Samstagsvorschauer – Woche 9: Cocktails in Jacksonville

Vorschau auf den heutigen Samstag – und gleich vorneweg schon die Warnung: In der Nacht auf morgen wird in Europa auf Winterzeit umgestellt. Die USA ziehen immer eine Woche später nach – wir haben morgen in der NFL andere Kickoff-Zeiten: 14h30, 18h, 21h30 und 1h30. Heute gelten am College noch die „alten“ Anstoßzeiten. Weiterlesen

College Football 2012 und die Woche 9: Go, Bill Snyder!

Sidebar

ESPN America LIVE

Sa, 15h00 GameDay
Sa, 18h00 SC  - TEN
Sa, 21h30 FLO - GEO

ESPN America Tape

Sa, 12h30 LOU - CIN
Mo, 05h30 ARI - USC
Di, 10h30 OKL - ND
Do, 12h00 PSU - OSU
Do, 14h30 ALA - MSU

EUROSPORT2 LIVE

Sa, 21h30 MIN - PUR

Liebe Leser, das Fernsehprogramm für Europäer im deutschen Raum geht auf die Verantwortung von korsakoff und ist nebenan in der Sidebar gelistet. Das Topspiel am Abend ist #2 Florida#10 Georgia, das einer alten Tradition nach auf neutralem Platz in Jacksonville ausgetragen wird und auf den inoffiziellen Namen The World’s Largest Cocktail Party hört. Die Granden werben aus Jugendschutzgründen (Stichwort: Hochprozentiges für Hochpromillige) nicht mehr mit diesem Claim, aber unter den Palmen von Nordflorida fühlen sich Gators und Bulldogs immer noch wohl und müssen immer noch keinen zu großen Durst leiden. Es sollte als Seminole klar sein, wo meine Präferenzen in diesem Spiel liegen.

Ein zweites ganz großes Spiel wird es am Abend, beziehungsweise in der europäischen Nacht, geben. In Norman/OK treffen sich die #8 Oklahoma Sooners und die #5 Notre Dame Fighting Irish zu einem der größten Out Of Conference Games in dieser Saison. Notre Dame ist in diesem Jahr noch ungeschlagen und selbstredend hier in Indiana ein noch größeres Thema als eh schon sonst. Trotzdem sind fast alle der Meinung, dass Oklahoma mehr zu verlieren hat, denn Oklahoma traut man immer noch mehr zu als den Goldgelben von der Katholikenuni, die einfach zu oft enttäuscht haben. So kommt es zu der lustigen Situation, dass die University of Oklahoma in einer Lose/Lose Situation eingezwickt ist. Verliert sie, ist sowieso alles aus. Gewinnt sie hoch, war halt Notre Dame doch wieder zu schwach. Gewinnt sie knapp, hat sie sich gegen Notre Dame mühen müssen. Und selbst mit einem Sieg ist das kein großer Gewinn, denn es ist ja Out Of Conference. Und in ihrer Conference haben die Sooners ihr Schicksal nicht mehr in eigenen Händen, weil sie…

…gegen die #3 Kansas State Wildcats verloren haben. Die sind die Geschichte der Saison, und sie sind so eng mit einem Namen verknüpft, dass wir schon wieder schlucken müssen. Bill Snyder. Der ist der Head Coach der Kansas State Wildcats, die aus dem Örtchen Manhattan mitten in der Prärie von Kansas kommen und die eigentlich niemand auf der Rechnung hatte.

Aber Bill Snyder ist ein Magier. Ich schreibe hier über den Mann, der schön langsam Fahrt nimmt Richtung Titel des besten Collegefootball-Coaches aller Zeiten. Nicht nach Siegen – Gott bewahre. Aber Bill Snyder, heute zarte 73, machte seit seiner Machtübernahme bei K-State vor 23 Jahren aus einem darniederliegenden Footballprogramm mit einer Stadionruine blitzschnell Zeit ein Team, das schon bald um den National Title mitspielte. Nach einer Auszeit ist Snyder seit 2009 wieder am Ruder, und in diesem Jahr schon wieder ungeschlagen und schon wieder ein ernsthafter Titelkandidat mit seinen kleinen Wildcats, die niemand ernst nahm, die niemals mit den großen Playern im Recruiting mithalten können.

Bill Snyders Mannschaften spielen wie Bill Snyder: Hart. Trocken. Unscheinbar. Andere sorgen mit Passrekorden und 70-63 Spielen für Aufsehen. K-State redet nicht viel und macht 300 Rushing Yards. K-State holt seine Gegner im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden zurück. In dieser Saison schlugen sie bereits auswärts Oklahoma und am letzten Samstag drehten sie die Passfreaks von West Virginia in Morgantown total ab und gewannen 55-14. Der Quarterback mit der Nummer 7, der so läuft, wie man es von einem College-Quarterback gewohnt ist, und so wirft, wie man es von einem College-Quarterback gewohnt ist, Collin Klein, spielte sich dabei in den elitären Kreis der Favoriten auf die Heisman Trophy, und erntet wie Coach Snyder Sympathiepunkt um Sympathiepunkt.

Heute geht es gegen das andere Überraschungsteam in der Big 12 Conference, #14 Texas Tech. Für Bill Snyder geht es darum, weiter an seiner Legende zu bauen. Vielleicht sollte ich nach allem, was ich hier an Anbetungen miterlebe, schreiben, an seiner Legende als Coach. Denn bei aller Sympathie hat der Fall Paterno uns gelehrt, die Männer an der Seitenlinie nicht zu Übermännern superiorer Moral zu erhöhen. Und auch Bill Snyder ordnet dem Erfolg alles unter. Auch Bill Snyder rekrutierte des Erfolgs willen bereits Analphabeten für sein Universitäts-Footballteam. Kavaliersdelikt, ich weiß. Aber es soll den Granden gesagt sein.

In diesem Sinne auf ein schönes Wochenende und ein paar spannende Spiele.

(Ach, und ich vergaß: GO NOLES!)

Gelage unter Palmen: College Football in Woche 9

An diesem Wochenende findet in Jacksonville/Florida das traditionelle SEC-Derby Florida Gators#22 Georgia Bulldogs statt, ein Spiel auf neutralem Boden und US-weit als „World’s Largest Cocktail Party“ bekannt geworden. Ein Spiel mit interessanter Geschichte, seit den 20ern ausgetragen, seit Anfang der 30er in Jacksonville und für die Region in Nordflorida ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor, dank des Flairs von Football unter Palmen und den obligatorischen Saufgelagen vor allem unter Studenten zu einem beliebten Event geworden. Offiziell werben TV-Anstalten und Ausrichter nach mehreren Blutrausch-Exzessen in den 80ern allerdings nicht mehr mit dem Claim des Sauffests. Dafür genießt das Spiel in anderer Hinsicht heute bei mir einen außergewöhnlichen Ruf: Den der weltweit originellsten Ausrede für Niederlagenserien: Georgia hat 18 der letzten 21 Spiele verloren und schämt sich nicht, dies mit dem „geographischen Nachteil“ zu begründen: Die Uni muss 550km anreisen, während Florida nur 120km Anfahrt nötig hat. Diesmal geht es um die Vorherrschaft in der SEC East, und Georgia reist mit der hoch favorisierten Mannschaft um den grundsoliden QB Aaron Murray an. Zu sehen im TV am Sonntag, 9h30 als Tape bei ESPN America.

Das weitere Programm bei ESPN America (Auswahl):

Samstag, 18h LIVE: #14 Nebraska – #11 Michigan State. Wichtiges Duell um die Vorherrschaft in der Legends Division. Oder war es die Leaders Division? Auf alle Fälle die Division, in der NICHT Wisconsin spielt, also vermutlich ist ein Endspielplatz in der Big Ten zu gewinnen. Michigan State sollte mit seinem sehr guten Laufspiel die Huskers in Bedrängnis bringen können, gilt aber mental noch nicht als 100%ig gefestigt.

Samstag, 21h30 LIVE: #8 Kansas State – #9 Oklahoma. Oklahoma ist trotz des niedrigeren Rankings haushoch favorisiert und dürfte die Wildcats nach deren überraschend gutem Start wieder auf Normalgröße stutzen.

Samstag, 02h LIVE: USC – #6 Stanford. ESPN bringt den GameDay aus Los Angeles, und nicht ohne Grund: Das Duell zweier auch akademisch hochklassiger Universitäten, Südkalifornien gegen Nordkalifornien, und ein Hauch von Rachegelüster: Das große USC hat zuletzt zweimal in Serie von den Emporkömmlingen aus Palo Alto eine Klatsche eingeschenkt bekommen. „Eingeschenkt“ dürfte ein gutes Stichwort sein: Wenn ein Spiel an dem Wochenende das Tailgate-Feeling von Jacksonville putzen möchte: Dieses dürfte das aussichtsreichste sein. Ach, und: Luck-Watch. (Wh. So, 12h)

Dienstag, 14h: Ohio State – Wisconsin. Partygefahr auch bei diesem Spiel, obwohl beide Unis Kopfschmerzen haben: Die Buckeyes erleben im Jahr eins nach Tressel/Pryor eine brach liegende Offense, Wisconsins BCS-Titelträume wurden letzte Woche von einem Hail Mary der Marke „unglaublich“ zerschmettert.

Eurosport 2:

Samstag, 21h30 LIVE: Minnesota – Iowa. Ähh, ja. Da spielt die uralte Musik Notre Dame – Navy an dem Abend, und ES2 bringt MINNESOTA GEGEN IOWA? Bisschen Thrill bringt Gophers-Coach Jerry Kill rein, dessen taufrischer Fünfjahresvertrag nach einem Epilepsieanfall zu Saisonbeginn vor wenigen Tagen zu einem SIEBENjahresvertrag ausgeweitet wurde. Ich meine ganz ironiefrei und ohne irgendwelche Hintergründe zu kennen: Respekt und Hochachtung.

Sonntag, 9h30: Notre Dame – Navy. Dann also als Aufzeichnung. Vor einem Jahr gewann die Navy unter dem „Players Coach“ Ken N-I-U-M-A-T-A-L-O-L-O. Diesmal dürften die Fighting Irish trotz oder gerade wegen der verheerenden Heimniederlage gegen USC Favorit der Größenordnung „haushoch“ sein.

Sonst so

Upset-Watch in Atlanta, wo im niedlichen Historic Grant Field die #5 Clemson Tigers auf die faszinierende Triple-Option-Offense der Georgia Tech Yellow Jackets treffen. Georgia Tech war bis vor kurzem gerankt, ehe am Samstag das folgte, was immer schon folgen musste: GT verlor gegen Miami. GT verlor wie immer schon gegen Miami. Trotzdem gilt es aufzupassen: Clemson hätte Anfang September um ein Haar gegen den Winzling Wofford aus den Niederungen der FCS verloren. Wofford spielt rein zufällig ebenso triple option. Vorteil Clemson: Sie haben das System heuer bereits einmal gesehen. Nachteil Clemson: Die Blamage wurde damals nur haarscharf umgangen.