Familie

Der ehemalige NFL-Funktionär und Spieleragent Andrew Brandt schreibt bei MMQB über den Druck, der vom engsten Umfeld auf Footballprofis ausgeübt wird, wenn diese den Sprung in die NFL geschafft haben und ihre ersten millionenschweren Verträge unterzeichnen: More Money, more problems. Weiterlesen

Trent Richardson

Ein Nachtrag zum gestern bekannt gewordenen Trade des RB Trent Richardson von Cleveland zu den Indianapolis Colts (Trade-Wert: 1-rd Pick Colts 2014), bei dem sich der finanzielle Schaden für die eh nicht in Cap-Problemen befindlichen Browns in Grenzen hält: Bill Barnwell hat einen kompletten 360°-Blick auf diesen Trade geworfen und alle möglichen Aspekte beleuchtet, vom superioren Pass-Blocking Richardsons über die Sünde, so hohe Picks für die „role player“ Running Backs auszugeben:

Richardson ist für mich ein einzigartiger Back, einer der besten, die ich je gesehen habe. Es ist halt… ein Running Back. Ich halte den Move zwar aus Colts-Sicht nicht für komplett neben die Schuach, aber die Browns kommen doch aus analytischer Sicht als klarer Sieger aus diesem Trade. Das sage ich nicht gern. Ich hätte nicht gedacht, dass ich Browns-GM Michael Lombardi in diesem Leben noch mal loben würde. Bravo, Michael Lombardi.

NFL Woche 4: Notizblock Browns@Ravens

Gene Steratore ist back! Gestern gab es den ersten Auftritt der regulären Referees nach ihrem Streik. Dabei hatten sie in Baltimore einen ganz ruhigen Abend. Genau das Gegenteil von dem Hexenkessel, den die replacements da am letzten Sonntag angefeuert haben. Was spielerisch so passiert ist, gibt es nach dem Klick.

Stats & more

Gamebook

Am Ende war es wie so oft bei den Ravens, wenn sie gegen eine deutlich schwächere Mannschaft spielen: es wurde unnötig knapp. Kurz vor Schluß hatten die Browns aus 18 Yards Entfernung die Chance, per Touchdown den Ausgleich zu schaffen.

Vor allem in der ersten Halbzeit war es vor allem wieder das seltsame Playcalling von Cam Cameron, daß nicht so aufging, wie er sich das wohl vorgestellt hatte. Ja, die Secondary der Browns ist nicht die beste, vor allem weil CB Joe Haden immer noch gesperrt gefehlt hat. Aber warum 28 Paßversuchen nur sechs Läufe von Ray Rice gegenüberstehen, ist nur schwer nachvollziehbar. Wenn Cleveland an diesem Abend einen herausragenden Pass Rusher gehabt hätte, wär das Spiel tatsächlich so eng gewesen, wie es der Endstand von 23-16 suggeriert.

Ab und zu kam QB Flacco auch mal unter Druck – und sah dabei einige Male recht schlecht aus. Aber wenn er Zeit in der Pocket hatte oder sich einige Zehntelsekunden mit seiner in diesem Spiel wirklich starken pocket awareness erkauft hat, dann hat er Clevelands Secondary seziert. Am Ende standen für ihn, der mittlerweile tatsächlich den Eindruck eines Top-10-Quarterbacks erweckt, mehr als 350 Yards auf der Uhr. Nachdem WR Torrey Smith in der ersten Halbzeit acht Mal sein anvisiertes Ziel gewesen ist (vorzugsweise tief, aber nur einmal erfolgreich), hat in der zweiten Hälfte WR Anquan Boldin die harte Arbeit übernommen und ein ums andere Mal über Mitteldistanzrouten Bälle (acht in Hälfte zwo für mehr als 100 Yards) und harte Hits (unzählige) eingesteckt.

Auf der anderen Seite war es ähnlich. RB Trent Richardson hat nur 14 Carries bekommen, während Brandon Weeden 52 Pässe geworfen hat. Baltimore hat es nicht geschafft, mit der Front Four Druck auf Weeden zu machen und ist darum schnell dazu übergegangen, viele Blitzes auf ihn loszulassen. Was gegen Rookies für gewöhnlich auch immer ein probates Mittel ist. Erst zum Ende der ersten Halbzeit kamen Weeden und seine Offensive Line damit etwas besser klar und nach einigen Big Plays zu WR Greg Litte und Travis Benjamin konnte Richardson dann kurz vor dem Pausenpfiff auch zum 7-9 in die Endzone marschieren. Stand Weeden mal nicht unter Druck, sah er sogar aus wie ein richtiger NFL-Quarterback.

Auch das dritte Viertel über konnten die Browns noch mithalten, aber eine Interception bei einer kurzen out route auf die links Seite war Weeden überrascht von der Schnelligkeit Cary Williams, der entspannt über 60 Yards in die Endzone traben konnte. Neben dieser Interception, die ein klassischer Rookiefehler war, hat vor allem WR Little seine Coaches und seinen Quarterback zur Verzweiflung gebracht. Wie auch schon im letzten Jahr kann er einfachste Bälle einfach nicht festhalten. Ein starkes big play wechselt sich bei ihm immer mit einem fallengelassenen Touchdown ab.

Insgesamt war Baltimore wenig konsequent und hat von den Fehlern Clevelands profitiert. Wobei die Ravens aber die deutlich bessere Mannschaft waren und der Sieg eigentlich zu keinem Zeitpunkt in Gefahr war.

Überragend war mal wieder Haloti Ngata, der jeden OLiner der Browns mindestens einmal vernascht hat. Auch stark war OLB Paul Kruger, der seinen Stammplatz bombensicher hat. Während Rookie Courtney Upshaw meistens nur in der Nickel-D spielt und sonst hinter Albert McClellan zurücktreten muß.

Cleveland Browns in der Frischzellenkur

  • #3 (1) RB Trent Richardson (Alabama)
  • #22 (1) QB Brandon Weeden (Oklahoma State)
  • #37 (2) OT Mitchell Schwartz (California)
  • #87 (3) DT John Hughes (Cincinnati)
  • #100 (4) WR Travis Benjamin (Miami, Fl.)
  • #120 (4) LB James-Michael Johnson (Nevada)
  • #160 (5) G Ryan Miller (Colorado)
  • #204 (6) LB Emmanuel Acho (Texas)
  • #206 (6) DT Billy Winn (Boise State)
  • #245 (7) CB Trevon Wade (Arizona)
  • #247 (7) TE Brad Smelley (Alabama)

[Statt einer Draft-Review von koraskoff oder mir freuen wir uns heute, die Gedanken des passionierten Browns-Fans alexander präsentieren zu können. Im Folgenden gibts alexanders Einschätzung zur Browns-Draft und zum Management allgemein und zum Ende kurz meine 2 cents.]


Als Hinweis vorneweg:  ich habe natürlich keine Ahnung wieweit meine Meinung repräsentativ ist, auch in den Brownsforen in Ohio sind sehr unterschiedliche Meinungen zu lesen und es gibt diverse Gruppierungen.

Nochmal einige Punkte zur Draft mit einigen Tagen Abstand. Eigentlich eine sehr interessante Draft bei der man aus vielen Gründen die Augenbrauen heben kann.

Dabei geht es mir weniger darum jeden Spieler genau zu analysieren sondern um die Gesamtsituation der Franchise.

Das Management geht ein hohes Risiko ein (schon Verzweiflung?), so wie sie im Gesamtbild agieren.

Die Fans und eventuell auch Owner Lerner werden ungeduldig. Jetzt kommt das dritte Jahr von Holmgren und es wird wohl Zeit, dass Schritte in die richtige Richtung zu erkennen sind. Holmgren, bisher keinesfalls souverän (meist aus der Ferne der Westküste SEA oder ARZ) agierend in seinen ersten beiden Jahren mit sehr viel diskussionswürdigen Entscheidungen ( Mangini 1 Jahr behalten um ihn dann doch zu feuern, den Rookie HC Shurmur zu holen mit dem Verdacht der Seilschaften, da alle den gleichen Berater haben, das QB Geeiere mit dem Delhomme Fiasko, das hin und her in Sachen McCoy). Oder der mittlerweile korrigierte Monsterfehler, dass man Shurmur noch in Personalunion den OFF Coord machen liess.

Problem ist, letztes Jahr hatten wir einen sehr leichten Schedule, der eine gute Bilanz hätte hergeben können. Es wurden allerdings einige Spiele knapp verloren die auch auf die Kappe des Coaches gingen der sehr überfordert agierte (allerdings wäre eine mögliche bessere Saisonbilanz nur Kosmetik gewesen und hätte über das wahre Potential vielleicht hinweggetäuscht). Jetzt kommt dieses Jahr ein deutlich härterer Schedule und die Browns werden wohl mit einem Rookie QB als Starter in die Saison gehen, der mit 29 Jahren noch kein einziges NFL Spiel bestritten hat.

Die Browns werden mit einem WR Corps in die Saison gehen, das letztes Jahr ganz oben war bei den Drops und denen es an ganz großen Spielern fehlt

Die Browns werden zum wiederholten Male in die Saison gehen, ohne dass der Baustelle QB ein Top WR per Draft oder Free Agency als Hilfe gegeben wurde (letztes Jahr kein Julio Jones, dieses Jahr auch kein Top Mann geholt mit entsprechendem Background).

Das Frontoffice hat durch Veteranenhandling neue Lücken in der Offseason geschaffen (OL Steinbach, RB Hillis) die nun in der Draft wieder neu besetzt werden mussten, statt dass andere Positionen (WR) angegangen wurden.

Angesprochen auf das WR Dilemma: Mit breiter Brust erklärt das Management, dass dieses Jahr die kaum veränderte WR Combo plötzlich viel besser aussehen werde, da ja auch andere Positionen upgegrdated wurden (RB; QB) und dies nun den WR auch helfen würde. Überzeugen tut mich dieser Zweckoptimismus nicht, zumindest nicht für kommende schwere Saison.

Es sind viele einzelne Entscheidungen getroffen worden, welche zwar im einzelnen, isoliert betrachtet, jeweils begründbar sein mögen (z.B: Steinbach, Hillis), im Gesamtkontext aber ein anderes, zweifelhaftes Bild ergeben.

Ich habe auch nicht unbedingt das Gefühl, dass das Mangement in allen Bereichen auf gleicher Wellenlänge agiert. Auch Holmgren deutete an, dass er Heckert mal einvernehmlich „überzeugt“ hatte, anders zu handeln.

Wo ich auch im Grübeln bin ist die QB Situation und Entscheidungsfindung. Nachdem RG3 nicht geklappt hat, haben Holmgren und Co sehr deutlich gemacht, dass man keine Zweifel hätte mit McCoy als Starter in die Saison zu gehen. Man werde jetzt in der Draft viele weapons holen um ihn zu helfen.

Klar war vor der Draft, dass Tannenhill nicht in Frage kam für die Browns. TRich war auch irgendwie klar. Zu Trent Richardson: er wird nicht nur als laufender RB gesehen, sondern auch als sehr guter Passempfänger und Blocker. Aus diesem Blickwinkel muss seine Draft gesehen werden. Kann ich eigentlich mit leben.

Holmgren hat auch WR Wright sehr gemocht. Wäre Wright nicht an 20 bereits weggegangen, hätte ihn wohl Cleveland an #22 statt Weeden genommen. Die Frage ist dann, ob man für Weeden dann von 37 aus hoch getradet hätte. Oder ob Weeden überhaupt dann noch den Browns in den Schoss gefallen wäre . Wenn nicht, wäre wohl doch McCoy der alleinige Prinz?

McCoy wurde vorgeworfen, dass er den notwendigen Arm nicht hat. Weeden hat ihn. Allerdings wollte man eh eine OFF unter Holmgren / Shurmur etablieren, die mehr auf accuracy basiert. Jetzt liest man überall begeistert, welchen big arm nun Weeden hat.

Dann noch die Frage, inwiefern ein QB auch auf Wunsch des Owners geholt werden musste.

Persönlich sehe ich das sehr offen. Wenn Weeden „the man“ in Cleveland wird, dann freue ich mich. Allerdings trat McCoy unter ungünstigsten Umständen in Cleveland an. Zuerst wurde er von Daboll gemobbt, machte dann aber in seiner ersten Saison seine Sache nicht schlecht bei einem offense-gameplan der ihm entgegenkam (hohe Dosis Hillis, Cribbs, Trickspielzüge).

Dann neue Saison, neuer Trainer (überforderter Rookie Headcoach), neues OFF System, keine Offseason wegen Streik. auch kein OFF Coord der sich mit ihn beschäftigen konnte, eine nicht harmonische OL, das Hillisdrama und auch eine wenig überzeugende WR Unit. In diesem Umfeld hätten viele junge QBs Probleme gehabt. Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Colt McCoy.

Holmgren ist sehr viel Risiko gegangen. Floppt Weeden, dann hat Holmgren nach 3 von 5 Jahren insgesamt bei 3 QBs teuer daneben gelangt (Delhomme, McCoy und Weeden). Zudem habe ich null Vertrauen in das Können von Shurmur und ich weiss nicht wie beruhigt ein Holmgren nach den vielen Fehlern von Shurmur im letzten Jahr ist. Mit Childress hat man zumindest einen OFF Coach, der schnell auch das Ruder in die Hand nehmen kann oder Holmi macht es am Schluss selbst.

Stichwort „passlastige“ Liga und Erfolg deshalb bin ich auch ein Fan davon, dass man zumindest stets untersucht ob es sinnvoll ist, sich ANTIZYKLISCH zu verhalten. Damit meine ich harte gute DEF und viel harten RUN. Den Erfolgen der Bradys, Brees, Mannings, Rogers kann man auch SB Teilnahmen oder Siege von Ravens, Bucs, Steelers (der erste SB unter Big Ben auf jeden Fall) und Giants dagegen halten (oder die Teilnahme im SB der Bears). [Edit Herrmann: dieser Gedanke hat mich zu dem Think-Twice-Beitrag über die Rolle der Quarterbacks animiert.]

Eine Draft mit Risiko, wegen Weeden und der einseitigen Fixierung auf den Pass und damit immer in Abhängigkeit vom Können der QBs bzw deren Verletzungsanfälligkeit in der von DEF dominierten AFC North und einem sehr windigen Brownsstadion am Lake Erie mit harten Wintern und alles andere als ideale Wurfbedingungen in 8 Heimspielen.

Für mich setzt das Management sehr viel Risiko auf wenig Karten (Weeden, dass die WR Unit sich um Galaxien verbessert, dass Shurmur es gebacken bekommt) mit sehr wenig in der Hinterhand.

Der „Only in Cleveland“ Faktor (ich weiss nicht ob du schon 2002 NFL verfolgt hast, google mal dwayne rudd helmet). Irgendwelche Freakdinge, die immer in Cleveland passieren und die Franchise zurückwerfen. Es ist zumindest bei den Fans schon in der Psyche.

Gerade hat es wieder zugeschlagen, da unser first round pick aus dem letzten Jahr DT Phil Taylor wohl die komplette Saison ausfallen wird. Kennt man ja schon von Winslow, der sich damals mit dem Motorrad das Knie ausradierte und dadurch seine dem eigentlichen Talent entsprechende HOF Karriere wegwarf. Oder der damals für irre Summen geholte freeagent und OL Hoffnungsträger LeCharles Bentley, der sich im allerersten NON CONTACT Training, das Knie ausradierte, was letztendlich sein Karriereende war. Oder oder oder. Only in Cleveland.

Im Vergleich zum „only in Cleveland “ Faktor, ist Murphy´s law ein unbedeutender kleiner Fliegenschiss auf der Weltkugel.

Double Take Herrmann:

Dieses Only-in-Cleveland-Gefühl kann ich vollkommen nachvollziehen. Irgendetwas passiert den Browns immer. Abenteuerliche Verletzungen. Pech auf dem Spielfeld. Pech in Managementdingen. Wenn man dann mal kein Pech hat, macht irgendwer irgendetwas falsch. Und wenn man dann doch mal einiges oder gar viele richtig macht, sind immer noch Ravens, Steelers und die mehr als soliden Bengals in der gleichen Division. Es ist dann auch gar nicht überraschend, daß eines morgens nicht die Chargers- oder Seahawks- oder sonst irgenwelche  Fans aufwachten und die eigene Mannschaft weg war, sondern ausgerechnet die Browns-Anhänger.

Die diesjährige Draft sieht auch durchaus vernünftig aus. Drei Picks in den Top-40, mit denen man einen Franchise Running Back auf (angeblich) Adrian-Peterson-Niveau draftet; einen soliden QB, dessen Potential wie bei den meisten 1st-rd picks zwischen mittelmäßig und recht gut rangiert; und für diese beiden ersten einen Tackle als Hilfe.  Wie man das eben so macht, möchte man fast sagen: ein Franchise-Guy für eine Skill-Position; einen QB; Verstärkung für die O-Line.

Die Verteidigung ist ohnehin schon besser, als man meinen möchte, wenn man als gewöhnlicher NFL-Fan nur zwei Spiele pro Jahr sieht, in denen die Browns von Ravens und Steelers vermöbelt werden (und sogar dabei manchmal schon ganz patent aussehen).  Man hat eine sehr junge und starke Secondary um CB Joe Haden und einen der besten Linebackers der Liga in D´Qwell Jackson. Sehr gut aufgestellt also in der „It´s a passing league„-NFL. In der letzten Spielzeit ließen die Browns nur 6,3 Yards/Paßversuch zu und waren nach Punkten die fünftbeste Defense der Liga.

In einer schwächeren Division könnten sich die Browns vielleicht in Ruhe entwicklen. In der AFC North geht das nicht. Auch wenn die Ergebnisse in der kommenden Saison wahrscheinlich nicht besonders rosig aussehen werden, bastelt man sich am Lake Erie einen ganz anständigen Kader zusammen. Fraglich ist dabei nur, wieviel Geduld man „ganz oben“ noch hat.

Zur Meinung von korsakoff und Grantlands/Smart Footballs Chris Brown gehts hier.

Grantland: Über die erste Runde der Cleveland Browns

Leseempfehlung: Chris Brown (Smart Football) analysiert für Grantland die beiden Erstrundenpicks der Cleveland Browns im NFL-Draft 2012. Trifft ziemlich genau meine Meinung über eine kontroverse Vorgehensweise einer sportlichen Leitung, die mit eigenartigen Entscheidungen bisher nicht gegeizt hat.

Die Gesichter des NFL-Drafts 2012 – Die Offense

Ich bin im Normalfall kein allzu großer Freund von Mock-Drafts, aber für heute zwei Verweise: In der Nacht (02h MESZ) wird Draft-Halbgott Mike Mayock wie im letzten Jahr seinen Mock-Draft 2012 präsentieren. Schon veröffentlicht ist der Mock-Draft vom heimlichen Star in der heurigen Vorberichterstattung: Greg Cosell, der Mann von NFL-Films mit Zugang zur All-22 Kamera, der sich im aktuellen Frühjahr mit flockig lesbaren Analysen einen Namen gemacht hat – und nun einen ebenso interessanten wie unkonventionellen Mock-Draft veröffentlicht hat:

Cosell Talks: The Mock Draft.

Sobald der Spox-Userdraft (mit korsakoff! Unbedingt lesen!) online ist, werde ich noch darauf verweisen. Abseits davon gilt: Abwarten und Tee trinken. Es wird nicht zuletzt aufgrund der Gehaltsbegrenzung für Rookies mit etlichen Trades im Laufe des Wochenendes gerechnet. Ein Spielertrade soll noch vor der ersten Runde abgeschlossen werden: Die Eagles versuchen, CB Asante Samuel für einen erstaunlich billigen Preis loszuwerden.


Bevor es losgeht, noch ein Blick auf die Draft-Anwärter 2012. Angereichert mit persönlichen Notizen und dem einen oder anderen Angelesenen. Und natürlich mit den über die Wochen Aufgesaugtem von Mike Mayock, der vorgestern seine finalen Rankings online gestellt hat.

Quarterbacks

Jahr für Jahr nicht zu Unrecht die meistdiskutierte Position sind die Quarterbacks. Schauen wir uns die Klasse von 2012 an, so fällt auf, dass die hüftsteifen Pocket Passer mit Betonklötzen an den Schuhen fehlen. Dafür haben wir viele mobile QBs, die auch mal einen Linebacker aussteigen lassen können. Und wir müssen uns fast überhaupt nicht über die Charakterfrage unterhalten.

Zwei Quarterbacks schweben über allen. Dahinter ist man sich uneins. Mike Mayocks Top-5:

#1 Andrew Luck
#2 Robert Griffin III
#3 Ryan Tannehill
#4 Brandon Weeden
#5 Kirk Cousins

Andrew Luck von der Stanford University und Robert Griffin III von der kleinen Baylor University werden auch die ersten beiden Picks im Draft sein. Die Reihenfolge ist fast 100%ig geklärt: Es ist davon auszugehen, dass die Indianapolis Colts keinen Umfaller mehr haben und ihre Zukunft um Luck herum bauen werden.

Luck, der Sohn des ehemaligen RheinFire-Managers Oliver Luck, gilt als außerordentlich reifer und risikoloser Pick mit unterschätzter Mobilität. Im Vergleich zu RG3 soll der/die/das „Upside“ geringer sein, sprich Lucks Arm besitzt nicht das Attribut „waffenscheinpflichtig“ und Luck ist bei all seiner Athletik nicht der potenzielle Scrambler vom Schlage Griffins (RG3 hätte sich als Hürdensprinter für die Olympischen Sommerspiele qualifizieren können). Auf der Habenseite steht bei Luck ein für Rookies sagenhaftes Spielverständnis und eine ungemeine Coolness. Beiden wird eine exzellente Zukunft vorausgesagt. Und vermutlich passt es auch so am besten: Luck in Indys Offense, RG3 in Shanahans rollout-lastigen, tiefen Angriff.

Das meistdiskutierte dark horse der vergangenen Wochen war Ryan Tannehill von Texas A&M, der in Ermangelung weiterer Gesprächtsthemen nun trotz seiner fehlenden Erfahrung als sicherer Top-10 Pick gilt (die Tendenz geht weg von Cleveland, hin zu Miami). Tannehills Attribute: Schwiegermutterliebling, starker Arm, im worst case auf Wide Receiver umschulbar. Auf der anderen Seite bleibt bei Tannehill die ungute Historie des Quarterbacks, der aus dem quasi-Nichts die Boards emporschießt. Nur in Ausnahmefällen haben sich solche QB-Optionen in der Vergangenheit als erfolgreich gezeigt.

Ein weiterer X-Faktor der letzten Wochen: Arizona States Brock Osweiler, der Hüne mit den Krakeelenarmen und dem Bubigesicht. Osweiler schoss mit einigen geglückten Risikopässen beim Pro Day in den Boards nach oben und wird von einigen Pundits zum möglichen First Round Pick hochgejazzt. Osweiler ist mit seinen 2,03m in einer Größenkategorie wie Derek Anderson, Flacco, Jamarcus Russell und Scott Mitchell, um die erfolgreichsten der QB-Kolosse in der NFL-Geschichte zu nennen (sic!).

Nach Osweiler wären noch Zottelbock Nick Foles/Arizona (wuseliger QB mit Raketenarm), Kirk Cousins/Michigan State (Großtantes Liebling, aber keine herausragenden spielerischen Attribute) und Brandon Weeden/Oklahoma State (28jähriger Spread-QB mit Säufergesicht) nennenswerte Kandidaten für die späte erste oder zweite Runde. Alles dahinter Folgende ist etwas für die Trüffelschweine.

Ein B.J. Coleman galt einst bei den Tennessee Vols („einst“ = bevor er vor Lane Kiffin floh) als Workaholic und machte sich hernach in der FCS bei Chattanooga recht ordentlich. Ein G.J. Kinne/Tulsa gehört mit seiner brachialen Spielweise (kein Scramble endet mit Fuß voraus) sowieso zu meinen Favoriten, gilt jedoch als Grobmotoriker in Sachen Wurftechnik zu denjenigen Quarterbacks, die möglicherweise ungedraftet bleiben. Und ein Russell Wilson/Wisconsin wird trotz flinker Füße kaum vor Samstag gedraftet werden – wenn überhaupt. Selbiges gilt für Darron Thomas aus Oregon.

Eine Unbekannte ist auch Case Keenum/Houston, der NCAA-Passrekordhalter, dem als „System-Quarterback“ mit viel zu geringer Körpergröße maximal eine Karriere als Ergänzungsspieler nachgesagt wird.

Der Fall Moore

Kellen Moore von der Boise State University ist der Quarterback, unter dem die Broncos in vier Jahren ganze drei Spiele verloren haben. Punktdifferenzen dabei: -1, -3 (OT), -1. Zweimal aufgrund verschossener Field Goals gegen Spielende. Moore kommt mit seiner Allerweltsfrisur und seinem stets unbeeindruckten Knabengesicht nicht wie der nächste 25-Millionenmann des Weges, soll jedoch über vorzügliche soziale Fähigkeiten besitzen. Kellen Moores Problem: Er ist mit 1,80m eher klein gewachsen und verfügt über einen für NFL-Verhältnisse absurd schwachen Wurfarm. Moores tiefe 30-40m-Bälle hängen analog jenen Tebows stundenlang und eiernd in der Luft – ein großes Manko in einer Footballliga, in der manche Eigenschaften schon allein als Bedrohungselement (Stichwort: Defensive Backs zum Nachdenken zwingen) gebraucht werden.

Auf der anderen Seite wirft Moore unglaublich präzise Bälle auf den Mitteldistanzrouten und begeisterte zuletzt nicht nur Jon Gruden in dessen QB-Camp:

Nicht jede Offense tritt so wunderschön auf wie jene der Boise State Broncos. Trotzdem könnte Moore im entsprechenden System durchaus einen Franchise-QB geben, gehen wir nach manchen Auguren. Von Runde 2 bis undrafted free agent ist alles drin. Allein: Dann suchen halt auch nicht 25 Franchises jetzt ihren zukünftigen Franchise-QB. Sollten wir von Kellen Moore nach dem Draft nie wieder etwas hören, so lohnt es sich dennoch, wenigstens den Film einmal reinzuziehen.

Running Backs

Eine Position, die – nicht zu Unrecht – in den vergangenen Jahren merklich an Wert verloren hat, auch wenn Cosell widersprechen mag. 2012 sprechen wir wieder von einem eher mäßigen Jahrgang an Running Backs, wobei ein Mann die Ausnahme bildet: Alabamas Trent Richardson bietet ein rundum komplettes Paket. Kräftig und trotzdem wendig, schwer zu tackeln und fangstark, und gewohnt, Verantwortung zu übernehmen: Der Mann ist mit 21 Lenzen bereits Vater von fünf- (!) und dreijährigen Töchtern. Richardson hat als einziger Running Back das Potenzial, in den Top-10 gedraftet zu werden und kommt als offenbar höchst angenehmer Zeitgenosse daher.

Alle weiteren Backs dürften es schwer haben, in der ersten Runde einberufen zu werden. David Wilson (Virginia Tech/Mayock: one-cut downhill runner, not much gimmick) und Lamar Miller (Miami Hurricanes/Mayock: Wilson + breakaway speed – consistency) dürften frühestens morgen Nacht gedraftet werden.

Der brachiale Allrounder Doug Martin (Boise State/Mayock: does nothing great, but everything well; Cosell: Ray Rice für Arme) soll mancherorts höchstes Ansehen als potenzieller später „First Rounder“ genießen, während ein Robert Turbin (Utah State) eher erst morgen oder übermorgen dran sein wird.

Irgendwo zwischen der zweiten und vierten Runde soll der fabulöse LaMichael James aus der atemberaubenden Offense der Oregon Ducks dran sein. James ist mit 1,75m und 87kg ein Fliegengewicht und gilt trotz ein paar antrainierter Kilos als zu leicht zu Boden zu bringen und ungebräuchlich für die Hundertschaften an immer noch ausgespielten Läufen über die Mitte. Die größten Chancen auf eine NFL-Karriere werden James als „change-of-pace“-Back (zu deutsch: sechster Gang) gegeben, als eine Art komplementäre Spielfigur an der Seite eines Michael Turner.

Mayocks Top-5:

#1 Trent Richardson
#2 Doug Martin
#3 David Wilson
#4 Lamichael James
#5 Isaiah Peed

Wide Receivers

Wide Receiver ist generell eine erstaunlich schwierig zu prognostizierende Position. Man möchte meinen, sichere Hände und eine 9,72 über 100m reichen für eine Allstar-Karriere aus, aber Punkt ist: Viele der athletischen Freaks scheitern, weil sie gegen die dichten Deckungen und die Physis der Cornerbacks an der Line of Scrimmage verzweifeln – am College ist man diesbezüglich doch deutlich weniger Schmalz seitens der Defensive Backs gewohnt.

Mike Mayock sieht einen in der Breite starken Jahrgang, dem allerdings in der Spitze die Qualität abgeht. Niemand soll auch nur annähernd die Klasse eines AJ Green oder Julio Jones aus dem letzten Jahr besitzen. Drei 1st rounder, die nächsten 15 als Lotterie. Seine Top-5:

#1 Justin Blackmon
#2 Michael Floyd
#3 Kendall Wright
#4 Stephen Hill
#5 Alshon Jeffery

Blackmon (Oklahoma State/Mayock: athletic freak, but off-field issues, lacks top-end speed) könnte nach jüngsten Entwicklungen gar seinen ursprünglich unangefochtenen Status als Nummer 1 dieses Drafts verlieren und möglicherweise durchgereicht werden, obwohl eine Menge an Teams in den Top-10 einen Wide Receiver suchen. Unsicherheit über sein Durchhaltevermögen und der fehlende Weltklasse-Speed schmälern Blackmons Wert.

Deswegen sehen manche mittlerweile Michael Floyd von Notre Dame vorn. Floyds Aktien sollen rasant im Steigen sein und Floyd gilt als kompletterer Spieler denn Blackmon, allerdings mit einer Vita auf dem Campus, die lustiger gewesen sein soll als es sich ein NFL-Profi eigentlich erlauben kann. Einen interessanten Vergleich zwischen Blackmon und Floyd, eingebaut in einen etwas größeren Kontext (genannt auch: „NFL-Trend“), hat Greg Cosell im Blog von NFL-Films vorgenommen.

Dazu gesellt sich Baylors Kendall Wright, RG3s „Go To-Guy“ am College. Wright ist eher kleingewachsen und hatte problematische Sprintzeiten über 40yds, gilt aber als komplettes Paket, vielseitiger als ein reiner Slot-WR und verfügt über „Football-Speed“ (Mayock: plays faster on tape than on the 40yds dash).

Abseits dieses Trios gehen die Meinungen weit auseinander. Sehr gut ablesen lässt sich dies an South Carolinas Alshon Jeffery, dem fantastische Athletik im Zweikampf mit Cornerbacks nachgesagt wird, der aber zum einen ein laxer Vogel sein soll und zum zweiten nicht die notwendige Gelenkigkeit in den Hüften hat, die für manche der komplizierten Routen insbesondere gegen die Herren Revis oder Bailey notwendig wäre. Zwischen irgendwo in der ersten Runde bis zur dritten Runde sind sämtliche Optionen in der Verlosung.

Eine völlige Unbekannte ist Stephen Hill, der sich nahtlos in die jüngste Riege an großartigen WRs von der Georgia Tech University (Calvin Johnson, Demariyus Thomas) einzureihen scheint und mit seinen 1,95m NFL-Gardemaß ist. Für Hill könnte es zum Nachteil werden, dass er in der Flexbone-Offense von Paul Johnson eine eher atypische Offense am College spielen musste und als Grünling in Sachen Routenlaufen gilt, jedoch sollen die individuellen Workouts und die 40 Time (4.36 sek) hinreichend Speichel in der Scouts Mäuler getrieben haben.

Als eine Art „Hill für die Armen“ sieht Mayock Brian Quick aus der FCS an, dessen Technik noch eher grob gestrickt sein soll, der aber mit ein bis zwei Jahren richtigem Coaching als Schnäppchen durchgehen könnte. Mohamed Sanu von der Rutgers University hatte am College mit absurd schlechten und häufig wechselnden Quarterbacks zu kämpfen und gilt nicht als der höflichste Charakter unter der Sonne, besitzt auf der anderen Seite aber eine der Lieblingsstärken von Coaches: Biss.

Weitere bekannte Namen in dieser Verlosung, in der für jeden etwas dabei sein könnte: B.J. Cunningham und Nick Toon aus der Big Ten Conference, Joe Adams von Arkansas, Tommy Streeter (Riese mit fast 2m) von Miami oder Marvin McNutt von Iowa. Ein etwas tragischer Fall ist jener von Ryan Broyles, dem Rekordmann von der University of Oklahoma, dessen schwere Verletzung im November die Draftposition erheblich geschwächt haben dürfte. Und dann sind da noch die Super-Zwerge T.Y. Hilton/Florida International und Eric Page/Toledo, pfeilschnelle Returner mit zirka 1,20m Körpergröße.

Tight Ends

Eine Position, die seit Gates, Gronkowski und Hernandez für helle Aufregung in der NFL sorgt, aber dieser Jahrgang bietet im Prinzip nur zwei Spieler, für die man einen hohen Pick verwenden möchte: Coby Fleener von Stanford mit seinen 1,97m und Orson Charles von Georgia. Wobei Ersterem nachgesagt wird, eher den Typ Gronkowski geben zu können, und Letzterem, eher ein Hernandez im Kleinen zu sein.

Der eigentlich größte Name Dwayne Allen (Clemson) scheint dagegen nicht so gefragt zu sein und dürfte allenfalls in der zweiten Runde gehen. Der Rest des Jahrgangs wird dann eher mit der englischen Vokabel für „dürftig“ beschrieben und soll, obwohl mehrere Athleten an die 2m groß gewachsen sind, aus eher schlechten Blockern und lausigen Routenläufern bestehen. Mayocks Top-5:

#1 Coby Fleener
#2 Dwayne Allen
#3 Orson Charles
#4 Ladarius Green
#5 James Hanna

Offensive Line

Der offensive Part der Schützengräben war zuletzt generell eine erstaunlich flop-anfällige Position, was an der stets wachsenden Komplexität des Spiels (Stichwort: Blitz-Formationen) liegen mag. Allein rohe Körpergewalt reicht schon lange nicht mehr aus, wo es doch vermehrt auf wendige Füße und Intuition (auch umschrieben mit „Spielintelligenz in Sekundenbruchteilen“) ankommt.

Tackles

Und genau da kommt OT Matt Kalil von USC ins Spiel: Nicht der Mann, dem man die 250kg-Hanteln in die Hand drücken möchte, aber als Leichtgewicht (nur 295 Pfund) ein Mann auf flinken Füßen. Fast alles ging bisher davon aus, dass Kalil an #3 von den Minnesota Vikings einberufen würde. Diese sendeten in den vergangenen Tagen recht deutliche Signale vom Gegenteil aus – ob Ablenkungsmanöver oder Versuch, den dritten Pick teuer zu verkaufen, wird sich zeigen.

Dahinter streiten sich Ohio States Mike Adams (gilt seit Tattoogate als zwielichtige Gestalt und seit einem positiven Drogentest als ernsthafter Risikopick), Riley Reiff (trotz 150kg auf flotten Füßen) und Stanfords Jonathan Martin (für „Power-Block“-Schemata á la Denver Broncos ungeeignet) um den Titel des zweithöchst gedrafteten Offensive Tackles von 2012. Bekannte Namen aus späteren Runden sind OT Nate Potter von Boise State (dürfte von der Anlage gut nach Washington oder Houston passen), Jeff Allen/Illinois und die FSU-Tackles Sanders/Datko sein.

Mayock reiht seine Top-5 Tackles wie folgt, wobei Glenn hier noch als Tackle gelistet wird:

#1 Matt Kalil
#2 Riley Reiff
#3 Cordy Glenn
#4 Jonathan Martin
#5 Jeff Allen

Guards

Die Guards (OG) sind „top-heavy“ besetzt: David DeCastro von Stanford soll ein „100%iger“ sein und in jedem erdenklichen Offensivsystem von der ersten Minute an spielen können, während der einst als Tackle geltende Cordy Glenn (Georgia) mehr der Typ Fettsack (158kg) ist und aufgrund seiner limitierten Beweglichkeit besser als Guard einsetzbar sein soll. Ein dark horse ist Wisconsins (Wisconsin! Offensive Line! Wisconsin!) Kevin Zeitler, dem man die notwendige Athletik zum First Rounder nachsagt. Dahinter gilt die Qualität als recht rapide abfallend.

Mayocks Top-5 Guards:

#1 David DeCastro
#2 Kevin Zeitler
#3 Amini Silatolu
#4 Kelechi Osemele
#5 Brandon Brooks

Center

Auf der Center-Position wird zumindest am Draft-Wochenende niemand an Peter Konz (Wisconsin! Ein Offensive Liner aus Wisconsin!) vorbeikommen, während ansonsten nur Philip Blake (Baylor), Michael Brewster (Ohio State) und Ben Jones (Georgia) als potenzielle Picks in den früheren Runden angesehen werden.

Die besten Center nach Mayock:

#1 Peter Konz
#2 Philip Blake
#3 Ben Jones
#4 David Molk
#5 Quentin Saulsberry

Noch ein Tag. Morgen folgt die Defense.

BCS National Championship 2012 Preview: #1 Louisiana State Tigers – #2 Alabama Crimson Tide

Nicht ganz vier Wochen vor der Superbowl spielt heute Nacht die Southeastern Conference College Football im BCS National Championship Game den Meister aus. Über die Ansetzung wurde viel, aber nicht so intensiv wie gewohnt, gestritten: Die #1 Louisiana State Tigers waren nach einer epochalen Saison mit etlichen Qualitätssiegen klar, aber die Geister scheiden sich am Kontrahenten, den #2 Alabama Crimson Tide, ein Gegner, der am 5. November in einem rassigen, punktearmen Overtime-Klassiker eine Heimniederlage gegen eben jenes LSU kassierte, nicht mal seine eigene Division, geschweige denn seine Conference gewann, und nun um den National Title spielen darf.

Die letzten fünf Jahre College Football waren eine Domäne der SEC, angefangen von 2006/07. Ich kann mich noch sehr gut an das Theater erinnern, als die Big Ten Conference als überirdisch galt und ESPNs Pundits die schiere Möglichkeiten, dass Michigan und Ohio State nicht das BCS-Finale bestreiten würden, als gotteslästerlich aufgefasst wurde – das Getöse brachte mich seinerzeit zum College Football. Die Florida Gators aus der SEC schrien weiland laut und lange genug, um im letzten Abdrücker durch die Hintertür das zweite Endspielticket zu bekommen. Sechs Wochen später zertrümmerten die Gators Ohio State nach allen Regeln der Kunst, eine Woche, nachdem Michigan in der Rose Bowl demoliert worden war, und legten den Grundstein für jahrelanges, allgemein anerkanntes Übermenschen-Dasein der SEC.

2011/12 war ähnlich – im Gegensatz zur B1G kam die SEC heuer durch. Wir erleben also Inzucht hoch zwei: LSU – Alabama in einem Endspiel, das die Möglichkeit, dass die SEC nicht mehr die dominante Conference sein könnte, nicht zulässt. Bizarrerweise just nach einer Saison, in der arge Zweifel ob der Qualität in der Breite der SEC wuchsen. Oklahoma State als Champion der vermutlich insgesamt ausgeglichensten und hochwertigsten Conference 2011/12, der Big 12, musste draußen bleiben.

Trotzdem wird nicht mehr so rabiat diskutiert wie einst. Quer durch die Medien, Blogs und Foren zieht sich ein Hauch von Resignation. Alabama ist vermutlich die zweitbeste Mannschaft im College Football und die einzige, die LSU wirklich Paroli bieten kann. Aber BCS-Credo „Every Game Counts“ und Wertigkeit der Conference als Institution werden durch die Selektion arg in Mitleidenschaft gezogen und die scheinbar einzig wahre Wahrheit – dass die SEC allen anderen turmhoch überlegen ist – muss ungeprüft übernommen werden.

Schon in wenigen Monaten könnte sich diese Ansetzung als weiterer eingeschlagener Sargnagel für dieses bizarre System der Meisterfindung erweisen. Dann nämlich, wenn über das Plus One abgestimmt wird, das von einigen abgelehnt wird, weil es als Büchse der Pandora zu erfolgreich sein (sic!) und in absehbarer Zeit weiter ausgeweitet werden könnte.

Heut’ Nacht im Superdome

Anyhow. Die relevanten Informationen zur Ansetzung werde ich nicht noch mal recyceln. Dazu habe ich bereits im November zum „Hinspiel“ fast alles gesagt, was ich sagen wollte und wieder sagen würde:

Seit jener knackigen Defensivpartie ist LSU gefühlt noch ein paar Spurenelemente lauflastiger geworden, setzt nun praktisch ausschließlich nur mehr auf den wenigstens keine INTs produzierenden Scrambler-QB Jordan Jefferson, und wird heute Nacht zu einer gehörigen Portion auf seinen australischen Punter Brad Wing im Kampf um Feldposition vertrauen. Ein Offensivsystem der Güteklasse „keep running and hope you wear them down“ – was gegen diese so tief besetzte Tide-Abwehr zeitintensiv werden könnte.

Alabama ist IMHO weiterhin die bessere, vielseitigere Mannschaft mit den besseren Waffen in Offense (RB Trent Richardson) und Defense (OLB Courtney Upshaw/LB Dont’a Hightower), muss aber die Nachteile in den Special Teams verkraften. Vermutlich wird Saban bis zur 15yds-Line sämtliche 4th downs in Fieldgoal-Reichweite ausspielen lassen um die Nerven seines Kickers etwas zu entzerren. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass Saban mit seinem OffCoord neue Wege bestreiten, bisher ungesehene Plays einstudieren muss.

Ich glaube, dass Saban gewinnen wird. Statistisch lassen sich keine Mismatches ableiten. Optisch sind sich die beiden Teams ähnlich – Alabama hat die etwas bessere Defense, LSU die zuverlässigeren Special Teams. Es läuft alles auf ein eher punktearmes Spiel (mit Touchdowns!) hinaus, das durch Marginalien entschieden wird. Sieg für Alabama und ein fröhliches Gezeter im Anschluss über den „wahren“ National Champion.

College Football 2011/12: #2 Alabama Crimson Tide – #1 Louisiana State Tigers

[04h52] Die heutigen Ergebnisse machen auch wahrscheinlicher:

  • Arkansas hält tatsächlich sein Schicksal in den eigenen Händen. Heimsiege über Tennessee und Mississippi State vorausgesetzt, kann man mit einem Auswärtssieg gegen LSU tatsächlich das SEC-Finale erreichen.
  • Georgia hat in der SEC East sein Schicksal nun in den eigenen Händen.
  • Oregon vs. Stanford um den Pac-12 Finaleinzug im Norden.
  • Und jetzt Achtung: UCLA (!!!) hat sein Schicksal in der Pac-12 South in eigenen Händen, landete heute einen sensationellen 29-28 Sieg über Arizona State, muss allerdings noch @Utah und @USC (ins Coliseum) und vs. Colorado ran.

Die BCS-Top 5 dürften in etwa so aussehen: #1 LSU, #2 Oklahoma State, #3 Stanford, #4 Alabama, #5 Boise State. 3 und 4 wahlweise auch vertauscht.

[04h48] Endstand Alabama Crimson Tide 6, L.S.U. Tigers 9 (OT)

Jo. Da hat am Ende die Unit, die ich am wenigsten beachtet hatte, das Spiel großteils entschieden: Die Special Teams. Alabama verkickte vier Field Goals und hätte dieses Spiel eigentlich gewinnen müssen. LSU kann sich glücklich schätzen, hier mit dem Sieg nach Hause fahren zu können.

Alabama dürfte in den Polls nicht weit runterfallen. Man wird sich aber grün und blau ärgern können, dieses überlegen geführte Spiel nicht gewonnen zu haben.

Ich fand es ein unterhaltsames Spiel auf hohem Niveau, hätte mir aber irgendwann ab drittes Viertel etwas mehr Offense gewünscht. Da war dann letzten Endes zu wenig Variabilität im Spiel, zu viele uninspirierte Laufspielzüge, die für -2yds auf beiden Seiten abgewürgt wurden. Auch Tight Ends waren kaum im GamePlan.

Trotzdem möchte ich die Offense sehen, die diese beiden Defenses einbremsen kann. Oklahoma State steht bei mir etwas im Ruf der Schönspieler. Stanford sollte den besten Quarterback haben und ein physisches Laufspiel. Oklahoma trotz allem wenigstens genügend Athleten. Und dann ist noch Boise State, denen ich mit ihrer parasitären Underdog-Strategie gegen jede Defense eine Chance gebe.

Overtime

[04h37] Field Goal passt. LSU bleibt ungeschlagen.

[04h35] LSU kann nach einem langen Lauf aus 25yds das Field Goal zum Sieg kicken. Kicker: Drew Alleman.

[04h30] Recht peinlicher Overtime-Drive der Crimson Tide. Erst eine Strafe wegen 12 Mann im Huddle!! Dann lässt sich QB McCarron bei 3rd down sacken und das Field Goal ist mit 53yds natürlich viel zu lang. LSU kann mit seinem guten Kicker nun dreimal laufen und gewinnt das Spiel.

[04h24] LSU gewann den Münzwurf und spielt zuerst Defense. Zur Erklärung: Damit weiß die Offense, was sie mit ihrem Drive erreichen muss. Dies nur als Erklärung der Entscheidung.

4. Viertel

[04h23] Dieses unglaublich intensive Spiel geht in die Overtime. Meine Fresse: In 60min  ganze VIER Field Goals? Alabama war mehrmals sehr nahe dran, verschoss drei Field Goals und hatte an der GoalLine diese unglücklich und womöglich zu Unrecht verhängte Interception.

OT-Regeln für nicht-College-Fans: Jedes Team startet von der 25 einen Drive. Wer mehr Punkte erzielt, gewinnt. Ab der dritten OT müssen die Teams eine 2pts-Conversion spielen.

[04h20] 52sek to go. LSU musste punten. Zum Clock Management Sabans meine Theorie: Saban hatte Angst vor einem Trickspielzug.

[04h12] Alabama kommt dem bei 3rd und 20 und einem quicken Kurzpass auf RB Richardson dem 1st down bedrohlich nahe, muss aber punten. Eine dumme Strafe gegen #7 Mathieu reingerechnet wird LSU nun ganz weit hinten drin beginnen müssen. Der Blick auf die Uhr verrät: 5:00 noch. Schön langsam nähern wir uns der unoffiziellen Variante „Sudden Death“.

[04h04] Unglaubliche Szenen in Tuscaloosa: Die Crimson Tide kommen mit Willen (Maze) und Power (Richardson) wieder in Punktereichweite. Dann folgte ein Wildcat-Spielzug mit tiefem Ball von WR #4 Maze auf den tight End. DB #1 Reid wrestelt dem TE den Ball aus der Hand. INTERCEPTION an der 1yds Line. Eine 50/50 Entscheidung und ich bin mir nicht sicher, ob „INT“ die richtige war.

LSU wird natürlich nach drei Läufen gestoppt, dann stellt Nick Saban den schwer angeschlagenen Maze als Punt Returner auf. Maze kann sich nicht bewegen, keinen Fair Catch machen und verschenkt durch den auskullernden Ball locker 25-30yds Feldposition.

[03h48] Alabama 6, Louisiana State 6/4th, 14:13. As expected.

3. Viertel

[03h45] Nun ist es an Alabama, einen überflüssigen Turnover reinzustreuen: QB McCarron übersieht das ungünstige Duell der 17er: CB Claiborne gegen den vergleichsweise schwerfälligen TE Smelley. Interception und vor allem ordentlich in die RedZone returniert. Dort werden Running Back und Quarterback allerdings nacheinander für Raumverlust gestoppt. Es erwartet und nach dem 3rd down wohl ein Field Goal.

[03h32] Faszinierend, wie sich beide Defenses nichts schenken und jeden Drive, der droht, länger als 30yds zu werden, abwürgen, mittels Blitzes oder einfach nur Hormonschub. Meistens reicht eine Strafe gegen die Offense aus, um eine Angriffsserie zu beenden. Nun startet Alabama an der eigenen 11.

Alabamas Stärke ist aber zweifellos, lange Drives spielen zu können. Und die Crimson Tide haben heute die deutlich souveräner ausschauenden Angriffsserien zustande gebracht – allein: diesmal fehlt WR Maze, der beste Receiver, der draußen humpelt.

[03h25] Alabama 6, Louisiana State 3/3rd, 7:56. Hehe, im ESPN-GameCenter leuchtet allen Ernstes der „Upset“-Alarm auf.

[03h20] QB Jarrett Lee wird reinrotiert, kriegt im ersten Passversuch nichtmal so viel Druck und wirft schon wieder eine INT!! Der Mann zerbröselt die paar Krümel Vertrauen schneller als ich befürchtet hatte.

[03h16] College Football und seine Stats: Houston QB Case Keenum hat gegen UAB aktuell 3 Rushes für -5 Yards und dabei 2 Touchdowns erzielt! Hatte nicht mal Bettis sowas wie 5 Läufe für 1yds und 3 TD?

[03h09] Lt. Les Miles im Halbzeitinterview wird LSU weiterhin die Quarterback durchrotieren. Die dringendere Frage wäre IMHO: Wie kann man Alabamas Passrush stoppen, wenn sie über eine Seite und über die Mitte kommen? Die Pocket wird jedes Mal zerbröselt.

2. Viertel

[02h46] Halbzeit Alabama Crimson Tide 3, L.S.U. Tigers 3.

Exzellentes, intensives Spiel mit aufgeladener Stimmung im Stadion. Ich fühle mich sehr gut unterhalten. Alabama stoppte kurz vor der Pause die Tigers mit einem GoalLine-Stand, als LSU gerade ins Rollen gekommen zu sein schien. Was Zeit wurde: Die Tigers zeigten nicht mehr als Ansätze, wie man diese Defense knacken könnte. Nach der INT wurde QB Lee abgesägt und für den beweglicheren QB Jefferson ersetzt – was den einen oder anderen sicheren Sack verhinderte. Aber Jefferson ist kein Mann, der über lange Sicht mit Pässen Gefahr bringen kann.

Alabama hat zu wenig aus seiner Überlegenheit gemacht und sich insbesondere in Reichweite von Punkten immer wieder selbst ins Knie geschossen. Nicht bloß die Field Goals. Sie wussten, die Kicker sind nicht gut. Aber der Trickspielzug, der Spielzug für -5yds, das alles brachte die eigentlich ordentlich funktionierende Offense in Zugzwang.

Das Spiel bleibt völlig offen. Alabama war optisch überzeugender, scheint den vielversprechenderen Plan zu haben, aber LSU wäre mit der Wundertüte Jefferson um ein Haar mit einer Führung in die Pause gegangen.

[02h22] Alabama 3, Louisiana State 0/2nd, 3:53. Im vierten Versuch (also: vierter FIELDGOAL-Versuch). Diesmal kommt die Offense in die RedZone, diesmal ist das Field Goal lang genug.

LSUs Defense wirkt zwar voller Testosteron, macht heute aber auffällig viele Zuordnungsfehler, vergaß eben RB Richardson auf der simpelsten Pass-Route der Welt völlig, zum zweiten oder dritten Mal heute. Das passierte im ganzen Jahr noch nicht. In der RedZone allerdings wurde wieder gemauert und über die Mitte lief nichts.

[02h16] Ich vergönne den CBS-Kommentatoren Verne Lundqvist/Gary Danielson ja jede Sekunde dieses Spiels von Herzen. Die beiden mussten heuer zu viele langweilige Blowouts kommentieren und hatten ab drittes Viertel meist nicht mehr zu erzählen als die Unterhosengröße der Backup-Defensive Backs.

[02h10] Ich weiß nicht, ob sich Les Miles etwas gutes mit dem QB-Wechsel auf #9 Jordan Jefferson angetan hat, falls er das nun wirklich durchziehen möchte. Schwer vorstellbar, dass sich Alabama von einer simplen Option-Offense über längere Sicht verarschen lässt. Und Jefferson ist ein erwiesen schlechter, unpräziser Werfer.

[02h03] Mal so zurückerinnert: Alabama hat vor fast einem Jahr in der Iron Bowl gegen Auburn auch haufenweise Punkte in der ersten Halbzeit liegen lassen – damals rächte sich das am Ende bitterlich.

[02h00] Field Goal Alabama geblockt. Unglaublich. Nach der INT stürmt RB Richardson unter massiven gebrochenen Tackles über die Mitte, ehe ein missglückter Trickspielzug die Crimson Tide völlig aus dem Konzept bringt. Alabama muss wieder ein 49yds Field Goal kicken und bringt den Spezialisten für die kurzen Kicks. Geblockt. Alabama hat neun Punkte liegen lassen.

1. Viertel

[01h50] Interception gegen #12 Jarrett Lee. Und dann ist es passiert. Schlechter Snap, Lee, der ehemalige „Mr. Interception“, wird nervös und feuert einen unüberlegten Ball in die Secondary – direkt in die Arme von Safety #37 Robert Lester.

[01h47] Und das nächste verschossene Field Goal für Alabama, diesmal aus 50yds. Alabama verschenkt einen recht eindrucksvollen Drive, der an der eigenen 5 gestartet hatte: Langer Ball für WR #4 Marquise Maze, Lauf Richardson, Lauf RB #3 Eddie Lacy. 60yds Drive gegen LSU ohne Punkte beenden dürfte schmerzen.

[01h31] Louisiana State kommt solide auf das Feld, tastet erstmal die Lauf-Defense ab. Nach dem Überkreuzen der Mittellinie schaltet Alabamas Defense dann einen Gang höher, schickt erste dezente Blitzes aus und um den Drive ist es geschehen.

[01h20] LSU setzt im dritten Spielzug ein Statement, als RB #3 Trent Richardson für -5yds gestoppt wird, nach zwei langen Raumgewinnen für Richardson. Dann werden die Schotten dicht gemacht, Alabama muss ein langes Field Goal schießen und verkickt.

[01h08] W.z.e.w. („Wie zu erwarten war“): Pregame-Buildup lässt den Kickoff minutenlang nach hinten rücken. Acht Minuten nach eins und erst der Einlauf der Mannschaften.

[00h45] Das Spiel wurde so stark gehypt („The Armageddon“), dass eigentlich nur fünf Führungswechsel im Schlussviertel und eine vierfache  Overtime mit Statue-of-Liberty-Trickspielzug zur siegbringenden 2pts-Conversion zum 51-49 nach 4th-down-und-35-Hailmary-TD die Erwartungen erfüllen kann. Oder anders: Es kann sie nicht erfüllen. Freuen wir uns also auf spannendes Rasenschach. Das kann man nämlich erwarten.

[00h33] Vor fünf Jahren wurde Ohio State – Michigan in den Himmel gehypt und machte mich auf College Football überhaupt erst aufmerksam. Damals entpuppte sich das vermeintliche „Game of the Century“ als Rohrkrepierer, als Buckeyes und Wolverines in der Bowl Season jeweils jämmerlich verreckten. Es war auch die Zeit, in der die Southeastern Conference (SEC) begann, die Oberhand im College Football zu gewinnen. Fünf Meistertitel gingen seither en suite an die SEC. Heuer wirkt die SEC in der Breite sehr durchschnittlich. Ganz oben aber, in der Spitze, sind die beiden IMHO (und nicht nur IMHO) besten Mannschaften des Jahres und zwar landesweit: #1 LSU und #2 Alabama. Heute das direkte Duell. Um 1h ist Kickoff. Die Vorschau gab es am Freitag.

College Football 2011/12, vor dem Spiel des Jahres: Alabama Crimson Tide – Louisiana State Tigers

Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa - ©Latics/Wikipedia

Bryant-Denny Stadium von Tuscaloosa - ©Latics/Wikipedia

College Football wartet seit Wochen auf dieses Spiel, das so bedeutend ist, dass CBS es in die Primetime verlegt hat, was in der SEC selten genug vorkommt: In der Nacht auf Sonntag, 01h MEZ, matchen sich im Bryant-Denny Stadium zu Tuscaloosa die #2 Alabama Crimson Tide und die #1 Louisiana State Tigers. Auf dem Spiel steht der fast sichere Einzug in das BCS National Championship Game für den Sieger, wobei auch der Verlierer – sofern es ein halbwegs knappes Spiel werden sollte – noch ein Hintertürchen offen haben wird.

Pregame: HYPE

Ich kann mich nicht erinnern, dass in den letzten Jahren ein College-Spiel in der Regular Season so massiv hochgejazzt wurde. Vielleicht im Oktober 2006, als man den Ignoranten korsakoff mit völlig übersäuerter Aufmachung bei Ohio State – Michigan erstmals intensiver für College Football interessieren konnte. Damals ging die Sache am Ende verheerend aus (Ohio State wurde 51 Tage nach jenem „vorweggenommenen Endspiel“ im BCS-Finale in Grund und Boden gespielt).

Diesmal soll alles anders sein. LSU und Alabama werden heuer gemeinhin in einer anderen Hemisphäre gesehen, dem Rest der Konkurrenz meilenweit enteilt. Es handelt sich um zwei physische, kraftvolle, athletische Mannschaften mit knackiger Defense und auf Fehlerminimierung bedachter Offense, die bis dato auch über namhafte Gegner scheinbar mühelos drübergefahren sind.

Fix ist: Wie auch immer die Partie enden wird, die Diskussionen werden auch ab Sonntag nicht verstummen, ganz einfach weil die BCS auch kein Re-Match im BCS-Finale Mitte Jänner in New Orleans per se ausschließt.

Louisiana State Tigers

Wie tief muss ein Kader besetzt sein, wenn vor der Saison mit DT Drake Nevis, MLB Kelvin Sheppard und CB Patrick Peterson drei hohe Draftpicks in die NFL abwandern und die Defense in diesem Herbst dominanter als jemals zuvor auftritt? Die Tigers verfügen nicht über eine Defense, die wie weiland Baltimore für spektakuläre Videoclips sorgt, sondern eine Unit, die ihre Qualitäten auf andere Art und Weise auslebt: Sie legt sich auf den Gegner. Sie würgt den Gegner langsam und unauffällig ab. Sie macht keine Fehler.

Zwei Schlüsselspieler sind die Cornerbacks: Während #17 Morris Claiborne als Deckungsspieler brilliert, gehen #14 #7 Tyrann Mathieus Fähigkeiten darüber hinaus: Mathieu ist Punt Returner und Provokateur unendlich vieler Turnovers. Claiborne und Mathieu halten dem DefCoord John Chavis mehr Optionen offen, eine noch druckvollere Front Seven auf das Parkett zu stellen.

Hemmschuh war lange Zeit die Offense um ihre suspekten Quarterbacks. Gelöst hat man diese Sollbruchstelle mit einem sehr methodischen Spiel, sprich: Viel Einsatz der Running Backs, vornehmlich RB #11 Spencer Ware, dazu der instabile QB #12 Jarrett Lee gefüttert mit kurzen, risikoarmen Pässen und für zwischendurch der jüngst aus dem Knast zurückgekehrte QB #9 Jordan Jefferson für die Scrambles.

LSU kriegt schon die gesamte Saison viel Presse, weil es einen knüppelharten Schedule spielen musste: Zu den obligatorischen SEC-Spielen gesellten sich freiwillig aufgenommene Spiele gegen die Oregon Ducks und auswärts bei den West Virginia Mountaineers. Alles souveräne Vorstellungen nach dem selben Schema: Irgendwann im dritten Viertel musste der Gegenüber die Niederlage eingestehen, worauf häufig resignierte Schlussviertel folgten.

Das ist Louisiana States größter Fortschritt im Vergleich zum vergangenen Jahr oder besser: Im Vergleich zur bisherigen Regentschaft von Head Coach Les Miles, die im Ruf stand, außergewöhnlich viele sauknappe Spiele mit verrücktem Finish hervorgebracht zu haben. Miles war dabei nicht immer auf der Siegerseite.

2007/08 zum Beispiel verlor LSU zwei Saisonspiele, beide in der Overtime. Der eigenartig kultige Miles proklamierte damals seinen Slogan „We’re undefeated in regulation“, zog ins BCS-Finale ein und gewann einen National Title, für den er bis heute nicht die Anerkennung kriegt, die man erwarten würde. Grund hierfür: Der Tigers-Kader von damals war von einem anderen Coach zusammengestellt worden, einem Coach, der auch und vor allem LSUs Philosophie in den 2000ern grundlegend erneuert hatte und damit nicht nur 2003/04 den BCS-Titel geholt, sondern die Basis für ein auf Jahre hochklassiges Footballprogramm gelegt hatte.

Die Rede ist von Nick Saban.

Alabama Crimson Tide

Dieser Nick Saban wanderte ein Jahr nach jenem BCS-Titelgewinn mit LSU ab in Richtung NFL, wo er in zwei Jahren Miami Dolphins nicht glücklich wurde, sich schließlich nicht ohne Kontroversen vom Hocker machte und im Herzen der SEC bei den Alabama Crimson Tide anheuerte. Resultat: Bereits im dritten Jahr holte sich Saban mit Alabama den BCS-Titel.

Sabans Mannschaften haben Wiedererkennungswert: In Offense und Defense werden sämtliche Basics diszipliniert und fehlerlos exekutiert, den Unterschied macht am Ende des Tages die furztrockene Defense, das Prunkstück des Kaders, reichlich mit gewissenhaft rekrutierten Einzelspielern bestückt.

Alabama ist allerdings etwas „zentralistischer“ gebaut, abhängiger von Einzelspielern als LSU. Im Angriff läuft sehr vieles über die Allzweckwaffe RB #3 Trent Richardson, der bislang 989yds und 17 (!) Touchdowns fabrizierte und von RB #42 Eddie Lacy nicht gleichwertig ersetzt werden kann. Richardson ist auch eine große Entlastung für den unerfahrenen QB #10 A.J. McCarron, der feuriger spielt als früher Greg McElroy, aber noch nicht annähernd eine Defense der Tigers-Kategorie gesehen hat und mit WR #4 Marquise Maze über bloß einen Vertrauen erweckenden Ballfänger verfügt.

Auffällig an Alabamas Offense: Sie ist in der Lage, lange Drives auszuspielen, wird jedoch schnell konservativ, wenn sie in Nähe von Punkten gelangt. Ersteres wird essenziell werden, da LSU über einen großartigen Punter verfügt und den Gegner häufig hinten reinnagelt, letzteres ist auch darauf zurückzuführen, dass man mit einem unerfahrenen Passspiel und guter Defense lieber jeden Punkt mitnimmt.

Die Defense ist klar durchstrukturiert und im Kern dafür gebaut, dem Gegner das Laufspiel wegzunehmen. Bei genauem Hinsehen fällt schnell auf, wie diszipliniert die Defensive Line ihre Aufgaben erfüllt, lieber die Löcher stopft als den Sack zu suchen, um dem großartigen LB #30 Dont’a Hightower den Rücken freizuhalten. Wie Hightower ist auch Nebenmann OLB #41 Courtney Upshaw gebaut wie ein hoher NFL-Pick, im Saban’schen System jedoch zu allererst für den Pass Rush zuständig.

Im Vergleich zum Vorjahr die entscheidende Verbesserung ist Alabama in der Secondary gelungen, wo mit CB #21 Dre Kirkpatrick und vor allem dem grundsoliden S #4 Mark Barron zwei Eckpunkte auf hoch dotierte NFL-Verträge warten. Trotz allem hege ich von allen Units in dieser Mannschaft – Quarterback abgesehen – das geringste Vertrauen in die Secondary.

Die Rivalität

Alabama und LSU teilen eine urige Historie, spielten bereit 1895 zum ersten Mal gegeneinander, morgen zum 75. Mal. 2011 dürfte das bis dato hochkarätigste Matchup ergeben, was Vorfreude produziert, angesichts der testosterongeschwängerten Duelle der letzten Jahre. 2010 schenkte uns ein brutal intensives Duell, in dem LSU trotz anfänglichen Schwierigkeiten knapp gewann – und Les Miles sich mittlerweile legendär als Grasfresser entpuppte:

Miles vs. Saban, das ist nicht nur Nachfolger gegen Vorgänger, sondern auch ein Clash der Charaktere, wo Miles immer noch unter dem langen Schatten Sabans ächzt.

Das Matchup 2011

LSU ist an #1 gerankt und bekam aufgrund des spektakulären Auftaktprogramms auch die größeren Lettern in den Zeitungen, aber ich halte Alabama nicht bloß aufgrund des Heimvorteils für recht klar favorisiert: 10 Punkte. Ganz einfach, weil ich glaube, dass Bama Louisiana States Laufspiel wird kontrollieren können und meine Skepsis gegenüber dem QB-Duo Lee/Jefferson noch nicht abgelegt ist. Auf der anderen Seite halte ich Alabamas Offense für den Tick variantenreicher und Saban für gefinkelt genug, um beim Zusammenbruch des Laufspiels die richtigen Karnickel aus dem Zylinder zaubern zu können und den Weg ins SEC- und BCS-Endspiel frei zu machen.

College Football 2011/12, Week #4 am Samstagabend

 

[08h27] Stat zum Aufwachen: In Hawaii sind erst 37 Minuten gespielt und die Bilanz von QB Bryant Moniz liest sich gegen UC Davis so: 30/44 Pässe komplettiert, 424yds, 7 (!) Touchdowns, 0 INT, 5 Läufe für 50yds.

[01h18] Ein Upset in Champaign, wo sich Illinois am Ende knapp 23-20 gegen Western Michigan durchsetzt. (Achtung, es folgt Spoiler Oklahoma State/Texas A&M)

Texas A&M verschenkt seine Siegchance mit einer INT im letzten Drive (1:31 vor Schluss), verliert daheim 27-30. Es war eine zweifach abgefälschte INT. Eigentlich eine unglaubliche Niederlage nach einer 20-3 Halbzeitführung. OSU mit einer furiosen zweiten Halbzeit, insgesamt 91 (!!) Offensiv-Spielzüge und hätte sogar einen weiteren TD gescort, hätte WR Blackmon (121yds, TD) nicht einen sichere TD in die Endzone zum Touchdown gefumbelt. OSUs QB Weeden mit 60 Passversuchen, 47 Completions, ziemlich krasse Zahlen. Damit wird A&M aus dem BCS-Meisterrennen ausscheiden, ich bin gespannt, wie lange Oklahoma State da drin bleiben wird. Ihre eigentlich schwache Defense hatte in der zweiten Halbzeit gute Zahlen.

[01h03] UPSET in Clemson: QB Clint Trickett wird beim 4th down gesackt. Clemson Tigers 35, Florida State Seminoles 30. Hmmm. Was hatte ich unter der Woche über die Offensive Line der Seminoles geschrieben? (Laufspiel, Fumbles, Sacks?)

FSU wird die Rankings hinunterpurzeln und braucht nun Schützenhilfe, um inder ACC eine Finalchance zu haben. So kann man innerhalb von zwei Wochen von BCS-Titelkandidat zu nichtmalsicher-ACC-Finalist werden. Clemson dagegen ist 4-0 und erzielt mit einer totgesagten Offense VIA PASSSPIEL mehr als 30 Punkte/Spiel!

[00h56] Das 4th down scheitert. Florida State braucht immer noch einen Touchdown zum Sieg.

[00h54] Dramatik in Clemson: Die Tigers sind in RedZone-Nähe, stehen bei 35-30 und 4th and 1  vor der Entscheidung auszuspielen oder Field Goal. 2:53 to go. (Clemson hat bereits ein Field Goal verkickt)

[00h45] Illinois 23, Western Michigan 20, 8:14 to go. Sie haben die Endzone tapfer verteidigt.

[00h40] Ich bin jetzt rübergewechselt zu Illinois – Western Michigan. Illinois steckt bei 20-20 in der RedZone. Unglaublich, was für kleine Brocken da in der Front Seven der Broncos arbeiten. Das sind 1,50m kleine 180kg-Bolzen, die sich mit Händen und Füßen wehren.

[00h31] Während in Tuscaloosa die Messen längst gelesen sind, ein Blick auf andere Felder: In Clemson führen die Tigers nun 35-23, nachdem die FSU mal wieder ein langes Big Play via Luftweg aufgegeben haben. In Champaign schenken sich Illinois und Zwerg Western Michigan nichts: 20-20. UPSET-Alert!!

[00h20] Florida State verkürzt in Clemson auf 23-28 und der Touchdown-Fänger WR Rahaun Green soll lt. Twitter mit einem Brummschädel bezahlt haben. Scheint mit voller Wucht Helm voraus in die Backsteinmauern hinter den Endzonen gekrach zu sein.

[00h11] „Drüben“ bei Eurosport 2 hat #Illinois (AP #24) alle Mühe, sich gegen Zwerg Western Michigan zu behaupten, ging eben Mitte drittes Viertel 17-13 in Führung. Illinois hat Probleme mit Turnovers, verwertet kaum 3rd downs und auch Nathan Scheelhaase habe ich schon bedeutend lokerer gesehen.

[00h05] Alabama 38, Arkansas 14. Sargnagel. Alabama hat eine variable, wenn nötig in Ansätzen explosive Offense.

[00h02] Hightower mit dem zirka fünfunddreißigsten Tackle des Tages rammt beim 4th and 1 den gegnerischen Fullback um. Das Momentum war nicht lange gen Hogs gedreht.

[23h51] Alabama 31, Arkansas 14. Ich kann keine Anzeichen erkennen, dass dieser Score das Spiel nochmal spannend machen wird, aber er war trotzdem bemerkenswert. Während QB Tyler Wilson nach dem wiederholten grenzwertigen Hit seine Knochen im Gras zusammenklaubt, pflückt WR #11 Cobi Hamilton einen trotz aller Widrigkeiten exzellent geworfenen Ball aus der Luft.

Viele der Hits gegen Wilson an der Grenze zu late hits. Allerdings könnten die Hogs diese vermeiden, indem sie endlich mal schneller werfen würden. Wilson bekommt heute viele Spielzüge vorgeworfen, die lange in ihrer Entwicklung brauchen und entsprechend nicht schmerzfrei bleiben.

[23h47] In Clemson hat übrigens DE Björn Werner, unser deutscher, verheirateter Freund, eine Interception gemacht und über 25yds ind die Endzone gemacht. Noch mal zum Notieren: Defensive End Werner mit einem INT-Return zum Touchdown! FSU liegt nur noch 17-21 zurück.

[23h40]  Das Spiel ist nach einem langen Lauf in die Endzone des fantastischen RB Trent Richardson nach quickem gelupften Pass über die linke Seite gegessen. Arkansas lässt sich auch von PR #4 Marquis Maze an der Nase herumführen, kassierte einen Punt-Returntouchdown über 83yds und danach einen weiteren langen Return. Alabama führt 31-7.

[23h09] Halbzeit Alabama 17, Arkansas 7. Ein INT-Return nach einer Fehlverständigung zwischen QB Wilson und seinen Receivern hat das Spiel erstmal weit geöffnet. Die Hogs haben – wie vermutet – mittlerweile große Probleme, längere Drives hinzulegen, da alle Bemühungen, das Laufspiel in Gang zu bekommen, zertrümmert wurden (inklusive Versuche, mit End Arounds ein Überraschungsmoment einzubauen). Alabama wirkt souverän, noch nicht bis an die Limits ausgetestet.

[22h50] Florida State in Nöten, liegt in Clemson 10-21 zurück. Clemson mit drei TD-Drives dieser Güteklasse:

7 plays, 80 yds in 2:36
8 plays, 77 yds in 3:35
9 plays, 79 yds in 3:43

Sieht nicht gut aus für die Seminoles.

[22h45] Alabama 10, Arkansas 7. Viel Stoff zur Beobachtung: Instant Replay wird immer mal wieder lächerlich gemacht, indem klar ersichtliche Dinge folgenlos bleiben. Ein Beispiel: Richardson hatte 2yds vor der Endzone das Knie am Boden, streckte seinen Arm in Endzone und fiel hinein. Die Refs gaben keinen TD, platzierten das Ei aber an der 0,5yds-Line. Review. „Ruling stands“, was heißt: Kein Touchdown. Aber kein Mensch kommt auf die Idee, den Ball vom falschen 0,5yds-Platz zurückzuplatzieren auf die (mindestens) 1,5yds-Line. Bleibt letztlich folgenlos, weil Arkansas’ Defense einen Goal Line Stand hinlegt, den ich ihnen nicht zugetraut hätte.

Was weiters auffällt ist, wie aggressiv die Defense der Hogs zu Werke geht, meistens sieben, acht Mann an die Line of Scrimmage postiert und auch im Pass Rush enorm viel Druck gen McCarron zustande bekommt.

[22h30] Stichwort „360°-Footballer“. Um mal von „Blitz Pickup“ zu sprechen: 12:51 im zweiten Viertel, RB #3 Trent Richardson lässt einen Linebacker in vollem Lauf abtropfen (und macht unmittelbar danach einen 20+yds-Lauf). Zwei Plays später bewacht Richardson McCarrons Pocket, erkennt die Probleme, macht einen Schritt rechts raus, nimmt einen kurzen Pass auf und macht daraus einen 15yds-Pass zum 1st down. Kompletter Running Back einer einzigen Minute erklärt.

[22h28] Meine Glaskugel sagt ärgere Probleme für Arkansas voraus: Gegen Alabama wird man nicht ewig so eindimensional spielen können, aber das Laufspiel der Hogs sieht bislang hoffnungslos aus, wird ausnahmslos im Backfield abgewürgt und bringt null Entlastung. Derweil läuft der unglaublich gebaute LB Dont’a Hightower (1,93m, 118kg und pfeilschnell) langsam warm, prügelt Wilson auf einem Blitz zwei kleine Erinnerungsflecken in die Rippen und wrestelt im Anschluss einen Running Back von hinten um, um das 1st down zu verhindern.

[22h23] In Clemson scheint Florida State alle Mühe der Welt mit den beiden Top-WR der Tigers zu haben: Hopkins/Watkins haben alle 6 Bälle für 111yds bisher gefangen, 14-10 Führung für Clemson nach einem Viertel.

[22h17] Alabama 7, Arkansas 7. Die Super-Aktion Adams’ bleibt nicht unbelohnt, obwohl die Hogs die Angewohnheit zu besitzen scheinen, QB Tyler Wilson erstmal 15yds hinter die Anspiellinie scrambeln zu lassen, ehe ein komplizierter Ball geworfen wird. #8 Wilson zeigt sich recht überlegt und besitzt – typisch für Petrinos Quarterbacks – eine Kanone von Arm, feuert rattenscharfe, tiefe Bälle, die schwer zu verteidigen sind, selbst von 6-Mann-Defensive Backfields der Crimson Tide, die in der Abwehr bereits verletzungsbedingte Ausfälle zu beklagen haben (LB C.J. Moseley out for the game)

[22h09] Zeit, WR #3 Joe Adams zu huldigen. Arkansas’ Receiver wird links draußen angespielt, zurückgedrängt, läuft ca. 10yds hinter der Line of Scrimmage quer übers Feld und holt ein unglaubliches 1st down. Eine wirklich spektakuläre, großartige Aktion von Joe Adams.

[21h52] Jetzt zeigt ESPN America das Alabama/Arkansas-Spiel, in dem Alabama eben 7-0 in Führung gegangen ist. Tyler Wilson ist nun dran.

[21h48] Ich bin gerade etwas verwirrt, weil bei ESPNA das Big-12-Duell Texas A&M vs. Oklahoma State flimmert. Aber ein geiler Beginn: Ein Option-Spielzug, QB Ryan Tannehill behält das Ei und sprintet in erstaunlich athletischer Manier vertikal das Feld runter und hängt sämtliche Defensive Backs ab. Touchdown, Kyle Field explodiert, Texas A&M 7, Oklahoma State 0.

Pittsburgh Panthers – Notre Dame Fighting Irish

[21h29] Notre Dame gewinnt das Spiel mit einem QB-Sneak bei 4th down, der um zirka 3cm lang genug ist. Die Entscheidung hat den bitteren Nachgeschmack, dass absolut nicht erkennbar war, wo der Ball gelegen war. Egal. Endstand ND 15, Pitt 12.

Es war ein insgesamt unansehnliches Spiel. Beide Angriffsreihen kassierten immer wieder hanebüchene Strafen und hatten kaum Rhythmus. Pitt versuchte, zwischen Shotgun und traditioneller Aufstellung zu switchen, war aber meistens nur dann effizient, wenn man RB Ray Graham mit schnellen Pässen bediente.

Bei den Goldhelmen überzeugte dagegen mal wieder nur die Defense, während der Angriff auch unter QB Tommy Rees nicht in Schwung kommt. Löbliche Ausnahme war der Drive zum Sieg-Touchdown, wo plötzlich mit schnellen Pässen auf TE Tyler Eifert zwischen die Zonen von Linebackers und Safetys ein überlegenes Matchup gefunden wurde und Rees Ball um Ball an den Mann brachte.

Für Notre Dame wartet nun mit Purdue ein Durchschnaufer, dann kommen mit Air Force und USC zwei happige Gegner, ehe der Schedule nur noch Stanford zum Abschluss der Saison bereithält. Riecht nach mindestens 8-4, vielleicht 10-2 für Notre Dame, die aber dringend eine überzeugendere Offense brauchen, wenn sie ernst genommen werden wollen.

[21h18] Pitts QB Tino Sunseri antwortet mit einem recht smoothen Drive, ehe er den Rückwärtsgang einlegt und einen leicht vermeidbaren Sack kassiert. Pitts Offense erholt sich von dem Schock nicht mehr und wird 2:24 vor Schluss in Nähe der Mittellinie gestoppt. Ein Timeout für Pitt, ein 1st down reicht Notre Dame.

[21h03] Plötzlich…

…schaltet Notre Dame in einen pass-only-Modus.

…stimmt das Timing zwischen QB Tommy Rees und den Anspielstationen.

…komplettiert Rees JEDEN Ball (7/7)

…macht TE Eifert Touchdown und 2pts-Conversions

…führt Notre Dame 15-12

…hörst du von Urban Meyer kein Wort mehr, wie idiotisch der Einsatz von Eifert denn ist.

Okay, Meyer lechzt immer noch vor und nach jedem Passspielzug nach WR Michael Floyd, der seit dem ersten Drive vor drei Stunden keinen Ball mehr gesehen hat. Aber genau Eifert, der noch vor einer dreiviertel Stunde Gegenstand von Meyers Kritik am Offensivsystem der Fighting Irish war, macht sämtliche wichtigen Catches plus Conversions in diesem Drive.

[20h55] Ist mir über die Jahre nie so aufgefallen: Das Parkplatzareal am Stadion in Pittsburgh ist in etwa so groß wie an der kleinen Talstation unseres Skigebiets.

[20h45] Kuriose Szene in Pittsburgh: RB #1 Ray Graham macht mit einem geschickten Cut nach Screen-Pass ein 1st down, wird gestoppt und stapft halb gezwungen, halb forciert zwei Schritte zurück, ÜBER die gelbe Linie. Unter Buhrufen des Publikums wird Graham das 1st down aberkannt – korrekte Ref-Entscheidung. Im nächsten Play wird Graham ziemlich klar ersichtlich vor der gelben Linie gestoppt, die Refs legen den Ball aber rund ein Yard weiter vorne ins Gras und vergeben das Konzessions-1st down.

[20h30] Dayne Crist blickt an der Seitenlinie verzweifelt aus der Wäsche. Wäre das ein Heimspiel für Notre Dame, Crist wäre längst zu unngunsten Rees’ reinrotiert worden.

[20h23] Ein Beispiel für die Handwerker auf diesem Spielfeld: Pitts WR #15 Street ist bei 3rd down auf einen tiefen Ball trotz Deckung in der Situation, einen einfachen 40yds-Raumgewinn zu machen. Street lässt den Ball recht ungelenk durch die Handschuhe flutschen, der Drive ist zu Ende.

[20h15] Pitt 12, Notre Dame 7. Begeisterungsfähig war der Drive nicht, der einen Roughing the punter-Strafe brauchte, um am Leben zu bleiben. Am Ende riskieren die Panthers mal was, spielen per QB-Sneak ein 4th-and-1 nahe der Goal Line aus, dann ist der ewige, 19 Spielzüge lange Drive drin.

[20h03] Pitt 6, Notre Dame 7. Das Spiel ist eingangs des dritten Viertels immer noch ästhetisch fragwürdig, aber die Defenses gefallen über weite Strecken mit Disziplin, dosierter Aggressivität und gutem Tackling, sind am ineffektivsten, wenn die Offenses diverse Formen von Option-Spielzügen ausführen.

[19h16] An der RedZone ist es passiert. Rees unter Druck mit einem Ball, der locker vom Defensive Back per Reinrennen in die Route gefangen werden kann. An der Seitenlinie fletscht der entmachtete Ex-Starter Dayne Crist die Zähne.

[19h11] Pitt schickt immer mal wieder einen blitzenden Linebacker gen Tommy Rees. Rees wirkt dadurch verunsichert und wirft gerne hochriskante Bälle in die Deckung hinein. Bisher wurden sämtliche Interceptions fallen gelassen.

[18h53] Zeitgleich zu einem ziemlich einzigartigen Freistoßtreffer in München bricht im Heinz Field Notre Dames RB Jonas Gray (unser Fumble-Gray aus Woche 1) rechts durch, lässt einen Safety mit einem simplen Move aussteigen, kriegt einen guten Block und bringt Notre Dame die Führung: 7-3.

[18h32] Guten Abend. Nach einema langen Tag wartet noch ein paar Stunden College Football auf uns. Derzeit bei ESPN America: Pittsburgh Panthers – Notre Dame Fighting Irish, mit dem unkonventionellen, nicht überzeugenden ND-QB Tommy Rees.