Die Euro Bowl 2012: Schlacht der Philosophien

Eurobowl 2012 am 21. Mai 2012, und die Cadaln… Calad… Calanda Broncos sind mit von der Partie. Nach einem Gespräch in einem Innsbrucker Club kenne ich nicht mehr als die Verachtung österreichischer Footballfans für die Graubündener. Neugierig geworden und bei Marc Melcher vom Bündener Tagblatt nachgefragt – und schon sind wir alle schlauer.


Am Samstag Abend findet in Vaduz die Euro Bowl statt. Das Spiel wird zum Duell der Gegensätze. Auf der einen Seite die etablierten Vienna Vikings, die auf einheimische Spieler setzen, auf der anderen Seite der „Neuling“ Calanda Broncos, ein Team, das fast nur Importspieler aufstellen wird. Doch wer steckt hinter dem finazkräftigen Schweizer Team? Und wie werden die Broncos in der Schweiz wahrgenommen? Hintergründe aus Chur, der Heimatstadt der Calanda Broncos.

Nur fünf Jahre dauerrte der Weg der Calanda Broncos von der Rückkehr in die oberste Schweizer Spielklasse bis an die Spitze Europas. Dass diese Entwicklung viel mit einem Geldgeber zu tun hat, weiss inzwischen ganz Football-Europa. Die Philosophie der Broncos, die besten Spieler des Kontinents zu verpflichten und dieses Kader mit – für europäische Verhältnisse – hochkarätigen Nordamerikaner zu ergänzen, stösst besonders in Österreich auf Kritik. Die Fanbasis der Broncos hält von den Kritikern nicht viel – sie werden als Neider abgetan. Fans und die lokale Presse stehen fest hinter den Broncos und ihrem „Mäzen“.

Hinter der Finanzkraft der Broncos steht der ehemalige Besitzer eines florierenden Autogeschäfts in Chur. Das grosse Geld hat er mit dem Verkauf des Geschäfts gemacht. Auf den ersten Blick fällt der Geldgeber nicht auf. Er ist ein Fan wie jeder andere, ein Lebemann und guter Freund von vielen Spielern und Fans. Die Broncos sind „sein Kind“ und die Träume der Broncos-Fans seine Aufgabe.

Diese Träume spielen sich auf der europäischen Bühne ab. Sie handeln von Spielen auf hohem Niveau, von Siegen gegen die ganz grossen Teams Europas und natürlich von der Euro Bowl. Und um die Träume zu verwirklichen, sehen die Broncos über einiges hinweg. Beispielsweise über die gesamte Schweizer Liga. Inmitten einer klassischen Amateur-Liga betreiben die Broncos semi-professionellen Football. Lassen Spieler extra für die Gamedays einfliegen, verpflichten ehemalige US-College-Grössen. Kein anderer Schweizer Verein hat auch nur den Hauch einer Chance gegen die Broncos. Sie reihen national Titel an Titel und besiegen die Gegener in der Swiss Bowl auch schon mal eben mit 50 Punkten Unterschied. Kein Wunder, müssen sich die Broncos vorwerfen lassen, die Schweizer Liga „kaputt zu machen“.

Zu Recht – zumindest kurzfristig gesehen. Doch kann dem Team wirklich übel genommen werden, Grosses erreichen zu wollen? Ziele zu haben, die mit einer durchschnittlichen Schweizer Mannschaft unerreichbar wären? Die Liga hinkt jenen in Deutschland, Österreich, Frankreich, und Skandinavien meilenweit hinterher. Football ist eine klassische Randsportart in der Schweiz, die (mit Ausnahme der Broncos) vor tristen Kulissen auf Bolzplätzen ausgetragen wird. Es kann schon Mal vorkommen, dass Teams gar nicht zu Play-Off-Partien antreten und Forfait erklären. Die Schweiz ist ein Football-Entwicklungsland.

Langfristig gesehen sind die Broncos deshalb eine Chance für die Schweiz. Sie haben die Möglichkeit, dem Football hierzulande einen Namen zu verschaffen und Nachwuchs für alle Schweizer Teans zu generieren. Auf dass in fünf bis zehn Jahren auch ein Schweizer Team mit einheimischem Kader an der europäischen Spitze mithalten kann.

Somit kommt es am Samstag in Vaduz zum Duell der Philosophien. Europas Football-Krösus gegen eine funktionierende Organisation, die auf Eigengewächse setzt. Und zur Revanche des letztjährigen Viertelfinals, das Wien hauchdünn für sich entschieden hat.

Für mich stecken die Broncos in diesem Jahr aber in der (leichten) Favoritenrolle – nicht zuletzt wegen des hohen Sieges gegen die Tirol Raiders. Zwei Dinge sprechen für die Broncos: Die O-Line und Running Back DJ Wolfe (ehemals Oklahoma Sooners). Die O-Line ist wohl die mit Abstand beste des Kontinents. Die Schwergewichte Alexander Haritonenko (GER), Andre Mathes (GER) und Stefan Becker (AUT) sind jederzeit in der Lage, riesige Löcher in die gegnerische Defense zu reissen. Löcher, die der pfeilschnelle Wolfe in Innsbruck zu zwei Touchdowns (69 YDS und 71 YDS) ausgenutzt hat.

Dass die Euro Bowl übrigens nicht in Chur, sondern in Vaduz (Liechtenstein) stattfindet, hat einen profanen Grund. Die Sportanlagen der Kleinstadt Chur liegen seit Jahren Brach und genügen den Anforderungen der EFL nicht. Die stört die Broncos Fans nicht – im Gegenteil. Sie freuen sich auf die ganz grosse europäische Football-Bühne. Das Interesse rund um das Spiel ist gross. Diverse Euro-Bowl Plakate zieren Chur zurzeit. Die lokalen Medien, welche die Broncos während dem ganzen Wettbewerb begleitet haben – liefern grosse Vorschauen auf die Euro Bowl.

Austrian Bowl 2011

Heute Nachmittag um 17h findet die Austrian Bowl 2011 statt. Kontrahenten: Die Tyrolean Raiders und die Vienna Vikings. Ein Duell der Gegensätze: West vs. Ost. Aktueller Dominator vs. Dominator der Vergangenheit.

Aus blanker Zeitnot aber keine Vorschau (und sicher auch kein Liveblogging), dafür zwei Verweise: Walter Reiterer hat im Standard über die Evolution des American Football in Österreich geschrieben. Und bei Football-Austria wird über Stärken und Schwächen der beiden Teams diskutiert.

Persönlich halte ich die Raiders für die im Prinzip bessere Mannschaft, nicht nur wegen Tony Hunts Ausfall. Das Fragezeichen steht hinter der mentalen Verfassung: Nur fünf Tage nach der mit Standgas eingefahrenen Eurobowl: Kann sich Tirol noch einmal voll zusammenreißen? Wien sollte ein deutlich besserer Gegner als Berlin sein.

ORF Sport Plus ab 16h45.

Charity Bowl XIII

Morgen ist Tag der „Greatest Football Show in Austria“, wie die Homepage der Charity Bowl verlauten lässt. Charity Bowl? Ein alljährliches Footballspiel unter den Fittichen der Vienna Vikings samt entsprechendem Rahmenprogramm zwischen einer österreichischen und einer ausländischen Footballmannschaft für einen gemeinnützigen Zweck. 1999 zum ersten Mal ausgespielt, mittlerweile die 13. Auflage.

Wenn Ingenieure fighten

Diesmal spielt das österreichische Nationalteam gegen die Rose-Hulman Fightin’ Engineers. Die Technische Uni Rose-Hulman ist im US-Bundesstaat Indiana daheim, bietet Bachelor-Studiengänge für Mathe und Ingenieurswissenschaften, und ihr Ruf ist gut genug, dass Ingenieursstudent korsakoff den Namen dieser Uni bereits kannte. In fact, Rose-Hulman gilt als #1 US-weit auf diesem Gebiet.

Das uralte Footballprogramm (seit 1882) spielt aktuell in der Heartland Conference (HCAC) im mittleren Westen der Staaten, eine Conference der Division III, hat dort zuletzt eine 6-4 (5-3) Bilanz abgeliefert und soll mit die modernsten Sportanlagen auf diesem Niveau besitzen. Interessantes Faktum: Rose-Hulman ist die einzige „weltliche“ Uni in einer Conference, die von allerhand Privatunis christlicher Glaubensgemeinschaften dominiert wird.

Die Mannschaft ist auf einwöchiger Bildungsreise in Europa (über Prag nach Wien) und nimmt das Spiel „nebenbei“ mit. Auf Facebook gibt es laufend Updates über den Gemütszustand der Truppe.

Den Statistiken (PDF) nach sollte Rose-Hulman wie üblich in der Division III sehr lauflastig daherkommen, das Passspiel scheint sehr eindimensional daherzukommen: WR #35 Reed Eason macht nahezu 50% aller Yards, während an der Goal Line WR #19 Terrae Hall das bevorzugte Anspielziel ist. Eason war 2010/11 allerdings Senior, von daher keine Ahnung, ob er überhaupt noch mit von der Partie ist.

Das Laufspiel wurde im vergangenen Herbst von zwei Spielern primär getragen: RB #22 Kyle Kovach (1056yds, 11TD) und RB #2 Calvin Bueltel (670yds, 8TD). Bueltet hat aber im Winter seinen Abschluss gemacht, von daher wäre ich leicht überrascht, sollte er überhaupt noch im Team sein.

Die Defense scheint nicht die alleraggressivste im Pass Rush zu sein, dafür sollte man sich bei allzu tiefen Bällen in Acht nehmen: Defensive Back #12 Jordan Martin macht in jedem zweiten Spiel eine Interception und scheint auch Experte im Returnen von INTs zu sein (21yds/INT-Return). Auf den kurzen und mittleren Routen lässt sich die Defense aber leicht verbrennen (2,4 Pass-TDs pro Spiel kassiert).

Dazu kommt: Die Mannschaft scheint körperlich nicht allzu robust zu sein (abseits der beiden Lines bewegt man sich zwischen 1,75 und 1,84m, bzw. 70-90kg).

Team Austria

Für das AFBÖ-Nationalteam („Team Austria“) ist das Spiel der einzige Test (!) vor der Heim-WM, und dieser einzige Test leidet unter zahlreichen Verletzungssorgen, z.B. QB Christoph Gross (Vienna Vikings, Sprunggelenk). Der bullige RB Florian Grein (Tyrolean Raiders), der bei mir einen exzellenten Ruf als Kampfmaschine genießt, scheint aber fit zu sein.

Gross und Grein haben sich am vergangenen Samstag in einem dramatischen EFL-Halbfinale in Innsbruck gematcht, das die Raiders wenige Spielzüge nach einem verunglückten Punt der Vikings in der Schlusssekunde 13-10 gewonnen haben. In zwei Wochen steigt die Eurobowl Raiders vs. Berlin Thunder.

Die W-Fragen

Charity Bowl XIII indes beginnt morgen um 16h auf der Hohen Warte in Wien. Live-Übertragung im TV wird es bei ORF Sport Plus (TW1) ab 15h45 geben. Kommentator ist Michael Guttmann, als Co-Kommentator soll Pasha Asiladab sein.

Bei Football-Austria wird es einen Live-Blog geben. Ob ich selbst live bloggen werde, steht noch in den Sternen. Ich muss morgen Früh zu einem Frühschoppen und am Nachmittag spielt parallel der heimische FC Südtirol das entscheidende Spiel gegen den Abstieg in die vierte italienische Liga, das ich für ein lokales Online-Portal covern muss.