erheben. Hauptproblem bei Kentucky ist das fehlende Passspiel in der Offense (4.6yds/Play ist einer der unterirdischsten Werte überhaupt) – damit dürfte es dieses Jahr nichts werden mit Bowlspielen.

College Football 2011/12, TV-Guideline für Woche 7: Die Conference-Saison nimmt Fahrt auf

College Football geht schön langsam in die heiße Phase der Conference-Spiele, die nun in immer hemmungsloseren Ansetzungen resultieren wird, nachdem dieses Wochenende die ersten BCS-Standings veröffentlicht werden. Das Programm dieser Woche ist unter diesem Gesichtspunkt interessant, aber auch als „Aufwärmprogramm“ für das, was danach folgen wird, zu betrachten ist.

California Golden Bears – USC Trojans

Freitag, 15h30 Tape bei ESPN America

Zweimal Pac-12, und zweimal Teams, die im Rennen um den Pac-12 Titel keine Rolle spielen werden: Cal, weil die Golden Bears sportlich wohl eine Nummer zu klein sind, USC aufgrund seiner Sperre vom Pac-12 Endspiel. So wird der Thrill primär aus dem Faktor „Rivalität“ gezogen werden, und Cal dürfte eine besondere Motivation besitzen, wurde es doch seit 2003 jedes Jahr von den Trojans abgeschlachtet.

Allerdings dürfte die Erinnerung an die letzte Saison eher schmerzen. Damals stürmte USC zu einem 42-0 zur Pause, mit 372yds Offense in der ersten Hälfte (QB Matt Barkley dabei fünf TD). Dieses Jahr ist USC im Angriff ziemlich passlastig, wobei vor allem WR Rashaun Woods unglaubliche 44% der Passyards fängt, während der tiefreligiöse Sunnyboy Barkley ein Muster an Unbeständigkeit ist. Gegen Cal dürfte es trotzdem reichen, da die Bears über kaum Pass Rush verfügen, weil sie in der Defense dafür gebaut sind, den Lauf zu stoppen.

San José State Spartans – Hawaii Warriors

Samstag, 9h Tape bei ESPN America

Ein Duell aus der WAC, wobei Hawaii (1-0 WAC) favorisiert sein dürfte, aber auch San José State zu den bisher recht positiven Erscheinungen der Saison zählt, trotz 2-4 Bilanz. Hawaii verlässt sich im Angriff fast ausschließlich auf den Rastaman QB Bryant Moniz (1578yds, 15 TD, 1 INT, 4 Lauf-TD), während die Spartans einen deutlich ausgeglicheneren Angriff besitzen, der vor allem weniger Turnovers als die Warriors begeht.

Michigan State Spartans – Michigan Wolverines

Samstag, 18h LIVE bei ESPN America

Das Derby der beiden wichtigsten Football-Universitäten im Staate Michigan, und es liest sich wie ein interessantes Matchup. Die immer noch ungeschlagenen #11 Michigan Wolverines verfügen in dieser Saison nach Jahren endlich mal wieder über eine annehmbare Defense, die zwar viele Yards über den Luftweg zulässt, aber hart genug spielt, um zwei, drei Turnovers/Spiel zu provozieren. Dem werfen die #23 Michigan State Spartans einen eher blassen Angriff entgegen, wo QB Kirk Cousins immer gut ist für die eine oder anderen INT, aber Cousins ist einer der QBs, die einen Angriff mit hoher Completions Rate (68%) immer am Leben halten können. Die Spartans glänzen sowieso primär in der Defense, die ganze 173yds/Spiel zulässt, nur 64yds davon im Laufspiel. Michigans Offense wirft dem allein QB Denard Robinson entgegen, einen fürchterlich unpräzisen Werfer, der immer für 3 INTs/Halbzeit zu haben ist, aber solange er noch auf zwei Beinen laufen kann, auch 200yds Laufspiel machen wird. Robinson wird stets als Heisman-Trophykandidat gehandelt, was IMHO ein Hochjazzen ohne Aussicht auf Erfolg ist, solange Robinson nicht wenigstens halbwegs adäquate Bedrohung als Werfer wird. Vielleicht hilft, wenn Robinson die Wolverines nach drei Jahren Sieglosigkeit über Michigan State mal wieder zu einem vollen Erfolg gegen die Spartans führt.

Texas Longhorns – Oklahoma State Cowboys

Samstag, 21h30 LIVE bei ESPN America

#22 Texas leckt nach der verheerenden Niederlage gegen Oklahoma noch seine Wunden, wurde in allen erdenklichen Matchups einfach niedergemacht. Größter Knackpunkt der Longhorns ist aber das offene Scheunentor in der Secondary mit all seinen blutjungen Spielern. Nun kommt mit #6 Oklahoma State rein zufällig der vielleicht beste Pass-Angriff im College Football daher. Das Zusammenspiel zwischen QB Brandon Weeden und WR Justin Blackmon ist fassungslos, was man an Blackmons Zahlen ablesen kann, die da lauten: Im Schnitt 9 Catches für 107yds und 1,2 TD/Spiel. OSU spielt eine meiner Lieblings-Offenses, setzt auch noch hoch erfolgreich RB John Randle in homöopathischen Dosen ein und wird nur in Hischscoring-Spielen zu bremsen sein.

Es dürfte interessant sein, was Texas mit DefCoord Manny Diaz dem entgegenzuwerfen gedenkt, nachdem Diaz am Samstag in der Red River Rivalry ziemlich pulverisiert wurde. Weil die texanische Abwehr zwar talentiert, aber jung und nicht sondernlich „tief“ besetzt ist, kann man davon ausgehen, dass auch Oklahoma State mit seinen Dutzenden Ballfängern Yards und Punkte aufs Tablett legen wird, wahrscheinlich mehr, als die Longhorns-Offense zustande bringen wird. Für diese dürfte das Motto gelten: RB Malcolm Brown laufen, laufen, laufen lassen, Zeit von der Uhr nehmen und wenn immer möglich in der RedZone Touchdowns scoren, bloß keinen Punkt zuviel liegen lassen.

Ich glaube an einen klaren Sieg für Oklahoma State, selbst im Stadion von Texas.

Pittsburgh Panthers – Utah Utes

Sonntag, 7h30 Tape bei ESPN America

Das Duell der Enttäuschten. Pitt (3-3) war in den letzten Wochen bis auf den klaren Heimsieg gegen die USF Bulls sehr mau unterwegs, wurde zuletzt sogar von den langjährigen Underdogs Rutgers 10-34 niedergemacht und kommt in der Offense trotz des großartigen RB Ray Graham nicht wirklich in die Gänge, dafür wirft QB Tino Sunseri einfach zu wenig kontinuierlich gefährlich. Utah (2-3) dagegen wartet nach seinem überfälligen Wechsel in eine BCS-Conference immer noch auf einen Erfolg in der Pac-12, wurde nacheinander von USC, Washington und zuletzt Arizona State geschlagen, respektive: Hat sich selbst geschlagen. Zehn Turnovers in den letzten beiden Spielen? Meine Fresse, das war man von Utah lange nicht mehr gewohnt. Die Probleme gehen aber darüber hinaus: QB Jordan Wynn ist im Krankenstand, Backup Jon Hays hat sich mit haufenweise Interceptions nicht gerade aufgedrängt. Riecht alles nach einem nicht so schönen Spiel…

Tennessee Volunteers – LSU Tigers

Sonntag, 10h Tape bei ESPN America

Ich hatte es schonmal verlinkt, aber weil es so – mit Verlaub – geil war, hier noch einmal das Video von der Mutter aller dramatischen Spielenden:

Das war vor einem Jahr bei LSU – Tennessee. Dieses Wochenende das 2011er-Match in der Heimat der anderen Mannschaft: Neyland Stadium/Knoxville, wobei die Vorzeichen diesmal andere sind. Im Gegensatz zu 2010 ist LSU nicht mehr “upstart”, sondern als #1 der AP Polls ein allgemein anerkannter Titelanwärter, vor allem aufgrund der bekannt groß aufspielenden Defense mit ihrem phänomenalen CB Tyranne Mathieu, aber in den letzten Wochen kam auch der Angriff besser in Schwung, was nicht nur an der Rückkehr von Kneipenschläger-QB Jordan Jefferson liegt, der in Trickspiel- und Options-Situationen eingewechselt wird.

Tennessee dagegen verfügt eigentlich auch über einen soliden Angriff, musste am Wochenende aber einen Rückschlag hinnehmen, als bekannt wurde, dass mit QB Tyler Bray der große Hoffnungsträger für rund einen Monat verletzt zuschauen wird müssen. Bei mir dominiert irgendwie der Grundgedanke, dass die Vols im Vergleich zum Vorjahr auf der Stelle treten, insgesamt nur eine leicht verbesserte Mannschaft sind.

LSU dürfte einen lockeren Erfolg einfahren, also diesmal kein „Wunder“ zum Erfolg.

Tapes nächste Woche

Iowa Hawkeyes – Northwestern Wildcats, Mo/20h Tape Eurosport 2. Das Duell zweier Enttäuschter in der Big Ten. Iowa ist extrem unbeständig in dieser Saison, verliert mal ein Offensivfeuerwerk gegen Iowa State, gewinnt ein rundum solides Spiel gegen Pitt und verliert dann eine Defensivschlacht gegen Penn State. Die Northwestern vergeigte zuletzt vor „eigenem“ Publikum (Michigans Fans schienen deutlich in der Überzahl) eine klare Führung, ist jedoch deutlich selbstbewusster, seit es wieder auf QB Dan Persa bauen kann. Ich halte es für ein offenes Spiel, da beide Teams enorm viele Gesichter zu haben scheinen.

#24 Auburn Tigers – Florida Gators, Di/11h30 ESPN America. Beide haben in dieser Saison so ihre Probleme aufgrund vieler Spieler- oder Trainerwechsel, mussten streckenweise mit Backup-QBs spielen und werden eher nicht zu den Titelanwärtern in ihren SEC-Divisionen gezählt. Die Gators haben allerdings die Chance, nach zwei K.O.-Schlägen gegen Alabama (10-38) und LSU (11-41) wenigstens teilweise Selbstvertrauen zurückzuholen – dafür muss aber die Lauf-Defense etwas besser funktionieren, nachdem die letzten beiden Wochen diesbezüglich grausam waren.

Ole Miss – #2 Alabama Crimson Tide, Mi/13h30 ESPN America. Ole Miss wird mit seiner lendenlahmen Offense überhaupt kein Land sehen, nicht mal im eigenen Stadion. Für Alabama geht es seit Wochen nur darum, wenigstens halbwegs den Fokus auf die jeweiligen Gegner zu halten, da alles vom vorgezogenen „Endspiel“ um SEC- und Landesmeistertitel spricht: Am 5. November geht es gegen LSU um alles.

#9 Oregon Ducks – #18 Arizona State Sun Devils, Do/16h ESPN America. Wichtiges Spiel im Autzen Stadium, da hier die Divisionsfavoriten im Norden und Süden aufeinander treffen. Für die Ducks könnte ein Sieg essenzieller sein, nachdem die Sun Devils im Süden konkurrenzlos sein dürften: Colorado, Utah und Arizona sind alle noch sieglos in den Conference-Spielen, USC spielt außer Konkurrenz, UCLA… UCLA? Keine Zeit zum Scherzen. Oregon muss allerdings wohl auf RB LaMichael James verzichten, der seit Wochen nur 200yds-Spiele verzeichnet, aber seinen Arm ganz böse ausgerenkt hat, sodass ich mir einen Einsatz angesichts der TV-Bilder kaum vorstellen kann. Oregon hat zwar gute Ersatzleute (RB Barner, RB Thomas), aber James ist gerade für diesen Topspeed-Angriff essenziell.

Das Livespiel unter dem Sonnengürtel

ESPN America zeigt in der Nacht von Dienstag/18.10. auf Mittwoch/19.10. ein Livespiel Arkansas State – Florida International aus der Sunbelt Conference (Wdh. Mi/16h), das allerdings bereits zur Woche 8 gehört. Es ist ein Spiel mit unerwarteten Vorzeichen, nachdem ASU die bessere Saisonbilanz besitzt, FIU jedoch bis vor kurzem eine ungeschlagene Saison zugetraut wurde, ehe die überraschenden Niederlagen gegen ULL (!) und Duke (!!!) folgten. FIU muss gewinnen, will es das Mindestziel „Sunnbelt-Champion“ weiterhin verfolgen. Außerdem dürfte es eine Chance geben, WR T.Y. Hilton (FIU) zu sehen, über den sich im September sämtliche Experten das Maul fusselig redeten, der stets für einen 70yds-Catch’n’Run gut ist.

College Football 2011/12, Woche 3 TV-Guideline

Es steht mal wieder ein langes, nein: laaaaaaaaaaaanges Wochenende im College Football bevor. Eine kleine Einstimmung.

Freitag, 16. September 2011

Michigan State – Florida Atlantic (11h30 bei ESPN America)
Mississippi State – Louisiana State (20h bei ESPN America)

Michigan State – FAU ist noch ein Spiel von vergangener Woche… taugt IMHO höchstens als Einstimmung auf das Livespiel der Spartans gegen Notre Dame am Samstag. #25 Mississippi State gegen #3 Lousiana State könnte dagegen eine höchst interessante Aufzeichnung werden. Die laufstarken, aber eben auch allein auf Lauf-Options bauenden Bulldogs lieferten vergangenes Wochenende einen Klassiker gegen Auburn, verloren am Ende um 10cm das Spiel und kommen daher angeknockt in dieses nicht unwichtige SEC-Spiel, blieben aber haarscharf in den AP- und Coaches-Polls. LSU fidelte in Woche 1 den spektakulären Lauf-Angriff der Oregon Ducks ab, kriegt mit Mississippi State nun den ersten Happen aus der SEC entgegen geworfen, sollte aber favorisiert sein, solange QB Jarrett Lee weiterhin den fehlerlosen Bürokraten gibt.

Samstag, 17. September 2011

Toledo – Boise State (12h30 bei ESPN America)
ESPN College GameDay (15h LIVE bei ESPN America)
Clemson – Auburn (18h LIVE bei ESPN America)
Purdue – Southeast Missouri (18h LIVE bei Eurosport 2)
Florida – Tennessee (21h30 LIVE bei ESPN America)
Florida State – Oklahoma (02h LIVE/18.9. Tape 10h30 bei ESPN America)
Arizona – Stanford (05h30 LIVE/ 18.9. Tape um 13h bei ESPN America)

Zur Einstimmung die Boise State Broncos gegen die Toledo Rockets, die am Samstag die Ohio State Buckeyes dann doch ärger als erwartet ins Schwitzen brachten und mit ihrem unkonventionellen Quarterback Austin Dantin um ein Haar die Jahrhundertsensation geschafft hätten (Ohio State hat nur einmal ein Spiel gegen einen innerstatlichen Rivalen verloren… 1921). Trotzdem darf man nichts anderes als einen klaren Sieg von Boise State auf deren Weg in Richtung BCS-Bowls erwarten, zumal mit zwei Wochen Vorbereitungszeit.

Abend und Nacht sind den großen Universitäten vorbehalten und ein bisschen blutet mir schon das Herz, dass ich vermutlich nichts davon sehen werde. Eines der Mottos des Abends dürfte sein: Die ACC ist auf Promotionstour. Die ACC ist eine Conference, die gefangen in ihrer eigenen Mittelmäßigkeit ist und daraus seit Jahren nicht ausbrechen kann. Nun treten zwei Schwergewichte gegen Schwergewichte an. Es geht um Reputation und vielleicht den Landesmeistertitel.

18h, das Raubkatzenduell Clemson Tigers vs. #21 Auburn Tigers aus dem fantastischen Memorial Stadium („Death Valley“). Bei Clemson weiß noch kein Mensch, wie die Mannschaft nach zwei Siegen gegen Troy und Wofford drauf ist, dafür hat man beim Gegner Auburn ein klareres Bild: Auburn ist fällig. Die Serie an hauchzarten Siegen, die schon vergangenen Herbst begann und sich heuer fortgesetzt hat, hält nicht mehr lange an, zumal ohne die wichtigsten Leistungsträger aus dem letzten Herbst. Heuer ist man 2-0, aber es brauchte die letzten Patronen und Beistände. Gegen Utah State hätte man ohne einen Freak-Onside Kick verloren, gegen Mississippi State rettete ein unglaublicher Goal Line Stand zweimal, beim zweiten Mal um wenige Zentimeter.

Einen traditionellen SEC-Wettkampf gibt es um 21h30 aus den Sümpfen von Florida, wo im Ben Hill Griffin Stadium (Spitzname „The Swamp“) die Florida Gators die Tennessee Volunteers empfangen. Beide mit 2-0 Bilanz, Tennessee durfte man dabei bereits kurz beobachten: QB Tyler Bray scheint ein starkes Standing zu besitzen, dazu überraschte der RB Tauren Poole zuletzt. Gegen Cincinnati brauchten die Vols in Offense und Defense ein paar Drives, um ins Spiel zu kommen, aber irgendwann im zweiten Viertel schaute die Sache dann recht rund aus. Bei den Gators auf der anderen Seite gibt es Hoffnung, dass die Beziehung zwischen dem neuen OffCoord Charlie Weis (ex-Pats, ex-Notre Dame) und dem im vergangenen Herbst so enteierten QB John Brantley „Klick“ macht: Brantley war in den ersten beiden Spielen souverän, die Gegnerschaft allerdings eher aus der unteren Kategorie. Die Vols werden der erste richtige Prüfstein für eine recht unerfahrene Gators-Truppe. Für eine Vorschau auf die SEC bitte hier entlang.

Wer es lieber noch traditioneller hat, kriegt auf Eurosport 2 LIVE den ewigen Klassiker Michigan State Spartans vs. Notre Dame Fighting Irish serviert. Notre Dame steht nach einem ernüchternden Start vor einer 0-3 Bilanz und einer Stimmungs-Implosion. Die Niederlage gegen Michigan hatten so starken Freak-Charakter, dass es schwer ist, hieraus Folgerungen zu schließen – Fakt ist: Die Offense scheint mit QB Tommy Reed langsam auf Trab zu kommen, während es zuletzt in der Defense ärgere Deckungsprobleme als erwartet gab. Michigan State ist noch recht ungetestet, aus dem Vorjahr aber als extrem unspektakuläre, rundum solide und fast immer gefestigt spielende Mannschaft in Erinnerung. Sub-Plot zum Spiel: Vor fast genau auf den Tag vor einem Jahr siegte Michigan State in dieser Partie dramatisch, und nur wenige Stunden nach dem Overtime-Thriller ließ sich Michigan States Head Coach Mark Dantonio mit Schmerzen in der Brust ins Krankenhaus einliefern. Herzinfarkt. Dantonio kehrte erst gegen Saisonende wieder zurück und dürfte am Samstag selbst in Notre Dame ein gefeierter Mann sein.

02h, das Knallerspiel, vielleicht das wichtigste out of conference-Spiel der Saison im College Football, #5 Florida State Seminoles vs. #1 Oklahoma Sooners live aus dem Doak Campbell Stadium, das vermutlich so aufgeladen wie seit zehn Jahren nicht mehr sein wird. Die Seminoles leben heute immer noch von jener Zeit, als sie in den 90ern jahrelang und ohne Unterbrechung Titelkandidaten im College Football waren. Das 2000er-Jahrzehnt war dann allerdings geprägt von Siechtum unter einem immer älter werdenden Head Coach Bobby Bowden, den man letztendlich vor zwei Jahren recht schroff entsorgte, um den dynamischen, offensivorientierten Jimbo Fisher zu befördern. Die Debüt-Saison 2010/11 unter Fisher war eine kleine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Tiefste Tiefe: Ein 17-47 auswärts bei den Oklahoma Sooners.

Nun das Re-Match, und die Seminoles sind basierend primär auf Reputation an #5 gerankt, haben in den ersten beiden Spielen lockere Heimsiege eingefahren und kommen als Unbekannte in dieses Spiel. Kein Mensch kann abschätzen, wie gut die Mannschaft wirklich ist, da sie einem solchen Test wie den Sooners schlicht seit jenem Spiel im Vorjahr nicht ausgesetzt war. Es ist auch ein Spiel, in dem die gesamte ACC auf dem Prüfstand steht. Ein Sieg über die #1 könnte einiges tun, um den Ruf einer vergammelnden Conference wieder aufzupolieren.

Die Sooners ihrerseits spielen in einer auf breiter Basis deutlich ausgeglicheneren, hochwertigeren Big 12 (noch zumindest) und gehören dort unter Head Coach Bob Stoops (seit 2000) Jahr für Jahr ohne Unterbrechung zu den Topteams, sind fast immer irgendwo in der Nähe der Top-10 gerankt. Der Knackpunkt: Nur allzu oft scheitern die Sooners an den Herausforderungen, wenn es um das National Title Game geht, verlieren unmotiviert ein Spiel und fallen aus den Top-2. Dieser Tage werden diese Geister wieder beschwört.

Oklahoma muss bei Florida State diese Dämonen besiegen, um nicht wieder zu fallen. Man ist an #1 gerankt und das Fenster für den Erfolg könnte sich nach dieser Saison schließen, wenn QB Landry Jones, WR Ryan Broyles und der aktuell verletzte Super-LB Travis Lewis die Uni verlassen, und abseits des Feldes Ungewissheit über die zukünftige Conference-Zugehörigkeit der Universität herrscht.

In der Nacht noch die Arizona Wildcats gegen die Stanford Cardinal in Tucson, ein Spiel mit Pac-12-Relevanz, aber nicht eines, das nach viel Spannung riecht: Die Wildcats wurden vergangenes Wochenende von den Oklahoma State Cowboys und ihrem QB Brandon Weeden zerlegt. Weeden ist ein sehr guter Quarterback, aber nun kommt der Quarterback des College Football daher: Andrew Luck, nach allgemeinem Konsensus der #1-Pick im kommenden NFL-Draft und der Mann, für den manche NFL-Owner eine Katastrophensaison hinnehmen würden.

Stanford hat einige Wechsel in der Offseason hinnehmen müssen, inklusive des Abgangs von Trainer Jim Harbaugh, aber man zählt die Mannschaft weiterhin zur Elite, und das einzig dank Luck.

Sonntag, 18. September 2011

TBD (8h00 bei ESPN America)

Um 10h30 und 13h werden die Nachtspiele wiederholt. Das 8h-Spiel ist nicht bekannt – vor ein paar Wochen hatte ESPNA da Nebraska CornhuskersWashington Huskies drin. Falls es dieses Spiel sein sollte, ist es die dritte Begegnung innerhalb eines Jahres zwischen den beiden. Im vergangenen September begann der Stern von QB Jake Locker nach einer verheerenden Vorstellung gegen Nebraska zu sinken. In der Bowl Season gewannen dann überraschend die Huskies, 19-7 und es war ein scheußliches Spiel. Nebraska gilt heuer als verwundbar, vor allem gegen humorloses Laufspiel über die Mitte scheint die Defensive Line arg verwundbar zu sein. Fresno State wäre mit dieser Taktik fast zum Erfolg gekommen. Washington bringt nun mit RB Chris Polk einen der gefährlicheren Running Backs daher…

Dienstag, 20. September 2011

B.Y.U. – Utah (11h bei ESPN America)

Ein religionsaufgeladenes Spiel zweier mormonisch geprägter Universitäten, das The Holy War genannt wird – darüber gab es gestern ein kleines Stück auf diesem Blog zu lesen. Beide Universitäten sind seit ein paar Jahren recht ambitioniert, streben nach Höherem und sind daher aus der kleinen Mountain West Conference ausgetreten. Utah in die Pac-12, eine BCS-Conference, Brigham Young in die Unabhängigkeit, um langfristig ein mormonisches, westliches Gegenstück zur Notre Dame University aufzubauen. Beide haben am vergangenen Wochenende dezente Enttäuschungen gegen ganz große Gegner einstecken müssen.

Utah verlor das emotional wichtige Conference-Duell bei den USC Trojans 14-23, ein kurioses Spiel mit kuriosem Spielende: Bei 14-17 hatte Utah die Chance, per Field Goal auszugleichen. Der Kick wurde geblockt und mit auslaufender Uhr zum Touchdown zurückgetragen – mit Hundertschaften an Trojans, die den Returner Torin Harris auf dem Weg in die Endzone begleiteten. Die Flaggen flogen, und die Medien nahmen an, der TD wäre aberkannt worden – es ist möglich, Scores abzuerkennen, wenn Spieler auf dem Weg in die Endzone mit dem Jubeln beginnen. Nun hat aber ausgerechnet Harris nicht gejubelt, die Flaggen flogen einzig wegen der vielen Studenten auf dem Feld. Um 22h Ortszeit wurde das offizielle Endergebnis von 14-17 auf 14-23 hochgeschraubt, nicht unwesentlich für die Wettbüros: Der Spread hatte ausgerechnet 8,5 Punkte betragen!! Für Utah wurscht, da die erste Belastungsprobe als BCS-Mitglied nicht bestanden wurde und die große Chance, das Monsterprogramm USC zu putzen, verpasst wurde.

BYU dagegen verlor nach einer desaströsen offensiven Laufleistung 16-17 bei einem anderen Giganten, Texas. Hoffnungsschimmer: QB Jake Heaps soll ordentlich gespielt haben, wie auch die Front Seven – und man kann sich wohl auf die Fahnen schreiben, die turbulente Zeit von QB Gilbert in Texas beendet zu haben.

Diesmal geht es zwischen den beiden bei aller konfessionellen Rivalität sportlich primär um Reputation, darum, wer fürs nächste Jahr mit einem Grinsen durch die Weiten von Utah fahren kann. Fleißaufgabe für die TV-Gucker: Impressionen vom wunderschönen Panorama um das BYU’sche LaVell Edwards Stadium erhaschen.

Mittwoch, 21. September 2011

Connecticut – Iowa State (11h30 bei ESPN America)
Iowa – Pittsburgh (14h bei ESPN America)
Miami – Ohio State (16h30 bei ESPN America)

Iowa und Iowa State haben sich vergangenen Samstag im Zuge des „Cy-Hawk-Trophy“-Spiels die Kante gegeben, nun gibt es beide bei ESPN America als Aufzeichnung zu sehen: Iowa State bei UConn, das zuletzt eine ganz böse Schlappe gegen den SEC-Zwerg Vanderbilt kassierte, Iowa gegen Pitt.

Bei den Iowa State Cyclones redet man sich über den neuen QB-Stern Steele Jantz das Maul fusselig, während UConn schon über den neuen Coach Paul Pasqualoni zu diskutieren beginnt. Iowa? Iowa? Für die Hawkeyes war es mal wieder eine unerwartete, bittere Schlappe gegen vermeintlich unterlegene Konkurrenz.

Pitt hat nur ein blaues Auge davongetragen, wäre am Wochenende fast gegen die FCS-Winzlinge von Maine gefallen, kassierte 7 Sacks und 2 INTs, wurstelte sich aber am Ende zum knappen 35-29, bevor Headcoach Todd Graham sich in der PK einen Versprecher gönnte: „Their guys played hard, they’re well coached, and it is one of these games where we played to the level of competition.“ Nicht nett gemeinte Worte für die eigene Mannschaft, ein Schlag auf die Fresse für den Gegner.

Und dann wäre da noch die „Cheater Bowl“, das Spiel zwischen den Miami Hurricanes und den Ohio State Buckeyes. Beiden Programmen flogen in der Offseason die Skandale um die Ohren, an der so sehr auf Konventionalität bedachten Ohio State University wurden der Quarterback Terrelle Pryor und Pinocchio-Headcoach Jim Tressel nach dem Aufkommen etlicher Lügen rausgeschmissen, während der Skandal in Miami alle bisherigen Dimensionen sprengt, was aufgekommene Ungereimtheiten betrifft, inklusive acht Jahre langer Ignoranz eines persönlichkeitsgestörten Boosters bis hin zu Stripclubs und bezahlten Abtreibungen. Fälle, die die NCAA-Moralapostel nach ihrem eigenen bizarren Regelwerk eigentlich nicht ohne Sanktionen aufarbeiten können – trotzdem dürfen beide vorerst weiterhin im nationalen Fernsehen um Punkte und Touchdowns kämpfen. Spötter meinen, eigentlich sollten sich die beiden in den luxuriösen Büros des NCAA-Kartells ins Indianapolis treffen.

College Football 2011/12, Woche 2 TV-Guideline

Nachdem ich vom 15-stündigen Auftaktmarathon in der Nacht auf und am Morgen des Sonntags wieder erholt bin, steht neben dem NFL-Start auch Woche 2 im College Football an, diesmal mit „nur“ drei Livespielen, aber das Programm ist mit TV-Bildern von zehn vollen Spielen insgesamt wieder nicht ohne.

(Rankings beziehen sich auf die AP-Abstimmung.)

Freitag, 9. September 2011

Oklahoma State – Arizona (14h, ESPN America)
Arizona State – Mizzou (04h30 LIVE/Nacht auf Samstag, 10.9. 12h30 als Tape ESPNA)

#9 Oklahoma State und Arizona sind beide mit Auftaktsiegen über inferiore Konkurrenz gestartet, wobei Cowboys-QB Brandon Weeden sich eine zeitlang überraschend fehleranfällig präsentierte und die Offense insgesamt nur 312yds machte – für die Cowboys ungewöhnlich wenig.

Es ist ein Spiel zweier offensivstarker Mannschaften mit zwei starken Quarterbacks (Weeden und Arizonas Nick Foles), wobei OSU hier auf den ersten von zwei Stoops‘ treffen wird: Arizonas Cheftrainer ist Mike Stoops, Bruder vom Sooners-Mann Bob. In der Bowl Season 2010/11 gab es das Spiel schonmal (Alamo Bowl), dort machten die Cowboys Arizona 36-10 nieder. Nun die Revanche, es jedoch fraglich, ob Arizona mit dem Kopf bei der Sache ist: Die nächsten beiden Spiele sind deutlich wichtiger, es geht gegen Oregon und Stanford aus der Pac-12…

Das zweite Spiel Pac-12 gegen Big 12 wird in der Nacht auf Samstag live geben, und es ist ein Spiel mit erhöhtem Upset-Potenzial: Die Arizona State Sun Devils von Headcoach Dennis Erickson werden in manchen Kreisen als Geheimfavorit gehandelt, während #21 Mizzou zwar noch in den Rankings steht, aber man erwartet heuer keine Wunderdinge und vor allem: Die Eröffnung von Miami/OH (17-6 Sieg) war keine Offenbarung. Ein Auge sollte man auf die Quarterbacks werfen: ASUs Brock Osweiler ist ein Riese (2,03m) mit fassungslos langen Armen, Mizzous James Franklin hat am Samstag sein Debüt gegeben und sich danach selbst so dermaßen in die Pfanne gehauen, dass die nächste Konsequenz nur ein sofortiger Rücktritt durch Selbstaufgabe gewesen wäre.

Was dagegegen automatisch ins Auge fallen dürfte, ist die neue, konsequent in schwarz gehaltene Uniform der Sun Devils – ein Novum in der Universitätsgeschichte.

Samstag, 10. September 2011

ESPN College GameDay (15h LIVE bei ESPN America)
Wisconsin – Oregon State (18h LIVE bei ESPN America)
Penn State – Alabama (21h30 LIVE bei ESPN America)
Michigan – Notre Dame (02h LIVE/11.9. 13h als Tape bei ESPN America)

Dreimal Sabbern für Fans von TT („Tonnen Tradition“) bei drei sportlich mittelmäßig interessanten „non-Conference“-Spielen. #8 Wisconsin hat sein Auftaktspiel locker 51-17 gegen UNLV gewonnen, mit angezogener Handbremse in Sachen „Pass Rush“ und einer recht soften Lauf-Defense. Gegner Oregon State spielte mit haufenweise Freshmen gegen einen FCS-Gegner Sarcramento State und VERLOR (!) ZU HAUSE (!!) in der Overtime 28-29, wodurch erstmals ganz leises Flüstern über die Tätigkeit von Headcoach Mike Riley zu vernehmen war. Aber aufgepasst: Die Beavers sind die ultimativen Underdog-Spezialisten, gewannen zehn der letzten 13 Partien wenn nicht favorisiert. Oregon State gewann auch die letzten beiden Spiele, wenn sie mit mehr als zwei Touchdowns Spread als Underdog galten. Der Spread diesmal: 21 Punkte…

#23 Penn State gegen #3 Alabama ist das Duell zweier Teams mit Stadien gigantischer Ausmaße. Diesmal findet die Partie im Beaver Stadium von Penn State statt, leider wieder „nur“ am Nachmittag amerikanischer Ortszeit. Alabama gilt als klarer Favorit und könnte motiviert sein, nachdem sie trotz lockerer Auftaktpartie in den Polls von #2 an #3 zurückversetzt wurden – IMHO unverständlich.

Hype, nein: HYPE, gibt es um das ESPNA-Nachtspiel, Michigan Wolverines vs. Notre Dame Fighting Irish. Gestatten, zwei ganz große Programme im US-Norden, zwei langjährige Rivalen (auch wenn sie nicht mehr jedes Jahr gegeneinander spielen), und ein Stadion. Das Michigan Stadium („The Big House“, 113.000 Plätze).

Das Stadion dürfte mittlerweile ein paar Jahrtausende alt sein, aber am Samstag erlebt es das erste Spiel bei Nacht. Yadda! Da werden seitenlange Interviews gefahren, in denen Spieler stolz erzählen, dass sie das Gefühl, bei Nacht zu spielen, bereits kennen. Aus dem vergangenen Jahr. Damals spielten sie auswärts bei Penn State. Für das Spiel wurde extra eine temporäre Licht-Anlage in der gigantischen Schüssel von Ann Arbor installiert.

Die größere sportliche Bedeutung dürfte die Partie für Notre Dame haben, die nach dem überraschenden wie desaströsen Auftakt gegen USF (20-23 verloren) schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Eine weitere Niederlage dürfte die Saison frühzeitig begraben.

Notre Dames Chefcoach Brian Kelly hat bereits reagiert und QB Dayne Crist durch QB Tommy Reed ersetzt. Zwei nicht wirklich erbauliche Optionen, aber während die Offense unter Crist am Samstag tot war, lief es unter Reed trotz schlecht getimter Turnovers deutlich, sehr deutlich flüssiger.

In der Defense müssen die Fighting Irish insbesondere auf QB Denard Robinson aufpassen, der vergangene Saison 258yds rushing gegen Notre Dame machte.

Nebenschauplatz sind die Gerüchte, wonach die Big Ten wieder verstärkt ihre Fühler in Richtung Notre Dame ausstreckt. Commissioner Jim Delaney gilt als Fan dieser Idee, die sich vereinzelt, aber immer und immer wieder zwischen den Zeilen herauslesen lässt und auch für Notre Dame interessant sein dürfte: Je nach Quellenangabe variieren die Unterschiede in den TV-Verträgen Notre Dame vs. „beliebige BigTen-Uni“ bis hin zu einem Spread von 7 Millionen Dollar/Jahr. Zu Ungunsten Notre Dames…

Sonntag, 11. September 2011

Tennessee – Cincinnati (8h bei ESPN America)
Texas – BYU (10h30 bei ESPN America)
Ohio State – Toledo (11h-12h45 bei Eurosport 2)

Die Upset-Warnung kommt von Playbook.com:

Tennessee head coach Derek Dooley is 0-13 straight-up in games against opponents with a win percentage of -750 or more on the season.

Äh, ja. Cincinnati ist nach dem 72-10 über das drittklassige Austin Peay 1.000.

Die Brigham Young Cougars haben ihren Gang in die Unabhängigkeit mit einem knappen, unspektakulären 14-13 bei Ole Miss begonnen und dabei zu keinem Zeitpunkt geglänzt. Nun wartet das nächste Auswärtsspiel, diesmal in Austin gegen die #24 Texas Longhorns, die ihrerseits in regelmäßigen Abständen als künftiger Independent gehandelt werden, allerdings zuletzt wieder Verhandlungen mit der Pac-12 aufgenommen haben sollen.

Thema in den Print-Gazetten von Austin (namentlich „Austin American-Statesmen“) ist seit Tagen überraschend weniger die Pac-12, dafür die Defense der Longhorns: Texas‘ DefCoord Manny Diaz wird nicht müde zu betonen, wie wenig das BYU, das Quarterbacks wie Steve Young, Ty Detmer oder John Beck in die NFL gebracht hat, mit dem heutigen BYU gemein hat. Von einstiger Finesse im Passspiel wurde auf brachiale, simple Laufgewalt umgestellt. Dazu kommt wie immer bei mormonischen Universitäten, dass die Spieler körperlich ein, zwei Jahre weiter sind als ihre Gegner: Die meisten Studenten arbeiten zwei Jahre in der Mission, natürlich nicht ohne tägliches Training. Entsprechend Schiss haben die Longhorns-Trainer vor der massiv gebauten Offensive Line und Defensive Front Seven der Coogs.

Ab 11h bringt Eurosport 2 ein Spiel vom Big Ten Network: #15 Ohio State gegen die Toledo Rockets aus der Mid-American Conference. Die Buckeyes hatten letzten Samstag kein wirklich schweres Auftaktprogramm gegen Akron, gewannen schaumgebremst locker 45-0. Auch Toledo zeichnet sich nicht durch Punktegewalt aus, hat noch nie gegen Ohio State gepunktet. Allerdings verfügen die Rockets über eine Defense, die sehr turnovergierig und mit viel Feuer spielt – ich sehe kein Upset-Potenzial, obwohl die Buckeyes schon die „Cheater Bowl“ nächste Woche in Miami/FL im Hinterkopf haben dürften.

Dienstag, 13. September 2011

Georgia – South Carolina (11h30 bei ESPN America)

Nicht unwichtiges Divisionsspiel aus der SEC East, das traditionell Mitte September stattfindet: Georgia Bulldogs gegen #12 South Carolina Gamecocks, die beiden vermeintlichen Favoriten in dieser Division um den Einzug ins SEC-Endspiel. Georgia wurde am Wochenende von Boise State übel abgewürgt und streckenweise in Grund und Boden gespielt, wobei vor allem die Offensive und Defensive Lines mehrere Drives lang schwer übermannt wurden.

Keine guten Voraussetzungen für einen Gegner South Carolina, die sich zuletzt sehr lauffreudig zeigten (und mit ihrer unsicheren QB-Situation auch müssen); vergangene Saison gewann South Carolina 17-6 mit einer Unmasse an Ground Game (51 Läufe, inklusive das coming out des damaligen Freshman-RB Marcus Lattimore), und so wenig überzeugend wie Georgias D-Line gegen Boise spielte…

Dieses Jahr hat Georgia seinen gehypten Freshman-RB: #7 Isiah Crowell, der gegen Boise trotz zig verschiedener Varianten im Playcalling keinen Stich machte, weil er keine Blocks bekam. Das Spiel dürfte auch Auswirkungen auf das Rennen um die BCS-Meisterschaft haben, da mit einem klaren oder auch nur überzeugenden Sieg Georgias gegen den SEC-East-Favoriten Gamecocks Boises „Credibility“ deutlich steigen würde…

Donnerstag, 15. September 2011

Louisville – FIU (11h30 bei ESPN America)

Wir bekommen einen Blick auf Louisville und deren Spielsystem unter dem Coach im zweiten Jahr, Charlie Strong. Louisville machte im Auftaktspiel gegen Murray State… 21 Punkte? Ganze 21 Punkte?

Freitag, 16. September 2011

Michigan State – Florida Atlantic (11h30 bei ESPN America)

Mit Dank an den Kommentator Raincoaster. Für Michigan State ist es das Spiel zum Einrollen für das Rivalitäten-Spiel gegen Notre Dame (wird nächste Woche live bei Eurosport 2 übertragen).

College Football 2011/12 Preview: Southeastern Conference (SEC)

Zum Abschluss des Vorschau-Marathons auf die College-Footballsaison heute die Conference der Conferences – die #1 im Sportlichen, die #1 im Folkloristischen, die #1 im TV-Programm von ESPN America. Welcome to the South, Welcome to the SEC mit ihren dieses Jahr wohl sportlich etwas ungleich verteilten beiden Divisions. Wir beginnen mit der schwächeren.

SEC East

Seit der Ankunft von Urban Meyer hatten die Florida Gators die SEC East dominiert. Meyer trat Ende 2009 zum ersten Mal für ein paar Tage zurück, kam dann doch zurück – und hätte es besser sein gelassen. Sagenhaft, wie schlecht vorbereitet Florida im vergangenen Herbst oft wirkte, sagenhaft wie leblos Team und Coach die Spiele bestritten – nirgendwo besser beschrieben als in diesem Absatz von Saturday Down South:

Fans that had been used to the enthusiastic leadership of Tim Tebow and the speed of the many playmakers now were asked to root for a team with a skittish quarterback who was asked to split time with a receiver and a tight end and who apparently could only throw five-yard outs, a running back that sends death threats to his girlfriends, and a coach that not only looked burnt out but disinterested.  It was a mess of a season.

Meyer ist weg, der Anti-Meyer ist da: Will Muschamp, ehemaliger Defensive Coordinator der University of Texas, ein Mann der SEC, Head-Coach-Neuling und Rumpelstilzchen in einer Person.

Muschamp straffte gegenüber dem laxen Meyer die Zügel an, schmiss Studenten, die sich daneben benahmen eiskalt von der Uni und nahm auch keine Rücksicht vor großen Namen (CB Janoris Jenkins, anyone?) und brachte mit OffCoord Charlie Weis einen Mann an Bord, der die fassungslos orientierungslose Offense wieder auf Trab bringen kann.

Florida spielte zuerst, als ob Meyer tatsächlich den fußlahmen QB John Brantley als Tebow-Nachfolger in einer Run-Optionoffense angedacht hatte. Später wurden Wide Receivers oder Tight Ends als Quarterbacks eingesetzt, während Brantley nur in aussichtslosen Situationen reinkam, logischerweise floppte und bei den Fans bereits unten durch ist. Unter Weis sollte der Pocket Passer Brantley trotzdem erstmal die #1 sein, da sämtliche Ersatzleute grün bis hinter die Ohren sind.

Das Laufspiel wird von RB Chris Rainey (der Mann mit den Morddrohungen) und dem verletzungsanfälligen RB Jeff Demps getragen, dazu gibt es den interessanten WR/RB/QB Trey Burton, der aus einer ansonsten gesichtslosen Masse an Ballempfängern herausragt. Problem in der Offense: Die Line wird rundumerneuert. Dafür sollte die Defense unter Muschamp aufleben, trotz der großen Abgänge. DE/OLB Ronald Powell ist so ein Pass Rusher, über den man bisher nur Gutes hört.

Floridas großer historischer Rivale sind die Georgia Bulldogs aus Athens (1h von Atlanta) – man darf sich Allerheiligen für Allerheiligen am großen rivalry game der beiden in Jacksonville erfreuen („World’s Largest Cocktail Party“).

Georgia geht in die Saison mit einem langjährigen Head Coach, der Platz genommen hat auf dem Schleudersitz. Mark Richt gilt als lame duck und kann sich praktisch kaum noch retten. Da nützt auch der womöglich beste Quarterback der SEC wenig: Aaron Murray. Richts Offense ist bei aller Tradition immer noch laufbasierend, was zuletzt überhaupt nicht mehr funktionierte. Mit RB Isaiah Crowell kommt ein Riesentalent frisch aus der Highschool, aber wenn man seine Offense zwei jungen Hüpfern wie Murray/Crowell anvertrauen muss…

Georgia wird das alles ignorierend eine Außenseiterchance auf den Divisionstitel eingeräumt, trotz der mäßigen Defense und der zu erwartenden Probleme im Angriff. Spiel der Saison, zumindest für die Traditionalisten, dürfte aber der out of conference-Opener am Samstag sein, wenn es im Georgia Dome von Atlanta gegen die Neureichen von der Boise State University geht. Vor sechs Jahren gab es das Duell schon mal. Damals prügelte Georgia die Broncos 48-13 nach Hause. Diesmal kommt der Winzling als sportlicher Favorit – für Richt könnte dieses Spiel den Untergang einläuten.

Ihre Probleme mit den Head Coaches hat die University of Tennessee erstmal hinter sich. Jahrelang hatte die Legende Philip Fulmer in Knoxville gecoacht, bis das Großmaul Lane Kiffin kam – und nach einem Jahr wieder gen USC verschwand, inklusive des halben Trainerstabs und der größten Top-Talente. Seit einem Jahr ist daher der bis dato unbekannte Derek Dooley am Kommandostand. Dooleys Rookie-Saison galt dank Siegesserie zum Ende hin als solide und unspektakulär, mit dem einen Moment für die Ewigkeit. Es ist ein Moment, der so fassungslos war, dass ich aus tiefstem Herzen dieses Video empfehle:

Betonfrisur Dooley wird 2011/12 als weiteres Aufbaujahr für die Volunteers benutzen, für den jungen QB Tyler Bray, für die junge Defensive Line, für den gesamten Trainerstab. Man rechnet mit sieben oder acht Siegen.

Ein paar dutzend Kilometer weiter westlich spielen in Nashville die Vanderbilt Commodores, im Gegensatz zum Giganten Tennessee/Knoxville ein ganz kleiner Fisch in der SEC und nach 2-10 und Trainerwechsel mal wieder mit dem Versuch eines Neuaufbaus. Rookie-Head Coach ist James Franklin, nur Vanderbilts zweite Wahl (nach Gus Malzahn), ein Mann, der als Nachfolger von Ralph Friedgen in Maryland übergangen wurde und sich dort Mangini-like unbeliebt machte, als er versuchte, dutzende Trainer gegen den Willen des dortigen Regimes mitzulotsen. Franklin ist ein junger Charismatiker, der als exzellenter Recruiter gilt und dessen Hauptaufgabe es sein wird, die Offense wiederzubeleben.

Um QB Larry Smith wird es wie jedes Jahr Theater geben (sprich: Man wird versuchen, ihn zu ersetzen), und mit Jordan Rodgers hat Franklin auch einen talentierten Mann in der Hinterhand. Quarterback? Rodgers? Rüschtisch. Wir sprechen von Aarons kleinem Bruder.

Wie Vanderbilt sind auch die Kentucky Wildcats ein alljährlich willkommener Gegner in der SEC, oder anders gesagt: Ein sicherer Sieg. Kentucky verliert seit gepflegten 26 Jahren JEDES JAHR gegen den Erzfeind Tennessee, darf aber trotzdem häufig bowlen gehen, und immer nach demselben Schema: 2-6 Bilanz in der SEC und dann würgt man ein 4-0 gegen schwache Gegnerschaft out of conference heraus. Head Coach ist mit Joker Phillips ein fanatischer „Kentucky Man“, doch Phillips sucht nach seiner Debütsaison immer noch nach dem richtigen Abwehrschema. Somit bleibt für Kentucky wie immer das 4-0 OOC, der Sieg über Vanderbilt und ein Überraschungssieg gegen eine andere SEC-Uni, um die nötigen sechs Siege für die Bowl Season zusammenzuklauben.

Einer fehlt noch – der allgemein anerkannte Divisionsfavorit, die University of South Carolina Gamecocks mit ihrem Head Coach Steve Spurrier („Fun’n’Gun“) und ihrem auf und neben dem Spielfeld unterhaltsamen magischen Angriffsdreieck QB Stephen Garcia, RB Marcus Lattimore, WR Alshon Jeffery.

Garcia ist eigentlich eine Knalltüte von einem Charakter, nicht in der Lage, sich länger als drei Monate an konventionelle Verhaltensweisen zu halten, aber Spurrier ist durch Kaderengpässe gezwungen, den Teufelspakt mit Garcia einzugehen. Lattimore ist einer meiner favorisierten Running Backs, für mich ein Favorit auf die Heisman Trophy, wie auch Jeffery, einer meiner Lieblings-Receiver, der immer und ausschließlich in kritischen Situationen angespielt wird – und trotz Doppel- und Dreifachdeckung fast immer mit dem Catch die Angriffsserie am Leben hält.

Ein bisschen Zweifel habe ich ob der Defense, die vor allem im Backfield doch recht leicht auseinanderzunehmen ist, was sich in der SEC aber aufgrund der Lauforientierung vieler Mannschaften nicht allzu schwer auswirken könnte. Gefühlt müsste South Carolina die East-Division gewinnen, solange Garcia nicht wieder Stunk veranstaltet.

SEC West

Kaum jemand bezweifelt, dass die SEC West aktuell die hochwertigste Division im College Football ist. Und das mag ein Understatement sein, denn wir können getrost von „mit Abstand hochwertigst“ sprechen.

Die Leistungsdichte ist so massiv, dass es in der Sechser-Division nicht vermessen ist, die Auburn Tigers als bloß fünftstärkstes Team anzusehen. Zur Einordnung: Wir sprechen hier nur bloß vom SEC-Champ, sondern vom National Champion 2010/11. Auburn hat allerdings einen heftigen Abfluss an Spielertalenten hinnehmen müssen, was sich so liest: Nur 3 Starter in der Offense, und 4 Starter in der Defense kehren für diese Saison zurück. 7/22 der ersten Auswahl vom vergangenen Herbst. Und die Abgänge haben sich auch qualitativ gewaschen: QB Cameron Newton und DT Nick Fairley, beide die essenziellen Bestandteile ihrer Units, ohne die Auburn nicht mal in den Top-25 gerankt gewesen wäre.

Nun vertraut man auf das Offensiv-Genie Gus Malzahn und die ruhige Hand von Head Coach Gene Chizik, der nach dem Meistertitel erstmal von allen Zweifeln befreit ist. In der Offense wird RB Michael Dyer der Dreh- und Angelpunkt sein, den Quarterback wird vorerst Barrett Trotter geben, wobei es in Malzahns QB-freundlichen Angriffssystemen oft wurscht ist, wer denn nun spielt – gute Zahlen produzieren sie alle. Wichtig für Auburn: Der RedZone-Mann TE Phillip Lutzenkirchen ist noch da, was eminent wichtig sein dürfte.

Auburn, und darin sind sich alle einig, muss in dieser Saison die einjährige Vorherrschaft im eigenen Bundesstaat hergeben, denn die Alabama Crimson Tide gelten nicht nur als SEC-Topfavorit, sondern auch als heißer BCS-Kandidat (#2 in den Polls) – für mich ist Alabama der unumstrittene Topfavorit auf den Landesmeistertitel, auch wenn mit QB McElroy, RB Ingram und WR Jones die drei besten Angreifer und mit DT Dareus der beste Abwehrspieler gegangen sind. How that?

Alabama hat mit Nick Saban einen Trainerfuchs, der seine Teams vor allem um eine bärenstarke Defense und eine lauforientierte, fehlerlose Offense baut. Und „bärenstarke Defense“ darf man heuer erwarten, nachdem eine völlig umgekrempelte Unit 2010/11 schon phasenweise wie eine einzige Naturgewalt daherkam.

Es ist eine 3-4 Defense mit einem extrem guten Pass Rusher in DE/OLB Courtney Upshaw, aber der Mann, der sofort ins Auge sticht, ist ein anderer: MLB Dont’a Hightower, ein sensationeller Spieler, pfeilschnell trotz 1,93m und 118kg und ein Leadertyp par excellence. Die Front Seven dürfte die beste im College Football sein. Mit Abstand. Und die Secondary ist um S #4 Mark Barron gebaut, dem sämtliche Gurus eine hohe Position im kommenden NFL-Draft voraussagen.

Die Offense dürfte auf eine sehr gute Line bauen, hinter der RB Trent Richardson seine vielen Yards machen kann. Richardson war nun jahrelang Backup von Mark Ingram, einem Heisman-Trophysieger, wobei ich Richardson stets als besseren, variableren, gefährlicheren Spieler als Ingram ansah. Ich in gespannt, wie sich der Mann nun macht, wenn er die Offense mit einem neuen Quarterback tragen muss – ich sage mal mindestens 1200yds voraus. Bei den Quarterbacks scheint noch nicht klar, ob A.J. McBarron oder der unerfahrene Phillip Sims starten werden – McBarron wurde in der Iron Bowl in einer bitterbösen Situation ins Spiel geworfen und brachte nichts zustande. Ich bezweifle allerdings die Aussagekraft dieser zwei Minuten Einsatzzeit.

Zu guter Letzt ist Alabama on mission. Im Frühjahr wurde die Heimatstadt der Uni, Tuscaloosa, von einem schweren Unwettersturm verwüstet, die Region ächzt immer noch heftig unter den Nachwirkungen, sogar das heimische Bryant Denny Stadium wurde ärger in Mitleidenschaft gezogen – kombiniert mit dem emotionalen Tod eines Mitspielers in der Offseason ist Alabama auch so etwas wie ein sentimentaler Favorit vieler Leute im US-Süden.

Wie las ich diese Woche in der Printausgabe der Los Angeles Times?

Los Angeles Times - Alabama

Die L.A. Times schrieb diese Woche über die Spätfolgen des april'schen Tornados - Bildrechte: Los Angeles Times (Klick auf das Bild führt zum onlinegestellten Artikel)

Will it be tough for Alabama to win the national title this year?

Yes. The Crimson Tide has moved on without quarterback Greg McElroy and running back Mark Ingram — pillars from the 2009 title team.

Will it be tough to root for Alabama to win it all this year?

No.

Alabama football has a divisive component that comes from years of unparalleled success and the self-righteousness that sometimes accompanies it.

Saban is not a drippy, sentimental man who needs a hug. You can barely talk to him at all once the season starts.

Everyone, though, can appreciate Saban’s posttraumatic resolve. Everyone can wrap their arms around Tuscaloosa. No football town in America has been so devoted and destroyed.

Wenn wir von Titelanwärtern mit starken Defenses reden, sollte man nicht an den Louisiana State Tigers vorbeidiskutieren. LSU hatte im Vorjahr seine glücklichen Momente (siehe Video oben), sollte heuer reifer, erfahrener sein und trotz einiger Fragezeichen irgendwo in BCS-Bowlnähe mitmischen können.

Allerdings steht Head Coach Les Miles bei mir nicht im besten Ruf – wenn es haarig wird, hege ich nur wenig Vertrauen in diesen Mann und ich kann nicht erklären, warum. Miles muss in dieser Saison vor allem schauen, dass die Offense hinkommt, nachdem QB Jordan Jefferson nach einer Kneipenkeilerei arge Probleme mit der Justiz hat und vorerst die wandelnde Interception-Maschine QB Jarrett Lee den Angriff führen soll. Dass OffCoord wegen ständig verschlimmernder Parkinson-Erkrankung vor wenigen Wochen zurücktreten musste, macht die Sache auch nicht einfacher.

Ein dark horse, das man gerne vergisst, sind die Arkansas Razorbacks, deren Aushängeschild mit Head Coach Bobby Petrino kein Mann ist, für den man allzu viel Sympathie aufbringen möchte. Dass Petrino aber College für College nach oben führt, kann man nicht wegdiskutieren. Vielleicht nimmt man Arkansas auch deswegen nicht voll ernst, weil sie die Tanz besitzen, die ganz großen Gegner in den ganz wichtigen Spieler knapp nicht besiegen zu können.

Nun ist mit QB Ryan Mallett ein geschichtenträchtiger Anführer weg, der neue Quarterback wäre da #8 Tyler Wilson, ein Mann, der aus einem in der Not geborenen Einsatz im vergangenen Herbst gegen Auburn (ein Spiel, das in der Region 65-43 oder so verloren wurde) in exzellenter Erinnerung geblieben ist. Wilson erwartet keine ganz einfache Aufgabe, denn neben einer rundumerneuerten Offensive Line fallen sämtliche guten Running Backs (beginnend beim Topmann Knile Davis) für diese Saison mit Knieverletzungen aus, während der einzige nennenswerte weitere Back von einer schweren Knieverletzung zurückkommt… Immerhin baut man darauf, dass die zuletzt massiv verbesserte Front Seven in der Defense große Teile der Saison tragen kann – was ganz Neues bei den Hogs.

Zum Abschluss der langen, kräfteraubenden Vorschauserie auf die Saison im College Football geht es noch ab in die Sümpfe von Mississippi, wo mit den Mississippi State Bulldogs eine ganz leise Erfolgsstory zu vermelden ist. Was Headcoach Dan Mullen da aufgebaut hat, ist groß. Mullen kam vor wenigen Jahren von der University of Florida, und er hat eine ähnliche lauflastige Spread Offense auch bei den Bulldogs installiert: Hier wird gnadenlos gelaufen, auch in der RedZone: RB Vick Ballard machte 2010/11 nicht ganz 1000yds, aber 20 Touchdowns.

Auch der Quarterback ist sehr flott bei Fuß: Chris Relf komplettiert keine 60% seiner Pässe, macht aber runde 700yds/Saison im Laufspiel. Der Mann ist aus der vergangenen Gator Bowl in guter Erinnerung, und auch deswegen eingeprägt, weil er früher mit der #36 auffm Rücken munter durch die Gegend scrambelte. Mittlerweile trägt Relf die QB-kompatiblere #14 und macht damit ganze 186yds/Spiel mit Würfen.

Mississippi State wird bei entsprechendem Saisonverlauf durchaus der zweite oder dritte Platz in dieser brutalen SEC West zugetraut – allerdings warten nächste und übernächste Woche Auburn und LSU, zwei richtungsweisende Spiele.

Zu allerletzt noch das vermeintliche sechste Rad am SEC-Westwagen, die University of Mississippi, wo die Mannschaft ganz einfach Ole Miss Rebels genannt wird. Für mich ist diese Uni ein Faszinosum: Sie liegt irgendwo in der Pampa im kleinen Städtchen Oxford (16.000 Einwohner), hat weitere 15.000 Studenten auf dem Campus, die nächste größere Stadt Memphis ist 150km entfernt und liegt im Bundesstaat Tennessee – und Ole Miss’ Heimstadion, das Vaught Hemingway Stadium, ist mit seinen über 60.000 Plätzen trotzdem immer ausverkauft.

Sportlich erlebte die Mannschaft von Coach Houston Nutt im vergangenen Herbst ein Debakel, purzelte in sämtlichen Defensiv-Kategorien lateral durch die Rankings und war in der Offense teilweise hirnamputiert unterwegs: Der Ball, der im Spiel gegen Tennessee an der eigenen 3yds-Line einem fünf Meter freistehenden Gegenspieler direkt in die Hände geworfen wurde, hat sich bei mir eingeprägt. Immerhin hat man mit RB Brandon Bolden einen Angriffsspieler mit Ingredienzien für eine lauforientierte Offense, die es dringend brauchen wird, weil keine Quarterbacks und Wide Receivers in Sichtweite sind. In der Defense hofft man einfach mal auf verbesserten Pass Rush, aber auch dort sind die besten Spieler mittlerweile in die Arbeitswelt eingestiegen.

So. Das war’s. Mit der SEC wäre auch die letzten Conference abgehakt. Ich freue mich auf eine spannende Saison und das beim Schreiben dieses Eintrags nebenbei laufende Spiel Baylor – TCU ist schon das erste großartige Highlight, das eigentlich mehr verdient gehabt hätte als „nebenbei zu laufen“. Spiel des Jahres trifft es eher.

Was nun folgt, sind – endlich – fliegende Eier. Die Vorschau auf alle Mannschaften in College Football und NFL gibt es auf dr entsprechenden Seite bei Sideline Reporter – inklusive (hoffentlich) wöchentlich neuer TV-Guidelines. Viel Spaß.