Bowl Season 2012/13 Preview: New Mexico Bowl und Famous Idaho Potato (watt?) Bowl

Das fröhliche Bowlen um die Weihnachts- und Neujahrszeit geht wieder los! Bowl Season ist eine meiner favorisierten Zeiten im Sportjahr, weil wir es hier mit so vielen verschiedenen Spielauffassungen zu tun bekommen, mit oft unbekannten Universitätsmannschaften, die sich mehr oder weniger motiviert in einem halbleeren fremden Stadion um eine artifizielle Trophäe aus der Retorte prügeln. Bowl Season ist aber immer noch das, wofür viele der Jungs College Football spielen – man merke sich: Der überwiegende Teil beendet nach der Studienzeit seine sportliche Karriere; in die NFL schaffen es die wenigsten.

Los geht’s heute mit zwei Spielen.

New Mexico Bowl

Arizona Wildcats – Nevada Wolfpack

19h LIVE bei ESPN America

Die größten Namen stehen an den Seitenlinien: Arizonas neuer Head Coach Rich Rodriguez, auf Wiedergutmachungstrip nach einem desaströsen Arbeitsverhältnis mit Michigan, und Nevadas Chris Ault, ergraut, schrullig, Hall of Famer, Erfinder der legendären Pistol-Offense. Es sind zwei Coaches, die für innovative Offensivsysteme stehen: Rodriguez lässt eine Zone-Read Spread-Option spielen, die heutzutage überall eingesetzt wird, aber seinerseit (Mitte der 2000er) bahnbrechend war. Aults Pistol-Offense ward 2004/2005 geboren, nachdem Ault nach zehn Jahren Auszeit in Nevada bereits als Hall of Famer wieder an die alte Wirkungsstätte zurückgekehrt war. Pistol-Offense wird heute auf allen Levels gespielt, u.a. auch zeitweise in der NFL.

Beide waren heuer 7-5: Arizona eher als die wilde Hopp-oder-Topp-Truppe (USC und Oklahoma State geschlagen, Oregon State und Stanford am Rand einer Niederlage gehabt, aber von Oregon und UCLA mit ca. 50 Punkten Differenz abgeschossen), Nevada hatte eine schwache Phase Ende Oktober (3 Niederlagen en suite).

Arizonas Saison war nicht ohne Kontroversen. Rodriguez brachte die Wildcats zurück auf die Landkarte des College Football. Auf der anderen Seite gab es auch Momente, in denen der Hirnriss nicht weit ist, z.B. als QB Matt Scott gegen USC mit klaren Gehirnerschütterungssymptomen (drei, viermal Brechen auf dem Spielfeld) nur widerwillig aus dem Spiel genommen wurde.

Excel favorisiert Arizona mit 12.5 Punkten.

Famous Idaho Potato Bowl

Tja. Gibt es einen besseren Bowl-Namen als diesen? Für die Erdapfel-Industrie von Idaho scheint das Sponsoring aber tatsächlich bloß Peanuts zu sein. Und nebenbei noch den Gönner vor dem Herrn gegeben.

#22 Utah State Aggies – Toledo Rockets

22h30 LIVE bei ESPN America

Vom knallblauen Spielfeld in Boise/ID ist ja jedes Footballspiel ein Hingucker. Diesmal sind die #22 Utah State Aggies, die letzten Champions der zerbrochenen WAC, mit dabei, jahrelang das Schlachtopfer auf der Bank, aber dieses Jahr mit 10-2 Bilanz sogar in den BCS-Rankings vertreten (SRS hat die Aggies auf #23, also kein Zufall!). So sehr wie USU dies’ Jahr die WAC in Grund und Boden spielte, hatte das vor Jahren nur Boise State geschafft.

Auch die einzigen zwei Niederlagen lesen sich nicht verheerend: 16-14 gegen Wisconsin und 6-3 gegen BYU verloren, dafür u.a. Utah geschlagen. QB/RB Chuckie Keeton spielt fehlerarm und effizient und ist ein guter Scrambler, wenn es nötig ist.

Toledo aus der Mid-American Conference kam mit neuem Head Coach Matt Campbell (32 Jahre alt) und 9-3 auch nicht schwach durch die Saison, verlor aber mit seiner absurd schwachen Defense in der Endphase der Saison mal wieder die entscheidenden Partien und flog hohekant aus dem MAC-Titelkampf. Die Rockets 2012 unterscheiden sich von früheren Rockets-Truppen insofern, dass sie nicht mehr auf ein QB-Duo setzen, sondern diesmal tatsächlich konsequent mit Terrance Owens durch die Saison gingen.

Excel favorisiert Utah State mit 13.5 Punkten.

Football heute, 14.11.2012

Drei Verweise für nicht alltägliches Brot am heutigen Tag bei ESPN America (plus einen für morgen!).

CFL-Playoffs

Am vergangenen Wochenende begann der Start der CFL-Playoffs, von denen ESPN America heute um 16h und 18h die Tapes der beiden Spiele zeigt.

Ich schulde noch das letzte SRS aus der Canadian Football League, deren letzten Spieltag ich letzte Woche diskutiert hatte.

TEAM           MOV   SOS   SRS
BC Lions       6.4  -0.4   6.1
Calgary        4.8  -0.2   4.8
Saskatchewan   1.0   0.8   1.8
Edmonton      -0.9   1.1   0.1
Montreal       0.0  -1.0  -1.0
Hamilton      -2.4  -0.4  -2.8
Toronto       -2.5  -0.3  -2.8
Winnipeg      -6.4   0.4  -6.0

Mit Hilfe von 4.5 Punkten Heimvorteil lassen sich die Favoriten kalkulieren.

Im Ost-Bracket trafen die Toronto Argonauts auf die Edmonton Eskimos, die im Zuge der “crossover-rule” im Ost-Bracket mitmachen dürfen. Im Fokus stand dabei insbesondere Torontos QB Ricky Ray, vor der Saison in einem Verzweiflungsmove aus Edmonton geholt und in der laufenden Saison mit recht soliden Vorstellungen, u.a. einer niedrigen Turnover-Anfälligkeit.

Bei den Eskimos lief die Saison dagegen recht turbulent ab: Man musste zwischen den QBs Joseph und Jyles hin und her switchen, wobei vor allem der Altstar Joseph eine wandelnde Turnover-Maschine war. Weil Jyles verletzt ist, wird heue Joseph starten.

Nach SRS ist Toronto dank Heimvorteil mit knapp 2pts favorisiert, aber Vorsicht: In der Regular Season gewann Edmonton gleiche beide direkten Duelle.

Im Westen treffen die altbekannten Calgary Stampeders auf die Saskatchewan Roughriders, wobei letztere aus einer schlechten letzten Saisonphase kommen, wo haufenweise Spiele und das Heimrecht noch verloren wurden.

Saskatchewan zeichnet sich durch eine knackige Defense aus, und die wird es heute brauchen, denn Calgarys Pass-Angriff ist gefährlich: QB Drew Tate war zwar über weite Strecken der Saison verletzt im Krankenstand und sein Einsatz heute Nacht ist nicht unumstritten, aber Tate war, wenn fit, mit 9.0 Y/A der zweitexplosivste Quarterback in der CFL überhaupt.

Überschattet wurde das Spiel von gehässigen Kommentaren der lokalen Medien in Calgary („Ich bete, dass der Flieger der Roughriders abstürzt“), wo man sich nur allzu ungern an die jüngste Playoff-Vergangenheit gegen Saskatchewan erinnert, u.a. vor zwei Jahren eine Partie als haushoher Favorit in Eiseskälte abgeschenkt.

In der Regular Season gewann Calgary zwei von drei direkten Duellen, allerdings waren alle drei Spiele sau eng (1x Overtime, dann 5pts, dann 7pts Differenz). Nach SRS ist Calgary diesmal aber mit 7.5 Punkten favorisiert.

(Ich habe eines von den beiden Halbfinals bereits gesehen und kündige SPEKTAKEL für die Schlussphase an)

Northern Illinois Huskies – Toledo Rockets

Das möglicherweise entscheidende Divisionsduell um den Einzug in das MAC-Finale aus der Western Division wird heute ab 03h LIVE bei ESPN America übertragen. Die Northern Illinois Huskies (9-1, 6-0 in der MAC) treffen auf Toledo (8-2, 5-1 in der MAC) und können mit Heimsieg den Sack zumachen und das Ticket fürs Endspiel in Detroit am 30.11. schon mal klar machen.

Toledo gilt auch unter HC Matt Campbell als potenziell starke Mannschaft, die aber immer wieder in entscheidenden Momenten versagt. NIU dagegen ist „nur“ ein Geheimtipp, aber die SRS-Ratings zeigen, dass wir es hierbei bei der mit Abstand besten MAC-Mannschaft zu tun haben: NIU ist mit 7.5 an #31 gerankt, während z.B. Toledo mit -0.8 erst an #68 aufscheint. Sehenswert bei NIU ist immer wieder der QB Jordan Lynch, ein wuseliger „double threat“.

Die letzten beiden Jahren lieferten sich die beiden Teams wilde Shootouts, vergangenes Jahr ein 66-63!

Morgen um 12h bringt ESPNA noch ein Tape von Ball StateOhio, wobei beide bereits für die Bowl Season qualifiziert sind, aber beide nur noch kleine rechnerische Chancen auf das MAC-Finale haben.

MACtion in der Wahlnacht

Darauf habe ich lange gewartet: Wie aus den letzten Jahren gewohnt, bringt ESPN America mit Novemberstart die ersten Spiele aus der Freak-Conference MAC („Mid-American Conference“). Die MAC ist geographisch so was wie die kleine Schwester der Big Ten Conference, mit den verrücktesten Universitätspräsidenten in den Staaten und einer unberechenbaren sportlichen Qualität der Mannschaften.

Rückwirkend lesen sich meine Previews auf dem Sommer für Ost– und Westdivision bis dato gar nicht so deplatziert. Kent State bisher mit einer starken Saison, daneben sind auch Toledo, Ohio und Bowling Green vorne dabei. Heute und morgen gibt es vier MAC-Teams bei ESPNA:

TEAM            W-L    SRS
Toledo          8-1   -0.3
Ball State      6-3   -2.3
Ohio            8-1   -3.7
Bowling Green   6-3   -5.9

Toledo – Ball State

In der Nacht auf morgen, Mittwoch 02h MEZ, werden in den Staaten nicht nur die Präsidentschaftswahlen durchgedrückt, sondern treffen auch die Toledo Rockets (8-1) auf die Ball State Cardinals. Toledo scheint den Wechsel hin zum blutjungen neuen Head Coach Matt Campbell ganz gut hingekriegt zu haben, allerdings gibt es auf der Quarterback-Position nicht mehr die gewohnte Doppelspitze. Terrance Owens scheint nun das Spiel allein in die Hand gedrückt zu bekommen.

Toledo ist mit einer 5-0 Conference-Bilanz gleichauf mit Northern Illinois und kann sich aufgrund des noch kommenden direkten Duells sogar im schlimmsten Fall eine Niederlage heut’ Nacht erlauben.

Die Rockets würgten sich zuletzt sogar als #25 in die BCS-Polls rein – allein: Aus den Ergebnissen werde ich nicht schlau. Da sind hauchzarte Siege gegen Bodensatztruppen wie Wyoming, Coastal Carolina, Eastern Michigan oder Buffalo mit dabei. Auf der anderen Seite putzte man vor zweieinhalb Wochen die #21 Cincinnati Bearcats und verlor zum Saisonauftakt erst in der Overtime gegen die Arizona Wildcats, die spätestens seit dem Upset gegen USC als ernst zu nehmende Nummer gesehen werden. Das SRS sieht in Toledo eine fast haargenau durchschnittliche FBS-Mannschaft.

(Wiederholung morgen Mittwoch, 17h30)


Bowling Green – Ohio

In der Nacht auf Donnerstag überträgt ESPNA ab 02h MEZ dann Bowling Green FalconsOhio Bobcats; Ohio ist auch so ein Team, das nicht narrisch weit von den Top-25 weg ist, aber auf der anderen Seite wackelig genug auftritt, um gegen die schwächste FBS-Mannschaft Massachussetts nut 37-34 zu gewinnen und im Zuge einer Serie an engen Spielen zuletzt gegen Miami/OH die erste Saisonpleite kassierte.

Ohio habe ich einmal gesehen, in Woche 1 bei den Penn State Nittany Lions, als ein eindrucksvoller Sieg eingefahren wurde – von Fumbles und Turnovers begünstigt, aber die Nüsse und die Physis in der zweiten Halbzeit waren damals beeindruckend. QB Tettleton und RB Blankenship formen diesbezüglich ein begeisterndes Trio.

(Wiederholung übermorgen, Donnerstag 17h30)

Mid-American Conference, Western Division vor der Saison 2012/13

Am Vormittag hatten wir den Osten unter der Lupe. Jetzt folgt der Westen der MAC.

Northern Illinois Huskies

Sehr ausgeglichen dürfte die Western Division sein, die in der Spitze mit reinster Offensivgewalt daherkommt. MAC-Titelverteidiger Northern Illinois ist noch immer berauscht von einigen fantastischen Siegen gegen Saisonende 2011/12, inklusive eines 63-60 über Toledo und des besagten 23-Punkte-Comebacks im Conference-Finale gegen Ohio. Nun sind allerdings der beste Quarterback der Schulgeschichte, Mr. Irrelevant Chandler Harnish, der OffCoord und sieben weitere Starter in der Offense weg, und es übernimmt mit QB Jordan Lynch ein Grünschnabel. Aber Lynch gilt als extrem großes Talent, kann auch scrambeln und soll Harnishs Erbe fortführen können. Hemmschuh könnte die Defense sein, die zwar größtenteils personell unverändert bleibt – aber das ist dann eben auch ein Personal, das schon mal weit über fünfhundert Yards an manchem Spieltag aufgibt.

Toledo Rockets

Vermutlich wieder der größte Konkurrent dürften die Toledo Rockets sein, die mit dem neuen, sehr jungen Head Coach Matt Campbell (32 Lenzen) und einem insgesamt recht runden Kader aufmarschieren. Toledo war im letzten Jahr eine der Mannschaften der Saison, hätte um ein Haar die Ohio State Buckeyes in deren Stadion geschlagen, wurde bei einer knappen Niederlage gegen Syracuse von den Refs verarscht und verlor dann im November noch besagten wilden Shootout gegen NIU.

Toledo zeichnet sich durch eine Rarität aus: Ein funktionierendes Wechselspielchen bei den Quarterbacks. Da ist zum einen der hüftsteife Austin Dantin und zum anderen der bewegliche Terrance Owens. Die beiden ergänzen sich bestens und vor keinem Drive weiß der Gegner, welchen Spielmacher Toledo denn nun einwechseln wird. Die Skill Players mussten zwar einen Aderlass hinnehmen, aber aufgrund einer starken Offensive Line und einer druckvollen Front Seven in der Abwehr dürfte eine weitere raketenhafte Saison folgen.

Western Michigan Broncos

Western Michigan auf der anderen Seite gehört unter dem langjährigen Coach Bill Cubit zu den wenigen Konstanten, spielt stets in der Nähe der MAC-Spitze mit, ohne in dieser Zeit jemals den Conference-Titel gewonnen zu haben. 2012 hat man eine exzellente Chance, und das vor allem wegen des einen Mannes: QB Alex Carder. In der vergangenen Saison fiel die exzellente Partnerschaft Carders mit seinem Top-WR Jordan White auf, doch White ist nun in der NFL und man darf gespannt sein, wie sich das Bronco-Spiel über die Mitteldistanzen (15-20yds) entwickeln wird. Knackpunkt bleibt die Defense, die mal wieder einen neuen DefCoord bekommt und gegen breites Pass-Arsenal kein Land sieht. Wenigstens der Schedule ist günstig: Die besten conferenceinternen Gegner darf man daheim begrüßen, die drei BCS-Gegner werden alle von Wehwehchen geplagt (Illinois/Minnesota/UConn).

Ze Rest

Von den Western Michigan Broncos zu den Eastern Michigan Eagles aus Ypsilanti (2011: 6-6), wo nicht mehr so rot gesehen wird wie noch vor einem Jahr. Unter Ron English geht es aufwärts, vor allem wegen der breit aufgestellten Bodentruppen und einer exzellenten Run-Defense.

Eher abwärts zeigt der Trend dagegen beim Lokalrivalen, den Central Michgian Chippewas mit ihrer kollabierenden Offense. Head Coach Dean Enos steht mächtig unter Druck und muss Ergebnisse liefern – die Zeit ist günstig, da der Kader als recht gut aufgestellt gilt. Allein: QB Ryan Radcliffe bekommt sein lockeres Abzugshändchen nicht recht unter Kontrolle, neigt zu mentalen Aussetzern, die sich mit Coaching kaum beheben lassen.

Zum Abschluss noch die Ball State Cardinals, die sich unter Pete Lembo aus den tiefsten Tiefen erstmal herausgearbeitet zu haben scheinen, was auch an QB Keith Wenning liegt, der seine Hüftsteifheit mit erstaunlich akkuraten Würfen kaschiert. Problem bleibt der schlechte Pass Rush, weswegen die Secondary oft blank steht.

Bowl Season 2011/12: Nicht Mack Browns letztes Halali

Nach der Poinsettia Bowl fürn Weihnachtstourismus vergangene Woche nun die Holiday Bowl fürn Silvestertourismus von San Diego – und als Aufwärmprogramm eine der interessantesten Mannschaften dieser Footballsaison.

Military Bowl presented by Northrop Grumman

Toledo Rockets – Air Force Falcons

Mi, 28.12. 22h30 LIVE bei ESPN America

Die Toledo Rockets sind ein kleiner Mid-Major aus der MAC mit einer 8-4 Bilanz, der die MAC-East als Zweiter abschloss. Was wenig aufregend klingt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als durchaus nicht verachtenswert: Toledo hatte Ohio State im September am Rande einer Niederlage (scheiterte erst an der RedZone beim Comeback-Drive) und hätte gegen einen weiteren BCS-Gegner, Syracuse, ohne diesen Phantom-Call der Refs gewonnen:

Im November scheiterten die Rockets dann am späteren MAC-Champ Northern Illinois in einem fassungslosen Shootout (60-63) und verpassten dadurch das MAC-Finale – trotzdem ist die Mannschaft mit ihrer einzigen klaren Niederlage gegen Boise State ein Liebling sämtlicher mathematischer Rankings (bei mir #31). Die Vorstellungen waren dann am Ende auch imposant genug, dass der Stratege dahinter, Head Coach Tim Beckman, gleich von der University of Illinois aus der Big Ten Conference abgeworben wurde. Beckman wird heute nicht mehr coachen.

Toledo zeichnet eine überraschend starke, schön durchbalancierte Offense aus, wo zwei unterschiedliche Spielertypen bei den Quarterbacks durchrotiert werden (der bewegliche Austin Dantin und der fußlahme Terrance Owens), RB Adonis Thomas zuletzt mit über 150yds/Spiel explodierte und WR Eric Page eine grandiose Saison spielt (112 Catches, 1123yds, 10 TD).

Toledos Defense gilt als ebenso grundsolide, aber es gibt das eine Problem: Air Force spielt eine Option-Offense, und das haben die Rockets noch nicht gesehen. Die Falcons treiben das Spielchen mit den Ballübergaben und Pitches nicht so weit wie eine Army oder Navy und wirft etwas regelmäßiger (QB Tim Jefferson durfte heuer 161x werfen!), ist aber mit 320,3yds die #2 der Lauf-Statistiken in dieser Saison.

Die Air Force hat sich bei mir als starke „Bowl-Mannschaft“ eingebrannt, dürfte aber heute Nacht mit ihrer heuer wackeligen Defense Probleme bekommen. Ich halte ein Upset der Rockets also für nicht ausgeschlossen, trotz Interimscoach und möglicher ausgehender Puste. In fact, mein Ranking favorisiert gar Toledo mit sieben Punkten – ist jedoch rein mathematisch erstellt.

Bridgepoint Education Holiday Bowl

#24 Texas Longhorns – California Golden Bears

Mi/Do 28./29.12. 02h LIVE bei ESPN America
Tape: Do, 29.12. um 16h30 bei ESPNA

Die Texas Longhorns waren in den Tagen vor der Holiday Bowl mal wieder fleißig dabei, die Rücktrittsgerüchte um den alternden, vermeintlich etwas amtsmüden Head Coach Mack Brown zu dementieren – der exzellente Recruiter Brown bekam deshalb sogar eine Vertragsverlängerung, damit die Rufe endlich verstummen. Einen Abgang des grauhaarigen Head Coaches (seit 1998 bei UT) würde man nun als Überraschung werten.

Texas’ Probleme im Angriff kann man an den Quarterbacks festmachen: Der ungeliebte QB Gilbert wurde schnell aus der Stadt gejagt, die blutjungen Case McCoy (Colts Bruder) und David Ash übernahmen und spielten wechselhaft, trotz guter Offensive Line und annehmbaren Wide Receivers. So ist der Mann, der die Offense über weite Strecken trug, ein Freshman: RB Malcolm Brown (707yds), der allerdings nicht ganz fit ist. Angesichts der personellen Probleme gilt es immer noch als passables Gesellenstück des jungen OffCoord Bryan Harsin (ex-Boise State), was er da noch herausgeholt hat.

Auch Cal bietet einen passablen Angriff auf, mit dem RB Isi Sofele (1270yds, 9 TD) und dem Passspiel über QB Zach Maynard (2802yds, 17 TD, 11 INT) und den gefährlichen WR Keenan Allen (1261yds, 6 TD), muss aber primär auf einen Kollaps der texanischen Defense hoffen: Die Longhorns gehören potenziell zu den besten Defenses des College Football, klappten aber zwischendurch immer wieder übel gegen mächtigere Angriffsformationen (Oklahoma, Oklahoma State, Baylor) zusammen.

Viele gehen von einem recht spannenden Spiel aus, das möglicherweise erst in den letzten Minuten entschieden werden wird – Texas hätte da als X-Faktor einen K Justin Tucker aufzubieten, der vor wenigen Wochen nach dem Derbysieg über Texas A&M auf Schultern aus dem Stadion getragen wurde. Coin-Flip: Texas sollte leicht favorisiert sein.

College Football zum Novemberstart: Volles Programm (1) und (2)

Rivers kann durchschnaufen: Wir bekommen zum Höhnen keine 24h, ehe wieder die Eier fliegen. Diesmal im College Football, wo es ab sofort Schlag auf Schlag geht. Heute und morgen dran: Die Mid-American Conference (MAC), die kleine Schwester der Big Ten Conference im Nordosten der USA, sportlich von fragwürdiger Qualität, aber ein Stahlbad für junge, ambitionierte Coaches und in der Vergangenheit immer wieder Talentschuppen auch was NFL-Kaliber angeht (Roethlisberger sei als Beispiel genannt).

Um 00h00 live bei ESPN America: Toledo RocketsNorthern Illinois Huskies, das Topspiel aus der Western Division, wo die Spitze kuschelig eng zusammengerückt ist:

Toledo (4-0)
Eastern Michigan (3-1)
Northern Illiois (3-1)
Western Michigan (3-2)
Ball State (3-2)
Central Michigan (2-3)

Toledo war im September bereits zweimal zu sehen, hätte fast ein riesiges Upset bei Ohio State geschafft, wurde von Boise State aber deutlich in die Schranken verwiesen. Die Rockets spielen eine knackige Defense und sind im Angriff unberechenbar, weil mal der bewegliche, aber inakkurate QB Austin Dantin spielt, mal die „Statue“ QB Terrance Owens. NIU ist auch nach dem hässlichen Abgang von Head Coach Jerry Kill eine enorm am Laufspiel orientierte Mannschaft. Das Spiel wird morgen um 18h wiederholt.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag (01h LIVE ESPNA) dann Ohio BobcatsTemple Owls aus der engen Eastern Division:

Temple (3-2)
Ohio (2-2)
Miami/OH (2-2)
Bowling Green (2-3)
Kent State (1-3)
Buffalo (1-4)
Akron (0-4)

Wähernd Temple auch nach den Abgängen von NFL-Spielern wie DT Wilkerson (Jets) oder S Jarrett (Eagles) eine fiese Defense spielt, ganze 10 Pkte/Spiel kassiert und im September um ein Haar die große Sensation gegen Penn State geschafft hätte, weiß man beim eigentlichen MAC-Favoriten Ohio nie so recht, was man erwarten kann: Die Ergebnisse lassen auf eine instabile Mannschaft an allen Ecken und Enden schließen. Für Ohio wird es daheim essenziell sein, die sehr gefährlichen Running Backs von Temple unuter Kontrolle zu halten. Das Spiel wird am Donnerstag, 18h wiederholt.

Ist also einiges drin, vor allem könnte bei entsprechenden Spielausgängen in beiden Divisions Anarchie ausbrechen. Anschauen dürfte sich lohnen – die MAC ist auch deswegen sympathisch, weil hier die schnuckeligen 25.000-Stadien selten ausverkauft sind, ein willkommener Kontrast zum überhypten Treiben in SEC oder Big Ten.