College Football 2011/12: Die ersten Schüsseln stehen bereit

ESPN America beginnt das Wochenende mit Eiern aus der Unterklasse: Championships-Spiele in Division II und Division III und Semifinals in der FCS. Das Programm:

  • Tape, heute 12h: Division III Finale
    Wisconsin/Whitewater Warhawks – Mount Union Purple Raiders
  • Tape, heute 14h30: FCS-Semifinale
    #1 Sam Houston State Bearcats – #4 Montana Grizzlies
  • LIVE, heute 17h: Division II Finale
    Pittsburg State Gorillas – Wayne State Warriors
  • Tape, morgen 7h: FCS-Semifinale
    #3 Georgia Southern Eagles – #4 North Dakota State Bisons

Wisconsin/Whitewater und Mount Union sind sowas wie Madrid und Barcelona der Division III. Siebtes Finale in Serie mit dieser Ansetzung! Bis dato schön gesplittet (3:3 Siege) – heute kann wieder einer vorlegen. Mount Union ist im Übrigen ein College, das in den letzten Jahren immer mal wieder NFL-Spieler herausgebracht hat. Der bekannteste ist WR Pierre Garcon, der sogar einen Superbowl-Touchdown fabrizierte. Auch letztes Jahr wurde ein Spieler von Mount Union gedraftet (ich glaube von Jacksonville/Name nicht mehr in Erinnerung). [Update: Koblenzer weist in den Kommentaren darauf hin, dass es sich bei besagtem Spieler um „Cecil Shorts“ handelt.]

Heute Nachmittag, 17h das Finale der Division II mit einem Überraschungsteam Wayne State. Die Division II beginnt ihre Playoffs mit vier Regionen zu sechs Teams. Wayne State war in seiner Region nur die #6 gewesen. Die Warriors sollen eine „Ball-control“-Offense mit viel Laufspiel spielen, während die Division-II Macht Pittsburg (aus Kansas) von QB Zac Dickey und seinem Passspiel lebt und eine turnoverfreudige Defense besitzt.


Heute Abend, 20h MEZ, beginnt die Bowl Season. Trotz einiger verheerender Fehlgriffe letztes Jahr (auf klaren Sieg Hawaiis getippt, ehe die Warriors 62 Punkte eingeschenkt bekamen und mit drei Handvoll Turnovers und -27pts verloren) werde ich mich auch heuer nicht vor ausgedehnteren Previews und/oder Tipps drücken.

Gildan New Mexico Bowl
Temple Owls – Wyoming Cowboys

Sa, 17.12. um 20h LIVE bei ESPN America

Temple war mit 8-4 eine der besseren Teams der Mid-American Conference (MAC), trotz des neuen Trainerstabs um Steve Addazio. Temple, das ist eine kleine Universität aus Philadelphia, die meist keine 20.000 Leute bei Heimspielen im riesigen Lincoln Financial Field begrüßt, und vor wenigen Jahren wegen Erfolgslosigkeit aus der Big East Conference geschmissen wurde. Letztes Jahr gab es richtig Stunk, als die Owls trotz 8-4 keine Bowl-Einladung bekamen. Diesmal ist es soweit. Die Mannschaft ist „run-heavy“, Anker- und Frontmann ist RB Bernard Pierce (1507yds/25 TD), der heute auf eine der schwächsten Lauf-Defenses in der FBS trifft (#115).

Dieser Gegner, Wyoming, dürfte in diesem Spiel klarer Außenseiter sein, schloss die Saison in der Mountain West Conference (MWC) mit 8-4 ab, aber war neben einigen Überraschungssiegen auch anfällig gegen Blowouts (19-63 gegen Utah State). Was ich erst jetzt sehe: Der deutsche Linebacker Oliver Schober (Bruder vom ex-NFLE Spieler Daniel) war heuer überhaupt nicht aktiv, setzte die Saison verletzungsbedingt komplett aus. Keine deutsche Beteiligung, dafür eine nicht uninteressante Mannschaft. Der QB Brett Smith ist ein Freshman, der gleich mal voll einschlug und mit 2495yds, 18 TD und 8 INT und 645yds plus 10-LaufTD eine bärenstarke Saison hinknallte.

Insgesamt werden wir reizvollere Matchups sehen. Wyoming dürfte nur mit einer überraschend starken Lauf-Defense eine Chance haben. Sponsor Gildan ist übrigens ein Hersteller von unbedruckten, aber bedruckbaren Billigshirts. „Unbedruckt“ dürfte nicht unerheblicher Zusatz sein, da man gemeinhin von keinem reißenden Absatz von Temple- und Wyoming-Shirts ausgegangen wäre.

Famous Idaho Potato Bowl
Ohio
Bobcats – Utah State Aggies

Sa, 18.12. 23h30 LIVE im ESPN-Player
So, 18.12. 9h30 Tape bei ESPN America

Die Bowl auf den blauen Spielfeld zu Boise/ID mit einem immerhin interessanten Team: Die Utah State Aggies (7-5). „7-5“ in der WAC liest sich zugegeben mau, aber die Mannschaft ist offensivgewaltig. Zum Saisonstart schrammte man haarscharf an einer schlichten Sensation vorbei, als der National Champ Auburn im eigenen Stadion alle sieben Kreuzzeichen zusammenkratzen musste um einen Zufallssieg über Utah State einzufahren.

In Erinnerung geblieben sind die quicken running Backs der Aggies: RB Robert Turbin machte dann über die Saison auch 1416yds und 19 TD (plus 4 gefangene TDs) und gilt als der Eckpunkt im Angriff, der fast 280yds/Spiel erläuft.

Auch Ohio ist eine Macht, die viele Punkte scort, gilt aber als insgesamt solider in der Defense und wird so von manchen als leicht favorisiert in dieser Partie angesehen. Mein simples Computer-Ranking spuckt einen zu erwartenden Spread von 0,3 Punkten zugunsten der Aggies aus – ein enges Spiel dürfte also keine Überraschung sein. Utah State ist darin erfahren, da sauknappe Spiele zur Expertise der Aggies gehören. Die Ohio Bobcats ziehen dagegen ihre Hauptmotivation daraus, erstmals in ihrer Geschichte ein Bowlspiel gewinnen zu können.

R+L Carriers New Orleans Bowl
San Diego
State Aztecs – Louisiana-Lafayette Ragin’ Cajuns

Sa/So, 17./18.12. 03h LIVE im ESPN-Player
Mo, 19.12. 10h Tape bei ESPN America

Beiden Head Coaches wird exzellente Arbeit nachgesagt. ULL steht zum ersten Mal überhaupt in einer FBS-Bowl, was als Meisterwerk des jungen Mark Hudspeth gilt, der erst in der zweiten Saison coacht. ULL verfügt über eine grundsolide Offense, in der QB Blaine Gauthier als double threat brilliert.

San Diego State mit Coach Rocky Long (ebenso zweites erstes Jahr als Head Coach, zweites Jahr im Trainerstab) wird als athletisch deutlich überlegen angesehen, kommt aber mit einem eindimensionalen Angriff daher, der sich da nennt: RB Ronnie Hillman (1656yds, 19 TD), der beste Running Back der Universität seit Marshall Faulk in den 90ern hier sein Unwesen trieb. Hillmann ist mir als wendiger, sehr agiler Back in Erinnerung und wird die meisten Carries bekommen, weil dem Passspiel heuer Wechselhaftigkeit nachgesagt wird. QB Ryan Lindley soll sich trotz exzellenter Offensive Line eher zurückentwickelt haben. X-Faktor könnte der Riecher der Aztecs-Defense für Turnover sein.


Nach und nach werden alle Bowl-Previews hier verlinkt. Der Eintrag ist rechts oben zu finden, über der Kommentarspalte. NFL-Samstagnachtspiel kommt später.

College Football 2011/12 Preview: Mountain West Conference (MWC)

Die Mountain West Conference ist eine recht junge Conference und aktuell stark im Wandel begriffen. Wenn alle Bewegungen der letzten beiden Jahre mit TCUs Abgang im kommenden Jahr beendet sein werden, wird die MWC 10 Mitglieder zählen und nicht mehr und nicht weniger als eine verbesserte WAC sein.

Trotz dann namhafter Abgänge (Utah, BYU, TCU) dürfte die Conference ab 2012 an sportlicher Attraktivität gewonnen haben: Boise State und Nevada sind Kaliber geworden, Fresno State gehört seit Jahren zu den WAC-Größen und Hawaii ist reinstes Recruiting-Gold.

Kleines Hintertürchen in Sachen „nicht mehr als eine verbesserte WAC“: Mit ein bisschen Kalkulations- und Verhandlungsglück ist es nicht ausgeschlossen, dass die MWC 2013 und 2014 eine BCS-Conference sein wird. Die Chancen stehen tatsächlich wohl eher gering, werden die MWC-Kernmärkte nach dem Abfall des TV-Marktes in Fort Worth/Dallas (TCU) ab 2012 nur noch 6% des TV-Marktes in den USA ausmachen.

Boise State Broncos

Boise Turf Big Bubya

Das Markenzeichen von Boise State: Knallblaues Spielfeld - ©Flickr/Big Bubya

Die Boise State Broncos scheiden zwischen „gnadenlos gut“ und „völlig überschätzt“ die Geister und dürften favorisiert auf den MWC-Titel sein. Das große Ziel ist aber die BCS, wenn möglich das National Championship Game.

Die Boise State University ist eine recht junge, pulsierende Bildungsanstalt, deren rasantem sportlichem Aufstieg selbst die größten Kritiker allerhöchsten Respekt zollen. Was in der Hauptstadt von Idaho trotz limitiertem Recruitings und relativ geringer Budgets innerhalb weniger Jahre aufgestellt wurde, ist sagenhaft – Boise State spielt erst seit 2001 in der obersten Kategorie (FBS) mit und hat sich zu einem alljährlichen BCS-Buster hochgespielt. Haupt-Protagonist der Erfolge: Head Coach Chris Petersen, ein Pokerface und Offensiv-Geist vor dem Herrn.

Die Unaufgeregtheit der Broncos spiegelt sich nicht nur in der stets gleichbleibenden Miene Petersens, sondern auch im unschuldigen Gesicht von QB Kellen Moore, der 38 seiner 40 Spiele am College gewonnen hat (bei einer Niederlage mit einem Punkt und eine Overtime-Niederlage mit drei Punkten. Fassungslos). Moore, Linkshänder, wirkt recht harmlos, ist aber kaum aus der Ruhe zu bringen und wirkt extrem souverän in der Pocket, selbst unter Druck. Trotz nur 1,83m nicht ausgeschlossen, dass wir es mit einem Quarterback für die NFL zu tun haben.

Die Offensive Line muss allerdings umgebaut werden, allein der allgemein als NFL-1st round-Kaliber OT Nate Potter bleibt eine Konstante. Das Laufspiel wird vom untersetzten, kräftigen RB Doug Martin und seiner Handvoll Kollegen getragen, Top-WR dürfte nach den Abgängen von Young/Pettis Kellens Bruder Kirby Moore sein.

Eine harte Nuss beim Boise Viewing: Die Offense. Während Boise State neben dem Spielfeld und vor allem mit seinem Spielfeld (Stichwort: stechend blauer Spieluntergrund) recht peppig daherkommt – man könnte auch sagen: „schreiend“ – will die Philosophie auf dem Spielfeld so gar nicht zu diesem Image passen. Petersens Offense ist extrem punktegewaltig (über 40Pkte/Spiel), aber irgendwie… eigenartig, nicht etwas für die Laufstege dieser Welt.

Jeder Spielzug beginnt mit viiiiel Bewegung an der Line of Scrimmage, Scharen an Leuten laufen durch die Gegend, ehe sich rund um QB Kellen Moore eine Block-Armada aus Offensive Line, Tight Ends und Fullbacks aufstellt. Nach dem Snap meistens der kurze, schnelle Pass – und es ist frappierend auffällig, wie häufig die Defense verarscht wird: End-Arounds, Läufe und Würfe gegen die Laufrichtung der Defense, Fantillionen Tackles ins Nichts.

Die Offense wirkt unglaublich unaufgeregt, spielt mit einer ungesehenen Seelenruhe ihren Stiefel runter, streut zwischendurch immer mal wieder einen Spielzug aus der Trickkiste ein und scort fast in jedem Drive, häufig Touchdowns. Selbst nach großen Raumgewinnen, selbst gegen unterlegene und tote Gegner wird hier nicht der K.o.-Schlag gesucht. Die Offense kehrt immer wieder zu ihrem fast einschläfernden Kleingewichse zurück.

Ich gebe zu, dass ich es nicht recht beschreiben kann: Systemloses System mit System, oder so. Büsschen was Parasitäres, büsschen Trickspielorgie, büsschen Ratlosigkeit meinerseits. Aber es ist eine Offense, zu der ich Vertrauen hege – und die auf alle Fälle sehenswert ist. Ein Problempunkt, der gegen Nevada auffiel: Aufgrund der schieren Dominanz und des Schonens der Starter im Schlussviertel geht den Broncos im Falle eines 60minütigen Grabenkampfs womöglich irgendwann die Puste aus – schneller als bei der Konkurrenz.

Die Defense mit ihrem 4-2-5 ist schwerer von Abgängen gebeutelt. Der beste Pass Rusher DE Ryan Winterswyk ist weg, dazu fehlen die drei besten Defensive Backs: CB Brandyn Thompson (Redskins), SS Jeron Johnson (Seahawks) und S Winston Venable (Bears?) – Venable hatte meistens den Freigeist gegeben und wird nun wohl von Cedric Febis ersetzt.

Boise State hat von der MWC-Führung als Begrüßungsgeschenk das Verbot aufgebrummt bekommen, auf dem heimischen Spielfeld knallblaue Trikots auf knallblauem Untergrund (s. Bild) zu tragen. Könnten also orangene Heimleibchen werden – wie gemacht für unsere holländischen Sportsfreunde in der Mannschaft: Genannter Febis, WR Geraldo Hiwat und DT Ricky Tjong-a-Tjoe bilden unser Oranje-Trio. Eine Story hat ihnen vor Monaten mal Rivals.com gewidmet.

Der Blick wird mal wieder gen BCS-Bowls gehen – wie immer in den letzten Jahren. Zum dritten Mal in Serie wird die Saison gegen einen ganz großen Gegner eröffnet: 2009 putzte man Oregon, 2010 Virginia Tech, diesmal ist auf „neutralem“ Feld Georgia dran. Georgia war schon vor sechs Jahren mal im Schedule, und damals verlor BSU haushoch 13-48. Dass in diesem Jahr mittlerweile der Zwerg BSU gegen den Giganten Georgia beim Spiel in Atlanta favorisiert ist, zeugt von der Verschiebung der Kräfteverhältnisse bzw. der Ehrfurcht, die den kleinen Broncos mittlerweile entgegengebracht wird.

TCU Horned Frogs

Boise State hat Chris Petersen, die TCU Horned Frogs haben Gary Anderson Patterson, ihre Version vom langjährigen, visionären Head Coach, der den Verlockungen der Big Cows widerstanden hat und trotz zahlreicher Angebote immer noch daheim coacht. TCU war in der vergangenen Saison so was wie der heimliche National Champion, durfte aber trotz Ungeschlagenheit nicht im BCS-Finale antreten. Dafür putzte man verdient BigTen-Champ Wisconsin in der Rose Bowl.

Danach allerdings verließen haufenweise Spieler die Universität, angeführt vom großartigen QB Andy Dalton und TCU hat nun eine recht unerfahrene Mannschaft. Daltons Nachfolger QB Chase Pachall ist noch sehr grün, aber die Horned Frogs laufen eh viel lieber als sie werfen und verfügen über Running Backs wie andere über Zahlscheine. Sorgen macht allerdings die Offensive Line, wo 4/5 Uni-Abgänger waren.

Prunkstück von TCU ist aber die Defense, die womöglich landesweit beste. Selten, dass TCU mehr als zehn Punkte kassiert, und das liegt zu großen Teilen am sensationellen Linebacker-Duo: Tank Carder und Tanner Brock dominieren das Spiel, und das merkte man in der Rose Bowl ganz massiv.

2011/12 scheint für TCU ein Übergangsjahr zu sein, ein Aufbaujahr, um dann 2012/13 mit dem Wechsel in die Big East Conference ein richtiger Player im BCS-Wettkampf zu werden. Unterschätzen sollte man die Horned Frogs aber auch in dieser Saison nicht.

Die potenziellen Spoiler

Die Falcons von der US-Air Force aus Colorado gelten als dark horse auf den MWC-Titel. „Air Force“ wie „wir waren seit fünf Jahren stets maximal 117ter von 120 im Passspiel“. Netter ausgedrückt: Hier werden sämtliche Gegner über den Haufen gelaufen, wenn nötig über vier Downs. 2010/11 holte sich die Air Force sogar den Commander-in-Chief’s Cup – die Meisterschaft unter den US-Militärs (Air Force, Navy, Army).

QB Tim Jefferson warf dabei ganze 152 Pässe – der Rest besteht aus knallhartem Laufspiel (letztes Jahr #2 im College Football) über eine Handvoll verschiedener Running Backs und immer wenn es bei 3rd und 4th downs eng wird, werden die Fullbacks ins Getümmel geschmissen. Das Beeindruckende an den Falcons: Sie machen schlicht keine Fehler. Sie werfen dich nicht vom Hocker mit endlosen Laufspielorgien, aber sie spielen ihren Stiefel runter und zwischendurch immer mal wieder ein langer, tödlicher Pass in die Tiefe. Troy Calhoun hat hier einen Anwärter auf höhere Ziele beisammen.

Einen noch gepflegteren Ball spielen die San Diego State Aztecs, lange Zeit unter ferner Liefen, im Vorjahr aber plötzlich in 9-4 Sphären aufgestiegen. Allerdings ist Head Coach Brady Hoke nun gen Michigan abgewandert und es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mannschaft nach so schnellem Aufstieg und Trainerwechsel wieder in der Versenkung verschwindet, zumal mit WR Demarco Sampson und WR Vince Brown die beiden besten Anspielstationen abhanden gekommen sind. Noch da sind QB Ryan Lindley und RB Ronnie Hillman (1532yds, 17TD als Freshman), die Hauptprotagonisten einer Offense, die 29 TD via Luft und 28 TD auf Bodenweg gemacht hat – gemeinsam mit einer eingespielten Offense Line schaut das Fundament der Aztecs allerdings so schlecht nicht aus. Die Defense spielt ein 3-3-5, mit einer Secondary aus einem Free Safety („Aztec“) und zwei Stong Safetys („Warriors“) – ein Konzept, das Rocky Long eingeführt hat. Long ist nun Head Coach.

Schon seit Monaten sabbert man in San Diego dem 24. September entgegen. Dann nämlich geht es nach Ann Arbor, zu Michigan, zum Wiedersehen mit dem alten Coach Brady Hoke. Und dann – es ist Woche 4 – werden wir schon einen Eindruck davon haben, wie brutal Hokes Abgang sich auf San Diego State ausgewirkt haben wird.

Bodensatz

Der Rest der Conference dürfte Kanonenfutter sein und die ambitionierte MWC mehr hemmen denn zu einem möglichen BCS-Status beitragen. Die Wyoming Cowboys besitzen einige Ingredienzien, um irgendwann mal wieder nach oben blicken zu können, aber noch hängen die schwache 2010er-Saison und ein tödlicher Autounfall einer Handvoll Spieler nach. Wyomings Offense lebt vom Hoffnungsträger RB Alvester Alexander, der diese Saison erstmals durchspielen soll, aber Head Coach Dave Christensen gilt mehr als Quarterback-Entwickler denn als Fan von Running Backs. Für deutsche Fans interessant: In der Defense spielt mit Oliver Schober ein (nicht so „deutsch“ aussehender) Middle Linebacker, dem hinter einer potenziell starken Defensive Line ein sehr starker Herbst prognostiziert wird.

Wyoming hat 2010 nur einen einzigen Sieg gegen einen Conference-Rivalen gehabt: Ein 44-0 über die noch schlechteren Colorado State Rams, die ihre Blütezeit vor einem Jahrzehnt hatten. Head Coach Steve Fairchield gilt als Eigengewächs, war einst QB für die Rams, und steht daher auch trotz zweier ganz schwacher Spielzeiten zuletzt noch unter Artenschutz.

„Artenschutz“ ist nicht grad das, was Mike Locksley bei New Mexico genießt. Nach zwei Spielzeiten, einer 2-22 Bilanz, Prügelgeschichten gegen Spieler und einem Vergewaltigungsvorwurf ist die verbleibende Anerkennung der Fans in der Wüste eher drei Meter unter der Erde anzusiedeln. Locksley war als Offensivgenie und starker Recruiter bei den Lobos (spanisch für „Wölfe“) angetreten, aber bisher macht eine schwache Offensive Line die Basis jeder Locksley-Offense, das Laufspiel, kaputt. Eine unterirdische Defense tut das ihrige und so kassierte man zuletzt trotz +4 Turnovers eine haushohe Niederlage gegen Wyoming. Der Gestank „Trainerentlassung“ müffelt schon schwer aus der Wüste herauf.

Auch in Las Vegas spielt man College Football: Bei den UNLV Rebels (University of Nevada/Las Vegas). Gestatten, das Looser-Programm der MWC, seit 1996 in der FBS, bisher eine einzige Winning Season (Saison mit über 50% Siegen), und auch unter dem neuen HC Bobby Hauck setzte sich die Misere fort: 2-11 mit 11 glasklaren Niederlagen. Ob man sich daran hochzieht, dass sich die Gegnerschaft recht ordentlich las? (u.a. Wisconsin, Utah, Nevada, West Virginia, TCU, Air Force, San Diego State, Hawaii und BYU) Der kommende Schedule verspricht, keinen Deut einfacher zu werden.

In Teil 8: Die Rückkehr einer Großmacht – oder?