NFC Wild-Card Preview 2018/19

Playoff-Football!

Einmal in der Halle – aber einmal auch in der Kälte: die NFC Wild-Card Playoffs 2018. Korsakoffs Schottenheimer-Allergie hat zur Schreibblockade geführt, darum übernehme ich das hier. Die Preview auf die beiden Spiele der AFC gibts hier. Im Folgenden die NFC: Das Tony-Romo-Gedächtnisspiel Seattle@Dallas und die Knochenbrecher aus Chicago gegen den Super-Bowl-MVP. Weiterlesen

Glaskugel 2012: San Francisco 49ers

Spread Formations, zone blitzes, it´s a passing league – pfff, nur Amateure brauchen sowas! Die San Francisco 49ers, die lange Jahre für Innovationen und modernen Football standen, spielen lieber Football wie in den 80er Jahren – und sind damit erfolgreich. Letztes Jahr hat es für 13 Siege in der regulären Saison und einen Besuch im NFC Championship Game gereicht.

Dafür brauchten die `Niners nicht mehr als eine bärenstarke Defense und hervorragende Special Teams. Die Angriffsspieler waren nur im Kader um das Roster vollzumachen. Was der neue Staff um Ex-Stanford Head Coach Jim Harbaugh mit seinem Staff um Offensive Coordinator Greg Roman und Defensive Coordinator Vic Fangio (beide hat Harbaugh von den Cardinal mitgebracht) innerhalb so kurzer Zeit auf die Beine gestellt hat, war atemberaubend.

Dabei war das Konzept so unglaublich simpel und offensichtlich, daß die anderen Entscheidungsträger der NFL das wohl für unter ihrer ach-so-fortschrittlichen-Würde befinden und es darum nicht selber auf diesem Wege versuchen. Im Angriff wird gelaufen, gelaufen, gelaufen, ab und zu mal ein Trickspielzeug eingestreut (Trickspielzüge sind in der angeblich furchtbar modernen NFL auch immer seltener geworden) und gepaßt wird nur bei 3rd&longs. In der Defense macht San Francisco auch nichts besonderes, sondern sagt einfach: „meine Jungs sind stärker als deine Jungs!“

49ers Special Teams

Dazu kommt noch, daß wohl keine Mannschaft der NFL die Special Teams so wichtig nimmt wie SF. Sie haben das verstanden, was korsakoff hier immer wieder predigt: field position ist einer der wichtigsten Aspekte beim Football. Der Angriff der `Niners hat bedingt durch die starken Special Teams und die Defense ihre Drives durchschnittlich an der 34-Yard-Linie begonnen.

Das bedeutet, daß sie nur drei gute First Downs benötigen, um in field goal range zu kommen, wenn man einen so starken Kicker wie David Akers hat. Eine Mannschaft wie Carolina, die eine viel explosivere Offense hat, beginnt ihre Drives durchschnittlich an der 28-Yard-Linie und weil sie einen schwächeren Kicker habt benötigt sie mehr als vier First Downs um ein einigermaßen sicheres Field Goal versuchen zu können. Das ist ein riesiger Unterschied.

Punter Andy Lee hat eines der stärkste Beine im Business und die coverage units bei Punts wie Kickoffs sind auch allererste Güte. Auch geblockt wird für Kick- und Puntreturner Ted Ginn, Jr. ganz hervorragend. Mehr als 27 bzw. 12 Yards pro Return sprechen für sich. Special Teams tendieren dazu, in manchen Jahren Ausreißer nach oben wie nach unten zu haben. Aber selbst wenn es für San Franciscos ST nach der grandiosen Saison 2011 wieder etwas nach unten gehen sollte, werden sie immer noch zu den besten gehören, schließlich haben sie so gut wie keinen wichtigen Spieler verloren.

49ers Defense

Neben den Special Teams sorgt die Verteidigung regelmäßig für gute field position, weil sie gegnerische Drives so oft schon im Keim erstickt. Das besondere an Fangios Defense ist, daß sie gar nichts besonderes macht. Den Luxus kann sich der DC erlauben, weil die front seven absurd viel individuelles Talent in sich vereinigt. DE Justin Smith und die beiden ILBs Patrick Willis und NaVorro Bowman sind drei der besten Verteidiger der ganzen Liga, nicht nur drei der besten Spieler auf ihren jeweiligen Positionen. Smith ist körperlich so stark wie zwei Bären und hat in mehr als 10 Jahren NFL so viel und gut gelernt, daß er unstoppable ist. Man kann einfach nichts gegen ihn machen.

Willis und Bowman spielen beide wie Ray Lewis in seinen besten Jahren. Sie können das Spiel unglaublich gut lesen, haben einen todsicheren Instinkt, der sie niemals im Stich läßt und sind so athletisch wie Safeties. Außen spielen der mehr als solide Ahmad Brooks und Aldon Smith, der letztes Jahr als Rookie fast ausschließlich in der Nickel-D gespielt hat und trotzdem 14 Sacks sammeln konnte. In dieser Saison soll er immer spielen und muß erst beweisen, wie gut er gegen den Lauf und in Coverage ist.

Vorne, neben Smith, spielen mit DE Ray McDonald und NT Isaac Sopoaga zwei starke Typen, die in den meisten anderen Teams Leistungsträger wären. Hier haben sie den Luxus, nur dier vierte, fünfte oder gar sechste Geige spielen zu müssen und bekommen darum viel weniger Aufmerksamkeit von der Offense.

Ein wenig dünner wird es in der Secondary. Die Cornerbacks Carlos Rogers und Tarell Brown sind solide. Mehr aber auch nicht. Sie sehen vor allem gut aus, weil bei ihnen hinten oftmals nur weggeworfene Verzweiflungspässe ankommen. Auch die beiden Safeties Dashan Goldson und Donte Whitner sind durchaus gute Leute, sehen aber durch die starke front seven (noch) besser aus, als sie tatsächlich sind. Glücklicherweise für alle Beteiligten gibt es keinen Grund, daß diese in der kommenden Saison schlechter sein sollte als letztes Jahr.

Es gibt nur ein Manko in Fangios Truppe: mangelnde Kadertiefe. Auf kaum einer Position gibt es gute Backups. 2011 ist das nicht weiter aufgefallen, weil San Francisco unglaubliches Verletzungsglück hatte. Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß man auch 2012 fast völlig verletzungsfrei die Saison übersteht.

Offense 49ers

Kadertiefe ist dagegen kein Problem auf den skill positions in der Offense. Nachdem die beiden besten Wide Receivers letztes Jahr Michael Crabtree und ein Kegel aus dem Materialraum waren, hat GM Trent Baalke kräftig eingekauft. In der Draft hat man in der ersten Runde den schnellen A.J. Jenkins gedraftet, auf dem Free-Agent-Market Mario Manningham von den Giants verpflichtet und vom Arbeitslosenmarkt den Typen geholt, der früher mal Randy Moss war. Das sind jetzt alles keine großen Nummern, aber wenigstens kann der Kegel wieder zurück zur Mat-Gruppe. Da OC Roman am liebsten eh mit höchstens zwei WRs gleichzeitig spielen läßt, ist SF also gegen Verletzungen einigermaßen gefeit.

Schedule

Wk1 @ GB
Wk2 v DET (SNF)
Wk3 @ MIN
Wk4 @ NYJ
Wk5 v BUF
Wk6 v NYG
Wk7 v SEA (TNF)
Wk8 @ ARI (MNF)
Wk9 BYE
Wk10 v StL
Wk11 v CHI (MNF)
Wk12 @ NO
Wk13 @ StL
Wk14 v MIA
Wk15 @ NE (SNF)
Wk16 @ SEA
Wk17 @ ARI

Auch Running Backs haben die 49ers mehrere und die sind sogar besser als die Receivers. 2nd-year man Kendall Hunter wird sich wohl mit dem immer noch ganz guten Frank Gore die Aufgaben als Nr. 1 teilen. Im April wurde der explosive space player LaMichael James von der explosivsten aller Offenses – Oregon Ducks- verpflichtet. Für short yardage situations wurde DT RB Brandon Jacobs ins Boot geholt. Damit hat man jeden Spielertypen, den man laut Lehrbuch für ein gutes running game braucht.

Die werden auch alle bitter benötigt, denn von der Offensive Line kann nicht viel Unterstützung erwartet werden. Keiner der fünf – Joe Staley, Mike Iupati, Jonathan Goodwin, Alex Boone und Anthony Davis – ist irgendetwas besonderes. Weder reißen sie große Löcher im Laufspiel noch können sie Quarterback Alex Smith schützen.

Und Smith müßte ganz besonders geschützt werden. Der ehemalige Nr. 1 overall pick ist einfach kein guter NFL-Quarterback und wird es wohl auch nicht mehr werden. Sein decision making ist auf Tebow-Niveau, das Spiel ist zu schnell für seinen Kopf und einen starken Arm hat er auch nicht. Aber hey, was macht das schon in der angeblichen „Passing League NFL„? Sowohl Tebow als auch Smith haben letztes Jahr Playoffspiele gewonnen.

Was diesm Angriff explosive Momente gibt sind 1) TE Vernon Davis und 2) seltene (Trick-)Spielzüge. Er macht es nicht konstant und auch nicht gegen sehr disziplinierte Defenses, aber immer mal wieder kann Davis ein Big Play hinlegen, wenn er einen Linebacker oder Safety vernascht. Meistens muß er aber die Notfalloption underneath für den hilfesuchende Smith geben.

San Francisco versucht daher öfter als alle anderen Mannschaften mit end arounds, wilden Blockformationen im Laufspiel und mutigen Laufspielzügen für den QB (!) bei dritten Versuchen (hallo Saints!) wenigstens mal ein wenig Feuer aus dem lahmen Haufen herauszuholen. In der Offseason sollen sie jetzt auch noch read options mit QB Colin Capernick in ihr Repertoir mit aufgenommen haben.

Ausblick 49ers

Die San Francisco 49ers sind sehr solide aufgestellt. Sie werden zwar höchstwahrscheinlich nicht mehr so viel Turnover-Glück wie letztes Jahr haben, als ihnen scheinbar jeder Fumble in die Hände gesprungen ist, aber die Special Teams und die Defense sind for real. Das war kein Zufall. Mit der nicht überragenden Secondary dürfte es schwierig werden, so stark wie 2011 zu sein, aber eine Top-5-Unit ist das allemal – solange sich nicht mehrere Leistungsträger gleichzeitig verletzen.

Die Offense wird so mit durchgeschleppt. Gefährlich könnte es hier nur werden, wenn man Smith zuviel zutraut. Die Gleichung ist einfach: mehr mutige Entscheidungen + mehr tiefe Pässe für die neuen Spielzeuge = viel mehr Interceptions. Umschifft man diese gefährlichen Klippen, sollten die `Niners auf die Krone der NFC West sein, aber nur mit ganz viel Glück in Sachen Turnovers, Verletzungen und auf Trickspielzüge hereinfallende Verteidigungsreihen in den Playoffs wird es nicht für den ganz großen Schocker langen.

San Francisco 49ers in der Sezierstunde, die dritte

49ers in der etwas anderen Sezierstunde zum Dritten. Diesmal wieder ein Zweierpack. Heute wird nicht die Offense auseinander genommen, sondern die Defense, wieder von Martin, Reiner und Chris von der 49ers Fanzone.

#6 Trotz 36 Sacks – San Franciscos Front Seven wirkte phasenweise weniger dominant als das Spielermaterial vermuten ließe. Jetzt kräht die halbe NFL nach einem Top-Pass Rusher – auch die 49ers?

* Reiner:

Definitiv! Zwar kann bereits eine insgesamt aggressiver auftretende Defense – die letzten Spielzeiten wirkte die Defense oft, als dürfte sie nur mit angezogener Handbremse spielen – helfen und Druck vom Defensive Backfield nehmen. Dennoch fehlt den 49ers seit Jahren ein Spieler, der konstant Druck auf den gegnerischen QB ausübt und auch seine Sacks erzielt. Diesen Druck zu erzeugen soll und muss eine der ersten Aufgaben der Defense unter dem neuen DC Vic Fangio sein, und ein Top Pass Rusher via Draft (Miller? Quinn?) sollte Ende April eine der interessantesten Optionen für die 49ers sein, denn über die Free Agency einen Pass Rusher zu bekommen könnte extrem teuer, wenn nicht sogar unmöglich sein.

* Martin:

36 Sacks? Echt? Es sind gefühlte 10… Jedes Team sucht gute Pass-Rusher, egal wie viele es schon auf dem Roster hat. Davon kann man kaum genug haben. Die 49ers suchen seit Jahren, allerdings suchen sie auch seit Jahren ein vernünftiges System in der Defense. Manusky hat die Defense ein wenig gradliniger gemacht, was schon mal ein guter Schritt nach vorne war. Aber genau wie in der Offense hatte man den Eindruck, dass Mike Singletary hier auf veraltetete Konzepte gesetzt hat und mehr drin gewesen wäre. Die Defense hat deutlich mehr Lücken als die Offense und da es vermutlich keinen QB in Runde 1 gibt, wäre Pass-Rusher eine gute Wahl – genau wie CB – oder NT – oder…

* Chris:

Die 49ers haben das Spielermaterial um einen guten Pass Rush zu haben. Man darf nicht vergessen, dass die praktisch gleiche Crew im Vorjahr in den Top 5 war, was Sacks angeht. Doch war man vermutlich nicht innovativ genug und so stellten sich die Gegner auf die 49ers besser ein. Vic Fangio muss hier eine aggressivere Truppe aufs Feld schicken; die Front 7 gemeint, nicht die übermotivierten CBs. Ich denke den 49ers fehlt es nicht an einem OLB als Pass Rush Spezialist. Es wären Leute da, die das in Personalunion machen können (Lawson, Haralson, LaBoy), doch wurde diese Gruppe halt nicht entsprechend eingesetzt. Hilfe ist immer willkommen, doch hat die Defense ja auch noch andere Löcher. Wie Martin richtig sagt, muss man sich auch um CB, NT, FS und den zweiten ILB neben Willis kümmern. Ich erwarte, dass die 49ers neben zwei QBs auch zwei OLBs und mindestens zwei DBs während der Draft zu ihrem Team hinzufügen.

#7 In der wackeligen Secondary wirkt der teure Nate Clements immer mehr wie ein überbezahlter Destabilisator. Wie dringend braucht es Verstärkung, oder traut man dem Duo Fangio/Donatell Verbesserung durch Coaching zu – vor allem mit Donatells fürchterlichen Secondarys in Denver im Hinterkopf?

* Martin:

Genau meine Frage :). Wenn man böse sein will – und in Bezug auf Clements bin ich das – hat er alleine dafür gesorgt, dass die 49ers die Play-Offs nicht erreicht haben. Sein Fehler führte dazu, dass die Seahawks im ersten Spiel die Kurve bekommen haben und sein Fehler war einer der Hauptgründe für die Niederlage gegen die Falcons. Auch sonst hat er – wie in den letzen Jahren auch – nicht viel für seine Millionen gezeigt. Die ganze Secondary ist eine Baustelle, aber die Position des #1 CB ist die größte Schwäche und daher ist Cornerback eine echte Need-Position (Bring on Peterson!!). Eine der Hauptaufgaben von Donatell wird aber auch sein, das Potential der jungen Defensive Backs voll auszuschöpfen. Ich habe die Broncos nicht so verfolgt, daher kann ich nicht abschätzen, was vom neuen Defensive Backs Coach zu erwarten ist. Seine Erfahrung – auch als Coordinator – sollte aber helfen und im Vergleich zum vorherigen Positions-Coach erwarte ich, dass er ein Upgrade darstellt.

* Chris:

Clements zeigte, wie die ganze Mannschaft, immer wieder was er kann, um danach einen Fehler zu machen. Die schwache Secondary an ihm festzumachen ist aber etwas zu vereinfacht. Die ganze Secondary litt auch unter dem plötzlichen Abgang von Michael Lewis, einem schwächelnden Pass Rush, usw. Den Pass Rush kann man durch Innovation aus den vorhandenen Spielern sicherlich rausholen. Im Defensive Backfield sind verschiedene junge Spieler mit viel Potential vorhanden. Fangio und Donatell sollten zusammen sicherlich etwas entwickeln können. Ein Spieler wie Peterson würde aber sicherlich viel helfen, zumal die Tiefe in der Secondary nicht wirklich gut ist. Aus der Draft kann ich mir vorstellen, dass man mit 2-3 DBs (die Position des Free Safeties ist ja auch noch offen und Mays muss sich auch noch beweisen) hervorkommt. Bei Denver habe ich keine so fürchterliche Secondary im Kopf, sondern, dass mit beschränktem Material durchaus solide gearbeitet wurde.

* Reiner:

Da ich die Broncos nicht so intensiv beobachte kann ich nicht wirklich was dazu sagen, ob die Secondary in Denver so furchtbar war. Ich erhoffe mir jedenfalls ein Upgrade gegenüber den bisherigen Secondary-Coaches der 49ers, die ja nun wahrlich nicht allzu viel bewirken konnten. Auf Cornerback muss aber dringend etwas passieren! Die 49ers brauchen einen klaren #1 CB, und Clements war das leider viel zu selten. Shawntae Spencer enttäuscht seit seiner Vertragsverlängerung ein ums andere Mal, und dahinter ist auch nicht so viel, wie es scheint. Hier muss über die Draft (Peterson, Amukamara) und/oder über die Free Agency unbedingt eine Verbesserung erreicht werden. Auf Safety hat Dashon Goldson richtig enttäuscht, und Taylor Mays war scheinbar noch nicht so weit, wie man sich das erhofft hatte. Insbesondere auf den Safety-Positionen, aber natürlich auch auf Cornerback hoffe ich, dass Donatell die jungen Spieler weiterentwickeln kann.

Morgen, Sonntag geht es weiter mit zwei Abschlussfragen.