College Football 2011/12 Preview: Atlantic Coast Conference (ACC)

FBS-Preview 2011/12, die Achte. Die Atlantic Coast Conference ist im Westen Osten (memo: die Atlantikküste befindet sich im OSTEN) der Staaten beheimatet, quer von Nord nach Süd, beginnend mit Massachusetts (Boston College) bis nach Südflorida (Miami). Trotz einiger ganz großer Namen ist nicht nur die Basketball-Abteilung, sondern vor allem die Football-Abteilung der ACC in den letzten Jahren immer durchwachsener geworden, obwohl sich im hochklassigen Highschool-Sport Floridas die Footballtalente schier auf die Füße treten.

(Für eine abgespeckte Variante bitte zu meinem Spox-Eintrag wechseln)

Atlantic Division – Seminoles vs. World

„Durchwachsen“ war jahrelang das Stichwort, das zu den Florida State Seminoles geführt hat. Seit dem unschönen Abgang von Headcoach-Legede Bobby Bowden ist in Tallahassee aber neuer Schwung eingekehrt, wofür vor allem ein Mann zuständig ist: Jimbo Fisher, jahrelang Bowdens Nachfolger in spe. Fishers Debütsaison 2010/11 war recht vielversprechend.

In der Offense ist mit dem hohen Draftpick Chris Ponder der Quarterback abhanden gekommen, doch so bizarr es klingt: Nachfolger E.J. Manuel, ein Ziehkind Fishers, könnte mit seiner Beweglichkeit gar die bessere Option für diese Offense sein – denn die RedZone-Offense war alles andere als überzeugend (Chick-fil-A Bowl!!).

Positiv für Manuel: Seine Erfahrung von mehreren Einsätzen für den verletzungsanfälligen Ponder, eine erfahrene Offensive Line und ein sehr breit aufgestelltes Laufspiel für verschiedenste Spielsituationen. Allenfalls der 120kg-Brecher fehlt. Ähnliches gilt für das Passspiel: Zwischen Sprintern und possession receivers ist alles dabei – inklusive Erfahrung.

Die Defense lebt in erster Linie von einem aggressiven Pass Rush, der angeführt wird von DE Brandon Jenkins, der 2010/11 aus dem Nichts zur absolut dominanten Waffe explodiert ist und im Winter in Richtung NFL abwandern könnte. Mit sehr guten Starter-Chancen ausgestattet ist DE Björn Werner. Deutsche Verpackung, deutscher Inhalt: Werner ist vor eineinhalb Jahren von den Berliner Adlern über Highschool-Umwege an die FSU gegangen, hat geheiratet und gilt als legitimer Starter.

Neben dem Quarterback zerreißen sich die meisten über die Secondary das Maul, was hauptsächlich an der phänomenalen Rekrutierungsarbeit in den letzten Jahren liegt. Das geht soweit, dass der massivst gehypte LaMarcus Joyner nur Free Safety spielen darf, da die Passdeckung vom aufstrebenden Pärchen CB Xavier Rhodes/Greg Reid gebildet wird. Reid ist nebenher ein brillanter Punt Returner.

Seit Mark Stoops (Bobs Bruder) die Seminoles-Defense coacht, hat diese Uni die Siebenmeilenstiefel in der Entwicklung angezogen, und das erschreckenste: Die meisten Athleten sind entweder noch zwei Jahre spielberechtigt oder aus dem nie versiegenden Talentepool von Floridas High Schools bald ersetzbar.

Die allermeisten sehen Florida State irgendwo in der Nähe des National Titles spielen, trotz des neuen Quarterbacks, und der Schedule hält außerhalb der schwachen ACC-Aufgaben nur zwei echte Prüfsteine bereit. Die haben es allerdings in sich: Woche 3 kommen die womöglich an #1 gerankten Oklahoma Sooners ins Stadion und zu Thanksgiving muss man zu den verhassten Florida Gators. Eine einzige Saisonniederlage könnte aufgrund der schwachen ACC schon zu wenig sein hinsichtlich BCS-Titelambitionen.

Und dann ist da noch jenes beklemmende Gefühl, wenn eine Mannschaft quasi per Reputation aus dem Nichts zum Titel-Kandidaten in der BCS gehypt wird. Ein erfolgreiches Ende einer solchen Mission wäre IMHO eine Weltneuheit.

Der Rest der Atlantic Division sieht sich in der Rolle des Spoilers für Florida State. Die Clemson Tigers zum Beispiel, ein Kultteam daheim in einer Kleinstadt in South Carolina. Stichwort Memorial Stadium, genannt Death Valley, gelegen in einem Tal mit Blick auf einen Friedhof. Clemson war jahrelang gecoacht von Terry Bowden, dem Sohnemann von FSUs Bobby, aber seit drei Jahren ist Dabo Swinney am Werk – und schon schwer unter Druck: Trotz schneller, spektakulärer Defense reißt man wenig, weil die Offensividentität pure Langeweile ist.

Swinney wird in dieser Saison auf die Trumpfkarten „No-Huddle-Offense“ (eine in der ACC kaum bekannte Offensivtaktik) und „Verjüngung“ setzen und kann dabei auf alle Fälle auf eine sensationelle Recruiting-Class verweisen: RB Mike Bellamy z.B. wird gehypt ohne Ende und soll sofort starten. Sollte Swinney gehen müssen – und eine weitere durchwachsene Saison ist angesichts des brutalen Schedule nicht ausgeschlossen – wird er auf alle Fälle einen großartigen Recruiting-Jahrgang hinterlassen.

Die kleine Uni Wake Forest ist unter dem sympathischen Coach Jim Grobe eine Wundertüte, mal ohne Ambitionen zu 8-5 und ACC-Champ, mal als Anwärter 3-9, wie 2010/11, weswegen in diesem Sommer die Erwartungen niedrig sind. Grobe setzt auf eine erfahrene Offense und auf guten Pass Rush in der Defense. Ob das gegen neun Gegner mit Bowl-Ambitionen reichen wird?

Beim innerstaatlichen Rivalen North Carolina State sind die Probleme hausgemacht: 2010/11 war überraschend positiv (9-4), aber in der Offseason schaltete der eigentlich erfahrene Head Coach Tom O’Brien den Selbstzerstörungsmodus ein und mobbte QB Russell Wilson ohne erkenntlichen Grund vom Campus. Nun muss ein unerfahrener Quarterback hinter einer rundumerneuerten Offense Line antreten – O’Brien wird jetzt schon wissen, welche Schlagzeilen ihm im Falle eines Kollapses drohen.

Auch 9-4 schafften die Maryland Terrapins und trotzdem musste der Stratege hinter dem kontinuierlichen Aufstieg der Terps gehen: Ralph Friedgen ist mittlerweile durch UConns Randy Edsall ersetzt. Edsalls Wechsel spricht für dessen Ambitionen: Hätte er dank Fiesta Bowl bei UConn einen gemütlichen Job bis ans Lebensende gehabt, wird das Leben in Maryland etwas turbulenter sein. Ich gehe davon aus, dass Edsall eine ähnlich lauforientierte Offense wie bei UConn spielen lassen wird, wobei der QB Danny O’Brien 2010/11 tolle Zahlen hingelegt hat: 2438yds, 22 TD, 8 INT, und das als Freshman.

Im hohen Norden der ACC kämpfen die Boston College Eagles im Land der Patriots um Aufmerksamkeit und es bestehen ernsthafte Zweifel, ob das Bostoner Urgestein Frank Spaziani sich als Head Coach eignet. Spaziani wird seine ultralangweilige Offense vorgehalten, so was wie die College-Version von Marty Ball – aber bei einem RB wie Montel Harris (über 3600yds in drei Jahren) und einem so unerfahrenen QB wie Chase Rettig sollte man so was nachsehen.

Boston Colleges große Stärke ist die Laufdefense mit LB Luke Kuechly, der sensationell gut sein soll und im Schnitt pro Spiel 14,1 Tackles macht. Über Kuechly schreibt der großartige Paul Myerberg folgendes:

Kuechly is a middle linebacker straight from central casting, a big, tall, tough, nasty, rough, gritty, unstoppable tackling machine – 183 of them a year ago, most in the F.B.S., after ranking second in the nation in that category as a freshman.

Allerdings müssen die Eagles einen verdammt ungünstigen Schedule spielen, inklusive der drei vermeintlichen Topteams aus der anderen Division.

Coastal Division – Hokies vs. World

Die sich da recht sinnfrei „Coastal Division“ nennt. Und während wir in der Atlantic-Version aus dem Süden in den Norden gefahren sind, drehen wir um und beginnen diesmal mit den Virginia Cavaliers, kein sportlicher Topfavorit, aber eine sympathische Uni mit viel Frischwind aus dem Trainerbüro. Head Coach Mike London ist seit 2010 am Werkeln und hat mit seinen drei Grundprinzipien einiges bewegt:

Go to class.
Show class.
Treat people with dignity and respect.

Das muss man bei 90-Mann-Kadern erstmal durchhalten. Das Substanziellste an Londons Arbeit bisher: Trotz 4-8 ist von Malaise nicht mehr viel zu spüren, da die Cavs vor Feuer glühen und sämtliche Gegner mit blauen Flecken aus dem Stadion prügeln. London hat auch trotz unterlegener Ressourcen bisher den Wettbewerb um die besten innerstaatlichen Talente gewonnen.

Und zwar gegen die Virginia Tech Hokies, kein schwacher Gegner auf diesem Gebiet. Die Hokies sind unter Head Coach Frank Beamer (im 25. Jahr in dieser Position) seit Jahren eine Konstante, fast immer irgendwo zwischen 10 und 20 in den verschiedenen Polls vertreten. Der ganze große Wurf ist noch nicht geglückt – und nun ist der Hauptgrund für die starke Mannschaft der Vorsaison weg: QB Tyrod Taylor. Der neue ist das sagenhaft gebaute Mischlingskind Logan Thomas (1,98m, 115kg), ein Mann mit einem Spielstil wie Cameron Newton. Die Defense zeichnet eine starke Front Seven mit großem Zug zum Quarterback aus. Potenzielles Plus im Rennen um das BCS-Endspiel: Ein recht lauwarmer Schedule… bis dann im ACC-Finale womöglich Florida State wartet?

Von Virginia nach Carolina, genauer gesagt: North Carolina, wo sich im Herzen des Bundesstaates vier Unis auf 50km Radius die Kante geben. Wake Forest/NC State aus der Atlantic Division, und dann die beiden Basketball-Universitäten in Durham (Duke) und Chapel Hill (UNC). Zwei verfeindete Unis wie Feuer und Wasser. Die  Duke Blue Devils sind im Football allerdings keine große Nummer, was sich an der Bilanz von Head coach David Cutcliffe ablesen lässt: 12-24 in drei Saisons – eine der besten Footballbilanzen in Dukes Geschichte. Kopfschmerzen macht die katastrophale Defense, während die Offense um den starken RB Desmond Scott über recht gute Bausteine verfügt.

Sehr viel ambitionierter ist das Footballprogramm der University of North Carolina Tar Heels aus Chapel Hill – die Hellblauen fallen Jahr für Jahr mit massiven Recruiting-Bestrebungen auf. So massiv, dass die seit Jahren kochenden Gerüchte um Bestechungsgelder zum Jüngsten Gericht führen könnten: Über UNC schwebt die Death Penalty, die Auflösung des Footballprogramms. Als erste Gegenmaßnahme wurde vor drei Wochen Chefcoach Butch Davis wegen zu großer Toleranz mit seinen korrupten Assistenzcoaches gegangen. Da auch am amerikanischen College die Hiobsbotschaften in Salamitaktik nach außen dringen, werden wir in schönen Abständen bald mehr erfahren – ich kann mir kaum vorstellen, dass die Turbulenzen die sportliche Bilanz nicht beeinträchtigen werden.

Dabei wäre Potenzial vorhanden (harhar, woher denn bloß?), vor allem in der Defense, wo der angehenden Superstar-DE Quinton Coples nach einer Saison als DT-Notnagel nun neben dem angehenden Superstar-DT Donta Moss-Paige für Rabatz sorgen wird. In der Offense sind die Top-Spieler noch höchst unkonstant. WR Dwight Jones fing 2010/11 946yds, die sich so verteilen: 233yds gegen Florida State, 198yds gegen Virginia, 121yds gegen Duke, 394yds gegen die restlichen neun Gegner. Der Schedule ist einfach, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass UNC es bis ins ACC-Finale schaffen kann.

Ihre ganz eigenen Erfahrungen mit NCAA-Auditoren haben die Georgia Tech Yellow Jackets jüngst gemacht (und dabei keine gute Figur abgegeben), doch man scheint mit einer vierjährigen Bewährungsstrafe und 100.000 Dollar Bußgeld und einem nachträglich aberkannten ACC-Titel davonzukommen.

Schlimmer für Headcoach Paul Johnson ist: QB Josh Nesbitts College-Karriere ist zu Ende. Wir sprechen hier von dem Quarterback schlechthin für Johnsons spektakuläre Triple-Option-Offense aus der Flexbone-Formation. Ersatzmann Tevin Washington war zulezt kein adäquater Ersatz und schon kriechen die Stänkerer wieder aus ihren Löchern und werfen Johnson die angeblich antiquierte und gegen schnelle Defense ineffiziente Option-Offense vor. Dabei sähe ich den größten Handlungsbedarf im Defensive Backfield, das reihenweise verbrannt wurde.

Das verblassende U

Und damit ganz tief in den Süden Floridas: Welcome to The U, Welcome to the Miami Hurricanes, dort, wo vor zwei Wochen einer der massivsten Korruptions-Skandale ever im College Football aufgedeckt wurde.

Mitten drin: Ein Booster, der durch Immobilienspekulation in jungen Jahren extrem reich geworden war, und sich mit Geld, Partys, Nutten und allerlei sonstiger Zuwendungen Hurricanes-Spieler als „Freunde“ kaufen wollte. Der Booster – Nevin Shapiro – sitzt mittlerweile seit Dezember wegen illegalem Pyramidensystemspiels („Ponzi“/Schneeballsystem) 20 Jahre im Knast.

Die Tragikomödie: Als Shapiro vergangenen Herbst in Schwierigkeiten geriet, rief er seine „Freunde“, NFL-Superstars wie Andre Johnson/Wilfork/Vilma/Konsorten, an und wunderte sich, dass diese überhaupt kein Interesse an möglichen Hilfestellungen zeigten. Tief enttäuscht packte Shapiro bei Yahoo! aus – den Canes drohen nun massivste Sanktionen, das Damoklesschwert death penalty ist nicht ganz ausgeschlossen.

Treppenwitz: Bei den jüngsten NCAA-Ermittlungen gegen USC war Paul Dee mit weit aufgerissener Klappe („Große Programmen müssen groß bestraft werden“) Chef-Ermittler. Paul Dee, der Direktor der Sport-Abteilung bei den Miami Hurricanes über all die Jahre, in denen Shapiro unbeaufsichtigt mit der halben Mannschaft ins Bett hüpfte.

Fraglich, wie sich die Mannschaft machen wird – immerhin sind mehrere aktuelle Spieler auch im Verdacht, mit Shapiro verbandelt gewesen zu sein. Und dann kommt noch der Fakt, dass die Mannschaft einen neuen Head Coach bekommen hat: Al Golden (aus Temple/Philadelphia gekommen), der den netten, aber glücklosen Randy Shannon, einen (zu?) sehr auf Kontrolle bedachten Schwarzen, ablöst – und für die Hurricanes ein Risiko ist: Golden gilt seit Ewigkeiten als Joe Paternos Nachfolger in Penn State – wenn Golden bei diesen Widrigkeiten halbwegs Erfolg haben wird und Paterno irgendwann in den nächsten 15 Jahren doch mal seinen Job niederlegt… who knows, Golden wird dann wohl weg sein.

Goldens Spezialität ist, Defenses aufzubauen. In Miami findet er eine statistisch hervorragende Mannschaft vor: #1 in der ACC in der Offense, #3 in der ACC in der Defense. Ein Mysterium, dass es nur zu sieben Siegen reichte – Shannons Schwächen im Clock Management waren allerdings legendär.

So findet Golden einen insgesamt höchst talentierten Kader vor, dessen größtes Fragezeichen aber ausgerechnet der Quarterback ist: Jacory Harris, ein Mann mit bei Zeiten fürchterlichen Aussetzern, der ganze Drives und Spiele im Alleingang kaputt machen kann. Harris kann sich mittlerweile seines Platzes nicht mal mehr so sicher sein: In der Hinterhand wartet mit Stephen Morris ein junger Mann. „Jung“, nicht „überzeugend“, ansonsten wäre Harris wohl schon lange abgesägt.

Knackpunkt für Golden neben den möglichen Sperren für die halbe Mannschaft: Weil nach dieser Saison haufenweise Seniors die Uni verlassen werden, müssen parallel zum Saisonablauf massivste Ressourcen ins Recruiting gesteckt werden – Zeit, die in der Entwicklung der Mannschaft fehlen könnte – und in den nächsten Jahren werden viele, sehr viele Stipendien von der NCAA gestrichen werden.

Nur noch vier Conferences übrig? Morgen im neunten Teil wird es nach schwere Rucksäcke voller Tradition geben.

Bowl Season 2010/11, Tag 13: Die Bauern und die Farm

Dritte BCS Bowl, und diesmal fahren wir nach Miami, Südflorida. Zielort: Das Sun Life Stadium, Austragung der Discover Orange Bowl.

Discover Orange Bowl

Mo./Di., 3.1.2011 um 02h30 live bei ESPN America und am 4.1. um 19h30 als Tape

#13 Virginia Tech Hokies – #4 Stanford Cardinal

Hm. Zwei schwer vergleichbare Universitäten. Da hätten wir auf der einen Seite die Virginia Tech Hokies, eine vorwiegend auf landwirtschaftliche Fächer spezialisierte Uni im grauen Nordosten der USA, etwas südlich der riesigen atlantischen Megalopolis. Auf der anderen Seite eine Uni mit dem Spitznamen „The Farm“. Das ist aber auch alles, was die Stanford University mit Agrikultur zu tun hat. Stanford – dieser Name steht für San Francisco, für Elite und für gigantisches Stiftungsvermögen – rund 17 Milliarden Dollar, unfassbar. Ein Bekannter war dort und werkelte an einem revolutionären Miniaturflugzeug mit – die Uni ist ganz allgemein federführend, wenn es um Forschung und Entwicklung geht.

Sportlich sind die Cardinal nicht ganz so dominant, aber 2010 war mit 11-1 Siegen die beste Saison in der Schulgeschichte – und das schließt die Zeiten eines John Elway mit ein. Stanford ist unter Head Coach Jim Harbaugh (Bruder des Ravens-Coaches und ex-Colts-QB) innerhalb weniger Jahre von der Lachnummer wieder zum Schwergewicht geworden – unter gütiger Mithilfe auch von QB Andrew Luck. Luck ist der Sohn des ehemaligen Rhein Fire-GMs Oliver Luck (jetzt West Virginia Mountaineers), und aktuell Junior. Luck ist seit Wochen in aller Munde, weil er als fast sicherer #1-Pick im NFL Draft gehandelt wird.

Ich habe Luck nicht hautnah verfolgt, aber: Das Standing dieses Mannes kommt auch in den wenigen Spielen rüber. Ruhiger Typ, brutal genaue Pässe, zwischendurch immer wieder die langen Bälle einstreuend. Der Prototyp des NFL-QBs und heuer auch mit einer starken Saison – 28TDs, 7INTs und 7 von 10 Pässe an den Mann gebracht. Gut genug, um #2 im Heisman Trophy Voting zu werden – hinter Cam Newton. Luck und Harbaugh – beide gelten auf ihre Weise als prädestiniert für zukünftige Aufgaben in der NFL. Zweiter Glanzpunkt in der Offense: Toby-Gerhart-Nachfolger RB Stepfan Taylor (über 1000yds, 15TDs).

Dass die Virginia Tech Hokies in der Orange Bowl spielen, ist angesichts ihres Saisonstarts eine Überraschung. Nach der Auftaktniederlage gegen Boise State verloren die Hokies in Woche 2 gegen James Madison (!), daheim (!!), und ein FCS-Team (!!!). Zwei Spiele, die nicht für die ACC zählen, über die sich VT qualifiziert hat, aber trotzdem: Dass die letzten 11 Spiele gewonnen wurden, konnte man damals nicht unbedingt erwarten.

Die Hokies besitzen ihrerseits einen guten QB Tyrod Taylor, ein Senior und ein sehr mobiler Mann, der wenige INTs wirft. VT definiert sich hauptsächlich über seine Defense, die nicht allzu dominant ist, aber knallhart von den Fehlern der Offense schmarotzt und mit 22 Interceptions eine der Defenses mit den meisten Turnovers ist.

VT ist zuletzt Stammgast in der Orange Bowl – wohl auch aufgrund der sportlichen Mittelmäßigkeit der Atlantic Coast Conference. Vor drei Jahren wurde verloren, vor zwei gewonnen – jetzt kommt Stanford daher mit seinem Motivationsgenie Harbaugh und seinem herausragenden QB Luck, lechzend nach einem Prestigeerfolg. Stanford hat seit 15 Jahren nicht mehr in einer Bowl gespielt. Nicht BCS Bowl. Bowl.

Ich erwarte einen Sieg der Cardinal. Vielleicht kein dominanter und brillanter Erfolg, aber ein Sieg.

College Football: Gebt mir Schüsseln!

Ohne große Überraschungen ist die Regular Season heute Nacht zu Ende gegangen. Nur noch das traditionsreiche Militärderby Army-Navy findet noch statt (Samstag). Man könnte auch sagen: Es war schlicht langweilig.

Tigerenten-Club made in Glendale

10./11. Jänner, 2h30 MEZ in Glendale, Arizona

#1 Auburn wurde mit einem souveränen 56-17 über #19 South Carolina locker SEC-Meister. Cam Newton spielte sensationell gut, aber die Defense der Kampfhähne glich eher einem Hühnerhaufen, denn einer Footballmannschaft. Simple Play-Action-Tricks und die Wide Receivers waren meilenweit offen. Newton mit nicht nur einem langen Ball, bei dem WR Adams sehr offen war. Auburn hat damit sein Ticket in das BCS-Finale sicher.

#2 Oregon mit einer vergleichsweise mageren Offensivausbeute: Nur 37 Punkte in Corvallis bei Civil War #114 – zweitschlechtester Saisonwert und damit der Punkteschnitt unter 50/Spiel gesunken. Die Ducks zertrümmerten die Beavers-Defense mit einer überragenden Lauf-Leistung. Oregon State im Rahmen seiner Möglichkeiten, denn die Laufdefense war schon das ganze Jahr über mickrig. Die Ducks fahren damit nach Glendale, Arizona. Dort wird am 10. Jänner eine etwas anders gelagerte Ausgabe des Tigerenten-Clubs stattfinden.

Unangenehm ist dabei natürlich die Story Auburn/Newton. Tigers und Ducks sind im Übrigen Neulinge im BCS Finale.

Rose Bowl

1. Jänner, 23h MEZ in Pasadena, Kalifornien

#3 TCU war eh spielfrei, wird obwohl ungeschlagen nicht ins Finale wandern, sondern nach Pasadena. Die Rose Bowl muss die Uni wohl oder übel im Zuge der BCS-Verträge einladen, auch wenn man sich vermutlich insgeheim die kleinen Horned Frogs zum Teufel wünscht.

Gegner wird mit höchster Wahrscheinlichkeit #5 Wisconsin sein. Es wäre sehr überraschend, sollten die Badgers noch von den Ohio State Buckeyes (#6) im Ranking überholt werden.

Fiesta Bowl

1./2. Jänner, 02h30 MEZ in Glendale/Arizona

#9 Oklahoma hat seit Jahren so etwas wie ein Abonnement für die Fiesta Bowl. Die Sooners sind zu „schwach“ für das BCS Finale, gewinnen aber mit schöner Regelmäßigkeit die Big 12, so auch heute Nacht. Trotz klarem Rückstand (0-17) wurde das Conference-Finale am Ende noch mit 23-20 gegen die #13 Nebraska Cornhuskers gewonnen. Es war ein furchtbares Spiel voller Punts, Interceptions und Fumbles. Die Huskers hätten ein Leichtes gehabt, zum Abschied aus der Big 12 den Titel mitzunehmen, machten sich aber mit einer Orgie an Turnovers in der ersten Halbzeit alles kaputt. Knackpunkt war die hirntote Interception von QB Martinez in der Endzone. Oklahoma hätte längst begraben sein müssen. Am Ende brannte QB Landry Jones ein Pass-Feuerwerk ab und die Sooners drehten das Spiel trotz gefühlt keiner einzigen Third-Down-Conversion. Dafür DB Lewis mit drei eroberten Bällen.

Gegner der Sooners ist noch unklar. Es läuft aber wohl auf den Big-East-Sieger hinaus.

Orange Bowl

3./4. Jänner, 02h30 MEZ in Miami, Florida

#15 Virginia Tech ist der Sieger der ACC und damit automatisch in der Orange Bowl. Die Hokies hatten mit der Florida State University ab drittem Viertel keine Probleme mehr und demolierten die Seminoles 44-33. Die Noles verzichteten auf QB Chris Ponder, dem Coach Jimbo Fisher nicht eine mögliche NFL-Karriere ruinieren wollte durch einen unbedachten Einsatz (Ponder mit Ellbogenproblemen). Ponder wird in den Draft gehen und wie sensibel dabei Teams auf kleinere Verletzungen reagieren, ist bekannt.

Die Seminoles müssen nun in der Chick-fil-A Bowl antreten. What? Chick-fil-A, eine Fastfood-Kette. Die Bowl findet in Atlanta statt.

Big East

Die University of Connecticut (kurz: UConn) ist Big-East-Champ. Eine völlig unbekannte Mannschaft, die komplett unscheinbar mit einem guten November noch an Pitt und West Virginia vorbeigezogen ist. UConn ist nicht gerankt und hat sich nach Meinung vieler keinen BCS-Bowlplatz verdient. Das leidige Thema AQ macht die unverdiente Einladung der Mittelmaß-Truppe in eine BCS-Bowl aber möglich. Pitt und West Virginia landeten jeweils Kantersiege, aber der direkte Vergleich spricht für die Huskies.

Die Reste

#11 Boise State fuhr einen von Anfang bis Ende ungefährdeten 50-14-Kantersieg über Utah State ein. Für Boise wird es trotzdem nicht reichen, um in eine BCS-Bowl zu kommen. Größen wie Stanford, Ohio State oder Arkansas kriegen mit Sicherheit Vorrang. Für Boise bleibt wohl nur eine kleine & mäßig attraktive Bowl.

Arizona State landete schon am Donnerstag seinen sechsten Saisonsieg im innerstaatlichen Duell mit #23 Arizona. Die Sun Devils sind trotzdem nicht bowl-eligible, weil sie zwei Siege gegen FCS-Teams eingefahren haben – No Go in der Division I-A. Trotzdem ein spektakuläres Spiel mit mehreren geblockten Kicks – u.a. in der zweiten Overtime dem Block zum 30-29-Sieg.

Größere und kleinere Schüsseln

Das Bild dürfte damit wie folgt aussehen:

BCS National Championship Game: Auburn vs. Oregon
Rose Bowl: Wisconsin vs. Texas Christian University. Damit spielen die #1 bis #4 in BCS Finale und Rose Bowl.
Fiesta Bowl: Oklahoma vs. BCS-Mannschaft.
Orange Bowl: Virginia Tech vs. BCS-Mannschaft. Läuft auf Connecticut hinaus.
Sugar Bowl: Keine fixe Zuteilung bisher. Läuft aber wohl auf Arkansas (SEC) vs. eine zweite at-large Mannschaft hinaus. Ich tippe dabei auf #6 Ohio State.

Schon fest steht, dass Brigham Young (BYU) und die University of Texas/El Paso (UTEP) die Bowl Season 2010/11 am 18. Dezember eröffnen werden. Spielort ist Albuquerque: Die New Mexico Bowl.

Auch die neu geschaffene Prinstripe Bowl ist schon besetzt: Kansas State und Syracuse werden am 30. Dezember gegeneinander spielen. Das Spiel findet im neuen Yankees-Stadion in der Bronx statt. Eigentlich war man eine zeitlang von einer Einladung für Notre Dame ausgegangen. Mit Syracuse hat man nun immerhin ein Team aus der Region bekommen.

Die Hawaii Bowl am Heiligen Abend bestreiten die Hawaii Warriors und die Tulsa Golden Hurricane. Auch hier: Hawaii muss nicht weit fahren.

College Football #14 Preview: Tierisches Spektakel

Letztes Wochenende Regular Season im College Football, wenn wir das traditionsreiche Duell zwischen US Army und US Navy am 11. Dezember mal ausklammern. An diesem Samstag entscheidet sich die Besetzung des BCS National Championships Games.

Road to Glendale

Ich habe kein schlechtes Gewissen, das vergangene Wochenende gehypt zu haben. Die Nacht von Freitag auf Samstag war lang (bis 9h) und schmerzhaft, aber vom Spannungsbogen großartiges Kino. Boise State ist aus dem Rennen für das Finale in Glendale, Arizona nach dem sehenswerten 31-34 (OT) in Nevada raus. #3 TCU hat seine zwölf Saisonspiele allesamt gewonnen, muss nun auf eine Niederlage der beiden Top-Gesetzten hoffen. #2 Oregon hat nach wackeliger erster Halbzeit seine ganze Klasse in Halbzeit zwei gegen Arizona aufblitzen lassen. #1 Auburn hat den Abend mit dem größten Comeback seit Led Zeppelin in Iron Bowl Nr. 75 eingeleitet. Der Hype für Samstag wird sich auf Auburn und Oregon begrenzen, auch wenn (leider) schon die ersten Experten dem Worst Case (Niederlage von einem der beiden oder beiden) schon vorbeugen, und Szenarien durchspielen, wie Wisconsin oder Stanford an TCU vorbeirutschen könnten – obwohl alle drei nicht mehr spielen.

Reser Stadium

Der Biberenten-Club

Samstag um 21h30 bricht in Corvallis der Bürgerkrieg aus. Und das sogar mit Grund: Die Oregon Ducks halten Einzug im Reser Stadium (Bild). Zeit für die siebtälteste Rivalität im US-College-Football: Oregon State Beavers gegen Oregon Ducks. Biber gegen Enten. Im Volksmund auch Civil War genannt, ganz einfach aufgrund der großen innerstaatlichen Konkurrenz. Seit 1894 spielen die beiden Unis gegeneinander, abwechselnd in Eugene (Ducks) und Corvallis (Beavers) und früher auch in Portland.

Oregon State und Oregon sind die bei den einzigen FBS-Mannschaften in Oregon und daher ist dieses Spiel auch so etwas wie die Football-Meisterschaft von Oregon. Der Sieger erhält die Platypus Trophy. Eine sehr geile Idee: In unserer schönen deutschen Sprache ist „Platypus“ nix anderes als das Schnabeltier, eine Kreatur mit Entenschnabel und Biberschwanz. Dass das Schnabeltier nur in Australien vorkommt, da kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Reizvoll an der Auseinandersetzung ist auch die geringe Distanz zwischen den beiden Unis: Nicht mal eine Autostunde liegen Corvallis und Eugene auseinander. Die beiden Städte liegen im Willamatte Valley, der bevölkerungsreichsten Region im ganzen Staat Oregon. Die Spannung zwischen Ducks- und Beavers-Zuneigung zieht sich quer durch die Familien, wie auch anders bei zwei so großen Unis (je ca. 24.000 Studenten)?

Hooligans und Kloschüsseln

Auseinandersetzungen gab es schon in den Anfangszeiten. Die Rückkehr von einem siegreichen Auswärtstrip beim Rivalen wurde gerne exzessiv gefeiert. 1972 dachten sich die Ducks-Fans, die Feier könnte man doch vorverlegen, und rissen die Torstangen aus der Verankerung. Der Versuch, auch die andere Endzone zu erobern, endete in einer gepflegten Massenschlägerei.

Das anerkannt schlechteste Footballspiel zwischen den beiden fand 1983 statt. Sauwetter im nasskalten Nordwesten der USA, und eine Orgie an Fumbles, Turnovers und verschossenen Field Goals waren für ein 0-0 verantwortlich. Das letzte punktelose Spiel in der Division I – mittlerweile wurden die Remis abgeschafft. Das Spiel wird in den Annalen nur mehr Toilet Bowl genannt. Die Kloschüssel. Da kann man es dann auch runterspülen.

Oregon State und Oregon sind keine landesweiten Footballmächte wie die Pac-10-Mitstreiter USC, Stanford oder Washington. Oftmals spielten da mittelmäßige Footballmannschaften gegeneinander. So auch 1998, als der Bürgerkrieg erstmals verlängert werden musste, zweimal sogar. Letzter Spielzug der ersten OT, das Feld wird gestürmt. Nach gut einer Viertelstunde ist es erst geräumt, um den letzten Play nach Strafe zu wiederholen. Zuletzt ging es aufwärts mit beiden Programmen: Mehrmals wurde um die Pac-10 Meisterschaft gespielt. 2008 stürmten die Ducks in Corvallis zu einem 65-38 und verwehrten den Beavers den Rose-Bowl-Einzug. 2009 gelang den Bibern nicht zu Revanche: Oregon gewann daheim und fuhr nach Pasadena.

Speed-Offense und Charakterköpfe

Am Samstag wird Oregon State im eigenen Stadion versuchen, den Ducks den erstmaligen Einzug ins BCS National Championship Game zu vermasseln. Um so viel ging es noch nie: Nicht nur staatliche, sondern nationale Meisterschaft!

Oregon ist seit einiger Zeit aus diversen Gründen in den Schlagzeilen: Sensationellem Offensiv-Football stehen kriminelle Studenten gegenüber. Der Reihe nach: Chip Kelly ist seit 2009 nicht mehr OffCoord, sondern Head Coach in Eugene. Kellys erstes Spiel fand im September 2009 in Boise statt. Am Spielende prügelte Star-RB Legarrette Blount einem Gegenspieler gegen das Kinn. Blount wurde intern suspendiert. In Kellys Mailordner landete eine Zahlungsaufforderung eines wütenden Fans: Mit Bitte, die vergeudeten $649 für den beschämenden Auswärtstrip zurückzuerhalten. Kelly verlangte vom Fan die Adresse. Tief beeindruckt nahm der Fan seine Zahlungsaufforderung zurück. Kelly hat Klasse. QB Jeremiah Masoli nicht. Masoli wurde beim Diebstahl auf dem Campus erwischt. Kelly schmiss Masoli raus und machte QB Darron Thomas zu dessen Nachfolger. Masoli spielt mittlerweile mäßig erfolgreich für Ole Miss. Dritter Star, drittes Vergehen: RB Lamichael James (Heisman-Kandidat, im Bild) stellte sich im vergangenen Winter als Frauenschläger heraus. James wurde aber nur ein Spiel gesperrt. Zu wichtig ist der Mann für diese Offense.

Chip Kellys OffenseUnd es ist nicht einfach nur eine Offense. Es ist die Offense. Kelly lässt ein Hurry-Up spielen, das siehst du kein zweites Mal. Selten, dass die Playclock auf unter 20 Sekunden tickt. Und das nicht gegen Halbzeitende, sondern konstant. Das Bild ist eine Anspielung auf Kellys Offense: SIX POINTS! Und die halbe Defense ist noch nicht mal an der Line of Scrimmage. Die Ducks laufen mit James und seiner Armada im Schnitt 300yds pro Spiel. Dazu kommen 241,7yds von QB Thomas. Macht sensationelle 541,7yds Offense PRO SPIEL. Oder 50,5 Punkte im Schnitt. Dem gegenüber steht eine ordentliche Defense.

Oregon State erlebt heuer ein Auf und Ab. Mit 5-6 ist man noch nicht bowl-eligible. Da kommt der Rivale grad recht. Am vergangenen Samstag schenkten die Beavers ihr Spiel in Stanford ab (0-38), waren mit den Gedanken wohl schon in Corvallis. Größte defensive Waffe der Beavers ist DT Stephen Paea, der die Triple-Option-Plays um QB Thomas und RB James (ich sage nur: Huffs Touchdown-Lauf) stoppen soll. Statistisch hat OSU keine Chance: Die Lauf-Defense ist trotz Paea unterirdisch und die Offense bestenfalls unterdurchschnittlich.

Trotzdem: Es ist Bürgerkrieg, da werden Kräfte frei. Eigenes Stadion. Vermutliches Scheiß-Wetter. Enges Reser Stadium. Es ist angerichtet.

Gockel und gestreifte Kätzchen

In Oregon herrscht wegen Bibern und Enten also Ausnahmezustand, und zeitlich fast parallel (22h00) und LIVE bei ESPN America matchen sich im Georgia Dome von Atlanta die nächsten zahmen Viecher um eine Trophäe. Nicht um ein bronzenes Schnabeltier, sondern um die SEC-Trophäe. Aufeinandertreffen die #1 Auburn Tigers und die #19 South Carolina Gamecocks. Tiger gegen Kampfhähne.

Über Auburn ist viel geschrieben und gesagt worden. Mit einem Sieg stehen die Tigers sicher im BCS-Finale. Mit einer knappen Niederlage, glaubt man den Experten, wohl auch. Die Tigers werden natürlich weiterhin auf den zwielichtigen QB Cam Newton setzen, dessen spektakuläre Spielweise ebenso Schlagzeilen produziert wie die undurchsichtige Geschichte dahinter. Am heutigen 1. Dezember ist Newton von der NCAA für spielberechtigt erklärt worden.

Auburn ist spätestens seit dem riesigen Iron-Bowl-Comeback der klare Favorit für dieses Spiel. Auch wenn Alabama über weite Strecken die Blaupause dafür geliefert hat, wie man Newtons Big Plays halbwegs eindämmt.

Steve Spurrier - Footballcoach der South Carolina GamecocksSouth Carolina wird seit einigen Jahren von Steve Spurrier (Bild) gecoacht. Spurrier, dessen Fun’n’Gun-Offense die SEC revolutioniert hat, aber in der NFL gescheitert ist. Man rieb sich nach Spurriers Debakel bei den Washington Redskins verwundert die Augen, dass der Star-Coach an die kleine University of South Carolina wechselte. In einer Division mit den Größen Florida (Spurriers Ex-Team), Tennessee und Georgia setzten sich heuer nach einigen durchwachsenen Jahren ausgerechnet Spurriers Kampfhähne durch – dank eines Kantersiegs in Gainesville vor ein paar Wochen.

South Carolina bietet mit QB Stephen Garcia einen Mann auf, der heuer einen Entwicklungssprung gemacht hat. Garcia ist großgewachsen und ein relativ sicherer Pass-Spieler im dritten Uni-Jahr. Ihm zur Seite stehen mit Freshman RB Marcus Lattimore (1114yds, 17 TDs) und WR Alshon Jeffery (zweites Jahr, 1351yds, 8 TDs) zwei hochtalentierte junge Offensivwaffen. Dazu besitzen die Gamecocks einen ganzen Haufen an Ergänzungsspielern auf den RB- und WR-Positionen, sodass die Last schön verteilt wird.

Die Defense ist recht solide, lässt wenige Yards zu und 20,2 Punkte im Schnitt. Nix Überragendes, aber durchaus die Stärke der Gamecocks.

Für South Carolina geht es in dem Spiel nicht nur darum, dem SEC-Rivalen Auburn die BCS-Finalträume zu zerstören, sondern vor allem darum, erstmals den SEC-Titel zu gewinnen. Dann wäre ein Platz in der Sugar Bowl garantiert. Für South Carolina der größte Erfolg ever. Aber Auburn ist eine große Hürde, eine, der die Gamecocks in der Regular Season nicht gewachsen waren: Knappes 27-35 Ende September.

Spektakel ja. Aber kein tierisches

Big-12-Finale zwischen den #9 Oklahoma Sooners und den #13 Nebraska Cornhuskers. Gespielt wird im monströsest möglichen Stadion: Cowboys Arena in Arlington zwischen Fort Worth und Dallas.

Die Oklahoma Sooners sind eines der drei, vier erfolgreichsten Footballprogramme der letzten Jahrzehnte und eine ständige Macht in der Big 12. Dank eines wilden 47-41 über die Oklahoma State University am letzten Samstag rutschten die Sooners im letzten Zacken noch ins Endspiel der Big 12. Ins vorerst letzte Endspiel. Später mehr.

Coach Bob Stoops schafft es seit Jahren, seine Sooners ganz oben zu halten, trotz Abgängen von Spielern wie QB Sam Bradford oder RB Adrian Peterson. Allein: Der ganz große Durchbruch gelang Oklahoma nicht, und auch heuer landete man „nur“ auf Rang neun, nach zwischenzeitlichem Platz 1 im Ranking. Die Sooners sind eine passgewaltige Mannschaft, angeführt von QB Landry Jones, der schon als Freshman sehr, sehr viele Yards und Touchdowns produziert. RB DeMarco Murray ist in seinem letzten Jahr und gilt als möglicher Draftpick für die mittleren Runden.

Nebraska wird zum letzten Mal ein Big-12-Spiel bestreiten. Die Cornhuskers wechseln zur kommende Saison in die Big Ten, die dann eigentlich eine Big Twelve sein sollte. Im Gegensatz dazu wird die Big 12 eher eine Big 10 sein. Wie auch immer, mit den Cornhuskers verlässt die Big 12 eines seiner Zugpferde. Die Maisschäler sind mehrfacher National Champion und Conference-Sieger.

Das Team 2010 spielt sehr defensiven Football. Es werden nicht viele Punkte erzielt, aber eben auch nicht viele zugelassen. „Vorne“ geht die Post am Boden ab: RB Helu und QB Martinez sind sehr laufstark, dafür wird in Nebraska nur sehr wenig gepasst. Die Huskers haben heuer nur zweimal verloren, beide Male gegen texanische Teams, und hätten sie nicht vor zwei Wochen gegen die Aggies 6-9 verloren, sie wären vielleicht in der Position, auch ohne Big-12-Titel eine BCS-Bowleinladung zu bekommen.

Der Sieger spielt in der Fiesta Bowl. Der Verlierer darf in ein paar Wochen wieder nach Arlington fahren, zur Cotton Bowl Classic, die nicht mehr in der Cotton Bowl zu Dallas ausgespielt wird, sondern ebenso im aufgeplusterten Monster der Dallas Cowboys.

Big-12-Championship. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, um 2h. Live bei ESPN America.

Der letzte Schrei: Von Indianern und Orangen

ACC-Championship in Charlotte, North Carolina. Die #21 Florida State Seminoles treffen auf die #15 Virginia Tech Hokies (das Spiel wird am Sonntag um 13h auf ESPN America aufgezeichnet). Seminoles (ein Indianerstamm), Hokies (ein Schlachtruf) und der Hauptpreis: Der Platz in der Orange Bowl (Miami).

Die Florida State Seminoles mussten bis zuletzt zittern und auf eine Niederlage von North Carolina State in Maryland hoffen. Das ist „gelungen“, wodurch die FSU im Jahr eins nach Bobby Bowden erstmals seit Jahren wieder im ACC-Finale mitspielt. Der neue Head Coach ist Jimbo Fisher, während Bowden dieser Tage eine US-Truppe im Nahen Osten für ein „Spaß“-Spiel coacht.

Unter Fisher ist vor allem die Defense der Seminoles besser geworden. Richtig viele Punkte wurden nur zweimal abgegeben, und das eher zu Saisonbeginn. Seither sind es meist zwischen 14 und 19 Punkten, ein sehr guter Wert. In der Offense verlässt man sich sehr auf das Laufspiel, das hinter dem dominanten Blocker Rod Hudson mit einer Handvoll guten Running Backs recht erfolgreich ist. Zudem wird QB Christian Ponder sein vorletztes Spiel für Florida State absolvieren. Ponder ist Senior und gilt als NFL-kompatibel, verschob seinen College-Abschied im vergangenen Jahr aber noch einmal. Anfang Jänner ist für Ponder Schluss – und was gäbe es für den Student, der sich von Bodyguards bewachen lässt, Schöneres als einen Abschluss in der Orange Bowl im eigenen Staat Florida, noch dazu im Stadion des Erzfeindes Miami Hurricanes?

Die Hokies haben eine merkwürdige Saison erlebt. Zu Saisonbeginn eine Last-Minute-Niederlage gegen Boise State kassiert und eine Woche später der GAU: Heimniederlage gegen James Madison? Nie gehört? Nicht schlimm: James Madison ist ein FCS-Team (Division I-AA) und selbst dort nur Bodensatz. Die Hokies haben sich von dem Fiasko aber schnell erholt und seitdem nicht mehr verloren. Basis auch hier: Starkes Laufspiel und eine Verteidigung, die wenige Punkte zulässt.

Eigentlich ist Virginia Tech Favorit. Aber wer will ausschließen, dass die durchaus eher mittelmäßigen Seminoles am Ende die von Kopf bis Fuß durch und durch mittelmäßige Atlantic Coast Conference in der Orange Bowl repräsentieren werden?