Samstagsvorschauer 2015, Week 5 | Tim Tebow war mal ein ganz Großer

Woche 5 im College Football 2015/16, und es ist Hurrikan-Saison in den Vereinigten Staaten. Die Wetterbilder der letzten Tage sahen in etwa so aus wie in eingangs verlinktem Bild, weswegen vor allem die Südstaatenspiele und die Partien entlang der Atlantikküste sehr regenreiche Angelegenheiten werden dürften. Weiterlesen

Down goes… Tebow

Wenn Adam Schefter da nicht einen kolossalen Bock geschossen hat, sind die Denver Broncos im Aufräumen der McDaniels-Ära offenbar einen Schritt weiter und haben von QB Peyton Manning die Zusage erhalten. Der Deal ist fett: Fünf Jahre, 95M für einen 36jährigen. Über die Ausstiegsklauseln im Falle einer weiteren Manning-Verletzung weiß man noch nichts. Für Denver bedeutet der Move, sollte er zustande kommen, dann wohl auch, dass man sich fein aus dem Tebow-Dilemma rauszwirbeln kann und den 4.9yds/Passversuch und 46.5%-Completion-Mann Tebow ohne Randale und Massenaufstände „entsorgen“ kann.


Nachtrag: Denver wird lt. ESPNs Schefter und Mortensen versuchen, Tebow zu traden:

Once the Manning deal becomes official, Denver will try to trade Tim Tebow, according to sources.


Nachtrag II: Bill Barnwell (Grantland) war mal wieder pfeilschnell und hat schon eine wunderschön lesbare Rundum-Analyse der Personalwechsel in Denver online gestellt.

AFC Divisional Playoffs 2011/12 – Vorschau Broncos/Patriots

Denver Broncos (9-8) @ New England Patriots (13-3)

[Samstag/Sonntag 02.00Uhr auf ESPN America, Sport1+ und PULS4; kommentiert (über CBS) von Jim Nantz und Phil Simms]

Am 20. Januar 2008 haben die New England Patriots das letzte Mal ein Playoffspiel gewonnen. Das ist jetzt fast vier Jahre her. Wenn man sich vor Augen führt, daß die Pats das Team des letzten Jahrzehnts waren, drei Super Bowls gewannen, seit 2002 jedes Jahr mindestens 10 Siege in der Regular Season aufzuweisen haben, sogar mit Matt Cassel 11 Spiele gewannen und in Täglich-grüßt-das-Murmeltier-esker Weise jedes Jahr zu den Favoriten auf die Lombardi Trophy gehören, kann man das kaum glauben – Playoff-Bilanz in den letzten 1455 Tagen: Brady/Belichick/Patriots 0-3; Tebow 1-0. Weil es Aufeinandertreffen der Patriots der Broncos vor kurzem schon einmal gab (in Woche 15), verweisen wir hier faulerweise einfach auf diese Preview und geben im Anschluß noch kurz aktuelle Wasserstandsmeldungen über verletzte beziehungsweise wieder fitte Spieler wider.

In dem Spiel hat Denver die ersten 1,5 Viertel dominiert. Nicht nur geführt und ´n bißchen besser gepielt, sondern dominiert. Die Broncos haben allein im ersten Viertel fast 200 Yards gemacht und ihr Laufspiel war unstoppable. Dummerweise haben sie dann im zweiten Viertel drei Fumbles hergeschenkt, die New England allesamt in Punkte umwandeln konnte. Von dem 27-16 Halbzeit-Rückstand hat sich Denver nie mehr erholt, weil sie nicht dafür gebaut sind, Rückstände aufzuholen.

Im Gegensatz zum letzten Spiel ist auf New Englands Seite Safety Pat Chung wieder dabei. Chungs Rückkehr bringt HC Bill Belichick und DC Matt Patricia in die komfortable Lage, nicht wieder einen WR (Matt Slater) auf die Safety-Position stellen zu müssen. Ich gehe mal davon aus, daß neben Chung Devin McCourty den zweiten Safety geben wird, wie auch im letzten Regular Season Spiel. Außen spielen dann CB Kyle Arrington, der sich ordentlich gemacht und in dieser Saison schon sieben Interceptions eingesammelt hat, und Antwaun Molden. Der bis vor kurzem noch arbeitlose Nate Jones und WR/PR/QB/DB Julian Edelman werden sich als Nickelbacks abwechseln. Es fehlt dagegen DE Andre Carter, der beste Verteidiger, den die Pats in diesem Jahr hatten. Nicht nur war er ein erstklassiger Pass Rusher, er hat auch hervorragend gegen den Lauf gespielt. Diesen Ausfall wird nun eine Kombination aus Mark Anderson, Shaun Ellis und Brandon Deaderick versuchen aufzuwiegen. Gegenüber fehlt mit RG Chris Kuper der beste Offensive Lineman der Broncos. [Edit: Nach seiner Verletzung letzte Woche gegen Pittsburgh wird WR Eric Decker nicht spielen können.]

Auf der anderen Seite wird wahrscheinlich RT Sebastian Vollmer wieder spielen können. Je nachdem, wie fit er tatsächlich ist und wie viel Vertrauen ihm der Coaching Staff schenkt, wird er auch in der Startformation stehen. Rookie Nate Solder wird auf jeden Fall seine Spielzeit bekommen, wie schon die ganze Saison über als TE/extra-OT. Auf Denvers Seite wird Rookie DE/OLB Von Miller nicht mehr so gehandicapped spielen wie in Woche 15. Damals war seine Handverletzung noch frisch und er mußte mit Gips spielen, was ihn deutlich behindert hat. Am Samstag sollte deutlich mehr von ihm kommen und Brady unter mehr Druck stehen.

Hier geht´s noch mal zu der Vorschau von Woche 15.

NFL Wild Card Weekend 2011/12 – Beobachtungen (Tebow, Steelers, Lions, Bengals, Falcons)

Ohne große Einleitung im Folgenden einige kurze Beobachtungen zu den Spielen vom Wochenende: Pittsburghs Gameplan; undisziplinierte Lions und Bengals; Atlantas Front Seven und New Yorks Lauspiel.

Dick LeBeaus Game Plan war ziemlich simpel: acht oder neun Mann an der Line of Scrimmage, um Denvers Laufspiel zu stoppen; enge Mannverteidigung gegen die WRs, weil Tebow die “accuracy” fehlt, um Würfe gegen diese Deckung zu machen. Die Überlegung dahinter: Laufspiel abwürgen und Denver dazu zwingen, ihr Heil in längen Bällen zu suchen.

Tja, das Ergebnis war letztlich nicht überragend, aber trotzdem war es der richtige Game Plan. Es gab dann am Sonntag Nachmittag nur zwei Probleme. Das kleinere war, daß Pittsburghs Verteidiger einige wenige Fehler gemacht haben. Der größere war, daß Tebow viel besser gespielt und gepaßt hat, als es alle erwartet hatten.

Der entscheidende Fehler war natürlich, daß Backup-Safety Ryan Mundy beim TD in der Verlängerung den Play-Action-Fake glaubt und daraufhin “underneath” seine Verantwortung in der Deckung verpennt. Dazu ist CB Ike Taylor zu langsam und kann den Tackle nicht machen. Aber bis auf einige überaggressive Schritte in die falsche Richtung von Safety Troy Polamalu war das eine gute Leistung der Verteidiung.

Denvers Laufspiel wurde gut in Schach gehalten und machte nur 131 Yards bei 34 Carries (3,9 yds/carry). Aber drei ganz starke Pässe haben zu zwei Touchdowns geführt. Man kann da auch weder LeBeau noch den CBs einen großen Vorwurf machen: perfect pass beats perfect coverage heißt eine der ältesten Footballweisheiten. Ansonsten gabs noch ein FG nach Roethlisberger-INT; ein FG nach Big-Play zu TE Fells, bei dem Polamalu schlecht aussieht; ein FG nach 32-Yard-DPI, die auch nicht jeder Referee so pfeift.

Tebow hat einfach die entscheidenden Plays gemacht. Besser gemacht als die Defense und das spricht nicht gegen Pittsburghs D, sondern für Tebow und den mutigen Game Plan von Denvers OC Mike McCoy. Man sollte nicht versuchen, mit Ausreden wie Verletzungen, zu alte Verteidiger oder blöder Game Plan Tebows Leistung zu schmälern. (Tebow hat übrigens ohne WR Eric Decker gespielt, der in der Regular Season mehr Catches als jeder andere Bronco gemacht hat und auch ohne Chris Kuper, den besten O-Liner Denvers. Wer hat im Januar keine Verletzten?)

Schlechte Defense gabs dagegen bei den Bengals und den Lions zu beobachten. Nicht in Sachen Strategie und Schemes, sondern in Disziplin und Fundamentals. Vergeigte Tackles und schlechte Winkel zum Ballträger en masse. Dazu fürcherliche blown coverages und sichere Interceptions, die einfach fallen gelassen werden. Beide, Bengals und Lions, hätten mit einer disziplinierten Leistung bis zum Schlußpfiff mithalten können. So muß man sich fragen, wie erfahrene und ausgewiesen Verteidigungsexperten wie Marvin Lewis und Mike Zimmer (HC/DC Cincinnati) beziehungsweise Jim Schwartz und Gunther Cunningham (HC/DC Detroit) ihre Spieler trainieren. Oder ob einige Spieler einfach zu schlecht sind. (Vor allem die Safeties waren unterirdisch. Und ich als Patriots-Fan dachte, ich hab schon den Bodensatz dieses Jahr gesehen.)

Fragen muß man sich auch, was mit Atlantas Front Seven los war. Die viel kritisierte Offensive Line und die Running Backs der Giants sahen gegen diese aus wie die sprichwörtlichen “Man among Boys”. Vor allem die hochgelobten DT Corey Peters, DE John Abraham und die LBs Sean Weatherspoon und Curtis Lofton konnten die (hohen) Erwartungen nicht erfüllen, ließen sich ständig rumschubsen oder waren “out of postition”. Wenn New Yorks Laufspiel dieses Niveau auch nächste Woche gegen Green Bay zeigen kann, sollten sie viel Spaß haben. Die Front Seven der Packers ist noch mal ´ne ganze Klasse schlechter als Atlantas. Brian Van Gorder, DC der Falcons, ist gestern übrigens zum Defensive Coordinator der Auburn Tigers ernannt worden. Vielleicht hat er zu viel Zeit in den Bewerbungsprozeß gesteckt, statt seine Defense auf die Playoffs vorzubereiten.

Besser vorbereiten sollen hätte auch OC Mike Mularkey sein Playcalling bei 3rd/4th&short-Situationen. Ein wenig kreativer als “Matt Ryan fällt nach vorne und hofft, daß es reicht” hätte es schon sein müssen. Auch Mularkey bewirbt sich seit einigen Tagen bei anderen Teams und hat die Zeit zwischen Woche 17 und Wild Card Weekend mit Vorstellungsgesprächen anderswo verbracht.

Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.

NFL Week 15 Previews: Pats/Broncos; Jets/Eagles

NFL-Programm von heute Abend:

19.00 Uhr
New York Giants – Washington Redskins (SPORT1+)
Seattle Seahawks – Chicago Bears (ESPN America)

22.15 Uhr
Denver Broncos – New England Patriots (SPORT1+ und ESPN America)

23.15 Uhr
Denver Broncos – New England Patriots (PULS4 „as-live“)

2.20 Uhr
San Diego Chargers – Baltimore Ravens (SPORT1+ und ESPN America)
morgen als Tape: 17.25h SPORT1+, 18.30h ESPNA

Weitere Aufzeichnungen von morgen

14.30 Uhr
St. Louis Rams – Cincinnati Bengals

16.30 Uhr
Oakland Raiders – Detroit Lions


New England Patriots (10-3) @ Denver Broncos (8-5)

Tebow schon wieder mit Comeback Win. Bill Belichick gegen Tebow. Tebow gewinnt sechs in Folge. Brady gegen Tebow. McDaniels hatte recht mit Tebow. New Englands Secondary gegen Tebow. Tebow-Skeptiker gegen Tebow. John Elway gegen Tebow. Ohne Barber wär Tebow gar nicht Tebow. Und ohne Ponder auch nicht. TebowTebowTebow. Wenn das so weitergeht, wird “Tebow” auch noch im deutschsprachigen Raum Unwort des Jahres. Damit zum Spiel. Ohne Glaube-Liebe-Hoffnung-Abschnitt von, über und mit Tebow. Nur Taktik und Matchups.

Interessant wird der Gameplan der Broncos gegen diese Patriots-D. Anbieten würde sich ein paßlastiger Angriff mit dem man die “Secondary” der Patriots aggressiv angreift. Dummerweise hat Denver nicht den paßstärksten QB der Welt und verläßt sich in der Regel auf das Laufspiel. Und ausgerechnet das macht New England noch am besten. Die Verteidigungsreihen von Belichick zeichnen sich seit Jahren durch eine in Sachen gap discipline sehr disziplinierte Front-7 aus. Da sollte es nicht allzu viel Platz für Tebows Scrambles geben. Ähnlich übrigens wie Chicago letzte Woche, die unter Lovie Smith ebenso diszipliniert spielen und Tebow bei 49 Yards aus 12 Läufen gehalten haben. Darüber hinaus haben die Patriots mit NT/DT/DE Vince Wilfork, DE Andre Carter und ILB Jerod Mayo drei der ligaweit besten Verteidiger gegen den Lauf in ihren Reihen.

Mehr Erfolg sollten Tebow, WR Eric Decker und WR Demariyus Thomas gegen eine Paßverteidigung haben, in der Julian Edelman auch schon mal Starter ist (als Nickelback) und ST/WR Matt Slater seit zwei Wochen beinahe jeden Snap als Safety spielt. Der andere Saftey James Ihedigbo spielt schon seit Wochen verletzt (Schulter) und wird auch allsonntäglich zweimal auf dem Spielfeld behandelt. Pat Chung wird wohl wieder nicht spielen. CB Devon McCourty spielt immer noch in einem Zustand, der wohl eine Mischung aus nur-halbfit/sophmore-slump ist. Gerade Möglichkeiten für tiefe Bälle gibt es gegen diese Secondary immer wieder, weil Kommunikation und Abstimmung zu oft nicht stimmen.

Was New Englands Defense dagegen sehr gut macht, ist: in der Redzone verteidigen und Ballverluste provozieren. Nur Green Bay hat mehr als New Englands 20 Interceptions gesammelt und obwohl sie die meisten Yards aller NFL-Teams zu lassen, sind sie im Punkte-kassieren auf Platz 13.

Andersrum ist das entscheidende Matchup Von Miller/Elis Dumveril gegen Matt Light und Nate Solder. Sebastian Vollmer wird wahrscheinlich mit seiner Rückenverletzung eine weitere Woche aussetzen. Das ist ein sehr schlechtes Zeichen; er wurde als College Junior schonmal am Rücken operiert und in dieser Saison war er seit der Preseason nie richtig fit. Da hilft es natürlich, daß man Matt Light noch im Kader hat. Und Vollmers Verletzung wird Light wohl auch helfen, nächstes Jahr noch im Kader zu stehen, denn mit seinen Leistungen bei dem Gehalt würde er gegen ein fittes Duo Solder/Vollmer (mit Backup Marcus Cannon) wohl den kürzeren ziehen.

Wie auch immer: gegen den Defensive Rookie of the Year Von Miller und Elvis Dumervil werden beide einen sehr schweren Stand haben. Dumervil spielt zwar nicht mehr ganz so stark wie noch vor seiner Brustmuskelverletzung, die ihn das ganze Jahr 2010 auf IR zwang, aber einer der besseren DEs der Liga ist er allemal. Wahrscheinlich werden die Tackles viel Hilfe bekommen. TE Gronkowski wird wohl öfter mal “chippen” bevor er seine Route läuft; Solder wird wahrscheinlich wieder einige Male TE spielen, während Cannon auf RT geht und Kevin Faulk und sein Nachfolge Stevan Ridley werden im Backfield versuchen, aufzuhalten, was durchkommt. Wenn die Broncos es schaffen, mit 4 Mann Druck auf Brady auszuüben, haben sie gute Chancen, der Offense die Luft zu nehmenn. Bei allen tollen Statistiken und den vielen Punkten, darf man nicht vergessen, daß Brady in einigen Spielen in dieser Saison erschreckend schlecht ausgesehen hat. Vor allem in den Wochen 6-10 gegen Dallas, Pittsburgh, NY Giants und in der ersten Hälfte gegen die Jets. Auch letzte Woche gegen Washington hat er in der ersten Halbzeit wieder Accuracy- und vor allem Timing-Probleme gehabt.

Was Brady immer wieder hilft, auch wenn er mal schlecht spielt, sind die Yards, die Welker, Hernandez und Gronkowski immer wieder nach dem Catch machen. Mit Gronkowski hat er auch die gefährlichste Redzone-Waffe der Liga; schon drei Spiele vor Toreschluß hat er den Rekord für die meisten TD eines TE in einer Saison gebrochen. Wenn er so weiter macht, wird er der dritte Spieler mit mindestens 20 TDs in einer Saison. Die anderen beiden: Jerry Rice 1987 und Randy Moss 2007. Gute Gesellschaft.

New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston um den Heimvorteil in den Playoffs. Die Patriots haben zwei Spiele Vorprung vor den Jets plus den Tiebreaker. Denver ist in der AFC West ein Spiel vor den Oakland Raiders und hat mit dem 8-5 Record auch noch Chancen auf die Wild Card, sollte es mit dem Divisionstitel nichts werden. Mit 8-5 um die Wildcard kämpfen auch die Jets. Außerdem im Rennen sind noch Raiders, Bengals, Titans (alle 7-6) und die wie jedes Jahr um ein Wunder kämpfenden Chargers (6-7) Auch der dieswöchige Gegner New Yorks, die Philadelphia Eagles, haben trotz nur 5 mickriger Siege noch Chancen auf die Playoffs.

New York Jets (8-5) @ Philadelphia Eagles (5-8)

Die Jets haben in den letzten drei Wochen gegen drei ziemlich schlechte Teams drei unbeeindruckende Siege eingefahren: v BUF 28-24; @Was 34-19 und v KC 37-10. Die Siege gegen Buffalo und Washington waren viel, viel knapper als es das Ergebnis verrät. Mark Sanchez´ mittelmäßige Leistungen wurden überdeckt von seinen TD-Zahlen und der bissigen Defense (und im Spiel gegen Buffalo vom einstelligen IQ Stevie Johnsons).

Am Sonntag gegen die Eagles wirds für die Sanchize besonders schwierig, weil er öfter mal DEs Trent Cole und Jason Babin im Gesichtsgitter haben wird. Wer auch immer der beiden gegen RT Wayne Hunter spielt, hat gute Chancen NFC Defensive Player of the Week zu werden. Seine beiden besten Wide Receivers, Santonio Holmes und Plaxico Burress werden gegen CBs Asamugha und Samuel spielen, während man für die große Mitte, die Schwachstelle der Eagles-D, keinen zuverlässigen Playmaker hat. TE Keller und Rookie Slot-WR Kerley sind bestenfalls Durchschnitt. Die Jets-O ist genau der richtige Gegner für diese komische Verteidigung der Eagles.

Was den Jets helfen könnte, ist das Laufspiel um Shonn Green. In den letzten drei Wochen hat er mit 59 Läufen 295 Yards gemacht – wie gesagt, gegen schlechte Gegner, aber das sind die Eagles in Sachen Run-D auch.

Philadelphia könnte am meisten helfen, daß sich der QB der Jets-D, Safety Jimmy Leonhard, verletzt hat und den Rest der Saison ausfällt. Leonhard hat alle Calls gemacht, für die richtige Abstimmung und Kommunikation untereinander gesorgt. Er wird schmerzlich fehlen.

Trotzdem kann diese Verteidigung immer noch jeden stoppen: 5,7 Net Yards/Paßversuch (fünftbester Wert der NFL) und nur 3,9 Yards/Rush (6.) sprechen eine deutlich Sprachen. Zu allem Überfluß ist so eine komplexe und kreative Defense wie die von Rex Ryan und Mike Pettine das letzte, womit Michael Vick umgehen kann.

Es wird wohl auf ein Low-Scoring-Game hinauslaufen, daß durch Special Teams und Big Plays entschieden wird.

NFL Notizblock Woche 14: Patriots/Redskins; Bears/Broncos

New England Patriots (9-3) @ Washington Redskins (4-8)

– Pats-D beginnt (und spielt dann schließlich das auch so weiter) mit 3-4-D; mit Kyle Love als NT und Wilfork als DE; ST/WR Matt Slater beginnt wieder als Safety und wechselt sich da mit Nate Jones ab; der andere Safety Ihedigbo spielt durch; Julian Edelman spielt wieder NB und der lange verletzte Dane Fletcher spielt neben Jerod Mayo ILB

– beim ersten Punt-Return haben die Skins 12 Mann auf dem Feld – wie zur Hölle kann sowas in Woche 14 passieren?

– im zweiten Drive sieht QB Rex Grossman nicht durch und fumblet nach Andre-Carter-Sack in der Endzone, den sich Wilfork zum TD sichert

– nach Big Play von WR Stallworth gegen CB Devin McCourty kommt WAS bis an NE1, von da: Run für 0, Run für 0, False Start, Incompletion – so geht das bei NEs Defense in diesem Jahr ständig: 80 Yards abgegeben, aber nur 3 Punkte

– anschließend geht der Kickoff ins Aus – wie schlecht können Special Teams sein? nächster Spielzug: TE Gronkowski hat nach kurzem Paß drei Verteidiger ans sich dranhängen, schleift die einfach ein paar Meter mit, läßt sie dann liegen wie unnötigen Ballast und läuft bis in die Redzone; das ist natürlich einerseits ganz stark vom Gronk, aber Washingtons D sieht dabei auch furchtbar peinlich aus; natürlich fängt Gronk im nächsten Spielzug den TD zum 14-3 (Q1/5:49)

– nach viel RB Roy Helu und ein wenig Play-Action kommen die Redskins dann nach 84-Yd-Drive doch noch endlich in die Endzone; 14-10 NE (Q1/1:20)

– nach dem furchtbaren Start im ersten Viertel zeigt Washington, daß doch noch Leben in dieser Mannschaft ist: WR Brandon Banks wirft nach Fake-Endaround einen TD zum WR Sanatana Moss, der einfach von niemandem verteidigt wird, 17-14 WAS (Q2/14:49)

– Rookie Marcus Cannon, der mit dem Tumor, spielt RT wenn Rookie Nate Solder wie so oft in den letzten Wochen TE/H-Back spielt; Solder ersetzt als RT Sebastian Vollmer, der immer noch verletzt ist

Hernandez dropped einen TD-Paß – FG; Washington ist wieder in Redzone, reicht auch nur zum FG; 20-17 WAS (Q2/2:13); nach noch einem FG ist der Halbzeitstand 20-20

– Washingtons D sah in der ersten Hälfte ganz gut aus – bis auf die zwei Big Plays von Gronkowski, die beide Male zu Punkten geführt haben

– im ersten Drive der zweiten Hälfte bekommt CB DeAngelo Hall im selben Spielzug eine 5-Yard-Holding und eine 15-Unsportsmanlinke-Conduct-Strafe; Washington präsentiert sich hier dümmer und undisziplinierter als die Detroit Lions

– Q3/12:05: Gronk schleppt OLB Ryan Kerrigan einige Yards mit bevor er ihn abschüttelt wie eine lästige Fliege und zum 27-20 in die EZ marschiert

– Q3/6:58: die Pats-D spielt so schlecht wie nie; schlecht gegen den Lauf, schlecht gegen Play-Action, 27-27

– Q3/4:26: jetzt wirds ein wilder Shoot-out: Bradys No-Huddle-Offense ist zu viel für Washington und es steht 34-27

– dann merkt New Englands Verteidigung, daß schon viertes Viertel ist und provoziert zwei ganz schnelle 3&outs

– Q4/6:30: CB Josh Wilson mit ganz starker INT in der Endzone nach schlechter Entscheidung von Brady; das hat ihm wohl auch OC Bill O`Brien gesagt, der ihm vor allen Kameras einen fürchterlichen Fön verpaßt, was Brady sich nicht gefallen lassen will und zurückblöckt, woraufhin beide fast handgreiflich werden, von Assistenten getrennt werden müssen, bis schließlich auch noch HC Belichick kommt und beiden ein Ohr voll mitgibt

– Q4/2:00: WAS mit 1st&Goal von NE 9; OPI WR Santana Moss führt zu 2nd&Goal von NE 15 und beim dritten Versuch und Goal to go intercepted ILB Jerod Mayo einen abgefälschten Ball – game over. Was hat New England nur für eine komische Verteidigung. Erst lassen sie mehr als 400 Yards zu und dann machen sie im vierten Viertel (oder vorher schon in der Redzone) die wichtigen Plays und die Patriots gewinnen. Und so geht das schon seit Wochen: schlecht und schlechter die meiste Zeit, bevor sie die wichtigen Ballverluste provozieren und in der Redzone immer halten.

Chicago Bears (7-5) @ Denver Broncos (7-5)

– jeder Einzelne der Broncos Verteidiger spielt mit einer Intensität als wären sie in die Ray-Lewis-Schule gegangen

– auch die Bears-D und Broncos-O spielen alle, als würde es um ihr Leben gehen, das hat ein bißchen was von Playoff-Atmosphäre

– nachdem Denver nach zwei 3&outs mal ein paar First Downs gesammelt haben, macht CB Charles Tillman eine großartige tip-toeing-Interception an der Seitenlinie

– Tebow macht immer wieder plays: under pressure scrambelt er rum, kauft Zeit und findet einen WR und bei einem 3rd&15 läuft er gar durch dreit Tackles zum 1st Down

– die Broncos laufen zwar immer noch option-plays, Endarounds und ihre komische Aufstellung mit 4 WRs auf einer Seite, aber insgesamt wird das eine immer „normalere“ Offense

Tebows accuracy ist bei manchen Pässen immer noch furchtbar, aber das ist auch nicht öfter als bei einem Sanchez oder Newton (was aber zugegebenermaßen kein großes Kompliment ist)

– Q2/7:22: Denver kommt mit dem vierten Drive in die Redzone, aber der FG-Versuch wird von Idonije und Peppers geblockt

– beide Verteidigungsreihen spielen das sehr gut, vor allem Chicagos Angriff bekommt bein Bein auf die Erde, Drives in der ersten Hälfte: 3&out, Punt, Punt, 3&out, Punt; 0/5 3rd Downs; Denver konnte wenigstens ab und zu mal den Ball bewegen, Drives: 3&out, 3&out, INT (an CHI 21), FG blocked, Punt, End of half; Tebow hatte auch das Problem, daß, wenn er mal gute Bälle geworfen hat, die WR Thomas und Decker drei oder vier einfache Bälle gedropped haben

– 1st Drive Denver in der zweiten Hälfte: WR Thomas mit sicherem TD nach guten Tebow-Paß, aber er fängt ihn einfach nicht, was ist denn mit den WR der Broncos heute los?

– Q3/8:34: Devin Hester macht dann, was Devin Hester eben so macht: aus dem Nichts trägt er einen Punt bis an DEN 42 zurück und verschafft seinem Angriff gute Field Position; RB Marion Barber sieht jetzt plötzlich so aus, als wär eer ein richtiger Playmaker und ist nach einigen guten Läufen in der EZ zum 7-0 (Q3/5:19)

– Q4/14:55: K Robbie Gould beginnt das vierte Viertel mit 57-Yard-FG; 10-0 Bears

– Denver beginnt die zweite Halbzeit mit vier 3&outs – das Ergebnis guter Run-D und doppes Passes; Chicago verteidigt das wirklich sehr gut

– Q4/8:53: Tebow sammelt einige 1st Downs, aber eiert dann unnötig rum, fumblet und Chicago hat den Ball an der eigenen 45; dummerweise laufen die Bears dann dreimal in die Bears-Mauer und müssen gleich wiededr punten

– Q4/5:50: Denvers zweite Hälfte bis jetzt: 3&out, 3&out, 3&out, 3&out, Punt, Punt

– nach 3&out der Bears bekommem die Broncos mit 4:34 auf der Uhr nochmal die Chance für Tebowmagic; beide Mannschaften haben keine Auszeiten mehr

– Q4/2:08: nach gutem Onside Kick und einigen Bounces bekommen die Bears glücklich den Ball an CHI 49

– Q4/1:55: nach der 2-min-warning läuft der Trottel Marion Barber ins Aus und hält die Uhr an!! Ich glaubs nicht!; 3rd&5: Barber ohne Raumgewinn, Punt Chicago – 1st Down Denver an der eigenen 19 mit 56 Sekunden aber ohne Timeouts (K Matt Prater hat im Warmup aus 70 Yards versenkt)

– zwei Pässe, nach denen die WR ins Aus laufen und die Uhr anhalten, Denvers Ball nach kurzem Tebow-Run an CHI 41

– mit 2 Sekunden auf der Uhr schießt Prater ein 59-Yd-FG direkt in die Mitte; Unfaßbar! Mile High steht Kopf! Nach 12 (!) Drives ohne Punkten macht Denver in den letzten viereinhalb Minuten ohne Auszeiten (!) 10 Punkte und wir sehen die Verlängerung; Sprachlosigkeit allerorten

– Chicago gewinnt den Toss und beginnt die Overtime mit dem Ball

– Barber versucht seinen dummen Fehler wieder gutzumachen und fängt ganz schwierigen Ball an DEN 41, bevor er – nein das ist kein Disney-Movie hier – den Ball verliert an DEN 34

– beim dritten Versuch hat dann auch WR Thomas seine Hände wieder gefunden und fängt den Ball zum 1st Down an DEN 46 bevor er einen schwierigen Ball zum 1st Down an der CHI 40 macht, dann läuft Tebwo auch noch zur 34 – das geht doch alles nicht mit rechten Dingen zu

– OT/8:34: Prater mit dem 50-Yard-Gamewinner: das Stadion explodiert, im Himmel ist Jahrmarkt und vor allen Apotheken stehen kotzende Pferden – nach 12 Drives ohne Punkte machen die Broncos in den letzten drei Drives 13 Punkte und gewinnen; unglaublich, ohne Worte; Tebow in den ersten drei Vierteln 3/16, 45yds, 1Int; Tebow im vierten Viertel und OT: 18/24, 191yds, 1TD, 0Int

Tebow

Ich glaube weiterhin nicht, dass sich die Broncos mit Tebow eine rosige Zukunft angelacht haben. Tebows größter Wert liegt auf einer anderen Ebene. Zwei Lesetipps.


Okay, „Lesetipp“ dürfte hier nicht ironiefreie Zone sein. Es wird ernsthaft mit Sätzen wie diesem argumentiert:

As a father who has watched coaches try to teach his tall son the perfect long-range jumpshot when he just wants to bang around under the basket, get rebounds, putbacks and play like Dennis Rodman, well, it’s nice to see someone win with a style that doesn’t come from a cookie-cutter.

Trotzdem. Lesen von Greg Coachs (FOX Sports) Artikel ist erlaubt. Man mache sich ein Bild. Aber das Ding mit der Hautcréme im Hinterkopf behalten.


Am anderen Ende der Argumentationsskala kommt Grantlands Chuck Klosterman mit dem bisher besten Text über das Phänomen „Tebow“: The People Who Hate Tim Tebow. Klosterman begibt sich auf der Suche danach, warum Tebow die Massen spaltet. Viel mehr noch: Warum Tebow überhaupt die Massen bewegt. Wer die Schlussfolgerung gelesen hat, wir sich denken „Mönsch. Watt it daran nu‘ neu?” Bei Klosterman gilt jedoch die Devise: Der Weg ist das Ziel. Und es ist ein gutes Ziel. Klosterman at his best. Eine spannende Lektüre, nicht nur aufgrund solcher Gedankengänge:

It’s difficult to take an „anti-faith“ position. There’s no pejorative connotation of the word faithful. The only time „faith“ seems negative is when it’s prefaced by the word „blind.“ But blind faith is the only kind of faith there is. In order for someone’s faith to be meaningful, it has to be blind. Anyone can believe a hard fact that everyone already accepts. That’s easy. If you can see something, you don’t need faith. Faith in the seeable is meaningless. But meaningful faith is dangerous. It simplifies things that aren’t simple.

[…]

How do you refute the non-argument of meaningful faith?

You (usually) don’t. You (usually) lose.

Since Tebow was installed as the Broncos‘ starter, they are 6-1.

Trust the insane?

NFL um Hallowe’en: Paar Dinge, die noch aufgefallen sind

Allerheiligen bot die Gelegenheit, ein paar schon länger ruhende Aufzeichnungen durchzuschauen um wieder Platz auffm Speicher zu kriegen. Was dabei auffiel.

 Jacksonville Jaguars

Meine Fresse, die Laufdefense erinnert an die besten Tage der Minnesota Vikings. In der Defensive Line ragt nicht bloß DT Terrance Knighton heraus, das ist eine rundum diszipliniert spielende Unit, wie auch die Linebackers, für die man in der Offseason die Schatulle aufgemacht hatte und die keinen Tackle verpassen. Interessant ist auch, wie viel besser die Secondary geworden ist, die letztes Jahr einige Negativrekorde zu brechen gedroht hatte. Die beiden Safetys Landry/Lowery haben die riesige Lücke geschlossen, wobei Landrys Vorstellung auf Basis seiner PFF-Noten nicht wirklich überraschend kommt.

Hätten die Jaguars in der Offense ein wenig mehr Mumm, dem Rookie QB Blaine Gabbert wenigstens etwas längere Leine zu lassen, gäbe ich den Jaguars noch eine Playoff-Außenseiterchance. Vermutlich wird Gabbert so eingezwängt, weil er sich als recht anfällig gegen Turnovers erwiesen hat. Vielleicht spielt die Offense deswegen so stockkonservativ und lässt bei Rückstand bis ins Schlussviertel hinein eiskalt RB Jones-Drew laufen. Die nächsten Gegner verheißen aber im Vergleich zu Pittsburgh/Baltimore/Houston deutlich weniger aggressive Defenses, vielleicht kriegt Gabbert dann auch mehr Freiraum.

Denver Tebows

QB Tim Tebow schaut leider wie erwartet aus, wobei die vielen Sacks und Incompletions gefühlt nicht mal allein auf Tebows Überforderung zurückzuführen sind. Ich fand die Protection auch suboptimal, was natürlich gegen eine Defensive Line wie jene der Lions stets leicht gesagt ist. Was an Tebow am meisten stört (und BTW auch bei einem Gabbert): Man kann sich nicht darauf verlassen, dass es mal sieben, acht aufeinanderfolgende Spielzüge ohne Fehler gibt. Kein Wunder, dass Denver mit diesem Auf und Ab fünf, sechs oder mehr Three’n’Outs hatte.

Ebenso nicht motivierend: Die Körpersprache von Spielern wie Brian Dawkins oder Champ Bailey, die Führungsspieler sein dürften. Mein Tipp: Tebow bleibt noch ein paar Wochen Starter, ehe QB Brady Quinn ausgetestet wird und im Frühling ein neuer Quarterback via Draft kommt.

Das gesagt, ist auch die Defense dezent enttäuschend, was beim lahmen Pass Rush beginnt (Von Miller fiel fast gar nicht auf), aber vor allem mit der schlechten Deckung endet. Da hatte ich von einer Fox’schen Mannschaft mehr erwartet.

Buffalo Bills

Endlich mal wieder Bills-Football im TV! Washingtons „Backup-Offense“ wird nicht der größte Test bleiben, was das druckvolle Spiel der Bills-Defense nicht schmälern soll, die mit sehr viel Zug zum Quarterback ausgestattet ist, aber auch in der Deckung nicht allzu viel aufgibt, und vor allem massiert gegen den Lauf steht.

Leider spielte Buffalos angeblicher Wunder-DT Kyle Williams nicht, aber dafür geigte der Rookie Marcell Dareus mächtig auf. Dareus spielte häufig den „Mittelmann“, ergo Nose Tackle, und schiss einfach mal darauf, dass Nose Tackles keine Sacks machen müssen: 2.5 Sacks für Dareus.

Im Auge behalten, dass Washingtons Angriff unteriridisch war und über keine Waffen verfügte, aber da die Bills über die Saison ordentliche Stats vorweisen können, kann man annehmen, dass die Verteidigung grundsolide ist.

In der Offense fällt auf, wie blass QB Ryan Fitzpatrick daherkommt. Es mag daran liegen, dass Fitzpatrick keine 50yds-Bomben zaubern kann, dass das Eindrucksvollste war, wie Fitzpatrick drei Tage nach seinem Megavertrag trotz Angeschlagenheit nicht runtergehen wollte, sondern beinharten „Leadership“ zeigte. Das Gerede von wegen Fred Jackson = bester Running Back in der AFC oder so kann man getrost einstellen. Jackson macht mir nicht den Eindruck, wie ein McFadden drei Tackler mitschleifen zu können. Frappierend auch: Der vor kurzem hoch gedraftete RB C.J. Spiller wurde mehrmals als Wide Receiver aufgestellt und sogar 50m downfield angespielt.

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Bills das Zeug für die Playoffs haben, aber es steht auf alle Fälle ein grundsolides Gerüst.

NFL-Woche 8/2011: Willkommen zum Süßes-sonst-gibt’s-Saures-Spieltag

Letztes Wochenende im Oktober 2011. Das bedeutet:

  • Weil die Amerikaner eine Woche später die Uhr zurück auf die Winterzeit stellen, werden die Partien an diesem NFL-Spieltag um eine Stunde früher angepfiffen. Sprich: 18h, 21h30 und 1h20 am Sonntag, 1h30 in der Nacht auf Dienstag.
  • Mit dem letzten Oktober-Wochenende werden wir auch zum letzten Mal für 2011 die teilweise urkomischen Farbkombinationen mit rosa zur Erinnerung an die Brustkrebsrisiken erleben. Ich frage mich so oder so Jahr für Jahr, ob die NFL mit dieser Aktion schon die richtige Kundschaft anspricht?
  • Schließlich: Die Baseball-Saison ist um. In anderen Worten: ESPN America kann wieder zu seinem gewohnten Spielplan zurückkehren, was uns GamePass-lose Gesellen besonders freut.

Zum Hallowe’en (oder wie meine Musik-Kollegen zu sagen pflegen „Hallo, Wein!“) Spieltag der NFL. Trick or Treat?, bei dem NFL-Fernsehprogramm an diesem Wochenende erübrigt sich diese Frage.

Tennessee – Indianapolis
Washington – Buffalo (Mo/15h30 Tape ESPN America)
Baltimore – Arizona
Houston – Jacksonville (18h LIVE Sport1+)
Carolina – Minnesota
St Louis – New Orleans
New York Giants – Miami (18h LIVE ESPN America)
Denver – Detroit (23h20 PULS4, Mo 13h30 Tape ESPNA)
Pittsburgh – New England (21h LIVE ESPN America)
San Francisco – Cleveland (21h LIVE Sport1+)
Seattle – Cincinnati
Philadelphia – Dallas (01h LIVE ESPN America)
Kansas City – San Diego (Mo/Di 01h LIVE ESPN America)

13 NFL-Spiele und ACHT davon im TV? Wie geil ist das denn?

Houston Texans – Jacksonville Jaguars

Sonntag, 18h LIVE bei Sport1+

Trick. Das Spiel gewinnt durch den sensationellen MNF-Sieg der Jags gegen Baltimore an Intensität, aber vom rein ästhetischen Standpunkt darf man nicht von einem Kracher ausgehen. Die Jaguars besitzen eine erstaunlich gute Defense, die in der Lage ist, mit ihrer Defensive Line Lauf- und Passspiel zu attackieren und auch im Defensive Backfield im Vergleich zum vergangenen Herbst nicht wiederzuerkennen ist. Unter diesem Gesichtspunkt dürfte der erneute Ausfall von Texans-WR Andre Johnson für Houston noch bitterer sein. Auf der anderen Seite dürften die Texans mit ihrem ordentlichen Pass Rush QB Blaine Gabbert unter Zugzwang bringen können.

New York Giants – Miami Dolphins

Sonntag, 18h LIVE bei ESPN America

Trick. Sieht aus wie eines der uninteressantesten Matchups, das man über eine NFL-Saison bekommen kann. Die New York Giants führen zwar immer noch die NFC East an und kein Mensch kann sie so richtig einschätzen: Siege über Eagles und Bills, Niederlagen gegen Redskins und Seahawks (!).

Diesen Sonntag bekommen die Giants Fischstäbchen vorgeworfen. Die Miami Dolphins sind meilenweit davon entfernt, mein Playoff-Geheimtipp zu sein, viel näher sind die Dolphins dran, NFL-Bodensatz zu werden. Nicht, dass man es nach all den Stänkereien in der Offseason (Sparano, Henne) nicht hätte erwarten können, aber dass mit der Defense das Prunkstück der Mannschaft derart abschmieren würde, war nicht abzusehen.

Vergangene Woche wurde zuhause gegen Denver zu allem Überfluss ein Spiel gegen einen weiteren Bodensatz-Topfavoriten Denver verloren, ein Spiel, in dem die Siegchancen 5:23 Minuten vor Spielende bei 99.2% gelegen hatten. Neunundneunzigkommazwei, und dann verliert man gegen QB-Grünschnabel Tim Tebow. Zuhause.

Head Coach Tony Sparano ist nur noch dead man walking, und weil dies jeder – inklusive Sparano himself – weiß, darf man sich getrost wundern, warum der Mann seine Mannschaft weiterhin so stockkonservativ auftreten lässt. Mut zum Risiko ist ein Fremdwort – dabei hätte der Mann nichts mehr zu verlieren!

Pittsburgh Steelers – New England Patriots

Sonntag, 21h LIVE bei ESPN America

Treat, Steelers (4-2) gegen Patriots (5-1) gehört zum Feinsten, was die NFL zu bieten hat. Zusätzlichen Thrill gewinnt diese Partie, weil beide mittlerweile wenigstens punktegleich ihre jeweiligen Divisionen anführen, was insbesondere bei den Steelers noch bis vor wenigen Wochen verwundert hätten.

Schließlich spielte die Mannschaft über Wochen uncharakteristisch fehlerhaft und schlampig, erlaubte sich dutzende völlig überflüssige Strafen und erzwang mit ihrem Prunkstück, der Defense, kaum Turnovers. Diese Defense laviert sich bereits seit Wochen mit Verletzungssorgen durch und musste kürzlich einen massiven Schlag ins Kontor einstecken, als DE Aaron Smith, ein alter Recke, auf die Injuried Reserve gesetzt wurde.

Dagegen kommt im Angriff langsam, aber sicher das Laufspiel um RB Rashard Mendenhall in die Gänge, während die Steelers seit Wochen ein Passspiel aufziehen, das man bis dato eher von den nebenan spielenden Studenten von der University of Pittsburgh gewohnt war: Fassungslose tiefe Bälle für WR Mike Wallace, der über die Saison sensationelle 20.3yds/Catch macht, und WR Emanuel Sanders, da erblasst ein ehrenwerter Kämpe wie Hines Ward nur noch.

Erblassen ist ein Tunwort, das auch beim Gegner zutrifft: Was die New England Patriots um QB Tom Brady für einen Passangriff hinstellen, gehört zum Besten, was ich in fast einem Jahrzehnt NFL bislang gesehen habe und übertrifft IMHO die 2007er-Ausgabe meilenweit, da diesen Herbst ohne deep threat operiert wird – höchst erfolgreich operiert wird. Wird interessant zu sehen sein, wie Pittsburgh mit all seinen Sorgen diese Offense einzubremsen gedenkt: Mit enorm physischen Cornerbacks wie zuletzt gegen Arizona, als man dafür haufenweise Strafen kassierte?

Die Patriots kommen aus der spielfreien Woche, in der Vergangenheit meist ein Alarmsignal für den Gegner, heuer aufgrund der unzuverlässigen Defense vielleicht sogar essenziell. Belichick dürfte an einigen Stellschrauben in der Front Seven geschraubt haben und mit einiger Sicherheit die wunden Punkte in der Offensive Line der Steelers offenlegen.

Ansonsten verlief die Bye Week eher patriots-untypisch: TE Rob Gronkowski sorgte für Aufsehen, als er sich mit einem Pornostar ablichten ließ und unmittelbar darauf im Namen der amerikanischen Prüderie zu einer Entschuldigung gezwungen wurde.

Wird ein interessantes Spiel. Vor einem Jahr marschierten die Patriots mit dicksten Klöten auf das Heinz Field und legtem mit einem sensationellen Kurzpass-Stakkato Ei um Ei in der EndZone ab – damals Startschuss zu einer gewaltigen Siegesserie, während in Pittsburgh ein Umdenken stattfand, das letzten Endes gar zum Durchmarsch in die Super Bowl führte.

San Francisco 49ers – Cleveland Browns

Sonntag, 21h LIVE bei Sport1+

Trick. Weder ein Augenschmaus, noch spannend zu werden verspricht dieses Duell. Trotzdem ist es ein wichtiges Spiel, für San Francisco geht vielleicht schon um ein gutes Seeding in den Playoffs, die Cleveland Browns dagegen können in der erstaunlich offenen AFC North weiter dran bleiben. Was eigentlich ein Witz wäre. Ich kann nämlich nicht fassen, wie schlecht diese Offense ist. Vergangene Woche gegen Seattle ganze SECHS Punkte gemacht (und BTW trotzdem gewonnen!). Sechs Punkte durch zwei Field Goals. Aus 52yds und 53yds. Ohne Worte. (FGs aus 24yds und 48yds wurden verkickt).

San Francisco dürfte klarer Favorit sein, weil die Offense der Browns immer noch allein auf den schmalen Schultern vom jungen QB Colt McCoy lastet und sich RB Peyton Hillis weiterhin im Clinch mit der Vereinsführung wiederfindet.

Denver Broncos – Detroit Lions

Sonntag, 23h20 LIVE bei PULS4
Montag, 13h30 Tape bei ESPN America

Treat. Wie wohl die Quoten bei PULS4 aussehen, nachdem man bereits mitten in der Saison beginnt, Livespiele zeitversetzt zu senden und stattdessen Quark wie „QUIZ TAXI eXtrem“ bringt?

Dabei hat das Spiel einiges an interessanten Facetten zu bieten, selbst wenn man den Würgegriff des Themas Tebow und seiner Wiederauferstehungsgeschichten mal weglässt. Tim Tebow hat sich beim Debüt in Miami als enorm schwerfällig im Ausgucken der Defense herausgestellt. Kein gutes Vorzeichen, wenn man gegen eine der wildesten Defensive Lines der NFL antreten muss. Sacks und Hits scheinen vorprogrammiert.

Auf der anderen Seite ist Tebow auch ein Quarterback, der schnell aufgibt, wenn seine erste Anspielstation abgedeckt ist, und einfach mal drauflos scrambelt. Detroit wird in dieser Hinsicht eine Lösung brauchen, wie die Lions auch ihre schwache Lauf-Defense gegen die Herren Moreno/Ball aufpeppen müssen.

Auch Detroits Angriff ist eindimensional wie Weißbrot, hängt allerdings am Tropf von QB Matt Staffords Gesundheit (Stafford aktuell „questionable“), nachdem ein Running Back nach dem anderen auf die Verletztenliste wandert. Zuletzt sah der Angriff dann auch nicht besonders elegant aus und diesmal wird WR Calvin Johnson gegen einen der besseren Cornerbacks der Liga gematcht werden: CB Champ Bailey.

Nicht zu unterschätzen ist der Pass Rush der Broncos, der mit Top-Athleten wie Rookie Von Miller (ex-Texas A&M) und Elvis Dumervil nicht ungefährlich ist und sich auch auf den großartigen OLB D.J. Williams verlassen kann, TE Brandon Pettigrew als schnelle Anspielstation ordentlich abzudecken.

Eine spielentscheidende Frage wird auch sein: Verfügen die Lions über die Nerven, sich nach zwei missratenen Vorstellungen dem Druck zu stellen und vor der spielfreien Woche in die Siegerstraße zurückzukehren? Schließlich scheint ein Hauch von Resignation eingekehrt zu sein, während Denver trotz einer weitestgehend schwachen Vorstellung gegen Bodensatz Miami im Stimmungshoch ist.

Philadelphia Eagles – Dallas Cowboys

Sonntag/Montag, 01h20 LIVE bei ESPN America

Treat. Durch das 253yds-Spiel vom ex-Oklahoma Sooner RB DeMarco Murray gegen die St Louis Rams muss man sich plötzlich fragen, ob wir es hier mit einem klassischen „top vs. Bottom“-Duell zu tun haben werden: Cowboys-Laufangriff gegen die fürchterliche Defense der Philadelphia Eagles. Unter diesem Gesichtspunkt dürfte Dallas auch auswärts leichter Favorit sein, jedoch schaut es für die Eagles nur wie eine Frage nach der Zeit aus, bis der Schnapper „klick“ macht und die Stärken die teilweise eklatanten Schwächen dauerhaft überdecken können.

Buffalo Bills – Washington Redskins

Montag, 15h30 Tape bei ESPN America

Trick. Das jährliche Kanadaspiel der Bills, ein paar Kilometer übern See in Toronto ausgetragen. Washington kommt mit einer namenlosen Offense des Weges: QB John Beck, RB Roy Helu, TE Fred Davis, WR Anthony Armstrong, LT Sean Locklear, LG Will Montgomery, C Erik Cook, RG Chris Chester, RT Jammal Brown, WR Jabar Gaffney (okay, den kennt man), FB Darrel Young.

Bei den Bills hat QB Ryan Fitzpatrick einen frischen Sechsjahresvertrag in der Schublade: 59 Mio. Dollar für den Mann, der einst als hoch intelligenter Wandervogel und Backup fürs Leben galt, unter dem höchst interessanten Head Coach Chan Gailey aufgeblüht ist.

Kansas City Chiefs – San Diego Chargers

Montag/Dienstag, 01h30 LIVE bei ESPN America

Treat. Der überlegene Sieg der Chiefs über die hoch eingeschätzten, aber quarterbacklosen Raiders kam genau zum richtigen Zeitpunkt, denn plötzlich ist dieses Monday Night Game gegen die Chargers ein wichtiges in einer offenen AFC West. Genaueres dann am Montag.

NFL 2011/12, Week #7 Preview: Rohe Eier aus England

NFL in Wembley, yaddayadda. Leider fehlt es Sideline Reporter erneut an Zeit und Geld, das alljährliche Europaspiel der NFL gebührend zu würdigen (sprich: zu besuchen). Für nächstes Jahr werde ich eine Spendenhotline für verarmte Studenten und Praktikanten andenken.

Tampa Bay Buccaneers – Chicago Bears

So, 19h LIVE bei ESPN America und Sport1+

Dabei hat es die heurige England-Paarung im Gegensatz zu 2010 durchaus in sich: Die Buccs sind extrem unberechenbar, scheinen aber der Pubertätsphase entwachsen zu sein und trotz gefühlter Unterlegenheit in der Lage, Titelkandidaten wie New Orleans aus dem Weg zu räumen. Hauptgrund neben ein paar wenigen Big Plays RB Earnest Grahams und wohl getimten INTs dafür sind QB Josh Freemans Coolness, nach drei missratenen Würfen im entscheidenden Moment trotzdem den siegbringenden Ball anzubringen, und eine Defensive Line, die schön langsam ernst zu nehmen ist und in dutzenden Formationen des Weges kommt. Man merke sich die Herren Bennett, McCoy, Price, Clayborn.

Die Chicago Bears sind vielleicht ganz froh, diese Woche fernab aller Lokalmedien in England spielen zu können. Denn die heimische Berichterstattung wird trotz der starken Vorstellung gegen Minnesota von einem anderen Thema überlagert, das sich da nennt: QB Jay Cutler und das F-Wort. Der eigentlich besonnene Dan Pompei (auch NFL/Yahoo) hat am Donnerstag in seinem Editorial (Cutler: „F in Leadership“) in der Printausgabe der Chicago Tribune Cutler so dermaßen in den Senkel gestellt, dass sich der ehemalige NFL-Profi Matt Bowen (auch NFP) genötigt sah, am Freitag eine beschwichtigende Kolumne einzuschieben.

Cutler hatte am Sonntag nach dem x-ten Hit an der Seitenlinie seinen Frust an OffCoord Mike Martz abgelassen („Tell Mike Martz I said f*ck him“), was rein zufällig von NFL Films aufgefangen wurde. Dem menefregistischen Cutler wurde in genanntem Editorial von Bear Bryant über Sun Tzu hin zum alten Aristotel alles an klugen Sprüchen über Führungsperönlichkeiten um die Ohren gehauen.

Ein zweite Storyline ist das Wiedersehen von Bears-Headcoach Lovie Smith mit seiner ehemaligen Mannschaft Tampa Bay, wo Smith einst als Linebacker-Coach unter Tony Dungy die Basics der „Cover-2“-Defense erlernte, die er später in St Louis und Chicago zu ganz neuen Höhen getrieben hat. Jene „Cover-2“-Defense, die in den vergangenen Wochen immer lauter kritisiert wurde, auch aufgrund bockiger Safetys wie #31 Meriweather oder #46 Harris, deren undiszipliniertes Spiel für mehrere aufgegebene Big Plays gesorgt hatte, und die nun tatsächlich von den taufrischen Jungspunden Wright/Conte ersetzt werden sollen.

Chicago gegen Tampa. Ein Duell zweier Wundertüten, die mich für eine Prognose ziemlich ratlos hinterlassen.

Da ist es ergiebiger, über die Zukunft der NFL in London zu sprechen, über die vor wenigen Tagen auf dem Herbstmeeting der NFL-Owner abgestimmt wurde. Resultat: Eine Verlängerung des Vertrags bis 2016, mit der Option, ein zweites Europaspiel anzusetzen, falls sich ein entsprechender Abnehmer finden lässt, der die NFL gütlich genug zu entlohnen bereit ist. Interessanter Passus in den offiziellen Statements der Liga: Man gedenkt, eine fixe Heimmannschaft für das London-Spiel zu suchen.

Da ist der Gedanke „Tampa Bay Buccaneers“ nicht fern, zumal die Buccs bereits zum zweiten Mal nach 2009 in England angesetzt werden, ihr heimisches Raymond James Stadium nicht annähernd voll bekommen und die Buccs-Besitzerschaft (Reizwort Glazer) rein zufällig auch Eigner von Manchester United ist. Ob es für die bunte NFL-Anhängerschaft allerdings so reizvoll ist, jedes Jahr die selbe Mannschaft sehen zu dürfen/müssen/können… Abwarten und Tee trinken.

NFL 2011/12 Woche 7, der TV-Rest

Minnesota Vikings – Green Bay Packers (So, 22h LIVE ESPN America, Sport1+ und PULS4): Nach dem Ende der unsäglichen Ära Favre steht in der zuletzt hitzigen Rivalität Packers-Vikings diesmal mit QB Chris Ponder ein Rookie im Mittelpunkt: Minnesota prüft in den kommenden Wochen die Optionen Ponder und „Suck vor Luck“. Mitte November  dürfte die Richtung bekannt sein.

Ponder als Starter bedeutet im Umkehrschluss auch: Minnesota dürfte vor allem zu Beginn des Spiels primär auf RB Adrian Peterson setzen, um Ponder nicht schnell zu verunsichern. Von Green Bays Seiten kann man einen sehr druckvollen GamePlan erwarten, da sich bei Ponder letzte Woche andeutete, dass er bei überhasteten Würfen zu Fehlern neigt.

Tennessee Titans – Houston Texans (Mo, 10h Tape bei ESPN America): Wichtiges Spiel für beide, da es für beide die Playoffs kaum über eine Wildcard geben dürfte und somit der Divisionssieg wichtig wird. Houston ist eigentlich klar favorisiert, aber weil WR Andre Johnson keine Möglichkeit auf einer Schlägerei-Revanche kriegt und die Texans nach zwei unnötigen Niederlagen schon wieder Schlotterknie mitschleifen, darf man Tennessee mit seiner kühlen Spielweise, seiner starken Offensive Line und einer soliden Secondary eine Chance geben.

Detroit Lions – Atlanta Falcons (Mo, 12h Tape bei ESPN America): Die Lions bangen um ihr Laufspiel, nachdem bei RB Harrison ein Hirntumor prognostiziert wurde, der einen Trade für RB Brown negierte, und RB Jahvid Best geraten wurde, aufgrund akuter Gehirnerschütterungsgefahr die Saison vorzeitig zu beenden. Atlanta dagegen schraubt an allen Ecken und Enden, um seine lahme Offense und den blassen QB Matt Ryan in Gang zu bekommen. Dass dabei nun ausgerechnet die mächtige Defensive Line der Lions wartet, dürfte das Unterfangen erschweren.

New Orleans Saints – Indianapolis Colts (Mo, 14h Tape bei ESPN America): Das Superbowl-Rematch, diesmal unter völlig veränderten Vorzeichen, weil die Hauptstrategen von damals fehlen. QB Peyton Manning und Coach Sean Payton, der mit Schienbeinbruch nur limitiertes PlayCalling machen soll. Es bleibt abzuwarten, ob dies die Saints-Offense gegen eine wenigstens beherzt spielende Colts-Defense entscheidend einbremsen wird können. Das Duell LT Bushrod gegen DE Freeney riecht aber wenigstens nach drei Sacks und zwei Fumbles, insofern ist für die Colts nicht alles bereits vor dem Kickoff verloren.

Jacksonville Jaguars – Baltimore Ravens (Mo/Di LIVE bei Sport1+, Di, 14h30 Tape bei ESPN America): Das MNF-Spiel, eher auch kein Augenschmaus. Jacksonvilles Rookie-QB Blaine Gabbert kann sich in seinen Meriten aber vermerken, sich jüngst von Pittsburgh nicht verrückt machen gelassen zu haben (wow, ging das sprachlich denn nicht einfacher?). Allerdings dürfte Baltimores Defense, vor allem in der Front Seven, zurzeit einen Gang höher einzuschätzen sein. Auf der anderen Seite stehen die Jaguars bei mir im Ruf, in Primtetime-Spielen seit Jahren immer mal wieder eine Überraschungsleistung auf das Parkett zu zaubern, als ob sie bloß die nötige Aufmerksamkeit bräuchten.

NFL 2011/12 Woche 7, sonst so

Abseits von Ponders Debüt gibt es auch in Washington (von Grossman zu John Beck), Seattle (vom verletzten Jackson zu Charlie Whitehurst) und – natürlich – in Denver Quarterback-Wechsel. Die Broncos starten heute vor ausverkauftem Haus in Miami die Ära Tim Tebow, der passenderweise vor dem Spiel auch noch für seine 2008er-Titelsaison am College geehrt wird. Gestern im Sportscenter bei ESPN wurde mit Jerry Rice eine interessante Komponente angesprochen: Nicht nur für die Offensive Line, sondern auch für die Wide Receivers bedeutet der Wechsel von einem Rechtshänder (Orton) auf einen Linkshänder (Tebow) eine Umstellung: Der Ball rotiert entgegengesetzt, was erhöhte Konzentration beim Fangen bedeutet (die Flugkurve selbst ist arm-unabhängig).

Völlig unter dem Radar fliegt bei uns das IMHO hochinteressante Duell der New York Jets gegen die San Diego Chargers, die beide in ihren Divisionen unerwartet hartnäckige Konkurrenz bekommen haben und bislang nicht rundum überzeugend aufgetreten sind. Alle Statistiken weisen darauf hin, dass die Jets nur dann eine Chance gegen die giftige Defense der Chargers haben werden, wenn sie konsequent hartes Laufspiel durchziehen können – etwas, das mit RB Shonn Greene schwer möglich werden wird.

Am Boden liegen aktuell die St Louis Rams, bei denen man offenbar bereits in Betracht zieht, Steve Spagnuolo noch vor Saisonende zu rasieren. Heute wird erstmal QB Sam Bradford fehlen. Backup A.J. Feeley gibt den Notnagel gegen Dallas.

Okay. In einer Stunde beginnt das WM-Finale im Rugby. Man sieht sich dann am Abend.

AFC 2011/12 im Blickfeld

Diese NFL-Saison ist mir bislang außerordentlich sympathisch und hat überraschenderweise bislang mehr Aufregung produziert als die reicht steife Saison im College Football. Heute mal ein Blick auf die AFC.

AFC East

New England (5-1). Ich halte es für möglich, dass die Offense der New England Patriots die beste ist, die ich bislang jemals gesehen habe, obwohl sie mich nicht ins Schwärmen verfallen lässt wie etwa Oregon oder Boise State oder einst die Saints: Was Brady da für eine Masse an spielcharakteristisch unterschiedlichen Anspielstationen hat, ist fassungslos.

Buffalo Bills (4-2). Ich habe noch kein Bills-Spiel gesehen, aber gefühlt ist die Mannschaft ihren Record nicht „wert“. Jo, es gibt wunderbare Einzelspieler wie RB Jackson und WR Johnson, aber die beiden Siege gegen New England und Philadelphia sind auf viel INT-Glück und selbstzerstörende Gegner zu schieben. Prognose: Es werden keine Playoffs.

New York Jets (3-3). Miami spielte den Seelendoktor, aber die Jets haben deutlich spürbare Probleme, die mit der Unfähigkeit, das Laufspiel zu stoppen weitergehen in die Offense, wo man bei den Running Backs einfach keine Konstanz hineinbekommt und sich zu sehr auf QB Sanchez verlassen muss. Dass man nun trotzdem wieder in der Division „dran“ ist, dürfte in Sachen Playoffs helfen.

Miami Dolphins (0-5). Das Piepen im EKG wird leiser. Nachdem zu Saisonbeginn wenigstens noch Spurenelemente von Leben in der Offense erkennbar waren, liegt Miami mittlerweile mit einem Fuß im Sarg, auch weil es schwer wird, die Offense mit einem einfach gestrickten QB á la Matt Moore wiederzubeleben.

AFC North

Baltimore Ravens (4-2). Vielsagend für die Defense, dass QB Joe Flacco nur haarscharf über 50% der Bälle an den Mann bringt, die Ravens aber trotzdem Spiel um Spiel gewinnen und immer mächtiger aussehen. Baltimore hat sich zurück in den Kreis der Titelanwärter gespielt.

Cincinnati Bengals (4-2). So wirklich überzeugend schaut der bisherige Schedule ja nicht aus, weswegen auch noch kein Mensch die Bengals ernst nimmt (auch nicht die apathischen eigenen Fans). Die wenigen gesehenen Tapes deuteten jedenfalls an, dass QB Andy Dalton der von TCU gewohnt furchtlose Mann ist und Dalton scheint unter dem als höchst intelligent geltenden OffCoord Jay Gruden so langsam, aber sicher aufblüht. 100%ig überzeugt scheint man von Dalton zwar noch nicht zu sein, dafür schaut WR A.J. Green phänomenal aus und gönnt sich im Vergleich zum College auch weniger Auszeiten im Spiel. Die Defense ist unspektakulär effizient, allerdings bisher noch nicht wirklich von ernst zu nehmenden Offenses ausgetestet.

Pittsburgh Steelers (4-2). Die Steelers schleppen das altbekannte Problem des Sekundengenies weiterhin mit sich, fühlen sich einfach noch nicht wie eine komplette Mannschaft an. Der Angriff wird von QB Roethlisberger, nicht dem Laufspiel, getragen und durch eine furchtbare Offensive Line gehemmt. Die Defense schaut mittlerweile wieder aggressiver aus, hat aber bislang ganze 2 (in Worten: zwei) Turnovers produziert – das ist für mich eine der Stats der Saison. Nach dem Gesetz der Serie dürfte Pittsburgh aber früher oder später deutlich mehr Turnovers forcieren. Schedule: Es folgt das Superbowl-Rematch gegen Arizona (Sieg im Vorbeigehen?), aber danach kommen New England und Baltimore.

Cleveland Browns (2-3). Noch zu wenig gesehen, aber gefühlt lastet zu viel auf den schmalen Schultern vom jungen QB Colt McCoy.

AFC South

Tennessee Titans (3-2). Verkehrte Welt bisher in Tennessee: Die Offensive Line war gegen Pittsburgh nicht übel, trotzdem machte RB Chris Johnson kaum Yards. Dagegen war die Defensive Line für mich eher eine Enttäuschung, brachte gegen die schwache Protection der Steelers kaum Druck zustande. Tennessee wird gegen Houston alle Abgewichstheit der Welt brauchen, wenn sie die Division tatsächlich gewinnen wollen.

Houston Texans (3-3). Der Gary-Kubiak-Faktor schlägt grad wieder zu. An guten Tagen schaut die Mannschaft auch ohne WR Andre Johnson solide aus und spielt mit ihren dutzenden hochkarätigen Einzelspielern ganze Kaliber an die Wand (Oakland zum Beispiel), nur um dann Spiele durch hirnloses Play-Calling und individuelle Fehler abzuschenken. Fassungsloses Potenzial, aber wackelige Team-Psyche. Playoffs gibt es nur über den Divisionssieg.

Jacksonville Jaguars (1-5). Ich gehe mal davon aus, dass es das für Jack Del Rio gewesen sein wird. QB Blaine Gabbert sieht nicht unterirdisch aus, aber alles in allem ist man nur den knappen Heimsieg gegen Tennessee vom ganz großen Loch entfernt.

Indianapolis Colts (0-6). Die Vorstellung der Defense gegen die Steelers war sehr beherzt, aber die Offense ist ein Trümmerhaufen: Schlechte Protection, unvorbereitete Quarterbacks, verletzte Running Backs. Der Ausfall von Peyton Manning rückt die über Jahre gelobte Personalpolitik in Indianapolis in ein anderes Licht und gibt der Diskussion Berechtigung, dass der MVP der Saison 2011/12 möglicherweise ein Spieler ist, der kein einziges Down gespielt hat. Die Rede ist von Manning, dessen Ausfall Indianapolis so schwer trifft, dass das Szenario „Draftpick #1“ nicht mehr ausgeschlossen scheint, was zur bizarren Konstellation Manning + Luck im Colts-Kader führen könnte.

AFC West

San Diego Chargers (4-1). Der obligatorische Fehlstart in die Saison blieb diesmal aus, und das, obwohl QB Philip Rivers noch nicht auf Betriebstemperatur gekommen ist. Bisher für mich als Team eine Unbekannte, aber sie waren gegen New England lange Zeit dran.

Oakland Raiders (4-2). Die Raiders gehören für mich durchaus in die obere Kategorie der NFL, haben eine starke erste Saisonphase hinter sich und spielen mit viel Herz und Leidenschaft – nicht erst seit Al Davis’ Tod. Mike Silvers Lobeshymnen auf Hue Jackson scheinen nicht ganz unbegründet gewesen zu sein, und wenn nun tatsächlich QB Carson Palmer die zweite Saisonhälfte anführt – und nicht vollends eingerostet ist – sprechen wir hier vielleicht tatsächlich über eine Playoff-Mannschaft.

Kansas City Chiefs (2-3). Nachdem der Verletzungsteufel zugeschlagen hatte, sah es erstmal zappenduster aus, bevor wenigstens die einfachen Siege gemacht wurden. Bei den Chiefs wird in den nächsten Wochen vieles von der Entwicklung QB Matt Cassells abhängen, der nicht gewohnt ist, eine Mannschaft tragen zu müssen.

Denver Broncos (1-4). Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow. Tebow.

Tebow: Star unter Gesichtslosen

John Fox ist also doch schon nach Woche 5 umgefallen und hat dem gierigen Verlangen der Fans nachgegeben: Die Denver Broncos werden ab sofort (ergo Spieltag sieben) QB Tim Tebow ins Spiel werfen und den unbeliebten QB Kyle Orton auf die Bank setzen. Tebow halte ich mit seinen unpräzisen Würfen und den stundenlang in der Luft hängenden Bogenlampen bekanntlich für eine suboptimale Langzeitlösung in der NFL, aber man sage mir nicht nach, dass ich die Person Tebow in Zeiten von T.O., Ochocinco oder Waffenführung bis in die Umkleidekabinen nicht außerordentlich schätze.

Und diese Person Tebow gibt uns auch Grund, kurz über das Fandasein zu reflektieren. Tebow wird vermutlich niemals annähernd so dominieren wie damals am College, in der Saison 2007/08 mit diesen fassungslos vielen, variantenreichen Option-Plays in der sensationellen Offense der Florida Gators. Trotzdem wird Tebow ein Superstar bleiben, einer, der die Massen bewegt ohne sich mit primitiven Tweets Gehör verschaffen zu müssen.

Grantland lädt in einem sehr lesenswerten Artikel über Tebow, Cam Newton und den farblosen Rest der NFL-Quarterbacks zum Nachdenken über das Dasein von „Stardom“ in der NFL ein.

Die Denver Broncos in der Abenddämmerung

2010/11 war für die Denver Broncos eine ziemlich üble Saison, mit einer komplett kollabierenden Defense, einer QB-Enteierung, mehreren wichtigen Verletzten und einem mitten in der Saison gefeuerten Head Coach Josh McDaniels. Dessen höchst unglückliche Zeit – auch auf diesem Blog wurde darüber intensiv diskutiert – am Steuer ist beendet, vom spektakulären Offensivgeist McDaniels geht es nun zurück zu den Wurzeln. Der neue Mann, dem in Denver vertraut wird, ist John Fox, der ehemalige Defensive Coordinator der Giants und Head Coach der Panthers, der mit Carolina einst das Unmögliche möglich machte und innerhalb von zwei Jahren von 1-15 zum unglücklichen Superbowl-Verlierer mutierte.

Fox, das Rebuilding-Genie. Trotzdem verwundert seine Verpflichtung: Mit Owner Pat Bowlen und dem sportlichen Leiter John Elway säßen eigentlich eher offensiv denkende Leute im Front Office – aber nach dem Stress mit McDaniels scheint man sich nach ruhigeren Zeiten zu sehnen.

Die Offense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Offense: Run the ball. Eine Philosophie, für die allerdings das Spielermaterial in Denver nicht optimal zu sein scheint. Die Offensive Line ist noch aus McDaniels’ Zeiten dafür gebaut, für das Passspiel zu blocken und besitzt mit LT Ryan Clady nur einen herausragenden Mann. Und dann ist da Running Back Knowshon Moreno, ein Mann, der 4.3yds/Carry macht, aber trotzdem nicht wie der Franchise-Back aussieht. Als Sicherheitsoption wurde erstmal RB Willis McGahee aus Baltimore eingekauft, ein nicht jünger werdender, aber vielseitiger Spieler, der Moreno entlasten soll.

Weil das Laufspiel vermeintlich noch nicht dominant genug sein wird, lastet der Druck vorerst eher auf dem Passspiel, das nach einem zeitweise unrühmlichen Theater wie erwartet auf QB Kyle Orton lastet, einem Mann, der wie die Faust aufs Auge auf eine Offense von John Fox passt: Säufer der alten Schule, Frisur aus den 60ern und ein Spiel, so blässlich und verlässlich wie Fox es nicht besser kriegen könnte. Ortons limitierte Fähigkeiten im Lesen von Abwehrschemen müssen allerdings mit simplifizierten Gameplans kaschiert werden.

Anspielstationen sind zur Genüge da: WR Brandon Lloyd hatte 2010/11 sein Coming Out und 18.8yds/Catch über 77 Catches (11 Touchdowns), dazu gesellt sich der solide WR Eddie Royal – und, erfreulich, womöglich irgendwann im Lauf der Saison auch WR Demaryius Thomas, dem hohen Pick von 2010, der nach einer schweren Achillessehnenverletzung überraschend von der PUP-Liste genommen wurde.

Ortons Backup wird vorerst der noch blassere Brady Quinn sein, während der eigentliche Superstar in dieser Mannschaft, QB #15 Tim Tebow, nach seiner famosen Karriere am College weiterhin ein Schattendasein fristet und trotz vehementer Fanproteste beim alteingesessenen Fox wohl über längere Sicht keine Chance auf den #1-Posten hat. Allerdings: Orton wird früher oder später Fehler machen, und dann geht das Theater wieder los.

Die Defense

Die Fox’sche Footballphilosophie in der Defense: Stop the run. Fox baute in Carolina innerhalb kürzester Zeit eine starke Defense um seine dominante Defensive Line auf. Tendenzen dazu gibt es auch in Denver und es sind Bestandteile da: DE Elvis Dumervil kehrt von einer schweren Verletzung zurück – sollte Dumervil an seine Form von 2009/10 anknüpfen können, ist der Pass Rush automatisch verstärkt. Der zweite Defensive End dürfte ein bislang gefloppter, gehypter ehemaliger hoher Draftpick sein: Robert Ayers oder der Neuzugang aus Jacksonville, Derrick Harvey, da DE Ty Warren erstmal mehrere Wochen, vielleicht Monate ausfallen wird. Der Ankermann der Defense dürfte der aus Philadelphia über bizarre Umwege gekommene DT Broderick Bunkley sein, eine händeringend benötigte Verstärkung auf der Innenseite.

Sollte die Line den Erwartungen halbwegs genügen, könnte Denver schneller als gedacht eine mehr als formidable Front Seven besitzen, denn die Linebackers lesen sich richtig gut: MLB wird der junge, hoch talentierte Joe Mays sein, die Outside Linebackers werden vom athletischen ehemaligen Miami Hurricane D.J. Williams und dem heuer an #2 gedrafteten Top-Pick Von Miller gebildet. Vor allem Miller ist ein Typ, dem man sehr viel Empathie entgegenbringen kann, ein großartiger Charakter und ein großartiger Athlet – und der vermeintliche neue Star-Pass Rusher der Broncos.

Der Trümmerhaufen der vergangenen Jahre war das Defensive Backfield, trotz zweier großer Namen. CB Champ Bailey ist einer der Spieler des Jahrzehnts, die ihre Karriere in mittelmäßigen Mannschaften verschwenden mussten, und Bailey gilt auch mit 33 noch als potenzieller Pro Bowler, der sich auf keiner tiefen Route verarschen lässt. Sämtliche weiteren Cornerback-Positionen sind allerdings so mau besetzt, dass sogar der aus New England in sehr unguter Erinnerung gebliebene Jonathan Wilhite ein möglicher Starter sein könnte.

Der zweite big name ist der feurige Leadertyp SS Brian Dawkins, ein mittlerweile auf die 40 zugehender knochenharter Hitter, dessen letztes Karriereziel sein dürfte, den Tutor für den jungen Free Safety von der University of California/Los Angeles, Rahim Moore, zu geben. Moore ist vom Drafttag in Erinnerung geblieben, als er mit literweise Tränen im Gesicht ein paar warme Worte für die Möglichkeit, an Dawkins’ Seite zu spielen, gab.

Ausblick

Bleibt nur noch abzuwarten, wie holprig die Umstellung von 3-4 auf 4-3 verlaufen wird, zumal große Teile der Defense noch sehr jung sind und über kaum NFL-Erfahrung verfügen – ein Problem, das in abgespeckter Version auch für die Offense gilt. Prinzipiell halte ich bekanntermaßen große Stücke auf Fox, und ich glaube an eine deutlich bessere Saison in Denver, irgendwo in der Region der .500, sollte der Sport und nicht die Debatte um Tebow im Fokus bleiben. Der Schedule hält in den ersten drei Wochen drei mögliche Siege bereit und auch danach wäre es nicht vermessen, an das eine oder andere Upset zu glauben.

Wk #1 vs Raiders (MNF)
Wk #2 vs Bengals
Wk #3 @Titans
Wk #4 @Packers
Wk #5 vs Chargers
Wk #6 BYE
Wk #7 @Dolphins
Wk #8 vs Lions
Wk #9 @Raiders
Wk #10 @Chiefs
Wk #11 vs Jets (Donnerstag)
Wk #12 @Chargers
Wk #13 @Vikings
Wk #14 vs Bears
Wk #15 vs Patriots
Wk #16 @Bills
Wk #17 vs Chiefs

Die AFC West ist eine interessante Division mit einem klaren Favoriten (San Diego) und einem IMHO völlig offenen Rennen um den zweiten Platz, eine mögliche Wildcard. Die Broncos müssen vermutlich aber sehr verletzungsfrei bleiben, um diese zu ergattern.

Das Zeiteisen verrät: 378 Minuten verbleiben. WordCount nach 21 Teams: 20293.

NFL Rookie-Analyse 2010/11: Die Erstrundenpicks der Denver Broncos

Sideline Reporter steht wieder auf Sparflamme. Heute die beiden Picks der Broncos im letztjährigen NFL-Draft, zwei Offensiv-Picks für den eigenartigen Head Coach Josh McDaniels. Wie das Urteil wohl ausfallen wird?

Pick #22: Demaryius Thomas

Position: Wide Receiver
College:
Georgia Tech University
NFL-Team: Denver Broncos

Denvers ex-Coach Josh McDaniels war ein Sturkopf und so voller Eigenwillen, dass er eine Serie an merkwürdigen Drafts zu verantworten hat. Moreno, Smith, Tebow sind IMHO alle für sich fürchterliche Picks – und ich gehöre noch zu denen, die ihm den Cutler-Move nicht ankreiden, da ich Cutler nie besonders geschätzt habe.

Aber bei allen schlechten Entscheidungen hatte McDaniels auch die Scheiße kleben. Demaryius Thomas, Wide Receiver, war zwar nicht wirklich ein dringend benötigter Mann in Denver. Aber wenigstens nichts, mit dem man McDaniels vorführen könnte.

Nun ist es bloß so, dass WR Thomas zwar ein gutes Debütspiel gab (8 Catches, 97yds, TD), aber danach völlig abstürzte und schließlich kurz nach Saisonhalbzeit mit Verletzung runtermusste. Endbilanz: 22 Catches über die Saison.

Man könnte meinen, Thomas hat die Möglichkeit, zurückzuschlagen. Dumm nur, dass seine Achillesferse beim Training in der Offseason gerissen ist und er mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Spiel bis Herbst 2012 wird bestreiten können. Thomas – schaut aus wie ein Fehleinkauf, für den McDaniels ausnahmsweise nicht alles kann.

Pick #25: Tim Tebow

Position: Quarterback
College:
University of Florida
NFL-Team: Denver Broncos

Dieser Tage wird in Denver intensiv darüber diskutiert, ob man Tim Tebow für die kommende Saison die Position des Franchise-QBs anvertrauen kann oder noch ein Jahr auf den blassen Kyle Orton vertraut?

Die Mannschaft scheint hinter Orton zu stehen. Verständlich, denn Orton ist ein orthodoxer Quarterback – zumindest sein Spielstil ist orthodox – mit dem sich eine Standard-Offense leichter spielen lässt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor, der uns zum Gegenspieler Ortons bringt, QB Tim Tebow.

IMHO der idiotischste Pick des ersten Runde von 2010.

Tebow war ein großartiger Spieler am College und wurde durch seine eindrucksvolle Persönlichkeit und dieses gewisse Etwas, diese Aura, schon zum Superstar, bevor er überhaupt in die NFL kam. Das ist selten, aber der sportliche Aspekt sollte nicht vernachlässigt werden. Ein verkappter Running Back mit dieser Wurftechnik und dieser Flugkurve des Balls soll in der NFL funktionieren?

Freilich hat Tebow in den wenigen Starts zum Saisonende nicht mal unterirdisch gespielt, sondern sogar Anzeichen von exzellentem Scrambling gezeigt und auch ein paar halbwegs brauchbare Bälle geworfen. Möglich, dass Tebow trotz aller ungünstigen Vorzeichen ein vernünftiger NFL-QB werden wird.

ABER: Der Pick „Tebow“ ist dem Ego von Josh McDaniels geschuldet und war ebenso überhastet wie unnötig. Denver hat ganz fürchterliche Lücken in der Defense und ein annehmbares Passspiel – und dann nimmst du einen Quarterback, der mit absoluter Sicherheit eine lange Einlernzeit braucht, auf den du deine funktionierende, starke – nicht überragende! – Offense umstellen musst und der dann trotzdem mit erhöhter Wahrscheinlichkeit floppen wird?

Ich verstehe sowas nicht – wie auch nicht Owner Pat Bowlen, der Ende November die Reißleine zog und McDaniels‘ Egotrip frühzeitig beendete. Ich befürchte, dass Tebow der letzte von McDaniels‘ mehreren verwirrenden Draftpicks sein und in Denver unter dem sehr konservativen neuen Coach John Fox eher wenig Rückendeckung bekommen wird.

Die Fans lieben Tebow und das Broncos-Shirt mit der #15 gehört zu den meistverkauften in der NFL. Allein, so richtig vorstellen kann ich mir sportlichen Superstar-Status für Tim Tebow nicht.