Little Caesar’s Pizza Bowl 2012 Preview

Pizza Bowl aus dem Ford Field zwischen zwei durchwegs unterdurchschnittlichen Mannschaften: Jede Wette, dass am zweiten Weihnachtsfeiertag eher maue Quoten eingefahren werden, wenn sich die Western Kentucky Hilltoppers (7-5) aus der Sunbelt Conference und die Central Michigan Chippewas (6-6) aus der MAC im nasskalten Detroit gegenüberstehen.

Western Kentucky ist eigentlich eine feel good-Story: Erst seit 2008 spielt man in der FBS mit, und unter dem Head Coach Willie Taggert, einem Lokalhero und ehemaligen Studenten an dieser Uni, ging es schrittweise bergauf: Nach drei Lehrjahren war man schon letztes Jahr „bowl-eligible“, war aber nicht berücksichtigt worden. Dieses Jahr schon, und dann wechselte ausgerechnet Taggert vor Start der Bowl Season zu South Florida, und wird die Früchte seiner Arbeit nicht ernten können. Nächstes Jahr kommt dann eine der verhasstesten Gestalten auf Head Coach: Der windige Bobby Petrino (ex-Louisville, ex-Atlanta, ex-Arkansas), der noch überall verbrannte Erde hinterließ und ein halbes Jahr nach der Kellnerinnen-Geschichte wieder eine Anstellung auf Zeit gefunden hat.

Central Michigan, vor drei Jahren noch eine heiße Geschichte unter Butch Jones (jetzt Tennessee Volunteers) und dann zwei Jahre im Nichts, ist nach allen fortgeschrittenen Rankings eine der schwächsten FBS-Mannschaften (irgendwo zwischen #100 und #120 verortet) und primär wegen knapper Siege über inferiore Konkurrenz überhaupt qualifiziert, während Western Kentucky seit Oktober einen einzigen Sieg eingefahren hat. Bleibt einzig für NFL-Fans was zum Schauen: Der „Eric Fisher-Watch“. Fisher ist Offensive Tackle bei Central Michigan und gilt als Geheimtipp für einen ganz hohen Draftpick 2013.

Western Kentucky ist im SRS schon als unterdurchschnittliche Mannschaft klassifiziert, gegen CMU aber immer noch mit 9 Punkten favorisiert.

Spiel gibt es ab 1h30 LIVE bei ESPN America; ein Tape folgt dann morgen, 27.12. ab 18h.

Sunbelt Conference 2011/12 in der Sezierstunde

Bezug nehmend auf die sommerliche Vorschau für die einzelnen Conferences im College Football nun ein Rückblick auf die Performances selbiger. Als ein wichtiges Bewertungssystem dient mit das „Simple Rating System“ (SRS), ein „nach vorne schauendes“ Ranking, das einst von Chase Stuart (Pro-Football-Reference) entwickelt wurde. Es setzt sich zusammen aus der Summe von:

  • MOV (Margin of Victory/Höhe der Siege)
  • SOS (Strenght of Schedule)

Ergo: MOV + SOS = SRS. Ist kein perfektes Mittel, reiht aber auf einfache Weise die Teams in eine ungefähre Reihenfolge.

Die Sunbelt Conference ist wenig überraschend auch 2011/12 Bodensatz. Das höchst gerankte Team, Arkansas State, liegt nur an Platz 54, das durchschnittliche Team ist auf Platz 94,6 platziert.

Rk   Universität         G    MOV     SOS     SRS      W-L
54   Arkansas State      12   13.1    26.0    39.1    10-2
79   FIU                 12    6.6    25.7    32.4     8-4
85   ULL                 12    2.8    27.5    30.3     8-4
89   Western Kentucky    12   -1.1    30.2    29.1     7-5
96   ULM                 12   -0.8    29.0    28.1     4-8
103  North Texas         12   -6.1    32.3    26.2     5-7
112  Troy                12  -10.1    30.1    20.0     3-9
115  Middle Tennessee St 12  -12.7    28.7    15.9     2-10
118  Florida Atlantic    12  -19.5    30.9    11.4     1-11

Die folgende Tabelle vergleicht auf vereinfachte Weise Erwartung und SRS. „EXP“ ist die im Sommer erwartete Platzierung im 120er-Ranking der Mannschaften, „SRS“ die Platzierung nach Abschluss der Regular Season. „+/-„ ist die Differenz zwischen erwartetem und tatsächlichem Abschlussplatzierung, wobei überaus positive Überraschungen grün, negative Überraschungen rot gedruckt sind.

Universität                        EXP   SRS   +/-
Troy Trojans                       68    112   -44
FIU Golden Panthers                70    79    -9
Arkansas State Red Wolves          80    54    +26 
Middle Tennessee St Blue Raiders   91    115   -24
ULM Warhawks                       94    96    -2
North Texas Mean Green             102   103   -1
Florida Atlantic Owls              106   118   -12
Western Kentucky Hilltoppers       109   89    +20
Louisiana-Lafayette Ragin’ Cajuns  117   85    +32

Eine große Enttäuschung war die Mannschaft mit dem flockigsten Namen in der FBS: Die Middle Tennessee State Blue Raiders, deren 2-10 Bilanz selbst die niedrigsten Erwartungen noch unterbot und die überraschend zum Bodensatz gehörten. Als einziger Lichtblick wurde der krankenartige Freishman-DE Shubert Bastien (1,97m) ausgemacht.

Auffällig auch, wie brutal Troy nach zuletzt fünf Conference-Titeln in Serie abschmierte. Die Trojans wurden von ihrer eigenen, windelweichen Defense gekillt, wo der Star-DE Jonathan Massaquoi, eine gute, aber nicht überragende Saison spielte – was zu wenig war. Mal schauen, ob Massaquoi in den Draft geht. Auch die FIU Golden Panthers, zweiter Topfavorit, schmierten ab. FIU um seinen Star-WR T.Y. Hilton war zu Saisonbeginn ein großes Gesprächsthema und nach einem Blitz-Start hatte man ihnen sogar zugetraut, ungeschlagen zu bleiben, aber dann wurde man von ULL überlaufen und war am Ende froh, überhaupt ein 8-4 herausgewürgt zu haben.

FIUs „Lokalrivalen“, die Florida Atlantic Owls, schmierten noch wilder ab, riskierten lange, zum Karriereausklang der 77jährigen Trainerlegende Howard Schnellenberger sieglos zu bleiben. Am Ende wurde es 1-11, aber man ist trotzdem zuversichtlich, wähnt sich mit dem neuen Schmuckkästchen von Campus-Stadion auf dem Weg in eine rosige Zukunft. Dito North Texas, das überraschend fünf Siege gegen einen nicht einfachen Schedule herauswürgte, sein brandneues Stadion eingeweiht hat und nach der gelungenen Debütsaison für Head Coach Dan McCarney den Blick nach oben richtet.

Zu den Top-Teams 2011, und es sind drei überraschende Unis. Western Kentucky schmierte „out of conference“ böse ab, spielte aber trotz limitiertem Passspiels eine starke Saison in der Sunbelt Conference (7-1 Siege), vor allem um den erstaunlich beständigen RB-Zwerg Bobby Rainey (1,72m). Raineys Bilanzen 2010 und 2011:

  • 2010: 340 Carries, 1649yds, 15 TD
  • 2011: 369 Carries, 1689yds, 13 TD

Was ist die englische Vokabel für „verbrennen“? Western Kentucky wurde aber trotz allem nicht in die Bowl Season eingeladen, was man schade finden kann, auch mit dem sympathischen Head Coach Willie Taggert im Hinterkopf, und vor allem im Hinterkopf, dass Western Kentucky eine starke „Senior-Class“ hatte, nun 12 wichtige Starter (u.a. Rainey himself) verliert und aufgrund des jungen Programms händeringend die TV-Übertragung in der Bowl Season benötigt hätte, um Aufmerksamkeit für das Recruiting zu schaffen.

Die ULL Ragin‘ Cajuns sind durchaus die größte Überraschung, allen voran mit dem neuen Coach Mark Hudspeth und dem aus dem Nichts gekommenen QB Blaine Gautier, der ganze fünf INTs warf (drei allerdings in der entscheidenden Niederlage um den Conference-Gewinn). Einen starken Quarterback hatten auch die Arkansas State Red Wolves, Sieger der Sunbelt Conference 2011/12: Ryan Aplin.

Garant für den Titel war allerdings die Defense um den plötzlich begehrten DefCoord Dave Wommack. „Begehrt“ war auch Head Coach Hugh Freeze nach seinem so überraschend verlaufenen Debütjahr: Freeze hat groß abkassiert und wird ein paar Kilometer weiter neuer Headcoach der Ole Miss Rebels in der SEC werden. Arkansas State muss in der Bowl Season nun gegen den MAC-Champ Northern Illinois spielen. „Muss“, weil diese GoDaddy.com Bowl erst am 8.1. stattfindet, wenn sich keine Sau mehr für College-Bowls interessiert (paar Stunden vorher werden dann die Wildcard-Playoffs in der NFL zu Ende gegangen sein und einen Tag später ist das BCS-Title Game).

Arkansas State dürfte die Chance auf einen Bowl-Sieg haben, wie auch FIU (gegen Marshall). Wie ULL gegen San Diego State gewinnen möchte, ist mir noch unklar. ULL spielt aber wenigstens „daheim“ in der New Orleans Bowl am morgigen Samstag.