Notizblock NFL Woche 12: Patriots@Eagles, Giants@Saints

New England Patriots (7-3) @ Philadelphia Eagles (4-6) [Gamecenter][Gamebook]

Komprimierte nachträgliche Betrachtungen zum Spiel:

Julian Edelman ist jetzt ganz offiziell der Nachfolger von Troy Brown. Er startete wieder als Nickel-Corner, spielt WR in der Offense und Punt Returner. Das größte Problem für die Eagles war die Mitte der Verteidigung. Beinahe jeden Paß hat Brady zu Welker/Gronk/Branch/Hernandez geworfen, wenn sie von einem LB oder Safety verteidigt wurden. Es fehlt natürlich das individuelle Talent auf diesen Positionen, aber individuelle Schwächen kann man immer mit taktischen Mitteln ausgleichen; aus irgendeinem Grund sind die Eagles dazu nicht willens oder in der Lage, das trifft den DC Juan Castillo genauso wie HC Andy Reid (dessen Kopf von den Fans schon im Stadion gefordert wurde). CB Nnamdi Asomugha hat nicht mal jeden zweiten Snap gespielt (angeschlagen) und dann meistens im Slot gegen Gronkowski. Bei den Patriots hat mit Ryan Wendell jetzt schon der 3rd-string Center gespielt (nach Koppen ist jetzt auch Connolly verletzt) und in der zweiten Hälfte hat Nate Solder als RT Sebastian Vollmer ersetzt, der – mal wieder – viel schwächer gespielt hat als letztes Jahr. Das wird aber wahrscheinlich mit seinen Rückenproblemen zusammenhängen. Später, als das Spiel gelaufen war, hat auch Rookie Marcus Cannon (der mit dem Tumor) als RT gespielt und Solder auf links.

Auf der anderen Seite hatte Vince Young zwar am Ende irgendwie für 400 Yards gepaßt, aber trotzdem ein schlechtes Spiel gemacht. In einigen Situationen hatte WR Jackson seinen Verteidiger klar geschlagen, aber durch furchtbare Pässe wurde das nicht ausgenutzt und führte in einem Fall sogar zu einer Interception, in einem anderen zu einem FG statt TD. Die Interception hatte Antwaun Molden, der mit CB Kyle Arrington, DB Julian Edelman, S Sterling Moore und S James Ihedigbo das bildete, was bei anderen Teams die Secondary ist. Die Verteidigung der Patriots scheint unter der Woche nichts anderes zu trainieren als 3rd-Down- und Red-Zone-Defense. „Between the 20s“ könnten sie wahrscheinlich nicht mal ein Lingerie Football Team stoppen, aber irgendwie schaffen sie es immer wieder keine Punkte zuzulassen. Nur zehn Teams in der ganzen NFL haben weniger Punkte zugelassen als New England. Really. Völlig unverständlich war, daß RB McCoy nur zehn Carries bekommen hat. Angeblich kam es an der Seitenlinie dann auch zu einer Auseinandersetzung zwischen OC Marty Mornhinweg und DL-Coach Jim Washburn, der ersteren gefragt hat, ob er noch ganz dicht ist (sinngemaß), dann gabs wohl ´ne kleine Kabbelei und die beiden mußten getrennt werden.

New York Giants (6-4) @ New Orleans Saints (7-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: RB Bradshaw, WR Manningham, LT Beatty, LB Boley; RB Ivory, LB Vilma]

– erster Drive Saints: Fake-FG-Versuch; der Paß von QB Chase Daniel kommt zwar an, reicht aber nicht für ein 1st Down, weil zu viele Giants aufmerksam genug waren

– erster Drive Giants: Eli Manning führt NY recht problemlos das Feld runter, aber in der Endzone macht Backup-LB Will Herring eine großartige Interception gegen TE Jake Ballard

– die Giants-D hat mit NOs Pass Attack alle Hände voll zu tun und vergißt darüber, die RBs zu verteidigen; 2nd Drive: TD Lance Moore

– auch der zweite Giants-Drive ist lang und zeitfressend, aber bis jetzt sind nur 3 Punkte dabei rausgesprungen; beide Verteidigungsreihen finden kein Mittel gegen die starken Angriffe

– NO spielt in der ersten Hälfte fast ausschließlich (außer in Nickel-/Dime-Situationen) ihre 3-4-Base-Defense; nicht, daß man das noch nie gesehen hätte, aber komisch, weil sie in den Spielen, die ich bis jetzt gesehen habe, immer locker durchgewechselt haben zwischen 3-4 und 4-3

– Q2/2:21: im vierten Drive macht NO den zweiten TD; NY findet kein Mittel gegen Brees und RB Daren Sproles

– Q2/0:35: TD Lance Moore, dritter TD von Brees; am Ende zählen nur die Punkte auf dem Scoreboard: die Saints hatten vier gute Drives und 21 Punkte; Giants kamen mit allen fünf Drives bis in New Orleans´ Hälfte und haben nur 3 Punkte

2nd Half

– Q3/10:49: Eli spielt jetzt auch noch ohne WR Nicks (Manningham vor schon vorher raus); das macht ihm aber gar nichts und schon in der ersten Serie der zweiten Hälfte kommt NY nochmal ran auf 10-21

– die Giants-D ist völlig hilflos: die Safeties können nicht tacklen, die LBs können Pässe über die Mitte/kurz hinter die LOS nicht verteidigen und die DL kann Brees nicht unter Druck setzen; nach dem Anschlußtouchdown von NY marschiert Brees mit seiner Offense genauso problemlos wie in der ersten Hälfte übers Feld zum TD (Q2/5:48)

– direkt im Anschluß daran fumblet Backup-RB Scott bei einem 3rd&1; Coughlin challenges, but play stands; sah aber in der Wiederholung nach einer Fehlentscheidung aus, weil Scotts linker Ellenbogen down war; wie auch immer: zwei Spielzüge später stehts 35-10 – game over.

Notizblock NFL Woche 11: CIN/BAL & PHI/NYG

Cincinnati Bengals (6-3) @ Baltimore Ravens (6-3) [Gamecenter] [Gamebook]

[inactives: Ray Lewis, Ray Lewis, Ray Lewis]

TD Drive CIN: zwei big plays + DPI

TD Drive BAL: blown coverage nach roll out Flacoo

– Q2/10:10: BAL wirft jetzt immer öfter aus I-Formation; WR Torrey Smith viel zu schnell für CB Clements und Flacco wirft perfekten Paß

– es geht nur über Big Plays; keine Offense bringt mal einen längeren Drive zustande

– furchtbare INT von Flacco gegen Nate Clements w/1:24 in CIN territority

– und dann nach zwei First Downs wirft Dalton einen schrecklichen Ball mitten in die Endzone, wo Ed Reed in natürlich findet (Hey Dalton, lerne bitte Ed Reed vor dem Spiel gegen Baltimore kennen!)

– beiden Verteidigungsreihen spielen das sehr gut und diszipliniert; vor allem von der Ravens-D ist immer einer da, wo der Ball ist und kein Tackle wird verpaßt; Laufspiel geht gar nicht bei beiden; 7 3&outs in der ersten Hälfte; 14-7 Ravens

Das war tatsächlich alles Wichtige aus der ersten Hälfte.

– Q3/13:12 dann aus dem Nichts rennt Ray Rice über 60 Yards, weil Safety Chris Crocker einen völlig falschen Winkel nimmt und den Tackle verpaßt; es wird aber doch nur ein FG; 17-7 BAL (Q3/10:50)

– Q3/6:51 nach einem starken Play, bei dem er zwei fast-Sacks entkommt und seinen FB tief ganz offen findet und einer blown coverage gegen TE Gresham ist Ciny plötzlich in der EZ und es steht 14-17

Ravens D spielt fast aussschließlich Base-D gegen CIN; CIN ohne deep threat, weil A.J. Green verletzt draußen sitzt, versucht im 3ten Viertel mal einen Flea Flicker und RB Benson schafft nicht mal den Paß zu Dalton

– Q3/0:40: Dalton mit fürchterlicher INT bei einem Slant; Jimmy Smith fumblet den Ball, der fliegt durch die gesamte Redzone und die Ravens sichern den Ball an der 2-Yd-Linie, next play TD Rice 24-14

– Dalton dann wieder mit schlechtem Paß und INT von CB Webb; Q4/ 14:02; nächster Spielzug Playaction Flacco tief auf WR Smith; 31-14

– Jimmy Smith läßt Andre Caldwell einfach so vorbeilaufen; 10:59, starker Paß von Dalton, Cincy gibt nicht auf 21-31

– über die Mitte wirft Dalton richtig gut; aber bei Pässen an die Seitenlinie und bei Slants hat er immer wieder accuracy Probleme; kaum hab ich das aufgeschrieben, wirft er eine out-route zum TD (Gresham) nach anständigem hurry-up-drive 28-31; 5:35, der dann aber doch nicht zählt nach Calvin-Johnson-Catch-Rule-Overturning; FG zum 24-31; Cin jetzt fast ständig mi 7 Mann in Protection und nur 3 Recivers auf Routen, um es einfacher für Dalton (und die OLine) zu machen

– kurz vor der 2-min-warning stoppen die Bengals die Ravens bei 3rd&1 und bekommen nochmal einen Drive

– Dalton starts on own 13 w/ 2:27; WR Jerome Simpson macht das Spiel seines Lebens; Dalton mit starker 45yd-Bombe und Riesencatch von Simpson

– in der RZ dann wieder der schlechte Dalton: schlechter Paß on kurzer Out-route und intentional grounding (der horse-collar tackle von Suggs wird komischerweise einfach ignoriert); 3rd&goal from BAL17; die O-Line bricht total zusammen bei den vier Downs and Goal to go gegen 3-Man-Rush

– CIN hat wirklich tough gegen BAL und PIT gespielt, aber verloren; die Bengals haben ein gutes, junges Team, sind aber noch nicht da wo die anderen beiden Hausnummern der AFC North sind

– Flacco und Dalton haben beiden wie Rookies gespielt: mal gute Pässe, mal schlechte, aber insgesamt enttäuschend inkonsistent, wobei aber auch beide Defenses ziemlich stark gespielt haben; es gab keine guten, langen Drives, sondern alle Punkte basierten auf Big Plays, wobei die Ravens einfach mehr (vor allem in der Defense) davon gemacht haben und am Ende die drei INTs von Rookie Dalton der Unterschied waren. Baltimore ist jetzt mit 7-3 und Tiebreakers gegen Pittsburgh und Cincinnati in guter Position in der AFC North.

Philadelphia Eagles (3-6) @ New York Giants (6-3) [Gamcenter] [Gamebook]

[inactives: QB Vick, WR Maclin, CB Rodgers- Cromartie; LB Michael Boley – Herzlich starts]

– LT Will Beatty bekommt von Anfang an TE/RB-Hilfe gegen DE Trent Cole

– im zweiten Drive wirft QB Vince Young einen furchtbaren Paß zu Jackson, der schon an Amukamara vorbei war und schenkt dem Rookie im ersten Spiel seine erste INT

– anschließend wirft Eli Manning eine INT wie in seinen schlechtesten Tagen; danach gibts auch gleich gute alte Rivalry-Kloppe und mehrere personal-foul-flags, nach der INT gibts aber auch keine Punkte, weil der oft so hochgelobte LG Evan Mathis schläft und bei 3rd-&1 an NYG 38 einfach so DT Chris Canty nicht blockt

– schon im ersten Viertel gibts ständig mehr oder weniger ernsthafte Rudelbildung; es gibt aber auch nicht schöneres, als Rivalry-Games im November

– die Eagles sind schon seit einigen Wochen dazu übergegangen, nicht mehr beide DE so ganz weit außen an der LOS zu plazieren (die so berühmt gewordene 9 technique), sondern nur noch einen, und der andere ist meistens in recht traditioneller DE-Aufstellung, das klappt auch viel besser

Vince Young wirft den Ball wie eine schlechte Mischung aus Tim Tebow und Philip Rivers

– die Giants D-Line spielt mit vielen „seltenen“ Aufstellungen: 3DE und 1DT; 3 DLiner sogar on 1st Down; on 3rd Down auch ihre Nascar-Defense (4DEs); und sehr oft spielt Deon Grant den dritten LB neben Herzlich und Kiwanuka, weil nach den ganzen Verletzungen nur noch der andere Rookie-LB Spencer Paysinger spielen kann

– die beiden Eagles-Offensive-Tackles Jason Peters und Todd Herremanns sehen ganz gut aus, aber die drei in der Mitte (LG Mathis, C Kelce, RG Watkins) haben immer wieder Probleme, vor allem im Laufspiel

– Q2/11:36: FG Eagles, die ersten Punkte zum 3-0

– Q2/8:49 nach abgefälschtem, schlechtem Paß holt sich S Phillips die INT; Giants spielen nach der Verletzung von WR Jackson mit 8 „Man in the box“ und wollen einzig RB McCoy aus dem Spiel nehmen und Young kann nicht mal daraus Kapital schlagen

– die Eagles-D spielt ziemlich gut; auch die (auch von mir immer böse gescholtenen) LB Akeem Jordan und Brian Rolle; Giants leiden vor allem darunter, daß sie überhaupt kein bißchen Laufspiel auf die Reihe kriegen

Jackson kommt schon Mitte des 2ten Viertels zurück und macht ein Big Play über 50 yards nach 1st Down from PHI2; der dann aber nach unfaßbar dummer Taunting-Strafe gegen Jackson overturned wird, wow….

– nachdem Philly dann tatsächlich von der eigenen 2-Yd-Linie bis in New Yorks Hälfte kommt, fehlen CB Webster nur Millimeter, um Youngs dritte INT komplett zu machen

– die Eagles haben keine Offense, weil Young ihr QB ist und die Giants mit 8 Mann McCoy aus dem Spiel nehmen; und die Giants haben keine Offense, weil sie überhaupt nicht laufen könnnen und Eli gegen viel Pressure und gute Coverage alleine auch nicht viel machen kann:

– nach dem vierten 3&out, diesesmal in der eigenen Redzone, läuft Jackson mit dem gefangenen Punt mal wieder durch die halben Meadowlands und kann erst an der NYG14 gestoppt werden und im nächsten Spielzug möchte keiner der alten Teamkollegen Steve Smith verteidigen, TD Eagles 10-0; Q2/1:22

– neben der wirklich guten Defense haben TE Jake Ballard und WR Victor Cruz mit schlimmen Drops die Giants behindert

K Lawrence Tynes hat in dieser Saison erst zwei Field Goal Versuche von mehr als 30 Yards gehabt (?!) und die beiden wurden auch noch geblockt (!?!); den 49-Yd-Versuch zum Schluß der ersten Hälfte macht er aber sicher rein, 10-3

– Drives erste Hälfte: Eagles: Punt, INT, Punt, 3&out, FG, INT, Punt, TD; Giants: 3&out, INT, Punt, 3&out, Punt, 3 &out, Punt, 3&out, FG

2nd half:

– Kevin Booth startet die zweite Hälfte an Stelle Chris Snees (Verletzung)

– das Laufspiel der Giants ist so furchtbar, daß sogar CB Samuel den RB tacklet; NYG RB D.J. Ware ist jetzt auch draußen mit Concussion

OT Peters und Herremanns nehmen den Giants Pass Rush völlig aus dem Spiel und trotzdem hätten die Eagles ohne den Punt Return gerade mal 3 Punkte

– im dritten Viertel werfen die Eagles nur noch und sagen: mit 8 Mann „in the box“ kann sogar Young Spiele gewinnen, und New York sagt: glaub ich nicht, soll Young erstmal zeigen; und nachdem Philly in die Redzone gekommen ist, wirft Young natürlich die INT zu Aaron Ross (Q3/5:00)

– Snee is back

– die Giants versuchen es einfach weiter mit dem Lauf, was nicht funktioniert und die Crowd buht

– dann macht Manning mal nene langen Paß zu Nicks – weil er nicht von Asomugha oder Samuel verteidigt wird, sondern vom jungen Safety Nate Allen. So wie letzte Woche, als Fitzgerald von irgendeinem Safety verteidigt wurde, ich versteh das nicht; und im nächsten Play schlägt Victor Cruz Asomugha zum TD, Asomugha sah dabei aus wie einer der undrafted Rookies, die bei den Patriots versuchen CB zu spielen, 10-10 Q4/11:36

– die Giants haben große Probleme mit ihren jungen LBs Herzlich, Paysinger und Williams; aber Kiwanuka macht im vierten Viertel play after play

– McCoy sitzt im vierten Viertel verletzt auf der Bank und Ronnie Williams spielt

– irgendwie bekommen die Eagles im vierten Viertel einen langen Drive auf die Reihe mit Läufen von RBs und Young und Screen Passes; nachdem sie auf unerklärliche Weise 18 Plays über 80Yards in 9 Minuten übers Feld marschiert sind, wirft Young auch noch einen TD zu Riley Cooper; ich kann gar nicht erklären, wie Philly das gemacht hat, aber irgendwie waren es immer 3 und dann 3 und dann 4 yards und immer wieder 1st Downs, 17-10 Philly Q4/2:45

– nach Holding beim KO-Return starten Eli und die Giants an der eigenen 9 mit 2:39 Minuten auf der Uhr (und mit RG Snee wieder auf der Bank)

– beim letzten drive schläft wieder irgendwer der Eagles (wahrhscheinlich LB Chaney ) und Victor Curz läuft bis an die 22

– im nächsten Play sackt Jason Babin Eli Manning von hinten und DT Landri holt sich den Fumble; Q4/1:17; Giants mit letzter Chance, aber niemand kann Shady McCoy tacklen – 1st down, game over

Insgesamt ein komisches Spiel, in dem vor allem die D-Line der Eagles und die furchtbaren LBs der Giants den Ausschlag gegeben haben. Jeder halbwegs vernünftige Quarterback hätte die Giants von vorne bis hinten zerlegt, aber weil New York überhaupt kein Laufspiel hatte und Manning ständig under pressure war, haben 17 irgendwie ergaunerte Punkte zum Sieg gereicht.

NFL 2011/12, Week 11 in der Nacht auf Montag: Das Eagles-Grab ist geschaufelt

Spiel der letzten Chance für die Philadelphia Eagles (3-6) – und mehr: Spiel mit arbeitsplatzgefährdendem Charakter für den Eagle-Guru Andy Reid, der sich wie im falschen Film vorkommen muss. Die Heimniederlage gegen den Backup-QB der Arizona Cardinals war verheerend. Die bezeichnende Szene war für mich ein 3rd and 10 gegen Spielende, die Eagles 17-14 in Führung. Rechts draußen putzt WR Fitzgerald den blutjungen Safety Jarrett für 37yds, zwei Spielzüge später der Cards-TD zum Sieg.

Du hast teure Kaliber wie Asante Samuel und Nnamdi Asomugha oder Glücksritter wie Rodgers-Cromartie für die Deckung in deinem Kader und stellst Jaiquawn Jarrett auf den Wide Receiver des Gegners schlechthin im entscheidenden Spielzug der Partie ab? Alle anderen Idiotien der Eagle-Abwehr in dieser Saison mal beiseite geschoben: Sowas fällt letzten Endes auf den Coach zurück.

Dieser heißt Juan Castillo. Stellenbeschreibung: Reid-Buddy. Aufgestiegen von Offensive-Line-Coach zum Defensive Coordinator. Postenübernahme von Sean McDermott, junger Stratege mit einer aufsteigenden Defense 2010/11. Wenn aller Spott und Hohn verschüttet worden ist, ist bei sowas am Ende des Tages der Head Coach im Kreuzfeuer.

Eine Pleite in den Meadowlands wäre wohl das verfrühte Aus für die Playoff-Hoffnungen und könnte die erste Schippe für Reids Grab sein. Man rechnet damit, dass die Eagles ihren Head Coach am Saisonende dem Arbeitsmarkt zuführen könnten.

Hochziehen kann man sich in der Einstimmung auf das fassungsloseste Spiel der Saison 2010/11, das „Miracle of the Meadowlands II“ [1]/[2]. Und hochziehen kann man sich auch daran, dass auch beim Gegner „Big Blue“ das Nervenkostüm wieder zittrig wird, nachdem die Giants jüngst in San Francisco trotz guter Ausgangsposition verpassten, einen beruhigenden Vorsprung zwischen sich und Divisionskonkurrenz zu legen.

Runtergezogen wird man vom den Ausfällen von QB Vick und WR Maclin. Vince Young wird den Quarterback geben.

Also: Sieg Giants = Aus für die Eagles. Sieg Iggles und die NFC East wird, höhö, vogelwild.

NFL Free Agency 2011 – Die Stunde null

Ich möchte an der Stelle immer noch Eigenwerbung machen (der gestrige Abo-Erfolg macht’s möglich) und verweise immer noch auf den prominent, auf der Startseite rechts oben, positionierten Link für E-Mail-Abo (die Praktikantin hat heute morgen triumphierend gegrinst). Also, schnell abonnieren!

[23h09] Was in dieser dreitägigen Free Agency bisher auffällt: Viele Teams versuchen, ihre eigenen Spieler weiterzuverpflichten. Und obwohl die meisten Verträge durchaus sehr happig sind (5 Jahre/30 Millionen dürfte so was wie der Modalwert dieser Tage sein), sind die ganz krassen Ausreißer nach oben bisher ausgeblieben. Aber CB Nnamdi Asomugha ist auch noch auf freiem Fuß.

Bei den Rookies fällt auf, dass sie schnell und angenehm ohne Theater verpflichtet werden und die Vierjahresverträge zum Großteil über hohe Handgelder ausgeschrieben werden, mit sehr wenig Grundgehalt im ersten Jahr, aber trotzdem wird das meiste Geld über die kompletten vier Jahre fix ausgezahlt („guaranteed“).

Beispiel WR AJ Green: 4 Jahre, 19 Mio. Dollar, 12,8 Mio. Signing Bonus. In Jahr eins kriegt Green zusätzlich 375.000 Dollar (Minimalgehalt für Rookies), im zweiten Jahr 1,2 Mio., im dritten 2,1 Mio. und im vierten Jahr 3,06 Mio. Dollar. Geld, das er auf alle Fälle erhält. Das Team hat eine Option auf ein fünftes Jahr. Die Option sieht vor, dass Green den Durchschnitt der zehn höchstbezahlten WR im Jahr 2015 kriegen würde – falls die Option gezogen wird, ebenso ein Fixgehalt. Das neue Rookie-System gefällt.

[22h13] #Asomugha-Poker: Dallas gilt noch immer als ein mögliches Ziel für Asomugha, aber die Cowboys haben im Gegensatz zu NYJ gerade einen neuen, teuren Vertrag an einen eigenen Spieler ausgezahlt: DE Marcus Spears kriegt 5yrs/19,2 Mio. Dollar.

[21h50] Asomugha bei den Jets wird wahrscheinlicher: Die Jets haben in den letzten Stunden den Verträge von ILB Bart Scott, RB L.T., OLB Calvin Pace und OG Brandon Moore eine neue Struktur gegeben, um Platz unter der Salary Cap schaffen zu können. Womöglich wird das Traumduo Revis/Asomugha tatsächlich wahr.

[21h30] #Salary_Cap_Floor: Tampa Bay hat heute einen Sechsjahresvertrag für 19,5 Mio. Dollar ausgestellt. Einem Punter.

[21h23] Was ich vor ein paar Tagen fast vermutet hatte, scheint zu passieren:

New Englands Kader wird mächtig ausgedünnt und verjüngt. Das „verjüngt“ war bis vor kurzem kein Belichick-Charakterzug. Dort wurde lieber per Verdrängungskampf der Kader fit gehalten. Nun scheinen die Pfifferlinge auf die letzten beiden Rookie-Klassen gesetzt zu werden.

TE Crumpler wurde wie in der Frischzellenkur erwähnt durch Lee Smith entbehrlich. OT Nick Kaczur hätte hinter dem Duo Solder/Vollmer und eventuell Light keine Chance zum Starten mehr bekommen.

Etwas merkwürdiger sind die Entlassungen in der Defensive Line: Marcus Stroud war erst im März gekommen. Ty Warren kommt von einer Verletzung zurück, aber es zeigte sich schon seit Vrabel und Seymour, dass Belichick auch seine Lieblings irgendwann ohne mit der Wimper zu zucken ziehen lässt.

OLB Banta-Clain hatten wir schon gestern. 15 Sacks in zwei Jahren waren zu viele für New Englands Pass Rush.

[20h55] Zwei Entlassungen: DE Jamaal Anderson in Atlanta und DE Derrick Harvey in Jacksonville. Zwei Spieler, die eines eint: Sie wurden vor nicht allzu langer Zeit sehr hoch einberufen (Anderson #8 2007, Harvey #8 2008) und beide haben nie wirklich ihre Verträge rechtfertigen können. Weil ich vorhin von Mr Locker schrieb.

Bleibt die Frage, wo die Herren unterkommen. Oft reichen kleine Änderungen in der Philosophie der Trainer oder einfach nur neue Landluft, um aus Top-Athleten – und beide müssen Topathleten sein, wenn sie in den Top-10 gedraftet wurden – auch nach gescheiterter Erfahrung im ersten Team noch richtig gute Profi-Footballer zu machen.

[20h42] Nicht wirklich neu, aber nicht uninteressant: Chicago hat sich WR Roy Williams geangelt. Das ist deswegen interessant, weil Williams einer der meistkritisierten NFL-Spieler ist und nur eine einzige „wirklich“ herausragende Saison spielte: 2006/07 mit Detroit, unter dem Offensive Coordinator Mike Martz. Der Offensive Coordinator 2011/12 in Chicago? Mike Martz.

[20h26] Nächste Richtzahl für Rookies: QB Jake Locker (Pick #8/Tennessee) kassiert für vier Jahre 12 Millionen Dollar. Das ist eine Zahl, die Bradford für ein Jahr kassiert – und damals wäre Locker womöglich anstelle Bradfords an #1 gedraftet worden.

[19h42] Huge Move oder so: Atlanta kauft DE Ray Edwards, den reinrassigen Pass Rusher der Minnesota Vikings, die dieser Tage ganz schön ausverkauft werden. Deal für Edwards ist die Region, die wir mittlerweile bis ins hinterste Loch kennen gelernt haben: 5yrs, 30 Mio./11,5 Mio. guaranteed. Atlanta hätte allen Augen zur Folge einen Pass Rusher im Draft holen sollen. Nun ist Edwards via Free Agency gekommen und Edwards ist erst 26. Großer Sport, Atlanta strebt mit aller Macht gen Super Bowl, und zwar besser heute als morgen, das zeigen diese Offseason-Aktionen (Jones, Edwards).

[19h06] Hierzulande (ergo: in deutschen Foren) wird auf die Baltimore Ravens eingeprügelt, weil sie gestern vier Spieler entlassen haben. Die Skepsis erschließt sich mir nicht. Das gestrige Quartett ist nicht mehr als „große Namen“ & Ergänzungsspieler. Die Ravens leben seit mehr als einer Saison nicht mehr von Willis McGahee, sondern Ray Rice als Running Back – und Rice ist ein vielseitiger Mann, dem den Ball in vielerlei Hinsicht reindrücken kannst.

WR Derrick Mason ist mittlerweile 37 und Baltimore hat mit WR Torrey Smith und WR Tandon Doss zwei Rookies (mit dem möglichen WR Tyrod Taylor sogar drei), die alle ihre Einsatzzeiten kriegen müssen. Dazu kommt der alte Kämpe Boldin. TE Todd Heap (ebenso entlassen) hatte zwar 40 Catches/5TD und einen Tag für die Ewigkeit in den Playoffs, aber bitte die Hand heben, der einen Heap als zentralen Punkt der Offense gesehen hat.

DT Kelly Gregg hat in der abgelaufenen Saison ganze 505 Snaps gespielt, weniger als die Hälfte. Gregg ist auch schon 35 und die Ravens haben mit DE Sergio Kindle und DT Terrance Cody zwei junge Spieler im Kader, die bisher kaum gespielt haben und getestet werden wollen. Solange Baltimore mit Ngata, Lewis und Suggs vorne und Reed hinten auftritt, wird diese Defense halten – und es braucht Nachfolger, da Lewis und Reed nicht mehr ewig spielen werden. Also ebenso nachvollziehbar.

CB Josh Wilson ging, aber mit CB Jimmy Wilson Smith ist da ein Rookie aus der ersten Runde, den man mit Sicherheit spielen lassen wird. (auch wenn Wilson bissl der Knallkopf vom Dienst ist)

Und die wichtigsten beiden Free Agents wurden bereits verlängert: OT Gaither und OG Yanda. Einzigen Abgang, den ich nicht verstehe: S Dawan Landry, aber die Ravens setzen wohl auf ihre jungen Safetys mit den japanischen und polnischen Namen.

[18h49] Breaking News: Seit einer halben Stunde ist Jürgen Klinsmann offiziell neuer Nationalcoach der US-Männermannschaft im Fußball. Die Assistenten werden noch nicht genannt, aber am 10. August gibt es bereits Klinsmanns Debüt, standesgemäß gegen Erzfeind Mexiko.

[18h15] Seit gestern, 23h01, ist die NFL-Waiver-Liste offiziell offen, und heute um Mitternacht mitteleuropäischer Sommerzeit dürfen die Verträge dann auch offiziell unterschrieben werden. „Offiziell“ werden die Verträge dann aber erst mit dem 4. August, dem Tag, an dem das Ligajahr beginnt.

Was hat sich heute bisher getan? Wie gewohnt, gibt es hier trotz der irreführenden Überschrift Free Agents, Rookies, Trades und alles, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Die Quellen sind wie immer: NFL/Yahoo, NFL/ESPN und Adam Schefters Twitteraccount – Ihre verlässlichsten und schnellsten Dienstleister neben dem Sideline Reporter.

QuarterbacksQB Vince Young hat einen Einjahresvertrag bei den Eagles unterschrieben. Da schreit die ganze Welt „Ist ja logisch!“. Schwarzer QB, recht wendig, kann Vick 1:1 ersetzen? IMHO ist Young kein Vick, weil er nicht den Raketenarm besitzt und mit weitem Abstand nicht so gut scrambelt. Ich habe es gestern bereits angedeutet: Young ist für mich kein richtiger „Scrambler“: Der Mann ist aber sehr beweglich und während Vick elektrisierend ist, ist Young mehr der Geschmeidige. Auf alle Fälle wichtig für die Eagles, einen halbwegs erfahrenen Backup nach Kolb zu haben, da Vick 2-3 Spiele/Saison mit Verletzungen fehlt.

Bei den Jets hat man QB Mark Brunell rausgeworfen. Glaubt man einigen Gerüchten, bietet sich QB Daunte Culpepper verzweifelt bei der halben Liga um einen Job an.

Ein Spieler, der zwar die „Franchise Tag“ übergestülpt bekommen hat, aber trotzdem einen neuen Vetrag will: QB Peyton Manning. Die Colts versuchen sich gerade an der Gotteslästerung und wollen Manning einen Salarycap-freundlichen Deal unterjuxen, was Manning bestimmt nicht mitmachen wird. Kollateralschaden: Den Colts sind aufgrund der Ungewissheit um Manning die Hände in der Free Agency gebunden.

Denver dagegen wird QB Kyle Orton nicht los, weil Miami nun auch noch Matt Moore eingekauft hat und somit kein Interesse mehr an Orton hat. Außerhalb von Denver fallen mir nicht mehr allzu viele Plätze mit Starterchancen für Orton ein – es sei denn, die Broncos scheuen trotzdem noch erstmal Tebow.

Running Backs – Die Saints haben ihren neuen Reggie eingekauft: RB Darren Sproles (4yrs/14Mio./6M guaranteed). Sproles ist noch ein bissl kleiner als Bush, ein bisschen kräftiger, aber insgesamt nicht so explosiv. Ungefähr gleich wenig in der Lage, eine Offense zu tragen, aber als RB/WR/KR/PR-Kombination immer in der Lage, ein Big Play herauszuschinden. Und wo passt „Big Play“ besser hin als nach New Orleans?

Sehr interessanter Deal in Denver: RB Willis McGahee geht für drei Jahre dorthin. Gehalt: 7,5 Mio. Dollar. McGahee ist nicht mehr der große Superstar wie einst in Buffalo und anfangs in Baltimore, aber ein harter Knochen immer noch.

Ziemlich brutal ist die Entlassung von FB Leonard Weaver. Ich werde kein Video von der horrenden Verletzung Weavers online stellen. Die NFL ist brutal zur Ressource „Mensch“ und die Eagles und Weaver sind keine Ausnahme.

Tight Ends – Die Carolina Panthers mal wieder. TE Greg Olsen aus Chicago geholt, für wenig Kompensation: Später Draftpick und ein Ersatzspieler. Die Panthers versuchen nichts ungenützt zu lassen, um QB Cameron Newton Anspielstationen und Entlastung zu geben. Unter John Fox wäre das nicht möglich gewesen: Mit Shockey und Olsen zwei Tight Ends, die eher fangen als blocken!

Offensive Line – Die Pittsburgh Steelers halten mit OT Willie Colon (5yrs/29 Mio.) ihren besten Tackle, während OT Max Starks ohne Umschweife gehen gelassen wurde. Ziemlich ähnlicher Deal für OT Tyson Clabo in Atlanta: 5yrs/25 Mio./11,5M guaranteed, mit Option auf zwei weitere Millionen.

Defensive Line – Deal des Tages ist der Vierjahresvertrag für DT Marcell Dareus in Buffalo: 20 Mio. und alle 20 Mio. guaranteed. Das ist die Strategie, um die Basisauslastung zusammenzubekommen, mit der man ein Salary Cap/Salary Cap Floor leichten kontrollieren kann.

Linebackers – Carolina, wer sonst? MLB Jon Beason, der knallharte Hitter, kriegt einen gewaltigen Vertrag: 5yrs/50 Mio./25 guaranteed. Was die Panthers dieser Tage ausgeben, passt gar nicht zur bisherigen Knauser-Strategie. So ist datt, wenn man zu seinem Glück gezwungen wird.

CornerbacksCB Joseph ist Houston also tatsächlich so viel wert: 5yrs/49 Mio./23,5 guaranteed, davon 12,5 Mio. zur Unterschrift. Joseph wird die Defense der Texans massiv verstärken, allerdings ist Joseph gerne 4-5 Spiele/Saison verletzt.

Safetys – Jacksonville hat sich S Dawan Landry geschnappt. Die Jaguars mit zwei sehr guten Neuverpflichtungen in zwei Tagen: Session und Landry.

Tennessee Titans in der Sezierstunde

Die Titans, der jüngste Neuzugang im exklusiven NFL Chaos Club. Gestartet als Team mit Anspruch auf die Playoffs, geendet mit Auflösungserscheinungen, zerfetzt von internen Streitigkeiten, Talentvergeudung und einem greisen Owner auf Al Davis’ Spuren.

Saison rekaputuliert

Begonnen hat alles eigentlich nicht schlecht. Die Titans siegten, egal ob mit QB Vince Young oder QB Kerry Collins, trotz eines nicht überragenden Laufspiels. Aber irgendwann Mitte der Saison verletzte sich WR Kenny Britt, zerkrachten sich Head Coach Jeff Fisher und QB Young endgültig und unwiderruflich, enteierte Owner Bud Adams öffentlich Coach Fisher und brach die Titans-Offense komplett auseinander. Die Verzweiflung ging sogar soweit, dass der ultimative Egoshooter Randy Moss nach turbulenten Wochen spät im November eingekauft wurde.

Resultat: Zuerst gewann Fisher den internen Machtkampf gegen Young. Dann wurde Fisher spät, aber doch noch, nach 16 Jahren gefeuert und mit Mike Munchak den OffLine Coach befördert. Tennessee riecht nach Neuausrichtung, ist auf dringender QB-Suche und muss eine Reihe anderer Löcher stopfen.

Die QB-Frage

Young hat sich letztendlich als zu labil für die NFL erwiesen. Ich hatte trotzdem stets einiges auf Young gegeben und Young hatte auch Ansätze von Genialität gezeigt. Zugegeben: Zu selten. Leider, leider kein schwarzer Nachfolger für meinen NFL-Lieblingsspieler Steve McNair. Tennessee braucht einen QB. Treppenwitz: Mit Cam Newton wäre der nächste mobile, schwarze QB via Draft erhältlich.

Munchaks Beförderung zum Head Coach könnte aber ein Zeichen sein, dass Adams 2011/12 rumbringen wollte, um im nächsten Winter den Coach der Zukunft zu installieren. Von daher glaube ich nicht an einen QB via Draft.

Tennessee könnte einen erfahrenen Mann gut gebrauchen. Kyle Orton scheint nun doch in Denver erwünscht zu sein. Kevin Kolb könnte zu teuer sein. McNabb ist eine Option, Leinart (?) oder Alex Smith? Quarterbacks aus der zweiten Reihe gibt es als Übergangslösung zur Genüge.

Die restliche Offense

Über Jahre die absolute Stärke in Nashville. Aber immer, wenn RB Chris Johnson über die Mitte geschickt wurde, lief NICHTS. Johnson ist ein fantastischer Running Back, aber wenn Johnson überfordert ist, muss an der Offense Line gearbeitet werden. Die Football Outsiders ranken Tennessees Line #31 im Lauf-Blocking. Einunddreißig. Für die kürzlich noch beste Line der Liga. Für mich ist Offense Line #2-Priorität nach QB. Der Rest der Offense ist personell stark besetzt. Was mit Randy Moss (Free Agent) passieren wird, bleibt offen.

Die Defense

Weil ausgerechnet QB und Offensive Line im Draft an #8 als nicht ausreichend stark besetzt gelten, wird Tennessee mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem hohen Pick die Defense Line verstärken. Gäbe Sinn: Nach Haynesworths unschönem Abgang fehlt der große, fette Mann in der Mitte der Line. Vielleicht wird’s auch ein End, weil drei eigene Ends Free Agents werden.

Ansonsten finde ich die Defense nicht schwach besetzt. Ein paar OLBs und ILB Steve Tulloch haben auslaufende Verträge. Tulloch gilt als sicherer Abgang, weswegen man auf der Suche nach einem neuen ILB sein könnte. Die Secondary ist mit dem Kotzbrocken-CB Cortland Finnegan an erster Stelle hochkarätig besetzt.

Die Coach-Frage(zeichen)

Mike Munchak ist neuer Head Coach. Munchak, dessen Teilbereich Offense Line zuletzt so böse abgeschmiert war. Neuer OffCoord ist Chris Palmer, der bei mir dank des Umgangs mit Tim Couch (Cleveland) und David Carr (Houston) einen verheerenden Ruf „genießt“. Andererseits hat Palmer Romo und Eli Manning verbessert.

Die Wide Receivers werden von einem ehemaligen QB (Dave Ragone) gecoacht. Ragone war ein Top- QB im College, aber ganz schwach in der NFL. Die Offense Line wird vom Titans-Urgestein Bruce Matthews gecoacht. Matthews hat zuletzt ein zweijähriges „Praktikum“ in Houston absolviert.

Der neue DefCoord ist nach wochenlangem Hickhack Jerry Gray, der schon seinen dritten Job in diesem Jahr hat (erst Seattle, dann ein paar Tage University of Texas, jetzt Titans). Gray zehrt bei mir noch von seiner bärenstarken Bills-Defense vor ein paar Jahren.

Eine Reihe von bekannten Namen. Aber auch eine Reihe von unerfahrenen Coaches.

Ausblick

Tennessee kann mit entsprechenden Verstärkungen (QB, OL) schnell wieder konkurrenzfähig sein. Die Defense könnte sich mit ein, zwei Verstärkungen wieder das Attribut „dominant“ verdienen. Die Unbekannte liegt neben den Fragezeichen in der Offense vor allem im Coaching Staff.

Die AFC South ist eine Division, in der viele Teams seit Jahren Talentverschwendung betreiben. Nicht ausgeschlossen, dass die Titans schnell wieder ganz vorne mitmischen.

Es gibt noch weitere „Sezierstunden“. Und zwar hier.

NFL Date am Donnerstag, Week #14: Die Wachablöse droht

Do./Fr. 02h30 ESPN America

Das Donnerstagsspiel in Woche 14 gibt kurz Anlass, über die AFC South nachzudenken. Die Division ist so künstlich wie ihre Mitglieder: Dank der Neugründung der Houston Texans musste zur Saison 2002 die AFC South gegründet werden. Mit dabei ein Quartett aus wenig traditionellen Mannschaften: Die Indianapolis Colts, die einst aus Baltimore geflüchtet waren, die Tennessee Titans, die als Houston Oilers jahrzehntelange Verlierertradition vorweisen konnten, und dann noch zwei Teams frisch aus der Retorte: Die Jacksonville Jaguars und eben die Texans.

So wenig Old-School-Flair in dieser Staffel steckt, so potent waren ihre Vertreter seit ihrer Gründer. Oder besser: Zwei ihrer Vertreter. Wir schreiben die neunte Saison und noch immer haben keine anderen Mannschaften als Indianapolis und Tennessee den Titel geholt. Houston fehlt gar immer noch ein Playoff-Einzug, während die Jaguars wenigstens zweimal als starkes Wild-Card-Team in die Post Season gegangen sind.

Die beiden Top-Teams des Jahrzehnts treffen nun aufeinander: Indianapolis vs. Tennessee. Und je nach Spielausgang könnte der Grundstein dafür gelegt werden, dass wir eine Premiere erleben: Kein Divisionssieger Colts oder Titans.

Aktueller Stand:

#1 Jacksonville 7-5
#2 Indianapolis 6-6
#3 Houston 5-7
#4 Tennessee 5-7

In Betracht ziehend, dass keine Mannschaft eine Wild Card ziehen wird, braucht es den Gruppensieg für die Playoff-Qualifikation.

Der Fluch der verlorenen Superbowl?

Die Colts waren 2009 keine überragende Mannschaft. Sie war trotzdem nah dran an einer Perfect Season und am Titelgewinn. Grund dafür: Ein sensationell gut spielender QB Peyton Manning, eine halbwegs ordentlich spielende Defense und die Qualität, die engen Spiele zu gewinnen.

Die Bilanz nach dreiviertel Regular Season 2010 ist ernüchternd: 6-6. Rein optisch ist Indy immer noch eine reine Pass-Offense und unfähig, den Lauf zu stoppen. Was noch dazukommt, ist eine offene Secondary. Vor allem ist man aber nicht mehr in der Lage, Spiele wie jüngst gegen die Patriots oder die Cowboys zu biegen. 2009 wäre das gelungen.

Den meisten Hohn steckt derzeit Peyton Manning ein. Schon allein die Vergleiche mit Bruder Eli dürften für #18 Schande genug sein.

Dabei wird aber gern übersehen, dass Manning hinter ein furchtbaren Offensive Line spielen muss. Was derzeit über die Mitte an Druck zum QB durchkommt, das geht auf keine Kuhhaut mehr. Vor allem Center Jeff Saturday, mittlerweile auch schon 35, hat seine besten Tage hinter sich.

Zweites Problem: Die Verletzungen. Mittlerweile sind die WRs Wayne und Garcon wieder zurück. Aber dahinter wird es schon eng: Die Optionen danach hören auf die Namen White, James und Tamme. Liebe Leser, Sie brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie nichts von denen gehört haben. Vermutlich wusste Manning selbst bis vor kurzem noch nichts von den Jungs.

In der Defense rächt sich immer mehr, dass jahrelang Backup-RBs und WRs gedraftet wurden, anstatt die größte Schwachstelle zu beseitigen: Defensive Tackles. Nach dem Ausfall von SS Bob Sanders und einigen Abgängen in der Front Seven ist die Laufdefense mittlerweile wieder fürchterlich. In der Secondary spielen Leute wie Powers und Lacey. Unter diesen Umständen spielt die Defense noch halbwegs annehmbar.

Probleme solcher Art hatten die Colts schon des Öfteren. Manning konnte das bisher stets ausgleichen. Würfe wie gegen die Cowboys mitten in die Doppeldeckungen hinein habe ich von Manning aber noch selten gesehen. Insofern ist die aktuelle Niederlagenserie auch an Manning selbst festzumachen.

Der Anführer, den es nicht gibt

Die Colts müssen nach Nashville, Tennessee. Sie sind dort trotz aller Verletzungen, Interceptions und Pleiten klarer Favorit. Denn die Titans sind mal wieder im Chaos. Spätestens seit der Demission von QB Vince Young ist die Saison für den Gully.

Dabei ist es wurst, ob Coach Jeff Fisher QB Kerry Collins oder den völlig unerfahrenen QB Rusty Smith aufstellt. Im Übrigen ist bei Smith der Vorname Programm. So wenig, wie der Mann mit dem Rest der Offense eingespielt ist. Die Titans haben also kein Pass-Spiel, trotz Receivers wie Kenny Britt (ist nicht ganz fit) oder Randy Moss.

Kollateralschaden für das Laufspiel: Die Defenses konzentrieren sich massiv auf RB Chris Johnson, dessen Zahlen mehr und mehr in den Keller wandern. 59yds in San Diego, 5 (!) in Houston, 53 gegen Jacksonville. Das alles führt dazu, dass Tennessee seit Wochen kaum mehr Punkte erzielt: Seit Anfang November in vier Spielen nur deren 39.

Zu allem Überfluss fuchtelt in Nashville auch noch der Owner dazwischen. Bud Adams sieht in Vince Young immer noch den Mann, um den herum man das Team aufbauen sollte. Es wird gerüchtelt, dass Adams für Young sogar den Bruch mit Head Coach Jeff Fisher riskieren möchte. Trotz Young wiederholt demonstrierter Unreife.

Sollte man 2010 abschenken – und ich sehe nicht, wie die Saison zu retten ist – gibt es wohl trotzdem nur eins: Young entlassen, Fisher halten und einen Quarterback einkaufen. Leute wie Kevin Kolb, Matt Leinart oder sogar Carson Palmer dürften frei sein.

Bei Leinart kommt die Komponente dazu, dass der Mann im Draft 2006 Fishers Favorit gegenüber Young gewesen ist. Damals setzte sich der Owner durch. Vielleicht kauft Fisher einen Leinart ein.

Auf dem Spielfeld

Die Colts haben drei in Serie verloren, die Titans deren fünf. Die Colts sind Zweite, die Titans Letzte in der Division. Trotzdem sind die beiden die einzigen mit positivem Punkteverhältnis in der Division. Beiden nutzt in der sehr knappen, aber nur wenig hochklassigen AFC South nur ein Sieg.

Ich tippe auf Indianapolis. Die Colts haben im Übrigen einen sehr machbare Rest-Schedule (2x TEN, OAK, @JAX), sodass ich die Colts noch immer nicht für die Playoffs abgeschrieben habe.