College Football 2018 – Week 7 Preview

Ausblick auf einen College-Footballspieltag, der es in sich hat. Weiterlesen

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Samstagsvorschauer: Großes Coaching-Duell in der Fiesta Bowl

Vorletzter Tag dieses Jahres und vorletzter Tag der Bowl-Season 2017/18. Heute gibt es einige Blickpunkte, für die man sich die Eier reiben kann. Wir sehen unter anderem zwei New Year’s Six Bowls, zudem eine wunderschöne Mid-Major Offense – und natürlich den Hauptpreis: Die beiden fulminantesten Offensivspieler im College Football – QB Lamar Jackson und RB Saquon Barkley.

Vorschau auf die großen Semifinals vom Neujahrstag habe ich schon gestern geschrieben. Verweisen möchte ich auch auf den Sportradio360-Podcast mit Christian Schimmel, Jan Weckwerth und Nicolas Martin zur Bowl-Season. Weil wir schon beim Thema sind: Christian Schimmel hat sich natürlich auch wieder heute meinen Fragen gestellt. Weiterlesen

College Football Preview 2017: Big Ten Conference

Die Big Ten Conference erlebt in den letzten Jahren einen ziemlichen Aufschwung, vor allem, seit in Ohio State (Urban Meyer), Michigan (John Harbaugh) und Penn State (James Franklin) neue Headcoaches am Werk sind, die der vor Jahren so banalen „Großen Conference“ wieder Leben und nationale Relevant eingehaucht haben. Weiterlesen

Neujahrsbowls 2017 Preview

Vorschau auf die drei letzten „New Year’s Six“ Bowls:

  • 19h: Cotton Bowl Classic aus Dallas
  • 23h: Rose Bowl aus Pasadena
  • 02h30: Sugar Bowl aus New Orleans

Die Spiele werden bei SPORT1 US und DAZN übertragen. Weiterlesen

Big Ten Conference | College Football 2015/16 Preview

Die Big Ten Conference wähnt sich nach dem Landesmeistertitel der Ohio State Buckeyes sowie der Verpflichtung von Jim Harbaugh als neuem Head Coach in Michigan im Aufwind, doch bei genauem Hinsehen ist die älteste und stolzeste Conference im College-Football noch immer einige Schritte entfernt von den großen Ligen im US-Süden (SEC) und Westen (Pac-12).

2015 wird die Big Ten aber immerhin ein Elite-Team (eben Ohio State), ein sehr starkes Team (Michigan State) und eine Handvoll respektabler Mannschaften (Minnesota, Penn State, Michigan, Wisconsin, Nebraska) stellen. Das Problem sind eher die Hinterbänkler: Zu viel Mittelmaß. Weiterlesen

Die Lupe auf das Trainerkarussell im College Football gerichtet

Der prominenteste zu besetzende Trainerposten der heurigen Offseason war zweifellos jener der University of Florida, wo der rabiate Schreihals Will Muschamp nach vier überwiegend enttäuschenden Jahren abgesägt wurde. Muschamp scheiterte in Gainesville letztlich an einer unterirdischen Offense, ohne die man sich mit viel Glück anno 2011 zu einer BCS-Bowl durchbeißen konnte, aber zuletzt zweimal en suite böse abschmierte. Weiterlesen

Big Ten Conference | Vorschau 2014/15

Die Big Ten Conference – bestehend aus nunmehr 14 Footballmannschaften – sieht sich als älteste und traditionsreichste Conference als etwas Besonderes in der Landschaft des College-Sports. Selbst- und Fremdbild klaffen bei dieser Liga aber schon seit einigen Jahren etwas auseinander, und so wurde die einst unbestritten wichtigste Liga in den letzten Jahren doch recht deutlich von SEC, Pac-12 und vielleicht auch von der Big 12 Conference überholt. Eine Vorschau auf das, was 2014/15 passieren wird. Weiterlesen

College Football 2013/14, Week 12 Preview

Vermeintlich ruhiges Wochenende diesen Samstag (wer erinnert sich noch an das letzte Mal, als ich dies von einem November-Samstag behauptete?). Den Stand der Dinge hat Seminole schon am Dienstag auf den Punkt gebracht, und es geht ab sofort für die Granden nur mehr darum, nicht mehr zu stolpern. Ein gefährliches „Nur“.

Das nominelle Spitzenspiel heute ist um 21h30 #7 Auburn Tigers#25 Georgia Bulldogs. Beide können mit einem Sieg in dieser Partie ihre Chance auf den SEC-Finalplatz ihrer jeweiligen Divisionen am Leben halten, auch wenn es für beide ein sog. „long shot“ ist: Auburn muss in zwei Wochen auf jeden Fall noch auswärts gegen #1 Alabama spielen, und Georgia muss auf mehrere Ausrutscher bei Missouri hoffen. Die Partie gehört dem CBS-Rechtepaket, deswegen ist es weder bei SPORT1 US noch im ESPN-Player zu sehen; schade, denn beide Teams sind spektakulär: Georgia spielte zuletzt wieder mit dem Großteil seiner Offense-Stars, Auburn hatte letzten Sonntag seine beste Saison-Performance und soll unter dem neuen Head Coach Gus Malzahn richtig attraktiven Football spielen – meilenweit von dem entfernt, was ich von den Tigers erwartet hatte. Auburn muss auch deswegen gewinnen, weil es dann selbst mit einer Niederlage bei Alabama noch eine Chance hätte, durch die Hintertür eine BCS-Bowleinladung zu bekommen (Mizzou ist der andere lebendige „at-large“-Kandidat).

Für die Big 12 Conferene hat #12 Oklahoma State#24 Texas große Implikationen (21h30, auch außerhalb der bei uns legal bekömmlichen Spiele); Texas ist noch ohne Conference-Pleite; Oklahoma State mit bisher einer Niederlage. Für die Cowboys ist ein Sieg wichtiger als für die Longhorns. Beide müssen später im Saisonverlauf noch gegen das ungeschlagene Baylor ran.

Damit zu dem, was uns bei SPORT1 US respektive im ESPN-Player geboten wird (gesamten Sendeplan siehe unten).

18hIllinois vs #3 Ohio State dürfte eher begrenztes Upset-Potenzial haben. Die Buckeyes haben sich im Saisonverlauf zunehmend verbessert und sind mittlerweile legitimes Top-5 Team, aber es könnte zu spät sein: Selbst bei einer Pleite einer der ersten beiden Mannschaften (Bama, FSU) wird Ohio State möglicherweise in den letzten Wochen noch von hinten überholt, von entweder #4 Stanford oder #5 Baylor. Um diese Gefahr zu minimieren, muss Ohio State hier nicht bloß gewinnen, sondern überzeugend gewinnen.

21h30 – Bleiben wir in der Big Ten Conference: Nebraska#16 Michigan State könnte eine Art „play-in“ für das Conference-Finale der B1G (Legends Division). Die Huskers wursteln sich mal wieder mit altbekannten Problemen durch die Saison, und weil es immer und immer wieder Spiele auf dieselbe Art verliert, gerät Headcoach Bo Pelini in Lincoln langsam unter Druck. Letzte Woche würgte man sich immerhin zu einem Achtungserfolg auswärts gegen Michigan (17-13 Sieg), sodass es heute tatsächlich noch die Chance gibt, den Finaleinzug aus eigener Kraft zu schaffen. #16 Michigan State ist ein unangenehmer Gegner; die Spartans haben zwar keine Offense, aber eine Defense vor dem Herrn. Daher muss hier die Auswärtsmannschaft als Favorit angesehen werden – für viele im Lande ist Michigan State die einzige verbliebene Hoffnung, Ohio State doch noch eine Pleite vor Beginn der Bowl Seaosn zuzufügen.

Parallel dazu das Heimspiel der #2 Florida State gegen Syracuse. Alle Welt wartet noch immer auf den Stolperer der Noles, und viele Chancen bleiben nimmer. Im Gegensatz zu anderen Jahren gab es heuer aber noch keinen Fetzen Anzeichen, dass die Jungs um den Heisman-Favoriten QB Jameis Winston ins Straucheln kommen. Winston geriet unter der Woche in Schlagzeilen wegen eines „sexual harrasing“-Vergehens aus dem vergangenen Dezember. Wird möglicherweise thematisiert, aber der Fall sieht auf den ersten Blick relativ gegessen aus.

FSU ist schon für das ACC-Finale qualifiziert; der Finalgegner steht noch aus: Heute spielen Duke und #23 Miami/FL (jeweils 3-2 in der ACC) gegeneinander. Duke ist ein Freakteam im College-Football; Duke ist eine Basketball-Uni zuerst bis zuletzt. Miami/FL muss nach der niederschmetternden Pleite gegen Virginia Tech ein Lebenszeichen geben.

1h#10 South Carolina (schon wieder an #10?) gegen Florida wird immer mit dem Namen Steve Spurrier verknüpft sein; Spurrier war erst QB und Heisman-Trophy Sieger bei den Gators und dann in den 90ern dort als Headcoach der Revoluzzer, der der SEC das Passspiel beibrachte. Bei den Fans geliebt, im Athletic-Department aufgrund seines Starkults zum Problem erklärt, scheiterte Spurrier später in der NFL grandios und kehrte  ans College zurück. Bei Florida bleiben ihm die Türen verschlossen – man liebe es ruhiger – und Spurrier heuerte bei den Gamecocks an. Heute kann er mit einem Sieg quasi dafür sorgen, dass der Trainerstuhl bei Florida im Winter frei wird: Will Muschamp steht dort schwer in der Kritik. Es wäre die sechste Saisonpleite – und Florida muss noch gegen FSU ran; das Aus für die Bowl-Season könnte das Aus für Muschamp bedeuten.

1h45#1 Alabama auswärts gegen Mississippi State. Die Bulldogs haben nicht mehr die Qualität vergangener Jahre, und selbst dann wären sie klarer Außenseiter gewesen. Alabama verliert zwar schon ab und an ein Spiel, das es nicht verlieren sollte, aber sie sind nun schon jahrelang gegen keinen klaren Außenseiter mehr gestolpert.

2hUSC gegen #4 Stanford, eine extrem wichtige Partie für die Pac-12 Conference. Stanford hält in seiner North-Division zwar den Tie-Breaker gegen Oregon, darf aber wegen Punktegleichheit trotzdem nicht verlieren!  (Nächste Woche kriegt Stanford noch den Erzfeind Cal zuhause.) Und USC ist nicht mehr zu unterschätzen: Ob es am Trainerwechsel von Lane Kiffin auf Ed Orgeron liegt oder woran auch immer: Die Advanced-Stats lieben die längst totgesagten USC Trojans (6-3). Die Offense ist zwar aufgrund von Verletzungen (WR Marquise Lee z.B. humpelt sich durchs Jahr) und mittelmäßigen Quarterbacks eine Enttäuschung, aber die Defense gehört – das ist überraschend – zu den besten im Lande. Stanford ist mit seiner ruhigen Spielweise natürlich favorisiert, aber ein klein wenig Upset-Alarm liegt in der Luft: Die Stanford-Offense ist nicht so gut wie sie gemacht wird, und schließlich ist es für USC vor eigenem Publikum am späten Samstag-Nachmittag (zweite Halbzeit dürfte im Dunkeln stattfinden) die Chance, eine als verloren abgeschriebene Saison doch noch zu retten. Entsprechend aufgeladen dürfte die Stimmung im L.A.-Coliseum auch sein.

Sendepläne

SPORT1 US mit folgendem Programm:

18h    #24 Wisconsin - Indiana
21h30  #2 Florida State - Syracuse
01h    South Carolina - Florida

EUROSPORT 2 ab 22h30 mit der Aufzeichnung von Penn StatePurdue aus dem Beaver Stadium.

Der ESPN-Player hat potenziell diesen Schwall an Spielen:

  • 18h: Illinois-#3 Ohio St, Temple-#17 UCF, #22 Wisconsin-Indiana, Ole Miss-Troy, Rutgers-Cincinnati, Western Michigan-Central Michigan
  • 18h21: Vanderbilt-Kentucky
  • 18h30: Boston College-NC State, Pitt-UNC, Virginia Tech-Maryland, Southern Miss-FAU
  • 20h: UMass-Akron, Georgia St-ULL
  • 21h: UConn-SMU
  • 21h30: #2 FSU-Syracuse, Nebraska-#16 Michigan St, Duke-#23 Miami/FL
  • 1h: #10 South Carolina-Florida, #20 Louisville-Houston, USF-Memphis
  • 1h30: Arkansas St-Texas St
  • 1h45: Mississippi St-#1 Alabama
  • 2h: USC-#4 Stanford
  • 4h15: Boise St-Wyoming, Nevada-San Jose St

College Football 2013/14, Preview Week 5 am Samstag

Vierter Spieltag am Samstag, und diesmal gibt es die besten Matchups nicht mehr am Freitag, sondern am Samstag. Gleich zu Beginn das TV-Programm bei uns – ich konnte es nicht testen, aber ich schnappte auf, dass SPORT1 US zuletzt die Sendepläne eingehalten hat – diesmal soll es folgender sein:

18h    West Virginia - Oklahoma State
21h30  Minnesota - Iowa
01h    Arkansas - Texas A&M
04h30  Washington State - Stanford
04h    Arizona State - USC

Programm des ESPN-Players dürfte im Tagesverlauf bei Allesaussersport aufschlagen. Ich hab heute keinen Zugriff drauf. Ab 21h30 dürfte Notre Dame-Oklahoma im NBC-Stream zu sehen sein; in den letzten zwei Wochen gab es dort keinen Geoblock. Das Spitzenspiel des Tages, Georgia-LSU ab 21h30, könnte im CBS-Stream zu sehen sein, aber ich wurde informiert, dass der Stream möglicherweise geogeblockt sein wird.

Liveblogging gibt es vermutlich wieder bei DerDraft.de. Weiterlesen

Die Akademische Viertelstunde, Woche 3: Geschlagen mit den eigenen Waffen

Das Spitzenspiel in Woche 3 war zweifelsohne #6 Texas A&M Aggies gegen #1 Alabama Crimson Tide auf dem Campus von Texas A&M in College Station. Es war das Revanche-Spiel für die Alabama-Demontage im November 2012, als die Aggies Alabama schlugen und damit mehrere Dinge heraufbeschwörten:

  • Heisman Trophy für Johnny Manziel.
  • Spannende Endphase im Rennen um die B.C.S., in der Alabama am Ende doch noch durch die Hintertür ins Finale schlüpfte.
  • Diskussion darüber, ob der Manziel-Football über kurz oder lang Nick Saban ablösen würde.

Saban stellte damals offen provokativ die Frage „ist das, was Manziel und Texas A&M spielen, das, wie der Football zukünftig aussehen soll? Ist es wirklich das, was wir wollen?“ Und er gab am Samstag selbst die Antwort. Saban sprach nicht viel, aber das Gebotene auf dem Feld sprach eine klare Sprache: Ja. Zumindest hatte Saban eingesehen, dass er Manziel nicht mit seiner Defense schlagen konnte, sondern nur mit seiner eigenen Medizin: Offense.

Am Ende gewann Alabama 49:42 in einem spannenden Spiel, in dem es lange Zeit hin und her ging. Die Highlights in GIF-Formaten hat die USA Today zusammengeschnitten. Manziel eröffnete mit zwei Touchdowns, aber danach beging er zwei böse Fehler und Alabama machte lupenrein fünf TD hintereinander. Ab dem Ende des dritten Viertels war das Spiel ein Katz-und-Maus Rennen, immer Alabama zwei TD vorne, A&M mit der Verkürzung auf einen TD, und wieder Bama auf zwei TD davongezogen.

Alabama war körperlich überlegen und drückte seinen Willen im Notfall im Alleingang durch. A.J. McCarron, der Quarterback, musste nur die einfachen Würfe nehmen ohne große Böcke abzuschießen, und beendete den Tag mit einwandfreien Werten. Der wahre Star ist aber die Offensive Line. Diese ist konkurrenzlos in diesem Lande.

Johnny Manziel verlor. Aber es ist trotzdem eine tolle Augenweide, diesem Spieler zuzuschauen. Seine Improvisationskünste sind unerreicht, und nur weil das geordnete Chaos auf dem Feld in zwei vermeidbaren Fehlern endete, verlor Texas A&M. Manziel wird auch diesen Herbst nicht im B.C.S.-Finale spielen, und er wird am Ende des Jahres in die N.F.L. gehen. Ob er dort den Durchbruch schaffen kann, steht natürlich noch in den Sternen.

Die Top Ten

#2 Oregon hatte mit den Tennessee Volunteers überhaupt keine Probleme und gewann mit 59:14 so klar, dass es in der Heimatstadt der Vols, Knoxville, schon wieder um den Kopf des Trainers geht. Der hohe Sieg ist für Oregon auch deswegen wichtig, weil er gegen ein mittelklassiges S.E.C.-Team kam. Das ist gut für die Glaubwürdigkeit der Ducks.

#4 Ohio State hatte mit California auch ohne den Quarterback Braxton Miller keine Probleme und gewann 52:34. #5 Stanford war gegen die Army nur in der ersten Halbzeit in Schwierigkeiten und gewann am Ende locker 34:20.

Glanzlose Siege holten #7 Louisville (27:13 gegen Kentucky) und #8 L.S.U. (45:13 über Kent State), und die #10 Florida State Seminoles konnten erneut auf ihren QB Jameis Winston vertrauen, der eine fast fehlerlose Leistung beim 62:7 gegen Nevada beisteuerte.

Upset der Woche

#11 Michigan zog beim 28:24 gegen Akron in letzter Minute noch den Kopf aus der Schlinge und rettete sich vor einer peinlichen Niederlage. Dafür verlor #20 Wisconsin sein Auswärtsspiel bei den Arizona State Sun Devils, nicht allerdings ohne ein denkwürdiges Ende. Das ist sogar eine Übertreibung, denn das Finish in diesem Spiel, das 32:30 pro Arizona State endete, gehört zu den skurrilsten, die es bisher gab.

Die Ausgangslage: Zwei Punkte Führung für die Sun Devils, aber Wisconsin ist in der allerletzten Spielminute in der Nähe für ein Field Goal. Und dann passierte folgendes:

Die Abwehr wollte einen Fumble gesehen haben (Ball vom Quarterback vorsätzlich auf den Boden gelegt), aber das Knie vom QB Joel Stave war am Boden gewesen. Während die Referees noch mit dem auf dem Ball liegenden Abwehrspieler diskutierten, rannte die Uhr runter. Die Spielverzögerung der Defense war am Ende entscheidend. Hauptschuldig an dem Desaster sind die Schiedsrichter, die sich in Diskussionen verstricken ließen. Eine wirklich sehr spezielle Szene.

Drei andere Ergebnisse ragen noch heraus: Das 44:23 von #25 Mississippi gegen Texas. Das ist technisch gesehen kein „Upset“, weil Ole Miss höher gerankt war, aber allein von der Reputation der beiden Colleges ist nicht nur der Sieg überraschend, sondern auch und vor allem die Höhe. #24 T.C.U. verlor 10:20 gegen Texas Tech. Angesichts der hohen Erwartungen vieler an T.C.U. ein unerwartetes Ergebnis. Tja, und #16 UCLA mit seinem 41:21 gegen #23 Nebraska ist ein „Upset“, weil Nebraska im Coaches-Poll höher gerankt gewesen war (Nebraska war im Coaches-Poll die #17 gewesen, UCLA dort die #15).

Stiller Protest der Woche

Es ist kein Geheimnis, dass Lane Kiffin, der Head Coach der U.S.C. Trojans, in Los Angeles alles andere als beliebt ist. Kiffin gehört zu der Sorte Mensch, bei denen es nicht schwer fällt, sie zu verachten: Kind eines bekannten und reichen Mannes, vorlaut und mit steiler Karriere in jungen Jahren. Demut ist etwas, das Lane Kiffin nicht kennt, dafür lieber offen andere Menschen beleidigt. Das geht dann nach hinten los, wenn die Erfolge ausbleiben. Dann schlägt der Neid in Spott um.

Stillen Spott erntete Lane Kiffin am Samstag beim Heimspiel gegen Boston College in Form von ausbleibendem Publikum: Das Los Angeles Coliseum, in dem Southern Cal seine Heimspiele austrägt, fasst über 90.000 Menschen. Gegen Boston College war es nur zu einem Viertel oder einem Drittel gefüllt. In einem so großen Stadion kommt dann schnell Geisterstimmung auf, und das war es auch, das die Trojans in diesem Spiel fühlten. Die Atmosphäre glich jener auf dem Zentralfriedhof. Das ist die Quittung der U.S.C.-Fans für die schlechten Leistungen unter Lane Kiffin: Missachtung.

Schock der Woche

Minnesotas Head Coach Jerry Kill ist Epileptiker. Jeder weiß das, und auch das Programm der Golden Gophers wusste das bei seiner Anheuerung als neuer Cheftrainer zur Saison 2011. Das Unangenehme an der Situation: Kill hatte schon mehrere epileptische Anfälle unter Stress während eines Spiels. Am Samstag war es erneut soweit, und Kill musste kurz vor der Halbzeit zum vierten Mal in zwei Jahren ins Krankenhaus abtransportiert werden. Jedes Mal aufs Neue sind diese Bilder erschreckend, und die Frage, ob sich ein Mann das antun muss, kommt auf.

Inspiration der Woche

Rutgers ist keine Uni, an die man beim Gedanken an College-Football sofort denkt. Sie liegt in New Jersey, einem Staat, in dem man sich zu allererst für Profisport interessiert. Der Unisport kommt erst auf Seite fünf, und selbst dort sind die Meldungen eher klein. Am Samstag war das anders, denn Rutgers lieferte eine emotionale Geschichte mit der Ehrung von Eric LeGrand. Der ist ein ehemaliger Spieler der Universität, und bekannt wurde er, weil er in einem Spiel gegen Army vor wenigen Jahren schwer verletzt wurde, so schwer, dass er querschnittgelähmt zurückblieb.

LeGrand tourt seither als eine Art Maskottchen durch das Land, als Symbol für unbändigen Willen. Sein ausgemachtes Ziel ist es, bald wieder erste Gehversuche zu unternehmen. LeGrand wurde im letzten Jahr sogar von Greg Schiano in einem symbolischen Akt ein Eintagesvertrag bei den Tampa Bay Buccaneers in der NFL gegeben. Schiano war der Rutgers-Trainer von LeGrand in jenem Schicksalsspiel gewesen. Am Samstag wurden Videobotschaften unter anderem von Greg Schiano im Stadion von Rutgers abgespielt, als die Uni zum allerersten Mal eine Trikotnummer zu Ehren eines Spielers sperrte. Zu Ehren von Eric LeGrand.

Das AP Poll nach Woche 3

Die neuen Top Ten im AP Poll lauten nach den Ergebnissen vom letzten Wochenende wie folgt:

#1  Alabama Crimson Tide      2-0
#2  Oregon Ducks              3-0
#3  Clemson Tigers            2-0
#4  Ohio State Buckeyes       3-0
#5  Stanford Cardinal         2-0
#6  Louisiana State Tigers    3-0
#7  Louisville Cardinals      3-0
#8  Florida State Seminoles   2-0
#9  Georgia Bulldogs          1-1
#10 Texas A&M Aggies          2-1

Das kommende Wochenende bringt für diese Mannschaften nur langweilige Spiele. Denkt man. Denn im College-Sport ist ein Upset immer und gerade bei scheinbar schlechten Ansetzungen möglich.

The Countdown, T-minus 31: Wisconsin Badgers

The Countdown

#31 Wisconsin Badgers.
Big Ten Conference.
(Leaders Division).
2012: 8-6 Bilanz.

Die University of Wisconsin-Madison ist nicht unbedingt eine der ganz großen traditionellen Großmächte des College-Football, wie man es vielleicht annehmen würde, wenn man erst seit ein paar Lebensjahren dabei ist. Wisconsin, das zuletzt dreimal in Serie die Big Ten Conference gewann, erlebte zuletzt vielmehr die absolute Blütezeit des Bestehens des Footballprogramms der Badgers, und so fühlte sich der urplötzliche Abgang von Head Coach Bret Bielema, der zum größten Teil für den gewaltigen Aufschwung verantwortlich war, wie ein Schlag in die Fresse an.

Es war nicht mal so sehr der Abgang selbst; es war vor allem Bielemas neuer Arbeitgeber, der die US-Collegelandschaft verwunderte: Arkansas. Nicht Auburn, Texas, USC oder Tennessee, sondern Arkansas, eine insgesamt doch eher graue Institution. Das Umfeld der Wisconsin Badgers war ergo weniger erzürnt ob Bielemas Abgang, sondern vielmehr erstaunt, niedergeschlagen. Da qualifizierst du dich zum dritten Mal in drei Jahren für den zweitgrößten Preis im College-Sport – die Rose Bowl – und dann ist ein Mittelklasse-Team aus der verhassten SEC immer noch attraktiver für deinen Macher dahinter!

Der Neue ist Gary Andersen, der von Utah State kommt. Die Wahl verblüffte viele, denn die meisten hatten damit gerechnet, dass der umtriebige Sportdirektor Barry Alvarez einen Mann mit festen Wurzeln in der Region holen würde, wie zum Beispiel Paul Chryst (HC bei Pitt), der jahrelang OffCoord unter Bielema gewesen war. Tat er nicht, und Alvarez, die gute Seele und der Kopf der Philosophie in Madison holte sich externen Input in „sein“ Programm. Andersen hat etliche sehr positive Dinge bei Utah State bewirkt, aber insgesamt gilt er als unbeschriebenes Blatt.

Er übernimmt ein exzellent aufgestelltes Programm. Wisconsin spielte zuletzt 11-2, 10-3 und 8-6 Saisons. Beim letztjährigen „8-6“ sollte man nicht vergessen, dass die Badgers 2-6 in Spielen mit maximal einem Score Differenz waren. Das war nicht mehr die Offensivwalze um QB Russell Wilson und RB Montee Ball, die man gewohnt gewesen war, aber gut genug, um trotz der vielen Niederlagen als legitime zwei- oder drittbeste Mannschaft der Conference zu gelten. Tja, und wenn’e im Liga-Endspiel den Nebraska Cornhuskers mal eben 70 (!) Punkte einschenkst, sind eh die meisten Zweifel beseitigt.

Um nicht wieder das Klischee der Offense Line („Wisconsin!“) zu bedienen (die Line wird mittlerweile überschätzt, war 2012 maximal Mittelmaß): Wisconsin war stets eine auf den Lauf basierende Universität. Letztes Jahr rannte man 67% der Downs. Siebenundsechzig. Viel mehr schaffen nur mehr die Option-Offenses von Army, Navy und Georgia Tech. Das wird sich unter dem defensivorientierten Head Coach Andersen eher nicht ändern, und noch weniger, weil die Quarterback-Position völlig in der Schwebe ist. Ich habe letztes Jahr Wisconsin-Spiele mit dem QB Curt Phillips gesehen, in denen nur vor der totalen Implosion ein Passspielzug riskiert wurde.

Die Defense war schon letztes Jahr stark, und nun kriegt sie mit Anderson und dem DefCoord Dave Aranda zwei fanatische neue Leader. Aranda gilt als 3-4 Fetischist und installiert selbst mit einem 30kg-Fliegengewicht auf Nose Tackle dieses Abwehrsystem, aber wenn ich mich an die letztjährige Rose Bowl Übertragung richtig erinnere, wurde dort das vorhandene Wisconsin-Personal unisono gelobt für seine 3-4 Kompatibilität. Die Front-Seven dürfte also passen. Aranda gilt zudem als einer, der sehr kreativ darin ist, Passrush zu generieren – wichtig in einer Defense, die Probleme auf Cornerback hat. „Probleme auf Cornerback“ wie Wisconsin – aber in der Big Ten Conference ist das das kleinste Problem, das du kriegen kannst…

So.

Ich würde Wisconsin dieses Jahr erneut nicht unterschätzen. Der Schedule könnte kaum günstiger sein, außer natürlich, dass man Ende September zu Ohio State fahren muss. Da wird sich entscheiden, ob Wisconsin unter Umständen erneut die Qualifikation für das B1G-Finale schaffen kann bzw. die Möglichkeit zu einer vierten Rose Bowl en suite kriegt. Ohio State wird im Myerberg-Countdown schlimmstenfalls an #3 gerankt sein (ich glaube weiterhin, die Buckeyes werden diesen Sommer massivst überjazzt) und Ohio State wird die schwerste Hürde sein. Gewinnt Wisconsin dieses Spiel in Columbus, halte ich nix für ausgeschlossen – es sei denn, sie verlieren nicht erneut sechs knappe Spiele.

GFWTC, #119: OG Kevin Zeitler

Das Guard-Phänomen im 10-Teilnehmer-Feld der GFWTC habe ich schon im Blogeintrag zu Carl Nicks erklärt, und weil es sich bei einem Aaron Rodgers gut trifft, und dieser mein GFWTC-Quarterback seine einzige wirkliche Schwachstelle hat, wenn die Offensive Guards zu schnell den Passrush durchkommen lassen, ziehe ich auf #119 quasi mit Halbzeit der Team Challenge alle Register und verpflichte den jungen Offensive Guard Kevin Zeitler, der rein zufällig von der besten (und manche behaupten: weltweit einzigen) Schule für Offensive-Linemänner: Der University of Wisconsin. Mal ehrlich: Ein Team korsakoff ohne Blocker von Wisconsin – das hatte doch niemand ernsthaft erwartet, oder?

Zeitler war mein #4-gerankter Offensive Guard, nach Yanda, Iupati und Nicks (der in meiner Mannschaft den anderen Guard gibt), und er war es nicht nur, weil er eine sehr gute Rookie-Saison 2012/13 spielte, sondern auch wegen seines Alters. Klar hätte ich Jahri Evans, Mankins oder Brandon Moore draften können, aber die haben alle bereits ihre herbstlichen Nachmittage auf dem Buckel – und bei allen hat man ihre Flauseln schon entdeckt. Beim jungen Zeitler haste wenigstens noch Hoffnung, dass sie sie bei ihm nie finden werden.

Mal im Ernst: Ich hätte ohne mit der Wimper zu zucken auch einen David DeCastro gezogen, selbst nach dessen durchwachsenem und verletzungsgeplagtem Rookie-Jahr. Es ist erst ein Jahr her, da war im direkten Duell Zeitler vs DeCastro klar, wen die Pundits für den besseren, kompletteren Spieler hielten. Der Zeitler-Pick ist für mich in dieser Hinsicht auch ein Tribut an einen jungen Guard, der als Rookie in einer beinharten Division gegen exzellente Defensive-Fronts gehalten hat und sich somit das Privileg, Aaron Rodgers zu beschützen, verdient hat.

Rose Bowl 2013 Preview: #6 Stanford Cardinal – Wisconsin Badgers

Draft 2013

Who to watch

Wisconsin

RB  Montee Ball
OT  Rick Wagner
CB  Devin Smith

Stanford

TE  Zach Ertz
OLB Chase Thomas
RB  Stepfan Taylor
LB  Shayne Scov

Das größte Highlight einer jeden Bowl Season neben dem Championship-Game ist mit Sicherheit die Rose Bowl zu Pasadena, vor allem wegen des Ambientes: 14h Ortszeit, blumige Neujahrsparade, Feuerwerk bei gleißendem Sonnenschein, und mitten zwischen den Hügeln eingebettet die wunderschöne Schüssel von Pasadena, die „Rose Bowl“, Endspielstadion der FIFA-WM 1994 und über 90.000 Mann fassend, und Namensgeberin des Footballterminus „Bowl“ für so ziemlich jedes Post-Season-Spiel.

Die Rose Bowl sieht traditionell (sofern nicht einer im BCS-Finale steht) die Sieger der Pac-12 und Big Ten Conference gegeneinander, und so auch diesmal. Das Matchup lautet #6 Stanford Cardinal (11-2) gegen Wisconsin Badgers (8-5), und es könnte interessanter werden als es die Ansetzung herzugeben scheint.

Das beginnt bei Wisconsin, das heuer ein down year hatte, sich nach zahlreichen Abgängen (u.a. QB Russell Wilson, halbe Offense Line) lange Zeit schwer tat und überhaupt nur in der Position für seine dritte Rose Bowl en suite war, weil mit Ohio State und Penn State zwei bessere Mannschaften gesperrt sind. Und dann machte man Nebraska im Conference-Finale mit 70-31 (!) nieder. Freilich hielt das Hoch nicht lange an, und Head Coach Bret Bielema wechselte in die SEC zu Arkansas. Der Nachfolger ist mittlerweile bekannt: Gary Andersen von Utah State, aber heute wird ein anderer Mann coachen: Barry Alvarez.

Alvarez ist eine jener Gestalten, die zur Verkörperung eines Programms taugen, ein Multi, der lange Zeit als Chefcoach die Identität Wisconsins formte, dann seinen Nachfolger Bielema heranzog, und nun nach dessen überraschendem Abgang offiziell von der Mannschaft (!) gebeten wurde, dieses Spiel zu coachen.

Wisconsin ist nur 8-5, klar, und hatte kein richtig gutes Jahr. Auf der anderen Seite ist diese Mannschaft 2-5 in engen Spielen; lass zwei davon anders ausgehen, sie sind 10-3 und unsere Wahrnehmung von dem Team ist eine völlig andere.

Wisconsins Defense ist richtig gut, aber die Offense ist problematisch: Es gibt kein alternatives Passspiel, wenn das Laufspiel gestoppt wird; gegen viele Gegner reichen die vielen Yards des RB Montee Ball und Co., aber Stanford ist ein Kaliber, gegen das du nicht ohne Luftweg bestehen kannst: Die Defense ist mit ausgeglichener Offense und perfekter Spielzugausführung bezwingbar, aber man darf getrost skeptisch sein, wie das aussieht, wenn Gegners Quarterbacks null Gefahr ausstrahlen.

Stanfords Offense kommt auch in aller erster Linie über Physis und seinen RB Stepfan Taylor, aber der Schlüssel wird der schwer gehypte Freshman-QB Kevin Hogan sein, und wie Hogan nach seinem exzellenten Karrierebeginn (erst vier Starts) mit dem Druck eines Millionenpublikums zurecht kommen wird. Hogan… das ist ja einer der Treppenwitze, dass Stanford mit dem Super-QB Andrew Luck nun Jahr für Jahr am Pac-12 Titel gescheitert ist, und ausgerechnet im ersten Jahr „post Luck“ und im zweiten „post Harbaugh“ in der begehrten Rose Bowl steht.

Und ich halte die Cardinal für favorisiert, aber ebenso Wisconsin für lange nicht so chancenlos, wie man es von einem Team erwarten würde, das noch nichtmal in den Top-25 gerankt ist. Das Simple Ranking System (SRS) sieht Stanford auch „nur“ mit fünf Punkten vorne.

Also: Rose Bowl heute ab 23h bei ESPN America.

Big Ten Conference 2012/13 Preview

Die Big Ten Conference aus dem US-Norden/Nordosten rund um die Großen Seen herum ist die traditionellste, konservativste Spitzen-Conference im College Football, dort, wo sich die großen Stadiongiganten befinden, wo noch klassische Option-Offense gezeigt wird und wo man lieber alte Rivalitäten pflegt, als zwingenderweise Mannschaften ins BCS-Championship Game schickt.

Aktuell ist die Conference recht erschüttert von Skandalen, Stichworte Tressel/Pryor und Sandusky. Mit Ohio State und Penn State sind zwei der landesweit renommiertesten Programme böse unter die Räder der NCAA-Regelhüter gekommen und sind für diese Saison (Ohio State) bzw. auf Jahre (Penn State) außer Konkurrenz dabei. Der Rest dürfte erstmal passen: Der neue TV-Vertrag ist saftig, das Championship-Game trotz der sinnfreien Divisionsverteilung ein Erfolg und auch Commissioner Jim Delaney hat in den unsäglichen BCS-Diskussionen noch rechtzeitig die Kurve gekratzt um sein Gesicht zu wahren.

Legends Division

Die Michigan Wolverines hatte ich bereits vorgestellt, daher an dieser Stelle die Beschränkung auf die „Statisten“ – Statisten, die ich nicht unterschätzen würde. Die Michigan State Spartans verlieren zwar ordentlich Qualität in Offense (QB Kirk Cousins, WR Cunningham) und Defense (DT Jerel Worthy), haben unter dem gewieften Taktiker Mark Dantonio aber über Jahre ein grundsolides Fundament geschaffen, gut genug, dass man die Spartans nicht schon vor Saisonstart abschreibt. QB Andrew Maxwell kommt mit viel Wirbel auf den Campus, RB Le’Veon Brazill Bell war einer von den besseren, effizienteren Running Backs und ist auch ein guter Fänger (35 Catches). 35 Catches, das ist ziemlich genau die Hälfte davon, was alle restlichen im Kader Wide Receivers und Tight Ends zusammen auf dem Buckel haben. Deswegen wird man sich auf die Defense verlassen müssen, deren einzige Schwachstelle das von Worthy hinterlassene Loch mitten in der Defense Line sein dürfte.

Bissl mehr Buzz noch gibt es um die Nebraska Cornhuskers aus den Einöden um Lincoln, die Uni mit dem vielleicht größten Einzugsgebiet für das Recruiting, eine Uni, die aktuell auf Identitätssuche ist. Nicht in Sachen Spielsystem (da bleibt man bei lauflastiger Option-Offense), aber in Sachen: Was wollen wir? War man in den 90ern eine der absolut dominierenden Kräfte, so kratzt man nun Jahr für Jahr an den Top-10, ohne jemals hineingelassen zu werden. Der Gedanke an 9-4 Saisons als Standard treibt dem gemeinen Husker-Fan die blanken Schweißtropfen auf die Stirn.

QB Tyler Martinez taugt da als Projektionsfläche: Er ist zwar nicht der konventionellste Werfer und nicht der explosivste Scrambler, macht aber fast immer seine paar Yards beim 3rd und 3 zum ersten Down und personalisiert damit die unaufgeregte, aber auch nur mäßig entzückende Offense der Huskers. Das könnte heuer zu wenig sein, denn die traditionell starke Defense zeigte sich zuletzt porös und dürfte vor allem in der Front-Four nach Jahren mit Granaten wie Suh oder Crick diesmal wackelig besetzt sein.

Die Iowa Hawkeyes dürften nach etlichen Wechseln im Trainerstab, bei den Skill Players und in beiden Seiten der Schützengräben diesmal keine Rolle an vorderster Front spielen. Unter HC Kirk Ferentz ist man aber ein Muster an Beständigkeit und dürfte somit auch nicht gleich krepieren. Der QB Vandenberg gefällt nur sporadisch, aber gespannt ist man auf die Chemie mit dem fantastischen TE C.J. Fiedorowicz mit seinen ca. 2.05m, und gespannt bin ich auch auf die Defense, nachdem alle Ankündigungen in Richtung „blitz-happy“ zu deuten sind.

Northwestern gehört zu den Unis, die ich als Student mit Ambitionen auf Front-Office und 50k Monatsgehalt ganz gerne besuchen möchte, aber im Football nicht wirklich die große Nummer. Die letzten Jahre unter dem „Magier“, HC Pat Fitzgerald, waren für die Ansprüche der Wildcats so übel nicht, aber nach einem massierten Exodus dürfte man erstmal wieder unten anfangen.

Der absolute Superstar bei Northwestern hört auf den Namen Kain Colter und er hat schon einen Vorvertrag bei Bill Belichick bekommen. Colters Stats von 2011/12:

55 von 82 Pässen  673yds 6 TD  1 INT
126 rushes        726yds 9 TD  5.8yds/Carry
43 catches        458yds 3 TD

Minnesota wird nur, wenn es optimal läuft, in die Bowl Season reinflutschen. Bei Head Coach Jerry Kill sind immer noch die schockierenden Bilder seines Epilepsieanfalls am Seitenrand mitten in einer Liveübertragung im Hirn verankert, bei QB/WR MarQueis Gray muss man erst abwarten, ob er im zweiten Jahr auf der QB-Position mehr Spielverständnis zeigen kann.

Leaders Division

Zwei Teams können wir ganz schnell abhaken: Ohio State und Penn State. Beide wie oben geschrieben diesmal außer Konkurrenz dabei. Die Buckeyes sind aber aus drei Gründen trotzdem spannend. Der erste Grund: Urban Meyer. Der zweite Grund: Urban Meyer. Der dritte Grund: Urban Meyer. Meyer ist einer von den ganz großen Starcoaches, bei denen sich jeder die Fresse fuzzelig sabbert, inklusive Meyer himself. Meyer erwies sich mit seinem Ich habe keine Lust aufs Coachen mehr, deswegen fange ich wieder mit Coachen an-Spielchen als Wendehals und bezog entsprechend ein paar Pfund Prügel. Der Mann ist aber nicht zu unterschätzen, ließ bei Florida mit QB Tebow eine fantastische Option-Offense spielen – und Spielermaterial, das ist bei Ohio State noch nie ein Problem gewesen. Mit Braxton Miller gibt es im Kader auch einen von den laufstarken Quarterbacks in der Tradition Tebows. 2012/13 ist ein Aufbaujahr, bevor in der nächsten Saison der Ernst des Lebens beginnt – wir sehen also Freundschaftsspiele unter Wettkampfbedingungen.

Penn State? Ist für ca. 6-8 Jahre außen vor. Interessant werden drei Dinge: Wie lange wird der Spielerexodus noch anhalten, wann wird Head Coach Bill O’Brien hinschmeißen, und wie ernst ist es Penn States „more than just winning“-Footballpublikum wirklich? (Zuschauerschnitt in den letzten fuffzehn Jahren jeweils über 105000)

Bei Illinois, Indiana und Purdue kann man sportliche Leichtgewichte vermuten. Illinois ist erstmal den unbeliebten Coach Ron Zook los und hat mit Tim Beckman einen lokal erfolgreichen Mann geholt, aber es gibt abseits von QB Scheelhaase und der starken Front-Seven wohl zu viele Fragezeichen. Indiana hat auf seinem Weg zurück aus den Niederungen des College Football keine Siebenmeilenstiefel angelegt, wäre schon froh, wenn die Jungs von Kevin Wilson mal ihre Affinität für gelbe Flaggen ablegen würde. Und Purdue bringt auch kein Entzücken: Der einzige spektakuläre Offensivspieler RB Ralph Bolden ist rekonvaleszent und raucht zu gerne Gras, der out of conference-Schedule ist zu schwer, als dass die Bowl Season drin ist.

Bleiben die Wisconsin Badgers. Und wir wissen, watt datt heißt. HC Bret Bielema hat zuletzt massivste Hünen in den NFL-Draft geschickt, nur um in diesem Jahr wieder eine Unit an Offensive Linemen aufzubieten, wo 12 von 17 Latten über 2m und 16 von 17 Schränke über 140kg sind. Ich war grad im Handel, drei Kisten Bier fürs Drinking Game bei der Saisoneröffnung zu holen.

Keine Frage ist aber: Wisconsin hat Qualität verloren. Es sind einfach zu viele Abgänge: OffCoord Chryst nach Pittsburgh, QB Wilson, WR Toon in die NFL. Nur RB Montee Ball ist noch da, aber wer weiß, wie stark Ball von Wilson profitiert hat. Und Wilson war fraglos der Schlüsselspieler: All die Jahre hatte Wisconsin gutes Laufspiel, aber erst 2011 war mal ein guter Werfer dabei – nur um dann wegen zwei Hail Marys die Chance aufs BCS-Endspiel zu vergeigen. Der neue QB Danny O’Brien, der aus Maryland kommt, ist mir nicht in so besonderer Erinnerung, als dass ich ihn zum neuen Wilson ausrufen möchte.

Über die zuletzt erschreckend schwache Lauf-Defense haben wir da noch gar nicht geredet, aber wie gesagt: Conference-Finalqualifikation sollte aufgrund von Buckeye-Sperre drin sein. Mehr dann wohl auch nicht.