NFL Draft 2016 – Rede und Antwort | Running Backs und Tight Ends

Vorletzter Teil der großen Vorschau-Serie auf den NFL-Draft 2016, wo die Betreiber von Der Draft.de meinen Fragen Rede und Antwort stehen. Heute dran: Die Positionsgruppen Runningback und Tight End. Die Antworten kommen heute teilweise von Roman John (@maschemist), dem Blog-Partner von Christian Schimmel.

Vertiefend wurden Runningbacks und Tight Ends bereits in vergangenen Draftcast-Sendungen behandelt. Im folgenden Eintrag werden die Top-Prospects durch den Äther gejagt. Weiterlesen

Tight Ends im Jahr 2014

Bei Philadelphia Eagles.com gibt es ein wunderbares, kurzes und knackiges Vierminuten-Video mit vielen bekannten Experten wie Greg Cosell, Mike Mayock oder Charles Davis über den Wandel in der Tight End-Position über die letzten Jahre. Keine Frage: Diese Position hat sich stark verändert in den letzten Jahren.

Früher war der Tight End ein – eben – tight end, am Rande der Offensive Line aufgestellt, mit der Hauptaufgabe als Blockunterstützung zu wirken und gelegentlich mal als Ballfänger in Aktion zu treten. Das waren die 115kg schweren, 1.93m großen Bolzen, gebaut wie etwas athletischere Offensive Tackles. Schwere Jungs, die gegen Linebacker gegenhalten konnten. Sie haben fraglos auch heute noch ihren Platz im Footballsport, aber der Hauptfokus auf dieser Position hat sich über die letzten Jahre hin zu den fangstärkeren TE gewendet – Leute, die gerne mal auch in klassischen, früher ausnahmslos Wide Receivern vorbehaltenen Plätzen aufgestellt werden.

Leute wie Tony Gonzalez, Antonio Gates, Jimmy Graham oder Rob Gronkowski sind in erster Linie große, schlaksige Athleten, die Bälle wie ein Wide Receiver fangen können, aber zeitgleich noch gut genug als Blocker sind um damit ein Upgrade über jeden konventionellen Wide Receiver zu sein. Blocken ist immer noch für die meisten Tight Ends eine wichtige Aufgabe, die sitzen muss, aber in der Pass-Liga NFL ist die Eigenschaft des Fangens mittlerweile höher eingestuft als die des Blockens.

Wie man einen jungen, groß gewachsenen Tight End mit guten Fanhänden einsetzen kann, zeigt das Video anhand des jungen Eagles-TE #86 Zach Ertz: Ein Mann, der zu groß ist für einen Safety oder Cornerback und zu schnell für einen Linebacker. Das sind genau die Mismatches, die die Coaches von heute suchen – nicht, dass der Mann zwangsläufig jedes Spiel zehn Catches für 150yds machen muss, nein: Er muss „nur“ eine zusätzliche Option stellen, für die der gegnerische Coaching-Staff wertvolle Vorbereitungszeit investieren muss.

Ein fangstarker Tight End mit einigermaßen brauchbaren Block-Skills hat heutzutage eine gute Chance, in der ersten oder zweiten Runde gedraftet zu werden. Ein bockstarker Blocking-TE mit mäßigen Fanghänden geht dagegen garantiert nicht mehr vor der dritten oder vierten Runde vom Tablett.

Die bekanntesten Tight Ends der 2014er-Klasse sind allesamt zuallererst Ballfänger und somit Pass-Mismatches und erst in zweiter Linie Blocker:

  • Jace Amaro (Texas Tech)
  • Eric Ebron (UNC)
  • Austin Seferian-Jenkins (Washington)
  • Arthur Lynch (Georgia)
  • Colt Lyerla (Oregon)

Vor allem letzterer ist ein faszinierendes Prospect: Lyerla ist ein Monstrum von Mann, ein 1.96m-Schlaks mit 108kg mit allen Anlagen, die Liga im Sturm zu nehmen, aber es gibt Abschreckendes über sein Leben neben dem Footballfeld zu berichten: Er spielte nur wenige Spiele in der abgelaufenen Saison, soll wegen Drogenbesitzes kurzzeitig sogar eingebuchtet worden sein und das Team nach einem Monat aus mehr oder weniger freien Stücken verlassen haben. Lyerlas Stats lesen sich nicht überragend, aber Chip Kelly setzte ihn bei Oregon extremst oft in der RedZone ein. Lyerla klingt ein bissl wie das Prospect, das wegen persönlicher Probleme erstmal durch die Draft-Boards fällt, aber durchaus sportlich einen hohen Pick wert sein könnte.

Amaro und vor allem Ebron sind exakt oben beschriebene „neue“ Tight Ends. Ebron ist mir in der Bowl-Season aufgefallen, aber ich wäre im ersten Moment nicht drauf gekommen, dass es ein Tight End ist, so schnell, so fluid, so fangsicher. Er ist aber Tight End, denn er soll auch noch vorzüglich blocken können – enie Art neuer Gronkowski.

Der mehr oder weniger einzige der „alte Schule“-Tight Ends mit Aussichten auf einen Pick in den mittleren Runden ist Georgias Arthur Lynch: Er gilt als zu langsam um in die Elite gezählt zu werden, aber man sagt ihm höllische Härte nach, den Willen, in die engen Deckungen zu gehen. Er gilt als Spieler für alle Downs, kann als Blocker vollends eingesetzt werden, ist vielseitig, aber eben im wichtigsten Punkt – dem Fangen – nicht so gut wie die anderen… sagen zumindest die Experten.

Heute sind die Tight Ends in ihren Workouts bei der Combine dran.

Die Tight Ends im NFL-Draft 2013

Tight End ist eine Modeposition in der heutigen NFL, und das ist keineswegs negativ gemeint: Innovative Offensivgeister fanden immer wieder spezielle Athleten, die zur Evolution der TE-Position beitrugen und sie zu dem machten, was sie heute im Optimalfall sind – wandelbare Schachfiguren, die Mismatches kreieren, weil sie von Linebackers, Safetys und Cornerbacks gleichermaßen schwer abdeckbar sind. Der TE-Prototyp von heute ist 1,98m groß, bullig, läuft alle Mitteldistanzrouten, hat sichere Fanghände und räumt auch kräftige Linebackers im Blockspiel aus dem Weg. Das sind Hammeranforderungen. Aber bis die Defense mit neuen Schemen reagiert und die entsprechenden Abwehr-Athleten hochgezüchtet sind, gibt es noch zwei Jahre Fenster. Und erstmal sucht jeder den neuen Gronkowski oder Jimmy Graham.

Prospects 2013

Name                  Rd
Tyler Eifert          1
Zach Ertz             1-2
Vance McDonald        2-3
Gavin Escobar         2-3
Travis Kelce          2-4
Dion Sims             2-4
Jordan Reed           3-4
Jake Stoneburner      3-4
Chris Gragg           3-4
Nick Kasa             4-7

Mayocks Top-5

1 - Eifert
2 - Ertz
3 - Escobar
4 - Kelce
5 - McDonald

Eher der neue Hernandez ist TE Jordan Reed, wie einst Hernandez von der University of Florida kommend und mit nur knapp 105kg ein dreiviertel-Wide Receiver. Reed gilt als weniger talentiert als es Hernandez vor drei Jahren war, aber dafür auch nicht als Problemkind (wie einst Hernandez). Nach allem, was man von Reed kennt, ist das ein eher unzuverlässiger Ballfänger, der, wenn’s ums Blocken geht, mehr als dreiviertel-WR ist, sprich: Nur unter Auflagen gebräuchlich.

Die attraktiveren Tight Ends sind andere: Tyler Eifert von Notre Dame zum Beispiel, sowas wie „Gronkowski light“. Eifert gilt als Klassenbester, knapp vor dem etwas bulligeren Zach Ertz aus Stanford. Beide eint, dass sie eher die Güteklasse „Fänger“ denn „Blocker“ sind, aber das passt dann auch ganz gut in die Denke von moderneren Coaches.

Ein cooles Prospect ist Gavin Escobar von San Diego State. Am College eher unbeeindruckend, aber mit fast 2m Körpergröße und der Schrittlänge eines Tieres durchaus gebaut wie ein kräftigerer Randy Moss. Escobar wiegt 115kg, was man ihm nicht ansehen würde, also müssen sich unterm Shirt ganze Muskelberge verbergen. Gibt Scouts, die ihn für überschätzt halten; andere nähmen ihn in Runde 2 mit Kusshand. So früh wird Vance McDonald nicht gehen: Macky war Tight End bei Rice, was für eine Bewerbung als fangstarker Mann in etwa so attraktiv ist wie Fliegenschiss im Nachtisch. Kam mal ein Ball vorbei, war McDonald überrascht genug um ihn fallen zu lassen. Schwer vorstellbar, dass er vorm Samstag vom Tablett ist.

Schließlich der X-Faktor Travis Kelce aus der merkwürdigen Offense der Cincinnati Bearcats. Rein vom spielerischen Standpunkt sehen alle ein, dass Kelce zu den Top-Athleten gehört. Aber es gibt unter der Hand Gemurmel über Kelces Umfeld. Nix genaues weiß man nicht, aber die Bekundungen von Kelce klingen so halbherzig, dass was Ungutes dran sein muss. Als gesichert gilt nur: Vor etwa zwei Jahren war Kelce in einen „Vorfall“ (nicht weiter präzisierbar) verwickelt, den Kelce noch heute öffentlich bereut. Risikotyp. Kaum vor Ende zweite Runde.