Gedanken zum Trade von Jamie Collins nach Cleveland

Trading Deadline in der NFL – und Bill Belichick hat wieder zugeschlagen:

LB Jamie Collins zu den Cleveland Browns. Als Gegenleistung erhalten die Patriots einen 3rd Round Pick der Browns aus dem Pool der Compensatory Picks, die die NFL für abgegebene Free Agents alljährlich verteilt. Diese Compensatory Picks dürfen im kommenden Jahr zum ersten Mal getradet werden. Weiterlesen

Heute vor 100 Jahren

Gerade bei ESPN gelesen: Heute vor 100 Jahren fand das Spiel der Spiele im College Football statt: Georgia Tech gegen das Cumberland College. Georgia Tech gewann 222:0 (!). Das Ergebnis ist bis heute das eindeutigste in der Geschichte des Football.

Cumberland hatte vor der Saison 1916 sein Footballteam aufgelöst, konnte aber aus finanziellen Gründen nicht mehr aus dem vertraglich vereinbarten Duell mit Georgia Tech aussteigen.

Cumberland hatte Georgia Tech kurz zuvor im Baseball mit 22:0 aus dem Stadion gefegt und dabei Gerüchten zur Folge professionelle Spieler eingesetzt. Also ließ GT-Headcoach John Heisman – der Mann, nachdem die Heisman Trophy benannt ist – quasi als Revanche einen Touchdown nach dem anderen über den Gegner legen.

32 Touchdowns zu null (bei nur 29 Offense-Spielzügen). 20 First Downs zu null. 15 Turnovers gegen Cumberland. Als bester Offense-Spielzug von Cumberland gilt heute ein -6 Yards Lauf „über“ den rechten End. Jeder Spielzug, der nicht im Touchdown endete, galt als Erfolg für Cumberland. Der beste Defense-Spielzug war ein geblockter Extrapunkt, als Cumberland eine menschliche Pyramide bildete.

Die Spieler beider Mannschaften trafen sich hinterher trotzdem regelmäßig zu Nachbesprechungen des Erlebten.

Sam, der Wikinger

Die Minnesota Vikings haben für QB Sam Bradford von den Philadelphia Eagles getradet. Gegenwert: 1st Round Pick 2017 und ein 4th Round Pick 2018. Eine schnelle Analyse.

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Joey Bosa

EDIT 21h35: Bosa hat unterschrieben.


Mal kurz einen Blick auf die verhakte Situation im Vertragsstreit zwischen den San Diego Chargers und ihrem Top-Draftpick 2016, DE Joey Bosa (#3 overall), geworfen. Die Franchise hat letzte Woche eine scharfe Pressemitteilung veröffentlicht: Weiterlesen

Neujahrstag in der NFL

Heute, 9. März 2016 um 22h MEZ endet das NFL-Jahr 2015/16. Eine der wichtigsten Auswirkungen dieses „Neujahrstags“ ist das Auslaufen etlicher Spielerverträge und somit der Beginn des Transfermarkts („Free Agency“) 2016, im Zuge dessen viele Spieler ihre Vereine wechseln werden. Weiterlesen

Die NFL und ihre großen Fragen vor Start des Transfermarktes

Heute startet die offizielle Transferperiode („Free Agency“) der NFL-Offseason 2015. Die wichtigsten Grundlagen-Artikel zum Transfermarkt der NFL – Fluch des Gewinners, Vertragsmanagement, Salary Cap, Cap Rollover – die auf diesem Blog geschrieben wurden, habe ich unter dem Schlüssel-Link „NFL Vertragsmanagement“ zusammengefasst und können dort eingesehen werden.

Was ich dieses Jahr schreiben wollte, aber zeitlich nicht hinbekommen habe: Die Bedeutung der einzelnen Free-Agents Typen – RFA, UFA usw. Glücklicherweise hat das beste verfügbare Transfer-Blog Over The Cap diesen Task bereits übernommen und (auf Englisch) darüber geschrieben: Explaining the Free Agent Designations. Weiterlesen

Der letzte Tag des Jahres

… zumindest des NFL-Jahres, denn morgen öffnet mit dem Start der Saison 2015 der Transfermarkt. Die Salary-Cap wird ligaweit 143 Mio. Dollar betragen, ein relativ massiver Anstieg von rund 10 Mio. vom letzten Jahr. Wegen des Cap-Rollover haben verschiedene Teams aber natürlich mehr oder weniger Cap-Space verfügbar. Weiterlesen

Robert Griffin The Ram

Keine Woche ohne D’oh! in der NFL-Offseason. Erst Revis, dann DeSean Jackson und jetzt RG3: Gestern Abend gab es bei Twitter die ersten Gerüchte, und ehe man sich versah, flatterte die News zur Tür herein: Die Washington Redskins traden QB Robert Griffin III nach St Louis zu den Rams und erhalten im Gegenzug QB Sam Bradford und den #2-Draftpick overall im diesjährigen Draft. Damit wird Geschichte rückgängig gemacht: Genau dieser zweite Draftpick hätte eh den Redskins gehört, hätten sie ihn nicht schon vor zwei Jahren nach St Louis getradet – für die Rechte an RG3.

Damit haben wir den bis dato spektakulärsten Move der Offseason 2014. Es ist nur der Schlussstrich der Redskins unter das wilde Kapitel mit dem gefallenen Volkshelden RG3.

Schon im Lauf der letzten Woche drangen in den Redskins-Foren leise Gerüchte ob der angeblichen Missstimmung zwischen RG3 und dem neuen Head Coach und quasi-OffCoord Jay Gruden durch. Grudens Playbook soll mit seiner West-Coast artigen Offense nicht auf Griffins Talente zugeschnitten gewesen sein, und Griffin soll sich darüber laut bei Owner Dan Snyder ausgeheult haben. Gruden scheint den internen Machtkampf gewonnen zu haben.

Mit dem Trade bekommen die Redskins nun in Sam Bradford den Top-Draftpick 2010, der sich bisher nicht so recht in der NFL durchsetzen konnte. So ganz ohne Fähigkeiten wird Bradford aber nicht sein, und wenn Gruden eines kann, dann es ist das Coachen von mittelmäßig talentierten Quarterbacks (siehe: Dalton, Andy).

Die Redskins bekommen quasi gratis mitgeliefert den heiß ersehnten hohen Draftpick um die Defense zu verstärken. Was kommt da besser als die Chance, den nächsten potenziellen Heroen DE Jadeveon Clowney zu ziehen? Ein Clowney als das Monster in der Defensive Line, und Cousins gegen Bradford als Kampf um den Stamm-QB – die Skins sind schon wieder auf dem Weg nach oben.

Für die Rams ist der Move so logisch, dass man sich hinterher fragt: Warum nicht schon 2012? RG3 ist trotz aller Negativpresse der letzten 12 Monate noch immer ein entzückender Spieler, der feuchte Träume wahr werden lassen kann, und wenn nicht, dann ermöglicht er zumindest für die nächsten Monate feuchte Träume. Quarterback war die größte Lücke im Rams-Kader in diesem Jahr, und einen 1st-Rounder haben die Rams dieses Jahr noch immer.

Und das Allerbeste: St Louis spielt nicht auf einem Schlachtfeld, sondern in einer Halle – keine Gefahr mehr also für die Kreuzbänder bei RG3.

Griffin wird in St Louis die 1 tragen. Bradford in Washington die 4.

Ein Tool für Chip

Einer der interessantesten Moves der ersten Woche Free-Agency 2014 war der Trade von Saints-RB Darren Sproles zu den Philadelphia Eagles (Gegenwert: 5th-Rounder). Der Move machte für beide Seiten Sinn: Die Saints schaufeln sich dringend benötigten Platz unter der Salary-Cap frei, die Eagles gewinnen einen logischen Baustein für die weit offene Spread-Offense von Chip Kelly.

Man darf gespannt sein, ob Sproles in Philadelphia eher als Runningback oder als Wide Receiver gesehen wird. Sproles‘ größte Stärke ist das offene Spielfeld, wenn er wie ein Irrwisch die Linebacker aussteigen lassen kann, weniger das Brechen durch die Offense Line hindurch. Die Eagles spielen eine sehr straighte, vertikal orientierte Offense, die nicht lange fackelt und sofort versucht, den Spielzug Richtung downfield zu entwickeln.

Es ist eine Offense, die auf einer massiven Offense Line und viel Speed gebaut ist. LeSean McCoy ist dafür der bestmögliche Back. McCoy ist gleichzeitig ein fangstarker Back. McCoys Backup Bryce Brown ist eher der kräftige Typ für die harten Carries. Mit Sproles kommt nun aber noch einmal ein krasses Element „Doppel-Waffe“ dazu: Sproles ist minimum genauso viel Receiver wie Ballträger.

Stell dir eine Aufstellung mit McCoy und Sproles im selben Lineup vor: Worauf musst du dich als Gegner einstellen? Beide können laufen, beide können fangen. Beide wissen am besten das, was Chip am liebsten kreiert: Bewegung im offenen Raum, dort, wo ihnen keine sieben Linebacker auf einmal auf die Eier steigen.

Sproles ist 30 und damit nicht mehr allzu weit vom Karriereende entfernt. Er sollte aber – zumindest in der Theorie – fitter sein als ein gewöhnlicher 30jähriger Starting-RB, den Sproles agiert seit vielen Jahren vor allem als eine Art change of pace-Back mit Fang- und Returnaufgaben. Er kennt keine 300-Carry Saison. 2-3 Jahre dürfte Sproles noch im Tank haben, und dafür ist ein 5th-Round Pick doch allemal ein Preis, den man für einen solchen Spielertyp zu bezahlen bereit ist.

Josh McCown und die Tampa Bay Buccaneers

Josh McCown war eine der positivsten Erscheinungen der Saison 2013/14: Nach einer Cutler-Verletzung von den Chicago Bears aus dem Ruhestand reaktiviert und quasi direkt von seinem Platz als Highschool-Lehrer an den Trainingsplatz gefahren, lieferte McCown eine exzellente Saisonschlussphase und führte eine Bears-Mannschaft ohne Defense fast noch in die Playoffs. Nun unterschrieb McCown in Tampa einen Zweijahresvertrag über 10 Mio. Dollar, mit runden 4.5 Mio. Handgeld und der Option auf fünf weitere Millionen durch Leistungsklauseln. Was bedeutet der Deal für die Buccaneers?

Ich lese bei Sports Illustrated so etwas:

Any desire for an open quarterback competition, though, fell by the wayside Wednesday when Tampa Bay landed the veteran quarterback it was after: ex-Chicago backup-turned-replacement starter Josh McCown. During the press conference to announce McCown’s signing, [Lovie] Smith was asked if the 34-year-old journeyman would be his starter heading toward the 2014 season.

Smith’s reply: “Yes, he is.”

Die erste Message ist eine versteckte Ansage an den jungen Mike Glennon. Die zweite Message in dieser Aussage impliziert, dass Tampa möglicherweise nicht in das Rennen um einen Quarterback im Draft 2014 einsteigen wird. Wie viel dran ist, ist nicht ganz klar – Smoke Screens! – aber zumindest besteht die Möglichkeit, dass die Buccaneers tatsächlich den alten McCown als Stamm-QB für die kommende Saison ansehen (das heißt noch nicht, dass er es werden wird). Auch der Vertragsumfang spricht zumindest nicht vehement dagegen.

Wie klug ist das?

Ich hörte von Greg Cosell in der Filmstunde von PhiladelphiaEagles.com sinngemäß folgende Worte über McCown in Chicago: Du musst bei McCown gut aufpassen. Das System, das Trestman in Chicago spielt, ist extrem strukturiert und extrem auf Präzision ausgelegt. Es ist ein Traum für einen Quarterback, weil es ihm für jede Situation eine Antwort gibt – und McCown hat das auch zugegeben. Du hast eigentlich mehr Antworten als Fragen, das kriegst du anderswo nicht.

Prinzipiell sagt man eine solche Offense auch dem Buccs-OffCoord Jeff Tedford nach, der auch alles danach auszurichten versucht, dem Quarterback eine möglichst schnelle Antwort zu geben – sodass dieser gar nicht erst großartig Plays auswendig lernen muss, sondern schnell überreißt was im Spielzug passiert. Das würde also zumindest philosophisch passen. Die Skill-Player in Tampa sind allerdings nach WR Vincent Jackson, RB Doug Martin und mit Abstrichen WR Mike Williams längst nicht die Kaliber, die McCown in Chicago hatte.

Und dann ist da die eine Frage, die sich durch die Advanced-Stats aufmacht: Sind McCowns Stats in Chicago auch unabhängig vom speziellen Spielsystem verlässlich?

McCown warf 2013/14 in insgesamt nur fünf Starts 224 Pässe, davon 149 complete (66.5% Completions) für 13 Touchdowns und sehr starke 7.63 NY/A. Seine Sack-Quote liegt mit 4.7% in etwa im Mittelfeld.

Aber: McCown warf nur eine einzige lächerliche Interception in 224 Versuchen. Das ist eine Quote von 0.44% oder anders gesagt: Sie ist nicht zu halten. Sie schreit geradezu nach Regression zur Mitte, und mal ernsthaft: Wie würden wir über McCown denken, hätte er nicht eine, sondern vielleicht zu erwartende sechs oder sieben Interceptions geworfen? Sechs Interceptions aus 224 Versuchen wären in etwa Liga-Durchschnitt und durchaus nicht so unrealistisch.

McCown hätte mich abgeschreckt. Er war zehn Jahre lang ein Wandervogel in der Liga, mit einigen Highlights (der sensationelle Last-Minute Pass 2003/04, der die Vikings in der allerletzten Sekunde der Saison aus den Playoffs schmiss, Bears 2013), aber es reichte letztlich nie zu mehr als einer Backup-Rolle. Sind fünf Spiele mit den Bears und ihrem großartigen Spielerpersonal genug um zehn Jahre McCown zu vergessen? Glaubt in Tampa wirklich jemand, McCown könne seine INT-Quote annähernd halten? Oder seine NY/A-Quote?

Die Chiefs hatten vor einigen Jahren ein ähnliches Problem: Es muss um 2006 herum gewesen sein, und ihr unbekannter Backup (es war entweder Brody Croyle oder Damon Huard) spielte sich in der Regular-Season in einen Rausch und machte etwas der Güteklasse 13 TD zu 1 INT in der Regular Season. Im Playoffspiel wurde der alte Starter Trent Green rangelassen, aber er floppte. In der Offseason entschieden die Chiefs, dem Backup mit der überragenden TD/INT-Quote in seinen 5-6 Einsätzen die Zukunft zu geben, was wenig überraschend in einem Fiasko und einer Saison mit Top-Draftpick Nähe führte.

Ich habe Angst vor McCown. Er klingt nach kurzfristiger Übergangslösung oder Absicherung für einen jungen QB wie ganz passabel, aber eine ernsthafte Lösung auch nur für zwei oder drei Jahre? Es wäre jedenfalls eine große Überraschung, sollte McCown heute in zwölf Monaten noch als ernsthafte Zukunftsoption in Tampa gelten. Ich hätte a) einen anderen Free-Agent QB vom Markt geholt und b) würde mich immer noch gezielt nach einer QB-Option im Draft 2014 umschauen.

Belichick und die Insel

CB Darrelle Revis unterschrieb in New England einen nicht alltäglichen Zweijahresvertrag über insgesamt theoretische 32 Mio. Dollar – aber praktisch ist es eher ein 12-Mio. Deal über ein Jahr. Dazu gleich mehr. Der Deal gestattet Revis zumindest bis auf weiteres, sich als bestbezahlter Cornerback auf Basis des durchschnittlichen Jahresgehalts (APY/average per year) zu bezeichnen – ein Titel, der Revis offensichtlich wichtig ist. Der Move ist ein extrem potenter.

Diese Offseason ist gekennzeichnet vom Versuch des Wettrüstens der Teams mit den „Großen Alten“ auf Quarterback – Denver mit Manning, New Orleans mit Brees und mit Abstrichen New England mit Brady – um a) zum einen die letzten produktiven Jahre ihrer Star-QBs zu nutzen und b) mit den Monsterteams in Seattle und San Francisco Schritt zu halten.

Die Patriots verweigern sich dabei, die großen und teuren – und deshalb riskanten – Langzeitverträge auszupacken. Der Move ist ein klassischer Belichick: Einem Superstar Superbedingungen bieten. Ihm gerade noch Marktwert bezahlen, ohne aber die großen Gelder und potenzielle mittelfristige Schäden in der Gehaltsstruktur seiner Mannschaft zu wagen.

Der Revis-Vertrag in New England ist so strukturiert wie es nur die Patriots sich trauen: Dauer zwei Jahre, 32 Mio. insgesamt mit 10 Mio. Handgeld. Praktisch sieht das so aus:

Der Revis-Deal in New England - Klick zum Original

Der Revis-Deal in New England – Klick zum Original

Revis erhält ein Handgeld von 10 Mio. Dollar (linear abgeschrieben auf zwei Jahre), ein Grundgehalt von 1,5 Mio. und einen Roster-Bonus von 33.333,33 US-Dollar für jeden seiner ersten 15 Einsätze im ersten Jahr – macht eine Cap-Zahl von maximal 7 Mio. fürs erste Jahr.

Das zweite Jahr – da musste kein Prophet sein – wird Revis nicht unter diesem Vertrag spielen: Sollte er zum Aprilscherzen aufgelegt sein und am 1.4.2015 noch im Kader stehen, erhält er nach derzeitiger Klausel einen Roster-Bonus von 12,5 Mio. Dollar; dazu gesellen sich 7,5 Mio. Dollar Grundgehalt plus die zweite Rate der Handgeld-Abschreibung für eine unreale Cap-Zahl von 25 Mio. Dollar.

Es ist also wahrscheinlich, dass Revis entweder in einem Jahr gecuttet wird oder der Vertrag überarbeitet wird.

Für die Patriots ist der Deal faktisch ein Einjahresvertrag über 12 Mio. Dollar, von dem im ersten Jahr 7 Mio angeschrieben werden, im zweiten 5 Mio., d.h. sie verteilen die Kosten auf zwei Jahre.

Für Revis ist erstmal finanziell ein Erfolg, weiterhin die höchste Summe unter seinen Positionskollegen einzustreichen, und mehr: Er verhindert auf alle Fälle, nächstes Jahr eine Franchise-Tag übergestülpt zu bekommen – und er bleibt mit theoretischen 16 Mio/Jahr einer der teuersten Abwehrspieler in der NFL. Revis wird in 12 Monaten auf alle Fälle in den Verhandlungen mit den Patriots (so es soweit kommt) am längeren Hebel sitzen – und im Falle einer Nicht-Einigung wird er 29jährig noch einmal als heiße Ware auf den Transfermarkt kommen.

Zum Sportlichen.

Belichick kriegt mit Revis eine lebende Cornerback-Legende. Einen Spieler, dem du, so erzählen es die Auguren, den gegnerischen Top-Receiver im Alleingang anvertrauen kannst, ohne zusätzlichen Safety oder besondere Coverage-Tricks. Bilder wie diese waren bei Jets-Spielen mit Revis Regel, nicht die Ausnahme (der Gegenspieler im Beispiel ist der anerkannt bockstarke Vincent Jackson) – ein Revis, der locker eine Hälfte der Spiefeldseite im Alleingang kontrolliert. Der Safety kann sich auf die Unterstützung der anderen Seite freuen. Das ist der Traum eines jeden Defensive Coordinators.

Revis vs Jackson: Wo steht der Safety?

Revis vs Jackson: Wo steht der Safety?

Revis vs Jackson (2): Der Safety! Jetzt steht er noch östlicher

Revis vs Jackson (2): Der Safety! Jetzt steht er noch östlicher

So wurde Revis Island geboren. Auch wenn Revis nicht mehr die Form der großen Jahre 2009-2010 haben sollte, als er teilweise selbst die Fitzgeralds und Johnsons ohne Umstände kalt stellte, so wird Belichick doch einen Weg finden, den gemeinhin als besten Manndecker anerkannten Revis bestmöglichst zu nutzen.

Belichick kriegt ihn für ein Geld, das mit der Salary-Cap in New England gerade noch vereinbar ist. Revis bleibt zumindest bis Sherman in Seattle und Peterson in Arizona ihre Verträge verlängern (beide sind bedeutend jünger!) der teuerste Cornerback der Liga, aber nicht mehr um 160%, sondern faktisch nur noch um 120%. Abschreiben kann es New England über zwei Jahre und hat somit noch genügend Freiraum um weitere Moves in dieser Free-Agency zu machen.

Erstmal steht noch ein internes Problem an: Die Vertragsgespräche mit DT Vince Wilfork laufen nicht gut. Es soll sogar soweit sein, dass Wilfork auf dem Free-Agent Markt landen könnte. Streitpunkt ist Wilforks Gehalt 2014/15, das 7.5 Mio betragen soll und 11.6 Mio gegen die Salary-Cap zählt. Wilfork ist 31 Lenze, kommt aus einer Saison mit Verletzung und war nun ein Jahrzehnt lang der große Ankermann in der Defensive Line der Patriots.


Der APY-Schnitt der 50 aktuell teuersten Cornerbacks zeigt übrigens auch schön die Mehrklassengesellschaft: Über allen thront noch immer Revis. Der Graph unten vergleicht den theoretischen Revis-Wert (und gleichzeitig den Vertragswert, den Revis in Tampa hatte) mit dem effektiven (gestreiftes Muster).

Dahinter kommt die 10 Mio/Jahr Klasse, die noch einmal gnadenlos aufzeigt, welch krasse Verträge die Herrschaften Shields und Davis da geschenkt bekamen.

Dann kommt die 8 Mio/Jahr Region mit einer Serie an bekannten, guten Namen. Recht deutlich darunter liegen überraschenderweise Jungs wie Alterraun Verner, dessen billiger Vertrag in Tampa schon erstaunlich ist, gemessen an dem Hype, der um Verner gemacht wurde:

Revis vs Rest der Liga (Klick zum Vergrößern)

Revis vs Rest der Liga (Klick zum Vergrößern)

Jairus Byrd: Kaufe jetzt, zahle später

Heute am Morgen diskutierte ich kurz an, wie die New Orleans Saints mit ihrer komplizierten Salary-Cap Situation Jairus Byrd unter Vertrag bekamen. Mittlerweile haben wir die entsprechenden Zahlen. Das in Sachen Transfermarkt unbezahlbare Blog Over The Cap listet die Zahlen für Byrd auf:

Der Byrd-Vertrag im Detail - klick mich zur Originalseite

Der Byrd-Vertrag im Detail – klick mich zur Originalseite

Die rohen Zahlen des Vertrags sind irreführend: 6 Jahre, 54 Mio. Dollar, ca. 28 Mio. guaranteed. Man fragte sich, wie dies mit der Cap der Saints vereinbar war.

Es ist wie heute am Morgen erwartet: Der guaranteed-Anteil am Gehalt kommt nicht allein vom Handgeld. Das Handgeld macht nur 11 Mio. Dollar aus, was zur Folge hat, dass nur die 11 Mio. linear auf die fünf Jahre abgeschrieben werden. Das heißt: Nur 2.2 Mio/Jahr an jährlichen Abschreibungen. Gepaart mit einem bewusst niedrigen Grundgehalt von 1.3 Mio. im ersten Jahr 2014 schreibt Byrd damit ganze 3.5 Mio. gegen die Salary-Cap 2014 an.

Die Retourkutsche kriegen die Saints in den nächsten Jahren – aber dann ist es ihnen womöglich wurscht. Ihre Cap-Situation 2015 und darüber hinaus ist etwas entspannter, und man kann sich die hohen Cap-Zahlen dann eher „leisten“. Und alles, was nach dem Karriereende von QB Drew Brees (voraussichtlich in 3-4 Jahren) passiert, kratzt eh niemanden. Cap-Hölle? Null problemo.

Das Handgeld ist also „nur“ 11 Mio. Aber im Vertrag sind anderen Klauseln „guaranteed“. Zum Beispiel das gesamte Grundgehalt von 2014. Dann der Roster-Bonus von 2015 – den wird Byrd kassieren, ob von den Saints (also praktisch ja) oder einem anderen Team, das seinen Vertrag übernimmt (praktisch wg. Dead money auszuschließen). Auch das Grundgehalt 2015 wird bei Byrd guaranteed, sofern er nicht vorher gecutted wird – was angesichts des dead moneys (siehe vorletzte Spalte) auszuschließen ist.

Selbiges gilt für 2016: Wird Byrd dann nicht vor den ersten Tagen des Liga-Jahres (also um Mitte März 2016) gecuttet, wird auch das Grundgehalt von 2016 guaranteed.

Wir haben also unter guaranteed: 11 Mio. Handgeld + 1.3 Mio. Grundgehalt 2014 + 6 Mio. Roster-Bonus 2015 + 2 Mio. Grundgehalt 2015 + 7.4 Mio. Grundgehalt 2016 = runde 27.7 Mio. Dollar (das korrespondiert mit den kolpotierten 28 Mio., die genannt wurden).

Wegen des Dead-Money kann Byrd wohl erst frühestens 2017 gecuttet werden, weil er zu jedem vorherigen Zeitpunkt über 6 Mio. an dead money anschreiben würde.

Das ist ein „all-in“ Vertrag: Den Spieler um jeden Preis für 2014 ins Team pressen, aber für morgen und übermorgen Probleme schaffen. Bloß: Übermorgen kommen mit dem Brees-Rücktritt eh die Schmerzen, weshalb also nicht den Schnitt vorbereiten und bis dahin die letzten 2-3 Jahre für einen letzten Titelansturm nutzen? Buy now, pay later.

Free-Agency 2014, Tag 2: Das Fenster bleibt offen

Tag 2 im Milliardengeschäft des NFL-Transfermarkts, und noch immer wartet eine Position darauf, den ersten Megavertrag zu bekommen: Running Back, die gute alte Nische der schnauzbärtigen NFL-Pundits, die uns weismachen wollen, dass der moderne Kram mit der passing league bloß eine Erfindug der Zahlenschieber ist. Fakt ist: Während für mittelmäßige Cornerbacks 10 Mio/Jahr ausgegeben werden um den Pass stoppen zu können, sah bisher genau ein einziger Running Back überhaupt 10 Millionen in der Free-Agency 2014: Toby Gerhart, der das allerdings über drei Jahre kassiert…

Dafür liefen die Verträge für Passrusher, Defensive Backs und Offensive Tackles heiß. Es wurden zwar keine rekordverdächtigen Summen ausgepackt, aber die schiere Masse an Verträgen um die 7-10 Mio/Jahr ist schon auffällig und hängt zwangsläufig mit der massiv angehobenen Salary-Cap 2014 zusammen.

Zum Markt bei den Defensive Backs kann ich noch nicht viel Gehaltvolles analysieren: Der auffälligste Deal war Jairus Byrd nach New Orleans, aber ich kenne dort noch keine wirklichen Vertragsdetails. Fakt ist: Die Saints befanden sich in einer schlechten Cap-Position, aber Byrd kassierte nach diversen Berichten zwar 28 Mio guaranteed, wovon aber erstmal nur 11 Mio. via Handgeld überwiesen wurden. Es könnte also durchaus sein, dass Byrd einen Vertrag bekam, der ihm relativ niedrige Kohle für 2014 gibt, und dann ab 2015 richtig ansteigt.

Der Cornerback-Markt ist durchaus interessant, nachdem CB Alterraun Verner für vergleichsweise moderate Kohle in Tampa unterschrieb. Wenig überraschend wurde kurz nach Verners Unterschrift dort eine Insel geflutet. Die Insel gibt es nun meistbietend zu ersteigern. Die Preiserwartung in der Erstausschreibung: Teuerste Insel ever. Mehr, wenn es soweit ist.


Auf dem Markt der Wide Receiver wartet derzeit noch alles gebannt darauf, in welchen Dimensionen sich der neue Vertrag von Eric Decker bewegen wird; in Deckers Schatten konnte ein Superbowl-Sieger schon seinen Multimillionenvertrag unterzeichnen: Golden Tate, für fünf Jahre nach Detroit. Vertragswert 31 Mio., bei 13 Mio. Handgeld.

Golden Tate ist ein kleiner, untersetzter Mann, dessen berühmtester Touchdown auch sein umstrittenster ist. Er kommt ursprünglich aus der Region um die Großen Seen und spielte bei Notre Dame College-Football. Eine Hometown-Hero. Als Superbowl-Sieger bringt er eine Portion Siegermentalität in den Locker-Room der Lions. Blabla.

Konzentrieren wir uns auf die Fakten: Die Lions brauchten dringend eine Ergänzung zu Calvin Johnson. Tate ist zumindest von der Idee eine solche. Kein Mann, der dir im Alleingang die Manndeckung bricht, keiner, der der Secondary mit einem Weltklassesprint auf und davon läuft, aber dass musst du neben Johnson nicht sein. Du musst „nur“ präzise den dir zugewiesenen Job erledigen und die Bälle, die du fangen musst, festhalten.

Tate machte in der Vergangenheit beides. Ich weiß nicht mehr wo ich es gelesen habe, aber angeblich hatte Tate in seinen bisherigen vier Profijahren ganze sechs Drops, und er gilt mit seiner Agilität als sehr flutschiger Spieler, nicht leicht zu greifen (17.6% seiner Yards machte er 2013 nach dem ersten Kontakt – ligaweit die #1). Ich weiß nicht, ob man für so einen Spieler 6 Mio/Jahr ausgeben muss, aber nachdem sich Detroit den Vertrag grade so leisten kann und es keine dringendere Schwachstelle gab – okay. Lasse ich gelten.

Ein weiteres Puzzleteil für die Offense. Ob es nun immer noch einen Wide Receiver im Draft gibt, bleibt abzuwarten, aber es wird unwahrscheinlicher.


Über die Denver Broncos und ihre Einkaufstour wurde schon auf den einschlägigen Online-Portalen geschrieben, dass die Finger bluteten. Tatsächlich machen die Moves der Broncos allergrößten Sinn: Du hast eine QB-Legende auf dem letzten oder vorletzten Halali, du hast eine machbare Conference, du hast eine, naja, okaye Mannschaft, und mit punktuellen Verstärkungen kannst du deine Titelhoffnungen am Leben erhalten. Und du hast Cap-Space. Die Broncos hatten über 30 Mio vor Start des Transfermarkts. Sie holten:

  • CB Aqib Talib für sechs Jahre, 57 Mio. Gesamtsumme und 26 Mio. Handgeld. Ein Vertrag, bei dem du eigentlich schlucken müsstest. Talib ist 28 oder 29 und ein wandelndes Verletzungsrisiko. Voll fit und motiviert galt er stets als sehr guter Spieler, aber er war meistens in seiner Vita eher einer, der für Kopfzerbrechen sorgte. Bekannt ist bei Talib seine jahrelange Marihuana-Abhängigkeit. Jetzt unterschreibt er in einem Staat, der Gras erst kürzlich legalisiert hat.
  • DE Demarcus Ware für drei Jahre, 30 Mio. bei 20 Mio. Handgeld. Ware war viele Jahre lang ein gefürchteter Passrusher in Denver. Ich war immer ein Fan von Ware, der sich von einem kleinen College hoch in die höchsten Sphären der NFL arbeitete. Ich werde nie vergessen, wie ich Dallas vor ein paar Jahren mal in einer Saison genau dreimal gesehen habe, und alle drei Mal zertrümmerte er alles, was sich ihm in den Weg stellte. Und er war ein kompletter Spieler.
    Er hatte ausgerechnet letztes Jahr sein bisher schwächstes Jahr, humpelte halb verletzt in einem nicht funktionierenden System in Dallas durch die Gegend. Das ist ein potenziell großartiger Move der Broncos: Sie kriegen einen noch immer guten zweiten Star-Passrusher neben dem „neuen Ware“, Von Miller, einen Spieler, der auch nicht in vier Jahren dreitausend Millionen an dead money anschreiben wird.
  • SS T.J. Ward für eine mir nicht genau bekannte Vertragssumme nach Denver. Ich hörte was von 7-8 Mio/Jahr für Ward, einen dieser aggressiven big hitter, die im Gegensatz zu einem Hitner auch Deckung spielen können. Ward gilt in erster Linie als Lauf-Safety, der sich am liebsten nahe der Anspiellinie aufhält – das kann Denver sehr gut gebrauchen.

Denver spart durch die Abgänge von Leuten wie dem alternden Champ Bailey oder DRC und Shaun Phillips auch Gehalt. Denver holt mit Talib, Ware und Ward drei potenzielle All-Pros in den Kader – und dieses Trio kostet in Summe nur grob geschätzte 8-10 Mio/Jahr mehr als die Vorgänger. Ich halte die Broncos-Moves für ein klares Upgrade. In einer eh schon schwachen Conference mit einem der besten Quarterbacks und noch immer Platz unter der Salary-Cap baut Denver seine Vorherrschaft auf dem Papier erstmal aus.

Jetzt noch Vince Young als Backup-QB und wir haben das Dream-Team II.

Free-Agency 2014, Stunde null

In 365 Tagen werden einige dieser Moves ganz schön mies aussehen. Trotzdem lohnt sich immer der Blick in die Hirnkästen der Funktionäre am ersten Tag der Free-Agency (Disclaimer: Stand des Artikels ist gestern Abend, 23h15 MEZ). Einer der auffälligsten Moves am ersten Tag des Transfermarkts 2014 war der Wechsel vom Left Tackle der Oakland Raiders, Jared Veldheer, zu den Arizona Cardinals. Der Move erstaunt aus mehreren Perspektiven:

  • Die Raiders: Ein Team mit unendlich viel Platz unter der Salary-Cap, aber GM McKenzie unternahm offenbar keinen ernsthaften Versuch, Veldheer zu halten.
  • Veldheer war einer der wenigen Spieler im Raiders-Kader, die eine akzeptable Kombination aus Alter (26 Lenze), Leistung (vor seiner Verletzung nur in 2% seiner Snaps mit einem QB-Pressure) und Reputation (Pro Bowler) boten.
  • Der Vertrag: Veldheer kostete die Cardinals „nur“ 35 Mio. Dollar für fünf Jahre (Handgeld ist mir nicht bekannt). Das ist bloß der 15t-teuerste Vertrag für Left-Tackles in der NFL nach der Metrik „Durchschnitt pro Jahr“ (APY) – kein perfektes Messmittel, aber nur um mal eine Hausnummer zu geben, kann man die schonmal verwenden.
  • Rodger Saffold: Kurz nach Veldheers Abgang gaben die Raiders bekannt, dass sie Rodger Saffold aus St Louis holen – einen Mann, der dort als Offense Tackle als gescheitert galt. Saffold wurde explizit als „Guard“ geholt, ist also nicht direkt als Veldheers Ersatz anzusehen, aber die Vertragskennzahlen sind doch erstaunlich: Saffold kriegt für fünf Jahre 42.5 Mio. Dollar, bei 21 Mio. Handgeld. Das ist der Vertragswert eines sehr guten Offense Tackles für einen unterdurchschnittlichen Offense Guard.

Crazy. Da lässt du einen offensichtlich sehr guten Mann ziehen und holst dir Minuten später einen offensichtlich riskanten Mann für sehr viel teureres Geld. Der Veldheer-Move ist aus Oakland-Sicht nicht so ganz nachvollziehbar.

Für den Spieler selbst dürfte es ein Upgrade sein: Er ist mit einem Mal in einer Mannschaft, die durchaus in Playoffnähe mitspielen dürfte – allerdings in einer hammerharten Division. Veldheer schließt aber in Arizona eine der eklatantesten Lücken über die letzten Jahre: Left-Tackle. Die Position, die die Cards so oft verbrannt hat. QB Carson Palmer, schon in Oakland Veldheers Teamkamerad, dürfte sich freuen wie ein Weinhamster.

Man denke da mal dran: Der letztes Jahr als Rookie gedraftete Jonathan Cooper und Veldheer dürften die Offense Line der Cardinals ab Sommer verstärken.

Eine andere Mannschaft bekam ihren Wunsch-Tackle für viel teureres Geld: Miami musste für die Dienste von LT Brandon Albert (kommt aus Kansas City) und seine fünf Jahre währende Unterschrift 46 Mio. Dollar und 25 Mio. Dollar Handgeld hinblättern. Albert dürfte sportlich in etwa in einer Kategorie mit Veldheer liegen – vielleicht einen Tick drunter – aber immerhin kriegt er jetzt den Arbeitsplatz, den ihm schon alle letztes Jahr prognostiziert hatten.

Und im Left-Tackle Zielschießen auch dabei: Eugene Monroe von Baltimore. Verlängert auch um fünf Jahre. Gesamtsumme: 37.5 Mio. Dollar.


Noch einmal Arizona Cardinals – Die Cards haben jedoch auch einen bekannten Abgang zu verkraften: LB Karlos Dansby ging nach Cleveland (4 Jahre, 24 Mio. Dollar/14 Mio. Handgeld). Dansby ist der Mann, der nicht mehr als jüngster Spieler unter der Sonne gilt, aber letztes Jahr eine echte Revitalisierung in Arizona erlebte. Dansby dürfte der direkte Nachfolger von D’Qwell Jackson in der Browns-Defense werden.

Jackson unterschrieb in Indianapolis für einen Vierjahresvertrag für 22 Millionen Dollar und 10.13 Mio. Handgeld. Das sind fast identische Zahlen für zwei Spieler, die nach allen erdenklichen Metriken leistungsmäßig eine Klasse auseinander liegen. Jacksons einziger Vorteil im „direkten Duell“ mit Dansby: Er ist zwei Jahre jünger.

Moral von der Geschicht: Die Colts haben ein Jahr „post Walden“ und nach dem mittleren Fiasko Trent Richardson noch nicht viel gelernt.


Darrelle Revis… als ich gestern schlafen ging, war Revis noch in Tampa unter Vertrag, aber er könnte durchaus mittlerweile schon gefeuert sein. Ich verstehe die Hintergründe und die Gedanken der Buccaneers: Revis passt als bester Manndecker unter der Sonne nicht wirklich in ein Abwehrschema, das zwar nicht ausschließlich, aber doch zu sehr großen Teilen, Zonendeckung spielt. Lovie Smith kommt aus diesem System, und er wird die meisten Ideen von dort einbauen. Was sich mir aber nur schwer erschließt: Ist ein System wirklich so unflexibel, dass man einen der drei, vier besten Abwehrspieler der Liga nicht integrieren kann?

Der andere Punkt: Revis kostet 16 Mio. gegen die Salary-Cap. Das ist fast Quarterback-Region für eine Position, auf der die nächst-teuersten Spieler – Leute wie CB Hall aus Cincinnati, CB Carr aus Dallas (!), CB Shields aus Green Bay (!!) oder CB Davis aus Indianapolis (!!!) – um die 9 bis 10 Mio./Jahr wert sind.

Revis ist damit 60% teurer als der nächstteuerste Cornerback. Das ist auch Wahnsinn, egal wie weit sich Revis vom Rest der Liga abhebt.

Auf der anderen Seite: Sind 16 Mio. für Revis so viel wahnsinniger als 10 Mio. für Davis oder Shields, die beide als relative Durchschnittsleute gelten? Oder ist es einfach diese Cornerback-mäßige „Ereigniskette“: Wenn ein Element bricht, ist die ganze Kette kaputt?

Cornerback ist im Gegensatz zu einem Passrusher ja viel mehr „Defense“, weil du nur relativ wenig „attackierst“, dafür umso mehr einfach nur abwehrst. Da ist es für Mannschaften u.U. ratsamer, vier durchschnittliche Spieler zu haben als einen Superstar, zwei okaye und eine Katastrophe. Ist das die Denke hinter 10 Mio. für Shields und Davis?


Ein möglicher Kandidat für die Dienste von Revis soll Cleveland sein. Ein Cornerback-Tandem mit Revis und dem aufstrebenden Joe Haden hätte Potenzial, der Legion-of-Boom in Seattle Konkurrenz zu machen. Die Historie zeigt allerdings: Trifft eine exzellente Offense auf eine Defense mit zwei exzellenten Cornerbacks, ist die Offense im Schnitt immer noch eher in der Lage, einen der beiden Cornerbacks auseinanderzunehmen.

Zumal die Browns sich auf der Safety-Position eklatant geschwächt haben: Von Ward (nach Denver) auf Donte Hitner – für mein Empfinden ein Downgrade wie von einem Reus auf einen Podolski, Weltklasse gegen eindimensionalen Durchschnitt mit Hau-Drauf-Mentalität.


Letzte Auffälligkeit: Atlanta Falcons. Die Moves der Falcons lassen darauf schließen, dass DefCoord Mike Nolan sich dort in Richtung 3-4 Defense bewegen möchte. Atlanta holte sich den massiv gebauten 150kg-Bolzen DE Tyson Jackson (5-technique) aus Kansas City. Jackson galt dort zwar als Bust, soll aber immerhin an Physis und Lauf-Defense zugelegt haben. Für eine derartig softe Abwehr-Front wie die von Atlanta dürfte Jacksons Physis ein Gewinn sein. Allerdings sind mir seine Vertragszahlen nicht bekannt.

Der andere DL-Move der Falcons ist Paul Soliai (5yrs, 33 Mio) aus Miami. Soliai wie Jackson gelten seit Jahren zumindest vom Körperbau als Prototypen für die 3-4 Abwehr. Was heißt das für die Gerüchte „Clowney nach Atlanta“?

Für die Schützengräben in der Offense tat Atlanta auch was: G Asamoah kommt aus Kansas City.


Und der Rausschmeißer: Jacksonvilles GM David Caldwell schaffte es, für Blaine Gabbert im Trade mit den 49ers einen 6th-Round Draftpick herauszuschlagen. Damit ist klar, wer eine Außenseiterchance zum NFL-Funktionär des Jahres hat.