Die furchtlose Draftvorschau 2016

Ab heute, 2h nachts drei Tage Draftspektakel 2016 in der NFL. Der Überblick. Weiterlesen

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NFL bleibt bei SPORT1 US

Es wird keine Spiele mehr auf den Optionskanälen geben, dafür bleiben die Live-Slots für Sonntag 19h und 22h30 sowie die Nachtspiele an Donnerstag, Sonntag und Montag. Die Sonntagsspiele können sich mit Pro7/Maxx überschneiden.

College Football wird auch weiterhin übertragen. Am ersten Spieltag u.a. TCU-Minnesota, Stanford-Northwestern, Nebraska-BYU, Texas A&M-Arizona State, Alabama-Wisconsin und Ohio State-Virginia Tech.

Genauere Meldungen sollen noch folgen und werden evtl. hier ergänzt.

College Football 2014/15, Week 2 | Shortlist

Nur ganz kurz zum College-Programm dieses Wochenende. Der Schlager des Tages ist das out of conference Duell zwischen den Oregon Ducks und den Michigan State Spartans. Für Michigan State und die komplette Big Ten Conference ist es möglicherweise schon die letzte Chance, sich landesweit Credits zu sammeln: Ein Sieg über Oregon würde das Standing der mittlerweile belächelten Conference wieder heben.

Chris B. Brown von Smartfootball hat sich die sensationelle Spartans-Defense von Mark Dantonio und DefCoord Pat Narduzzi unter die Lupe genommen und analysiert haarklein, wieso sie eine Chance haben, Oregons Offense zu stoppen. Ich bin happy über die Ansetzung, weil FOX SPORTS 2 sie in Italien überträgt und ich sie im Lauf des Wochenendes zu Gesicht bekommen werde. Weiterlesen

College Football 2014/15 am ersten Samstag

Ein Blick auf das Sendeprogramm von SPORT1 US vom heutigen ersten vollen Spieltag:

30.08. 14h30 LIVE Penn State – Central Florida
30.08. 18h00 LIVE Virginia – UCLA
30.08. 23h30 LIVE Georgia – Clemson
31.08. 09h30 Tape Louisiana State – Wisconsin
31.08. 12h00 Tape Oklahoma State – Florida State

Den Schedule mit allen Spielen kann man sich hier anzuschauen; die Spiele, die mit einem ESPN-Label gekennzeichnet sind, werden auch im kostenpflichtigen ESPN-Player zu sehen sein. Die Spiele des SEC-Networks sollen dabei nicht eingeschlossen sein. Weiterlesen

Hall of Fame Game 2014, SPORT1 US und die NFL-Preseason 2014/15

Heute Nacht beginnt die NFL-Preaseason 2014, die Zeit der Vorbereitungsspiele, mit dem Hall of Fame Game zwischen den Buffalo Bills und den New York Giants (02h MESZ, live bei SPORT1 US). Das Spiel wird in Canton/OH ausgetragen, der Heimatstätte der Pro Football Hall of Fame, die in dieser Woche die Zeremonien nebst allerlei tränenerstickter Dankesreden für die Klasse von 2014 gesehen hat. Die Klasse von 2014 habe ich im Vorspann zur Superbowl näher betrachtet.

Heute im schnuckeligen Fawcett Stadium kann man aber einen ersten Blick auf den Stand der Vorbereitung von Bills und Giants werfen. Der famose Rookie-WR der Bills, Sammy Watkins, könnte für den einen oder anderen Drive eingesetzt werden:

Die Bills versprühen in dieser Preseason einen Optimismus, der selbst das Regenwetter strahlen lässt, schrieb Peter King in seiner MMQB-Kolumne, in der er nacheinander die einzelnen Trainingslager besucht. Hauptgrund für den Optimismus ist Watkins, der mit der gewöhnungsbedürftigen #14 auflaufen wird. Dass Buffalo zwei 1st-Rounder für Watkins opferte? Geschenkt! Wir haben unseren Superstar, unsere Identifikationsfigur! Weiterlesen

Spickzettel für den NFL-Draft 2014

Ab heute Nacht ist es soweit: Der NFL-Draft 2014 steht an. Als letztes Vorbereitung noch ein kleiner Notizzettel mit den letzten wichtigen Informationen und Ausblicken.

Austragungsort und Uhrzeiten: Der NFL-Draft findet in der Radio City Music Hall in Manhattan/NY statt. Angeblich ist er heuer zwei Wochen später als gewohnt, weil die Halle Ende April bereits ausgebucht war. Auf der anderen Seite ist es schon länger ein Bestreben der NFL-Führung, die Offseason zu strecken und entsprechend auch das große Highlight – eben den Draft – so weit wie möglich nach hinten zu verschieben, auch wenn das den meisten in der Branche missfällt.

Die erste Runde des Drafts findet in der Nacht von heute auf morgen (Freitag) um 02h MESZ statt und wird erfahrungsgemäß in etwa vier Stunden andauern. Die zweite und dritte Runde findet dann in der Nacht auf Samstag statt (Beginn 0h MESZ). Am Samstag (ab 18h MESZ) gehen die letzten Runden (4-7) über die Bühne:

Do/Fr 02h 1. Runde
Fr/Sa 00h 2./3. Runde
Sa   18h 4.-7. Runde

In der ersten Runde haben die Teams maximal 10 Minuten Bedenkzeit. In der zweiten und dritten sind es jeweils maximal 7:30min. In den verbleibenden Runde sind es maximal fünf Minuten.

Übertragungen: SPORT1 US überträgt die erste Runde live im deutschsprachigen Raum, FOX SPORTS 2 im italienischsprachigen. Es gilt als wahrscheinlich, dass beide Sender die Originalübertragung des NFL-Networks mit u.a. Rich Eisen und Mike Mayock senden dürfen. Wenn nicht, dann wird es die ESPN-Übertragung mit Chris Berman, Mel Kiper und Todd McShay sein.

Übertragungen am zweiten und dritten Tag werden bei SPORT1 US nicht geführt, weder live noch als Tape.

Das NFL-Network (NFL Gamepass) ist an allen drei Tagen live drauf, und es wird auf NFL.com auch eine Gratisversion für nicht-Subscriber anbieten, allerdings nicht mit der Original-Crew um Mayock.

Vorberichte: Auf diesem Blog habe ich in den letzten zwei Wochen versucht, die Klasse von 2014 in einem Balance-Akt zwischen „ausführlich“, „nicht langatmig“ und „nicht zu verfloskelt“ einzuführen; nachschlagen kann man die Einträge unter dem Tag NFL Draft 2014.

Außerdem wird heute Nachmittag in der Big Show von Sportradio 360 einen zirka halbstündiges Segment zum Draft kommen, in dem ich mit Andreas Renner den Draft diskutiere. Themen dabei werden unter anderem die Verschiebung des Drafts, eine allgemeine Einschätzung zur Draftklasse, Jadeveon Clowney, Johnny Manziel, Teddy Bridgewater, Scouting generell („den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen“), der deutsche DE Kasim Edebali sowie ein Überblick über die Übertragungsmöglichkeiten sein.

US-Liveberichterstattung: Sollte SPORT1 US die ESPN-Variante senden: Es ist die „laute“. ESPN überträgt den Draft seit den 1980er Jahren und hat ihn mit dem Frontmann Mel Kiper jr. und seinem Zögling Todd McShay im Prinzip zu dem Monstrum gemacht, das er heute ist. Seit 2006 fährt das ligaeigene NFL-Network eine eigene Übertragung, die rein qualitativ ESPN an die Wand genagelt hat.

Das liegt zum einen daran, dass bei ESPN immer noch die hohle Hupe Chris Berman den Anchorman gibt. Das liegt zum anderen daran, dass das NFL-Network den immer noch unglaublichen Mike Mayock als Draft-Frontmann ins Rennen schickt. Mayock ist so gut, dass er die ansonsten üblicherweise schlimme Tischbesetzung im NFL-Network (Leute wie Marshall Faulk oder Michael Irvin während der ersten Runde) quasi im Alleingang übertüncht.

Die großen US-Stationen haben wieder angekündigt, auf das Spoilern der Draftpicks zu verzichten und dem Commissioner Roger Goodell den Überraschungsmoment zu lassen. Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen und Leute in Versuchung zu schicken, weise ich stellvertretend auf den Twitter-Account von Mike Silver hin, der in den letzten Jahren stets als einer der ersten – und vor Goodell – wusste, wer denn nun als nächster gezogen wird.

Deutsche Live-Berichterstattung: Ich werde heute Nacht möglicherweise die erste Runde live mitbloggen, aber morgen und übermorgen bin ich mit einer Studentengruppe in den Tiroler Bergen und werde blogtechnisch wohl aussetzen aussetzen.

DerDraft.de hat angekündigt, einen Google-Hangout als Liveberichterstattung zu machen, der auf diesem Kanal von dannen gehen wird. DerDraft.de hat in letzter Zeit auch eine Unzahl an Podcasts mit Draft-Themen (Prospects, Team-Needs) gesendet, mit der man sich im Prinzip mehr als einen Tag lang auseinandersetzen kann, sofern man Zeit dafür findet.

Wie wird die Klasse 2014 eingeschätzt? Als eine der tiefsten der letzten 20 Jahre. Vor allem die Gruppe der Wide Receiver gilt als hochkarätig besetzt, aber auch in der Offensive Line bei den Tackles und Guards schwärmt man von der großen Auswahl. In der Secondary schätzt man die Cornerbacks hoch ein. Es gibt eine gute Gruppe an Quarterbacks, aber der eine „sichere“ Franchise-QB geht dem Draft ab. Bei den Passrushern gibt mit Jadeveon Clowney einen Superstar, mit Khalil Mack einen Kronprinzen, aber dahinter schätzt man die Passrusher eher schwach ein. Für die Teams mit vielen Picks zwischen den 20ten und 80ten Position soll der Draft 2014 eine echte Goldgrube sein. Der mediale Star ist QB Johnny Manziel.

Was kann man erwarten? Es herrscht noch immer Ungewissheit über die Intentionen selbst der ersten Teams, die heuer draften. Houston als #1-Pick soll zwar durchaus einen Clowney wollen, aber tief drinnen im Herzen wollen die Texans einigen Berichten zur Folge gerne nach unten traden und hoffen noch auf ein letztes Gebot, zum Beispiel der Atlanta Falcons, die unter GM Dimitroff schon 2011 einen Monster-Trade wagten und von denen man das nun wieder erwartet/erhofft.

St Louis an #2 möchte auch nach unten. Bei Minnesota oder Tampa Bay weiß man nicht, wie sie reagieren werden: Beide brauchen im Prinzip einen Quarterback, aber beide scheinen noch zu zögern, nach oben zu traden. Vielleicht warten sie ab wie sich die ersten Picks entwickeln werden.

Bei den Top-Teams gibt es mit New England, Denver und New Orleans drei Franchises, die jeweils spät in den Runden draften, und sie alle sind in blankem Win Now-Modus („friss oder stirb“). Weil sie alle möglicherweise nach oben tauschen wollen, drohen Bieterwettkämpfe. San Francisco ist eine Mannschaft, die sehr tief besetzt ist, die aber Lücken auf Wide Receiver und im Defensive Backfield hat; die 49ers besitzen mit 11 Draftpicks (u.a. neben dem 1st-Rounder noch zwei 2nd-Rounder und drei 3rd-Rounder) über mächtig Holz, und bei so vielen Picks könnte auch San Francisco in ein eventuelles Wettrüsten nach oben einsteigen.

Alle Infos zu Super Bowl 2014 in TV und Internet

Super Bowl XLVIII findet in der Nacht von Sonntag, 2. Februar auf Montag, 3. Februar 2014 statt. Die beiden Kontrahenten sind die Seattle Seahawks und die Denver Broncos. Kickoff der Partie ist um 0h30 MEZ. Austragungsort ist zum ersten Mal in der Superbowl-Geschichte der Großraum New York, wobei das MetLife Stadium nicht im Bundesstaat New York, sondern überm Fluss in East Rutherford/New Jersey steht, in den Meadowlands in der Nähe eines großen Flughafens. Es ist die erste Freiluft-Superbowl in einer Kaltwetterstadt. Das gute Wetter von heute kommt leider noch zirka zehn Tage zu früh:

Die Allzweckwaffe für Superbowl-Übertragungen ist im Internet wie immer der kostenpflichtige NFL-Gamepass, der rund um die Uhr über sein NFL-Network übertragen wird (Gamepass-Infos hier), und dann das Spiel im Original-FOX Broadcast überträgt. Die Kommentatorenduo ist allerdings ein schauriges: Joe Buck und Troy Aikman werden mich mit offenen Armen zu anderen Alternativen treiben.


In Deutschland wird die Super Bowl auf mehreren Kanälen übertragen: SAT.1 ist in der Nacht von 2.2. auf 3.2. ab 0h05 live auf Sendung. Die Kommentatoren mit viel Momentum werden Frank Buschmann und Jan Stecker sein. Ich betone noch einmal, dass ich selbst als zum „Hardcore“-Fan abgekapselter Football-Fan durchaus angetan bin von dem, was SAT.1 aus seinen NFL-Übertragungen gemacht hat.

SAT.1 streamt auch im Internet mit, im ran.de-Stream.

Auch der Pay-TV Sender SPORT1 US wird die Super Bowl live übertragen (ab Mitternacht MEZ). Kommentieren werden Günther Zapf und Florian Berrenberg. Günther Zapf dazu bei Sportradio360 im Interview. Bei Radio Sport1.fm soll es Vor- und Nachberichterstattung geben.


In Österreich überträgt PULS 4 mit seiner extrem gelobten Football-Mannschaft. PULS 4 ist ab 23h15 auf Sendung mit Vorberichterstattung und allem Drum und Dran. Kommentierender weise werden Walter Reiterer und Michael Eschlböck das Spiel begleiten – ein Duo, das überwiegend exzellente Noten bekommt.

SPORT1 US überträgt natürlich auch in Österreich.

Über die Super Bowl Partys quer durch Österreich hat Walter Reiterer bei Football-Austria geschrieben. Es scheinen auf manchen Partys noch einige Karten zu vergeben sein…

In der Schweiz ist SPORT1 US natürlich am Start, aber im Free-TV bin ich nur im Bilde, dass der französisch-sprachige Öffi RTS-Deux das Spiel überträgt. Im TV-Programm vom deutschsprachigen SRF ist (noch?) nichts zu finden.

In Italien sind zwei Sender drauf: Italia 2 und das erst im Dezember neu aufgemachte FOX SPORTS 2, der quasi-Nachfolger von ESPN America. Die Kommentatoren bei Italia 2 werden Guido Bagatta und Gabriele Cattaneo sein.


Ein paar wissenswerte Dinge zur Superbowl 2014: Okay, erste Superbowl im Freien und Möglichkeit von Schneefall yaddayadda, aber auch ansonsten dürfte vieles los sein im größten US-Medienmarkt. Die Arena in East Rutherford ist eine von gigantischen Ausmaßen, trotz „nur“ 82.000 Zuschauerplätzen dürfte das rein von den Raum-Maßen eines der größten Stadien weltweit sein.

Die Teams kommen allerdings beide aus den westlichen Zeitzonen der Staaten. Die Denver Broncos sind dabei durchaus eine Hausnummer (zweifacher Superbowl-Sieger in den 90ern), und bieten in Peyton Manning eine Quarterback-Legende im Herbst seiner Karriere auf. Die Seattle Seahawks dagegen sind ein eher unbeschriebenes Blatt. Jahrelang ein Mitläufer, war man 2005/06 mal im Superbowl, wurde dort allerdings leicht verpfiffen und verlor unglücklich. Wären da nicht Richard Sherman und seine Legion of Boom zuhause, man würde die Hawks nicht wirklich wahrnehmen.

Die Hymne wird von der Opernsängerin Renee Fleming gesungen. Die Halbzeitshow haben diesmal Bruno Mars und die Red Hot Chili Peppers über – wobei: Wieviel Notfallplan es für den Fall eines Blizzards gibt, ist noch nicht bekannt.

Bei den Werbespots dürfte FOX einen neuen Rekord aufstellen: Für 30sek-Spots könnte zum ersten Mal die Marke von 4 Mio./30sek geknackt werden. Wirtschaftskrise? Null problemo.


Weitere Infos kann man bei im TV-Eintrag zur NFL-Saison 2013/14 nachlesen.

Vor dem AFC-Conference Finale 2013/14: Denver Broncos – New England Patriots

Es mag der eine oder andere Wind davon bekommen haben, dass morgen, Sonntag, 19.1. die beiden Conference-Finals der NFL ausgespielt werden. Übrig geblieben sind dieses Jahr erstmals seit mehrere Jahren tatsächlich die „Big-Four“, die vier Teams, die nach Common-Sense als beste des Jahres galten. Aber das ist nichtmal der große Punkt. Es sind mehr die Ansetzungen. Zuerst zum AFC-Endspiel Denver Broncos (14-3, Sieger AFC West) vs New England Patriots (13-4, Sieger AFC East). John Fox gegen Bill Belichick. Peyton Manning gegen Tom Brady. HypeHypeHypeHypeHype.

Denver Broncos – New England Patriots

  • Kickoff: Sonntag, 21h MEZ
  • Live bei SPORT1 US, PULS 4, im NFL-Gamepass sowie im ran.de Stream.
  • Live-Einstieg ab 0h05 bei SAT.1
  • US-Kommentatoren: Jim Nantz/Phil Simms
  • Vorschau Herrmann: Broncos vs Patriots.

Ich halte mich für überwiegend hype-resistent. Minimum drei Viertel der Mainstream-Storylines in NFL, im Fußball, im Sport generell, über den Sport hinaus, gehen an mir für gewöhnlich relativ untangiert vorbei. Die Rivalität zwischen Peyton Manning und Tom Brady gehört nicht dazu. Sie wird von mir höchstens etwas „anders“ gefühlt als im Mainstream.

Peyton Manning und Brady waren die beiden dominierenden Spielerfiguren, als ich vor gut einem Jahrzehnt damit begann, mich mit dieser Liga und diesem Sport zu beschäftigen. Sie waren die dominierenden Gestalten vor sieben Jahren. Zwei der dominierenden vor drei Jahren. Zwei der dominierenden heute. Peyton Manning (NFL MVP 2003, 2004, 2008, 2009 und wohl 2013) und Brady (NFL MVP 2007, 2010) sind keine direkten Gegenspieler, aber sie werden für immer miteinander verglichen werden als die beiden prägenden Franchise-Spieler der beiden Standout-Franchises in der NFL (als Manning noch in Indianapolis spielte).

Sie haben unzählige Male gegeneinander gespielt. Fast immer waren es enge oder wichtige Spiele – ich habe schon vor drei Jahren darüber geschrieben, und der instant classic vom November 2013 war da noch Jahre entfernt. Man kann nicht alle Resultate an diesen beiden Spielern aufhängen, aber man kann die Geschichten doch in gewisser Form auf diese beiden reduzieren. Es ist keine Rivalität der bösen Worte, der feindlichen Vibes, der lauten Sprüche. Es sind zwei Spieler, die sich in all ihren Statements fast immer und fast ausschließlich auf den Sport beschränkt haben.

Beide haben so grundverschiedene und doch ähnliche Geschichten. Manning ist der Sohn eines NFL-QB, schon als kleiner Zögling von seinem Daddy Archie zum Quarterback herangezüchtet. Manning war der unumstrittene Superstar-QB am großen College Tennessee. Manning war der Top-Draftpick und designierte künftige Star-QB der Indianapolis Colts. Manning holte statistische Rekorde und MVPs, aber brauchte lange um seinen ersten Titel zu holen. Manning ist trotz seines eher trockenen Charakters ein bekanntes Werbegesicht in den Staaten. Manning ist mit seinem College-Sweetheart verheiratet.

Tom Brady kommt aus der Familie von Otto Normalverbraucher. Seine wahre Leidenschaft als Bub war Baseball. Er war auch ein Quarterback an einem großen College, bei Michigan. Aber dort versuchte man, ihn trotz guter Leistungen stets abzusägen. Er rutschte im NFL-Draft erst kurz vor Schluss in der sechsten Runde noch zu den Patriots. Er kämpfte sich vom unteren Ende des Depth-Charts hoch und kam erst durch Zufall in die Starter-Rolle. Er holte erst die Superbowls, und holte seine Statistik-Rekorde erst in späteren Jahren. Er ist trotz Werbegesicht nur begrenzt in TV-Ads präsent. Brady schleppte die Schnitten reihenweise ab. Verheiratet ist er heute mit Supermodel Gisele Bündchen.

Manning ist der Quarterback, der in der Post Season stets daran erinnert wird, dass er nicht der größte „Gewinner“ unter der Sonne ist. Das mag in Ergebnissen stimmen (Manning verlor 11 seiner 21 Playoffspieel), aber rein leistungstechnisch schmiert Brady größer ab. Aber Brady ist der „Gewinner“. Brady ist der QB, dessen Conference-Finalqualifikation sich heute genau „angemessen“ anfühlt: Es ist eine durchschnittliche Saison. Das ist richtig: Brady, 12te Saison als Starter: 3x Superbowl-Champ, 2x Superbowl-Verlierer, 2x Halbfinalverlierer, 2x Divisional-Verlierer, 1x Wildcard-Verlierer, 1x an der Playoff-Qualifikation gescheitert, und jetzt wieder fürs Halbfinale qualifiziert. Brady erreicht im Schnitt in seiner Karriere das Conference-Finale!

Manning gegen Brady ist so großartig, weil es die beiden größten Stars des heutigen American Football sind. Weil sie Hormonschwangerschaft auskommen. Weil sie… schlicht die besten waren, und das für extrem lange Zeit, und sie noch heute zwei der besten sind.


Auch 2013/14 sind Manning und Brady noch die treibenden Kräfte hinter ihren Offenses. Bei Manning ist das offensichtlich. Brady hatte heuer das wackeligste Jahr seit langem, aber er hatte auch lange nicht mehr einen so banalen Support-Cast:

  • WR #11 Julian Edelman, 111 Catches in 160 Anspielen, 1140yds, 6 TD und nur 21% tief angespielt.
  • WR #80 Danny Amendola, 57 Catches in 88 Anspielen, 2 TD und nur 16% tiefe Anspiele
  • TE #47 Michael Hoomanawanui, 13 Catches in 20 Anspielen, 4 TD, 5% tiefe Anspiele
  • „RB“ #34 Shane Vereen, 49 Catches, 443yds, 3 TD
  • RB #38 Bolden, 21 Catches, 152yds.

Gronkowski (33% tiefe Anspiele), Dobson (36% tiefe Anspiele) und Thompkins (27% tiefe Anspiele) sind längst aus diversen Gründen nur mehr Randerscheinungen. Das Laufspiel war in New England eh fast immer effizient, wobei man „effizient“ nicht zwingend mit „gut“ gleichsetzen sollte.

„Effizient“ kann auch sein „bringt Output bei guten Rahmenbedingungen“. „Gut“ wäre eher „bringt Output die Rahmenbedingungen nicht beachtend“. Die Herrschaften RB #29 Blount (177 Carries, 938yds, 11 TD, 47% Success-Rate) und RB #22 Ridley (192 Carries, 825yds, 9 TD, 44% Success-Rate) liefern meistens so, wie dem Durchschnitt nahe Running Backs in der NFL so liefern: Gut, wenn es die Rahmenbedingungen erlauben, teilweise in der Lage, selbst ein Yard aus dem Nichts zu generieren, aber keine klassischen Arbeitstiere. Ein als sehr exzellent wahrgenommenes Patriots-Laufspiel, aber kein Back mit mehr als 1000yds: Mehr „Patriots-Way“ geht nicht.

Einen Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte: Die Patriots können werfen. Sie hatten eine ganz üble Phase zu Saisonbeginn, aber seit ziemlich genau Mitte Oktober ist das eine der besten Pass-Offenses in der Liga. Selbst nach Gronkowskis erneutem Verletzungsausfall büßte Brady kein Jota an Effizienz ein; es bleibt allerdings die Sorge, ob die Patriots imstande sind, ihren Stiefel auch dann runterzuspielen, wenn der Gegner es schafft, das Kurzpassspiel etwas einzudämmen – ein schwieriges Unterfangen, aber kein unmögliches, selbst wenn der Gegner wie Denver auf den meilenweit besten Passrusher Von Miller sowie einen der besten Deckungs-CB Chris Harris (beide Kreuzbandriss) verzichten muss. Eine Offense, der ein tiefes Element abgeht, bricht leichter ein als eine, die eins hat. Das haben die Patriots in den letzten Jahren häufig schmerzvoll im Jänner erlebt. Und John Fox und sein DefCoord Del Rio sind Abwehrfüchse, die, wenn sie eines perfektioniert haben, dann wissen, wie man ein gefährliches Laufspiel einbremst.


Patriots-Offense und Broncos-Offense sind vom Style her gewiss verschieden, aber der gesamte Output ist bei beiden frappierend ähnlich:

  • Denver spielte heuer 192 Offense-Drives, New England 191.
  • Denver mit nur 16% three’n’out (#2 ligaweit), New England mit 19% (#3 ligaweit).
  • Denver mit 38.2yds/Drive (#2 ligaweit), New England 33.7yds/Drive (#7 ligaweit).
  • New England kaschiert dies mit der um 2yds besseren Starting Field Position.
  • Beide mit 6.1 Plays/Drive.
  • Sekunden pro Play: Beide mit im Schnitt 24.7sek zwischen den Snaps.

Beide punten wenig (Denver nur in jedem dritten Drive). Der große Unterschied kommt in den Punkten zustande (Denver erzielte einen neuen Punkterekord mit 606 über die Regular Season), aber der Unterschied ist letzten Endes: Denver beendet mehr Drives mit Touchdowns. New England schließt jeden fünften Drive mit Field Goals ab, Denver beendet 37 von 100 Drives mit TD. Beide Werte sind in ihren Kategorien Spitzenwerte. Rate mal, wer glücklicher damit ist.


Die Broncos-Offense macht mir Angst. Manning fährt mit 7.8 NY/A über den Gegner drüber. Er hat vier Anspielstationen, die praktisch die gesamte Workload tragen: Die beiden Thomasse, Decker und ex-Patriot Welker sind verantwortlich für 77% der Yards. Mannings Präzision und vier gutklassige Anspielstationen? Dieses Quartett allein ist fast nicht aus dem Spiel zu nehmen. Dazu gesellt sich dieses Jahr aber auch ein starkes Laufspiel, das die Patriots schon im ersten Spiel komplett mit über 200yds überlief. RB Moreno spielt die Saison seines Lebens, RB Montee Ball macht eigentlich immer einen recht flotten Eindruck, wurde aber teilweise arg wenig eingesetzt.

New England hat dank zahlreicher Verletzungen eine der wackeligsten Lauf-Defenses. Ohne zusätzliche Verstärkung der „Box“ dürfte es für die Herrschaften wie DT Jones oder DT Siliga eine Herkulesaufgabe werden, Morenos eingestreute Carries zu stoppen. Aber dann fehlen diese Jungs hinten in der Deckung.

Was tust du als Defense dagegen? Laufspiel kannst du dem Gegner eigentlich nicht ohne weiteres anbieten, da es der risikoloseste Weg ist, zum Erfolg zu kommen. Aber verstärkst du die Front-Seven mit einem Safety, öffnest du einem WR #88 Demariyus Thomas „hinten“ alle Scheunen für 25yds-Catches. Es hat was von Jänner 2005, als eine ähnlich dezimierte Pats-Defense gegen eine ähnlich rekordträchtige Manning-Offense (damals 49 Pass-TD für Manning) antrat – und diese dann auf drei Punkte hielt. Das ist bis heute eines der herausragenden Abwehrspiele seit ich Football verfolge. ES war allerdings im Schneegestöber von Foxboro, und morgen soll es in Denver vergleichsweise gesittete Witterungsverhältnisse geben.

Es wird einen erneuten sensationellen GamePlan von Belichick und seinem Defense-Coachingstaff brauchen, um Denver in deren Stadion einzubremsen. Ich bin mir nicht sicher, ob sie ausreichend Personal und Tiefe dafür haben. Ich bin allerdings sicher, dass Belichick noch ein Karnickel im Ärmel hat.


Die Broncos sind zu favorisieren. Es spricht so vieles für sie: Sie haben die bessere Offense, sie eine Defense, die zumindest trotz allem noch eine Spur besser aufgestellt ist um den Stärken des Gegners zu begegnen. In beiden Mannschaftsteilen sind sie trotz einiger wichtiger Ausfälle (Miller, Harris) gesünder, tiefer besetzt. Sie haben den Heimvorteil. Die Wettbüros sehen Denver mit 4-5 Punkten vorn, mein Power-Ranking sah einen 7pts-Vorteil für die Broncos und empfiehlt entsprechend, auch gegen den Spread auf den Favoriten zu setzen.

Ein Patriots-Sieg würde niemanden vom Hocker reißen, aber das Gesamtpaket und die Ausgangslage vor dieser Partie sollten pro Denver sprechen und damit für die siebte Superbowl-Qualifikation für die Broncos.

Divisional-Playoffs 2013/14 am Sonntag

Den Abschluss machen heute Abend zwei Spiele, die wir schon am 10. November 2013 hatten. Für beide Spiele habe ich schon damals eine detailliertere Vorschau geschrieben. Beide sind heute immer noch ähnlich gepolte Matchups, aber es gibt kleinere Unterschiede von damals zu heute.

Carolina Panthers – San Francisco 49ers

  • Kickoff 19h05
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Joe Buck/Troy Aikman
  • Vorschau Herrmann: Panthers vs 49ers.

Langjährige Leser kennen die folgende Leier: Die Carolina Panthers gehören auf diesem Blog zu den Mannschaften, die am öftesten thematisiert wurden. Das liegt daran, dass sie seit Beginn der Saison 2012 (!) quasi ohne Unterbrechung im NFL-Power Ranking in den Top-8 stehen, trotz Zeiten in denen ihre Siegbilanz bei 2-8 lang und sie eher um den Top-Draftpick spielten als um die Superbowl: Sie waren Down für Down so effizient, dass sie eher um letzteres hätten spielen sollen. Aber sie hatten ein Problem: Den Head Coach Ron Rivera.

Rivera ist allerdings auch der Mann, der in dieser Saison eine der erstaunlichsten Wendungen genommen hat, die ein Mann in seiner Position nehmen kann: Er wurde vom konservativsten PlayCaller zu einem der aggressivsten, spielte plötzlich 4th-Downs en masse aus anstelle zu punten – und die Panthers begannen mit dem Gewinnen. Nach einem unglücklichen 1-3 Start zu Beginn der Saison antworteten die Panthers mit einer 11-1 Serie zum „Abschluss“. Resultat: Gewinn der NFC South, Seed #2 in der NFC.

Die Ironie der Geschichte in Carolina: Während letztes Jahr die Offense um QB Cameron Newton die Pace vorgab, ist es dieses Jahr die Defense, die in der Offseason um haargenau die richtigen Spieler ergänzt wurde: DT #98 Lotulelei und DT #99 Short, beide hohe Draftpicks, die die große Lücke in der Defensive Line stopften. Carolina 2013 führt folgende Spieler in der Front-Seven auf:

  • DE #76 Greg Hardy
  • DT #98 Star Lotulelei
  • DT #91 Colin Cole / #99 Kawann Short
  • DE #95 Charles Johnson
  • OLB #93 Chase Blackburn
  • ILB #59 Luke Kuechly
  • OLB #58 Thomas Davis

Eine Front-Seven, die 48 der 60 Panthers-Sacks fabriziert hat; allein die Ends Hardy (15 Stück) und Johnson (11) machten zusammen 26. Lotulelei gilt als einer der besten Rookies des Jahrgangs. Kuechly, ein Mann im zweiten Jahr, gilt als legitimert Anwärter auf den Titel des „Abwehrspielers des Jahres“.

Diese Front-Seven allein reicht aus, um trotz eines suspekten Defensive Backfields eine der besten Pass-Defenses im Lande zu stellen: 5.5 NY/A (#5 der Liga) bei 59% Success-Rate (#16) gegen das Laufspiel, und eine weit überdurchschnittliche INT-Quote von 3.6%. Eine Sack-Quote von 9.6%, beste der Liga. Carolina gibt zwar 66.7% Completion-Rate im Passspiel auf, aber für wenige Yards: nur 10.3yds/Completion, viertbester Wert der Liga. Wie man es drehen und wenden will: Diese Defense ist fassungslos gut geworden, und sie ist philosophisch ein Ebenbild des heutigen Gegners San Francisco: Auch dort hat man eine dominante Front-Seven gebaut, und versucht damit, eine suspekte Secondary zu kaschieren. Allerdings spielt Carolina vornehmlich 4-3, San Francisco eher ein verkapptes 3-4. Wuchtig sieht beides aus.

Sogar die Offenses sind ähnlich gepolt: Viele Ressourcen, die in die Running Back-Position gesteckt wurden. Zwei junge, schwarze, mobile Quarterbacks. Ein Ballfänger-Corp, der in erster Linie aus einem guten Wide Receiver und einem guten Tight End besteht. Eine Offense Line, in die Geld investiert wurde, die aber eher unkonstante Leistungen bringt. Alles mit Zusatz „jeweils“. Der Absatz gilt für beide Teams.

Bei den Panthers ist aber ausgerechnet der Teufel im Detail bei Cameron Newton begraben. Die landläufige Meinung sah in Newton nun zwei Jahre lang eine Lusche in den engen Spielen, ohne Eier, die Mannschaft Tebow-like rein per Willenskraft zum Sieg im engen Spiel zu preschen. Newton verlor fast alle der knappen Spiele der ersten Jahre, aber seine Offense brachte mit ihm stets um die 7.0 NY/A Passspiel zusammen – trotz eines abseits von WR-Legende #89 Steve Smith unterirdischen WR-Corps.

2013? Nun, Newton wurde über Nacht Eli-Manning-like zum „Close-Game“ Star und führte spektakuläre „Game Winning / Comeback Drives“ gegen Patriots, 49ers oder Saints das Feld runter. Allerdings leidet die Panthers-Offense dieses Jahr unter der geringeren Effizienz: Nur noch 5.9 NY/A für Newton sind nur noch der 20t-beste Wert der NFL. Nicht alles davon ist schlecht: Carolina spielt dieses Jahr einen Tick zurückhaltender in der Offense: Es wird kürzer geworfen, es wird weniger tief geworfen:

2011   25.7%
2012   23.3%
2013   19.9%

Das sind die Prozentwerte der Newton-Pässe, die in den letzten Jahren mehr als 15yds in der Luft downfield gingen (also keine 2yds-Pässe, die von Runninbacks zu 15yds-Raumgewinnen getragen wurden). Die Completion-Rate der Newton-Pässe stieg leicht an, von zuletzt 57.7% auf nunmehr 61.7%. Aber die Pass-Success Rate, also die Rate an Pässen, die verbesserte Punkteerwartung („EPA“) brachte, ist bei Newton seit Karrierebeginn dieselbe: 47%. Er ist also der fast identische Spieler seit Jahren.  Heute wird er allerdings mal wieder mit einem bestenfalls angeschlagenen (Knieverletzung) Steve Smith antreten können – Smith ist wohl active, aber er selbst ist sich noch nicht sicher, wie fit er sein wird.

Kaepernick kommt aus derselben Draftklasse wie Cam Newton, wurde aber erst Mitte 2012 zum Stammspieler. Er hat einen etwas besseren Support-Cast in Leuten wie Boldin, Davis oder Crabtree, aber er erlebt dieses Jahr erstmals Kritik, weil die Pass-Offense der Niners nur allzu oft so aussah: 13/25 Pässen für 174 yds, 1 TD, 1 INT, 3 Sacks, 4 gecallte Timeouts zur Verhinderung von False-Starts. Im „Hinspiel“ gegen Carolina, jenem berühmten 10-9 Sieg der Panthers, waren Kaepernick und seine Jungs noch schwächer: 11/22, 91yds, 1 INT. Allerdings fehlten damals noch Crabtree und in der zweiten Halbzeit Davis wegen Knieproblemen.

Ein weiterer Faktor in diesem Spiel: Das Coaching. Rivera ist völlig ohne Vorwarnung über Nacht zum Vorreiter der neuen Coach-Generation „Go fo it on 4th Down“ mutiert, und schwupps gewinnen die Panthers nun diese Spielen, die sie zuvor verloren haben (u.a. dank 5 Siegen in den letzten 5 knappen Spielen!). Nicht alles davon ist Rivera, aber ein Teil sicherlich. Der Coach, der in den letzten Jahren so viele Spiele wegschmiss, weil er Schiss hatte, gewinnt nun umso mehr davon. Auch gegen San Francisco?

Nicht alle sind sich sicher, dass Rivera auch in der Crunchtime in seinem ersten Playoff-Spiel die Eier zum Ausspielen zeigen wird. Einen Vorteil gegenüber seinem Gegenüber Jim Harbaugh hat Rivera aber auf alle Fälle: Er verbrennt nicht so viele sinnlose Timeouts, bevor es gen Spielende geht. Was sich Harbaugh/Kaepernick zuletzt wieder in Green Bay leisteten, spottete jeder sittlichen Beschreibung (2 verbrannte Timeouts in den ersten Minuten im dritten Viertel, davon eines vor dem ersten Spielzug des dritten Viertels!).


Für Newton und sein Bild in der US-Öffentlichkeit ist es ein enorm wichtiges Spiel: Er kann mit diesem Spiel vom leicht freakigen Unsympathen in der Provinz von Carolina („da drunten“) zur landesweiten Marke als neuester „Elite-QB“ mutieren – so unfair die eine oder andere Darstellung von ihm sein möge. Gelingt ihm kein Sieg, sollte man ihn aber auch nicht verdammen, denn die Ansetzung gleicht einem Münzwurf. Das Power-Ranking sieht einen 52/48-Vorteil pro Carolina. Das Hinspiel hatte einen 10-9 Endstand, und seither haben die 49ers Crabtree und einen fitten Davis dazu bekommen.

Es ist die klassische Ansetzung, in der die sprichwörtlichen Kleinigkeiten entscheiden könnten: Der Fumble, der in die richtigen Arme fällt. Der Puntreturn, der einen Tackle bricht und für 27 statt -2yds geht. Die eine Pass-Interference, die wahllos gegeben wird, weil sich die Refs nicht noch stärker dem Vorwurf der „Playoff-Softies“ aussetzen wollen.

Oder aber, es entscheidet der Quarterback, der sein Pass-Spiel gegen die jeweilige Monster-Defense besser in Gang kriegt. Und da würde ich heute aufgrund des besseren Supporting-Cast tendenziell mit Kaepernick gehen. Ergo: Ich sehe San Francisco trotz Harbaughs Auszeiten-Fetisch minimal vorn.

Denver Broncos – San Diego Chargers

  • Kickoff 22h40
  • Live bei SPORT1 US, im ran.de-Stream und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Jim Nantz/Phil Simms

Diese Ansetzung ist eine der einfachsten intuitiv innerhalb von Momentenbruchteilen zu erfassen, aber sie ist extremst schwierig, in eine strukturierte Preview zu fassen. Der Grund ist, dass beide Mannschaften konzeptionell sehr ähnlich gebaut sind, aber beide sind schwierig, in Worte zu fassen. Sie sind Wundertüten. Wundertüte ist dabei ein Synonym für „ich weiß es nicht“.

Die Chargers sind potenziell großartig. Gleichzeitig sind sie unkontrollierbar – für sich und für den Gegner. Das macht dieses Spiel so attraktiv.

Beide Teams sind um ihre Quarterbacks gebaut, wobei bei den Broncos der QB Peyton Manning „das System“ darstellt in Form von einem immergleichen Runterwichsen der Plays: 3 WR, 1 TE, 1 RB in der Aufstellung, und je nachdem was die Defense anbietet, lässt der Stratege Manning laufen oder er wirft selbst. Das funktioniert, solange er zumindest zwei großartige Wide Receivers hat; die Broncos haben deren vier: #88 Demaryius Thomas, #87 Eric Decker, #83 Wes Welker, #80 TE Julius Thomas. Manning selbst ist der ganz große Wurfkünstler nicht mehr, aber das muss er auch nimmer sein. Sein Wissen genügt.

Bei den Chargers geht es mehr um die Wurfkünste des Philip Rivers, wobei die Offense durchaus vielseitig ist: Alles, was die Offense Line wirklich drauf hat, ist das Lauf-Blocking. Damit kommt das Laufspiel um RB #24 Mathews und den weißen Zauberer #39 Woodhead ganz gut über die Runden. Dazu streut Rivers eine Menge an Kurzpässen und Checkdowns für die konstanten kurzen Raumgewinne ein, aber der wahre Star ist das Mitteldistanz-Spiel: Rivers bringt mit seiner Präzision auch die schwierigsten Pässe an den Mann, und keiner seiner Receiver ist dabei instrumenteller als der Rookie mit der #13, Keenan Allen.

Vom Konzept her ist das also ähnlich bei beiden. Liegt es daran, dass Chargers-Headcoach Mike McCoy letztes Jahr OffCoord in Denver war, und sich so einiges bei Manning abschauen konnte? Oder liegt es am QB-Flüsterer Ken Whisenhunt, jetzt OffCoord in San Diego? Auf alle Fälle sind die Ergebnisse bei den beiden Teams ähnliche: Denver als #1-Passoffense mit 7.8 NY/A, San Diego als #2 mit 7.5 NY/A. Denver mit 44% Success-Rate im Laufspiel, San Diego mit 43%.

Die Fragezeichen sind die Defenses, die beide problematisch sind – aber beide hatten im Verlauf der Saison auch genügend gute Momente, sodass man sie nicht ohne weiteres verdammen könnte. Die Chargers zum Beispiel: Mit 7.0 NY/A gibt man die meisten Yards im Passspiel auf, mit 46% Success-Rate hat man die zahnloseste Lauf-Defense der Liga. Allein: Die letzten Wochen der Chargers waren besser – viel besser.

Vielleicht ist es die Genesung von OLB Melvin Ingram, vielleicht war es der CB Marshall, der das Backfield verbesserte. Vielleicht auch nicht: Auch nach Ingrams Rückkehr stieg die Sack-Rate der Chargers nicht an. Auf alle Fälle aber „klickt“ die Pass-Defense der letzten Wochen besser. Wurde man in den ersten Wochen des Jahres noch regelmäßig in Grund und Boden geworfen, sind die Chargers des Dezember/Jänner eine relativ durchschnittliche Defense – ein Kompliment. Man schaltete in Woche 15 sogar Denver in Denver aus (allerdings ein damals Welker-loses Denver). Man stellte auch Cincinnati kalt. Es waren keine Rabauken-Vorstellungen, aber man war fleißig, legte sich wie Mehltau auf den Gegner und würgte den ohne Aufsehen langsam ab.

Bei den Broncos ähnliches: Erste Saisonhälfte war eine Katastrophe, aber mittlerweile ist man runter auf sehr passable 6.2 NY/A gegen den Pass. Allein: OLB #58 Miller ist mittlerweile auf der IR. DT Wolfe mit epilepsieanfälligen Symptomen noch immer inactive. Hinten drin Probleme bei CB Bailey… es ist eine Defense, die unter DefCoord Del Rio mal richtig gut ist, mal richtig banal.

Das sind die Mannschafts-Gerüste. Es gibt aber viele verdeckte Stats, die eine Rolle spielen könnten. So sind beide Offenses gigantisch in den 1st-Downs. „Gigantisch“ in 1st-Downs ist auch das Feld bereitet für „gigantisch in 3rd-Downs“: Broncos mit 49% Conversions die #1, Chargers mit 47% die #2.

Die Chargers sind der Underdog, d.h. für sie könnte es interessant sein, wie schon in Week 15 eine ballkontrollierte Offense zu spielen, um möglichst wenige Drives für beide Teams zu sehen. Wenige Drives = mehr Varianz = bessere Siegchance für den Außenseiter. Und laufen können die Chargers. Sie haben sogar die Chance, über ihren RT Fluker zu laufen – die Seite, auf der das Laufspiel exzellent ist. Es ist auch die Seite, auf der Denver etwas ausrichten muss, da die LE-Seite als Schwachpunkt gilt.

Okay.

Die Broncos sind insgesamt besser besetzt, tiefer, haben Heimvorteil und somit zu favorisieren. Aber die Chargers sind mit ihrer Offense in jedem Spiel ein Kandidat. Alles, was es braucht, ist eine erneute unangenehme Defense-Leistung, die gerade genügend Plays macht um mit der Offense das Spiel zu gewinnen. So geschehen in Week 15. Das Gute an den Chargers: Dank der jüngsten Verbesserung der Defense sind sie unberechenbar – und somit sollte auch dieses Spiel Augenschmaus-Potenzial haben.

Divisional-Playoffs 2013/14 am Samstag

Das Gute nach einführenden Artikeln wie jenen von Herrmann am Donnerstag: Es ist fast alles gesagt. Das schlechte: Ich bin arbeitslos. Es gibt nicht mehr viel zu sagen. Alle relevanten Matchups sind bereits bekannt, also bleibt mir nur noch die Aufgabe, ein paar verstohlene Blicke auf die Profile der beiden Mannschaften und ein paar versteckte bzw. zu offen diskutierte Punkte zu werfen.

Seattle Seahawks – New Orleans Saints

  • Kickoff 22h35
  • Live bei SPORT1 US und im NFL-Gamepass, Zusammenfassung und Live-Einstieg bei SAT.1 und im ran.de-Stream ab 0h05
  • US-Kommentatoren: Kevin Burkhardt/John Lynch
  • Vorschau Herrmann: Seahawks vs Saints.

Die yadda yadda-Talking Points vor dem Spiel sind schnell abgearbeitet:

1) Heimvorteil: Das beste Heimteam seit Erfindung der Bockwurst, die Seattle Seahawks, treffen auf die nicht mehr so auswärtsschwachen auswärtsschwachen Saints. Seattle gewann diese Saison seine Heimspiele im Schnitt mit 15.4 Punkten, und erst eine überraschende Pleite kurz vor Weihnachten gegen Arizona erweckte landesweit den Eindruck, dass die Hawks ja völlig überraschend doch in ihrem Heimstadion schlagbar sind. Es war übrigens nicht das erste Wackelspiel der Hawks zuhause: Auch gegen Tennessee (+7) und Tampa Bay (+3/OT) war es eng. Trotzdem natürlich: Seattle in Seattle, das ist schon eine Macht.

Auf der anderen Seite kommen die Saints immer noch mit dem Image der auswärtsschwachen Mannschaft daher; letzte Woche habe ich schon geschildert, dass ihre Pass-Offense dieses Jahr auswärts nur 6.2 NY/A zustande bringt (vs 8.3 NY/A zuhause) – aber das hielt die Jungs nicht von einem Auswärtssieg bei den hoch eingeschätzten Philadelphia Eagles ab.

Bei den Seahawks ist diese Statistik – Passoffense – übrigens deutlich ausgeglichener: Zuhause bringt Russell Wilson Passversuche für 7.5 NY/A an den Mann, auswärts nur für 6.5 NY/A. Die Defense ist allerdings im eigenen Stadion um ein Zipperlein schwächer als in fremden Stadien.

Trotzdem wird viel Tamtam um die Tatsache gemacht, dass die Seahawks in ihrem Stadion auch von New Orleans nicht zu stoppen sind.

2) Das liegt wohl unter anderem auch im Verlauf des „Hinspiels“. Das Monday Night Game Anfang Dezember zwischen diesen beiden Teams wurde von den Seahawks klar 34-7 gewonnen, und das überraschende daran: Man hatte quer durch die US-Medien nicht den Eindruck, dass es als überraschend klar wahrgenommen wurde.

Auch ich selbst hatte in der Preview den Saints wenig Chancen auswärts eingeräumt. Das Spiel selbst war dann eine regelrechte Schlachtung der Saints ohne Opferung. Sie wurden niedergemacht. Ein 34-7 ist in der aber NFL fast immer ein Ergebnis, das ohne die eine oder andere Zufallskomponente nicht zustande kommt: Seattle war besser, aber Seattle hatte auch einen günstigen Spielverlauf, machte zwei frühe Fumbles der Saints blitzschnell zu eigenen Punkten und hatte in der Folge gegen eine eindimensionaler werdende Saints-Offense leichtes Spiel.

Also: Ein 27pts-Sieg über die nach Power-Ranking zweitbeste Mannschaft der Liga klingt massivst, aber er spiegelte nicht die wahren Kräfteverhältnisse wieder, zumindest nicht ganz.

3) Passspiel. Es ist eines der besten Matchups des Jahres: Saints-Offense mit ihren 7.2 NY/A und ihrem Arsenal an Superspielern gegen die Hawks-Passabwehr, die nach mehreren Metriken als eine der allerbesten aller Zeiten gehandelt werden darf.

Die Seahawks haben eine unglaubliche Pass-Defense. Die ersten Jungs, die dir einfallen, sind der unbezwingbare CB #25 Richard Sherman, der fassungslos dynamische Safety #29 Earl Thomas und der Kopfjäger #31 Chancellor, aber sie allein machen nur den Unterschied in der Secondary aus. Vorne gibt es einen Pool an Passrushern, die keine andere NFL-Mannschaft aufweisen kann: DT MeBane, DE Clemons, DE Avril, DE Bryant, DE Bennett, OLB Irvin und und und. Diese Jungs machten 44 Sacks (7.7% Sack-Quote) – ein überdurchschnittlicher Wert. Und hinten halten die Defensive Backs um Sherman/Thomas, obwohl mit CB Browner der eigentlich vierte Mann der Legion of Boom wegen Drogensperre sitzt.

Browner hin, Browner her: Ein tief besetztes Defensive Backfield und flinke Linebackers sind gegen die Saints immer ein probates Mittel, denn New Orleans kann dich mit Drew Brees nicht nur via 1-2 Receivers schlagen, sondern über fünf bis sechs. Sofern Brees die Zeit bekommt. Rookie-LT #72 Armstead gegen einen ausgewählten Seahawks-Passrusher klingt nach Mismatch hoch drei.

Wie wichtig ist die Passspiel-Qualität beider Teams „auf beiden Seiten des Balles“ dieses Jahr? Nun: Diese beiden Teams sind die #1 und #2 in „Net Yards Differential“ in der NFL dieses Jahr.

Rk Team          NY/A Off  NY/A Def   NY/A-Differenz
 1 Seattle       7.0       4.8        2.2
 2 New Orleans   7.1       5.6        1.5

Das sind sensationelle Zahlen für beide Teams. Die Seahawks bringen pro Passversuch 2.2 Yards mehr zustande als sie mit ihrer Defense zulassen. Viel besser geht nicht.

4) Turnovers. Die Saints-Offense ist dieses Jahr erstaunlich turnover-frei. Brees, bekannt für sein risikoreiches Spiel und dafür, häufig auch über 18-20 INTs/Jahr zu fabrizieren, kam dieses Jahr mit 12 INTs durch die Regular Season. Letztes Woche warf er zwar Fehlpässe in Philadelphia, aber: Brees ist trotz des Philly-Spiels mit nur 1.8% INT-Quote noch immer der viertbeste QB der Liga. Allerdings: Seattles Secondary ist nicht bloß eine Mauer gegen die Yards; sie ist auch voller „Ballhawks“. Sherman (8 INT), Thomas (5), Maxwell (4) und Co. fangen sensationell viele Pässe ab: 5.3% INT-Quote ist, als wenn du jede Woche gegen Eli Manning oder Geno Smith spielen würdest, die aber gleichzeitig so effizient werfen würden wie Peyton Manning. Das ist Wahnsinn.

New Orleans braucht ein perfektes Spiel in Seattle; wirft aber Brees gegen diese turnoverhungrige Defense den einen oder anderen Fehlpass, ist es um die Saints wohl geschehen.

5) Das Wetter. Es soll nicht gefrieren, aber es soll regnen, nein, schütten in Strömen. Die Rede in den letzten Tagen war von 100% Regen-Wahrscheinlichkeit. Die Saints im Regen? Das spräche vom Gefühl her schon wieder gegen sie, aber Passspiel ist generell eher schwer im strömenden Regen. Das wiederum spricht vor allem gegen die Mannschaft, die zuerst (oder längere Zeit) in Rückstand liegt. Andererseits: Die Saints können durchaus auch laufen, und erfolgreich laufen. Ihre 43% Success-Rate ist die #10 der Liga.

6) X-Faktoren. Wir kennen Percy Harvin, aber wir wissen nicht, wie fit Harvin wirklich ist, und in welchem Zustand er auflaufen wird. Ist er fit, ist er der Baustein, der die Hawks-Offense von „effizient“ auf grandios heben kann.

Ein anderer Faktor ist Saints-DefCoord Rob Ryan: Seine Blitz-Taktiken gehen gegen den einzigen als angreifbar auszumachenden Mannschaftsteil der Hawks, die Offensive Line. Kommen seine Blitzes durch, wird Russell Wilson in der Pocket unter Druck kommen.

Special Teams. Notorisch unvorhersagbar. Notorisch spiel-mitenscheidend. In strömendem Regen wird das Kicken schwieriger, gehen Punts gern mal einen Schlapfen daneben, werden Returns schneller mal gefumbelt.


Machen wir uns nix draus: Die Seahawks sind der Favorit. Sie sind Favorit, weil sie die bessere Gesamt-Mannschaft haben, und vor allem auch, weil sie im extrem lauten heimischen CenturyLink Field spielen. Aber die Saints sind nicht zu unterschätzen. Sie sind immer noch die zweiteffizienteste Mannschaft der NFL-Saison. Sie haben immer noch Brees. Sie sind immer auch noch auswärts eine gute Mannschaft. Seattle ist nach Power-Ranking nur mit 60% (3.5 Punkten) favorisiert.

Ich schrieb nach dem „Hinspiel“, wenn Seattle scheitert, steht die Storyline bereits: “Zu früh gepeaked”. Was würde den Saints besser passen als diese bereits fertige Storyline auf die Titelseiten zu bringen?

Leichter Favoritenstatus für Seattle. Von einem Upset glaube ich wäre ich aber weniger überrascht als die meisten.

New England Patriots – Indianapolis Colts

  • Kickoff 02h10
  • Live bei SPORT1 US, im NFL-Gamepass und bei SAT.1 und im ran.de-Stream
  • US-Kommentatoren: Greg Gumbel/Dan Dierdorf
  • Vorschau Herrmann: Patriots vs Colts.

New England Patriots gegen Indianapolis Colts war die größte NFL-Rivalität der 2000er Jahre. Sie lebte von Leuten wie Belichick/Brady auf Pats-Seite und Dungy/Manning auf Colts-Seite, und von den Medien und von mehreren epischen Spielen. In New England ist immer noch selbiges Duo am Ruder, aber in Indianapolis konzentriert sich mittlerweile alles um den „neuen Peyton“, QB #12 Andrew Luck.

Chris Brown hat letzte Woche eine ganz gute Beschreibung zum Status des Wunderspielers Luck abgegeben:

Ich glaube, das trifft’s. Zeitweise ist Luck bereits das, was man sich von ihm schon lange verspricht. Aber dann ist Luck auch wieder die „2.0-Version“ von Favre oder Romo, ein Spaßfootballer, der mehr Risiko eingeht als es die Situation erfordert. Wie bei der überhaspelten zweiten INT letzte Woche gegen die Chiefs – bei hohem, aber nicht aussichtlosem Rückstand gegen die Chiefs. Ein Zeitpunkt, der noch zu früh war für eine echte Panikreaktion. Aber Luck revanchierte sich ja…

Die wichtigere Geschichte zu dem Spiel ist für mich aber das Verletzungspech beider Teams, die komplett auf dem Zahnfleisch daher kommen. Die Colts-Geschichte ist bekannt: Leute wie WR Wayne oder TE Allen sind seit Monaten draußen. Jede Woche ist man mit anderen Mannschaften aufgelaufen. Aber mittlerweile ist man so „gesund“ wie lange nicht mehr.

Nicht so die Patriots, die mittlerweile wieder eine „würdige Patriots-Defense“ aufwarten. Die Defensive-Tackles werden vom mir völlig unbekannten DT Siliga und vom ungedrafteten Rookie-DT Jones gebildet, dahinter laufen mit LB Fletcher und LB Collins (Rookie) ebenso unbekannte Leute auf, und in der Secondary setzt Belichick auf Grünschnäbel wie CB Ryan, S Gregory oder CB Dennard, der auch nur spielt, weil er der am wenigsten Verletzte ist.

Belichick ist ein Magier. Diese Defense ist mittlerweile personell auf 2011er-Niveau, aber sie keucht und fleucht sich doch noch zu halbwegs herzeigbaren Zahlen. Allerdings ist die Lauf-Abwehr mittlerweile eine Katastrophe: 53% Success-Rate als #29 der Liga – welch Wunder mit so dünn und unbekannt besetzter Front-Seven. Das Gute: Der nächste Runningback, den man treffen wird, ist Trent Richardson

Die Pats-Offense um den QB-Oldie Brady ist eine Wundertüte. Sie bringt im Schnitt ähnlich viel wie Indianapolis auf die Beine, nämlich 6.1 NY/A, aber kann man eine Effizienzmessung bei den Pats wirklich ernst nehmen? Diese Offense hat in den letzten 12 Monaten so viele Wandlungen durchgemacht wie andere in zehn Jahren. Hernandez, Gronkowski, Welker, Vereen, Ridley, Dobson, Thompkins, Amendola und wie sie alle heißen und hießen: Alles Leute, die rein- und rausrotiert wurden aus den unterschiedlichsten Gründen: Morde, Kreuzbandrisse, Zipperlein, Entlassungen, Fumbelitis… die Liste ist lang.

Aber einer steht seinen Mann: Die Legende Brady. Brady war teilweise unansehnlich im ersten Saisonabschnitt, teilweise on fire in der Saisonmitte, als er das StammpersonaL größtenteils zur Verfügung hatte, dann wieder Mittelmaß. Er war ein Sekundengenie und Choker. Er erlebte seine bisher bizarrste Saison. Aber es reichte. In einer schwachen AFC und einer noch schwächeren AFC East reichte es für Brady und die Pats für eine 12-4 Bilanz. Und OffCoord McDaniels, der für alle einen famosen Job gemacht hat, gilt schon wieder als heißer Headcoach-Kandidat (vielleicht in Cleveland), trotz seiner Vorgeschichte in Denver, die andere Leute auf alle Zeiten untragbar gemacht hätte.


Eine Analyse, die mir Chase Stuart erspart hat: Die Beständigkeitsanalyse. Es ist mir auch aufgefallen, dass die Patriots in bestimmten Messmetriken als ein Team mit mitunter der geringsten Varianz und Standardabweichung aufschienen – eine Erkenntnis, die beim Blick auf die vielen Wandlungen dieser Mannschaft allein dieses Jahr völlig überraschend kommt. Auf der anderen Seiten: Die Pats waren konstant relativ mittelmäßig. Das spiegelt sich auch in den 11 knappen Spielen wieder. Viermal, fünfmal, sechsmal kam es auf den allerletzten Pass in die EndZone hinein, oder auf ein Fieldgoal in letzter Sekunde an.


Die Wettbüros sehen in den Pats einen 7pts-Favorit. Das Power-Ranking gibt den Pats nur eine 59%-Chance. Auf neutralem Feld sähe es die Patriots nur minimal vorn. Ich kann verstehen, warum. Man muss auch beachten, wie unvorhersehbar die Colts dieses Jahr waren: Sie sahen teilweise wie kommende Superbowl-Champs aus, verloren dann aber wieder Spiele der Marke „wir wurden abgeschlachtet“.

Zwei im Kern junge Teams. Zwei herausragende Quarterbacks. Ein Headcoach-Zauberer. Zwei Teams, die dieses Jahr 7-4 (Patriots) und 7-1 (Colts) in engen Spielen sind. Ein weiteres enges Spiel ist alles andere als ausgeschlossen. Zumal beide genügend Flauseln haben. Zumal beide ausreichend Quarterbacks haben. Zumal es im Regen von Foxboro durchaus viele Unwägbarkeiten gibt.

Mein Gefühl sagt mir: Colts, aber der Verstand sagt „Patriots“, also werde ich mit dem Verstand gehen.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Sonntag: Green Bay Packers – San Francisco 49ers Preview

Den Abschluss des Wildcard-Weekends machen ab 22h30 die Green Bay Packers (8-7-1, Sieger NFC North) und die San Francisco 49ers (12-4, Zweiter NFC West). Zu sehen ist das Spiel live bei SPORT1 US und im Gamepass, und in Österreich auch bei PULS4.

Großer Wirbel wird vor dieser Partie naturgemäß um den Umstand gemacht, dass die 49ers die letzten drei direkten Aufeinandertreffen zwischen diesen beiden Mannschaften gewonnen haben… nein, dominiert haben. Und die 49ers haben es auf verschiedene Weisen hingekriegt: 2012 im Season-Opener wurde mit roher physischer Gewalt und QB Alex Smith 30-22 in Green Bay gewonnen, und man erinnert sich zurück, dass das Endergebnis die Kräfteverhältnisse nicht annähernd widerspiegelte. Dann der berühmte 323yds-Laufspieltag für Colin Kaepernick (machte allein 181yds) und seine 49ers letztes Jahr in den Playoffs. Schließlich zum Season-Opener 2013 ein 34-28 Sieg mit weit über 400 Passing-Yards für Kaepernick.

Green Bay und sein DefCoord Dom Capers antworteten stets auf Fragen, die Jim Harbaugh im jeweils letzten Treffen gestellt hatte. Harbaugh hatte aber jedes Mal zum nächsten Aufeinandertreffen die Fragen geändert. Wie wird es diesmal sein?

Wenn die 49ers den Ball haben

Erste Hoffnung für die Packers: Der 412yds-Tag Kaepernicks im ersten Spiel war Kaepernicks einziger nennenswert hervorragender Tag der Saison. Ansonsten quälte sich die 49ers-Offense durch die Saison; sie sind nicht extrem ineffizient, aber ihr wurden die Limits aufgezeigt:

  • WR #15 Anquan Boldin als Alleinunterhalter, sah 129 Anspiele (31% der Anspiele), dabei 85 Catches für 1179yds, 7 TD.
  • TE #85 Vernon Davis als RedZone-Waffe, 84 Anspiele (20%), dabei 52 Catches für 850yds und 13 TD.
  • Dahinter: Nicht mehr viel. WR #15 Crabtree machte nur fünf Spiele, fing dabei 19 Pässe, und alle sagen ihm nach, der Heilsbringer zu sein. Aber er half nur, die Offense ein wenig auf Trab zu bekommen.

Wie viel an Kaepernick liegt, ist schwierig zu sagen. Der Offense gingen über weite Strecken ernsthafte Skill-Player ab. Kaepernick hatte unter einer wechselhaften Offense Line zu leiden, kassierte trotz seiner Mobilität 39 Sacks, warf aber nur 8 INT. Trotz risikoreichem Spiel mit vielen tiefen Bomben in gute Deckung wenige Turnovers. Aber nur 58% Completion-Rate für Kaepernick bei recht durchschnittlichen 6.5 NY/A.

Green Bay hat keine wirklich gute Defense. Der wichtigste OLB #52 Clay Matthews fehlt verletzt, und er ist nicht der einzige Stammspieler im Krankenstand. Slot-CB #37 Hayward fehlt schon das ganze Jahr, und dann ist auch DL Worthy draußen. Der hoch gelobte Rookie-DL Datone Jones hatte einen eher schwachen Einstand, konnte nur als situativer Passrusher überzeugen, gilt als absoluter Schwachpunkt gegen den Lauf.

Mit einer zahnlosen Front-Seven wird das für Green Bays Secondary ein langer Tag selbst gegen den nicht immer überzeugenden Pass-Angriff der 49ers. San Francisco versucht aber ohnehin weiterhin, viel und geduldig zu laufen. Dabei fährt man nur durchschnittliche Zahlen ein (41% Success-Rate, 4.4yds/Carry), aber OffCoord Greg Roman gibt es nicht auf. Green Bays Lauf-Defense? Schwach. Mit nur 52% Success-Rate gehört sie zu den fünf schlechtesten im Lande, und man gibt 4.7yds/Carry ab.

Wenn die Packers den Ball halten

Der Mann, der alles zusammenhält, ist klar: QB #12 Aaron Rodgers. Rodgers hatte sein Comeback gegen Chicago, und auch wenn nicht alles reibungslos klappte, so machte er doch den Unterschied. Rodgers muss wie Kaepernick mit vielen Verletzungen in der Offense auskommen (u.a. TE Finley und LT Bulaga auf der IR). Die Offense Line ist ein Sieb. Auf alles scheißend bringt Rodgers in seinem phänomenalen Kurzpassspiel wieder exakt zwei Drittel der Pässe an den Mann, für 7.8 NY/A.

Die WRs Nelson, Jones und Cobb dürften für das suspekte Defensive Backfield der 49ers mit den Herrschaften Hitner, CB Brown und CB Rogers (questionable) ein ganz schwieriges Matchup sein. Da macht Green Bay vermutlich trotz der üblen Nachteile um die Anspiellinie herum seine Punkte.

Helfen könnte auch der Lombardi Sweep, ein berühmter Laufspielzug, den die Packers wieder ausgegraben haben. Chris B. Brown schreibt bei Grantland darüber, und er schreibt auch, dass RB #27 Eddie Lacy und nun erstmals seit Jahren wieder ein glaubwürdiges Packers-Laufspiel auf die Beine gestellt haben, das denjenigen bestraft, der es ignoriert:

The Packers aren’t suddenly a run-first team, and this isn’t Lacy’s offense. But thanks to the rookie’s presence in the backfield and the renaissance of the Packers Sweep, Green Bay has forced its opponents to at least respect the run.

Lacy ist zwar noch leicht angeschlagen, aber er wird spielen. Es braucht alle Hilfe, damit Green Bay im Spiel bleibt.


San Francisco fühlt sich wie ein leichter Favorit an (Las Vegas sagt 2.5 Punkte), aber es gibt durchaus genügend Punkte in der Schwebe, die dieses Spiel umgeben und eine präzise Vorschau unmöglich machen:

  • Welche Offense wird Harbaugh diesmal spielen? Wird Capers auf die richtigen Fragen antworten?
  • Was passiert, wenn Green Bay schnell in Führung geht? Dann ist San Francisco bald zu eindimensionalerem Passspiel gezwungen – das bekommt den Niners nicht.
  • Ein Punkt, den die 49ers gegen Green Bay nie überwinden mussten: Mehrere Turnovers. Turnovers können dir immer passieren.
  • Das Wetter: Es wird angeblich bockkalt. Bis zu -16°C sind für den Kickoff vorhergesagt („+6 Fahrenheit“). Das ist kalt genug, dass Green Bay bis zuletzt Probleme hatte, sein Stadion vollzubekommen. Green Bay. Ein Heim-Playoffspiel. Da ist es also wirklich kalt. Aber die vor wenigen Tagen vorhergesagten arktischen Temperaturen, die in die Nähe des NFL-Rekordes gekommen wäre, scheinen den Spielern „erspart“ zu bleiben. Trotzdem: Wie reagieren die Offenses auf die Kälte? Wenn sich der Ball nicht so einfach festhalten lässt und dir die Griffel abfrieren.

Für die 49ers spricht ein enormer Vorteil in Sachen Coaching. Harbaugh nehme ich 10/10 Fällen gegen Mike McCarthy. Das Wetter könnte auch eher für die lauforientierte Offense der 49ers sprechen und vor allem: Gegen allzu viel Luftwaffe bei Green Bay. Um die Anspiellinie hat San Francisco in Offense und Defense Vorteile.

Ein Packers-Upset würde mich nicht schocken, aber alle Faktoren zusammengerechnet schauen mir die San Francisco 49ers hier wie die Favoriten aus.


Ankündigung: Am Nachmittag wird Herrmann in einem eigenen Blogeintrag noch eine dezidiertere Analyse dieses Matchups schreiben.

Vor dem Wild Card Weekend 2013/14 am Sonntag: Cincinnati Bengals – San Diego Chargers Preview

Fortsetzung des Wildcard-Weekends heute Abend ab 19h MEZ (live SPORT1 US und NFL-Gamepass) mit der AFC-Ansetzung zwischen den Cincinnati Bengals (11-5, Sieger AFC North) und den San Diego Chargers (9-7, Dritter der AFC West) aus dem Paul Brown Stadium in Cincinnati. Es ist das vierte Mal in den letzten fünf Jahren, dass sich die Bengals vom sympathischen Head Coach Marvin Lewis für die Playoffs qualifiziert haben, aber ein Spiel dort gewonnen? Haben sie noch nie, und die Begeisterung in Cincinnati ist dann auch so groß, dass man Probleme hatte, die Hütte voll zu bekommen.

Es ist überhaupt das Spiel zwischen zwei ewigen Underdogs in der NFL-Geschichte. Beide Franchises wurden in den 60er Jahren als ursprüngliche AFL-Teams (AFL = damalige Konkurrenzliga zur NFL) gegründet, und beide hatten ihre Blütezeiten in den 80er Jahren: Cincinnati war dort zweimal in der Superbowl, während es die Chargers zwar erst 1994 dorthin schafften, aber das war eher Zufall; die großen Chargers-Mannschaften waren jene aus den frühen 80ern. Damals spielten diese beiden Franchises auch schon einmal gegeneinander um den Superbowl-Einzug, damals in der „Freezer Bowl“ bei minus 20 Grad ohne Windchill. Heute wird es etwas gesitteter.

Bengals gegen Chargers, das ist eine klassische Ansetzung zwischen einer starken Defense (Cincinnati, Defense-Ranking bei mir: #3) gegen eine starke Offense (San Diego, #3).

Wenn die Cincinnati Bengals den Ball halten

Dass die Bengals defensivstark sind, heißt nicht, dass sie in der Offense nix zu bieten haben, im Gegenteil: Viele Mannschaften wären froh, ein solches Offense-Arsenal zu besitzen wie die Bengals, die momentan von ihren exzellenten Drafts in den letzten Jahren leben.

Die Offense Line gilt trotz Verletzungsproblemen als eine der besten im Lande mit zwei massiven Ankermännern in RT #76 Smith und LT/LG #77 Whithworth. Die Runningbacks dahinter gelten als komplett unterschiedliche Spielertypen: Der parasitäre RB #42 Green-Ellis gilt als Power-Back, der zwar keine Fehler begeht, aber auch nicht viel mehr an Raumgewinn kreieren kann als das, was ihm die Offense Line bietet (nur 3.4yds/Carry). Ellis’ Backup ist der Rookie #25 Gio Bernard, der mit seiner spektakulären Spielweise schnell eingeschlagen hat und sowohl als Speed-Back als auch als Ballfänger für das gefährliche Screen-Passspiel der Bengals einsetzbar ist (56 Catches, 514yds, 3 TD).

Der Star im Angriff ist WR #18 A.J. Green, ein Schlaks von Receiver in seinem dritten Jahr. Green wurde heuer 178x angespielt, in 30% der Fälle davon downfield. Er machte 98 Catches für 1462yds und 11 TD. Von einem Manndecker allein ist er quasi nicht aus dem Spiel zu nehmen. Green wird flankiert von Leuten wie TE Gresham (soll heute fit sein), WR Sanu, WR Jones und Rookie-TE Eifert (alle zwischen 39 und 51 Catches).

Cincinnatis Problem liegt in der Quarterback-Position, wo der blässliche Rotschopf QB #14 Andy Dalton sehr schwankende Vorstellungen hat. Dalton hat immer wieder starke Phasen, aber dann kollabiert er wieder und reißt sein Team mit 3 INTs und 2 Fumbles in die Scheiße. Alles schon passiert – mehrfach, und das in einer einzigen Saison. Dalton ist mobil, er bringt 62% der Pässe an den Mann, trifft eigentlich gute Entscheidungen, aber er fabrizierte trotzdem mal wieder 20 INTs. Das liegt u.a. in Daltons Präzisionsschwierigkeiten. Den ganz großen Wurfarm hat er nicht.

OffCoord Jay Gruden versucht, Dalton und der Bengals-Offense seit Jahren mit restriktivem PlayCalling zu helfen, und viele Screen-Pässe anzusagen. Dieses Spiel funktioniert auch ganz gut, aber immer wenn es tief geht, kannst du bei Dalton nur hoffen, dass er dir deine Receiver nicht meterweit überwirft (so geschehen z.B. im „Hinspiel“ zwischen Chargers und Bengals in San Diego, als er Green gut fünf Meter (!) überfeuerte; Resultat: INT). Dalton macht 6.7 NY/A, was ein eigentlich recht guter Wert ist, aber diese 6.7 NY/A kommen relativ unkonstant. Mal Bombenspiele, mal Graupen. Cincinnati hofft heute besser, dass es die Bombe ist.

Cincinnatis Vorteil: San Diegos Abwehr ist eine einzige Baustelle. Schlechte Drafts in den letzten Jahren machten aus der Charger-D einen Trümmerhaufen. Dieses Jahr kassierte man 7.1 NY/A im Passspiel und ließ sich vom Laufspiel „überlaufen“. 46% Success-Rate ist der schlimmste Wert in der Liga, noch unter Chicago und Green Bay.

Da kann sich Gruden aussuchen, ob er den Lauf oder den Pass als Giftmittel wählt. Absoluter Schwachpunkt bei den Chargers ist gewiss die Cornerback-Position: CB Marshall und CB Wright gelten als nicht NFL-tauglich, aber die Bolts haben nix besseres. Ohne Hilfe vom brauchbaren S #32 Weddle geht das gegen einen Green oder ein Set mit 2 TE nicht.

Pass Rush bei den Chargers gilt ebenso als mau. Die besten Hoffnungen hat man, wenn man bend but don’t break spielt und darauf hofft, dass Dalton in den 8-Plays langen Drives irgendwann einen Bock einschiebt, einen Sack zu viel kassiert, eine INT wirft, oder beim Sack fumbelt. Ansonsten sehen zumindest 24-28 Punkte für die Bengals unvermeidlich aus.

Wenn die Chargers den Ball haben

San Diegos Offense 2013/14 ist nicht nur eine der größten Überraschungen des Jahres, sondern eine schlichte Augenweide. Was Head Coach Mike McCoy und OffCoord Ken Whisenhunt innerhalb eines Jahres aus einer Offense gemacht haben, die zuletzt nichtmal mehr Norv Turner im Griff hatte, stellt vieles in den Schatten, was Coaches dieses Jahr an Aufbauarbeit geleistet haben.

QB #17 Philip Rivers, von vielen schon abgeschrieben, läuft plötzlich als ganz neuer Mann über den Rasen und spielte eine begeisternde Saison: Rivers geht mit 19% der Würfe nicht mehr so oft tief wie früher, aber das Kurzpassspiel funktioniert reibungsfrei mit sensationellen 69.5% Completions-Rate für 4478yds (7.5 NY/A, #2 der Liga) und nur 11 INTs.

Sogar die Pass-Protection erwies sich nicht als das ganz große Problem: Der fußsteife LT Dunlap und der nicht minder als fußsteif bezeichnete Rookie-RT Fluker sollen richtig gute Saisons gespielt haben. Allerdings geht es heute für die beiden gegen gefährliche Passrusher: DE #93 Michael Johnson und #96 Carlos Dunlap haben zwar nicht viele Sacks, aber dafür umso mehr Hits und Hurries. Dahinter operiert in den Flat-Zonen mit OLB #55 Vontaze Burfict ein Kandidat für den Award zum Defensivspieler des Jahres. Da könnte Rivers früher unter Druck geraten als ihm lieb wird.

Gegenmittel könnte der fantastische Rookie-WR #13 Keenan Allen sein, der auf den Mitteldistanzen alles abräumt, was an Bällen in seine Richtung fliegt. Allen ist mit 71 Catches für 1046yds und 8 TD ein Mitfavorit auf den Rookie-des-Jahres Preis. Im ersten direkten Duell fing Allen Anfang Dezember 8 Pässe für über 100yds und war der Alleinunterhalter. Dazu gesellt sich der alte TE #85 Antonio Gates, der allerdings im ersten Spiel gegen die Bengals komplett abgemeldet war.

Was Whisenhunt und McCoy dieses Jahr nie gemacht haben: Das Laufspiel vernachlässigen. RB #24 Ryan Mathews kriegt immer seine Carries, egal ob effizient oder nicht (285 Carries für 1255yds, 4.4yds/Carry, 6 TD). Zwischendurch werden die klassischen Draws eingestreut, die der schmächtige weiße RB #39 Woodhead ausspielt. Woodhead kann dir die Offense nicht allein tragen, aber er ist so vielseitig und effizient, dass man ihn dringend beachten muss: 106 Carries für 425yds, 76 Catches für 605yds, 6 TD, und am gefährlichsten ist dieser wendige Wusler in 3rd-Downs.

Die Chargers halten die Balance, dass es manchmal fast zu viel wirkt. Aber eine suspekte Offense Line willst du nicht zu schnell dem Druck des Passrushes aussetzen, schon gar nicht gegen jenen der Bengals.

Ehre und Respekt für das, was die Bolts-Offense drauf hat. Ehre und Respekt aber auch für das Werk des Bengals-DefCoords Mike Zimmer, der seine beiden besten Verteidiger (DT Atkins, CB Hall) früh in der Saison verlor, ohne dass seine Defense hernach nennenswerte Leistungseinbrüche hinnehmen hätte müssen. Die Bengals kassieren nur 5.1 NY/A im Passspiel, die zweiteffizienteste Pass-Defense der Liga, obwohl dort hinten in der Secondary mit Pacman Jones, Dre Kirkpatrick (hatte als Rookie 2012 nur 2 Snaps als CB) und dem Oldtimer Newman eher suspekte Leute tummeln.


Cincinnati ist der Favorit, keine Frage. Die Bengals sind laut Power-Ranking mit 8 Punkten zu favorisieren; die Wettbüros sagen 7 Punkte. Eine Chance haben die Chargers, wenn ihre Defense so zeckig spielt wie in manchen Partien wie z.B. gegen die Broncos. Aber bei aller Liebe, man sieht es nicht kommen. Erstens hat Cincinnati wohl einen klaren Vorteil auf beiden Seiten der Anspiellinie – Offense Line und Defense Line – und dass diese Defense ein deep threat wie AJ Green kaltstellen kann und gleichzeitig die Flat-Zonen und Screenpässe lange genug abdecken kann… nein, schwer zu glauben.

Bowl Season 2013/14 am letzten Wochenende

Letztes Wochenende der Bowl-Season 2013/14, die viel Durchschnittskick fabriziert hat, aber auch einige wenige extrem attraktive Partien. Was steht uns noch bevor?

2./3.1. 01h30    Cotton            Oklahoma State     Missouri
2./3.1. 02h30    Orange            Ohio State         Clemson
   4.1. 19h      BBVA Compass      Vanderbilt         Houston
4./5.1. 03h      GoDaddy.com       Arkansas State     Ball State

Die Orange Bowl wird live übertragen von SPORT1 US (ab 02h30 in der Nacht auf Samstag). Die Cotton Bowl gibt es nur in Italien zu sehen, live bei FOX SPORTS 2. Der ESPN-Player hat Orange / BBVA Compass und GoDaddy.com im Programm.

Orange Bowl 2014

#7 Ohio State Buckeyes – #12 Clemson Tigers

Von der Ansetzung her ist Ohio State (12-1, Big Ten) gegen Clemson (10-2, ACC) ein Duell, das massive Offense-Power auf beiden Seiten verspricht. Aber es ist auch ein Duell, das vor über drei Jahrzehnten im College-Football Geschichte schrieb, die heute möglicherweise im Spielverlauf noch einmal bei ESPN angesprochen wird: Damals, Gator Bowl 1978, trafen Ohio State und Clemson zum bisher einzigen Mal aufeinander. Clemson gewann, aber das war am Ende unbedeutend. Viel wichtiger war eine Szene kurz vor Spielende, als der Nose-Tackle von Clemson, Charlie Bauman, eine Interception fing und entlang der Buckeyes-Seitenlinie returnierte. Der NT wurde getackelt, und die Trainerlegende von Ohio State, Woody Hayes, versetzte Bauman einen Faustschlag. Hayes, diese an sich unantastbare Legende und fünffacher National-Champion, wurde direkt nach dem Spiel gefeuert.

Zurück in die Gegenwart. Offense rulez, und das zweimal auf unterschiedliche Art und Weise. Clemson ist eine eher traditionelle Pass-Offense mit dem lange Zeit gehypten QB #10 Tajh Boyd, einem Farbigen, der eine gute, aber nicht überragende Saison spielte. Der Superstar ist WR #2 Sammy Watkins, ein Mann, der im Draft-2014 in der ersten Runde gezogen werden wird (14.6yds/Catch, 10 TD), aber es gibt in TE Bryant und WR Humphries weitere Klasse-Waffen. Diese Offense trifft auf ein dezimiertes Backfield bei Ohio State, wo der künftige Profi CB Bradley Roby mit Knieverletzung wohl ausfallen wird.

Ohio State von Headcoach Urban Meyer spielt eine Spread-Run/Option Offense als Basis, auch wenn die Versuche von Meyer, QB Braxton Miller immer mal wieder tief werfen zu lassen, unübersehbar sind. Ohio State ist um seine sehr gute Offense Line und RB Carlos Hyde (mehrere 200yds-Spiele) gebaut, und Clemson muss erstmal dieses Laufspiel stoppen bevor es daran denken kann, den Pass zu verteidigen. Weil Clemsons Secondary als extrem ausgedünnt gilt, könnte Ohio State heute aber mehr werfen als gewohnt.

SRS favorisiert Ohio State, aber nur mit drei Punkten. Die Frage ist nur noch, ob die Buckeyes auch motiviert genug sind, ihren Stiefel runter zu spielen. Die Fan-Base scheint eher enttäuscht zu sein, denn Ohio State hatte Probleme, sein Kartenkontingent für die an sich attraktive Reise ins warme Südflorida loszuwerden.

Cotton Bowl Classic 2014

#8 Missouri Tigers – #13 Oklahoma State Cowboys

Rein vom Simple Ranking System her ist die Cotton Bowl die hochwertigste Ansetzung der Bowl-Season 2013/14 hinter dem BCS-Title Game. Missouri (11-2, Finalverlierer SEC) und Oklahoma State (10-2, Zweiter der Big 12 Conference) gelten als rundum komplette, überraschend starke Mannschaften. SRS favorisiert die Oklahoma State Cowboys knapp mit 0.5 Punkten.

Beide Teams dürften sich noch aus der Big 12 Conference kennen, die Mizzou vor zwei Jahren gen SEC verließ. Missouri spielte dann heuer ein erstklassiges Jahr, das ich schon mehrfach dokumentiert habe: Erst im SEC-Finale wurde man von Auburn überlaufen. Die Offense wird von QB James Franklin angeführt, einem Mann, der dir keine großen Bolzen begeht. Das Laufspiel macht locker über 200yds/Spiel und ist um den wuchtigen RB Henry Josey konzipiert. Die Defense lebt von ihrer bockstarken Front-Seven um DT Kony Ealy.

Oklahoma State ist in erster Linie extreme Offense-Wucht, aber für die Cowboys wird es essenzieller, wie sie Defense spielen. Die Matchups der Defensive Backs gegen die groß gewachsenen WR-Schlakse von Missouri (z.B. der profireife Dorial Green-Beckham) könnten spielentscheidend sein.

Ich bin froh, dass FOX SPORTS 2 dieses Spiel überträgt.

Die kleinen Wochenend-Bowls

Samstag: BBVA Compass Bowl, Vanderbilt (8-4, SEC) vs Houston (8-4, The American). Eigentlich galt diese Bowl ja stets eher als kleine Veranstaltung, zu der niemand gern hinfährt, aber die Anhängerschaft von Vanderbilt, dieser eigentlich relative kleinen Privatuniversität aus Nashville/TN, soll euphorisch auf die Einladung ins provizonelle Alabama (dort wird die Bowl ausgespielt) reagiert haben, und die Karten sollen wie die warmen Semmeln weg gegangen sein. Dabei gibt es um Vandy durchaus Fragezeichen: Wie zum Beispiel sieht es mit der Zukunft von Head Coach James Franklin aus, der immer wieder von Abwanderungsgerüchten umgeben wird? Vandy spielte diesmal eine 8-4 Saison, aber es war eine wackelige Saison: In einem relativ soften SEC-Schedule verlor Vandy alle Spiele gegen die respektablen Gegner haushoch. Houston dagegen ist auch 8-4, aber 1-4 in engen Spielen. Gegen das starke BYU verlor man nur mit einem Punkt, und gegen die BCS-reifen UCF (wir haben gesehen, was UCF drauf hat) und Louisville (Teddy Bridgewater) verlor man nur mit fünf bzw. sieben Punkten. Daher ist Houston nach SRS auch mit 3 Punkten favorisiert (ein großer Unterschied zu den Wettbüros, die Vandy mit 2.5 vorn sehen).

Sonntag: GoDaddy.com Bowl, Arkansas State (7-5, Sunbelt) vs Ball State (10-2, MAC). Das Programm in der Sonntagnacht für die Zeit nach dem Wildcard-Weeken (Kickoff 03h). Arkansas State hat sich in den letzten Jahren zum Sprungbrett für Headcoaches wie Gus Malzahn (ging nach einem Jahr zu Auburn) und Bryan Harsin (ging nach einem Jahr zu Boise State) entwickelt, und ist aktuell mit Interimscoach unterwegs. Heuer spielte man ein vergleichsweise schwaches Jahr. Ball State dagegen hatte einen exzellenten Herbst und wurde nur einmal hoch abgeschossen. Nach SRS ist Ball State klarer 10.5pts-Favorit.

Das wären dann 34 von 35 Bowls gewesen. Am Dreikönigstag folgt das BCS-National Championship Game als Abschluss der Saison 2013/14.

Sugar Bowl 2014: #3 Alabama Crimson Tide – #11 Oklahoma Sooners

Zwei ganz, ganz große Nummern im College-Football, die sich die Sugar Bowl für heute, 02h30 (live ESPN-Player und SPORT1 US) als Kontrahenten ausgesucht hat: Alabama (11-1) und Oklahoma (10-2) gehören zu den erfolgreichsten Programmen der letzten 50 Jahren mit den meisten Conference- und National-Titles sowie Heisman-Trophys. Trotzdem ist die Ansetzung heute mit einem Sternchen versehen. Ich bin immer noch sauer, weil man uns des Matchups Alabama vs Oregon beraubt hat und stattdessen die regional näheren (Sugar Bowl findet in New Orleans statt), aber sportlich minderwertigen Oklahoma Sooners bevorzugt hat.

Die Alabama Crimson Tide dürften jedem Leser hier ein Begriff sein. Alabama dominierte den College-Football der letzten Jahre mit seiner straighten, kalten Art und Weise, Football zu spielen. Die Mannschaft war nach dem Ebenbild des Head Coaches Nick Saban gebaut: Gesichtslos, keine großartigen Innovationen aber auch kein großen Mäzchen, die ihren körperlich unterlegenen Jüngelchen keine Chance ließen. Das reichte zu drei Titeln in vier Jahren von 2009-2012, aber diesmal wurde den Crimsons ausgerechnet vom Erzfeind und Lokalrivalen Auburn ein Schnippchen geschlagen in einer „Iron Bowl“, für die man sich schwer tut, adäquate Worte zu finden.

Oklahoma ist das Reich und Werk des Head Coaches Bob Stoops, der in Norman seit über zehn Jahren das Zepter in der Hand hat. Stoops übernahm die Mannschaft Anfang des Jahrtausends, und er coachte sie im ersten oder zweiten Jahr zum ersten National-Title seit vielen Jahren. Das machte Stoops quasi unfeuerbar, aber es schürte auch eine Erwartungshaltung, die Stoops seither nicht mehr ganz erfüllen konnte: Stoops ist seither auf Landesebene titellos. Er gewann haufenweise Conference-Titel in der Big 12, aber die Sooners sind berüchtigt dafür, dass sie jedes Jahr ein oder zwei Spiele als Favorit verlieren und deswegen immer und immer wieder aus dem BCS-Rennen fielen.

Man muss anmerken, dass Stoops dabei einen schwierigeren Job als Saban hat: Er operiert in Oklahoma, wo es keine gescheiten Highschools und nur wenige Talente gibt. Texas ist nahe, aber innerhalb der texanischen Staatsgrenzen gibt es die übermächtige University of Texas – Oklahomas Erzrivale – für die jeder Topspieler spielen möchte, und eine Vielzahl weiterer texanischer Unis. Oklahoma hat ein sehr viel schwierigeres Recruiting als Alabama.

Sportlich ist die Frage, wie motiviert Alabama in das Spiel geht. Vor ein paar Jahren stand Saban schon einmal in der Sugar Bowl (gegen Utah), und dort ließ man sich ohne Gegenwehr abschlachten, nachdem man das große Saisonziel BCS-Titel verpasst hatte.

Immerhin einer hat aber Grund, voll durchzuspielen: QB #10 A.J. McCarron, der sein letztes College-Spiel bestreitet. McCarron geht als einer der großen „Siegertypen“ in die Annalen des College-Football ein (u.a. zwei BCS-Titel), aber seine Draft-Aktien stehen trotzdem nicht brillant. Es gibt hochwertigere Quarterbacks, sagen einige. Andere (wie ich) sehen durchaus einen QB, dem man das Spiel in die Hand drücken kann. McCarrons Vorgänger McElroy war um ein Vielfaches der blässlichere Spielertyp, aber McElroy wurde 2011 trotzdem gedraftet. McCarron sollte minimum dort vom Tablett gehen, wo letztes Jahr Glennon ging; heute hat McCarron noch einmal eine Chance, sich gegen eine gute, aber nicht überragende Defense zu beweisen.

Weitere mögliche Draft-Prospects auf Alabama-Seite: OT Kouandjio (Jr., gilt als Erstrundenkaliber, wenn er sich für den Draft anmeldet), der ewige ILB C.J. Mosley (Sr., erste bis zweite Runde), FS Hasean („Ha-Ha“) Clinton-Dix (Jr., erste bis zweite Runde), OG Steen (rSr., Mid-Round Pick). Bei den extrem jungen Oklahoma Sooners gelten die Talente eher für 2015 und darüber hinaus.

Favorit im Spiel nach SRS: Alabama in einer relativ (nach SRS zumindest) klaren Sache mit 12 Punkten.

Fiesta Bowl 2014: #6 Baylor Bears – #15 Central Florida Knights

Fiesta Bowl 2014 (02h30 live im ESPN-Player und bei SPORT1 US) ist eine Ansetzung, die nicht nach überragenden Einschaltquoten aussieht, treffen hier doch nicht gerade zwei Schwergewichte des College Football aufeinander: Der Big-12 Champ Baylor Bears (11-1) gegen den Sieger der American Athletic Conference, Central Florida Knights (11-1). Zwei kleine Unis, relativ unbeschriebene Blätter auf nationaler Ebene, und zudem klingt die Ansetzung nach SRS nach einem Mismatch: Baylor ist mit 18 Punkten favorisiert. Trotzdem gibt es gute Gründe hinzuschauen, und es gibt zwei interessante Geschichten hinter den heutigen Kontrahenten.

Baylor, diese kleine Baptistenuniversität aus der texanischen Stadt Waco, hatte ihr Coming-Out vor zwei Jahren, als Robert Griffin III die Heisman-Trophy gewann und eine ästhetische Offense der Bears anführte. Nach Griffins Abgang in die NFL hatte man einen Einbruch befürchtet, der normalerweise bei so kleinen Universitäten geschieht, wenn die Schlüsselspieler das Programm verlassen. Aber Baylor (das vor zehn oder 20 Jahren mit 4 Saisonsiegen zufrieden gewesen wäre) wurde entgegen allen Erwartungen besser.

Der Hauptgrund dafür liegt in der fast nicht zu stoppenden Spread-Offense von Head Coach Art Briles, einem Guru, der vor Jahren den texanischen Highschool-Football revolutionierte und zum landesweit besten machte, und der später bei Houston und Baylor aus dem quasi-Nichts gewaltige Mannschaften baute. Briles lässt seine Offenses wie folgt spielen: Alle Ressourcen in die Offensive Line, denn sie muss halten. Dahinter ein Quarterback, der mobil und entscheidungsfreudig sein muss. Dazu ein Runningback dahinter und vier Wide Receiver möglichst nahe an die Seitenlinie um die Defense auseinander zu ziehen dass sie nicht mehr weiter auseinander zu ziehen ist. Das ist am College machbar, denn das College hat breitere Hashmarks als die NFL.

Resultat für Baylor dieses Jahr: Haufenweise Spiele mit 700yds Offense und 70 Punkten, dazu mehrere Abschüsse auch bekannter Teams wie Oklahoma oder Texas. Einzig an einem grauen Novemberabend in Oklahoma State verlor man, und auch da gab es viele Punkte, und zwar gegen Baylor. Das war lange Jahre das Stigma für Briles und seine Mannschaft: Sie können zwar scoren, aber ihre Gegner nicht immer vom Scoren stoppen. Die Defense als Hemmschuh. Letztes Jahr war man ähnlich effizient in der Offense, aber die Defense machte in der gesamten Regular Season nur sechs Sacks. Dieses Jahr war die Defense besser, aber sie ist auch nach adjustierten, angepassten Methodiken keine Top-25 Unit. Dank Super-Offense reicht es aber zu für Baylor bisher ungekannten Höhen: Ein Conference-Titel! Das gab es seit Ewigkeiten nicht mehr.

Der QB ist Bryce Petty, ein Mann, der mittlerweile von NFL-Scouts unter die Lupe genommen wird, aber der nicht wie ein klassisches NFL-Prospect aussieht. Seine Stats: 220/356 für 3844yds, 30 TD, 2 (!) INT. Dazu 11 Scramble-TD. Der 1er-RB in einem tief besetzten Backfield ist Lache Seastrunk (1060yds in nur 141 Carries). Bei den Wide Receivers hat man WR Antwan Goodley (67 Catches, 1377yds, 13 TD), nachdem man schon in den letzten Jahren Leute wie Kendall Wright, Terrance Williams oder Josh Gordon (letzteren über Umwege) in die NFL gebracht hatte.

Central Florida ist ein relativ junges Programm auf FBS-Ebene: Man spielt erst seit 1996 dort oben in der obersten Stufe. Lange Jahre war man ein Mitläufer, aber ein erwünschter, ist man doch in Orlando/FL beheimatet, mitten in einer exzellenten Recruiting-Zone im starken Highschool-Footballland Florida. Erst Anfang der 2000er ging es aufwärts, als Head Coach George O’Leary übernahm; O’Leary ist ein grauhaariger alter Mann, der früher mal Georgia Tech nach oben gebracht hatte, und später für ein paar Tage Head Coach bei Notre Dame war; „für ein paar Tage“, weil er seine Vita aufgehübscht hatte und schon vor seinem ersten Spiel wieder gefeuert wurde. Er steht für die alten Werte: Disziplin, Härte, Defense.

O’Leary erwies sich für UCF aber nicht bloß als Trainer, sondern vor allem als Stratege. Er forcierte den Bau eines neuen Campus-Stadions, neuer Facilities und revolutionierte die Ansprüche an seine Student-Athletes: Die Mannschaft von UCF gehört zu denen mit den besten Noten im Lande, stellte mehrmals Rekorde an guten Noten auf.

Auf der anderen Seite steht bei O’Leary ein unschöner Vorfall eines während einer Trainingseinheit 2008 kollabierten und verstorbenen Spielers, den O’Leary überfordert und übelst beschimpft hatte; der zweite schwarze Fleck auf seiner Bio bei UCF: Ein Recruiting-Vergehen, weswegen UCF letzte Saison für die Bowl-Season gesperrt war. Ein zwielichtiger Mann also. Hat Gutes und Schlechtes bewirkt, aber er wurde bei UCF nie entlassen und hat sein Team heute vor seinem größten Spiel: In einer BCS-Bowl.

UCF ist klarer Außenseiter, aber es gibt einen Mann, den man sich anschauen sollte: QB Blake Bortles. Ich kannte Bortles bisher kaum, aber Bortles ist Junior, und man hörte in den letzten Tagen mehrfach von einer Anmeldung Bortles’ für den Draft 2014. Er soll ein 1st-Round Talent sein. Seine Statur: 1,93m, 104kg. Seine Stats: 239/351 (68%) für 3280yds für 22 TD und 7 INT. Er ist kein Scrambler, aber mobil wie Aaron Rodgers und lässt sich in der Pocket nicht leicht fällen.

Es ist wie gesagt eine Freak-Ansetzung für eine BCS-Bowl, aber man darf nicht vergessen, dass Baylor legitim als drittbeste Mannschaft des Jahres nach Florida State und Alabama angesehen werden kann. Die SRS-Werte und alle sonstigen Effizienz-Stats deuten bei Baylor auf einen gigantischen, immer noch unterschätzten Juggernaut hin. UCF sollte kein Problem sein, wenn die Mannschaft motiviert ist. Die Frage ist halt: Ist sie motiviert? Lähmt sie die Angst vor einem eventuellen Absprung des Headcoaches Briles in die NFL? Oder fährt Baylor zum wiederholten Male wie ein Wirbelsturm auf einen guten, aber doch überforderten Gegner drüber?