Vorschau AFC Championship Game 2015/16: New England Patriots @ Denver Broncos

Championship Weekend!

Manning v Brady XVII! Das fünfte AFC Championship Game in Folge in für diese Patriots!! Das zehnte AFC Championship Game für die Belly-Brady-Combo!!!

Das Internet ist schon voll mit Stories zu diesen Storylines; in diesem Eintrag mehr zu strategischen Entscheidungen und Match-ups im diesjährigen AFC Championship Game New England Patriots (13-4, #2 Seed) @ Denver Broncos (13-4, #1 Seed), Kickoff 21.05Uhr. Bei den üblichen Verdächtigen CBS (mit Nantz/Simms), ran.de/Sat1 und PULS4. Weiterlesen

Vorschau Divisional Playoffs 2015/16 – Kansas City Chiefs @ New England Patriots

Football!

Das schönste Wochenende des Jahres: die acht besten Teams an zwei Tagen gegeneinander – besser geht’s nicht. Sieben der acht verbliebenen Teams sind in korsakoffs Power Ranking in den Top-8. Bei den Football Outsiders sind nach DVOA alle acht Teams in den Top-10. Wir fangen an im Nordosten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und wohl zumindest zeitweise auch Niederschlag, bei diesen Temperaturen kann das alles mögliche sein von Regen über Eisregen bis hin zu echtem Schnee.

22.35 Uhr: Kansas City Chiefs (12-5, #5 Seed) @ New England Patriots (12-4, AFC East Champions, #2 Seed). Im Gamepass mit The Bird & The Beard, Ian Eagle und Dan Fouts. Bei Pro7Maxx und ran.de ab 22.10 mit ? (steht auf der ran.de Seite leider nicht) und natürlich bei PULS4. Weiterlesen

TB12 und der lukrative Life Coach

Der Boston Globe hat am Wochenende eine Recherche veröffentlicht, die die Beziehung von Patriots-QB Tom Brady und einem Training-Center „TB12 Sports Therapy Center“, das von einem Vertrauten Bradys, Alex Guerrero, geleitet wird, durchleuchtet.

Der Ernährungsberater Alex Guerrero gilt in den Vereinigten Staaten als Heuchler, der monatelang im Fokus der US-Gesundheitsbehörde gestanden hatte weil er Produkte fälschlicherweise beworben hatte. Mit Brady.

Der springende Punkt ist jedoch ein anderer. Weiterlesen

Warum ich den Freispruch für Brady begrüße

Die Sperre für QB Tom Brady im Deflation Gate ist bis auf weiteres aufgehoben worden. Über das Bizarro-Spektakel braucht man keine weiteren Worte zu verlieren – zu unbedeutend waren seine Auswirkungen, zu wenig wird es die Meinung jedes Beteiligten ändern. Der Freispruch ist trotzdem uneingeschränkt positiv. Weiterlesen

New England Patriots in der Sezierstunde

Traditionell der Abschluss der Sezierstunde-Reihe mit dem Superbowl-Champion, in diesem Jahr also mit der erfolgreichsten Franchise der letzten 15 Jahre, den New England Patriots (vierter Titel seit 2001/02) mit ihrem griesgrämigen Head Coach Bill Belichick. Seit dem Titelgewinn in der dramatischen Endspielbegegnung gegen Seattle hat sich in Foxboro allerdings einiges getan. Weiterlesen

Die Gesichter von Super Bowl 2015

Superbowl Sunday steht vor der Tür, und nachdem die Kollegen bereits über Coach Evil Belichick geschrieben haben beziehungsweise noch über die taktischen Vorzüge des Endspiels referieren werden, werfen wir mal einen Blick auf die Köpfe, die sich am Sonntag hinter den Helmen verstecken werden. Weiterlesen

NFL Vorschau 2014 – New England Patriots

Die ausführliche Vorschau für die New England Patriots kommt in ungewohnter Form als Q&A: Hausherr korsakoff fragt, ich als langjähriger Pats-Fan antworte. Belly, Brady, Revis – es ist alles dabei. Die Fragen kursiv und fett, die Antworten jeweils darunter.

#1 Die New England Patriots haben seit zehn Jahren keine Superbowl mehr gewonnen, sind aber jedes Jahr nahe dran. Großen Anteil am Erfolg haben beide, aber wer hat mehr: Head Coach Bill Belichick oder QB Tom Brady? Weiterlesen

NFL-Franchises in der Vorstellung, #22: New England Patriots

Über lange Jahre eine graue Maus, gelten die New England Patriots seit gut einem Jahrzehnt als Modellfranchise. Grund dafür ist eine Reihe glücklicher Fügungen, aber auch bemerkenswerte Konstanz unter dem vielleicht besten Coach aller Zeiten. Weiterlesen

Vor dem AFC-Conference Finale 2013/14: Denver Broncos – New England Patriots

Es mag der eine oder andere Wind davon bekommen haben, dass morgen, Sonntag, 19.1. die beiden Conference-Finals der NFL ausgespielt werden. Übrig geblieben sind dieses Jahr erstmals seit mehrere Jahren tatsächlich die „Big-Four“, die vier Teams, die nach Common-Sense als beste des Jahres galten. Aber das ist nichtmal der große Punkt. Es sind mehr die Ansetzungen. Zuerst zum AFC-Endspiel Denver Broncos (14-3, Sieger AFC West) vs New England Patriots (13-4, Sieger AFC East). John Fox gegen Bill Belichick. Peyton Manning gegen Tom Brady. HypeHypeHypeHypeHype.

Denver Broncos – New England Patriots

  • Kickoff: Sonntag, 21h MEZ
  • Live bei SPORT1 US, PULS 4, im NFL-Gamepass sowie im ran.de Stream.
  • Live-Einstieg ab 0h05 bei SAT.1
  • US-Kommentatoren: Jim Nantz/Phil Simms
  • Vorschau Herrmann: Broncos vs Patriots.

Ich halte mich für überwiegend hype-resistent. Minimum drei Viertel der Mainstream-Storylines in NFL, im Fußball, im Sport generell, über den Sport hinaus, gehen an mir für gewöhnlich relativ untangiert vorbei. Die Rivalität zwischen Peyton Manning und Tom Brady gehört nicht dazu. Sie wird von mir höchstens etwas „anders“ gefühlt als im Mainstream.

Peyton Manning und Brady waren die beiden dominierenden Spielerfiguren, als ich vor gut einem Jahrzehnt damit begann, mich mit dieser Liga und diesem Sport zu beschäftigen. Sie waren die dominierenden Gestalten vor sieben Jahren. Zwei der dominierenden vor drei Jahren. Zwei der dominierenden heute. Peyton Manning (NFL MVP 2003, 2004, 2008, 2009 und wohl 2013) und Brady (NFL MVP 2007, 2010) sind keine direkten Gegenspieler, aber sie werden für immer miteinander verglichen werden als die beiden prägenden Franchise-Spieler der beiden Standout-Franchises in der NFL (als Manning noch in Indianapolis spielte).

Sie haben unzählige Male gegeneinander gespielt. Fast immer waren es enge oder wichtige Spiele – ich habe schon vor drei Jahren darüber geschrieben, und der instant classic vom November 2013 war da noch Jahre entfernt. Man kann nicht alle Resultate an diesen beiden Spielern aufhängen, aber man kann die Geschichten doch in gewisser Form auf diese beiden reduzieren. Es ist keine Rivalität der bösen Worte, der feindlichen Vibes, der lauten Sprüche. Es sind zwei Spieler, die sich in all ihren Statements fast immer und fast ausschließlich auf den Sport beschränkt haben.

Beide haben so grundverschiedene und doch ähnliche Geschichten. Manning ist der Sohn eines NFL-QB, schon als kleiner Zögling von seinem Daddy Archie zum Quarterback herangezüchtet. Manning war der unumstrittene Superstar-QB am großen College Tennessee. Manning war der Top-Draftpick und designierte künftige Star-QB der Indianapolis Colts. Manning holte statistische Rekorde und MVPs, aber brauchte lange um seinen ersten Titel zu holen. Manning ist trotz seines eher trockenen Charakters ein bekanntes Werbegesicht in den Staaten. Manning ist mit seinem College-Sweetheart verheiratet.

Tom Brady kommt aus der Familie von Otto Normalverbraucher. Seine wahre Leidenschaft als Bub war Baseball. Er war auch ein Quarterback an einem großen College, bei Michigan. Aber dort versuchte man, ihn trotz guter Leistungen stets abzusägen. Er rutschte im NFL-Draft erst kurz vor Schluss in der sechsten Runde noch zu den Patriots. Er kämpfte sich vom unteren Ende des Depth-Charts hoch und kam erst durch Zufall in die Starter-Rolle. Er holte erst die Superbowls, und holte seine Statistik-Rekorde erst in späteren Jahren. Er ist trotz Werbegesicht nur begrenzt in TV-Ads präsent. Brady schleppte die Schnitten reihenweise ab. Verheiratet ist er heute mit Supermodel Gisele Bündchen.

Manning ist der Quarterback, der in der Post Season stets daran erinnert wird, dass er nicht der größte „Gewinner“ unter der Sonne ist. Das mag in Ergebnissen stimmen (Manning verlor 11 seiner 21 Playoffspieel), aber rein leistungstechnisch schmiert Brady größer ab. Aber Brady ist der „Gewinner“. Brady ist der QB, dessen Conference-Finalqualifikation sich heute genau „angemessen“ anfühlt: Es ist eine durchschnittliche Saison. Das ist richtig: Brady, 12te Saison als Starter: 3x Superbowl-Champ, 2x Superbowl-Verlierer, 2x Halbfinalverlierer, 2x Divisional-Verlierer, 1x Wildcard-Verlierer, 1x an der Playoff-Qualifikation gescheitert, und jetzt wieder fürs Halbfinale qualifiziert. Brady erreicht im Schnitt in seiner Karriere das Conference-Finale!

Manning gegen Brady ist so großartig, weil es die beiden größten Stars des heutigen American Football sind. Weil sie Hormonschwangerschaft auskommen. Weil sie… schlicht die besten waren, und das für extrem lange Zeit, und sie noch heute zwei der besten sind.


Auch 2013/14 sind Manning und Brady noch die treibenden Kräfte hinter ihren Offenses. Bei Manning ist das offensichtlich. Brady hatte heuer das wackeligste Jahr seit langem, aber er hatte auch lange nicht mehr einen so banalen Support-Cast:

  • WR #11 Julian Edelman, 111 Catches in 160 Anspielen, 1140yds, 6 TD und nur 21% tief angespielt.
  • WR #80 Danny Amendola, 57 Catches in 88 Anspielen, 2 TD und nur 16% tiefe Anspiele
  • TE #47 Michael Hoomanawanui, 13 Catches in 20 Anspielen, 4 TD, 5% tiefe Anspiele
  • „RB“ #34 Shane Vereen, 49 Catches, 443yds, 3 TD
  • RB #38 Bolden, 21 Catches, 152yds.

Gronkowski (33% tiefe Anspiele), Dobson (36% tiefe Anspiele) und Thompkins (27% tiefe Anspiele) sind längst aus diversen Gründen nur mehr Randerscheinungen. Das Laufspiel war in New England eh fast immer effizient, wobei man „effizient“ nicht zwingend mit „gut“ gleichsetzen sollte.

„Effizient“ kann auch sein „bringt Output bei guten Rahmenbedingungen“. „Gut“ wäre eher „bringt Output die Rahmenbedingungen nicht beachtend“. Die Herrschaften RB #29 Blount (177 Carries, 938yds, 11 TD, 47% Success-Rate) und RB #22 Ridley (192 Carries, 825yds, 9 TD, 44% Success-Rate) liefern meistens so, wie dem Durchschnitt nahe Running Backs in der NFL so liefern: Gut, wenn es die Rahmenbedingungen erlauben, teilweise in der Lage, selbst ein Yard aus dem Nichts zu generieren, aber keine klassischen Arbeitstiere. Ein als sehr exzellent wahrgenommenes Patriots-Laufspiel, aber kein Back mit mehr als 1000yds: Mehr „Patriots-Way“ geht nicht.

Einen Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte: Die Patriots können werfen. Sie hatten eine ganz üble Phase zu Saisonbeginn, aber seit ziemlich genau Mitte Oktober ist das eine der besten Pass-Offenses in der Liga. Selbst nach Gronkowskis erneutem Verletzungsausfall büßte Brady kein Jota an Effizienz ein; es bleibt allerdings die Sorge, ob die Patriots imstande sind, ihren Stiefel auch dann runterzuspielen, wenn der Gegner es schafft, das Kurzpassspiel etwas einzudämmen – ein schwieriges Unterfangen, aber kein unmögliches, selbst wenn der Gegner wie Denver auf den meilenweit besten Passrusher Von Miller sowie einen der besten Deckungs-CB Chris Harris (beide Kreuzbandriss) verzichten muss. Eine Offense, der ein tiefes Element abgeht, bricht leichter ein als eine, die eins hat. Das haben die Patriots in den letzten Jahren häufig schmerzvoll im Jänner erlebt. Und John Fox und sein DefCoord Del Rio sind Abwehrfüchse, die, wenn sie eines perfektioniert haben, dann wissen, wie man ein gefährliches Laufspiel einbremst.


Patriots-Offense und Broncos-Offense sind vom Style her gewiss verschieden, aber der gesamte Output ist bei beiden frappierend ähnlich:

  • Denver spielte heuer 192 Offense-Drives, New England 191.
  • Denver mit nur 16% three’n’out (#2 ligaweit), New England mit 19% (#3 ligaweit).
  • Denver mit 38.2yds/Drive (#2 ligaweit), New England 33.7yds/Drive (#7 ligaweit).
  • New England kaschiert dies mit der um 2yds besseren Starting Field Position.
  • Beide mit 6.1 Plays/Drive.
  • Sekunden pro Play: Beide mit im Schnitt 24.7sek zwischen den Snaps.

Beide punten wenig (Denver nur in jedem dritten Drive). Der große Unterschied kommt in den Punkten zustande (Denver erzielte einen neuen Punkterekord mit 606 über die Regular Season), aber der Unterschied ist letzten Endes: Denver beendet mehr Drives mit Touchdowns. New England schließt jeden fünften Drive mit Field Goals ab, Denver beendet 37 von 100 Drives mit TD. Beide Werte sind in ihren Kategorien Spitzenwerte. Rate mal, wer glücklicher damit ist.


Die Broncos-Offense macht mir Angst. Manning fährt mit 7.8 NY/A über den Gegner drüber. Er hat vier Anspielstationen, die praktisch die gesamte Workload tragen: Die beiden Thomasse, Decker und ex-Patriot Welker sind verantwortlich für 77% der Yards. Mannings Präzision und vier gutklassige Anspielstationen? Dieses Quartett allein ist fast nicht aus dem Spiel zu nehmen. Dazu gesellt sich dieses Jahr aber auch ein starkes Laufspiel, das die Patriots schon im ersten Spiel komplett mit über 200yds überlief. RB Moreno spielt die Saison seines Lebens, RB Montee Ball macht eigentlich immer einen recht flotten Eindruck, wurde aber teilweise arg wenig eingesetzt.

New England hat dank zahlreicher Verletzungen eine der wackeligsten Lauf-Defenses. Ohne zusätzliche Verstärkung der „Box“ dürfte es für die Herrschaften wie DT Jones oder DT Siliga eine Herkulesaufgabe werden, Morenos eingestreute Carries zu stoppen. Aber dann fehlen diese Jungs hinten in der Deckung.

Was tust du als Defense dagegen? Laufspiel kannst du dem Gegner eigentlich nicht ohne weiteres anbieten, da es der risikoloseste Weg ist, zum Erfolg zu kommen. Aber verstärkst du die Front-Seven mit einem Safety, öffnest du einem WR #88 Demariyus Thomas „hinten“ alle Scheunen für 25yds-Catches. Es hat was von Jänner 2005, als eine ähnlich dezimierte Pats-Defense gegen eine ähnlich rekordträchtige Manning-Offense (damals 49 Pass-TD für Manning) antrat – und diese dann auf drei Punkte hielt. Das ist bis heute eines der herausragenden Abwehrspiele seit ich Football verfolge. ES war allerdings im Schneegestöber von Foxboro, und morgen soll es in Denver vergleichsweise gesittete Witterungsverhältnisse geben.

Es wird einen erneuten sensationellen GamePlan von Belichick und seinem Defense-Coachingstaff brauchen, um Denver in deren Stadion einzubremsen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie ausreichend Personal und Tiefe dafür haben. Ich bin allerdings sicher, dass Belichick noch ein Karnickel im Ärmel hat.


Die Broncos sind zu favorisieren. Es spricht so vieles für sie: Sie haben die bessere Offense, sie eine Defense, die zumindest trotz allem noch eine Spur besser aufgestellt ist um den Stärken des Gegners zu begegnen. In beiden Mannschaftsteilen sind sie trotz einiger wichtiger Ausfälle (Miller, Harris) gesünder, tiefer besetzt. Sie haben den Heimvorteil. Die Wettbüros sehen Denver mit 4-5 Punkten vorn, mein Power-Ranking sah einen 7pts-Vorteil für die Broncos und empfiehlt entsprechend, auch gegen den Spread auf den Favoriten zu setzen.

Ein Patriots-Sieg würde niemanden vom Hocker reißen, aber das Gesamtpaket und die Ausgangslage vor dieser Partie sollten pro Denver sprechen und damit für die siebte Superbowl-Qualifikation für die Broncos.

Divisional-Playoffs 2013/14 am Samstag

Das Gute nach einführenden Artikeln wie jenen von Herrmann am Donnerstag: Es ist fast alles gesagt. Das schlechte: Ich bin arbeitslos. Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Alle relevanten Matchups sind bereits bekannt, also bleibt mir nur noch die Aufgabe, ein paar verstohlene Blicke auf die Profile der beiden Mannschaften und ein paar versteckte bzw. zu offen diskutierte Punkte zu werfen.

Seattle Seahawks – New Orleans Saints

  • Kickoff 22h35
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Kevin Burkhardt/John Lynch
  • Vorschau Herrmann: Seahawks vs Saints.

Die yadda yadda-Talking Points vor dem Spiel sind schnell abgearbeitet:

1) Heimvorteil: Das beste Heimteam seit Erfindung der Bockwurst, die Seattle Seahawks, treffen auf die nicht mehr so auswärtsschwachen auswärtsschwachen Saints. Seattle gewann diese Saison seine Heimspiele im Schnitt mit 15.4 Punkten, und erst eine überraschende Pleite kurz vor Weihnachten gegen Arizona erweckte landesweit den Eindruck, dass die Hawks ja völlig überraschend doch in ihrem Heimstadion schlagbar sind. Es war übrigens nicht das erste Wackelspiel der Hawks zuhause: Auch gegen Tennessee (+7) und Tampa Bay (+3/OT) war es eng. Trotzdem natürlich: Seattle in Seattle, das ist schon eine Macht.

Auf der anderen Seite kommen die Saints immer noch mit dem Image der auswärtsschwachen Mannschaft daher; letzte Woche habe ich schon geschildert, dass ihre Pass-Offense dieses Jahr auswärts nur 6.2 NY/A zustande bringt (vs 8.3 NY/A zuhause) – aber das hielt die Jungs nicht von einem Auswärtssieg bei den hoch eingeschätzten Philadelphia Eagles ab.

Bei den Seahawks ist diese Statistik – Passoffense – übrigens deutlich ausgeglichener: Zuhause bringt Russell Wilson Passversuche für 7.5 NY/A an den Mann, auswärts nur für 6.5 NY/A. Die Defense ist allerdings im eigenen Stadion um ein Zipperlein schwächer als in fremden Stadien.

Trotzdem wird viel Tamtam um die Tatsache gemacht, dass die Seahawks in ihrem Stadion auch von New Orleans nicht zu stoppen sind.

2) Das liegt wohl unter anderem auch im Verlauf des „Hinspiels“. Das Monday Night Game Anfang Dezember zwischen diesen beiden Teams wurde von den Seahawks klar 34-7 gewonnen, und das überraschende daran: Man hatte quer durch die US-Medien nicht den Eindruck, dass es als überraschend klar wahrgenommen wurde.

Auch ich selbst hatte in der Preview den Saints wenig Chancen auswärts eingeräumt. Das Spiel selbst war dann eine regelrechte Schlachtung der Saints ohne Opferung. Sie wurden niedergemacht. Ein 34-7 ist in der aber NFL fast immer ein Ergebnis, das ohne die eine oder andere Zufallskomponente nicht zustande kommt: Seattle war besser, aber Seattle hatte auch einen günstigen Spielverlauf, machte zwei frühe Fumbles der Saints blitzschnell zu eigenen Punkten und hatte in der Folge gegen eine eindimensionaler werdende Saints-Offense leichtes Spiel.

Also: Ein 27pts-Sieg über die nach Power-Ranking zweitbeste Mannschaft der Liga klingt massivst, aber er spiegelte nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder, zumindest nicht ganz.

3) Passspiel. Es ist eines der besten Matchups des Jahres: Saints-Offense mit ihren 7.2 NY/A und ihrem Arsenal an Superspielern gegen die Hawks-Passabwehr, die nach mehreren Metriken als eine der allerbesten aller Zeiten gehandelt werden darf.

Die Seahawks haben eine unglaubliche Pass-Defense. Die ersten Jungs, die dir einfallen, sind der unbezwingbare CB #25 Richard Sherman, der fassungslos dynamische Safety #29 Earl Thomas und der Kopfjäger #31 Chancellor, aber sie allein machen nur den Unterschied in der Secondary aus. Vorne gibt es einen Pool an Passrushern, die keine andere NFL-Mannschaft aufweisen kann: DT MeBane, DE Clemons, DE Avril, DE Bryant, DE Bennett, OLB Irvin und und und. Diese Jungs machten 44 Sacks (7.7% Sack-Quote) – ein überdurchschnittlicher Wert. Und hinten halten die Defensive Backs um Sherman/Thomas, obwohl mit CB Browner der eigentlich vierte Mann der Legion of Boom wegen Drogensperre sitzt.

Browner hin, Browner her: Ein tief besetztes Defensive Backfield und flinke Linebackers sind gegen die Saints immer ein probates Mittel, denn New Orleans kann dich mit Drew Brees nicht nur via 1-2 Receivers schlagen, sondern über fünf bis sechs. Sofern Brees die Zeit bekommt. Rookie-LT #72 Armstead gegen einen ausgewählten Seahawks-Passrusher klingt nach Mismatch hoch drei.

Wie wichtig ist die Passspiel-Qualität beider Teams „auf beiden Seiten des Balles“ dieses Jahr? Nun: Diese beiden Teams sind die #1 und #2 in „Net Yards Differential“ in der NFL dieses Jahr.

Rk Team          NY/A Off  NY/A Def   NY/A-Differenz
 1 Seattle       7.0       4.8        2.2
 2 New Orleans   7.1       5.6        1.5

Das sind sensationelle Zahlen für beide Teams. Die Seahawks bringen pro Passversuch 2.2 Yards mehr zustande als sie mit ihrer Defense zulassen. Viel besser geht nicht.

4) Turnovers. Die Saints-Offense ist dieses Jahr erstaunlich turnover-frei. Brees, bekannt für sein risikoreiches Spiel und dafür, häufig auch über 18-20 INTs/Jahr zu fabrizieren, kam dieses Jahr mit 12 INTs durch die Regular Season. Letztes Woche warf er zwar Fehlpässe in Philadelphia, aber: Brees ist trotz des Philly-Spiels mit nur 1.8% INT-Quote noch immer der viertbeste QB der Liga. Allerdings: Seattles Secondary ist nicht bloß eine Mauer gegen die Yards; sie ist auch voller „Ballhawks“. Sherman (8 INT), Thomas (5), Maxwell (4) und Co. fangen sensationell viele Pässe ab: 5.3% INT-Quote ist, als wenn du jede Woche gegen Eli Manning oder Geno Smith spielen würdest, die aber gleichzeitig so effizient werfen würden wie Peyton Manning. Das ist Wahnsinn.

New Orleans braucht ein perfektes Spiel in Seattle; wirft aber Brees gegen diese turnoverhungrige Defense den einen oder anderen Fehlpass, ist es um die Saints wohl geschehen.

5) Das Wetter. Es soll nicht gefrieren, aber es soll regnen, nein, schütten in Strömen. Die Rede in den letzten Tagen war von 100% Regen-Wahrscheinlichkeit. Die Saints im Regen? Das spräche vom Gefühl her schon wieder gegen sie, aber Passspiel ist generell eher schwer im strömenden Regen. Das wiederum spricht vor allem gegen die Mannschaft, die zuerst (oder längere Zeit) in Rückstand liegt. Andererseits: Die Saints können durchaus auch laufen, und erfolgreich laufen. Ihre 43% Success-Rate ist die #10 der Liga.

6) X-Faktoren. Wir kennen Percy Harvin, aber wir wissen nicht, wie fit Harvin wirklich ist, und in welchem Zustand er auflaufen wird. Ist er fit, ist er der Baustein, der die Hawks-Offense von „effizient“ auf grandios heben kann.

Ein anderer Faktor ist Saints-DefCoord Rob Ryan: Seine Blitz-Taktiken gehen gegen den einzigen als angreifbar auszumachenden Mannschaftsteil der Hawks, die Offensive Line. Kommen seine Blitzes durch, wird Russell Wilson in der Pocket unter Druck kommen.

Special Teams. Notorisch unvorhersagbar. Notorisch spiel-mitenscheidend. In strömendem Regen wird das Kicken schwieriger, gehen Punts gern mal einen Schlapfen daneben, werden Returns schneller mal gefumbelt.


Machen wir uns nix draus: Die Seahawks sind der Favorit. Sie sind Favorit, weil sie die bessere Gesamt-Mannschaft haben, und vor allem auch, weil sie im extrem lauten heimischen CenturyLink Field spielen. Aber die Saints sind nicht zu unterschätzen. Sie sind immer noch die zweiteffizienteste Mannschaft der NFL-Saison. Sie haben immer noch Brees. Sie sind immer auch noch auswärts eine gute Mannschaft. Seattle ist nach Power-Ranking nur mit 60% (3.5 Punkten) favorisiert.

Ich schrieb nach dem „Hinspiel“, wenn Seattle scheitert, steht die Storyline bereits: “Zu früh gepeaked”. Was würde den Saints besser passen als diese bereits fertige Storyline auf die Titelseiten zu bringen?

Leichter Favoritenstatus für Seattle. Von einem Upset glaube ich wäre ich aber weniger überrascht als die meisten.

New England Patriots – Indianapolis Colts

  • Kickoff 02h10
  • Live bei SPORT1 US, im NFL-Gamepass und bei SAT.1 und im ran.de-Stream
  • US-Kommentatoren: Greg Gumbel/Dan Dierdorf
  • Vorschau Herrmann: Patriots vs Colts.

New England Patriots gegen Indianapolis Colts war die größte NFL-Rivalität der 2000er Jahre. Sie lebte von Leuten wie Belichick/Brady auf Pats-Seite und Dungy/Manning auf Colts-Seite, und von den Medien und von mehreren epischen Spielen. In New England ist immer noch selbiges Duo am Ruder, aber in Indianapolis konzentriert sich mittlerweile alles um den „neuen Peyton“, QB #12 Andrew Luck.

Chris Brown hat letzte Woche eine ganz gute Beschreibung zum Status des Wunderspielers Luck abgegeben:

Ich glaube, das trifft’s. Zeitweise ist Luck bereits das, was man sich von ihm schon lange verspricht. Aber dann ist Luck auch wieder die „2.0-Version“ von Favre oder Romo, ein Spaßfootballer, der mehr Risiko eingeht als es die Situation erfordert. Wie bei der überhaspelten zweiten INT letzte Woche gegen die Chiefs – bei hohem, aber nicht aussichtlosem Rückstand gegen die Chiefs. Ein Zeitpunkt, der noch zu früh war für eine echte Panikreaktion. Aber Luck revanchierte sich ja…

Die wichtigere Geschichte zu dem Spiel ist für mich aber das Verletzungspech beider Teams, die komplett auf dem Zahnfleisch daher kommen. Die Colts-Geschichte ist bekannt: Leute wie WR Wayne oder TE Allen sind seit Monaten draußen. Jede Woche ist man mit anderen Mannschaften aufgelaufen. Aber mittlerweile ist man so „gesund“ wie lange nicht mehr.

Nicht so die Patriots, die mittlerweile wieder eine „würdige Patriots-Defense“ aufwarten. Die Defensive-Tackles werden vom mir völlig unbekannten DT Siliga und vom ungedrafteten Rookie-DT Jones gebildet, dahinter laufen mit LB Fletcher und LB Collins (Rookie) ebenso unbekannte Leute auf, und in der Secondary setzt Belichick auf Grünschnäbel wie CB Ryan, S Gregory oder CB Dennard, der auch nur spielt, weil er der am wenigsten Verletzte ist.

Belichick ist ein Magier. Diese Defense ist mittlerweile personell auf 2011er-Niveau, aber sie keucht und fleucht sich doch noch zu halbwegs herzeigbaren Zahlen. Allerdings ist die Lauf-Abwehr mittlerweile eine Katastrophe: 53% Success-Rate als #29 der Liga – welch Wunder mit so dünn und unbekannt besetzter Front-Seven. Das Gute: Der nächste Runningback, den man treffen wird, ist Trent Richardson

Die Pats-Offense um den QB-Oldie Brady ist eine Wundertüte. Sie bringt im Schnitt ähnlich viel wie Indianapolis auf die Beine, nämlich 6.1 NY/A, aber kann man eine Effizienzmessung bei den Pats wirklich ernst nehmen? Diese Offense hat in den letzten 12 Monaten so viele Wandlungen durchgemacht wie andere in zehn Jahren. Hernandez, Gronkowski, Welker, Vereen, Ridley, Dobson, Thompkins, Amendola und wie sie alle heißen und hießen: Alles Leute, die rein- und rausrotiert wurden aus den unterschiedlichsten Gründen: Morde, Kreuzbandrisse, Zipperlein, Entlassungen, Fumbelitis… die Liste ist lang.

Aber einer steht seinen Mann: Die Legende Brady. Brady war teilweise unansehnlich im ersten Saisonabschnitt, teilweise on fire in der Saisonmitte, als er das StammpersonaL größtenteils zur Verfügung hatte, dann wieder Mittelmaß. Er war ein Sekundengenie und Choker. Er erlebte seine bisher bizarrste Saison. Aber es reichte. In einer schwachen AFC und einer noch schwächeren AFC East reichte es für Brady und die Pats für eine 12-4 Bilanz. Und OffCoord McDaniels, der für alle einen famosen Job gemacht hat, gilt schon wieder als heißer Headcoach-Kandidat (vielleicht in Cleveland), trotz seiner Vorgeschichte in Denver, die andere Leute auf alle Zeiten untragbar gemacht hätte.


Eine Analyse, die mir Chase Stuart erspart hat: Die Beständigkeitsanalyse. Es ist mir auch aufgefallen, dass die Patriots in bestimmten Messmetriken als ein Team mit mitunter der geringsten Varianz und Standardabweichung aufschienen – eine Erkenntnis, die beim Blick auf die vielen Wandlungen dieser Mannschaft allein dieses Jahr völlig überraschend kommt. Auf der anderen Seiten: Die Pats waren konstant relativ mittelmäßig. Das spiegelt sich auch in den 11 knappen Spielen wieder. Viermal, fünfmal, sechsmal kam es auf den allerletzten Pass in die EndZone hinein, oder auf ein Fieldgoal in letzter Sekunde an.


Die Wettbüros sehen in den Pats einen 7pts-Favorit. Das Power-Ranking gibt den Pats nur eine 59%-Chance. Auf neutralem Feld sähe es die Patriots nur minimal vorn. Ich kann verstehen, warum. Man muss auch beachten, wie unvorhersehbar die Colts dieses Jahr waren: Sie sahen teilweise wie kommende Superbowl-Champs aus, verloren dann aber wieder Spiele der Marke „wir wurden abgeschlachtet“.

Zwei im Kern junge Teams. Zwei herausragende Quarterbacks. Ein Headcoach-Zauberer. Zwei Teams, die dieses Jahr 7-4 (Patriots) und 7-1 (Colts) in engen Spielen sind. Ein weiteres enges Spiel ist alles andere als ausgeschlossen. Zumal beide genügend Flauseln haben. Zumal beide ausreichend Quarterbacks haben. Zumal es im Regen von Foxboro durchaus viele Unwägbarkeiten gibt.

Mein Gefühl sagt mir: Colts, aber der Verstand sagt „Patriots“, also werde ich mit dem Verstand gehen.

AFC Divisional Playoffs Preview: Indianapolis Colts @ New England Patriots

Für alle, die es noch nicht glauben wollten, hat Andrew Luck es letzte Woche bewiesen: er ist der talentierteste junge Profisportler seit Steffi Graf. Mit seinen Indianapolis Colts (12-5) besucht er am Sonnabend Bill Belichicks New England Patriots (12-4) im kalten und windigen Foxboro Stadium und spielt um den Einzug ins AFC Championship Game. Diese haben mehr „große Namen“ auf der Verletztenliste als auf dem Feld.

Colts Offense vs Patriots Defense

Nachdem Jerod Mayo schon länger sein Dasein auf IR fristet, ist nun auch Brandon Spikes einigermaßen überraschend dort gelandet. Mit Dont´a Hightower, Rookie Jamie Collins und Dane Fletcher haben die Pats auf der Linebacker Position viel besseren Ersatz, als die Namen befürchten lassen. Collins und Fletcher waren eh schon seit einigen Wochen das LB-Duo in der Nickel-D, weil sie viel besser Paßempfänger verteidigen können als Spikes, der nur den Vorwärtsgang kennt. Mit dem Wechsel von Spikes zu Fletcher allerdings fehlt der wichtigste Mann gegen den Lauf; Spikes kann zwar nur Vorwärtsgang, aber das macht er mit 180.

Auf der anderen Seite allerdings haben die Colts kein besonders gutes Laufspiel. Und durch die fast schon legendäre Disziplin von New Englands edge players – hier Rob Ninkovich und Chandler Jones – und den OLBs (wahrscheinlich Hightower und Collins), die Bill Belichick seinen Spielern einhämmert, kommen die RBs oft durch die Mitte direkt in die Arme der LBs, die nur noch zugreifen müssen.

Man macht sich ja oft lustig über Belichicks eintöniges Mantra „Do Your Job!“, aber in der gap discipline seiner Spieler sieht man, was es bedeutet und wie wertvoll das ist. Jeder Spieler hat genau einen „Job“: der äußerste Verteidiger zum Beispiel die Aufgabe, keinen Ballträger außen vorbeizulassen, sondern stattdessen ihm nur den Weg über die Mitte zu geben. „Do Your Job“ heißt außerdem noch „Don´t do something else and don´t try to be the hero!“. Das kann ziemlich langweilig sein, weil selten ganz doll spektakuläre splash plays dabei rumkommen. Aber was passiert, wenn der edge player versucht, den Helden zu spielen, sieht man in jedem Spiel der Packers-D gegen die Niners-O.

In der Mitte, wo sonst Vince Wilfork steht wie die Alpen, teilen sich jetzt die Rookies Chris Jones und Joe Vellano die Spielzeit mit einem gewissen Sealver Siliga, der im November von der Straße aufgelesen wurde. Aber gerade dieser Siliga spielt richtig gut gegen den Lauf und darum hat er auch den Stammplatz in der Base-D und bekommt auch viele snaps in der Nickel-D (allerdings auch mit Hauptaufgabe „Lauf verhindern“, ein pass rusher ist er nicht).

Mit dem Lauf wird Indy dieses Spiel nicht gewinnen, aber dafür haben sie ja Andrew Luck. Dumm nur, daß gerade jetzt New England ihre beste secondary seit etlichen Jahren hat. Getragen wird die gesamte unit von Cornerback Aquib Talib und Safety Devon McCourty. Beiden gehören zu den Besten auf ihren jeweiligen Positionen. Talib nimmt in jedem Spiel den besten gegnerischen WR in Manndeckung und meistens ganz aus dem Spiel (wenn er fit ist, so wie wahrscheinlich jetzt). McCourty fühlt sich sauwohl in der tiefen Mitte des Feldes. Was ein Earl Thomas ihm an speed voraushat, macht er an Spielverständnis wett. McCourty ist auch einer dieser Musterschüler in Sachen „Do Your Job!“: in der Regel hat er den Job, alle anderen Spieler vor sich zu haben und zu behalten. Das ist in der Regel nicht besonders spektakulär, aber genau das, was ein tiefer Safety eben machen sollte.

Talib wird sich herzlichst um T.Y. Hilton kümmern, so ein Spiel wie letzte Woche gegen Kansas City wird ihm damit nicht vergönnt sein. Bleiben für die Herren Griff Whalen, Darius Stonehands-Bey, LaVon Brazil und Da´Rick Rodgers noch die CBs Logan Ryan, Alfonzo Dennard und Kyle Arrington übrig. Arrington macht seine Sache im Slot immer recht zuverlässig. Spannend wird, wer an der Seitenlinie gegenüber von Talib verteidigt. Dennard hatte sich zu einem richtig guten CB entwickelt, bis er dann aufgrund kleinerer Verletzungen immer mal wieder aussetzen mußte. In dieser Zeit hat sich Rookie Logan Ryan anscheinend den Stammplatz erkämpft. Das erste Mal seit Menschengedenken hat Belichick einen CB gedraftet, der sofort positiv auffällt!

So wird es denn auch schwer für Andrew Luck und den Paßangriff. Helfen sollte ihm der lahme pass rush der Patriots – Chandler Jones spielt nur manchmal wirklich gut, Ninkovich war noch nie ein großer Quarterbackjäger – und seine traumwandlerische Fähigkeit, sich in einer unruhigen pocket „Zeit zu erkaufen“, bis ein WR endlich frei ist. New Englands-D wird sich ganz auf Hilton konzentrieren; wenn Indy eine Chance haben will, müssen die Typen wie WR Rodgers und Brazil was reißen. Manchmal haben sie schon angedeutet, daß Großes in ihnen steckt.

Patriots Offense vs Colts Defense

In der Defense fehlen etliche Stammspieler – in der Offense noch mehr. RT Sebastian Vollmer ist auf IR, der Gronk verletzt, Hernandez im Knast und die (fast alle) neuen WRs und TEs heißen Edelman, Amendola, Collie, Thompkins, Boyce, Dobson, Hoomanawanui, Develin und Mulligan.

Edelman, Amendola, Collie, Thompkins, Boyce, Dobson, Hoomanawanui, Develin und Mulligan. Echt jetzt! Es macht fast den Eindruck, als würden sich Bill Belichick, Josh McDaniels und Tom Brady über den Rest der Liga lustig machen wollen.

Ich würde zwar immer noch behaupten, daß Brady nicht mehr gaaanz so gut ist, wie 2007 oder 2010-12, aber er ist der beste Quarterback in 2-minute-drives. Es gab Spiele in dieser Saison, da ging im Paßspiel gar nichts zusammen – bis auf den letzten drive jeweils zum Ende der ersten Halbzeit und zum Ende des Spiels.

Mittlerweile scheinen sie sich alle irgendwie gefunden zu haben. Julian Edelman ist der Nr.1-WR, Amendola bespielt die zweite slot position, Thompkins und Dobson spielen an der Seitenlinie (Boyce ist auf IR). Die Tight Ends fangen in der Regel kaum Bälle, aber wenn, dann ist es sehr überraschend und führt oft zu wichtigen 1st Downs. Gekennzeichnet ist das Paßspiel von nicht enden wollendem Kurzpaßgedödel von Brady auf Wes Welkers drei kleine Brüder Amendola, Edelman und ex-Colt Austin Collie, der spielt meistens nur im vierten Viertel, wenn Brady genug hat von seinen unzuverlässigen Rookies Thompkins, Dobson und Boyce, die alle mal hin und wieder starke catches einstreuen können, aber manchmal sogar einen Luftballon auf den Boden fallen lassen würden.

Dieses vielen kurzen Pässe erlauben den Pats zwei Dinge. Einerseits gehen sogar die kleinen Wuseler manchmal überraschend tief, was Defensive Backs auf dem falschen Fuß erwischt. Zweitens wirft Brady den Ball so schnell, daß der pass rush keine Chance hat.

Was auch immer big plays erlaubt, ist das starke Laufspiel. Die Angriffs-Philosophie der Patriots ändert sich mit jedem Jahr so stark wie bei keiner anderen Mannschaft. Es ist noch nicht lange her, da haben sie die Gegner mit empty formations aus der shotgun attackiert; dann haben sie von jetzt auf gleich immer zwei Tight Ends auf dem Feld gehabt, die auch gleichzeitig die beiden besten Paßempfänger waren. Und dieses Jahr sind sie ihrer eigenen 2007er Version sehr ähnlich. Leider minus Randy Moss. Aber wie 2007 haben sie viel Erfolg mit play-action passes, ermöglicht durch das Laufspiel.

New England hat ein ungemein starkes Laufspiel. Eine gute Offensive Line haben sie eh immer, egal wer da gerade spielt, aber dieses Jahr haben sie gleich drei starke RBs mit sehr unterschiedlichen Stärken. Stevan Ridley ist der klassische Typ Running Back: kräftig genug, um durch die Mitte laufen zu können, kann aber auch über außen ausbrechen. LaGarrette Blount ist ein besserer Brandon Jacobs: he just runs over people. Und Shane Vereen läuft um Leute herum. Vereen ist oft der X-Factor. Er kann klassisch aus dem Backfield heraus laufen, am liebsten außen herum. Vor allem ist er aber auch ein hervorragender Ballfänger. McDaniels und Brady stellen ihn gerne als WR auf, vor allem, wenn die Defense in man coverage ist und Vereen einen Linebacker gegen sich hat.

So. Und hier liegt nun der Hund begraben für die Colts – man coverage. Indy spielt liebend gerne in „press man„, das heißt, die CBs stehen beim snap mit ihren Zehennägeln im Gesichtsgitter ihres direkten Gegenspielers und schubsen sie erstmal fünf Yards rum, bevor diese in ihre Paßroute „entlassen“ werden. Das ist einerseits am Sonnabend blöd wegen Vereen. Jedes Mal, wenn Brady man coverage sieht, wird er Vereen an die Seitenlinie schicken und zusehen, wie dieser einen LB vernascht. Da kann Jerrell Freeman noch so schnell sein, er kann dieses zu groß gewachsenen Darren Sproles nicht lange covern.

Und zweitens war „press man“ für kurze Zeit mal das Zaubermittel gegen die Pats. In der Saison 2011, als die pass happy offense um Gronk/Hernandez/Welker alles zerstörte, kamen die Steelers und die Giants um die Ecke und haben einfach mal so „press man“ gespielt. Siehe da: Pats Offense war tot. Die potentiellen Paßempfänger operierten fast ausschließlich in den 5-10 Yards hinter der Line of Scrimmage und die Pässe waren meistens „timed„, sprich: Brady macht drei Schritte nach hinten und guckt nach rechts zu Welker, der eine auf einen three step drop „getimete“ Route läuft, ist der nicht frei, macht er zwei weitere Schritte und guckt in der Zeit bereits nach links, wo Gronk just in dem Moment am „Ende seiner Route“ ist usw. Gegen Zonenverteidigung ist das easy (nicht generell, aber mit Brady/Welker/Gronk/Hernandez schon), gegen sehr physische Mannverteidigung dagegen geht die zeitliche Abstimmung völlig flöten, vor allem weil die Verteidiger bis zu fünf Yards hinter der Anspiellinie den Angreifer wie einen punching ball behandeln dürfen. Daraufhin haben die Pats aber Konzepte in ihr playbook aufgenommen, die man coverage vor große Probleme stellen.

Vor allem zwei Dinge: „stack“ oder „trips“ Formationen einerseits und „pick plays“ andererseits. Stack und Trips spielen auch die Colts sehr gerne. Dabei stehen zwei Angreifer leicht versetzt oder direkt hintereinander („stack“) oder gar drei Angreifer stehen (vertikal versetzt) nebeneinander. Damit mit man dem „press man„-Konzept seinen Kern: durch die räumliche Nähe kann nicht jedem WRs ein DBs direkt gegenüberstehen, damit können die WRs nicht rumgeschubst werden und damit wiederum stimmt das timing wieder zwischen QB und WR. Außerdem führen stack und trips formations oft zu Verwirrung, wer jetzt wen übernimmt, vor allem wenn die WRs nach dem snap kreuzen.

Bei pick plays laufen die WRs Routen, bei denen die DBs, während sie einem WR in man coverage folgen, entweder an einem anderen WR oder gar an einem Mitspieler hängenbleiben („pick“ wie in pick´n´roll beim Basketball).

Wenn die Colts-D von Greg Manusky am Sonnabend einfach so spielt, wie sie am liebsten spielt, nämlich in „press man“, wird Vereen 10 Bälle fangen und Manusky zur Strafe hundertmal „Hoomanawanui“ auf seine Taktiktafel schreiben müssen. Was sie stattdessen machen sollten? Puh. Keine Ahnung. Aber immerhin haben sie einen guten pass rusher in Robert Mathis; einen pfeilschnellen und explosiven LB in Freeman; einen sehr guten CB in Vontae Davis und einen zuverlässigen Safety in Antoine Bethea. Mit diesen Leuten kann man auch mal ganz andere Konzepte einstreuen. Alles in allem würde ich das over/under für den Pats-Angriff zwischen 27 und 30 Punkten setzen.

Das ist die bottom line: Können die Indianapolis Colts 30 Punkte im Foxboro machen, in den Playoffs, im Januar, gegen Bill Belichick und rocket scientiest Matt Patricia?

Es hängt alles an Andrew Luck. Ist er in seiner Entwicklung schon so weit, daß er nach dem Hammer letzte Woche gegen Chiefs jetzt ganz locker im Foxboro noch mal so eine Show abzieht? Und vergessen sollte man dabei auch nicht die drei INTs. Auf der anderen Seite kann Bill Belichick zum lebenden Gott werden, wenn er mit zehn neuen Starters (!) verglichen mit letzter Saison zum dritten Mal in Folge (!) ins AFC Championship Game marschiert. Welche Mannschaft war zuletzt drei Mal in Folge in einem Championship Game? Die 49ers in den Neunzigern? Januarfootball, draußen im Foxboro, mit diesen Storylines: besser geht´s nicht.

NFL Notizblock, Week 4: SNF New England Patriots @ Atlanta Falcons

Tom Brady und seine sieben Zwerge (drei Spiele, drei Siege) sind am Sonntag ins Königreich der Falken gefahren, wo die Viererbande um Matt Ryan immer noch jedem das Fürchten lehren kann. Atlanta hat in dieser Spielzeit schon zwei Spiele – wenn auch gegen ziemlich gute Teams – verloren und will sich nicht gleich von den Saints in der NFC South abhängen lassen. Die Gäste im lauten Georgia Dome wurden zur Prime Time geladen und erwarteten ein schönes Spektakel – was sie dann auch bekamen, ein Sunday Night Game wie es im Buche steht. Weiterlesen

New England Patriots in der Sezierstunde

Stat Line 2012

Record        12-4    CF
Enge Spiele    4-4 
Pythagorean   12.7    (1)
Power Ranking   .581  (6)
Pass-Offense   7.0    (4)
Pass-Defense   6.9   (26)
Turnover       +25

Management

Salary Cap.
Free Agents.

Die Patriots sind immer eine spannende Franchise, und es ist nichts anderes als bemerkenswert, wie lange sich diese Mannschaft nun schon ohne Unterbrechung im NFL-Spitzenfeld hält. Die Personalunion von Head Coach, GM, Chefscout und Putzfrau, Bill Belichick, führt immer noch jahrein, jahraus einen Superbowl-Kandidaten ins Feld, egal wie viele Coordinators die Franchise verlassen, egal wie viele Spieler auf der IR landen, egal wie verzweifelt die Divisionskonkurrenz den Spielermarkt leer kauft.

Die Krux ist nur: Die Patriots neigen in den letzten Jahren zu spektakulären Aussetzern, wenn es niemand erwartet: In den Playoffs. Seit der Glanzzeit mit drei Superbowlsiegen in vier Jahren setzte es patriots-untypische (oder sind es schon „patriots-typische“?) Pleiten gegen Indianapolis, die New York Giants (2x), Baltimore und die New York Jets in Spielen, in denen sie entweder klar favorisiert oder spielbestimmend waren. Das nagt am Selbstverständnis der erfolgsverwöhnten Anhängerschaft.

Die Weichen für die Zukunft…

…sind gestellt. Für einmal gab es heuer keinen größeren Wechsel im Trainerstab und der Vertrag des Super-QBs Tom Brady wurde bekanntlich frühzeitig „cap-freundlich“ verlängert. Brady geht mit bald 36 Jahren in seinen letzten Karriereanschnitt und dürfte auch dank seiner Frau keine finanziellen Sorgen mehr haben, aber es ist trotzdem erstaunlich, wie sich Brady seit Jahren unter Marktwert verkaufen lässt. Wo ein Manning oder Flacco die Haie in die Verhandlungen schicken und selbst den letzten Penny rauspressen, verzichtet Brady seit vielen Jahren auf 3-4 Mio./Saison, was dem immer noch latent vorhandenen Team-Gedanken in New England nur förderlich sein kann. Und Brady ist bei aller Liebe für das System Patriots der Mann, der den Laden zusammenhält. Mit 36 Jahren wird er körperlich bald abbauen, aber die Vergangenheit zeigt, dass ein Quarterback durchaus auch mit 39, 40 noch effizient spielen kann, da QBs neben ihrem Arm vor allem von Spielintelligenz und Antizipationsvermögen leben.

Die Offense

WR Wes Welker verkündete vor zwei Wochen seinen Wechsel nach Denver, womit der drittletzte Bestandteil (die letzten sind Brady und Mankins) der unschlagbaren Patriots-Offense von 2007 abgewandert ist. An der grundsätzlichen Philosophie des atemberaubend schnellen No Huddle-Kurzpassspiels dürfte das in Foxboro wenig ändern, zumal die zentralen Bestandteile weiterhin im Kader stehen:

  • Der monströs gebaute TE Rob Gronkowski, den allerdings in regelmäßigen Abständen kleine Zipperlein plagen.
  • Der vielseitige TE/WR/HB Aaron Hernandez als Schachfigur für verschiedenste Aufstellungen.

Dazu gesellt sich, wenn fit, der aus St Louis eingekaufte Welker-Ersatzmann Amendola, ein durchaus fähiger Mann für 5-8 Mitteldistanzbälle pro Spiel, und mit Vereen, Ridley und Boldin drei variabel einsetzbare Running Backs mit Fangqualitäten. In den Tiefen der IR schlummert mit dem Olympiasprinter 2012 Jeff Demps (ex-Florida Gators) noch ein vielleicht einzigartiges Talent, aus dem Belichick möglicherweise noch was formen möchte, wobei die jüngsten Aussagen Demps‘ („Leichtathletik ist meine Berufung, Football nur ein Hobby“) bei Belichick eher nicht auf große Gegenliebe gestoßen sein dürfte.

Konstant halten sich auch noch die Gerüchte eines Einkaufs von Pittsburghs RFA-WR Emmanuel Sanders, der für einen mittelprächtigen Vertrag plus Drittrundenpick losgeeist werden könnte. Sanders war vor wenigen Jahren mal ein „Secret Superstar“ bei Pro Football Focus. Auch WR Brandon Lloyd könnte für entsprechendes Salär noch nach New England zurückkehren – Lloyd gilt weiterhin als Spezl von OffCoord McDaniels.

Wie viel davon Plan B oder Plan C ist, ist bei den Patriots immer schwer zu beurteilen.

Die Offense Line hätte bei einem Abgang von RT Sebastian Vollmer durchaus einen Dämpfer hinnehmen müssen, und die Patriots schienen mittelhoch gepokert zu haben, doch es fand sich kein Abnehmer für das Latente „Rückenproblem“ Vollmer. Mittlerweile ist bekannt, dass Vollmer für einen relativ gesitteten Vertrag bleibt. Stärkung der Schützengräben gehört seit jeher zu den höchsten Prioritäten in New England, auch weil QB Brady gern mal allergisch auf zu viel Druck reagiert.

So oder so wird diese Offense kaum so schnell einen Leistungseinbruch sehen. In den letzten drei Jahren war das jeweils eine der drei effizientesten Punktemaschinen, die an guten Tagen auch gegen die Top-Defenses 30-40 Punkte aufs Tablett legen konnte. Dazu ein opportunistisches Laufspiel: New England wird so lange punkten, wie Brady den Angriff führt.

Die Defense

Qualitativ so ziemlich das Gegenteil ist die Defense, seit Jahren nach der Philosophie bend but don’t break gebaut: Wurscht, ob du mir vierhunderteinundsiebzig Yards einschenkst, ich lasse dir keine langen Touchdowns, sondern gönne dir maximal Field Goals und werde zweimal pro Spiel den Ball abfangen. Den Rest macht meine Offense – habe viel Spaß, auf die Weise 30 Punkte zu scoren. Problem dabei: Wenn die Turnovers, wie im AFC-Finale gegen Baltimore, mal ausbleiben, ist es um die Pats schneller geschehen als man denken würde.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet der als Defensiv-Genie verschrieene Belichick seit Jahren verzweifelt – und erfolglos! – versucht, Dominanz in eine verwaiste Abwehr zu bringen. Es mangelt vor allem an zwei Kernkomponenten: Passrush und Passdeckung. Zufällig die wichtigsten Bestandteile jeder NFL-Verteidigung.

In der Front-Seven spielt New England eine Mischform von 3-4 und 4-3 und hofft dadurch, Verwirrung beim Gegner zu stiften. Am alten Recken DT Vince Wilfork gibt es wenig auszusetzen und der junge DE Chandler Jones wurde zuletzt bis zu seiner Verletzung den Erwartungen durchaus gerecht. Ein weiterer Gehilfe für die Stirn der Defense würde den Patriots aber gut zu Gesichte stehen.

Ganz „hinten“ leidet die Abwehr an den vielen Draft-Busts, die Belichick sich in den letzten fünf Jahren auf Cornerback angelacht hat. Das führte letztes Jahr zu einem Trade für den Knallkopf der Buccs, CB Aqib Talib, einen Hüne von Cornerback, der die Secondary sofort verbesserte. Talib blieb für Einhjaresvertrag und relativ billige 5 Mio. in New England. In Kombination mit CB Dennard (sofern nicht ein Fall für den Knast) und Nickelback Arrington sowie dem CB Ras-I Dowling (wenn zur Abwechslung mal fit) könnte diese Secondary durchaus Potenzial besitzen, nicht mehr komplett ausschließlich von Turnovers abhängig zu sein.

Zumal FS Devin McCourty durchaus als Corner eingesetzt werden kann – und dann wären der blutjunge Tavon Wilson und der aus Arizona eingekaufte Routinier Adrian Wilson die Favoriten auf die beiden Starter-Plätze.

Grundsolide sollten die Linebacker sein: Brandon Spikes gilt als der vielseitigste, der ehemalige Tennessee Volunteer Jerod Mayo ist mit seiner Erfahrung der Ankermann, und der junge Dont’a Hightower schaut auch in der NFL so dynamisch aus wie am College in Alabama. Belichick würde zwar immer noch seinen ältesten Sohn eintauschen gegen einen Weltklasse-OLB mit Passrush-Qualitäten, aber solange dieser nicht via Draft erhältlich ist – so what? Vielleicht kommt noch jemand wie Freeney vom Transfermarkt.

Ausblick

Das Fenster des Erfolgs ist noch offen für die Patriots, aber mit jedem Jahr, das QB Brady älter wird, dürfte es einen Spalt schmäler werden. Belichick wird niemals in den Modus „win now, pay later“ verfallen, aber in New England würde es sogar etwas Sinn machen, da man die Akquisition eines neuen Bradys nicht planen kann. Der Einkauf von WR Sanders ist IMHO ein no brainer, sofern die Pats glauben, noch einen halbwegs guten und bezahlbaren Receiver zu brauchen.

Es gibt einen Grund, es nicht zu machen: Die Patriots haben erstaunlicherweise dieses Jahr kaum mehr Draftpicks (diese wurden großteils für Kollegen wie Ochocinco, Haynesworth oder Lloyd hergegeben). Und da sie in der Defense noch durchaus Verstärkung brauchen und Belichick noch zwei Picks aufs nächste Jahr traden muss, könnte der Drittrundenpick für Sanders

So oder so bleibt New England wohl ein Titelanwärter. Division und Conference (außer Denver, Houston und vllt. Cincinnati und eventuell noch Kansas City) sind noch im Umbruch oder schlicht zu schwach aufgestellt, um die Patriots ohne eine Verletzung Bradys zu stoppen. Die Effizienz-Mangel in der Defense werden eh größtenteils kaschiert durch das überdurchschnittlich aggressive PlayCalling Belichicks (außer in AFC-Finals und Superbowls).

New England dürfte vorerst nicht so schnell abstürzen.

Statt Pro Bowl – Das All-Pro Team 2012

In guter alter Tradition wird die Spaßveranstaltung heute abend hier geflissentlich ignoriert. Stattdessen kommt nach den Awards von Seminole und korsakoff heute mein All-Pro-Team mit den Spielern, die mir in der Saison 2012/13 am besten gefallen haben. (Das All-Pro Team 2011/12 gibts hier.)

Offense

QB – Tom Brady (Patriots): Brady hat 2012 noch einmal deutlich gemacht, warum man manchmal davon spricht, daß ein Quarterback seine Offense „orchestriert“. Der Golden Boy hat den Term „no-huddle Offense“ auf ein neues Niveau gehoben. Auch die vielen Verletzungen von Spielern wie Gronkowski, Hernandez, Edelman oder Woodhead konnten Brady nicht einbremsen.

RB – Adrian Peterson (Vikings): Es macht einfach Spaß, Purple Jesus laufen zu sehen. Am Ende hat er den Rekord zwar nicht gekriegt, aber mit seiner großen Saison nach einem Kreuzbandriß dafür gesorgt, daß RBs wieder Kandidaten für die MVP-Trophäe werden können.

LT – Trent Williams (Redskins): Williams war mal 4th overall pick. Und das ist erst drei Jahre her. Trotzdem ist er kaum bekannt. In seinen ersten beiden NFL-Jahren hatte er unter Verletzungen und Sperren zu leiden. Aber dieses Jahr konnte auch der gemeine Fernsehzuschauer sehen, was der Shanaclan in ihm gesehen hat, als sie ihn anno 2010 zu ihrem ersten Draftpick in Washington gemacht haben. Die Königsdisziplin für Offensive Tackles ist immer noch das pass blocking, aber wie Williams im Laufspiel mit so großer Sicherheit den richtigen Gegner zum blocken gefunden hat, schnell mit seinen Füßen da war und sein Opfer mal eben umgestellt hat wie ein paar Legosteine, läßt pass blocking-Maschinen wie Jake Long vergessen.

LG – Mike Iupati (49ers): Iupati bildet mit seinem Nebenmann Joe Staley die beste linke Seite der Liga. Einen derart athletischen Spieler mit seinen körperlichen Ausmaßen (1,97m, 150kg) findet man sonst nur in Baltimores Haloti Ngata.

C – N.N. Den Center in meinem Team muß ich weglassen, weil mir niemand besonders aufgefallen ist. Die meisten pundits sagen, daß Minnesota John Sullivan am stärksten war. Aber wer kann das bei einem Center schon ernsthaft vom Fernseher aus entscheiden? (Warum wird das All-Pro Team eigentlich nicht von den Coaches gewählt, sondern nur von Journalisten, deren Argumention zwischen „TebowOMFG“ und „AsomughaÍstDerBesteCornerbackDerWeltDasSchreibtSchließlichJederVonJedemAb“ oszilliert?)

RG – Alex Boone (49es): Ich hab keine Ahnung, wo dieser Boone plötzlich hergekommen ist. Aber er spielt, als hätte er nie etwas anderes getan als in einer sehr komplexen Laufoffense erfahrene Profis vom Kaliber eines Vince Wilfork oder 400kg-Typen wie B.J. Raji aus dem Weg zu räumen.

RT – Sebastian Vollmer (Patriots): Vollmer ist hier nicht, weil er Deutscher ist, sondern weil er tatsächlich der beste Right Tackle der Saison 2012. Er ist auch einer der wenigen Offensive Tackles, die sowohl im pass- als auch im run blocking überragend sind. Vollmer ist in diesem Sommer Free Agent und wird sich ein Konto suchen müssen, daß auch achtstellige Beträge zuläßt.

TE – Rob Gronkowski (Patriots): Über Gronkowski muß man nicht viel sagen. Er hat Tight End zur neuen „in“-Position gemacht. Nur werden die anderen Mannschaften merken, daß 2,00m-Typen, die blocken können wie ein Offensive Lineman und Pässe fangen können wie ein WR, nicht mal eben im Supermarkt zu kaufen sind.

WR – Calvin Johnson (Lions): No brainer. Mit Abstand das Beste, was man in Sachen Receiving im Football bewundern darf.

WR – Vincent Jackson (Buccaneers): Jackson hat in seiner ersten Saison in Tampa gezeigt, daß er einer der wenigen WRs, die mit jedem QB gut aussehen.

WR – Reggie Wayne (Colts): Reggie Wayne ist das Beste, was Andrew Luck jemals passieren konnte. Beeindrucken an Waynes Leistung 2012 war vor allem, daß er mit Mitte 30 nochmal eine ganz neue Rolle gelernt hat. Unter Peyton Manning war er immer an der Seitenlinie angekettet, nun wurde er von OC Bruce Arians über das gesamte Feld geschickt und sah rechts, links, im Slot und auch überall anders aus wie neugeboren.

Defense

DE – Cameron Wake (Dolphins): Wake ist ein wenig untergangen, weil Miami keine großen Spiele hatte und auch keine Storylines produzierte. Aber Cameron Wake, der 2009 aus der CFL kam, muß sich spätestens nach dieser Saison vor keinem anderen Defensive End mehr verstecken.

DT – J.J. Watt (Texans): Spätestens wenn Watt, wie zu erwarten steht, nicht MVP der Saison 2012 wird, ist dieser MVP-Titel absolut wertlos. Watt hat eine dermaßen einzigartige Saison in einer unglaublichen Konstanz gespielt, daß er nicht nur DPOY und MVP werden sollte, sondern Sportler des Jahres. Weltweit. Ich habe noch nie einen Verteidiger in der NFL so dominieren sehen wie Watt 2012.

DT – Geno Atkins (Bengals): In den meisten anderen Spielzeiten wäre Atkins klarer Favorit auf den Title DPOY. Dieses Jahr reicht es nur für einen Platz im All-Pro Team. Atkins sieht aus wie ein typischer Defensive Tackle, hat aber eine quickness in den Füßen (und im Kopf), die sonst eher Slot Receivers an den Tag legen.

DE – Calais Campbell (Cardinals): Arizonas Campbell wird manchmal als J.J. Watt für Arme bezeichnet. Das ist Quatsch. Richtiger wär es zu sagen, Watt ist unbezahlbar und Campbell der Watt für die Warren Buffets. Oder so ähnlich. Was Campbell in dieser Saison mit seinen Mitleid verdienenden Gegenspielern gemacht hat, erinnerte an Puppentheater, wobei er die Fäden zog. Der Anker der Cardinals-Linie ist der Spieler, der mit seiner Kombination aus purer Kraft, tänzermäßigen Füßen und perfekter Technik am ehesten an Watt heranreicht.

OLB – Von Miller (Broncos): Miller wäre wie auch Campbell und Atkins locker DPOY geworden, wenn nicht Watt seine Saison von einem anderen Stern gespielt hätte (und natürlich Atkins und Campbell selber nicht so überragend gewesen wären). Was Miller neben der spielerischen Stärke an sich auszeichnet, ist seine Vielseitigkeit. Er gibt einen erstklassigen 43-OLB in Denvers Base-D und er gibt einen ebenso erstklassigen Pass Rusher als DE in Nickel- und Dime-Formationen.

MLB – Daryl Washington (Cardinals): Während anderswo noch darüber diskutiert wird, ob Bowman oder Willis der beste Linebacker der NFL ist, hat Arizonas 34-ILB Daryl Washington gespielt, als würde er vor jedem Spiel zwei Kilo Koks ziehen und meistens trotzdem kühlen Kopf bewahren. Falls das möglich ist. Zeitweise sieht er mit seiner Explosivität und seiner Aggressivität aus wie Ray Lewis zu seinen besten Zeiten. Manchmal sieht er auch einfach aus wie ein Irrer und rennt mit 200km/h in das falsche Loch. Aber wenn er wie in 95% aller Plays den richtigen Riecher hat, dann: Hals- und Beinbruch!

LB – NaVorro Bowman/Patrick Willis (49ers): Sie sind beide überragend. Ich könnte mich nicht für einen entscheiden, wenn ich es müßte. Was Bowman und Willis vor allem auszeichnet, sind ihre Fähigkeiten in pass coverage. Sie sind zwei der wenigen Verteidiger, die es auch mit den „neuen“ Tight Ends aufnehmen können.

CB – Antonio Cromartie (Jets): Der großmäulige Störenfried Antonio Cromartie stand fürchterlich unter Druck nachdem Darelle Revis auf IR gewandert ist. Zur großen Überraschung hat er dann aber tatsächlich gespielt wie ein waschechter franchise corner. Er ist auch ein Grund dafür, daß Trottelgesicht Owner Woody Johnson gerne Revis traden würde.

CB – Richard Sherman (Seahawks): Aus dem Nichts kam letztes Jahr der 5th-rd pick auf die Bühne und hat die etablierten WRs respektlos gegängelt.Der größte Trash Talker, den Stanford je hervorgebracht hat, ist mit seinem großen massigen Körper und seinem extrem physischen Stil ein Unikat in der NFL. Seit dieser Saison kann er es mit Jedem aufnehmen und auch sein selbst gewählter Spitzname Optimus Prime paßt wie die Faust aufs Auge, nachdem er Megatron bei drei Catches halten konnte.

S – Earl Thomas (Seahawks): Während Sherman und sein Gegenüber Brandon Browner immer eng am Mann sind und Verfolgungsarbeiten übernehmen, zieht Thomas in der Tiefe des Feldes seine Kreise und schlägt blitzschnell und instinktsicher zu, wenn mal ein Ball tief geworfen wird. Ein echter Seeadler eben. Wenn Thomas sich so weiter entwickelt, könnte er der legitime Erbe der aktuellen großen Safety-Generation sein. Er sollte sich dann aber bitte weniger häufig verletzen als Ed Reed, Troy Polamalu und Bob Sanders.

S – Ryan Clark (Steelers): Während Troy Polamalu mal wieder ständig verletzt war, hat sein Nebenmann Clark die Führung der secondary übernommen. Der unscheinbare Safety macht Sonntag für Sonntag das, was ein Safety eben so machen sollte: für Sicherheit sorgen. Die Pass-D Pittsburgh war nach NY/A die Nr. 2 im Land und ein großer Grund dafür war Clark.

Es sind sicherlich einige Spieler rausgefallen, einfach weil ich sie nicht oft genug gesehen hab. Es kann durchaus sein, daß beispielsweise Clevelands CB Joe Haden, Buffalos Safety Jairus Byrd oder irgendwer von Kansas City auch herausragend gespielt hat. Das hab ich aber leider nicht oft genug gesehen, weil – wer guckt schon Spiele von Cleveland, Kansas City oder Buffalo?