Mutter aller Niederlagen

Heute jährt sich „Barcelona 99“ zum 20ten Mal. Als Mutter aller Niederlagen ist es bis heute das prägnanteste Sportereignis, das ich erlebt habe. Im Endspiel kurz vor Schluss zu führen, fühlte sich für mich als kleinen Bub schon damals wie ein Traum an. Ein Traum, der innerhalb von Sekunden zum Alptraum wurde.

Ein „aus allen Wolken fallen“ wie bei einer Fußballpleite in der Nachspielzeit ist im American Football kaum möglich – dafür fallen zu viele Punkte und dafür sind größere Comebacks eindeutig zu häufig. Was Barcelona 99 überdies so außergewöhnlich machte, war der Umstand, dass es sich um ein Finale handelte.

Es ist die einzige Niederlage, die ich bis heute nie verwunden habe. Ich glaube, der einzige Moment, in dem ich sie verwinden kann, ist, genau so eines Tages auch die Champions League zu gewinnen. Was nicht passieren wird, weil Barcelona 99 nie mehr passieren wird.

Der Gedanke an diesen Tag, an dem ich Rotz und Wasser heulte und wie Kuffour unsere Couch verprügelte, weckt in mir die Idee, ein vergleichbar brutales Finish im US-Football zu suchen. Das einzige Kriterium: Ich muss es selbst erlebt haben – also kein Platz für Immaculate Reception und derartiges Stöbern in den Untiefen der Footballgeschichte. Weiterlesen

Gedanken zum Champions League-Endspiel 2013

Es war ein geiles Spiel. Instant Classic ist vielleicht die richtige Beschreibung. Es war so wie fast alle der letzten Bayern-Endspiele in der Champions League: Alle anderen sind längst vergessen. Die Bayern-Finals aber sind Legenden, im Guten wie im Schlechten. Für den FC Bayern war es diesmal wieder Geschmacksrichtung „guter Ausgang“, und der Sieg war verdient. Die ersten 20, 25 Minuten waren geprägt von Unkonzentriertheit, das Team war nervös, irgendwas stimmte nicht. Dortmund spielte aggressiv, aber es war klar, dass diese Pace keine 90 Minuten halten würde. Bayern berappelte sich spätestens nach einer halben Stunde, und spätestens zum Ende der ersten Halbzeit war es ein ausgeglichenes Spiel. Halbzeit zwei gehörte zum überwiegenden Teil dem FCB, der dann auftrat wie der FBC 2012/13.

Das Endspiel war fassungslos intensiv, ein Kampf auf Biegen und Brechen, und beide probierten selbst konditionell schwer angeknockt, in der Schlussphase nach vorne zu spielen. Offenes Visier in einem Spiel, in dem sich der deutsche Fußball in fantastischem Zustand präsentierte. Es gab selbst im italienischen Fernsehen nur Lobeshymnen auf das Spiel, auf beide Mannschaften; Arrigo Sacchi ist bekannt dafür, dass er offensivstarke Mannschaften gerne rühmt, aber so leuchtende Augen habe ich bei Sacchi (der mit Milan in den 80ern und 90ern einen ähnlichen und für Italien revolutionären Fußball spielen ließ) noch selten gesehen.

Es tut auch ganz gut, nach den herzzerreißenden Endspielpleiten der letzten Jahre mal wieder auf der Sonnenseite zu stehen. Sagt, was ihr wollt, aber sagt nicht, dass der Bayern-Fan nicht leidensfähig sein muss. Gibt es irgendwelche Mannschaften, die zwei so brutale Endspielpleiten kassierten wie Bayern anno 99 und 2012? Ein finanzieller Kollaps eines Clubs ist größtenteils eigenverschuldet, aber wenn die Bälle statt ins Tor nur an den Pfosten gehen und der Gegner zwei seiner drei Chancen verwertet, bist du machtlos.

Heynckes geht nun zum zweiten Mal nach 1998 direkt nach einem CL-Sieg mehr oder weniger unfreiwillig von Bord. Er kann es mit erhobenem Haupt machen. Ich zog schon in den letzten Wochen meinen Hut, hatte dem FC Bayern diese Saison nicht zugetraut. Wo liegt der FC Bayern von 2012/13 im Ranking der Allzeitgrößen? Sicherlich einen Zacken unter dem FC Barcelona von 2010/11, aber das ist keine Schande. Vielleicht noch knapp unter dem ungekrönten FC Barcelona von 2009/10. Aber danach? Ich sehe zumindest den dritten, eher den zweiten Platz unter den besten Mannschaften der letzten 10, 15 Jahre.


Ich habe es schon oft geschrieben, aber noch mal: Respekt an Dortmund. Es gibt wenige Mannschaften, für die ich mich mehr begeistern konnte als für dieses Team, das Klopp in den letzten drei, vier Jahren dort gezimmert hat. Fantastisch. Reus machte zum Beispiel wieder eine gigantische Partie. Das ist kein Spieler für einzelne Angriffs-Aktionen, für zwei, drei Episoden im Spiel á la Ronaldo. Reus ist einer, der in jeder Aktion einen Fuß mit drin hat. Wie viel hat Reus gekostet? 17 Millionen? Das ist Schnäppchen hoch drei.

Dortmund war nicht weit weg. Man hatte den FC Bayern näher an der Wand als alle anderen bisher – der BVB zeigte, was eh schon alle wussten: Er stand völlig zurecht im Endspiel, als unbestritten zweitbestes Team der Welt. Das muss dich als Fan stolz machen; es freute sogar mich insgeheim, obwohl ich zwischendurch Angst vor einer dritten Finalpleite en suite haben musste. Dass es am Ende für Schwarz-Gelb nicht ganz für oben reichte, lag an Kleinigkeiten – und wir wissen, wie viel reinstes Spielglück bei so wenig Qualitätsunterschieden mit dabei ist.

Die Bayern-Tore waren endspielwürdig. Das 1:0 eine feine Aktion der Mannschaft, Ribery für Robben, der Torwart Weidenfäller ausspielte und für Mandzukic quer legte; es war etwas dilettantisch verteidigt von Dortmunds Abwehr, insbesondere Hummels, und nur Schmelzer (?) ging konsequent mit. Italiens Studiopundits gaben Weidenfäller Mitschuld am Gegentreffer, aber ich bin anderer Meinung: Kriegt der Mann den Zeh zwei Zentimeter weiter zum Ball, fälscht er ihn ungefährlich ab und alles ist paletti. Das 2:1 war eine famose Individualleistung Robbens, deren Genialität man erst in der Zeitlupe erkennt und zu schätzen lernt. Erneut: Zu passive Verteidigung, und wieder kann man Hummels hinterfragen. Überhaupt Hummels: Ich sehe den Mann nicht so schlecht, aber Sacchi dachte laut darüber nach, ob Hummels in irgend einer anderen europäischen Spitzenmannschaft Starter wäre – und bekam keine Antwort.

Es bleibt ein einziger Wermutstropfen, der mich noch beschäftigt: Lewandowski. Ich glaube, Henry war der letzte Stürmer, den ich so abgöttisch geliebt habe wie Lewandowski, und dürfte ich dieses Jahr den Goldenen Ball für den Weltfußballer ausgeben, ich würde ihn Lewandowski geben, nicht Ribery, Robben oder Schweinsteiger. Für so grandios halte ich das, was dieser Angreifer fabriziert. Aber was er sich gestern in der Schlussphase leistete, trieb mir ein ganz tiefes Schlucken in den Hals. Es passiert immer wieder, dass Spieler im Affekt ungehalten auf eine Provokation reagieren. Ribery ist ein Chaot. Suh wie provoziert wie kein zweiter. Zidane ist ein Wahnsinniger. Bei denen jungs weißt du, was du bekommst. Lewandowski aber hatte drei Sekunden zum Nachdenken, und er tat es trotzdem (Tritt auf Boatengs Knöchel). Ich halte die Aktion nach der Aufzeichnung noch immer für Absicht, und ich kann es nicht fassen. Gegen einen am Boden liegenden Gegner bei Bewusstsein absichtlich nachzutreten, ist schändlich, und trübt mein Bild von diesem bisher als astreinen Sportsmann wahrgenommenen Spieler doch beträchtlich.

Lewandowski kündigte (via Heynckes) bei Sky und (via Teamkollege Hummels im Interview) auch im italienischen Privatfernsehen mehr oder weniger direkt einen „baldigen“ Wechsel zum FC Bayern an. Will ich Lewandowski, den Stürmer, im Bayern-Dress sehen? Immer. Den Treter? Hmm… Vielleicht komme ich drüber hinweg. Erstmal ist Erholung von der Siegesfeier angesagt.

Wembley bebt: Vor dem deutschen Endspiel der UEFA Champions League 2012/13

Es mag Ironie der Geschichte sein, dass im Endspiel der Champions League 2012/13, das die UEFA dem englischen Fußballverband zum 150ten Geburtstag schenkte, ausgerechnet zwei deutsche Vereine im Wembley Stadium aufeinander treffen. Bayern gegen Dortmund, das ist vermutlich das Horrorszenario für Englands Fußball, und es wäre nichtmal so, dass die beiden Finalkontrahenten von ihren Auslandsimporten leben. Nein: Einige der Schlüsselspieler auf beiden Seiten mögen zwar Einkäufe aus Frankreich, Spanien, Brasilien, Polen sein, aber im Kern steht sich heute Abend das Gerüst der deutschen Nationalmannschaft gegenüber.


Vor einem Jahr bemängelte ich in der Vorschau zum CL-Finale 2012 den mangelnden Entwicklungstrieb beim FC Bayern und äußerte die Befürchtung, dass er möglicherweise in der Verwaltungsabteilung stecken bleiben würde. Ein Jahr später kann man diese Befürchtung in die Tonne kloppen. Die Vereinsführung zog aus der letzten Saison genau die richtigen Schlüsse und machte gelungene Einkäufe, darunter drei geniale:

  • Dante als technisch feiner Innenverteidiger für den Spielaufbau.
  • Martinez als passsicherer, spielintelligenter Sechser mit herausragenden Defensivqualitäten.
  • Mandzukic als selbstloser, laufstarker Mittelstürmer, mit dem Offensivpressing und somit Verteidigung begonnen werden kann.

Dieses Trio ist genau das, was ich einst gefordert hatte. Dazu der quirlige Shaqiri als Kampfgnom von der Bank. Ein Jahr nachdem dem Bayern-Kader jegliche Tiefe abging, kann die Mannschaft locker die Langzeitausfälle von Jungs wie Badstuber oder Kroos kompensieren, rein zufällig zwei der großen, wenn auch oft unterschätzten Mannschaftsstützen.

Der FC Bayern 2012/13 funktioniert wie eine Maschine, sämtliche Automatismen greifen. Das Offensivpressing beginnt bereits ganz vorne mit dem fleißigen Mandzukic, und dahinter sieht die gesamte Mannschaft sehr kohärent, sehr einheitlich gepolt aus. Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so konsequent, so zeckig presste wie Bayern – selbst ohne Mandzukic – im ersten Spiel gegen den FC Barcelona, dem wie auch Juve mit dieser aggressiven Spielweise komplett der Zahn gezogen wurde.

Die Flanken der Bayern dürften mittlerweile europaweit konkurrenzlos sein: Wenn du vorne Leute wie Ribery und Robben hast, die dahinter von einem Lahm oder einem Alaba nicht bloß abgesichert, sondern volle Pulle nach vorn unterstützt werden, und in Mandzukic und/oder dem zentralen Mittelfeld-Pärchen Schweinsteiger/Martinez beziehungsweise im Halbstürmer Müller jederzeit zwei bis drei mögliche Abnehmer haben, bringst du jeden Gegner in Zugzwang.

Dass die Mannschaft so stark greift, kann sich Jupp Heynckes ganz fett auf die Stirn kleben. Heynckes hat es geschafft, und ich hatte es nicht wirklich für möglich gehalten. Wenn ein Manuel Neuer (!) als sowas wie der „Schwachpunkt“ der ersten Garnitur ausgemacht werden kann, stehst du nicht mehr ganz zufällig zum dritten Mal in vier Jahren im Endspiel.

Vielleicht reicht die Bayern-Ausgabe 2012/13 qualitativ nicht ganz an die epische Barcelona-Mannschaft von 2010/11 heran, aber auch wenn diese Bayern nicht so extrem passsicher sind und keinen Messi haben: Sie sind einen Tick athletischer, kraftvoller, dynamischer, und treffen in meinem Fußballgaumen damit sogar den besseren Geschmack.


Bayerns Vorgänger als beste Mannschaft Deutschlands (Europas?) ist Borussia Dortmund, seit Jahren mein heimlicher, wenn auch viel zu früh gescheiterter, Titelfavorit. Nach zwei Meisterschaften und einem Aus in der CL-Gruppenphase, der Freak-Charakter besonderen Ausmaßes hatte (sagen wir: Das Anti-Malaga), ist der BVB 2012/13 wohl nicht mehr ganz so ausgefeilt, so Rad-in-Rad-greift-ineinander wie noch in den letzten beiden Jahren. Trotzdem ist das Werk des Jürgen Klopp nicht hoch genug einzuschätzen: Klopp hat da einen schwarzgelben Riesen gebaut, der es zuletzt regelmäßig schaffte, Bayern den Nerv zu rauben.

Die Mannschaft ist ein kleiner Gegenentwurf zu den FCBs: Im Herzen eine Spur passiver, weniger dominant, aber bei Ballgewinn überfallartig und mit den technisch feinen Einzelspielern im Vorwärtsgang nur schwer zu verteidigen. Götze, Reus, Lewandowski – das sieht an guten Tagen sogar noch dynamischer aus als beim FCB. Nun fällt allerdings ausgerechnet Götze allem Anschein nach aus; gleichwertigen Ersatz gibt es nicht – im Football würde man sagen, Klopp muss da mit wie „scheming“ antworten.

Ich sehe zwei große Fragezeichen: Das Spiel aus der Abwehr heraus krankt, weil insbesondere Subotic keinen sauberen flachen Ball über 10m hinkriegt, und das reine Rausdreschen gegen Bayern nach zwei Ballverlusten pro fünf Spielminuten riecht. Sollte Hummels tatsächlich ausfallen oder nur halbfit auflaufen können, wäre das eine extreme Schwächung insbesondere für das Dortmunder Aufbauspiel.

Zweites Problem ist die Zusammensetzung der Mittelfeldzentrale: Der sehr komplette Gündogan muss gesetzt sein, aber daneben gibt es für Klopp nur eindimensionale Optionen: Bender und Großkreutz mögen Kämpen sein, aber sie fallen spielerisch meterweit ab. Sahin ist die defensivschwächste Option; Kehl hat Routine und Abgewichstheit, aber ist zu langsam.

Die Lehren aus den bisherigen Saisonduellen waren: Klopp ist vorsichtiger geworden, als ob er plötzlich die Überlegenheit der bayrischen Ballkreisel anerkennen würde. Dortmund war im Vergleich zu den letzten Jahren in Sachen Einstellung und Körpersprache kaum wiederzuerkennen, wenn es gegen Bayern ging. Wird Klopp auch heute so zurückhaltend aufstellen? Das spräche gegen Sahin, für den zerstörerischen Bender.


Noch nicht vergessen oder verheilt - Das sollte Motivation genug sein.

Noch nicht vergessen oder verheilt – Das sollte Motivation genug sein.

Das Spiel hat das look’n’feel eines Ereignisses, die möglicherweise die Sichtweisen auf zwei Vereinsepochen definiert. Vor allem für den FC Bayern steht und fällt die Saison, ja die Ära Heynckes, mit dem Ausgang dieses Endspiels: Bei Sieg winkt ein Jahr nach dem Vize-Triple das „echte“ Triple, also jenes mit den Pokalen in der Vitrine. Bei Niederlage war die Rekordsaison viel gimmick, Hoeneß und Enttäuschung am Kulminationspunkt. Dortmund hat weniger zu verlieren: Das Endspiel ist, obwohl es sich für die Mannschaft wie der richtige Ort anfühlt, für den Verein und seine Fans schon etwas ganz Großes. Klopp hat da bereits mehr draus geformt als man von einem Club wie dem BVB erwarten konnte.

Die Fallhöhe für den FC Bayern ist natürlich eine ganz andere. Heynckes wirkt aber seit Montaten – spätestens seit der Bekanntgabe des Guardiola-Deals – extrem entschlossen. Da ist ein Mann on mission, will es allen nochmal zeigen. Möglicherweise wird es Jupps zweiter unfreiwilliger Abgang direkt nach dem Gewinn der Champions League (Madrid, 1998). Die Vorzeichen stehen gut: Im Gegensatz zu den letzten beiden Finals der Bayern sind diesmal keine Spieler zu Unrecht gesperrt (siehe: Ribery, Alaba).

Ich bin Bayern-Fan. Ich hatte in den Wochen vor diesem Endspiel lange das merkwürdige Gefühl, dass ich mit einem CL-Sieger „Borussia Dortmund“ keine Probleme hätte. Ich hätte es zugegeben immer noch nicht, aber mit jeder Minute, die der Kickoff näher rückt, wird klarer: Bayern muss diesmal den Pokal gewinnen. Die Kombination aus dem Katastrophenpotenzial einer weiteren CL-Endspielniederlage und dem Thrill, die beste Saison der Vereinsgeschichte gegen den größten innerstaatlichen Rivalen zu fixieren, macht dieses Spiel so einzigartig.

Von einem knappen BVB-Sieg bis zu einem Kantersieg der Bayern halte ich vieles für möglich. Spielen wir die Partie zehnmal aus, gewinnt Bayern – sagen wir – siebenmal.

UEFA Champions League 2012/13 nach dem Viertelfinale

Power Ranking

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund

5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Die vier besten Mannschaften stehen im Halbfinale (ich würde im Übrigen auch die vier Ausgeschiedenen weiterhin exakt gleich reihen). Juventus-Bayern entpuppte sich als das erhoffte Mismatch, war ein Matchup, das nur dann hätte spannend werden können, wenn Juve ein Zufallstor gelungen wäre und Bayern sich hätte nervös machen lassen. Passierte nicht. Sicher, Buffon schenkte den Roten zwei Hinspieltreffer. Aber das ändert nix dran, dass Bayern Juve über 180 Minuten weitgehend an die Wand spielte. Vom angekündigten inferno scatenato (dt. in etwa „Himmel und Hölle in Bewegung setzen“) blieb nicht mehr als resignierter Applaus für die Gäste übrig.

Im italienischen Fernsehen hagelte es hernach Lobpreisungen auf Bayern, den deutschen Fußball, das deutsche Modell. Die Italiener schielen neidzerfressen auf den deutschen Fußball, den Fußball, den sie seit ich denken kann nur müde belächelten. Im Interview meinte der „General Manager“ der Juve, es sei an der Zeit, mehr Revenue zu generieren, um in drei Jahren wieder in ähnlichen Sphären wie die grundsolide wirtschaftenden Deutschen zu sein. Der Mann hat Humor. 30% der Jugend sitzt auf der Straße, sie wählen Clowns und Lustmolche, und du willst deinen Umsatz um 200 Mio. steigern?

Bayerns Vorstellung war fantastisch, wie schon die ganze Saison. Ich sah selbst in der ersten Halbzeit, die Heynckes und Lahm so selbstkritisch sezierten, eine nie gefährdete Bayern-Mannschaft. In der vergangenen Saison bemängelte ich häufig den fehlenden Mut der bayrischen sportlichen Leitung, das zu bürokratische bayrische Spiel. Ich applaudierte zum Dante-Einkauf, und Dante ist großartig, der spielstärkste Bayern-Verteidiger, den ich je sah (okay, sind nur 15 Jahre, aber trotzdem). Ein Volltreffer von Einkauf, egal was noch kommt.

Was vorne Mandzukic läuft, ist einzigartig und „Pressing beginnt ganz vorn“ aus dem Lehrbuch. Alaba, wenn er sich mal nach vorne traut: Sensationell. Überhaupt eine 1A-Mannschaftsleistung, wo jeder für jeden rannte und gefühlte 96% Balleroberungen in der gegnerischen Platzhälfte. Warum Bayern trotzdem nur an #2 bleibt?

Ich habe etwas Angst, wenn Barcelonas Hochgeschwindigkeits-Kombinationen kommen. Bayerns Abwehr hat so was noch nicht gesehen und es zeigte sich diese Saison schon mehrmals, dass sie beim Anflug von technisch sauberem Direktspiel verwundbar ist. Okay, welche Abwehr ist das nicht, aber Bayern braucht eine um Welten bessere Chancenverwertung als zuletzt, wenn sie Barcelona schlagen wollen.

Ich wäre nicht überrascht, aber rein vom Gefühl sehe ich Barca noch leicht vorn. Vor allem wenns im Halbfinale kommt, ohne Mandzukic, der gelb sah, weil er sich von Chiellini fast den Haxen abschlagen ließ – und jetzt deswegen gesperrt ist. Gomez kann läuferisch längst nicht Ersatz geben, Pizarro eher auch nicht.

Die Nummern 3 und 4 sehe ich auch eigentlich umgekehrt, aber ich bleibe bei dem, was ich schon nach den Achtelfinals schrieb: Irgendwo habe ich das dumpfe Gefühl, dass Real Madrid mit seinen Scharfschützen, Ronaldo allen voran, für die Playoffs besser aufgestellt ist. Ein Tor aus dem Nichts ist in Spielen mit minimalsten Leistungsunterschieden fast immer Gold wert. Während sich die deutschen Mannschaften und Barca in einen Spielrausch stürzen und Hundertprozentige vergeben, dass es auf keine Kuhhaut mehr geht, zeichnen sich Ronaldo, Benzema und Alonso durch eiskaltes Verwerten von kleinsten Abwehrfehlern aus.

Es warten die Halbfinals, die Zeit, in dem ein Schuss, oder der Zufall minimum gleich viel wert ist wie der Qualitätsvorteil. Der BVB erlebte es am krassesten schon in den Viertelfinals, als man zwei Spiele, die normalerweise 4:2 und 2:1 gewonnen werden, lang verzweifelt anrannte, einen dummen Schiedsrichterfehler sei Dank schon zwei Meter unter Erde lag und dann in der Nachspielzeit zum „BVB United“ mutierte und Tomatenanfälle bei Craig Thompson zu einem unvergesslichen Fußballabend ausnutzte. Was jetzt noch kommt, ist Zugabe. Quatsch: Jetzt willst du alles. Dortmund hat die Qualität. Vielleicht haben sie nicht die Abgewichstheit. Aber vielleicht haben sie das Quäntchen Glück. Alles ist möglich.

Könnte ich nun die Kugeln anwärmen, würden am Freitag zwei länderinterne Duelle rausspringen, um ein richtiges „europäisches“ Finale zu erhalten. Obwohl… zwei deutsche Teams zum 150ten der FA im Endspiel in Wembley? Nehme ich mit Kusshand.

UEFA Champions League 2012/13 nach dem Achtelfinale

Power Ranking

inspired by
Jens Weinreich

1 – Barcelona
2 – Bayern
3 – Real Madrid
4 – Dortmund
5 – Juventus
6 – PSG
7 – Malaga
8 – Galatasaray

Ausscheidungsspiele in der Champions League sind alljährlich eines der ganz großen Highlights im Sportjahr. Nach den Achtelfinals sind meist bis auf ein paar losglückbedingte Außenseiter die meisten Freaktruppen eliminiert und die verbleibenden acht Teams begegnen sich häufig praktisch auf Augenhöhe, sodass die Ausgänge der verbleibenden 13 Spiele häufig vom Schussglück und der einen oder anderen Schiedsrichterentscheidung abhängen.

Das Rückspiel Barcelona vs. Milan zeigte schon mal in Anflügen, wie furchtbar eng es im europäischen Spitzenfußball zugeht: Niemand kann bestreiten, dass der FC Barcelona zwei Klassen über Milan einzustufen ist, aber wenn Njang den einen Konter drei Zentimeter weiter rechts eintütet, zerredet sich die Fußballwelt s’Maul fusselig über das Ende der größten Fußballära ever.

Weil der Ball den Pfosten küsste, iss dem nicht so. Barcelona hat unübersehbare Schwächen in der Abwehr und der hölzerne „Katalanen-Kaiser“ Pique würde mir Sorgen machen, aber mit einer solch fantastischen Offensive führt der Titel weiterhin über Blaugrana. Im Rückspiel gegen Milan machten Beobachter vor allem die Positionierung von Villa als „Vorblocker“ für die wuseligen Super-Zwerge als Faktor aus, der Milans Abwehrchef Mexés durcheinander brachte. Dank Villas aufopferungsvoller Laufarbeit konnte dahinter vor allem der Göttliche (hint: nicht Franziskus) seine Kreise viel ungestörter ziehen und zwei fabulöse Treffer machen. Messis Schuss zur Führung war ein wahrhaft zauberhaftes Tor, eines, von dem ich noch meinen Enkelkindern vorschwärmen werde. Der Rest war Geschichte: Dominanz, aber wenn Njang…

Der FC Bayern stellt dieses Jahr vielleicht die kompletteste Mannschaft, aber die Bayern haben noch nicht annähernd eine Offensive gesehen wie sie Barcelona auffahren würde. In den letzten Wochen inklusive dem Arsenal-Spiel brachen alte Probleme in Sachen Chancenverwertung wieder auf.

Der BVB ist seit zwei Jahren mein heimlicher Titelfavorit. Letztes Jahr hatte man genau in der Gruppenphase eine etwas durchwachsene Phase und vor allem fassungsloses Pech, wenn ich an die Partien in Piräus und Marseille zurückdenke. Vielleicht war Dortmund auch noch eine Dosierung zu grün – mit den Eiern, mit denen man diesen Herbst mit aller Selbstverständlichkeit Madrid und ManCity an die Wand spielte, scheint Schwarz-Gelb mittlerweile auch eine Tube mehr Selbstvertrauen gegen die großen Namen mitzubringen.

Real Madrid sehe ich trotzdem einen Tick im Vorteil, was vor allem an den famosen Individualisten im Angriff liegt. In Ausscheidungsspielen, in denen sämtliche Gegner fast gleich stark sind, entscheidet oft auch das Schussglück – und Ronaldo, Higuain, Benzema, Alonso sind schon verdammt gute Scharfschützen.

Ein wenig diskutierter Geheimfavorit: Juventus. Die italienische Fußballmannschaft schlechthin, und erstmals nach der Moggi-Zeit wieder ein ernsthafter Contender. Coach Conte lässt diese Saison konsequent sein 3-5-2 durchspielen, nachdem letztes Jahr in meiner Sportbar noch jede Woche trotz Unbesiegbarkeit über die ständigen Systemwechsel geschimpft wurde. Gegen Celtic fand ich Juve vor allem im Hinspiel weniger überzeugend als die meisten Beobachter. Die Alte Dame mit überwiegend unterirdischem Aufbauspiel, brachte 70 Minuten lang keinen Ball sauber aus der eigenen Hälfte, was aufgrund Celtics wenig durchschlagskräftiger Offensivabteilung nicht weiter ins Gewicht fiel.

Über die Saison lässt sich bei Juve ein brutal kompakter Abwehrverbund feststellen. Die Abwehrkette ist mit Barzagli/Bonucci/Carceres schon exzellent und noch einmal eine Stufe höher einzuschätzen, wenn Chiellini fit ist. Die Flügelverteidiger sind rechts (Lichtsteiner) wie links (Asamoah/Peluso) diszipliniert. Und natürlich der Torwart: Ich verhehle nicht, dass ich Ekelherpes beim Anblick von Buffon bekomme, aber der Mann spielt eine fantastische Saison.

Das Mittelfeld macht einen extrem stabilen Eindruck. Pirlo hat alles gesehen und ist durch nichts mehr zu beeindrucken, kann aufgrund der sicheren Abwehrreihe weitgehend ungestört seine Kreise ziehen, aber das wahre Erfolggeheimnis für das gelungene Umschalten der Juve-Offensivmaschine ist für mich das Mittelfeld-Duo Vidal/Marchisio: Beide technisch beschlagen, laufstark, und immer vorwärtsorientiert mit dem Ball am Fuß. Der Juve geht einzig ein Stürmer von Weltformat ab (Vucinic/Giovinco/Quagliarella/Matri sind nicht schlecht, aber jagen dir nicht qua Status den Schrecken in die Hufnägel).

Juventus ist nicht der Topfavorit, aber die Mannschaft ist auf Jahre exzellent aufgestellt – sportlich und dank des neuen Stadions, dem ersten privaten Stadion eines Topclubs, auch infrastrukturell.

Dem PSG und Galatasaray traue ich nach dem spärlichen Gesehenen wenig zu, auch wenn beide Weltklassestürmer (Ibrahimovic, Drogba) mitbringen – PSG und Gala haben mich nicht im Ansatz als Viertelfinal-würdig überzeugt. Malaga sagt mir erstmal gar nix, außer dass ich nun weiß, wohin es Santa Cruz verschlagen hat. Porto auszuschalten ist sicher nicht das einfachste Los der Welt und technisch sieht der Fußball von Malaga nicht so übel aus, aber wenn ich dran denke, wie brutal Malaga vor drei Wochen von Porto an die Wand gespielt wurde, wundere ich mich schon, wie man die Dragaos im Rückspiel ausschalten konnte.

Anyhow: Ich bin bekanntlich Bayern-Fan, von daher sehe ich der Auslosung und den nächsten Wochen und Monaten zuversichtlich entgegen. Die CL-Saison ist für mich eh schon gerettet, und zwar, seit Dienstagabend der AC Milan rausgeflogen ist. Alles Weitere ist wie in jedem Jahr nur Zugabe.

Mit dem Henkelpott im Blick: Vor dem Endspiel der Champions League 2011/12

In den Stunden vor dem Finale der UEFA Champions League fällt es schwer, den kompletten Wust an Gedanken straight in ein paar knackige Sätze zu formulieren. Daher sei der erzählerische Faden um die Evolution des FC Bayern gespannt.

Ich bin Bayern-Fan, seit Kuffour nach dem Schlusspfiff 1999 weinend in den Boden von Barcelona hämmerte. Ich mochte die charakterstarken Bayern um die Jahrtausendwende. Aber ich liebe den FC Bayern umso mehr seit dem Umdenken um Klinsmann/van Gaal, ein Umdenken weg von der eher zerstörerisch angelegten, hin zu einer spielerischen, proaktiven Spielweise mit der Denke „Offensive zuerst“ – insbesondere seit van Gaal gehört der FC Bayern zu den optisch attraktiveren Spitzenmannschaften.

Dass das Experiment auf halbem Weg abgebrochen wurde, ist noch heute ärgerlich. Im Kern ist die Arbeit van Gaals noch immer erkennbar, wenn auch deutlich „verwalterischer“ angehaucht und aufgrund der fehlenden Automatismen im Spielaufbau gegen überfallartig konternde Mannschaft immer noch anfällig. Das lässt in regelmäßigen Abständen – dann nämlich, wenn der FC Bayern mal wieder von reiferen, abgewichsteren Mannschaften wie Dortmund ausgespielt wird – erahnen, dass wir es hier mit einer noch immer nicht fertigen Mannschaft zu tun haben. Allein: Unter Heynckes kommen gefühlt keine neuen Impulse mehr. Die Mannschaft ist irgendwo in der Verwaltungsabteilung angekommen. Vielleicht nur ein Gefühl. Vielleicht ein trügerisches. Auf alle Fälle ein Gefühl, das sich nicht recht in Worte fassen lassen will, aber doch irgendwo… schmerzt.

Der FC Bayern kann heute Abend im eigenen Stadion die Champions League gewinnen, und trotzdem bleibt das Feeling, dass da sogar im eigenen Lande eine Mannschaft noch besser (oder wenigstens absolut auf Augenhöhe) ist, eine Mannschaft, die im Kern eher zerstörerisch ausgerichtet ist, aber mit ihren fantastischen Einzelspielern prächtig harmonisch im Umschalten auf Angriff daherkommt. Wo ein BVB Kilometer an Schleichwegen zurücklegt, um seine Offensive in der blitzartigen Vorwärtsbewegung ins Rollen zu bringen, ist der FC Bayern häufiger auf „richtige“ Einzelaktionen angewiesen – bei Ribéry oder Robben kein unprobates Mittel, aber eben auch nicht die größte Beruhigung.

Freilich kriegen auch die Bayern gute Mannschaftsleistungen zustande. Die beiden Halbfinals gegen Madrid sind dafür Beweis genug. Insbesondere das Rückspiel begeisterte und gehört schon jetzt zu meinen absoluten TV-Highlights ever. Auch wenn es am Ende einen Elfmeter (Ramos) benötigte, der erst gestern wieder ins Gravitationsfeld unseres Planeten eingedrungen ist und der heute, 20h45 in Fröttmaning einschlagen soll. Auch wenn Madrid nicht seinen besten Tag hatte und das starke Offensivpressing wohl zu früh aufgab: Bayern steht gemessen an diesen beiden Spielen zu Recht im Endspiel.

Dort trifft man heute Abend freilich auf ein Team, das noch sehr viel unerwarteter dort steht. Der FC Chelsea weiß vermutlich selbst noch nicht, wie man sich gegen Napoli, Lissabon und Barcelona trotz dreimaliger, klarer Unterlegenheit durchwursteln konnte. Die Mannschaft wirkt selbst an guten Tagen nur noch wie ein matter Abglanz jener fabulösen Konterkönige von einst, spielerische Retardierung und wackelig bis dorthinaus und muss sich auf seine Physis und den einen oder anderen Gedankenblitz der kurz vor der Pensionierung stehenden Stürmer verlassen. Trotzdem laufen in den letzten Tagen auf unseren Straßen wieder vermehrt nun jahrelang untergetauchten Kids in Blues-Shirts auf der Straße rum. Die Bandwagoners sind wieder da und kotzen dir auf die Schlapfen.

Ich bin für heute vorsichtig optimistisch. Der FC Bayern wird diesmal, anders als vergangenen Samstag, gedanklich voll da sein. Zudem ist der Gegner heute eine Stufe unter dem BVB einzuordnen und darf als größte Stärke mit Identitätslosigkeit aufwarten… okay, wenn Drogba zum Kopfball hochsteigt, wird einem dann doch auch angst und bange. Anyhow. Für Bayern wünsche ich mir jedoch so oder anders, dass man sich nicht zu stark vom Finaldurchmarsch 2012 blenden lässt und in Zukunft unabhängig vom Ausgang des heutigen Endspiels den vor einiger Zeit ab- oder unterbrochenen Prozess gen Offensiv-Orchester wieder aufnehmen wird.

Ein Tipp noch für einen großen Anlass: Bayern 3, Chelsea 1.

Bayern vor dem Frühling 2012

Nach mehreren notgedrungenen Absagen kann ich heute Abend nach elendig langer Zeit wieder ein Bayern-Heimspiel in der Allianz Arena besuchen. Beim letzten Mal saß noch das taufrische Meistercoach Van Gaal auf der Bank und die Hoffnungen auf ein endlich längerfristiges Bayern-Konzept waren noch intakt. Eineinhalb Jahre später ist klar: Bayern hat des internen Hausfriedens zuliebe zwei Schritte rückwärts gemacht. Heute Abend riskiert der FCB, gegen den FCB rauszufliegen.

Dabei fand ich Bayern über die letzten Wochen nie so unterirdisch, wie man die Mannschaft quer durch die Blogosphäre redete. Was aber vor allem im Hinspiel in Basel auffiel: Wenig Dynamik im Offensivspiel und eklatantes Fehlen von eingelernten Spielzügen. Wenn du gegen eine nicht sattelfeste Schweizer Abwehr acht von zehnmal mit dem wenig probaten Mittel „Flanke auf Gomez“ operieren musst, wird es allerdings Zeit, deine Spielanlage zu überdenken.

Vor ziemlich genau einem Jahr versuchte Van Gaal verzweifelt per Personalrochaden, Schwung in die verwaiste Mittelfeldzentrale zu bringen, um dem streckenweise brillanten Passspiel im Offensivspiel zu helfen. Heute versucht Heynckes sich immer mal wieder des etwas rudimentäreren Mittels des starken Offensivpressings, den Gegner unter Druck zu setzen. Etwas, das phasenweise klappt, wie in der zweiten Halbzeit in Basel, als Bayern den Gegner locker unter Kontrolle hatte.

Aber das Zusammenspiel wirkt in sich nicht stimmig. Ein Weltklassedribbler wie Ribéry ist zu häufig isoliert. Optisch vermittelt die Mannschaft trotz gelegentlich eingestreuter großartiger Phasen den Eindruck von Stückwerk. Der Fluss im Spiel wird gegen dichter gestaffelte Gegner immer wieder abgewürgt durch zu wenig Bewegung der einzelnen Offensivkomponenten – weil keiner weiß, was er machen soll? Oder sind es nur die so häufig auftretenden Zeichen von Wachstumsschwierigkeiten?

Heynckes’ letzte Trainerstationen lassen ersteres befürchten und das macht die Allianz Hoeneß/Heynckes spannend. Wird Hoeneß in alte Verhaltensmechanismen zurückfallen und seinen Kumpel nach zwei-drei weiteren Niederlagen rasieren? Andeutungen dieser Mechanismen ließen sich zuletzt aus der Rhetorik ableiten, die sachte am Trainerstuhl rüttelte. Dann kam der Kantersieg vom Samstag.

Auf der anderen bedient man sich nach jedem erneuten Tiefschlag einer Trotzreaktion-Rhetorik, die sich bei diesem Kadergefüge als Griff in den Gully zu erweisen scheint. Man lasse sich durch den Kantersieg gegen die vogelwilde Hoffenheimer Verteidigung (noch) nicht das Gegenteil aufschwatzen.

Anyway. Die Resignation beim Gedanken an den nonexistenten Innovationstrieb in der Führungsetage des FC Bayern ist nachvollziehbar. Selbst ein Ausscheiden heute Nacht wird daran – also an den begrenzten Innovationsfreude der Bayern – nur wenig ändern. Bleibt also heute wie längerfristig das Hoffen auf die lichten Momente.

UEFA Champions League 2010/11 – Power Ranking nach den Achtelfinalhinspielen

Die Aufsplittung des Achtelfinals hat mir zuerst missfallen. Vorteil: Du siehst soviel Champions League wie nie zuvor. Eine phasenweise hochklassige Hinspielrunde im Achtelfinale. Vor allem wegen zwei Spielen: Barcenal und die Finalrevanche. Beide haben die hohen Erwartungen sogar übertroffen. Der Versuch eines Power Rankings nach der Hinspielrunde.

#1 FC Barcelona. Nach wie vor das Maß aller Dinge. Keine Offensivreihe der Welt läuft selbst auf engstem Raum so geschmiert.

#2 FC Arsenal. Im Vergleich zum Vorjahr eine Stufe nach oben geklettert, aber ganz so gut wie Barcelona sind die Gunners noch nicht. Trotz des Comeback-Sieges.

#3 Bayern München. Jo, und das ist ernst gemeint. Trotz einiger Wackler in der Defense glaube ich nicht, dass irgendjemand momentan gegen diese Bayern spielen möchte.

#4 Manchester United. Im Hinspiel wollten sie nicht. Der Preis dafür: Sie müssen das Rückspiel gewinnen.

#5 Inter Mailand. Fantastische Einzelspieler, die auch in München noch für Wirbel sorgen werden. Immer noch eine brandgefährliche Mannschaft.

#6 FC Chelsea. Steht als einzige Mannschaft sicher im Viertelfinale.

#7 Real Madrid. Gute Stürmer bestrafen diese Defensive eiskalt mit 2-3 Toren/Spiel. Plan in der Offensive: Fünf lange Bälle nach vorne schlagen und hoffen, dass einmal einer durchkommt.

#8 AC Milan. Irgendwie merke ich, dass meine Schulzeit vorbei ist. Dass Milan sich so auskontern ließ? Früher undenkbar.

#9 Tottenham Hotspur. Sie putzen Milan IN San Siro OHNE Garreth Bale?

#10 Shakhtar. Romas turbulente Zeiten eiskalt ausgenutzt.

#11 FC Valencia. Bisher war Valencia für mich ein unattraktiver Betonmischer. Jetzt plötzlich: Vorne hui, hinten pfui. Die Zeiten haben sich geändert.

#12 Olympique Lyon. Biedere Mannschaft, die mit nur einem einzigen guten Stürmer Real Madrid aus dem Bewerb geschossen hätte.

#13 Schalke 04. Zwei Feel-Good-Geschichten: Manuel Neuer. Und natürlich Raul.

#14 Olympique Marseille. Das Offensivpotenzial überzeugt mich nicht.

#15 AS Roma. Nach dem Chaos von Genua interessiert die Champions League in Rom vermutlich grad niemanden.

#16 FC Kopenhagen. Wer waren noch mal Kopenhagens Gruppengegner?