Notizblock NFL Championship Games 2013/13

49ers @ Falcons

Nach seiner 180yd performance letzte Woche gegen Green Bay war das oberste Ziel der Falcons, QB Colin Kaepernick nicht laufen zu lassen. Das hat auch sehr gut geklappt, nur war das scheinbar das einzige Ziel von DC Mike Nolan.

Kaepernick eingebremst haben die Falcons mit einem ganz einfachen Mittel: Weiterlesen

Der ausgewürfelte Superbowlsieger

Alles in allem ein Spiel, das so oder so hätte ausgehen können. Der Sieger war ein zufälliger – so wie man es hatte befürchten müssen.

Diese meine spontanen Gedanken am Ende des Liveblogs zu Superbowl XLVI waren Anlass zu einiger Irritation und fordern mich zu einer Klarstellung heraus. Nein, dieser Satz bedeutet nicht, dass die New York Giants ein unverdienter Titelträger 2011/12 sind. Und nein, dieser Satz bedeutet auch nicht, dass die New York Giants reine Kinder des Glücks waren. Trotzdem sind sie ein eher zufälliger Superbowl-Sieger 2011/12.

Einer der faszinierenden Aspekte an der Sportart American Football ist, dass man sich im Rückspiegel häufig an einzelnen Situationen gegen Spielende aufhängen kann – und das mit Recht!

Denn wenn sich zwei Teams über vier Viertel und 60 Spielminuten auf fast exakt gleicher Augenhöhe begegnen, entscheiden oft Kleinigkeiten, Zufälle, glückliche Fügungen. Man kann dies sehr gut an den GWP-Charts („Game Winning Probability“/Sieg-Wahrscheinlichkeit) vom hoch geschätzten Brian Burke von Advanced NFL Stats ablesen: Eine Vierpunkteführung in der „Crunch Time“ ist mehr wert als eine Vierpunkteführung im ersten Viertel. Sie ist auch mehr wert als eine Zehnpunkteführung im ersten Viertel.

Und so ist ein geglücktes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds Line 3:59 Minuten vor Spielende bei Zweipunkteführung im Sinne der Sieg-Wahrscheinlichkeit auch wertvoller als ein gelungenes 3rd down und 11 an der gegnerischen 44yds und zwei Punkten Vorsprung im – sagen wir – zweiten Viertel, respektive ein Scheitern im Schlussviertel verheerender als ein Scheitern irgendwo am Anfang der Partie.

Die Konzentration auf die Schlüsselmomente gegen Spielende ist also ebenso intuitiv wie mathematisch erwiesen und geht damit über den üblichen ESPN-Hype hinaus. Das bedeutet nicht, dass alles Vorherige unrelevant war, denn alles Vorherige bereitete das Feld für die Crunch Time und ist oft ebenso mit Zufällen besät wie der entscheidende Moment himself.

Anders gesagt: Die Gesamtleistung eines Mannings wird durch die Comeback-Drives im Schlussviertel nicht unbedingt sehr viel besser. Sie wird jedoch wertvoller. Das ist – um ganz kurz abzuschweifen – auch das interessante beim simultanen Betrachten von Pro Football Focus, das versucht, jeden Spielzug unabhängig der Situation gleich zu gewichten und damit der blanken Leistung Beachtung schenkt, und Advanced NFL Stats, das aufgrund der Einbeziehung des Kontexts dazu neigt, die Crunch Time – sofern eine Partie darauf hinausläuft – deutlich höher zu bewerten, weil es den Einfluss eines Spielers auf den Spielausgang misst.


Superbowl XLVI war so ein enges, hart umkämpftes Spiel zweier sehr, sehr guter Footballmannschaften, das spätestens im dritten Viertel erkennbar auf einen Furz als Entscheidungsfinder („Tie-Breaker“ ist angesichts des Spielstandes nicht ganz korrekt, gefühlt aber zutreffend) hinauslaufen musste.

Stark reduziert ist die Analyse des Superbowls ebenso populistisch wie tiefschürfend: Die Giants haben den einen Fehler der Patriots (Welkers Drop) genutzt, die Patriots den großen Fehler der Giants (Bradshaws Touchdown) nicht.

Hätte Welker den Catch gemacht, die Patriots hätten das Spiel so gut wie eingetütet gehabt (mit Drop 74%, ohne Drop wären es 98% gewesen!). Wer findet, kann einen anderen Moment herausheben. Was die Sache mit Welker aber einen Tick brisanter macht: Dieser neben Belichicks Anti-Management völlig spiel(mit)entscheidende Augenblick war ein „unforced error“. Der Giants-Beitrag zum Welker-Drop geht nicht über einen in der Wurfbahn stehenden Abwehrspieler hinaus: Welker war meterweit ungedeckt und man kann angesichts der Klasse der Protagonisten erwarten, dass sowohl Brady den Wurf platziert, als auch Fangwunder Welker das Ei zu pflücken vermag – trotz dieses einen Männleins.

Beides geschah in jenem Moment nicht. Für beides konnten die Giants herzlich wenig. Deswegen fällt der Giants-Sieg aus Giants-Sicht trotz der sehr guten Mannschaftsleistung zu einer großen Portion in die Kategorie des Zufalls, der glücklichen Fügung, was aufgrund der schieren Ausgeglichenheit der Mannschaften nicht mit „verdient“ oder „unverdient“ gleichzusetzen ist.

Hell, alle drei der abschließenden NFL-Partien dieser Saison wurden durch „unforced errors“ wenn nicht entschieden, dann doch extrem stark beeinflusst. Das verkickte Field Goal der Ravens. Das entnervte Knie des Kyle Williams. Der Drop des Wes Welker. Eine einzige Situation, die anders ausgeht, und wir haben, obwohl die Leistung haargenau gleich gut war, keinen Superbowl-Champ Giants.

Wir waren gar nicht so weit von einem 2-0 Endspielsieg der Baltimore Ravens über San Francisco entfernt wie wir glauben, und jeder der beiden wäre a) ein verdienter und b) ein zufälliger Ringträger gewesen.

Super Bowl 2012, T-minus 2: Taktische Analyse New England Patriots v New York Giants

Die unzähligen Storylines rund um diesen Super Bowl spielen in diesem Artikel keine Rolle. Dazu gibt es morgen und übermorgen mehr hier und auf den anderen bekannten Seiten die volle Dröhnung. Jetzt steht nur der taktische Aspekt im Fokus. In medias res.

Patriots Offense / Giants Defense

Das Herzstück der Giants-D ist ohne Frage der Pass Rush. Mit Justin Tuck, Osi Umenyiora und dem “Haitian Freak” Jason Pierre-Paul haben sie drei mehr sehr starke Pass Rusher. Zusätzlich haben sie in OLB/DE Matthias Kiwanuka und DT/DE Dave Tollefson zwei Leute, die auch auf den Quarterback gehen können und damit den Großen Drei so viele Pausen geben können, daß sie auch im vierten Viertel noch topfit sind.

Wie viel Angst New England vor dem Pass Rush hat, war sehr gut im Spiel der Woche 9 zu sehen, als die Patriots 23 Snaps mit sechs oder gar sieben Offensive Linemen gespielt haben. Der sechste O-Liner war dabei in der Regel Rookie Nate Solder. Sebastian Vollmer hat dabei auf seiner angestammten Right Tackle Position gespielt und soll höchstwahrscheinlich auch für den Super Bowl fit sein. Ob er startet und Solder nur den Big-TE/Extra-OL spielt oder Solder startet und Vollmer reinkommt, wenn Solder auf TE geht, kann man bei den Geheimniskrämern und Überraschungskünstlern Belichick/Dante Scarnecchia (OLine-Coach) nicht seriös vorhersagen.

Neben dem Mittel Personnel wird die zweite Variante, um den Pass Rush einzubremsen, wohl wieder TE Rob Gronkowski mit “Chips” gegen die DEs sein. Dabei gibt er dem gegenüberstehenden Verteidiger erst mal einen kräftigen Schubser mit, bevor er seine Route läuft. Das hat schon gegen Terrell Suggs im AFC Championship Game sehr gut funktioniert. Als Special kann Gronkowski auch bei einigen Spielzügen überhaupt keine Passroute laufen, sondern nur mit einem Offensive Tackle einen Defensive End doppeln, um dann ein paar Spielzüge später genau das anzutäuschen und nach längerer Zeit sich doch noch frei machen, in der Hoffnung, daß die Verteidiger sich um alle anderen kümmern, ihn aber außer acht lassen.

Die G-Men werden höchstwahrscheinlich durchgängig Nickel-D spielen. Je nach Down und Personnel meistens mit den drei Safeties Kenny Philipps (tief als Free Safety) und Deon Grant sowie Antrel Rolle als Strong Safety oder in einer Linebacker-Position. Wenn die Pats bei langen dritten Versuchen nicht mit ihrem gewohnten 2WR-set mit Wes Welker und Deion Branch spielen, könnte auch Rookie Prince Amukamara einige Snaps als Nickelback bekommen. Der hat zwar bisher alles andere als überzeugt, aber für einen schnellen Mann wie Chad Ochocinco, Matt Slater oder Hightop Underwood sind die Safeties zu langsam.

Der Gameplan der Giants-Defense sollte so aufgebaut sein, daß er die Outside-WR der Patriots zwingt, sie zu schlagen. Als Blaupause dient einerseits die Strategie von Rex Ryan und Jets-DC im letztjährigen Spiel und andererseits die Strategie von Cowboys und Steelers in dieser Saison. Das läuft darauf hinaus, daß der mittige Teil des Feldes hinter der Line of Scrimmage von mehr Verteidigern zugestellt wird als gewöhnlich. Kenny Philipps sollte der einzige Safety sein, der sich um die “Tiefe des Feldes” kümmert, Rolle und Grant dagegen relativ nah an der LOS agieren. Da die Patriots meistens in ihrem 2WR/2TE/1RB-Set spielen und weder der RB noch das dreiköpfige Monster Wes Gronkandez sich allzu weit von ihrem Quarterback entfernen, ist “die Mitte vollstellen” ein probates Mittel.

Zwei Dinge gibt es bei dieser Strategie zu beachten. Einerseits Tackling und andererseits tiefe Bälle. Wes Gronkandez dürften dieses Jahr die Rekorde für Broken Tackles und Yards after the Catch mindestens verdoppelt haben. Selbst wenn sie einen Ball nur zwei oder drei Yards hinter der Line of Scrimmage fangen, machen sie oft trotzdem noch 12 Yards draus. Nun sind die LBs und Safeties der G-Men gute Leute, aber lange kein so diszipliniertes und “technically sound” Kaliber wie Baltimore oder San Francisco. Einige Big Plays vom großen bösen Gronk und Aaron “YAC” Hernandez nach broken tackles sollten drin sein.

Der andere Punkt ist der tiefe Ball. Wenn man so massiv die Mitte zustellt und außen 1-gegen-1 spielt mit nur einem tiefen Safety spielt, gibt es immer wieder Möglichkeiten für die lange Bombe. Corey Webster, heimlich zu einem der besten Cover Corners der Liga avanciert, dürfte sich exklusiv um Wes Welker kümmern. Das heißt, die Herren Branch/Ochocinco/Underwood/Slater spielen gegen Aaron Ross. Auch ein fähiger Mann, aber niemand, nach dem man eine Insel benennen würde. Wenn ich wetten müßte, würde ich ein paar Taler auf einen TD von Mr. Ochocino setzen. Oder auf einen TD von Solder in der Redzone, wenn sich alles auf die drei üblichen Verdächtigen konzentriert.

Das Laufspiel wird auch eine Rolle spielen, aber keine besonders große, wenn die Giants die Box zustellen. Die größten Möglichkeiten wird es geben, wenn Big Blue mit ihrem Nascar-Package (3 oder 4 DEs in der Linie) aufläuft. Nur sollte sich New York nicht zu sehr auf das Paßspiel konzentrieren, denn dass die Patriots auch ganz patent laufen können, wenn überhall nur Defensive Backs rumstehen, haben sie immer wieder gezeigt.

Giants Offense / Patriots Defense

Die Giants brauchen sich gar keinen besonderen Gameplan zusammenbasteln. Für sie geht es nur um Execution, Execution, Execution. Mit ihren drei starken WRs Hakeem Nicks, Mario Manningham und Victor Cruz sollte sie gegen die Patchwork-Secondary der Patriots immer wieder gute Möglichkeiten bekommen. Nicks ist zu stark für jeden CB, den New England gegen ihn stellen könnte, sei es nun Kyle Arrington, Sterling Moore oder Devin McCourty.

Der beste unter den Dreien dürfte derzeit sogar noch Arrington sein. Das könnte ein spaßiger Abend für Manningham und Cruz werden, wenn sie als Gegner Moore oder gar Julian Edelman haben. Zumal gerade Cruz sich im Laufe der Saison von einem “ab-und-zu-mal-ein-big-play-WR” zu einem sehr konstanten und zuverlässigen Ballempfänger entwickelt hat. In den ersten Wochen der Saison hatte er immer wieder ganz furchtbare Drops und Fumbles, die seine guten Plays oftmals wettgemacht haben. Das passiert ihm jetzt kaum noch.

Neben den Großen Drei sind auch die Tight Ends Jake Ballard und Travis Beckum Männer mit sicheren Händen. Nur sollten die, noch mehr als die Tight Ends der Patriots, mit Hilfe in Pass Protection beschäftigt sein. Auch wenn Eli Manning einer der besten QBs under pressure ist, so sollte doch alles dafür getan werden, daß er nicht so böse vermöbelt wird wie gegen die 49ers im NFC Championship Game.

Die größten Schwachstellen in der Protection sind LT David Diehl und RT Kareem McKenzie. Beide sind nur noch ein Schatten ihrer früheren selbst. Diehl war auch schon auf die LG-Position abgeschoben worden, nur musste er zurück, nachdem sich Will Beatty verletzt hat. Beide leiden vor allem unter ihrem Alter und ihrer nachlassenden Athletik. Glücklicherweise für die G-Men haben die Patriots nichts die besten Outside Rusher der Liga. Der mit Abstand beste, Andre Carter, hat sich vor einigen Wochen auf IR verabschiedet. Die beiden noch verbliebenen, Mark Anderson und Rob Ninkovich haben immer wieder gezeigt, vor allem in den letzten Woche, daß sie gegen Schwache Gegner zwar nicht dominieren, aber immer wieder Zeichen setzen können.

Wichtiger noch werden die Matchups in der Mitte der Linie. Dort spielen die drei schwachen Kevin Booth, David Baas und der geradeso durchschnittliche Chris Snee gegen New Englands 1-tönnige Havoc Crew Vince Wilfork, Kyle Love und Brandon Deaderick. Die haben seit Ende November ihr Spiel auf ein ganz neues Level gehoben und haben mit Gerrard Warren und Shaun Ellis auch erfahrene Backups. Wenn diese dicken Jungs so auftrumpfen wie gegen Baltimore, als vor allem Wilfork gespielt hat wie ein junger Gott, sollte Eli Manning in große Schwierigkeiten geraten. Denn pressure up the gut ist für einen QB viel unangenehmer als Druck von den Außen, dem man meistens mit ein, zwei Schritten nach vorne entgegenwirken kann.

Die Defensive Line in Verbindung mit dem starken Linebacking-Corps um Jerod Mayo, Brandon Spikes und Ninkovich sollte auch in der Lage sein, daß Laufspiel der Giants abzuwürgen. Big Blues Groundgame ist zwar schon seit Wochen nicht mehr so schwach, wie die Zahlen der Regular Season behaupten, aber wenn New Englands Front Seven das nicht in den Griff bekommt, siehts düster aus.

Am Ende wird es auf dieser Seite des Balles so oder so in Elis Händen liegen. Früher, im Super Bowl XLII, war es noch eine Überraschung, daß der “kleine Manning” so gut unter Druck gespielt hat. Heute erwartet man es schon fast von ihm. Er, der allein in dieser Saison sechs (!) 4th-Quarter-Comebacks angeführt hat; der den Rekord für die meisten TD-Pässe im vierten Viertel (15) aufgestellt hat; er, der die Giants in fünf aufeinanderfolgenden Do-or-die-Spielen zu fünf Siegen getrieben hat, vier davon mit zweistelligem Vorsprung, insgesamt mit einem kumulierten Score von 141-67. Wenn Eli das am Sonntag reißt, ist er ohne Frage in der Tom-Brady-Klasse angekommen.

Gewinnt New England, kann man diskutieren, ob Brady Joe Montana als besten Quarterback aller Zeiten überflügelt hat. Nicht mehr zu diskutieren braucht man dann, ob Belichick der beste Coach aller Zeiten ist. Die Giants haben leichte Vorteile, aber am Ende wird das Spiel wohl wie immer beim Aufeinandertreffen von zwei ähnlich starken Teams entschieden werden durch 1) Turnovers, 2) Penalties und 3) Special Teams.

Notizblock NFL Woche 13 Colts/Patriots; Bengals/Steelers

Indianapolis Colts (0-11) @ New England Patriots (8-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Jeopardy:

– „weiche“ Tampa-2 Defense, ohne Schnörkel, ohne Abwechslung, die CBs und LBs beim Snap mindestens 10 Yards von der Line of Scrimmage entfernt.

Antwort 1) die Lieblingsdefense von Brady, gegen die er so sicher 30 Punkte macht, so lange ein Footballfeld nicht quadratisch ist
Antwort 2) der Gameplan des neuen DC Mike Murphy und HC Jim Caldwell gegen Brady und seine Patriots.

Beides richtig.

Das war wirklich unfaßbar anzusehen, wofür werden diese Leute bezahlt? Ich hab seit 2006 jedes Patriots-Spiel gesehen und noch nie hat eine Mannschaft einen derart lächerlichen Gameplan aufgeboten. Man wußte vorher immer schon was passieren wird und Color Commentator Rich Gannon hat das dann auch öfter mal gemacht. Es war entweder Welker „underneath“ zwischen zwei Linebackers, Branch mit 8-Yd-Curl an der Seitenlinie oder Hernandez mit Catch auf der Höhe zwischen LBs und Safeties. Und in der Redzone immer Gronkowski, der drei kinderleichte Touchdowns gemacht hat. So ein Gameplan ist Arbeitsverweigerung! Da kann man auch den Spielern gar kein Vorwurf machen, das geht alles auf die Kappe von DC Murphy und HC Jim Caldwell. So war es dann ein leichtes für Wes Welker in drei Vierteln 11 Bälle für 114 Yards zu fangen (bei 11 Targets), für Gronk drei Touchdowns zu machen und für die gesamte Offense 31 Punkte zu machen. (Die Offense hat übrigens ohne Center Nr. 1, 2 und 3 gespielt. Dafür kam jemand mit dem Namen Nick McDonald aus der Practice Squad in die OLine und ist nicht mal negativ aufgefallen. RT Sebastian Vollmer war inactive wegen seiner Rückenverletzung, was unsere Befürchtungen der letzten Wochen bestätigt.)

Daß Indy dann im viertel Viertel nach 3-31 noch drei Touchdowns gemacht hat – geschenkt. Da haben die Backups von Koutouvides, Slater und Jones gespielt. Ja, diese drei Herren kamen diese Woche aus Bill Belichicks Zauberkugel um das Spiel in der Defense zu beginnen. Matt Slater, im normalen Leben Special Teams Captain und Backup-WR, war der sechste Starting Safety in dieser Saison; Niko Koutouvides, normalerweise in der Practice Squad und manchmal Special Teamer, war der neunte (!) Starting OLB und Nate Jones, der bis Mittwoch noch arbeitslos war, hat am Sonntag die Rolle von Julian Edelman als Nickelback übernommen. Am Ende hat die Defense nicht besonders gut gespielt, aber mit guter Redzone Defense und auch wieder einer starken Interception (Jerod Mayo) hat Indy nicht mehr als 3 Punkte in drei Vierteln aufs Scoreboard gebracht. Die wenigen Punkte sind auch das Einzige, was Dan Orlovskys Leistung vom Label „Offenbarung der Saison“ fernhält: 30/37, 353yds, 2TDs, 1INT.

Glück im Unglück für Indy: mit 0-12 läuft man immer noch volle Kraft voraus Richtung Andrew Luck. (Wann beginnt eigentlich die Diskussion „Sooooo gut ist Luck jetzt auch wieder nicht. Es sollte eigentlich Spieler X Nr.1 Pick werden, mit dem gewinnen die Colts dann auch wieder den Super Bowl“?) New England kämpft mit Baltimore, Pittsburgh und Houston, die auch alle 9 Siege auf dem Konto haben, um den Nr.1-seed in der AFC und tut das mit relativ leichtem Schedule: @Washington, @Denver, vs Miami, vs Buffalo.

Cincinnati Bengals (7-4) @ Pittsburgh Steelers (8-3) [Gamcenter] [Gamebook]

Auch beim Spiel Cincinnati @ Pittsburgh können wir uns den ausführlichen Notizblock sparen. Die Bengals-Offense fängt ganz gut an, bewegt im ersten Viertel den Ball ganz ordentlich, aber durch Strafen und Dummheiten springen keine Punkte dabei raus. Mit 10:12 im 2nd Quarter stehts nach zwei Big Plays von WR Wallace und Brown plötzlich 14-0. Man mag das manchmal gar nicht glauben und es geht auch oft im GB/NO/NE-Hype unter, aber Pittsburghs Offense ist tatsächlich eine der explosivsten der Liga. QB Roethlisberger kann immer wieder Sacks entkommen und mit dem Duo Mike Wallace/Antonio Brown haben die Steelers zwei der schnellsten Spieler der NFL.

Den Kickoff nach dem zweiten Touchdown fumblet Brandon Tate und Wallace macht das 21-0 (Q2/8:33). Die Steelers haben drei Touchdowns in weniger als viereinhalb Minuten gemacht. Damit ist an dieser Stelle das Spiel vorbei, denn niemand holt gegen eine Steelers Defense in Pittsburgh 21 Punkte auf – bei allen Verletzungen und (vermeintlichen) Formschwächen. A.J. Green beweist dann zwar noch, daß er einer der besten WR der Liga ist und auch in die Rookie-of-the-Year-Diskussion gehört und macht auch kurz vor Halbzeit noch das 7-21. Da wollen die Steelers aber gar keine Zweifel aufkommen lassen und Antonio Brown trägt den Punt nach völlig verunglücktem 2-min-Drive über 60 Yards direkt zurück in die Endzone.

In der zweiten Hälfte will dann die Verteidigung auch noch mal auf sich aufmerksam machen und reißt QB Dalton immer immer wieder zu Boden und läßt ihn wie einen Rookie aussehen. Zu Beginn des vierten Viertels hat er so viel eingesteckt, daß er verletzt raus muß und Backup-QB Gradkowski die Schläge einsteckt.

Die Bengals müssen sich trotzdem nicht grämen. Sie haben gegen eines der besten Teams der NFL in deren Stadion verloren. Und sie sind mit 7-5 auch noch voll im Wild-Card-Race mit den Jets, Titans, Raiders und Broncos, die auch alle sieben Siege auf dem Konto haben. Schedule ist nicht einfach, aber drei Siege sind machbar: vs Houston, @St. Louis, vs Arizona, vs Baltimore. Pittsburgh kämpft mit Baltimore um die AFC-North-Krone und muß am Donnerstag gegen Cleveland ran, dann ein Monday Night Game in San Francisco, gegen St. Louis und zum Schluß in Cleveland.

Notizblock NFL Woche 10 Patriots/Jets

New England Patriots (5-3) @ New York Jets (5-3) [Gamecenter] [Gamebook]

Patriots Offense / Jets Defense

– RT Vollmer hat jetzt wohl endgültig seinen Startplatz zurück, nachdem in den letzten Wochen nach der Verletzungspause auch mal mit Solder rotiert worden war; Solder spielt dafür wieder den dritten TE

– Q1/8:10: 50-Yd-FG Ghostkowski; nach Pässen zu TE Gronkowski, TE Hernandez und WR Ochocino wirft Brady eine INT zu CB Kyle Wilson, die dieser aber nicht festhalten kann; Brady sieht wieder so schlecht aus wie in den letzten zwei, drei Wochen

– was ist denn mit Ochocino passiert? gleich der nächste Catch, dieses Mal für 53 Yards – nachdem er Darrelle Revis stehenläßt; Q1/2:31: anschließend ist RB Woodhead offen in der Endzone und Brady wirft wieder einen von seinen Mark-Sanchez-Pässe; irgendwas stimmt mit Brady nicht, jetzt im vierten Spiel in Folge; keine Accuracy  und mangelndes Timing, wie ich es von ihm noch nie gesehen habe

– Anfang Q2: jetzt schon das dritte Mal, daß in der Jets-D große Verwirrung herrscht und keiner so recht weiß, wo er sich aufstellen soll, Ergebnis: zwei 1st Downs und eine verschenkte Auszeit

– nach seinen Accuracy-Probleme klappt jetzt nicht mal der Center-QB-Exchange, Safety, 6-2 New England

– die Jets bringen fast ausschließlich drei oder vier Pass Rusher; Revis ist überragend gegen Welker

– Brady nach dem TD der Jets mit gutem 2-min-drive, immerhin das funktioniert noch; und am Ende kann niemand in der Redzone Gronkowski verteidigen; das ist der 15te Redzone-TD in anderthalb Saison für den 1,95m-Typen; 13-9 zur Halbzeit

– nach dem zweiten 3&out zum Start der zweiten Hälfte bekommt die Pats-O Hilfe von den Special Teams; Joe McKnight kann den Punt nicht fangen und Koutuvides recovered an NYJ18, Brady entkommt 3 Jets-Verteidigern und „looks like a finalist on Dancing With The Stars“ (Al Michaels) und natürlich macht Gronkowski den TD; äh, doch nicht, Gronk stand vorher im Aus, FG statt TD 16-9 New England (Q3/9:55)

– Q3/4:44: jetzt gehts Schlag auf Schlag: nach dem Fumble und der Interception überfordert Brady die Jets mit seiner No-Huddle-Offense und sieht endlich wieder aus wie der Alte; und jetzt macht Gronk auch tatsächlich seinen TD, 23-9 NE

– ich glaub, die Jets haben nicht einen Snap mit weniger als 5 DBs gespielt und die Run-D sieht trotzdem richtig gut aus, bis dann im vierten Viertel die No-Huddle-Offense Wirkung zeigt und die Verteidiger zunehmend ausgelaugter sind; die Pats in der zweiten Hälfte auch viel öfter mit Trips-Formationen um die Mann-Mann-Verteidigung zu kontern; nach 13 Plays und 84 Yards macht WR Branch dann den TD gegen Kyle Wilson und Brady ist auch ganz augenscheinlich wieder einer der besten QBs der Liga; 30-16 (Q4/8:05); direkt im Anschluß fängt Ninkovich noch eine Interception und spaziert in die Endzone 37-16 game over

Jets Offense / Patriots Defense

– Q1/11:38 die Jets fangen an wie die Feuerwehr, QB Sanchez zerlegt die Patchwork-Secondary der Pats – und dann vergibt K Folk ein 24-Yd-FG-Versuch

– Rookie Sterling Moore spielt als Safety durch durch (Pat Chung ist verletzt, Josh Barrett auf IR); die Spielzeit der verletzten LB Gary Guyton und Brandon Spikes teilen sich Tracy White und Jeff Tarpinian. Moore, White und Tarpinian waren undrafted, genau wie die beiden Starter CB Kyle Arrington und DT Kyle Love. Was will New England eigentlich immer mit den ganzen extra Draft Picks, wenn am Ende nur Free Agents spielen? Hmm…

– im zweiten Drive sieht New Englands D viel besser aus – und Sanchez viel schlechter; die Pats haben sogar sowas wie ´nen Pass Rush

DE Andre Carter mit seinem zweiten Sack im ersten Viertel, dieses mal weil Sanchez seine Protection nicht übersieht

– New England hat jetzt ganz offiziell einen Pass Rush! DE Carter spielt wie Terrell Suggs und auch DE Mark Anderson hat jetzt einen Sack (den er allerdings größtenteils der Coverage zu verdanken hat)

– das Laufspiel der Jets ist gar nicht so schlecht, aber dafür haben Carter/Anderson schon vier Sacks, RT Hunter ist so schlecht wie immer und Sanchez scheint Probleme mit den Protection Calls zu haben (macht eigentlich Sanchez oder C Mangold die Protection Calls, weiß das jemand?)

– Mitte des zweiten Viertels muß CB McCourty mit Schulterverletzung raus; damit hat NE jetzt nur noch drei CBs mit Arrington, Antwaun Molden und Philipp Adams

– die Jets kommen wieder bis in die Redzone und dieses Mal hält die Defense nicht, Sanchez läuft in die EZ zum 9-6

– Q3/7:36: nach den Special Teams hilft jetzt auch die D: LB Ninkovich intercepted einen mehrfach abgefälschten Ball; New England spielt bei ersten und zweiten Versuche fast ausschließlich ihre Base-D und lädt Sanchez ein, die Patchwork-Secondary zu schreddern, der daraus aber kein Kapital schlagen kann

– Q4/14:55: endlich marschieren die Jets mal wieder das Feld runter und Plax macht den Anschluß zum 16-23

Vorschau Woche 10, SNF Patriots@Jets

Wie in der Früh angekündigt, wird hier in Zukunft Herrmann regelmäßiger Beiträge schreiben. Heute geht es um das Sunday Night Game von heute Nacht.


As the world turns… Als wir uns das letzte Mal dem Klassiker Jets-Patriots gewidmet haben (und man lasse sich nur nicht einreden, das sei gar keine “echte” große Rivalry), hingen die Blätter noch an den Bäumen, die Patriots-Offense war das heißeste Ding seit Erfindung des Geldes und der Schreiberling selbst war noch kein Sidelinereporter an der Seite von korsakoff. Seitdem haben die Jets drei Spiele in Folge gewonnen und teilen sich mit einem 5-3-record den ersten Platz in der AFC East mit den Mannschaften aus New England und Buffalo.

Das soll hier keine Executive Summary werden, sondern wir wollen uns auf einen Punkt konzentrieren: New Englands Offense gegen New Yorks Defense. Das Matchup Pats-D gegen Jets-O soll hier nur ganz kurz und nicht umfassend abgehandelt werden: wenn das Laufspiel New Yorks funktioniert, funktioniert auch der Rest. Wenn nicht, funktioniert gar nichts. Und die Lauf-D der Patriots ist nicht die allerschlechteste.

Die Patriots seit haben dem letzten Spiel gegen den Divisionsrivalen in Woche 5 das große Zittern bekommen, seitdem nicht ein Mal mehr als 20 Punkte gemacht (20 gegen die Cowboys, 17 gegen die Steelers und 20 gegen die Giants) und sahen ihre hochgelobte Offense entzaubert. Am schlimmsten sah der Angriff um Tom Brady gegen Pittsburgh aus und das Überraschendste daran war, daß die Steelers es mit einer anderen taktischen Marschroute geschafft haben als die Jets bei ihrem letztjährigen Playoffsieg.

Die Grundidee beider, der Jets wie der Steelers, war gleich: die WR an den Seitenlinien verteidigt man 1-gegen-1, das reicht aus, weil Branch, Ochocinco, Taylor Price oder auch TE Hernandez vielleicht mal einen oder zwei Bälle fangen, aber uns nicht das Genick brechen werden. Der Unterschied lag in der Defense, die sie zwischen den Seitenlinien gespielt haben.

Pittsburghs Dick LeBeau, gebranntes Kind nach der Klatsche gegen New England letztes Jahr, als Brady genüßlich Zone-Coverage um Zone-Coverage auseinandergenommen hat, versuchte einfach mal was ganz Neues, was sich (seltsamerweise?) bis jetzt noch niemand getraut hat: Mann-Verteidigung mit Bump-and-run an der Line of Scrimmage und als Highlight oben nur einen Safety. Damit waren die Receivers der Pats völlig überfordert und das gewohnte Timing zwischen QB und WR war wie weggeblasen. Weil der zweite Safety – in der Regel ein Herr namens Polamalu – damit “in the box” war, wurde einerseits Bradys beliebte Mitte für die TEs und Welker mit einem Extramann abgedeckt und andererseits hatte auch das Laufspiel einen zusätzlichen Verteidiger gegen sich.

Die Jets hatten einen ähnlichen Ausgangspunkt, haben den Rest aber ein wenig anders gemanaget. Also auch: außen eins gegen eins. Und auch: Mitte zu. Aber Rex Ryans Jungs aus den Meadowlands haben das getan mit Zonenverteidigung. Bis auf zwei Cornerbacks haben alle Spieler der Secondary (die Jets haben hauptsächlich Dime gepielt) im Umkreis der Hash Marks ihre Zonen verteidigt. Und oftmals haben sie nur 3 Pass Rusher aufgeboten und 8 Mann (!) in die Paßverteidigung geschickt. New England hat das diese Saison in Woche 5 mit viel hard-nosed Laufspiel gekontert. Aber wenn die Jets ihre Strategie mit der Steelers-Taktik verbinden, wird auch das wohl nicht funktionieren.

Der Angriff von Belichick, Brady und OC Bill O´Brien braucht eine neue Idee, einen neuen wrinkle. Irgendetwas Neues. Mehr 3-WR- oder 4-WR-Sets vielleicht, ein kreativeres Laufspiel, ein Pärchen Ocho/Brady, das endlich lernt, miteinander zu spielen oder einfach nur einen Deep Threat. Brandon Tate war es nicht, Vielleicht kann es Taylor Price sein,

Ich möchte keinesfalls klingen wie ein “Fan, der vom Gestern lebt” (Uli Hoeneß), aber wo ist der Deep Threat – formerly known as Randy Moss? Es hat schon einen Grund, warum alle guten Mannschaften so einen in ihren Reihen haben und sogar ein Schüler Belichicks wie Thomas Dimitroff  seine Karriere aufs Spiel setzt, um einen Julio Jones zu draften. Das ist kein Plädyer pro Moss, aber von irgendwoher muß er kommen, der schnelle Receiver mit den langen Schritten, der tief gehen kann.

Für die Patriots ist dieses Spiel sehr viel wichtiger als für die Jets. Es könnte das erste Mal seit 2002 werden, daß Bellys Pats drei Spiele in Folge verlieren. Wenn man dazu nimmt, daß New England seine letzten drei Spiele in den Playoffs verloren hat und der letzte Sieg in diesen aus der Saison 2007 datiert, kann man tatsächlich so langsam mit dem Abgesang auf die Patriots der Belly/Brady-Ära beginnen.

Oder, wenn man nochmal den letzten Optimismus zusammenkratzen will, könnte dieses Aufeinandertreffen einen Wendepunkt markieren wie das Spiel in Woche 5 der Saison 2003 (38-30 gegen die Titans), das den Beginn der längsten Siegesseries der NFL-Geschichte einläutete: 21 Spiele in Folge ungeschlagen und Siege in den Super Bowls XXXVIII und XXIX.

Es wird sich zeigen und das Spiel hat als Sunday-Night-Ansetzung auch einen würdigen Platz dafür.

Die New England Patriots in der Modeschau

Heute Nacht startet mein persönlicher Topfavorit in die NFL-Saison: Die New England Patriots, die eigenartigste Franchise in dieser Liga, die über die letzte Dekade ein Erfolgsmodell gebastelt hat, das oft kopiert wurde, aber nie erreicht. Man komme mir nicht mit „aber sie haben seit sieben Jahren keinen Superbowl mehr gewonnen“. Die Patriots genießen bei mir höchstes Ansehen. Das beginnt beim Owner Bob Kraft, das setzt sich fort mit dem Head Coach Bill Belichick.

Das System Belichick

Was Belichick in New England seit Jahren unter massiven Spieler- und Coordinatorverlusten anstellt, ist mit keinem anderen Attribut als „beeindruckend“ zu beschreiben. Belichicks team first-Philosphie ist das Eine, aber was den griesgrämisch wirkenden Mann so außergewöhnlich macht, ist seine Vernarrtheit in Matchups. Bill Belichick lässt sich nicht in Offensiv- und Defensivsysteme kategorisieren. „Bill Belichick“, das ist das Suchen und Finden von Spielern, die in „sein“ System passen: Schemen, die die Schwächen des Gegners gnadenlos ausnützen. Dafür braucht Belichick Spieler, die executing nicht bloß verinnerlicht haben, sondern es leben müssen. Belichick und seine Spieler, das ist ein Geben und Nehmen.

Die Offense

Seit vergangenem Herbst ist New Englands Angriff wieder um gnadenlose Kurzpassoffense gebaut, nach den nicht wenig erfolgreichen Jahren mit der deep threat-Ergänzung Randy Moss. Moss scheint (ich traue mich nicht zu sagen: „ist“) Vergangenheit, was bleibt, ist Patriots-Angriff im alten Stil: Schnelle, präzise gelaufene Routen, quicke, intelligente Wide Receivers und Tight Ends und mitten drin ein Quarterback, dessen Fähigkeiten in Sachen Antizipation, Spiel- und Bewegungsintelligenz in der Pocket nur noch von seinen Eisklöten unter Druck übertroffen werden. Die Rede ist von Tom Brady. So wie Warner in Arizona System war, so wie Manning in Indianapolis System ist, so ist Brady unersetzlich in New England.

Diese rattenscharfen, schnellen Pässe sind New Englands Markenzeichen. Und die Anspielstationen sind breit gestreut: WR Deion Branch gilt als Brady-Kumpel und blüht in New England nach jahrelangem Siechtum ein paar tausen Meilen weiter westlich (in Seattle) wieder auf, WR Wes Welker ist mit seiner Wendigkeit sowieso ein Mann, der 120x/Jahr angespielt werden wird und als Blaupause dafür gilt, was WR Julian Edelman in ein paar Jahren sein soll, und dazu haben die Patriots mit WR Chad Ochocinco aus Cincinnati noch einen alten, routinierten Mann eingekauft, dessen Präsenz jeder Defense Sorgen machen wird.

Sorgen machen ist auch ein Stichwort bei den beiden Tight Ends, Ron Gronkowski und Aaron Hernandez, beide Spieler in ihrem zweiten Jahr, denen man jeweils sensationelle Rookie-Leistungen nachsagte. Gronkowski gilt als kompletterer Spieler, während Hernandez wie ein Wide Receiver gebaut ist und entsprechend einem Coach wie Belichick per definitionem gefallen muss. Stichwort „Matchup-Vorteile“ gegen Defensive Coordinators. Ein klein wenig erstaunt allerdings die Entlassung von Brandon Tate, einem Mann mit Ingredienzien für die tiefen Bälle.

Bei so viel Sabbern über das Passspiel darf man das Laufspiel der Patriots nicht vergessen, ein Laufspiel, das um eine Serie an guten Ballfängern (natürlich!) gebaut ist. Zu nennen ist hier die 360°-Waffen Danny Woodhead, ein kleiner, untersetzter, weißer Mann mit Armen und Beinen in Spaghetti-Dicke, aber so fassungslos wendig und vielseitig, dass ein bloßes Einsetzen bei 3rd downs einer Talentvergeudung gleichkäme. Die Hauptlast im Laufspiel trug zuletzt BenJarvus Green-Ellis, der trotz 1008yds, 4.4yds/Carry und 13 Touchdowns nur geringe Wertschätzung erfährt. Grund hierfür: Green-Ellis gilt als parasitärer Back, der nur die Yards nehmen kann, die ihm System und Blocks gewähren. Der Anti-Sanders gewissermaßen. Daher ist zu erwarten, dass die beiden hoch gedrafteten Rookies, der vielseitige RB Shaun Vereen und der brachiale RB Stevan Ridley, alle zu ihren Einsätzen kommen werden.

Man darf bei allem Hype um die oft so perfekt und brillant funktionierende Angriffsmaschine jedoch nicht die Offensive Line vergessen, die unter dem knochenharten Positionstrainer Dante Scarnecchia den Angriff seit Jahren trägt. Mit RT Sebastian Vollmer spielt hier der aktuell einzige Deutsche mit Football-Profivertrag (LB Matt Berning ist im Trainingskader der Jets) und Vollmer genießt hohe Wertschätzung (2nd All-Pro Team 2010). Die restliche Line dürfte erstmal recht unverändert bleiben: Center bleibt der nicht prototypisch gebaute Dan Koppen, die Guards geben Dan Connolly und der mittlerweile hoch bezahlte, bärtige Logan Mankins, den Left Tackle wird wohl vorerst Matt Light geben, nachdem Rookie Nate Solder, ein Mann mit unglaublich langen Armen, noch in der Entwicklungsphase steckt.

Alles in allem ist New Englands Angriff ein Meisterwerk. Kein Spektakel, aber oft so präzise wie die Uhren aus der Schweiz, so vielseitig wie ein Chamäleon, so bis ins Detail ausgearbeitet wie eine wie ein alter Kubrick.

Die Defense

Bei allem Hype um die Offense, es wird interessanter sein, wie Belichick seine neue Defense bauen wird. New England war jahrelang das Vorbild in Sachen „3-4“, dank einiger dafür untypischer Einkäufe geht man davon aus, dass Belichick ab sofort verstärkt mehr als bloß Spurenelemente von „4-3“ einbauen wird. 4-3 ist nämlich das System, das DT Albert Haynesworth in Tennessee groß gemacht hat. Haynesworth ist der spektakulärste Neuzugang in New England, ein dominanter Tackle, wenn motiviert mehr als bloß eine Schachfigur, aber auch die Einkäufe von DE Andre Carter und DE Shaun Ellis gehören zur oberen Kategorie und sollten der Defensive Line nicht bloß Tiefe, sondern vor allem Vielseitigkeit geben (Belichick behielt zehn Liner im Kader!). Man darf also Rotation erwarten: Haynesworth, Carter, Ellis und der ebenso neue, reine Pass Rusher Mark Anderson sprechen für eine Vierer-Line, wogegen der 160kg-Bonzen NT Vince Wilfork nun schon jahrelang der Ankermann in einer Dreier-Line war.

Man wird sowieso das Gefühl nicht los, dass es Belichick weniger um 3-4 oder 4-3 geht, sondern darum, in der richtigen Situation die richtige Aufstellung mit den richtigen Matchups für den jeweiligen gegnerischen Angriffsspielzug zu finden.

Dabei vertraut Belichick offenbar darauf, dass der seit Jahren schwelende Problempunkt „Pass Rush“ von den vielen neuen Linern sowie den jungen Linebackers gemindert wird. OLB Jermaine Cunningham gilt als potenziell quick genug, um auf Blitzes geschickt zu werden, soll aber besser in der Coverage sein. MLB Jerod Mayo ist der Fixpunkt, die Tacklemaschine, die ich trotzdem für nicht überaus dominant halte, dazu gesellen sich Leute wie der wendige Gary Guyton, der junge, aber schwerfüßige Brandon Spikes und der graue Bob Ninkovich. Alles Spieler mit verschiedenen Anlagen, alles Spieler (bis auf Mayo), die darauf warten, in der richtigen Situation eingewechselt zu werden.

In der Secondary schockte Belichick mit den Entlassungen von FS Brandon Meriweather, dessen Freigeistigkeit Belichick mächtiger und immer mehr auf den Magen gestoßen war, und SS James Sanders. Wie die neue Safety-Combo ausschaut, darf man gespannt sein, dafür hat man ein recht klar umrissenes Bild von den Cornerbacks: Die beiden Starter werden der routinierte CB Leigh Bodden und die Rookie-Sensation der vergangenen Saison, Devin McCourty, sein. Wie und wo der diesjährige Rookie-CB Ras-I Dowling eingesetzt wird, bleibt ein interessanter Punkt – wird Dowling Patrick Chung als Nickelback ersetzen, damit sich Chung darauf konzentrieren kann, den Safety zu geben? Eine wichtige Frage wird auch sein, inwiefern New England 2011/12 wieder auf 25 Interceptions und insgesamt 13 Turnovers angewiesen sein wird, weil die Secondary zu viele Yards über den Luftweg zulässt.

Ausblick

Dank eines sehr umtriebigen Sommers ist das Mannschaftsbild der Patriots doch stärker verändert, als man im Frühjahr annehmen konnte. Ich weigere mich jedoch, das als negativ anzusehen. Belichick hat, und das scheint seit Jahren sein Haupt-Interesse zu sein, hier einen Kader mit vielen, vielen Optionen für verschiedenste Spielsituationen beisammen. Eine Offensive Line, von der man weiß, was man bekommt. Eine Anzahl an Ballfängern, für die man mehr als zwei Hände braucht. Eine potenziell sehr starke Front Seven. Und wie immer den Quarterback der Quarterbacks, Tom Brady.

Der Schedule ist schwer, attraktiv, aber wie immer machbar.

Wk #1 @Dolphins (MNF, heute)
Wk #2 vs Chargers
Wk #3 @Bills
Wk #4 @Raiders
Wk #5 vs Jets
Wk #6 vs Cowboys
Wk #7 BYE
Wk #8 @Steelers
Wk #9 vs Giants
Wk #10 @Jets (SNF)
Wk #11 vs Chiefs (MNF)
Wk #12 @Eagles
Wk #13 vs Colts (SNF)
Wk #14 @Redskins
Wk #15 @Broncos
Wk #16 vs Patriots
Wk #17 vs Bills

Wie eingangs erwähnt: Das ist die Vorschau auf meinen persönlichen Superbowl-Favoriten. Die Hauptschwäche, das offene Scheunentor in der Secondary, scheint durch wiedergenesene Leute (Backfield) und Neueinkäufe in mehreren Bereichen (Front Seven, Backfield) zumindest in Ansätzen behandelt worden zu sein. Und ansonsten gilt selbiges wie jedes Jahr: Ich weigere mich, gegen die Combo Belichick/Brady zu setzen.

Das Zeiteisen verrät: 269 Minuten verbleiben. WordCount nach 24 Teams: 23535.