Oakland Raiders in der Sezierstunde

Die Oakland Raiders bleiben auch Jahre nach dem Ableben von Übervater Al Davis eine der unkonventionellsten Franchises in der National Football League. Nicht nur, dass über der Franchise eine Wolke der Unsicherheit schwebt, was einen möglichen Ortswechsel nach Los Angeles oder einen Besitzertausch mit St Louis angeht, nein auch das sportliche Herangehen bei den Raiders bleibt gemessen am Liga-Standard etwas eigen. Weiterlesen

New Orleans Saints in der Sezierstunde

Die letzten 12 Monate der New Orleans Saints muss man immer unter der Prämisse betrachten, die Lesern dieses Blogs bereits bekannt sein dürften: Die Mannschaft hatte 2014 eine letzte ernsthafte Chance auf einen Superbowl-Ansturm, bevor der Kader auseinanderfliegen würde. Der Grund hierfür ist das schlechte Cap-Management von GM Mickey Loomis in den letzten Jahren. Loomis beging dieselben Fehler, die auch in Pittsburgh gemacht wurden: Er hielt zu lange am alternden Kern der Superbowl-Heroen von 2009/10 fest, und merkte mindestens zwei Jahre zu spät, wie kerzengerade man auf die Wand fuhr. Weiterlesen

Detroit Lions in der Frischzellenkur

Die große Frage der Sezierstunde wurde klar beantwortet: DT Ndamukong Suh wanderte ab. GM Mayhew bot Suh Gerüchten zufolge einen Mega-Deal an, der fast an das Angebot der Dolphins herangereicht hätte, aber Suh zog Miami letztlich vor. Überraschender kommt, dass man Suhs Kollegen, DT Nick Fairley, ebenso gehen ließ. Fairley war manchmal ein fauler Sack, aber auf der Höhe galt er als Top-Spieler, einer der besten in der Liga. Schon letztes Jahr probte Mayhew die Situation, als er Fairleys Vertragsoption nicht zog – um ihn zu motiviere. Fairley spielte dann ein ordentliches Jahr, bis er sich verletzte. In St Louis unterschrieb er für laue Kohle. Weiterlesen

Philadelphia Eagles in der Sezierstunde

Chip Kelly und seine Philadelphia Eagles bekommen den Preis für die markanteste, weil umstrittenste, Offseason der NFL 2015 – mit Recht. Kelly hatte im Jänner bekanntlich den hausinternen Machtkampf mit dem ehemaligen GM Howie Roseman gewonnen und die volle Kontrolle über den Spielerkader bekommen, und im Lauf der nächsten Wochen in Ed Markowynski einen Strohmann als GM eingestellt sowie mehrere Roseman-Vertraute zum Teufel gejagt. Aber das ist mit „umstritten“ nicht gemeint… Weiterlesen

Nach dem Hyperventilieren: Draft 2015, Runde 1 in der objektiven Nachbetrachtung

Der Draft, der Potenzial für das totale Chaos hatte, lief letztendlich komplett konventionell, fast langweilig, ab. Nur zwei Trades am Draft-Tag, und keiner von ihnen betraf die Philadelphia Eagles mit ihrem Chaos-Coach Chip Kelly. Nicht, dass es Kelly nicht probiert hätte: Die Gerüchte hielten sich bis wenige Minuten vor dem Draft, aber letztendlich hatten sowohl die Cleveland Browns (die angeblich in einem Akt von Hirnriss einen 1st-Rounder für Eagles-QB Bradford zahlen wollten) als auch Kelly zu wenig Munition für einen epischen Trade.

Wird Marcus Mariota damit für die Eagles ein Wunschtraum bleiben? Höchstwahrscheinlich ja, auch wenn noch tagelang über einen anstehenden Trade des Spielers geschrieben werden wird. Anyway. Weiterlesen

Draft-Vorspeise aus der Gerüchteküche

Die Gerüchteküche brodelt wie jedes Jahr in den Tagen vor dem NFL Draft. Wenn die Gerüchte stimmen, werden die Tampa Bay Buccaneers an #1 einen der beiden Top-Franchise QBs im Draft ziehen: Jameis Winston oder Marcus Mariota. Die landläufige Meinung scheint zu sein, dass es auf Winston hinausläuft – eine krude Wahl.

Winston gilt als beste QB-Option im Draft, aber längst nicht als unfehlbares Talent à la Andrew Luck vor ein paar Jahren. In Tampa ist mit Lovie Smith ein Headcoach am Werk, dessen Vergangenheit mit jungen Quarterbacks an Erfolgsquote von wenigen Coaches unterboten wird. Und Tampa ist keine zwei Autostunden von Tallahassee entfernt – der Heimat der Florida State University, wo Winston allem Anschein nach den einen oder anderen Unsinn als Student getrieben hat.

Andererseits: Die Buccs werden Winston durchleuchtet haben dass er bereits ausgeblasst sein müsste, und sollten sie ihm hinreichend vertrauen, wird es auch ihn hinauslaufen. Die Reports, dass man allen Tendenzen zum Trotz doch Mariota ziehen könnte, halten sich trotzdem hartnäckig, weswegen eine Überraschung nicht ganz auszuschließen ist. Weiterlesen

NFL Draft 2015 – Die Offense im Schnelldurchlauf

Draft-Berichterstattung 2015 auf Sideline Reporter aus gegebenem Anlass in etwas geraffter Form, sozusagen back to the roots – Hauptziel ist es diesmal, sich einen kurzen Überblick zu verschaffen wie der Jahrgang gestrickt ist. Für eine detaillierte Aufarbeitung der einzelnen Prospects verweise ich auf den deutschsprachigen Podcast Der Draft.

Der Draft 2015 wird vom 30. April (bzw. Nacht auf 1.5., 2h) bis zum Samstag, 2. Mai über die Bühne gehen, diesmal nicht mehr aus New York, sondern aus Chicago. Live drauf sein werden wie immer das NFL Network, u.a. mit einem Gratis-Stream auf der Homepage plus der sehr guten Coverage mit Mike Mayock im Gamepass. Der Draft.de wird wie schon letztes Jahr einen Youtube-Kanal schalten, der hier noch verlinkt werden wird (wird bei Roman John zu finden sein). Bei SPORT1 US scheint diesmal kein Draft in den Übertragungen auf. Weiterlesen

Troy Polamalu ist zurückgetreten

Polamalu war einer der wenigen universal geachteten NFL-Superstars, obwohl er für eine der größten Franchises mit den meisten Rivalitäten – die Pittsburgh Steelers – spielte. Polamalu war einer der bekanntesten Spieler in der NFL, sein Trikot mit der #43 gehörte zu den meistverkauften landesweit.

Der Strong Safety Polamalu war neben dem Free Safety Ed Reed der prägende Defensive Back in einer Generation an großartigen Safetys. Sein Spielstil war ebenso markant wie seine polynesische Mähne, und wenn dieser Irrwisch mal wieder eine Interception fing, einen Fumble/Sack fabrizierte oder einfach nur über die Line of Scrimmage sprang („Der Teufel soll mich holen“), waren die Tapes für Highlight-Show schon vorbereitet. Man mag gar nicht glauben, dass dieser Hulk abseits des Feldes als einer der liebsten Menschen gilt, der am liebsten auf seinem Klavier klimpert oder Rosen züchtet.

Polamalu gewann zwei Superbowls, verlor eine dritte und wurde 2010 zum Abwehrspieler des Jahres gewählt. Seine Karriere war lang genug und intensiv genug um ein mehr oder weniger „logischer“ Kandidat für die Ruhmeshalle zu sein. So sehr ich es mag, wenn sich alternde Stars gegen ihren Verfall wehren und sich allein von einem unbändigen inneren Willen angetrieben auch bei Mannschaften „außerhalb“ ihrer Kern-Franchise gegen das Karriererende stemmen, so ist es doch auch angenehm zu sehen, dass mit Polamalu ein großer Spieler abtritt, der seine ganze Karriere im Trikot einer einzigen Mannschaft bestritten hat.

Sieben Snaps sind die Welt

Chase Stuart schreibt auf seinem Privatblog Football Perspective diese Woche über die Runningbacks und die oft zitierte Statistik Yards pro Carry (YPC). Ich habe diese Statistik bereits vor einer Weile aufgegeben und durch die Success-Rate (SR%) ausgetauscht, weil sie stark von Ausreißern wie den (seltenen) langen Läufen abhing. Wie krass, zeigt erst Stuart. Der Offensivspieler des Jahres, RB DeMarco Murray, ist sieben Carries vom Liga-Durchschnitt entfernt.

Siehe: Take Away His X Best Carries And He Is Average.

Seattle Seahawks in der Sezierstunde

Die Seattle Seahawks knabbern auch zwei Monate nach dem bizarren Superbowl-Finish noch an ihrer vermeidbaren Pleite. Eine so große Chance bietet sich nicht alle Tage. Das Fenster des Erfolgs bleibt zwar noch zumindest diese anstehende und nächste Saison offen, aber Seattle hat es bereits jetzt schwerer, die Kadertiefe und die Kontinuität zu erhalten.

Außerdem verliert man den zweiten Defensive Coordinator in den letzten drei Jahren, aber Pete Carroll scheint eh einen recht einheitlichen Geschmack zu haben was seine Coordinators angeht, insofern dürfte der Wechsel nicht so haarig sein wie manche vielleicht denken:

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St Louis Rams in der Sezierstunde

Die St Louis Rams bleiben eine Franchise, die in einem merkwürdigen Zwischenzustand verharrt: Sportlich wartet man seit Jahren auf den bislang ausbleibenden Durchbruch, und abseits des Spielfeldes versucht man zu ergründen, ob es Owner Stan Kroenke denn nun mit seinem angestrebten Move nach Los Angeles ernst meint. Weiterlesen

San Francisco 49ers in der Sezierstunde

Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß – in etwa so kann man den Ist-Zustand der San Francisco 49ers nach einer äußerst unglücklich verlaufenen Offseason 2015 beschreiben. Klar ist: Ein Teil der Probleme ist hausgemacht. Klar ist auch: Dass sich ein Leistungsträger nach dem anderen aus verschiedenen Gründen in den Ruhestand verabschiedet, darüber hast du nur bedingte Kontrolle. In Summe nützt alles nichts, und nur zwei Jahre nach einer überzeugenden Superbowl-Qualifikation nebst brillanter Zukunftsaussicht sehen die 49ers ungewissen Zeiten entgegen. Weiterlesen