Silvester-Bowls 2013 Preview

Nach der besinnlichen Feier letzte Woche folgt heute die besinnungslose Party. Wer uninteressiert dran ist, sich beim Böllern die Griffel wegzusprengen und lieber College Football Bowl Season guckt, dem sei diese Silvester-Preview gewidmet.

Music City Bowl

Vanderbilt Commodores – NC State Wolfpack

18h LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Vanderbilt

WR #87 Jordan Matthews
CB #8  Trey Wilson
RB #2  Zac Stacy
QB #11 Jordan Rodgers

N.C. State

QB #8  Mike Glennon
CB #1  David Amerson
S  #27 Earl Wolff

Die Vanderbilt University (8-4) gehört als Eliteschule nicht unbedingt zu den traditionellen Mächten im College Football; vielmehr stellt sie eine Mannschaft, die jahrzehntelang als Bodensatz in der SEC gegolten hatte, aber seit Head Coach James Franklin in Nashville/TN am Werkeln ist, geht es aufwärts: Der glatzköpfige Franklin hat seinen Offizierstrupp zum zweiten Mal en suite in der Bowl Season – bislang ungesehen bei Vanderbilt. Dass die Uni als Football-Marke aber noch einen weiten Weg zu gehen hat, zeigt die Einladung in der „Heim-Bowl“, der „Music City“ Nashville – es gibt attraktivere Orte, an Silvester zu spielen.

Quarterback in einer ausbalancierten Offense ist der kleine Bruder Aarons, Jordan Rodgers, und der Mann hat einen Super-WR an seiner Seite: Jordan Matthews, eine der Überraschungen der Saison. Matthews wird für Rodgers die Chance auf Yards und Punkte bedeuten, für NC States CB David Amerson ist er die Chance, sich vor dem NFL-Draft noch mal zu beweisen: Amerson hatte im Sommer als potenzieller Top-Pick gegolten, spielte dann aber einen bitterbösen Herbst und mittlerweile ist nicht mal mehr sicher, ob Amerson sich überhaupt traut, schon dieses Jahr in den Draft zu wechseln. Ein Kaltstellen eines der heißesten Receiver im College Football wäre aber wenigstens eine versöhnliche Note für die entsetzten Scouts.

Neben Amerson ist noch ein zweiter „Wolf“ im Fokus: QB Mike Glennon, ein eigentlich unauffälliger Mann, der aber so grundsolide auftritt, dass man ihn schon als potenziellen Erstrundendraftpick sieht.

Vandy ist mit 8 Punkten im SRS klar favorisiert, und das SRS weiß noch nichtmal um den vielleicht gewichtigsten Faktor im Vorfeld dieser Partie: NC State spielt mit Interimscoach (wir kennen das mittlerweile…): Tom O’Brien wurde gefeuert, weil man ihm nicht zutraut, das Team aus dem Mittelmaß herauszuführen, und als Nachfolger wurde Dave Doeren vom BCS-Spoiler Northern Illinois eingekauft. Heute wird aber noch OffCoord Dana Bible coachen, und niemand getraut sich zu prognostizieren, wie lustig oder lustlos NC State aufmarschieren wird.

Liberty Bowl

Tulsa Golden Hurricane – Iowa State Cyclones

21h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Tulsa

FB #34 Willie Carter

Iowa State

LB #47 .J. Klein

Zwei nicht alltägliche Teams zur Hauptspeise im Silvestermenü, aber zwei Altbekannte für Freunde der Bowl Season: Der Champion der Conference USA, Tulsa (10-3), ist zum fünften Mal en suite dabei, Iowa State (6-6) aus der Big 12 Conference zum dritten Mal in vier Jahren unter dem äußerst beliebten Head Coach Paul Rhoads. Die Diskrepanz in der Saisonbilanz ist eklatant, aber trotzdem sind die Cyclones laut SRS mit 4 Punkten leichter Favorit – warum?

Es liegt nicht nur am 38-23 Sieg von Iowa State im Season Opener über selbigen Gegner Tulsa (yup, das ist ein Rematch heute), sondern vor allem an der generellen suspekten Qualität der C-USA dies’ Jahr. Da war Tulsa nur das beste von vielen unterdurchschnittlichen Mannschaften.

Tulsa stellt immerhin immer eine schöne Offense, die aus der Spread-Formation extrem viel läuft: Man bringt eine Vielzahl verschiedener Running Backs fast 250 Rush-Yards pro Spiel zusammen und schaut, dass der QB Cody Green ja nicht zu viele Fehler macht. Das könnte heute zum kleinen Problem werden, denn die größte Stärke der Cyclones ist die Lauf-Defense (du spielst in der Big 12 und baust dein Team vor allem um die Lauf-Defense?).

Iowa States Offense ist im Gegenzug, wie soll ich sagen… uninspirierend? Der langjährige Quarterback Steele Jantz wurde abgesägt und durch den Freshman Sam Richardson ersetzt, der mobiler ist und wenigstens die ganz großen Bolzen vermeidet.

Ich befürchte ja, dass die beiden Mannschaften ihren Teamnamen nicht alle Ehren machen werden und es kein stürmisches Spiel wird, aber ich gäbe Tulsa hier einen Vorteil. Denn man muss wissen, dass Iowa State eine schwache zweite Saisonhälfte spielte und dass deren beste Spieler in der Secondary ausfallen.

Chick fil-A Bowl (“Tiger-Duell”)

Clemson Tigers – Louisiana State Tigers

1h30 LIVE bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

Clemson

WR #6  DeAndrew Hopkins
RB #23 Andre Ellington
S  #31 Rashard Hall
DE #97 Malliciah Goodman
QB #10 Tajh Boyd

Louisiana State

DE #49 Keke Mingo
DE #99 Sam Montgomery
S  #1  Eric Reid
LB #46 Kevin Minter
DE #89 Lavar Edwards
CB     Tyrann Mathieu
       ("Honey Badger",
         inaktiv)
WR #10 Russell Shepard
DT #77 Josh Downs
K  #30 Drew Alleman
DT #18 Bennie Logan

Das traditionelle ACC-SEC-Duell in der Silvesternacht aus dem Georgia Dome sieht diesmal ein perfektes Matchup Super-Offense gegen Super-Defense. Die Super-Offense stellen die #14 Clemson Tigers (10-2, ACC), die vor sensationellen Athleten von NFL-Kaliber nur so strotzen: QB Tajh Boyd ist zwar nicht der konventionellste Werfer, aber der Arm ist nicht wurfschwach, WR DeAndre Hopkins dürfte im NFL-Draft einige Beachtung finden und RB Andre Ellington gehört zu den Backs, denen ich nun rein optisch sofort wenigstens eine Chance in der zweiten Runde zutrauen würde. Über den potenziell besten Mann haben wir da noch nicht gesprochen: WR #2 Sammy Watkins, den Superstar der letzten Saison 2011/12 (damals als Freshman), der dieses Jahr aber mit Sperren und Krankheiten zu kämpfen hatte, sich nun aber endlich fit fühlen soll. Wenn Watkins tatsächlich in Hochform auflaufen kann, sehen wir da einen Rastaman, der von spektakulären Catches über EndArounds über unmögliche Punt-Returntouchdowns alles drauf hat.

Freilich werden sich die #9 LSU Tigers (10-2, SEC) nicht lumpen lassen, denn diese bieten immer noch eine Top-Defense auf, die fast alles kann: Dampf machen vorne mit dem DE-Duo Mingo/Montgomery, wo beide in der ersten Draftrunde gepickt werden sollten, dazu ein Ankermann DT Bennie Logan, der vielleicht in den Draft gehen wird, disziplinierte Linebackers und ein Backfield, das schwer zu knacken ist; FS #1 Eric Reid ist ein kleiner ballhawk, aber von den Yards her am ehesten ein Spielertyp, der mal ein Big Play aufgibt.

LSUs Offense wird extrem wichtig: Diese lag wochenlang unter der Erde, aber ausgerechnet gegen Alabama gab es das erste Lebenszeichen, und seither läuft QB Zach Mettenberger als anderer Mensch über den Campus: Vom verunsicherten Mauerblümchen ist plötzlich ein Mann mit breitem Grinsen geworden, der sich ganz relaxt auch die tiefen Bomben zutraut. Im Kern ist LSU immer noch eine schwer lauforientierte Mannschaft, aber dank Mettenberger ist man nicht mehr gänzlich drauf angewiesen.

SRS favorisiert LSU mit 3.5 Punkten, sieht das Spiel also relativ eng. Ich halte LSU hier, sofern Les Miles’ Jungs nach dem Verpassen der BCS überhaupt noch bei der Sache sind, für klarer favorisiert.

Sun Bowl

USC Trojans – Georgia Tech Yellow Jackets

Kickoff 31.12. um 20h
Tape am 1.1. um 9h30 bei ESPN America

Draft 2013

Who to watch

USC

QB #7  Matt Barkley 
       (inaktiv)
WR #2  Robert Woods
CB #7  Nick Robey
DE #91 Morgan Breslin
S  #7  T.J. McDonald
C  #78 Khaled Holmes
RB #22 Curtis McNeal

Schließlich morgen früh als Tape die Sun Bowl (Spiel wird in den Staaten von CBS übertragen, also keine Ahnung, ob der ESPN-Player das live zeigen darf) in einem Matchup, in dem keiner der beiden wirklich Lust drauf zu haben scheint, in der Wüste in El Paso/TX nahe New Mexico aufzulaufen. [Update: ist nicht im ESPN-Player; danke an Matthias/Update Ende]

Bei USC (7-5) ist das verständlich: Die Jungs vom windigen Head Coach Lane Kiffin sahen ihre Saison in den Süden wandern, von der #1 in der Preseason zu einer blamablen Bilanz, die unter Umständen noch zu einer Entlassung Kiffins führen könnte.

Als Sinnbild kann „Poster-Boy“ QB Matt Barkely herhalten: Der Mann sprengte alle USC-Passrekorde und blieb für sein Senior-Jahr an der Uni, um nach den Sperren (Stichwort: Causa Reggie Bush) endlich seine erste BCS-Bowl spielen zu können und dann als strahlender Held an #1 nach Kansas City gedraftet zu werden. Life is Hell, und wie es manchmal so läuft, spielte Barkley nicht nur ein schwaches Jahr und offenbarte nicht bloß technische Schwächen in der Wurfbewegung und äußerst verbesserungswürdiges Lesen von Defenses, qualifizierte sich USC nicht mal für die BCS, sondern verletzte sich zu allem Überfluss auch noch und wird heute nicht spielen können.

Starting-QB für USC ist heute der Freshman Max Vittek, der immerhin zwei Granaten auf Wide Receiver stehen hat: Robert Woods, der als hoher Draftpick gilt, und Marquise Lee, der eigentlich hätte die #2 sein sollen, der aber den Top-Athleten Woods in Grund und Boden spielte und mit 1680yds und 14 TD sogar in der Heisman-Verlosung war. Von den Running Backs um McNeal und Silas Redd war heuer nicht viel zu hören, umso mehr von eklatanten Protection-Problemen der Offense Line.

Auch die Defense vom aus der NFL (Tampa Bay) bekannten Monte Kiffin zeigte Schwächen, und nun kommt mit der Flexbone-Triple Option Offense von Georgia Tech (6-7, losing record!) aus der ACC ein untypisches Angriffssystem daher. Die letzten Jahre Bowl Season zeigten allerdings, dass Georgia Tech immer dann Probleme hat, wenn sich ein Gegner drei, vier Wochen auf sein System einstellen kann, und Monte Kiffin wird an seinem allerletzten Arbeitstag seiner Karriere ungern von einer steinzeitlichen Offense verarscht werden.

El Paso

Nicht mein Fall.

So sehr ich den Coach der Yellow Jackets, Paul Johnson, für diese ausgeklügelte Offense schätze, so sehr ist sie davon abhängig, zumindest ein bissl so was wie Passspiel aufziehen zu können, vor allem tiefes Passspiel, um die Front-Seven etwas auf Trab zu halten. Jetzt hat USC zwar brutal viele Lücken, aber in der Secondary ist man mit den potenziellen NFL-Picks S McDonald und CB Robey so gut besetzt, dass niemand auch nur von einem Minimum an Passerfolgen für Georgia Tech und seinen wuseligen QB Washington ausgeht.

So oder so: Der Sieger wird nur gequält in die Kamera grinsen. USC ist im SRS mit 12.5 Punkten favorisiert, und das würde ich auch, trotz allem, unterschreiben.

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Conference USA 2012/13 Preview

WiederZufalleswill, befindet sich auch die Conference-USA aus dem Süden und Südosten der Vereinigten Staaten inmitten einer Transformationsphase. Was in diesem Sommer mit 12 Mannschaften von dannen geht, wird ab 2013 wieder völlig umgekrempelt sein, vor allem nach den Abgängen von Zugpferden wie SMU oder Houston (gehen in die Big East) und der Neuaufnahme von FIU (kommt aus der Sunbelt Conference).

Eastern Division

Um mit dem Titelverteidiger zu beginnen: Die Southern Mississippi Golden Eagles kommen aus einer bockstarken 12-2 Saison mit einem Kantersieg im Conference-Finale über die bis dahin unbesiegten Houston Cougars. Und was passiert nach solchen großartigen Saisons oftmals? Richtig: Ein Neubeginn, weil die sportliche Leitung abgeworben wird. So auch im Falle von Southern Miss, die den erfolgreichen Larry Fedora ersetzen müssen und dies mittels einer internen Lösung schafften: Für das Offensivgenie Fedora springt der alte, defensivorientierte Eddie Johnson ein.

Der neue OffCoord ist mit Rickey Bustle ein Mann, der auf grundsolides Laufspiel setzt – und das in einer Mannschaft, die sich über Jahre den Ruf als Luftmacht gemacht hatte! Beim vorhandenen Personal – eine bärenstarke O-Line, 4-5 erfahrene Running Backs, ca. sechs gleich starke Wide Receivers und starke Punter – ist ein leichter Strategiewandel aber vielleicht nichtmal das größte Übel, zumal der Rekord-QB Davis sein Studium beendet hat und ins Berufsleben eingestiegen ist.

Die kleinen Fragezeichen reichten schon aus, um die University of Central Florida Knights zum Divisionsfavoriten zu küren, wenn diese denn nicht von der Bowl Season und damit auch vom Conference-Finale ausgeschlossen wären. UCF ist das Programm des umstrittenen und streitbaren Cheftrainers George O’Leary – und UCF ist wegen Recruiting-Vergehen bestraft.

Unter O’Leary zeichnet sich das Programm seit Jahren durch eine exzellente Defense aus. Im letzten Jahr erlebte UCF eine enttäuschende Saison mit 5-7, aber man vergesse nicht: Die Knights waren 0-6 (!) in Spielen mit einem Score Differenz.

Dabei hatte die Defense so manches Standhafigkeitsproblem in der Schlussphase von Spielen und dabei musste man auch noch eine QB-Kontroverse überstehen (der schwarze QB Godfrey wurde abgesägt und O’Leary daraufhin des Rassismus bezichtigt; Godfrey wird nun zum WR umgeschult). Nun ist mit QB Blake Bortles die Spielmacherposition wohl in trockenen Tüchern (der Blaine-Bruder Tyler Gabbert sollte keine Chance haben) und das Laufspiel um das Trio Harvey/Murray/Storm Johnson sollte zu den allerbesten gehören.

Wie gesagt: Eigentlich auf dem Papier der Favorit. Aber eben auch auf dem Papier und in der Praxis für diese Saison sportlich außer Konkurrenz mit von Partie.

Bestenfalls Außenseiterchancen werden den East Carolina Pirates, dem Zuschauerkrösus der Liga, gegeben. East Carolina spielt eine schöne, passlastige Offense (44 Pässe/Spiel) und setzt dabei weniger auf die 80yds-Bomben, sondern auf beständige kurze Raumgewinne mit Yards After Catch. Aufgrund der viel zu vielen verschenkten Bällen (35 Turnovers der Offense!) übersieht man bei der 2011er Saison dieser Mannschaft dabei zu leicht, dass die Defense immer besser aufgeigt.

Die Kandidaten für den Bodensatz beginnen dabei bei Marshall, wo letztes Jahr die Bowl Season erreicht wurde, aber das Team von Doc Holliday zu unerfahren sein soll. Die Probleme liegen völlig überraschend in der Offense, was für eine der ganz großen Innovationsschmieden für Angriffsfootball eigentlich eine Schande ist: Das Angriffsspiel beschränkt sich auf kilometerweise Laufspiel, um die Spiele bis ins Schlussviertel eng zu halten und dann auf knappe Siege zu hoffen.

Die UAB Blazers werden von ihrem eigenen staatlichen Universitätssystem kastriert und sollen sowohl eine grottenschlechte Defense, als auch einen disziplinlosen Kader besitzen. Und dann ist da noch unser aller Liebling, die Memphis Tigers, das furchtbarste an sportlichem Produkt, was der College Football in den letzten Jahren so produziert hat. Memphis hat einen neuen Head Coach, den jungen Justin Fuente (ehemals OffCoord bei TCU), der für eine schnelle Offense steht und mutiges PlayCalling steht. Die größere Problemzone waren zuletzt aber die zahnlose Defense, die sich überlaufen und überwerfen ließ, und das mangelnde Zuschauerinteresse (nur wenige tausend verirrten sich in die riesige Schüssel) – die Saison wird aber wichtig: Memphis ist als Markt attraktiv genug, dass man nächstes Jahr in die Big East wechselt, und da will man logischerweise ein sportlich halbwegs brauchbares Produkt anbieten.

Western Division

Sportlich die höherwertige Division dürfte der Westen mit drei Titelkandidaten sehen. Dabei sind die Houston Cougars nach einer blendenden 13-1 Saison nicht der größte Favorit. Zu viel Aderlass musste man einstecken (u.a. HC Sumlin zu Texas A&M, QB Keenum in das Berufsleben). Dabei ist die aktuelle Phase für die Coogs großartig: Man ist wieder wer und wird nächstes Jahr in die Big East Conference wechseln und man wird in absehbarer Zeit ein neues Stadion bauen. Heißt auch: Der Job ist für Sumlin-Nachfolger Tony Levine ein sehr verantwortungsvoller, denn zu sehr sportlich absaufen darf man nicht. QB David Piland hat bereits exzellente Ansätze gezeigt und der RB Charles Sims gehört zu den vielseitigsten überhaupt, aber die Fragezeichen stecken in der Defense, die sehr viel (zu viel?) no risk, no reward spielt und deren Umstellung auf 4-3 für viel Kritik sorgt, weil man das Personal für ungeeignet dafür hält.

Könnte also für die Tulsa Golden Hurricane eine prädestinierte Situation sein: Tulsa spielt eine schnelle, explosive Offense und besitzt eine sich rasant verbessernde Defense und darf einen eher einfachen Schedule spielen. Der fulminante QB Kinne ist zwar weg, aber Nachfolger Cody Green soll ein fast ebenso guter Scrambler sein und mittlerweile hat man ausreichend Vertrauen in HC Bill Blankenship, dass man nicht mehr von vercoachten Spielen ausgeht.

Dritter im Bunde: Die SMU Mustangs von der Southern Methodist University aus einer Enklave in Dallas. Dabei reicht den Kennern des College Football meist ein Wort (okay, zwei): June Jones. Der Mann ist der Head Coach und steht seit einer unglaublichen Zeit bei Hawaii synonym für Erfolg. Jones wäre im Winter um ein Haar gen Arizona State verschwunden, blieb dann aber trotzdem und wie gut sein Standing bei SMU ist, sieht man daran, dass sich niemand hinterher über Jones’ kurzzeitige Abwanderungsgedanken beschwerte.

SMU soll – ungewöhnlich für Jones – heuer einige Probleme in der Offense haben. Der neue QB ist Garrett Gilbert, der von einer enttäuschenden Zeit bei Texas rübertransferiert ist, und den kompletten Frühling durchgepaukt haben soll, um spielberechtigt zu sein (andere Quellen sprechen von „27h Vorlesung besucht“ für „durchgepaukt“). Das noch größere Fragezeichen stellen die extrem rundumerneuerte Offensive Line und der rekonvalenszente RB Zach Line.

Der Rest der Conference ist Schlachtfutter. UTEP ist nie unterirdisch schlecht, aber selten gut genug, um die Mittelklasse im College Football konstant schlagen zu können. Die Rice Owls aus Houston gehören auf akademischen Level zur absoluten Spitzenklasse, werden im Football aber durch eine beständig fürchterliche Defense gehandicappt. Die Tulane Green Wave warten mit einem Namen als Superstar auf: RB Orleans Darwka (!!!) ist der Schlüsselspieler in einer recht NFL-ähnlichen Offense; „NFL-ähnlich“ ist kein Zufall, nachdem der neue Cheftrainer mit Curtis Johnson ein ehemaliger New Orleans Saint ist. Johnson ist auch der Grund, weshalb die Stimmung auf dem Campus trotz langjähriger Misere gut ist: Die Leute freuen sich auf die Saison. Man hofft, dass der schwierige Saisonstart das nicht mit Niederlagenserie in den Boden reißt.

Bowl Season 2011/12: Wir nähern uns den großen Bowls

Heute Abend/Nacht finden gleich vier Bowl-Paarungen statt. Die von den Namen hochkarätigste – die Insight Bowl – wird bei ESPN America allerdings erst morgen als Aufzeichnung übertragen.

Bell Helicopters Armed Forces Bowl

BYU Cougars – Tulsa Golden Hurricane

Fr, 30.12. 18h LIVE bei ESPN America

Die Brigham Young University beendet ihre erste Saison als Independent, ein Herbst, der nicht reibungsfrei verlief (u.a. ein arges Debakel gegen Utah, 10-54), aber am Ende mit blauem Auge und 9-3 abgeschlossen wurde, was Head Coach Bronco Mendenhall nun erstmal ein reibungsfreies Arbeiten garantieren sollte.

Story der Saison bei den Coogs war die schnelle Auswechslung vom Quarterback Jake Heaps, der noch im Sommer als großer Hoffnungsträger gegolten hatte, gegen den beweglichen Backup Riley Nelson (61%completion, 16 TD, 5 INT, 376yds Scrambling). Nelson soll immer mehr Sicherheit gewinnen und sich im Team als „tough guy“ einen exzellenten Status erarbeitet haben, während Heaps sich bereits gen University of Kansas verabschiedet hat.

Der Blick auf BYUs Offense verrät eine sehr breit aufgestellte Offense, mit vielen Running Backs, die Carries bekommen und vielen, vielen Leuten, die Touchdowns fangen (10 oder 11). Die Defense verfügt über eine gute Front Seven und würde nicht den ersten Gegner unter seinem Saisondurchschnitt halten.

Tulsa, die Uni mit dieser furchtbar ausgewaschenen goldenen Trikotfarbe, gehört seit längerer Zeit zu den interessanten, wunderschön balanciert spielenden Offenses: 204,6yds Laufspiel und 249,8yds Passspiel im Schnitt (Vgl. 2010: 215yds Lauf, 284yds Pass). Schlüsselfigur im Angriff ist der wuselige QB G.J. („Gary Joe“) Kinne (2876yds Pass, 405yds Rushing, insgesamt 28 TD) und auch ansonsten könnte ich den Text von letztem Jahr hier reinkopieren: Viele Running Backs mit Carries, extrem viele verschiedene Wide Receivers, die die Bälle fangen.

Es ist ein Spiel, in dem ich meine Jetons eher auf BYU setzen würde: Tulsas Defense genießt bei mir trotz vieler Sacks nicht den allerbesten Ruf (#118 gegen den Pass, wenn auch gegen einen passlastigen Schedule) und sah gegen Boise und OSU furchtbar aus. BYU wirkt insgesamt einen Furz reifer. (Rating-System favorisiert allerdings Tulsa mit 2pts)

New Era Pinstripe Bowl

Iowa State Cyclones – Rutgers Scarlet Knights

Fr 30.12. 21h30 LIVE bei ESPN America

Iowa State war in der Big 12 Conference „6-6“, aber sie hätten auch untergehen können und keinen hätte es gekratzt, da die Saison nach dem fantastischen Derbysieg über die Iowa Hawkeyes (dritte Overtime!) gerettet war und dann im November das i-Tüpfelchen mit dem kolossalen Upset über Oklahoma State folgte. Der gerühmte QB Steele Jantz war der Hero in ersterem Krimi, wurde dann aber nach schwachen Vorstellungen auf die Bank gesetzt und durch den laufstarken Backup Jared Barnett (70yds/Spiel) ersetzt. Man kann davon ausgehen, dass Rutgers Probleme mit den vielen Scrambles Barnetts bekommen wird.

Die Rutgers Scarlet Knights des umtriebigen HeadCoaches Greg Schiano bieten einen wetterwindischen Laufangriff (Spiele mit Minus-Yards, 200+yds-Spiele), enteierte Quarterbacks und einen fantastischen WR Mohammed Sanu (109 Catches, 1144yds, 7 TD) auf und müssen a) auf ihre eigenen starke Pass-Defense und b) die schwache Cyclones-Defense hoffen.

Beide kommen auf dem Zahnfleisch daher, das Rating-System spuckt einen Spread von 0.3 Punkten aus, also würde man auf die potenziell motiviertere Mannschaft – Rutgers – setzen, trotz des schwachen Kickers mit dem coolen Namen San San Te (10/28 Kicks danebengesetzt).

Franklin American Mortgage Music City Bowl

Wake Forest Demon Deacons – Mississippi State Bulldogs

Fr/Sa 30./31.12. 0h30 LIVE bei ESPN America
Tape: Sa, 31.12. um 11h bei ESPN America

Zwei Teams, die die Music City Bowl eher als Belastung, denn als Freude empfinden würden. Von Mississippi State hatte man sich nach dem guten Herbst 2010/11 mehr erhofft, doch die Bulldoggs bekamen nie den richtigen Groove in der Offense und der mobile QB Chris Relf wurde sogar mehrmals ausgewechselt. Star des Angriffs ist RB Vick Ballard (1009yds), ein Senior in seinem letzten College-Spiel, der selbigen dann auch meistens im Alleingang tragen musste – gegen Wake Forest ein bewährtes Rezept, denn die Demon Deacons verfügen über eine schwache Lauf-Defense, kassierten in den letzten Wochen regelmäßig klar über 200yds Laufspiel.

Wake Forest mit dem sympathischen HeadCoach Jim Grobe sähe die 6-6 Bilanz eigentlich als zufriedenstellend an, jedoch wurden die meisten Siege zum Saisonbeginn geholt (u.a. über FSU), während man in den letzten zwei Monaten hauptsächlich – und teilweise hohe – Schlappen kassierte. Mitverantwortlich dafür waren Verletzungsproblemen in allen Mannschaftsteilen, aber zwei Männer hielten die Fahne hoch: QB Tanner Price (2803yds, 20 TD, 6 INT) und WR Chris Givens (1276yds).

Wake Forest wurde vor wenigen Wochen von Vanderbilt, das – wer will – man auf Augenhöhe mit Mississippi State sehen kann, abgeschlachtet. Mississippi State hat eine gute Defense. Das Rating-System favorisiert Mississippi State mit acht Punkten. Ich würde mit Dan Mullens Bulldoggs gehen.

Insight Bowl

#14 Oklahoma Sooners – Iowa Hawkeyes

Sa, 31.12. 14h als Tape bei ESPN America
(Live ist die Partie in der Nacht von 30.12. auf 31.12 um 4h MEZ im ESPN-Player zu sehen)

Die Probleme der Oklahoma Sooners habe ich in dieser Saison des Öfteren dokumentiert: Verletzungen mehrerer Schlüsselfiguren und die fehlenden Anpassungen der Defense auf Aufstellungen mit 4-5 WRs. Summa summarum ergibt sich daraus eine blasse 9-3 Bilanz, die als krasse Enttäuschung gewertet wird. In der Offense fielen in der zweiten Saisonhälfte RB Whaley und WR Broyles aus und schwupps brach auch der Gunslinger-QB Landry Jones etwas ein (immer noch 4302yds, 28 TD, 14 INT). Das Gute für die Sooners: Ihre Offense ist immer noch um mächtiges Passspiel gebaut, und Iowa hat eine unterirdische Pass-Defense, die im Ballhagel zu kollabieren pflegt.

Die Hawkeyes spielen selbst einen gepflegten Ball im Angriff, mit dem überraschend starken Stanzi-Nachfolger QB James Valkenburg und vor allem dem Top-WR Marvin McNutt, dessen Zahlen sämtliche Schuldrekorde an der B1G-Uni Iowa sprengten: 78 Catches, 1269yds, 12 TD – ungesehen in der Einöde von Iowa City. Es gab in den letzten Tagen allerdings ordentlich Krach bei den Hawkeyes, nachdem RB Marcus Coker für die Insight Bowl suspendiert worden war und ein weiterer Running Back via Twitter seinen sofortigen Abschied von der Mannschaft erklärte.

Aus Draftsicht dürfte man in Iowas Angriff ein Auge auf den Junior-OT Riley Reiff werfen, dem eine exzellente NFL-Karriere prognostiziert wird. Reiff ist der Eckpunkt der Unit, die als ansonsten anfällig gegen Sacks gilt.

Das Rating-System favorisiert Oklahoma mit 16 Punkten. Wenn die Sooners-Defense nicht erneut so kollabiert wie gegen Baylor und Oklahoma State, wird Oklahoma das Spiel auch gewinnen und dann gespannt auf QB Landry Jones und seine noch immer als offen geltende Entscheidung hinsichtlich Anmeldung zum NFL-Draft blicken.

Bowl Season 2010/11, Tag 5: Aloha!

Für die Eiskalten, die sich selbst an Heiligabend Football reinziehen. Herumfliegende Eier auf Hawaii.

Sheraton Hawai’i Bowl

Fr../Sa.., 24.12. um 02h live bei ESPN America und am 25.12., 22h30 als Tape

Hawaii Warriors – Tulsa Golden Hurricane

Welcher Sponsor könnte zur Ferieninsel besser passen als Sheraton? Und welche Mannschaft könnte auf Hawaii eher Fans ins Stadion bringen, als die heimischen Warriors? Die Hawaii Bowl ist ein sehr junges Spiel, erst zum neunten Mal ausgetragen, nachdem frühere Bowls auf Hawaii abgewandert oder gecrasht sind.

Zum sechsten Mal sind die Hawaii Warriors dabei, die automatisch für diese Bowl qualifiziert sind, sollten sie sechs Siege haben und nicht wie 2007 in die Sugar Bowl einziehen. Die Warriors sind für die Veranstalter auch eine Garantie, dass wenigstens drei Viertel des Aloha Stadiums gefüllt werden. Als letztes Jahr der beliebte June Jones nach Hawaii zurückkehrte, waren es insgesamt nur mickrige 30.000, die zuschauen kamen.

Heuer sind die Warriors wieder dabei. Und sie sind nach zwei schwachen Jahren wieder auf Vordermarsch. Unter Jones-Nachfolger Greg McMackin ist die Philosophie die gleiche geblieben: Pass first, think later. McMackin ist zwar eher der defensivorientierte Coach, aber unter OffCoord Nick Rolovich funktioniert heuer die Offense wieder blendend.

Hauptverantwortlich dafür ist QB Bryant Moniz mit 4629yds (!) durch die Luft, 36TDs und 12 INTs. Die Warriors haben zwei WRs mit mehr als 1300yds, der bessere ist Greg Salas (1675yds, 12TDs), der so was wie den Wes Welker gibt – Notnagel auf der kurzen Route mit vielen Yards nach dem Catch. Hawaii hat heuer 10-3 Siege eingefahren. Niederlagen gab es nur gegen die USC, in Colorado und bei Boise State. Das Spiel gegen die Broncos sticht in die Stats sofort heraus: Hawaiis Super-Offense wurde damals komplett abgewürgt: Ganze 127 Pass Yards, knapp ein Drittel des Schnitts!

Auf der anderen Seite kommt Tulsa (Conference USA, 9-3) daher, eine Uni fast so klein wie die meinige (ganze 4000 Studierende), aber ein stark offensivorientiertes Team in einer Spread Offense. 284 Yards durch die Luft stehen 215 am Boden gegenüber. Dabei fällt auf, dass die Lasten auf extrem viele Schultern verteilt sind. QB G.J. Kinne wirft viel (3300yds, 28TDs), aber kein Receiver hat mehr als 771 Yards gefangen. Dafür haben acht Receiver mehr als 200yds. Ähnlich beim Laufspiel: Kinne ist #1 mit 557yds, danach folgen fast zwei Handvoll Running Backs mit ein paar hundert Yards.

Beide Teams werfen viel und das birgt Gefahren. Die Defenses sind nicht grad als undurchdringlich bekannt, fangen aber viele Bälle ab: Hawaii im Schnitt zwei pro Spiel, Tulsa hatte immerhin 19 in der Saison.

Hawaii ist 11pt-Favorit. Wäre ich eine Spielernatur, ich würde die Wette annehmen.

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