NFL Notizblock, Week 4: SNF New England Patriots @ Atlanta Falcons

Tom Brady und seine sieben Zwerge (drei Spiele, drei Siege) sind am Sonntag ins Königreich der Falken gefahren, wo die Viererbande um Matt Ryan immer noch jedem das Fürchten lehren kann. Atlanta hat in dieser Spielzeit schon zwei Spiele – wenn auch gegen ziemlich gute Teams – verloren und will sich nicht gleich von den Saints in der NFC South abhängen lassen. Die Gäste im lauten Georgia Dome wurden zur Prime Time geladen und erwarteten ein schönes Spektakel – was sie dann auch bekamen, ein Sunday Night Game wie es im Buche steht. Weiterlesen

GFWTC, late Rounds: Füllmaterialien

Die GFWTC biegt in die Zielgerade ein, und die letzten Runden sind dazu da, die Mannschaften zu komplettieren, geeignete Spieler für diue Vervollständigung der Ideen zu finden. Die allergrößten Superstars im besten Alter sind vom Board, es bleiben noch drei Kategorien von Spielern übrig: die zweite Garnitur der Topspieler, große Namen, die den Zenit überschritten haben, aber noch 1-2 Jahre guten Value bringen, und blutjunge Prospects, denen man eine gute Zukunft prognostiziert, die aber noch nicht allzu viel bewiesen haben.

LB Dont’a Hightower (17. Runde) ist einer dieser Spieler. Am College in Alabama war Hightower für mich der dominierende Abwehrspieler mit seinem Speed und seiner Spielintelligenz. Im NFL-Draft 2012 ging Hightower erst gegen Ende der ersten Runde vom Tablett, was mich angesichts seiner Leistungen in Alabama überraschte, und sein Rookiejahr war dann auch etwas durchwachsen, mit Eingewöhnungsproblemen. An Hightower mag ich seine Dynamik, seine Instinkte. Er macht relativ wenige Fehler und ist ein grundsolider Tackler, der aber leichte Schwächen in der Deckung besitzt. Er besitzt zwar noch recht wenig Profierfahrung, aber bei Alabama spielte er drei Jahre als Starter durch, müsste also einen gewissen Level an Spielintelligenz besitzen. Hightower ist in der 17ten Runde vielleicht ein leichter „Reach“, aber was bleibt mir angesichts des sich ausdünnenden Feldes an Outside Linebackers noch anderes übrig als ihn zu holen, will ich zumindest in Ansätzen eine 4-3 Defense spielen?

Value-Spielchen

In der 18. und 19. Runde hatte ich einfaches Spiel, was die Positionen anging: Ich wusste, dass Tight End und Defensive Tackle meine Prioritäten waren. Bei den Offensive Tackles waren nur mehr drei Plätze zu vergeben, und zwischen den drei verbliebenen OTs Jake Long, D’Brickshaw Ferguson und Eugene Monroe gibt es so wenig Qualitätsdifferenz und das Alter ist auch kaum ein Faktor, dass ich beruhigt warten konnte. Bei den Centern war der Qualitätsunterschied zu klein. Bei den Receivers waren sieben Plätze, und ich hatte noch genau sieben Jungs auf meinem Board. Auf DE/OLB konnte ich ebenso abwarten. Und weil Andy Goldschmidt, der die beiden Picks zwischen meinen beiden hat, beide Positionen bereits vergeben hatte, konnte ich machen, was ich wollte.

Ein Jahr Tony Gonzalez…

… ist mir mehr wert als mehrere Jahre von anderen Tight Ends? TE Tony Gonzalez von den Atlanta Falcons kündigte diesen Sommer nach etlichen Jahren des Zweifels an, nach dieser Saison endgültig Schluss machen zu wollen. Gonzalez ist im Winter 38 und versucht sich diesen Herbst zum letzten Mal auf seinem Halali. Normalerweise würde ich von so einem Spieler in der GFWTC zurückschrecken, aber dann sah ich mir die verbliebenen Optionen auf Tight End an:

  • Tony Moeaki von den Chiefs ist einer der Männer, die es mir angetan haben seit seinem exzellenten Rookiejahr 2010. Leider ist Moeaki seither ein wandelndes Verletzungsproblem und als Receiver ist er nicht gut genug, um die vorhandenen Schwächen zu kaschieren.
  • Jermaine Gresham und Brandon Pettigrew sind beides Jungs, die mir zu unkonstant sind.
  • Aaron Hernandez sitzt zu 99,9% im Knast.
  • Antonio Gates war mal der beste Tight End von allen, aber mittlerweile mit 30+ ein Bröckerl und obwohl noch immer „gut“, nur mehr ein Schatten seiner selbst. Gates hatte zudem zu viele Verletzungsprobleme. Ich würde ihn normalerweise trotzdem bedenkenlos nehmen, aber es sind reizvollere Spieler auf dem Tablett.
  • Heath Miller ist einer der Jungs, die gern unterschätzt werden: Grundsolider Fänger, grundsolider Blocker, mit 30 Lenze noch nicht weit übern Zenit hinaus, aber die Leistungskurve wird demnächst beginnen abzufallen.
  • Jermichael Finley gehört zu meinen Lieblingsspielern und er wäre mein favorisierter Pick gewesen. Finley ist leider auch einigermaßen frustrierend, weil er häufig zu unkonzetriert spielt und gerne mal einen unnötigen Ball fallen lässt. Finley ist ein Freak von Athlet und mit fünf Jahren Profierfahrung noch kein altes Eisen, aber er ist auch brutal eindimensional.

„Eindimensional“ ist auch Tony Gonzalez, und zwar so eindimensional wie eine Scheibe Toastbrot. Wenn ich aber in meiner Offense, die meinem QB Aaron Rodgers relativ wenig Schutz gibt, schon einen Tight End mit Fokus „Receiving“ gebe, dann muss diese Fänger-Qualität so ausgeprägt sein, dass ich die Defense wirklich abschrecke.

Tony Gonzalez ist ein Altmeister, aber die letzte Saison deutete in keinster Weise darauf hin, dass er diesen Herbst plötzlich mit voller Wucht den Mann mit dem Hammer sieht und komplett eingeht. Gonzalez hätte es nicht mehr unbedingt notwendig, noch ein letztes Jahr dranzuhängen. Dass er es macht, gibt mir das Gefühl, dass er sich noch das allerletzte Halali zutraut. Ich glaube nicht, dass Gonzalez nur für das Ziel Superbowl-Ring seine Großmutti oder seinen Ruf opfern würde. Wenn Gonzalez noch ein Jahr spielt, dann in erster Linie weil er glaubt, noch volle Leistung bringen zu können und weil er noch eine letzte Chance auf den Ring bekommt.

Ein Jahr Tony Gonzalez ist es mir wert, in der 18. Runde andere Optionen wie Miller, Finley oder Gates zu übergehen. Tight End ist keine Position, um die man eine NFL-Mannschaft baut. Wenn ich in einem Jahr ohne Tight End da stehe, muss ich nicht mein komplettes Mannschaftsgebilde umbauen wie das z.B. mit einem 39jährigen Quarterback wäre. Ich glaube, die 18. Runde ist Value-mäßig auch ein angemessener Ort für einen 38jährigen Tight End, der als bester aller Zeiten gilt, der in sechs Jahren in der Hall of Fame stehen wird, und der allen Eindrücken aus dem letzten Jahr noch den größten Teil seiner Leistung abrufen kann – und sei es nur durch seine fassungslose Spielintelligenz.

Nose Tackle

Zu Beginn der 19ten Runde fiel meine Wahl auf DT Fletcher Cox von den Philadelphia Eagles. Ich hatte in den mittleren Runden gehofft, Fairley oder Michael Brockers zu bekommen, aber datt war dann nix. Was brauche ich für meine 4-3 Under Defense? Keinen sensationellen „Flashy“-Spieler, sondern einen Mann, der imstande ist, „two-gap“ zu spielen um für meinen Nebenmann, DT McCoy ein 1-vs-1 zu ermöglichen. Das ist die Aufgaben meines Nose Tackles in der 4-3 Under Defense. Cox ist in erster Linie ein guter Passrusher, aber Cox wird auch als komplett genug angesehen, um in Philadelphias neuem Spielsystem als Defensive End eingesetzt zu werden, mit der Absicht, viele double-teams zu sehen. Das ist in meiner Basis-Defense auch Cox‘ Aufgabe: double-teams zu fordern. Ich habe drei überragende Passrusher als Nebenleute: Pierre-Paul, McCoy und Orakpo. Da muss der Tackle in der Mitte die Drecksarbeit übernehmen.

Ich hatte ein Weilchen überlegt, ob ich nicht Seymour nehmen sollte. Der war mir letztlich zu alt und passt athletisch auch nicht wirklich 100%ig auf diese Rolle. Die andere Option, die ich fast gezogen hätte: Dontari Poe von den Chiefs. Really. Poe mag ein Prospect sein, bei dem kein Mensch weiß, was am Ende rauskommt, aber ich finde die Abgesänge auf diesen Draftpick #11 von 2012 (Poe ging einen Pick vor Cox im NFL-Draft) zu früh. Wer sich ein wenig die Tapes von Kansas Citys Abwehr anschaut, der wird merken, dass Poe teilweise double-teams anzog, und das nicht immer nur qua Design. Poe ist jung, unerfahren, ungeschliffen und ungehobelt, aber er hat massives Potenzial – Potenzial, das er am College in Memphis nicht nutzen konnte, schlicht weil es dort keine Coaches von Format gab.

Ich entschied mich am Ende mit Cox aber doch für die „sicherere“ Option und bin mit der angedachten Defensive Line DE Orakpo (strong-side, 5-tech oder 7-tech), NT Cox (strong-side, 1-tech), DT McCoy (weak-side, 3-tech) und DE Pierre-Paul (weak-side, 5-tech) mehr als zufrieden. Diese Line dürfte solide genug den Lauf einbremsen, dass mich niemand ohne Variation überläuft, und sie macht als Quartett so viel Terz im Passrush, dass ich dahinter nur vereinzelte wohl getimte Blitzes schicken brauche, und im schlimmsten Fall auch eine Halbzeit mit Cover-2 und bend-but-don’t-break Defense durchkomme. Und ich gehe jede Wette ein, dass ein halbwegs kreativer Defensive Coordinator mit einem Pierre-Paul durchaus auch den einen oder anderen Zone-Blitz einbauen kann. Ach ja: Cox ist auch ein ziemlich guter Passrusher. Ich kann ergo im Fall der Fälle auch flott auf die 4-3 Over Defense switchen.

Fünf Spieler kriege ich noch. Vor den letzten fünf sehen die Empty Bottles so aus:

OFFENSE                      DEFENSE
---------------------------------------------------
QB   Aaron Rodgers           DE   Jason Pierre-Paul
RB   Jamaal Charles          DT   Gerald McCoy
WR   Julio Jones             NT   Fletcher Cox
WR                           DE   Brian Orakpo
WR   Victor Cruz             ILB  Brian Cushing
TE   Tony Gonzalez           OLB  Donta Hightower
OT   Nate Solder             CB   Patrick Peterson
OG   Carl Nicks              CB   Devin McCourty
C                            CB   Stephon Gilmore
OG   Kevin Zeitler           S    Earl Thomas
OT                           S    Kam Chancellor
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Glaskugel 2012: Atlanta Falcons

Die Atlanta Falcons sind eine gute Mannschaft. Sie sind wirklich gut. Aber dieses „gut“ ist nach vier Jahren unter HC Mike Smith und QB Matt Ryan mittlerweile nur noch zum Teil positiv gemeint. In diesen vier Jahren haben sie in der Regular Season immer eine positive Bilanz gehabt. Sie haben 43 Spiele gewonnen. Aber alle drei Playoffspiele verloren. Die Falcons als gut zu bezeichnen ist mittlerweile so, wie die die hübschen Frauen im Club einen netten Typen als „nett“ bezeichnen. Ja, mit dem kann man mal tanzen, mit dem kann man auch eine rauchen gehen und von dem läßt man sich auch gerne mal einen Drink ausgeben. Aber weiter gehts dann mit den Typen, die mehr sind als „nett“.

Das wußten die Leute um GM Thomas Dimitroff auch im letzten Jahr schon und haben ihr letztes Hemd gegeben, um WR Julio Jones draften zu können. Jones sollte die Falcons von „gut“ zu Super-Bowl-Aspirant machen. Grundsätzlich war die Idee auch richtig. Die Falcons haben auch 2011 wieder gut gespielt, 10 Spiele gewonnen und sind in die Playoffs gekommen. Aber dann kamen die wirklich coolen Typen aus dem Big Apple und haben ihnen die Party versaut und Smith und Ryan und all die anderen netten Typen mußten mal wieder alleine nach Hause gehen.

In dieser Offseason wurde zwar mit CB Asante Samuel wieder ein echter Kracher geholt. Nur muß man mittlerweile wirklich aufpassen, daß Samuel nicht nur schöne neue Manschettenknöpfe darstellt, während der Hemdkragen im Laufe der Zeit schon speckig geworden ist.

Offense

Die Konstruktion Offense hat zwei Eckpfeiler und drei Streben. Eckpfeiler 1 ist QB Matt Ryan. Ryan geht nun in sein fünftes Jahr, aber er scheint in seiner Entwicklung an der Stufe borderline Top-10 QB stehen geblieben zu sein. Auch wenn er zum Beispiel von ProFootballFocus immer wieder abgefeiert wird, kommt er doch nicht an das Brees/Rodgers/Manning-Niveau heran. Ryan ist im Grunde das perfekte Aushängeschild für diese Falcons: richtig gut, voll nett und manchmal sogar mit ganz starker Performance. Aber doch nie gut genug, um auch mal in die VIP-Area gelassen zu werden.

Zwei Streben sind die WRs Roddy White und Julio Jones. White hat nunmehr fünf Jahre in Folge mindesten 1100 Yards erfangen. Und doch wird er nie genannt, wenn es um die Top-5 WR geht. Besonders in der letzten Saison hatte er dafür einfach zu viele Drops. Jones könnte vielleicht wirklich der Typ sein, der Atlanta eine ganze Stufe nach oben hebt. In seinem Rookiejahr hatte er immer wieder mit kleineren Wehwechen zu kämpfen und war auch nur ein guter WR.

Die dritte Strebe ist TE Tony Gonzalez. Senor Gonzalez, der schon Jimmy Graham war, bevor es Jimmy Graham gab und der wie Jermichael Finley ist, nur mit besseren Händen, dieser Senor Gonzalez ist auch einer dieser „neuen“ Tight Ends. Wenn da nicht das Alter wäre. Der Senor ist mittlerweile schon Elder Statesman. Auf einen 36-Jährigen zu bauen für eine Position, die vor allem von der Athletik lebt – nun ja: mutig. Zumal es keinen back-up gibt. Wer mit den Namen Tommy Gallarda, Adam Nissley, Michael Palmer und Aron White etwas anfangen kann, sollte seine Haustür mal von der anderen Seite sehen und kennenlernen, was normale Menschen „Leben“ nennen.

Schedule

Wk1 @ KC
Wk2 v DEN (MNF)
Wk3 @ SD
Wk4 v CAR
Wk5 @ WAS
Wk6 v OAK
Wk7 BYE
Wk8 @ PHI
Wk9 v DAL (SNF)
Wk10 @ NO
Wk11 v ARI
Wk12 @ TB
Wk13 v NO (TNF)
Wk14 @ CAR
Wk15 v NYG
Wk16 @ DET (MNF)
Wk17 v TB

Hinter WRs und TEs wirds dann grau und grauer. Eckpfeiler Nummer 2 ist nämlich ein 30 Jahre alter Running Back. Michael Turner kratzte zwar auch 2011 wieder irgendwie 1300 Rushing Yards zusammen. Aber der Trend zeigt steil nach unten. In den letzten neun Spielen 2011 schaffte er nur einmal mehr als 100 Yards – gegen die Bucs in Woche 17, die sich zu diesem Zeitpunkt schon lange aufgeben hatten. Das Playoffspiel gegen die Giants mit 41 Yards aus 15 Läufen dürfte schon eher das sein, was in Zukunft blüht. Turners back-up ist Jason Snelling. Mehr als 4 Yards pro Carry schafft Snelling nur auf der Playstation. Als Geheimwaffe könnte Jacquizz Rodgers ganz steil aus der Kurve kommen. Der ehemalige Star der Oregon State Beavers sollte das allerdings auch letztes Jahr schon, blieb dann allerdings undercover. Klug eingesetzt hat er aber durchaus das Talent, ein explosiver space player wie Darren Sproles zu werden.

Und dann auch noch die Offensive Line: ebenfalls Kategorie absteigender Ast. RT Tyson Clabo ist der einzige, dem man bedenkenlos ein gutes Zeugnis ausstellen kann. Center Todd McClure ist 35 und über den Berg. Left Guard Justin Blalock spielt halt so mit, kann aber keine Akzente setzen. Auf Right Guard  spielt manchmal Garrett Reynolds, manchmal Joe Hawley. Je nachdem, wer gerade mit dem weniger schlechten Bein aufgestanden ist. Und auf LT siehts ganz düster aus. Für die blind side sucht der neue OC Dirk Koetter noch einen Einäugigen. Sam Baker, 1st-rd pick 2007, sollte mal der Joe Thomas der Falcons werden. Er ist mehr ein Levi Brown geworden. Will Svittek hat letztes Jahr Baker verdrängt. Über Svittek kann man sagen, daß er Tscheche ist. Und 2,00m groß. Man klicke auf den Draft 2011-link in der Sidebar, dann erfährt man noch etwas über zwei neue Rookie OLiner, aber game changer werden die in ihrem ersten Jahr auch nicht.

Koetter kann ich für die kommende Saison überhaupt nicht einschätzen. HC Mike Smith kennt ihn aus Jacksonville, wo beide Coordinators waren. Koetter hat aber von 2007 bis 2011 als OC der Jags nichts anderes gemacht, als Maurice Jones-Drew den Ball zu geben. Das wird er jetzt kaum so machen. Vorher hat er sich im Collegebereich rumgetrieben und war unter anderem Trainer von Boise State und Arizona State. Bei ASU soll er gar ein aggressives vertikales Spiel aufgezogen haben. Was das für die Falcons 2012 heißt? Wir werden sehen, sagte der Zen-Meister…

Das alles ist hauptsächlich so despektierlich geschrieben, um zu verdeutlichen, daß die Falcons eben nicht nur einen Julio Jones von der Lombardi Trophy entfernt sind. Die Offense ist gut. Ein Ryan, ein White und ein Jones sind alle Spieler, die auch mal Spiel alleine gewinnen können. Keine Frage. Aber am Ende ist gut eben vor allem nicht sehr gut.

Defense

Die defensive Seite des Balles sieht dagegen schon rosiger aus. Nicht nur wegen Samuel. Das poster child für die Defense ist CB Brent Grimes. Grimes hat keinen großen Namen, aber dafür große Leistungen vorzuweisen. Mit einem Grimes muß man in der NFC South vor einem Drew Brees oder Josh Freeman keine Angst haben. Asante Samuel daneben hat einen großen Namen und große Leistungen. Wie man Samuel für einen 7th-rd pick bekommen konnte, ist das größte Rätsel der Offseason. Aber das soll ja Atlantas Schaden nicht sein. Der andere CB mit großem Namen, Dunta Robinson ist zwar überbezahlt, aber als dritten CB würden ihn die meisten Teams mit Kusshand nehmen.

Mit John Abraham, Ray Edwards und Kroy Biermann hat Atlanta auch drei gute Pass Rusher im Kader. Abraham war mal ganz stark, ist aber qua Alter nur noch gut. Biermann hat immer mal wieder großartige Ansätze gezeigt, ist aber über die Ansätze nicht hinausgekommen. Und Edwards war in seinem contract year bei den Vikings 2010 ganz stark, scheint sich dann aber auf seinem neuen Vertrag ausgeruht zu haben. Wenn alle drei mal konstant so spielen würden, wie sie könnten, müßten sie sich vor keinem Pass-Rushing-Trio der NFC verstecken.

Da kommt der neue Defensive Coordinator Mike Nolan wie gerufen. Nolan ist einer dieser Typen, die ständig bei anderen Teams sind – und ständig diese Teams besser machen, als sie vorher waren. Als DC bei den Ravens, Broncos und Dolphins in den letzten Jahren hat er immer hervorragende Arbeit geleistet. Seine Zeit als HC der 49ers 2005-8 war nicht so erfolgreich, aber es gibt Trainer, die wurden geboren, um Coordinator zu sein.

Wir haben also drei starke CBs, drei gute Pass Rusher und einen ganz starken DC. Bleibt die Mitte des Feldes. Die ist immerhin gut. Der junge LB Sean Weatherspoon hat sich zu einem der besten three-down linebacker der NFC gemausert. Daneben ist es zwar etwas dünn, bei immer mehr Nickel und Dime ist das aber gar nicht soo wild.

Mit Thomas DeCoud und William Moore sind auch immer zwei gute, junge Safeties auf dem Feld. Nicht cream of the crop, aber solide genug, um zwischen Grimes, Samuel und Robinson gut auszusehen.

Das Talent ist also da, es geht nur darum, alles herauszuholen. Zwischen mäßig und stark ist hier für 2012 alles drin, bei dem DC sollte das Pendel aber eher gen stark zeigen.

Ausblick

Die Atlanta Falcons 2012 sind eine Mannschaft, für die alles andere als die Playoffs eine Enttäuschung wären. Die Offense hat auf einigen Position Potential für ganz Großes – QB & WR; auf einigen Positionen aber auch Potential für folgende Fragen Ende September: „die haben echt niemanden, der TE spielen kann, jetzt wo Gonzalez verletzt ist“ oder „Wann ist denn Atlantas Offensive Line sooo schlecht geworden?“. Muß nicht passieren, aber man hat schon andere Kaliber scheinbar überraschend einbrechen sehen.

Bei den Namen Ryan, White und Jones ist es kontrainutitiv, aber: die Defense sollte diese Mannschaft tragen. Man darf nicht vergessen, daß die Dolphins, Nolans letzter Arbeitgeber, eine der besten Verteidigungsreihen der vergangenen Saison auf die Beine gestellt haben – mit vergleichbarem Talent. So sollte es laufen: die D hält Atlanta in den Spielen und Matty Ice wird tatsächlich seinem Nickname gerecht und gewinnt die Spiele. Dann reicht es auch in der harten NFC South und den vielen Wild-Card-Kandidaten der NFC für die Playoffs. Nur viel sollte Atlanta dort nicht zugetraut werden, dafür gibt es einfach zu viele Mannschaften, die noch mehr individuelles Talent in ihren Reihen wissen. Atlanta ist gut, aber lange nicht gut genug. Also ein paar Drinks genießen, ein bißchen schäkern und dann artig in die Heia und daran arbeiten, auf der Party 2013 besser auszusehen.

Vorschau NFL Wild Card Playoffs 2011/12: Falcons/Giants, Steelers/Broncos

Atlanta Falcons (10-6) @ New York Giants (9-7)

[Sonntag 19.00Uhr, kommentiert auf FOX von Joe Buck und Troy Aikman]

Die New York Giants haben es mal wieder geschafft, nach achterbahnmäßigen Auf und Ab dann doch wieder in die Playoffs zu kommen. Es gab ein paar tolle Siege (vs New England, Philadelphia), einige Einbrüche (z.B. gegen New Orleans), großartige Comebacks (vs Dallas), völlig unerklärliche Niederlagen (vs Seattle) und abgerundet wurde die ganze Saison durch fünf aufeinanderfolgende Niederlagen im November und Dezember. Mit drei Siegen in den letzten vier Spielen kommt man jetzt aber heiß und mit momentum in die Playoffs. Bei den Giants ist das Auf und Ab und andere Aufregung mittlerweile schon zur Tradition unter Head Coach Tom Coughlin geworden. Mal schießt sich der Nr. 1 WR in den Fuß, dann will der RB einen Fan verprügeln oder er beleidigt Rex Ryan mitten im Stadion; Eli wird mal auf eine Stufe mit Peyton gehoben nur um dann zwei Wochen später nicht mal der beste QB in New York zu sein und Coughlin wird jede Seaison mehr als einmal von Fans und Medien symbolisch gefeuert. Um es kurz zu machen: dieser Zirkus ist das genaue Gegenteil der Atlanta Falcons, die weder auf noch ab oder sonst etwas Extremes sind, sondern einfach – naja, so mittel.

Atlanta ist ein durch und durch gutes Team. Das ist einerseits ein Kompliment, andererseits beschreibt es auch ihre Grenzen. Gut heißt einerseits, daß sie zum dritten Mal in den vier Jahren unter HC Mike Smith ( OC Mike Mularkey & DC Brian Van Gorder) mit Quarterback Matt Ryan verdient in die Playoffs gekommen sind. Die Falcons haben sich in diesen vier Jahren auch nicht verändert. Sie haben ein ziemlich gutes Laufspiel, ein solides Paßspiel und eine ganz anständige Defense.

Aber “gut” heißt eben auch “nicht sehr gut”. Ryan ist kein Rodgers, die WRs Roddy White und Julio Jones sind keine Playmaker vom Format Larry Fitzgerald oder Calvin Johnson, RB Michael Turner ist kein Adrian Peterson und DE John Abraham ist kein Terrell Suggs.

Falcons Offense / Giants Defense

So wird das Spiel dann wohl auch taktisch recht “normal” ablaufen: Turner wird seine 20 Carries bekommen, Ryan wird einige gute Würfe machen und Jones/White einige gute fangen (aber auch droppen) und TE Gony Gonzalez wird die Linebackers der Giants öfter Mal alt aussehen lassen. Aber: das Entscheidende wird der Kampf an der Line of Scrimmage sein und hier ist Atlanta klar im Nachteil.

Die Offensive Line der Falcons ist Durchschnitt. Fünf große dicke Jungs, die ihre Stärken vor allem im Running Game haben. Und in den letzten fünf Wochen (vor dem Spiel gegen die Reste der Tampa Bay Buccaneers) hat selbst das nicht mehr besonders gut funktioniert: 89, 70, 86, 97 und 35 Laufyards gegen Minnesota, Houston, Carolina, Jacksonville, New Orleans. Über die gesamte Saison gesehen waren es am Ende nur 4,0 Yards per Carry, schlechter als zum Beispiel Indy.

Im Paßspiel kann sich QB Ryan schon mal auf einige blaue Flecken gefaßt machen. In guter alter Giants-Tradition hat die Verteidigung um Defensive Coordinator Perry Fewell eine tief besetzte Defensive Line mit drei hervorragenden Pass Rushern in Jason Pierre-Paul, Justin Tuck und Osi Umenyiora (auch wenn Umenyiora und manchmal auch Tuck zeitweise in einer Mischung aus leicht verletzt und lustlos aufgelaufen sind). Auch die anderen D-Liner Chris Canty, Linval Joseph und Dave Tollefson sollten in diesem Spiel ihre Plays machen. Das müssen sie auch, um das mittelmäßige, von Verletzungen geplagte LBs-Corps rauszuhauen.

Atlanta hat nur eine Chance auf mehr als 20 Punkte, wenn sie es schaffen, mit White und Jones mehrere Big Plays zu kreieren. Weil das aus der normalen Offense gegen diesen Pass Rush nur schwer möglich sein wird, werden wir wahrscheinlich viel No-Huddle-Offense von Matt Ryan sehen, was er in den letzten Wochen auch schon ausgiebig ausprobiert hat. Das macht den Pass Rush müde, verhindert das Auswechseln von Spielern, Wechsel zwischen Base-, Nickel- und Dime-Defense und hält den Druck auf die Verteidiger hoch.

Giants Offense / Falcons Defense

Der Gameplan der Giants-Offense ist ziemlich simpel: Eli Manning muß das Spiel irgendwie gewinnen. Das Laufspiel ist statistisch das schlechteste der NFL gewesen mit nur 89,2 Yards pro Spiel und 3,5 Yards pro Carry. Nichtsdestotrotz können sie mit einem fitten Ahmad Bradshaw und einem motivierten Brandon Jacobs mehr als 100 Yards machen und ihren Teil beitragen. In den letzten fünf Spielen waren sie, bis auf die Partie gegen Washington, auch immer dreistellig.

Trotzdem muß das Paßspiel die Hauptarbeit leisten. Mit einem teilweise überragend spielenden Eli Manning und einem der besten Receiving Corps der NFL mit Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz haben die Giants den klaren Vorteil gegen die mäßige Paßverteidigung Atlantas.

Fazit

Am Ende muß irgendwer der Falcons über sich hinauswachsen, um das Spiel zu gewinnen. Die Giants haben mit Eli, Victor Cruz und JPP/Tuck Spieler, die das regelmäßig machen. Bei Atlanta fehlt der ganz große Spieler, der MVP, der game changer, der auch mal das ganze Team auf seinem Rücken zum Sieg trägt. Matt Ryan hat dieses Jahr nicht gezeigt, daß er gegen eine ganz starke Defense ganz stark spielen kann; WR Roddy White hat immer wieder Killer-Drops; WR Julio Jones ist ein Rookie und wartet noch auf seine breakout performance; RB Michael Turner ist immer noch grundsolide, aber nicht der Homerun-Hitter und auch in der Defense gibt es viele überdurchschnittliche Spieler wie CB Brent Grimes, die LBs Lofton und Weatherspoon oder DE John Abraham. Die genannten haben alle durchaus das Talent, ein Spiel zu entscheiden, aber bis jetzt haben sie es noch nicht gezeigt. (In ihren letzten beiden Playoff-Spielen übrigens auch nicht: 2008 L 24-30 @Arizona und 2010 L 21-48 vs Green Bay.) Hinzu kommt noch, daß Dome-Teams in den letzten 40 Jahren nur 9 von 41 Playoffspielen in kalten Stadien gewonnen haben. Die Giants gehen als klarer Favorit in das Spiel.

Pittsburgh Steelers (12-4) @ Denver Broncos (8-8)

[Sonntag 22.30Uhr, kommentiert auf CBS von Jim Nantz und Phil Simms]

Im Mile High Stadium treffen zum Abschluß der Wild-Card-Playoffs zwei der nur drei Playoff-Teams aufeinander, die ein negatives Turnover-Rating haben (Denver -12, Pittsburgh -13). Über Tim Tebow und seine Broncos ist eigentlich alles gesagt, daß muß hier nicht nochmal wiederholt werden. Pittsburgh läuft komischerweise etwas “under the radar”. Die Defense hat unter vielen Verletzungen gelitten und hat die Regular Season völlig unbemerkt als Nr.1 nach Punkten als auch Yards abgeschlossen. In der Offense redet man meistens über die miese O-Line, den verletzten Big Ben und das miese Laufspiel. Aber an guten Tagen ist Pittsburghs Angriff einer der explosivsten der NFL und immer für mehrere Big Plays gut.

Broncos Offense / Steelers Defense

Das wird ein ganz langer Tag für Tim Tebow und seine Offense. Denver hat zwar das beste Laufspiel der Liga, aber Pittsburgh immer noch eine der besten Verteidigungsreihen ligaweit – sowohl gegen den Lauf als auch den Paß. Die Statistiken lassen Pittsburgh nicht ganz so gut aussehen, was aber vor allem daher rührt, daß die LBs alle längere Zeit verletzt oder gesperrt gefehlt haben. Jetzt sind alle wieder fit.

Pittsburgh wird das Spiel sehr aggressiv angehen und Tebow sehr früh Bekanntschaft machen mit Safety Troy Polamalu, der wohl meistens “in the box” spielen wird, um das Laufspiel von Anfang an zu unterbinden. Es sollte auch nicht allzu riskant sein, immer acht Mann in der Nähe der Line of Scrimmage zu haben, denn passen ist nicht gerade die Stärke Tebows.

In den letzten drei Spielen, die allesamt verlorengingen, wurde Tebow entzaubert. Vor allem die Bills und Chiefs haben in der Defense eine sehr aggressive Man-Coverage gegen die WR gespielt und Tebow damit die einfachen “Reads” genommen. Zusätzlich haben die DEs beziehungsweise OLBs sehr diszipliniert gespielt und Tebow nicht Richtung Seitenlinien ausbrechen lassen. Aggressiv und diszipliniert sind dummerweise die Hauptcharakteristika der Steelers-D.

Die Zahlen für Denvers Quarterbacks waren ernüchternd in den Wochen 15, 16, und 17: 30/73, 439 Yards, 1TD, 4 Interceptions, 3 Fumbles. Die Broncos haben nur eine Chance, wenn sie sich von ihren überkonservativen Gameplans verabschieden und ihr Heil in einigen tiefen Bällen suchen. Die Chance dafür sollte zumindest da sein, denn Polamalu wird sich hauptsächlich an der Line of Scrimmage rumtreiben, der zweite etatmäßige Safety Ryan Clark ist verletzt und mit Ike Taylor haben sie auch nur einen starken CB.

Steelers Offense / Broncos Defense

Auf dieser Seite des Balles wird alles von Roethlisbergers linkem Knöchel abhängen. Erstmals hat er ihn sich Anfang Dezember verletzt, humpelte dann in San Francisco nur rum bevor er sich in Woche 16 schonen durfte. Letzte Woche mußte er wieder ran und ist im dritten Viertel gegen Cleveland erneut mit dem Fuß umgeknickt. Nun humpelt er schlimmer als zuvor und ist damit seiner wohl größten Stärke beraubt: der Fähigkeit, immer wieder sicher geglaubten Sacks zu entkommen.

Hinter seiner dezimierten Offensive Line, die schlecht wie eh und je spielt, sollte er am Sonntag immer wieder große böse Jungs auf sich zukommen sehen. Elvis Dumervil und Rookie Von Miller sind das wohl beste Pass-Rushing-Duo der AFC. Miller hat zwar in den letzten Wochen, in denen er angeschlagen war, leicht nachgelassen, aber ein wenig fitter und mit der Motivation eines Playoffspiels vor eigenem Publikum sollte er zur Höchstform auflaufen. Pittsburgh hat in dieser Saison auswärts 25 Sacks zugelassen.

Noch schwieriger wird es für Pittsburghs Offense, weil sich Running Back Rashard Mendenhall mit Kreuzbandriß ins Krankenhaus verabschiedet hat. Nun muß Isaac “Redzone” Redman das Workhorse geben. Ob er dazu fähig ist, muß er erst noch beweisen. Helfen sollte den Steelers die bestenfalls durchschnittliche Secondary der Broncos. CB Champ Bailey ist immer noch gut, aber nicht großartig. Der andere Starting-CB Andre Goodman hat seine besten Tage auch hinter sich und nach der Verletzung von Safety-Legende Brian Dawkins bewachen mit Rookie Quinton Carter und dem 24-jährigen David Bruton zwei Grünschnäbel den tiefen Teil des Feldes.

Das sollte den beiden Deep Threats Mike Wallace und Antonio Brown viel Freude bereiten. Beide haben in dieser Saison mehr als 1000 Yards erfangen und machen pro Catch fast 17 Yards. Wenn Big Ben mal Zeit in der Pocket bekommt, sollten Wallace und Brown die wichtigen Catches und Punkte machen, auch wenn es wohl nicht allzu viele werden dürften. Letztendlich sollten die Steelers aber auch gar nicht so viele Punkte brauchen um eine Woche später zu ihren guten Freunden aus Baltimore oder New England fahren zu dürfen.

Atlanta Falcons in der Sezierstunde

2010/11 in der NFL ist geschlagen. Kein Mensch (oder, „Good“ell?) weiß, ob und wann die NFL-Saison 2011/12 weitergehen wird. Die CBA-Verhandlungen werden uns im Lauf der Zeit aufklären. Fürs Erste ist nur mehr der NFL Draft abzuhalten. Trades und Free Agency wird es vorerst keine geben.

Zeit für mich, mal den Entwicklungshelfer für die NFL-Teams zu geben. Beginnend mit den Atlanta Falcons.

Atlanta Falcons, NFL Football

©Flickr

2010/11 hat eine Falcons-Truppe gesehen, die ich einigermaßen beeindruckend fand. Diese Scheißt-mich-nicht-was-ihr-uns-entgegenwerft-Einstellung der Falcons war über Wochen und Monate ein prägendes Element der Footballsaison. Wir durften das oft genug im TV bestaunen. Eine in der Offense erbarmungslos auf hartes Laufspiel, Fehlerminimierung und effizientes Kurzpassspiel setzende Truppe, der eines abging: Explosivität. In der Defense nicht mehr als solide. Es deutete sich schon seit Mitte Oktober an, aber erst die Packers haben das Problem so krass wie es ist zutage gebracht: Die Scheune „Secondary“ steht sperrangelweit offen. Dazu kommen IMHO unzuverlässige Special Teams.

Das Saisonergebnis kann sich trotzdem sehen lassen: 13-3. In den Playoffs flogen die Falken wie alle anderen NFL-Vögel dann schnell heim. Es passiert häufig bei Mannschaften mit einem eher jungen Nukleus und fehlender Explosivität, dass Unerfahrenheit in den Playoffs zu einem Problem wird. Dieses Problem zeigte sich insbesondere nach der überflüssigen Interception kurz vor der Pause. Den Falcons wurden danach sämtliche Federn ausgerissen und sie fielen in sich zusammen.

Trotzdem ist man in Atlanta offenbar zufrieden mit dem Job von Head Coach Mike Smith, der die Chaos-Franchise nach Vick und Petrino auf einen soliden Kurs gebracht hat. Sein Vertrag wurde finanziell ordentlich aufgestockt und verlängert. Smith ist einer meiner Favoriten: Kein Lautsprecher, sondern ein hemdsärmeliger Typ mit klarer Handschrift. Ein Typ, wie es jeder andere der vermutlich 1,7 Mio. anderen Mike Smiths in den Staaten sein könnte. Die Falcons sind spielerisch eines der markantesten Teams. Auch der Rest der Trainercrew bleibt zusammen. Philosophiewechsel wird es unter dem brillanten GM Thomas Dimitroff also erstmal keinen geben.

Vor dem Abflug

Eine ganze Reihe an Verträgen läuft nun allerdings in Atlanta aus. Angefangen beim TE Tony Gonzalez, der noch eine Saison dranhängen wird. Gonzalez ist ein integraler Bestandteil der Offense, ein Klammerhaken für QB Matt Ryan, genauso wie WR Roddy White. Ich glaube nicht, dass sie Gonzalez ziehen lassen werden.

Auf der RB-Position werden zwei Spieler Free Agents: Jason Snelling und Jerious Norwood. Sie werden nicht beide halten. Norwood ist der, der eine Change of Pace zu RB Michael Turner bringen kann, war aber schwer verletzt. Snelling ist mehr ein Turner für Arme, hat sich aber erstaunlich gut mit Turner ergänzt.

Dazu sind drei Offense Liner vertragslos: RT Tyson Clabo und die Guards Justin Blalock & Harvey Dahl. Alles Starter. 3/5 der Offense Line. Im Sinne der Kontinuität – und die Line war absolut okay – sehe ich Atlanta gezwungen, alle drei zu behalten. Denn die Probleme liegen in der Defense.

Der erfahrene, aber alte MLB Mike Petersen ist ein alter Weggefährte von Smith aus Jaguars-Tagen, könnte aber gehen müssen. Mit CB Brent Grimes ist ein junger Mann in der Secondary vertragslos.

Wo den Hebel ansetzen?

Keine Frage: Atlantas Offense wird nicht primär im Fokus liegen, auch wenn Turner und White schön langsam ihre Vorwahl wechseln werden. Die augenscheinlichsten Probleme liegen in zwei Bereichen: Pass Rush und Pass-Deckung.

Im Prinzip fehlt Atlanta in Defensive Line und Secondary ein Anker, ein Playmaker. Einer, auf den der Gegner aufpassen muss. Der Pass Rush ist wenig erbaulich, es sei denn, sie schicken Blitzes und entblößen sich noch mehr. Die Draftklasse 2011 ist voll von guten Defensive Linern. Im Übrigen hätten die Falcons noch einen hoch Gedrafteten im Kader: DT Jeria Perry, der in zwei Jahren ganze 1-2x gespielt hat und den Rest in der Reha verbrachte.

In der Secondary spielt mit CB Dunta Robinson ein extrem teurer Mann. Aber Robinson ist ein Unsicherheitsfaktor, mehr denn ein großer Anführer. Die Safeties der Falcons sind ein Schwachpunkt. Atlanta wird in der ersten Runde unter Garantie sein Augenmerk auf die Defenisve Backs legen. Auf jeden Fall eher, denn noch einmal einen 60 Mio.-Vertrag (Robinson) für einen Free Agent auszustellen.

Die Aussichten

Atlanta hat alle Ingredienzien, auf längere Sicht vorne dabei zu bleiben. Das Management ist so weitsichtig und ruhig wie die Spielweise der Offense. Das Team wird von der Erfahrung „Green Bay“ zehren, mehr als dass es daran zerbrechen wird. Aufstrebende Mannschaften müssen Rückschläge einstecken. Gut möglich, dass Mike Smith an einem kommenden Superbowl-Champ bastelt. Noch fehlen aber 2-3 größere Baustellen.

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