Samstagsfootball am 19.12.2015 | Heiliger Krieg des College Football – in der Stadt der Sünden

Heute ist Start der Bowl-Season. Eine kleine Einführung nebst Übersicht der einzelnen Partien habe ich vor einigen Tagen zusammengestellt. Die Partien werden alle im ESPN-Player übertragen.


Um 20h New Mexico Bowl mit den New Mexico Lobos gegen die Arizona Wildcats.

Ab 21h30 „Holy War“ mit den beiden verhassten Rivalen #22 Utah Utes vs BYU Cougars. Utah und BYU eint innige Abneigung gegeneinander, und die Religion der Mormonen („Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) spielt eine große Rolle.

Die Brigham Young University wird von der Mormonenkirche geführt. Für sie gelten strikte Grundsätze wie Verzicht auf Alkohol und Pornos, keine Schwulen und keine Waffen auf dem Campus, dafür vorgeschriebener Messebesuch und kein Vollbärte und ohrlanges Haar. Weiterlesen

Advertisements

Akademische Viertelstunde 2015, Week 6

Heute mal aus gegebenen Gründen eine Akademische Viertelstunde mit nur wenig SEC, dafür aber mit der Rückkehr des SRS, des Simple Ranking Systems, unserem Lieblings-Instrument beim Quervergleich von Mannschaften im College Football. Weiterlesen

Samstagsvorschauer 2015, Week 6

Woche 6 im College Football mit denn Penn State Nittany Lions, dem besten Runningback und dem besten Quarterback im College Football, sowie dem black’n’blue Duell zwischen der alten, neuen SEC-Macht Alabama und Arkansas. Weiterlesen

Pac-12 Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten stellt den regierenden Landesmeister, die SEC gilt weiterhin als hochwertigste sportliche Liga im College Football, aber der heimliche Krösus ist die Pac-12 Conference aus dem Westen der Vereinigten Staaten. Die Pac-12 ist die Liga, die am stärksten nach oben strebt. Das liegt an den fetten TV-Verträgen, die in den letzten Jahren abgeschlossen wurden und dreistellige Millionensummen pro Jahr in die Programme pumpt. Das liegt aber auch an den vielen gelungenen Trainerverpflichtungen, die den Football an der Pazifik-Küste massiv vorangebracht hat. Du kannst alles Geld der Welt haben, aber du musst auch etwas daraus machen.

Pac-12 Football steht vor allem für schnellen, attraktiven Offensiv-Football. Kritiker aus den US-Südlanden bemängeln die fehlende Härte und verweisen darauf, dass selbst das Aushängeschild der Oregon Ducks mit ihrer einmaligen Offense an ihre Grenzen stößt, wenn sie gegen SEC-Defenses oder defacto-SEC Defenses wie Ohio State stößt.

Der Liga ist das wurscht. Ihre Stadien sind etwas kleiner als in der SEC, ihre Tradition etwas kürzer, ihre Defenses etwas schmächtiger und National-Title hat man seit einem Jahrzehnt keinen mehr gesehen, aber es besteht kein Zweifel, dass die Pac-12 nach oben strebt, und dass sie in absehbarer Zeit einen Landesmeistertitel holen wird – es geht gar nicht anders. Vielleicht dauert es drei Jahre, vielleicht noch fünf, vielleicht auch nur ein halbes, aber er wird kommen. Weiterlesen

College Football 2014, Week 10 Preview: Die Kracher kommen, wenn es finster wird

Die Warnung sei für das Wochenende vorausgeschickt: Heute Nacht wird in den Vereinigten Staaten mit der Umstellung auf die Winterzeit nachgezogen. Die College-Spiele von heute werden noch um eine Stunde früher angepfiffen als gewohnt (also um 17h, 20h30 usw.), aber ab morgen gelten wieder die sechs Stunden Zeitdifferenz zwischen MEZ und US-Ostküste.

Dafür ist heute ein sehr guter Tag für College-Football, auch bei SPORT1 US, das die wichtigsten Spiele im Programm hat. Um 14h30 wird mit einer Aufzeichnung vom Donnerstagsspiel Louisville Cardinals#2 Florida State Seminoles begonnen. Es war ein Spiel, bei dem man nicht zur Pause ausschalten sollte. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Woche 7: Das Vorbeben

Woche sieben im College Football ist gespielt, und passenderweise gingen am Wochenende sieben Top-25 Teams aus dem Poll der Associated Press baden: Georgia, Florida, Washington, Oklahoma, Michigan, Northwestern und Stanford. Ersteres Trio verlor zugegebenermaßen gegen jeweils ebenso gerankte Teams, aber das Quartett am Ende ging gegen jeweils nicht gerankte Teams baden.

Mit Georgia und Stanford sind dann auch gleich zwei der größten Titelfavoriten im Rennen um die National Championship betroffen, und somit haben wir eine Woche vor den ersten B.C.S. Rankings 2013 (letzte Woche hatte ich sie eine Woche zu früh angekündigt) schon mal ein kleines Vorbeben auf das, was vielleicht noch kommt.

Spiele der Woche

Auch spielerisch war es die bisher vielleicht hochklassigste Woche. Ein sehr spannendes Spiel gab es zum Beispiel in Athens, GA, wo die Heimmannschaft der Georgia Bulldogs ihren vielen Verletzungen Tribut zollen musste und gegen die Missouri Tigers überraschend mit 26:41 verlor. „Mizzou“ war nicht die bessere Mannschaft, aber wohl die tiefer besetzte, während bei den Bulldogs mehrere Starter in der Offense und Defense fehlten. Man merkte das.

Die „Red River Rivalry“ zwischen Texas und Oklahoma war zwar kein überragendes Spiel von der Qualität, aber es ist erstens immer eine der größten Ansetzungen, die der College-Sport hergibt, und zweitens endete sie in einer großen Überraschung: Texas gewann 36:20. Es war nicht einmal ein glücklicher Sieg, sondern die Mannen von Head Coach Mack Brown waren einfach besser. Sie machten nicht nur die schlechten Leistungen dieses Jahr wett, sondern polierten auch ihren Ruf mit einer mannschaftlich blitzsauberen Leistung auf. Mack Brown wird wohl trotzdem nicht zu halten sein und sein Abgang scheint trotz des Sieges unausweichlich, aber immerhin verabschiedet sich einer der erfolgreichsten Coaches des letzten Jahrzehnts mit einem Highlight von der University of Texas.

Ein Klassespiel gab es auch in Salt Lake City, wo die Utah Utes die in den Top-5 gerankten Stanford Cardinal mit 27:21 schlugen. Das Spiel war im ersten und vierten Quarter sehr wild. Nachdem Stanford mit einem sehr glücklichen Referee-Call den Anschluss-TD geschafft hatte, führte QB Kevin Hogan den allerletzten Drive mit Seelenruhe aus, verwertete alle schwierigen Third und Fourth Downs, ehe es 47 Sekunden vor dem Ende dann doch einer zuviel war: Der allerletzte Pass Hogans segelte knapp zu hoch durch die Endzone, und Stanford holte sich seine obligatorisch-überflüssige Pleite ab. Es ist noch nicht alles verloren für „The Farm“, denn man kann immer noch die Pac-12 North mit einem Heimsieg gegen Oregon im November gewinnen, aber die B.C.S.-Chancen werden durch diese Niederlage herb geschwächt. Für den einstigen B.C.S.-Buster Utah war es hingegen einer der größten Siege in der Uni-Geschichte.

Die Legende besagt, dass der Mythos des Johnny Manziel vor ziemlich genau einem Jahr gegen die Ole Miss Rebels geboren wurde, als Manziel ein Comeback im vierten Viertel zurücklegte. Genau gegen diese Rebels spielte Manziel mit den Texas A&M Aggies am Samstag erneut – auswärts. Manziel verdrehte sich gleich zu Spielbeginn eh schon angeschlagen das Knie, humpelte ein wenig an der Seitenlinie herum und kehrte dann ins Spielgeschehen zurück, um Ole Miss das Fürchten zu lehren.

Das Spiel entwickelte sich zum Schlagabtausch zwischen zwei genialen Offenses, und Manziel sammelte wieder weit über 350 Passing-Yards und über 100 Rushing-Yards. Trotzdem lagen die Aggies wenige Minuten vor dem Ende wieder 38:31, also einen TD, zurück. Manziel orchestrierte, Manziel improvisierte, und er drehte die Partie noch zum 41:38 Sieg. Der kleine Schmierfink machte auch auf sich aufmerksam, weil er bei seinen Scrambles ungefähr 40 Kilogramm schwerere Brocken abprallen ließ. Den entscheidenden Kick versenkte mit auslaufender Uhr übrigens Josh Lambo, ein ehemaliger Torwart beim F.C. Dallas (ein Team aus der Major League Soccer).

Das irrste Spiel mit der besten Stimmung im Stadion war aber wohl Penn State Nittany Lions gegen Michigan Wolverines, das die Lions 43:40 gewannen. Es war das erste Spiel in dieser Saison, das in die vierte Overtime ging. Gekennzeichnet war es, wie so viele Overtime-Spiele, von einem fehlerhaften Spielverlauf auf beiden Seiten, mit verkickten Field Goals und verpassten Chancen für die Kontrahenten. Erst ein „QB Sneak“ von Christian Hackenberg 27 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit brachte Penn State überhaupt in die Verlängerung, und dort gab es nur in zwei der vier Overtimes Punkte. Dabei schlug sogar das „Bad Karma“ vom auf diesem Blog bereits bekannten Kicker der Nittany Lions, Sam Ficken, wieder zu, aber es reichte am Ende trotzdem für Penn State.

Wer das Spiel und die Minuten direkt danach gesehen hat, der wird es nicht so schnell vergessen. 107.000 im Stadion sorgten für mehr als bloß Gänsehaut-Atmosphäre. Für Penn State war es der größte Höhepunkt der letzten Jahre, für Michigan die erste Saison-Pleite, eine Niederlage, die überfällig war, nachdem die Wolverines in den letzten Wochen mehrere wenig überzeugende Spiele nur mit Glück gewinnen konnten.

College-Football goes out of Bounds

  • Ab nächster Saison wird es in der Bowl-Season ein Spiel auf den Bahamas geben: Die kleinen Ligen M.A.C., The American, Sunbelt, C-U.S.A. sowie Mountain West haben sich darauf geeinigt, in die Karibik auszuziehen. Die gleichen Ligen wollen untereinander auch rotierend Bowls in Miami und Boca Raton (nahe Miami) austragen.
  • Wisconsin und Louisiana State vereinbarten für die 2016er Saison ein Spiel im legendären Lambeau Field der Green Bay Packers, das als eines der letzten Profi-Stadien noch so aussieht wie die klassischen College-Schüsseln.
  • Die krasseste Idee verkündeten unter der Woche aber die Tennessee Volunteers und die Virginia Tech Hokies, die ebenso im nicht mehr so fernen Jahre 2016 tatsächlich eine Partie am 10. September ein Spiel im NASCAR-Speedway von Bristol (Tennessee) austragen. Das Oval bringt in der Spitze bis zu 160.000 Menschen unter – das wird ein einmaliges Ereignis und könnte den Rekord an Zuschauern brechen. Der wurde dieses Jahr aufgestellt, als bei Michigan gegen Notre Dame über 115.000 Stück im Stadion zusahen. Der Speedway sieht übrigens furchteinflößend eng aus.

Damit sei es für diese Woche belassen. Die Autorin zittert ohnehin schon dem Samstag entgegen, wenn der Schlager in der Atlantic Coast Conference ansteht: Die #3 Clemson Tigers empfangen in der Primetime im eigenen Stadion die #5 Florida State Seminoles. Beide sind ungeschlagen. Nur der Sieger hat wahrscheinlich noch Meisterschaftschancen in der A.C.C. sowie der Bowl Championship Series.

College Football 2012/13 vor Woche 4

Keine Zeit heute für große Previews. Notwendig ist es eigentlich auch nicht, denn der Schedule bei SPORT1 US (und wohl auch im ESPN-Player) kommt diesmal aus der unteren Schublade:

18h    Georgia Tech - North Carolina
21h30  Wisconsin - Purdue
01h    Alabama - Colorado State
04h15  Brigham Young - Utah

EUROSPORT2 bringt ab 21h30 Bewegtbilder von Penn StateKent State aus State College, der Heimat des schönsten Footballstadions der Welt.


Der Spieltag gibt so wenig her, dass in den Vereinigten Staaten ESPN seinen berühmten College GameDay (Vorberichterstattung ab drei Stunden vor Kickoff der 18h-Spiele) diesmal von einer Uni aus der zweitklassigen FCS bringt: North Dakota State! Da weißt du, wie du dran bist.

Wer kein Anhäger irgendeiner der Unis ist, die um 18h spielt, wird sich schwer tun, sich anhand diesem Programm einen runterzuholen. #4 Ohio State gegen das unterklassige Florida A&M? #7 Louisville gegen FIU aus der Conference-USA? Okay, kannst du QB Bridgewater begutachten. FIU ist eine der schlechtesten Mannschaften in der FBS. Die ausgeglichenste Ansetzung sollte aus der ACC kommen und Georgia TechUNC sein, und auch die optisch beste: Georgia Tech spielt die mittlerweile fast ausgestorbene flexbone triple option-Offense, eines der letzten reinen Option-Systeme, das fast ausschließlich mit Laufspiel auskommt. Bei UNC gibt es einen QB Bryn Renner, der durchaus NFL-Potenzial hat.

Ein Problem von UNC seit vielen Jahren: Sie kriegen nie Zugriff auf die Offense von Georgia Tech, die nur mit extrem viel Disziplin zu schlagen ist. Das Problem ist allen bekannt, aber niemand in North Carolina konnte es bisher lösen.

Um 21h30 könnte #24 WisconsinPurdue aus der Big Ten Conference im Angebot sein. #24 Wisconsin muss sich von dem Schock der bizarren Pleite bei Arizona State erholen. Ob Joel Stave noch einmal in seiner Karriere abknien wird? Alternativ kann man die Zuschauer bei USC gegen Utah State per Handschlag begrüßen oder sich die dieses Jahr überraschend starken Maryland Terrapins gegen West Virginia geben. Penn StateKent State kommt bei EUROSPORT2: Die Nittany Lions scheinen dieses Jahr spielerisch größere Probleme zu haben als in der überraschend guten Saison 2012. Vielmehr Brauchbares seh ich um die Zeit net.

Beim 1h-Spiel #1 Alabama vs Colorado State spielt Bama gegen seinen ehemaligen Offensive Coordinator, aber wenn das kein Blowout wird, weiß ich auch nicht. Ab 1h45 das Tigerduell #6 LSUAuburn, beide noch ungeschlagen. Auburn hat mit dem QB-Neuling Nick Marshall sein Passspiel wieder gefunden, und wenn LSU dieses Jahr bisher eine kleine Defense-Schwäche angedeutet hat, ist es die Passabwehr. Trotzdem ist LSU haushoher Favorit.

Ab 2h möglicherweise im ESPN-Player (Spiel läuft in den Staaten bei ABC): TexasKansas State. Beide kommen dieses Jahr brutal schwer in die Gänge. K-State verlor sogar gegen ein FCS-Team (allerdings ein gutes, North Dakota State, wo heute besagter GameDay ausgesteahlt wird), Texas hat schon zwei Saisonpleiten, und beide Male über 40 Punkte kassiert.

Schließlich ab 4h15 der „Holy War“ BYUUtah zwischen den beiden untereinander verfeindeten Mormonen-Universitäten aus dem Bundesstaate Utah. Das Spiel ist Teil der inoffiziellen Serie um den Beehive-Boot, den Bienenkorb, der Trophäe für die beste Mannschaft im Bundestaate. Das mögliche Knackpunkt ist die BYU-Offense, die brutal physisch spielt; bei Utah ist unter diesem Blickwinkel genau an der falschen Stelle der falsche Spieler abhanden gekommen – DT Star Lotulelei als Anker der Defense Line ging in die NFL.

Für Trüffelschweine

IMHO in Europa nicht über offizielle Wege zu sehen sind einige der namhafteren Ansetzungen heute: #19 FloridaTennessee und #22 Notre DameMichigan State (die zweitwichtigste Rivalität für Notre Dame nach USC) ab jeweils 21h30, sowie das Duell der zweitbesten Pac-12 Mannschaften in ihren jeweiligen Divisionen #5 Stanford (aus dem Norden) gegen #23 Arizona State (aus dem Süden) ab 1h MEZ.

Dieses letzte Spiel ist auch soweit ich überblicken konnte, das einzige direkte Duell zweier im AP-Poll gerankter Teams. Stanford ist bisher etwas träge in die Saison gekommen, aber Stanford sieht im Augentest immer etwas lahmer aus als es wirklich ist. Man ist favorisiert, aber Vorsicht: Arizona State ist eine dieser Mannschaften, die zwar nicht ohne 3-4 Stolperer durch die Saison kommen, aber jederzeit das Potenzial abrufen können, um für ein Top-10 Team zum unerwarteten Stolperstein zu werden. Und man hat in DL #90 Will Sutton ein Kaliber, das möglicherweise nächstes Jahr im Draftprozess rauf und runter diskutiert wird. Dieses Kaliber reichte allerdings letzte Woche nicht, um nicht trotzdem 8.2yds/Lauf zu kassieren und von Wisconsin überlaufen zu werden. Stanford spielt ähnlich physisch…

Frühstückseier, 5.10.2012 – Was macht Jeremy Bloom?

Wer schon immer mal wissen will, was einer der großen Sportallrounder unserer Zeit seit einiger Zeit so treibt, wird beim Entrepreneur findig, der über die zweite, oder dritte, Karriere des Jeremy Bloom (und weiterer ehemaliger Footballer) schreibt. Zur Erinnerung: Bloom war Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Herbst Wide Receiver der Colorado Buffaloes im College Football und im Winter mehrfacher Freestyle-Skiweltmeister gewesen.

Freestyle-Skiing? Für die NCAA ein klarer Fall von Profitum. Bloom wurde zwei Jahre vor Ablauf seiner vierjährigen College-Zeit vom NCAA-Spielbetrieb gesperrt, trainierte dann für die 2006er-Winterspiele in Turin. Zwei Tage nach diesen Spielen nahm Bloom in Indianapolis am NFL-Combine teil, wurde von den Eagles gedraftet. Scheiterte aufgrund von Verletzungen. Versuchte Jahre später in Pittsburgh ein Comeback. Scheiterte. Versuchte als Freestyle-Skifahrer ein Comeback. Scheiterte. Arbeitete für gemeinnützige Zwecke. Glückte. Kommentierte College Football. Glückte. Gründete mit Risikokapital ein Startup – auf dessen Spuren der Entrepreneur nun wandelt.


Über die Saison der New Orleans Saints hatte ich am Mittwoch einen kurzen Absatz geschrieben:

New Orleans Saints. Die anti-Eagles. Vier Niederlagen, und alle vier mit einem Score Differenz. Klingt nach positiver Zukunft? Vielleicht, denn bei allen Problemen mit der unterirdischen Pass-Defense (8.1 NY/A entspricht Rang 30) gibt es immer noch einen fantastischen Quarterback wie Drew Brees und eine insgesamt potenziell potente Offense, sodass auch mit diesem Start noch 7-9 oder 8-8 drin sein dürfte. Aber: Die Saints sind ohne Scheiß in meinem Ranking aktuell die #32 von 32 Mannschaften (#17 Pass-Offense, schlechte Lauf-Offense, schlechte Laufdefense, und nur der 28t-schwerste Schedule bisher).

Seither haben sich zwei mittlerweile renommierte US-Schreiber mit dem tiefen Loch der New Orleans Saints auseinandergesetzt: Josh Levin/Slate fragt sich, ob und wie viel der Schuld am horrenden 0-4 Start der Saints auf den suspendierten Head Coach Sean Payton zu schieben ist, während für den von mir auch wegen seiner Schreibe sehr geschätzten Bill Barnwell die Probleme eine Ebene tiefer zu suchen sind.


Drei TV-Termine bei ESPN America für den heutigen Tag: Um 11h aus der Canadian Football League SaskatchewanBC Lions vom vergangenen Wochenende. BC ging mit 9-3 in die Partie, Saskatchewan mit 6-6. Die Roughriders bauten in den vergangenen Wochen weniger als in den letzten Jahren gewohnt auf QB Darian Durant, dafür viel mehr auf ein Laufspiel. Prunkstück ist aber die bärenstarke Pass-Abwehr, die gegen BCs mächtigen Luftangriff helfen könnte.

Um 16h bringt ESPNA die Aufzeichnung vom Kracher aus der Süddivision der Pac-12 Conference: Utah Utes vs. USC Trojans. Beide Teams bereits mit bitteren Niederlagen. Während die Utes dabei eine von Lokalkonkurrent Utah State gehauen bekamen, gingen die BCS-Titelträume der Trojans bereits früh in der Saison den Bach runter: Eine Schlappe bei Stanford, von der USC sich kaum mehr erholen dürfte. Bleibt der Trostpreis Pac-12. Um diesen weiter verfolgen zu können, müssen QB Barkley und diese vielen künftigen Top-Draftpicks gegen eine der dominantesten Front-Sevens im College Football bestehen. Im Spotlight auch: Utahs DT Star Lotulelei, einer der Top-Draftanwärter 2013.

Um 18h30 dann das Tape vom Donnerstagnachtspiel St Louis – Arizona.

College Football 2012/13, TV-Guideline für Woche 2: Einen Bienenkorb in Utah

Dieses Wochenende hat die NFL Priorität, daher nur kurz die Vorschau auf das Wochenende im College-Football.

Recap Week 1

Meine Top-5 Spiele vom Wochenende.

#1 Virginia Tech - Georgia Tech   20-17 OT
#2 Penn State - Ohio              14-24
#3 Michigan State - Boise State   17-13
#4 Northwestern - Syracuse        42-41
#5 Alabama - Michigan             41-14

Es hatte was, mit welcher Coolness die Ohio Bobcats nach State College fuhren und dort die Nittany Lions nach 3-14 Rückstand noch rumbogen. Und ganz ehrlich: Ohio war das bessere, rundere Footballteam, vor allem mit dem tollen Offensivduo QB Tettleton/RB Blankenship.

Boise wehrte sich lange Zeit mit Händen und Füßen gegen die immer drückendere Überlegenheit der Spartans, musste letzten Endes dann aber die weißen Fahnen hissen. Das Gute: Boise hat weiterhin seit ewigen Jahren nicht mehr im September verloren.

Wie immer zu beobachten: Der Geschwindikeitsunterschied SEC/BigTen im Duell AlabamaMichigan, und wir haben da auch einen neuen Star in the making: RB T.J. Yeldon. Spiel der Woche war aber das Tech-Duell, mit einem famosen, famosen Schlussviertel. Wann hat Georgia Tech zum letzten Mal so oft geworfen? (gilt übrigens auch für die Navy)

Generell fällt beim Blick auf alle Ergebnisse auf: Die FBS hat sich gegen die FCS (zweite Kategorie) eher blamiert. Vier Niederlagen (Middle Tennessee State, Idaho, Pitt, Memphis) und ein paar haarscharfe Siege (u.a. Wisconsin nur mit einem TD gewonnen). Dazu putzte Texas State bei seinem Debüt in der FBS die arrivierten Houston Cougars klar und deutlich. Houston war letztes Jahr noch eine einzige Niederlage von einer BCS-Bowl entfernt.

Vor der Woche 2

ESPN America bringt folgendes Programm.

LIVE

6./ 7.9.2012  02h    Pitt - Cincinnati
    8.9.2012  15h    College GameDay aus College Station
    8.9.2012  18h    Virginia - Penn State
    8.9.2012  21h30  USC - Syracuse
8./ 9.9.2012  01h    Louisiana State - Washington
8./ 9.9.2012  04h30  Arizona State - Illinois

Tapes

    7.9.2012  13h    Pitt - Cincinnati
    8.9.2012  10h30  Utah State - Utah
    9.9.2012  12h    Louisiana State - Washington
9./10.9.2012  05h30  Michigan - Air Force
   11.9.2012  14h30  Mizzou - Georgia

Mal schauen, wie sich Pitt von der katastrophalen Schlappe gegen die Underdogs von Youngstown State (FCS) erholt hat. Auch Penn State ist nach besagter Heimdemontage durch die kleinen Ohio Bobcats angeschlagen und steht schon leicht mit dem Rücken zur Wand.

USC überraschte letzte Woche mit starker Defense bei nur wackeliger Offense und sollte gegen Syracuse besser ins Rollen kommen. Syracuse seinerseits nach einem hochspannenden Spiel letzte Woche gegen die Northwestern Wildcats, das die Schwachstellen der Abwehr offen legte.

Spiel der Woche von den Namen ist sicherlich LSU – Washington im Tiger Stadium. LSU mit einem sehr smoothen Auftakt (41-14 daheim gegen North Texas), muss sich aber schon wieder mit dem ungeliebten Divisionskonkurrenten Alabama auseinandersetzen, die nach der beeindruckenden Auftaktvorstellung erstmal in der Gunst der Öffentlichkeit vorbeigezogen sind. Der große Name (und sportlich vor allem in der Defense arg verwundbare Gegner) Washington bietet eine Chance, im Ansehen „nachzubessern“.

Am Samstagvormittag kommt ein Tape vom Freitagnachtspiel: Utah State – Utah, The Battle of the Brothers aus der kuriosen und nicht immer leicht zu durchblickenden innerstaatlichen Serie an Utah-Derbys, bei der es um den Beehive Boot (Bienenkorb) geht, dem Preis für Utahs beste Footballmannschaft. Die Biene ist von den Mormonen als Symbol für Fleiß zum Staatssymbol erkoren worden.

Pac-12 Conference vor der Saison 2012/13: Die Southern Division

Ze Pac-12

Drei Jahre Dominanz der Oregon Ducks – wie lange wird das anhalten? Dieses Jahr ist Andrew Luck von dannen, aber die USC Trojans kehren dafür als massierte Wucht zurück ins Rennen einer Conference, die als eine der wenigen momentan sehr stabil ausschaut.  Die Vorschau, als erstes, auf die Southern Division mit Teams aus Südkalifornien, Arizona und den Rocky Mountains.

Southern Division

Die USC Trojans gelten nicht bloß als klare Favoriten im Süden der Pac-12 Conference, sondern – wie wir bereits wissen – überhaupt als ganz heiße Kandidaten auf den Gewinn der BCS-Kristalltrophäe. Konkurrenz sollen sie in der Division keine haben, oder, wie ich sagen würde: Kaum.

Denn die Utah Utes aus Salt Lake City sind nicht komplett zu unterschätzen. Jahrelang einer der ganz starken Mid-Majors, haben die Utes 2011 in ihrem ersten Jahr in der großen Pac-12 ein paar Umbruchprobleme überstehen müssen, inklusive einer verheerenden Niederlage mit zig verschossenen Field Goals gegen Colorado, weswegen man das Endspiel um den Conference-Titel verpasste.

Trotzdem ist die Stimmung euphorisch. Das hat auch mit der unkonventionellen Entscheidung von Head Coach Kyle Wittingham zu tun, den erst 25jährigen Brian Johnson zum neuen OffCoord zu bestimmen. Brian Johnson, das ist ein Mann, den kenne ich noch vom Spielfeld. Vor dreieinhalb Jahren spielte der mit den Utes als Quarterback die Alabama Crimson Tide in der Sugar Bowl an die Wand. Johnson war schon damals nachgesagt worden, ein Peyton Manning, ein „Coach auf dem Spielfeld“ zu sein. Jetzt ist er nur mehr Coach und muss einen verunsicherten Angriff um den nicht immer überzeugenden QB Jordan Wynn wiederbeleben, und nach allem, was man so hört, scheint ihm das ganz gut zu gelingen.

Der wahren Grund für das Stimmungshoch ist aber die Defense, die sensationell druckvoll in der Front-7 spielt und auf einen der ganz großen Stars des NFL-Drafts 2013 bauen kann: DT Starlite „Star“ Lotulelei, dem kein OffCoord weniger als zwei Guards aufhalst und der nur wegen zu schlechter Noten andernorts überhaupt bei Utah untergekommen ist. Utah empfängt USC zuhause (4.10., vormerken!) und spielt auch ansonsten einen eher leichten Schedule. Sensation, hör ick da was trappsen?

Auch nicht zu unterschätzen: Die UCLA Bruins, die sich allenfalls einen etwas kuriosen Head Coach angelacht haben: Jim Mora jr., den Kreativkopf, der sich einst eine West Coast Offense für Michael Vick ausgedacht hatte. Mora jr. war in Los Angeles schon vom ersten Tag an eigentlich abgeschrieben, aber er scheint seine Sache überzeugend genug zu machen, dass man den Bruins mittlerweile wirklich zutraut, wenigstens acht Saisonsiege einzufahren (Schlagwort „intriguing“), und das mit einer ähnlichen Mannschaft wie jener furchtbar unkonstanten 2011er-Truppe. Der neue OffCoord ist Noel Mazzone, bei dem man gleich denkt „ah, Passfeuerwerk! No huddle!“. Kredenzien: Zuletzt den Angriff der Arizona State Sun Devils nach oben gecoacht; jetzt ist in L.A. gefragt, als vierter OffCoord in den letzten vier Jahren und mit einem unerfahrenen QB (Kevin Prince oder Richard Brehaut) zu arbeiten.

In der Defense ist auch ein neuer DefCoord da: Lou Spanos (ex-Washington Redskins), bei dem keine Sau weiß, was er vorhat, aber der Floskel auf Floskel abspult und wenigstens damit Leben in eine verwaiste Abwehr bringt.

Der Rest wird diesmal nicht viel reißen. Die Arizona Wildcats arbeiten das erste Jahr unter einem exzellenten Offensivgeist: Rich Rodriguez, den Head Coach, der nach verheerender Zeit bei Michigan nun wieder eine Chance kriegt. Rodriguez hat sich als Charakter erstmal in die Ecke gestellt, aber dass der Mann ein unkonventioneller Geist mit innovativen Ideen ist, hat sich gezeigt: Brutal breite „Spread“-Aufstellung, richtig viel Bewegung an der Anspiellinie, kaum Huddles – das war alles zu den Zeiten, als ich begann, College Football zu schauen, stilbildend. Es war Rich Rodriguez’ Stil, und er ist heute Usus, weil vielfach kopiert. Die Offense braucht allerdings eine lange Einlernzeit, und auch weil das Personal in der Defense völlig ungeeignet für die neue 3-3-5 Aufstellung sein soll, erwartet niemand von den Wildcats Wunderdinge. Was aber dank Rodriguez und seine exponierte Art bereits erreicht ist: Man nimmt Arizona landesweit wahr.

Das ist auch bei den Arizona State Sun Devils der Fall, die sich auch so einen Kotzbrocken als Chefcoach angelacht haben: Todd Graham, der in Pittsburgh auf unterste Schublade kündigte und nur mit Glück ohne Knochenbrüche die Wüste von Tempe/AZ erreichte. Graham ist ein Wandervogel, der wie Rodriguez aneckt und viel „Spread“ spielen lässt. Die Sun Devils haben allerdings nach haufenweise Abgängen (u.a. QB Osweiler) kaum verfügbares Spielermaterial, was es auf der anderen Seite für einen Egomanen wie Graham auch einfacher macht, kann er doch noch rücksichtsloser seine Ideen durchdrücken, ohne irgendwelchen Starspielern vor den Kopf zu stoßen. Einzig DE Junior Onyeali soll unangetastet bleiben, aber der passt charakterlich auch wunderbar zum Stinkstiefel Graham.

Nicht unlustig: Arizona State gehörte in der Vergangenheit zu den unbeherrschtesten Mannschaften mit den meisten Strafen. Ausgerechnet ein Graham muss die Jungs nun disziplinieren.

Schließlich die Colorado Buffaloes, wo wir letztes Jahr einen exzellenten Kommentar von Jens lesen durften. Tenor: Das Trainerduo Embree/Bieniemy sollte nach dem Desaster um Dan Hawkins eine Chance bekommen. Ein Jahr später liest sich das Ding ungefähr so: Jon Embree wird exzellente Recruiting-Arbeit nachgesagt, was auf der Geberseite halt auch bedeutet, dass der Kader extrem jung und unerfahren ist. 2011 war man nur 3-10, die Euphorie ist erstmal soweit gegangen, dass das Frühjahrscamp vor Geisterkulisse stattfand… Nun vermisst man auch noch das Arbeitstier in der Offense der letzten Jahre, RB Rod Stewart. Um ein bissl Hoffnung zu machen: Ein derartiges Verletzungspech wie letzten Herbst wird man diesmal wohl kaum mehr haben, und die Erwartungen sind diesmal so weit im Keller, dass man ein 3-10 im Sinne des Neuaufbaus gern in Anspruch nimmt. Okay, nicht gern, aber man würde es akzeptieren.

Später: Die Northern Division, die deutlich stärker einzuschätzen ist.

Silvester-Bowls im College Football 2011

Achtung: Dieses Jahr finden am morgigen Neujahrstag keine Bowls im College Football statt, da die NFL ihren letzten Spieltag des Grunddurchgangs abhält. Die traditionellen Neujahrsbowls diesmal am Montag, 2.1. Mit dem Appell, nicht verantwortungslos zu feiern, zu den heutigen Silvester-Bowls für die Partymuffel.


Meineke Car Care Bowl of Texas

Texas A&M Aggies – Northwestern Wildcats

Sa, 31.12. 18h LIVE im ESPN-Player
Tape: So, 1.1. 6h30 bei ESPNA

Da sind zwei Teams mit einer Saisonbilanz von 6-6, aber “6-6” fühlt sich bei beiden sehr unterschiedlich an. Texas A&M gehört bekanntlich zu den von mir immer noch hoch angesehenen Teams, ein Kaliber, das nur gegen Oklahoma höher verlor, ansonsten durch allerhand Freak-Einbrüche Führungen und an sich gute Vorstellungen wegwarf und sich seine letzte Saison in der Big 12 Conference zerschoss. HeadCoach Mike Sherman ist dann auch gefeuert worden, doch heute wird nicht der Nachfolger Kevin Sumlin (von Houston gekommen) coachen, sondern DefCoord Tim DeRuyter, der sich dann auch nach der Partie brav nach Fresno State verzieht, wo er der neue Mann am Steuer sein wird. Alles klar?

Die Aggies leben von einem sehr guten Angriff (496yds/Spiel) um QB Ryan Tannehill (3415yds, 28 TD, 14 INT) und den Top-WR Jeff Fuller, aber die beiden starken Running Backs Michael/Gray sind seit Wochen entweder außer Gefecht oder schwer angeschlagen unterwegs. Northwesterns Defense gilt jedoch immer noch nicht als stark genug, um aTm zu einzubremsen.

Texas A&Ms Defense gilt als ordentlich gegen den Lauf, aber anfällig gegen fliegende Bälle. Die Stärken der Northwestern Wildcats passen da dummerweise genau ins Profil: QB Dan Persa muss in Abwesenheit eines ernst zu nehmenden Laufspiels viel und oft werfen und gilt dann auch als sehr akkurater QB.

Excel spuckt die Aggies trotzdem als 15pts-Favorit aus, wobei noch Fragezeichen bezüglich der Motivation bei den Aggies bleiben. Inwiefern lässt sich der Kader nach dem enttäuschenden Saisonverlauf inklusive verheerender Derbyschlappe gegen Texas vom Interimscoach noch genügend motivieren, um sich ein letztes Mal aufzuraffen?


Hyundai Sun Bowl

Georgia Tech Yellow Jackets – Utah Utes

Sa, 31.12. 20h LIVE bei ESPN America

Billigalternative zum Silvester-Menü: Sun Bowl aus dem warmen New Mexico (Albuquerque). Utah war im ersten Jahr als BCS-Team eine dezente Enttäuschung mit 7-5 in der Pac-12, hatte in der Offense nach einigen Verletzungen nicht viel mehr als den RB John White (1404yds, 14 TD) zu bieten, was sich aber noch recht gut trifft, da Georgia Tech eine schwache Front Seven aufbietet.

Georgia Tech ist unter HeadCoach Paul Johnson mit seiner „flexbone-triple option“-Offense immer ein Hingucker, läuft 316,8yds/Spiel, was sich etwas weniger gut trifft, weil Utahs absolut größte Stärke die Lauf-Defense ist. Die Utes haben zwar heuer keine Option-Offense gesehen, jedoch in den vergangenen Jahren gegen Air Force verteidigt. Die Yellow Jackets gelten trotz aller Pitches und Options als eigenartig abhängig von den Wurfkünsten QB Tevin Washingtons, die in der zweiten Saisonhälfte eher ein nervöses Abzugshändchen waren.

IMHO eine der interessantesten Bowls, was Matchups und Aufeinandertreffen von Stärke und Schwäche angeht. Ich vertraue angesichts einer Unmasse an zu erwartenden Laufspielzügen dem Excel-Spread von 2pts zugunsten Utahs nicht wirklich und sage trotz völliger Unwissenheit über den Sieger kein Spiel voraus, das knapp enden wird.


AutoZone Liberty Bowl

Cincinnati Bearcats – Vanderbilt Commodores

Sa, 31.12. um 21h3o LIVE im ESPN-Player
Sa, 31.12. 23h30 LIVE bei ESPN America (Einstieg in die Endphase)

Wenn man über dieses Spiel ein paar Zeilen verliert, kommt man nicht drum herum, den Umschwung an der gebrandmarkten Verlierer-Universität Vanderbilt (aus Nashville/Tennessee) zu thematisieren:  Jahrelang in der SEC verlacht und verspottet, aber seit letztem Winter sitzt dort der glatzköpfige Offensivgeist James Franklin am Ruder, der dann auch gleich in seiner Debütsaison mehr Siege holte als die letzten beiden Jahre zusammen. QB ist mit Jordan Rodgers der Bruder des großen Aaron, und Jordan fügte sich dann nach anfänglichen Problemen auch ordentlich ein, machte mit seiner Beweglichkeit viele Plays. Cincinnati (9-3) wird nun doch mit seinem in Rekordzeit wieder genesenen QB Zach Collaros antreten können, was essenziell sein könnte, da Vanderbilts Pass Rush zwar als aggressiv gilt, aber die Deckung viele Yards aufgibt – der unerfahrene Backup Munchie Legaux wäre hier vermutlich leichter verbrannt worden (Excel-Spread übrigens: 0,0 Punkte).


Kraft Fight Hunger Bowl

Illinois Fighting Illini – UCLA Bruins

So, 1.1. Tape um 9h30 bei ESPN America

Ein Spiel mit Potenzial zur schlechtesten College-Bowl seit Äonen: Illinois nach sechs Niederlagen en suite von 6-0 auf 6-6 gefallen und HeadCoach Ron Zook gefeuert, UCLA nach wechselhaftem Saisonverlauf 6-7 mit haushohen Klatschen gegen USC (null zu fuffzich) und Oregon (31-48) zum Abschluss, Head Coach Rick Neuheisl gefeuert und nur dank einer speziellen Klausel trotz negativer Saison überhaupt qualifiziert. Dazu kommt das ungeliebte Baseball-Stadion AT&T von San Francisco als Austragungsort, wo die beiden Teams an derselben Seitenlinie an der 50yds-Linie voneinander getrennt sein. Zum wenig begeisternden Stuff tragen auch die vielen angeschlagenen Running Backs in Illinois’ Angriff und der Zorn der UCLA-Fans auf den frisch eingestellten HeadCoach für 2012, Jim Mora jr., der heute allerdings noch nicht coachen wird, bei. Bei Illinois wird allerdings bereits die neue Fixlösung, Tim Beckman (von Toledo gekommen), die Spielleitung übernehmen.


Chick fil-A Bowl

#25 Auburn Tigers – Virginia Cavaliers

Sa/So, 31.12./1.1. 01h30 LIVE bei ESPN America
Tape: 1.1. um 12h30 bei ESPN America

Beim Noch-Titelträger Auburn herrscht schlechte Stimmung, weil die Saison in den letzten Wochen noch gegen die Wand gefahren wurde, die Coordinators mittlerweile entlassen oder an anderen Orten Chefcoaches geworden sind (OffCoord Malzahn soll noch dieses letzte Spiel leiten) und die einzige nennenswerte Offensiv-Waffe RB Michael Dyer aus nicht genannten Gründen intern für das Spiel gesperrt wurde. Da hätten wir dann auch gleich unser erstes essenzielles Matchup: Auburns an #104 gerankte Offense ohne seinen besten Mann gegen eine der besten Lauf-Defenses in der FBS.

Virginia, das kleine Virginia, erlebt unter dem leidenschaftlichen Head Coach im zweiten Jahr, Mike London (ein Schwarzer), einen Aufschwung, der sich in einer überraschend starken 8-4 Bilanz widerspiegelt. Im letzten Spiel der Regular Season wurde man zwar von Virginia Tech 38-0 in Grund und Boden gemäht, aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass man hochzufrieden mit der Entwicklung ist. Stärke ist die Offensive Line, hinter der sich ein ordentliches Laufspiel und ein fehlerarmer QB Michael Rocco entfalten können und gegen die tackling-resistente Defense Auburns etliche Yards zurücklegen sollten.

Auburn geht als nur leichter Favorit in diese Bowl mit dem genialsten aller Sponsornamen – Chick fil-A – (3,1pts), aber ein Cavs-Sieg wäre alles andere als ein Upset.

College Football 2011/12, Woche 3 TV-Guideline

Es steht mal wieder ein langes, nein: laaaaaaaaaaaanges Wochenende im College Football bevor. Eine kleine Einstimmung.

Freitag, 16. September 2011

Michigan State – Florida Atlantic (11h30 bei ESPN America)
Mississippi State – Louisiana State (20h bei ESPN America)

Michigan State – FAU ist noch ein Spiel von vergangener Woche… taugt IMHO höchstens als Einstimmung auf das Livespiel der Spartans gegen Notre Dame am Samstag. #25 Mississippi State gegen #3 Lousiana State könnte dagegen eine höchst interessante Aufzeichnung werden. Die laufstarken, aber eben auch allein auf Lauf-Options bauenden Bulldogs lieferten vergangenes Wochenende einen Klassiker gegen Auburn, verloren am Ende um 10cm das Spiel und kommen daher angeknockt in dieses nicht unwichtige SEC-Spiel, blieben aber haarscharf in den AP- und Coaches-Polls. LSU fidelte in Woche 1 den spektakulären Lauf-Angriff der Oregon Ducks ab, kriegt mit Mississippi State nun den ersten Happen aus der SEC entgegen geworfen, sollte aber favorisiert sein, solange QB Jarrett Lee weiterhin den fehlerlosen Bürokraten gibt.

Samstag, 17. September 2011

Toledo – Boise State (12h30 bei ESPN America)
ESPN College GameDay (15h LIVE bei ESPN America)
Clemson – Auburn (18h LIVE bei ESPN America)
Purdue – Southeast Missouri (18h LIVE bei Eurosport 2)
Florida – Tennessee (21h30 LIVE bei ESPN America)
Florida State – Oklahoma (02h LIVE/18.9. Tape 10h30 bei ESPN America)
Arizona – Stanford (05h30 LIVE/ 18.9. Tape um 13h bei ESPN America)

Zur Einstimmung die Boise State Broncos gegen die Toledo Rockets, die am Samstag die Ohio State Buckeyes dann doch ärger als erwartet ins Schwitzen brachten und mit ihrem unkonventionellen Quarterback Austin Dantin um ein Haar die Jahrhundertsensation geschafft hätten (Ohio State hat nur einmal ein Spiel gegen einen innerstatlichen Rivalen verloren… 1921). Trotzdem darf man nichts anderes als einen klaren Sieg von Boise State auf deren Weg in Richtung BCS-Bowls erwarten, zumal mit zwei Wochen Vorbereitungszeit.

Abend und Nacht sind den großen Universitäten vorbehalten und ein bisschen blutet mir schon das Herz, dass ich vermutlich nichts davon sehen werde. Eines der Mottos des Abends dürfte sein: Die ACC ist auf Promotionstour. Die ACC ist eine Conference, die gefangen in ihrer eigenen Mittelmäßigkeit ist und daraus seit Jahren nicht ausbrechen kann. Nun treten zwei Schwergewichte gegen Schwergewichte an. Es geht um Reputation und vielleicht den Landesmeistertitel.

18h, das Raubkatzenduell Clemson Tigers vs. #21 Auburn Tigers aus dem fantastischen Memorial Stadium („Death Valley“). Bei Clemson weiß noch kein Mensch, wie die Mannschaft nach zwei Siegen gegen Troy und Wofford drauf ist, dafür hat man beim Gegner Auburn ein klareres Bild: Auburn ist fällig. Die Serie an hauchzarten Siegen, die schon vergangenen Herbst begann und sich heuer fortgesetzt hat, hält nicht mehr lange an, zumal ohne die wichtigsten Leistungsträger aus dem letzten Herbst. Heuer ist man 2-0, aber es brauchte die letzten Patronen und Beistände. Gegen Utah State hätte man ohne einen Freak-Onside Kick verloren, gegen Mississippi State rettete ein unglaublicher Goal Line Stand zweimal, beim zweiten Mal um wenige Zentimeter.

Einen traditionellen SEC-Wettkampf gibt es um 21h30 aus den Sümpfen von Florida, wo im Ben Hill Griffin Stadium (Spitzname „The Swamp“) die Florida Gators die Tennessee Volunteers empfangen. Beide mit 2-0 Bilanz, Tennessee durfte man dabei bereits kurz beobachten: QB Tyler Bray scheint ein starkes Standing zu besitzen, dazu überraschte der RB Tauren Poole zuletzt. Gegen Cincinnati brauchten die Vols in Offense und Defense ein paar Drives, um ins Spiel zu kommen, aber irgendwann im zweiten Viertel schaute die Sache dann recht rund aus. Bei den Gators auf der anderen Seite gibt es Hoffnung, dass die Beziehung zwischen dem neuen OffCoord Charlie Weis (ex-Pats, ex-Notre Dame) und dem im vergangenen Herbst so enteierten QB John Brantley „Klick“ macht: Brantley war in den ersten beiden Spielen souverän, die Gegnerschaft allerdings eher aus der unteren Kategorie. Die Vols werden der erste richtige Prüfstein für eine recht unerfahrene Gators-Truppe. Für eine Vorschau auf die SEC bitte hier entlang.

Wer es lieber noch traditioneller hat, kriegt auf Eurosport 2 LIVE den ewigen Klassiker Michigan State Spartans vs. Notre Dame Fighting Irish serviert. Notre Dame steht nach einem ernüchternden Start vor einer 0-3 Bilanz und einer Stimmungs-Implosion. Die Niederlage gegen Michigan hatten so starken Freak-Charakter, dass es schwer ist, hieraus Folgerungen zu schließen – Fakt ist: Die Offense scheint mit QB Tommy Reed langsam auf Trab zu kommen, während es zuletzt in der Defense ärgere Deckungsprobleme als erwartet gab. Michigan State ist noch recht ungetestet, aus dem Vorjahr aber als extrem unspektakuläre, rundum solide und fast immer gefestigt spielende Mannschaft in Erinnerung. Sub-Plot zum Spiel: Vor fast genau auf den Tag vor einem Jahr siegte Michigan State in dieser Partie dramatisch, und nur wenige Stunden nach dem Overtime-Thriller ließ sich Michigan States Head Coach Mark Dantonio mit Schmerzen in der Brust ins Krankenhaus einliefern. Herzinfarkt. Dantonio kehrte erst gegen Saisonende wieder zurück und dürfte am Samstag selbst in Notre Dame ein gefeierter Mann sein.

02h, das Knallerspiel, vielleicht das wichtigste out of conference-Spiel der Saison im College Football, #5 Florida State Seminoles vs. #1 Oklahoma Sooners live aus dem Doak Campbell Stadium, das vermutlich so aufgeladen wie seit zehn Jahren nicht mehr sein wird. Die Seminoles leben heute immer noch von jener Zeit, als sie in den 90ern jahrelang und ohne Unterbrechung Titelkandidaten im College Football waren. Das 2000er-Jahrzehnt war dann allerdings geprägt von Siechtum unter einem immer älter werdenden Head Coach Bobby Bowden, den man letztendlich vor zwei Jahren recht schroff entsorgte, um den dynamischen, offensivorientierten Jimbo Fisher zu befördern. Die Debüt-Saison 2010/11 unter Fisher war eine kleine Achterbahnfahrt mit Höhen und Tiefen. Tiefste Tiefe: Ein 17-47 auswärts bei den Oklahoma Sooners.

Nun das Re-Match, und die Seminoles sind basierend primär auf Reputation an #5 gerankt, haben in den ersten beiden Spielen lockere Heimsiege eingefahren und kommen als Unbekannte in dieses Spiel. Kein Mensch kann abschätzen, wie gut die Mannschaft wirklich ist, da sie einem solchen Test wie den Sooners schlicht seit jenem Spiel im Vorjahr nicht ausgesetzt war. Es ist auch ein Spiel, in dem die gesamte ACC auf dem Prüfstand steht. Ein Sieg über die #1 könnte einiges tun, um den Ruf einer vergammelnden Conference wieder aufzupolieren.

Die Sooners ihrerseits spielen in einer auf breiter Basis deutlich ausgeglicheneren, hochwertigeren Big 12 (noch zumindest) und gehören dort unter Head Coach Bob Stoops (seit 2000) Jahr für Jahr ohne Unterbrechung zu den Topteams, sind fast immer irgendwo in der Nähe der Top-10 gerankt. Der Knackpunkt: Nur allzu oft scheitern die Sooners an den Herausforderungen, wenn es um das National Title Game geht, verlieren unmotiviert ein Spiel und fallen aus den Top-2. Dieser Tage werden diese Geister wieder beschwört.

Oklahoma muss bei Florida State diese Dämonen besiegen, um nicht wieder zu fallen. Man ist an #1 gerankt und das Fenster für den Erfolg könnte sich nach dieser Saison schließen, wenn QB Landry Jones, WR Ryan Broyles und der aktuell verletzte Super-LB Travis Lewis die Uni verlassen, und abseits des Feldes Ungewissheit über die zukünftige Conference-Zugehörigkeit der Universität herrscht.

In der Nacht noch die Arizona Wildcats gegen die Stanford Cardinal in Tucson, ein Spiel mit Pac-12-Relevanz, aber nicht eines, das nach viel Spannung riecht: Die Wildcats wurden vergangenes Wochenende von den Oklahoma State Cowboys und ihrem QB Brandon Weeden zerlegt. Weeden ist ein sehr guter Quarterback, aber nun kommt der Quarterback des College Football daher: Andrew Luck, nach allgemeinem Konsensus der #1-Pick im kommenden NFL-Draft und der Mann, für den manche NFL-Owner eine Katastrophensaison hinnehmen würden.

Stanford hat einige Wechsel in der Offseason hinnehmen müssen, inklusive des Abgangs von Trainer Jim Harbaugh, aber man zählt die Mannschaft weiterhin zur Elite, und das einzig dank Luck.

Sonntag, 18. September 2011

TBD (8h00 bei ESPN America)

Um 10h30 und 13h werden die Nachtspiele wiederholt. Das 8h-Spiel ist nicht bekannt – vor ein paar Wochen hatte ESPNA da Nebraska CornhuskersWashington Huskies drin. Falls es dieses Spiel sein sollte, ist es die dritte Begegnung innerhalb eines Jahres zwischen den beiden. Im vergangenen September begann der Stern von QB Jake Locker nach einer verheerenden Vorstellung gegen Nebraska zu sinken. In der Bowl Season gewannen dann überraschend die Huskies, 19-7 und es war ein scheußliches Spiel. Nebraska gilt heuer als verwundbar, vor allem gegen humorloses Laufspiel über die Mitte scheint die Defensive Line arg verwundbar zu sein. Fresno State wäre mit dieser Taktik fast zum Erfolg gekommen. Washington bringt nun mit RB Chris Polk einen der gefährlicheren Running Backs daher…

Dienstag, 20. September 2011

B.Y.U. – Utah (11h bei ESPN America)

Ein religionsaufgeladenes Spiel zweier mormonisch geprägter Universitäten, das The Holy War genannt wird – darüber gab es gestern ein kleines Stück auf diesem Blog zu lesen. Beide Universitäten sind seit ein paar Jahren recht ambitioniert, streben nach Höherem und sind daher aus der kleinen Mountain West Conference ausgetreten. Utah in die Pac-12, eine BCS-Conference, Brigham Young in die Unabhängigkeit, um langfristig ein mormonisches, westliches Gegenstück zur Notre Dame University aufzubauen. Beide haben am vergangenen Wochenende dezente Enttäuschungen gegen ganz große Gegner einstecken müssen.

Utah verlor das emotional wichtige Conference-Duell bei den USC Trojans 14-23, ein kurioses Spiel mit kuriosem Spielende: Bei 14-17 hatte Utah die Chance, per Field Goal auszugleichen. Der Kick wurde geblockt und mit auslaufender Uhr zum Touchdown zurückgetragen – mit Hundertschaften an Trojans, die den Returner Torin Harris auf dem Weg in die Endzone begleiteten. Die Flaggen flogen, und die Medien nahmen an, der TD wäre aberkannt worden – es ist möglich, Scores abzuerkennen, wenn Spieler auf dem Weg in die Endzone mit dem Jubeln beginnen. Nun hat aber ausgerechnet Harris nicht gejubelt, die Flaggen flogen einzig wegen der vielen Studenten auf dem Feld. Um 22h Ortszeit wurde das offizielle Endergebnis von 14-17 auf 14-23 hochgeschraubt, nicht unwesentlich für die Wettbüros: Der Spread hatte ausgerechnet 8,5 Punkte betragen!! Für Utah wurscht, da die erste Belastungsprobe als BCS-Mitglied nicht bestanden wurde und die große Chance, das Monsterprogramm USC zu putzen, verpasst wurde.

BYU dagegen verlor nach einer desaströsen offensiven Laufleistung 16-17 bei einem anderen Giganten, Texas. Hoffnungsschimmer: QB Jake Heaps soll ordentlich gespielt haben, wie auch die Front Seven – und man kann sich wohl auf die Fahnen schreiben, die turbulente Zeit von QB Gilbert in Texas beendet zu haben.

Diesmal geht es zwischen den beiden bei aller konfessionellen Rivalität sportlich primär um Reputation, darum, wer fürs nächste Jahr mit einem Grinsen durch die Weiten von Utah fahren kann. Fleißaufgabe für die TV-Gucker: Impressionen vom wunderschönen Panorama um das BYU’sche LaVell Edwards Stadium erhaschen.

Mittwoch, 21. September 2011

Connecticut – Iowa State (11h30 bei ESPN America)
Iowa – Pittsburgh (14h bei ESPN America)
Miami – Ohio State (16h30 bei ESPN America)

Iowa und Iowa State haben sich vergangenen Samstag im Zuge des „Cy-Hawk-Trophy“-Spiels die Kante gegeben, nun gibt es beide bei ESPN America als Aufzeichnung zu sehen: Iowa State bei UConn, das zuletzt eine ganz böse Schlappe gegen den SEC-Zwerg Vanderbilt kassierte, Iowa gegen Pitt.

Bei den Iowa State Cyclones redet man sich über den neuen QB-Stern Steele Jantz das Maul fusselig, während UConn schon über den neuen Coach Paul Pasqualoni zu diskutieren beginnt. Iowa? Iowa? Für die Hawkeyes war es mal wieder eine unerwartete, bittere Schlappe gegen vermeintlich unterlegene Konkurrenz.

Pitt hat nur ein blaues Auge davongetragen, wäre am Wochenende fast gegen die FCS-Winzlinge von Maine gefallen, kassierte 7 Sacks und 2 INTs, wurstelte sich aber am Ende zum knappen 35-29, bevor Headcoach Todd Graham sich in der PK einen Versprecher gönnte: „Their guys played hard, they’re well coached, and it is one of these games where we played to the level of competition.“ Nicht nett gemeinte Worte für die eigene Mannschaft, ein Schlag auf die Fresse für den Gegner.

Und dann wäre da noch die „Cheater Bowl“, das Spiel zwischen den Miami Hurricanes und den Ohio State Buckeyes. Beiden Programmen flogen in der Offseason die Skandale um die Ohren, an der so sehr auf Konventionalität bedachten Ohio State University wurden der Quarterback Terrelle Pryor und Pinocchio-Headcoach Jim Tressel nach dem Aufkommen etlicher Lügen rausgeschmissen, während der Skandal in Miami alle bisherigen Dimensionen sprengt, was aufgekommene Ungereimtheiten betrifft, inklusive acht Jahre langer Ignoranz eines persönlichkeitsgestörten Boosters bis hin zu Stripclubs und bezahlten Abtreibungen. Fälle, die die NCAA-Moralapostel nach ihrem eigenen bizarren Regelwerk eigentlich nicht ohne Sanktionen aufarbeiten können – trotzdem dürfen beide vorerst weiterhin im nationalen Fernsehen um Punkte und Touchdowns kämpfen. Spötter meinen, eigentlich sollten sich die beiden in den luxuriösen Büros des NCAA-Kartells ins Indianapolis treffen.

Kuriositätenkabinett College Football: Heiliger Krieg im Mormonenstaat

Der Mormonenstaat Utah tickt generell ein bisschen anders. So auch im College Football, wo es drei Programme in der höchsten Kategorie (Football Bowl Subdivision/Division I-A) gibt: Die Utah Utes (Pac-12), die Utah State Aggies (WAC) und die Brigham Young University (Independent), plus ein FCS-Programm (Weber State).

Die Lokalderbys in Utah sind immer nett. Utah und BYU beweisen, dass der Heilige Krieg auch was Schönes sein kann, ein Footballspiel nämlich: Utah vs BYU wird The Holy War genannt. „War“ ist auch sehr passend für einen Staat, der eine Colt M1911 als „Staatswaffe“ (!) besitzt. Datt „holy“ bezieht sich auf den Kampf von Ultra-Mormonen (BYU) gegen Soft-Mormonen (Utah). Die private BYU in Provo ist von einem konvertierten deutschen Theologen gegründet und nach dem Mormonen-Propheten Brigham Young benannt worden. Die University of Utah in Salt Lake City dagegen ist staatlich, gegründet 1850, mit einer treibenden Kraft im Hintergrund: Brigham Young. Die Feindschaft zwischen beiden Schulen ist abgrundtief.

Utah State gegen BYU dagegen ist The Old Wagon Wheel. Und dann gibt es noch den Bruderkampf, Utah gegen Utah State, genannt The Battle of The Brothers. Weber State „mischt“ nur alle paar Jahre mal mit, ist aber meist hoffnungslos überfordert. Immerhin: 1978 konnten sie mal ein Spiel gegen einen Rivalen gewinnen.

Die Großen 3 spielen regelmäßiger gegeneinander. Wer die meisten Siege holt, bekommt die Trophäe für Utahs bestes College-Footballmannschaft der Saison: The Beehive Boot. „Beehive Boot“ wie Bienenkorb. Die Biene ist im Staate Utah, weil von den Mormonen aufgrund ihres Fleißes dazu erklärt, Staats-Symbol.

Nicht jedes Jahr spielen aber alle Unis gegeneinander (z.B. 2010/11, als Utah vs. Utah State nicht stattfand), weswegen in solchen Fällen die Trophäe per Abstimmung vergeben wird.

2010/11 siegte Utah State mit 14 Punkten gegen BYU, während Utah nur mit +1 gegen die BYU Cougars gewann. Grund genug für die Medienvertreter, Utah State per Akklamation zum Staatsmeister zu küren, zum ersten Mal seit 1997. Utah State hat zum Beispiel sieben Mal die Beehive Boot Trophy gewonnen – dreimal per Abstimmung.

Warum das alles wichtig ist? Dieses Wochenende beginnt der Kampf um den Bienenkorb 2011/12, mit dem Heiligen Krieg zwischen B.Y.U. und Utah – zu sehen bei ESPN America als Tape am nächsten Dienstag, 20. September 2011, um 11h als Aufzeichnung.

College Football 2011/12 Preview: Pac-12 Conference

Drittletzter Teil der langen Vorschauserie. Diesmal geht es um eine Conference, die sich im massiven Aufbruch befindet: Die Pac-12 Conference, die mit dieser Saison mit Utah und Colorado zwei neue Programme willkommen heißt und sogar eine zeitlang mit einer richtigen „Super-Conference“ geliebäugelt hatte. Der Hauptpreis namens „University of Texas“ wurde am Ende aber doch nicht gezogen, wer weiß, vielleicht „noch“ nicht.

Denn: Im neuen, sensationellen TV-Vertrag mit ABC/ESPN und Fox (12 Jahre, 2,7 Milliarden US-Dollar) wurden schon vorsorglich Klauseln für massive Steigerungen eingebaut, sollten Texas und/oder Oklahoma in die Pac-12 wechseln (wenn Texas kommt, kommt wohl auch Texas Tech als staatliche Hochschulen gleich mit). Auf alle Fälle hat Commissioner Larry Scott schon mal eines erreicht: Man spricht über die Pac-12. Und das wird noch mehr gelten, wenn sie in Zukunft anstelle von halb elf Uhr abends in der Primetime (Atlantikküste) spielen werden – auf ABC anstelle von Versus.

Sportlich gesehen hat sich die Pac-10/12 in den letzten Jahren immer mehr gen Osten geöffnet, nachdem man vor Jahren den Ruf hatte, inzestuös unter sich zu bleiben und die out of conference games maximal gegen die MWC anzusetzen.

Northern Division

„Gen Osten geöffnet“, wie das großartige Eröffnungsspiel Oregon vs. LSU, das heute Nacht stattfinden wird. Die Oregon Ducks gelten auch heuer wieder als einer der großen Titelkandidaten, in der Pac-12 Conference sowieso, aber auch im Rennen um den BCS-Titel. Oregon zeichnet unter dem Head Coach Chip Kelly eine fantastisch schnell spielende Offense aus, eine Augenweide, wenn sie ins Rollen kommt, voll mit Option-Laufspielzügen und quicken Pässen.

Kernspieler des Angriffs ist der nicht koschere, aber unglaublich wendige RB LaMichael James, mit seiner Zierlichkeit nicht gerade NFL-Gardemaß, aber für das College ein idealer Running Back mit einem idealen Komplementärspieler in RB Kenyon Barner, der ein paar Kilos mehr wiegt. Dazu gesellt sich mit Darron Thomas ein laufstarker Quarterback, sodass Oregon über 300yds/Spiel erläuft – und Thomas legt dann noch mal über 250yds/Pass drauf!

Die Offense erfordert mit ihrer atemberaubenden Geschwindigkeit (oft keine 20sek zwischen den Spielzugende und Snap des nächsten Spielzugs) aber ein hohes Maß an Konzentration und ist gegen physisch starke Gegner anfällig – und dann kommt noch die Befürchtung dazu, dass nach zwei Jahren irgendwann die Defensive Coordinators dieser Erde wirksame Gegenmittel finden dürften, nachdem simulierte Verletzungen im vergangenen Herbst nur zeitweise halfen.

Oregon muss heuer allerdings weite Teile seiner Offensive Line und Wide Receivers ersetzen. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass die Offense immer ein paar Pünktchen mehr scort als die überdurchschnittlich gute Defense zulässt – und dann gibt es noch den großartigen CB/PR Cliff Harris, ein Mann, der allerdings heute Nacht gegen LSU wegen interner Sperre fehlen wird.

Manche sehen in den Stanford Cardinal den großen Gegenspieler Oregons. Das hat trotz des Abgangs von Head Coach Jim Harbaugh einen veritablen Grund, der sich da nennt: QB Andrew Luck. Ich sehe erst die fünfte volle Saison College Football, aber trotz Ryan, Stafford, Tebow oder Bradford gab es dabei keinen Quarterback, über den sich unisono alle Experten und Möchtegernexperten so einig waren. Luck gilt als Superstar und sicherer #1-Draftpick und allein seine Präsenz in dieser Mannschaft macht Stanford zum BCS-Titelanwärter.

Wir sprechen hier in der Tat von einem QB, dem man sein Standings anmerkt, ein extrem cooler Mann auch unter Druck, und ein Mann mit Hirn: Luck verzichtete auf den NFL-Draft, um seinen Architektur-Abschluss machen zu können. Theoretisch ist Luck heuer erst Junior, aber nach dem bereits abgeschlossenen Studium zweifelt niemand mehr daran, dass in diesem Herbst manche NFL-Fans (Buffalo, Washington, Seattle, I’m looking @ you!) auf Niederlagenserien ihrer Teams hoffen, um 2012 Luck an #1 draften zu können.

Der neue Head Coach David Shaw geht in dem Trubel um den QB ganz unter, ist ein recht junger Coach und gilt als sehr gewissenhafter Tüftler in der Spielvorbereitung. In der Defense liegen aber die größeren Probleme, wo mit DefCoord Vic Fangio der Stratege hinter der eigentlichen Erfolgsstory der Cardinal mit Harbaugh ein paar Kilometer weiter zu den 49ers gegangen ist und in der 3-4 Defensive Line nach wichtigen Abgängen nur Leichtgewichte spielen. Stärke ist das Defensive Backfield mit einem sehr guten Duo an Safetys.

Bei Stanford wird der Schedule insbesondere ab Mitte Oktober knackig: Die letzten sechs Spiele gegen gegen Washington, @USC, @Oregon State, Oregon, California und als Abschluss out of conference gegen Notre Dame. So eine Spanne muss eine Mannschaft erst einmal unbeschadet überstehen.

Stanfords traditioneller Erzrivale ist die University of California/Berkley, kurz Cal. Das Programm nennt sich Golden Bears und spielt seit Menschengedenken im Memorial Stadium, wo man auf dem dahinterliegenden Hang sitzend einen Gratisblick auf das Spielgeschehen werfen kann. Beziehungsweise konnte. Cals Stadion wird heuer renoviert, weswegen sie diesen Herbst auswärts in San Franciscos neuem Baseballpark AT&T spielen werden.

Head Coach ist der QB-Entwickler Jeff Tedford, der nach ein paar durchwachsenen Jahren vor der Entlassung steht. Die Offense war zuletzt der Schwachpunkt, u.a. gingen mit Jahvid Best (Detroit) und Shaun Vereen (New England) nacheinander die besten Running Backs flöten. Neuester Trumpf: Der fassungslos explosive WR Keenan Allen. Allein: Wer die Bälle werfen soll, weiß noch kein Mensch. Die Defense wird von einem bekannten Gesicht gecoacht: Clancy Pendergast. In Erinnerung bleibt die gigantische Leistung gegen Oregon, als deren Sensationsoffense gänzlich abgewürgt wurde.

Trotz schwacher, verletzungsgeplagter 2010er-Saison gilt Mike Riley bei den Oregon State Beavers als brillanter Head Coach, ein Name, der bei fast jedem frei gewordenen Trainerposten bei jedem großen Collegeprogramm im Gespräch ist. Riley steht im Ruf, immer dann zu brillieren, wenn alles gegen ihn spricht, und er hat sich in Corvallis ein so schickes Leben aufgebaut, dass er bislang allen Verlockungen standhielt. Krass dazu im Gegensatz steht Rileys NFL-Episode in San Diego. Dazu nur ein Stichwort: Ryan Leaf.

Bei „Ryan Leaf“ ist auch „Washington State“ nicht weit entfernt. Dort erlebte man die besten Jahre eben unter dem Mann, der sich heute mit Jamarcus Russell um… ach, Sie wissen schon. Mittlerweile liest sich eine 2-10 Bilanz im Herbst 2010 als Fortschritt und man riskiert, selbst von den lächerlichen Idaho Vandals ums Eck nass gemacht zu werden. Paul Wulff hat in drei Jahren fünf von 37 Spielen gewonnen und kriegt nun die allerletzte Chance. Trotzdem gilt es als fast hausgemacht, dass Robb Akey im Winter übernehmen wird. „Akey“ wie „Head Coach bei Idaho“.

Dabei hätte Wulff einen herausragenden Quarterback in Jeff Tuel (junior), gepaart mit einem sensationellen Wide Receiver in Marquess Wilson, der als Freshman jüngst über 1000yds machte. Problemzonen wie unterirdisches Laufspiel, Schweizerkäseoffensiveline und Vergammelteschweizerkäsedefensiveline übertünchen die wenigen Stärken.

Den großen Rivalen, die Washington Huskies aus Seattle, freut’s. Die haben zwar mit QB Jake Locker Herz, Seele und Gesicht des Teams verloren, aber der wichtigste Mann ist geblieben: Head Coach Steve Sarkisian, der innerhalb kürzester Zeit einen Trümmerhaufen konkurrenzfähig gemacht hat. Der neue QB Keith Price gefällt als Werfer sogar besser als Locker, ist dafür fußsteif wie Holzkohle. Das Laufen übernimmt dafür Super-Running Back Chris Polk, dessen 177yds in der Bowl gegen Nebraska noch nicht vergessen sind. Gemeinsam mit dem WR Jermaine Kearse hat Sarkisian da womöglich eine Nordwest-Version der Triplets beisammen.

Die Defense Line der Huskies liest sich sehr „hawaiisch“: Ankermann DT Alameda Ta’amu wird flankiert von Namen wie Sione Potoa’e, Semisi Tokolahi, Lawrence Lagafuaina, Hau’oli Jamora. Irgendwelche Fragen, wo hier rekrutiert wurde?

Für Washington wird das dritte Aufeinandertreffen innerhalb eines Jahres gegen Nebraska am 19. September zum Stimmungsbarometer. Obwohl out of conference, kann mit einem Sieg ein ganz wichtiger Schritt zurück zum alten Glanz gemacht werden.

Southern Division

Die Süd-Division gilt als gänzlich offen, was soweit geht, dass manche den Neuling, die Utah Utes, für den Favoriten halten. Die Utes haben sich in den letzten Jahren einen Ruf als BCS-Spoiler gemacht und neun der letzten 11 Spiele gegen BCS-Gegner gewonnen. Nun ist man selbst „BCS“, ein Move, der womöglich unter anderem auch den Verbleib von Head Coach Kyle Wittingham gesichert hat.

Der neue Offensive Coordinator ist der allseits bekannte Norm Chow, und immer wenn Norm Chow am College die Mannschaft wechselt, bedeutet dies Diskussionen über die Abkehr von der Spread Offense hin zu einer „pro style“-Offense, wie man auch immer „pro style“ auffassen will. Auf alle Fälle in Salt Lake City ein neues System für den bisher wenig herausragenden QB Jordan Wynn.

Die Mannschaft besitzt keine herausragenden Stärken und trägt die Last des Newcomers mit sich. Kollateralschaden einer möglicherweise schwachen Saison (sagen wir: 6-6 oder so) könnten Universitäten wie BYU oder Boise State sein, deren wahre Stärken wieder in Frage gestellt würde…

Utah muss beim möglicherweise entscheidenden Divisionsspiel um den Einzug ins Pac-12 Finale auswärts antreten. Gegen die University of Southern California. Die Trojans sind noch in dieser Saison von der Bowl Season ausgeschlossen – eine Spätfolge der unsäglichen Zeit unter Pete Carroll mit massivem ESPN-Hype, gefaketen und nicht gefaketen Landesmeistertiteln, die im Nachhinein wieder aberkannt wurden. Offensive Coordinator damals: Lane Kiffin. Und eben jener Lane Kiffin, auch bekannt geworden als Großmaul bei den Oakland Raiders, ist seit eineinhalb Jahren in Los Angeles am Werkeln. Der Mann, der so leicht zu verabscheuen ist, scheint auch bei USC keinen allzu leichten Stand zu haben und könnte bei entsprechend schwachem Saisonverlauf im kommenden Herbst schon vor dem Rauswurf stehen.

Und Kiffins Trojans riskieren eine ungemütliche Saison. Der Kader ist nicht gerade sonderlich tief besetzt (eine Folge der reduzierten Stipendien?), der RB Mark Tyler ein Stinkstiefel, der #1-WR Robert Woods leidet unter Stimmungsschwankungen (als Spieler) und die Defense war in der vergangenen Saison grottenschlecht, vor allem in der Secondary – eine Monty-Kiffin-Defense!

Der große Superstar ist QB Matt Barkley, der jüngste in einer Reihe an hochkarätigen USC-Quarterbacks in der letzten Dekade. Barkley ist ein Posterboy vor dem Herrn, ein Mann, der für arme Kinder in Mexiko und Südafrika Häuser baute und entsprechende Parallelen zu Tim Tebow aufkommen lässt. Diese beschränken sich aber auf das Leben neben dem Spiefeld. Barkley ist ein Gunslinger-Typ, ein typischer NFL-Quarterback, und fast alle glauben, dass Barkley 2012, ein Jahr zu früh, in die NFL wechseln und ein Top-Pick sein wird.

Die sportliche Variante von „nicht bowl-eligible“ bietet USCs Stadtrivale, die UCLA Bruins, die unter dem – wir bleiben diplomatisch – zweifelhaften „Slick“ Rick Neuheisl Jahr für Jahr schlechter werden und sich per Saisonbilanz selbst aus dem Rennen nehmen werden. Zumindest gehen alle Saisonprognosen dahin. UCLA hat zwar eine recht starke Lauf-Offense und keine zu verachtende Defensive Line, aber ansonsten zwicken mehrere Sorgen, angefangen bei der Grundstimmung im Footballprogramm bis hin zum extrem verletzungsanfälligen QB Kevin Prince Boateng.

Ähnlich schlecht ist die Stimmung beim neben Utah zweiten Neuzugang der Pac-12, den Colorado Buffaloes. Nach Jahren der Kontroversen wurde Head Coach Dan Hawkins abgesägt und mit Jon Embree nun ein neuer Mann – ein Colorado Man – eingestellt. Täuscht es, oder ist die Qualifikation „kennt die Uni und das Umfeld“ immer mehr ein Qualifikationsmerkmal für Head Coaches? Embree hat nicht einmal Erfahrung als Coordinator, trotzdem gilt der Mann als Messias. Es soll eine neue, bodenständige Offense eingeführt werden, ganz klassisch mit Fullback und Quarterback mit Händen am Arsch des Centers, anstelle von Shotgun Spread. Der Angriff soll getragen werden vom Winzling RB Rod Stewart (1,67m, 79kg), der ungeachtet seiner physischen Limits 2010/11 mal eben 1318yds und 10 Touchdowns hinknallte. Da passt auch die Defense ins Bild, die allerorts als undersized angesehen wird und im wahrsten Sinne des Wortes „wachsen“ muss, vor allem wenn ich an die Passgewalt der Gegnerschaft im Schedule denke (QBs wie Barkley, Luck, Foles, Moniz warten).

Von der Einsamkeit der Rocky Mountains in die Wüste von Arizona, dort wo in Tucson die Arizona Wildcats versuchen, den katastrophalen Kollaps von 2010/11 vergessen zu machen (aus 7-1 zum Start wurde 7-6 am Ende). Kein Spiel spiegelte den Saisonverlauf besser wieder als jenes in Oregon, als man eine Halbzeit lang mit spektakulärer Defense und Big Plays in der Offense führte, um in Halbzeit #2 32 Punkte zu kassieren und noch haushoch zu verlieren.

Head Coach ist Mike Stoops, Bruder von Oklahomas Bob, und Quarterback ist Zottelbock Nick Foles, ein Topmann, kein Scrambler, aber extrem agil in der Pocket und wurfgewaltig. Foles und seine Passarmada blasen ihr letztes Halali (allesamt Seniors), und sie müssen es hinter einer zu 100% erneuerten Offensive Line machen.

Arizonas schmerzhaftestes Spiel war jenes zum Abschluss der Regular Season, ein durch unfassbare Special-Teams-Fehler verlorenes Lokalderby gegen die Arizona State Sun Devils aus Tempe. Eben jenes Spiel gab den Sun Devils die Initialzündung zu einem kaum nachvollziehbaren Hype: 2010/11 würgte man sich dank zweier Siege gegen FCS-Gegnerschaft zu einer 6-6 Bilanz. Es sind Bestandteile vorhanden: Die Laufdefense gehört zu den allerbesten – im Vorjahr wurde Washington State folgendermaßen abgewürgt: 65 Carries, -47 (minus siebenundvierzig) Yards. Ein Schnitt von -0,7yds/Carry. Auch wenn am College Sacks als Laufspiel gewertet werden, bleibt dies eindrucksvoll. Anker der Defense ist der monströse LB Vontaze Burfict, ein Bulle und zukünftiger NFL-Profi.

Das bekannteste Gesicht in Tempe ist aber noch Head Coach Dennis Erickson, der seit Ewigkeiten coacht und alles gesehen hat, von College-Höhen (2x National Champ mit Miami) bis hin zu NFL-Tiefen (Seattle, San Francisco) und Ericksons Zeit bei den Sun Devils spiegelt diese Achterbahnfahrt wieder: 10-3 im ersten Jahr, danach auf dem absteigenden Ast und nun wird wieder ein Ausbruch nach oben erwartet.

Gespannt darf man vor allem auf den riesigen, neuen Quarterback Brock Osweiler sein (2,03m), dessen Arme krakeelenartig sind und selbst jene der freakischsten Offense Liner in den Schatten stellen. Arme, die wunderbar in die Spread offense von Arizona State passen. Fragezeichen bleiben hinter RB Deantre Lewis, der in der Offseason niedergeschossen wurde und nicht sicher fit für die Saison werden wird.

Die nächste Conference kommt morgen früh und ist eine Conference, von der man nicht behaupten könnte, dass sie nach außen geschlossen auftritt.

Las Vegas Bowl 2010 in der Nachbetrachtung

Ich warne vor Spoiler.

 

 

Der Zeitpunkt der Spielansetzung war für europäische Zustände unchristlich, aber ich habe mir die Las Vegas Bowl trotzdem live gegeben. Es hat sich nur bedingt gelohnt. Die spielerische Klasse war definitiv nicht da. Die Spannung auch nicht. Der Unterhaltungswert der Las Vegas Bowl 2010 zog sich aus einer Orgie von Pleiten, Pech und Pannen und einigen Schlägereien nach ein paar unglücklichen Pregame-Statement via Mikro und Twitter.

Vorausgeschickt: Respekt an die Defense der Utah Utes. Kyle Whittinghams Jungs haben mit diszipliniertem Pass Rush und aggressivem Draufgehen auf die Ballträger die Offense der Boise State Broncos vergleichsweise gut unter Kontrolle gehalten. QB Kellen Moore musste vor allem zu Beginn des Spiels einige sehr überhastete Bälle werfen, von denen einige sehr gefährlich in die Nähe der Defensive Backs flogen und einer ganz abgefangen wurde.

Die Broncos kamen lange Zeit offensiv einfach nicht in Gang. Erst Mitte des zweiten Viertels sorgte ein toller Lauf von RB Doug Martin für die Wende. Boise State bis dahin mit drei Ballverlusten, aus denen die Utes nur drei Punkte schlagen konnten. Der Lauf über 84yds war so was wie der Knackpunkt. In Viertel #2 überrollten die Broncos Utah plötzlich. Bei einem Pass in die Endzone auf WR Titus Young hatten die Utes noch mal Glück, als Young mit einem Zeh auf der weißen Linie war. Sonst hätte der Halbzeitstand trüber ausgesehen als 16-3.

Die Utes spielten ohne ihren etatmäßigen QB Jordan Wynn, und der Backup Terrance Cain brachte nur sehr wenig zustande. Die Utes versauten meist schon das 1st down. Nicht nur einmal wurde Cain bei den einfallslosen Option-Spielzügen mit -10yds bestraft. Vor allem der Safety der Broncos, #17 Winston Venable, hat mir auf seinen Blitz-Routen gefallen. Starker Mann, aggressiv und kein Tackle verpassend. Lieber NFL-Scout, hoffentlich haben Sie zugeschaut.

Utah oft mit 2nd und plusminus 20, daraus folgenden langen dritten Versuchen und vielen Drives, die daher praktisch keinen verwerteten 3rd downs. Zwei von 13, um genau zu sein. Eine unterirdische Quote, aber bei Betrachten nicht verwunderlich. Boise States Defense machte die Drives fast immer schon beim First Down zunichte.

Auf der anderen Seite wurden die Broncos offensiv immer dominanter, obwohl es nicht „rund“ wirkte. Immer wieder stießen die Broncos in die Redzone vor. Ergebnis: Ein einziger Touchdown (WR Austin Pettis) und ein Field Goal. Weitere Scores wurden eigenverschuldet zunichte gemacht. Einmal lief Pettis nach herrlichem Slant-Pass in die Endzone, aber an der 2yds Line wurde der Ball aus der Hand geschlagen. Young griff sich das herumkullernde Ei, aber um wenige Zentimeter aus dem Spielfeld – Touchback.

Ein kurzes Field Goal Brotzmans geblockt. Bei einem Punt-Fake den Ball obwohl meilenweit allein auf weiter Flur den Ball fallengelassen. Auf der anderen Seite machten sich die Utes Drives auch selbst kaputt. Fumble, Holding beim Touchdown-Pass, verkicktes Field Goal aus 36yds.

Es war kein gutes Spiel, aber unterhaltsam, weil beide Mannschaften keinen Wert drauf legten, das Ei zu beschützen. 6-7 Fumbles, eine Serie an verpassten Möglichkeiten, eine Serie von Strafen zur Unzeit, vor allem auf Utahs Seite. Am Ende ein hochverdientes 26-3 für Boise State, aber man muss klar sagen: Mit dieser Vorstellung hätten die Broncos auch nicht in eine BCS Bowl gehört. Trotzdem machte BSU 543yds Offense und 23 First Downs.

Utah wird nun in die Pac-12 wechseln. Die Utes sollten froh sein, dass QB Wynn Sophomore ist. Cain hat sich nicht wirklich als Alternative aufgedrängt. Aber die Defense hat insgesamt ordentliche Arbeit geleistet.

Für Boise State wird es bitterer. Vor allem in der Defense wird es einen Aderlass geben. In der Offense werden beide Top-WR, Young und Pettis, die Mannschaft verlassen. Aber schlimmer: Aufgrund der völlig unnötigen Niederlage gegen Nevada wird die Mannschaft auch in der kommenden Saison mit Argusaugen betrachtet werden. Jede Wette. Diese verschossenen Field Goals hängen noch lange nach. Und die Recruitings schauen bisher nicht sooo überragend aus.

Spieler der Saison in Boise ist für mich QB Kellen Moore. Extrem gelassener Mann, mit präzisen Würfen und der Möglichkeit, auch rattenscharfe tiefe Bälle zu werfen (ich erinnere an die Bombe gegen Nevada mit neun Sekunden auf der Uhr!). Moore sollte NFL-kompatibel sein, mit Sicherheit NFL-kompatibler als Vorgänger QB Jared Zabransky. Die Kommentatoren sprechen Moore eine solide Backup-Karriere in der NFL zu. Wenn ein Daniel McCoy in Cleveland starten kann, warum nicht Moore an einem besseren Ort? Aber erstmal sollte Moore noch sein Senior-Jahr spielen.

So long. Boise State, auf ein Neues 2011.