Akademische Viertelstunde – Rückblick auf College-Woche 4

College Football war letzte Woche total unterhaltsam und bot uns vielleicht sogar schon das Spiel des Jahres. Weiterlesen

Football am Freitag – Meister gegen Schüler, Original gegen Original

Eine NFL-Notiz voraus: Jets-QB Sam Darnold fällt mit Pfeifferischem Drüsenfieber zumindest für das Monday Night Spiel gegen Cleveland aus – vielleicht länger. Damit wird am Montag QB Trevor Siemian für die Jets starten – damit sind wir eines richtig interessanten Duells zweier Teams, die bereits mit dem Rücken zur Wand stehen, beraubt. Weiterlesen

College Football 2019 Preview: Pac-12 Conference

Die Pac-12 Conference ist die am meisten übersehene Power-5 Conference im College Football: Weder versprüht sie den Glanz der SEC, noch kann sie mit Schwergewichten wie Clemson (ACC), Ohio State (Big Ten) oder Oklahoma (Big 12) aufwarten. Erschwerend kommt hinzu, dass die US-Westküste generell an der späten Zeitzone zu knabbern hat: Wenn am Pazifik Primetime ist, schlummert Max Mustermann im Osten schon längst in seinem Bett. Weiterlesen

Akademische Viertelstunde – Review Woche 7

Noch ein kurzer Rückblick auf die letzte Woche im College Football – eine dieser verrückten Wochen mit gleich vier geschlagenen Top-10 Mannschaften. Das würfelt natürlich das Feld ein weiteres Mal ordentlich durcheinander. Weiterlesen

Black Friday 2016 Preview

Ein Freund ist mal mit einer purpurnen Jacke Ende November durch Seattle geschlendert. Dreht sich einer um und fragt: „Haste heute schon die Hühner mit dem Traktor verscheucht?“ Purpur ist die Farbe der Washington State University. Seattle ist die Heimat der University of Washington. Ende November ist die Zeit für den „Apple Cup“. Weiterlesen

Pac-12 Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten stellt den regierenden Landesmeister, die SEC gilt weiterhin als hochwertigste sportliche Liga im College Football, aber der heimliche Krösus ist die Pac-12 Conference aus dem Westen der Vereinigten Staaten. Die Pac-12 ist die Liga, die am stärksten nach oben strebt. Das liegt an den fetten TV-Verträgen, die in den letzten Jahren abgeschlossen wurden und dreistellige Millionensummen pro Jahr in die Programme pumpt. Das liegt aber auch an den vielen gelungenen Trainerverpflichtungen, die den Football an der Pazifik-Küste massiv vorangebracht hat. Du kannst alles Geld der Welt haben, aber du musst auch etwas daraus machen.

Pac-12 Football steht vor allem für schnellen, attraktiven Offensiv-Football. Kritiker aus den US-Südlanden bemängeln die fehlende Härte und verweisen darauf, dass selbst das Aushängeschild der Oregon Ducks mit ihrer einmaligen Offense an ihre Grenzen stößt, wenn sie gegen SEC-Defenses oder defacto-SEC Defenses wie Ohio State stößt.

Der Liga ist das wurscht. Ihre Stadien sind etwas kleiner als in der SEC, ihre Tradition etwas kürzer, ihre Defenses etwas schmächtiger und National-Title hat man seit einem Jahrzehnt keinen mehr gesehen, aber es besteht kein Zweifel, dass die Pac-12 nach oben strebt, und dass sie in absehbarer Zeit einen Landesmeistertitel holen wird – es geht gar nicht anders. Vielleicht dauert es drei Jahre, vielleicht noch fünf, vielleicht auch nur ein halbes, aber er wird kommen. Weiterlesen

Vorhang frei für die Bowl-Season 2013/14

Die Bowl-Season 2013/14 geht heute los. Die Bedeutung der Bowl-Season beschränkt sich zwar faktisch auf reinen Freundschaftsspiel-Charakter für alle Partien außer eine – dem BCS-Championship am Dreikönigstag – aber gefühlt steckt etwas mehr dahinter. Die Bowls stehen traditionell für die Post-Season im College Football, der seit Urzeiten ohne Playoffs auskommt – dieses Jahr übrigens zum allerletzten Mal – und dafür im Dezember bis Anfang Jänner stets eine Serie an so genannten „Bowls“ austrug.

Der Name „Bowl“ kommt tatsächlich von der ursprünglichen Form der großen US-Footballstadien („Bowl“ = Schüssel). Das erste dieser war die Yale Bowl in Connecticut, fertig gestellt 1914. Inspiriert von diesem Stadion erbauten die Macher in Pasadena bei Los Angeles in den 20er Jahren ebenfalls so eine gigantische Schüssel. Sie sollte der neue Austragungsort werden für das alljährliche Tournament East-West Football Game, das seit 1916 Teil der Neujahrsfeierlichkeiten samt Rosenumzug in Pasadena war.

Die Schüssel wurde Rose Bowl getauft, das Spiel „Rose Bowl Game“, und weil ein Jahrzehnt später die Macher in Miami/FL („Orange Bowl“) und New Orleans („Sugar Bowl“) dem Beispiel folgten, entwickelte sich der Terminus „Bowl Game“ alsbald als Synonym für die Post-Season, die der College-Football schon immer auf diese bizarre Weise ausspielte.

Playoffs sind ein Werk des Teufels. Wir kommen mit einer Serie an Inter-Conference Spielen aus und wählen uns an dessen Ende unseren Landesmeister („National Champion“). Das System hielt sich viele Jahrzehnte lang trotz aller himmelschreienden Ungerechtigkeiten, wurde erst in den 90ern durch die „Bowl Alliance“ und später die viel diskutierte „Bowl Championship Series“ (BCS) ersetzt, die aus der Bowl-Season endgültig eine Art Freundschaftsspiel-Serie machten, an dessen Ende das einzige bedeutende Spiel stand, das Endspiel zwischen der #1 und der #2 um den Landesmeistertitel.

Heute haben wir 34 Bowls plus als 35tes das National Championship Game. Das war nicht immer so. Noch Ende der 80er Jahre gab es nur 15-17 Bowls, aber mit der zunehmenden Kommerzialisierung und dem Aufstieg von ESPN als echter Player im TV-Markt wurden immer neue Bowls kreiert, um TV-Sendeplätze und Werbegelder zu generieren.

Qualifizieren können sich alle Teams mit zumindest ausgeglichener Siegbilanz (.500, also 6-6 Siege), wobei es oftmals eine Handvoll Teams gibt, die trotz Erreichen dieser Bilanz keine Einladung bekommen, weil einfach trotz vieler Bowls noch immer zu wenige Plätze vorhanden sind.

Es ist nicht alles schlecht: Spieler und Universitäten vor allem aus den kleinen Conferences sehen die Bowl-Season immer noch als ein großes Saisonziel. Für die Spieler ist die Qualifikation für eine Bowl auch die (offiziell) einzige Möglichkeit, über das Uni-Stipendium hinaus Zuwendungen in Form von Geschenken anzunehmen. Und vor allem für kleinere Unis ist es oft die einzige Gelegenheit, im landesweiten TV spielen zu dürfen.

Die Bowl-Season ist spannungstechnisch so aufgebaut, dass es vor Weihnachten mit einigen kleinen Bowls für die Teams mit den schwächsten Saisonbilanzen losgeht, und dann in den Tagen vor und bis Silvester die ersten namhafteren Bowls stattfinden. Ab dem Neujahrstag geht dann auch die BCS los mit den vier großen Bowls (Rose, Orange, Sugar, Fiesta), mit dem Abschluss des BCS-Finals. Detaillierter habe ich das Thema schon vor etlichen Jahren behandelt. Weiterlesen

College Football 2012, Week 1, Tag 1: Lasset die Eier fliegen

Das letzte Wochenende eines heißen Sommers steht an (harhar, heiß… morgen Nacht soll es schneien), und es ist das Wochenende, an dem die Saison im College Football beginnt. Dieser Auftakt gehört für mich seit Jahren zu den drei oder vier besten Wochenenden des Sportjahres – und ESPN America ist mit adäquatem Programm mit von der Partie.

Ich kündige hiermit auch gleich an, dass ich in diesem Jahr gänzlich auf das Programm im ESPN-Player verzichten werde. Da wo ich wohne, ist der einzige Staat in der EU (glaube ich wenigstens), in der es keinen ESPN-Player gibt. Es sind vielleicht zwei Samstage, an denen ich aus Arbeitsgründen den Zugang hätte, und dann nutze ich ihn meistens. Sonst nicht, und da es für mich keine Möglichkeit gibt, das Programm am Donnerstag oder Freitag zu bekommen (und der ESPN-Player generell erst ganz spät damit aufschlägt), lasse ich es sein.

Woche 1 beginnt auch gleich in der Hurrikan-Saison, die mal wieder den Staate Louisiana erwischt haben soll. Auf alle Fälle stark genug, dass die Partie Louisiana Tech – Texas A&M  auf Mitte Oktober verschoben werden musste. Die Partie wäre ursprünglich für morgen, 11h30 als Tape bei ESPNA gedacht gewesen. Musste nun rausgenommen werden und so wie es gestern Abend aussah, wurde es trotz einer Reihe an weiteren Auftaktpartien heute Nacht durch ein MLB-Spiel ersetzt.

Vanderbilt Commodores – South Carolina Gamecocks

Heute Nacht, 01h LIVE bei ESPN America
Wdh. morgen, 31.8. um 14h

Ein Jahr nach dem bestmöglichen Auftakt, den man sich in eine Footballsaison vorstellen kann (Baylor – TCU war das IMHO beste Footballspiel im kompletten Jahr 2011), wartet ESPN America mit Vandy vs. South Carolina auf, ein Conference-Duell aus der SEC-East auf. Vanderbilt wird diesmal nicht sooo viel zugetraut, aber der Gegner ist interessant, kommt mit einer leicht umgestellten Defense daher und wird hier einen Sieg brauchen, um nicht schon früh im direkten Duell mit Georgia in Verzug zu geraten.

Die beiden ausführlicheren Team-Previews gab es zu beiden gestern.

Brigham Young Cougars – Washington State Cougars

Heute Nacht, 04h15 LIVE bei ESPN America
Wdh. morgen, 31.8. um 16h30

LaVell Edwards Stadium BYU

Das wunderschöne LaVell Edwards Stadium – ©fb3wreath/flickr.com

Das Puma-Duell Cougar gegen Cougars – und ein Spiel, in dem einer der Stars das Stadion sein dürfte: Habe ich schon mal gesagt, dass es wenig spektakulärere Dinge gibt als ein Heimspiel der BYU Cougars in der Abenddämmerung? Bitte: 20h15 Ortszeit, LaVell Edwards Stadium und das wunderschöne Bergpanorama mit dem auch im Sommer leicht verschneitem Mount Timpanogos im Hintergrund.

Es ist auf der anderen Seite auch das Debüt von Mike Leach, jenem Coach, der einst bei Texas Tech für die mitunter passlastigste Super-Offense gesorgt hatte, die ich bis heute gesehen habe. Leach war bei den Red Raiders unter eher zweifelhaften Umständen (soll ein paar Studenten mit etwas zu harter Hand angefasst haben) gegangen worden, kehrt nun nach zwei Jahren Auszeit in den College Football zurück (letztes Jahr war er ESPN-Kommentator), diesmal in die Wälder von Washington, zu den Washington State Cougars. Chris Brown von Smart Football ist einer der größten Leach-Fans, und wer Zeit und Muße findet, dem rate ich dazu, etwas in Browns Artikel über diesen Coach und seine sehr spezielle Offense zu stöbern – kann man vieles über Pass-Offenses und deren Ableitungen lernen.

Alternativ habe ich meine Previews zu BYU und den kurzen Absatz zu den Coogs zu bieten.


Gar alle 124 Teams sind auf 20 Scheiben verteilt unter diesem Link zu finden.

Pac-12 Conference vor der Saison 2012/13: Die Northern Division

Nach dem sonnigen Süden nun in den nasskalten Norden der Pac-12 Conference, an die Bucht um San Francisco, und in die regnerischen Wälder Oregons und Washingtons. Es ist die Division des Nordwestens der Vereinigten Staaten, dort, wo die Stadien zwar keine 100.000 fassen, aber das Publikum in den zumeist schnuckeligen Arenen frenetisch wie in nicht jeder SEC-Arena aufgeigt.

Den Divisionsfavoriten kennen wird bereits: Oregon hatte ich einen eigenen Eintrag spendiert. Wenden wir uns der Konkurrenz zu. Den Stanford Cardinal zum Beispiel, die nach dem Abgang von QB Andrew Luck kein Trübsal blasen, weil man – ungewöhnlich für diese akademische Elite-Uni – plötzlich gut aufgestellt ist: Head Coach David Shaw hat für Stanford-Verhältnisse (exzellente Athleten sind schwer zu bekommen, weil Stanford noch Wert auf den „Student“ in Student Athlete legt) sensationell rekrutiert und die landesweit fünftbeste Klasse 2012 eingefahren. Shaw wirbt mit der Herausforderung: Spielen und pauken – nur die absolut Besten kommen da durch und sind gemacht fürs Leben.

Die Fragezeichen gibt es in der Offense, wo der RB Stepfan Taylor (kein Schreibfehler) den jungen QB Brett Nottingham (edit: Luck-Nachfolger scheint Josh Nunes geworden zu sein) tragen muss. Die Defense baut auf Physis und ihre herausragende Front-Seven, die zu den druckvollsten gehört, was Sacks angeht und Laufspiel meist komplett abwürgt. Könnte trotzdem eine happige Saison werden, mit USC, @Notre Dame und @Oregon im Spielplan.

Die Chance für die California Golden Bears (auch: Cal)? Nach Jahren der Stagnation ist in Berkeley plötzlich so was wie Euphorie zu spüren, was an der Combo QB Zac Maynard/WR Keenan Allen liegen mag. Oder am sanierten Heimstadion. Oder am sehr, sehr starken Defensive Backfield. Man hält sogar 9-3 für nicht ausgeschlossen.

Auch die Washington Huskies sind recht enthusiastisch, trotz der verheerenden Defense. Head Coach Steve Sarkisian hat nach Jahren am Boden (u.a. 0-12 im Jahr 2008) ansehnliche Aufbauarbeit geleistet und kann auf eine starke Offense vertrauen: QB Keith Price besitzt einen NFL-kompatiblen Arm, besser als es Jake Locker je war, und obwohl mit RB Polk und WR Kearse die besten Skill Player in die NFL gegangen sind, gibt es dahinter gute Nachrücker. Sehr gespannt bin ich auf die Defense, die kaum Druck zustande bringt (welch Wunder, wenn ein Defensive End wie Shirley keine 100kg auf die Waage bringt!), aber in der Secondary große Talente besitzt. Der Safety Shaq Thompson ist z.B. ein unglaublich gehypter Freshman. Washington wird sich dennoch schwer tun, in den Top-25 zu bleiben, weil der Schedule sich gewaschen hat: @LSU (8.9.), Stanford (27.9.), @Oregon (6.10.), USC (13.10.) in der ersten Saisonhälfte!

Die Huskies sind aber weiter als der innerstaatliche Rivale Washington State. Die Coogs kommen dafür mit viel Boohay um ihren neuen Head Coach Mike Leach daher, der vor zweieinhalb Jahren unter mysteriösen Umständen bei Texas Tech gefeuert worden war. Mike Leach, das ist nicht irgendwer. Mike Leach, das ist der vielleicht wichtigste Vordenker der unglaublich passlastigen „Air Raid“-Offense – die Texas-Tech-QBs pulverisierten unter Leach die Passrekorde gleich serienweise.

Die Zauberformel lautet: Creating space, using space. Die zirka einhundertdreiundfünfzig Wide Receivers an der Anspiellinie kreuzen sofort ihre Routen, und innerhalb von nullkommasieben Sekunden (oder so) muss der Quarterback geworfen haben. Es braucht keinen QB mit Staffords Raketenarm. Es braucht nur einen kurzentschlossenen, blassen Werfer. Einen wie QB Connor Halliday, der bei Washington State heuer starten soll. Es braucht aber auch eine halbwegs vorzeigbare Offensive Line – und genau daran wird der Angriff in Leachs erstem Jahr scheitern. Von der Defense ist nicht viel zu erwarten, höchstens, dass die erneuerte Front Seven ein bisschen Terz machen kann.

Bleibt das Mauerblümchen, die Oregon State Beavers vom beliebten, aber langsam unter Druck geratenden Head Coach Mike Riley. Oregon State war zu Beginn „meiner“ College-Football-Zeit (iss nicht soooo lange her) ein mit Ehrfurcht vernommenes Programm, kommt aber seit drei Jahren nicht mehr aus dem Loch. Verletzungsprobleme. Auswärtsschwäche. Ein QB Sean Mannion, der hinter einer wackeligen Protection immer wieder kurz vor dem Durchbruch ein Spiel mit 4 INTs einstreut. 2011 verlor man glatt auch noch gegen ein Team aus der FCS, was heuer nicht passieren darf, außer Riley will unbedingt in Rente gehen.

Summa summarum: Eine durchaus bärenstarke Division, die die Pac-12 da im Norden mittlerweile aufgestellt hat. Kein Vergleich zu dem, was wir heute Vormittag aus dem Süden kennen gelernt haben. Durchaus nicht ausgeschlossen, dass fünf Teams aus dem Norden die Bowl Season erreichen.